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William B. Bland

"Die historische Bedeutung von Stalins 'Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR' "

Inhalt

Teil 1Einführung1. Der Leitartikel 'Unter dem Banner des Marxismus', 19432. Der Streit über die regionale Wirtschaftsplanung, 19453. Die Bestrebungen zur Einschränkung der vorrangigen Planung für Produktionsmittel, 1945-474. Gute Beziehungen zu den jugoslawischen Revisionisten, 1946-485. Vargas Buch über die Kriegswirtschaft, 19466. Die Kritik an Vargas Buch, 1947-497. Wosnessenskis Buch über die Kriegswirtschaft, 19478. Der Leningrad-'Kult', 1947-489. Die landesweite 'Wirtschaftsreform', 194910.Die allrussische Großhandelsmesse, 194911.Die Aktion des Politbüros gegen die Leningrader Verschwörung, 194912.Malenkows Besuch in Leningrad, 194913.Die Entlassung Wosnessenskis, 194914.Vargas Dementi, 194915.Vargas Selbstkritik, 194916.Die Resolution des Zentralkomitees zu Wosnessenskis Buch, 194917.Verschwundene Dokumente, 194918.Wosnessenskis 'Politische Ökonomie des Kommunismus', 194919.Die Verhaftungen, 194920.Die Wiedereinführung der Todesstrafe, 195021.Die Untersuchungen, 1949-5022.Die Anklage, 195023.Der Prozess, 1950Teil 21. Die Vorarbeiten an dem neuen Lehrbuch der Politischen Ökonomie, 1940-522. Die Beschneidung des Einflusses der Marxisten-Leninisten, 1925-523. Stalins 'Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR',1952a. 'Ökonomische Probleme', Teil 1b. 'Ökonomische Probleme', Teil 2c. 'Ökonomische Probleme', Teil 3d. 'Ökonomische Probleme', Teil 44. Der 19. Parteitag der KPdSU, 19525. Die öffentliche Kritik an Wosnessenskis ökonomischen Ansichten, 19526. Die 'Rehabilierung' Wosnessenskis, 19547. Der Fall Abakumow, 19548. Vargas 'Rehabilitierung', 19549. Der 20. Parteitag der KPdSU, 195610.Malenkows Beteiligung, 1955-5711.Vargas 'Politökonomische Probleme des Kapitalismus', 196412.Vargas 'Testament', 196413.Der Nachruf der Revisionisten auf Varga, 1964Schlussfolgerung_________________________________________________Teil 1

Einführung

Im Jahre 1922 waren die Kräfte der offenen Konterrevolution sowie die der ausländischen Intervention in der Sowjetunion entscheidend geschlagen worden.Von diesem Zeitpunkt an waren jene, die die Absicht hatten, die Arbeitermacht zu beenden, von der der Aufbau und die Aufrechterhaltung des Sozialismus abhing, gezwungen, ihre Ziele dadurch zu verfolgen, dass sie sich als 'Marxisten-Leninisten' ausgaben und gleichzeitig den Versuch unternahmen, die Politik der herrschenden Klasse durch die Befürwortung einer solchen Linie zu untergraben, die tatsächlich den Sozialismus schwächte und den Weg für die Wiederherstellung der kapitalistischen Gesellschaft ebnete.Wir bezeichnen solche Leute als 'Revisionisten', weil sie versuchen, den Marxismus-Leninismus in einer solchen Weise zu revidieren, um dadurch ihre antisozialistischen Ziele zu verfolgen.Um die historische Bedeutung von Stalins monumentalen Werk 'Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR' würdigen zu können, müssen wir es im Zusammenhang mit dem fortgesetzten Kampf zwischen Marxisten-Leninisten und Revisionisten sehen.Denn gegen Ende und unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg veröffentlichten einige einflussreiche sowjetische Ökonomen ihr revisionistisches Gedankengut und unternahmen den Versuch, eine revisionistische Politik durchzusetzen.

1. Der Leitartikel 'Unter dem Banner des Marxismus', 1943

1943 brachte die Zeitschrift 'Pod Snamenem Marksisma' (Unter dem Banner des Marxismus) einen Leitartikel, der mit 'Einige Fragen zur Vermittlung der Politischen Ökonomie' überschrieben war. Anscheinend handelte es sich um die Arbeit eines der Herausgeber, des Wirtschaftswissenschaftlers Lew Leontjews:"Dieser Leitartikel stammte wahrscheinlich von L. Leontjew."(Wsewolod Holubnychy, 'Sowjetische Debatten zur ökonomischen Theorie: eine Einführung', in: 'Harry G. Shaffer, Hrsg., 'Die sowjetische Wirtschaft: eine Zusammenstellung westlicher und sowjetischer Ansichten', London 1964, S. 345).Der Leitartikel vertrat die revisionistische These, dass" ... die ökonomischen Gesetze des Sozialismus ihrem Wesen, ihrem Inhalt, der Art ihrer Wirkungsweise nach sich von den ökonomischen Gesetzen des Kapitalismus nicht wesentlich unterscheiden."('Einige Fragen zur Vermittlung der Politischen Ökonomie', hiernach zitiert als 'Einige Fragen, 1943', in: 'American Economic Review', Band 34, Nr. 3, S. 518)....und dass im Sozialismus die politischen Entscheidungen des sowjetischen Staates auf wirtschaftspolitischem Gebiet 'ökonomische Gesetze' darstellten. Er verurteilte als" ...recht unmarxistisch die Ansicht, dass nur solche Gesetze als ökonomische Gesetze angesehen werden können, die unabhängig vom menschlichen Willen und Bewusstsein existieren."('Einige Fragen, 1943', ebenda, S. 513)....so dass" ...die Industrialisierung des Landes sowie die Kollektivierung der Landwirtschaft Gesetze der sozialistischen Entwicklung der Gesellschaft seien."('Einige Fragen, 1943', ebenda, S. 516).Der revisionistische Inhalt des Leitartikels weckte beträchtliche Aufmerksamkeit unter Wirtschaftswissenschaftlern außerhalb der Sowjetunion, wie zum Beispiel in der 'New York Times' vom 2. April 1944, wo der Leitartikel unter der Überschrift"Kommunistische Dogmen grundlegend revidiert"('New York Times', 2. April 1944, S. 7).zitiert wurde.Sowjetische Ökonomen waren jedoch" ... ganz und gar nicht glücklich über den Leitartikel von 1943. Sie ignorierten ihn fast geschlossen."(Wsewolod Holubnychy, ebenda, S. 344).

2. Der Streit über die regionale Wirtschaftsplanung, 1945

Am 5. Juli 1945 legte Nikolai Wosnessenski, Vorsitzender der Staatlichen Plankommission (Gosplan) seit 1938," ... einer Sitzung des Komitees für Staatliche Planung die Ergebnisse einer Untersuchungskommission vor. ...In seinem Bericht schlug Wosnessenski vor, ... dass die UdSSR aus Planungsgründen in 17 Regionen unterteilt werden sollte, wobei sich jede einzelne entsprechend ihres gegenwärtigen Schwerpunktes auf die Produktion auf dem Gebiet eines bestimmten Industriezweiges zu spezialisieren habe."(Timothy Dunmore, 'Die stalinistische Kommandowirtschaft: der sowjetische Staatsapparat und die Wirtschaftspolitik, 1945-53', London 1980, S. 43).Marxisten-Leninisten wandten sich gegen das Vorhaben, da" ... eine solche Regionalisierung die Planung der Entwicklung völlig neuer Industrien in einem bestimmten Gebiet erschweren würde. Es würde von daher die eher rückständigen Regionen des Ostens, wo nur wenige Industriezweige zur damaligen Zeit gut entwickelt waren, benachteiligen. ...Diese Art von Regionalisierung würde auch der Nationalitätenpolitik abträglich sein."(Timothy Dunmore, ebenda).Wosnessenskis Plan wurde abgelehnt und" ... am 25. Juli 1945 wurde eine neue Kommission eingerichtet, um ein Regionalisierungsprogramm auf der Grundlage einer vielseitigen Entwicklung auszuarbeiten."(Ebenda).

3. Die Bestrebungen zur Einschränkung der vorrangigen Planung für Produktionsmittel, 1945-47

Zu dieser Zeit war Wosnessenski eng mit Michail Rodionow, dem damaligen Ministerpräsidenten der Russischen Republik(RSFSR) seit 1943, verbunden. 1945 besaßen beide" ... eine gemeinsame Herangehensweise an praktische wirtschaftiche Fragen."(William O. McCagg, jr., 'Stalin unter Beschuss, 1943-48', Detroit 1978, S. 134).Andere prominente Persönlichkeiten, die mit dieser Linie sympathisierten, waren Anastás Mykojan - Mitglied des Politbüros des ZK der KPdSU seit 1935 und einer der stellvertretenden Ministerpräsidenten der UdSSR seit 1937 - Alexej Kossygin (stellvertretender Ministerpräsdent der UdSSR seit 1940 und Ministerpräsident der Russischen Föderation seit 1943) sowie Alexej Kusnetzow - Erster Parteisekretär in Leningrad 1945-46 und Sekretär der KPdSU seit 1946.Das hervorstechende Merkmal dieser Linie bestand darin, dass jetzt, wo der Krieg zu Ende sei, der traditionelle Vorrang in der sozialistischen Wirtschaftsplanung für die Produktion von Produktionsmittel gelockert werden sollte:"Wosnessenski, Mikojan, Kossygin und Rodionow bildeten 1945 eine Arbeitsgruppe, die sich dafür einsetzte, in der Friedenswirtschaft der Sowjetunion der Leichtindustrie das gleiche Gewicht wie der Schwerindustrie zu geben. ... Seine (Wosnessenskis - Verf.) Rede vom März 1946 zum Fünfjahrplan gab für die unmittelbar anstehenden Aufgaben dem Wohungsbau und der Produktion von Konsumgütern Priorität. ... Nach 1945 war diese Gruppe, aber besonders Rodionow, in politische Intrigen verwickelt. ... Rodionow ... war ein russischer Nationalist."(William O. McCagg, jr., ebenda, S. 134f).Die Gruppe um Wosnessenski nutzte ihre Machtbasis in Leningrad dazu, um in der Russischen Republik einige der politischen Ideen zu verwirklichen, für die sie eintraten. So führten sie" ... in der Russischen Republik einige Reformen zwecks Steigerung der Konsumgüterproduktion ein. ... Zwischen 1946 und 1947 zum Beispiel sprossen in der Russischen Republik Ministerien für technische Kultur, Cinematografie, Luxusgüter, für Delikatessen, Leichtindustrie und dergleichen aus dem Boden."(William O. McCagg, jr., S. 135, 363).

