zurück zu Literatur über die Sowjetunion

Ubaldo Buttafava

(Organisation für den Aufbau der Kommunistischen Partei des italienischen Proletariats)

 

Chruschtschows Thermidor

- ein Beitrag für eine kritische Analyse zur Rückkehr der UdSSR zum Kapitalismus

 

 

Quelle:

'Revolutionary Democracy', April 1997

(http://www.revolutionarydemocracy.org/rdv3n1.htm).

 

 

Aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt von G. v. Schnehen

 

 

Vorwort des Übersetzers

 

Nachdem William B. Bland in seinem epochalen Werk 'Die Restauration des Kapitalismus in der Sowjetunion' schon Ende der siebziger Jahre im Detail den Prozess der Wiederherstellung kapitalistischer Eigentumsverhältnisse in einer prinzipiellen marxistisch-leninistischen Analyse nachwies, kommt der Autor des folgenden Artikels aus 'Revolutionary Democracy' im Wesentlichen zu gleichen oder ähnlichen Ergebnissen: dass die Restauration des Kapitalismus in der damals noch sozialistischen Sowjetunion selbst ihre Ursachen hatte und nicht durch das 'Einschleusen' der Konterrevolution oder konterrevolutionären Gedankengutes, also durch einen Export der Konterrevolution vonstatten ging, wie dies von bestimmten Autoren, die sich antirevisionistisch nennen, behauptet wird - darunter Prof. Dr. Kurt Gossweiler.

 

Was Bland durch eine Analyse der ökonomischen Prozesse, die durch die sowjetische 'Wirtschaftsreform' von 1965 in Gang gesetzt wurden, gelang nachzuweisen, gelingt Buttafawa durch eine eher theoretisch angelegte Studie aufzuzeigen, wobei er das Schwergewicht des Restaurationsprozesses auf den anhaltenden Einfluss der bürgerlichen Ideologie in der sozialistischen Sowjetunion legt, die auch nachdem die ökonomische Basis der sowjetischen Bourgeoisie beseitigt war, weiter existierte, sich den neuen Machtverhältnissen geschickt anpassend eine 'linke' und oft 'besonders revolutionäre' Fassade zulegte und oft über ihre Protagonisten in Wissenschaft, Forschung und Kultur, in Staat und Partei und anderswo, und zwar in den höchsten Etagen, weiter ihren Einfluss geltend machte.

 

Buttafava zeigt auf, dass es nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nicht gelang, diesen bürgerlichen Einfluss, welcher selbstredend massiv vom imperialistischen Ausland gestärkt wurde, trotz bestimmter von der obersten Führung der Sowjetunion initiierter Kampagnen (z.B. auf dem Gebiet der Kultur, wenn man an die Antikosmopolitismus-Kampagne denkt) zurückzudrängen.

 

Was der Autor jedoch unberücksichtigt lässt, ist die Tatsache, dass die heimlichen Revisionisten in der Sowjetführung und in anderen Bereichen es hierbei nicht beließen, sondern ihre Strategie und Taktik besonders auf die Bereiche der Politik und Wirtschaft konzentrierten und auch vor konterrevolutionären Terror nicht zurückschreckten. Es ist inzwischen belegt, dass gerade jene Sowjetführer wie Stalin, Shdanow oder Berija, die einen energischen antirevisionistischen Kampf führten, um das sozialistische System in der Sowjetunion zu verteidigen, alle durch revisionistische Mordanschläge, die von der revisionistischen Konterrevolution organisiert worden waren, ums Leben kamen.

 

Das bedeutet, dass die sowjetische Konterrevolution nicht nur durch den weiter bestehenden Einfluss der bürgerlichen Ideologie, deren wichtigste Träger vom Autor benannt werden (Bogdanow, Trotzki, Bucharin, Radek, Wosnessenski u.a.) schließlich erfolgreich war, sondern durch ein kluges konspiratives und auf eine langfristige Strategie hin angelegtes Handeln, wobei sie die Niederlagen, die sie erlitten, wie die in den Jahren 1936-1938, gezielt auswerteten und aus ihnen Schlussfolgerungen für eine bessere Strategie zogen, so dass sie 1953 an die Macht gelangen konnten.

 

Die gute Organisation der konterrevolutionären Verschwörer, die gezielte Eroberung von hohen und wichtigen staatlichen Positionen durch eine geduldige Personalpolitik, ihre guten Kontakte zu militärischen und Geheimdienstkreisen und ihr entschlossenes Handeln im März 1953 und Ende Juni 1953 bei ihrem putschistischen Doppelschlag gegen den marxistisch-leninistischen Kern der Sowjetführung waren ausschlaggebend für die konterrevolutionäre Wende in der Sowjetunion, die die machtpolitischen Voraussetzungen für die Restauration des Kapitalismus in der UdSSR ein Jahrzehnt später schuf.

 

Andererseits waren die in der Sowjetführung verbliebenen Marxisten-Leninisten 1957 so schlecht organisiert, so konzeptionslos, dass es ihnen nicht gelang, eine Mehrheit im Politbüro für die Absetzung Chruschtschows und seiner Helfershelfer zu nutzen. Auch hier wieder gelang es den Chruschtschowianern, die während des Krieges ihre Kontakte zu revisionistischen und karrieristen Generälen ausgebaut und dort jahrelang die Ende der dreißiger Jahre zerschlagene Konterrevolution reorganisierten hatten, im gemeinsamen Vorgehen mit hohen Militärführern wie Shukow u.a. den letzten marxistisch-leninistischen Einfluss aus den führenden Organen der KPdSU, aus Politbüro und Zentralkomitee und aus dem Staatsapparat insgesamt zu eliminieren.

 

Die in der KPdSU in hohen Ämtern verbliebenen Marxisten-Leninisten wie Lazar Kaganowitsch oder Wjatscheslaw Molotow besaßen kein klares Programm zur Rettung des Sozialismus, waren selbst Opfer revisionistischer Einflüsse (wie ihre Beiträge auf dem revisionistischen 20. Parteitag zeigen), ließen sich gegeneinander ausspielen und verpassten so die Chance, das Steuer noch einmal herumzureißen, um den Sozialismus, aber besonders die Diktatur des Proletariats, in einem energischen Kampf gegen den Revisionismus auf allen Ebenen, zu retten.

 

Der Verfasser des folgenden Artikels leistet jedoch dennoch einen enorm wertvollen Beitrag für die Aufarbeitung der Ursachen für den Erfolg der sowjetischen Konterrevolution und der Ursachen für die Niederlage des Sozialismus insgesamt, indem er zeigt, dass der Kampf an der theoretischen und ideologischen Front auch und gerade im entwickelten Sozialismus nie vernachlässigt werden darf, denn auch hier spielt sich ein verschärfter Klassenkampf ab, der um so schärfere Formen annimmt, je weiter und erfolgreicher der Sozialismus zum Kommunismus voranschreitet.

