zurück zu Literatur über die Sowjetunion

Prof. I. S. Swawitsch:

Presse und Verlagswesen in der UdSSR

(SWA-Verlag Berlin 1948)

INHALTSVERZEICHNIS:

Einleitung

Anhang: Dreißig Jahre sowjetisches Buch

Einleitung

Im Jahre 1942, während der Sommeroffensive der Hitlerarmee in Richtung Wolga und Kaukasus, hatte ich Gelegenheit, mich mit einem ausländischen Journalisten, einem guten Beobachter, über die sowjetische Presse zu unterhalten.

Mein Gesprächspartner fragte mich: »Wie erklären Sie sich die erstaunliche Siegeszuversicht, die sich in allen sowjetischen Zeitungen und Zeitschriften widerspiegelt? Vielleicht gibt es in der UdSSR irgendein einheitliches Zentrum, das der gesamten sowjetischen Presse, von der kleinen bis zur großen, von der Betriebszeitung im Ural an bis hinauf zur Moskauer Prawda, darüber Direktiven erteilt?«

Ich antwortete: »Ein solches Zentrum, das die Führung der gesamten Presse mit ihren hohen Millionenauflagen in sich vereinigt und sie tagein, tagaus in jeder Beziehung lenkt, besitzen wir nicht, und ein solches Zentrum kann es auch überhaupt nicht geben. Aber Sie haben richtig bemerkt, daß die gesamte sowjetische Presse von einem einheitlichen Schwung beseelt ist. Die Erklärung hierfür ist in der Volkstümlichkeit der sowjetischen Presse zu suchen. Die Presse in der UdSSR spiegelt den Willen, die Ansichten und die Interessen des sowjetischen Volkes wider. Heute organisiert sie diesen Willen, diese Ansichten und diese Interessen zum Zwecke des Sieges über den heimtückischen Feind, der in das Gebiet unseres Vaterlandes eingedrungen ist.«

Ich kann jetzt nur meine Ansicht wiederholen, daß der wesent­liche Charakterzug der Sowjetpresse ihre Volkstümlichkeit ist. Im Sowjetland l i e s t das Volk nicht nur die Zeitung und die Zeitschrif­ten, sondern es nimmt an der Presse auch aktiven Anteil. In der UdSSR gibt es keine scharfe Scheidung zwischen den Berufsjourna­listen und den Zeitungslesern. Das sowjetische Verlagswesen gehört dem Volke - entweder gehören die einzelnen Verlage Berufsver­bänden, wie der Verlag der Zeitung Trud (Die Arbeit), oder Jugend­organisationen, wie z. B. die Zeitung Komsomolskaja Prawda (Die Komsomol-Prawda) oder das Journal Wokrug Swjeta (Rund um die Welt), oder dem örtlichen Sowjet und dem Obersten Sowjet, wie die Zeitung Iswestija (Nachrichten) in Moskau, oder den Organisa­tionen der Kommunistischen Partei, wie die Prawda (Die Wahrheit) in Moskau oder die Leningradskaja Prawda (Leningrader Prawda), oder schließlich den Vereinigungen der Geistesarbeiter, wie die Literaturnaja Gaseta (Literaturzeitung) und die Sowjetskoje Iskus­stwo (Die Sowjetische Kunst). In der UdSSR gibt es keine Zeitung, die sich im Besitze von Privatpersonen befindet oder von irgend­welchen Vertretern des Monopolkapitals, die in der Presse persön­liche Profitinteressen verfolgen.

Im Zusammenhang damit sei es gestattet, die allgemeine Frage der Pressefreiheit zu berühren.

Die Presse in der UdSSR ist von der Macht des Kapitals befreit. Lenin hat mehr als einmal darauf hingewiesen, daß die Presse­freiheit »ein Betrug sei, solange sich die besten Druckereien und die größeren Papiervorräte im Besitze der Kapitalisten befinden und solange die Macht des Kapitals über die Presse besteht«,

W. M. Molotow führte auf der Pariser Friedenskonferenz, als er Herrn Byrnes antwortete, zur Charakterisierung der kapitalistischen Presse Englands und Amerikas eine Reihe Äußerungen von Persön­lichkeiten des öffentlichen Lebens an, die wahrscheinlich die Äuße­rungen Lenins nicht kannten, seine Meinung aber doch tatsächlich illustrierten.

W. M. Molotow bezog sich z. B. auf das Buch des Amerikaners George Seldes: »So sind die Tatsachen«, das im Jahre 1943 erschienen war. Seldes weist darauf hin, daß in Amerika mächtige Monopole vorhanden sind, in deren Händen sich die verbreitetsten Organe der amerikanischen Presse befinden, die tonangebend sind und die die politischen Informationen in den amerikanischen Zeitungen in starkem Maße standardisieren.

Seldes sagte von diesen Händlern mit Zeitungsgift: »Von dieser ganzen Gruppe von Zeitungsmachthabern ist zu sagen, daß sie völ­lig bar jeden Gefühls bürgerlicher Verantwortung sind. Diese Leute, denen die Lenkung der öffentlichen Meinung obliegt, sind in gesell­schaftlichen und ökonomischen Fragen völlige Analphabeten: Sie werden ausschließlich von den Interessen ihres eigenen Geldbeutels geleitet.« ( Zitiert nach Auszügen, die in der Zeitung Prawda vom 10. August 1946 angeführt sind.)

Der Generalstaatsanwalt von England, Hartley Shawcross, hat am 30. Juli 1946 das in England bestehende Presseregime scharf verurteilt:

»Jede Zeitung in England müßte auf ihrer ersten Spalte folgende Erklärung bringen:

,Diese Zeitung gehört dem Lord Soundso. Der Zweck dieser Zei­tung ist das Erzielen wirtschaftlicher Vorteile, der Ausdruck der persönlichen Ansichten, auf denen Seine Lordschaft von Zeit zu Zeit zu bestehen geruhen. Es besteht keine Garantie, daß die von der Zeitung berichteten Tatsachen mit der Wirklichkeit übereinstimmen; sie können alles mögliche sein, nur keine Wahrheit.'«

Shawcross bemerkte weiter, daß das »Vorhandensein einer infor­mierten öffentlichen Meinung nicht nur von dem Vorhandensein einer freien Presse, sondern auch von dem Vorhandensein einer objektiven und ehrlichen Presse abhängig ist«. ( Ich zitiere nach der erwähnten Rede von W. M. Molotow.)

J.W. Stalin bemerkte in seiner Unterhaltung mit ausländischen Arbeiterdelegationen im Jahre 1927:

»Ohne die besten Druckereien, die besten Zeitungsverlage, ohne legale Organisationen der Arbeiterklasse, und zwar von den klein­sten bis zu den größten, die Millionen der Arbeiterklasse umfassen, ohne die größtmögliche Versammlungsfreiheit gibt es keine freie Presse.«

Artikel 125 der Verfassung der UdSSR lautet daher: »In Übereinstimmung mit den Interessen der Werktätigen und zum Zwecke der Festigung des sozialistischen Systems werden den Bürgern der UdSSR durch das Gesetz garantiert:

  • die Redefreiheit,
  • die Pressefreiheit,
  • die Meetings- und Versammlungsfreiheit,
  • die Freiheit von Straßenumzügen und -kundgebungen.

Diese Rechte der Bürger werden dadurch gewährleistet, daß den Werktätigen und ihren Organisationen die Druckereien, Papiervor­räte, öffentlichen Gebäude, Straßen, das Post- und Fernmeldewesen und andere materielle Bedingungen, die zu ihrer Ausübung not­wendig sind, zur Verfügung gestellt werden.«

In dieser materiellen Sicherung der Rechte des Volkes zur Nutz­nießung der Pressefreiheit besteht der grundlegende Unterschied zwischen der Stellung der Presse in der Sowjetunion und jener in den Ländern der bürgerlichen Demokratie, in denen die Volks­massen formell die Pressefreiheit besitzen, tatsächlich aber der Mög­lichkeit ihrer Nutznießung beraubt sind, da die hierfür notwendigen materiellen Mittel: Druckereien, Papier, laufende Geldmittel, Ver­triebsapparat usw., vom Großkapital monopolisiert sind.

Das sowjetische Volk nimmt an den Zeitungen nicht nur dadurch Anteil, daß sich die Zeitungen i m Besitze wirklicher Volks­organisationen b e f in d e n, sondern dadurch, daß sich die einfachen Leute in einem solchen Umfange zur unmittelbaren Mitarbeit an der Presse herangezogen fühlen, wie das in keinem anderen Lande als in der UdSSR der Fall ist. Die Leute, die für die Sowjetpresse ständig schreiben, d. h. Berufsjournalisten, stellen nur einen geringen Pro­zentsatz der Zahl der Sowjetbürger dar, die in der Presse zu Worte kommen.

Die Arbeiter der Fabriken und Werke schreiben an die Betriebs­zeitungen oder auch, wie die Kolchosbauern, an die lokalen städti­schen und Bezirkszeitungen. Die »große« Presse achtet aufmerksam auf diese Äußerungen. Die Prawda, die Iswestija und andere zen­trale Zeitungen benutzen und kommentieren systematisch das in der lokalen Presse veröffentlichte Material und schöpfen aus dieser Quelle die Nachrichten, die von großem, allgemein-staatlichem Interesse sind.

Wie scharf die Leser in der UdSSR auf die Artikel und die Presse­bemerkungen reagieren, kann man aus dem Schriftwechsel der Leser mit den Zeitungs- und Zeitschriftenredaktionen schließen. Die ge­ringste Unrichtigkeit in der Informierung - aus Versehen entstan­den - oder ein zufälliger Druckfehler rufen aus allen Ecken des Landes Briefe an die Redaktion hervor; die Leser wollen, indem sie auf den Fehler hinweisen, der Redaktion helfen, ihn zu berichtigen. Aber damit nicht genug: die Leser beeilen sich, ihre Meinung über die Fragen, die in den Artikeln der Zeitung und der Zeitschrift berührt wurden, zu äußern. Sie bitten die Zeitungen um Aufklärung, was in diesen Fragen getan worden ist. Die Leser erblicken in der sowjetischen Presse ein wirksames Werkzeug für den sozialistischen Aufbau und verlangen von der Zeitung oder der Zeitschrift nicht nur, daß sie konkrete Probleme des sowjetischen Lebens aufwerfen und die Wege zu ihrer Lösung angeben, sondern daß sie auch darüber wachen, was zur praktischen Verwirklichung der von der Presse her­vorgehobenen Aufgaben konkret unternommen und getan worden ist.

Dem sowjetischen Volke, dem Besitzer der Presse, zu dienen und ausschließlich seine Interessen zum Ausdruck zu bringen, das ist folglich das Hauptziel, die wesentliche Besonderheit der sowjeti­schen Presse.

Groß ist in der Sowjetpresse die Verantwortung für das gedruckte Wort. Die sowjetische Presse sucht keine Sensationen, vermeidet sie vielmehr. »Siebenmal miß und einmal schneid ab«, sagt ein altes russisches Sprichwort. »Siebenmal prüf und einmal schreib nieder«, so lautet die Devise der Sowjetpresse. Der sowjetische Berichterstatter und der sowjetische Redakteur tragen vor allem die Verantwortung für eine wahrheitsgetreue Darstellung der Tatsachen, und jeder unparteiische Zeuge muß anerkennen, daß man in der Presse der UdSSR Zeitungs-»Enten«, lügenhafte Hirngespinste und sen­sationelle Verstümmelungen der Wirklichkeit vergeblich sucht.

Der sowjetische Leser ist an die wahrheitsgetreue Darstellung der Tatsachen in der sowjetischen Presse so sehr gewöhnt, daß er sich gar nicht vorstellen kann, daß »seine« Zeitung lügen könnte. In der Verlogenheit der bürgerlichen Presse sieht der sowjetische Leser eine der Widernatürlichkeiten, die durch das kapitalistische Regime er­zeugt werden. In der UdSSR gibt es keinen Kapitalismus, ist keine solche Lügenquelle vorhanden, und infolgedessen kann dort die Lüge auch selbst nicht vorhanden sein. Deshalb sucht der sowjetische Leser in seiner Zeitung nicht nur eine wahrheitsgetreue Informie­rung - er ist davon überzeugt, daß die Mitteilungen der Zeitung wahrheitsgetreu sind -, sondern er sucht in ihr Verallgemeine­rungen, Erläuterungen zu den Ereignissen, er sucht die Vielseitigkeit der für die Allgemeinheit wichtigen Informationen, eine Kritik der Mängel, und zwar eine scharfe, unabhängige Kritik.

Die Verantwortung für das gedruckte Wort bestimmt die sowje­tische Presse dazu, ganz besonders aufmerksam zu sein, wenn es sich um die gegenseitigen Beziehungen zu anderen Staaten handelt. Unter den sowjetischen Journalisten hat niemals einer sich bis zur Lüge oder Falschmeldung gegenüber einem anderen Lande erniedrigt: eine solche Erscheinung wäre in der UdSSR unzulässig.

Die sowjetische Presse ist, wie bekannt, in entschiedener Weise für die völlige Zerschmetterung Hitler-Deutschlands eingetreten. Jetzt, da dieses Ziel erreicht ist, tritt sie nicht weniger entschiedenfür einen demokratischen Frieden als Grundlage eines dauerhaften und langjährigen Friedens ein.

Die sowjetische Presse ist ein Werkzeug des Friedens; dieser Um­stand entspringt aus der Wesenheit der sowjetischen Presse selbst, da sie ja eine Presse des Volkes, eine Presse einer wirklichen Demo­kratie ist. Die Sowjetdemokratie will mit allen Völkern der Erde in Frieden leben. Daher führte und führt die Sowjetpresse stets einen scharfen, grundsätzlichen Kampf mit den Feinden des Frie­dens, indem sie dabei die Verteidigung des Friedens im Auge hat, und zwar eine folgerichtige, kompromißlose Verteidigung.

Dabei verwechselt die Sowjetpresse niemals die aggressiven Grup­pen der einzelnen Länder mit den Völkern dieser Länder, und alle unbegründeten Verallgemeinerungen, die für diese Völker beleidi­gend sein und der Sache des Friedens Abbruch tun könnten, sind ihr fremd.

Allen ist die Rolle bekannt, die die sowjetische Presse in der Ent­larvung der räuberischen Politik des Faschismus gespielt hat. Jetzt hat die Sowjetpresse den Kriegshetzer, den eingefleischten Tory, Herrn Churchill, und andere Verkünder des streitbaren Imperia­lismus von der Art Walter Lippmans und Kansorten nach Gebühr behandelt.

Gleichzeitig macht die Sowjetpresse mit ihrer Kritik auch vor denen nicht halt, die vielleicht aufrichtig den Frieden wollen, dieses Ziel jedoch auf falschen, im Grunde genommen der Sache des Frie­dens schadenden Wegen ansteuern.

Bei diesem Kampf um den Frieden, den die Sowjetpresse als ihre wichtigste Aufgabe ansieht, geht sie immer von der strengsten Wür­digung der Tatsachen aus und verläßt niemals den Boden der Grundsätzlichkeit.

Das Ausland ist mitunter erstaunt über die gemäßigte und be­herrschte Haltung, mit der die Sowjetpresse auf manche internatio­nalen Ereignisse und verleumderischen Kampagnen der ausländischen reaktionären Presse reagiert. Indessen ist in dieser Mäßigung nur die Überzeugung der sowjetischen Presse von der Gerechtigkeit der von ihr vertretenen Sache zu sehen und die Überzeugung, daß die Inter­essen des Friedens, die sie verteidigt, zu gleicher Zeit auch die Lebens­interessen aller anderen friedliebenden Völker sind.

Bei der Würdigung der Stellung der einzelnen Länder und ihrer Regierungen zu den Fragen des Friedens und der Sicherheit hält sich die Sowjetpresse immer an die Tatsachen. Sie vertraut dem gesun­den Menschenverstand der »einfachen Leute«, die die Tatsachen zu beurteilen v e r s t e h e n, daher beleuchtet die Sowjetpresse z. B. die Arbeit der UN oder die Pariser Friedenskonferenz bedeutend ein­gehender als die Mehrheit der ausländischen »großen« Zeitungen, d. h. der führenden kapitalistischen Presse. Die sowjetische Presse sieht den Meinungsaustausch in der UN oder auf der Pariser Frie­denskonferenz ohne Ausnahme als eine wichtige Angelegenheit an, zum Teil als einen Kampf um den Frieden, den die Sowjetregierung in der Person ihrer diplomatischen Vertreter und das sowjetische Volk in Gestalt der Organe seiner öffentlichen Meinung führen.

Indem die Sowjetpresse ihren Beurteilungen stets die Tatsachen zugrunde legt, prüf t sie diese Tatsachen sorgfältig nach, weil nur die Richtigkeit der Tatsachen die Genauigkeit der Orientierung der öffentlichen Meinung, der die Sowjetpresse dient, verbürgt.

»Wir behalten uns stets das Recht vor, die Behauptungen des Autors an der ersten Quelle nachzuprüfen«, sagte der Redakteur der Zeitung Krasnaja Swesda (Roter Stern) zu mir, als ich der Zei­tung einen 'Artikel über ausländische Fragen vorlegte. Gleichgültig, ob ich über Triest oder über die englischen Wahlen oder über Griechenland oder über Palästina schrieb, man verlangte von mir eine genaue Angabe, woher ich die von mir erwähnten Tatsachen erfahren hätte und worauf ich eigentlich diese oder jene Auslegung der Ereignisse gründe. Die Redaktion prüfte meine Behauptungen nach und scheute selbst das Risiko nicht, die Drucklegung des Ar­tikels zu verzögern.

Die sowjetische Presse braucht kein »vom lodernden Feuer heißes Gericht«, mit dem man den sensationslüsternen Leser reizen kann. Der sowjetische Journalist ist zur Achtung gegenüber dem Leser erzogen und zur Achtung gegenüber der großen gesellschaftlichen Mission, zu deren Verwirklichung eine Presse, die dem Volke dient, berufen ist.

Seinerseits duldet der sowjetische Leser nichts Herabwürdigendes in der Presse. Im folgenden werden wir noch ausführlicher davon reden, wie die sowjetischen Leser dank ihrem Geschmack und ihren Ansprüchen aus den Spalten der Presse a 11 e s Fremde, Zufällige, Ge­meine von sich aus ausmerzen. Nicht zufällig bezeugten die sowje­tischen Leser Fadejew so viel Dankbarkeit für seine »Junge Garde«, dieses aufrüttelnde Epos des Heldentums und der Selbstaufopferung der sowjetischen Jugend, und haben sie es energisch abgelehnt, sich für Saschtschenko mit seinen von Zynismus erfüllten Erzählungen, seinen Schmähschriften über die sowjetische Wirklichkeit, zu inter­essieren, obgleich einige Spießbürger, die sich in die Redaktions­stuben eingeschlichen hatten, versuchten, in diesem Autor die Spuren eines Talentes zu entdecken.

Einige Ausländer haben mir gesagt, daß es für sie uninteressant und ungewohnt sei, eine sowjetische Zeitung zu lesen. Vielleicht hätten sie ihre Gedanken genauer zum Ausdruck gebracht, wenn sie gesagt hätten, das Lesen der sowjetischen Presse wäre für sie nicht interessant, weil es für sie ungewohnt sei.

Ein solcher ausländischer Leser ist in seiner Heimat an die K o n - k u r r e n z der Zeitungen gewöhnt, an ihren Kampf um eine sensatio­nelle Berichterstattung, die darauf gerichtet ist, die ungesunden, spießbürgerlichen Instinkte zu erregen. Wenn der Redakteur einer Zeitung als erster die Ermordung einer Familie - der Eltern mit fünf Kindern - mitteilt, hofft er damit zehntausend, ja vielleicht doppelt so viele Leser einer anderen mit ihm konkurrierenden Zei­tung wegzuschnappen. Die Erhöhung der Auflage durch einen solchen Erfolg ist für den Verleger eine vorteilhafte Reklame und bringt ihm Gewinn. In der sowjetischen Presse ist dieses Motiv überhaupt ausgeschaltet: Reklame als Einkommensquelle gibt es nicht.

Der sowjetischen Presse ist eine billige Sensation fremd. Wenn man die Tatsachen betrachtet, die ernsthafte gesellschaftliche Be­deutung haben, so können diese Tatsachen in gleicher Weise mit ein und denselben Worten der TASS (Telegraphen-Agentur der Sowjet­union) in zehn sowjetischen Zeitungen dargestellt werden. Jedoch bedeutet dies nicht, daß sämtliche Zeitungen in der UdSSR nach ihrem äußeren Gepräge vom selben Typus und einheitlich sind. In keinem anderen Lande der Welt gibt es vielleicht eine solche Menge mannigfaltiger und spezieller Zeitungen, die die verschiedenen Seiten des Lebens beleuchten, wie in der Sowjetunion. Jede dieser Zeitungen strebt danach, ihren Leserkreis auf die allerbeste Weise zu bedienen. Zu diesem Zwecke benutzt sie auch das sie am meisten interessierende Material der ausgedehnten und mannigfaltigen Informationen der TASS, ihr besonders großes Netz von Platzkorrespondenten und ihren eigenen Reporterapparat.

Die hohe Qualität des Stoffes in den Zeitungen wird durch die Verwendung hochwertigsten Materials, durch kompetente Beurtei­lungen, durch das Talent und das Wissen der Autoren der Artikel und der Skizzen erreicht.

Die Zeitung erfreut sich einer großen Liebe seitens des sowje­tischen Volkes. Der ausländische Journalist, von dem ich zu Beginn meiner Einführung sprach, gestand mir, daß er sich darüber ge­wundert habe, wie man sich in der UdSSR für das gedruckte Wort interessiert. Vor den Zeitungskiosken steht man in dichten Reihen Schlange, nicht deshalb, weil es zu wenige Zeitungen gibt, sondern deshalb, weil es viele Leser gibt. Ihre Zahl hat sich gegenüber der Zeit vor der Sowjetmacht vervielfacht. Die Revolution hat Mil­lionen und Dutzende von Millionen ernsthafter und anspruchsvoller neuer Leser hervorgebracht. Die russischen Arbeiter und die usbeki­schen Baumwollbauern, die ukrainischen Bauern und die grusinischen Intelligenzler, die hebräischen Handwerker, die Zigeuner, die seß­haft geworden sind, sie alle und viele andere Vertreter der zahl­reichen, die UdSSR bewohnenden Völker haben ihr eigenes Schrift­tum (Zeitungen und Bücher) in ihrer Nationalsprache erhalten und es liebgewonnen.

Wenn Sie einen einfachen sowjetischen Menschen fragen, warum er seine Zeitung liebt, so wird es ihm vielleicht schwer fallen, Ihnen ausführlich zu antworten, und er wird Ihnen eine einsilbige Ant­wort geben, jene Antwort, die von den ungenannten Partisanen der Charkowleute in der Ukraine gegeben wurde. Die Hitlerschen Okkupanten hatten in Charkow eine alte Bibliothekarin deshalb gehenkt, weil sie in ihrer kleinen Bezirksbibliothek alte Jahrgänge von sowjetischen Zeitungen aufbewahrt hatte und sie im geheimen zu lesen gab. Die Partisanen hatten in der Nacht an ihrem Leich­nam die Aufschrift befestigt: »Ich bin für die Wahrheit um­gekommen«. Die Sowjetmenschen lieben ihre Presse um der Wahr­heit willen; und nicht umsonst nennt sich die in der UdSSR weitest­ verbreitete Zeitung: Prawda (Die Wahrheit).

Das Wort Prawda schließt zwei Bedeutungen ein: Wahrheit und Gerechtigkeit. Der Kampf um die Wahrheit ist der Kampf um die neue, gerechte Gesellschaft, um die neue, gerechte Ordnung, um die neue Welt des Fortschrittes und der Erneuerung der Menschheit.noch oben

Kapitel 1

Entstehung und Entwicklung der Sowjetpresse

Vor der Revolution von 1917 war die verbreitetste Zeitung in Ruß­land die Gaseta-Kopejka (Die Kopeken-Zeitung), die in Petersburg erschien. Es war dies ein Blättchen mit zahlreichen Anzeigen über patentierte Mittel für das Wachstum der Haare und für die Heilung von Fettsucht. Sie enthielt Detektivromane und billige Sensations­meldungen. Die Kopejka reizte den Leser durch ihre Billigkeit. Das politische Gesicht der Zeitung war unbestimmt, es war die Zeitung des Spießbürgers, ein wenig liberal, aber ziemlich eingeschüchtert durch die wütende zaristische Reaktion. Wenn die zaristische Polizei mit der Kopejka unzufrieden war, so nur deshalb, weil die Handwerker und teilweise auch die Arbeiter, die städtischen Kleinbürger und die Droschkenkutscher die Zeitung lasen, die Polizei es aber lieber sah, wenn die einfachen Leute überhaupt nicht lasen. Die Kopejka war jedoch in keiner Weise gefährlich: sie lehrte nicht nur, nicht über politische Themen nachzudenken, sondern lenkte von der Politik ab. Die Klügeren der zaristischen Minister, z. B. Witte und Stolypin, versuchten sogar, die Gaseta-Kopejka noch zu fördern.

In bezug auf weite Verbreitung und beträchtlichen Einfluß ist die reaktionäre Zeitung Nowoje Wremja (Neue Zeit) zu erwähnen, die im alten Petersburg von den Beamten und den Krämern und den Spießbürgern gelesen wurde. Hinsichtlich der Form ahmte die Zei­tung Nowoje Wremja den Pariser Temps und die Londoner Times nach. Im Grunde genommen war sie das offiziöse Blatt der zari­stischen Regierung, obgleich sich die Zeitung bemühte, ihre unmittel­bare Verbindung mit Regierungskreisen zu verbergen. In den Krei­ sen der Intelligenz hatte die Zeitung den Spitznamen »Was wün­schen der gnädige Herr?« Der Herausgeber der Zeitung, Suworin, ein verflossener Liberaler, ging der Reaktion eifrig um den Bart und stellte in seinem Mitarbeiterstab ebensolche Renegaten, wie er einer war, ein.

Die monarchistische »Tschornaja Sotnja« (Die schwarze Hun­dert), die politischen Banditen aus der Vereinigung »Michael Archangel«, hatten ihre eigenen Zeitungen: Semschtschina und Russkoje Snamja (Das Russische Banner). Diese Zeitungen säten nationale Zwietracht, hetzten das ungebildete Volk auf die Juden und andere »Fremdstämmige«, provozierten Pogrome, verleumde­ten den radikalen Teil der Studentenschaft und der fortschrittlichen Arbeiter. Nikolaus II. selbst war ein eifriger Leser der Russkoje Snamja und gewährte dem Redakteur der Zeitung, dem Erzreak­tionär, Abenteurer und Organisator der Banden der schwarzen Hundert, Dubrowin, seinen kaiserlichen Schutz.

Die liberalen Zeitungen befanden sich in der Regel unter der Kon­trolle der Großindustriellen und der Bankiers. Das Organ des Ban­kiers Rjabuschinskij war der Utro Rossii (Der Morgen Rußlands) in Moskau. Die Retschj (Die Rede), das Organ der sogenannten »Kadetten«-Partei (der konstitutionell-demokratischen Partei) in Petersburg, wurde aus Mitteln des Millionärs Bak herausgegeben. Die Zeitung Russkoje Slowo (Das Russische Wort) gab in Moskau der durch Handel reichgewordene Verleger Sytin heraus. Während der Revolution des Jahres I9os sagte Herr Sytin offen zu seinen Freunden: »Laßt uns mit der roten Ware handeln«, und seine Zei­tung brüstete sich eine Zeitlang mit linkem Phrasengedresch. Später aber, als die Reaktion wiederum hochkam, schwenkte das Sytiner Blättchen wieder nach rechts ab. Zu der Reihe der liberalen Zeitun­gen gehörte auch die Zeitung Russkije Wjedomosti (Russische Nach­richten), die man in bürokratischen und monarchischen Kreisen »die Professoren-Zeitung« nannte. Aber diese Zeitung hatte nur eine kleine Auflage und wenig Einfluß. An ihr waren auch einige Poli­tiker der Sozial-Reformistischen Partei beteiligt. Über die Themen, die den Behörden ziemlich unangenehm waren, sprach die Zeitung gewöhnlich im Fabelton oder schwieg sich darüber aus. Ihr Libe­ralismus verlor im Kriege 1914-1917 ganz und gar seinen Glanz. Die Arbeiterpresse war im zaristischen Rußland der strengen Ver­folgung durch die Polizei ausgesetzt. Die größten Verfolgungen hatte natürlich die bolschewistische Presse zu erleiden. Die täglich erscheinende bolschewistische Zeitung Prawda war im Jahre 1912 gemäß den Anweisungen Lenins auf Anregung von Stalin gegrün­det worden. Der S. Mai, der Tag des ersten Erscheinens der Prawda, wird in der UdSSR als Feiertag der Presse angesehen.

Die Rolle der Prawda im politischen Leben des Landes war vom ersten Augenblick ihres Entstehens an außerordentlich groß. Die Prawda gewann breite Massen der Arbeiterklasse für den Bolsche­wismus. Bei den unaufhörlichen polizeilichen Verfolgungen, Stra­fen, Konfiskationen wegen Veröffentlichung von Artikeln und Be­richten, die der Zensur nicht genehm waren, konnte die Prawda jedoch nur mit aktiver, und zwar nicht nur moralischer, sondern auch materieller Hilfe von Zehntausenden ihrer Freunde, der fort­schrittlichen Arbeiter, bestehen. Die Prawda veröffentlichte unab­lässig Berichte über die Geldmittel, die beim Unterstützungsfonds der Zeitung aus den zahlreichen Kollektiven der Arbeiter eingingen.

Nicht selten gelangte ein beträchtlicher Teil der durch die zari­stische Polizei beschlagnahmten Nummern der Prawda trotzdem in die Hände der Leser, weil fortschrittliche Arbeiter bereits in der Nacht in die Druckerei gegangen waren und die Zeitungsstöße mit­genommen hatten.

Die zaristische Regierung hat die Prawda innerhalb von 2 1/2 Jahren (1912-1914) achtmal geschlossen. Mit Unterstützung der Arbeiter erschien sie jedoch stets sofort wieder unter einer neuen, ähnlichen Bezeichnung, z. B. Sa Prawda (Für die Wahrheit), Putj Prawdy (Weg der Wahrheit), Trudowaja Prawda (Arbeiter-Wahrheit).

In jeder Nummer der Prawda waren Dutzende von Berichten der Arbeiter enthalten, in denen das Leben der Arbeiter, die grausame Ausbeutung, Bedrückung und Verhöhnung durch die Kapitalisten sowie deren Direktoren und Meister geschildert wurden. Es waren dies scharfe, treffende Enthüllungen der kapitalistischen Zustände. Die Prawda beleuchtete systematisch das damalige schwere Dasein der Bauern, das Hungerelend der Bauernschaft, ihre Ausbeutung durch die Gutsbesitzer.

Die Prawda übertraf hinsichtlich Verbreitung und Einfluß unter den Arbeitermassen beträchtlich eine andere Zeitung, die Leser in breiten Kreisen suchte, nämlich die menschewistische Zeitung Lutsch (Der Strahl). Aber die Menschewisten hatten dafür viele »reiche Freunde« unter der liberalen Bourgeoisie und der bürgerlichen In­telligenz, die zur Unterstützung dieser menschewistischen Zeitung die Mittel gaben.

Die Prawda, stark durch die einmütige, massenhafte Unter­stützung seitens der Arbeiter, hielt ihr Banner hoch. Die zaristische Regierung sperrte die Zeitung eine Woche vor der Erklärung des Krieges 1914, da sie deren Einfluß auf die Massen fürchtete.

Als aber die zaristische Willkürherrschaft gestürzt war, erneuerte die Prawda 5 Tage nach der Februarrevolution im Jahre 1917 in Petrograd ihr Erscheinen. Einige Tage danach wurde in Moskau eine andere bolschewistische Zeitung, Sozialdemokrat (Der Sozial­demokrat), herausgegeben

Die ersten Nummern der Zeitung Iswestija Sowjeta Rabotschich Deputatow SSSR (Nachrichten der Sowjets der Deputierten der Werktätigen der UdSSR) wurden bereits in den Oktober-, Novem­ber- und Dezembertagen des Jahres 1905 in Petersburg unregel­mäßig herausgegeben; in Moskau erschienen gleichfalls im Dezem­ber 1905 sechs Nummern der »Nachrichten des Moskauer Sowjets der Arbeiter-Deputierten«. Im Jahre 1917, vom 13. März an, wurde die Zeitung Iswestija wieder herausgegeben. Nach dem zwei­ten Sowjetkongreß (ab November 1917) wurde die Iswestija das offizielle Organ der Sowjetregierung. Mit der Verlegung der Haupt­stadt von Petrograd nach Moskau im Jahre 1917 wurde auch die Herausgabe der Iswestija nach Moskau verlegt.

Die Arbeiterpresse genoß auch bei der bürgerlichen Provisorischen Regierung des Jahres 1917 keine volle Freiheit. Im Juli 1917 wur­ den die Prawda und ihre Druckerei zerstört; die Herausgabe der Zeitung wurde verboten. Das Zentralorgan der Partei der Bolsche­wiki, das damals J.W. Stalin unmittelbar leitete, erschien unter der Bezeichnung Rabotschij i Soldat (Arbeiter und Soldat), Proletarij (Der Proletarier), Rabotschij (Der Arbeiter) und Rabotschij Putj (Der Arbeiter-Weg). Es ist bezeichnend, daß die Provisorische Re­gierung das Erscheinen der Zeitung Nowoje Wremja gestattete, während die bolschewistische Zeitung Proletarij verboten wurde. Lenin schrieb damals, daß die Provisorische Regierung für die Arbeiterzeitung und für die Zeitung der Pogromleute und Provo­kateure zweierlei Maß hätte.

Die bürgerliche Provisorische Regierung faßte die Pressefreiheit als Recht dazu auf, die Arbeiterpresse auf jede Weise zu beschränken. Die Prawda erhielt kein Papier und mußte in vierseitigem Klein­format erscheinen, während die bürgerlichen Zeitungen beträcht­liche Papiervorräte sowie ihre eigene Druckerei hatten und ohne Beschränkungen verbreitet werden konnten.

Nach der Großen Oktoberrevolution (1917) wurde die Natio­nalisierung der Großindustrie, darunter auch der Unternehmungen der polygraphischen Industrie (der Druckereien), durchgeführt. Der bürgerlichen Presse wurde ihre technische Basis entzogen.

Nichtsdestoweniger setzten die Zeitungen der bürgerlichen Parteien und der rechtsstehenden Sozialisten, z. B. die Russkije Wjedomosti, die Retschj und die Zeitung Wperjod (Vorwärts), ihr Erscheinen eine Zeitlang auch unter der Sowjetmacht fort. Die Redaktions­stuben dieser Zeitungen wurden jedoch echte Nester der bewaff­neten Gegenrevolution, Versammlungsstellen der Verschwörer und Terroristen. Die bürgerlichen Zeitungen trachteten danach, den Lesern die Überzeugung beizubringen, daß die sowjetischen Ein­richtungen nicht von Dauer seien, sie riefen die Intelligenz und die Mitarbeiter der staatlichen Behörden zur Sabotage auf, sie wandten sich an die ausländischen Gesandtschaften. Bereits im Sommer 1918 begann die Flucht der bürgerlichen Journalisten nach dem Süden: nach Kiew zu Skoropadskij, an den Don zu Krasnow, dann unter die Fittiche von Koitschak und Denikin, und schließlich folgte die Emigrierung ins Ausland, wo die antisowjetischen Blättchen Rul (Das Steuer) in Berlin, Poslednije Nowosti (Letzte Nachrichten) in Paris entstanden. So wurde unter den Verhältnissen des intensiven Bürgerkrieges und des Kampfes gegen die ausländische Intervention die bürgerliche Presse, die eine den nationalen Interessen des Landes außerordentlich feindliche Stellung bezogen hatte, in Sowjetrußland verboten und liquidiert.

In Verbindung mit der Entwicklung der neuen sowjetischen Presse stellte Lenin das Arbeitsprogramm der Presse unter den neuen Be­dingungen auf. Im ursprünglichen Entwurf des Artikels »Die nächsten Aufgaben der Sowjetpresse« hatte Lenin geschrieben ( Diese Äußerungen Lenins beziehen sich auf Ende März 1918.) : »... Die Sowjetpresse hat jenen politischen Kleinigkeiten, jenen persönlichen Fragen der politischen Führung, mit denen die Kapi­talisten aller Länder versuchen, die Aufmerksamkeit der Volks­massen von den wirklich ernsten, tiefen und grundlegenden Fragen ihres Lebens abzulenken, außerordentlich viel Raum und Aufmerk­samkeit gewidmet. In dieser Hinsicht müssen wir fast ganz von neuem an die Lösung der Aufgabe herangehen, für die alle mate­riellen Voraussetzungen vorhanden sind. Es fehlen nur das Bewußt­sein von der Notwendigkeit dieser Aufgabe und die Bereitschaft, sie zu lösen. Und das ist die Aufgabe, die Presse aus einem Organ, das vorwiegend über politische Tagesneuigkeiten unterrichtet, in ein ernstes Organ der wirtschaftlichen Erziehung der Volksmassen zu verwandeln. Wir müssen es erreichen, und wir werden es erreichen, daß die Presse, die für die Massen der Sowjetrepublik schreibt, den Fragen der personellen Zusammensetzung der politischen Führung oder unbedeutenden politischen Maßnahmen, die die gewöhnliche Tätigkeit, die übliche Arbeit aller politischen Institutionen bilden, weniger Platz einräume. ... die Organisation der Arbeit«, schrieb . Lenin, »... ist die wichtigste, grundlegendste und brennendste Frage des gesamten öffentlichen Lebens. Unser Hauptmittel zur Hebung der Selbstdisziplin der Werktätigen und zum Übergang von den alten, ganz untauglichen Methoden der Arbeit... muß die Presse sein, die die Mängel des wirtschaftlichen Lebens in jeder Arbeits­kommune aufdeckt, diese Mängel erbarmungslos brandmarkt, alle Eiterbeulen unseres wirtschaftlichen Lebens aufdeckt und auf diese Weise an die öffentliche Meinung der Werktätigen zur Heilung dieser Eiterbeulen appelliert.«

Die Verwirklichung der Aufgaben, die durch Lenin der sowje­tischen Presse gestellt wurden, wandelte entscheidend ihren Charak­ter. Der Stamm der Journalisten war noch in den alten Vorstellungen über die Aufgaben und den Charakter der Presse befangen, d. h. in Vorstellungen, die sich in vorrevolutionärer Zeit gebildet hatten. Die Presse war daher aus einem einfachen Apparat zur Mitteilung politischer Neuigkeiten in ein Werkzeug der wirtschaftlichen Umerziehung der Volksmassen zu verwandeln, in ein Werkzeug, das die Massen damit bekannt machte, wie die Arbeit auf eine neue Art zu gestalten wäre.

Lenin und Stalin sorgten dafür, daß die Sowjetpresse als Werk­zeug des sozialistischen Aufbaus diente, daß sie sich in allen Einzel­heiten mit den Erfolgen der Musterunternehmungen bekannt machte, indem sie die Ursachen dieser Erfolge studierte und zur gleichen Zeit einen energischen Kampf mit den »Traditionen des Kapitalismus«; mit der Anarchie, der Spekulation und der Unordnung, führte.

In dem Artikel, den die Prawda am 20. September 1918 brachte, schrieb Lenin über die Aufgaben der Sowjetpresse:

»Weniger politisches Wortgeprassel. Weniger intelligenzlerische Betrachtungen. Näher ans Leben heran. Mehr Aufmerksamkeit da­für, wie die Arbeiter- und Bauernmassen tatsächlich in ihrer Alltagsarbeit etwas N e u e s bauen.«

Die Schaffung einer neuen Zeitung Ekonomitscheskaja Shisnj (Das Wirtschaftsleben), die sich den ökonomischen Fragen widmete, war ein Ausdruck dieser Hinwendung des Interesses der Sowjet­presse zu den Fragen der sozialistischen Ökonomik.

Unter dem Zarismus und auch unter der Provisorischen Regierung gab es keine ähnliche Zeitung. Damals erschienen die Birshewyje Wjedomosti (Die Börsennachrichten) oder, wie sie gewöhnlich ver­ächtlich genannt wurden, die Birshewlza, deren Redakteur und Herausgeber der Börsenspekulant Propper war. In dieser all­gemein-politischen Zeitung war alles käuflich: von den Anzeigen bis zu den überblicken über die Fondsbörse, von inspirierten Mit­teilungen aus dem Ausland bis zu den Feuilletons -- Propper ver­kaufte die Spalten der Zeitung den Börsenmachern und den Groß­industriellen vom Schlage eines Lianosow, Putilow oder Nobel nach, der Devise: »Wer mehr zahlt«,

Die Zeitung Ekonomitscheskaja Shisnj, das Organ des Rates für Arbeit und Landesverteidigung, räumte den Fragen der Produktion und ihrer Organisation einen wesentlichen Platz ein. Auf Anweisung Lenins und mit Unterstützung von Stalin führte die Zeitung, die bei der alltäglichen Kritik ihrer Arbeit von den Führern der Revo­lution gelenkt wurde, den Kampf um einen einheitlichen Wirt­schaftsplan. Es waren jene Jahre, als die Planung der Volkswirt­schaft außerhalb der Grenzen Sowjetrußlands noch nicht »Mode war, als man sich im Auslande über das »bolschewistische Experi­ment« lustig machte und zahlreiche technische Spezialisten, die als Erben der früheren Ordnung übriggeblieben waren, die wirtschaftlichen Umgestaltungen der Sowjetregierung sabotierten. Und gleich­zeitig damit hatte die Zeitung eine Rubrik eingerichtet: »Kleine Mängel des Mechanismus«. In dieser Rubrik brandmarkte sie die Bürokratie, entlarvte sie die Saboteure, die Nichtstuer, die Speku­lanten, die Raffgierigen und brachte sie vor das Forum der öffent­lichen Meinung.