4. Gute Beziehungen zu den jugoslawischen Revisionisten, 1946-48

Zwischen 1946 und 1948 nahmen führende Leningrader Persönlichkeiten freundschaftiche Beziehungen zu jugoslawischen Führern auf, die 1948 vom Kominform (Nachfolgeorganisation der Komintern - Übers.) als Revisionisten verurteilt worden waren. Das jugoslawische Politbüromitglied Milowan Djilas beschreibt, wie Alexander Wosnessenski, Nikolais älterer Bruder und Erziehungsminister in der Russischen Republik, ihm gegenüber 1946 revisionistische Ansichten äußerte:"Wosnessenskis älteren Bruder - ein Universitätsprofessor, der soeben zum Erziehungsminister in der Russischen Föderation ernannt worden war, kannte ich gut. Ich führte mit dem älteren Wosnessenski zur Zeit des Panslavischen Kongresses in Belgrad im Winter 1946 einige sehr interessante Diskussionen. Wir stimmten nicht nur darin überein, dass die herrschenden Theorien des 'sozialistischen Realismus' eng und vorurteilsbeladen waren, sondern auch darin, dass im Sozialismus neuePhänomene aufgetraten waren ... mit der Schaffung neuer sozialistischer Länder sowie mit Veränderungen im Kapitalismus - Dinge, die noch nicht theoretisch abgehandelt waren."(Milowan Djilas, 'Unterhaltungen mit Stalin', Harmondsworth 1963, S. 117).Djilas berichtet, dass eine jugoslawische Delegation im Januar 1948 in Moskau 'reserviert', in Leningrad jedoch herzlich empfangen worden war. Er erzählt uns, dass weil die Delegation" ... Leningrad zu sehen wünschte, ich Schdanow darauf ansprach und er gnädigerweise zustimmte. ... Aber ich spürte auch eine gewisse Reserviertheit. ... Unsere Begegnung mit den Leningrader Offiziellen fügte unserer Bewunderung menschliche Wärme hinzu. ... Wir kamen mit ihnen schnell und ungezwungen zurecht. ... Wir beobachteten, dass diese Männer das Leben ihrer Stadt und ihrer Bürger auf schlichtere und menschlichere Weise als die Moskauer Offiziellen betrachteten. Es schien mir, dass ich sehr schnell eine gemeinsame politische Sprache mit diesen Menschen durch das Sprechen der Sprache der Menschlichkeit finden würde."(Milowan Djilas, ebenda, S. 129, 130f).Wladimir Dedjer, der jugoslawische Informationschef, bestätigt, dass die jugoslawische Delegation" ... den Wunsch zum Ausdruck brachte, Leningrad zu besuchen. Sie wurde dort herzlich empfangen."(Wladimir Dedjer, 'Tito spricht: sein Selbstportrait und sein Kampf mit Stalin', London 1953, S. 322).Es versteht sich von selbst, dass dieser Gang der Dinge Moskau nicht verborgen bleiben konnte. Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sowjetunion bemerkte in seinem Schreiben an das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Jugoslawiens vom 4. Mai 1948, dass es die jüngste Delegation der jugoslawischen Partei in der Sowjetunion vorgezogen habe, von Offiziellen der Leningrader Parteiorganisation 'Daten' zu erhalten, statt von den Moskauer Offiziellen:"Bei seinem letzten Besuch in der UdSSR verbrachte Genosse Djilas, der sich kurz in Moskau aufgehalten hatte, einige Tage in Leningrad, wo er mit sowjetischen Genossen Gespräche führte. ... Genosse Djilas verzichtete darauf, sich bei den Offiziellen der UdSSR zu informieren, er tat dies jedoch bei den Verantwortlichen der Leningrader Organisation.Was machte Genosse Djilas dort, was für Informationen sammelte er dort? Wir haben es nicht für nötig befunden, uns mit solchen Fragen zu beschäftigen. Wir gehen einmal davon aus, dass er dort keine Informationen für den angloamerikanischen oder den französischen Geheimdienst gesammelt hat."(Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sowjetunion: Brief an das ZK der KPJ vom 4. Mai 1948, in: 'Briefwechsel zwischen dem Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Jugoslawiens und dem Zentralkomitee der Allunions-Kommunistischen Partei (Bolschewiki)', Belgrad 1948, S. 42).In diesem Zusammenhang weist Robert Conquest auf Folgendes hin:"Auf diese Weise wurde den Leningradern unterstellt, Djilas Material überreicht zu haben, das, falls es imperialistischen Geheimdiensten übergeben wurde, dem Staat geschadet haben würde. Es dauerte nur noch ein Jahr und den Jugoslawen wurde vorgeworfen, Agenten der Geheimdienste zu sein."(Robert Conquest, 'Macht und Politik in der UdSSR: eine Studie sowjetischer Dynastien', London 1961, S. 102).

5. Vargas Buch über die Kriegswirtschaft, 1946

Im September 1946 wurde in Moskau das Buch des in Ungarn geborenen Wirtschaftswissenschaftlers Jewgeni Varga veröffentlicht - Direktor des Instituts für Weltwirtschaft und internationale Politik. Es trug den Titel: 'Veränderungen in der kapitalistischen Ökonomie im Ergebnis des Zweiten Weltkriegs'.In dem Buch werden eine ganze Reihe revisionistischer Thesen vertreten:Erstens: Es stellt keinen Zusammenhang zwischen wirtschaftlichen und politischen Fragen her;Zweitens: In dem Buch wird die These vertreten, dass in den Volksdemokratien in Osteuropa nach dem Zweiten Weltkrieg der 'Staatskapitalismus' vorgeherrscht habe und dass diese Staaten, was die Weltwirtschaft angehe, nur von 'relativ geringer Bedeutung' seien;Drittens: Es stellt den Staat in monopolkapitalistischen Ländern als einen Staat des Monopolkapitals in 'gewöhnlichen Zeiten', aber in Zeiten des nationalen Notstandes, wie in Kriegszeiten, als eine 'Maschinerie der Herrschaft der kapitalistischen Klasse' als Ganzer dar;Viertens: Es vertritt die Ansicht, dass die Nationalisierungsmaßnahmen in modernen kapitalistischen Ländern den sozialistischen Maßnahmen, die in den Volksdemokratien in Osteuropa getroffen wurden, gleichzustellen seien;Fünftens: Es vertritt darüberhinaus die Ansicht, dass in modernen kapitalistischen Staaten die Arbeiterklasse 'allmählich ihren Einfluss im Staatsapparat ausbauen kann, solange bis sie die vorherrschende Rolle darin zu spielen in der Lage' sei;Sechstens: Es stellt die Beziehungen zwischen den modernen imperialistischen Ländern und den Kolonialländern so dar, als ob die ehemals ausbeuterischen Beziehungen zu ihnen inzwischen 'rückgängig' gemacht worden seien;Siebtens: Es vertritt die Meinung, dass bedingt durch die Veränderungen, die während des Krieges in den modernen kapitalistischen Ländern eingetreten seien, eine 'staatswirtschaftliche Planung' in diesen Ländern möglich geworden sei;Achtens: Es geht nicht von der sich vertiefenden allgemeinen Krise des Kapitalismus aus;Neuntens: Es geht davon aus, dass in der Nachkriegszeit die Widersprüche zwischen dem Imperialismus und der Sowjetunion zu einem maßgeblichen Teil 'verringert' werden können, so dass Lenins Annahme, dass der Krieg im Imperialismus unvermeidbar sei, nicht mehr zuträfe.

6. Die Kritik an Vargas Buch, 1947-49

Natürlich wurde Vargas Buch von Ökonomen, die auf dem Boden des Marxismus-Leninismus standen, heftig, was diese Fragen anging, kritisiert. Zum Beispiel war Vargas Buch im Mai 1947" ... Gegenstand einer umfassenden Kritik auf einer ganzen Reihe von eigens zu diesem Zweck einberufener Konferenzen des Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts der Akademie der Wissenschaften sowie der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Moskauer Universität."('Die Diskussionen zu J. Vargas Buch über die 'Kapitalistische Kriegswirtschaft'', in: 'Sowjetische Studien', Band 1, Nr. 1, Juni 1949, S. 33).Obwohl jedoch die"Mai-Diskussion ... in gutem Einvernehmen und seriös geführt wurde"(Jewsej D. Domar, 'Die Varga-Kontroverse', in: 'American Economic Review' - Amerikanische Wirtschaftsrundschau - Band 49, Nr. 1, März 1950, S. 149)..war Varga zu diesem Zeitpunkt nur bereit, in einem Punkt einen kleinen Fehler einzuräumen: in der Frage des Charakters der Volksdemokratien:"Wenn Ihr mich fragen würdet, ob ich es für angebracht hielte, irgendeine theoretische Position aufzugeben (außer die in der Frage des Charakters der Volksdemokratien) so würde ich, Genossen, mit 'Nein' antworten. Und all jene Abhandlungen, die ich gelesen habe, haben mich in keinster Weise davon überzeugen können, dass meine grundlegenden theoretischen Annahmen geändert werden müssten."(Jewgeni S. Varga, Stellungnahme auf der Diskussionsveranstaltung vom Mai 1947, in: 'Sowjetische Positionen zur internationalen Nachkriegswirtschaft: eine offizielle Kritik an Jewgeni Vargas 'Veränderungen in der Ökonomie des Kapitalismus im Ergebnis des Zweiten Weltkriegs'', Washington D.C. 1948, S. 2f).Fünf Monate später, im Oktober 1947, wurde"Vargas Institut der Weltwirtschaft aufgelöst."('Ein sowjetischer Ökonom fällt in Ungnade', in: 'Fortune', Band 37,März 1948, S. 5).Im Oktober 1948 trat" ... eine erweiterte Sitzung des Gelehrtenrats der Akademie der Wissenschaften unter Beteiligung von führenden Wissenschaftlern, Pädagogen und Vertretern von Ministerien zusammen."(Philip J. Jaffe, 'Aufstieg und Fall des amerikanischen Kommunismus', New York 1975, S. 111f).Der Haupttagesordnungspunkt war eine erneute kontroverse Diskussion über Vargas Buch.Konstantin Ostrowitjanow - Direktor des Wirtschaftswissenschatlichen Instituts der Akademie der Wissenschaften der UdSSR - verurteilte das Buch und bezeichnete es als 'unmarxistisch':"Eine ganze Reihe von in letzter Zeit veröffentlichten Werken zu Fragen der Ökonomie und Politik in den kapitalistischen Ländern enthalten schwerwiegende antimarxistische Fehler und Entstellungen. ... Diese Bücher wurden auf den Seiten der sowjetischen Presse stark und zu Recht kritisiert. Die Kritik förderte gravierende Fehler reformistischer Natur in diesen Büchern zu Tage. ... Fehler reformistischer Art fanden sich auch in der Zeitschrift 'Weltwirtschaft und internationale Politik', deren Herausgeber Varga war. Genosse Varga, der an der Spitze dieser unmarxistischen Strömung stand, sowie einige seiner Gefolgsleute, haben bislang ihre Fehler nicht eingeräumt. ... Eine solche nicht-parteimäßige Einstellung gegenüber einer Kritik muss zu neuen theoretischen und politischen Fehlern führen."(Konstantin Ostrowitjanow, 'Mängel und Aufgaben der Forschungsarbeit auf dem Gebiet der Ökonomie betreffend', in: 'Aktuelle Artikel aus der sowjetischen Presse', Band 1, Nr. 6, 8. März 1949, S. 5f).Varga weigerte sich jedoch noch immer, mehr als nur zwei seiner Irrtümer in seinem Buches einzuräumen:"Die Trennung von Ökonomie und Politik war falsch. ... Ich irrte auch, wenn ich die Meinung vertrat, dass der Staatskapitalismus in der Wirtschaft der Volksdemokratien vorherrschend blieb. ... Ich kann jedoch den Rat, der mir gegeben wurde, nicht nachvollziehen und auch nicht die gesamte Kritik an meinem Buch ... Es gibt da Dinge, die ich nicht zugeben kann."(Jewgeni Varga, Beitrag auf der Oktober-Diskussion von 1948, in: 'Aktuelle Artikel aus der sowjetischen Presse', Band 1, Nr. 11, 12. April 1949, S. 17f).In seiner Schlussbemerkung kommentierte Ostrowitjanow:"Genosse Varga streitet hartnäckig seine gravierenden Irrtümer in prinzipiellen Fragen ab, die in unserer Parteipresse als reformistische Fehler eingeschätzt wurden. ... Wir würden Dich bitten, die Rolle des beleidigten Würdenträgers der Wissenschaften aufzugeben und zu versuchen, Deine Irrtümer genauestens zu analysieren und, was das Wichtigste ist, sie zu korrigieren und neue Werke auf der Grundlage der Erfordernisse der marxistisch-leninistischen Wissenschaft zu schaffen. Die Geschichte unserer Partei sollte Dir sagen, welche traurigen Konsequenzen das hartnäckige Beharren auf den eigenen Fehlern haben kann."(Konstantin Ostrowitjanow: Schlussbemerkung auf der Oktober-Diskussion von 1948, in: 'Aktuelle Artikel aus der sowjetischen Presse', Band 1, Nr. 12, 19. April 1949, S. 5f).