 

Er zeigt damit aber auch indirekt, welch großes Gewicht neue marxistisch-leninistische Organisationen, wollen sie der durchdringenden Allgegenwart, aber auch der psychologischen Raffinesse und Vielseitigkeit der imperialistischen Ideologie gewachsen sein, auf die theoretische Schulung ihrer Mitglieder legen müssen, um die Ideologie des Marxismus-Leninismus vor schädlichen Einflüssen rein zu halten, und dass auch nur eine zeitweilige Vernachlässigung der ideologischen Arbeit in solchen Organisationen gesetzmäßig dazu führen muss, dass sie revisionistischen und damit bürgerlichen Einflüssen erliegen und zur Entartung verurteilt sind, womit sie zu einem stumpfen Schwert im Klassenkampf werden oder sogar zu einer nützlichen Agentur des Klassengegners.

 

 

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Lenin:

"Das Ziel einer siegreichen Revolution besteht darin, all das zu verwirklichen, was in einem Land verwirklicht werden kann, um die Revolution in allen Ländern zu nähren, zu unterstützen und zum Leben zu wecken."

 

Die Rückkehr zum Kapitalismus in der UdSSR - ein riesiges, drängendes und sehr reales Problem - unterlieg der Deutung, die von verschiedenen Klassen, politischen Parteien und Ideologien, ihren Interessen und Vorstellungen entsprechend vorgenommen werden. Für Kommunisten und die Kräfte des Wandels ist es wichtig, dieses Phänomen des Rückschritts zu begreifen, um künftigen Herausforderungen, die sich in einem fortgeschrittenen Stadium ergeben werden, gewachsen zu sein.

 

Wir werden in dieser Studie die Einschätzung unbeachtet lassen, die von der Bourgeoisie und reaktionären Elementen vorgenommen wird, aber auch die, welche in den Jahrzehnten nach Chruschtschow von der städtischen und ländlichen 'revolutionären' Kleinbourgeoisie, den Feinden des gesellschaftlichen Fortschritts und der Ideologie des Proletariats sowie von den Hauptverunglimpfern der heroischen Kämpfe der Arbeiterklasse, die letztendlich zum Kommunismus führen werden, vorgenommen wurde. Wir werden nicht den Versuch unternehmen, den Chruschtschowismus wieder aufleben zu lassen, genauso wenig, wie wir im Detail seine Theorien widerlegen wollen, die später von Gorbatschow so leidenschaftlich weitergeführt wurden, die die Schlussfolgerung nahelegen sollen, dass der Kommunismus eine Utopie bleiben muss.

 

Wir werden mit einer konkreten Tatsache beginnen, der wohl bezeichnendsten von allen: Die Bourgeoisie hat in der UdSSR seit Jahrzehnten die Macht innegehabt.

 

Die internationale kommunistische Bewegung hat in den letzten vierzig Jahren versucht zu erklären, weshalb der chruschtschowsche Thermidor (gemeint: die Konterrevolution der Chruschtschowianer, 'Thermidor' nach der im 11. Monat nach dem Revolutionskalender der Französischen Revolution stattgefundenen Konterrevolution der Girondisten in Frankreich, die den Revolutionär Robespierre von der Macht verdrängten - Übers.) überhaupt stattfinden konnte. Wie jedoch der Zusammenbruch des Sozialismus in China oder Albanien zeigt, erwiesen sich diese Erklärungsversuche als unbefriedigend.

 

Vor dem Hintergrund dieser negativen Erfahrungen haben wir versucht, eine detaillierte Überprüfung der theoretischen Debatten und der politischen (Klassen-)kämpfe in der UdSSR in der damaligen Zeit vorzunehmen. Unsere Schlussfolgerung lautet:

 

Der bügerliche Klassenkampf gegen die Diktatur des Proletariats erreichte seine höchste Form auf der theoretischen Ebene. Dies war die eigentliche 'Achillesferse' des Sozialismus als Übergangsphase.

 

Es ist zutreffend darauf hingewiesen worden, dass die Bürokratisierung ein Moment der Restauration (des Kapitalismus in der UdSSR - Übers.) gewesen ist. Diese Bürokratisierung ist jedoch nur ein Abfallprodukt bürgerlicher Entartung. Die Teilung zwischen körperlicher und geistiger Arbeit, die Verbreitung der bürgerlichen Ideologie in den Massen kann in einigen Fällen zum Rückschritt führen. Es gehört zu den Aufgaben des Sozialismus, mit diesem Problem fertig zu werden. Die Gefahren des Imperialismus sind häufig beschworen worden, aber ungeachtet dieser Hinweise waren die imperialistischen Einflüsse letztendlich dennoch erfolgreich.

 

Wir wissen, dass es zu den ersten Aufgaben einer Diktatur des Proletariats gehört, die wirtschaftliche Basis der Bourgeoisie - die Grundlage ihrer Existenz, auf der sie überleben kann - das Privateigentum an den Produktionsmitteln, zu vernichten.

 

Aber wo war die Bourgeoisie (nach der Enteignung der Produktionsmittel - Übers.)? Wie kann es sein, dass sie ohne eine ökonomische Basis weiter existierte? Worin besteht ihre Stärke und ihre potenzielle Gefahr? Wie gelang es ihr dennoch, die Macht im Herzen der Partei (gemeint an der Führungsspitze der KPdSU - Übers.) zu erobern?

 

Eines ist sicher: die 'berühmtesten' Vertreter der antisozialistischen Ideologie - Trotzki und Bucharin - waren keine 'Bürokraten', bezeichneten sich selbst als 'Kommunisten'. Dasselbe traf auf Chruschtschow und andere zu.

 

Wenn man Malenkows Bericht an den 19. Parteitag der Sowjetischen Kommunistischen Partei (1952) liest und wenn man an die 'Große Proletarische Kulturrevolution' denkt oder an den revolutionären Prozess in Albanien, dann stellt sich immer wieder das gleiche Problem: Die Gefahr der Restauration. Und die Fragen tauchen immer wieder von neuem auf: Wo war eigentlich die Bourgeoisie? Wo agierte sie und wie agierte sie?

 

Tatsache ist, dass die Bourgeoisie mit ihrer auf dem Eigentum basierenden Ideologie über Generationen hinweg auf dem Gebiet der Theorie, besonders aber auf dem Gebiet der Philosophie, weiter ihren Einfluss ausüben konnte.

 

Es war Lenin, der stets die Wichtigkeit des Kampfes gegen die kleinbürgerliche Ideologie betonte und darauf hinwies, dass der moderne Revisionismus ein Produkt des internationalen Imperialismus ist. Und auch wir sind der Ansicht, dass der Lösung des Würgegriffs, den die Bourgeoisie über die Theorie ausübt, eine erstrangige Bedeutung zukommt.

