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Über die Tätigkeit Politischer Abteilungen

I. I. Nikitin (1933-1934 Leiter der Politischen Abteilung der Krasnoselsker MTS im Leningrader Gebiet) beschreibt einige Beispiele

 

Im Januar 1933 wurde in den Zeitungen der Beschluß des verei­nigten Plenums von CK und CKK der VKP/b über die Grün­dung Politischer Abteilungen in den MTS und Sowchosen zur schnellstmöglichen Beseitigung von Mängeln bei der Arbeit auf dem Dorf veröffentlicht. Das CK der Partei entsandte 25000 erfahrene Parteifunktionäre in die Politischen Abteilungen. Die Politische Abteilung der Krasnosel'sker MTS, mit deren Führung ich beauftragt war, begann mit der Erfüllung ihrer eigentlichen Verpflichtungen im April 1933, das heißt auf dem Höhepunkt der Frühlingsfeldarbeiten. Unser Kollektiv war nicht groß: ich, mein Stellvertreter Poljakov und noch zwei Arbeiterin­nen, Lavrikova und Korel'skaja. Vorläufig hatten wir keinen Redakteur für die Zeitung „Für bolschewistische Kolchosen“. Diese Aufgabe erfüllte mein Stellvertreter. 1934 entsandte man auf diesen Posten Vasil'ev, einen erfahrenen Journalisten.

Die Politische Abteilung organisierte Schnellkurse in der MTS für Funktionäre der Politischen Abteilung und junge Agronomen. Die technischen Vorbereitungen für diese Kurse führte der Ober-Mechaniker der MTS durch, die Agronomen unterrichtete der Haupt-Agronom.

Die Kurse gaben den Funktionären der Politischen Abteilung sehr viel. Wir wurden mit der Kolchoswirtschaft und den land­wirtschaftlichen Maschinen vertraut gemacht. Zu der Zeit wur­den im Wirkungsradius der Krasnosel'sker MTS rund 80 Pro­zent der Bauernwirtschaften in Kolchosen vereinigt. Bald war die Kollektivierung beendet. Bei der Aussaat-Kampagne zählte die MTS 30 Traktoren, die auf sieben Brigaden verteilt wurden. Vor der Aussaat arbeiteten wir mit den Brigadieren die Produk­tionsaufträge aus. Die Brigaden nahmen die sozialistische Ver­pflichtung an, die Frist für die Frühjahrsfeldarbeiten im Durch­schnitt um zwei Tage herabzusetzen. Sozialistische Verträge wurden einzeln für die Frühjahrs-, Sommer- und Herbstarbei­ten abgeschlossen.

Die Arbeiter der MTS beteiligten sich auch am Gebietswett­bewerb uni die beste Traktorbrigade und forderten die Trakto­risten der Krasnogvardejsker MTS zum sozialistischen Wettbewerb heraus. Am 30. April unternahmen wir eine Probeausfahrt auf das Feld, die erwies, daß alles für die Frühjahrsaussaat bereit war. Im Mai, vor dem Beginn der Aussaat, rief die Politische Abteilung die Vorsitzenden der Kolchosen zusammen. Damals kam es auch zu unserer ersten Bekanntschaft mit ihnen. Der leitende Agronom charakterisierte jeden Vorsitzenden und die Kolchose selbst, sprach im einzelnen über die Aufgaben jeder Kolchose bei der Aussaatkampagne. In meiner Rede rief ich dann dazu auf, die Aussaat und die ganze Aussaatkampagne in kurzen Fristen durchzuführen, wobei besondere Aufmerksam­keit auf die Qualität der Sä- und Pflanzarbeiten gerichtet wer­den solle, die ein Pfand für reiche Ernten sei.