7. Wosnessenskis Buch über die Kriegswirtschaft, 1947

1947 veröffentlichte Wosnessenski ein Buch mit dem Titel 'Die Kriegswirtschaft der Sowjetunion während des Vaterländischen Krieges', in dem wie bei Varga, einige revisionistische Thesen ähnlich wie in dem Leitartikel von 1943 'Unter dem Banner des Marxismus' vertreten werden.Erstens wird dort behauptet, dass ein sozialistischer Wirtschaftsplan ein ökonomisches Gesetz darstelle:"Es ist wichtig, auf die ... besonderen Wesenszüge des staatlichen Wirtschaftsplans hinzuweisen, ... die ihn zu einem Gesetz der wirtschaftlichen Entwicklung der UdSSR machen. ... Der Staatsplan besitzt die Kraft eines Gesetzes der ökonomischen Entwicklung. Die sozialistische Planung ... ist selbst ein gesellschaftliches Entwicklungsgesetz."(Nikolai A. Wosnessenski, 'Die Kriegswirtschaft der Sowjetunion während des Vaterländischen Krieges', Moskau 1948, S. 115, 120).Dazu stellt der in Neuseeland geborene Wirtschaftswissenschaftler Ronald Meek fest, dass diese These" ... tatsächlich auf eine buchstäbliche Gleichsetzung von 'ökonomischem Gesetz' im Sozialismus und der staatlichen Wirtschaftspolitik hinausläuft.'(Ronald L. Meek, 'Studien zur Theorie des Arbeitswerts', London 1956, S. 273).Zweitens wird dort der Gedanke vertreten, dass die staatlichen Planungsbehörden die Verteilung der Produktionsressourcen der Volkswirtschaft dem Wertgesetz entsprechend vornehmen sollten:"Der Staatsplan des sowjetischen Wirtschaftssystems bedient sich des Wertgesetzes, um die erforderlichen Proportionen in der Produktion und der Verteilung der gesellschaftlichen Arbeit und des gesellschaftlichen Produkts sicherzustellen. ... Das Wertgesetz wirkt ... bei der Verteilung der Arbeit unter die verschiedenen Volkswirtschaftszweige der Sowjetunion. ... Der Staatsplan benutzt das Wertgesetz, um die angemessene Verteilung der gesellschaftlichen Arbeit unter die verschiedenen Zweige der Volkswirtschaft zu gewährleisten."(Nikolai A. Wosnessenski, ebenda, S. 117f).Drittens wird dort eine Aufweichung des Prinzips verlangt, wonach die sozialistische Wirtschaftsplanung der Produktion von Produktionsmittel Vorrang zu geben hat. In dem Kapitel 'Sozialistische Wirtschaft in der Nachkriegszeit' wird vorgeschlagen," ... den Anteil des gesellschaftlichen Produktes, der für die Konsumtion vorgesehen ist, zu erhöhen."(Nikolai A. Wosnessenski, ebenda, S. 147).Trotz dieser revisionistischen Abweichungen wurde das Buch im Allgemeinen positiv aufgenommen und erhielt 1948 sogar den Stalin-Preis.Der australische Wirtschaftswissenschaftler Bruce McFarlane weist darauf hin, dass Wosnessenskis ökonomische Theorien von den Revisionisten im Verlauf der 'Wirtschaftsreformen', die nach Stalins Tod einsetzte, verwirklicht wurden:" ... Seine (Wosnessenskis - Verf.) Theorien ... nahmen schon ein Jahrzehnt vorher die tatsächlichen Änderungen in der Struktur der sowjetischen Wirtschaft, die 1957-1960 eingeführt wurden, vorweg."(Bruce J. McFarlane, 'Die sowjetische Rehabilitierung von N. A. Wosnessenski - Ökonom und Planer', in: 'Australian Outlook', Band 16, August 1964, S. 151).

8. Der Leningrad-'Kult', 1947-48

1947 verband"M. I. Rodionow, der junge russische nationalistische Poltiker, öffentlich seine Reformkampagne in der Russischen Republik mit dem Leningrad-Kult."(William O. McCagg,jr., ebenda, S. 275).Als Bestandteil dieser Kampagne schlug die Gruppe um Wosnessenski 1948 vor," ... dass die Hauptstadt der Russischen Republik von Moskau nach Leningrad verlegt und dass der Hauptsitz der Partei der Republik ebenfalls in die nördliche Stadt verlegt werden sollte. Diejenigen, die sich für diesen Schritt einsetzten, waren Rodionow und Wlassow, Vorsitzender des Ministerrats (Ministerpräsident - Verf.) bzw. des Präsidiums des Obersten Sowjets (Präsident - Verf.) der RSFSR (der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik - Üb.)."(Peter Deriabin, 'Wachhunde des Terrors: Russische Leibwächter von den Zaren bis zu den Kommissaren', Bethesda, USA, 1984, S. 312).1948 schlug Pjotr Popkow, Erster Sekretär sowohl des Leningrader Regional- und Stadtkomitees der Partei Wosnessenski vor," ... dass er den 'Patron' von Leningrad abgeben sollte (d.h. Leningrads Interessen besondere Aufmerksamkeit schenken sollte - Verf.)."(Politisches Archiv der Sowjetunion', Band 1, Nr. 2, 1990, hiernach zitiert als 'Politische Archive, 1990', S. 154).Wosnessenki unterließ es, das Zentralkomitee von Popkows Vorschlag zu unterrichten.Die sowjetischen Marxisten-Leninisten interpretierten diese Vorschläge als einen Schritt, um die Kommunistische Partei in der Russischen Republik zum Zentrum einer gegen die Partei gerichteten antisozialistischen Verschwörung zu machen.

9. Die landesweite 'Wirtschaftsreform', 1949

Im Januar 1949 fühlte sich die Gruppe um Wosnessenski in einer genügend starken Position, um auf Landesebene die von Wosnessenski vorgeschlagenen 'Wirtschaftsreformen' einzuführen, angefangen mit einer Anpassung der Großhandelspreise an ihren Wert, um so den Boden für die Einführung des Profits als Regulator der Produkion vorzubereiten:"Am 12. Januar 1949 wurden die Großhandelspreise beträchtlich erhöht."(Peter J.D. Wiles, 'Die politische Ökonomie des Kommunismus', Oxford 1962, S. 119).Die 'Reform' wurde als Wosnessenskis" ... schlagartiger Subventionsabbau"(Archie Brown, Hrsg., 'Die Sowjetunion. Ein biografisches Wörterbuch', London 1990, S. 43).bezeichnet.Es muss daraufhin gewiesen werden, dass" ... nach Wosnessenskis Fall im Jahre 1950, diese Politik rückgängig gemacht wurde."(Robert Conquest, ebenda, S. 105).

10. Die allrussische Großhandelsmesse, 1949

1948 schlug" ... Wosnessenski vor, eine internationale Messe in Leningrad abzuhalten."(Peter Deriabin, ebenda, S. 313).Es wurde dann tatsächlich vom 10. bis zum 20. Januar 1949 in Leningrad eine allrussische Großhandelsmesse abgehalten.Am 13. Januar 1949, nach Eröffnung der Messe, schickte der Ministerpräsident der Russischen Föderation, Michail Rodionow," ... Malenkow, dem Sekretär des Zentralkomitees, eine Mitteilung, wonach in Leningrad eine allrussische Großhandelsmesse eröffnet worden sei und dass sich daran auch Handelsorganisationen aus anderen Sowjetrepubliken beteiligen würden."(Michail Rodionow, Mitteilung an Georgi Malenkow, 13. Januar 1949, in: 'Politische Archive, 1990', ebenda, S. 153).Georgi Malenkow gab Rodionows Mitteilung an Lawrenti Berija, Nikolai Wosnessenski und Anastás Mikojan weiter, nachdem er vermerkt hatte:"Bitte beschäftigt Euch mit der Mitteilung des Genossen Rodionow. Ich denke, dass Projekte dieser Art nur mit Genehmigung des Ministerrats (also der Regierung der UdSSR - Verf.)stattfinden dürfen."('Politische Archive, 1990', ebenda, S. 153).

11. Das Einschreiten des Politbüros gegen die Leningrader Verschwörer, 1949

Inwischen waren die marxistisch-leninistischen Mitglieder des Politbüros des Zentralkomitees der KPdSU überzeugt, dass führende Parteimitglieder in Leningrad in eine Verschwörung verwickelt waren, die darauf abzielte, die Politik der Partei von marxistisch-leninistischen Prinzipien wegzuführen und einen Keil zwischen die Leningrader Partei und das Zentralkomitee zu treiben.Am 15. Februar 1949 billigte das Politbüro eine Resolution mit dem Titel 'Über die parteifeindlichen Aktivitäten der Genossen Alexej A. Kusnetzow, Michail I. Rodionow und Pjotr S. Popkow'. In der Resolution werden die genannten Parteimitglieder wegen 'staatsfeindlicher Aktivitäten' heftig kritisiert.In der Resolution wurde ihnen vorgeworfen, dass" ... die allrussische Großhandelsmesse in Leningrad, die von Kusnetzow, Rodionow und Popkow organisiert wurde, zu einer Verschwendung staatlicher Warenbestände sowie zu ungerechtfertigten Ausgaben für Material geführt"('Politische Archive, 1990', S. 153).habe.Weiter heißt es in der Resolution:"Das Politbüro der Allunions Kommunistischen Partei, Bolschewiki, ist der Ansicht, dass die oben angeführten parteifeindlichen Aktivitäten sich aus der unbolschewistischen und fehlerhaften Abweichung der Genossen Kusnetzow, Rodionow und Popkow ergeben haben, die in ihrem demagogischen Liebäugeln mit der Leningrader Organisation zum Ausdruck gekommen sind; sich ergeben haben aus ihrer Geringschätzung für des Zentralkomitees, das die Leningrader Organisation angeblich nicht unterstützt sowie in ihrem Bemühen sich als besonders ehrgeizige Vertreter Leningrader Interessen aufzuspielen, um so einen Wall zwischen dem Zentralkomitee und der Leningrader Organisation zu errichten, mit dem Ziel, die Leningrader Organisation dem Zentralkomitee der Partei zu entfremden.In diesem Zusammenhang wird darauf hingewiesen, dass Genosse Popkow als Erster Sekretär des Leningrader Regional- und Stadtkomitees der Partei ... den Kurs der Umgehung des Zentralkomitees der Partei eingeschlagen hat. ...Im gleichen Lichte sehen wir den Vorschlag, der dem Zentralkomitee zu Ohren gekommen ist, dass der Genosse Wosnessenski Leningrad unter seine 'Schirmherrschaft' nehmen solle.Das Politbüro ist der Ansicht, dass solche parteiwidrigen Methoden im Keim erstickt werden müssen, denn sie bringen die Methoden von parteifeindlichen Gruppen zum Ausdruck, sähen Misstrauen zwischen dem Leningrader Regionalkomitee und dem Zentralkomitee und können dazu führen, dass sich die Leningrader Organisation von der Partei abspaltet. ...Das Zentralkomitee weist darauf hin, dass, als Sinowjew den Versuch unternahm, die Leningrader Organisation in eine Bastion seiner antileninschen Fraktion zu verwandeln, er zu den gleichen parteifeindlichen Methoden griff, indem er die Leningrader Organisation heraushob und das Zentralkomitee mit Geringschätzung behandelte, das sich angeblich nicht um die Belange Leningrads kümmerte, in der Absicht, die Leningrader Organisation von der Partei abzuspalten."('Politische Archive, 1990', ebenda, S. 153f).Das Politbüro beschloss," ... Rodionow, Kusnetzow und Popkow ihrer Ämter zu entheben und mit einem Parteiverweis zu belegen."(Ebenda).Auch Wosnessenski erhielt einen Verweis:"In dem Beschluss des Politbüros hieß es:'Obwohl er die Einladung des Genossen Popkow ablehnte, Leningrad unter seine 'Schirmherrschaft' zu nehmen, ... beging Genosse Wosnessenski, Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees, den Fehler, das Zentralkomitee nicht zu informieren'."('Politisches Archiv, 1990', S. 154).

12. Malenkows Besuch in Leningrad, 1949

Am 21. Februar 1949" ... wurde Malenkow von Stalin instruiert und nach Leningrad geschickt. Er sollte sich dort ausführlich umsehen. Er fuhr noch in der gleichen Nacht ab. Seine 'Infos' aus Leningrad wiesen darauf hin,dass mit dem stillschweigenden Einverständnis des Sekretärs des Zentralkomitees A. A. Kusnetzow, der Parteiboss vor Ort (Popkow - Verf.) sich nicht um das Zentralkomitee scherte."(Dimitri Wolkogonow, 'Stalin. Triumph und Tragödie', London 1991, S. 520).Am 22. Februar 1949" ... informierte Malenkow die gemeinsame Sitzung des Leningrader Regional- und Stadtparteikomitees über den Beschluss des Zentralkomitees vom 15. Februar 1949, die Genossen Kusnetzow, Rodionow und Popkow betreffend. Er erklärte, dass es in Leningrad eine parteifeindliche Gruppierung gäbe. ... Lediglich Popkow und Kapustin gaben zu, dass ihre Aktivitäten tatsächlich gegen die Parteigerichtet gewesen seien. Nach ihnen baten andere Teilnehmer der Sitzung um Nachsicht. ... Die von der gemeinsamen Sitzung verabschiedete Resolution beschuldigte Kusnetzow, Rodionow, Popkow und Kapustin der Zugehörigkeit zu einer parteifeindlichen Gruppe."('Politische Archive, 1990', S. 154).