 

Schon seit der Gründung der Russischen Sozialdemokratischen Partei barg die Partei ständig Kräfte in sich (wie die Menschewiki), die der Auffassung waren, dass es in Russland nur nach der vollen Entfaltung des Kapitalismus eine sozialistische Periode geben könne. Was war dies anders als der Versuch der Bourgeoisie, ihre Macht zu sichern! Die gleiche Theorie wurde von Bogdanow, Trotzki und Bucharin unterstützt und wurde zur Grundlage für die Wirtschaftspolitik, die später von Jaroschenko und Chruschtschow und seinen Anhängern praktiziert wurde. Selbstverständlich besaß jeder von ihnen unterschiedliche politische Gründe dafür, aber alle vereinte die Überzeugung, dass sie 'Marxisten' seien, obwohl sie es, wie die Geschichte bewiesen hat, keineswegs waren.

 

Was lag ihren Ansichten zugrunde? Ihr theoretisches Fundament. Sie hatten die kommunistische Ideologie 'angenommen', waren jedoch Träger der alten Ideologie der Ausbeutung geblieben.

 

Wann traten die ersten Anzeichen der Schwäche der Sowjetischen Kommunistischen Partei angesichts der bürgerlichen Offensive zu Tage?

 

Wie allgemein bekannt ist, referierte Stalin auf dem Plenum des Zentralkomitees der Partei im März 1937 über eine ganze Reihe von Theorien zur Restauration des Kapitalismus. Sozialismus und Imperialismus seien miteinander in Wechselbeziehung stehende Phänomene, die sich gegenseitig beeinflussten, wobei der Imperialismus nicht nur ein äußerer Faktor sei. Der Klassenkrieg gegen die Bourgeoisie setze sich in der sozialistischen Phase fort, sogar auf verschärfte Weise und auch auf politischem und theoretischem Gebiet. Es sei möglich, dass der Sozialismus seine Fassade errichte, aber diese könne ihres Klassengehalts entleert sein.

 

Der Empirismus, der Idealismus, der Rationalismus, die Metaphysik usw. - jeder von ihnen agierte unter den unterschiedlichsten Umständen, aber jeder einzelne fördert den Kapitalismus. Ihre Apologeten waren, ob es ihnen bewusst war oder nicht, Agenten der Bourgeoisie, die unfähig waren, sich die Ideologie der Arbeiterklasse, den historischen und dialektischen Materialismus, anzueignen.

 

Die Geschichte lehrt uns, dass die proletarische Revolution dann siegreich ist, wenn die Arbeiterklasse sich die Vorherrschaft an der theoretischen Front gesichert hat und umgekehrt: Sie verliert ihre Macht, wenn sie ihre Hegemonie auf diesem Gebiet in der Partei einbüßt. Die Revolution geht einher mit einer Periode schärfster theoretischer Kämpfe und bringt ihre Theoretiker hervor, ihre Führer. Es kommt nicht von ungefähr, dass die Kleinbourgeoisie und die Klassenfeinde gerade gegen sie ihre Angriffe konzentrieren.

 

Wie wir weiter unten sehen werden, zielte die Kritik an Stalins 'Personenkult' direkt gegen die Theorie des Sozialismus. Es ist interessant, die Frage zu stellen, weshalb die Bourgeoisie so hartnäckig ihre Stellungen auf dem Gebiet der Theorie verteidigt: ihr Weltbild, ihr Bild von der Gesellschaft, ihr Denken, ihre Philosophie. Die Antwort liegt darin, dass sie sich durchaus bewusst ist, dass der Verlust ihrer theoretischen Vorherrschaft zu ihrem endgültigen Zusammenbruch führen muss. Und sie ist sich durchaus bewusst, dass die Metaphysik und der Idealismus sie mit Denkformen ausstattet, mit Gesetzen und Definitionen, die, wenn sie in Politik und Wirtschaft zur Anwendung kommen, die Revolution behindern und zur Restauration führen können. Die Geschichte der Klassen zeigt, wie verbissen sie deshalb ihre Ideale verteidigt.

 

Das Denken ist eine Bewegungsform der Materie, die zu einer enormen politischen Kraft werden kann, mitunter so greifbar und konkret, dass dadurch der Zustand der Verhältnisse geändert werden kann. Die Bourgeoisie ist sich darüber im Klaren, dass eine konterrevolutionäre Umgestaltung des Überbaus zu einer Änderung der ökonomischen Basis zu führen in der Lage ist.

 

Was das Prinzip des verschärften Klassenkampfes im Sozialismus angeht, so fand in dieser Frage ein erbitterter theoretischer Kampf statt (gemeint in der damaligen Sowjetunion, in der KPdSU - Übers.). Die Opposition führte ihn entschlossen und ausdauernd und Theorien wurden manipuliert. Es war Stalin, der während des Zweiten Weltkrieges so weit ging zu sagen:

 

"Ich weiß, dass nach meinem Tod ein Haufen von Müll über meinem Grab aufgeschichtet werden wird, aber der Wind der Geschichte wird ihn früher oder später wieder hinwegfegen. Aber ich glaube nicht, dass dies so schnell passieren wird. Es ist sogar sehr wahrscheinlich, dass fanatische Antikommunisten in diesem Land die Macht an sich reißen werden."

(Molotow in seinen Erinnerungen).

 

Der bürgerlichen Ideologie wird nicht etwa der Status eines bloßen akademischen Interesses zugewiesen. Sie wird im Klassenkampf auf dem wichtigen Gebiet der Ökonomie aktiv praktiziert.

 

Warum ist diese Ideologie auf dem Gebiet der Ökonomie und nicht auf dem der Physik, der Biologie oder in anderen Naturwissenschaften so besonders aktiv? Deshalb, weil die Bourgeoisie erkannt hat, dass ihre Ideen an der politischen und ökonomischen Front als Hindernisse und Abweichungen praktische Anwendung finden können.

 

Die Bourgeoisie stützt sich auf den Imperialismus und macht sich die Grenzen des Sozialismus zunutze; sie verbündet sich mit den Technokraten und dem Staatsapparat, in dem die Bürokratisierung Eingang gefunden hat. Die Bourgeoisie der Sowjetunion hat nie den Kampf gegen die Diktatur des Proletariats eingestellt: Sie wandte sich gegen die Erstürmung des Winterpalais (Kamenjew und Sinowjew); sie wandte sich gegen die Theorie vom Sozialismus in einem Lande (Trotzki); sie bezweifelte die Möglickeit, dass eine sozialistische Gesellschaft errichtet werden kann und sie zweifelt daran, dass der Nazifaschismus besiegt werden konnte (Radek, Bucharin) und setzte selbst dann noch den Kampf fort, als diese Vorstellungen ihrer Träger eine Niederlage erlitten hatten.

 

Die Säuberungen in den Jahren 1936-1938, der Sieg über den Nazifaschismus, die Schaffung eines sozialistischen Lagers und die großen Siege des Sozialismus in der UdSSR führten nicht zur Unterbrechung der oppositionellen Arbeit der Bourgeoisie: Sie führten lediglich zu einer Änderung ihrer Taktik und ihrer Form. Von Stalins Politik besiegt, maskierte sie sich als 'leninistisch' und manövrierte auf dem Gebiet der Theorie und im Herzen der proletarischen Diktatur, um die Macht zurückzugewinnnen.