Der Mangel an Papier, der durch die Folgen des Ersten Welt­krieges und durch die ausländische Intervention hervorgerufen worden war, führte dazu, daß die Zeitungen in kleinen Auflagen erschienen. Ihre Zahl reichte nicht aus, und man mußte die Zei­tungen in den Schaukästen auf den Straßen der Städte aushängen, sie an die Wände der Häuser kleben und in den in den Dörfern ein­gerichteten »Dorf-Lesestuben« gemeinschaftliche Zeitungs-Lesestun­den veranstalten. Zur gleichen Zeit tauchten in den Unternehmungen, in den Fabriken, in den Werken und später auch in den Arbeiter­kollektiven in der Stadt und auf dem Lande eigene örtliche Wand­zeitungen auf, die in der Geschichte der Presse der ganzen Welt keinen Präzedenzfall haben. Es waren dies Zeitungen, die, zum größten Teil mit der Hand geschrieben, in wenigen Exemplaren vervielfältigt waren, sich durchweg aus Artikeln und Notizen zu­sammensetzen, deren Verfasser keine Berufsjournalisten, sondern gewöhnliche Sowjetmenschen, aktive Teilnehmer am öffentlichen Leben waren. Die Initiative der Masse, die eine warme Unter­stützung seitens der Bolschewistischen Partei fand, führte dazu, daß die Werktätigen in diesen »Wandzeitungen« die Mängel der ört­lichen Arbeitsorganisationen aufdeckten, die Faulenzer, die Nach­lässigen und die über die Stränge schlagenden Verwalter geißelten, ihre Arbeit kritisierten, und zwar ohne Ansehen der Person.

Die Presse wuchs in die Breite und in die Tiefe, ungeachtet der materiell-technischen Schwierigkeiten, die durch den schweren Kampf, den die junge sowjetische Republik um ihre Existenz führen mußte, hervorgerufen wurden.

Als der Bürgerkrieg und die Intervention beendet waren und eine neue Periode des Überganges zur friedlichen Arbeit für die Wieder­aufrichtung der Volkswirtschaft begann, setzte sich die Entwicklung der sowjetischen Presse weiter fort. Die schon früher entstandenen Zeitungen von der Art des Ekonomitscheskaja Shisnj, die Gudok (Die Sirene; das Organ der Eisenbahner) und die Bednota (Die Dorf­armen; die Bauernzeitung), erstarkten. Auf neuer Grundlage er­standen die »dicken« Zeitschriften wieder, die in Rußland eine ge­festigte literarische Tradition und einen beständigen Leserkreis hatten. Der im Jahre i9i8 entstandene Staatsverlag »Gosudarstwennoje isdatelstwo« erweiterte seine Arbeit beträchtlich, und zur gleichen Zeit wurden die Eröffnung einer Reihe neuer Privatverlage und die Wiederaufnahme der Arbeit alter Verlage gestattet, die eine wichtige kulturelle Bedeutung besaßen: »Sabaschnikowy«, »Granat« u. a:

In der Sowjetpresse dieser Periode arbeiteten die Kommunisten und die Parteilosen in noch größerem Maße als früher Hand in Hand. Letztere waren in den Reihen der Sowjetpresse bedeutend stärker vertreten, und Lenin betonte in dem Artikel, den er damals in dem neuen philosophischen Journal Pod Snamenem Marksisma (Unter der Fahne des Marxismus) Nr. 3, Jahrgang 1922, veröffent­lichte, die Notwendigkeit eines solchen Bündnisses.

Die Bewegung der Arbeiter- und Bauernberichterstatter erhielt einen großen Aufschwung. Die Bewegung der Arbeiterbericht­erstatter geht mit ihren Anfängen auf die Entstehung der bolsche­wistischen Massenpresse zurück. Wir haben vorstehend gesehen, was für eine große Rolle die Arbeiterberichterstatter bei der Arbeit der vorrevolutionären Prawda gespielt haben. Gegenwärtig, da in Rußland Arbeiter und Bauern die Macht haben, ergab sich für die Arbeiterberichterstatter die Aufgabe, konkrete Verkünder der sowjetischen gesellschaftlichen Meinung zu sein. Die sowjetische Presse betrachtete die Arbeiter- und Bauernberichterstatter durchaus nicht als derzeitige oder zukünftige Journalisten (wenngleich in einzelnen Fällen ein derartiger Übergang auch stattfand), son­dern als Teilnehmer am öffentlichen Leben, die durch die Presse mithelfen, die Arbeit der örtlichen sowjetischen Verwaltungs- und. Wirtschaftsorganisationen zu verbessern, die die Mängel des sowje­tischen gesellschaftlichen Lebens, des Bürokratismus, die Trägheit, das nachlässige Verhalten gegenüber dem Volksgut und der gesell­schaftlichen Arbeit enthüllen; sie betrachtet sie als Kämpfer, die diese Mängel abstellen. Stalin nannte die Arbeiterberichterstatter die »Kommandeure der proletarischen öffentlichen Meinung« und sagte, daß »die Unabhängigkeit des Berichterstatters von den Ein­richtungen und den Personen, mit denen er bei seiner Arbeit in Be­rührung kommt, als Basis für seine Arbeit festgelegt werden müsse«. Als sich Stalin im Jahre 1924 mit einem Gruß an die Krestjanskaja Gaseta (Bauernzeitung) wandte, gab er ihr die Anweisung: »Hüte Deine Dorfberichterstatter wie Deinen Augapfel, das ist Deine Armee!«

Im Jahre 1923 war die spezielle Militärzeitung Krasnaja Swesda (Roter Stern) entstanden. Bereits im Verlaufe des ersten Jahres ihres Erscheinens wurde diese Zeitung, wie der hervorragende sowjetische Heerführer, der inzwischen verstorbene M. W. Frunse, seinerzeit bemerkte, ein bedeutender und einflußreicher Faktor im Leben und in der Tätigkeit der Roten Armee und Flotte. Die Zei­tung gab der Armee nicht nur eine lebendige, tagtägliche, politische und militärische Berichterstattung, sondern auch ein reiches Material, das für den Kommandeur in einer ganzen Reihe wichtiger Fragen des militärischen Lebens und der militärischen Arbeit eine zusätz­liche Anleitung bedeutete. Die Zeitung stellte ein dauerhaftes Band mit den unteren Chargen der Armee her, mit den Mannschafts­graden der Armee. Zum Unterschied von der Militärzeitung Russkij Inwalid (Der russische Invalid), die während der Zarenzeit heraus­gegeben wurde, beleuchtete die Krasnaja Swesda kühn und kritisch den Alltag des militärischen Lebens und trachtete danach, Spiegel und Sprachrohr der Volksarmee eines demokratischen Landes zu sein. Man kann wohl sagen, daß schon bald nach dem Entstehen der Krasnaja Swesda in der ganzen Welt keine militärische Zeitung vor­handen war mit so umfangreichen Aufgaben und so umfassenden Grundproblemen des Lebens des Landes.

Auf die Initiative von J. W. Stalin hin wurde die täglich er­scheinende allrussische Jugendzeitung, die Komsomolskaja Prawda (Die Komsomol-Prawda), gegründet. Ihre erste Nummer erschien an 124. Mai 1925. Auch diese Zeitung nahm, ähnlich wie die Zeitung Krasnaja Swesda, eine besondere, bisher in der Weltpresse nicht ge­kannte Gestalt an. Die Komsomolskaja Prawda stand an der Spitze der Organisierung der kommunistischen Jugenderziehung. Zu diesem Zwecke begann die Zeitung eine Kampagne des sozialistischen Wett­streits der jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen in der Industrie und auf anderen Gebieten der Volkswirtschaft.

Während des Kampfes um die sozialistische Industrialisierung des Landes (in den Jahren 1926-1929) wandte sich Stalin an die Zeitung Komsomolskaja Prawda mit einer Begrüßungsrede, in der er die Aufgaben der Zeitung in bilderreicher Sprache folgender­maßen festlegte: »Möge die Komsomolskaja Prawda eine Alarmglocke sein, die die Schlafenden weckt, die die Müden aufmuntert, die die Zu­rückgebliebenen antreibt, die den Bürokratismus unserer Behörden geißelt, die die Mängel unserer Arbeit aufdeckt, die die Erfolge unseres Aufbaues verkündet und auf diese Weise die Formung der neuen Menschen, der neuen Errichter des Sozialismus, der neuen Generation von Jünglingen und Mädchen, die fähig sind, die alte Garde der Bolschewiki zu ersetzen, erleichtert.« (Gedruckt in der Komsomolskaja Prawda Nr. 122 vom 27. Mai 1928)

In jener Periode der Geschichte der sowjetischen Presse wurde der Verbesserung ihrer Qualität besondere Aufmerksamkeit zugewandt. In quantitativer Beziehung ging die Verbreitung der Presse mit Riesenschritten voran. In qualitativer Beziehung blieb das Wachs­tum der Presse hinter ihren quantitativen Erfolgen zurück. Hier­auf wiesen die angesehensten Staatsmänner des Landes, die sich stets besonders um die Presse kümmerten, hin. In seiner Rede, die S. M. Kirow zum »Tag der Presse« am S. Mai 1927 hielt, lenkte er die Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit, die Qualität der sowje­tischen Presse zu verbessern. W. M. Molotow bemerkte im gleichen Jahre, daß die Presse die Ansprüche der Bauern und der Arbeiter noch nicht genügend befriedige. In einem besonderen Referat über das Thema: »Die Presse und die nächsten Aufgaben des sozialisti­schen Aufbaus« sprach W. M. Molotow davon, daß ein Wettstreit der Zeitungen untereinander notwendig und wünschenswert sei. Die sowjetischen Zeitungen wurden aufgerufen; die Schablone in der Organisierung des Zeitungsmaterials aufzugeben, einen individuellen Charakter zu erwerben und eine kühne Kritik an den bestehenden Mängeln vorzunehmen.

In der Rede, die M. I. Kalinin im Jahre 1927 hielt, äußerte, er sich ironisch über die Sprache, in der viele damalige Zeitungsartikel geschrieben waren. Die Revolution hatte der 'Volkssprache viele neue Wörter; neue Begriffe, neue Ausdrücke und Abkürzungen ge­bracht. Neben »geflügelten Worten« und bildlichen Ausdrücken, die die Sprache bereicherten, war jedoch auch nicht wenig sprachlich: Schlacke entstanden, der man einen energischen Kampf ansagen mußte. Stalin hatte an der Grenze der 20er, 30er Jahre oftmals den sowjetischen Literaten und Zeitungen vorgeworfen, daß sie ohne Rücksicht auf die Ansprüche und das Wissen der breiten Massen alle Arten von wenig verständlichen literarischen Abkürzungen zu­lassen. W. M. Molotow rief dazu auf, »die russische Sprache nicht zu verunreinigen«.

Die 30er Jahre waren die Zeit einer neuen ausgedehnten Ent­wicklung der Sowjetpresse. Im Frühjahr 1930 - in den Tagen der Massenbewegung für die Kollektivierung der Landwirtschaft - veröffentlichte J. W. Stalin in den Spalten der Zeitung Prawda einen historischen Artikel: »Vor Erfolgen von Schwindel be­fallen«. In diesem Artikel wurde an alle diejenigen eine Warnung gerichtet, die, hingerissen von den Erfolgen der Kollektivierung, in grobe Fehler verfallen waren und versucht hatten, mit administra­tiven Maßnahmen die Bauern auf den kollektivwirtschaftlichen Weg überzuleiten. Dieser Artikel hatte für die Arbeit der sowje­tischen Presse gewaltige Bedeutung. In ihren Spalten entfaltete sich ein Kampf gegen die Entstellungen auf dem Gebiete der Kollek­tivierung, ein Kampf um die Stärkung und die Entwicklung der Kollektivwirtschaften, dieser gewaltigen Errungenschaft der Sowjet­ordnung.

Die Presse spielte bei der Unterrichtung der Volksmassen über das Wesen und die Richtigkeit der Politik der Bolschewistischen Partei und der Sowjetregierung eine gewaltige Rolle. Sie stand immer in den ersten Reihen der Kämpfer gegen die offene und die versteckte Konterrevolution, sie beteiligte sich an der ideologischen Zerschmetterung der Gruppierungen, die versuchten, die Partei vom Wege der sozialistischen Umgestaltung des Landes in die Richtung einer Kapitulation vor dem Kapitalismus und seiner Wiederherstel­lung abzulenken.

Vom Ende der 20er Jahre an hatte die sowjetische Presse die ehrenvolle Aufgabe; für den Erfolg der Verwirklichung der Fünf­jahrespläne, für die Pläne der sozialistischen Umgestaltung zu kämpfen. Und hier wie auch früher erwies sie sich als mächtige Waffe bei der Mobilisierung der Kräfte und des Willens der breiten Masse zur Überwindung der Schwierigkeiten, die bei der Lösung dieses für das Schicksal unseres Landes kardinalen Problems ent­standen. Von der Presse wurde in diesen Jahren eine besondere Ziel­strebigkeit und insbesondere eine lebendige, von Aktualität erfüllte Berichterstattung verlangt. Einer der angesehensten Staatsmänner der Sowjetunion, W. W. Kujbyschew, bemerkte zu jener Zeit »Lücken in der Information« über das sowjetische Leben und die internationalen Ereignisse. »Die Information muß in solcher Weise eingerichtet sein«, sagte Kujbyschew, »daß wir in unserer Union wissen, was im Auslande vor sich geht, um rechtzeitig bereit zu sein, die Angriffsversuche von seiten der Feinde der UdSSR abzuwehren.«

Die sowjetische Presse löste auch diese Aufgabe. Sie verhalf dem sowjetischen Volke dazu, das Wesentliche jenes Umschwunges zu begreifen, der durch die Machtübernahme Hitlers in Deutschland im Jahre 1933 im internationalen Leben eingetreten war. Es ist nicht überflüssig, zu bemerken, daß sich zu jener Zeit viele »aufge­klärte« Organe der westlichen Presse mit ihrer jahrhundertelangen Tradition der politischen Information nach ihrem eigenen Geständnis nicht darüber im klaren waren, daß der Hitlerismus eine besonders große Kriegsgefahr für die Welt und die Demokratie bedeutete.

In diesen Jahren verfolgte die sowjetische Presse aufmerksam die Entwicklung der ökonomischen Krisis in den Ländern des Kapita­lismus und schenkte, wie wir bereits erwähnten, dem Aufbau der Industrie, der entsprechend den Anweisungen der Stalinschen Fünf­jahrespläne verwirklicht wurde, große Aufmerksamkeit. Eines der führenden Organe der Sowjetpresse war in jenen Jahren die Zeitung Sa Industrialisaziju (Für die Industrialisierung), an der führende Vertreter des sowjetischen wissenschaftlich-technischen Denkens wirksamen Anteil nahmen. In der Folgezeit dient diese Zeitung ent­sprechend dem Wachstum der Sowjetindustrie und entsprechend den komplizierter werdenden Aufgaben der Lenkung ihrer einzelnen Zweige als Basis für das Entstehen einer Reihe anderer »Zweig«­Organe der sowjetischen Industriepresse.

Ein Zeichen für das Anwachsen der Sowjetpresse in den 3oer Jahren ist auch das ausgedehnte Auftreten neuer literarischer Ar­beiter. Als erste erscheinen in den Spalten der Prawda die hervor­ragenden Satiriker Ilf und Petrow, die ihre »Schulung« in der Gudok erhielten. Für die Iswestija arbeitete Ilja Ehrenburg als Be­richterstatter in Spanien. Neue Publizisten, die über internationale Fragen schreiben: Wiktorow, Jermaschow, Isakow, treten auf den Plan. Der Karikaturist Boris Jefimow wird populär. Die Novellisten Jewgenij Gabrilowitsch, Esra Wilenskij werden ständige Mitarbeiter der Presse. Der Theaterkritiker Jusowskij lenkt durch seine hervor­ragenden Rezensionen der neuen Theateraufführungen die Auf­merksamkeit auf sich. Alle diese Autoren, mit Ausnahme von Ehren­burg, hatten vor der Oktoberrevolution noch nicht für die Zeitung gearbeitet, Ehrenburg selbst war bis zum Jahre 1 917 Lyriker und tritt erst in jenen Jahren zum ersten Male als Journalist auf.

In der Zeit des Kampfes um die Vollendung des Aufbaus der sozialistischen Gesellschaft und der Durchführung der neuen Ver­fassung der UdSSR (I936-I937) spielte die sowjetische Presse eine bedeutende Rolle dabei, den Volksmassen den Sinn und den Charakter der Stalinschen Verfassung und jener gewaltigen Er­rungenschaften des sowjetischen Volkes, die in dieser Konstitution, festgelegt worden sind, klarzumachen. Die erste Wahlkampagne zum Obersten Sowjet der UdSSR im Jahre 19 3 7, die 94 Millionen Wähler erfaßte, stellte die Presse vor neue Aufgaben: die Wähler mit den Kandidaten für die Deputiertensitze des Obersten Sowjets bekannt zu machen, die von den gesellschaftlichen Organisationen und den einzelnen Kollektiven der Werktätigen aufgestellt worden waren.

Man kann behaupten, daß die Wahlen ein Examen für die sowje­tische Presse darstellten, und die Presse hat dieses Examen bestanden, indem sie der gewaltigen Masse der Wähler den Inhalt der neuen Verfassung, die Bedeutung der in ihr enthaltenen Rechte der Bürger der UdSSR und die Verpflichtungen der Volksvertreter im Sowjet­parlament, den beiden Kammern des Obersten Sowjets, zur Kenntnis brachte. Die Teilnahme der Wähler an den Wahlen im Jahre 1937 war sehr bedeutend. Von 94 Millionen Wählern beteiligten sich über 9 1 Millionen an der Wahl, die, von geringfügigen Ausnahmen abgesehen, einmütig ihre Stimme den Kandidaten des Blocks der Kommunisten und der Parteilosen abgegeben haben.

In den führenden Organen der Presse, angefangen bei den Mos­kauer Iswestija, nahmen die Rubriken über die Arbeit der Sowjet­organe, d. h. die Rubriken, die sich mit der laufenden Tätigkeit der sowjetischen zentralen und örtlichen Behörden befaßten, an Um­fang zu.

Die Deputierten legen ihren Wählern durch die Presse über ihre Arbeit Rechenschaft ab; sie treffen sich auch mit den Wählern in den Versammlungen, über die wiederum durch die Presse systematisch berichtet wird.

In den Jahren, die dem Kriege 1941 - 194 S unmittelbar voraus­gingen, mobilisierte die sowjetische Presse die Aufmerksamkeit der breiten Volksmassen des Landes gegenüber der Bedrohung durch den Hitlerismus und den Faschismus. In der sowjetischen Presse wurden systematisch wahrheitsgetreue Materialien veröffentlicht über die Verschwörung Hitlers und seiner Handlanger, die planten, die Herrschaft Deutschlands über die Welt zu verwirklichen. Die freiheitliebenden Völker sind der Sowjetpresse dafür verpflichtet, daß sie den wahren Sinn des »Antikominternpaktes« zwischen Deutsch­land, Japan und Italien, aber auch die Politik jener reaktionären Kreise in England, Frankreich und Amerika aufgedeckt hat, die Hitler willkommen hießen und auf seine Hilfe in ihrem Kampfe gegen die fortschrittliche Arbeiterbewegung bei sich daheim rech­neten. Zur gleichen Zeit entlarvte die sowjetische Presse schonungs­los die Anhänger Trotzkijs und Bucharins, die Verräter des sowje­tischen Volkes. Der amerikanische Botschafter in der UdSSR, Davies, hebt das Verdienst der Organe der sowjetischen Justiz hervor, die den Verrat dieser faschistischen Trabanten an den Tag brachten; die sowjetische Presse veröffentlichte vor der gesamten Welt die Beweise für die Verbindung Trotzkijs, Pjatakows, Radeks und an­derer mit Hitler-Deutschland.

In den Jahren des Großen Krieges des Sowjetvolkes gegen den Einfall der Hitlerarmee zeigte sich die organisatorische Rolle der Sowjetpresse an der Front und im Hinterlande im hellsten Lichte.

Man mußte sich in den Kriegsjahren in den Dörfern und den Städten des Sowjetlandes aufhalten, um sich davon zu überzeugen, in welch neuem, gewaltigem Maße sich damals das Interesse des Volkes an den Zeitungsnachrichten, an der Information über Front und Hinterland und an all dem, was die sowjetische Presse schrieb, entwickelt hatte.

In jeder Provinzstadt wurde die Zeitungsredaktion in noch größerem Maße als früher das Zentrum des gesellschaftlichen Lebens. Der Verfasser dieser Zeilen mußte sich in den Kriegsjahren in vielen Städten der Sowjetunion aufhalten. Überall, in der Tbilisser Sarja Wostoka (Morgenröte des Ostens), in der Leningradskaja Prawda (Leningrader Prawda), in der Swerdlower Zeitung Uralskij Ra­hotschij (Der Ural-Arbeiter) und in der Kujbyschewer Wolshskaja Kommuna (Wolga-Kommune) beobachtete er, wie sich in den Abendstunden in den Redaktionsstuben Arbeiter, Ingenieure, Lehrer, Schriftsteller versammelten, um zu erfahren, was die Zei­tung in der für den nächsten Tag vorbereiteten Nummer Neues bringen werde.

Die Zeitungsredakteure konnten sich nicht über Mangel an Ma­terial oder an Autoren beklagen, obgleich die ständigen Mitarbeiter der Zeitung, und zwar oftmals ihre besten Kräfte, an die Front gegangen waren. Sie, diese erfahrenen, geschickten Journalisten, wurden ein Teil des aktiven Heeres; Seite an Seite mit den Soldaten und den Offizieren legten sie den Weg von Stalingrad nach Berlin, von Leningrad nach Wien zurück. Wenn sie auch Mitarbeiter von Frontzeitungen geworden waren, so vergaßen sie doch nicht ihre heimischen Redaktionen im fernen Hinterland. Sie schrieben an ihre Zeitungen im Hinterlande, wenn möglich, regelmäßig, stets leiden­schaftlich und wahrheitsgetreu.

Die sowjetischen Schriftsteller, Romanschriftsteller und Novel­listen, Dichter und Verfasser von Kurzgeschichten, nahmen an der Presse aktiven Anteil. Sie wünschten nicht, sich in den »Turm aus Elfenbein« zurückzuziehen. Mit Gewehr und Notizbuch gingen viele an die verschiedenen Frontabschnitte.

Feder und Bajonett waren stets vereint im sowjetischen Lande, wo die Musen nicht schweigen, wenn die Kanonen sprechen. In den Jahren des Bürgerkrieges und der Intervention arbeitete Wladimir Majakowskij in der ROSTA (Russische Telegraphen-Agentur) und widmete seine glänzende Feder der Sache des Sieges über den Feind. Nach seinem Beispiel wurde der Dichter Konstantin Simonow im Kriege 1941-1945 einer der tätigsten Mitarbeiter der Presse. Ende des Jahres 1941 erschien in der Prawda sein Gedicht: »Warte auf mich«, ein Brief von der Front, an eine geliebte Frau gerichtet. Diese lyrische Dichtung des sowjetischen Poeten wurde sehr populär; mit der Seele, mit dem Herzblut geschrieben, begeisterte sie die Kämpfer und erzog die Menschen des Hinterlandes zum Patriotismus; die Rotarmisten schrieben sie ab und schickten sie ihren Bräuten in das heimatliche Dorf, die Menschen lasen sie in den Fabriken und auf dem Felde, in den Hörsälen und von den Bühnen herab.

Später erschienen in der Literaturzeitschrift Snamja (Das Banner) die ergreifenden »Stalingrader Nächte« von Simonow, das Ergebnis der persönlichen Beobachtungen des Verfassers, der in den Tagen der historischen Schlacht in Stalingrad war und im Feuer des Feindes die Wolga überquert hatte, der die Stadt der Helden und die ganze Erhabenheit ihrer großen Taten mit eigenen Augen, mit den Augen des Schriftstellers und tapferen Kämpfers, geschaut hatte.

In der Prawda erschienen unter den boshaften und treffenden Karikaturen der »Kukryniksy«, einer Gruppe von drei talentierten sowjetischen satirischen Künstlern, die Verse von Marschak. Wir kannten Marschak aus der Zeit vor dem Kriege als Übersetzer und Verfasser von poetischen Kindergeschichten. Marschak offen­barte in den Kriegsjahren ein neues Talent; der satirische Dichter riß den Feinden des Sowjetlandes die Maske herunter, entlarvte ihre Heuchelei, die verlogenen Freunde und Wölfe in Schafpelzen, brandmarkte die Faulenzer und alle die Leute, die in der schweren Zeit nur an ihr eigenes Wohl dachten.

In der Zeitung Krasnaja Swesda erschien fast täglich ein Feuille­ton von Ehrenburg. Der feinsinnige Dichter und erfahrene Roman­schreiber, 'der in gleicher Weise auch die Kurzgeschichte beherrscht, schuf ein literarisches Porträt des Feindes. Der sowjetische Leser sah in den Zeitungen den stumpfsinnigen, grausamen, hitlerischen Landsknecht und lernte ihn verachten und hassen.

Ilja Ehrenburg, der Schriftsteller mit dem großen Herzen, wür­digte in der Sowjetpresse verdientermaßen sowohl die Kühnheit der jugoslawischen Partisanen als auch die heiße Liebe der französischen Maquisten zu ihrem Vaterlande. Der Kampf aller freiheitlieben­den Völker Europas vereinigte sich mit dem Kampf der Roten Armee. Ein Beispiel war allen das russische Volk, das sich in diesem Kriege die allgemeine Anerkennung als die führende Kraft der Sowjetunion unter allen Völkern des Landes verdient hat. J.W. Stalin hob »den klaren Verstand, den standhaften Charakter und die Geduld« des russischen Volkes hervor.

In den Kriegsjahren reichte in der Presse der Platz für die großen Artikel und die viele Spalten umfassenden Korrespondenzberichte nicht aus. Trotzdem fand sich auf den Seiten der Prawda noch Raum für das Kriegsstück von Kornejtschuk »Die Front«. Es war dies ein Werk für das Theater, das unmittelbar aus dem Kriegs­geschehen heraus geschrieben worden war. Ich glaube nicht, daß die Militärzensur eines anderen Landes ein ähnliches Werk durch­gelassen haben würde - auch nicht für die Bühne, geschweige denn für die Massenverbreitung in der Presse; die ausländischen Diplo­maten waren der Meinung, daß ein derartiges Stück in ihrem Lande das Rampenlicht nicht erblicken würde. Kornejtschuk kritisierte scharf jene Generäle und Armeekommandeure, die, der Routine ver­fallen, die jungen, talentierten, vom Gefühl für das Neue beseelten Leute niederhielten, die nicht bei dem Erreichten stehenbleiben woll­ten; Feiglinge, Speichellecker und Bürokraten erkannten sich in den Porträts, die von dem dramatisch begabten Journalisten nach der Natur gezeichnet waren, wieder. Die Stärke der sowjetischen öffent­lichen Meinung, die vor der Kritik nicht zurückschreckte, die Person nicht ansah, war in augenfälliger Weise von dem ukrainischen Schriftsteller zur Schau gestellt worden. Viele der ausländischen Be­obachter verstanden nicht, daß die feste Überzeugung der sowje­tischen Menschen vom Endsieg über den maßlos gewordener. Gegner und das Vertrauen auf die eigenen Kräfte eine Erklärung für die Kühnheit bildete, mit der das Stück von Kornejtschuk in den Spalten der Prawda veröffentlicht worden war. Die Aufführung dieses Stückes war ein Widerschein der Volkstümlichkeit des Theaters und der Presse in der UdSSR.

Die Sowjetmenschen verfolgten in den Tagen des Krieges auf­merksam die vierte Spalte der zentralen und der örtlichen Zeitungen, in der nach feststehendem Brauch in der Sowjetpresse die Nach­richten aus dem Auslande veröffentlicht werden. Die ständigen Mit­arbeiter und auch die neuen Autoren aus dem Kreise der wissenschaftlichen Mitarbeiter kommentierten diese Nachrichten. In der Prawda rechnete der hervorragende sowjetische Publizist Saslawskij mit der Clive-Clique ab, die versuchte, Hitler-Deutschland vor seinem verdienten harten Schicksal zu retten. Der junge, talentvolle Dozent der Moskauer Universität, Georgijew, der sich für die Dauer des Krieges der TASS zur Verfügung gestellt hatte, deckte die Hin­tergründe der prohitlerischen Manöver der amerikanischen Reaktion auf. In den Iswestija veröffentlichte ein anderer junger Gelehrter, der Kenner der Probleme des Stillen Ozeans, Jewgenij Shukow, seine stets genauen, inhaltsreichen Berichte aus San Franzisko.

Zur gleichen Zeit, als ausden Spalten der zentralen und der Pro­vinzzeitungen die Schriftsteller und die Gelehrten, die Journalisten und die Politiker zu den Lesern sprachen, gaben im Rücken des Feindes namenlose Helden der Feder sowjetische Zeitungen heraus.

Vor mir liegt ein Sammelband, der in Leningrad zum Andenken an diese Partisanenzeitungen des Leningrader Bezirkes heraus­gegeben worden ist. Da schreibt über die Arbeit der Partisanenzei­tung Dnowez (Der Dnoer) ihr Mitarbeiter Sarankin:

»Die illegale Zeitung wurde unter dem Pfeifen der feindlichen Kugeln und unter dem Geheul der Minensplitter herausgegeben. Nachdem die Zeitung gedruckt worden war, packten die Arbeiter der Redaktion die Druckerei zusammen, versteckten sie, und sie selbst schlossen sich den Kampfoperationen der Abteilungen an.«

Der Dnowez erschien auf der Station »Dno«, die von den Deut­schen im Jahre 194 1 besetzt worden war. Die Herausgabe der Zei­tung wurde 1'/2 Jahre fortgesetzt. Sie wurde von der örtlichen Bevöl­kerung unterirdisch verbreitet. Für solche Zeitungen wie der Dnowez gab es auf dem von den Deutschen besetzten Territorium viele Hun­derte von Bezeichnungen. Sie wurden in einer Auflage von einigen Hundert oder nur von zehn Exemplaren bis zu vielen Tausenden, die auf typographischern Wege unter den Augen der deutschen Kom­mandanten gedruckt wurden, herausgegeben. In der englischen und der französischen Literatur wird verdienterweise die unterirdische Zeitung La libre Belgique (Das freie Belgien), die in der Zeit der deutschen Besetzung in Belgien in den Jahren 19 14 - i g 18 heraus­gegeben wurde, erwähnt. In der UdSSR gab es jedoch in den von den Deutschen besetzten Gebieten in den Jahren 1941 - 1944 viele Hunderte solcher Zeitungen.

Die aufopfernde Arbeit der sowjetischen Journalisten im Hinter­lande und an der Front erfolgte nicht ohne Opfer, um die das gesamte Volk trauerte. In dieser kurzgehaltenen Broschüre können wir nur einige von ihnen erwähnen. Bei Sewastopol kam der Re­dakteur der Zeitschrift Ogonjok (Das Flämmchen) und Kriegsberichter Jewgenij Petrow um, der zusammen mit Ilja Ilf die Bücher »Einstöckiges Amerika« und »Zwölf Stühle« verfaßt hatte. Zwei sowjetische Novellisten und Kriegsberichterstatter, Lapin und Chazrewin, kamen an der Front im Jahre 1941 ums Leben. Der Sekretär des Verbandes sowjetischer Schriftsteller, der Kriegsbericht­erstatter Stawskij, wurde von deutschen Kugeln getötet. Im Hinter­land wurde der talentierte Dramatiker und Mitarbeiter der sowje­tischen Presse, Afinogenaw, durch eine Bombe getötet. Ihre bemer­kenswerten Stücke, Novellen und publizistischen Artikel wurden von Millionen sowjetischer Menschen gelesen und blieben zurück als Denkmäler eines wirklichen Patriotismus, dem jedweder nationale Chauvinismus fremd ist.

Jetzt, da die Sowjetpresse mit friedlichen Problemen des Wieder­aufbaus beschäftigt ist, sind die Lehren des Krieges für sie nicht umsonst gewesen, ihre Aufgaben sind noch ehrenvoller, noch ver­antwortungsvoller geworden. Die sowjetische Gesellschaft wacht über die von ihr eroberte Freiheit und erwartet mit vollem Recht von ihrer Presse, daß sie ihre Unversöhnlichkeit gegenüber der Reaktion in der ganzen Welt und die Bereitwilligkeit des sowje­tischen Volkes zur Arbeit und zur Selbstaufopfenmg für das Ge­deihen der Heimat zum Ausdruck bringt.noch oben

Kapitel II

Die sowjetische Zeitung

Zunächst einige Zahlen.

Im Jahre 1913 erschienen innerhalb der Grenzen Rußlands 775 Zeitungen in russischer Sprache und 84 Zeitungen in anderen Sprachen.

Im Jahre 1939 erschienen innerhalb der Grenzen der UdSSR 647 S Zeitungen in russischer Sprache und 2294 in anderen Sprachen. Die Tagesauflage der Zeitungen vor dem Kriege 1941 - 1945 belief sich auf 37,5 Millionen Exemplare für die gesamte Sowjet­union, die Wandzeitungen nicht gerechnet. Mit anderen Worten, auf fünf erwachsene Bürger der UdSSR kamen beispielsweise zwei Zeitungsexemplare täglich. Im Jahre 1913 betrug die Tages­auflage 2,7 Millionen Exemplare, d. h. daß auf je 4o Erwachsene eine Zeitung kam.

Die Moskauer Prawda (Die Wahrheit) ist die verbreitetste und einflußreichste Zeitung in der Sowjetunion, sie ist das Organ des Zentralkomitees und des Moskauer Komitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (Bolschewiki). Die Auflage beläuft sich bei­spielsweise auf 2 Millionen Exemplare. Diese Zeitung wurde vor dem Kriege in sechsseitigem Großformat herausgegeben. In den Kriegsjahren wurde ihr Umfang auf vier Seiten verringert.

In der Prawda erscheinen die angesehensten Publizisten des Sowjetlandes. In der Prawda werden die Presseübersichten der zentralen und der Provinzzeitungen veröffentlicht, in denen die Prawda ihr Urteil über die Arbeit der Redaktionen dieser Zei­tungen zum Ausdruck bringt. Mitunter sind die Beurteilungen ver­dientermaßen sehr scharf. So unterzog die Prawda z. B. kürzlich die Zeitung Sowjetskoje Iskusstwo (Die Sowjetische Kunst) einer strengen Kritik, weil sie sich ziemlich blind vor der zweifelhaften Autorität einiger Kunsthistoriker verbeugte und mit dem wirk­lichen Leben der Kunst in der Sowjetunion eine ungenügende Ver­bindung aufwies. Bei der Besprechung der Mängel betont und popularisiert die Prawda gleichzeitig auch die positiven Erfah­rungen der Arbeit der Presse; z. B. lobte sie die Sarja Wostoka (Morgenröte des Ostens), die in Tbilissi erscheint, wegen ihrer ge­schickten Darstellung des aktuellen politischen Materials und wegen des vortrefflichen Stils ihrer Artikel.

Die Bedeutung der Artikel und der Feuilletons der Prawda ist groß. Sie gibt den anderen sowjetischen Zeitungen das Beispiel einer sorgfältigen Prüfung des zu veröffentlichenden Materials. Ehe man einen Artikel über die Lage in dem oder jenem Werk, der oder jener Fabrik, in einem Industriezweige oder bei einer Behörde bringt, besuchen die »Prawdisten« (die Mitarbeiter der Zeitung 1'rawda) das Objekt ihrer geplanten Veröffentlichung mehrmals, unterrichten sich über die Ansichten der Fabrikarbeiter, der An­gestellten, der Werktätigen der Verwaltung, beratschlagen sich mit ihnen und lernen die Meinung der Masse kennen. Als Signal für das Auftreten der Prawda dienen auf Schritt und Tritt die Briefe, die in großen Mengen von den Millionen der Leser der Zeitung täglich in der Redaktion einlaufen. An die Prawda schreiben die Arbeiter und die Kolchosbauern, die Angestellten und die Inge­nieure, die Männer der Wissenschaft und der Kunst. Oft benutzen die Kollektive der Werktätigen die Spalten der Prawda, um sich an andere Kollektive mit einem Aufruf zur Organisierung eines sozia­listischen Wettbewerbs für die Erfüllung und die Übererfüllung des Fünfjahresplanes zu wenden. Derartige Aufrufe finden syste­matisch auf den Seiten des Zentralorgans der Kommunistischen Partei Raum. An die Redaktion gelangen viele Briefe von einzelnen Lesern. Hier findet man sowohl Mitteilungen über betriebliche Er­rungenschaften, über die Aufdeckungen von Unregelmäßigkeiten verschiedener Art. Die lebendige Fühlungnahme der Prawda mit ihren Lesern wird nicht nur deshalb aufrechterhalten, weil in ihr Briefe dieser Leser veröffentlicht werden. Die Zeitung kann aus Platzmangel diese Briefe nur in beschränkter Zahl abdrucken. Die Redaktion läßt jedoch in der Regel kein einziges dieser an sie ge­richteten Schreiben unbeantwortet. Sie verfolgt die von den Lesern aufgestochenen unzulässigen Erscheinungen, versucht, sie zu be­seitigen, unabhängig davon, ob es sich um eine Tatsache von großer gesellschaftlicher Bedeutung handelt oder ob nur das individuelle Interesse des gewöhnlichen Sowjetmenschen berührt wird. Aus den Briefen der Leser schöpft die Redaktion ergänzende, manchmal wichtige Nachrichten über das Leben im Lande, die in den Mit­teilungen der eigenen Berichterstatter und in den Informationen seitens der TASS nicht enthalten waren.

Nach bereits feststehender Tradition werden die Artikel der Prawda nach ihrem Erscheinen ausführlich und sorgfältig in der Fabrik, der Behörde oder dem Institut, deren Angelegenheit durch den betreffenden Artikel berührt wird, besprochen. Das Interesse der Redaktion an der von ihr aufgeworfenen Frage mindert sich so lange nicht, bis die Mängel in vollem Umfange abgestellt sind.

Die aufmerksame Haltung gegenüber den Briefen der Leser und der Kampf um die Wirksamkeit des veröffentlichten Stoffes bilden den wichtigsten Grundsatz jeder beliebigen sowjetischen Zeitung, für die die Prawda nur als Vorbild dient.

Die Prawda hat eine ständige Rubrik »Das Parteileben«. In dieser Rubrik werden systematisch die Berichte, die die Tätigkeit der ört­lichen Organisationen der Partei der KPdSU (B) charakterisieren, veröffentlicht. In der Prawda werden auch Artikel und Unterlagen über die Fragen der Theorie des Marxismus-Leninismus sowie Propagandaartikel von großer prinzipieller Wichtigkeit heraus­gegeben.

Eine nicht geringe Bedeutung besitzt die Rubrik »Literatur und Kunst« in der Prawda. Die Zeitung äußert sich regelmäßig über alle wichtigen Theateraufführungen und Kinofilme. Ihre Berichte genießen eine hohe Autorität: die angesehensten Theater- und Kinokenner kommen in ihren Spalten als Autoren zu Wort. Die Prawda veröffentlicht ab und zu hervorragende Werke der Literatur.

Ihre Ausführungen über die Fragen der äußeren Politik tragen keinen offiziellen Charakter, zum Unterschiede von den Veröffent­lichungen der Iswestija, des Organs des Obersten Sowjets der UdSSR. Doch ziehen die Artikel und die Kommentare der Prawda, die die internationalen Probleme betreffen, die Aufmerksamkeit weiter Kreise auf sich, soweit sie die öffentliche Meinung der Sowjet­union widerspiegeln.

Der Prawda gehört ein Verlag, in dem eine Anzahl von Zeit­schriften erscheinen, darunter auch die theoretische und politische Zeitschrift des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (B) Bolschewik (Der Bolschewik), ferner die satirische Wochenzeitschrift Krokodil (Das Krokodil) und andere Zeitschriften. Der Verlag der Prawda veröffentlicht auch Bücher.

Die Zeitung Iswestija (Nachrichten) steht hinsichtlich der Auf­lage der Prawda nur wenig nach. Als offizielles Organ der Sowjet­regierung bringt sie Berichte über die Arbeit des Obersten Sowjets der UdSSR nicht nur in russischer Sprache, sondern auch in den Sprachen der anderen Bundesrepubliken.

Sie ist die einzige Zeitung in der Welt, die infolgedessen Satz, Korrektur und Textredaktion in 16 Sprachen vornehmen muß. In der Iswestija werden die Beschlüsse, die gesetzgebenden Akte, die vom Obersten Sowjet der UdSSR und vom Obersten Sowjet der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik vor­genommen werden, veröffentlicht. Desgleichen auch die Erlasse der Sowjetregierung. Im allgemeinen nimmt das offizielle Material der Regierungsverordnungen in der Zeitung keinen großen Raum ein.

Die Hauptrubrik der Iswestija ist die Rubrik für den sowjetischen Aufbau, in der die Arbeit der örtlichen Sowjets und ihrer Organe beleuchtet wird. Große Aufmerksamkeit widmet die Zeitung den kulturellen und den Schulfragen. Im Verlaufe der 27 Jahre, in denen M. I. Kalinin den Posten eines Leiters des obersten Organs der Sowjetunion, des Präsidiums des Obersten Sowjets (früher: Präsidium des Zentral-Vollzugsausschusses), bekleidete, hat er persönlich darüber gewacht, daß die Iswestija ständig jenen Themen Beachtung schenkte, die mit der Entwicklung der nationalen Kultur der Völker der Sowjetunion verbunden waren. In der Iswestija konnte man infolge dieser Besonderheit Leitartikel über Themen antreffen, die selten oder niemals in den Leitartikeln der großen politischen Zeitungen Westeuropas und Amerikas anzutreffen waren: »Aufnahmen in die Hochschulen«, »Examina in den Mittel­schulen«, »Die Bibliotheken und ihre Arbeit« usw .