13. Die Entlassung Wosnessenskis, 1949

Am 5. März 1949" ... verabschiedete das Büro des Ministerrats der UdSSR einen Resolutionsentwurf ('Über das Staatliche Planungskomitee'), der Stalins Bemerkung enthielt, dass der 'Versuch, Zahlen zu manipulieren, um diesem oder jenem Vorurteil zu dienen, ein straftwürdiges Vergehen sei'."(Ebd., S. 155).Auf der Grundlage des Beschlusses des Ministerrats der UdSSR vom gleichen Tag" ... wurde Wosnessenski als Vorsitzender des Staatlichen Plankomitees abgesetzt."(Ebd.).

14. Vargas Dementi, 1949

Im März 1949 sah sich Varga gezwungen, einen Brief an die Parteizeitung 'Prawda' zu schreiben, in dem er ausländische Presseberichte zurückwies, wonach er 'westlich orientiert' sei."Ich möchte hiermit energisch die düsteren Anschwärzungen von Kriegstreibern zurückweisen, dass ich ein Mann mit 'westlicher Orientierung' bin. Heute, unter den derzeitigen Umständen, würde dies bedeuten, dass ich ein Konterrevolutionär wäre, ein antisowjetischer Verräter der Arbeiterklasse."(Jewgeni S. Varga, Brief an den Herausgeber der 'Prawda', 15. März 1949, in: 'Current Digest of the Soviet Press' - Aktuelle Artikel aus der sowjetischen Presse - Band 1, Nr. 10, 5. April 1949, S. 45).

15. Vargas Selbstkritik, 1949

Im April 1949 veröffentlichte Varga einen längeren Artikel in 'Woprossi Ekanomiki' (Wirtschaftsfragen), in dem er den ganz überwiegenden Teil der Kritik an seinem Buch als gerechtfertigt bezeichnete:"Mein Buch 'Veränderungen in der Ökonomie des Kapitalismus im Ergebnis des Zweiten Weltkriegs' wurde, wie man weiß, heftig sowohl in der Parteipresse als auch bei wissenschaftlichen Diskussionen kritisiert. Eine ganze Reihe anderer Veröffentlichungen des damaligen 'Instituts für Weltwirtschaft und internationale Politik' wurden ebenfalls stark kritisiert. Als Direktor dieses Instituts war ich für diese Werke mit verantwortlich. Diese Kritik war sowohl notwendig als auch zutreffend. Mein Fehler bestand darin, dass ich nicht sofort die Berechtigung dieser Kritik einzusehen vermochte. Aber 'lieber zu spät als nie'. ...Dass ich so lange zögerte, die Fehler, die durch die Kritik zutage gefördert worden waren, einzuräumen, war zweifellos schädlich. ...Würdig begangene Fehler einzuräumen, ihre Ursachen gründlich zu analysieren, um sie in Zukunft zu vermeiden, ist genau das, was Lenin als die einzig richtige Herangehensweise ansah - sowohl bei kommunistischen Parteien als auch bei einzelnen Genossen. ...Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass ich nicht klug gehandelt habe."(Jewgeni Varga, 'Wider die reformistische Strömung in den Werken zum Imperialismus', in: 'Aktuelle Artikel der sowjetischen Presse', Band 1, Nr. 19, 7. Juni 1949, hiernach zitiert als 'Jewgeni Varga, 1949', S. 3, 9).Varga räumte ein, dass diese Irrtümer deshalb so besonders gefährlich seien, weil es sich bei ihnen um reformistische Abweichungen vom Marxismus-Leninismus handele:"Diese Fehler stellen eine ganze Kette von Fehlern einer reformistischen Strömung dar, die alle zusammengenommen ein Abgehen von einer leninistisch-stalinistischen Einschätzung des modernen Imperialismus darstellen.Es versteht sich von selbst, dass reformistische Fehler auch kosmopolitische Fehler sind, weil sie den Kapitalismus in rosaroten Farben malen. Jeder reformistische Fehler, jede Befleckung der Reinheit des Marxismus-Leninismus ist unter den gegenwärtigen historischen Bedingungen besonders gefährlich."(Ebenda, S. 3).... und gefährlich auch deshalb, weil sie sich auf die Einschätzung des bürgerlichen Staates beziehen:"Alle reformistischen Fehler bezüglich des bürgerlichen Staates ... leisten einer konterrevolutionären, reformistischen Täuschung der Arbeiterklasse Vorschub. ... Die Fehler meines Buches, die durch die Kritik an ihm ans Licht kamen, besitzen eine umso größere Tragweite, als sie in erster Linie mit der Einschätzung der Rolle und des Charakters des bürgerlichen Staates zu tun haben."(Ebenda, S. 3, 4).Varga stimmte jetzt mit seinen Kritikern darin überein, dass die tiefere Ursache für die ganze Kette seiner reformistischen Fehler sein irrtümlicher Versuch gewesen sei, politische von ökonomischen Fragen voneinander zu trennen:"Der eigentliche Grund dafür (für die ganze Reihe seiner Fehler - Verf.) bestand darin - und das haben meine Kritiker richtig herausgearbeitet - dass ich ökonomische Fragen methodisch falsch von politischen getrennt habe. ...Fehler reformistischer Natur gehen stets Hand in Hand mit einem Abgehen von der marxistisch-leninistischen Methode, die verlangt, alle Erscheinungen, die es zu analysieren gilt, in ihrem wechselseitigen Zusammenhang zu studieren. ...Wenn man versucht (wie in meinem Fall und im Fall anderer Autoren des damaligen Instituts für Weltwirtschaft und internationale Politik), die Ökonomie des Kapitalismus 'außerhalb der Politik' zu untersuchen, dann führt dieses Abgehen von der richtigen marxistisch-leninistischen Methode unweigerlich und ungewollt zu reformistischen Fehlern. ... Mein Buch ist von der Methode her deshalb fehlerhaft, weil es die ökonomische Analyse von der politischen trennt."(Ebenda, S. 4, 8).Insbesondere, so räumte Varga ein, habe diese unrichtige Methodik zu einer fehlerhaften Charakterisierung des Staates im Monopolkapitalismus in gewöhnlichen Zeiten geführt, als er ihn als Herrschaftsapparat der kapitalistischen Klasse als Ganzer und nicht als Herrschaftsapparat des Monopolkapitals beschrieb:"Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass ich den modernen Staat als 'eine Organisation der Bourgeoisie als Ganzer' beschrieb, statt ihn als einen Staat der Finanzoligarchie zu beschreiben."(Ebenda, S. 4, 5).Es sei dieser Fehler gewesen,"die Festigung der Union zwischen dem Staatsapparat und der Finanzoligarchie während des Krieges"(Ebenda, S. 5).nicht aufgezeigt zu haben, so Varga, der ihn dazu verleiht habe, anzunehmen, dass das Proletariat nach und nach seinen Einfluss im Staatsapparat vergrößern könne, bis zu einem Punkt, wo es die entscheidende Rolle im Staatsapparat spielen könne. Aus seinem Buch zitierend, gestand Varga ein, dass"diese Zeilen Applaus bei jedem Reformisten gefunden hätten. Die Frage der Staatsmacht ist eine Frage des Kräfteverhältnisses der Klassen untereinander und kann nur im Klassenkampf entschieden werden."(Ebenda).Varga akzeptierte nun auch die Kritik, dass seine Einschätzung der Verstaatlichungen in modernen kapitalistischen Ländern fehlerhaft gewesen sei:"Die fehlerhafte Einschätzung, wie der Verstaatlichungen in England, liegt auf der gleichen Ebene. Es versteht sich von selbst, dass die Verstaatlichung von wichtigen Wirtschaftszweigen zu einer Stärkung des Staatskapitalismus führen muss. ... In Anbetracht des Klassencharakters des Staates, bedeuten die Verstaatlichungen in England keinen Fortschritt in Richtung einer Demokratie neuen Typs."(Ebenda, S. 7).Ein ähnlich grundlegender Fehler, räumte Varga ein, führte auch zu einer" ... fehlerhaften Einschätzung der Veränderungen in den Beziehungen zwischen England und Indien. ... Wurde England wirklich zum Gläubiger Indiens? ... Was den Umfang des Kapitals angeht, so ist Indien Englands Gläubiger, aber was die Einnahmen aus dem Kapital angeht, so ist England sogar jetzt noch der Ausbeuter Indiens."(Ebenda, S. 7).Varga bestätigte auch sein schon vorher abgegebenes Eingeständnis, dass es falsch war, die Volksdemokratien als 'staatskapitalistisch' und als 'relativ unbedeutend' anzusehen:"Die Lostrennung dieser Länder (der Volksdemokratien - Verf.) vom imperialistischen System zählt zweifellos zu den wichtigsten sozialökonomischen Ergebnissen des Zweiten Weltkriegs und deutet auf eine Vertiefung der allgemeinen Krise des Kapitalismus hin. ... Es war unzutreffend zu behaupten, ... dass der Staatskapitalismus in diesen Ländern vorherrscht. Es war insbesondere falsch, ihre Bedeutung als 'relativ gering' zu veranschlagen."(Ebenda, S. 8, 9).Er akzeptierte nun auch, dass er sich geirrte habe, als er behauptete, dass in modernen kapitalistischen Ländern eine echte Wirtschaftsplanung stattfinden könne:"Ich verschlimmerte diese Irrtümer durch die Behauptung, dass seit dem Kriege 'in bestimmten kapitalistischen Ländern so etwas wie ein "Staatsplan" eigener Art entstanden' sei. Ich muss zugeben, dass all meine Behauptungen, was die Frage der 'Planung im Kapitalismus' betrifft, einen großen Rückzug von meiner richtigen Position aus dem Jahre 1935 darstellen.Ein noch energischerer Kampf muss gegen die verlogene Propaganda, die von Reformisten zugunsten einer Wirtschaftsplanung im Kapitalismus betrieben wird, geführt werden."(Ebenda, S. 8).Schließlich räumte Varga ein, dass er sich sehr getäuscht habe, was die Intensivierung der allgemeinen Krise des Kapitalismus angeht:"Die Tatsache, dass sich das Buch nicht mit der Vertiefung der allgemeinen Krise des Kapitalismus befasst, ist von enormer Bedeutung. Dies musste beim Leser den Eindruck erwecken, dass der Weltkrieg nicht eine tiefer gewordene Krise (des Kapitalismus - Üb.) widerspiegelte. ... Das Weglassen der Probleme im Zusammenhang mit der allgemeinen Krise des Kapitalismus, stellt einen schweren Fehler dar."(Ebenda, S. 9).Varga hatte also zugegeben, dass all seine Thesen, deretwegen er kritisiert worden war, falsch waren, außer dass er sich weigerte einzuräumen, dass seine These, dass Kriege nicht mehr unvermeidlich seien, falsch gewesen sei.16. Die Resolution des Zentralkomitees der KPdSU zu Wosnessenskis Buch, 1949Am 14. Juli 1949 billigte das Zentralkomitee der KPdSU eine Resolution, wonach" ... die Herausgeber der Zeitschrift 'Bolschewik' einen schweren Fehler begingen, als sie die Spalten ihrer Zeitschrift einer devoten Anpreisung von N. Wosnessenskis Buch 'Die Kriegswirtschaft der Sowjetunion in der Zeit des Vaterländischen Kriegs' zur Verfügung stellten."(Resolution des ZK der KPdSU vom 14. Juli 1949, in: 'Aktuelle Artikel aus der sowjetischen Presse', Band 4, 24. Januar 1952, S. 15)....und es fasste den Beschluss," ... den Genossen F.N. Fedossejew vom Posten des Chefredakteurs der Zeitschrift 'Bolschewik' zu entfernen."(Ebenda).Obwohl sie nicht in der Lage waren, die Entlassung (und den folgenden Prozess) gegen Wosnessenski zu verhindern, waren die heimlichen Revisionisten in den führenden Positionen einflussreich genug, die Veröffentlichung der Resolution zu verhindern. Tatsächlich dauerte es" ... bis Dezember 1952, dass der Name Wosnessenski in diesem Zusammenhang genannt wurde."(Robert Conquest, ebenda, S. 155).Dies geschah wenige Tage (am 13. Januar 1952), bevor die Marxisten-Leninisten mit ihrer Aufdeckung der revisionistischen Verschwörung gegen Andrej Schdanow und Alexander Schtscherbakow, die infolge einer verbrecherischen ärztlichen Falschbehandlung ermordet worden waren, an die Öffentlichkeit traten.