 

Eine sorgfältige Analyse der theoretischen und politischen Debatten unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkrieges, in den Jahren 1945-1955 und danach, zeigt, dass es innerhalb der sowjetischen Partei zwei unterschiedliche Richtungen gab: die Stalins, die den Klassenkampf ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückte und die andere, die der politischen, ideologischen und moralischen 'Einheit' in der UdSSR den Vorrang einzuräumen vorgab.

 

Diese letzte Richtung betonte immer wieder den Druck, der vom Imperialismus ausgehe, die 'Existenz einer sich entwickelten Bürokratie' und 'ernste Mängel der proletarischen Demokratie'. Sie stellte sich der Tatsache entgegen, dass die Bewältigung des Klassenkriegs die wichtigste Voraussetzung für den Aufbau des Kommunismus ist. Die Theorien Stalins verschwanden nach und nach hinter einem Rauchvorhang und Leute, die von sich behaupteten, Stalinanhänger zu sein, maßen der Tatsache überdimensionale Bedeutung bei, dass die Partei wachsam sein müsse in der Frage der Kritik und des wahren Wesens der Ideologie, vom Klassenkampf war jedoch bei ihnen keine Rede mehr. Zu ihnen gehörten Wissenschaftler wie F. W. Konstantinow, K. W. Ostrowitjanow, M. M. Rosenthal oder Leute wie N. A. Wosnessenski oder L. D. Jaroschenko.

 

In seinem Bericht an den 19. Parteitag der KPdSU (1952) führte Georgi M. Malenkow aus:

 

"Die ideologische Arbeit gehört zu den Hauptaufgaben der Partei und die Unterschätzung ihrer Bedeutung kann den Interessen der Partei und des Staates wie wieder gutzumachenden Schaden zufügen. Wir dürfen nie vergessen, dass wenn der Einfluss der sozialistischen Ideologie geschwächt wird, die Wirkung die sein wird, dass der Einfluss der bürgerlichen Ideologie gestärkt wird.

 

Es gibt keine Klassenbasis, es kann keine Klassenbasis für die Vorherrschaft der bürgerlichen Ideologie in unserer sowjetischen Gesellschaft geben. Es ist die sozialistische Ideologie, die in unserem Land vorherrscht und der Marxismus-Leninismus stellt ihr unzerstörbares Fundament dar. Aber es gibt bei uns immer noch Überreste der bürgerlichen Ideologie, Relikte der Eigentumsmentalität. Diese Relikte sterben nicht von selbst aus; sie sind zäh und es kann sogar sein, dass sie wieder an Einfluss gewinnen und deshalb muss ein entschlossener Kampf gegen sie geführt werden. ... Fremde Elemente, die Überreste von antileninistischen Gruppen, die von der Partei zerschlagen wurden, werden versuchen, ... alle möglichen Spielarten von unmarxistischen 'Ansichten' und 'Auffassungen' zu verbreiten."

(Georgi M. Malenkow, Bericht an den 19. Parteitag über die Arbeit des Zentralkomitees der KPdSU, B, Moskau 1952, S. 126f).

 

Drei Monate nach Stalins Tod erschien in der 8. Nummer des theoretischen Journals 'Kommunist' ein längerer Artikel, in dem zahlreiche Lenin- und Stalinzitate gegen 'reaktionäre Theorien' ins Feld geführt wurden und in dem die Rolle von 'Persönlichkeiten' für den Gang der Geschichte unterstrichen wurde. Er wandte sich gegen den 'Personenkult' - ein Konzept, das stets von Marx, Engels, Lenin und Stalin abgelehnt wurde, was also sehr lobenswert war. Jedoch musste man sich fragen, welche Absicht hinter dem Artikel stand: Bestand sie darin, dem Bürokratismus, der sich hinter Stalin verborgen hielt, ein Ende zu machen oder war es etwas ganz anderes? Es war tatsächlich etwas ganz anderes, denn es hieß in dem Artikel weiter:

 

"Nach dem gegenwärtigen Zustand unserer Gesellschaft, in der es keine Klassenfeinde mehr gibt und die moralisch und politisch geeint ist, existiert keine Grundlage mehr für Abweichungen in der Partei."

 

Hier liegt der Kern der Kritik an Stalins Auffassungen. Hunderte anderer Artikel, die auf der gleichen Linie lagen, folgten und endeten schließlich in Chruschtschows 'Geheimbericht' auf dem 20. Parteitag, der sich massiv gegen Stalin richtete. Der vollständige Verrat am Sozialismus und Marxismus-Leninismus begann mit den 'Theorien' vom 'Staat und der Partei des ganzen Volkes' und dem 'friedlichen Übergang zum Sozialismus'.

 

Auch in den 'Grundlagen der marxistischen Philosophie', die von den einstigen 'Stalinanhängern' Konstantinow und Rosenthal verfasst wurden, gelangte man zu folgender Schlussfolgerung:

 

"Diese grundlegenden Unterschiede (d.h. zwischen der ersten Phase des Sozialismus und einer angeblich zweiten, die durch soziale, politische und ideologische Einheit gekennzeichnet sei - Verf.) wurden von Stalin ignoriert, der behauptet hatte, dass sich der Klassenkampf in dem Maße verschärft wie die Kräfte des Sozialismus zunehmen. Diese Theorie, die mit dem Marixismus nicht in Einklang zu bringen ist und ihm widerspricht, fügte dem Aufbau des Sozialismus ernsthaften Schaden zu. ... Es gibt im Lande keine Basis mehr für einen Klassenkampf..."

 

Die Trennlinie zwischen Stalins Auffassungen und denen seiner Nachfolger ist nur allzu deutlich. Ein paar Monate vor seinem Tod schrieb Stalin:

 

"Es stimmt nicht, ... dass die Produktion, d.h. die Produktionsverhältnisse, ihre unabhängige Rolle im Sozialismus einbüßen. Der Marxismus betrachtet die gesellschaftliche Produktion als ein geschlossenes Ganzes, welches zwei untrennbar miteinander verbundene Seiten aufweist: die produktiven Kräfte der Gesellschaft ... und die Produktionsverhältnisse..."

(J. W. Stalin, 'Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR', Peking 1976, S. 64).

 

"Genosse Jaroschenko geht fehl, wenn er behauptet, dass es keinen Widerspruch zwischen den Produktionsverhältnissen und den Produktivkräften im Sozialismus mehr gibt. .. Es gibt ihn und es gibt Widersprüche. Aber unter der Voraussetzung, dass die leitenden Organe eine richtige Politik verfolgen, können sich diese Widersprüche nicht zu unversöhnlichen Gegensätzen weiter entwickeln und für diesen Fall braucht man nicht die Befürchtung zu haben, dass es zu einem Konflikt zwischen den Produktionsverhältnissen (gemeint die Eigentumsverhältnisse im Sozialismus, in dem es noch genossenschaftliches Eigentum an den Produktionsmitteln gibt - Übers.) und den Produktivkräften der Gesellschaft kommt. Ganz anders gestaltet sich die Sache aber, wenn wir eine falsche Politik verfolgen, nach Art derjenigen, die uns Genosse Jaroschenko empfiehlt. In diesem Fall wäre der Konflikt unvermeidlich und unsere Produktionsverhältnisse könnten zu einem ernten Hindernis für die weitere Entwicklung der Produktivkräfte führen."