Viel Raum widmet die Zeitung auch den Fragen der Industrie und besonders der Landwirtschaft, der Popularisierung der Arbeits­methoden und der Arbeitserfahrungen der fortschrittlichen Kollek­tivwirtschaften (Kolchosen).

Die Iswestija wie auch die Prawda verfügen über ein aus­gedehntes Netz von Berichterstattern in den einzelnen Republiken und Großstädten der Sowjetrepublik und versorgen den Leser mit einer reichen Berichterstattung über das Leben im Lande.

In der Iswestija arbeiten seit langem erfahrene internationale Publizisten. Die Redaktion der Iswestija erhält in der UdSSR die größte Anzahl von ausländischen Zeitungen und Zeitschriften aus allen Ecken und Enden der Welt; das große Archiv der Zeitungs­ausschnitte und die Bibliothek geben Auskunft über alle beliebigen Fragen des Lebens im Ausland: Die überblicke über die internationale Politik, die mit dem Pseudonym »Nabljudatel« (Beobachter) unter­zeichnet sind, genießen hohe Autorität; sie werden häufig von anderen örtlichen Zeitungen abgedruckt.

Zu den zentralen Zeitungen, die sehr große Verbreitung haben, gehört auch die Zeitung Trud (Die Arbeit), das Organ der sowje­tischen Gewerkschaftsverbände. Die Gewerkschaften sind in der UdSSR eine sehr einflußreiche und der Zahl nach die bedeutendste gesellschaftliche Organisation. Als Zeichen für die Bedeutung, die die Gewerkschaften im sowjetischen öffentlichen Leben besitzen, kann man auch jene Tatsache ansehen, daß N. M. Schwernik, der jetzige Vorsitzende des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR (eine Stellung, die der Stellung des Präsidenten in anderen Ländern entspricht), bis zur Wahl auf diesen hohen Posten der Leiter der sowjetischen Gewerkschaftsbewegung war.

Es ist daher begreiflich, daß der Interessenkreis der Zeitung Trud ebenso umfangreich ist wie jener der Prawda und der Iswestija. Die Trud, eine von den offiziellen Instanzen unabhängige Zeitung, räumt den internationalen Fragen, den Fragen der sowjetischen Wirtschaft und Kultur einen beträchtlichen Raum in ihren Spalten ein. Natürlich bildet die Tätigkeit der Gewerkschaftsverbände für die Zeitung ein besonders wichtiges Thema. Hierzu gehört ein um­fangreicher, vielgestaltiger Kreis von Fragen, die die sowjetischen Gewerkschaftsverbände beschäftigen: Sozialversicherung, Organi­sierung des sozialistischen Wettbewerbs, Arbeitsschutz, Abschluß von Kollektivverträgen, Kontrolle der Tätigkeit der staatlichen Anstalten, die das Leben der Gewerkschaftsmitglieder betreuen (Speisehallen, Krankenhäuser), kulturelle Aufklärungsarbeit, die Heilung der Mitglieder der Gewerkschaften in Sanatorien und Kur­orten und so fort.

In der Zeitung Trud findet man den Widerhall der internationalen Beziehungen der Sowjetgewerkschaften; hier werden die Berichte über die Reisen der sowjetischen Gewerkschaftler ins Ausland und über den Aufenthalt von Vertretern ausländischer Gewerkschaften in der UdSSR abgedruckt. Die Zeitung verfolgt die Tätigkeit des Weltgewerkschaftsbundes und die Gewerkschaftsbewegungen in den Ländern des Auslandes aufmerksam und schildert sie.

Der Verlag der Zeitung Trud gibt die am meisten gelesene, einflußreiche Zweiwochenzeitschrift über internationale Fragen: Nowoje Wremja (Neue Zeit) heraus.

Der Redakteur der Trud wird vom Zentralrat der Gewerkschafts­verbände ernannt.

Eine Spezialzeitung, die jedoch weite Verbreitung und allgemeines Interesse genießt, ist die Zeitung Krasnaja Swesda (Roter Stern). Diese zentrale militärische Zeitung widmet den allgemeinen Fragen des Lebens des Volkes in Krieg und Frieden große Aufmerksamkeit. Die Armee der Sowjetunion ist eine Volksarmee, Blut und Fleisch der Volksmassen. Sie hat ihre Sonderinteressen beruflichen Cha­rakters. Ihr ist jedoch jede kastenmäßige Abschließung im Kreise der Aufgaben, die sie vom Volke in seiner Ganzheit absondern würden, fremd. Dadurch unterscheidet sich die Krasnaja Swesda von solchen militärischen Zeitungen wie z. B. der Zeitung France militaire. Wenn wir aufs Geratewohl eine Sammlung der Nummern der Krasnaja Swesda eines Monats aufschlagen, so werden wir in ein und derselben Nummer der Zeitung sowohl einen großen Artikel über taktische Vorbereitung und eine Rezension über eine neue Theateraufführung finden. Ein Bericht über die Erfahrungen der ausländischen Armeen steht neben allgemeinen Informationen über das internationale Leben, die aus der Weltpresse stammen. In der Krasnaja Swesda arbeiteten während der Kriegsjahre die besten Berichterstatter, Feuilletonisten und Novellenschreiber; und jetzt, in den Friedensjahren, sind sie von der Zeitung nicht weg­gegangen. Es ist dies die Zeitung einer Volksarmee, eine Zeitung der Krieger, die in der UdSSR vollberechtigte Bürger sind.

Die jüngeren Schwestern der Krasnaja Swesda sind die Zeitung der Matrosen Krasnyj Flot (Die Rote Flotte) und die Zeitung der Flieger Stalinskij Sokol (Der Stalinsche Falke). Es sind Zeitungen desselben Typs wie die Krasnaja Swesda. Der Verfasser vorliegen­der Arbeit gibt der Zeitung Krasnyj Flot hinsichtlich ihrer ausge­zeichneten russischen Sprache und der geschickten Leitung der Rubrik über das Leben im Ausland den Vorzug; die spezielle Berichterstat­tung über militärtechnische Fragen ist nach Meinung des Verfassers besser in der Zeitung Stalinskij Sokol vertreten. Vielleicht leidet unsere Meinung an der bekannten Subjektivität, aber wir bitten den Leser, dies zu entschuldigen; es ist sehr wahrscheinlich, daß viele in der UdSSR in ihrer Einstellung gegenüber diesen beiden Zeitungen anderer Meinung sind.

Die Komsomolskaja Prawda (Die Komsomol-Prawda) ist die jüngere Schwester der Prawda. Es ist von den irgendwo in der Welt erscheinenden Jugendorganen das ansehnlichste. Die Komsomol­skaja Prawda erscheint in dem gleichen vierseitigen Großformat wie auch andere große zentrale Zeitungen der UdSSR, während außer­halb der Grenzen der Sowjetunion hinsichtlich des Umfanges noch ansehnlichere Jugendzeitungen anzutreffen sind. Wir halten aber die Komsomolskaja Prawda nicht wegen ihres äußeren Umfanges, sondern wegen der Größe der von ihr aufgeworfenen Fragen, für die ansehnlichste Jugendzeitung in der Welt. Die Zeitung ist für die jungen Bürger bestimmt, und sie erzieht zum Staatsbürgertum, sie impft der Sowjetjugend staatsbürgerliches Bewußtsein ein. Sie er­zieht die Jugend im Geiste der Liebe und der Ergebenheit gegenüber dem Vaterlande und zur Achtung auch gegenüber anderen Völkern, zur ehrlichen und aufopferungsbereiten Haltung gegenüber der Arbeit, zur Selbstlosigkeit in der Freundschaft und im Leben, zum persönlichen Mut, zur Rechtlichkeit und zur Prinzipienfestigkeit. Die Diskussionen der Komsomolskaja Prawda über die Fragen be­treffend Ehe und Familie, die einzelnen Probleme der Moral und das Verhalten des sowjetischen Menschen werden von der sowje­tischen Jugend lebhaft besprachen. Die Komsomolskaja Prawda geißelt den Egoismus, die Gewinnsucht, den Müßiggang, die Groß­tuerei, das grobe Verhalten gegenüber den Frauen, die geschlecht­liche Ausschweifung, alles das, was dem Gewissen des sowjetischen Bürgers zuwider ist. Der Adel der von der Komsomolskaja Prawda verkündeten Ideen, die Vielseitigkeit der behandelten Themen, die Lebendigkeit der Darstellung, all das macht diese Zeitung zum Lieblingsblatt nicht nur der sowjetischen Jugend, sondern auch der älteren Leute. In der Redaktion der Komsomolskaja Prawda sind alle geistig jung: wenn es anders wäre, könnten sie hier gar nicht arbeiten. Wir fügen aber hinzu, die erdrückende Mehrheit der Mit­arbeiter und der Redakteure ist auch an Jahren jung.

Die Komsomolskaja Prawda ist nicht nur eine Schule des Lebens, sondern auch der Literatur. Desgleichen erfreut sie sich im Kreise der Künstler allgemeiner Liebe. Allwöchentlich veranstaltet die Re­daktion dieser Zeitung einen Empfang der Jugend, auf dem die Schriftsteller ihre neuen Werke lesen, die Komponisten ihre neuen Schöpfungen zur Aufführung bringen und die Schauspieler das neue Repertoire zeigen. In ungezwungener Form und ohne Ansehen der Autorität finden Besprechungen statt. Die Jugend redet zuweilen von der Leber weg und kritisiert scharf. Wie viele Leute von Ruf wurden hier nicht geschont, und zwar mit Nutzen für sie, und wie viele Talente wurden hier entdeckt! Wie viele literarische Lauf­bahnen nahmen wurden auf den »Donnerstagen« der Komsomolskaja Prawda ihren Anfang!

Eine andere Zeitung, die Pionerskaja Prawda (Die Pionier ­Prawda), besitzt eine nach Millionen zählende Auflage. Diese Zeitung ist für die jüngsten Leser, für Schüler von 8 oder g bis zu 14 Jahren, bestimmt. Die Zeitung hat die schwere Aufgabe, die erste Zeitung für die künftigen Bürger der Sowjetunion zu sein. Sie soll die man­nigfaltigen Ansprüche ihres wißbegierigen, jungen Leserkreises be­friedigen, ihm den Geschmack am Lesen der Neuigkeiten und Inter­esse am öffentlichen Leben beibringen, in ihnen den Sinn für das Neue, diese wertvolle Eigenschaft der Sowjetmenschen, entwickeln. Die Pionerskaja Prawda ist die »jüngere Schwester« der Komso­molskaja Prawda. Sie beginnt im Kinde bereits jene Eigenschaften des Sowjetbürgers zu kultivieren, die dann in seiner späteren Jugend von der Zeitung der Jugend weiterentwickelt werden.

Die Pionerskaja Prawda enthält ihren kleinen Lesern keine wesentlichen öffentlichen Ereignisse des Inlandes oder des Auslan­des vor; sie bemüht sich nur, das wichtigste Material in gedrängter, einfacher, Kindern verständlicher Form zu vermitteln. Dies ist eine Kunst, und die Redaktion beherrscht sie in vollem Maße. Natürlich ist die öffentliche Information nur eine Seite des Tätigkeitsbereiches der Zeitung. Sie räumt dem Schulleben einen großen Raum ein, sie druckt abenteuerliche und historische Erzählungen und Romane ab, macht die Kinder mit den großen Entdeckungen auf dem Gebiete der Wissenschaft und der Technik bekannt und beschreibt in Um­rissen spannend das Leben der Völker der Sowjetunion und der

fremden Länder und entwickelt durch fesselnde Aufgaben die Auf­fassungsgabe der Kinder. Ihr Umfang ist nicht groß: vier Seiten mittleren Formats. Aber ihr Inhalt ist zusammengedrängt, mannig­faltig, jedes Wort steht im Einklang mit den Interessen des auf seine Art anspruchsvollen Lesers. Und daher wird auch das Erscheinen jeder Nummer mit Ungeduld von Millionen von Kindern erwartet. Northcliffe hat zwar mit Zeitungen »für die Kleinsten« angefangen, aber die gegenwärtigen Northcliffes haben die Dosis der Ab­geschmacktheit in ihren »süßen« Ausgaben für Kinder noch erhöht. Diese widerlich-süßliche »Liebedienerei« werden Sie in der Pioner­skaja Prawda nicht finden, wie Sie in ihr auch nicht jenen geschraub­ten, belehrenden Ton entdecken werden, den solche hervorragenden Schriftsteller wie Tolstoi, Gogol, Dickens und Carroll in ihrem Verkehr mit Kindern verurteilt haben. Die Zeitung ist in einfacher, klarer Sprache geschrieben. Die Unterhaltung mit den Lesern wird gewissermaßen von älteren Gefährten geführt, ohne vorsätzliche Dünkelhaftigkeit, aber auch ohne Schmeichelei.

Wir haben bereits oben auf die Bedeutung hingewiesen, die Lenin und Stalin der Wirtschaftspresse beigemessen haben. Während der seit der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution verflossenen Zeit hat sich die führende Rolle der Wirtschaftspresse in genügendem Maße gefestigt. Die Zeitung Ekonomitscheskaja Shisnj (Das Wirt­schaftsleben) wurde auf diesem Gebiete bahnbrechend. Ihr folgten die Zeitungen Sa Industrialisaziju (Für die Industrialisierung), die Sozialistitscheskoje Semledelije (Der sozialistische Ackerbau), Gudok (Die Sirene) und andere Zeitungen, die für die Behandlung von Spezialthemen für einen besonderen Leserkreis bestimmt sind.

Auf diesem Gebiete hat die sowjetische Presse der Welt viel Neues gegeben. Außerhalb der Sowjetunion war für die Wirtschaftspresse das Hauptzentrum stets die Börse, der Markt für Wertpapiere, Waren, Dienstleistungen; der Motor für die Wirtschaftspresse war der Kauf und der Verkauf und infolgedessen der Profit. Und die Börsenrubriken in der großen Presse waren dafür eine glänzende Illustration. L'In f ormation in Frankreich, die Financial Times in England, die Börsen-Zeitung in Deutschland sind typische Vertrete­rinnen dieser Zeitungsgattung. Die Wirtschaftspresse in der Sowjet­union ist vor allem eine Presse über Fragen der Produktion. Sie wird von den Interessen der Produktion in nationalem Maßstabe geleitet. Das Gesicht der Wirtschaftspresse der Sowjetunion wird dadurch bestimmt, daß hier die Produktion ihrem Herrn, dem Volke, unter­stellt ist.

Die Wirtschaftspresse beschäftigt sich tagein, tagaus in ernsthafter Weise mit der Frage der Produktionstechnik und der Lenkung der Produktion, sie geht auf Kleinigkeiten und Details ein, die einem fremden Leser für eine Behandlung in der Presse, die für einen breiten Leserkreis bestimmt ist, geringfügig erscheinen können. Aber diese Fragen sind in der Sowjetunion stets Fragen öffentlichen Inter­esses. Erinnern wir uns jener Rolle, die der sozialistische Wettbewerb und die Stachanow-Bewegung als Hebel der Entwicklung der gesell­schaftlichen Produktion im Leben der Sowjetunion gespielt haben. Es ist natürlich, daß diese Fragen einen großen Widerhall in der Zeitung finden.

Die Zeitung Sa Industrialisaziju, die sich in der Folgezeit in eine Reihe anderer Spezialorgane der Sowjetpresse aufteilte, hat den Erfahrungen der Stachanow-Bewegung und ihrer Popularisierung große Aufmerksamkeit gewidmet. Bei ihrer Sorge um die Steigerung der Produktivität der Arbeit und der Rationalisierung des Produk­tionsprozesses stellt sich die Wirtschaftspresse die Aufgabe, zu einer sozialistischen Einstellung gegenüber der Arbeit, als einer Sache der Ehre, des Ruhmes und des Heroismus, zu erziehen. An Stelle des »Geldmotivs«, das in der alten Gesellschaft richtiger das »Motiv persönlicher Bereicherung« genannt werden müßte, stellt die sowje­tische Wirtschaftspresse den öffentlichen Ansporn der Teilnehmer am sozialistischen Wettbewerb in den Vordergrund. Bei diesem An­sporn spielt nicht nur das Element der geldlichen Bezahlung eine Rolle: dieses Element hat natürlich seine Bedeutung, und die Wirt­schaftspresse bemüht sich, darzulegen, daß das Prinzip der soziali­stischen Gesellschaft »jeder nach seiner Fähigkeit, jedem nach seiner Leistung« auch tatsächlich gewahrt wird. Jedoch spielt bei der Tätig­keit der Wirtschaftspresse auch die Aufgabe, die besten Leute des Landes, die sich im Produktionsprozeß ausgezeichnet haben, volks­tümlich zu machen, eine sehr große Rolle. Die Namen dieser besten Leute: von dem Lokomotivführer Kriwonos bis zu dem Akade­miker der agronomischen Wissenschaft Lyssenko, wurden vor allem durch die Wirtschaftspresse berühmt gemacht.

Man kann daher sagen, daß die Wirtschaftspresse in der Sowjet­union auf diese Weise einen Namen von Ruf schafft. Die Persön­lichkeit eines Menschen wird in der Sowjetunion danach bestimmt, in welchem Grade er den Interessen der sozialistischen Produktion ergeben ist; sie wird daher vor allem auf den Gebieten der Pro­duktion anerkannt. Es ist somit nicht zu verwundern, daß auch die Einstellung gegenüber dem Menschen vor allem in den Betrieben ihren Ausgangspunkt nimmt. Man interessiert sich für ihn als Teil­nehmer an der allgemeinen Sache, und die allgemeine Sache ist vor allem die Produktion.

Die Stalinschen Fünfjahrespläne haben natürlich einen großen Widerhall in der allgemeinen Presse gefunden. Jedoch besitzt die Wirtschaftspresse für die Verwirklichung der Fünfjahrespläne ihre besonderen und nicht unwichtigen Verdienste. Sie hat dem Volke nicht nur ihre Bedeutung klargemacht; sie hat jedem einzelnen Ar­beiter, Angestellten und Ingenieur nicht nur die Besonderheit der Aufgaben, die dem betreffenden Industriezweige oder einzelnen Unternehmungen gestellt waren, zum Bewußtsein gebracht, sondern auch das Interesse der Menschen geweckt und angespornt und ihm eine konkrete Richtung verliehen.

Die Information der Wirtschaftspresse in der UdSSR ist gleich­zeitig vielgestaltig und spezialisiert; z. B. gibt es in der Zeitung der Eisenbahner Gudok eine Abteilung über das Leben im Auslande, die dem Leser gestattet, eine Vorstellung von den ausländischen Neuigkeiten zu gewinnen, ohne daß er sich an eine andere allgemein­politische Zeitung zu wenden braucht. Zur gleichen Zeit veröffent­licht aber die Zeitung Gudok auch Material, das für ihren Leserkreis spezielles Interesse besitzt: über die ausländischen technischen Neue­rungen auf dem Gebiete der Eisenbahn, des Transports, über das Leben der Eisenbahner in anderen Ländern usw.

Spezielle wirtschaftliche Themen in guter russischer Sprache, die für die Leser verständlich ist, sind wahrscheinlich schwieriger wie­derzugeben als allgemeine Themen. Auch in der Wirtschaftspresse findet ein Kampf um eine »populäre Sprache« statt. Wenn Sie die Sprache eines Börsenberichtes in irgendeinem Public Ledger, mit seinen »Bulls« und »Bears«, mit der Sprache eines Fabrikberichtes über die Rationalisierung des Produktionsprozesses in der Zeitung Maschinostrojenije (Maschinenbau) vergleichen, werden Sie erstaunt sein, welchen Fortschritt die sowjetische Wirtschaftspresse in der populären Darstellung verwickelter technischer Probleme errungen hat. Aber ihre Mitarbeiter sind noch nicht damit zufrieden; sie wollen mehr, sie wollen nämlich eine völlige Beseitigung der Wort­schablonen, eine kristallene Klarheit der Sprache, »ihren eigenen Stil« ... Und sie werden dies erreichen, weil sie es suchen.

In der Wirtschaftspresse sind die örtlichen Berichte gleichfalls wichtig. Aus ihnen kann man eine Vorstellung über den Aufbau, der auf dem gesamten Raum des gewaltigen Territoriums der UdSSR in den Jahren der Sowjetmacht erfolgt ist, gewinnen, und gerade jetzt gibt die sowjetische Wirtschaftspresse eine außerordent­lich umfangreiche Vorstellung von dem Ausmaß der Arbeiten zur Beseitigung der durch den Krieg hervorgerufenen Zerstörungen und zur Wiederaufrichtung der Volkswirtschaft der Sowjetunion. Die Wirtschaftspresse muß man tagaus, tagein lesen: dann kann man aus ihr eine Vorstellung von dem Umschwung auf wirtschaftlichem Gebiete für einen langjährigen Zeitraum gewinnen. So »durchschreitet das Sowjetvolk als Herr seines unermeßlichen Vaterlandes« die Spalten der Wirtschaftspresse. Aus der Wirtschafts­presse der Sowjetunion erfährt man die Einstellung des Besitzers zu den zu behandelnden Themen. Im Auslande spricht und schreibt man viel über die Unabhängigkeit der Presse; in diesem Zusammen­hange möchte man die große Bedeutung der Unabhängigkeit der sowjetischen Wirtschaftspresse betonen. Sie spricht in freier Weise über die Mängel der Arbeit eines beliebigen Unternehmens in der Sowjetunion, was sich eine beliebige Zeitung in einem kapitalistischen Lande bei weitem nicht immer gegenüber der oder jener Aktien­gesellschaft, gegenüber dem oder jenem Kartell, Trust und Syndikat erlauben darf.

Außerhalb der Grenzen der Sowjetunion ist das unabhängige Urteil der Presse über dieses oder jenes Unternehmen dadurch be­schränkt, daß das Zeitungsunternehmen oder dessen Inhaber vor allem in der Zeitung die Einkommensquelle sieht, da die Anzeigen die hauptsächlichsten Existenzgrundlagen für die Börsenpresse bilden. Ferner steht außerhalb der Sowjetunion das Gesetz selbst auf der Seite der Eigentümer der Unternehmen; das Gesetz sieht den Schutz des Geschäftsgeheimnisses vor, eines sehr weiten Begriffes; und das Eindringen in den Bereich eines Geschäftsgeheimnisses kann für die Herausgeber der Zeitung in gerichtlicher Beziehung sehr schwere Folgen nach sich ziehen (Klage wegen Zufügung geschäft­licher Nachteile).

So ist die Unabhängigkeit der sowjetischen Wirtschaftspresse eng mit den Besonderheiten der sowjetischen Gesellschaftsordnung verbunden.

Die periodische Presse über kulturelle Fragen wies in der Sowjet­union eine bedeutende Entwicklung auf. Eine typische Zeitung dieser Art ist die Utschitelskaja Gaseta (Lehrerzeitung), das Organ der Lehrer der Grund- und der Mittelschulen. Im kulturellen Aufbau des Landes spielt die Lehrerschaft eine bedeutende Rolle, und die Zei­tung, die dazu bestimmt ist, die Ansprüche, die Interessen und die Bedürfnisse der sowjetischen Lehrerschaft widerzuspiegeln, genießt eine weite Verbreitung. Sie ist einerseits eine Fachzeitung, wenn man will, eine Betriebszeitung, aber nur auf ihrem Gebiete, dem Gebiete der Volksaufklärung. Andererseits hat diese Zeitung einen allge­meinen Inhalt, indem sie sich für das Leben des Sowjetlandes in seiner Ganzheit wie auch für das Leben im Auslande interessiert.

Die Literaturnaja Gaseta (Die Literaturzeitung) ist das wöchent­lich erscheinende Organ des Bundes Sowjetischer Schriftsteller. Der Verband Sowjetischer Schriftsteller ist eine Vereinigung von Künst­lern, aber kein Gewerkschaftsbund. In der Literaturnaja Gaseta nehmen die kritischen Artikel über die erscheinende Unterhaltungs­literatur und allgemeine Artikel über das Schaffen oder die Rich­tungen in der Sowjetliteratur den Hauptraum ein. Die Literaturnaja Gaseta widmet den Literaturen der Sowjetvölker und auch der aus­ländischen Literatur große Aufmerksamkeit. Eine Besonderheit ist, daß sie sich mit ihrem Inhalt nicht an den Fachmann, sondern an die gesamte Intelligenz der UdSSR wendet. Sie trifft zwar eine be­sondere, jedoch weite Kreise der gebildeten Leute interessierende Themenauswahl.

Der Redaktionsausschuß der Literaturnaja Gaseta besteht aus Schriftstellern und literarischen Kritikern; ihre Mitarbeiter sind fast ausschließlich Schriftsteller und Kritiker, die Berichterstattung der Zeitung ist nur der Literatur gewidmet. Deshalb kann sie keine all­gemeine politische Zeitung ersetzen, aber das gehört auch nicht zu ihren Aufgaben.

Die Zeitung Sowjetskoje Iskusstwo wurde während des Krieges mit der Literaturnaja Gaseta zu einem Organ vereinigt, aber gegen Ende des Krieges wurde sie, wie vor dem Kriege, wieder eine selb­ständige Wochenzeitung. Sie ist das Organ des Komitees der Künste, des Komitees der Architektur und des Ministeriums für Kinemato­graphie. In der Zeitung werden in weitem Umfange »Produktions« Angelegenheiten, der Bau neuer und die Wiederherstellung zerstörter Städte (Architektur), der Alltag der Filmindustrie (nicht nur die ästhetische, sondern auch die Produktionsseite der Aufführung von Filmen) usw. dargestellt. Aber auch in der Zeitung Sowjetskoje Iskusstwo ist nicht weniger als die Hälfte des gesamten Inhalts der ästhetischen Kunstkritik in ihren verschiedenen Formen gewidmet; die Teilnahme der Vereinigungen der sowjetischen Architekten, der Theatergesellschaft, des Verbandes sowjetischer Komponisten, des Verbandes der Filmschaffenden äußert sich nämlich in der Zeitung in der Form einer ideellen Diskussion über diese wichtigste Seite der Künste.

In einer typischen Nummer der Zeitung Sowjetskoje Iskusstwo findet der Leser eine Übersicht von Prof. Igor Bels: »Konzerte mit amerikanischer Musik«, einen Artikel von G. Uwarow: »Die Theater von Ulan-Bator« (Auslandsrubrik), nebst einem Artikel von S. Bu­row: »Bemerkungen über Lustspielfilme« (einem Überblick über die drei neuesten Lustspielfilme), einen Bericht über den schöpferischen Abend zweier junger Meister der Architektur: Meltschakow und Pawlow, zwei Artikel über Kunstausstellungen, ein Feuilleton des berühmten sowjetischen Geigers, des Laureaten David Ostrach: »Pariser Eindrücke«, und die laufende Information über Fragen betreffend Kino, Architektur, Musik, Theater und Malerei.

Großes begründetes Interesse bekundete die sowjetische Öffent­lichkeit für das Erscheinen der neuen Wochenschrift Kultura i Shisnj (Kultur und Leben). Diese Zeitung ist das Organ der Propaganda- ­und Agitationsleitung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion. In ihr werden die Wissenschaft und die Kultur im Sowjetlande unter dem Gesichtspunkt ideologischer Auf­gaben betrachtet. Die wesentlichen Ziele der Zeitung werden von der Redaktion in folgenden Worten ausgedrückt:

»Den Arbeitern der sowjetischen Kultur stehen verwickelte und verantwortungsvolle Aufgaben bevor. Die historische Aufgabe der Partei und des Staates auf dem Gebiete des kulturellen Aufbaus besteht darin, alle Arbeiter und alle Bauern zu gebildeten Leuten zu erziehen, das kulturell-technische Niveau der Arbeiterklasse auf das Niveau der ingenieur-technischen Arbeiter zu heben. Es ist not­wendig, auf alle mögliche Weise die Arbeit der wissenschaftlichen Anstalten des Landes zu entwickeln. Es ist die Pflicht sämtlicher Arbeiter der Sowjetkultur, ihre Anstrengungen auf die schnellste Verwirklichung der großen kulturellen Bildungsaufgaben des sowje­tischen Staates zu richten. Die Zeitung der Propaganda- und Agi­tationsleitung des Zentralkomitees der KPdSU (B) wird den Partei­- und Sowjetorganisationen bei der Durchführung dieser Aufgaben täglich Hilfe leisten. Die Zeitung Kultura i Shisnj wird unablässig für ein hohes Niveau der gesamten ideologischen und agitatorisch­propagandistischen Arbeit, für ein weiteres Wachstum der soziali­stischen Kultur Sorge tragen.«

Dies sind die bedeutenden Verpflichtungen, die die neue Zeitung auf sich genommen hat. Die gründliche, in hohem Maße prinzipielle Kritik der Mängel in der Arbeit der Zeitungen und der Verlage, die in den Spalten dieser Zeitung vorgenommen wird, läßt ihre Bedeu­tung als ein Organ erkennen, das die öffentliche Meinung der Sowjetintelligenz formt.

In der UdSSR gibt es wenige Abendzeitungen. Die Tradition, die sich durch die langen Erfahrungen der Abendzeitungen Moskaus und Leningrads herausgebildet hatte, bestimmte die Stellung der Abendzeitung als einer Zeitung mit vornehmlich lokalen (haupt­städtischen) Interessen und reichlichen lokalen (hauptstädtischen) Neuigkeiten, die von der zentralen Presse nicht oder fast nicht gebracht werden.

Die Zeitung Wetschernjaja Moskwa (Moskau am Abend) gehört zu der Zahl der Zeitungen, die in der Hauptstadt am meisten gelesen werden. Die nach der Wetschorka, wie die Bewohner der Hauptstadt die Zeitung unter sich nennen, Schlangestehenden er­klären dies damit, daß in dieser Zeitung eine äußerst lebendige und vielseitige Berichterstattung über das Moskauer Leben anzutreffen ist. Die Spielpläne der zahlreichen Bühnen Moskaus (man müßte es wahrscheinlich die Theaterhauptstadt der Weit nennen) werden vor allem in der Wetschernjaja Moskwa veröffentlicht, und der Moskauer, der sich überlegt, wo er sich »heute abend« entspannen kann, greift nach der Wetschorka. Ihre literarischen Genres sind: die lebendige Skizze, die Reportage, Interviews, das kleine Feuilleton. Die Zeitung schreibt viel über die Einrichtungen der Hauptstadt, kritisiert scharf die Mängel der Kommunalunternehmungen. In der Wetschorka sind die Rubriken: städtische Vorfälle und Gerichts­wesen gut aufgezogen. In der großen »Morgenpresse« ist dafür weniger Raum vorhanden. Die Zeitung besitzt einen umfangreichen Sportteil, und ihre Berichte über die sportlichen Wettkämpfe werden von den Sportsleuten und den Fußballenthusiasten aufmerksam verfolgt. In der Wetschernjaja Moskwa gibt es auch einen unter­haltenden Teil, er heißt: »Am Sonnabend« (Schach, Geduldsspiele, Kreuzworträtsel usw.).

Die Zeitung Wetschernij Leningrad (Leningrad am Abend) er­innert in vielem an die Wetschernjaja Moskwa, wenngleich darin auch in breiterem Umfange das Leben der wissenschaftlichen An­stalten, an denen die »Zweite Hauptstadt« der Union so reich ist, zum Ausdruck kommt.

Verweilen wir nun noch kurz bei einigen anderen sowjetischen Zeitungen, die in einer Reihe von größeren Städten der Union in russischer Sprache erscheinen.

Als eine typische »große Zeitung« erscheint außerhalb Moskaus die Prawda Ukrainy (Die Prawda der Ukraine) in Kiew. Diese Zeitung nimmt hinsichtlich des Umfanges der Berichterstattung, hin­sichtlich der Fülle des Materials und der Maßgeblichkeit der Artikel in der ihrer Bedeutung nach zweitgrößten Republik der UdSSR, der Ukraine, eine Stellung ein, die ungefähr der Stellung entspricht, die die Zeitungen Iswestija und Prawda gegenüber der gesamten Sowjet­union einnehmen. In der Prawda Ukrainy werden wichtige und kompetente Artikel über Fragen der Wirtschaft, der Kultur, der internationalen Politik veröffentlicht. Die Ukraine, Mitglied der Vereinten Nationen, besitzt gewaltige internationale Interessen, die sich außerdem in Verbindung mit der Wiedervereinigung des gesamten ukrainischen Volkes zu einem einheitlichen, staatlichen Ganzen ausgedehnt haben. Es ist natürlich, daß die Ukrainer die internationalen Beziehungen außerordentlich aufmerksam verfolgen. In der Prawda Ukrainy findet dies einen entsprechenden Widerhall.

Eine große Bedeutung besitzt die Tbilisser Zeitung Sarja Wostoka, die größte Zeitung des transkaukasischen Gebietes. Hinsichtlich ihrer Berichterstattung und ihrer Wichtigkeit ist sie unzweifelhaft eine der bedeutendsten Zeitungen Vorderasiens. Es ist kaum möglich, sie mit den kläglichen reaktionären Blättchen der benachbarten Türkei zu vergleichen, deren Verleger und Redakteure gegenüber dem­jenigen, der sie am besten bezahlt, zu allen Diensten bereit sind. In dieser türkischen Presse arbeiten weder angesehene Gelehrte noch Diplomaten, noch Theaterleute mit; sie wird von Spekulanten, Abenteurern, politischen Gaunern ausgehalten.

Die Sarja Wostoka ist eine der besten Zeitungen der Sowjetunion, die auf ihre Mitarbeiter - Schriftsteller, Arbeiter auf dem Gebiete der Wissenschaft und der Kultur und Persönlichkeiten des öffent­lichen Lebens - stolz sein kann. Der Ton der Zeitung ist ruhig, beherrscht. Die Veröffentlichungen der Zeitung sind von großem Verantwortungsgefühl getragen. In den Fragen der äußeren Politik widmet die Zeitung dem Nahen Osten besondere Aufmerksamkeit.

Tbilissi ist die Hauptstadt des sowjetischen Grusiens, einer Re­publik, die sich durch ein sehr hohes Kulturniveau auszeichnet, und die Sarja Wostoka ist dieser Hauptstadt würdig, sie ist eine »Wirk­liche« hauptstädtische Zeitung.

Die Zeitungen Sowjetskaja Litwa (Das Sowjetische Litauen) und Sowjetskaja Latwija (Das Sowjetische Lettland) erscheinen in den Hauptstädten der Republiken Litauen und Lettland, in Wilna und in Riga. Es sind dies einflußreiche, gut aufgezogene Zeitungen. Im Einklang mit den langjährigen Traditionen Wilnas und Rigas, dieser Städte einer großen journalistischen Kultur, weisen diese republika­nischen Zeitungen eine solide lokale und Unionsinformation auf.

Im allgemeinen muß man die Zeitungen in den Republiken als sehr einflußreiche Presseorgane in der Sowjetunion ansehen. In ihnen sind die bedeutendsten Gelehrten, Literaten, Kritiker, Publizisten als Mitarbeiter tätig. Nach dem Kriege erfuhren sie in Verbindung mit der Blütezeit des nationalen kulturellen Lebens der einzelnen Republiken eine weitere Entfaltung.

In Swerdlowsk erscheint die Zeitung Uralskij Rabotschij (Der Ural-Arbeiter). Swerdlowsk ist jetzt eine der größten und kul­tiviertesten Städte der Sowjetunion. Dies ist auch verständlich, denn der Ural ist die größte Industriebasis der Russischen Republik, und Swerdlowsk ist die Hauptstadt des Urals. Im vorrevolutionären Jekaterinburg (dem jetzigen Swerdlowsk) gab es keine wirklich g r o ß e Zeitung, und auch Jekaterinburg selbst war eine kleine Gou­vernementsstadt, deren Bevölkerung zehnmal kleiner war als das heutige Swerdlowsk. Die Zeitung Uralski j Rabotschij ist die führende Zeitung dieses Industriegebietes. Zu bemerken ist, daß ihre Rubrik »Lokales Leben« besser und reichhaltiger aufgezogen ist als in vielen anderen großen Zeitungen. Der Ural ist im Grunde genommen kein Gebiet, sondern ein ganzes Land: nicht ohne Grund ist eine der ein­flußreichsten Organisationen des Urals seine Geographische Gesell­schaft. Die Geologen und die Schürfer des Urals nehmen gemeinsam mit den Ingenieuren, den Arbeitern und den Lehrern tätigen Anteil an seiner Presse.

Die Zeitung Tichookeanskaja Swesda (Der Stern des Stillen Ozeans) ist die große Zeitung von Chabarowsk. Sibirien und der Ferne Osten haben auf dem Gebiete der Literatur und der Journa­listik ihre Traditionen. In der Zarenzeit war Sibirien das Land der Verbannung, und die politisch Verbannten, von den Dekabristen angefangen bis zu den Sozialdemokraten und den Bolschewiki, haben die Kulturstätten Sibiriens geschaffen, haben aus Sibirien Berichte und Artikel geschickt, haben in Sibirien literarische Zirkel eingerichtet und fortschrittlich geleitete Journale und Zeitungen ins Leben gerufen. Die Tichookeanskaja Swesda ist die bedeutendste Zeitung im sowjetischen Fernen Osten. Diese Stellung verpflichtet sie, ähnlich der Tbilisser Zeitung Sarja Wostoka, den internatio­nalen Fragen große Aufmerksamkeit zu schenken, wenngleich sich natürlich die Hauptaufmerksamkeit der Zeitung auf die Probleme der Entwicklung der produktiven Kräfte dieses an natürlichen Hilfs­quellen reichen Gaues konzentriert. .

Für die »kleine« Sowjetpresse in der Provinz ist die typische Zeitung die Kotschegarka (Das Kesselhaus) - das Organ des Stadt­sowjets und des Stadtkomitees der Kommunistischen Partei (B) der Ukraine in Gorlowka. Gorlowka ist eins der größten Industrie­zentren des Donezbeckens. Die Bezeichnung der Zeitung ist charak­teristisch für den Bergwerksbezirk, und in der Zeitung wird den Fragen der Kohlenförderung, der Kohlenwirtschaft, der Stachanow-Bewegung im Kohlenbergbau, den Fragen der Wiederherstellung der kommunalen Wirtschaft große Aufmerksamkeit zugewendet. Der Gegenstand ständigen Verdrusses der Redaktion ist der Mangel an Raum in der Zeitung angesichts der Fülle von allgemeinem und ört­lichem Material. Die Redaktion muß damit rechnen, daß nicht a11eLe­ser der Zeitung die zentrale Presse erhalten und daß daher die wesent­lichen Dokumente der sowjetischen Regierung, die inländischen und die internationalen Neuigkeiten den Lesern nur durch Vermittlung der Kotschegarka bekannt werden. Zur gleichen Zeit ist auch der Schilderung des lokalen Lebens genügend Interesse zuzuwenden.

Mitarbeiter der Zeitung sind Parteifunktionäre und Persönlich­keiten des öffentlichen Lebens, Arbeiter, Ingenieure, Lehrer, die durch Tausende von Fäden mit dem örtlichen Leben verknüpft sind. Oft sind es auch Leute, die eine spezielle literarische Bildung er­halten haben. Von der Ausbildung der sowjetischen Presseleute werden wir noch später sprechen.

Die lokale Zeitung besitzt großen Einfluß, und die Leute wenden sich oftmals mit Briefen an sie, indem sie um Hilfe bitten, diese oder jene Mängel dadurch zu beseitigen, daß sie sie in der breiten Öffent­lichkeit bekannt gibt. Aber sogar dann, wenn - infolge Raum­mangels oder Geringfügigkeit der Tatsachen selbst - die Redaktion den Bericht nicht unterbringt, ergreift sie Hilfsmaßnahmen.

Wir machten uns mit der Arbeit der Redaktionsabteilung »Briefe« in der Kujbyschewer Zeitung Wolshskaja Kommuna (Wolga-Kom­mune) bekannt, einer Arbeit, die auch für andere sowjetische Zei­tungen typisch ist. Diese Abteilung erhält täglich von den Lesern der Zeitung viele Dutzende von Briefen. Ein Teil der Briefe wird den Redaktionsabteilungen zur Vorbereitung für den Druck übergeben. Die anderen Briefe werden den lokalen sowjetischen Organen zuge­sandt, wenn nötig dem Staatsanwalt, der das gesetzmäßige Verhalten der Sowjetorgane überwacht, mit der Bitte, die Tatsachen zu prüfen und die dazu notwendigen Maßnahmen zu ergreifen. Es ist zu bemerken, daß die Sowjetpresse in dieser Beziehung große Rechte genießt. Gemäß den in der UdSSR bestehenden Gesetzen ist eine jede sowjetische Organisation und Behörde verpflichtet, der Redaktion auf etwaige Anfragen erschöpfende Auskunft zu geben, ihr mitzu­teilen, was zur Abstellung der in dem einen oder dem anderen Leser­briefe angezeigten Unregelmäßigkeiten getan worden ist. Diese Ant­worten veröffentlicht die Zeitung in ihren Spalten in besonderen Rubriken, die Überschriften tragen wie: »Auf den Spuren unserer Erhebungen« usw.

Die Redaktionsabteilungen »Briefe« wachen sorgfältig darüber, daß keiner dieser Briefe der sowjetischen Bürger unbeachtet bleibt und daß den darin enthaltenen Wünschen Rechnung getragen wird. Wir fügen hinzu, daß das sowjetische Gesetz die Personen, die ver­suchen, die Verfasser von Zuschriften und solche Leute, die in der Presse ungesetzliche Handlungen aufdecken, zu verfolgen oder zu beeinträchtigen, streng bestraft. Diese Tätigkeit der Zeitung, die die öffentliche Kontrolle über die Arbeit der örtlichen Sowjetorgane, Behörden, Unternehmungen ausübt, wird als besonders wichtig und ehrenvoll betrachtet. In der Regel bildet die Anzahl der von der Zeitung erhaltenen Briefe und die durch sie erzielten Ergebnisse ein wesentliches Element der öffentlichen Wertschätzung der Tätigkeit der lokalen Zeitung, wenn auf den feierlichen Versammlungen am »Tag der Presse«, am S. Mai, die Zeitungsredakteure traditions­gemäß ihren Lesern über das Ergebnis der Tätigkeit der Zeitung des verflossenen Jahres Rechenschaft ablegen.

