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W. B. Bland:

 

'Die Sowjetunion und der Spanische Bürgerkrieg'

(Aus: 'COMpass', Organ der Communist League of Britain,

April 1996, Nr. 123)

 

 

 

 

" 'Nichteinmischung'? Ganz unter uns: Es ist das Gleiche wie nützliche

Einmischung - jedoch nützlich nur für die andere Seite."

(Charles-Maurice Talleyrand, 1754-1838).

 

 

 

Einleitung

 

 

Im Januar 1996 hielten die Vereinigung Kommunistischer Arbeiter und die Vereinigung

Indischer Kommunisten ein äußerst interessantes Treffen in der Londoner Conway Hall

ab, das der Entlarvung der Verleumdungen gegen die republikanischen Kräfte im Spani-

schen Bürgerkrieg in Ken Leaches jüngsten Film 'Land and Freedom' (Land und Freiheit)

gewidmet war.

 

Der Hauptredner war Bill Alexander - Autor von 'British Volunteers for Liberty' (Britische

Freiwillige für die Freiheit). Bill Alexander hatte selbst in der britischen Sektion der Inter-

nationalen Brigaden gekämpft und entlarvte auf überzeugende und bewegende Weise den

Versuch Leaches, die den Trotzkisten nahestehende 'Partei der Marxistischen Vereinigung'

reinzuwaschen.

 

Bill Alexander zollte insbesondere Stalins Politik der militärischen Hilfe für die republika-

nischen Kräfte Anerkennung und bezeichnete die von den imperialistischen europäischen

Mächten verfolgte Politik der 'Nichteinmischung' als Hauptursache für die Niederlage der

Republik.

 

Dies veranlasste einen Zuhörer daraufhinzuweisen, dass sich die sowjetische Regierung

an der Nichteinmischungs-Vereinbarung beteiligt habe und er fragte, ob dies nicht auf

eine Art von Zweigleisigkeit in der sowjetischen Politik hindeute - vielleicht zwischen ri-

valisierenden Gruppen in der Führung der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, wo-

bei die eine eine marxistisch-leninistische Politik und die andere keine solche vertreten

habe.

 

Ella Rule, die im Podium saß, meinte, dass es ihrer Meinung nach keine Zweigleisigkeit

in Bezug auf Spanien gegeben habe, weil die sowjetische Politik der Nichteinmischung

nicht gleichzeitig mit der sowjetischen Politik der militärischen Hilfe für die republikani-

sche Regierung, sondern davor stattgefunden habe.

 

Obwohl wir Ellas langjährige Verteidigung sowohl der Sowjetunion als auch der Spani-

schen Republik respektieren, sind wir nicht der Meinung, dass ihre Theorie über die sow-

jetische Spanienpolitik mit bekannten Tatsachen vereinbar ist.

 

 

Der Ausbruch des Bürgerkriegs

 

 

Im Januar 1936 schufen eine Reihe von anscheinend linksgerichteten spanischen Par-

teien und Organisationen ein Wahlbündnis genannt 'Volksfront'. Dieses Wahlbündnis

einigte sich auf

 

" ... ein liberales Programm, das in einem bürgerlichen Rahmen blieb und

ganz bewusst sozialistische Forderungen ausschloss."

(Pierre Broué & Emile Témime: 'Die Revolution und der Bürgerkrieg in Spanien',

London 1972, S. 76).

 

Bei den Wahlen im Februar 1936 gewann die Volksfront eine überwältigende Mehrheit

an Abgeordneten -

 

" ... 277 gegen 132 Abgeordnete der Rechten und 32 aus dem Zentrum."

(Ebenda, S. 77).

 

Trotz des gemäßigten Charakters des Programms der Volksfront war es für die spani-

sche Aristokratie nicht akzeptabel und im Juli 1936

 

" ... brach an vielen Standorten stationierter spanischer Truppen in Spanisch-

Marokko eine Revolte aus. Von dort aus verbreitete sich die Revolte sehr

schnell in ganz Spanien.

Die rebellierenden Einheiten ... wurden von General Franco geführt."

('Keesings Archive der Zeitgeschichte', Band 2, SS. 2199, 2290).

 

Die aufständische Militärjunta

 

" ... kontrollierte den größeren Teil der bewaffneten Streitkräfte des Landes. ...

Ihr waren auch deutsche und italienische Panzer und Flugzeuge versprochen

worden, falls dies erforderlich werde. Die Regierung hatte dagegen nur die repub-

likanischen Garderegimenter und eine kleine und schlecht bewaffnete Luftwaffe

vorzuweisen."

(Gerald Brenan: 'Das spanische Labyrinth. Ein Bericht über den sozialen und

politischen Hintergrund des Bürgerkriegs', Cambridge 1971, S. 316).

 

 

Die Haltung der westlichen imperialistischen Mächte

 

 

Die Haltung der britischen imperialistischen Regierung wurde schon gleich zu Beginn

des Bürgerkriegs deutlich. Am 31. Juli 1936 verwehrte sie der gesetzlichen spanischen

Regierung das traditionelle und international garantierte Recht, Waffenkäufe für die ei-

gene Verteidigung zu tätigen. Diese Maßnahme wurde als

 

" ... Waffen-Ausfuhrverbot für beide Seiten"

(Robert H. Whealey: 'Ausländische Einmischung in den Spanischen Bürger-

krieg', in: Raymond Carr, Hrsg.: 'Die Republik und der Bürgerkrieg in Spanien',

London 1971, S. 213).

 

ausgegeben.

 

Da jedoch Spaniens Nachbar Frankreich auch eine Volksfrontregierung besaß ('die

einzige andere Volksfrontregierung in Europa' - New Encyclopaedia Britannica, Bd. 19,

Chicago 1994, S. 520), bat die spanische Regierung Frankreich am 20. Juli 1936 um

 

" ... 20 Flugzeuge. Pierre Cot, Minister für Luftfahrt, und Ministerpräsident Léon

Blum ... stimmten zu."

(Robert H. Whealey: Ebenda, S. 213).

 

"1935 hatte die spanische Regierung mit Frankreich ein Handelsabkommen

unterzeichnet. In einer Vertragsbestimmung hieß es, dass im Bedarfsfall die

spanische Regierung nur von Frankreich Waffen beziehen dürfe. Mit diesem Ab-

kommen in der Hand appellierte die republikanische Regierung an die franzö-

sische, ihr solche Waffen und solche Ausrüstung zu liefern, die sie in die Lage

versetzen würde, die Nation vor einem Angriff zu schützen."

(Dolores Ibarruri: 'Sie kommen nicht durch. Die Autobiografie der La Pasionaria',

London 1960, SS. 201f).

 

Die Sympathien der imperialistischen britischen Regierung, geführt von Stanley Baldwin,

waren jedoch bei den spanischen Rebellen und

 

" ... Anfang August (1936 - Verf.) wurde M. Léon Blum informiert (von London -

Verf.), dass die von Großbritannien abgegebene Garantie, die Grenzen Frank-

reichs zu schützen, nicht mehr gelten würde, falls es zu selbständigen französi-

schen Aktionen jenseits der Pyrenäen kommen würde."

(André Géraud-'Pertinax': Vorwort zu: Eleuthère N. Dzelepy: 'Das spanische Kom-

plott', London 1937, S. VIII).

 

"Die britische Warnung wurde damals an M. Yvon Delbos, dem französischen

Außenminister während eines Besuches von Sir George Clerk, dem britischen

Botschafter in Paris, übermittelt. Sir Georges soll gesagt haben, dass, für den

Fall, dass sich Frankreich in einen Konflikt mit Deutschland begeben sollte,

in Folge der Lieferung von Kriegsgerät an die spanische Regierung, England

sich nicht mehr an seine Verpflichtungen aus dem Locarno Pakt halten und

Frankreich nicht zu Hilfe kommen würde."

(Julio Alvarez del Vayo: 'Schlacht der Freiheit', London 1937, SS. 69f).

 

Mit anderen Worten: Falls Frankreich der spanischen Regierung Militärhilfe leisten würde,

wäre das Verteidigungsbündnis mit Frankreich für Großbritannien null und nichtig.

 

Nach Aussage Blums vor der Französischen Abgeordnetenkammer im Juli 1947

 

" ... sah sich Blum nach seinem London-Besuch vom 22.-23. Juli (1936 - Übers.)

gezwungen, seine Entscheidung, der Republik zu helfen, rückgängig zu ma-

chen."

(Robert H. Whealey: Ebenda, S. 220).

 

Am 25. Juli 1936

 

" ... gab die Blum-Regierung deshalb einen Erlass heraus, der die Ausfuhr

von Waffen von Frankreich nach Spanien untersagte."

(Iwan Maiski: 'Spanische Aufzeichnungen', London 1966, S. 29).

 

"Die Weigerung der französischen Regierung, der Republik die schon lange

vorher bestellten und bezahlten Waffen zu liefern, war regelrechter Verrat ge-

genüber der spanischen Demokratie."

('Internationale Solidarität mit der Spanischen Republik, 1936-1939', hiernach

zitiert als 'Internationale Solidarität', Moskau 1976, S. 362).

 

Die imperialistische Regierung der Vereinigten Staaten brachte zwar den Neutralitäts-

pakt aus dem Jahre 1935 gegenüber dem Bürgerkrieg in Spanien zur Anwendung, US-

Gesellschaften belieferten die Rebellen jedoch mit dringend benötigtem Öl, da dieses

von den Bestimmungen des Paktes ausgenommen worden war:

 

"Die Neutralität der Vereinigten Staaten ... kam Franco zugute, da sich ameri-

kanische Gesellschaften den Umstand zunutze machten, dass Öl in dem Neu-

tralitätspakt nicht als Kriegsmaterial aufgeführt wurde. Am 18. Juli begann man

damit, Tankschiffe nach Lissabon zu schicken."

(David Mitchell: 'Der Spanische Bürgerkrieg', London 1982, S. 70).

 

Auf der anderen Seite weigerten sich die Vereinigten Staaten wie Großbritannien und

Frankreich,

 

" ...Waffen an die Republik zu liefern."