(Ebd., S. 69).

 

"Es wäre eine unverzeihliche Blindheit, die Augen davor zu verschließen, dass diese Faktoren bereits dabei sind, die mächtige Entwicklung unserer produktiven Kräfte zu behindern. ..."

(Ebd., S. 70).

 

Stalins Meisterwerk kann als wichtigster Beitrag für die künftige Entwicklung der revolutionären Theorie und Praxis betrachtet werden.

 

Stalin war sich durchaus bewusst, dass es Klassenfeinde gab, die aktiv damit beschäftigt waren, den Überbau zu manipulieren. Er wies deutlich auf das Weiterbestehen der Denkrichtung hin, die Bogdanow mit Bucharin und diesen mit Jaroschenko verband.

 

Die Kritik, die von unserer Bewegung gegen den modernen Revisionismus vorgebracht wurde, konzentrierte sich auf die Ideen der Nachfolger Stalins. Von einer wirkungsvollen Anwendung der stalinschen Theorie konnte fortan keine Rede mehr sein und dort, wo sie stattfand wie in Albanien oder China war sie oberflächlicher Natur und entartete in eine nationalistische, subjektivistische oder anarchistische Richtung (sogar in Albanien vertrat die Partei der Arbeit Albaniens unter Führung Enver Hoxhas den Gedanken vom 'Staat des ganzen Volkes' - Übers.).

 

Aus diesen Gründen tragen die Kommunisten die Verantwortung für dieses Versagen. Sie konnten keine geeigneten Analysen für das, was sich ereignete, liefern und waren nicht in der Lage, die Behauptung zu widerlegen, dass der Sozialismus in einem einzelnen Land unmöglich sei oder dass die Niederlage des Sozialismus ihre Ursache in dem 'stalinistischen Modell' gehabt habe. Deshalb wird hier behauptet, dass die Theorie (gemeint die 'marxistisch-leninistische' - Übers.) dem Druck des Imperialismus nicht gewachsen war.

 

Chruschtschow nutzte seine Angriffe gegen Stalin, um eine Rückkehr zu seinen Theorien zu verhindern; die heutigen Kritiker Stalins richten ihre Kritik direkt gegen Lenin.

 

Tatsächlich besteht auf unserer Seite die Schwierigkeit, die historische und materialistische Dialektik konsequent anzuwenden. In dieser Beziehung sind die Erinnerungen von Lazar Kaganowitsch und Wjatscheslaw Molotol besonders aufschlussreich. Vier Jahrzehnte des Revisionismus haben Verwirrung gestiftet und dazu geführt, dass es zu ernsten Verzögerungen bei der Entwicklung der philosophischen und ökonomischen Theorien kommen konnte.

 

Die kommunistische Bewegung ist historisch gesehen noch jung und unsere Hauptaufgabe besteht darin, eine Revolution des Denkens herbeizuführen, um die bürgerlich kulturelle Vorherrschaft abzulösen.

 

Vielleicht haben wir die Schnelligkeit der Veränderungen, die zur Schaffung eines sozialistischen Menschen führen, überschätzt - Veränderungen, die tatsächlich viel langsamer voranschreiten als der Wandel der ökonomischen Struktur. Hinzukommt, dass nationalistische Momente, die sich mit den kommunistischen Bewegungen bei den großen Revolutionen verbanden, schließlich wegen des starken Einflusses kleinbürgerlich-revolutionärer Tendenzen die Oberhand gewinnen konnten. Sie siegten letzten Endes über die proletarischen Ideen, über den Leninismus.

 

Es ist wichtig, bei der Tatsache zu verweilen, dass sich die wichtigsten Waffenbrüder Lenins und Stalins als die Hauptföderer der Restauration erwiesen: Zum Beispiel schloss Chruschtschow zwischen dem 20. und dem 22. Parteitag der sowjetischen Partei mehr als anderthalb Millionen Kader aus der Partei aus.

 

Die objektiven Grenzen einer Revolution - z.B. das Vorhandensein einer breiten Masse von Kleineigentümern in Form von Kleinbauern, eine kleine städtische Bourgeoisie, die Überlegenheit der 'geistigen' Tätigkeit über die 'körperliche', die weitverbreitete Ausbeutungsideologie aus früheren Gesellschaften sowie das grausame Wirken der Konterrevolution, stellen ernste Hindernisse auf dem Weg zum Sozialismus und Kommunismus dar. Der entscheidende Faktor ist die Existenz einer Partei, die in der Lage ist, die Arbeiterklasse durch ein unerforschtes Terrain zur Revolution zu führen. Diese Partei muss nicht nur mit den bürgerlichen Eigentumsverhältnissen Schluss machen, sondern muss auch in der Lage sein, die riesige theoretische Hinterlassenschaft an bürgelicher Ideologie zu überwinden. Die Bourgeoisie besitzt das Potenzial, sich in der sozialistischen Gesellschaft zu regenerieren, und dies war der Grund, weshalb Stalin unablässig die Bedeutung des Klassenkampfes als grundlegenden Faktor im Kampf für den Sozialismus an der ökonomischen und ideologischen Front betont hat.

 

Die Konterrevolution setzte an der Spitze an, indem sie dort die theoretischen, ideologischen und politischen Konzepte von Bogdanow und Bucharin (in pseudo-marxistische Phrasen verkleidet - Übers.) weiter verfolgte. Die neue Bourgeoisie gewann an der ökonomischen Basis die Kontrolle durch Chruschtschows Politik der Planung und Leitung der Produktionsmittel und die der Verteilung.

 

Die Theorien von Bogdanow, Trotzki, Bucharin, Jaroschenko und Chruschtschow - ihre positivistische, rationalistische und von daher idealistische und antidialektische Natur - führte zu Chaos, Stagnation und Restauration. Dogmen wie die, dass der Klassenkrieg beendet und dass das staatliche Eigentum schon mit Sozialismus gleichzusetzen sei, führten in der UdSSR zu der Annahme, dass keine bürgerlichen Eigentumsverhältnisse mehr existieren könnten. Die Form wurde als Inhalt angesehen und nichts wurde über die tatsächlichen ökonomischen Verhältnisse gesagt, die das Wesen eines sozialistischen Regimes ausmachen.

 

Und so gelangte die Bourgeoisie an die Macht zurück. Bucharin hierzu bei seinem Prozess:

 

"Wenn man zusammenfassen könnte, woraus mein 'Programm' bestand, dann war es Folgendes:

 

Staatskapitalismus, die Zurücknahme der Kollektivierung, Konzessionen ans Ausland (das Erteilen von Genehmigungen für Kapitalinvestitionen in der UdSSR - Übers.), die Aufgabe des Außenhandelsmonopols, kurz: die Wiederherstellung des Kapitalismus in unserem Land. ... Unser Programm war schlicht und einfach das Vorspiel für die bürgerlich liberale Demokratie."