Jede der Bundesrepubliken verfügt über viele Zeitungen in ihrer Muttersprache. Der Zahl nach herrschen sie hier vor. Diese Zei­tungen, die vor allem für jene Leser bestimmt sind, die nur ihre eigene nationale Sprache sprechen und lesen können, stellen sich die Aufgabe, einen breiteren Kreis von Fragen zu erfassen als die in russischer Sprache erscheinenden lokalen Zeitungen. Insbesondere trachten sie danach, dem Leser die Entwicklung der örtlichen natio­nalen Kultur in breiterem Umfang vor Augen zu führen. Die in der nationalen Journalistik Tätigen sind mit sehr geringen Ausnahmen unter der Sowjetmacht aus- und weitergebildet worden. In der Prawda finden sich nicht selten bewertende überblicke über die nationale Presse, die eine gerechte und autoritäre Würdigung der Tätigkeit dieser oder jener in der nationalen Sprache erscheinenden Zeitung bringen.

Vor dem Kriege erschienen in der UdSSR laut den Mitteilungen der Buchkammer Zeitungen in 64 und Zeitschriften in 37 verschie­denen Sprachen. Allein in tschuwaschischer Sprache z. B. erschienen mehr als 3 o Zeitungen und Zeitschriften. Unter diesen Sprachen gab es solche, in denen vor der Revolution überhaupt keine Druckschriften herauskamen, z. B. die schorische, die chakassische Sprache und ähnliche. Aus diesen Beispielen können die Leser eine Vorstellung über das Wachstum der nationalen Presse gewinnen.

Diese Entwicklung der nationalen Presse entspricht völlig den grundlegenden Aufgaben, die der Sowjetregierung gleich von An­fang an gestellt waren. In den Thesen »Die nationalen Momente im Partei- und staatlichen Aufbau« für den XII. Parteitag der Russi­schen Kommunistischen Partei (B), vom Zentralkomitee der Partei im Jahre 19 23 gutgeheißen, hob J. W. Stalin als eine der grund­legenden praktischen Aufgaben der Parteiarbeit in den nationalen Republiken die Entwicklung einer Partei-Massenliteratur in der Muttersprache hervor (siehe J. W. Stalin, »Marxismus und natio­nale Frage«).

Vor dem Kriege, im Jahre 1939, erschienen in der UdSSR in den nationalen Sprachen, außer der russischen Sprache, r2o Millionen Bücher; somit stieg die Buchproduktion am Ende der 20er Jahre (1928 = 43 Millionen Exemplare) auf ungefähr das Dreifache. Im zaristischen Rußland betrug die Auflage der Buchproduktion in den nationalen Sprachen im Jahre 1913 insgesamt 6,5 Millionen

Exemplare. Gegenüber dem Bevölkerungszuwachs der Völker der UdSSR um 35 Prozent (ohne das russische Volk) stieg die Buch­produktion auf das 18fache (um 1700 Prozent).

Besonders muß man den charakteristischen Prozeß der gegen­seitigen Bereicherung der Kulturen der Völker der viele Nationali­täten umfassenden Sowjetunion durch die Presse hervorheben.

So werden in der nationalen Presse auf Schritt und Tritt Artikel, Skizzen, Berichte von russischen und anderen Nationalitäten an­gehörenden Autoren veröffentlicht. Insbesondere treten in der natio­nalen Presse nicht selten die bekanntesten und hervorragendsten Autoren der Prawda und anderer zentraler Zeitungen hervor.

Eine eigenartige Stellung unter den sowjetischen Zeitungen nimmt die Moscow News (Moskauer Nachrichten), eine in englischer Sprache in Moskau erscheinende Zeitung, ein. Diese Zeitung über das sowjetische politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche und kul­turelle Leben ist vornehmlich zur Verbreitung unter den Fremden, die ständig in der UdSSR leben, und für die ausländischen Touristen bestimmt. Die Zeitung wird auch im Ausland, in den Ländern eng­lischer Sprache und in den Ländern des Ostens, vertrieben.

In der sowjetischen Zeitschriftenliteratur sind die Wandzeitungen und die Betriebs- bzw. Fabrikzeitungen eine originelle und bemer­kenswerte Erscheinung. Ihrer Herkunft nach sind diese Zeitungen der sowjetischen Unternehmungen, Behörden und anderer Institu­tionen aus den Wandzeitungen hervorgegangen. Jetzt bestehen beide nebeneinander.

Die Wandzeitungen, die in Hand- oder Maschinenschrift heraus­gegeben werden, sind, wie wir bereits vorstehend erwähnt haben, während des Bürgerkrieges und der ausländischen Intervention ent­standen, als es sehr wenig Druckpapier in Sowjetrußland gab. Die Wandzeitungen entstanden damals zum Teil als Ersatz für die gewöhnlichen Zeitungen, die in kleinen Auflagen erschienen. In diesen Zeitungen wurde neben allgemeinen Losungen, Zeichnungen über politische und allgemeine Themen, aktuelles Material über das Leben des betreffenden Unternehmens, der Werkstätte oder der Abteilung veröffentlicht. An der Herausgabe der Wandzeitungen nehmen ausschließlich die Mitarbeiter und die Arbeiter der betref­fenden Behörden oder Fabriken teil; Berufsjournalisten gab es unter ihnen nicht: Die Redaktion wurde auf Grund von Wahlen der Ar­beiter, der Mitglieder der Gewerkschaftsorganisationen, gebildet. Für die Wandzeitungen, die gleich von Anfang an das Sprachrohr der öffentlichen Meinung der betreffenden Belegschaft geworden waren, war sofort großes Interesse vorhanden, und sie fingen an, sich zu entwickeln.

Gegenwärtig erscheinen im Sowjetlande Hunderttausende von Wandzeitungen, und es gibt buchstäblich keine einzige Institution und kein einziges Unternehmen, die nicht ihre Wandzeitung haben. Das Institut der Physikalischen Chemie der Akademie der Wissen­schaften der UdSSR, die Parfümabteilung einer großen chemischen Fabrik, die sowjetischen Staatsgüter des fernen Altaigebietes, das Sanatorium »Archangelskoje« für die Offiziere der Sowjetarmee, die Fakultät des Pädagogischen Instituts »Lenin« und die Fabrik­kantine der Automobilfabrik »SIS« haben alle ihre eigenen Wand­zeitungen. Ihre Themen sind bis zu einem gewissen Grade die glei­chen wie die der »Wirtschaftspresse«, von der wir oben gesprochen haben; die Wandzeitungen schreiben vor allem über die Produktion. Doch besteht ein Unterschied: die Produktionsthemen werden hier in dem verhältnismäßig engen Kollektivkreise erörtert. Die Wand­zeitung erzieht den Sinn für Kollektivität, den Stolz und die Ver­antwortlichkeit der einzelnen Teilnehmer am Produktionsprozeß, die durch ein gemeinsames Ganzes, nämlich die kleine Produktions­zelle, miteinander vereinigt sind. Die Wandzeitung ist von der Lei­tung des Unternehmens unabhängig; sie ist ein Organ der örtlichen gesellschaftlichen, gewerkschaftlichen und Parteiorganisationen, in denen sämtliche Mitglieder als Teilnehmer der allgemeinen Sache, als Genossen, gleich sind.

Die Betriebszeitungen, das sind jene Wandzeitungen, die für die Arbeiter des betreffenden Unternehmens in Druckschrift heraus­gegeben werden. Sie erscheinen in großen Werken, deren Beleg­schaften viele Tausende umfassen; die Themen sind die gleichen, aber die Art ihrer Behandlung ist eine andere.

Die einzelnen Tatsachen, Fehlschläge, Vorfälle und Leistungen der Produktion werden mehr verallgemeinert, in breiterem Zusammen­hange mit der Bewegung des gesellschaftlichen Lebens des Sowjet­landes im ganzen erörtert. Mitunter beteiligen sich an der Heraus­gabe der Betriebszeitungen auf Grund gesellschaftlicher Hilfe be­kannte Schriftsteller und Dichter, und mitunter gehen auch die

Autoren von den Betriebszeitungen zur allgemeinen Presse über, nachdem sie zusätzliche Ausbildung oder berufliche Routine erlangt haben. Eine Vorstellung von der Entwicklung der Presse der Be­triebszeitungen gibt die Tatsache, daß allein in Moskau ungefähr 120 solcher Zeitungen gezählt werden.

Durch die Betriebs- und die Wandzeitungen wird nicht nur ein riesiger Leserkreis, sondern auch, was nicht weniger wichtig ist, ein gewaltiger Kreis von Autoren erfaßt, die auf diese Weise die Mög­lichkeit haben, ihre Ansichten bekannt zugeben. So wird die Volks­tümlichkeit der Zeitung erreicht. Diese »Volkstümlichkeit der Zei­tung« drückt sich nicht nur darin aus, daß die Zeitung »für das Volk« herausgegeben wird, sondern auch darin, daß sie »vom Volke« herausgegeben wird. Die Gewohnheit, daß man sich zum Schutze seiner Rechte, zum Kampf gegen Ungerechtigkeit, gegen sorgloses und nachlässiges Verhalten gegenüber dem gesellschaftlichen Eigen­tum und den gesellschaftlichen Pflichten und gegen sonstige Unord­nungen an die Zeitung wendet, ist in den Zeiten der Sowjetmacht mit Hilfe des von uns betrachteten Systems verschiedenartiger Zei­tungen entstanden.

Schon vor der Revolution (1917) stammte die wesentliche Masse der Information, die die damalige Presse in Rußland benutzte, nicht von »eigenen Berichterstattern«, sondern von der Presse-Agentur, die damals PTA (Petersburger Telegraphen-Agentur) hieß. Jetzt gibt es die gewaltige Presse-Agentur TASS (Telegraphen-Agentur der Sowjetunion). Diese Zentralagentur verfügt über ein ausge­dehntes Berichterstatternetz in der UdSSR und im Auslande. In der Regel sind die Berichterstatter der TASS Berufsjournalisten, die häufig in der Zentralstelle der Agentur, in Moskau, ein Praktikum durchmachen, um sich die nötige Arbeitsroutine anzueignen.

Die sowjetischen Zeitungen schicken zur Ergänzung der ständigen Berichterstatter der TASS immer häufiger ihre eigenen Korrespon­denten gleichfalls ins Ausland.

Die TASS versorgt nicht nur die Zeitungen, sondern auch das Radiokomitee der UdSSR, das in enger Verbindung mit der TASS arbeitet, mit Informationsmaterial. Jedoch bearbeitet die Redaktion der »Posljedny je Iswestija po Radio« (Die letzten Radionachrichten) das Informationsmaterial der TASS in ihrem eigenen Stil, dabei dessen Inhalt im wesentlichen unverändert lassend.

Was die Literaturgattungen betrifft, so hat die Sowjetpresse in dieser Beziehung ihre eigene charakteristische Tradition geschaffen. Das »Interview« ist in der Sowjetpresse eine verhältnismäßig seltene Nachrichtenform. Nur äußerst selten wendet sich die Sowjet­presse an hervorragende Staatsmänner der Sowjetregierung mit der Bitte um Gewährung eines Interviews. In der Presse sind Interviews mit J. W. Stalin und W. M. Molotow erschienen; der Verfasser vor­liegender Schrift hat nur wenige Interviews mit anderen Staats­männern in Erinnerung. Und dies ist auch nicht zu verwundern: in der Sowjetpresse werden häufiger als in der Auslandspresse Artikel von Ministern, Deputierten, Leitern von Unternehmungen und Anstalten, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens veröffentlicht - und sie alle schreiben auf Bitten der Redaktion gerne für die Presse.

Das »Feuilleton« gehörte bereits in den Jahren der Revolution zu den traditionellen literarischen Gattungen der russischen Presse. Diese Gattung wurde auch in die Sowjetpresse übernommen und erfuhr in ihr eine beträchtliche Entwicklung. Das »ausländische Feuilleton« ist ein satirischer, in polemischem Ton gehaltener Artikel über ausländische Themen und wird in der zentralen Zeitung gerne von den Abonnenten gelesen. Der Autor eines Feuilletons macht keine Witze, sondern wendet sich mit Sachkenntnis gegen einen ausländischen Artikelschreiber oder Politiker. Für ein solches Feuille­ton sind eine hohe Kultur, literarisches Talent und ein prinzipieller Standpunkt erforderlich:

Das Feuilleton über inländische Themen ist gewöhnlich das »kleine« Feuilleton. Ein Artikel jener Art wird deshalb »kleines Feuilleton« genannt, weil sich in ihm die Handlung auf eine oder zwei charakteristische Tatsachen beschränkt, die der Autor verall­gemeinert und auf Grund deren er eine Karikatur oder eine Gro­teske gibt. Am häufigsten trifft man den Feuilletonisten für inlän­dische Themen in der lokalen Presse an. Theaterrezensionen und bibliographische Artikel sind ständige Gattungen der Zeitungs­berichterstattung. Die Rezensionen von Theaterstücken oder mo­dernen Filmen lassen die grundsätzlichen Lebensfragen von einer höheren Warte aus durch das Prisma der Kunst schauen. Die ernst­hafte Einstellung gegenüber den Themen der Kunst ist ein charak­teristisches Zeichen der sowjetischen Presse, die die Kommerziali­sierung derKunst in vollem Umfange ablehnt.

Die Skizze ist die charakteristischste Gattung der Sowjetpresse. In der Sowjetpresse kommt es äußerst selten vor, daß große Werke der Literatur von Nummer zu Nummer abgedruckt werden. Nicht mehr als etwa zehn Theaterstücke und literarische Werke kann man aufzählen, die in mehreren Nummern dieser oder jener großen Zei­tung veröffentlicht worden sind. Jedoch werden Skizzen sowjeti­scher Schriftsteller, Reiseeindrücke aus diesem oder jenem Gebiete der unermeßlichen Sowjetunion oder aus einem anderen Lande, eine Schilderung von diesem oder jenem gesellschaftlichen und litera­rischen Ereignisse, die Beobachtungen eines Schriftstellers über das Leben der jungen Generation oder auch Skizzen über alltägliche Themen - ständig in den Spalten der Zeitung gedruckt.

Wenden wir uns nun der Frage über die Tätigkeit der Zeitungs­redaktion in der Sowjetunion zu. Hinsichtlich Arbeitscharakter und -Methoden unterscheidet sich die Redaktion der sowjetischen Zeitung von denen der ausländischen Redaktionen in vielem, und auf diese Unterschiede wollen wir die Aufmerksamkeit unserer Leser lenken.

Wenn die Zeitung bereits erschienen ist, wird - am folgenden Tage - eine Sitzung des erweiterten Redaktionsstabes (d. h. des Redaktionsausschusses mit den Abteilungsleitern) veranstaltet, und zwar zwecks Durchsicht und Kritik des Inhaltes der neuen Zeitungs­nummer. Das Referat über die Nummer hält einer der führenden Mitarbeiter der Zeitung; er hat die Aufgabe, die Fehler und die Mängel dieser Zeitungsnummer von den Redaktionsversehen an bis zu den technischen Fehlern - zu kritisieren. Diese Besprechung trägt die technische Bezeichnung »Letutschka« (fliegende Versammlung: sie wird »im Fluge« durchgeführt), hat jedoch für die Verbesserung der Arbeit und die Feststellung ihrer nächstfolgenden Aufgaben nicht geringe Bedeutung.

Die Arbeit mit außenstehenden Autoren, die nicht ständig für die Zeitung arbeiten, nimmt eine erhebliche Zeit der Redaktion in An­spruch. Die sowjetische Zeitung verfügt in der Regel nicht nur über einen ständigen, mehr oder weniger beträchtlichen, bereits angestell­ten Kreis ein und derselben Autoren, sondern auch über Autoren, die zwar nicht bloß einmal, jedoch sporadisch - manchmal viele Jahre hindurch - herangezogen werden. Es sind dies Spezialisten, erfah­rene Menschen, die durch ihre Kenntnisse und ihre Erfahrungen für die Zeitung interessant sind. Die Zusammenarbeit mit diesen Autoren besteht darin, ihnen die Richtung der Zeitung, das Ausmaß des Artikels und jene Seiten des Themas zu erläutern, die man ent­sprechend den Interessen der Leser möglichst eingehend darzustellen wünscht; alles übrige bleibt dem Autor überlassen. Allgemein ge­sprochen, erlauben sich die sowjetischen Zeitungen nicht, die For­mulierung des Autors zu ändern oder von ihm erhebliche Ände­rungen im Sinne ihrer eigenen Redaktionsansichten zu verlangen; sie ziehen es vor, schon von vornherein aufzuklären, ob die Meinung des Verfassers mit dem Standpunkte der Redaktion in Einklang gebracht werden kann. Wenn eine solche Einigkeit nicht vorhanden ist, lehnt die Redaktion nicht immer die Veröffentlichung des Ar­tikels ab, sondern versieht ihn mit der Redaktionsanmerkung: »wird zur Diskussion gestellt«.

Unter Verhältnissen, da an der Arbeit der Presse Millionen von nichtberuflichen Autoren teilnehmen, ist die Rolle der literarischen Redakteure sehr wichtig geworden. Ihr Amt besteht nicht nur darin, die Artikel stilistisch zu bessern, sondern auch darin, die Anfänger literarisch zu beraten. Eine besonders hohe erzieherische Bedeutung ist einer derartigen Beratung in Verlagen und Redaktionen der »dicken« Zeitschriften beizumessen, jedoch ist ihre Arbeit auch in den Zeitungsredaktionen von Wichtigkeit.

Die Anzeigenabteilung nimmt im gewöhnlichen Zeitungskontor einen sehr bescheidenen Platz ein. Viele Nummern der zentralen Zeitungen erscheinen überhaupt ohne Anzeigen. Die Metteure brauchen sich keine Sorge zu machen, wo sie die Reklame ent­sprechend den von den Inserenten gezahlten Preisen unterbringen sollen. Die Inserenten, sofern es welche gibt, müssen sich mit dem Platz begnügen, den ihnen das Redaktionskontor zugewiesen hat. Die Anzeigen in der Sowjetpresse dienen nicht zur kommerziellen Reklame privater Firmen, die es ja in der UdSSR nicht gibt, sondern vornehmlich zur Bekanntgabe von Mitteilungen staatlicher Be­hörden und öffentlicher Institutionen und Organisationen, Bühnen­unternehmungen usw. Hierher gehören auch die Anzeigen über Waren und Neuheiten, die in den staatlichen und den Genossen­schaftsläden zum Verkauf gelangen. Diese Art von Anzeigen ist gegenwärtig in Verbindung mit der Ausdehnung des Handels nach dem Kriege mit markenfreien Waren immer häufiger in den Zei­tungen anzutreffen.

Der Umbruch der sowjetischen Zeitungen ist eng mit ihrem all­gemeinen Stil und Charakter verbunden. Die Ausgestaltung ist tra­ditionell und verändert sich wenig, weder von Tag zu Tag noch von Monat zu Monat, noch von Jahr zu Jahr. Es gibt keinen Über­trag des Schlusses eines Artikels von der ersten Seite auf die dritte und die vierte Seite, es gibt keine schreienden Überschriften in Groß­buchstaben oder »Schlagzeilen« über die ganze Seite hinweg. Alle diese Beispiele des amerikanischen Umbruchs betrachtete die sowjetische Presse als Sensationsmittel, als abgeschmackte und bewußte Mittel, das ungesunde Interesse des Spießbürgers zu erregen. Dies schließt nicht eine originelle Ausgestaltung aus; man vergleiche z. B. die Komsomolskaja Prawda mit ihren zahlreichen Illustrationen und Photos; letztere nehmen in dieser Zeitung nicht wenig Raum ein und ragen auch in den Text hinein. Die Gentlemen der Viktoria­nischen Zeit, die noch an eine ernst zu nehmende Zeitung gewöhnt waren, hätten an dem Umbruch der Prawda nichts Anstößiges ge­funden, sosehr auch ihr Inhalt ihre Bestürzung hervorgerufen hätte; der Umbruch einer amerikanischen Zeitung freilich hätte sie bei weitem mehr chokiert.

Jede große sowjetische Zeitung besitzt ihr eigenes Archiv für Aus­schnitte und Zeitungsjahrgänge. Die Dokumentierung, d. h. die sorg­fältige Bestätigung der Tatsachen und ihre Nachprüfung, bildet, wie wir bereits bemerkt haben, die starke Seite der sowjetischen Presse. Spezialmitarbeiter der Prawda und der Iswestija, wie auch anderer Zeitungen, prüfen an Hand erster Quellen die in den Artikeln der Autoren angegebenen Hinweise und Zitate nach. Vom Autor wird die Bestätigung seiner Angaben in dem Falle verlangt, wenn die Redaktion eine derartige Bestätigung in den Quellen nicht findet. Auf diese Weise sind Irrtümer in den Tatsachen, Fehler im Zitieren, unrichtige Hinweise, die in der Sowjetpresse als unzulässig angesehen werden, in der Regel ausgeschlossen.

Wie die ausländische Presse, verwendet auch die Sowjetpresse mitunter »Vorratsmaterial«, d. h. im voraus verfaßte Mitteilungen über bekannte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Artikel auf Vorrat, »für den Fall, daß« usw. Das geschieht aus dem Grunde, damit die Sowjetpresse in ihren Kommentaren und ihren Auskünften nicht hinter dem schnell dahineilenden Leben zurückbleibt. Jedoch gibt die Sowjetpresse der Genauigkeit der Berichterstattung den Vorzug vor der Schnelligkeit der Benachrichtigung, daher wird jed­wedes »Vorratsmaterial« vor dem Setzen, insbesondere vor der Veröffentlichung, sorgfältig von neuem überprüft.

Der Kreis der Mitarbeiter der Presse war im vorrevolutionären Rußland mehr oder weniger zufällig entstanden. Vor der Sowjet­macht gab es keine Unterrichtsanstalten, die Journalisten, Mit­arbeiter für die Redaktionen, leitendes Personal für Verlage, Druckereien usw. vorbereiten konnten.

Nach der Großen Oktoberrevolution ( I91 7) wurde das gesamte System der Volksbildung in vollem Umfange umgebaut und eine Menge neuer Hochschulen geschaffen. Unter den Fakultäten der sowjetischen Universitäten und Pädagogischen Institute nehmen die literarischen Fakultäten einen angesehenen Platz ein. Zum Unter­schiede von den philologischen Abteilungen der historisch-philo­logischen Fakultäten, die sich vornehmlich mit sprachwissenschaft­lichen Fragen beschäftigen, vermitteln die literarischen Fakultäten eine umfassende literarische Bildung, die nicht nur dem Sprach- und Literaturlehrer, sondern auch dem Journalisten nötig ist. An den Fakultäten für fremde Sprachen in Moskau, Leningrad und anderen großen Städten wurden Übersetzer-(Dolmetscher-)Abteilungen ge­schaffen. Ein Teil der Dolmetscher, die gute Kenntnisse in fremden Sprachen besitzen, arbeitet als Mitarbeiter der Auslandsabteilungen der Presse.

Als besondere Berufsschulen wurden in Moskau, Leningrad, Swerdlowsk, Alma Ata und anderen Städten Institute für Journa­listik geschaffen. Diese Berufsschulen wurden gewöhnlich von Leuten besucht, die praktisch auf dem Gebiete der Presse arbeiteten und keine abgeschlossene höhere Fachbildung besaßen. In den Instituten für Journalisten wurden zum ersten Male Kurse für Disziplinen, wie »Geschichte der russischen Journalistik und Publizistik«, »Organi­sation und Struktur der modernen Zeitung«, »Redaktionelle Be­arbeitung« u. dgl. neben Kursen über Literaturgeschichte, Stilistik, Theorie der Literatur, politische und Wirtschaftsgeographie sowie Allgemeine Geschichte eingerichtet.

In der Folgezeit, als die Institute für Journalistik eine beträcht­liche Zahl von praktischen Journalisten aufnahmen, wurde diese Zahl verringert, und die zukünftigen Journalisten begannen sich vornehmlich in einer Hochschule allgemeinen Typs zu bilden. Da­für wurden in den polygraphischen Instituten Abteilungen zur Vor­bereitung von Redaktionsfachkräften geschaffen; die Lehrpläne dieser Abteilungen erinnern an die früheren Lehrpläne der Institute für Journalistik, jedoch werden in diese Abteilungen junge Leute unmittelbar nach Beendigung der Mittelschule aufgenommen.

Von großem Interesse ist das Literarische Institut des Verbandes Sowjetischer Schriftsteller. Dieses Institut ist hinsichtlich seiner Rechte anderen Hochschulen gleichgestellt; für den Eintritt in das Literarische Institut ist jedoch nicht nur die Ablegung des Eintritts­examens erforderlich (von ihm sind nur die befreit, die bei Absol­vierung der Mittelschule die Goldene oder die Silberne Medaille erhalten haben), sondern es muß außerdem eine gedruckte oder eine geschriebene Arbeit (ein literarisches Werk) vorgelegt werden. Mit anderen Worten, das Institut ist für Leute, die schöpferisch begabt sind, bestimmt. Viele talentierte sowjetische Schriftsteller haben am Literarischen Institut studiert, z. B. ist Konstantin Simonow ein Ab­solvent des Institutes. An dem Institute lehren die größten sowje­tischen Schriftsteller von heute: insbesondere genießen die Semi­narien von Leonid Leonow große Popularität.

Die Arbeit an einer Zeitung als Autor, Mitarbeiter, Redakteur und sogar als Korrektor ist eine Tätigkeit von größter Anziehungs­kraft: diejenigen Leute, die einmal in der sowjetischen Presse Fuß gefaßt haben, wechseln selten ihr Fach, und sogar dann, wenn sie vor ihrer Tätigkeit an der Zeitung einen anderen Beruf ausübten, kehren sie nur selten zu diesem zurück. Es ist noch zu bemerken, daß die Arbeit bei der Presse in der UdSSR gut bezahlt wird, da man sie nicht nur als überaus hochqualifizierte Arbeit betrachtet, sondern auch als schöpferische Arbeit, die nicht nur handwerkliche Routine, sondern auch Talent erfordert.

Das Gesetz wacht über die Interessen des Autors: dem Autor steht das Recht auf Bezahlung seiner Arbeit zu, auch wenn sie nicht gedruckt wird, aber von der Zeitung (dem Verlag) bestellt wurde und nicht untauglich ist. Wenn der Verlag das Manuskript ablehnt, so muß er dies innerhalb der Frist tun, die von dem Autorenrecht vorgesehen ist, und zwar müssen die Gründe dem Autor schriftlich mitgeteilt werden. Dabei sind sogar der Abschluß eines Autoren­vertrages und jedwede Veränderungen des vom Gesetze festgelegten Mustervertrages, die im Interesse des Verlages (der Zeitung) und

nicht im Interesse des Autors vorgenommen worden sind, unver­bindlich bzw. vor Gericht unzulässig. Der Gedanke des Gesetz­gebers war der: die Rechte und die Interessen des Autors best­möglich zu schützen.

Die Journalisten gehören zur Gewerkschaft der Presseleute. Viele Publizisten und Kritiker, natürlich nur die hervorragendsten, sind gleichzeitig Mitglieder des Verbandes Sowjetischer Schriftsteller, der, wie dies schon im vorhergehenden gesagt wurde, keine Gewerk­schaft, sondern eine Vereinigung von Freischaffenden ist.

Die Gewerkschaft der Presseleute wacht über die Wahrung der Berufsethik. Die sowjetischen Journalisten haben auf den inter­nationalen Konferenzen nicht zufällig die Initiative zu dem Vor­schlag, die Schaffung eines Ehrengerichtes für die Presseleute be­treffend, ergriffen. Die Presse ist eine Großmacht, sagte man in früheren, vorrevolutionären Jahren. Die Journalistik ist ein edler Dienst an der sowjetischen Gesellschaft, sagt man bei uns heute in der UdSSR.

Der Autor dieser Schrift hat sich im Verlaufe vieler Jahre mit der Frage beschäftigt, wie man sich im Auslande über die UdSSR orien­tiert, was man von ihr weiß und schreibt. Er hat systematisch 'die ,neu erscheinenden Bücher ausländischer Publizisten, Korrespon­denten in der UdSSR und die Arbeit der letzteren verfolgt. Unter den Büchern über Rußland gab es epochemachende: man erinnere sich an die Bedeutung des seinerzeit erschienenen Buches von John Reed: »Zehn Tage, die die Welt erschütterten«, Oder des Buches von Sidney und Beatrice Webb: »Der Sowjet-Kommunismus, eine neue Zivilisation«.

Viele haben sich in ihren Prognosen über die Zukunft Sowjet­rußlands mächtig geirrt. Das Buch von H. G. Wells: »Rußland in der Finsternis«, das im Jahre 1920 erschienen ist, kann hier als Bei­spiel dienen. Der Autor selbst gab auf seiner zweiten Reise nach der UdSSR im Jahre 1934 zu, daß er die Kräfte des russischen Volkes zur nationalen Wiedergeburt und zur Entfaltung unter den Ver­hältnissen der neuen Staatsordnung nicht richtig eingeschätzt habe.

Es kommt vor, daß die ausländischen Journalisten nur in ihrem eigenen Kreise verkehren, bisweilen auch die Diplomaten und die diplomatischen Salons von Moskau, die Aufführungen der Oper und des Balletts, die Restaurants und die Cocktail-Halls besuchen.

Dazu verlangen ihre Chefs, die Herausgeber der großen Presse, Sensationsmaterial, und dann sind die Leute mit schwachem Willen und schwacher Moral (und solche gibt es, ach, nicht wenige unter einer bestimmten Kategorie von ausländischen Journalisten) bereit, die Auftraggeber mit der Lieferung von unrichtigen und tenden­ziösen Meldungen zufrieden zustellen. Es ist natürlich, daß die Sowjetmenschen solche Lieferanten von Sowjet-»Enten« empört fragen: »Wo haben Sie so etwas hergenommen? «,und in der Sowjet­presse erscheint ein polemischer Artikel oder ein Feuilleton, in dem dem unglücklichen Lieferanten einer antisowjetischen lügenhaften .Information tüchtig der Marsch geblasen wird. Man muß dazu bemerken, daß diese polemischen Artikel der sowjetischen Presse in der Regel totgeschwiegen werden. Die sowjetischen Argumente unterschlägt die reaktionäre Presse ihren Lesern.

Die sowjetische Öffentlichkeit kommt einem jeden ausländischen Journalisten, der über die sowjetische Wirklichkeit schreibt, mit Achtung entgegen. Die sowjetische Presse hat sich billigend aus­gesprochen über die Arbeit des Herrn Alexander Werth, der in den Kriegsjahren zwei Bücher über die Sowjetunion schrieb: »Moskau im Jahre 1941« und »Leningrad 1941 -1943«. Herr Alexander Werth ist, nebenbei gesagt, der Sekretär der Vereinigung der eng­lischen und der amerikanischen Journalisten in der UdSSR.

Im Auslande ist die Legende vom »Eisernen Vorhang« geschaffen worden, der angeblich der öffentlichen Meinung anderer Völker nicht gestattet, in die Geheimnisse des sowjetischen Lebens einzu­dringen. Damit im Zusammenhang muß etwas eingehender von den Arbeitsbedingungen und der Tätigkeit der ausländischen Jour­nalisten in der UdSSR gesprochen werden.

Lange Jahre hindurch hat eine Reihe von ausländischen Zeitungen es abgelehnt, ihre Korrespondenten nach der Sowjetunion zu schicken und die Sowjetunion einer eigenartigen »Zeitungsblockade« ausge­setzt. So war es z. B. in den ersten Jahren der Revolution, als die ausländischen Korrespondenten nicht nach Moskau fuhren, sondern in Riga und Tallinn, in Warschau und in Kaunas saßen und von dort aus an ihre Redaktionen abgeschmackte, auf unsinnigen Ge­rüchten basierende Berichte über die UdSSR schickten. Die Londoner Times z. B. erkannte die UdSSR r S Jahre später an, als die britische Regierung es tat. Das sowjetische Volk konnte hinsichtlich der Ent­sendung und der Aufnahme der Korrespondenten keine Gegenseitig­keit erreichen: die sowjetischen Journalisten wurden im Auslande nicht zu den gleichen Rechten wie andere Journalisten der Welt zugelassen. Jene Zeiten sind vergangen. Jetzt gibt es keinen Mangel mehr an Journalisten, die nach der UdSSR zu reisen wünschen. Die sowjetische Regierung erteilt eine Menge von Visa zur Einreise von Journalisten, die bestimmte Presseorgane vertreten, darunter auch solche Organe, die der Sowjetunion feindlich gesinnt sind.

Man muß beachten, daß die Visa für sowjetische Journalisten von einzelnen fremden Ländern in der Regel erst nach einer langen Zeitspanne erteilt werden; und gerade kürzlich noch von seiten der Vereinigten Staaten, in denen die Zeitungen von Hearst und MacCormick mehr als andere über den »Eisernen Vorhang« schreien; im allgemeinen erlaubt man sich unerhörte Verzögerungen in der Erteilung von Visa an sowjetische Bürger, unter ihnen auch an Journalisten.

Die ausländischen Journalisten treten in der Sowjetunion in As­soziationen oder Verbände ein: sie haben das Recht, sich an einzelne Ministerien und Minister zu wenden, ganz abgesehen von anderen Instanzen, und zwar mit Eingaben, Anfragen, Bitten um Unter­stützung, die selten abschlägig beschieden werden. Der Leiter der Sowjetregierung, J. W. Stalin, fand in den angespanntesten Zeiten des Großen Vaterländischen Krieges des Sowjetvolkes noch Zeit, den Journalisten Interviews zu gewähren, und antwortete auf kom­plizierte und mitunter sehr detaillierte Fragen, die die ausländischen Journalisten interessierten.

Die Presseabteilung des Ministeriums des Äußeren erweist den ausländischen Journalisten kraftvolle Unterstützung, obgleich viele für sich eine große, und zwar eine spezielle Berücksichtigung, das heißt für sich spezielle Informationen, zu erlangen suchen. Doch gibt es so etwas nicht. Die Presseabteilung des Ministeriums des Äußeren gewährt nicht dem einen Journalisten günstigere Arbeits­bedingungen als einem anderen und macht zwischen der gegenüber der Sowjetunion loyal bzw. feindlich eingestellten Presse hinsicht­lich Quantität und Qualität der gewährten Informationen keinen Unterschied.

Die ausländischen Journalisten haben in ausgedehntem Maße die Möglichkeit, überall in der UdSSR umherzureisen, und die Wiß­begierigsten unter ihnen machen von dieser Möglichkeit Gebrauch. Kein einziger der mir bekannten ausländischen Journalisten hat sich in dieser Beziehung über irgendwelche Beschränkung beklagt.

Es sind Fälle vorgekommen, wonach ausländische Journalisten die üblichen Regeln der Gastfreundschaft verletzt haben. Solange sich ein solcher Journalist in der UdSSR befand, hat er das sowje­tische Land nicht kritisiert; aber wenn er dann wegfuhr und heraus­fand, daß man ihm für die abfällige Beurteilung der UdSSR mehr zahlt - Nachfrage danach ist vorhanden -, so verwandelt er sich aus einem Paulus zurück in einen Saulus. Aber kann man einem solchen Saulus glauben?

Die ausländischen Journalisten sind kaum aus eigenem Antrieb und eigener Überzeugung so vorgegangen. Schuld an allem trägt die Nachfrage von seiten der Herren der Presse, und da in der kapita­listischen Welt Nachfrage vorhanden ist, so ist auch Angebot vor­handen. Und solange im Auslande eine Nachfrage nach antisowje­tischen Lügengespinsten besteht, so lange wird auch ein Angebot vorhanden sein.

Auf dem Internationalen Kongreß der Journalisten im Jahre 1946 in Kopenhagen schlugen die sowjetischen Journalisten die Or­ganisierung eines internationalen Ehrengerichtshofes für die Ver­leumder und Lügner in der Presse vor. Der sowjetische Vorschlag wurde nicht angenommen. Die Einwendungen gingen unter an­derem von den Vertretern Amerikas aus: nach ihren Worten hätten in diesem Falle viele reaktionäre Zeitungen damals überhaupt nichts mehr zu tun gehabt.

Die UdSSR muß man ernsthaft und gewissenhaft studieren. Im Fluge, in drei Wochen oder sechs Wochen, kann man nicht viel erfassen. Die sowjetische Presse und die sowjetische Wirklichkeit sind in der Lage, einem ernsthaften Forscher, der sich über das Leben des sowjetischen Volkes orientieren will, es verstehen will, die Möglichkeit zu geben, gegenüber dem großen Lande Achtung zu empfinden. Hierzu sind nur guter Wille und Ehrlichkeit notwendig. noch oben

Kapitel III

Die sowjetische Zeitschrift

Unter der Bezeichnung »Zeitschriften« werden Veröffentlichungen verschiedener Art erfaßt: »dicke« und »dünne« Zeitschriften, wissen­schaftliche und literarische, politische und Fachzeitschriften, reich illustrierte Zeitschriften und solche ohne jedwede Illustrationen.

In Rußland bildete sich bereits im 19. Jahrhundert die Tradition der »dicken« Zeitschriften heraus. Diese Tradition ist nach der Revo­lution (1917) nicht verschwunden.

Die sowjetische »dicke« Zeitschrift ist, ähnlich ihrem vorrevolu­tionären Vorgänger, eine literarisch-publizistische Zeitschrift, in der die Elemente der Literatur und der Publizistik aufs engste mitein­ander verbunden sind. Der Typus, der rein literarischen Zeitschrift, in der sich nur Romane und Novellen, Erzählungen und Skizzen fanden, hat in Rußland nicht Wurzel gefaßt; eine solche Veröffent­lichung brauchte kein periodisches Erscheinen und wies in der Regel den Charakter eines Literatur-Almanachs oder eines Sammel­werkes auf.

Gleichzeitig damit nahmen die rein politischen Zeitschriften im Leben der UdSSR eine besondere Stellung ein. In ihrer Mehrzahl waren dies wöchentlich oder zweiwöchentlich erscheinende Zeit­schriften über politische Tagesfragen.

Jede der bestehenden »dicken« Zeitschriften hat ihr individuelles Gepräge, ihre eigene Richtung, obgleich sie auch gemeinsame Züge aufweisen. Sie werden gewöhnlich von einer Gruppe von Schriftstellern und Kritikern geleitet, die dem Verbande der sowjetischen Schriftsteller an­gehören.

Eine große Popularität genießt unter den Lesern die Zeitschrift Snamja (Das Banner). Der Umschlag der Zeitschrift trägt die Auf­schrift: literarisch-künstlerische und gesell­schaftlich-politische Monatszeitschrift, Organ des Verbandes sowjetischer Schriftsteller. Der Hauptredakteur der Snamja ist Wsjewolod Wischnjewskij, Dramatiker und Novellen­schreiber, Seemann von Beruf und Teilnehmer an zwei Kriegen. Der Dichter Nikolaj Tichonow ist ebenfalls Mitglied des Redaktionsausschusses der Snamja. Nikolaj Tidionow ist durch sein Auftreten in den Kriegs­jahren als Dichter und Bürger bekannt. In seinen Gedichten lassen sich Spuren des Einflusses von Puschkin, Majakowskij und Kipling feststellen.

In der Snamja wird gewöhnlich ein Roman »mit Fortsetzung« in einigen Nummern, werden Gedichte sowjetischer Dichter, ein oder zwei Erzählungen und Skizzen als wesentlicher Teil der Zeitschrift veröffentlicht. Unter den zuletzt in der Zeitschrift erschienenen Werken der sowjetischen Literatur erwähnen wir den Roman »Die junge Garde« von Alexander Fadejew, der mit dem Stalin-Preise für das Jahr 1945 ausgezeichnet worden ist. Interessant sind die Memoirenwerke, die die Snamja veröffentlicht, ein Zyklus der Er­innerungen des Generalleutnants Ignatjew: »Fünfzig Jahre bei der Truppe«. Diese Erinnerungen spielten seinerzeit, Ende der 3oer Jahre, bei der Revision der Haltung der sowjetischen Jugend gegen­über den Verdiensten und den Traditionen des alten russischen Offi­zierskorps eine nicht geringe Rolle. Kürzlich hat die Snamja eine äußerst interessante Chronik der Partisanenbewegung veröffentlicht: »Leute mit reinem Gewissen«. Sie ist von einem der angesehensten Teilnehmer am Partisanenkampf in der Ukraine verfaßt, von Ge­neralmajor Peter Werschigora.

Die publizistischen Aufsätze der Snamja beleuchten in breitem Umfange ausländische Themen. Unter den publizistischen Artikeln über sowjetische Themen überwiegen die über Literatur, die der Beurteilung der laufenden Literaturveröffentlichungen gewidmet sind. Die Snamja zeichnet sich durch Kühnheit in der Förderung neuer Autoren aus; sie läßt sich nicht durch die Popularität berühmter Namen verleiten, sondern schafft eigene Namen.

Die Zeitschrift Nowyj Mir (Neue Welt) ist die älteste der jetzt er­scheinenden »dicken« Zeitschriften. Sie besteht bereits seit 20 Jahren, und in ihr sind zum Unterschied von der Snamja hauptsächlich Schriftsteller vertreten, deren Stellung in der Literatur bereits ge­festigt ist. Alexej Tolstoi, Maxim Gorki, Leonid Leonow und Kon­stantin Trenew waren Autoren der Zeitschrift Nowyj Mir.