(Harry Brown: 'Spaniens Bürgerkrieg', Harlow 1983, S. 38).

 

Das Waffenausfuhrverbot berührte jedoch die beiden Seiten im Bürgerkrieg nicht auf

gleiche Weise, da die Rebellen aus Deutschland, Italien und (in geringerem Umfang

auch aus Portugal) umfangreiche Waffenlieferungen erhielten:

 

"Die Nationalisten genossen den Vorteil, dass sie ... Kriegsmaterial aus

Italien und Deutschland bekamen. Dieses spielte eine entscheidende Rolle

für den Sieg der Nationalisten, besonders gegen Ende Juli (1936 - Verf.),

als deutsche und italienische Flugzeuge die Übersetzung der Armee von

Afrika nach Spanien unterstützten und so den Nationalisten ermöglichten,

Andalusien und Estremadura im Handstreich einzunehmen."

(Gerald N. D. Howat, Hrsg.: 'Wörterbuch der Weltgeschichte', London 1973,

S. 1.421).

 

Das heißt, dass

 

" ... die faschistischen Regierungen von Italien und der Nazis bei ihren Waffen-

lieferungen ... an die rebellierenden Generäle auf keine Hindernisse stießen."

(Luigi Longo: 'Ein wichtiges Stadium im Volkskampf gegen den Faschismus',

in: 'Internationale Solidarität', ebenda, S. 11).

 

"Während der gesetzlichen Regierung das Recht, irgendwelche Waffen zu

kaufen, verwehrt wurde, erhielten die Aufständischen alles was sie brauch-

ten aus Deutschland und Italien."

(Dolores Ibarruri: Ebenda, S. 202).

 

Hinzukam, dass

 

" ... die Regierung in Lissabon, die entschieden für die Rebellen Partei er-

griff, nicht nur Kriegsmaterial lieferte, sondern es auch zuließ, dass deutsche

und italienische Lieferungen das eigene Gebiet passieren konnten."

(David T. Cattell: 'Sowjetische Diplomatie und der Spanische Bürgerkrieg',

hiernach zitiert als: 'David T. Cattell, 1957', Berkeley, USA, 1957, S. 21).

 

Gilbert Murray, ein australischer Autor und Übersetzer, schrieb in einem Brief an die

'Times' im Oktober 1936:

 

"Das Waffenausfuhrverbot, das angeblich beide Seiten treffen soll, wirkt

jedoch nur in die eine Richtung. Es sorgt dafür, dass die Streitkräfte der Re-

gierung unbewaffnet bleiben zugunsten der gut bewaffneten Rebellen."

(Gilbert Murray: Brief an die 'Times', 22. Oktober 1936, S. 12).

 

 

Humanitäre sowjetische Hilfe an das spanische Volk

 

 

Gleich zu Beginn des Spanischen Bürgerkriegs organisierten sowohl die Sowjetunion

als auch die Kommunistische Internationale umfangreiche humanitäre Hilfeleistungen

an das spanische Volk.

 

Nach Ausbruch des Bürgerkriegs wurde beschlossen,

 

" ...über die Gewerkschaften finanzielle Hilfen an die Republikaner zu leisten. ..

Alle öffentlichen Erklärungen, die in dieser Zeit über Lieferungen vonseiten der

UdSSR an Spanien gemacht wurden, betonten, dass es sich hierbei um Lebens-

mittel und ähnliche Dinge für die Zivilbevölkerung handele."

(Edward H. Carr: 'Die Komintern und der Spanische Bürgerkrieg', London 1984,

SS. 16, 24).

 

Am 6. August 1936

 

" ... waren bereits 12.1 Millionen Rubel auf dem Spendenkonto des Allunions-Zen-

tralrats der Gewerkschaften zur Unterstützung des republikanischen Spaniens

eingegangen und Ende Oktober war diese Summe bereits auf 47,6 Millionen Rubel

angewachsen.

Lebensmittel und Kleidungsstücke wurden eingekauft und nach Spanien geschickt,

mit dem Geld, das von sowjetischen Menschen gesammelt worden war. ...

Im Dezember (1938 - Verf.) ... hatten die Gewerkschaften und anderen Organisa-

tionen noch einmal 14 Millionen Rubel aufgebracht."

('Internationale Solidarität': Ebenda, SS. 301ff).

 

Die Hilfsmaßnahmen der Sowjetunion und der Komintern für Spanien

 

" ... in Form von Lebensmitteln und Kleidung für Frauen und Kinder setzten gleich

zu Beginn des Bürgerkriegs ein. In jeder größeren und kleineren Stadt der Sowjet-

union wurden während der ersten Wochen der Rebellion Versammlungen organi-

siert, um die Solidarität mit dem spanischen Volk zu demonstrieren."

(David T. Cattell: 'Kommunismus und Spanischer Bürgerkrieg', hiernach zitiert als

'David T. Cattell, 1955', Berkeley, USA, 1955, S. 70).

 

Zusätzlich zu den Organisationen, die mit der Komintern verbunden waren,

 

" ... entstand ein Netzwerk von Organisationen, die sich ausschließlich der Unter-

stützung Spaniens widmeten. ... Eine dieser Organisationen war das 'Internationale

Hilfskomitee für das spanische Volk' in Paris, das zwischen August 1936 und Juni

1938 über eine halbe Million Dollar sammelte."

(David T. Cattell, 1955: Ebenda, S. 71).

 

 

Die Frage der sowjetischen Militärhilfe für Spanien

 

 

In der Frage, ob die Komintern und die sowjetische Regierung den Kampf der Spanischen

Republik materiell unterstützen sollte, gab es von Anfang an in den führenden sowjetischen

Kreisen unterschiedliche Auffassungen.

 

Zur Beantwortung dieser Frage kam

 

" ... von der sowjetischen Regierung und der Komintern kein einziges Wort. ..

Der einzige Beschluss, der gefasst wurde, war der, dass den Republikanern

über die Gewerkschaften finanzielle Hilfe gewährt werden sollte."

(Edward H. Carr: Ebenda, SS. 15f).

 

Aus der Komintern kam zwei Monate nichts zur Frage des Krieges:

 

"Es scheint nicht so, dass es bei Ausbruch des spanischen Bürgerkriegs im Juli

1936 eine Stellungnahme gegeben hat."

(Jane Degras, Hrsg.:'Die Kommunistische Internationale, 1919-1943. Dokumente',

Band 3, London 1965, S. 392).

 

"Erst am 18. September 1936 umriss das Sekretariat des EKKI ... die Haltung der

Komintern zum Spanischen Bürgerkrieg, der inzwischen zwei Monate alt war."

(Edward H. Carr: Ebenda, S. 20).

 

 

Nichteinmischung

 

 

Am 1. August 1936 schickte Frankreich eine Note an die britische Regierung, in der

 

" ... vorgeschlagen wird, dass sie sich der französischen Maßnahme anschließen

und strikt eine Politik der Nichteinmischung in die spanischen Angelegenheiten

befolgen möge. ...

Am 4. August beantwortete Großbritannien den französischen Vorschlag positiv. ...

Daraufhin unterbreitete die französische Regierung ihren Vorschlag auch anderen

europäischen Mächten."

(Iwan Maiski: Ebenda, S. 29).

 

Wie Julio Alvarez del Vayo, spanischer Außenminister während fast der gesamten Periode

des Bürgerkrieges, berichtet, versuchte die britische Regierung den Eindruck zu erwecken,

dass die Initiative für die Politik der Nichteinmischung von der französischen Volksfrontre-

gierung ausgegangen sei, damit diese Politik in der demokratischen Öffentlichkeit eher Zu-

stimmung finde, was sicher nicht der Fall gewesen wäre, wenn bekannt geworden wäre,

dass die Inititiative in Wirklichkeit von einer britischen Tory-Regierung kam.

 

"Die einfache Wahrheit ist die, dass die Politik der Nichteinmischung in London

erdacht wurde. Die Rechtsexperten im britischen Außenministerium ... unternah-

men große Anstrengungen, um die Urheberschaft einer Person zuzuordnen, die

weniger im Verdacht stand, demokratischen Grundsätzen feindlich gesonnen zu

sein. In M. Blum und der französischen Regierung fanden sie die idealen Ziehväter

für ihre eigene Schöpfung. ... Millionen von Anhängern der Volksfront in Frankreich

... wären sicherlich wütend gegen den Plan zu Felde gezogen, wenn er offen als

das ausgegeben worden wäre, was er in Wirklichkeit war: das Werk der britischen

Tory-Regierung. Andererseits waren sie so in der Lage, den Plan ... im Parlament

und in der Öffentlichkeit zu rechtfertigen, wenn sie auf die angeblichen Urheber

verweisen konnten.

Von diesem Tag an wurde der Quai d'Orsay (das französische Außenministerium -

Verf.) in allen Angelegenheiten, die Spanien betrafen, eine Zweigstelle des Außen-

ministeriums. ...

Während Frankreich im Juli 1936 angeblich die Initiative für den Vorschlag der

Nichteinmischung ergreifen durfte, durfte es in den nächsten drei Jahren keinerlei

Initiativen mehr ergreifen."

(Julio Alvarez del Vayo: Ebenda, SS. 68, 70).

 

Am 23. August 1936

 

" ... schloss sich die sowjetische Regierung der Nichteinmischungs-Vereinbarung

in Sachen Spanien an."

(Iwan Maiski: Ebenda, S. 31).

 

Wie der Historiker Edward Carr bemerkt schien die

 

"sowjetische Zustimmung angesichts der Kampagne in der UdSSR und durch die

kommunistischen Parteien für die republikanische Regierung auf den ersten Blick

ein überraschender Schritt zu sein."

(Edward H. Carr: Ebenda, S. 17).

 

Der Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten der UdSSR, Maksim Litwinow, gab

vor der Vollversammlung des Völkerbundes im September 1936 zu, dass die Sowjetregie-

rung der 'Nichteinmischungs'vereinbarung nur beigetreten sei, um den französischen Impe-

rialisten entgegenzukommen:

 

"Die sowjetische Regierung hat sich der Erklärung der Nichteinmischung in die

spanischen Angelegenheiten nur angeschlossen, weil eine befreundete Macht

(d.h. Frankreich - I.Maiski) befürchtet habe, in einen internationalen Konflikt hin-

einzugeraten, wenn wir dies nicht getan hätten."