Das Gebietsexekutivkomitee rief einen Wettbewerb unter den Kolchosen aus für die beste Durchführung der Frühjahrs­aussaat. Kommunisten und Komsomolzen bildeten die Avant­garde dieses Wettbewerbs. Die Frühjahrssaat wurde zur Feuer­probe eines jeden Kommunisten. Unsere MTS säte das Getrei­de, pflanzte Kartoffeln und andere Kulturen in sehr kurzen Fristen. Am 14. Juni kam eine Schar Aktivisten zu uns. Die besten Kolchosarbeiter berichteten über ihre Erfolge hei der ersten Frühjahrsaussaat im ersten Jahr des zweiten Fünfjahres­plans. Die Kolchosen der Krasnosel'sker MTS beendeten die Getreideaussaat und die Kartoffelpflanzung zum 1. Juni. Die Schar rief die Kolchosarbeiter auf, hohe Ernteerträge zu erzie­len und, wenn sie rechtzeitig eingebracht seien, fristgemäß die Verpflichtungen dem Staat gegenüber zu erfüllen.

Und so kam die Zeit, die Ernte einzufahren. Ein Wettbewerb setzte ein um die Einbringung der Ernte in kurzen Fristen bei guter Qualität. Das Gebietsexekutivkomitee setzte 100000 Rubel zur Belohnung aus. Man beschloß, die Aktivisten und Akti­vistinnen mit Nähmaschinen, Fahrrädern, Stoffen für Kostüme zu belohnen.

Alle Kolchosen beteiligten sich am sozialistischen Wettbe­werb. Die Kolchosbauern und Traktoristen der Traktorbriga­den kämpften um den Rang eines Aktivisten des sozialistischen Wettbewerbs ...

Die Politische Abteilung stellte Ehrentafeln auf. Die Fami­lien, die die Normen erfüllt oder übererfüllt hatten, waren auf der Ehrentafel verzeichnet, und diejenigen, welche die Normen ohne anerkannten Grund nicht erfüllt hatten, auf der Tafel der Schande. In der hitzigen Zeit der Feldarbeiten erwies sich dieses Mittel der Beeinflussung als gerechtfertigt ...

Den 17. Parteitag begrüßte die Krasnosel'sker MTS mit gro­ßen wirtschaftlichen Siegen. In den Kolchosen festigte sich die Arbeitsdisziplin, jeder Kolchosbauer strebte danach, seine Ar­beit rechtschaffen auszuführen. Aufgrund der erhöhten Ern­teergebnisse erhielten die Kolchosbauern jetzt für einen Ar­beitstag erheblich mehr als in den vergangenen Jahren. Das war das spürbare Ergebnis ihrer angespannten Arbeit ...

Die Politische Abteilung leistete zusammen mit den zuständi­gen Agronomen bedeutende Arbeit bei der organisatorisch­wirtschaftlichen und politischen Festigung der Kolchosen. Wir beriefen Sitzungen der Kolchosenverwaltungen ein und erörter­ten zusammen mit den Brigadieren und den besten Aktivisten, wie man die Ernteerträge erhöhen könne. Das Ergebnis war, daß sich die Kolchosbauern für die folgende Frühjahrsaussaat bedeutend besser vorbereiteten. Alle Kolchosen versorgten sich reichlich mit Saatgut. Zur Kontrolle der Qualität der Arbeit bestimmte jede Kolchose besondere Inspektoren, vor allem Kolchosbauern, die mit der Landwirtschaft gut vertraut waren ...

Eine energische parteipolitische Arbeit begünstigte die Erfol­ge der Kolchosen und MTS. Zweimal im Monat hielten wir Parteiversammlungen ab, überwiegend offene. Auf den Ver­sammlungen erörterten wir verschiedene Fragen: die Erfüllung der eingegangenen sozialistischen Verpflichtungen, Maßnah­men zur Erfüllung des Plans für die Pflanzung von Kartoffeln und Gemüse usw.

Die Politische Abteilung organisierte die politische Schulung der Kommunisten und Parteilosen. Der Unterricht fand an Montagen statt. Im Juni hielten wir drei Unterrichtsstunden ab, die sich zusammenfassend mit den Beschlüssen des 17. Parteita­ges befaßten. Außerdem zog die Politische Abteilung fünfzehn kommunistische Kolchosbauern zu zehntägigen Kursen des Parteiaktivs heran, die sich mit dem Programm des Gebietsko­mitees befaßten, organisierte Zirkel für die Arbeiter der Politi­schen Abteilung zur Ausbildung an den Traktoren und den übrigen Landmaschinen. Die Unterrichtsstunden wurden zwei­mal wöchentlich abgehalten.