Die Zeitschrift Nowyj Mir trachtet gegenüber der Snamja da­nach, in ihrer publizistischen Abteilung mehr ein rein anschauliches Material über das Leben der einzelnen Gebiete der Sowjetunion zu bringen. In dieser Hinsicht verrichtet sie ein nützliches Werk. Ihre Skizzen und ihre Korrespondenzen »Aus der ganzen Welt« brachen nicht mit der Tradition der alten russischen »dicken« Zeitschriften und können mit den »Übersichten« der vorrevolutionären russi­schen Zeitschriften Wjestnik Ewropy (Der Bote Europas) und Russkoje Bogatstwo (Der russische Reichtum) verglichen wer­den. Hin und wieder versieht die Zeit­schrift Nowyj Mir ihre Skizzen mit Photos und Illustrationen. Der kritisch-bibliogra­phische Teil der Zeitschrift Nowyj Mir ist gegenüber dem in der Snamja als schwächer zu bezeichnen: in ihm ist zum mindesten bis zur jüngsten Zeit ein eklektischer Standpunkt gegenüber der Literatur zu bemerken.

Die dritte der »dicken« in Moskau erscheinenden Zeitschriften, die Zeitschrift Oktjabrj (Oktober), entstand als Organ der litera­rischen Jugend, und zwar als Gegengewicht zu den mehr akademi­schen Zeitschriften: Krasnaja Nowj (Rotes Neuland; Erscheinen in den Kriegsjahren eingestellt) und die Zeitschrift Nowyj Mir. Doch hat sich jetzt - offen gesagt - dieser Unterschied verwischt.

In der Zeitschrift Oktjabrj ist der publizistische Teil durch »Die Tribüne des Schriftstellers« ersetzt worden; es kamen hier nicht die Publizisten, auch nicht die Gelehrten (wie in der Zeitschrift Snamja), sondern haupt­sächlich Schriftsteller, jedoch nicht in Form von künstlerischen Werken, sondern in Ge­stalt von publizistischen Artikeln - gemäß der Tradition von Schtschedrin, Dosto­jewskij und Gorki - zu Wort. Diese Abtei­lung ist zwar in ihrer Planung interessant, hat jedoch noch nicht die Ergebnisse ge­zeitigt, die die Leser von ihr erwartet haben.

In Leningrad erscheint monatlich die Zeit­schrift Swesda (Der Stern). Die Leningrader Ortsgruppe des Verbandes der sowjetischen , Schriftsteller steht hinsichtlich der Mitglie­derzahl nur hinter der Moskauer Ortsgruppe zurück. Unter den Leningrader Schriftstellern gab es und gibt es nicht wenige weithin bekannte Namen, die man in der Swesda früher antreffen konnte und denen man auch jetzt noch begegnet. Wir erinnern zum Beispiel an den Prosaschriftsteller und Literaturhistoriker, den kürzlich ge­storbenen Jurij Tynjanow, ferner an Nikolaj Tichonow und von der jungen Generation an Olga Berggolz. Die Zeitschrift Swesda verfügt über einen soliden historisch-literarischen Teil; ihre Kritiker haben sich wiederholt der Analyse klassischer Werke der russischen und der ausländischen Literatur zugewandt.

In allen »dicken« Zeitschriften werden Übersetzungen ausländischer Autoren ver­öffentlicht. Dreiser und Upton Sinclair in früheren Jahren, Hemingway und Priest­ley in jüngster Zeit, aber auch Heinrich Mann, Feuchtwanger, Aragon, Garcia Lorca, Egon Erwin Kisch sind die Schrift­steller, deren Werke man übersetzte und ständig in den sowjetischen »dicken« Zeitschriften druckte.

Bis zum Jahre 1943 erschien eine »dicke« Spezialschrift, die der ausländischen west­lichen und östlichen Literatur gewidmet war. Aus Mangel an Papier wurde ihr Erscheinen später eingestellt. Diese Zeitschrift nannte sich Inter­nationalnaja Literatura (Internationale Literatur), und in ihr wur­den neben t7bersetzungen von Romanen, Novellen, Pamphleten, Theaterstücken, Erzählungen, Skizzen und Gedichten auch kritische Artikel sowjetischer Autoren über ausländische Literatur und eine Chronik des internationalen literarischen Lebens veröffentlicht. In keiner Sprache der Welt erschien eine andere Zeitschrift mit so reich­haltigen Berichten. Sie vermittelte dem sowjetischen Leser eine große Zahl literarischer Werke der namhaftesten Schriftsteller der Welt in russischer Übersetzung.

Als die Internationalnaja Literatura ihr Erscheinen einstellte, übernahmen die Redaktionen anderer »dicker« Zeitschriften, die den Übersetzungen der hervorragendsten neuen literarischen Werken des Westens und des Ostens mehr Raum einräumten, ihre Funk­tionen. Die »dicken« Zeitschriften stellen einen der Kanäle dar, in denen die ausländische Literatur den sowjetischen Leser erreicht.

Eine jede der »dicken« Zeitschriften schuf sich ihren Kreis von Autoren, Kritikern und Freunden, die man in der sowjetischen Ter­minologie als das »Aktiv« der Zeitschrift zu bezeichnen pflegt. Das »Aktiv« versammelt sich von Zeit zu Zeit, nicht periodisch, um die Mängel und die Leistungen der Zeitschrift zu besprechen, um den Rechenschaftsbericht der Redaktion über die verrichtete Arbeit an­zuhören und um die Ansichten über die Frage der künftigen Pro­grammgestaltung auszutauschen. Die »dicken« Zeitschriften sind die Organe des Verbandes sowjetischer Schriftsteller, und dies ist nicht nur eine bloße Ankündigung auf dem Umschlag. Das »Aktiv« ver­sammelt sich häufig in den Räumen des Verbandes in Gegenwart der Leitung des Verbandes und der Mitglieder, die sich für die Zeit­schrift interessieren. Der Meinungsaustausch über die Arbeit der Zeitschrift zieht sich manchmal bis weit nach Mitternacht oder manchmal auch über zwei Tage hin. Die Diskussionen sind für die Redaktion eine Hilfe, um die Haltung des literarischen Kreises gegenüber der Zeitschrift zu erkennen; formell bedeuten diese Dis­kussionen keinerlei Verpflichtung für die Redaktion, sondern sie sind nur eine Form des lebendigen Kontaktes der Redaktion mit der öffentlichen Meinung.

Außer diesen Zusammenkünften mit den Schriftstellern und den Kritikern, mit dem »Aktiv« und den Mitgliedern des Schriftsteller­verbandes, müssen auch die Leserkonferenzen erwähnt werden: dies sind Versammlungen von Lesern, die nicht Angehörige literarischer Berufe sind; sie werden zuweilen durch Einladungen, die an die Abonnenten ergehen, oder auch durch Einladungen, die von den Volksbüchereien an ihre Leser geschickt werden, einberufen. Auf den Leserkonferenzen treten Ingenieure und Hausfrauen, Kriegs­teilnehmer und Industriearbeiter als Leser der betreffenden Zeit­schrift auf. Die Protokolle der Leserkonferenz bilden ein inter­essantes Material für die Orientierung der Redaktion der »dicken« Zeitschrift bei ihrer Arbeit.

Die Beratungen des »Aktivs« und die Leserkonferenzen sind für die Redaktion der Zeitschrift um so wichtiger, als die Auflage und die Bestellungen für sie durchaus nicht jenen universellen Grad­messer für den Erfolg bilden, wie das in anderen Ländern üblicher­weise der Fall ist. Die Nachfrage nach Zeitschriften ist so groß, daß es keine einzige (»dicke« Zeitschrift) gibt, die diese Nachfrage be­friedigen könnte. Unter diesen Verhältnissen ist es für die Redaktion wichtig, wenn sie durch unmittelbare Äußerungen seitens der Leser deren Meinung über die Qualität der Zeitschrift erhält. Freilich sind die Äußerungen über die Zeitschrift in der Tagespresse (als Besprechung kritisch-bibliographischen Charakters) für den gleichen Zweck nützlich, jedoch dienen die Leserkonferenzen als wichtige Ergänzung zu jenen Äußerungen, die letztlich doch sub­jektiv sind.

Bei der Arbeit der »dicken« Zeitschrift spielt die literarische Be­ratung keine geringe Rolle. Nach Durchsicht muß ein Teil der ein­gegangenen Manuskripte von der Redaktion zurückgewiesen werden, da bei weitem nicht alle dem Niveau der »dicken« Zeitschriften ent­sprechen. Die literarische Beratung gibt dieser Zurückweisung eine stichhaltige Motivierung. Die »literarischen Berater« versuchen auf diese Weise dem angehenden Autor zu helfen, ihm die Mängel seines Werkes zu zeigen, ihn auf den richtigen Weg zu bringen. Die literarische Beratung ist im höchsten Grade keine »kommerzielle« Einrichtung, und kein einziges privates Verlagsunternehmen hätte eine solche organisatorische Tat ersinnen können. Die literarische Beratung wird auf Kosten des staatlichen Verlages unterhalten, da die Hilfeleistung gegenüber dem angehenden Talent als eine staat­liche Aufgabe betrachtet wird, d. h. als eine Aufgabe, die für das Volk nützlich ist, unabhängig davon, ob sie Kosten für die Zeitschrift verursacht.

Auf Anregung von Maxim Gorki wurde in den 3oer Jahren die monatlich erschei­nende Zeitschrift Literatur­naja Utschoba (Literarisches Studium) gegründet, die spe­ziell für die Unterstützung an­gehender Autoren bestimmt ist. In dieser Zeitschrift werden die Probleme des literarischen Schaffens mit Rücksicht auf die angehenden Autoren und Schriftsteller behandelt. Eine andere Zeitschrift, die zum Teil die gleichen Ziele ver­folgte, war die monatlich er­scheinende Fachzeitschrift für die Zeitungsjournalisten, die Bolsche­wistskaja Petschatj (Die bolschewistische Presse). In den Kriegs­jahren mußten diese Zeitschriften, wie so viele andere, aus Papier­mangel ihr Erscheinen einstellen.

Die »dicken« Zeitschriften erscheinen nicht nur in Moskau. Die Zeitschrift Sibirskie Ogni (Sibirische Lichter) schart die Unter­haltungsschriftsteller und Dichter Sibiriens um sich. In der Zeitschrift Witschisna (Heimatland) werden Gedichte und künstlerische Prosa, Skizzen und Aufsätze von Schriftstellern und Kritikern der Ukraine veröffentlicht; es gibt noch eine ganze Reihe von künstlerischen Almanachen und Veröffentlichungen lokaler Organisationen der sowjetischen Schriftsteller. In diesen Ausgaben finden die Erzeug­nisse angehender Autoren neben den Werken der schon fertigen Meister der Literatur ihren Platz. Sie besitzen auch nicht geringe Bedeutung in der Schaffung der landeskundlichen Literatur, d. h. der Werke über die engere Heimat.

Von den Wochenzeitschriften für einen breiteren Leserkreis sind die Zeitschriften Ogonjok (Das Flämmchen) und Krokodil (Das Krokodil) zu erwähnen.

Die erste dieser Zeitschriften, Ogonjok, bestand bereits vor der Revolution als eine für einen großen Kreis von Lesern zugängliche illustrierte Zeitschrift. Die für Zehntausende von Lesern berechnete, in den Zeitungskiosken der Eisenbahn als Reiseliteratur vertriebene Zeitschrift Ogonjok war vor der Revolution billig, und zwar sowohl hinsichtlich ihres Inhaltes als auch für den Geldbeutel. Sie war in den ersten Jahren nach der Revolution viel ernster, da sie sich die Aufgabe gestellt hatte, allgemeine Erschwinglichkeit der Zeitschrift mit einem hohen literarischen Niveau zu vereinen.

Unter der Leitung des kürzlich Redakteur des Ogonjok gewordenen Schriftstellers Alexej Surkow verwandelte sich die Zeitschrift in ein bilderreiches, dazu mehrfarbiges Organ. Die farbigen Illustrationen und Zeichnungen verleihen ihr ein anziehendes Äußeres. In ihr werden interessante Erzählungen, Skizzen und Novellen, einschließ­lich Detektivromane, veröffentlicht. Eine ständige »Lustige Ecke« wird vom Ogonjok geschickt geleitet. Die Zeitschrift zahlt das höchste literarische Honorar in der UdSSR und zieht auf allen Ge­bieten die bekanntesten Namen zur Mitarbeit in ihren Spalten her­an. Sie sieht ihre Aufgabe darin, ein anschauliches Spiegelbild des lebendigen Lebens zu geben,

und erreicht auch ihr Ziel. Sie widmet der Kunst, aber auch dem häuslichen Leben, seinen Sitten und seiner Behaglich­keit viel Aufmerksamkeit. Sie bemüht sich, dem Leser einen guten literarischen Ge­schmack und Kunstverständ­nis beizubringen; sie wendet den kulturellen Traditionen der Vergangenheit und der Gegenwart großes Interesse ZU.

Kann man das Krokodil den sowjetischen Punch nen­nen? Wohl kaum.

Das Krokodil ist die Kampfzeitschrift der sowjetischen Satire. Die gesellschaftliche, politische Satire hatte stets die Oberhand über die allgemeine Satire, und selbst die allgemeine Satire weist im Krokodil eine politische Nuance auf. Der Punch ist keine politische Zeitschrift, jedoch haben Krokodil und Punch einen gemeinsamen Zug. Sowohl in der einen als auch in der anderen Zeitschrift bilden die Zeichnungen das Grundelement des Inhalts. Im Krokodil werden Zeichnungen der hervorragenden Karikatu­risten der UdSSR veröffentlicht: von Boris Jefimow, den Kukry­niksy, J. Ganf u. a. Der Wettstreit der besten Künstler auf dem Gebiete der Satire stellt das Krokodil auf einen der ersten Plätze unter den entsprechenden Zeitschriften der gesamten Welt. Der Er­folg der sowjetischen Karikaturisten auf den internationalen Aus­stellungen bürgt dafür: von je zehn Karikaturen und Witzbildern, die auf den Ausstellungen als beste Erzeugnisse dieses Genres aus­gestellt werden, stammen nicht weniger als vier aus dem Krokodil.

Das Krokodil erscheint dreimal im Monat, am 10., am 20. und am 30., im Verlag der Prawda. Diese Zeitschrift ist also eine De­kadenzeitschrift. Aber ich möchte von ihr nicht sagen, daß sie stets auf das unmittelbare Tagesgespräch reagiere. Ogonjok aktualisiert das Material mehr als das Krokodil. Das Krokodil fällt über die Bösewichter her, die nicht nur eine vorübergehende Bedeutung haben. Die Sittensatire nimmt einen wichtigen Platz im Krokodil ein. Sie zeichnet sich durch große Sachlichkeit aus. Das Krokodil nennt die Namen, die Ereignisse, den Ort der Handlung. Es lacht, um zu bessern und zu erziehen.

Solcher Art ist die charakteristische Eigenheit des sowjetischen Humors. Ist es nötig zu bemerken, daß das Krokodil alle Arten von erotischen, abgeschmackten Witzen vermeidet? Das Krokodil kann man einem Kinde und auch einem jungen Mädchen zeigen, ohne Gefahr zu laufen, daß dieses erröten müßte. Im Gegensatz zu den Pariser Zeitschriften wie Le Rire oder zu den amerikanischen wie dem New Yorker kultiviert die sowjetische satirische Zeitschrift überhaupt nicht gelegentliche Modewendungen, Sprachverstümme­lungen, mit einem Wort, sie ersetzt nicht die Literatursprache durch den »Jargon der Straße«.

Von den politischen Zeitschriften genießt die Zweiwochenzeit­schrift Bolschewik (Der Bolschewik) die größte Autorität. Es ist eine theoretische und politische Zeitschrift des Zentral­komitees der KPdSU (B). Die anderen Zeitschriften politischen Inhalts, z. B. Partijnaja Shisnj (Das Parteileben) und Molodoj Bolschewik (Der junge Bolsche­wik), sind sozusagen jüngere Brüder der Zeitschrift Bolschewik.

Der Bolschewik veröffentlicht ernste Aufsätze über Fragen der gesellschaftlichen politischen Theorie. Hierzu gehören Auf­sätze über politische, historische und philo­sophische sowie wirtschaftliche Themen. Im Der Bolschewik Nachstehenden seien noch einige charakte­ristische Aufsätze, die im Bolschewik erschienen sind, genannt: »Der Fünfjahresplan der Wiederaufrichtung und der Entwick­lung der Volkswirtschaft der UdSSR«; »Die demokratische Um­gestaltung in den befreiten Ländern Europas«; »Stellung und Rolle der Dekabristen in der russischen revolutionären Bewegung«; »Die Intelligenz im Sowjetstaate«; »Ökonomische Probleme Frankreichs in der Nachkriegszeit«; »Die kollektivwirtschaftliche Ordnung - die Grundlage der Entwicklung der Landwirtschaft in der UdSSR«; »Die Ökonomik der Armut im Zeitalter des Überflusses« (anläßlich des Buches von Chase: »Die Ziele Amerikas«) usw.

Die Leser des Bolschewik sind Parteifunktionäre, Agitatoren und Propagandisten, Literaten, Gelehrte und weite Kreise der sowje­tischen Intelligenz. In internationalen Fragen sind Nowoje Wremja (Neue Zeit) in russischer und Sujtschasne i Majbutne (Gegenwart und Zukunft) in ukrainischer Sprache (Erscheinungsort Kiew) die Zweiwochen­zeitschriften, die das größte Ansehen genießen. So sehr diese zwei Zeitschriften ihrem Charakter nach eines Typs sind, obgleich die Themen und der Inhalt ihrer Nummern natürlich durchaus nicht übereinstimmen, beschränken wir uns darauf, die erstgenannte, Nowoje Wremja, zu beschreiben. Diese Zeitschrift begann ihr Erscheinen in der Kriegszeit unter der Bezeichnung Wojna i rabotschij Klass (Krieg und Arbeiterklasse).

Darauf wurde sie im Zusammenhang mit der Beendigung der Kriegshand­lungen umbenannt. Die ausländischen Berichterstatter, die sich in Moskau befinden, sehen die Zeitschrift Nowoje Wremja als den angesehensten Ver­künder der sowjetischen öffentlichen Meinung an: Die Bezugnahmen auf sie erfolgen vielleicht am häufigsten im Auslande, und sie ist im Auslande um so mehr bekannt, als sie, abgesehen von der russischen Ausgabe, auch noch in vier Sprachen, in englischer, fran­zösischer, deutscher und spanischer Sprache, erscheint. Die Zeitschrift Nowoje Wremja ist das Organ der sowjetischen Gewerkschaftsverbände, sie erscheint im Verlag der Zeitung Trud. Nichtsdestoweniger veröffentlicht sie die Mei­nung nicht nur der Führer der Gewerkschaftsbewegung, sondern es werden von ihr sämtliche gesellschaftliche Schichten und Institu­tionen der UdSSR, in denen die Gewerkschaftsverbände eine große Rohe spielen, vertreten. Sie ist kein Regierungsorgan, d. h. sie dient keinem offiziellen oder offiziösen Verlage. Die Verbindung der Zeitschrift Nowoje Wremja mit den Gewerk­schaften äußert sich u. a. auch darin, daß die Berichterstattung über das Leben der Gewerkschaftsverbände in fremden Ländern und über die internationale Arbeiterbewegung in der Zeitschrift in reichem Maße vertreten ist. Doch sind ihre Interessen bedeutend weiter gespannt. Die Zeitschrift veröffentlicht Leitartikel über die Lage der einzelnen Länder der Welt, über die Außenpolitik der UdSSR und die der anderen Länder; in der Regel werden in jeder Nummer Skizzen und Berichte von Augenzeugen und Weltreisenden abge­druckt. Die Zeitschrift veröffentlicht gerne polemische Artikel und Randglossen zu den Fragen des internationalen Lebens, polemisiert mit den ausländischen Verlagen und Autoren, kritisiert vom sowje­tischen Standpunkte aus die Stellung der einen, erklärt sich mit an­deren solidarisch und zitiert die Äußerungen der Auslandspresse. An der Zeitschrift Nowoje Wremja arbeiten viele bekannte Aka­demiker mit, wie Jewgenij Tarle und Lew Iwanow, der angesehene Journalist mit vieljähriger Berufstätigkeit im Auslande Schatrow, das korrespondierende Mitglied der Akademie der Wissenschaften der Volkswirtschaftler Leontjew, der Redakteur der Zeitschrift, ein führender Funktionär der Gewerkschaftsbewegung, Beresin. An die Redaktion der Zeitschrift Nowoje Wremja wenden sich brieflich Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die ihre Einstellung gegen­über den internationalen Ereignissen zum Ausdruck bringen wollen. Die Zeitschrift veröffentlicht gerne solche Briefe.

Als wichtige Monatszeitschrift für internationale Fragen erscheint Mirowoje Chosjaistwo i mirowaja Politika (Weltwirtschaft und Weltpolitik). Diese Zeitschrift ist eine periodisch erscheinende wissenschaftliche Veröffentlichung. Ihrem Typ nach ähnelt sie etwas der amerika­nischen Zeitschrift Foreign Affairs und der englischen Zeitschrift Round Table. Die Zeitschrift wird von dem Institut für Welt­wirtschaft und Weltpolitik der Akademie der Wissenschaften der UdSSR heraus­gegeben. Seit 20 Jahren ist ihr Redakteur einer der größten Kenner der Weltwirt­schaft, der Akademiker Jewgenij Warga. In der Zeitschrift werden vor allem Fra­gen der Weltwirtschaft behandelt, hierzu gehören auch die Konjunkturüberblicke

über die Wirtschaft der einzelnen Länder und über die Welt-Waren­märkte, Aufsätze über Probleme der Ökonomie der Länder und der Weltwirtschaft als Ganzen, wie auch über das Gebiet der inter­nationalen Wirtschaftsbeziehungen. Ungefähr die Hälfte der Zeit­schrift ist den Fragen der Weltpolitik gewidmet; dabei nehmen die außenpolitischen Fragen den meisten Raum ein, obgleich die Zeit­schrift in der letzten Zeit dem innenpolitischen Leben der einzelnen Länder und insbesondere dem Kampfe der politischen Parteien und den politischen Strömungen mehr Aufmerksamkeit zuteil werden ließ.

Die Zeitschrift Mirowoje Chosjaistwo genießt in der UdSSR eine große Autorität als wissenschaftliche Veröffentlichung, die auf erste Quellen und sorgfältige Analyse der Tatsachen gegründet ist. Das Institut für Weltwirtschaft hält mehr als tausend ausländische Zei­tungen und Zeitschriften. An der Zeitschrift arbeiten die etatmäßigen wissenschaftlichen Mitarbeiter des Instituts, Professoren und Dok­toren der Wissenschaft, qualifizierte Forscher auf dem Gebiete der modernen Ökonomik, der Geschichte und des Rechts mit. Zum Un­terschiede von Nowoje Wremja läßt sich die Zeitschrift Mirowoje Chosjaistwo selten in eine Polemik mit ausländischen Verlagen oder Autoren über die Beleuchtung politischer Tagesereignisse ein.

Die Zeitschrift Mirowoje Chosjaistwo druckt wertvolles Doku­mentenmaterial zu den ihrer Kompetenz unterliegenden Fragen (Texte von Verträgen, Noten und anderen Dokumenten aus dem Bereich des diplomatischen Schriftwechsels) ab und führt auch eine Chronik über die wichtigsten Ereignisse des internationalen Lebens.

Wir haben vorstehend darauf hingewiesen, daß Mirowoje Chos­jaistwo eine der von der Akademie der Wissenschaften der UdSSR herausgegebenen Zeitschriften ist. Wir werden im Abschnitt »Das sowjetische Buch« noch im einzelnen das Verlagswesen der Aka­demie der Wissenschaften der UdSSR berühren. An dieser Stelle sei jedoch darauf hingewiesen, daß fast jedes der Institute der Aka­demie der Wissenschaften Herausgeber einer oder mehrerer peri­odischer wissenschaftlicher Zeitschriften ist.

Unter den akademischen Zeitschriften muß man drei Typen von Ausgaben unterscheiden. Zum ersten Typus gehören die wissen­schaftlichen Zeitschriften, die für einen weiten Leserkreis, der aus Spezialisten eines bestimmten Gebietes besteht, berechnet sind. Zum zweiten Typus gehören die wissenschaftlichen Veröffentlichungen, in denen vornehmlich Monographien und Arbeiten der Mitarbeiter des Instituts gedruckt werden, die als Rechenschaftsberichte über die geleistete wissenschaftliche Arbeit von Bedeutung sind: diese Ver­öffentlichungen erscheinen in kleiner Auflage. Zum dritten Typus der Veröffentlichungen schließlich gehören die Zeitschriften mit großen Auflagen, die, was die Darstellung anlangt, allgemein zu­gänglich und für die Popularisierung wissenschaftlicher Kenntnisse unter den breiten Volksmassen bestimmt sind.

Als Beispiel sehen wir uns die geschichtswissenschaftlichen Zeitschriften an. Die Zeitschrift Woprosy Istorii (Probleme der Geschichte), eine Veröffentlichung des geschichtswissenschaft­lichen Instituts der Akademie der Wissenschaften der UdSSR, gehört zum ersten Typus. Es ist eine große Monatszeitschrift über Fragen der Geschichte. Hinsichtlich ihrer Bedeutung entspricht sie der französischen Revue historique, der English Historical Review und der American Historical Review. Neben den monographischen Aufsätzen über Spezialthemen, die jedoch nur für einen weiten Kreis von Spezialisten von Interesse sind, veröffentlicht die Zeitschrift Überblicke, kritisch-bibliographische Arti­kel und eine Chronik des wissenschaftlichen Lebens der UdSSR und des Auslandes. Die Aufsätze in der Zeitschrift Woprosy Istorii, die in der Mehrzahl auf archivalischen Untersuchungen beruhen, stützen sich unbedingt auf erste Quellen und bereichern die Wissenschaft in der Regel durch etwas Neues. Die Zeitschrift »Nachrichten der geschichtlich-philosophischen Abteilung der Akademie der Wissenschaften der UdSSR« gehört zum zweiten Typus. Es ist dies eine Zeitschrift, die keine große Auf­lage hat. Nur 1000 Exemplare gegenüber den 33000 Exemplaren der Zeitschrift Woprosy Istorii. Die erstgenannte Zeitschrift ver­öffentlicht Autorenreferate über große,

von den Akademikern und den Mitarbei­tern der Akademie der Wissenschaften vorgenommene Arbeiten, Spezialunter­suchungen, die Ergänzungen zu den gro­ßen gedruckten Arbeiten bilden, und ferner eine »Chronik des akademischen Lebens«. Die Akademie der Wissenschaf­ten tauscht »Nachrichten der Abteilung« mit ausländischen wissenschaftlichen An­stalten aus.

Die Zeitschrift Nauka i Shisnj (Wissen­schaft und Leben) gehört zum dritten Typus. In dieser Veröffentlichung, deren Auflage 50 000 Exemplare übersteigt, werden Aufsätze über die verschiedenartigsten wissenschaftlichen Themen abgedruckt, darunter auch über Themen aus der Geschichte, insbesondere aber viel über Fragen der Naturwissenschaften und der angewandten Wissenschaften. Die Autoren der Aufsätze stellen die neuen Errungenschaften der Wissenschaft in allgemein zugänglicher Form dar: jeder Mensch mit mittlerer Bildung hat die Möglichkeit, den Inhalt der Zeitschrift zu verstehen.

Mit den akademischen Zeitschriften ist die Zahl der wissenschaftlichen Ver­öffentlichungen nicht erschöpft. Fast jede Hochschule im Sowjetlande hat ihre Veröffentlichungen. Die Moskauer Universität verfügt z. B. über die Zeitschrift Wjestnik (Der Bote), in der die wissenschaft­lichen Arbeiten der Professoren und der Mitarbeiter der Universität, soweit diese Arbeiten von allgemeinem Interesse sind, veröffentlicht werden. Ferner gibt jede Fakultät in der Regel periodisch er­scheinende Zeitschriften, »Wissenschaftliche Notizen«, heraus. In diesen Zeitschriften, die gewöhnlich zwei-, dreimal im Jahre je Fakultät erscheinen, werden Aufsätze des gleichen Typs veröffentlicht, wie sie in der Zeitschrift »Nachrichten der Ab­teilung« der Akademie der Wissenschaf­ten der UdSSR veröffentlicht werden, aber auch bedeutendere Monographien, die zur Erlangung eines wissenschaft­lichen Grades als Doktordissertatio­nen an der Moskauer Universität eingereicht werden. Außerdem gibt z. B. die historische Fakultät der Mos­kauer Staatlichen Universität »Refe­rate und Mitteilungen« heraus, in der wissenschaftliche Aufsätze von gerin­gerer Bedeutung veröffentlicht werden, die als Referate von den Kathedern der Fakultät herab gelesen wurden. Auch bringt sie eine Chronik des wissenschaftlichen Lebens der Fakultät.

Über Fragen der Geschichte erschienen vor dem Kriege noch zwei große Zeit­schriften, »Nachrichten der Alten Ge­schichte«, eine Vierteljahrsschrift, und Krasnyj Archiw (Das Rote Archiv). Das Wiedererscheinen beider Zeitschriften in nächster Zeit ist vorgesehen. Für die gelehrten Historiker ist die Zeitschrift Krasnyj Archiw von großem Interesse. In der Hauptsache werden in ihr bisher nicht veröffentlichte Dokumente publi­ziert, die aus sowjetischen Archiven stam­men. Die Dokumente wurden im Original abgedruckt (wenn ihr Text in fremder Sprache abgefaßt war, dann in Gegenüberstellung mit dem russischen Texte). In über hundert Nummern dieser Zeit­schrift wurde in den Jahren der Sowjetmacht eine Vielzahl von Dokumenten, insbesondere über die Geschichte der internationalen Beziehungen, veröffentlicht, und die Hinweise darauf waren in den wissenschaftlichen Arbeiten der russischen und der ausländischen Historiker ständig zu finden.

Von den naturwissenschaftlichen Zeit­schriften ist die verbreitetste und allge­meinst zugängliche die Zeitschrift Priroda (Die Natur). Der weite Kreis ihrer wissen­schaftlichen Interessen verdient hervorge­hoben zu werden, obgleich in ihr die physi­kalischen Probleme den Vorrang genießen:

Man braucht die Betrachtung über die wissenschaftlichen Zeitschriften nicht in einen großen Nachschlagekatalog solcher Veröffentlichungen zu verwandeln, dies ist nicht das Ziel unserer Broschüre. Wir wollen einige Worte über die Bedeutung sagen, die die wissenschaftlichen Zeitschrif­ten für das sowjetische gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben besitzen. Der Redaktionsstab einer wissen­schaftlichen Zeitschrift besteht gewöhnlich aus Leuten, die auf dem betreffenden wissenschaftlichen Gebiete durchaus Autorität besitzen. Jedoch zieht die Redaktion der wissenschaftlichen Zeitschrift bei aller Autorität der Redaktion oder des Hauptredakteurs in breitem Umfange Autoren hinzu, die die verschiedensten Ansichten über die wissenschaftlichen Probleme vertreten. Leute von so verschiedener wissenschaftlicher Auffassung wie Professor Berg und der Akade­miker Grigorjew auf dem Gebiete der Geographie, die Akademiker Lusin und Winogradow auf dem Gebiete der Mathematik, die Akade­miker Shukowskij und Lyssenko auf dem Gebiete der Botanik und die Akademiker Maslow und Strumilin auf dem Gebiete der Öko­nomik haben auf den Seiten der sowjetischen wissenschaftlichen Zeitschriften Raum für ihre Arbeiten gefunden. Wir schreiben hier­über, um die Legende zu zerstören, die von gewissenlosen Journa­listen im Auslande darüber verbreitet wurde, daß sich in der UdSSR die Wissenschaft gewissermaßen in der eisernen Umklammerung einer einheitlichen Lenkung »vom Zentrum her« befände. Diese Be­hauptung ruft in der UdSSR nur Lachen und Verwunderung her­vor; darüber reden und schreiben vor allem Leute, die zur Wissen­schaft keinerlei Beziehung haben.

Die Aufgabe der Redaktion der wissenschaftlichen Zeitschrift besteht darin, für die Zeitschrift die wertvollsten Mitarbeiter zu gewinnen, um den in den Zeitschriften veröffentlichten Aufsätzen ein hohes Niveau und eine hohe Aktualität zu sichern. Der Anspruch der Redaktion in dieser Beziehung pflegt außerordentlich hoch zu sein. Die Verbreitung der wissenschaftlichen Zeitschriften in der UdSSR steht auf einem außerordentlich hohen Niveau. Als Beweis hierfür kann schon allein die Zahl dienen, die wir in bezug auf die Zeitschrift Woprosy Istorii angeführt haben. Die Auflage dieser historischen Spezialzeitschrift beträgt 33 000 Exemplare, eine Zahl, die der Auflage der drei Hauptzeitschriften der westlichen histo­rischen Wissenschaft (mit 10 000 Exemplaren für jede Zeitschrift) ungefähr gleichkommt.

Zeitschriften, die ökonomischen Fragen gewidmet waren, gab es in der UdSSR seit Jahren nicht wenige, und der Leser, dem schon be­kannt ist, was wir vorstehend über die Rolle der ökonomischen Presse gesagt haben, wird in keiner Weise darüber erstaunt sein. Leider wurde die theoretische Zeitschrift Problemy Ekonomiki (Probleme der Ökonomik) wie auch viele andere Zeitschriften ein Opfer des Krieges mit seinem Mangel an Papier und an anderen technischen Mitteln. Die allgemeine ökonomische Zeitschrift in der UdSSR, Planowoje Chosjaistwo (Die Planwirtschaft), jedoch blieb erhalten. In der UdSSR, dem Lande der Wirtschaftsplanung, ist eine derartige Bezeichnung einer allgemein-ökonomischen Zeitschrift kein Zufall. Den Hauptraum in der Zeitschrift nehmen die laufenden Probleme des planmäßigen Aufbaues der einzelnen Zweige der Industrie und der Landwirtschaft der UdSSR ein. Außerdem werden in der Zeitschrift Überblicke über ausländische Themen (sie nehmen einen verhältnis­mäßig kleinen Raum ein) und kritisch­bibliographische Artikel veröffentlicht. Fast für alle Zweige der Industrie er­scheinen selbständige Zeitschriften, in denen die Fragen der Technik und der Ökonomik eng miteinander verflachten sind. Es besteht hier keine Notwendig­keit, diese Veröffentlichungen zu be­schreiben; eine allgemeine Analyse der ökonomischen Presse haben wir in dem Kapitel, das der sowjetischen Zeitung ge­widmet ist, gegeben.

Eine Monatszeitschrift, die in der UdSSR regelmäßig erscheint, ist die Zeitschrift der russischen rechtgläubigen Kirche mit dem Titel »Nachrichten des Moskauer Patriarchats«, Diese Zeitschrift, die von den Leitern der rechtgläubigen Kirche redigiert wird, behandelt die laufenden und die speziellen Fragen der Theologie, des kirchlichen Lebens und der kirchlichen Ver­waltung, veröffentlicht Mitteilungen und eine Chronik über die Tätigkeit des Patriarchats. Die Zeitschrift abonnieren kirchliche Organisationen und Privatpersonen; man findet sie auch in Biblio­theken. Zum Unterschiede von den Zeitschriften der vorrevolu­tionären Jahre, in denen der Text in einer Sprache geschrieben war, die der kirchenslawischen Sprache und nicht der volkstümlichen Sprache ähnelte, veröffentlichen die »Nachrichten des Moskauer Patriarchats« in der Hauptsache Aufsätze, die nicht nur ihrem In­halte, sondern auch der Form nach den breiten Massen verständlich sind. Lebendigen Widerhall fanden in der Zeitschrift die Ereignisse des Lebens des Volkes, z. B. Mitteilungen über die Sammlungen zur Hilfeleistung für die Rote Armee, für die kranken und diever­wundeten Krieger und so fort während der Jahre des Großen Vater­ländischen Krieges des Sowjetvolkes.

Außer der Zeitschrift wird auch kirchliche Literatur herausgegeben. Einer ständigen Nachfrage erfreuen sich die Kirchenkalender mit Angaben in beiden Stilen (dem in der UdSSR geltenden europä­ischen Stil sowie dem von der Kirche beibehaltenen alten Stil) und mit den Namen der Heiligen, die an den betreffenden Tagen von der Kirche gefeiert werden.

In der UdSSR erschien in den Kriegsjahren eine Luxusausgabe mit vielen Illustrationen, die der Tätigkeit der russischen rechtgläu­bigen Kirche im Zusammenhang mit dem Kampf des Sowjetvolkes gegen die Hitlerschen Okkupanten gewidmet war.

Die Zeitschriften über die Frage der sowjetischen Kultur sind sehr vielseitig und zahlreich. Den allgemeinsten Charakter weist vielleicht die kritisch- bibliographische Zeitschrift Sowjetskaja Kniga (Das Sowje­tische Buch) auf. Obgleich diese erst seit 1946 erscheint und obgleich es während der Kriegsjahre eine solche nicht gab, er­neuerte sich mit ihr eine alte Tradition, die Befriedigung eines großen Interesses am Buch als Spiegel des Lebens. In den 20er Jahren erschien, als seinerzeit erste Aus­gabe, die sowjetische kritisch-bibliogra­phische Zeitschrift Petschatj i Rewoljuzija (Presse und Revolution). In dieser wurden

Aufsätze und Überblicke über einzelne Zweige der Wissenschaft und der Literatur veröffentlicht, aber auch bibliographische Artikel. Die Zeitschrift Sowjetskaja Kniga ist Nachfolgerin und ideologische Fort­setzerin dieser alten Veröffentlichung. Bereits jetzt schon erwies es sich, daß die Sowjetskaja Kniga, die einen systematischen überblick und eine Besprechung der wichtigsten Bücher über einzelne Fragen bringt, Material für die Beurteilung des literarischen und kulturellen Lebens als Ganzen in der UdSSR in die Hände des Lesers zu legen beabsichtigt.

Insoweit das Leben der sowjetischen Kunst die besondere Auf­merksamkeit der fremden Länder auf sich zieht, müssen einige Son­derzeitschriften auf diesem Gebiete hervorgehoben werden.

Die Zeitschrift Teatr (Das Theater) erscheint monatlich; sie ist dem Leben des sowjetischen Theaters und dem ausländischen Theater­leben gewidmet. Die Besprechung der Theaterstücke ist das Grund­thema der Zeitschrift. An dieser Besprechung nehmen die Kritiker, die Regisseure und die Künstler teil; die Besprechung bezieht sich auf die Problemstellung der Stücke, die Regie und die Ausführung derselben. Man muß betonen, daß die Zeit, da in der Polemik der Schaffenden am Theater die Rolle des Regisseurs im Mittelpunkt stand und das Grundproblem aller Probleme die Regie war, jetzt vorbei oder auf jeden Fall im Schwinden ist. Neben dem Regisseur treten in den sowjetischen Zeitschriften der Autor und die Darsteller bei weitem mehr hervor.

Die literarische Polemik pflegt in Fragen des Theaters und in an­deren Kunstarten ziemlich leidenschaftlich zu sein. Die Sowjetpresse erkennt das altfränkische »über den Geschmack läßt sich nicht streiten« nicht an. Hier streitet man über den Geschmack, und zwar ernsthaft und gründlich.

Über den Geschmack kann man in der UdSSR auch deshalb streiten, weil die Theaterunternehmen nicht nach kommerziellem Prinzip geleitet werden. Wie häufig sind in den angelsächsischen Ländern die Äußerungen der Rezensenten in Theaterfragen dadurch gehemmt, daß ein Reklamewesen besteht und daß es sich um ein kaufmännisches Unternehmen handelt. Da es in der UdSSR beides nicht gibt, findet in der Zeitschrift Teatr der Kampf der Kunst­richtungen in sachlicher Weise statt; die wichtigen Probleme der Kunst werden nur vom ideell-ästhetischen Standpunkte aus er­örtert.

Außer dem Teatr erscheint auch die Monatszeitschrift Kino (Das Kino). Architektura i Stroitelstwo (Architektur und Bau­wesen) ist das Organ der Akademie der Architektur der UdSSR. Das Organ der sowjetischen Komponisten ist die Zeitschrift Sowjet­skaja Musyka (Die Sowjetische Musik) usw.

Unter den Zeitschriften haben die Veröffentlichungen, die für die Jugend und die Kinder bestimmt sind, eine große Bedeutung. Die verbreitetste Kinderzeitschrift ist die Zeitschrift Pioner (Der Pio­nier). Ausgestattet mit farbigen Illustrationen und Photographien, mit Rubriken für Aufgaben, Bil­derrätsel und andere Rätsel, be­müht sich der Pioner, nicht nur die Wißbegierde seiner jugend­lichen Leser zu befriedigen, son­dern diese auch zu unterhalten. Unter den Autoren - Dichtern und Prosaschriftstellern - des Pioner findet man populäre Na­men, wie Michalkow, Marschak, Lew Kassil und andere angesehene Verfasser von Kinderbüchern. Im Pioner finden sich fast keine Themen politischen Inhalts. Die Redaktion dieser Zeitschrift stellt sich nicht die Aufgabe, den Text zu »politisieren«; sie verfolgt die Absicht, in ihren Lesern Heldenmut, Vaterlandsliebe und Liebe zum eigenen Volke, das Gefühl für Ge­rechtigkeit, den Sinn für das Neue und die Liebe zur Schönheit, kurz, Charaktereigenschaften, die ewig ihre Gültigkeit bewahren werden, zu entwickeln. Abenteuerliche Stücke lehnt der Pioner nicht etwa ab, im Gegenteil, er bringt sie gerne, nur vermeidet er die billige, schaden­bringende Jagd nach dem »Unerwar­teten«. Mystik ist von der Zeitschrift völlig ausgeschaltet.