 

Die Schlussfolgerung ist die, dass es objektive Gründe dafür gibt, dass der Revisionismus in einer sozialistischen Gesellschaft möglich ist und dass das Vorhandensein subjektiver Faktoren diese Möglichkeit zu einer Wirklichkeit werden lassen kann.

 

Aber diese subjektiven Faktoren bestehen auch in dem Vermögen der Partei und ihrer Führer, revisionistische Abweichungen zu identifizieren, zu durchschauen und auf sie dementsprechend zu reagieren. Mit anderen Worten: An vorderster Front der Ideologie zu stehen.

 

In revolutionären Erfahrungen in diesem Jahrhundert haben gezeigt, dass es ein starke Präsenz einer kleinbürgerlichen Ideologie als Gegenstück zum Leninismus gegeben hat. Der Leninismus stand in der UdSSR ständig unter Beschuss.

 

Das Proletariat war in der Vergangenheit stets von der Kleinproduktion, die Kapitalismus und Bourgeoisie hervorbringt, umgeben und wird es in Zukunft auch sein. Es muss stets mit der Gefahr rechnen, dass das Kleinbürgertum und mit ihr die Arbeiteraristokratie sich an die Spitze der Arbeiterkämpfe stellt, um es kontrollieren zu können. Aus eben diesem Grunde muss die Arbeiterklasse alle sozialen Beziehungen, die der kapitalistischen Produktion entsprechen, auflösen, um

 

"alle Vorstellungen zu untergraben, die sich aus diesen sozialen Verhältnissen ergeben."

(Karl Marx, 'Bürgerkrieg in Frankreich').

 

Dank Lenin und Stalin war das Proletariat siegreich. Durch den Titoismus, den Chruschtschowismus, den Maoismus usw. wurde unsere Bewegung besiegt. Das sind die Tatsachen.

 

Wir haben schon erwähnt, wie die Bourgeoisie ihre Angriffe besonders auf das Gebiet der Wirtschaftstheorie konzentriet und wie Stalins oben erwähntes Werk uns eine grundlegende Richtschnur dafür liefert, wie die Bourgeoisie arbeitet, um die revolutionäre Dialektik abzublocken und den revolutionären Prozess aufzuhalten. Sie betont die Metaphysik (nach marxistischem Verständnis diejenige Denkweise, die die Erscheinungen in ihrer Vereinzelung und in ihrem Zustand sieht, statt in ihren Zusammenhängen und in ihrer Entwicklung, also die der Dialektik entgegengesetzte Denkweise - Übers.), um den Idealismus und den Subjektivismus in die Politik wieder einzuführen.

 

In diesem Zusammenhang ist es interessant, sich mit der Debatte über das Lehrbuch zur Politischen Ökonomie zu beschäftigen.

 

Dies war keine rein akademische Debatte, sondern eine weichenstellende Diskussion über die Zukunft des Sozialismus in der UdSSR. Wir müssen in jedem Fall Engels Ansichten als Ausgangspunkt nehmen, der der Meinung war, dass die ökonomische Struktur die Basis darstellt, den Quellfluss einer jeden Gesellschaft, der aber auch meinte, dass der Überbau eine wichtige Rolle in den historischen Prozessen spielt.

 

Die Bourgeoisie, die Feindin des Sozialismus, verhinderte den Aufbau des Kommunismus in der UdSSR, einen Prozess, der von 1941 an (in allerhöchstens 15 Jahren) abgeschlossen werden sollte. Sie agierte innerhalb der Partei (der KPDSU - Übers.), betonte, dass man keine Revolution mehr benötige, dass der Sozialismus sich spontan zum Kommunismus entwickele - einzig und allein aufgrund des Wachstums der Produktivkräfte. Die Theorie von den Produktivkräften war bereits als idealistischer Opportunismus in der Zweiten Internationale vorhanden gewesen - ein Ableger des Positivismus.

 

Der Positivismus verneint die dialektischen und gesellschaftlichen Widersprüche und verneint deshalb auch die Gesetze der revolutionären Umgestaltung. Trotzki und Bucharin waren zwei 'klassische' Beispiele positivistischen Denkens. Diese Strömung des bürgerlichen Denkens untersucht nicht wirklich die tatsächlichen Entwicklungsprozesse - siehe Trotzkis Theorie von der Weltrevolution, bei der der Wille sich der Realität bemächtigt oder siehe Bucharin, der davon ausging, dass mit dem Sozialismus die (marxistisch-leninistische - Übers.) Wirtschaftspolitik an ihr Ende gelangt sei und dass von nun an jede beliebige Politik verfolgt werden könne, ohne dass dem Aufbau des Sozialismus oder des Kommunismus irgendein Schaden daraus entstehen würde. Bei seinem Prozess (1938 in Moskau - Übers.) schilderte er selbst, welche Folgen die Verwirklichung solcher Ansichten gehabt hätten.

 

Aber seine Theorien wurden von anderen aufgegriffen und sollten dann unter Chruschtschow ihre Wirkung entfalten. Chruschtschow wurde später von seinen eigenen Genossen allein für das politische und wirtschaftliche Chaos, das die UdSSR verschlingen sollte, verantwortlich gemacht.

 

Was Stalin durchschaute, war, dass Bucharins Anhänger nicht nur die Gesetze der sozialistischen Ökonomie verneinten, sondern, indem sie dies taten, bürgerlichen ökonomischen Kategorien und Theorien zum Durchbruch verhelfen wollten, während sie gleichzeitig argumentierten, dass diese mit der Zeit neue 'sozialistische' ökonomische Gesetze und so den 'Kommunismus' hervorbringen würden (Mit den angeblich ökonomischen Gesetzen des Sozialismus, auf denen die 'Wirtschaftsreformer' ständig herumritten, waren die ökonomischen Gesetze und Kategorien des Kapitalismus wie das Wertgesetz, Kategorien wie Gewinn, Zins, Kredit ... gemeint - Übers.).

 

Hier liegt das eigentliche Problem. Aus dieser Quelle bezog der Chruschtschowismus sein Ideengut. Die Taktik der Bourgeoisie war einfach: sich hinter 'links'radikalen Ideen verstecken, um so nicht als bürgerliche Opportunisten identifiziert werden zu können, um danach befreiter hinter einer 'kommunistischen' Fassade agieren zu können.

 

Die große Debatte, die in der UdSSR vor und nach dem 19. Parteitag der sowjetischen Partei stattfand, rankte sich um Stalins Schrift 'Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR'. Die stalinische Offensive fand nun an allen Fronten statt: an der der Philosophie, der politischen Ökonomie, der Gesetzmäßigkeiten, der Geschichte..., aber von Beginn an zeigte sich auch hier die Vitalität der bürgerichen Ideologie. Stalins Tod und die Schwächung in der Parteiführung ließen die Hauptschwächen der bolschewistischen Revolution deutlich zu Tage treten.