(Maksim Litwinow: Rede vor der Vollversammlung des Völkerbundes, 28. Septem-

ber 1936, in: I.Maiski: Ebenda, S. 31).

 

 

Das 'Nichteinmischungs'-Komitee

 

 

Am 26. August legte die französische Regierung einen neuen Vorschlag vor:

 

" ... Die Schaffung eines ständigen Ausschusses aus Vertretern aller Teilneh-

merstaaten, wobei es das Hauptziel des Ausschusses sein sollte, die Verein-

barung genauestens durch die Unterzeichnermächte überwachen zu lassen."

(Iwan Maiski: Ebenda, S. 29).

 

Das 'Nichteinmischungs'-Komitee arbeitete auf der Grundlage des

 

" ... Einstimmigkeitsprinzips."

(Iwan Maiski: Ebenda, S. 36).

 

Das heißt, dass die sowjetische Delegation - und jede andere auch - das Vetorecht

gegen alle gefassten Beschlüsse besaß.

 

Alle europäischen Mächte traten dem 'Nichteinmischungs'-komitee bei, das offiziell

'Komitee für Nichteinmischung in die Inneren Angelegenheiten Spaniens' hieß, außer

 

" ... Spanien, das Land, gegen das die 'Quarantäne der Nichteinmischung'

errichtet werden sollte, das sich weigerte sich zu beteiligen."

(Iwan Maiski: Ebenda, S. 30).

 

Am 28. August 1936 kam eine Anweisung des sowjetischen

 

" ... Volkskommissars für Außenhandel, wonach die Ausfuhr von Kriegsma-

terial nach Spanien untersagt sei."

(Max Beloff: 'Die Außenpolitik von Sowjetrussland, 1929-1942', Band 2: '1936-

1941', London 1949, S. 32).

 

Am 9. September 1936 tagte das 'Nichteinmischungs'-Komitee

 

" ... zum ersten Mal und man verständigte sich darauf, dass ein ständiger

Vorsitzender gewählt werden sollte. Dieser Posten wurde dem britischen Ver-

treter Lord Plymouth angeboten."

(Iwan Maiski: Ebenda, SS. 30f).

 

 

Die wahre Funktion der 'Nichteinmischung'

 

 

Das 'Nichteinmischungsabkommen'

 

" ... entzog Staaten das legitime Recht, der gesetzlichen Regierung Spaniens

Hilfe zu gewähren."

(David T. Cattell, 1957: Ebenda, S. 15).

 

Es verwehrte

 

" ... der spanischen Regierung das traditionelle Recht, Waffen zu kaufen, um

sich selbst gegen Verrat im eigenen Lande zur Wehr zu setzen."

(Harry Brown: Ebenda, S. 37).

 

Obwohl Deutschland, Italien und Portugal das 'Nichteinmischungs'-Abkommen unter-

zeichnet hatten, hatten sie nicht die leiseste Absicht, sich an seine Bestimmungen zu

halten, sondern setzten ihre massiven Waffenlieferungen an die spanischen Rebellen

fort. Deshalb bestand die eigentliche Rolle des 'Nichteinmischungs'-Abkommens darin,

einen Rauchvorhang zu bilden, hinter dem die faschistischen Mächte die Rebellen be-

waffnen konnten.

 

Die 'Nichteinmischung' war eine Farce, die den faschistischen Mächten in ihrem Krieg

gegen die spanische Republik half,

 

" ...während der legitimen Regierung das Recht verwehrt wurde, irgendwelche

Waffen zu kaufen, erhielten die Rebellen alles, was sie brauchten, aus Deutsch-

land und Italien."

(Dolores Ibarruri: Ebenda, S. 202).

 

"Als der Krieg zuende war, hatte der 'Nichteinmischungs-Pakt' für Franco reich-

lich Früchte getragen."

(David Mitchell: Ebenda, S. 72).

 

"Im gesamten Monat September 1936, als der Zustrom von Waffen und militäri-

scher Ausrüstung an die Nationalisten aus Italien und Deutschland immer mehr

anschwoll, blieb das Verbot von Lieferungen aus ... der UdSSR an das republi-

kanische Spanien in Kraft."

(Edward H. Carr: Ebenda, S. 23).

 

"Die Politik der Nichteinmischung entwickelte sich zum Schluss zu einer tatsäch-

lichen Blockade sowie zu einer effektiven Einmischung zugunsten der Rebellen."

(Eleuthère N. Dzelepy: Ebenda, S. 77).

 

"Die Nichteinmischung gestaltete sich zu einer der größten Farcen unserer Zeit."

(Julio Alvarez del Vayo: Ebenda, S. 50).

 

"Die so genannte Politik der Nichtintervention ... lief tatsächlich auf eine Beihilfe

für den Aggressor hinaus."

(Dolores Ibarruri: 'Der Kampf geht weiter', in: 'Internationale Solidarität': Ebenda,

S. 7).

 

"Die Nichteinmischungspolitik ... trug zum Sieg des Faschismus in Spanien

bei."

('Große Sowjetenzyklopädie', Band 31, New York 1972, S. 176).

 

Die eigentliche Aufgabe der 'Nichteinmischung' wurde von Maksim Litwinow, der zwischen

1930 und 1939 Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten (der UdSSR - Übers.)

war, so eingestanden:

 

"Wenn das Nichteinmischungskomitee sich irgendetwas anrechnen konnte, dann

das, dass es sich aufrichtig für die Behinderung von Lieferungen an die legitime

republikanische Armee und für die von Nahrungsmitteln an die Zivilbevölkerung

in den Gebieten, die von dieser Armee besetzt gehalten wurden, einsetzte."

(Maksim Litwinow: Rede vor dem Politischen Komitee des Völkerbundes, 29. Sep-

tember 1938, in: William P. & Zelda Coates: 'Eine Geschichte der anglosowjeti-

schen Beziehungen', London 1943, S. 569).

 

Auch der deutsche Botschafter in Großbritannien, Joachim von Ribbentropp, erklärte,

dass das 'Nichteinmischungskomitee' eigentlich

 

" ... Einmischungskomitee hätte genannt werden sollen."

(Joachim von Ribbentrop, zitiert in: David Mitchell, S. 71).

 

Stalin drückte sich in seinem Bericht an den 18. Parteitag der KPdSU vom März 1939

noch entschiedener aus und nannte die 'Nichteinmischung' unmoralisch und verräterisch:

 

"Wenn man ehrlich ist, muss man sagen, dass die Politik der Nichteinmischung

eine heimliche Unterstützung der Aggression ist, eine Entfesselung des Krieges

bedeutet und darauf hinausläuft, den Krieg in einen Weltkrieg zu verwandeln.

Die Politik der Nichteinmischung fördert einen Eifer, einen Wunsch zutage, die

Aggressoren bei ihrer schändlichen Arbeit nicht zu stören. ...

Ich bin weit davon entfernt, über die Politik der Nichteinmischung zu moralisie-

ren, über Landesverrat und Treuebruch usw. zu moralisieren. Es wäre naiv Leu-

ten eine Moral zu predigen, die keinerlei menschliche Moralität anerkennen."

(Josef W. Stalin: Rechenschaftsbericht des Zentralkomitees an den 18. Partei-

tag der KPdSU, B, März 1939, in: 'Werke', Band 14, London 1978, SS. 365, 368).

 

 

Die Kampagne gegen die 'Nichteinmischung'

 

 

Als der wahre Charakter der 'Nichteinmischung' zunehmend deutlicher wurde, entwickelte

sich in demokratischen und antifaschistischen Kreisen wortstarker Widerstand. Dieser

Widerstand regte sich in Kreisen, die gewöhnlich die sowjetische Politik unterstützten:

 

"Die strikte Neutralität, die von Moskau zum spanischen Kampf eingenommen

wurde, weckte peinliche Fragen selbst in den aller befreundesten Kreisen."

(Walter Kriwitzki: 'Ich war Stalins Agent', London 1939, S. 101).

 

Diese Kreise umfassten Teile der internationalen kommunistischen Bewegung, beson-

ders in Frankreich. Einige Schlagzeilen aus der L'Humanité, dem Organ der Französi-

schen Kommunistischen Partei vom September 1936, lauteten:

 

"Gewehre! Flugzeuge! Beendet die Blockade, die unsere Brüder in Spanien

ermordet!

(L'Humanité, 5. September 1936, S. 1)

 

"Für das republikanische Spanien! Für Frieden und die Sicherheit Frankreichs!"

(L'Humanité, 7. September 1936, S. 4).

 

"Helft den republikanischen Kämpfern Spaniens!"

(L'Humanité, 14. September 1936, S. 4).

 

"Es ist nötig, das Prinzip der Nichteinmischung zu überdenken!"

(L'Humanité, 20. September 1936, S. 4).

 

"Die Stimme des französischen Volkes verlangt immer lauter nach der Auf-

hebung der Blockade."

(L'Humanité, 21. September 1936, S. 4).

 

Maurice Thorez, Generalsekretär der Kommunistischen Partei Frankreichs, schrieb

in der L'Humanité:

 

"Um der Ehre der Arbeiterklasse, um der Ehre der Volksfront, um der Ehre

Frankreichs willen - die Blockade, die unsere spanischen Brüder tötet und

den Frieden tötet, muss aufgehoben werden!"

(Maurice Thorez, in: 'L'Humanité, 9. September 1936, in: David T. Cattell,

1957, ebenda, S. 24).

 

Im August 1836 schrieb Paul Nizan in der Komintern-Zeitschrift 'Internationale Presse-

korrespondenz':

 

"Diese 'Neutralität' ... muss ganz entschieden vom Standpunkt des internatio-

nalen Rechts aus in Frage gestellt werden.

Während die Madrider Regierung tatsächlich von echten Strafmaßnahmen be-

troffen ist, erhalten die Rebellen und erhält die Rebellenregierung ... jede Art

von Unterstützung, die sie sich nur wünschen kann.

Die gegenwärtige Blockade des republikanischen Spanien muss sofort aufge-

hoben werden. ...