17. Verschwundene Dokumente, 1949

Im Juli 1949" ... übergab J. J. Andrejew, der zum offiziellen Vertreter des Zentralkomitees für Personalfragen ernannt worden war, eine Stellungnahme ..., in der behauptet wird, dass die Plankommission zwischen 1944 und 1949 eine Reihe ihrer Dokumente verschwinden ließ."('Politische Archive, 1990', S. 155).Die Angelegenheit wurde an das Zentralkomitee der Partei verwiesen, welches" ... das Dokument 'Zu Wosnessenskis parteifeindliches Verhalten' vorbereitete, in dem der Vorwurf erhoben wird, dass die Plankommission Industriepläne gekürzt habe, dass sie interne Vorgänge veröffentlicht und ungeeignetes Personal bei sich beschäfigt und dass Wosnessenski zu parteifeindlichen Gruppen in Leningrad Kontakt gehabt habe."(Ebd.).Am 9. September unterbreitete die Parteikontrollkommission Malenkow die Empfehlung," ... Wosnessenski aus dem Zentralkomitee zu entfernen und für den Verlust der Dokumente der Plankommission verantwortlich zu machen. ... Am 12. und 13. September 1949 wurde der Vorschlag vom Plenum des Zentralkomitees gebilligt."(Ebd.).

18. Wosnessenskis 'Politische Ökonomie des Kommunismus', 1949

Im Herbst 1949" ... setzte Nikolai Alexejewitsch (Wosnessenski - Verf.) zu Hause seine Arbeiten an 'Die politische Ökonomie des Kommunismus' fort."(G. Petrowitsch, 'Er hielt seinen Schwur', in: 'Aktuelle Artikel der sowjetischen Presse', Band 15, Nr. 47, 18. Dezember 1963, S. 12).In diesem Buch entwickelt Wosnessenski seine Ideen über" ... die Ausnutzung des 'sozialistischen Gewinns'."(Bruce McFarlane, ebd., S. 162).

19. Die Verhaftungen, 1949

Am 13. August 1949" ... wurden Kusnetzow, Popkow, Rodionow und Lasutin in Malenkows Arbeitszimmer in Moskau verhaftet."('Politische Archive, 1990', ebd.).... und am 27. Oktober" ... wurde Wosnessenski verhaftet."(Ebd.).

20. Die Wiedereinführung der Todesstrafe, 1950

Am 13. Januar 1950 erließ das Präsidium des Obersten Sowjet" ... ein Dekret, wodurch die im Mai 1947 abgeschaffte Todesstrafe in der UdSSR für Verrat, Spionage und Sabotage wieder eingeführt wurde."('Keesings Archive der Zeitgeschichte', Band 7, S. 10.462).

21. Die Voruntersuchung, 1949-50

Malenkow" ... überwachte persönlich die Voruntersuchung und nahm an den Vernehmungen teil."('Politische Archive, 1990', ebd.).In Leningrad begann eine Kampagne, um" ... Funktionsträger auf allen Ebenen abzulösen. Mehr als 2.000 führende Funktionäre ... wurden zwischen 1949 und 1952 in Leningrad und Umgebung ihrer Posten enthoben."(Ebd., S. 156).

22. Die Anklage, 1950

Am 26. September 1950 wurde die Anklage im Zusammenhang mit der sog. 'Leningrader Affäre' publik gemacht. Unter den Angeklagten fanden sich Wosnessenski, Kusnetzow, Rodionow, Popkow, Kapustin und vier weitere."(Ebd., S. 151).Ihnen allen wurde" ... vorgeworfen, eine parteifeindliche Gruppe gegründet zu haben, um Sabotage und subversive Handlungen zu begehen, mit dem Ziel, die Leningrader Partei zu verselbständigen, sie gegen das Zentralkomitee zu stellen, in der Absicht, sie in eine Bastion für den Kampf gegen die Partei un ihr Zentralkomitee zu verwandeln."(Ebd., S. 152).

23. Der Prozess, 1950

Der Prozess gegen die Angeklagten in der 'Leningrader Affäre'" ... fand im September 1950 im Hause des Offiziers am Liteiny Boulevard in Leningrad statt."(Dimitri Wolkononow, ebd., S. 522, das Zentralarchiv der Oktoberrevolution zitierend; fond 7.523, opis 107, delo 261, 1. 12).Dem amtlichen Protokoll zufolge, das vom Obersten Gericht der UdSSR im April 1957 zitiert wurde," ... bekannten sich die Angeklagten für schuldig, 1938 eine antisowjetische Gruppe gegründet zu haben, innerhalb der Partei Sabotage betrieben und die Autorität des Zentralkomitees in Leningrad untergraben zu haben, in der Absicht, die Leningrader Organisation in einen Stützpunkt für Operationen gegen die Partei und ihr Zentralkomitee zu verwandeln. ... Zu diesem Zweck verbreiteten sie verleumderische Behauptungen und zettelten verräterische Intrigen an. ... Sie veräußerten auch Volkseigentum. ... Wie die Dokumente zeigen, haben alle Angeklagten sich in allen Punkten für schuldig erklärt, sowohl in der Voruntersuchung als auch während der Verhandlung."(Ebd.).Alle Angeklagten wurden für schuldig befunden. Wosnessenski, Kusnetzow, Rodionow, Popkow, Kapustin und andere wurden zum Tode verurteilt. Die anderen Angeklagten erhielten Haftstrafen von 10 bis 15 Jahren. (Alexej N. Kossygin, der spätere Ministerpräsident der UdSSR, der die 'Wirtschaftsreform' von 1965 leitete, die zur Wiederherstellung des Kapitalismus in der Sowjetunion führte, entging durch die Fürsprache und Protektion Chruschtschows u.a. revisionistischer Verschwörer nur knapp der Verfolgung - Übers.).

Die Todesurteile wurden am 1. Oktober 1950 vollstreckt.


Teil 2

1. Die Vorarbeiten an dem neuen Lehrbuch der Politischen Ökonomie, 1940-52

Schon 1940 oder 1941 hatte Stalin die Ausarbeitung eines neuen Lehrbuchs der Politischen Ökonomie vorgeschlagen, um die politische Ökonomie des Sozialismus zu beschreiben:"1940 oder 1941 ... drängte Stalin einer nicht veröffentlichten Äußerung zufolge die Wirtschaftswissenschaftler, ein neues Lehrwerk zur sowjetischen Ökonomie herauszubringen."(Wsewolod Holubnychy, 'Sowjetische Debatten über ökonomische Theorien. Eine Einführung', in: Harry G. Shaffer, Hrsg., ebd., S. 344).Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion 1941 hielt jedoch die Vorbereitungen für das neue Lehrbuch auf und" ... erst 1951 erhielt eine Gruppe von hochrangigen Ökonomen schließlich den Auftrag, den ersten Entwurf für ein Lehrwerk zur sowjetischen Ökonomie zu verfassen."(Ebd.).Eine Konferenz jener, die" ... mit dem neuen Lehrwerk befasst waren, wurde für November 1951 einberufen."(Timothy Dunmore, ebd., S. 111).Stalin wurden die Materialien zugeschickt, der zu den aufgeworfenen Fragen zahlreiche Anmerkungen schrieb, die - zunächst privat - unter den Ökonomen kursierten, wobei einige von ihnen wiederum kritische Bemerkungen zu Stalins kritische Anmerkungen zirkulieren ließen."Die Materialien der Konferenz (von 1951 - Verf.), einschließlich eines 'Memorandums über strittige Fragen', wurden Stalin zugeschickt, der zu diesen Fragen eine ganze Reihe von 'Anmerkungen' schrieb. Diese Anmerkungen scheinen unter den Teilnehmern schnell Verbreitung gefunden zu haben."(Ronald L. Meek, ebd., S. 274).

2. Die Beschneidung des Einflusses der Marxisten-Leninisten, 1925-1952

Im Laufe der Jahre befanden sich die Marxisten-Leninisten in der Führung der KPdSU, mit Stalin an der Spitze, in einer permanenten Auseinandersetzung mit dem falschen Marxismus-Leninismus - dem Revisionismus. Stalin bezog sich wiederholt auf diese Auseinandersetzung und gab zu, dass die revisionistischen Kräfte auf dem Gebiet der Ideologie nicht ganz erfolglos waren:"Die Quelle für diese Geisteshaltung, der Nährboden, aus dem sie sich in der Partei entwickelt hat, besteht im Anwachsen des bürgerlichen Einflusses in der Partei, unter den Verhältnissen eines ... erbittert geführten Kampfes zwischen kapitalistischen und sozialistischen Kräften innerhalb unserer Volkswirtschaft. Die kapitalistischen Elemente kämpfen nicht nur auf dem Gebiet der Ökonomie; sie versuchen auch, den Kampf in die Sphäre der proletarischen Ideologie hineinzutragen, ... und man kann nicht behaupten, dass ihre Anstrengungen ganz und gar erfolglos sind."(Josef W. Stalin, 'Fragen und Antworten', Juni 1925, in: 'Werke', Band 7, Moskau 1954, S. 166, 167).Im Lauf der Jahre waren die stets verdeckt agierenden Revisionisten in den führenden Positionen der sowjetischen Partei in der Lage, ihren Einfluss nach und nach noch weiter auszubauen und den der Marxisten-Leninisten weiter zu verringern.Bis 1927 leistete Stalin zahlreiche Beiträge zu den Beschlüssen und zu der Arbeit der Kommunistischen Internationale. Nach 1927 waren die heimlichen Revisionisten in der Lage, diese Beiträge nicht mehr zuzulassen. Um diese Tatsache mit dem Mythos, dass Stalin sowohl in der KPdSU als auch in der Komintern mit diktatorischen Vollmachten regieren konnte, in Einklang zu bringen, wurde die unwahre Geschichte aufgebracht, dass" ... Stalin nicht Lenins Engagement für den Gedanken der Kommunistischen Internationale teilte."(Robert H. McNeal, 'Stalin - Mensch und Herrscher', Basingstoke 1988, S. 218)."Obwohl das Zentralkomitee der KPdSU 1946 angekündigt hatte, Stalins 'Werke' in 16 Bänden herauszugeben, wurde 1949 die Veröffentlichung beim 13. Band gestoppt, womit durch die Bände nur die Zeit bis 1934 abgedeckt war."(Vorwort zu: Josef W. Stalin, 'Werke', Band 1, Moskau 1952, S. XI-XIV).Im Oktober 1952 gelang es den Revisionisten, Stalin aus der Position des Generalsekretärs des Zentralkomitees der KPdSU zu verdrängen, und er war danach nur noch einer von mehreren Sekretären des ZK:"Am 3. April 1922 wählte das Plenum des Zentralkomitees auf Lenins Antrag hin Stalin zum Generalsekretär der Partei. Stalin diente auf diesem Posten bis Oktober 1952, und von dann ab bis zum Ende seines Lebens war er Sekretär des Zentralkomitees."('Entsiklopeditscheski Slovar' - Enzyklopädisches Wörterbuch - Band 3, Moskau 1955, S. 310)."Stalin war nicht mehr Generalsekretär des Zentralkomitees. Er hatte all jene besonderen Vollmachten verloren, die ... ihn von anderen Mitgliedern des Sekretariats des Zentralkomitees unterschieden."(Boris Nikolajewski, 'Macht und sowjetische Elite', New York 1965, S. 92).Diese Beschneidung von Stalins Einfluss wurde in gewisser Weise durch den 'Persönlichkeitskult' überlagert, den die heimlichen Revisionisten um Stalin aufgebaut hatten. Dennoch wurde dies (die Verringerung seines Einflusses - Übers.) von den scharfsinnigeren unter den Analytikern wahrgenommen:"1950 und 1951 war Stalins Einfluss schon begrenzt."(William O. McCagg, jr., ebd., S. 307).... was sich dann in der Weise fortsetzte, dass Stalin buchstäblich zum 'Gefangenen im Kreml' wurde, wie sich der Amerikaner William McCagg ausdrückte:"Die Berichte aus der Moskauer (US-)Botschaft nährten sehr stark das Bild von Stalin als 'Gefangenen'."(Ebd., S. 382).Unter diesen Umständen waren die heimlichen Revisionisten in der Lage durchzusetzen, dass die führende Rolle auf dem bevorstehenden 19. Parteitag der KPdSU, der am 3. Oktober eröffnet werden sollte, nicht von dem prinzipienfesten Marxisten-Leninisten Stalin, sondern von dem ZK-Sekretär Georgi Malenkow gespielt werden sollte, der zwar nicht zum Kreis der revisionistischen Verschwörer zählte, der jedoch - so schätzten ihn diese völlig zu Recht ein - als nichtahnendes Werkzeug für den nächsten Schritt ihrer Verschwörung benutzt werden konnte, um die Partei vom Weg des Aufbaus und der Verteidigung des Sozialismus abzubringen:"Unter Bruch einer langen Tradition, die bis in die zwanziger Jahre zurückreichte, war es nicht Stalin, der den Bericht des Zentralkomitees vortrug. Er nahm auch gar nicht an den Diskussionen auf dem Parteitat teil."(Gabor T. Ritterspoorn, 'Stalinistische Vereinfachungen und sowjetische Kompliziertheit. Soziale Spannungen und politische Konflikte in der UdSSR, 1933-1953', Reading 1991, S. 219)."Stalin selbst saß während des Parteitags abseits auf einer gesonderten Tribüne und sagte gar nichts, außer dass er eine kurze Schlussansprache hielt."(Robert H. McNeil, ebenda, S. 209)."Stalin saß da völlig isoliert. ... Er erschien auf dem Parteitag nur zur Eröffnungs- und Schlusssitzung."(Dimitri Wolkogonow, ebd., S. 568).