 

35 Jahre innere und äußere Konflikte und die übermenschlichen Anstrengungen, eine kulturelle und materielle Basis für den Sozialismus zu schaffen, politische Machtkämpfe - all dies zeigte, dass der Marxismus-Leninismus keineswegs fest im Sattel saß. Im entscheidenden Moment, als der entscheidende Vorstoß zum Kommunismus eine Möglichkeit wurde, begann die Bourgeoisie eine weitere Offensive, ähnlich wie dies Stalin vorausgesagt hatte.

 

Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass die Hauptschwäche in der Führung der sowjetischen Partei in der Annahme bestand, dass theoretische und politische Abweichungen schon allein dank der Entwicklung der sowjetischen Gesellschaft von selbst besiegt werden würden. Die Abweichungen wurden als ernste Gefahr gesehen und auch kritisiert, was jedoch nicht vorhergesehen wurde, war, dass diese zu einer politischen Kraft werden und die politische Macht ansichreißen würden. Obwohl es keinerlei historische Erfahrungen gab, waren Stalins Warnungen nur allzu deutlich. Der harte Kern der Anhänger Stalins blieb in der (Partei - Übers.) in der Minderheit. Die antileninistischen Tendenzen waren scbon in den 30iger Jahren eine Realität gewesen. Bucharin versuchte, sowohl Lenins als auch Stalins Positionen innerhalb der Partei aufzuweichen.

 

Die sozialistische Revolution sah sich einem potenten Widersacher gegenüber: den Ideen der alten Gesellschaft. Das traf besonders auf eine Nation wie die der UdSSR zu, wo der Feudalismus noch eine junge Erfahrung und die Intelligenz noch schwach und rückständig war.

 

Mit dem Idealismus wird das, was objektiv ist, in Subjektives verwandelt (und umgekehrt), womit das materialistische Prinzip abgeschafft wird. In verschiedenen Zweigen der Wissenschaft nahm man an, dass objektive Gesetze sich aus dem Bewusstsein heraus ableiten lassen. Viele hatten Schwierigkeiten, die Erscheinungen der Realität zu unterscheiden, so dass man zu der Annahme gelangte, dass die Bourgeoisie in der sozialistischen Phase nicht mehr handlungsfähig sei.

 

Diesen Vorstellungen liegt die Annahme zugrunde, dass man Gesetze und Kategorien beliebig verändern kann. Es entwickelte sich ein Fomalismus, der es verhinderte, dass die eigentlichen Merkmale der sich entwickelnden (sozialistischen - Übers.) Gesellschaft nicht untersucht wurden. Stalins Hinweis, dass das Alte das Neue der Form nach übernimmt (aber seinen Inhalt beibehält - Übers.) wurde in den Wind geschlagen, genauso wie seine Warnung, dass in der politischen Ökonomie

 

" ... die neuen Eigentumsverhältnisse jene Faktoren darstellen, die entscheidend dür die Weiterentwicklung der Produktivkräfte sind. Dies ist ein grundlegendes Prinzip des marxistischen dialektischen Materialismus."

(J.W. Stalin).

 

Irrtümer und das Auf-die-leichte-Schulter-Nehmen von Lenins Hinweisen führte zu dem ökonomischen Abenteurertum von Leuten wie L.D. Jaroschenko und zu dem 'Vorrang der bürgerlichen Ideologie über die marxistische' (Stalin).

 

Tatsächlich führte der subjektive Idealismus, der das objektiv Vorhandene mit dem Spontanen verwechselt, zur Gleichsetzung zwischen Kapitalismus und Sozialismus, was der revolutionären Sache nachhaltigen Schaden zugefügt hat. Unter Chruschtschow erreichte diese Richtung ihren Höhepunkt und das Ergebnis war theoretisches Chaos. Forschung und philosophische Untersuchungen verknöcherten. In der politischen Ökonomie führte die Trennung von Philosophie und Ökonomie zur Metaphysik, zu der Vorstellung also, dass es eine direkte Entsprechung von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen (Eigentumsverhältnissen - Übers.) gäbe.

 

Dies führte zu der Theorie, wonach das Wertgesetz die Produktion und die Verteilung der Arbeit (im Sozialismus - Übers.) regiere. Dies führte desweiteren zu der Theorie, dass die Arbeitskraft (auch im Sozialismus - Übers.) eine Ware sei (Merzenew und Mikalenko), dass das Kapital seinen Platz in der sozialistischen Wirtschaft habe (Jakowlew) oder dass die Profitrate (auch im Sozialismus - Übers.) zu existieren habe, usw.

 

Die Verbreitung dieser Theorien - besonders in den Jahren 1945-1952, wurde kritisiert (besonders 1952-1953), jedoch herrschte weiterhin die Annahme vor, dass es keinen nennenswerten Widerstand oder keine Opposition zum Sozialismus mehr geben könne. Dies war der eigentliche strategische Fehler!

 

Die ideologische Offensive der Bourgeoisie machte sich in anderen wissenschaftlichen Disziplinen, den Rechtswissenschaften (Poljanski, Strogowitsch..), in der Geschichtswissenschaft (Pokrowski..) oder sogar in der Archäologie (Marra..) und anderswo bemerkbar.

 

Unsere Gegner, besonders die Trotzkisten, täuschen sich, wenn sie daraus den Schluss ziehen, dass der Sozialismus besiegt und der Kommunismus erreicht wurde, weil man sich nicht an ein vorgefasstes Modell hielt. Marx, Engels und Lenin dachten nicht im Traum daran, ein solches Modell vorzuschreiben, weil dies eine Hinwendung zum utopischen Sozialismus, der eine ähnliche Gedankenrichtung vertritt, bedeutet hätte.

 

"Bei Marx gibt es keine Versuche, Utopien zu schaffen."

(Lenin-Werke, Band 25).

 

Um zur Ökonomie zurückzukehren.

 

Die Debatte, die sich besonders in den Kriegsjahren entwickelte, welche aufmerksam in US-amerikanischen Fachzeitschriften verfolgt wurde, kreiste um die bürgerliche Theorie des 'Marktsozialismus', eine Debatte, die heute (Stand 1997 - Übers.) überall in China geführt wird. Das 1954 veröffentlichte Lehrbuch zur Politischen Ökonomie schlug Stalins wichtigste Prinzipien schon in den Wind: die Theorie der Produktionsverhältnisse und das Prinzip des allmählichen Produktenaustausches. An der Warenproduktion (im Sozialismus - Übers.) sollte festgehalten werden.

 

In den Monaten zwischen Stalins Tod und August 1954 wurde die Theorie Jaroschenkos, der die Theorien Bucharins und Preobraschenskis aus den Jahren 1925-1926 fortführte, zur vorherrschenden Theorie - eine Theorie, die darin bestand, dass Wert, Warenaustausch, Kredit, Geld usw. in einer sozialistischen Gesellschaft angeblich einen anderen Charakter annehmen würden und deshalb auch bedenkenlos übernommen werden könnten, ohne den sozialistischen Grundlagen zu schaden.