Die Kommunisten werden in diesem Kampf für das spanische Volk die Führung

übernehmen."

(Paul Nizan: 'Helft der spanischen Republik!' In: 'Internationale Pressekorrespon-

denz', Band 16, Nr. 37, 15. August 1936, S. 990).

 

In einer Rede in der ersten Septemberwoche 1936, die von Rufen wie 'Flugzeuge für

Spanien!' unterbrochen wurde, versuchte der französische Ministerpräsident Léon Blum

der 'Kampagne gegen die 'Nichteinmischung' durch den Hinweis entgegenzutreten, dass

diese Politik von der Sowjetunion unterstützt werde:

 

"Wir dürfen nicht vergessen, dass die internationale Konvention der Nichtein-

mischung in Spanien die Unterschrift Sowjetrusslands trägt."

(Léon Blum: 'Erklärung', in: David T. Cattell, 1957, ebenda, S. 24).

 

 

Die Spaltung in der KPdSU

 

 

Die Kampagne gegen die 'Nichteinmischung' widerspiegelte sich auch in der Kommunis-

tischen Partei der Sowjetunion. Von Beginn des Bürgerkrieges an zeigte sich ein Riss

in den führenden Kreisen der KPdSU, ein Riss zwischen jenen, die für die Lieferung von

Waffen an die Spanische Republik waren, d.h. den Marxisten-Leninisten und wahrhaften

Antifaschisten auf der einen Seite und jenen, die für ein Zusammengehen mit den westli-

chen imperialistischen Mächten in der Politik der 'Nichteinmischung' eintraten auf der an-

deren.

 

Oberstleutnant Simon, der französische Militärattaché in Moskau, berichtete dem franzö-

sischen Verteidigungsminister Edouard Daladier im August 1936 von der Existenz zweier

Fraktionen in der Führung der KPdSU:

 

"Die gemäßigte Fraktion ... möchte jede Art von Einmischung vermeiden.

Die extremistische Fraktion ist jedoch der Ansicht, dass die UdSSR nicht neutral

bleiben, sondern die legitime Regierung unterstützen sollte."

(Oberstlt. Simon: Brief an Edouard Daladier, 13. August 1936, in: 'Dokumente fran-

zösischer Diplomatie, 1932-1939', 2. Reihe: 1936-1939, Band 3, Paris 1966, S. 208).

 

"Einflussreiche Kreise in der russischen Partei wie die meisten Linken in westlichen

Ländern drängten auf eine Unterstützung der spanischen Republik. Aber dieser

Druck unterlag noch dem mäßigenden Einfluss diplomatischer Zweckmäßigkeitser-

wägungen."

(Eward H. Carr: Ebenda, S. 15).

 

"Fundamentalistische Bolschewiki neigten in auswärtigen Angelegenheiten dazu,

Maksim Litwinows entgegenkommende Haltung gegenüber dem Westen abzuleh-

nen. ...

Die sowjetische Presse stand der ganzen Idee der Nichteinmischung feindlich ge-

genüber."

(Michael Alpert: 'Eine neue internationale Geschichte des Spanischen Bürgerkriegs',

Basingstoke 1994, SS. 50f).

 

 

Der Wandel der sowjetischen Politik gegenüber Spanien

 

 

Im Ergebnis demokratischen Drucks, der nach oben hin ausgeübt wurde, waren die Marxis-

ten-Leninisten in der KPdSU in der Lage, einen grundlegenden Wandel in der sowjetischen

Politik gegenüber den Waffenlieferungen an Spanien herbeizuführen.

 

Am 7. Oktober 1936 legte Samual Kagan, Berater der sowjetischen Botschaft in London - er

war amtierender sowjetischer Vertreter im 'Nichteinmischungs'-Komitee - Lord Plymouth ei-

ne Liste von Verletzungen des 'Nichteinmischungs'-Abkommens vor und forderte am Schluss

ultimativ,

 

" ... dass wenn die Verletzungen der Vereinbarung über Nichteinmischung nicht

in Zukunft aufhören, sie (die sowjetische Regierung - Verf.) sich nicht mehr an

die Verpflichtungen aus diesem Abkommen gebunden fühlen wird."

(Samual B. Kagan: Erklärung vom 7. Oktober 1936, in: Iwan Maiski: Ebenda, S. 47).

 

Am 15. Oktober sandte Stalin ein Telegramm an José Diaz, dem Führer der Kommunisti-

schen Partei Spaniens, in dem er schrieb:

 

"Die Arbeiter der Sowjetunion tun nur ihre Pflicht, wenn sie den revolutionären Mas-

sen Spaniens die Hilfe gewähren, die sie in der Lage sind zu gewähren. Sie sind

sich der Tatsache bewusst, dass die Befreiung Spaniens vom Joch der faschisti-

schen Reaktionäre keine private Affäre des spanischen Volkes ist, sondern die

gemeinsame Sache der ganzen fortgeschrittenen und fortschrittlichen Menschheit."

(Josef W. Stalin: Telegramm an das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei

Spaniens, 15. Oktober 1936, in: 'Werke', Band 14, London 1978, S. 149).

 

Am 23. Oktober 1936 schickte der sowjetische Botschafter in Großbritannien, Iwan Maiski,

der inzwischen zum sowjetischen Vertreter im 'Nichteinmischungs'-Komitee ernannte wor-

den war, eine weitere Stellungnahme an Lord Plymouth, in der er schrieb:

 

"Die Vereinbarung hat sich als ein leeres, zerrissenes Stück Papier herausge-

stellt. Es hat aufgehört, in der Praxis zu existieren. Da die Regierung der Sowjet-

union nicht die Absicht hat, in der Lage von Personen zu verharren, die ungewollt

eine ungerechte Sache unterstützen, ... kann sie sich nicht stärker an das Ab-

kommen zur Nichteinmischung gebunden fühlen als die verbleibenden Teilnehmer

dieses Abkommens."

(Iwan Maiski: Erklärung vom 23. Oktober 1936, in: Iwan Maiski: Ebenda, SS. 48f).

 

Am 27. August traf Marcel Rozenberg, der Erste Sowjetische Botschafter in Spanien, in

Madrid

 

" ... mit einem stattlichen Gefolge von Militärexperten, Marine- und Luftwaffenatta-

chés" ..

(Edward H. Carr: Ebenda, S. 22).

 

in Madrid ein.

 

 

Sowjetische Militärhilfe für die Spanische Republik

 

 

Der Überläufer Walter Kriwitzki, der damals Chef des sowjetischen militärischen Nachrich-

tendienstes für Europa war, bemerkt, dass

 

" ... ihn die erste Mitteilung aus Moskau zu Spanien am 2. September erreichte."

(Edward H. Carr: Ebenda, S. 24).

 

In ihr hieß es:

 

"Weiten Sie sofort ihre Operationen auf den Spanischen Bürgerkrieg aus. Mobili-

sieren Sie umgehend alle verfügbaren Agenten und Einrichtungen zwecks soforti-

ger Schaffung eines Systems zum Ankauf und Transport von Waffen nach Spa-

nien."

(Walter H. Kriwitzki: Ebenda, S. 100).

 

Innerhalb weniger Tage

 

" ... wurde ein Netz von Waffeneinkaufskommissionen in den europäischen Haupt-

städten eingerichtet, das vom NKWD (dem Volkskommissariat für Inneres - Verf.)

kontrolliert wurde, um den Ankauf von Waffen zu organisieren."

(Harry Brown: Ebenda, S. 38).

 

"Das erste Auftauchen sowjetischer Panzer und Flugzeuge zur Verteidigung Ma-

drids Ende Oktober (1936 - Verf.) und Anfang November hinterließ einen gewalti-

gen Eindruck."

(David Mitchell: Ebenda, S. 63).

 

Im Verlauf des Krieges

 

" ... wurde die Gewährung militärischer Hilfe nie bestätigt. ... Nicht eine einzige sow-

jetische Publikation erwähnte je die Lieferung von militärischer Ausrüstung."

(David T. Cattell, 1955, ebenda, S. 72).

 

Jedoch:

 

" ... die Sowjetunion schickte der spanischen Regierung 806 Militärflugzeuge, über-

wiegend Kampfflugzeuge, 362 Panzer, 120 gepanzerte Fahrzeuge, 1.555 schwere

Geschütze, ungefähr 500.000 Gewehre, 340 Granatwerfer, 15.113 Maschinenge-

wehre, mehr als 110.000 Flugbomben, etwa 3,4 Millionen Munitionskisten, 500.000

Granaten, 862 Millionen Kartuschen, 1.500 t Schießpulver, Torpedoboote, Such-

scheinwerfer-Einrichtungen für die Luftabwehr, Fahrzeuge, Radiostationen, Unter-

wassergeschosse und Treibstoff."

('Internationale Solidarität', ebenda, SS. 329f).

 

Nach der neuen sowjetischen Politik

 

" ... kämpften und arbeiteten in Spanien etwas mehr als 2.000 sowjetische Freiwil-

lige während des gesamten Krieges auf der Seite der spanischen Republik, ein-

schließlich 772 Piloten, 351 Panzerführer, 222 Militärberater und Ausbilder, 77

Marinespezialisten, 100 Artilleriespezialisten sowie 52 sonstige Spezialisten, 130

Arbeiter für Flugzeugbaubetriebe und Ingenieure, 156 Funker und ähnliches Fern-

meldepersonal sowie 204 Dolmetscher."

('Internationale Solidarität', ebenda, S. 328).

 

 

Die Internationalen Brigaden

 

 

Im September 1936

 

" ... fasste das Sekretariat des Exekutivkomitees der Kommunistischen Interna-

tionale den Beschluss, die Rekrutierung von Männern mit militärischer Erfahrung

zu organisieren."

(Bill Alexander: 'Britische Freiwillige für die Freiheit: Spanien 1936-1939', London

1982, S. 53).

 

und am 12. Oktober 1936 stimmte die spanische Regierung

 

" ... der Bildung von Internationalen Brigaden zu."

(Ebenda).

 

Am 17. Oktober 1936

 

" ... erreichten die ersten Rekruten der Internationalen Brigaden Spanien."