3. Stalins ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR, 1952

In dieser komplizierten Lage beschlossen die Marxisten-Leninisten, dem Revisionismus durch die Veröffentlichung von Stalins Beiträgen zur Diskussion des Lehrbuchentwurfs zur Politischen Ökonomie am Vorabend des Parteitags einen Schlag zu versetzen. So kam es, dass trotz Stalins Isolierung" ... die Hauptrolle, die einzig wichtige, von Stalin gespielt wurde und sie wurde nicht auf dem Parteitag selbst gespielt, sondern schon vor seiner Eröffnung. ... Dies erreichte Stalin dadurch, dass er nur wenige Tage bevor die Delegierten in Moskau eintrafen, ein neues 'Meisterwerk' ... veröffentlichen ließ. Er stahl dem Parteitag völlig die Show, was anscheinend beabsichtigt gewesen war."(Harrison Salisbury, 'Stalins Russland und was danach kam', London 1955, S. 148)."Die ökonomischen Probleme des Sozialismus in der UdSSR' wurden der Weltöffentlichkeit am 3. und 4. Oktober zugänglich gemacht und füllte zwei vollständige 'Prawda'-Ausgaben. Und am 5. Oktober erst wurde der Parteitag eröffnet."(Adam B. Ulam, 'Stalin - der Mensch und eine Zeit', London 1989, S. 731).Dieser Artikel unternimmt nicht den Versuch, die 'Ökonomischen Probleme' im Einzelnen zu analysieren. Er versucht nur seine wichtigsten Punkte zusammenzufassen, in denen Stalin" ... hart prokapitalistische Tendenzen in der UdSSR attackierte."(Kenneth W. Cameron, 'Stalin. Mensch der Widersprüche', Toronto 1987, S. 118).a. Ökonomische Probleme, Teil 1Der erste Teil von Stalins 'Ökonomischen Problemen des Sozialismus in der UdSSR' datiert vom 1. Februar 1952 und besteht aus seinen Beiträgen zur Diskussion des Lehrbuchentwurfs zur Politischen Ökonomie.Seine wichtigsten Punkte waren die folgenden:ERSTENS. Im Gegensatz zu Leontjew, Wosnessenski u.a. wird der objektive Charakter der ökonomischen Gesetze des Sozialismus unterstrichen:"Einige Genossen streiten den objetiven Charakter der Gesetze der Wissenschaft und der Politischen Ökonomie, insbesondere im Sozialismus ab. Sie bestreiten, dass die Gesetze der Politischen Ökonomie von Gesetzen regierte Vorgänge widerspiegeln, welche unabhängig vom Willen des Menschen existieren. Sie nehmen an, dass angesichts der besonderen Rolle, die dem sowjetischen Staat durch die Geschichte zugewiesen wurde, dieser sowjetische Staat und seine Führer die bestehenden Gesetze der Politischen Ökonomie abschaffen könnten und neue Gesetze 'erfinden' oder 'schaffen' können.Diese Genossen irren sich gründlich. Es ist offensichtlich, dass sie die Gesetze der Wissenschaft, die objektive Prozesse in Natur und Gesellschaft widerspiegeln, die unabhängig vom Willen des Menschen ablaufen, mit den Gesetzen verwechseln, die vom Willen des Menschen hervorgebracht werden. ... Aber beides darf nicht miteinander verwechselt werden.Der Marxismus betrachtet die Gesetze der Wissenschaft - gleich, ob es sich nun um naturwissenschaftliche Gesetze oder um solche der Politischen Ökonomie handelt - als Widerspiegelung objektiver Prozesse, die unabhängig vom Willen des Menschen stattfinden. Der Mensch kann diese Gesetze entdecken, sie kennenlernen, sie studieren, sie in seinen Handlungen berücksichtigen und sie im Interesse der Gesellschaft nutzen. Aber: Er kann sie nicht abändern oder abschaffen."(Josef W. Stalin, 'Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR', Februar-September 1952, hiernach zitiert als 'Josef W. Stalin, 1952', in: 'Werke', Bd. 16, London 1986, S. 289-90).Dazu der britische Ökonom Peter Wiles:"Dies zielte eindeutig auf Wosnessenski."(Peter J.D. Wiles, ebd., S. 106).ZWEITENS: Im Unterschied zu Wosnessenski u.a. wird verneint, dass das Wertgesetz auch in der sozialistischen Volkswirtschaft die Rolle eines Steuerungsmechanismus spielt:"Der Wirkungsbereich des Wertgesetzes in unserem Land ist eng begrenzt. ... In unserem System kann das Wertgesetz nicht als Regulator der Prokuktion dienen. ... Auch völlig falsch ist die Behauptung, dass in unserem heutigen Wirtschaftssystem ... das Wertgesetz die 'Anteile' der Arbeit unter die verschiedenen Produktionszweige verteilt. Wenn dies so wäre, wäre es nicht nachvollziehbar, weshalb unsere Leichtindustrie, die am profitabelsten arbeitet, nicht bis aufs Äußerste entwickelt wird und weshalb unsere Schwerindustrie der Vorzug eingeräumt wird, welche häufig weniger gewinnträchtig und mitunter völlig unprofitabel ist. ...Falls dies zuträfe, ... dürften wir der Produktion von Produktionsmitteln nicht mehr zugunsten der Produktion von Konsumgütern den Vorzug geben. ... Die Folge wäre, die Möglichkeit eines ständigen Wachstums unserer Volkswirtschaft zunicht zu machen. ... Das Wertgesetz kann nur im Kapitalismus der Regulator der Produktion sein."('Josef W. Stalin, 1952', S. 313, 315f).DRITTENS: Im Unterschied zu Varga und anderen wird festgestellt, dass seit dem Zweiten Weltkrieg die allgemeine Krise des internationalen Kapitalismus sich vertieft hat:"Der Zerfall eines einheitlichen, alles umspannenden Weltmarkts kann als wichtigstes ökonomisches Ergebnis des Zweiten Weltkriegs angesehen werden. Er hat eine weitere Vertiefung der allgemeinen Krise des internationalen kapitalistischen Systems nachsichgezogen."('Josef W. Stalin, 1952', S. 324).VIERTENS: Im Unterschied zu Varga und anderen wird festgestellt, dass, solange der Imperialismus existiert, Kriege weiterhin unvermeidlich seien:"Einige Genossen sind der Auffassung, dass aufgrund der Entstehung neuer internationaler Bedingungen seit Ende des Zweiten Weltkrieges Kriege zwischen kapitalistischen Ländern aufgehört haben unvermeidlich zu sein. ... Diese Genossen irren sich. ... Die Unvermeidlichkeit von Kriegen zwischen kapitalistischen Staaten besteht nach wie vor. ... Um die Unvermeidlichkeit von Kriegen auszuschalten, ist es notwendig, den Imperialismus abzuschaffen."('Josef W. Stalin, 1952', S. 327, 331f).FÜNFTENS werden in dem Buch Vorschläge für die Definition der grundlegenden ökonomischen Gesetze des modernen Kapitalismus und des Sozialismus gemacht:"Die wichtigsten Merkmale und Bestandteile des Grundgesetzes des modernen Kapitalismus könnten folgendermaßen zusammengefasst werden:Die Sicherung des Maximalprofits. ... Die wichtigsten Merkmale und Bestandteile des Grundgesetzes des Sozialismus könnten so formuliert werden: Die Sicherung der größtmöglichen Befriedigung der ständig wachsenden materiellen und kulturellen Bedürfnisse der gesamten Gesamtgesellschaft durch die ständige Ausweitung und Vervollkommnung der sozialistischen Produktion auf der Grundlage der höchsten Technologie."('Josef W. Stalin, 1952', S. 334, 337).SECHTENS wird kritisiert," ... dass die marxistische Entwicklung der Mehrheit der ausländischen kommunistischen Parteien unzulänglich ist."('Josef W. Stalin, 1952', S. 344).b. 'Ökonomische Probleme', Teil 2Der zweite Teil von Stalins 'Ökonomischen Problemen des Sozialismus in der UdSSR' datiert vom April 1952 und bestand aus seiner Antwort auf ein kritisches Schreiben des Ökonomen Alexander Notkin.Sein Hauptpunkt war der, dass 'im Sozialismus die Produktionsmittel keine Waren' darstellen:"Produktionsmittel werden nicht an irgendwelche Käufer 'verkauft'; sie werden noch nicht einmal an Kollektivfarmen 'verkauft'. Sie werden lediglich vom Staat an seine Betriebe abgegeben. ... Die Betriebsdirektoren, die vom sowjetischen Staat Produktionsmittel erhalten, stellen - weit davon entfernt, ihre Eigentümer zu werden, Beauftragte des Staates dar für die Nutzung der Produktionsmittel, in Übereinstimmung mit den vom Staat erstellten Plänen.In unserem System können Produktionsmittel ganz sicher nicht zur Gruppe der Waren gezählt werden."('Josef W. Stalin, 1952', S. 350f).... außer im Außenhandel:"Auf dem Gebiet des Außenhandels behalten die Produktionsmittel, die von unseren Betrieben hergestellt worden sind, die Eigenschaften von Waren."(Ebenda, S. 351).c. 'Ökonomische Probleme', Teil 3Der dritte Teil von Stalins 'Ökonomischen Problemen des Sozialismus in der UdSSR', vom 22. Mai 1952, besteht aus einer Antwort Stalins auf eine Kritik eines Ökonomen namens L.D. Jaroschenko, der sich darüber beschwerte, dass Stalins erster Teil der 'Ökonomischen Probleme'" ... keinerlei Berücksichtigung"(Ebd., S. 358).seiner Auffassungen enthielt.In seiner Antwort sagte Stalin rundheraus, dass der Grund dafür, dass er ihn übergangen habe, darin bestehe, dass"Genosse Jaroschenkos Auffassungen ... unmarxistisch sind und deshalb zutiefst fehlerhaft."(Ebenda).In diesem dritten Teil geht Stalin auf folgende wichtigen Fragen ein:ERSTENS: Die Produktionsverhältnisse (die Eigentumsverhältnisse - Üb.)stellten nicht immer nur ein Hemmschuh für die Entwicklung der Produktivkräfte dar:"Es ist nicht zutreffend ..., dass die Rolle der Produktionsverhältnisse in der Geschichte der Gesellschaft stets nur auf die Rolle eines Hemmschuhs, eines Hindernisses für die Entwicklung der Produktivkräfte beschränkt war."(Ebenda, S. 361).Tatsächlich stellen die Produktionsverhältnisse in einigen Epochen eine Bremse für die Entwicklung der Produktivkräfte dar, in anderen jedoch sind sie eine Triebfeder und treiben sie voran:"Diese besondere Entwicklung der Produktionsverhältnisse von der Rolle eines Hemmschuhs für die Produktivkräfte hin zur wichtigsten Triebfeder, die sie vorantreibt und von der Rolle der wichtigsten Triebfeder hin zum Hemmschuh für die Produktivkräfte, stellt eines der Hauptelemente der marxistischen Dialektik dar. Jeder Anfänger auf dem Gebiet des Marxismus weiß davon. Genosse Jaroschenko jedoch scheint dies nicht zu wissen."(Ebd., S. 363).Sogar im Sozialismus, so Stalin, gäbe es Widersprüche zwischen den Produktionsverhältnissen und den Produktivkräften:"Genosse Jaroschenko irrt sich, wenn er meint, dass es im Sozialismus zwischen den Produktionsverhältnissen un den Produktivkräften keinen Widerspruch mehr gäbe. Natürlich existieren unsere Produktionsverhältnisse in einer Epoche, wo sie voll und ganz mit dem Wachstum der Produktivkräfte übereinstimmen und dazu beitragen, dass diese mit Sieben-Meilen-Schritten voranschreiten können.Jedoch - leider gibt es auch ganz sicher hier Widersprüche, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Entwicklung der Produktionsverhältnisse hinter der Entwicklung der Produktivkräfte zurückbleibt und zurückbleiben wird. Unter der Voraussetzung einer richtigen Politik auf Seiten der regierenden Organe können sich diese Widersprüche jedoch nicht zu unversöhnlichen Gegensätzen entwickeln. ... Ganz anders verhielte es sich aber, wenn wir eine falsche Politik betrieben, in der Art einer Politik, wie sie uns Genosse Jaroschenko empfiehlt."(Ebd., S. 369f).ZWEITENS: Im Sozialismus sind die Produktionsverhältnisse nicht Bestandteil der Produktivkräfte:"Es stimmt nicht ..., dass die Produktionsverhältnisse im Sozialismus ihre unabhängige Rolle verlieren und von den Produktivkräften absorbiert werden."(Ebd., S. 363).Wäre dies der Fall, so Stalin, dann hätten wir" ... ein sozialistisches System ohne eine ökonomische Basis. Eine ziemlich merkwürdige Situation."(Ebd., S. 366).DRITTENS: Die Politische Ökonomie des Sozialismus kann nicht auf eine rationale Organisation der Produktivkräfte reduziert werden:"Genosse Jaroschenko ... reduziert das Problem der Politischen Ökonomie des Sozialismus auf die rationale Organisation der Produktivkräfte, wobei er die Produktionsverhältnisse ausrangiert und die Produktivkräfte von ihnen abtrennt.Wenn wir also dem Genossen Jaroschenko folgen würden, würden wir statt einer marxistischen Politischen Ökonomie etwas in der Art von Bogdanows 'Allgemeiner Organisationswissenschaft' erhalten."(Ebd., S. 364f).VIERTENS: Der Übergang vom Sozialismus zum Kommunismus erfordert mehr als nur eine rationale Organisation der Produktivkräfte:"Genosse Jaroschenko meint, dass wir nur eine rationale Organisation sicherstellen müssten, um zu gewährleisten, dass wir einen Überfluss an Produkten erhalten, um in der Lage zu sein, zum Kommunismus überzugehen, und wir könnten dann von der Formel 'Jeder nach seiner Leistung' zur Formel 'Jeder nach seinen Bedürfnissen' voranschreiten. Das ist ein großer Irrtum. ...Die rationale Organisation der Produktivkräfte, die Wirtschaftsplanung usw. zählen nicht zu den Fragen der Politischen Ökonomie, sondern es handelt sich bei ihnen um Fragen der Wirtschaftspolitik der regierenden Organe. Dies sind zwei ganz verschiedene Gebiete, die man nicht miteinander verwechseln darf. ... Die Politische Ökonomie untersucht die Entwicklungsgesetze der Produktionsverhältnisse der Menschen. Die Wirtschaftspolitik zieht daraus ihre praktischen Schlussfolgerungen, verleiht ihnen eine konkrete Gestalt und organisiert ihre tagtägliche Arbeit auf dieser Grundlage."(Ebd., S. 367f).Tatsächlich müssen" ... zumindest drei wichtige Bedingungen erfüllt sein, um den Weg zu einem wirklichen und nicht nur zu einem propagandistischen Übergang zum Kommunismus zu ebnen."(Ebd., S. 368).Zu diesen Bedingungen zählen:"1. ... Nicht eine mystische 'rationale Organisation' der Produktivkräfte, sondern eine kontinuierliche Steigerung aller sozialer Produktionsformen, wobei die Steigerung der Produktion von Produktionsmitteln relativ höher sein muss. ...2. Durch einen allmählichen Übergang ... die Anhebung des Eigentums an den Kollektivwirtschaften auf das Niveau des Volkseigentums anzuheben und ebenfalls durch einen allmählichen Übergang ... die Ersetzung der Warenzirkulation durch ein System des Produktenaustausches, bei dem die Zentralregierung oder irgendein anderes sozialökonomisches Zentrum das Gesamtprodukt der gesellschaftlichen Produktion im Interesse der Gesellschaft kontrolliert. ...3. ... Ein kultureller Fortschritt der Gesellschaft, durch den allen Mitgliedern der Gesellschaft die allseitige Entwicklung ihrer körperlichen und geistigen Fähigkeiten garantiert wird."(Ebd., S. 368f, S. 371).Jaroschenko lehnte Stalins Definition des ökonomischen Gesetzes des Sozialismus mit der Begründung ab, dass" ... es nicht auf den Vorrang der Produktion, sondern auf dem der Konsumtion beruht."(L.D. Jaroschenko, Brief an das Politbüro des ZK der KPdSU, 20. März 1952, in: 'Josef W. Stalin, 1952', S. 380).... worauf Stalin erwiderte:"Es wäre falsch von dem Vorrang der Konsumtion über die Produktion zu sprechen oder von dem Vorrang der Produktion über die Konsumtion, weil Produktion und Konsumtion zwei völlig verschiedene Sphären darstellen. ... Ganz offensichtlich ist Genosse Jaroschenko nicht in der Lage zu erkennen, dass das, wovon wir hier sprechen, nichts mit dem Vorrang der Konsumtion über die Produktion zu tun hat, sondern mit dem Ziel, das die Gesellschaft im Sozialismus der gesellschaftlichen Produktion setzt. Genosse Jaroschenko vergisst, dass die Menschen nicht um der Produktion willen produzieren, sondern um ihre Bedürfnisse zu befriedigen. ... Mit dem Verschwinden des Menschen als Ziel der sozialistischen Produktion, verschwindet jede Spur von Marxismus aus Genosse Jaroschenkos 'Konzeption'."(Ebd., S. 380f, S. 383f).Am Ende von Teil 3 der 'Ökonomischen Probleme' kam Stalin zu folgenden Schlussfolgerungen:"1. Die Beschwerde von Genossen Jaroschenko gegen die Moderatoren der Diskussion ist unhaltbar, da diese als Marxisten in ihren Schlussdokumenten seine unmarxistische 'Auffassung' nicht berücksichtigen konnten.2. Die Bitte des Genossen Jaroschenko, mit der Abfassung der 'Politischen Ökonomie des Sozialismus' betraut zu werden, kann nicht ernst genommen werden."(Ebd., S. 389f).d. 'Ökonomische Probleme', Teil 4Der vierte und letzte Teil von Stalins 'Ökonomischen Probleme des Sozialismus in der UdSSR' vom 28. September 1952 bestand aus seiner Antwort auf die Kritik der Ökonomen A.W. Sanina und W.G. Wenscher:ERSTENS: Stalin wiederholte das schon im ersten Teil entwickelte Argument, dass die ökonomischen Gesetze des Sozialismus einen objektiven Charakter besitzen. Anders Sanina und Wenscher. Stalin:"Der Marxismus behauptet, dass die Gesetze der Politischen Ökonomie des Sozialismus die Widerspiegelung von objektiven Gesetzen im Bewusstsein der Menschen sind, welche außerhalb von uns existieren."(Ebd., S. 391).ZWEITENS: Auch im Unterschied zu Sanina und Wenscher wies Stalin die Vorstellung zurück, dass das Eigentum an den Kollektivfarmen Vorrang vor dem Volkseigentum in der Weise genießen sollte, dass ihnen die Produktionsmittel verkauft werden sollten:"Ein Verkauf der MTS (Maschinen-Traktoren-Stationen) an die Kollektivfarmen ... würde darauf hinauslaufen, den Kollektivfarmen hohe Verluste zuzufügen und sie zu ruinieren. ... Die Kollektivfarmen würden zu Eigentümern der wichtigsten Produktionsmittel werden, d.h., sie würden einen besonderen Status erhalten, denn ... selbst ... die verstaatlichten Betriebe verfügen nicht über ihre Produktionsinstrumente. ... Ein solcher Status wäre nur geeignet, einen noch tieferen Graben zwischen kollektivem Farmeigentum und öffentlichem Eigentum zu ziehen und würde uns dem Kommunismus nicht näher bringen, sondern, im Gegenteil, uns von ihm weiter entfernen."(Ebd., S. 329f).Stalin wiederholte dazu seinen schon oben gemachten Vorschlag, dass das Eigentum an den Kollektivfarmen allmählich auf das Niveau des Volkseigentums angehoben werden sollte, indem ein direkter Produktenaustausch zwischen Kollektivfarmen und staatlicher Industrie stattfinden würde:"Um das Eigentum an den Kollektivfarmen auf das Niveau des Volkseigentums anzuheben, muss die überschüssige Produktion der Kollektivfarmen aus der Warenzirkulation herausgenommen und in ein System des Produktenaustausches zwischen staatlicher Industrie und Kollektivfarmen eingebracht werden. ... Ein solches System wird den Übergang vom Sozialismus zum Kommunismus durch die Einengung der Sphäre der Warenzirkulation erleichtern."(Ebd., S. 402f).