Interessant ist die Zeitschrift Wokrug Swjeta (Rund um die Welt). Diese Zeitschrift sieht ihre Aufgabe darin, die jungen Leser mit dem Le­ben der Völker der Erde bekannt zu machen. Den Hauptraum nehmen in ihr Beschreibungen und Tagebücher von Reisenden, Erzählungen über das Leben im Auslande, Schilde­rungen von Sitten und Ge­bräuchen der Sowjetvölker ein. Aufsätze politischen Cha­rakters findet man in dieser Zeitschrift nicht. Ihre Mit­arbeiter sind Geographen, Schriftsteller, Reisende, Eth­nographen, Schiffskapitäne, Flieger u. a.

Die Zeitschrift Smena (Der Nachwuchs) kann der Ogonjok für die Jugend ge­nannt werden.

Die Zeitschrift Sowjetskaja Shenschtschina (Die Sowjet­frau) ist reich illustriert; sie ist in weitesten Kreisen ver­breitet. Als Organ des anti­faschistischen Komitees der sowjetischen Frauen erscheint sie in vier Sprachen: Russisch, Englisch, Französisch und Deutsch.

Für das Ausland besonders wird die Zeitschrift Sowjetskaja Literatura (Sowjetliteratur) her­ausgegeben. Sie erscheint in vier verschiedenen Sprachen: Eng­lisch, Französisch, Spanisch und Deutsch. Strenggenommen ist dies nicht eine Zeitschrift, sondern es handelt sich um vier Zeitschriften, da der Inhalt jeder Aus­gabe von dem der anderen ver­schieden ist. Doch ist das Ziel sämtlicher Ausgaben das gleiche: die Zeitschrift bringt die wichtig­sten und interessantesten Werke der sowjetischen Presse und Poesie in jene Sprachen übersetzt, in der die betreffende Zeitschrift herausgegeben wird. Die in jeder Einzelnummer der Sowjetskaja Literatura veröffentlichten Aufsätze sind nicht zahlreich; in der Regel sind es Aufsätze von sowjetischen Kriti­kern über Literatur und Theater. Doch gibt es auch Ausnahmen, da mitunter Aufsätze über englische, französische, spa­nische und deutsche Literatur veröffent­licht werden.

Eine Sonderstellung nimmt eine in der UdSSR von der Britischen Botschaft her­ausgegebene Zeitschrift ein. Es ist dies der Britanskij Sojusnik (Der Britische Verbündete), der in einer Auflage von 50 000 Exemplaren mit je zehn Seiten Großformat wöchentlich erscheint. Die Britische Botschaft betrachtet ihr Organ als eine Wochenzeitung, doch ähnelt diese Veröffentlichung ihrem Wesen nach mehr einer Zeitschrift.

Der in russischer Sprache erscheinende Britanskij Sojusnik be­handelt ausschließlich Fragen des englischen politischen, wirtschaft­lichen und kulturellen Lebens. In ihm werden nur Aufsätze briti­scher Autoren veröffentlicht. Die Redaktion bringt sämtliche Reden britischer Politiker, darunter auch die Ministerreden, ohne Rück­sicht darauf, ob diese Reden in der sowjetischen Presse bekannt­ gemacht worden sind oder nicht.

Der Britanskij Sojusnik wird einzeln verkauft oder im Abonne­ment vertrieben und ist in allen öffentlichen Bibliotheken der Sowjet­union zu finden. Es genügt, irgendein Bibliotheksexemplar des Britanskij Sojusnik in die Hand zu nehmen, um sich davon zu über­zeugen, daß er gelesen wird. noch oben

Kapitel IV

Das sowjetische Buch

Am 30. Juni 1920 unterzeichnete Wladimir Lenin das Dekret über die Schaffung einer Unions-Buchkammer. Diese Behörde erfüllt in der Hauptsache folgende Aufgaben:

1) obligatorische Registrierung sämtlicher Werke des Sowjetschrift­tums und Veröffentlichung ihrer Listen;

2) kastenlose Versorgung der staatlichen und anderer großer Biblio­theken mit Pflichtexemplaren aller in der UdSSR neu erscheinen­den Druckwerke;

3) Unterstützung der Entwicklung der bibliographischen Belange in der UdSSR und Herausgabe von Büchern und Zeitschriften, die Bibliographie betreffend;

4) Leitung der Tätigkeit sämtlicher bibliographischen Anstalten und Gesellschaften.

Die Liebe zum Buche ist ein charakteristischer Zug der Sowjet­menschen. Das Interesse am Buche, die Sorge um das Buch, die Re­gistrierung des Buches - dies sind die charakteristischen Züge des Leninschen Dekretes, auf dessen Grundlage sich die sowjetische Bibliographie entwickelt hat und noch weiter entwickelt.

Die Buchkammer war in einem der schönsten Paläste Moskaus untergebracht. Dieses Gebäude, in dem Millionen von bibliographi­schen Karteikarten mit Beschreibung der gesamten in der UdSSR erschienenen Literatur untergebracht waren, ist einem brutalen Luftangriff der faschistischen Barbaren ausgesetzt gewesen und 1941 durch Bomben vernichtet worden.

Vorläufig, d. h. bis zur Beendigung der in Angriff genommenen Wiederherstellung des Palastes, hat die Buchkammer eine neue Un­terkunft am Ufer der Moskwa, in der Nähe des Kamennyj Most (der Steinernen Brücke), bezogen.

An die Buchkammer gelangen unmittelbar aus der Druckerei 25 Pflichtexemplare jedes Buches, jeder Broschüre, jeder Zeitung und jeder Zeitschrift, die in der UdSSR erscheinen.

Die Buchkammer führt eine vollständige Statistik über die in der UdSSR erscheinende Literatur. Nach Unterlagen der Buchkammer wurden in der Zeit von 19I8 bis Mai 1946 in der UdSSR 859 000 Bücher und Broschüren mit einer Gesamtauflage von 10 Milliarden 716 Millionen Exemplaren herausgegeben.

Vor dem Kriege wurden in der UdSSR auf den Kopf der Bevöl­kerung sechsmal soviel Bücher herausgegeben wie im zaristischen Rußland. Die durchschnittliche Auflage eines sowjetischen Buches beläuft sich auf 20 000 Exemplare und ist im Vergleich zum Jahre 1913 fast auf das Sechsfache gestiegen.

Ungefähr ein Drittel der gesamten Auflage (35 Prozent im Jahre 1946) aller in der UdSSR verlegten Bücher umfaßt politische und sozialökonomische Literatur. Auf schöngeistige Literatur entfällt ungefähr ein Fünftel der Auflage. Naturwissenschaftliche und phy­sikalisch-mathematische Wissenschaften stellen fast ein Zehntel der Gesamtmenge der erschienenen Druck-Erzeugnisse dar, die Land­wirtschaft: ein Zwanzigstel, Bildung und Unterricht (Pädagogik): ein Zwölftel. So ist die wesentliche thematische Aufteilung der sowjetischen Buchliteratur.

Von den allgemeinen Angaben über Bücher sind die Zahlen über den Durchschnittsumfang eines Buches und das Steigen der Gesamt­bogenzahl interessant. Der Durchschnittsumfang eines Buches war im Jahre 1946 gegenüber den Angaben für das Jahr 1939 um 36 Prozent gestiegen. (Im Jahre 1939 hatte der Durchschnittsum­fang eines Buches S Druckbogen betragen, im Jahre 1946 6,8 Druck­bogen.) Die Gesamtzahl der Druckbogen für sämtliche Bücher war im Jahre 1946 um 14 Prozent gegenüber dem Jahre 1940 gestiegen und um 158 Prozent gegenüber 1945.

Unter den von uns erwähnten Druckwerken der ersten Kategorie : der politischen und der sozialökonomischen Literatur, nehmen die Werke der Klassiker des Marxismus-Leninismus (Marx, Engels,

Lenin und Stalin) die erste Stelle ein; während der Zeit von 1918 bis 1946 wurden sie in 667 Millionen Exemplaren herausgegeben; darunter wurden 117 Millionen Exemplare in 100 Sprachen der Völker der UdSSR (außer der russischen) und anderer Völker veröffentlicht.

Das Buch J. W. Stalins: »Über den Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion« erschien in 59 Sprachen mit einer Gesamtauflage von 18 Millionen Exemplaren. Die Gesamtauflage der Ausgaben der Verfassung der UdSSR beläuft sich auf 48 Millionen Exemplare (in 81 Sprachen).

Die Werke der Klassiker der russischen und der Weltliteratur werden in der UdSSR in Großauflagen und in den verschieden­artigsten Ausgaben verbreitet. Während der Jahre der Sowjetmacht wurden z. B. die Werke von Puschkin in einer Auflage von 32,7 Mil­lionen Exemplaren in 76 Sprachen, von Leo Tolstoi in einer Auf­lage von mehr als 25 Millionen Exemplaren in 66 Sprachen, von Maxim Gorki in einer Auflage von 43 Millionen Exemplaren in 66 Sprachen herausgegeben. Der Roman Maxim Gorkis »Die Mutter« erlebte 108 Ausgaben mit einer Gesamtauflage von un­gefähr 2 Millionen Exemplaren. In einer ebensolchen Gesamtauflage erschien in 82 Ausgaben sein Werk »Kindheit«. Scholochows Roman »Neuland unterm Pflug« wurde 102 mal herausgegeben, sein Roman »Der stille Don« 118 mal. Fadejews Erzählung »Vernichtung« er­schien 127 mal, »Peter L« von A. Tolstoi 48mal. Alle diese Bücher erreichten Millionenauflagen. Von ausländischen Klassikern er­wähnen wir als Beispiele die Werke von Byron, die im gleichen Zeit­raum in einer Auflage von fast einer halben Million in 8 Sprachen, ferner die Werke von Dickens, die in einer Auflage von 2,3 Mil­lionen Exemplaren in 15 Sprachen, von Shakespeare, die in einer Auflage von 1,6 Millionen Exemplaren in 20 Sprachen, von Victor Hugo, die in einer Auflage von 4,1 Millionen Exemplaren in 41 Sprachen, von Balzac, die in einer Auflage von 1,9 Millionen Exemplaren in 10 Sprachen, von Maupassant, die in einer Auflage von 4 Millionen Exemplaren in i S Sprachen erschienen sind, usw. In Millionenauflagen erschienen auch die Werke von Goethe, Schiller und Heine.

Die Mehrzahl der sowjetischen Verlage ist in dem System des Ogis (Vereinigung der Staatsverlage) zusammengeschlossen. Inner­halb des Ogis gibt es für einzelne Fragen Spezialverlage, deren Be­trachtung wir übergehen.

Der Goslitisdat (Staatsverlag für schöngeistige Literatur) gibt Bücher der schöngeistigen Literatur und über Fragen der Literatur­wissenschaft heraus. Er veröffentlicht vor allem die Klassiker der russischen und der Weltliteratur (letztere in russischer Übersetzung). Die Herausgabe der klassischen Werke der Literatur ist in einem bestimmten thematischen Verlagsplan festgelegt. Diesem Plane ent­sprechend, werden den Redakteuren des Verlages und den aus­wärtigen Mitarbeitern Aufträge erteilt (Einführungen, Redigierung und Prüfung des Textes an Hand der Manuskripte, Anordnung des Materials bei wissenschaftlichen Klassikerausgaben usw.). Der Verlagsplan ist für fünf Jahre (allgemeiner Plan) und für das nächste Jahr aufgestellt. Beide Pläne, der Fünfjahresplan und der Jahresplan, werden im Redaktionskomitee des Verlages unter Hin­zuziehung von angesehenen Schriftstellern, Kritikern und Gelehrten durchgesehen.

Es ist zu beachten, daß hinsichtlich der neuesten schöngeistigen Literatur dem Goslitisdat kein Monopol eingeräumt ist. Neben dem Goslitisdat gibt z. B. auch der Verlag Sowjetskij Pissatel (Der Sowjetische Schriftsteller) Bücher zeitgenössischer Autoren heraus. Die ausländische schöngeistige Literatur wird auch von dem neuen Verlage für ausländische Literatur Inisdat in russischer Sprache herausgegeben.

Das wissenschaftliche Niveau der Klassikerausgaben ist in den Jahren der Sowjetmacht in beträchtlich größerem Maße gesteigert worden als in den Jahren vor der Revolution. Damals bildeten die »akademischen« und andere wissenschaftliche Ausgaben solcher Autoren wie Puschkin und Gogol eine Ausnahme, und sie hatten nur eine beschränkte Auflage. Die Manuskripte von Schriftstellern wie Tolstoi und Dostojewskij waren noch nicht richtig bekannt. Viele Werke Tolstois waren in Rußland von der staatlichen oder der geistlichen Zensur verboten. Erst nach der Oktoberrevolution (1917) erschienen zum ersten Male vollständige Ausgaben von Werken solcher Schriftsteller wie Herzen, Gorki und Tolstoi.

Die Einleitungen und die Kommentare zu den Klassikern wurden bedeutend vollständiger und genauer als früher. Die vollständige Ausgabe von Nekrassow, die Gesamtausgabe der Gedichte von Fet, zahlreiche Gesamtausgaben der Werke von Puschkin, einschließlich der früher verbotenen Gedichte über politische Themen und die neuentdeckten Texte (das i o. Buch von »Eugen Onegin«), dies alles erschien in den Jahren der Sowjetmacht. Die Hoffnungen des großen Volksdichters Nekrassow, daß der »Bauer Belinskij und Gogol auf dem Markte kaufen werde«, haben sich erfüllt. Dieser Traum ist dank der Tätigkeit der sowjetischen Verlage Wirklichkeit geworden.

Der Verlag Sowjetskij Pissatel gehört nicht zum System des Ogis. Dieser Verlag gehört dem Verbande sowjetischer Schriftsteller, und die Verlagsleitung wird vom Verbande bestätigt. In diesem Verlage erscheinen die Werke der zeitgenössischen sowjetischen Prosaschriftsteller und Dichter, aber auch die wichtigsten »dicken« Zeitschriften für Literatur und Publizistik, von denen wir im vor­hergehenden Kapitel gesprochen haben.

Der Verlag Sowjetskij Pissatel besitzt, ähnlich dem Goslitisdat, einen Personalbestand von Redakteuren und literarischen Beratern, deren Arbeit im Lesen und in der Auswahl von Manuskripten für die Veröffentlichung und ihrer literarischen Redigierung besteht. Die Planung der Verlagstätigkeit des Sowjetskij Pissatel, d. h. die Aufstellung des Verlagsplanes, weist prinzipiell einen anderen Cha­rakter auf als der des Goslitisdat. Hier kann man nicht im voraus die Werke dieser oder jener Autoren planen, sondern man muß die Möglichkeit des Druckes von neuen Werken vorsehen, die bisweilen erst noch in der Ideenwelt der Autoren heranreifen.

Im Auslande hat sich die abgeschmackte Behauptung verbreitet, daß die sowjetischen Verlage den Autoren gewissermaßen einen Auftrag für diese oder jene Werke über ein bestimmtes Thema er­teilen. Dem ist nicht so.

Die Verlage binden die Autoren nicht mit einem thematisch fest­gelegten Auftrag. In der sowjetischen Kritik ist oftmals von einem »sozialen Auftrag« in einem anderen Sinne die Rede, nämlich in dem Sinne, daß die sowjetische öffentliche Meinung Werke ver­langt, die der Weltanschauung der Sowjetmenschen entsprechen. Wenn die Dichterin Achmatowa in ihren pessimistischen Gedichten der nicht wiederkehrenden Vergangenheit nachtrauert, so entspricht diese Trauer nicht dem »sozialen Auftrag« des sowjetischen Lesers. Wenn der Schriftsteller Michail Soschtschenko viele Jahre hindurch die Sowjetmenschen unaufhörlich verspottet und sich absichtlich von allem Großen, was das Volk geleistet hat und wofür es lebt, ab­wendet, wenn er es als einen Haufen von Spießbürgern darstellt, die in niedrigen Gefühlen und Taten versinken, die Prinzipienlosigkeit verkündet, den Zynismus preist - dann kann dies letztlich in der öffentlichen Meinung nichts anderes als Empörung und Abscheu her­vorrufen. Der sowjetische Leser verlangt künstlerische Werke, die sein Leben wahrheitsgetreu widerspiegeln, die den Menschen hohe moralische und gesellschaftliche Eigenschaften anerziehen. Darin besteht der »soziale Auftrag« des Lesers, wie ihn auch die Kritik auf f aßt; in ihm ist auch nicht die geringsteSpur irgendeiner Zwangs­regelung der den Autoren gestellten Themen zu entdecken.

In der Regel reichen die Autoren ihre Manuskripte dem Verlage des Sowjetskij Pissatel und dem Goslitisdat ohne vorhergehenden Vertrag ein. Erst nach Durchsicht des Manuskripts im Verlage und nach seiner Billigung wird mit dem Autor ein Vertrag abge­schlossen, dem entsprechend der Autor einen Vorschuß in Höhe von 25 Prozent erhält. Wenn das Werk in Druck gegeben wird, erhält der Autor weitere 35 Prozent des Honorars und bei Erscheinen des Buches die restlichen 40 Prozent. Der Autor erhält das Honorar nach der Bogenzahl berechnet; er verliert sein Autorenrecht auch nicht in bezug auf die folgenden Auflagen seines Buches. Hinsicht­lich der dem Verlage bekannten Autoren wird eine Abweichung von dieser normalen Handhabung gestattet. Wenn ein bekannter Autor, dessen Werke schon mehrmals gedruckt sind, dem Verlage über seine künftigen Bücher ein Expose einreicht, in dem ihr wesentlicher Inhalt dargelegt ist, kann der Verlag mit ihm einen Vertrag vor Einreichung des Manuskripts selbst abschließen. Die deutsche Ge­pflogenheit, den Autor prozentual am Verkauf des einzelnen Exem­plars zu beteiligen, ist in Rußland unbekannt; der Autor ist also finanziell nicht vom Absatz seines Werkes abhängig.

Der Literaturfonds ist eine besondere Einrichtung, die den Zweck hat, jene Schriftsteller, die infolge einer langwierigen Arbeit über einen neuen Stoff kein regelmäßiges, laufendes Einkommen haben, zu unterstützen. Der Literaturfonds kommt mit einer Geldunter­stützung zu Hilfe. Als Garantie für den Literaturfonds dienen die mit dem Autor früher abgeschlossenen und die neuen Verträge. Auf diese Weise können die Schriftsteller, die keine erheblichen Erspar­nisse besitzen, eine große Arbeit vorbereiten.

Kehren wir jedoch nun zur Arbeit der literarischen Verlage zu­rück. Im Goslitisdat erscheinen auch Übersetzungen. Eine künst­lerische Übersetzung wird in der Sowjetunion als eine Form der schriftstellerischen Tätigkeit betrachtet, und die besten Übersetzer sind Mitglieder des Verbandes der sowjetischen Schriftsteller, und einige von ihnen (Losinskij, Pasternak, Kaschkin, Marschak) sind mit Orden und Medaillen ausgezeichnet worden. Der Goslitisdat ist um eine hohe Qualität der literarischen Übersetzung besorgt; die Ge­sammelten Werke von Shakespeare, Balzac, Flaubert, Maupassant, Dickens, Edgar Allan Poe, Wilde, Galsworthy zeugen von der Meisterschaft sowjetischer Übersetzer. Jetzt, nach der kürzlichen Bildung eines besonderen Staatsverlages für ausländische Literatur, geht die Sorge um einen großen Stamm von Übersetzern im Grunde genommen ganz natürlich auf diesen neuen Verlag über, obgleich die Herausgabe der ausländischen Klassiker durch die Goslitisdat beibehalten wird.

Der neue Staatsverlag für ausländische Literatur ist erst kürzlich entstanden, und eine Beurteilung seiner Arbeit ist daher noch ver­früht. Doch kann man bereits bemerken, daß dieser sowjetische Verlag etwas Einmaliges in seiner Art ist und andere Länder nichts Ähnliches aufzuweisen haben. Man muß in Betracht ziehen, daß vielleicht in keinem anderen Lande als in der Sowjetunion so viel aus fremden Sprachen (und zwar in die russische wie auch in die Sprachen der anderen Völker der UdSSR) übersetzt wird.

In diesem Zusammenhange muß man noch eine andere Legende über die UdSSR zurückweisen, die sich in den letzten Jahren im Auslande eingenistet hat. Man versucht, dem ausländischen Leser die Sache so hinzustellen, als ob sich die UdSSR vor der Außenwelt durch eine Chinesische Mauer oder durch einen »Eisernen Vorhang« absperren will. Nichts kann weniger der Wahrheit entsprechen. Wir haben bereits vorstehend darauf hingewiesen, daß die ausländischen Journalisten die uneingeschränkte Möglichkeit haben, sich mit dem sowjetischen Leben bekannt zu machen und es wahrheitsgetreu und ausführlich darzustellen, wenn sie selbst dies wünschen oder wenn ihnen die Eigentümer der Presseorgane, bei denen sie als Mitarbeiter tätig sind, dies gestatten. Ihrerseits bringen die Sowjetmenschen allem, was im Auslande geschieht, großes Interesse entgegen, und wenn sie dieses Interesse befriedigen wollen, stoßen sie auf keine Hindernisse, ganz im Gegenteil, sie erfahren dabei seitens der Buch­verlage noch Unterstützung. -

In unseren Tagen, wie auch während der ganzen Zeit des Be­stehens der Sowjetmacht, wurde eine riesige Anzahl von Büchern und Aufsätzen über die verschiedensten Themen aus fremden Sprachen übersetzt, und das ist auch jetzt noch der Fall. Einige Daten, die dies bestätigen, haben wir vorstehendangeführt. In England und Amerika kennt man die russische Literatur viel weniger, als man in Rußland die englische und die amerikanische Literatur kennt, obgleich nach allgemeiner Ansicht angelsächsischer Autoren im 19. und im 20. Jahrhundert die russische Literatur wohl keinen geringen Einfluß auf England und Amerika ausgeübt hat. Aber dieser Einfluß beschränkt sich auf einen Kreis von Schriftstellern und von anspruchsvollen Lesern, während die breiten Massen bis in die jüngste Zeit hinein keine Möglichkeit hatten, die Werke der russischen Literatur zu lesen. So z. B. haben die Engländer erst in den Kriegsjahren »Krieg und Frieden« von Tolstoi »entdeckt«, während die Russen »Vanity Fair« von Thackeray schon lange kannten; Lermontow ist für die Amerikaner immer noch ein Buch mit sieben Siegeln, während »Leaves of Grass« von Walt Whitman oder die Erzählungen von Edgar Allan Poe den Russen sehr gut bekannt sind. Eine sehr begrenzte Kenntnis der russischen Literatur seitens breiter Leserkreise findet sich in noch höherem Grade in Deutsch­land, wo die Leistungen der russischen Kultur, besonders in den letzten zehn Jahren, systematisch totgeschwiegen oder in entstellter Form wiedergegeben wurden.

In dem Moskauer Verlag für ausländische Literatur sind die viel­gestaltigen Abteilungen sämtlicher Zweige des Wissens vertreten. Um die Auswahl der besten ausländischen Bücher zu gewährleisten, die würdig sind, ins Russische übersetzt und in russischer Sprache in der UdSSR gedruckt zu werden, sind an die Spitze der Abteilungen des neuen Verlages hervorragende Gelehrte, die dem ganzen Lande bekannt sind, gestellt worden. Kein einziges Beachtung verdienen­des wissenschaftliches oder künstlerisches Buch entgeht der Auf­merksamkeit des Redaktionskomitees des neuen Verlags.

Die bedeutendsten Verlage für politische Literatur sind: der Staatliche Politische Verlag (abgekürzt: Gospolitisdat) und der Ver­lag der Prawda.

Im erstgenannten Verlage erscheinen Bücher über Fragen der Geschichte der Ökonomik, des Parteiaufbaues, der internationalen Beziehungen, der Philosophie. Dieser Verlag veröffentlicht Lite­ratur, die den großen politischen Kampagnen, wie z. B. den Wahlen zum Obersten Sowjet usw., gilt. Unter der Literatur, die von dem Verlage herausgegeben wird, befinden sich auch der »Kurze Lehrgang der Geschichte der KPdSU (B)a und die Ausgaben der Klassiker des Marxismus-Leninismus, die Bibliothek der Außenpolitik und ähnliche Massenveröffent­lichungen.

Eine der wichtigsten Einkommensquellen des Gospolitisdat ist die Herausgabe von Kalendern, die besonders unter der sowjetischen Bauernschaft sehr populär sind.

Die Herausgabe von Kalendern ist in der UdSSR eine große kulturelle Angelegenheit. In gewaltigen Auflagen werden in der UdSSR nicht nur die gewöhnlichen Tisch- und Abreißkalender, an die man sich in Westeuropa ebenso wie an die eigentümlichen Notiz­bücher mit Kalendarium gewöhnt hat, sondern auch Spezialkalen­der herausgegeben. Unter ihnen nehmen die Kalender für die land­wirtschaftliche Bevölkerung mit vielen Mitteilungen aus dem Dorf­leben, mit agronomischen Angaben, mit Auskünften meteorologi­schen Charakters, mit historisch-literarischen Mitteilungen u. dgl. einen großen Raum ein. Ein solcher Kalender besitzt für das kul­turelle Leben des Dorfes große Bedeutung. Es ist nicht nur ein Nachschlagebuch, sondern auch ein originelles Lesebuch. Der sowje­tische Bauer hat sich daran gewöhnt und bestellt die Kalender, die in Millionenauflagen erscheinen.

Der Verlag der Prawda gibt zahlreiche Zeitschriften und Zei­tungen sowie auch nicht wenige Bücher allgemeinen und politischen Inhalts heraus.

Ein mächtiger Verlag für wissenschaftliche Literatur ist der Ver­lag der Akademie der Wissenschaften der UdSSR. Dieser Verlag veröffentlicht in der Regel keine Arbeiten, die nicht aus der Feder eines Mitgliedes oder eines wissenschaftlichen Mitarbeiters der Aka­demie der Wissenschaften stammen. Das Redaktions-Verlagskomitee gehört zum Personalbestand der Anstalten der Akademie der Wis­senschaften; ihm steht das Recht zu, zu entscheiden, welche Arbeiten der Akademie in dem Akademischen Verlag herauszugeben sind

und für welche man den Autoren, nach seiner Meinung, empfehlen müßte, sie bei anderen Verlagen einzureichen.

Vorstehend haben wir davon gesprochen, daß der Verlag der Akademie der Wissenschaften der UdSSR zahlreiche Zeitschriften herausgibt. Außerdem werden von ihm auch monographische For­schungsarbeiten veröffentlicht. Diese Veröffentlichungen erscheinen gewöhnlich in kleinen Auflagen, sind hoch im Preise, werden nicht so luxuriös, aber gediegen, mit Illustrationen, Tabellen, Karten und häufig mit zweisprachigem Text, herausgegeben. Sie kommen dem Verlage teuer zu stehen, dieser erleidet einen Verlust, der aus den Fonds der Akademien gedeckt wird.

Die wissenschaftlich-populären Veröffentlichungen, die in höheren Auflagen erscheinen, bringen an und für sich einen Ertrag, der jedoch nicht ausreicht, um das allgemeine Defizit zu decken. Mit anderen Worten, der Verlag der Akademie der Wissenschaften braucht staatliche Zuschüsse und erhält sie auch.

Eine besondere Erscheinung ist der Staatsverlag Sowjetische Enzy­klopädie (abgekürzt: GISE).

Dieser Verlag gibt seit fast zwanzig Jahren die monumentale (65 Bände umfassende) »Große Sowjetische Enzyklopädie« (»BSE«) heraus. Es stehen jetzt noch im ganzen S Bände der Enzyklopädie aus. Schon ist eine zweite Auflage der »BSE« vorgesehen. Die Sowje­tische Enzyklopädie - die das Hauptobjekt des Verlages ist - hat ihre Vorzüge und ihre Mängel. Die gesellschaftlich-politische Abtei­lung der »Großen Sowjetischen Enzyklopädie« ist durch die Schil­derung der Länder und der Völker, insbesondere im historischen und im geographischen Teil, interessant. In keiner einzigen Enzyklo­pädie der Welt findet sich eine solche Fülle in der Darstellung der modernen Geschichte. Aber die lange Dauer des Erscheinens der »BSE« hat dazu geführt, daß das Werk für viele Länder nicht auf den heutigen Stand gebracht ist (in dem Artikel »Großbritannien« z. B. ist die Geschichte bis zum Jahre 19 2 7 dargestellt). Im Artikel »USA« konnte die Darstellung bis zum Tode F. D. Roosevelts ge­führt werden, da der Band mit dem Artikel »USA« erst Ende 1947 aus der Druckpresse gekommen ist.

In zwanzig Jahren hat sich in den Verhältnissen der sowjetischen und der Weltwissenschaft viel geändert. Der Artikel »Atom« im IV. Band der »BSE« ist im Jahre 1926 erschienen. Er ist jetzt hoff­nungslos veraltet; das wäre nicht schlimm, wenn nicht jener Um­stand wäre, daß die Herausgabe der »BSE« noch nicht beendet ist. Daher bemüht sich der Verlag, der eine neue Auflage der NBSE« plant, die Zahl der Bände zu verringern und ein schnelleres Aus­gabetempo vorzusehen. Der Verlag hat jetzt die Erfahrung, und außerdem braucht man nach der ersten Ausgabe nicht alles um­zuarbeiten.

Die » Große Sowjetische Enzyklopädie « ist nach dem Prinzip enzy­klopädischer Sammelartikel, aber nicht als Sammelwerk kurzer Auskünfte aufgebaut worden. In diesem Sinne -erinnert die »BSE« an die »Encyclopxdia Britannica«. Die »BSE« ist als wichtiges Hilfsmittel für die Leser in jeder öffentlichen Bibliothek anzutreffen.

Der gleiche Verlag hat auch die Herausgabe einer anderen Enzy­klopädie, die schon vor der Revolution begonnen wurde, beendet. Es ist die Enzyklopädie »Granat«. Die beiden Brüder Granat, die Inhaber des Verlages Granat, begannen im ersten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts diese Enzyklopädie herauszugeben. Sie hatten dazu große Gelehrte und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens heran­gezogen. Unter ihnen befand sich bis zur Revolution auch Wladimir Iljitsch Lenin. Nach der Revolution bestand der Verlag der Brüder Granat auch weiterhin fort und unterlag nicht der Nationalisierung. Die sowjetische Regierung hatte beschlossen, den Verlag Granat als ein für das Land besonders wertvolles kulturelles Unternehmen zu erhalten. Erst mit dem Tode der beiden Brüder Granat ging das Unternehmen auf den staatlichen Verlag Sowjetische Enzyklo­pädie über.

Die Enzyklopädie »Granat« ist abgeschlossen, und man wird vermutlich nicht auf sie zurückkommen. Sie ist ein originelles Denk­mal des russischen gesellschaftlichen Denkens an der Schwelle der Revolution.

Der Verlag Sowjetische Enzyklopädie gibt ferner die »Kleine Sowjetische Enzyklopädie« in 10 Bänden heraus. Ihre erste Ausgabe ist zu Beginn der 3oer Jahre veröffentlicht worden. Die zweite Aus­gabe begann vor dem Kriege zu erscheinen. Der Krieg hat aber ihr Erscheinen verhindert, und erst Ende 1947 ist sie beendet worden.

Bereits auf Vorschlag von Lenin hat der Staatsverlag eine ein­bändige Enzyklopädie als Typ eines sowjetischen »Larousse« seiner­zeit vorbereitet und später veröffentlicht; bis jetzt sind zwei Aus­gaben dieser »kurzen« Enzyklopädie herausgegeben. Eine dritte Auflage wird vorbereitet.

An der Zusammenstellung der Enzyklopädie arbeitet bei dem Verlag das wissenschaftliche Institut »Sowjetische Enzyklopädie« mit. Die Redakteure der Abteilungen der Enzyklopädie sind her­vorragende sowjetische Spezialforscher.

Bis zur Revolution gab es ein Handwörterbuch der russischen Sprache, das von dem bekannten Sprachforscher und Schriftsteller Dal verfaßt ist. Nach der Revolution wurde eine neue Ausgabe des Wörterbuches von Dal gedruckt. Außerdem bereiteten sowjetische Gelehrte ein neues Handwörterbuch der modernen russischen Sprache vor. Sein Redakteur war der inzwischen verstorbene Professor Uschakow. Das vierbändige Wörterbuch ist eine der hervorragend­sten Leistungen der sowjetischen Sprachwissenschaft.

Der Verlag Sowjetische Enzyklopädie gibt außerdem eine Reihe von Nachschlagewerken enzyklopädischen Charakters heraus. Ge­rade in den Jahren des Krieges beschäftigte sich der Verlag in der Hauptsache mit der Herausgabe solcher Werke. Er veröffentlichte einbändige Nachschlagewerke, die den Vereinigten Staaten, dem Britischen Imperium, den skandinavischen Ländern, den Ländern des Stillen Ozeans, den Ländern des Fernen Ostens gewidmet sind. Es sind dies Nachschlagewerke, in denen wesentliche Mitteilungen über Geographie, Bevölkerung, Wirtschaft und Politik der ein­zelnen Länder zusammengestellt sind.

Der Staatsverlag für ausländische und nationale Wörterbücher hat eine große Zahl von Wörterbüchern der Sprachen der Völker der UdSSR herausgegeben und widmet auch der Herausgabe von arideren fremdsprachigen Wörterbüchern große Aufmerksamkeit.

Obgleich sich die letztgenannten zwei Verlage auf das Gebiet der Herausgabe von Wörterbüchern und Enzyklopädien spezialisieren, besitzen sie auf diesem Gebiete kein Monopol. So gibt z. B. der Staatliche Technische Verlag Gostechisdat technische Nachschlage­werke heraus. Das beste einbändige technische Wörterbuch mit aus­gezeichneten kleinen Zeichnungen und Skizzen wurde von eben diesem Verlage veröffentlicht. Im Verlage der Akademie für Archi­tektur wird ein Architekturwörterbuch für den Druck vorbereitet.

Ein sehr umfassender Verlag ist der Lehrpädagogische Verlag (abgekürzt: Utschpedgis). Dieser Verlag ist der Verlag des Mini­steriums für Volksbildung der Russischen Föderativen Sowjetrepu­blik, besitzt aber in Wirklichkeit für die gesamte Union Bedeutung. In dem Lehrpädagogischen Verlag sind Lehrbücher für die Grund­schule, die Mittelschule und die Hochschule erschienen. In Grund ­und Mittelschule sind jetzt typisierte oder »stabile« Lehrbücher ein­geführt worden. Diese Bezeichnung ist nach der Schulreform an­fangs der 3oer Jahre entstanden, als ein Wettbewerb zur Abfassung von Schullehrbüchern für sämtliche Fächer veranstaltet wurde und auf Grund dieses Wettbewerbs die besten Lehrbücher heraus­gegeben wurden. Jetzt benutzen die Schüler jahraus, jahrein die gleichen Lehrbücher, und neue Abänderungen werden von den Autoren nur in Verbindung mit den Änderungen der Schullehr­pläne vorgenommen.

Neben den Lehrbüchern gibt der Verlag auch Lehrmittel heraus. Hierzu gehören Chrestomathien, Schulatlanten, Bilder für den An­schauungsunterricht u. dgl.

Nicht alle Lehrbücher für die Hochschule werden von dem Lehr­pädagogischen Verlag herausgegeben. Die Hochschulbildung in der UdSSR ist dem Ministerium für Hochschulbildung unterstellt, das das Recht besitzt, die Ausgabe von Lehrbüchern auch auf andere Verlage zu übertragen, je nach dem Spezialgebiet der betreffenden Hochschule. Tatsächlich führt der Lehrpädagogische Verlag die Aufträge zur Herausgabe von Lehrbüchern für die pädagogischen Institute aus.

Das Redaktionskomitee des Verlags besteht vor allem aus ge­lehrten Methodikern; viele Mitglieder des Komitees gehören zum Personalbestande der Akademie der Pädagogischen Wissenschaften.

Ein anderer Verlag, der für die jüngere Generation arbeitet, ist der Verlag für Kinderliteratur (abgekürzt: Detgis). Dieser Verlag veröffentlicht Bücher für Kinder von zwei Jahren (Bilderbücher und Reime zum Lautlesen) bis sechzehn Jahren. Der Detgis be­schäftigt einen weiten Kreis von Autoren. In sein Bereich fällt die Herausgabe von Gesammelten Werken der Klassiker, für Kinder bearbeitet; Ausgewählte Werke von Puschkin, Gogol, Ler­montow, Gorki, Andersen, Bret Harte, Cooper, Wells, Dickens und anderen Autoren sind im Detgis erschienen. Der Detgis ver­öffentlicht die Bücher in Massenauflagen, d. h. in Zehntausenden und bisweilen in Hunderttausenden von Exemplaren. Den Kinder­büchern wird in der UdSSR sowohl von seiten der Verlagsorgani­sationen als auch von seiten der Schriftstellerwelt große Aufmerk­samkeit zuteil. Während der 30 Jahre der Sowjetmacht wuchs die Herausgabe von Kinderliteratur auf das Zehnfache.

Eine Reihe talentierter Schriftsteller ist hervorgetreten, die sich auf Werke für das Kindesalter spezialisiert haben. Von den Kinder­schriftstellern erwähnen wir Lew Kassil, einen der unter den Schülern beliebtesten Autoren, und Agnija Barto - ihre Verse für die Allerkleinsten sind den Kindern der gesamten UdSSR bekannt. Die Kindergedichte von Samuil Marschak und von Cornej Tschu­kowskij erscheinen gleichfalls in Riesenauflagen.

Der Detgis hat einen ausgezeichneten »Kinderkalender« mit Zeich­nungen, Aufgaben, Versen und anderem für Kinder interessanten Material veröffentlicht.

Die Bücher des Detgis verlangen eine besonders sorgfältige Aus­stattung: einen starken Einband, gute Illustrationen, eine klare, leserliche Schrift - das sind die Anforderungen, die der kleine Leser an das Äußere des Buches stellt.

Der Verlag Iskusstwo (Die Kunst) druckt Bücher über die Kunst. Eine alte Weisheit lautet: »Die Kunst ist einmalig; ihr Ausdruck tausendfältig.« In Übereinstimmung hiermit sind auch die Aufgaben dieses Verlages sehr vielseitig. Er druckt Theaterstücke, Memoiren von Künstlern, Sammelwerke von Bildreproduktionen, die dem Schaffen von Künstlern gewidmet sind, Alben sowie Lehrbücher der Ästhetik und der Kunsttheorie usw.

Ein Spezialverlag, der Staatliche Musikverlag (abgekürzt: Mus­gis), gibt Noten und Bücher über musikalische Fragen heraus: Musikgeschichte, Theorie der Musik, Orchesterkunde u. dgl.

Bei der Popularität der sowjetischen Musik besteht nach den sowjetischen musikalischen Veröffentlichungen im Auslande große Nachfrage.

Nun kommen wir zu den zahlreichen amtlichen Verlagen. Dies sind vor allem die Verlage der einzelnen Ministerien. Jedes von ihnen gibt Bücher über sein Spezialgebiet heraus, und da die Mehr­zahl der Ministerien das Wirtschaftsleben - die Gebiete der Pro­duktion und der Verteilung - lenkt, so werden in den amtlichen Verlagen vor allem Bücher technisch-wirtschaftlichen Inhalts ver­öffentlicht.

So erscheinen z. B. im Verlage des Ministeriums der Leichtindu­strie Bücher über einzelne Industriezweige: über polygraphische Industrie, über Papierproduktion, über Textilindustrie u. dgl.

In den Jahren seit der Errichtung der Sowjetmacht wuchs der Umfang der Herausgabe von Büchern für alle Wissensgebiete gegen­über der vorrevolutionären Zeit unermeßlich. So erschien z. B. in den 30 Jahren der Sowjetmacht 24mal soviel landwirtschaftliche Literatur wie in den vorangegangenen 200 Jahren. Die Auflagen der technischen Literatur stiegen auf das 13fache, der medizinischen Literatur auf das 10fache.

Das Werk von K. Timirjasew: »Das Leben der Pflanzen« erschien in den Jahren der Sowjetmacht mehrfach in russischer und anderen Sprachen der Völker der UdSSR. Insgesamt kamen von diesem Buch über 200 000 Exemplare heraus. Interessant ist, daß es vor der Revolution von 1917 nur einmal in einer Auflage von 39 000 Exem­plaren erschienen war.

Unter den der Leitung einzelner Ministerien unterstehenden Ver­lagen nimmt der Staatliche Militärverlag (abgekürzt: Woengis) eine besondere Stellung ein. Dies ist ein Verlag, der für das Ministerium der bewaffneten Streitkräfte der UdSSR arbeitet. Die sowjetische Armee ist eine große Schule, in der das Kriegshandwerk im weitesten Sinne des Wortes gelehrt wird. Ein Netz von Militärlehranstalten, angefangen von den Suworow-Schulen für Schüler von acht bis achtzehn Jahren und endigend mit der Akademie des Generalstabs, die die fähigsten höheren Offiziere absolvieren, wird von diesem Verlage bedient. Der Militärverlag veröffentlicht außer Lehrbüchern über Taktik und militärischen Kartenwerken auch eine Bibliothek für schöngeistige Literatur, geographische Bücher usw. In dem Ver­lage gibt es Bücher über Kriegsgeschichte, ernste wissenschaftliche Arbeiten über Kriegsprobleme, eine Bibliothek der Klassiker der Militärwissenschaften. In ihm wurden die Werke Napoleons I. und die Biographien von Kutusow und Suworow herausgegeben.

Bei aller Einheitlichkeit des Verlagswesens besteht eine erheb­liche Spezialisierung einzelner polygraphischer Unternehmungen. $o werden Noten im Musikverlag, geographische Wandkarten und Atlanten im Kartographischen Verlag usw. herausgegeben.

Jeder Verlag besitzt in der Regel seine eigene Druckereibasis; es kommt aber auch vor, daß die Druckereien verschiedene Verlage bedienen. Die Leitung des Ogis stimmt die Pläne ihrer einzelnen Verlage unter dem Gesichtspunkte der rationellsten Ausnutzung der polygraphischen Mittel ab.