(David Mitchell: Ebenda, S. 63).

 

Die Internationalen Brigaden

 

" ... bildeten eine Eliteeinheit, die bei allen Kämpfen von Bedeutung bis Ende

1938 eingesetzt wurde."

(Pierre Broué & Emile Témine: Ebenda, S. 375).

 

Die gesamte Anzahl von Ausländern,

 

" ... die für die spanische Republik kämpfte, betrug wahrscheinlich etwa 40.000,

wobei ca. 35.000 in den Internationalen Brigaden waren."

(Hugh Thomas: 'Der Spanische Bürgerkrieg', London 1977, S. 982).

 

Nach Dimitri Manuilskis Aussage vor dem 18. Parteitag der KPdSU (1939 - Übers.)

wurde der spanische Widerstand durch

 

" ... die internationale Unterstützung der arbeitenden Menschen, aber vor

allem durch die politische Untersützung seitens der Nationen der Sowjetunion

und durch den Vater aller arbeitenden Menschen, den Genossen Stalin, er-

möglicht."

(Dimitri Manuilski: Bericht der EKKI-Delegation - Delegation der Führung der

Kommunistischen Internationale - Übers.- an den 18. Parteitag der KPdSU, B

vom März 1939, in: 'Das Land des Sozialismus heute und morgen', Moskau

1939, S. 71).

 

 

Die Sowjetunion und Spanien nach dem September 1936

 

 

Zusammengefasst kann man sagen, dass die sowjetische Regierung von ihrer vorheri-

gen Politik Abstand nahm und anfing, der Spanischen Republik dringend benötigte

Hilfe zu gewähren.

 

Auf den ersten Blick mag es deshalb erscheinen, dass die These, die auf dem Treffen

vom Januar 1996 von Ella Rule (siehe Seite 1) vorgetragen wurde, dass es keine Doppel-

bödigkeit in der sowjetischen Außenpolitik zur Zeit des spanischen Bürgerkriegs gab,

richtig war, da die sowjetische Politik der 'Nichteinmischung' durch die sowjetische Po-

litik der Militärhilfe für die republikanische Regierung abgelöst wurde.

 

Tatsächlich behaupten einige bekannte Revisionisten wie Dolores Ibarruri genau dies:

 

"Als die Sowjetunion erkannte, dass das Nichteinmischungs-Komitee nur

ein Rauchvorhang für die Aktivitäten der faschistischen und 'demokratischen'

Mächte zugunsten der Rebellen war, erklärte die Sowjetunion am 7. Oktober

1937 (muss heißen '1936' - Verf.), dass sie ihre Teilnahme an dem Nichtein-

mischungs-Komitee zurückziehe."

(Dolores Ibarruri: Ebenda, S. 263).

 

Aber selbst nachdem sie begonnen hatte, militärische Ausrüstung an die republikani-

sche Regierung zu liefern, zog sich die Sowjetunion keineswegs aus dem 'Nichtein-

mischungs'-komitee zurück. Ganz im Gegenteil:

 

"Die Sowjetunion unternahm keine Anstalten, das Komitee zu verlassen."

(David T. Cattell, 1957: Ebenda, S. 50).

 

"Die Sowjetunion beteiligte sich an dem Abkommen zur 'Nichteinmischung'

sowie am Komitee noch fast so lange, bis diese Einrichtungen aufhörten zu exis-

tieren."

(Iwan Maiski: Ebenda, S. 32).

 

Um es genau zu sagen: Am 4. März 1939 verkündete die Nachrichtenagentur TASS,

dass sich die Sowjetunion aus dem 'Nichteinmischungs-'Komitee zurückziehe:

 

"Der Rat der Volkskommissare der UdSSR entschied am 1. März diesen

Jahres, seine Vertreter aus dem Komitee für 'Nichteinmischung' zurückzuzie-

hen."

(TASS News Agency: Erklärung, 4. März 1939, in: Iwan Maiski, ebenda, S.

202).

 

Dies geschah kurz nachdem die britische und französische Regierung offiziell die

Regierung der Rebellen (der Franco-Faschisten - Übers.) anerkannt hatten:

 

"Am 27. Februar 1939 erkannten Großbritannien und Frankreich offiziell

Franco an und brachen ihre diplomatischen Beziehungen zu der republika-

nischen Regierung ab" -

(Iwan Maiski: Ebenda, S. 199).

 

- nur ein paar Tage, bevor das 'Nichteinmischungs'-Komitee aufgelöst wurde:

 

"Am 20. April 1939 hörte das Komitee als solches offiziell auf zu existieren."

(Iwan Maiski: Ebenda, S. 203).

 

Die Entscheidung, im 'Nichteinmischungs'-Komitee zu bleiben und weiterhin eng

mit den britischen und französischen Imperialisten zusammenzuarbeiten, ging

hauptsächlich auf Maksim Litwinow, den sowjetischen Volkskommissar für Aus-

wärtige Angelegenheiten, zurück:

 

"Die neue Politik der Sowjetunion nahm im Allgemeinen die Form einer

engen Zusammenarbeit mit England und Frankreich im Komitee an. Man

kann davon ausgehen, dass es Litwinow gelang, ... die unbesonneren Kräfte

unter den sowjetischen Führern zu überreden und zu bleiben."

(David T. Cattell, 1957: Ebenda, S. 50).

 

Mit anderen Worten: Angesichts der in der Sowjetunion existierenden Situation in

den Jahren 1936-39 waren die marxistisch-leninistischen Kräfte in der Lage, die sowje-

tische Politik in der Frage der Waffenlieferungen an die Spanische Republik zu ändern,

sie waren jedoch nicht stark genug, diesen Politikwandel konsequent bis zu seinem

logischen Abschluss zu Ende zu führen: bis zur Zurückweisung des gesamten Konzepts

der 'Nichteinmischung'.

 

 

Die Auswirkungen der fortgesetzten sowjetischen Beteiligung an der 'Nichtein-

mischungs'-Politik

 

 

Die Auswirkungen der fortgesetzten Beteiligung der Sowjetunion am 'Nichteinmischungs'-

Komitee bestanden darin, dass der falschen Vorstellung, es könne eine fortschrittliche

Rolle spielen, sowjetischerseits Vorschub geleistet wurde.

 

In den folgenden Monaten war das 'Nichteinmischungs'-Komitee in der Lage, eine Politik

weiterzuverfolgen, die durch die fortschrittliche öffentliche Meinung lautstark zurückge-

wiesen worden wäre, wenn nicht der Anschein einer sowjetischen Unterstützung bestan-

den hätte.

 

Erstens waren sie (die Leute um Maksim Litwinow - Übers.) so in der Lage, den Kontroll-

plan zu sabotieren, der anscheinend dazu gedacht war, das Pseudo-Waffenembargo inter-

national wirksam werden zu lassen:

 

Von Anbeginn des Bürgerkriegs weigerte sich die Sowjetunion, sich an den internationalen

Seepatrouillen um Spanien zu beteiligen und zog es vor, dies den imperialistischen Mäch-

ten - also Großbritannien und Frankreich - zu überlassen. Litwinow in einer Rede vom 14.

September 1937:

 

"Ich entsinne mich, dass ganz zu Beginn des spanischen Konflikts die Sowjet-

union vorschlug, die Seepatrouillen England und Frankreich allein zu überlassen

und dass sie demzufolge freiwillig auf das Recht verzichtete, ... ihre Kriegsschif-

fe ins Mittelmeer zu schicken, um sich an den Kontrollen zu beteiligen."

(Maksim Litwinow: Rede am 14. September 1937, in: Jane Degras, Hrsg.: 'Sowje-

tische Dokumente zur Außenpolitik', Band 3, hiernach zitiert als 'Jane Degras,

Hrsg., 1953, London 1953, S. 254).

 

Das Ergebnis war, dass

 

" ... das Inkrafttreten der Kontrollen in der Nacht vom 19. auf den 20. April 1937

sehr schnell die Sinnlosigkeit dieser Politik unter Beweis stellte."

(Pierre Broué & Emile Témine: Ebenda, S. 342).

 

Selbst Litwinow musste in einer Wahlrede am 27. November zugeben:

 

"Kontrollen werden an den Grenzen und Küsten Spaniens eingerichtet, aber

die Kontrollen lassen sofort Schwachpunkte entstehen, so dass ganze Divi-

sionen und Armeekorps mit der entsprechenden militärischen Ausrüstung die

spanischen Rebellen erreichen können."

(Maksim Litwinow: Wahlrede, 27. November 1937, in: Jane Degras, Hrsg., 1953,

ebenda, S. 267).

 

Und am 17. September 1937 informierten die britische und französische Regierung

 

" ... die anderen 25 'Nichteinmischungs-Staaten', ... dass sie beschlossen

hatten, ihre Seepatrouillen an der spanischen Küste zu beenden."

('Keesings Archive der Zeitgeschichte', Band 3, S. 2.744).

 

Zweitens waren sie (die Litwinow-Revisionisten - Übers.) in der Lage, den Zustrom von

Freiwilligen für die Internationalen Brigaden, die eine so wichtige Rolle im antifaschisti-

schen Widerstand spielten, zu stoppen:

 

Am 4. Dezember 1936

 

" ... unterbreitete die sowjetische Regierung eine neue, äußerst bedeutsame

Initiative."

(Iwan Maiski: Ebenda, S. 97).

 

Dieser Vorschlag bestand darin,

 

" ... dass die Regierungen, die am Nichteinmischungs-Abkommen teilnahmen,

mit allen Mitteln versuchen sollten zu verhindern, dass Freiwillige nach Spanien

entsandt und transportiert werden."

(Iwan Maiski: Brief an das Nichteinmischungs-Komitee, 4. Dezember 1936, in:

Ebenda, S. 97).

 

Am 10. Januar 1937 erkärte das britische Außenminiterium, dass

 

" ... die Bestimmungen des Rekrutierungsgesetzes von 1870 ... auf den aktuel-

len Konflikt in Spanien anwendbar sind."

('Keesings Archive der Zeitgeschichte', Band 3, S. 2.411).