In der Zeit, als die Sekretäre der Komsomolorganisationen neu gewählt werden sollten, richteten wir das Hauptaugenmerk auf die richtige Kräfteverteilung. Man mußte vier Sekretäre der Zellen auswechseln und an ihre Stelle fähigere Komsomol-Or­ganisatoren setzen. Die Funktionäre der Politischen Abteilung mobilisierten die Komsomolzen zur besseren Vorbereitung und Durchführung der Frühjahrsaussaat. Die Jugend organisierte Gruppen der »Leichten Kavallerie« und »Spähtrupps für eine hohe Ernte«, denen 34 Leute beitraten, darunter 20 Parteilose.

Bei der Überprüfung der Viehhöfe in einer der Wirtschaften fand die Gruppe »Leichte Kavallerie« heraus, daß die Melkerin­nen in schmutziger Kleidung die Kühe melkten und für die Milch unsaubere Gefäße benutzten. Man gab ihnen saubere Schürzen, saubere Gefäße und auch Schemel.

Der »Spähtrupp für eine hohe Ernte« entdeckte in der Kol­chose »Roter Pflüger« des Kipensker Dorfsowjets im April bei einer Überprüfung der Mistbeete ein falsches Einpflanzen (Pi­kieren) der Setzlinge in zwei Einfassungen. Dieser Tatbestand wurde in einer Sitzung der Leitung zusammen mit den Gärt­nern erörtert. Am nächsten Tag wurde die fehlerhafte Arbeit ausgebessert.

In derselben Kolchose stellte der »Spähtrupp für eine hohe Ernte« fest, als er die Vorbereitung des Bodens für die Aussaat von Wurzelgemüsekulturen überprüfte, daß das Land schlecht bearbeitet war, und verbot das Einsäen von Mohrrüben, bevor nicht zusätzliche Arbeiten durchgeführt worden wären.

In der Kolchose »Nastolovo« fand der »Spähtrupp für eine hohe Ernte« zusammen mit dem Inspektor für Qualität her­aus, daß die Aussaat der Wicken schlecht ausgeführt war, und forderte den Brigadier auf, das Land noch einmal durchzu­eggen ...

Die Ergebnisse der Tätigkeit der Gruppen »Leichte Kavalle­rie« und »Spähtrupps für eine hohe Ernte« wurden in der Zei­tung »Für bolschewistische Kolchosen« veröffentlicht.

Im Winter veranstaltete die Politische Abteilung einen agro­nomischen Lehrgang. 148 Personen legten die theoretischen und praktischen Prüfungen mit Erfolg ab.

Eine der wichtigsten Seiten bei der Arbeit der Politischen Abteilung der MTS war die Vorbereitung der Kader, vor allem der Brigadiere. Von 272 Lernenden bereiteten wir 156 Brigadie­re vor - Gemüsezüchter und Agronomen.

Die Schulen für den politischen Unterricht wurden im Jahr 1934 von 493 Personen besucht, darunter 147 Frauen. Das In­teresse an der Politschulung stieg bedeutend an. Der Unterricht fand auf hohem ideologischen Niveau bei hundertprozentiger Beteiligung statt.

Im Jahre 1934 wurden in den Kolchosen unserer MTS 62 Bildungs- und Unterhaltungsräume eröffnet, es gab fünf agrotech­nische Zirkel und eine allgemeinbildende Schule für Erwachsene, in der man sich um die Analphabeten und Halbanalphabe­ten kümmerte. Im Klub war ein Lesesaal Jeden Tag zugänglich. Im Dramenzirkel wurden Schauspiele aufgeführt. Die Ausstat­tung der Roten Ecken wurde verbessert.

In den Kolchosen » Lipicy« und » Iskra« stellte man Rund­funkempfänger auf, richtete eine Bibliothek ein, bezog ständig Zeitungen und Zeitschriften, ließ Wandzeitungen anschlagen. In der Kolchose » Michajlovka« war ein Agitationszirkel tätig, an dem 95 Personen teilnahmen, und ein Politzirkel. Ärzte lei­steten Arbeit in der Gesundheitsvorsorge, hielten Vorlesungen, sprachen mit den Kolchosbewohnern, gaben ihnen auf alle Fra­gen eine qualifizierte Antwort .. .