Eine gewisse Standardisierung in der Produktion von Papier für Bücher und Zeitungen ist erzielt worden; diese Standardisierung gewährleistet eine rationelle Produktion. Bestimmte Papierformate sind gesetzlich festgelegt.

Für die Einreichung von Manuskripten an die Druckereien bestehen einheitliche Vorschriften. Von den Verlagsredaktionen wird die Ein­haltung eines bestimmten Niveaus der Druckvorbereitung der Bücher verlangt; jedwede Abweichung von diesem Niveau, die überflüs­sigen Aufwand für Satz, Korrekturen u. dgl. nach sich zieht, können von der Druckerei dem Verlage zur Last gelegt werden.

In der UdSSR widmet man der Ausstattung des Buches große Aufmerksamkeit. Laut Beschluß des Ministerrates der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik wurde im Jahre 1946 eine Ausstellung für künstlerische und polygraphische Ausstattung des Buches in Moskau veranstaltet. Der Eröffnung der Ausstellung ging die Arbeit eines Spezialkomitees voraus, das die besten Aus­stattungsmuster der Bücher, die in den Jahren 1 944 bis 1 946 er­schienen sind, auswählte. Auf der Ausstellung wurden Tausende von Büchern verschiedener Verlage über die verschiedensten Fragen ausgestellt.

In der UdSSR liebt man das Buch und sammelt Bücher. Die Buchliebhaber suchen das alte Buch. Läden für alte Bücher oder »bukinistische« Magazine gibt es in jeder großen Stadt: im Zentrum von Moskau und auf dem Newskij- Prospekt in Leningrad gibt es ihrer besonders viele. In den bukinistischen Magazinen stauen sich die Bücherliebhaber, die Kenner von Erstausgaben, seltenen Büchern, Illustrationen, Exlibris sind. Unter den Verkäufern gibt es Leute mit vielseitiger Bildung. Auf dem Newskij- Prospekt in Leningrad befindet sich der »Buchsalon« des Verbandes sowjetischer Schrift­steller. Hier werden die Bücherwünsche der Schriftsteller registriert; der »Buchsalon« sammelt Literatur entsprechend den Anforde­rungen seiner Besteller. In Moskau dient der »Buchladen« der Schrift­steller dem gleichen Zwecke.

Privatbibliotheken sind in der UdSSR mitunter sehr umfang­reich. In der gesamten Union ist die hervorragende Bibliothek von Erstausgaben russischer Schriftsteller, die der Schauspieler Smirnow­ Sokolskij gesammelt hat, bekannt. Der verstorbene Dichter Demjan Bednyj besaß eine riesige Bibliothek, die der Staat später von seinen Erben erwarb.

Die Nachfrage nach Büchern ist groß, und gewöhnlich werden sie sehr schnell ausverkauft. In vielen wissenschaftlichen und gesellschaft­lichen Anstalten gibt es Bücherkioske. Auf den Kongressen der Ge­lehrten Gesellschaften, auf den Parteitagen und -konferenzen, auf den Lehrerkongressen sind die Bücherkioske unentbehrlich. Von Zeit zu Zeit werden sowohl für jedermann zugängliche wie auch geschlossene Bücherbasare veranstaltet. Der jedermann zugängliche Buchbasar in Moskau, mit einer Menge von fliegenden Verkaufs­ständen, wird zu Beginn des Herbstes auf dem Twerskoj-Baulevard, nicht weit vom Puschkin-Denkmal, abgehalten. In jenen Tagen erinnert der Twerskoj-Boulevard an das Seine-Ufer in Paris. Greise Gelehrte, Kunstkenner und Schriftsteller in breitkrempigen Hüten, junge Leute, die erst ins Leben treten und bereits Bücher lieben, alle bilden eine lärmende Menge um die Verkaufsstände. Im Frühjahr wird der traditionelle Bücherbasar in Moskau im Klub­gebäude des Verbandes sowjetischer Schriftsteller eröffnet. Unter lebhafter Beteiligung finden die Bücherauktionen statt, die unter Teilnahme angesehener Schriftsteller und Künstler organisiert werden.

Die Bekanntgabe des Erscheinens neuer Bücher erfolgt durch die Buchkammer und durch das Netz der Bibliotheken sowie auch durch die Presse. Die Buchkammer gibt jede Woche eine »Buchchronik« heraus, in der die Verzeichnisse der neuen Bücher über die ein­zelnen Zweige des Wissens mit kurzen Inhaltsangaben veröffent­licht werden.

Die Bibliotheken händigen den Lesern Verzeichnisse der Neu­erscheinungen aus und veranstalten außerdem ständige Ausstellun­gen von neuen Büchern.

Die Buchkammer verschickt ihre 25 Pflichtexemplare an die größten Bibliotheken der UdSSR, darunter auch an die Lenin­- Staatsbibliothek in Moskau, an die Staatsbibliothek »Saltykow­ Schtschedrin« in Leningrad, an die Bibliothek der Akademie der Wissenschaften, an die Bibliothek des Institutes Marx-Engels-Lenin und an andere.

Die Mehrzahl der öffentlichen Bibliotheken nimmt einen Bücher­austausch untereinander vor und veröffentlicht Dublettenverzeich­nisse.

Der größte Teil der Bibliotheken erhält die Bücher durch die so­genannten Zentralen für Buchverteilung. An diese Zentralen ge­langen die Bücher für die Bibliotheken unmittelbar aus der Druckerei, damit sie nicht in den Läden von Privatpersonen aufgekauft werden. Auf diese Weise haben die Bibliotheken vor den Privatkäufern den Vorrang.

Die Lenin-Staatsbibliothek in Moskau ist die größte Bibliothek der UdSSR, und eine der bedeutendsten in der Welt. Sie enthält ungefähr zehn Millionen Bücher. Die Grundlage dieser Bibliothek bildet die Büchersammlung des sogenannten Rumjanzew-Museums, das von dem Grafen N. P. Rumjanzew, einem Würdenträger unter der Regierung Alexanders L, gegründet worden ist. Jedoch stellt die Bibliothek von Rumjanzew im Buchbestande der heutigen Lenin-Staatsbibliothek nur ein kleines Teilchen dar.

In der Lenin-Staatsbibliothek ist ein besonderes »Museum des Buches« vorhanden. Hier werden die allerseltensten Buchexemplare, die es in der Bibliothek gibt, aufbewahrt.

Jeder Bürger der UdSSR hat laut Gesetz das Recht des freien Zutritts in jede beliebige Bibliothek. Die Vorschriften für den Besuch und die Registrierung sind außerordentlich erleichtert, und die Lese­säle sämtlicher öffentlicher Bibliotheken, die nicht weniger als 12 Stunden am Tage geöffnet sind, pflegen gewöhnlich voll zu sein. Für Kinder haben viele «Öffentliche und andere Bibliotheken gewöhn­lichen Typs besondere Lesesäle geschaffen.

Um zu gewährleisten, daß der Leser die gewünschten Bücher erhält, haben die öffentlichen Bibliotheken bibliographische Büros und Auskunftsabteilungen eingerichtet. Im bibliographischen Aus­kunftsbüro der Lenin-Staatsbibliothek kann der Leser eine quali­fizierte Auskunft über die Bibliographie der mannigfaltigsten wissenschaftlichen Themen erhalten. An die Lenin-Staatsbibliothek wenden sich mit solchen Anfragen Einzelpersonen und auch Be­hörden, vom Ministerrat angefangen bis zum wissenschaftlichen Institut. Das bibliographische Auskunftsbüro besitzt ein bedeuten­des Archiv von im voraus vorbereiteten Auskünften, das ständig durch neues bibliographisches Material ergänzt wird. Die Bibliothek hat das Recht, von der Beratung durch Gelehrte Gebrauch zu machen. Diese Beratung ist auch den Lesern zugänglich.

Die Bibliothek verfügt über einen riesigen Autorenkatalog und einen systematischen Katalog. Gegenwärtig wird auch ein Real­katalog für den Druck vorbereitet.

Ins Ausland gelangt das sowjetische Buch durch die Aktiengesell­schaft Meshdunarodnaja Kniga (Das Internationale Buch). Dieser Aktiengesellschaft ist auf der Grundlage der bestehenden Gesetz­gebung über das Staatsmonopol des Außenhandels die Berechtigung zum Export und Import von Büchern eingeräumt worden.

Die genannte Aktiengesellschaft stellt für den Export ein be­stimmtes Kontingent der in der UdSSR erschienenen Bücher bereit, um die ausländische Nachfrage nach dem sowjetischen Buch zu befriedigen. Diese Nachfrage wächst von Jahr zu Jahr.

Die Aktiengesellschaft Meshdunarodnaja Kniga verteilt durch ihre Agenten im Auslande die Verzeichnisse über sowjetische Neu­erscheinungen und nimmt Bestellungen hierauf entgegen.

Das ausländische Buch erhält man in der UdSSR gleichfalls durch die genannte AG. Die Anstalten und die Organisationen, die aus­ländische Bücher brauchen, richten ihre Bestellungen an die Aktien­gesellschaft und erhalten von ihr die benötigten Bücher.

Die Einfuhr von Büchern in allen Sprachen in die UdSSR erfolgt zollfrei. Privatpersonen, die über Devisen verfügen, haben das Recht, ausländische Bücher zu bestellen und sie in das Land zu ihrer persönlichen Benutzung (d. h. nicht zum Zwecke des Handels) frei einzuführen. Was die Gelehrten betrifft, so kommt der Staat ihrem Interesse am ausländischen Buche entgegen und stellt ihnen bestimmte (und nicht geringe) Devisenbeträge zur Verfügung, damit sie durch die Aktiengesellschaft Meshdunarodnaja Kniga Bücher aus dem Auslande erwerben können. Der Autor des vorliegenden Buches genießt in seiner Eigenschaft als Professor der Moskauer Staatsuni­versität dieses Recht seit I S Jahren, er hat es auch während der Kriegsjahre ausüben können.

Bestellungen persönlichen Charakters werden gleichfalls durch die Buchabteilung der Akademie der Wissenschaften der UdSSR ausgeführt. Den Gelehrten steht eine reichhaltige Auskunftsbibliothek von ausländischen Buchkatalogen zur Verfügung, aus dem die sowje­tischen Besteller ausländischer Literatur erfahren können, was in der Welt neu erschienen ist. Die sowjetischen Besteller bezahlen die ausländischen Bücher mit Sowjetrubeln, wobei die fremde Valuta zum Nominalkurs verrechnet wird.

Wir haben uns bei der Darlegung dieses Themas deshalb so lange aufgehalten, weil wir dem ausländischen Leser die ganze Abge­schmacktheit und die Grundlosigkeit der Erzählungen über den »Eisernen Vorhang«, der die UdSSR vom Auslande sozusagen absperren soll, vor Augen führen wollen. Der Verfasser dieser Zellen begegnete beim Bezuge ausländischer Literatur keinerlei Schwierig­keiten, abgesehen von den durch die Kriegszeit verursacht gewesenen natürlichen Verzögerungen.

Die großen Bibliotheken der UdSSR verfügen über faktisch unbegrenzte Devisenfonds zum Ankauf von Büchern. Die Lenin­-Staatsbibliothek erhält aus England und Amerika alles Wert­volle, was in diesen Ländern erscheint. Auf ein Buch, das in den Jahren 1918-1945 aus der UdSSR für die britischen Biblio­theken bestellt worden ist, kommen n i c h t w e n i g e r a 1 s 15 bri­tische Bücher, die die Bibliotheken der Sowjetunion bezogen haben, obgleich die Zahl der Buchtitel, die jährlich in der UdSSR erscheinen, im Durchschnitt ungefähr das Zwei- bis Zweieinhalbfache der Zahl der Neuerscheinungen in Großbritannien beträgt.

In Moskau und in Leningrad gibt es Spezialbibliotheken für aus­ländische Bücher. Die Moskauer Bibliothek für ausländische Literatur ist die größte Bibliothek dieser Art in Europa. Sie stellt sich die Sonderaufgabe, die sowjetischen Leser mit der schöngeistigen und der kritischen Literatur des Auslandes bekannt zu machen. Abgesehen von dem regulären Buchverleih an Zehntausende von Lesern, und zwar von Büchern in vielen europäischen und asiatischen Sprachen, orga­nisiert die Bibliothek allwöchentlich Referate über Neuerscheinungen von Büchern und Klassikern in der betreffenden Sprache. In der Bibliothek fanden im Laufe der letzten Jahre Referate durch fremde Schriftsteller, Literaten und Kritiker, und zwar durch Aragon, Priestley, Feuchtwanger u. a., statt.

Die Bibliothek besitzt Devisenfonds zum Ankauf von Büchern. Die Regierung der Spanischen Volksrepublik überreichte seinerzeit der Bibliothek als Geschenk eine bedeutende Kollektion von Büchern in spanischer Sprache. Auch die Regierung der jugoslawischen Volks­republik überwies eine solche Gabe. Der British Council schenkte der Bibliothek eine Reihe von englischen Büchern durch die All-Unions­-Gesellschaft für kulturelle Verbindung mit dem Auslande.

Die unversehrte Erhaltung des Buches ist die Grundforderung, die die Bibliothek an die kultivierten Leser stellt. Die Sowjetmenschen haben mit Empörung von der Verbrennung von Büchern in Hitler-­Deutschland, von dem Autodafe gehört, bei dem die Wilden des 20. Jahrhunderts die Werke von Tolstoi und Heine, von Gorki und Feuchtwanger, von Lenin und Thomas Mann auf den Plätzen Berlins und Leipzigs, Nürnbergs und Münchens verbrannt haben. Es kam der Krieg, und die Hitler-Okkupanten plünderten die Bibliotheken von Kiew, Charkow, Minsk und Riga, von Odessa und Smolensk und vielen anderen Städten der UdSSR und zün­deten sie an.

Nach der Vertreibung der Hitler-Okkupanten besuchte der Autor der vorliegenden Arbeit Kiew, Odessa, Minsk, Stalino, Makejewka, Gorlowka, Kalinin und andere Städte. Im Donezbecken erreichte der Hunger nach Büchern ein besonders hohes Ausmaß. Von den früheren großen städtischen und Hochschulbibliotheken war oft­mals keine Spur mehr übriggeblieben, alles hatten die Hitler-Okku­panten vernichtet, sie handelten vorsätzlich - sie wollten die Herde der Kultur im Sowjetlande vernichten. Die Bibliothekare wurden verfolgt, die Bücher verbrannt.

Es ist rührend, zu sehen, mit welcher Liebe die Bewohner die wiederhergestellten Gebäude der Bibliotheken und der Lesehallen umhegen, wie sie zufällig gefundene Bücher in die Bibliotheken bringen, wie sie sich um die Vermehrung des Buchfonds kümmern. Vieles haben zur Wiederherstellung der Bibliotheken die anderen Bibliotheken der UdSSR getan, indem sie aus ihren Dubletten eine große Menge von Büchern für sie absonderten. Es werden ganze Jahrzehnte notwendig sein, um die zerstörten Denkmäler der Kul­tur wieder aufzurichten, und viele von ihnen werden wohl in der früheren Gestalt überhaupt nicht wieder hergestellt werden können. Den Verlagen, den Bibliotheken, den Redaktionen, den Drucke­reien, den Schriftstellern liegt die edle Aufgabe ab, in den von den Hitler-Okkupanten befreiten Städten und Dörfern der Sowjet­union wieder einen Buchfonds zu schaffen. noch oben

Kapitel V

Das sowjetische Schrifttum nach dem Kriege

Der Krieg ist beendet, die sowjetische Presse steht vor neuen Aufgaben.

In den Kriegsjahren hat die sowjetische Presse nicht wenige Schwierigkeiten durchgemacht. Der Mangel an Papier und an Ar­beitskräften, die Vernichtung der polygraphischen Basis "in den von der Hitlerarmee besetzten Teilen der UdSSR - dies alles mußte zu einer Verminderung der Zahl der Zeitschriften und der Zeitungen, zu einer Verringerung ihres Umfanges und ihrer Auflagen, zu einer Verminderung der Zahl der herausgegebenen Bücher führen.

Im Verlaufe des ersten Jahres nach dem Kriege machten sich noch seine Folgen bemerkbar. Der Mangel an Papier war noch nicht behoben. Viele wertvolle Veröffentlichungen konnten nicht sofort wiederaufgenommen werden. Über die Wiederaufnahme anderer Veröffentlichungen sprach man noch Anfang 1947, da das Manu­skript zu diesem Buch beendet war, wie von einer Zukunfts­angelegenheit. Die Zeitungen, unter ihnen auch solche wie die Prawda und die Iswestija, sind genötigt, sich auch weiterhin mit vier Seiten zu begnügen.

Es sind aber schon Anzeichen einer wirklichen Besserung vor­handen. Ogonjok hat die Herausgabe der »Beilagen« zu der Zeit­schrift wiederaufgenommen. Dadurch ist eine alte Tradition, vor. der wir in den Jahren des Krieges nur träumen konnten, wieder­hergestellt worden. Als Beilage zu Ogonjok werden ausgewählte Werke von Gorki, die Neuausgabe des »Stillen Don« von Michail Scholochow, der »Jungen Garde« von Fadejew, von Alexej Tolstoi »Peter L« und die Bibliothek der Erzählungen und der Gedichte sowjetischer Autoren (kleine ungebundene Büchlein) geliefert. Der Verlag der Akademie der Wissenschaften hat seinen Prospekt für das Jahr i946/47 gedruckt, der angibt, welche Bücher während dieser Zeitspanne erschienen sind. Der neue Verlag für ausländische Literatur hat sehr umfassende Aufgaben und Möglichkeiten; dar­über haben wir schon vorstehend gesprochen.

In der sowjetischen Nachkriegspresse ist das hervorstechendste Merkmal der Optimismus.

Vergleicht man die sowjetische Nachkriegspresse in ihrer Gesamt­heit mit der Auslandspresse, so muß man feststellen, daß in der Sowjetpresse von der Gefahr eines dritten Weltkrieges fast über­haupt nichts geschrieben wurde, während in der Presse der USA, Großbritanniens oder z. B. auch in der schwedischen Presse über dieses Thema Hunderte und Tausende von Artikeln geschrieben worden sind. Die Sowjetpresse behauptete hartnäckig, und behauptet immer und immer wieder, daß für ein erfolgreiches Arbeiten der UN friedliche Möglichkeiten gegeben sind, daß man die Hoffnung auf einen günstigen Ausgang der internationalen Konferenzen nicht verlieren soll, daß die mit Blut zusammengeschweißten Bündnisse auf die Interessen und die Brüderlichkeit der freiheitliebenden Völker gegründet sind. In der Sowjetpresse begegnet man mit Em­pörung allen Äußerungen über den unüberbrückbaren Gegensatz zwischen »West« und »Ost«, und jene, die auf dieser Grundlage die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses des »Westens« gegen den »Osten« verkündet haben, sind in der Sowjetpresse als »Kriegs­hetzer« bezeichnet worden. Aber die Sowjetpresse behauptete, daß die Kriegshetzer wohl kaum Erfolg haben werden, da die Völker nicht die Absicht haben, sich für sie zu opfern.

In Anbetracht solcher empörender Hetze und Verleumdung, der die Sowjetpresse von seiten der ausländischen reaktionären Presse ausgesetzt ist, lenkt der Charakter der Polemik der sowjetischen Presse gegen die ausländischen Journalisten die Aufmerksamkeit auf sich. So leidenschaftlich das Auftreten der sowjetischen Presse­organe war, so waren ihnen doch stets ein Zähnefletschen und ein nationaler Chauvinismus fremd. Die Sowjetpresse unterrichtet die öffentliche Meinung über die Ereignisse und kommentiert sie, mit­unter sind die Kommentare von einer Polemik begleitet; aber bei

dieser Polemik hütet sich die Sowjetpresse, Völker und ganze Län­der mit den Äußerungen verantwortungsloser Journalisten und reaktionärer Politiker zu identifizieren. Die Sowjetpresse bringt Auszüge und vollständige Texte von Reden und Kundgebungen ausländischer Politiker, darunter auch von solchen, die gegen die UdSSR gerichtet sind; mit diesen Reden und Kundgebungen pole­misiert die Sowjetpresse, und mitunter polemisiert sie ziemlich scharf. Aber sie läßt sich in eine Polemik nicht um dieser selbst willen ein, sie tut dies im Namen des Friedens und der Sicherheit ihres eigenen Landes und der Sicherheit anderer friedliebender Völker.

In diesem Zusammenhange muß hervorgehoben werden, daß die Sowjetpresse noch niemals den Fragen der kulturellen Verbindung mit dem Auslande so viel Aufmerksamkeit zugewandt hat, wie dies in der Nachkriegszeit der Fall war. Fußballspiele sowjetischer Sportsleute mit ausländischen Sportsleuten, Schachturniere, Aufent­halt sowjetischer Gelehrten in den Ländern des Westens und des Ostens, der Besuch ausländischer Künstler und ihre Gastrollen in der UdSSR, alle diese Tatsachen und ähnliche werden regelmäßig in der Sowjetpresse bekannt gemacht. Die Sowjetpresse stellt ihre Spalten den Äußerungen der ausländischen Gäste der UdSSR gast­freundlich zur Verfügung und bringt auch Bemerkungen von Sowjetmenschen über die Nachbarländer.

Die Einstellung auf den Weltfrieden und auf eine ausgedehnte Entwicklung der kulturellen Beziehungen, dies ist nach dem Kriege sozusagen die allgemeine Einstellung der Sowjetpresse in den inter­nationalen Beziehungen.

Die Sowjetpresse freut sich aufrichtig über die Erfolge der Demo­kratie in den anderen Ländern. Auf dem Gebiete der innerpolitischen Fragen und der Darstellung des Lebens im Innern herrscht der gleiche Ton des Optimismus.

Über die Zukunft spricht man in beschwingtem Tone. Der Plan der Wiederherstellung und der Entwicklung der Volkswirtschaft in der UdSSR für die Jahre 1946 bis 1950 hat in der Presse einen breiten Raum eingenommen. Das ist nicht einfach die Rückkehr zur Friedenszeit; das ist eine Weiterentwicklung der Planung auf eine höhere Stufe als früher. Es ist das Vertrauen in die eigene Kraft, hervorgerufen durch den Sieg in dem größten Ringen der Welt­geschichte.

Die Presse spiegelt das Selbstbewußtsein des Sowjetvolkes wider, das während der Kriegsjahre noch gestiegen ist. Mögen mich meine Leser recht verstehen, das Selbstbewußtsein des sowjetischen Volkes hat nichts gemein mit dem nationalen Chauvinismus, von dem die offiziöse Presse des zaristischen Rußlands widerhallte. Aber die Herabsetzung der Rolle der Völker der UdSSR, die Ausfälle gegen die Sowjetmacht, die vom Snobismus aristokratischer Salons oder von der faschistischen Wut widerhallen, läßt die Sowjetpresse nicht unbeantwortet.

Hinsichtlich gewisser Ereignisse des Sowjetlebens kann man, wie immer, eine »Selbstkritik« der Sowjetpresse bemerken, d. h. eine Kritik der eigenen Mängel zum Zwecke ihrer Behebung.

Den Fragen der Familie und des alltäglichen Lebens widmet die Sowjetpresse besonders große Aufmerksamkeit. Die angelsächsischen Journalisten bezeichnen die Artikel und die Ausführungen der Sowjetpresse über diese Fragen als dem Geiste nach konser­vativ. Die Sowjetmenschen verurteilen jene, die den Krieg zum Vorwand nehmen, sich ihren familiären oder ihren anderen Ver­pflichtungen zu entziehen: die Presse ist in dieser Beziehung ein Spiegelbild der sowjetischen öffentlichen Meinung.

Die Achtung gegenüber der Wissenschaft und die Achtung gegen­über ihren Trägern, den Gelehrten, sind durch die Sowjetpresse im Verlaufe vieler Jahre den Sowjetmenschen anerzogen worden. Jetzt, nach dem Kriege, stellt die Sowjetpresse in noch ausgedehnterem Maße als früher ihre Spalten den Berufsgelehrten für Abhandlungen über wissenschaftliche Themen sowie für Kundgebungen zur Ver­fügung. In dieser Beziehung spiegelt die Presse die Steigerung des kulturellen Niveaus der Leser.

Der Leser ist geistig gewachsen, und damit sind auch seine An­forderungen gegenüber dem Sowjetschrifttum gestiegen, von dem er die Befriedigung seiner vielseitigen und immer weiter wachsenden Ansprüche verlangt.

Den wissenschaftlichen Instituten liegt es ob, jene Bucherzeugung, die während der Kriegsjahre vorbereitet worden ist, in den Ferti­gungsprozeß zu geben. Die wissenschaftlichen Arbeiten sind Rechen­schaftsberichte über das Schaffen jedes einzelnen Gelehrten, wie die literarischen Erzeugnisse Rechenschaftsberichte jedes Schriftstellers sind: der Leser beurteilt den Schriftsteller und den Gelehrten nach ihren Arbeiten, die sie während des vergangenen Planjahrfünfts zum Druck fertiggestellt haben.

Von der Druckerei wird jetzt eine beträchtliche Verbesserung der polygraphischen Technik verlangt. Es sollen gut ausgestattete, ja sogar Luxusausgaben erscheinen, die viele Jahre lang in den Regalen der Bibliotheken und in den Händen des Lesers verweilen werden.

Im Fünfjahresplan der Wiederherstellung und der Entwicklung der Volkswirtschaft in der UdSSR für die Jahre 1946 -1950 ist über die Papierindustrie u. a. folgendes gesagt:

»Die Papierindustrie muß 1948 wiederhergestellt sein und weiter­entwickelt werden; die Papiererzeugung ist 1950 gegenüber dem Vorkriegsstand um 65 Prozent zu steigern, wobei eine beträchtliche Zunahme der Herstellung von gebleichtem Qualitätspapier sicher­gestellt werden muß.«

Aus diesem Programm geht nicht nur die Notwendigkeit einer Wiederherstellung, sondern auch die Notwendigkeit einer beträcht­lichen Ausdehnung der typographischen Basis klar hervor. Ein Be­weis hierfür ist auch jener Abschnitt des Fünfjahresplans, der der Steigerung des materiellen und des kulturellen Lebensniveaus des Sowjetvolkes gewidmet ist.

Und in der Tat, das Anwachsen der polygraphischen Basis und die Steigerung der Papierproduktion ergeben sich aus diesem Teile des Planes auf ganz natürliche Weise.

Die Steigerung der Bücherproduktion ist insbesondere auch des­halb notwendig, damit die Schüler der Grund- und der Mittel­schulen und die Besucher der Hochschulen, deren Zahl sich erheblich erhöht hat, mit den laut Plan vorgesehenen Lehrmitteln ausgestattet werden können.

Auch die im Plan vorgesehenen Maßnahmen zur Ausdehnung des Netzes wissenschaftlicher Forschungsinstitute und zur Unterstützung der Gelehrten zwecks Schaffung der für ihre Arbeiten günstigsten Bedingungen, sollen gleichfalls zur Steigerung der Buchproduktion mit beitragen.

Der Plan ordnet als eine der Grundaufgaben dieses Abschnittes an: »Die in den besetzt gewesenen Gebieten vom Feind zerstörten Schulen, Lehranstalten, wissenschaftlichen Institutionen, Museen, Theater, Lichtspielhäuser, Klubs, Bibliotheken und Dorf-Lesestuben sind wiederherzustellen.«

In allen Fällen bildet die Wiederherstellung des Buchfonds der aufgezählten Institutionen einen Teil des allgemeinen Programms. Die Mitarbeiter des sowjetischen Schrifttums schauen mit Zuver­sicht in die Zukunft. Sie sind überzeugt, daß sie die ihnen gestellten Aufgaben meistern werden.

In die Zahl der im Schrifttum Tätigen hat sich eine neue Gene­ration eingereiht, der in den Gewitterstürmen der kriegerischen Ereignisse eine Bereicherung ihrer Erfahrung zuteil geworden ist. »... der Krieg war nicht nur ein Fluch. Er war gleichzeitig eine große Schule der Prüfungen und der Erprobung aller Kräfte des Vol­kes.« ( Stalin, J., Rede in der Wahlversammlung der Wähler des Stalin-Wahlkreises der Stadt Moskau, im. Februar 1946) ­ Auch alle im sowjetischen Schrifttum Tätigen mußten sich diesem historischen Examen unterziehen. Das Sowjetschrifttum hat es mit Ehren bestanden. Ihm, als einem Hüter des Friedens und des errungenen Sieges, wird dieses Bewußtsein in den kommenden Jahren die letzte Kraft für seine Arbeit verleihen. noch oben

ANHANG

Dreißig Jahre sowjetisches Buch

(Auf Grund von Material der Unions-Buchkammer)

Das Buch, das unter den Verhältnissen des zaristischen Rußlands nur einer unbedeutenden Minderheit der Bevölkerung erreichbar war, wurde Millionen erschwinglich. Während der 30 Jahre Sowjetmacht sind 873 000 Bücher in einer Gesamtauflage von 11 Milliarden Exemplaren erschienen, das sind 5mal soviel wie in den vorhergehenden 30 Jahren.

Die Buchproduktion in den Jahren 1918-1947:

1918-1927

1928-1937

1938-1947

Insgesamt

Bücher und Broschüren (in Tsd.)

159,5

443,1

270,1

872,7

Auflage (in 1mill. Exempl.)

1186,3

5579,0

4212,3

10977,6

Druckbogen (in Mill.)

6330,0

27981,4

21173,6

55485,0

Im Jahre 1913 wurden auf den Kopf der Bevölkerung 0,7 Buch­exemplare herausgegeben. Vor dem Großen Vaterländischen Kriege ent­fielen 4,1 Buchexemplare auf den Kopf, das sind fast 6mal soviel. Vor der Revolution (1917) wurden in Rußland Bücher in 49 Sprachen herausgegeben, in der UdSSR erscheinen Bücher in m9 Sprachen. Im Jahre 1913 wurden in verschiedenen Sprachen (außer der russischen) 6,5 Millionen Bücher herausgegeben; in der Sowjetunion erschienen Ende des zweiten Stalinschen Planjahrfünfts (1937) in den Sprachen der ver­schiedenen Nationalitäten (außer der russischen) 134 Millionen Exem­plare, das heißt mehr als 20mal soviel.

Die mittlere jährliche Buchproduktion (in den einzelnen Jahrzehnten) ist aus folgender Tabelle ersichtlich:

im

1.Jahrzehnt

im

2.Jahrzehnt

im

3.Jahrzehnt*)

Bücher (in Tsd.)

16,0

44,3

43,2

Auflage (in Mill. Exempl.)

118,6

557,9

604,1

Druckbogen (in Mill.)

633,0

2798,1

3389,5

*) während der Kriegsjahre im Durchschnitt.

Verglichen mit dem ersten Jahrzehnt ist die jährliche Buchproduktion fast auf das 3fache, Auflagen- und Druckbogenzahl auf mehr als das 5fache gestiegen.

Gegenüber dem Jahr 1913 ist die durchschnittliche Jahresproduktion im ersten Jahrzehnt um 37%, im zweiten Jahrzehnt um 544 % gestiegen. Die Durchschnittsauflage eines Buches ist von 3300 Exemplaren im Jahre 1913 auf 20 000 Exemplare im Jahre 1946 gestiegen, d. i. eine Erhöhung auf reichlich das 6fache.

Bei der Charakterisierung der Tätigkeit unserer Presse sagte Wladimir Iljitsch Lenin im ersten Jahre der Sowjetmacht auf dem VIII. Parteitag der Russischen Kommunistischen Partei (B) (1919): »Alles das, was die bürgerliche Kultur geschaffen hat; um das Volk zu betrügen und die Kapitalisten zu schützen, haben wir ihnen weggenommen, um die poli­tischen Ansprüche der Arbeiter und der Bauern zu befriedigen. Und wir haben in dieser Beziehung so viel getan, wie keine einzige sozialistische Partei während eines Viertel- oder halben Jahrhunderts zu tun ver­mochte. u 1 .

Unter gewaltigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die durch den imperialistischen und den Bürgerkrieg hervorgerufen waren, nimmt eine Reihe neuer Verlage die Arbeit auf. In Massenauflagen erscheinen die Werke von Marx, Engels, Lenin und Stalin. In Auflagen zu Hundert­tausenden gingen die Werke von Puschkin, Gogol, Shukowskij, Krylow, Nikitin, Saltykow, Uspenskij, Tschechow, Gontscharow, Turgenjew, Herzen, Ostrowskij ins Volk.

Im Jahre 1919. »Der Bürgerkrieg ist in vollem Gange, die Partei er­wehrt sich der Feinde, erringt eine Reihe glänzender Erfolge, sie ruft durch die Presse die Arbeiter und die Bauern auf, das sozialistische Vater­land zu verteidigen, Zehntausende, Hunderttausende der werktätigen Massen leisten dem Ruf der Partei mit Hunderten von Resolutionen Folge und gehen an die Front, ohne ihr Leben zu schonen ... « Die Grundform des gedruckten Wortes ist in jenen Jahren die Zeitung. Sie mobilisiert die Werktätigen für den Widerstand gegen den Feind, ruft sie auf, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu überwinden. Unter der geringen Buchproduktion jener Zeit hat die Massenbroschüre den Vorrang. Ungeachtet aller Anstrengungen können die jungen sowjetischen Ver­lage die Pläne der Massenproduktion der besten Bücher für das Volk nicht bewältigen: es fehlt an Papier, Farben, gut arbeitenden Druck­maschinen, an Brennstoff. Das Jahr 1921 ist das Jahr der geringsten Buchproduktion: ihre Ge­samtauflage beträgt 37,8 Millionen Exemplare; sie erreicht nicht einmal die Hälfte der Auflage der Bücher, die im Jahre 19 13 erschienen sind. Die Zahl der Zeitschriften war um ein Drittel geringer, und nur die Zahl der Zeitungen hält sich auf dem Stand von 1913­

Die Buchproduktion in den Jahren 1918-1922:

Jahr

Zahl der Bücher

Aufl. (in Mill. Exempl.)

1918

5142

49,6

1919

6 438

68,2

1920

4498

45,8

1921

5 649

37,8

1922

10 618

50,3

Mit Beendigung des Bürgerkrieges jedoch tritt im Verlagswesen wie auch im gesamten wirtschaftlichen und kulturellen Leben des Landes eine plötzliche Wendung ein. Vom Jahre 1922 an beginnt ein rasches, stetiges Anwachsen der Buchproduktion.

Die Buchproduktion in den Jahren 1923-1927:

Jahr

I Zahl der Bücher

Aufl. ;in Mill. Exempl.)

1923

13 695

77,7

1924

16 946

127;8

1925

30 914

288,6

1926

32 663

217,8

1927

32 906

222,6

Während im Jahre 1923 die Buchauflagen fast den vorrevolutionären Stand erreichen, übersteigt bereits nach einem Jahr die sowjetische Ver­lagsproduktion hinsichtlich der Zahl der Exemplare den Stand des Jahres 1913 um die Hälfte. Bis zum Jahre 1927 erhöht sich die Zahl der Zeitungen auf das 1,3fadie, ihre Tagesauflage auf das 2,8fache, die Zahl der Zeitschriften auf das 1,2fache, die Zahl der Bücher auf das 1,2fache, ihre Gesamtauflage auf das 2,5fache.

Immer mehr werden Bücher für besondere Wissenszweige, Lehrbücher, Bücher der wissenschaftlichen und der schöngeistigen Literatur heraus­gegeben. Die Durchschnittsauflage eines herausgegebenen Buches überragt den Vorkriegsstand um mehr als 100°/ o und steigt auf 6800 Exemplare.

Insgesamt waren im ersten Jahrzehnt der Sowjetmacht 159 000 Bücher in einer Gesamtauflage von 1186 Millionen Exemplaren und mit einer Zahl von 6330 Millionen Druckbogen erschienen.

Im Jahre 1927 war die i. Auflage der Werke von W. I. Lenin beendet worden. Die Gesamtauflage der Werke der Klassiker des Marxismus-­Leninismus belief sich in den zehn Jahren auf 43,4 Millionen Exemplare. »Um zu siegen«, lehrte Lenin, »muß man die Geschichte der bürger­lichen Welt in ihrer ganzen Tiefe kennen, und um den Kommunismus aufzubauen, muß man sich sowohl die Technik als auch die Wissenschaft aneignen und sie für weitere Kreise zur Anwendung bringen.« Während der Wiederaufrichtung der Volkswirtschaft sind die größten Gelehrten des Landes zur Lösung der ökonomischen und der technischen Probleme von großer staatlicher Bedeutung herangezogen worden. Man fing an, neue wissenschaftliche Forschungsinstitute zu schaffen, es ent­standen neue Universitäten und andere Hochschulen, und zwar nicht nur in Moskau, Leningrad und den großen Industriezentren, sondern auch in den entfernt gelegenen nationalen Sowjetrepubliken. Mit jedem Jahre wuchs und erstarkte die Zahl der Wissenschaftler, die von den sowje­tischen Hochschulen in dem Bewußtsein der unlöslichen Verbindung der Wissenschaft und der Interessen des Volkes erzogen worden sind.

Neben Lehrbüchern für die Hochschulen, Handbüchern und Fach­schriften für die höchstqualifizierten Spezialisten, neben wissenschaft­lichen Monographien und populärwissenschaftlichen Broschüren werden die Technische und die Medizinische Enzyklopädie herausgegeben, und es beginnt die Große Sowjetische Enzyklopädie zu erscheinen. In Spezial­ausgaben erscheinen die Klassiker der Philosophie und der Naturwissen­schaft. Am Vorabend des ersten Planjahrfünfts, im Jahre 1927, empfing das Land 6627 wissenschaftliche Veröffentlichungen (20% der Gesamt­zahl der erschienenen Bücher), ihre Gesamtbogenzahl betrug 192 Mil­lionen Druckbogen, das sind 16% der Gesamtbogenzahl der Buchpro­duktion der Sowjetunion. Einen unerhörten Aufschwung nahm das Schrifttum der Nationalitäten. Es wurden besondere Nationalverlage geschaffen sowie ein einheitlicher Zentralverlag der Völker der UdSSR: der Zentroisdat.

Jahr

Zahl der Nationalverläge

Zahl der Bücher

Auflage in Tsd. Exemplaren

1923

12

1511

8312

1924

22

2379

16562

1925

28

3034

25403

Der Anteil der nationalen Ausgaben innerhalb der gesamten Buch­produktion betrug (in Prozenten):

Jahr

Bücher

Druckbogen

1922

11

10

1923

13

11

1924

15

14

1925

24

14,3

Die Entwicklung der nationalen Kultur spiegelte das gesamte kultu­relle Wachstum der ganzen Sowjetunion wider. Gegen Ende des ersten Jahrzehnts der Sowjetmacht wurden Bücher bereits in 61 Sprachen, dar­unter in Sprachen von Völkern, die vor der Revolution kein Schrifttum besaßen (das komi-syrjanische, das kabardinische, das karakalpakische Volk u. a.), herausgegeben.

In der Buchproduktion überholte die Sowjetunion schnell die ent­wickeltsten kapitalistischen Länder, in denen sich die Buchproduktion von Jahr zu Jahr verringerte:

1925

1926

Deutschland

31595

30 064

Frankreich

15 054

11095

England

13 202

12 799

In Sowjetrußland ist die Zahl der erschienenen Bücher von 30914 im Jahre 1925 auf 32653 im Jahre 1926 gestiegen.

Die Buchproduktion der USA für jenes Jahrzehnt zeigt die folgende Tabelle:

Jahr

Zahl der Titel

Jahr

Zahl der Titel

1918

9 237

1923

8 873

1919

8 594

1924

9 012

1920

8 422

1925

9 574

1921

8 329

1926

9 925

1922

8 638

1927

10153

Das reichste Land, das am Weltkriege verdient hatte, gab im Jahre 1927 knapp den 3. Teil der Bücher heraus wie die Sowjetunion, die da­mals eben erst mit der sozialistischen Umgestaltung der Volkswirtschaft begonnen hatte.

In den Jahren I928-I932, in den Jahren des ersten Stalinschen Plan­jahrfünfts, entfaltete sich eine gigantische industrielle Bautätigkeit, es wird eine mächtige sozialistische Industrie geschaffen, die Landwirtschaft auf sozialistischer Grundlage umgestaltet. »Die Geschichte hatte einen solchen Riesenumfang der industriellen Bautätigkeit, ein solches Pathos des Neuaufbaus, einen solchen Arbeitsheroismus der Millionenmassen der Arbeiterklasse noch niemals gesehen.«'

Groß war die Rolle der sowjetischen Presse bei der Durchführung der von der Bolschewistischen Partei gestellten Aufgaben. In diesen Jahren erfuhr sie eine besonders starke Entwicklung und ließ dabei sowohl die Presse des vorrevolutionären Rußlands als auch jene der kapitalistischen Länder weit hinter sich.

Die Buchproduktion in der UdSSR während der Jahre des ersten Stalinschen Planjahrfünfts:

Jahr

Zahl der Bücher in Tsd. Exemplaren

Auflage in Mill. Exemplaren

Zahl der Druckbogen in Mill

1928

32,4

265

1368,7

1929

41,7

394,2

1852,6

1930

50,4

859,1

3019,4

1931

54,0

842,6

3490,4

1932

51,0

548,6

2501

1932 in %

Gegenüber 1913

194,7

632,5

Keine Unterlagen

Gegenüber 1928

149,1

207

182,7

Die Schaffung und Einbürgerung neuer Industriezweige, die Ausbil­dung und Umschulung der Fachkräfte, die Erhöhung des ideenpolitischen Niveaus der breiten Massen der Werktätigen und ihre aktive Heran­ziehung zum sozialistischen Aufbau, die Durchführung des allgemeinen obligatorischen Schulunterrichts riefen einen gewaltigen Strom von tech­nischer, agrotechnischer, gesellschaftspolitischer und Unterrichtsliteratur hervor.