 

Das bedeutete, dass es

 

" ... für jeden britischen Staatsbürger eine Straftat wäre, wenn er eine Einberufung

oder Betätigung beim Militär, in der Marine oder bei der Luftwaffe, egal auf welcher

Seite des aktuellen Konflikts, annehmen würde."

(Ebenda).

 

Am 16. Februar 1937 beschloss das 'Nichteinmischungs'-Komitee,

 

" ... die Durchreise nach Spanien für alle 'Freiwilligen' überhaupt ab dem 21. Fe-

bruar 1937 zu untersagen."

(Iwan Maiski: Ebenda, S. 106).

 

Am 18. Februar 1937 brachte die französische Regierung ein Dekret heraus, durch das

 

" ... die Rekrutierung von Freiwilligen für Spanien und ihren Transport dorthin

untersagt wurde."

('Keesings Archive der Zeitgeschichte', Band 3, S. 2.463).

Und am 20. Februar 1937 kam seitens der sowjetischen Regierung ein Dekret, wonach

 

"es 1. Bürgern der UdSSR verboten ist, spanischen Boden zu betreten, um

sich dort an dem militärischen Geschehen zu beteiligen;

 

2. die Rekrutierung von Personen zwecks Teilnahme an dem militärischen Ge-

schehen in Spanien ... auf dem Territorium der UdSSR verboten ist."

(Dekret der UdSSR vom 20. Februar 1937, in: Jane Degras, Hrsg., 1953, ebd.

SS. 234f).

 

Drittens gelang es ihnen, freiwillige Kämpfer, die bereits in den Internationalen Brigaden

dienten, nach Hause zu bringen:

 

Auf einer Sitzung des Unterausschusses des 'Nichteinmischungs'-Komitees vom 23.

März 1937 erkärte Maiski:

 

"Für uns gibt es zur Zeit keine dringendere und wichtigere Aufgabe als die,

die so genannten 'Freiwilligen' aus Spanien herauszuholen."

(Iwan Maiski: Ebenda, S. 125)

 

Er sagte dies, obwohl der italienische Delegierte Dino Grandi, der

 

" ... erst vor kurzem der ... Zurückziehung ausländischer Kämpfer aus der

Pyrenäen-Halbinsel zugestimmt hatte", ..

(Iwan Maiski, ebenda, S. 125f).

 

..damit angeben konnte, dass

 

"nicht ein einziger italienischer Freiwilliger Spanien vor dem Sieg Francos

Spanien verlassen wird."

(Dino Grandi: Erklärung vor dem Unterausschauss des 'Nichteinmischungs'-

Komitees, 23. März 1937, in: Iwan Maiski: Ebenda, S. 125).

 

Am 14. Juli 1937 wurde dem Komitee ein neuer britischer Plan unterbreitet. Er beinhalte-

te

 

" ... die Zurückziehung sämtlicher Kämpfer aus Spanien."

(Iwan Maiski: Ebenda, S. 158).

 

Am 31. Juli 1937 hieß es in einer Mitteilung von TASS (der sowjetischen Nachrichtenagen-

tur - Übers.):

 

"Die Sowjetunion ... zieht in Erwägung, dass alle Ausländer ..., die in irgendei-

ner Weise an den militärischen Operationen teilnehmen, aus Spanien abgezo-

gen werden sollten. Die sowjetische Regierung ist bereit, alles in ihren Kräften

Stehende zu tun, um dazu beizutragen, dies zu erreichen."

(TASS-Mitteilung vom 31. Juli 1937, in: Jane Degras, Hrsg., 1953, S. 249).

 

Am 5. Juli 1938 wurde auf einer Vollversammlung des 'Nichteinmischungs'-Komitees

 

" ... der britische Plan zur Zurückziehung ausländischer Freiwilliger aus Spanien

einstimmig angenommen."

('Keesings Archive der Zeitgeschichte', Band 3, S. 3.735).

 

Obwohl Franco später - am 30. Dezember 1938 - den Plan zurückwies ('Keesings Archive

der Zeitgeschichte', Band 3, S. 3.384), verkündete Ministerpräsident Juan Negrin am 23.

September 1938, dass

 

" ... seine Regierung beschlossen habe, alle auf ihrer Seite kämpfenden nicht-

spanischen Freiwilligen sofort und vollständig zurückzuziehen."

('Keesings Archive der Zeitgeschichte', Band 3, S. 3.252).

 

 

Die Zweigleisigkeit der sowjetischen Politik gegenüber Spanien

 

 

Die sowjetische Politik der Militärhilfe für die spanische Republik einerseits und die

Mitarbeit im 'Nichteinmischungs'-Komitee andererseits widersprechen sich; beide wur-

den jedoch nach dem September 1936 gleichzeitig weitergeführt.

 

Es wird deshalb deutlich, dass es eine Zweigleisigkeit in der sowjetischen Politik ge-

genüber Spanien in dieser Zeit gab.

 

Diese Zweigleisigkeit lässt sich durch die Tatsache erklären, dass es neben den Mar-

xisten-Leninisten in der Führung der KPdSU, die für einen militärischen Beistand für

Spanien waren, wie Stalin beispielsweise, es auch Revisionisten gab, die sich von marxis-

tisch-leninistischen Prinzipien entfernt hatten und eine Unterstützung der 'Beschwichti-

gungspolitik' der westeuropäischen Mächte (= Politik des Nachgebens gegenüber den

aggressiven Mächten wie Deutschland und Italien - Übers) auf Kosten der Spanischen Re-

publik bevorzugten. Die tatsächlich verfolgte sowjetische Politik gegenüber der Spanischen

Republik war ein Kompromiss zwischen diesen beiden entgegengesetzten Richtungen.

 

Der prominenteste sowjetische Politiker, der zur zweiten, revisionistischen Kategorie ge-

hörte, war der Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten Maksim Litwinow.

 

 

Die Rolle Maksim Litwinows

 

 

Maksim M. Litwinow wurde im Januar 1918 zum Minister für Großbritannien ernannt:

 

"Diese Ernennung wurde offiziellerseits von Trotzki vorgenommen", ..

(John Carswell: 'Das Exil. Das Leben von Ivy Litwinow', London 1983, S. 86).

 

..der damals Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten war.

 

Nachdem er zwischen 1920 und 1930 Stellvertretender Volkskommissar für Auswärti-

ge Angelegenheiten war, trat er im Juli 1930 die Nachfolge von Georgi Tschitscherin als

Volkskommissar für Auswärtiges an - eine Position, die er bis 1939 innehatte.

 

 

Litwinows Einfluss

 

 

Litwinow bildete das ihm obliegende Ministerium so um, dass er dort seine Leute in

Stellung bringen konnte:

 

"Das Volkskommissariat für Auswärtige Angelegenheiten, wie das sowjeti-

sche Aussenministerium genannt wurde, war eine Organisation, die größten-

teils von Litwinow geschaffen wurde. Er ernannte ihr Personal und entwarf ihr

System. ...Das Volkskommissariat für Auswärtige Angelegenheiten und viele

seiner wichtigsten Posten im Ausland war bereits (1930 - Verf.) mit vielen sei-

ner Freunde und Ernennungen besetzt."

(John Carswell: Ebenda, SS. 109, 126).

 

Litwinow, der mit einer Engländerin verheiratet war, war durch die westeuropäische Kul-

tur stark geprägt:

 

" ... Maksim war von der westlichen Lebensweise durchdrungen."

(Ebenda, S. 103).

 

"Maksim war der einzig überlebende Bolschewik, der die westliche Kultur voll

und ganz in sich aufgenommen hatte."

(Edgar Snow: 'Reise an den Anfang', London 1959, S. 312).

 

Dies widerspiegelte sich politisch in Litwinows Unterstützung einer Zusammenarbeit

mit dem westlichen Imperialismus. Er wurde

 

" ... zum bekanntesten sowjetischen Fürsprecher für ... eine Zusammenarbeit

mit dem Westen."

(Alexander Dallin: 'Alliierte Führung im Zweiten Weltkrieg: Stalin', in: 'Survey',

Band 21, Nr. 1 und 2, Winter/Frühjahr 1975, S. 15).

 

In der Zeit vor 1939 wurde Litwinow besonders mit sowjetischen Vorstößen, zusammen

mit den gesättigten und deshalb weniger aggressiven imperialistischen Mächten wie

Großbritannien und Frankreich gegen die weniger gesättigten und deshalb auch aggres-

siveren imperialistischen Mächte wie Deutschland, Italien und Japan eine Partnerschaft

der 'kollektiven Sicherheit' zu bilden in Verbindung gebracht:

 

"Die Sowjetregierung ... ist bereit, wie bisher auch schon, sich an kollektiven

Maßnahmen, deren Ziel es sein müsste, weitere Aggressionen zu verhindern

und die zunehmende Gefahr eines neuen weltweiten Gemetzels auszuschalten,

zu beteiligen."

(Maksim Litwinow: Presseerklärung vom 17. März 1938, in: William P. & Zelda

Coates, ebenda, S. 585).

 

Nach Mastny habe er ehrlich daran geglaubt,

 

" ... dass der sowjetische Einfluss am meisten von einer Zusammenarbeit mit

dem Westen profitieren könne."

(Woitschek Mastny: 'Kassandra des Volkskommissariats für Auswärtige Ange-

legenheiten: Maksim Litwinow und der Kalte Krieg', in: 'Foreign Affairs' - Außen-

politik - Band 54, Nr. 2, Januar 1976, S. 376).

 

Bereits am 17. Januar 1938 kritisierte Andrei Schdanow, Mitglied des Politbüros, das

Außenministerium wegen seiner liberalen Einstellung gegenüber bestimmten imperialis-

tischen Mächten:

 

"Fast jede auswärtige Macht besitzt in Leningrad ein Konsulat und ich muss

sagen, dass einige dieser Geschäftsträger eindeutig die Grenzen ihrer Befugnisse

überschreiten und ihre Verpflichtungen verletzen und sich auf ungesetzliche Weise

betätigen und Handlungen vollziehen, die dem Volk und dem Land, bei dem sie

als Geschäftsträger zugelassen sind, Schaden zufügen.