4. Der 19. Parteitag der KPdSU, 1952

Wie bereits erwähnt, wurde der 19. Parteitag der KPdSU am 3. Oktober 1952 eröffnet - einen Tag nach Stalins Veröffentlichung der 'Ökonomischen Probleme des Sozialismus in der UdSSR'.Stalins Schrift beherrschte die Verhandlungen und Beschlüsse des Parteitags:"Im Oktober 1952 wurde die positive Haltung in Stalins 'Ökonomische Probleme des Sozialismus ...' zur Schwerindustrie erneut als offizielle Parteipolitik bestätigt. Der 'A'-Sektor sollte laut Plan um 13% pro Jahr im Verlauf der Fünfjahrplan-Periode ansteigen; der 'B'Sektor (der der Konsum- und Leichtindustrie - Üb.) um 11%."(Timothy Dunmore, ebd., S. 114).Hinzukam, dass Georgi Malenkow in seinem Rechenschaftsbericht an den Parteitag Stalins Kritik an Wosnessenskis revisionstischen Anschauungen wiederholte - wobei sein Name (Wosnessenkis - Verf.)nach wie vor nicht genannt wurde:"Von immenser Bedeutung ist Stalins Hinweis auf den objektiven Charakter der ökonomischen Gesetze. Zutiefst irrig dagegen ist die Ansicht, dass die Gesetze der ökonomischen Entwicklung geschaffen oder abgeschafft werden könnten. ... Die Leugnung des objektiven Charakters der ökonomischen Gesetze stellt die ideologische Basis für das Abenteurertum auf dem Gebiet der Wirtschaftspolitik, für die vollständige Willkür auf dem Gebiet der Wirtschaftsführung dar."(Georgi M. Malenkow, 'Bericht an den 19. Parteitag über die Arbeit des Zentralkomitees der KPdSU,B', Moskau 1952, S. 139f).