Die Themenwahl der Buchproduktion des ersten Stalinschen Fünf­jahresplans war durch die ihm zugrunde liegenden wirtschaftlichen, poli­tischen und kulturellen Aufgaben bestimmt. Gegen Ende des Planjahr­fünfts hatte sich die Auflage (im Vergleich zum Jahre 1928) Wie folgt erhöht:

Gesellschaftswissenschaft und Politik . . . . . . . . . . auf das 3,1fache

Technik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . auf das 5,6fache

Agrotechnik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . , auf das 5,6fache

Sprachkunde (Lehrbücher für die Muttersprache) . . . auf das 2,0fache

Mathematik und Naturwissenschaft auf das 2,9fache

Die Literatur, die während des ersten Stalinschen Planjahrfünfts er­schienen war, verteilte sich hinsichtlich der Themenwahl in folgender Weise (in Prozenten):

Gesellschaftswissenschaft und Politik

 

42,5

132,1

Industrie, Transport- und Nachrichtenwesen

 

7,7

9,3

Landwirtschaft

8,6

5,6

Mathematik und Naturwissenschaft

6,7

12,7

Sprachkunde (Lehrbücher für die Muttersprache)

8,9

15,7

Schöngeistige Literatur

12,9­

11,6

Das höchste Wachstumstempo der Buchproduktion weisen die Jahre 1930 und 1931 auf. Die Gesamtauflage der Erscheinungen des Jahres 1931 beträgt fast 10mal soviel wie die Auflage von 1913; die durch­schnittliche Auflage eines Buches betrug 1913 3300Exemplare, 1931 15 600 Exemplare.

Während der Jahre des ersten Stalinschen Planjahrfünfts erhielt die Sowjetunion 231 000 Bücher mit einer Gesamtauflage von 2910 Millionen Exemplaren und einer Bogenzahl von 12 Milliarden Druckbogen; das sind 2mal soviel wie im ganzen vorhergegangenen Jahrzehnt. Gegen­über dem Jahre 1913 ist die Gesamtauflage der technischen Literatur auf das 65fache gestiegen.

In den Jahren 1929 und 1930, dem Zeitraum der Kolchosen-Massen­bewegung, ist die Kolchosenbauernschaft, wie auf dem XVI. Partei­tag festgestellt wurde, »zur wirklichen und festen Stütze der Sowjet­macht« geworden. Die rückständige Kleine Warenwirtschaft verwandelte sich in eine sozialistische Groß-Landwirtschaft; das sowjetische Dorf fing an, die Maschinentechnik zu meistern.

Die Nachfrage nach Literatur aller Art über Landwirtschaft stieg kolossal. Gegenüber dem Jahre 1913 hatte sich ihre Auflage im Jahre 1930 auf das 66fache erhöht.

Im ersten Stalinschen Planjahrfünft erreichte die nationale Presse eine unerhörte Blüte. Gegen Ende des ersten Planjahrfünfts (1932) wurden in der UdSSR Bücher in 92 Sprachen herausgegeben, darunter in 74 Spra­chen der Brudervölker, von denen vierzig ein Schrifttum erst nach der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution erhalten hatten.

Vom Jahre 1928-1932 - im Verlaufe von fünf Jahren - sind 2249 Millionen Exemplare von Büchern in russischer Sprache und 661 Mil­lionen, ungefähr 20 % der Gesamtauflage, in anderen Sprachen er­schienen. Vor der Oktoberrevolution betrug die Auflage dieser Bücher

Die Buchproduktion in den Bundesrepubliken

Republiken

In allen Sprachen:

1913

1928

1932

Darunter in der Staatssprache der Republik

1913

1928

1932

RSFSR

75,2

214,6

390,8

70,6

208,5

364

Ukrainische SSSR

10

36,7

110,8

0,4

24,2

96,5

Bjelorussische SSSR

0,2

2,2

9,8

Nicht vorhanden

1,8

8,9

Usbekische SSSR

0,1

2,6

12,8

0,1

1,9

8,7

Kasachische SSSR

0,004

1,5

3,9

0,001

1,5

3,9

Georgische SSSR

1,0

3

7,1

0,4

2,2

5,6

Aserbaidshanische SSSR

0,1

2,4

5,2

0,1

1,7

3,5

Kirgisische SSSR

Nicht vorhanden

0,2

0,7

Nicht vorhanden

0,2

0,7

Tadshikische SSSR

Nicht vorhanden

0,3

2,3

Nicht vorhanden

0,3

2,3

Armenische SSSR

0,1

1,1

2,8

0,04

1,1

2,7

Turkmenische SSSR

0,0004

0,4

1,2

Nicht vorhanden

0,3

1,1

(Auflage in Millionen Exemplaren)

nur 5 % der Gesamtauflage der erschienenen Bücher. Die durchschnitt­liche Auflage eines Buches in den Sprachen der Völker der UdSSR, die russische Sprache nicht inbegriffen, betrug im Jahre 1913 2600 Exem­plare, im Jahre 1928 5000 Exemplare und im Jahre 1932 8700 Exem­plare. Gegenüber 1913 erhöhte sie sich auf das 3,3fache. Das Buch wurde den breiten Massen der Werktätigen des Sowjetischen Staates mit seinen vielen Völkern wirklich zu eigen.

Dutzende von Völkern der UdSSR erhielten die Möglichkeit, die un­sterblichen Werke der Klassiker des Marxismus-Leninismus, die großen Schöpfungen der Klassiker der schöngeistigen Literatur, die besten Werke der zeitgenössischen sowjetischen Schriftsteller in ihrer Muttersprache zu lesen.

Die Tabelle auf S. 142 zeigt augenfällig, wie die Kultur der Völker vom Zarismus schonungslos erdrosselt wurde und wie sie während der Sowjet­zeit aufgeblüht ist. Auf dem Territorium der heutigen Ukraine entfielen von der Gesamtzahl der Erscheinungen auf Bücher in ukrainischer Sprache im Jahre 1913 4 %, im Jahre 1928 66% und im Jahre 1932 87%. In vier Bundesrepubliken begann die Herausgabe von Büchern in den Natio­nalsprachen erstmalig nach der Großen Oktoberrevolution in Hundert­tausenden und Millionen von Exemplaren.

Die Produktion von Büchern in den nationalen autonomen Republiken zeigt ein außerordentlich hohes Wachstumstempo, wie aus nachstehender Tabelle zu ersehen ist:

Republiken

Auflage in Tsd. Exempl.

1913

1932

Burjatisch- Mongolische Republik

0,1

435

Udmurtische Republik

0,3

346

Tschuwarische Republik

2

1653

Mariische Republik

0,9

415

Für die Entwicklung der sowjetischen Kultur sind die Veränderungen, die in der Standortverteilung der Buch-Verlags-Basen erfolgt sind, be­sonders bezeichnend. Allerorts entstanden neue polygraphische Unter­nehmungen, die alten vergrößerten sich. Dies wurde gefördert durch das schnelle Wachstum der Städte und durch die Errichtung von neuen Hoch­schulen und wissenschaftlichen Forschungsinstituten in den Randgebieten.

In der allgemeinen Buchproduktion der Sowjetunion betrug die Auf­lage von Büchern, die in Moskau und Leningrad erschienen sind, im Jahre 1928 75,1 % und im Jahre 1932 61 % . Der Anteil der Buchproduktion

außerhalb der beiden genannten Städte hat sich demnach auf mehr als das il/2fache erhöht.

Dieser große Umschwung in der Standortverteilung der Verlagspro­duktion tritt noch greller hervor, wenn man die Zahlen der Orte, in denen früher Bücher herausgegeben wurden, einander gegenüberstellt: 1928 zählte man in der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjet­republik 266 solche Städte, 1932 waren es bereits 383 (gegenüber 1913, als es deren 229 gab, betrug die Steigerung 67°/ o ).

Gegen Ende des ersten Planjahrfünfts gab es in der Sowjetunion be­reits mehr als 100 Verlage. In den folgenden Jahren hat das Verlagsnetz eine noch größere Verzweigung erfahren: am Vorabend des Großen Vaterländischen Krieges gab es bereits 220 Verlage.

Auf diese Weise ging die Entwicklung des Druckgewerbes in der UdSSR in der ersten Periode seines stürmischen wirtschaftlichen und kul­turellen Fortschrittes vor sich. Der Vergleich der Buchproduktion in der UdSSR mit der in den kapitalistischen Ländern ergibt folgendes Bild:

Länder

1932 in %

gegenüber 1913

Gegenüber 1928

UdSSR

194,7

148,9

Deutschland

92,5

77,2

USA

73,9

87,3

UK

119,8

103

Frankreich

106,2

104,5

Der Kampf um die Qualität des sowjetischen Buches, um die Erhöhung seines ideenpolitischen und wissenschaftlichen Niveaus bestimmte die Grundlinie der Entwicklung des Schrifttums im zweiten Planjahrfünft. Die folgende Tabelle gibt ein Bild der Buchproduktion im zweiten Planjahrfünft:

Jahr

Zahl der Bücher in Tsd.

Auflage in Mill. Exempl.

Bogenzahl in Mill. Druckbogen

1933

43,9

489,5

2387

1934

44,5

477,2

2778,6

1935

42,7

458,1

3014,7

1936

43,3

571,1

3846,8

1937

37,4

673,5

3722,3

1937 in % gegenüber

1913

142,9

776,5

-----

1928

109,3

254,1

272

Die Entwicklung des Buchdrucks im zweiten Planjahrfünft weist ihre Besonderheiten auf. Die Verlage, die Abstand nahmen von dem Heraus­bringen vieler Ausgaben, die eine Wiederholung ein und desselben Themas darstellen, beginnen in ihrem Streben nach Verbesserung der Qualität der Produktion eine geringere Anzahl von Büchern über das gleiche Thema herauszubringen und erhöhen gleichzeitig die Auflage der Ausgaben.

Die Verbesserung der Qualität der Buchproduktion wurde durch die Verordnung über die Herausgabe stabiler Lehrbücher beträchtlich ge­fördert; in Verbindung hiermit verringerte sich (bei stark gestiegener Auflagenzahl) die Auswahl der Titel in starkem Maße. Eine große Rolle spielte auch die sorgfältigere Abgrenzung der Themenwahl zwischen den einzelnen Verlagen und die Schaffung einzelner großer typisierter Ver­lage, wie der Goslitisdat (Staatsverlag für schöngeistige Literatur), der Djetgis (Verlag für Kinderliteratur) u. a.

Am Ende des zweiten Planjahrfünfts war die durchschnittliche Auf­lage eines Buches auf 18 00o Exemplare und im Vergleich zum Jahre 1913 um 62% gestiegen. Die durchschnittliche Druckbogenzahl eines Buches hatte sich um 12% erhöht.

Themengebiete

Auflage in Mill Exempl.

1928

1937

1937 in % gegenüber 1928

Bogenzahl in Mill. Druckbogen

1928

1937

1937 in % gegenüber 1928

Insgesamt

Darunter

265

673,5

254,2

1368,7

3722,3

272,0

Politik und Sozialökonomie

83,5

301,7

361,3

352,5

1288,5

365,5

Technik

19,7

59,4

301,5

108,5

390,7

360,1

Agrotechnik

7,9

23,2

293,7

28,7

115,8

401,7

Mathematik, Naturwissenschaft

19,8

70,9

358,1

163,1

597,1

366,1

Medizin

9

10,1

112,2

43

71,9

167,2

Sprachwissenschaft

22,2

61,5

277,0

230,9

394,2

170,7

Literaturwissenschaft

77,4

117,8

152,2

309,3

759,6

245,6

Kunst

2,6

6,4

246,2

7,4

22,8

308,1

Nachschlagewerke

6,3

9,1

144,4

20,6

32,5

157,8

Die beträchtliche Erhöhung der durchschnittlichen Auflage sämtlicher Ausgaben ist ein Anzeichen für einen erweiterten Leserkreis. Die Ver­größerung des Durchschnittsumfangs zeugt von dem Wachsen der kultu­rellen Ansprüche des sowjetischen Lesers, der die Forderung nach einem umfangreicheren, soliden Buch erhebt.

Die Verteilung der Buchproduktion auf die wesentlichen Themen­gebiete enthüllt deutlich den Charakter der Leserinteressen im Verlaufe jener Jahre.

Die Jahre der Stalinschen Planjahrfünfte brachten eine gewaltige An­häufung der Bücherbestände auf den verschiedenen Wissensgebieten. Die Auflage der in diesem Jahrzehnt herausgegebenen Bücher entsprach der Hälfte der Buchproduktion der vergangenen dreißig Jahre.

Kein einziges Land der Welt kannte und kennt ein derartiges Wachs­tumstempo in der Produktion von Literatur und in der Schaffung von Bücherschätzen, wie sie die Vorkriegs-Planjahrfünfte aufweisen.

Im Verlaufe der ersten zwei Stalinschen Planjahrfünfte wurden fol­gende Bücher der verschiedenen Wissensgebiete herausgegeben: (Auflage in Mill./ in % gegenüber 1927-1947 im Verhältnis zur Gesamtliteratur in jedem Wissenszweig

Gesellschaftswissenschaft, Politik

1 791

64,4

Industrie, Verkehrs- und Nachrichtendienst

522

68,3

Landwirtschaft

838

80,0

Naturwissenschaft und Mathematik

523

60,1

Medizin und Gesundheitsschutz

140

56,4

Sprachwissenschaft .................

614

58,1

Schöngeistige Literatur und Bücher über Kunst

794

55,3

Eine außergewöhnliche Stellung nahm die Literatur der Gesellschafts­wissenschaft und der Politik ein. Die Aufgabe, die breiten Volksmassen mit den großen Ideen des Marxismus-Leninismus bekannt zu machen, die Aufgaben der kommunistischen Erziehung der Werktätigen und ihre Teilnahme an der sozialistischen Kultur wurden im wesentlichen durch das gesellschaftswissenschaftliche und das politische Buch erfüllt. Im Vergleich zum Jahre 1928 hat sich deren Produktion 1937 auf mehr als das 4,5fache erhöht.

Während der ersten beiden Stalinschen Planjahrfünfte wurden die Werke der Klassiker des Marxismus-Leninismus in einer Auflage von 3 13 Millionen Exemplaren herausgegeben. In jenen Jahren kamen sechs­undzwanzig Bände der Sammlung der Werke von Marx und Engels heraus, wurde die 2. Auflage der Werke W. I. Lenins zum Abschluß ge­bracht und mit der 3. Auflage begonnen, während die Werke von J. W. Stalin in Auflagen von vielen Tausenden von Exemplaren erschienen.

Ein maximales Wachstumstempo zeigen die industrielle und die tech­nische Literatur. Die Einbürgerung neuer Industriezweige, die Ausbil­dung und Schulung der gewaltigen Armee der Arbeiter, der Techniker, der Ingenieure, die Erhöhung des kulturell-technischen Niveaus der Arbeiter werden durch das Buch unterstützt. Im Jahre 1937 entfielen auf die technische Literatur 25 °/ o sämtlicher Veröffentlichungen (5mal soviel wie im Jahre 1913) und 9% der Auflagen (fast 4mal soviel wie im Jahre 1913). Unvergleichlich niedriger ist der Anteil der technischen Literatur im Auslande: in Deutschland betrug er im Jahre 1937 8,5% ­der Gesamtzahl der veröffentlichten Bücher, in Großbritannien 4,5%, in Frankreich 6,3 °/o, in Italien 3 % und in den USA 3,1 %.

Eine weite Verbreitung erfuhr auch die landwirtschaftliche Literatur, die der Entwicklung der sozialistischen Landwirtschaft Hilfe leistete. Auf der Grundlage des grandiosen Aufschwungs der Volkswirtschaft gelangte die sowjetische Wissenschaft zu einer unerhörten Blüte. Wäh­rend die Bogenzahl der wissenschaftlichen Literatur am Ende des ersten Planjahrfünfts im Vergleich zum Jahre 19 27 auf das 1,7fache gestiegen war, hatte sie sich am Ende des zweiten Planjahrfünfts fast auf das Dop­pelte erhöht. Gerade in jenen Jahren begannen die Verlage die grund­legenden Arbeiten solch hervorragender Gelehrten wie N. D. Selinskij, A. E. Faworskij, J. M. Gubkin, I. M. Winogradow, A. E. Fersman zu veröffentlichen. Zum Beispiel hatte das Werk von I. M. Winogradow »Die Grundlagen der Zahlentheorie« vier Auflagen, die Auflage betrug 33 000 Exemplare.

Von 1935 an erfolgte die Herausgabe der vollständigen zehnbändigen Sammlung der Werke des großen russischen Gelehrten, des »Vaters der russischen Aviatik«, N.E. Shukowskijs. Im Jahre 1937 begann die zehn­bändige Sammlung der Werke von K.A. Timirjasew zu erscheinen (ein­zelne Werke des großen russischen Gelehrten wurden in elf Sprachen der Völker der UdSSR herausgegeben). Die zwölfbändige Ausgabe der Werke von Ch. Darwin wurde in 10 000 – 15 000 Exemplaren veröffent­licht. Seine »Entstehung der Arten« wurde 6mal in russischer, arme­nischer und ukrainischer Sprache in einer Auflage von über 98 000 Exem­plaren herausgegeben. In den 30 Jahren vor der Revolution war dieses Werk nur in russischer Sprache mit einer Auflagenzahl von 5000 Exem­plaren herausgegeben worden.

Eine große Bedeutung erlangte die Ausgabe von populärwissenschaft­lichen Sonderserien. Die Auflage der Bücher der einzelnen Sonderserien stieg auf 200000-300000 Exemplare.

Gewaltiges Interesse bieten die Ergebnisse der Entwicklung des Buches bei den einzelnen Nationalitäten der UdSSR zu jener Zeit. Von 1928 bis 1937 sind in der Sowjetunion 1228 Millionen Buchexemplare in den Sprachen der Völker der UdSSR (außer in der russischen), davon 593 Millionen im zweiten Planjahrfünft, herausgegeben worden. Um das Jahr 1937 wurden in der UdSSR bereits in 111 Sprachen Bücher herausgegeben.

Die durchschnittliche Auflage des nationalen Buches war am Ende des zweiten Planjahrfünfts auf t4;oo gestiegen und hatte sich im Vergleich zum Jahre 1932 um 65 °/ o erhöht; der Durchschnittsumfang eines Buches betrug im Jahre 1937 5,2 Druckbogen und hatte sich gegenüber 1932 um 16% erhöht. Wie wir sehen, erfolgte in der Entwicklung des natio­nalen Buches der gleiche Prozeß wie in der Gesamtentwicklung der Buch­produktion der UdSSR. Das Massenbuch kleineren Umfangs begann allmählich dem umfangreicheren Buche Platz zu machen, dem Buche vom Typus der wissenschaftlichen Monographie, des Lehrbuches für die Hochschulen, des praktischen Handbuches und Leitfadens. Eine solche Änderung des Charakters der Bücher entsprach der Erhöhung des kultu­rellen Niveaus des Lesers. Im letzten Jahre des zweiten Planjahrfünfts wurden in allen Sprachen (außer der russischen) 38,1 Millionen Exem­plare Lehrbücher, 15,8 Millionen Exemplare schöngeistiger Literatur, 20,5 Millionen Exemplare betriebstechnischer Literatur herausgegeben. Dutzende von Wörterbüchern für die verschiedenen Sprachen der Natio­nalitäten der Sowjetunion sind gedruckt worden.

Eine schnelle Entwicklung der Buchproduktion erfolgte in den Spra­chen der Völker der UdSSR, die erst kurz zuvor ein Schrifttum erhalten hatten. Im Jahre 1919 begann man mit der Herausgabe von Büchern in schorischer Sprache und bis 1937 hatten die Schorzen 141 000 Exemplare von Büchern in der Muttersprache erhalten. In ewenkischer Sprache er­schien das erste Buch 1931; in sieben Jahren wurden in dieser Sprache 226 000 Exemplare herausgegeben. In nenezker Sprache sind in sechs Jahren 130000 Exemplare erschienen.

Gegen Ende des zweiten Planjahrfünfts sind die Auflagen von Büchern in den Nationalsprachen der Bundesrepubliken gegenüber 1913 folgender­maßen gestiegen: in der Ukrainischen SSR auf das 163fache, in der Aserbaidshanischen SSR auf das 70fache, in der Armenischen SSR auf das 102fache, in der Usbekischen SSR auf das 100fache.

Einen noch stärkeren Entwicklungsprozeß weist die Buchproduktion in den entfernt liegenden Gebieten auf. Im Jahre 1937 wurden in 578 Orten der UdSSR Bücher herausgegeben, das sind 20°/ o mehr al 1932. Der Anteil der Auflagen der peripheren Buchproduktion am Ge­samtumfang der Buchproduktion dieser Zeit hatte den Stand des ersten Planjahrfünfts übertroffen und war auf 31%gestiegen. Eine Reihe neuer Verlage in den Gebieten und den Republiken war hinzu­ gekommen.

Im Jahre 1938 begann das Sowjetland mit der Durchführung des dritten Stalinschen Fünfjahresplanes. Unter den Verhältnissen einer wei­teren Blüte der sozialistischen Wirtschaft und Kultur setzte sich das un­entwegte Wachstum der Herausgabe von Literatur der Gesellschafts­wissenschaft, der Politik, wissenschaftlicher, kultureller, Bildungs- und schöngeistiger Literatur weiter fort. Während der dreieinhalb Jahre, die dem Kriege vorangingen, gaben die sowjetischen Verlage dem Sowjet­lande 151 000 Bücher mit einer Auflage von 2114 Millionen Exemplaren.

Am Vorabend des Krieges wurden in der UdSSR 8754 Zeitungen mit einer Tagesauflage von 37,5 Millionen und einer Jahresauflage von 7,4 Milliarden Exemplaren herausgegeben; ferner 1760 Zeitschriften mit einer Gesamtauflage von 227 Millionen Exemplaren.

Das Jahr 1938 ist gekennzeichnet durch die Veröffentlichung des »Kurzen Lehrgangs der Geschichte der KPdSU (B)«. In zwei Jahren ist dieses bemerkenswerte Buch in 58 Sprachen und einer Gesamtauflage von 13,8 Millionen Exemplaren erschienen. Die Werke der Klassiker des Marxismus-Leninismus wurden während dieser Jahre in einer Auflage von 137 Millionen Exemplaren herausgegeben.

Im Jahre 1939 erschien die Zweimillionenauflage der 2. Ausgabe des Buches von J. W. Stalin »Fragen des Leninismus«. Im Jahre 1941 wurde mit der 4. Auflage der Werke W. I. Lenins begonnen.

In den letzten Vorkriegsjahren hat sich die Veröffentlichung wissen­schaftlicher Literatur aller Art beträchtlich erhöht. Es erscheinen neue Ausgaben von Klassikern der Wissenschaft, wichtige Arbeiten über die Geschichte der UdSSR, über Philosophie, Naturwissenschaften, exakte Wissenschaften. Im Jahre 1939 erschien in einer Auflage von 170 000 Exemplaren die Arbeit von W. R. Williams: »Grundlagen des Acker­baues«. Band nach Band erschienen die Werke von K. A. Timirjasew, die ausgewählten Werke von M. W. Lomonossow, D. I. Mendelejew, I. M. Setschenow, I. W. Mitschurin.

Im Jahre 1940 erschien eine Reihe wertvollster Arbeiten sowjetischer Gelehrten: W. L. Komarow, W. A. Obrutschew, A. A. Bogomolez, T. D. Lyssenko, K. I. Skrjabin, D. N. Prjanischnikow u. v. a.

Jedes Jahr wurden bis zu 4000 Bücher von Klassikern der schön­geistigen Literatur und der zeitgenössischen Schriftsteller, und zwar russischer wie auch solcher der Völker der UdSSR und ausländischer herausgegeben.

Am 22. Juni 1941 wurde die Sowjetunion von dem treubrüchigen Hitler-Deutschland überfallen.

Der Krieg beeinträchtigte die normale Entwicklung des Verlagswesens. Die Besetzung eines Teiles des Sowjetlandes durch die Faschisten sowie die Kriegshandlungen fügten dem polygraphischen Gewerbe große Ver­luste zu. Die Druckereien und die Papierfabriken der Ukrainischen, der Bjelorussischen, der Karelisch- Finnischen, der Lettischen, der Litauischen und der Estnischen Bundesrepublik, des Leningrader Gebietes und anderer Gebiete sind zerstört worden. Auf dem Territorium der zeitweilig be­setzten Republiken und Gebiete wurde nach dem Jahre 1 944 nur noch eine illegale und Partisanen-Literatur herausgegeben.

Während der Kriegsjahre wurden in der Sowjetunion 71900 Bücher und Broschüren in einer Auflage von 11 93 Millionen Exemplaren herausgegeben.

Weite Verbreitung erfuhr die Broschüre im Hinterlande und an der Front. Der Durchschnittsumfang eines Buchexemplares sank im Jahre 1932 bis auf 2,1 Druckbogen, jedoch erhöhte sich die Durchschnitts­auflage des Buches jäh, sie übertraf jene sämtlicher Vorkriegsjahre und stieg bis auf 23 000 Exemplare.

Die Kundgebungen, Berichte, Reden und Befehle J. W. Stalins wurden in einer Auflage von 113 Millionen Exemplaren herausgegeben. Das Buch J. W. Stalins »Über den Großen Vaterländischen Krieg der Sowjet­union« erschien in fünf Ausgaben mit einer Gesamtauflage von 18 Mil­ lionen Exemplaren.

Die Schwierigkeiten der Kriegszeit zogen jedoch kein Absinken des kulturellen Lebens nach sich. Während der Kriegszeit sind erschienen: 110,8 Millionen Exemplare von Lehrbüchern aller Art, 50 ,4 Millionen Exemplare wissenschaftliche Literatur, 169,5 Millionen Exemplare schön­geistige Literatur, 60,1 Millionen Exemplare Kinderliteratur. In der schwersten Zeit, in den Jahren 1942und 1 943, wurden in guter Aus­stattung Werke von Klassikern der schöngeistigen Literatur, der Wissen­schaft, von Meistern der Volkskunst herausgegeben.

Während der letzten zwanzig Jahre sind 68 530 Bücher russischer und ausländischer Schriftsteller in einer Gesamtauflage von 1243 Millionen Exemplaren mit einer Bogenzahl von mehr als sechs Milliarden Druck­bogen erschienen. Die Auflage der schöngeistigen Literatur, einschließlich Kinderbücher, stieg in einzelnen Jahren bis auf 100 Millionen Exemplare gegenüber 15,9 Exemplaren im Jahre 1913. Der Durchschnittsumfang je Buch er­höhte sich gegenüber 1928 auf das Doppelte.

Die Zunahme der schöngeistigen Literatur ist aus folgender Tabelle ersichtlich:

Jahr

Gesamtauflage in Mill Exemplaren

Durchschnittsauflage je Buch in Tsd. Exemplaren

1913

15,9

3,4

1932

35,3

10,9

1937

101,5

25,3

1946

70,2

29,1

Mehr als 65 °/ o der gesamten Auflage (nach den Unterlagen für 1940 ) entfielen auf die russische schöngeistige Literatur, 23 °/ o auf die Literatur der übrigen Völker der UdSSR.

Die Werke der Klassiker der russischen und der Weltliteratur er­schienen in Millionenauflagen in 90 Sprachen. Dies übersteigt die Auf­lagen im vorrevolutionären Rußland um das Mehrfache.

Die populärsten Werke der sowjetischen Schriftsteller erschienen wäh­rend der Jahre I9I7-I947 in Riesenauflagen

Werke

Zahl der

Ausgaben

(Auflagen)

Auflage

(in Tsd.

Exempl.)

»Die Mutter« von M. Gorki

110

1822

»Meine Kindheit« von M. Gorki

85

2110

»Wie der Stahl gehärtet wurde« von

N. A. Ostrowskij

155

2 913

»Peter I.« von A. N. Tolstoi

48

1615

»Brote von A. N. Tolstoi

51

1838

»Die Neunzehn« von A.A.Fadejew

133

2 661

»Die junge Garde« von A.A.Fadejew

25

1160

»Neuland unterm Pflug« ScvonM.AScholochow

105

2 644

»Der stille Don« von M.A. Scholochow ......

125

5 859

Die besten Werke der sowjetischen Schriftsteller sind in viele Sprachen übersetzt worden. Die Gesamtauflage sämtlicher Werke von M. Scholo­chow beträgt I6,; Millionen Exemplare (in 5 3 Sprachen), von A. N. Tol­stoi 1 3,7 Millionen Exemplare (in 38 Sprachen), von K. M. Simonow 12, 5 Millionen Exemplare (in 32 Sprachen), von W. P. Katajew 7,3 Mil­lionen Exemplare (in 3 5 Sprachen), von I. G. Ehrenburg 6,2 Millionen Exemplare (in 27 Sprachen).

Vor der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution wurden die Werke der Schriftsteller der Nationalitäten mit wenigen Ausnahmen fast nicht in russischer Sprache herausgegeben und auch nicht in die Sprachen der anderen Nationalitäten der Sowjetunion übersetzt. Die Werke der Schriftsteller der Völker der UdSSR stellten fast ein Drittel der ge­samten Veröffentlichungen der sowjetischen schöngeistigen Literatur dar. Es werden Obersetzungen in SS Sprachen herausgegeben, davon in 35 Sprachen der Völker der Sowjetunion.

Die Werke der Klassiker der nationalen Literaturen werden Gemein­gut sämtlicher Völker der UdSSR.

Das Gedicht von Schota Rustaweli »Der Held im Tigerfell« ist in russischer Sprache in sechs verschiedenen Obersetzungen und auch in vierzehn anderen Sprachen der Völker der UdSSR erschienen. Das arme­nische Epos »David Sassunskij« ist in sieben Sprachen der Völker der UdSSR übertragen worden. Die Werke von Taras Schewtschenko wurden in 33 Sprachen in einer Auflage von mehr als fünf Millionen Exemplaren herausgegeben. Die Gedichte des kasachischen Volksdichters Dshambul erschienen in Übersetzungen in 21 Sprachen. Die Gedichte des ossetischen Dichters Kosta Chetagurow und des Volksdichters von Daghestan Sulejman Stalskij sind in zwölf Sprachen der Brudervölker übersetzt worden.

Die Werke der russischen Klassiker sind in die Hauptsprachen sämt­licher Bundesrepubliken und in viele Sprachen anderer Nationalitäten übersetzt worden. Die gesamte Auflage sämtlicher Werke von A. S. Pusch­kin ist allein in ukrainischer Sprache in mehr als 1 ,5 Millionen Exem­plaren, die Werke von M. Gorki in fast 2,5 Millionen Exemplaren erschienen. In der Tadshikischen und in der Kirgisischen SSR kamen die Werke von Puschkin in einer Auflage von mehr als 100 000 Exemplaren heraus. Einzelne Werke von L. N. Tolstoi sind in 66 Sprachen übersetzt worden, darunter auch in die Sprachen der Völker des Nordens: in die korjakische, die nanaische, die tschukotische Sprache usw., ferner in die Sprachen der Bergvölker von Daghestan: in die lakische, die kumy­kische, auch in andere Sprachen, wie die nogaiische, die tuwinische Sprache.

Die Werke ausländischer Klassiker erscheinen in vielen Sprachen der Völker der UdSSR. In der Georgischen SSR ist eine Sammlung der Dramen Shakespeares, ein Sammelband lyrischer Gedichte Goethes her­ausgegeben worden. In ukrainischer Übersetzung kamen vollständige Sammlungen der Werke Zolas, Maupassants, Jack Londons heraus. Ein­zelne Dramen Shakespeares wurden in die kasachische, die kirgisische, die tadshikische, die burjatische, die kumykische und in eine Reihe anderer Sprachen übersetzt.

Nach der siegreichen Beendigung des Krieges kehrte das sowjetische Volk wiederum zur friedlichen Aufbauarbeit, die auf einen weiteren wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung der Sowjetunion gerichtet ist, zurück.

Während der zwei Nachkriegsjahre sind 47 000 Bücher in einer Auf­lage von 905 Millionen Exemplaren erschienen. Im Jahre 1947 betrug die Auflage der Bücher für das erste Halbjahr 261 Millionen Exemplare. Die Durchschnittsauflage stieg auf 19 000 Exemplare und hat somit sämtliche Vorkriegsjahre übertroffen. Der Durchschnittsumfang je Buch hat sich auf 7,7 Druckbogen erhöht und übertrifft gleichfalls alle vorher­gegangenen Zahlen.

Die Partei hat dem Schrifttum die Aufgabe gestellt, das Sowjetvolk weiterhin mit Wissensstoff über den Marxismus-Leninismus zu versorgen. Das Marx-Engels-Lenin-Institut beendet die Veröffentlichung des litera­rischen Nachlasses der Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus. Die Ausgabe der 4. Auflage der Werke von W. I. Lenin wird fortgesetzt: es sind bereits 14 Bände zu je 500 000 Exemplaren erschienen. Das Marx-­Engels-Lenin-Institut hat mit der Ausgabe der Werke von J. W. Stalin begonnen: 7 Bände zu je 500 000 Exemplaren sind bereits erschienen. Die ersten Bände der Werke von J. W. Stalin werden in ukrainischer Sprache, in aserbaidshanischer Sprache, in armenischer, georgischer, lettischer und estnischer Sprache herausgegeben.

Das Gesetz über den Fünfjahresplan zur Wiederherstellung und Ent­wicklung der Volkswirtschaft der UdSSR in den Jahren 1946-1950 ist in 42 Sprachen in einer Auflage von ungefähr sieben Millionen Exem­plaren herausgegeben worden.

Allein im ersten Halbjahr 1947 sind von den zentralen Verlagen mehr als 23 Millionen Exemplare landwirtschaftlicher Bücher und Broschüren herausgegeben worden.

Der Charakter der in der Nachkriegszeit herausgegebenen wissen­schaftlichen Literatur über die hauptsächlichsten Wissensgebiete (hierzu gehören die 1946 und 1 947 erschienenen wissenschaftlichen Monographien, Lehrbücher für höhere Schulen, die praktischen Leitfäden und Hand­bücher für die höchstqualifizierten Spezialisten, die populärwissenschaft­liche Literatur) geht klar aus folgender Tabelle hervor (die Zahlen­angaben in Prozenten der Gesamtzahl der wissenschaftlichen Literatur):

Hauptwissenszweige

Zahl

der Bücher

Auflage

Druck­bogen

Politik und soziale Ökonomie

8,8

19,9

41,1

Technik, Agrotechnik

40,8

16,5

19,2

Mathematik, Naturwissenschaft

19,0

26,6

16,1

Medizin

16,8

23,0

13,1

Literatur und Kunst

8,9

10,0

7,7

Sonstige

5,7

4,0

2,8

Die Ausgaben von Lehrbüchern für die Hochschulen haben sich beträchtlich erhöht. Von diesen Lehrbüchern wurden in den Jahren 1945 bis 1947 ungefähr zehn Millionen Exemplare herausgegeben, ferner 195 Millionen Lehrbücher für die Grund- und die Mittelschulen; das sind zweimal soviel wie während sämtlicher Kriegsjahre. Die gesamte Bogenzahl der wissenschaftlichen Literatur während der zwei Jahre betrug 472 Millionen Druckbogen und hat die sämtlicher Kriegsjahre übertroffen.

Während der letzten zehn Jahre wurden 46 Millionen wissenschaft­licher (einschließlich der Lehrbücher für die Hochschule) und populär­wissenschaftlicher Broschüren in einer Gesamtauflage von 284 Millionen Exemplaren und in einer Bogenzahl von 2 979 Millionen Druckbogen, das sind 15,2% der gesamten Bogenzahl der während dieses Zeitraums erschienenen Bücher, herausgegeben. Die Ausgabe der Großen Sowje­tischen Enzyklopädie ist beendet, desgleichen die 2. Auflage der Kleinen Sowjetischen Enzyklopädie.

Die reiche, vielseitige Buchproduktion der UdSSR wächst mit jedem Jahre, während zur gleichen Zeit in den kapitalistischen Ländern die Herausgabe von Büchern eine stete Tendenz zum Absinken zeigte.

In der Sowjetunion, die zeitweilig einen beträchtlichen Teil ihres Terri­toriums verloren hatte, ist die Herausgabe von Büchern während der Kriegszeit natürlich gesunken. Aber bereits die Jahre 1946 und 1947 wiesen ein hohes Wachstumstempo des Buchdrucks auf. Die Auflage des Jahres i946 übersteigt die Vorkriegsauflage, und das erste Halbjahr 1947 ergibt ungefähr 60°/o der gesamten Produktion des Jahres 1946. Zur gleichen Zeit wird selbst in einem Lande wie den USA nicht nur

ein starkes Absinken der Buchproduktion, sondern auch ein äußerst lang­sames Tempo ihrer Wiederbelebung beobachtet. So hat sich auch die Buchproduktion in Großbritannien in den Jahren 1941 bis 1945 ver­ringert, sie betrug nur 4S-4o ° /o der Produktion des Jahres 1936 und erreichte 1946 erst rund 69°/o gegenüber 1936. Die Buchproduktion ist in den USA systematisch gesunken: Im Jahre 1945 betrug sie rund 63 °/o der Produktion des Jahres 1936, und sie beträgt, obgleich das Jahr 1946 gegenüber dem vorhergehenden Jahre ein Ansteigen zeigte, gegen­über 1936 nur rund 74% .

Jahr

USA

Großbritannien

1940

108,6

64,8

1941

106,5

45,7

1942

91,3

43,7

1943

79,8

40,5

1944

66,8

40,9

1945

62,7

40,7

1946

74,1

68,9

Im Jahre 1946 wurden in den USA 7735 Bücher gegen 12203 Jahre 1913 herausgegeben.

Die Völker der UdSSR haben während der 30 Jahre Sowjetmacht ihre kulturellen Schätze gigantisch vermehrt. Es gibt keinen Winkel in der Sowjetunion, wohin nicht das sowjetische Buch, das in die Volksmassen die unverlöschlichen Ideen des Marxismus-Leninismus, die sozialistische Kultur und Wissenschaft trägt, eingedrungen ist.

In die geistige Schatzkammer des Sowjetvolkes sind mehr als 700 Millionen Bücher von Marx, Engels, Lenin, Stalin, Hunderte und Hunderte von Millionen Bücher von Männern der sowjetischen und der Weltwissenschaft, anderthalb Milliarden Bücher der Klassiker und der schöngeistigen Literatur und der Werke der Sowjetschriftsteller aufge­nommen worden. Noch großartiger sind die Aussichten der weiteren Entwicklung.

Die Herausgabe der Werke der Klassiker des Marxismus-Leninismus in der UdSSR während der Jahre 1917-1947

Zahl der Auflagen

Auflage

(in Tsd. Exempl.)

Marx-Engels

1274

38 418

Lenin

4 181

160 227

Stalin

6 869

511069

Lenin-Stalin*)

I 247

11435

Zusammen

12571

721 149

*) Sammelbände.

Die Herausgabe von Werken der Klassiker der Naturwissenschaft in der UdSSR und im vorrevolutionären Rußland:

Auflage in Tsd. Exemplaren

1888 bis 1917

1918 bis 1947

N. Lobatschewskij

3

15

M. Lomonossow

12

33,7

D. Mendelejew

57,8

146,5

I. Metschnikow

46

80,3

I. Mitschurin

Keine Unterlagen

213,3

I. Pawlow

2

122,7

I. Setschenow

31,6

47,2

j. Newton

1

54

Ch. Darwin

149,9

281,7

G. W: Leibniz

2

11

A. Einstein

Nicht erschienen

48

Die Herausgabe von Werken einzelner Klassiker der schöngeistigen Literatur in der UdSSR und im vorrevolutionären Rußland(1888- 1917 und 1918- 1947 in der Auflage in Tsd. Exemplaren und der Zahl der Sprachen)

N. W. Gogol

5 813

5

10 526

35

M. Gorki

1083

8

44 594

66

A. S. Gribojedow

619

2

1173

6

M. J. Lermontow

4 086

8

9 740

51

W. W. Majakowskij

4

1

9 404

46

N. A. Nekrassow

254

1

9 648

29

A. N. Ostrowskij

254

2

3 350

18

A. S. Puschkin

10 711

14

35 429

76

M. L. Saltykow­-

Schtschedrin

231

2

7 884

28

L. N. Tolstoi

10 784

10

26 459

66

A. P. Tschechow.

672

5

18 386

61

I. S. Turgenjew

keine Unterlagen

12 432

41

Die Klassiker des Marxismus-Leninismus erschienen in der UdSSR in 101 Sprachen. Unter der Sowjetmacht kamen in den Sprachen der Völker der UdSSR 5924 Auflagen mit 115 688 000, in fremden Sprachen 1500 Auflagen mit mehr als 13 Millionen Exemplaren heraus.

Der »Kurze Lehrgang der Geschichte der KPdSU (B)« erschien in 62 Sprachen in einer Gesamtauflage von mehr als 33 Millionen.

Im ganzen sind 1917-47 174 Millionen Exemplare von Werken aus­ländischer schöngeistiger Literatur erschienen. In die russische und viele andere Sprachen der Völker der UdSSR sind Bücher von mehr als 1400 ausländischen Autoren, und zwar von Klassikern wie auch zeitgenös­sischen Schriftstellern, übersetzt worden. Die Auflage der Werke franzö­sischer Schriftsteller betrug mehr als 48 Millionen Exemplare, die der englischen und der nordamerikanischen 67 Millionen Exemplare, die der polnischen und anderer slawischer Völker 12,5 Millionen Exemplare.

Der viele Nationalitäten umfassenden, dem Geiste und dem Streben nach aber einheitlichen sowjetischen Literatur sind breite Wege des Schaffens eröffnet. Ihre Kraft besteht darin, daß sie, die fortschrittlichste Literatur der Welt, eine Literatur ist, bei der es keine anderen Interessen als die Interessen des Volkes, die Interessen des Staates geben kann. noch oben