Weshalb duldet das Volkskommissariat für Auswärtige Angelegenheiten einen

Zustand, demzufolge die Zahl der Konsulate, die auswärtige Mächte in der UdSSR

vertreten, nicht der Zahl der Konsulate, durch die die Sowjetunion in diesen Staa-

ten vertreten ist, entspricht, sondern größer ist?

Und weiter, Genossen ... Was sollen wir von einem Zustand halten, wonach die

Regierung eines Landes (Frankreichs - Verf.), mit der wir ziemlich enge Beziehun-

gen haben, ... Organisationen auf ihrem eigenen Territorium gestattet, die terroris-

tische Akte gegen die UdSSR planen und ausführen."

(Andrei Schdanow: Rede zur Arbeit des Volkskommissariats für Auswärtige Ange-

legenheiten, 17. Januar 1938, in: Jane Degras, Hrsg., 1953, ebenda, SS. 269f).

 

Und Wjatscheslaw Molotow, Ministerpräsident der UdSSR, fügte in einer Rede vor dem Ober-

sten Sowjet ein paar Tage darauf (am 19. Januar 1938) hinzu:

 

"Die Bemerkungen des Genossen Schdanow über die ausländischen Konsulate ...

sind vom Rat der Volkskommissare aufmerksam verfolgt worden und er wird in

nächster Zeit alle nötigen Schritte unternehmen.

Jetzt zu unseren Beziehungen mit Frankreich. Auch hier müssen wir feststellen,

dass die Bemerkungen des Genossen Schdanow voll und ganz zutreffen. ...

Auf französischem Territorium findet jede Art von abenteuerlicher und krimineller

Organisation eine Zuflucht, auch Nester von Giftschlangen, von Terroristen und

Saboteuren. ... Wie ist dies mit dem sowjetisch-französischen Freundschaftspakt

zu vereinbaren? Das Volkskommissariat für Auswärtige Angelegenheiten sollte

sich ganz bestimmt mit diesen Dingen beschäftigen."

(Wjatscheslaw Molotow: Rede vor dem Obersten Sowjet der UdSSR, 19. Januar

1938, in: Jane Degras, Hrsg., 1953, ebenda, SS. 271f).

 

Wie Litwinows Frau Ivy später hinzufügte:

 

"Auf der Januar-Sitzung (1938 - Verf.) des Obersten Sowjet, machte Schdanow

herabsetzende Bemerkungen über die politische Arbeit des Volkskommissariats

für Auswärtige Angelegenheiten. Litwinows Name wurde nicht erwähnt, aber Kritik

wird in der Sowjetunion nie auf die leichte Schulter genommen. ... Maksim war

klar, dass er in Ungnade gefallen war."

(Ivy Litwinow: 'Aus Liebe für Russland', in: 'Observer Review', 25. Juli 1976, S. 17).

 

 

Litwinow und der deutsch-sowjetische Nichtangriffsvertrag

 

 

Schon 1937 ließ der britische Außenminister Lord Halifax Hitler wissen, wie sehr die bri-

tische Regierung ihn wegen seiner Unterdrückung des Kommunismus in Deutschland be-

wundere:

 

"Das großartige Verdienst, das dem Führer beim Neuaufbau Deutschlands ge-

bührt, wurde voll und ganz anerkannt, und wenn die britische öffentliche Meinung

ab und an eine kritische Stellung gegenüber bestimmten deutschen Problemen

beziehe, dann teilweise deshalb, weil die Menschen in England nicht vollständig

über die Motive und Umstände, auf die sich gewisse Maßnahmen zurückführen

lassen, informiert sind. ...

Die britische Regierung sei sich voll darüber im Klaren, dass ... durch die Zer-

störung des Kommunismus in seinem Lande, er den Weg für ihn nach Westeu-

ropa verlegt habe und dass Deutschland deshalb zu Recht als ein Bollwerk des

Westens gegen den Bolschewismus angesehen werden könne."

(Lord Halifax: Protokoll eines Gesprächs mit Hitler, 19. November 1937, in: 'Do-

kumente und Materialien zum Vorabend des Zweiten Weltkriegs. Aus den Ar-

chiven des Deutschen Außenministeriums', Band 1, hiernach zitiert als 'Archive',

Moskau 1948, SS. 19f).

 

Er schlug Berlin die Bildung einer Viermächtekoalition vor, die Großbritannien, Frankreich,

Deutschland und Italien einschließen könne:

 

"Nachdem der Boden für eine deutsch-britische Verständigung vorbereitet worden

ist, müssen die vier großen westeuropäischen Mächte gemeinsam die Grundla-

gen für einen dauerhaften Frieden in Europa schaffen.

Der Führer erwiderte, dass ... Lord Halifax eine Vereinbarung der vier Westmächte

als das schließliche Ziel der deutsch-britischen Zusammenarbeit ansehe."

('Archive', ebenda, SS. 29ff).

 

Mit anderen Worten: Die britische Regierung hatte bereits vorgeschlagen, dass

 

" ... Großbritannien und auch Frankreich sich der Berlin-Rom-Achse anschlie-

ßen sollten."

(Sowjetisches Informationsbüro: 'Fälscher der Geschichte - historischer Informa-

tionen', London 1948, S. 21).

 

Unter diesen Umständen

 

" ... stand die Sowjetunion vor der Alternative, entweder aus Gründen der Selbst-

verteidigung den deutschen Vorschlag, einen Nichtangriffsvertrag abzuschließen,

anzunehmen und dadurch der Sowjetunion eine Verlängerung des Friedens für

eine bestimmte Zeitspanne zu ermöglichen, die von der Sowjetunion für die bes-

sere Vorbereitung ihrer Verteidigung auf einen möglichen Angriff des Aggressors

genutzt werden könnte, oder Deutschlands Vorschlag eines Nichtangriffspaktes

zurückzuweisen und dann den Kriegstreibern im Lager der Westmächte zu ge-

statten, die Sowjetunion sofort in einen bewaffneten Konflikt zu einer Zeit einzu-

beziehen, als die Lage für die Sowjetunion äußerst ungünstig war und als sie voll-

ständig isoliert dastand.

In dieser Situation sah sich die sowjetische Regierung gezwungen, ihre Wahl zu

treffen und den Nichtangriffsvertrag mit Deutschland abzuschließen."

(Sowjetisches Informationsbüro: 'Fälscher der Geschichte - historischer Informa-

tionen', ebenda, S. 44).

Litwinow jedoch war und blieb der sowjetischen Annäherung an Deutschland gegenüber

feindlich gesonnen:

 

"Litwinow ... missbilligte Stalins geplante Annäherung an Deutschland."

(Woitschek Mastny: Ebenda, S. 367).

 

Er

 

" ... billigte nie, weder durch Worte noch durch Gesten, Stalins Pakt mit Hitler."

(Louis Fischer: 'Die große Herausforderung', New York 1971, S. 54).

 

Im Mai 1939 wurde Litwinow als Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten von

Wjatscheslaw Molotow abgelöst. Der Wandel wies auf die Anbahnung

 

" ... einer grundlegenden Wende in der Außenpolitik hin."

(John Carswell: Ebenda, S. 145).

 

Denn: Im August 1939 unterzeichnete die Sowjetregierung den Nichtangriffsvertrag mit

Deutschland.

 

Zu eben dieser Zeit kritisierte Molotow bestimmte 'kurzsichtige' Leute in der Sowjetunion

stärker in der Öffentlichkeit - Leute, die die 'antifaschistische Propaganda vereinfacht dar-

stellten' und die Gefahren durch andere (nichtfaschistische ) imperialistische Mächte ver-

gessen machten:

 

"Es gab kurzsichtige Leute auch in unserem Lande, die dazu neigten, die anti-

faschistische Propaganda vereinfacht darzustellen und die diese provokative

Arbeit unserer Feinde vergaßen."

(Wjatscheslaw Molotow: Erklärung vor dem Obersten Sowjet zum Abschluss des

deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrags, 31. August 1939, London 1939, S. 8).

 

In einem biografischen Artikel zu Litwinow weist Henry Roberts darauf hin, dass Molotows

Kommentar

 

" ... als eine Ohrfeige für Molotow angesehen werden kann."

(Henry L. Roberts: 'Maksim Litwinow', in: Gordon A. Craig & Felix Gilbert, Hrsg.:

Die Diplomaten: 1919-1939', Princeton, USA, 1953, S. 375).

 

Der revisionistische Diplomat Andrei Gromyko, der spätere Außenminister der UdSSR,

schreibt in seinen Erinnerungen über eine Begebenheit aus dem Jahre 1942:

 

"Während Molotows Besuch in Washington im Juni 1942 wunderte ich mich über

eine Unterhaltung, die er und Litwinow führten, während wir in Richtung der Appala-

chen unterwegs waren. Wir unterhielten uns über die Franzosen und die Briten und

Molotow kritisierte scharf ihre Vorkriegspolitik, die darauf abzielte, Hitler in einen

Krieg mit der UdSSR zu treiben; d.h. er vertrat die offizielle Parteilinie. Litwinow

stimmte nicht zu. Dies war der Hauptgrund für seine Entfernung vom Posten des

Volkskommissars für Auswärtiges im Jahre 1939 gewesen. Dennoch: Hier war er

wieder und verteidigte hartnäckig die Weigerung Großbritanniens und Frankreichs,

mit der Sowjetunion zusammenzugehen, um Hitler fest entgegenzutreten, bevor er

seinen schicksalsschweren Angriff gegen die UdSSR unternehmen konnte. Ob-

wohl er von seinem Posten wegen derlei Ansichten entfernt worden war, fuhr Litwi-

now fort, sie gegenüber Molotow und damit auch gegenüber Stalin zu verteidigen.

Es war merkwürdig, jemanden zuhören zu müssen, der scheinbar nichts von Mün-

chen und den Folgen mitbekommen hatte."

(Andrei Gromyko: 'Erinnerungen', London 1989, S. 312).