5. Die öffentliche Kritik an Wosnessenskis ökonomischen Ansichten, 1952

In der politischen Atmosphäre nach der Veröffentlichung von Stalins Schrift 'Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR' und ihrer Billigung auf dem 19. Parteitag der KPdSU waren die sowjetischen Marxisten-Leninisten in der Lage, den Vorhang des Schweigens niederzureißen, den die heimlichen Revisionisten um die Kritik an Wosnessenskis ökonomischen Ansichten, um sein verräterisches Verhalten sowie um seinen Prozess errichtet hatten:"Diese (Wosnessenskis - Verf.) Ansichten stellen im Kern eine Wiederholung der idealistischen Theorie Dührings dar."(Michail Suslow, 'Was die Artikel P. Fedossejews in der 'Iswestija' vom 12. und 21. Dezember betrifft', in: 'Aktuelle Artikel der sowjetischen Presse', Band 6, Nr. 50, 24. Januar 1953, S. 14).Suslow ging noch einen Schritt weiter und übte scharfe Kritik an Fedossejew, weil dieser es unterlassen hatte, Selbstkritik wegen seiner Unterstützung von Wosnessenskis revisionistischen Ansichten in den 40iger Jahren zu üben:"Hier erhebt sich zwangsläufig die Frage, weshalb er (Fedossejew - Verf.), der einst fleißig den gleichen idealistischen Standpunkt und Subjektivismus zur Natur der ökonomischen Gesetze im Sozialismus propagiert hat, es für notwendig erachtet, über seine Fehler Stillschweigen zu wahren. ... 'Der Bolschewik' hatte N. Wosnessenskis antimarxistisches Buch 'Die Kriegswirtschaft in der Sowjetunion in der Zeit des Vaterländischen Krieges' als 'aktuellen Beitrag zur sowjetischen ökonomischen Wissenschaft bezeichnet'. ... Dieses Verhalten von Genosse Fedossejew kann nur als Hinweggehen über seine eigenen Fehler aufgefasst werden, was für einen Kommunisten unverzeihlich ist."(Michail Suslow, ebd., S. 14f).Suslows Artikel enthielt den Text der vormals nicht veröffentlichten ZK-Resolution vom Juli 1949, in der Wosnessenskis Buch sowie seine Billigung durch den 'Bolschewik' kritisiert wurden.Im Januar 1953 wurde ein Brief Fedossejews vom 31. Dezember 1952 in der 'Prawda' veröffentlicht, in dem es hieß:"Ich betrachte als bedingungslos richtig die Kritik meiner Fehler im Artikel des Genossen M. Suslows."(P. Fedossejew, Brief an den Herausgeber der 'Prawda' vom 31. Dezember 1952, in: 'Aktuelle Artikel der sowjetischen Presse', Band 4, Nr. 50, 24. Januar 1953, S. 15).

6. Die 'Rehabilitierung' Wosnessenskis, 1954

Nach Stalins Tod 1953 beeilten sich die revisionistischen Führer ihre hingerichteten Mitverschwörer zu rehabilitieren.Am 30. April 1954" ... rehabilitierte das höchste Gericht der UdSSR die Personen, die in der Leningrader Affäre angeklagt und verurteilt worden waren."('Politische Archive, 1990', ebd., S. 157).Am 3. Mai 1954" ... fasste das Präsidium des ZK der KPdSU einen Beschluss mit der Wirkung, dass der Erste Sekretär des Zentralkomitees, Nikita S. Chruschtschow sowie der Generalstaatsanwalt der UdSSR, R.A. Rudenko, angehalten wurden, die Aktivisten der Leningrader Partei von der getroffenen Entscheidung in Kenntnis zu setzen. Dies geschah."('Politische Archive, 1990', ebenda).

7. Der Fall Abakumow, 1954

Die 'Rehabilitierung' der Verschwörer machte es notwendig, Sündenböcke für den angeblichen Justizirrtum in der 'Leningrader Affäre' sowie für die 'Folterungen' zu finden, die zu ihren 'falschen' Aussagen geführt hätten.So brachte man im Dezember 1954 den ehemaligen Minister der UdSSR für Staatssicherheit, Wiktor Abakumow, zusammen mit fünf seiner Assistenten vor Gericht, mit dem Vorwurf," ... die so genannte 'Leningrader Affäre' fabriziert zu haben, ... in deren Verlauf viele sowjetische Partei- und Staatsfunktionäre grundlos und fälschlicherweise für sehr viele Verbrechen gegen den Staat angeklagt worden waren. ... Die Personen, die von Abakumow und seinen Komplizen fälschlicherweise angeklagt wurden, sind nun voll und ganz rehabilitiert worden."(Kommuniqué in der 'Prawda' vom 24. Dezember 1954, in: 'Aktuelle Artikel der sowjetischen Presse', Band 6, Nr. 49, 19. Januar 1955, S. 12).Alle Angeklagten wurden für schuldig befunden und vier von ihnen (einschließlich Abakumow) wurden zum Tode verurteilt und hingerichtet ('Kommuniqué', S. 12).

8. Die 'Rehabilitierung' Vargas, 1954

Nach dem Machtantritt der neuen revisionistischen Führung der KPdSU mit Nikita Chruschtschow an der Spitze wurde Varga" ... nicht nur rehabilitiert, sondern erhielt 1954 sogar den Lenin-Orden."(Philip J. Jaffe, ebd., S. 123).1963 erhielt Varga" ... den Lenin-Preis für hervorragende Beiträge zur Entwicklung der marxistisch-leninistischen Wissenschaft."('Große Sowjetenzyklopädie', Band 4, New York 1974, S. 509).

9. Der 20. Parteitag der KPdSU, 1956

Erst auf dem berühmt berüchtigten 20. Parteitag der KPdSU im Februar 1956 wurde die 'Rehabilitierung' der Verschwörer der 'Leningrader Affäre' stärker bekannt gemacht - und selbst da nur in der 'Geheimrede'. Nun wurde Stalin die Schuld an dem angeblichen 'Justizirrtum' zugeschoben:"Das Zentralkomitee der Partei hat die 'Leningrader Affäre' untersucht. Personen, die unschuldig gelitten haben, sind jetzt rehabilitiert worden. Stalin hat die 'Leningrader Affäre' persönlich geleitet."(Nikita S. Chruschtschow, Geheimrede auf dem 20. Parteitag der KPdSU, in: 'Die Entthronung Stalins', Manchester 1952, S. 24).

10. Malenkows Verwicklung, 1955-57

Vor 1957 wurde der Name Malenkow im Zusammenhang mit der 'Leningrader Affäre' nicht erwähnt:"In seiner (Chruschtschows - Verf.) Geheimrede aus dem Jahr 1956 erwähnte er Malenkow nicht in diesem Zusammenhang."(Wolfgang Leonhard, 'Der Kreml seit Stalin', London 1962, S. 177).Nachdem Malenkow jedoch den wahren Charakter der revisionistischen Verschwörer durchschaut hatte und anfing, sich ihnen zu widersetzen, wurde er in internen Parteidokumenten der Verwicklung in die 'Leningrade Affäre' bezichtigt. Im Februar 1955 musste" ... Malenkow als Ministerpräsident zurücktreten und schon kurz darauf wurde er in einem internen Rundschreiben der Partei beschuldigt, Mitverantwortung an der 'Leningrader Affäre' zu tragen."(Ebd., S. 176f).Jedoch" ... erst im Juli 1957, nach der entscheidenden Kraftprobe mit der 'parteifeindlichen Gruppe' (Wjatscheslaw Molotow, Lazar Kaganowitsch, Georgi Malenkow usw. - Verf.) behauptete Chruschtschow kategorisch: 'Malenkow war einer der Hauptorganisatoren im so genannten 'Leningrader Fall'."(Robert Conquest, ebd., S. 101).Das heißt, dass die 'Schuld' an dem angeblichen 'Fehlurteil' in der 'Leningrader Affäre' sich auf keinerlei historische Fakten stützen kann. Sie wurde von einem Sündenbock auf den anderen geschoben, je nach den taktischen Erfordernissen, die sich für die Revisionisten gerade ergaben.

11. Vargas 'Politökonomische Probleme des Kapitalismus', 1964

1964 veröffentlichte Varga ein neues Buch mit dem Titel 'Otscherki po problemam politekanomi kapitalisma' - Aufsätze über politökonomische Probleme des Kapitalismus.In dem neuen ideologischen Klima präsentierte Varga sein Werk als eine Streitschrift gegen die 'Entstellungen der ökonomischen Wissenschaft zu Zeiten Stalins', wenn er schrieb:"Das Buch, das als Streitschrift verfasst wurde, richtet sich gegen den gedankenlosen Dogmatismus, der noch bis vor nicht allzu langer Zeit in den Werken zur Ökonomie und Politik des Kapitalismus weit verbreitet war."(Jewgeni Varga, 'Politökonomische Probleme des Kapitalismus', Moskau 1968, hiernach zitiert als 'Jewgeni S. Varga, 1968', S. 11).Er gab zu, dass seine frühere 'Selbstkritik' nicht durch den Druck, der auf ihn in der Sowjetunion ausgeübt worden sei, zustandegekommen war:"Zur Zeit der Debatte sah ich mich gezwungen, ihr dadurch ein Ende zu setzen, dass ich zugab, dass es in meinem Buch Fehler gab. Dies lag nicht daran, dass auf mich in der Sowjetunion Druck ausgeübt wurde, sondern daran, dass die kapitalistische Presse, besonders die amerikanischen Zeitungen ..., es für ihre heftige antisowjetische Propaganda missbrauchten, wenn man behauptete, dass ich prowestlich eingestellt, dass ich gegen die Kommunistische Partei sei usw. Deshalb war es für mich relativ unwichtig, ob meine Kritiker oder ich nun im Recht waren."('Jewgeni S. Varga, 1968', S. 50).... er bekannte sich nun erneut zu allen Thesen, die er zu der Zeit, als er kritisiert wurde, noch zurückgezogen hatte. Er ging nun sogar so weit, dass er das von Stalin formulierte Grundgesetz des modernen Kapitalismus und das er noch 1952 'gebilligt' hatte, als 'völlig haltlos' bezeichnete:"Stalins Behauptung, dass 'es nicht der Durchschnittsprofit ist, sondern der Maximalprofit, den der moderne Kapitalismus benötigt', ... ist vollständig unbegründet."('Jewgeni S. Varga, 1968', ebd., S. 162).

12. Vargas 'Testament', 1964

Kurz vor seinem Tode schrieb Varga" ... sein politisches Testament, das mit 'Der russische Weg und seine Ergebnisse' überschrieben war und das als Vargas 'Testament' bekannt wurde."(Philip J. Jaffe, ebd., S. 130).Das Dokument zirkulierte" ... als maschinengeschriebene Vervielfältigung in der Untergrundpresse der Sowjetunion ('Samizdat'), wurde aber nie veröffentlicht."(Ebd.).Vargas 'Testament' zufolge entartete die Diktatur des Proletariats unter Stalins Führung zu einer 'Diktatur der Spitzengruppe der Parteibürokratie':"Die Diktatur des Proletariats, deren theoretisches Fundament von Marx und Lenin entwurfen wurde, wurde sehr schnell zu einer Diktatur der höchsten Gruppe in der Parteibürokratie. Das führte zu einer völligen Entartung der Macht der Sowjets."(Jewgeni S. Varga, 'Politisches Testament', 1964, in: 'New Left Review' - Neue Linke Rundschau - Nr. 62, Juli/August 1970, hiernach zitiert als 'Jewgeni S. Varga, 1970', S. 36f).... bis die Sowjetunion buchstäblich zu einem 'faschistischen Staat' wurde:"Obwohl es in den Konzentrationslagern und Gefängnissen Stalins nicht so viele Folterer und Sadisten gab, muss man dennoch sagen, dass es im Prinzip keinen Unterschied zwischen beiden gab."(Ebd., S. 39).Das, was Vargas anti-stalinsche Ausfälle zweifellos für die neue sowjetrevisionistische Führung unerträglich machte, war nur seine Behauptung, dass die 'Reformen' (die unter Chruschtschow bis 1964 eingeleitet worden waren - Üb.) nichts Grundsätzliches geändert hätten und dass ein echter Wandel nur durch eine neue Führung möglich sei:"Nach Stalins Tod 1953 schien es, als ob sich bemerkenswerte Veränderungen in der sowjetischen Gesellschaft vollziehen würden. ... Aber ... änderte sich die Struktur der Gesellschaft tatsächlich? Diese Frage muss verneint werden. ... Um die bestehende Lage im Lande zu ändern, bedarf es eines radikalen Umbaus an der Spitze."('Jewgeni S. Varga, 1970', S. 42f).

13. Der revisionistische Nachruf auf Varga, 1964

Varga starb am 8. Oktober 1964. Sein in leuchtenden Farben gehaltener Nachruf, der in der 'Prawda' am 9. Oktober veröffentlicht wurde, war von Nikita Chruschtschow und Anastás Mikojan unterzeichnet worden. Darin wird Varga beschrieben als" ... ein hervorragender Vertreter der marxistisch-leninistischen ökonomischen Wissenschaft. Die Arbeiten von J. S. Varga sind durchtränkt vom Geist der Partei und mit Dogamtismus, Revisionismus, Vulgarisierung und Dokrinarismus unvereinbar - Phänomene, die in der Zeit des Personenkults als Wissenschaft ausgegeben wurden."(Nachruf auf J. S. Varga, in: 'Prawda', 9. Oktober 1964, in: 'Jewgeni S. Varga, 1970', S. 30).Schlussfolgerung

Die Veröffentlichung von Stalins 'Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR' muss als mächtiger Schlag seitens der sowjetischen Marxisten-Leninisten gegen den wachsenden Einfluss revisionistischen Gedankenguts in der Kommunistischen Partei der Sowjetunion angesehen werden.