 

Schon im Mai 1953 (zwei Monate nach Stalins Tod - Übers.) wurde die Geldzirkulation wieder ausgeweitet und sogar schon davor, nämlich im April, wurde die Rolle der zentralen Planung ('Gosplan') drastisch eingeschränkt, als den Industrieministerien größere Vollmachten eingeräumt wurden. Das Plenum des Zentralkomitees der KPdSU gestattete schon im September 1953 den Kolchosen, dass für die Produkte, die an den Staat abzuführen waren, höhere Preise festgesetzt werden durften. Die Zahl der Waren, die abgeliefert werden mussten, wurde verringert und die Kolchosen im Allgemeinen spielten im Plan nicht mehr eine so große Rolle wie vorher.

 

Der Druck der bürgerlichen Ideologie auf die ökonomische Theorie, der sich bereits zu Stalins Lebzeiten abgezeichnet hatte, verstärkte sich noch nach seinem Tod: Im Mai 1953 wurde beschlossen, den Sowjethandel auszuweiten, die Vollmachten der Betriebsdirektoren auszudehnen, so dass ihre Rolle und Machtposition in der Wirtschaft und über die Belegschaften bestimmend werden konnte.

 

Nach der Ausschaltung der letzten Widerstandsnester (an der Spitze der KPdSU - Übers.) - Molotow, Kaganowitsch, Saburow u.a. - im Juli 1957 durften die Landmaschinen an die Kolchosen verkauft werden, und im September 1957 wurde der Grundsatz eingeführt, wonach alle staatlichen Betriebe voll auf Gewinnbasis zu arbeiten hatten.

 

Der Kern der bürgerlichen Offensive lag jedoch in der Werttheorie: Hier haben die bürgerlichen Gesetze (der Ökönomie - Übers.) ihre Grundlage. Der Wert ist das grundlegende Prinzip der Warenproduktion. Indem der sowjetische Staat ihn zum Kern seiner Wirtschaftspolitik machte, ging er einen Schritt auf dem Weg zum Kommunismus wieder zurück.

 

Die Änderung der Form bedeutet nicht zwangsläufig die Änderung seines Inhalts. Die Bourgeoisie dehnte ihren Einfluss über die Ökonomie und über die Gesellschaftswissenschaften aus.

 

Unter Stalin war es der Arbeiterklasse gelungen, die objektiven Gesetze (der Ökonomie - Übers.) zu beherrschen, die in der Übergangsphase des Sozialismus wirken. Unter Chruschtschow wurde die ökonomische Basis für die Bourgeoisie durch die Anwendung der alten Gesetze (des Kapitalismus, des Wertgesetzes.. - Übers.) wieder neu geschaffen. Die Ausdehnung der Warenproduktion führte zur Wiedereinführung von Lohnarbeit und Kapital. Chruschtschows Programm von 1961 führte zuerst zum Staatskapitalismus und danach zur Rückkehr zum klassischen Kapitalismus.

 

Was wird nun also aus Stalins Ideen für den Fall einer eventuellen Rückkehr zum Kommunismus?

 

Die Partei (also eine neue marxistisch-leninistische Partei - Übers.) muss zwischen der Arbeiterschaft und den Massen eine neue Beziehung herstellen, angesichts der Tatsache, dass sich der Sozialismus direkt aus dem Kapitalismus entwickelt (Lenin). Die Partei muss auf die Aufhebung der Klassen hinarbeiten sowie auf die Aufhebung des Gegensatzes zwischen 'körperlicher' und 'geistiger' Arbeit.

 

Stalin unterstrich viele Male, wie schwierig und wie komplex der Übergang zum Kommunismus ist und warnte vor einem zu schnellen Voranschreiten zu den Endzielen, ohne die tatsächlichen Verhältnisse genau berücksichtigt zu haben. Es ist wichtig, die Massen davon zu überzeugen, dass der Kommunismus das Ergebnis der schöpferischen Anstrengungen der Massen ist, die von einer Partei geführt werden, die sich der ökonomischen Gesetze, die die Weiterentwicklung des Sozialismus (zum Kommunismus - Übers.) diktieren, bewusst ist.

 

Stalin nannte drei Bedingunge für das Erreichen des Kommunismus:

 

1. Ein ununterbrochener Anstieg der Produktion, besonders bei den Produktionsmitteln;

2. Die allmähliche Ablösung des Warenaustausches durch den Produktenaustausch und

3. die allseitige körperliche und geistige Entwicklung eines jeden Mitglieds der Gesellschaft unter der Voraussetzung einer Verringerung von Arbeitszeiten und der Einführung der freien Wahl des Arbeitsplatzes.

 

Um zum Kommunismus vom Sozialismus voranschreiten zu können ist die maximale Befriedigung sämtlicher Bedürfnisse, der materiellen und kulturellen, eine Voraussetzung. Das setzt jedoch eine hohe Produktivität voraus, um die freie Verfügbarkeit von Konsumgütern zu gewährleisten. Mit der Anhebung des wissenschaftlichen und kulturellen Niveaus werden kapitalistische Theorien (falls sie aktiv bekämpft werden - Übers.) zum Verschwinden gebracht werden.

 

Stalin argumentierte, dass der Staat der UdSSR erst nach dem Triumph des Sozialismus verschwinden wird. Er war der Ansicht, dass mit Beginn des Produktenaustausches der Keim für die Entwicklung des Kommunismus entsteht, unter der Voraussetzung, dass die Gesellschaft Eigentümerin der Produktionsmittel ist (U.B. meint, dass das Kollektiveigentum an den Kolchosen in staatliches Eigentum überführt wird - Übers.).

 

Für die Überwindung des Gegensatzes zwischen 'körperlicher' und 'geistiger' Arbeit wies er auf die Notwendigkeit hin sich weiter zu qualifizieren, um jeden einzelnen in die Lage zu versetzen, den Beruf seiner Wahl ergreifen zu können, und um dies zu erreichen, müsse der Arbeitstag auf fünf Stunden begrenzt sein. Die gestiegene Arbeitsproduktivität und ein wachsender Bestand an Waren würde zu ständig sinkenden Preisen und wachsenden Realeinkommen führen..

 

Unsere Bewegung setzt sich heute neue wichtige Ziele. Der Erste Weltkrieg führte zur Entstehung des ersten großen sozialistischen Staates, der Zweite Weltkrieg zu der des sozialistischen Lagers. Die nächste Krise des Imperialismus könnte zu seinem Zusammenbruch führen. Stalins Worte sind aktuell:

 

Heute müssen wir über das Vorhandensein von Bedingungen für die Revolution im gesamten kapitalistischen Weltsystem sprechen, da er als Ganzes, als System, bereits reif ist für eine Revolution.

 

Vorwärts also in eine kommunistische Zukunft, mit dem Kompass unserer unsterblichen Lehre: dem Marxismus-Leninismus!