 

1948 fand das Sowjetische Informationsbüro immer noch freundliche Worte für Litwinows

Absetzung:

 

"In der schwierigen Lage, als die faschistischen Angreifer den Zweiten Weltkrieg

vorbereiteten, ... war es nötig, auf einem so wichtigen Posten wie dem des Volks-

kommissars für Auswärtige Angelegenheiten einen politischen Führer zu haben,

der größere Erfahrung und größeren Rückhalt in der Bevölkerung besaß als Mak-

sim Litwinow."

('Fälscher der Geschichte...', ebenda, SS. 16f).

 

 

Litwinows weitere Zurückversetzung

 

 

Im Februar 1941 wurde Litwinow noch einmal zurückversetzt: Es wurde der Schritt unter-

nommen,

 

" ... Maksim die einzige Position, die er noch besaß, Mitgliedschaft im Zentral-

komitee der Kommunistischen Partei, zu nehmen."

(John Carswell: Ebenda, S. 148).

 

Dies geschah

 

" ... in Übereinstimmung mit der offiziellen Verlautbarung, dass er seinen Ver-

pflichtungen nicht nachgekommen sei."

(Woitschek Mastny: Ebenda, S. 367).

 

Ivy Litwinow zufolge habe Litwinow Stalin, als er gerade gehen wollte, zugerufen:

 

" ... 'Bedeutet dies, dass Ihr mich als Volksfeind anseht?' Der Boss nahm seine

Pfeife aus dem Mund und sagte darauf: 'Wir betrachten dich nicht als Feind des

Volkes'."

(Ivy Litwinow: Ebenda, S. 17).

 

Und John Carswell, der Biograf von Ivy Litwinow, schreibt, dass

 

" ... diese Schmähung ... ein wichtiges Stadium seiner Desillusionierung mit der

'Realität', die die Revolution beanspruchte geschaffen zu haben, darstellte."

(John Carswell: Ebenda, S. 149).

 

 

Litwinow nach Washington

 

 

Im Dezember 1941 - einige Monate nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion -

 

" ... ließ Stalin Litwinow zu sich bestellen, schüttelte ihm freundlich die Hand und

schickte ihn nach Washington."

(Ilja Ehrenburg: 'Menschen, Jahre - Leben', Band 6, 'Nachkriegsjahre: 1945-1954',

London 1966, S. 279).

 

Und Litwinows Biograf, Woitschek Mastny bemerkt, dass unter den neuen Umständen

einer anglo-amerikanischen Zusammenarbeit Litwinow

 

" ... die richtige Person war, um den Westen zu beruhigen."

(Woitschek Mastny: Ebenda, S. 368).

 

 

Litwinow bringt seine Kritik an der sowjetischen Außenpolitik zum Ausdruck

 

 

Litwinows Biograf Woitschek Mastny stellt fest:

 

"Gegen Ende seiner langen und außergewöhnlichen Karriere im sowjetischen

diplomatischen Dienst lockte er seine ausländischen Gesprächspartner mit

zunehmend offenherzigen Äußerungen von Kritik an der offiziellen Linie seines

Arbeitgebers. Es sind mehrere solcher Begebenheiten zwischen Mai 1943 und

Februar 1947 bekanntgeworden."

(Ebenda, S. 366).

 

Nachdem er im Mai 1943 nach Moskau zurückbeordert worden war, beschwerte er sich

gegenüber dem stellvertretenden Außenminister der USA, Summer Welles,

 

" ... dass er nicht in der Lage sei, mit Stalin zu kommunizieren, dessen Isola-

tion eine verzerrte Sicht des Westens hervorgebracht habe."

(Ebenda, S. 368).

 

Nach Angaben des revisionistischen sowjetischen Autors Ilja Ehrenburg hielt sich

 

" ... Litwinow jedoch mit Äußerungen ihm (Stalin - Verf.) gegenüber zurück,

... und nur einmal, als er sich über Außenpolitik ausließ, sagte er mit einem

Seufzer: 'Er kennt den Westen nicht'."

(Ilja Ehrenburg: Ebenda, S. 278).

 

Zur gleichen Zeit, als Litwinow nach Moskau aus den USA zurückbeordert wurde,

 

" ... wurde auch der andere offizielle Protagonist mit pro-westlichem Anse-

hen, der sowjetische Botschafter in London, Iwan Maiski", ..

(Woitschek Mastny: Ebenda).

 

..nach Moskau zurückgerufen.

 

Litwinow

 

" ...war immer noch Stellvertretender Außenminister (die Bezeichnung 'Volks-

kommissar' war im Januar zugunsten von 'Minister' abgeschafft worden - Verf.),

ihm wurden jedoch nur noch unbedeutende Angelegenheiten übertragen."

(Ilja Ehrenburg: Ebenda, S. 279).

 

In den ersten Monaten des Jahres 1945

 

" ... machte Maksim kein Hehl aus seiner Meinung, dass die Vereinbarung

von Jalta, Stalins größter diplomatischer Sieg, eine Katastrophe für die künfti-

gen internationalen Beziehungen sei."

(John Carswell: Ebenda, SS. 158f).

 

Im Juni 1945 beschwerte er sich dann bei dem US-Journalisten Edgar Snow:

 

" 'Wir (Litwinow und Maiski - Verf.) befinden uns in der Ablage ...

Das Kommissariat (er meint das Außenministerium - Verf) wird nur von drei

Leuten geführt und keiner von ihnen kennt oder versteht Amerika und Großbri-

tannien ...

Warum habt Ihr Amerikaner so lange bis jetzt gewartet, um uns auf dem Bal-

kan und in Osteuropa entgegenzutreten? Ihr hättet dies schon vor drei Jahren

tun sollen. Jetzt ist es zu spät'."

(Edgar Snow: Ebenda, SS. 314, 357).

 

Im Juni 1946 gab Litwinow in Moskau Richard Hottelot, dem Korrespondenten von

'Columbia Broadcasting System', ein Interview. Nach Aussagen von Hottelot war

 

" ... Litwinows Haltung eine der Resignation, gepaart mit Widerwille und Er-

leichterung, dass er nicht mit der Außenpolitik seiner Regierung in Verbin-

dung gebracht wurde."

(Richard C. Hottelot: Interview mit Maksim Litwinow, Juni 1946, in: 'Washing-

ton Post', 22. Januar 1952, S. 11B).

 

Hottelot zufolge soll Litwinow erklärt haben:

 

"Dem Kreml kann man nicht trauen und es keinen Zweck, ihm nachzugeben."

(Maksim Litwinow: Interview mit Richard Hottelot, Juni 1946, 'Washington Post',

21. Januar 1952).

 

So dass jeder Versuch seitens der Westmächte, sowjetische Wünsche zu erfüllen,

 

" ... dazu führen wird, dass sich der Westen früher oder später mit der

nächsten Serie von Forderungen konfrontiert sehen müsse."

(Maksim Litwinow: Interview mit Richard Hottelot, Juni 1946, in: ' Washington

Post', 21. Januar 1952, S. 1).

 

Das Interview blieb wegen seines Inhalts bis zu Litwinows Tod im Dezember 1951 un-

veröffentlicht. Hottelot erklärt sich Litwinows Offenheit durch seinen Wunsch, dem Wes-

ten sein 'politisches Testament' vorzulegen:

 

"Dieses seltsame Zwischenspiel erweckte den Eindruck, ... dass dies als

Litwinows politisches Testament an die westliche Welt gemeint war."

(Richard C. Hottelot: Interview mit Maksim Litwinow, Juni 1946, 'Washington

Post', 21. Januar 1952, S. 4).

 

"Wir wussten, dass seine Karriere gerade zuende gegangen war. ... Dies war

wahrscheinlich Litwinows letzte Gelegenheit, gehört zu werden."

(Ebenda, in: 'Washington Post', 24. Januar 1952, S. 13).

 

 

Litwinows letzte Zurückversetzung

 

 

Im August 1946

 

" ... druckte die 'Prawda' eine kurze Notiz in kleiner Schrift auf ihrer Rückseite

ab, woraus hervorging, dass Maksim Maksimowitsch Litwinow vom Posten des

stellvertretenden Außenministers enthoben worden war. Das war alles. Er geriet

in Vergessenheit."

('Washington Post', 24. Januar 1952, S. 13).

 

Ilja Ehrenburg bemerkt, dass

 

" ... Litwinow nicht verhaftet wurde, dass Stalin ihn jedoch all seiner Ämter ent-

hob. ... Er wurde in den Ruhestand geschickt - gegen seinen Willen."

(Ilja Ehrenburg: Ebenda, SS. 278f).

 

Jedoch

 

" ... verfolgte er die Entwicklung der sowjetischen Außenpolitik mit zunehmen-

dem Missfallen. Den größten Teil seiner Zeit verbrachte er damit, ein lange

Denkschrift an Stalin auszuarbeiten, die die 'Irrtümer Molotows' untersuchte

und kommentierte."

(John Carswell: Ebenda, S. 161).

 

"Die Jahre seines Ruhestands waren überschattet von der Möglichkeit der

Brandmarkung und eines Prozesses."

(Ebenda).

 

 

Der Tod Litwinows

 

 

An Litwinows Beerdigung im Januar 1952

 

" ... waren die höchstrangigsten Trauergäste stellvertretende Ministerpräsi-

denten", ..

('Washington Post', 25. Januar 1952, S. 21).

 

..ohne, dass

 

" ... jemand vom Politbüro anwesend war."

(Henry L. Roberts: Ebenda, S. 375).

 

 

Schlussfolgerung

 

 

Julio Alvarez del Vayo, der fast in der gesamten Zeit des Spanischen Bürgerkriegs

spanischer Außenminister der republikanischen Regierung war, fast die

 

" ... die ganze Saga der Nichteinmischung" ..

(Iwan Maiski: Ebenda, S. 203).

 

..wie folgt zusammen:

 

"Es war das hervorragendste Beispiel der Kunst dafür, wie man Opfer an

die aggressiven Staaten ausliefern und sich gleichzeitig den Anschein eines

perfekten Gentlemans bewahren und dann noch so tun konnte, als ob der

Frieden das alleinige Ziel und das einzige Anliegen sei."

(Julio Alvarez del Vayo: Ebenda, S. 252).

 

...und revisionistische Elemente in einflussreichen Positionen in der KPdSU waren

die Komplizen in dieser reaktionären Farce.