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Dr. A. Schabanow

Die medizinische Bildung in der Sowjetunion

INHALT

Vorwort

Die medizinische Ausbildung im vorrevolutionären Russland

Die medizinische Hochschule in der Sowjetunion

Die medizinische Hochschule während des Großen Vaterländischen Krieges

Weiterbildung und Spezialisierung der Ärzte

Pharmazeutische Institute

Stomatologische Institute

Ausbildung des medizinischen Hilfspersonals

Die Akademie der Medizinischen Wissenschaften der UdSSR

Zusammenfassung

Liste der medizinischen Institute der UdSSR .

 

 

VORWORT

Die Unterrichtsmethoden an den höheren medizinischen Lehr­anstalten der Sowjetunion haben bei unseren Freunden in Eng­land und in den Vereinigten Staaten von Amerika großes Interesse ausgelöst. Bereits einige Jahre vor dem Vaterländischen Krieg besuchte. der bekannte Gelehrte Professor' der Geschichte der Medizin an der John-Hopkins-Universität Sigerist die Sowjet­union, um sich mit der Arbeit unserer medizinischen Institute eingehend bekannt zu machen.

Abordnungen von Gelehrten, englischen und amerikanischen Medizinern, die während des Krieges die Sowjetunion besuchten, zeigten ebenfalls großes Interesse für den Stand der medizinischen Ausbildung.

Das Volkskommissariat für das Gesundheitswesen der Sowjet­union sowie die' Organisationen Rotes Kreuz und Roter Halb­mond sowie ihre Vertreter, in den USA. Prof. Lebedenko und in England Prof. Sarkissow, erhielten und erhalten laufend zahlreiche Anfragen von Ärzten und Gelehrten der verschiedenen Länder über die Ausbildung des medizinischen Nachwuchses in unserem Lande.

Den zahlreichen Wünschen der Vertreter der medizinischen Wissenschaft in den Ländern der ganzen Welt nachkommend, haben wir uns in dieser Schrift die Aufgabe gesetzt, über die Entwicklung der medizinischen Wissenschaft in Rußland und

ihren gegenwärtigen Stand in der Sowjetunion einen kurzen Überblick zu geben.

Um den Leser vor allem mit der vielseitigen Ausbildung der Ärzte und des medizinischen Hilfspersonals bekannt zu machen, geben wir zahlreiches anschauliches Material, darunter Bildnisse der hervorragendsten Männer der russischen medizinischen Wissen­schaft und die neuesten Lehrpläne.

Natürlich können in dem gedrängten Rahmen dieser Schrift nur die Hauptstufen der Entwicklung des medizinischen Hoch­schulwesens in der Sowjetunion und die wichtigsten Besonder­heiten ihres gegenwärtigen Standes gegeben werden.

Der Verfasser hält die Aufgabe, die er sich gestellt hat, für gelöst, wenn seine Schrift unsern Freunden in der ganzen Welt hilft, sich mit dem Stand der medizinischen Ausbildung in der Sowjetunion besser vertraut zu machen, und sagt allen jenen Kollegen Dank, die mitgeholfen haben, diese kleine Arbeit volks­tümlich zu gestalten. nach oben

DIE MEDIZINISCHE AUSBILDUNG IM VORREVOLUTIONAREN RUSSLAND

Bis zum 17. Jahrhundert holte man in Rußland für die Mit­glieder der Zarenfamilie und für die vornehmsten Bojaren Ärzte mit Universitätsbildung aus dem Ausland. Die ausländischen Ärzte hatten russische Schüler. Erst unter dem Zaren Alexej Michailowitsch im 17. Jahrhundert begann man, Russen zur medi­zinischen Ausbildung ins Ausland zu schicken.

P. W. Postnikow war der erste russische Arzt, der im Jahre 1692 an einer der bedeutendsten und ältesten [Universitäten, in Padua (Italien); den Doktortitel der -Medizin erwarb.

Die Einrichtung ständiger medizinischer Schulen in unserem Lände, wie auch viele andere bedeutende Reformen sind mit dem Namen des großen Erneuerers des russischen Staates, Peters L, verknüpft.

Auf Rat des holländischen Arztes Bidloo befahl der Zar in dem Erlaß vom 26. Mai 1705, in Moskau am anderen Ufer der Jausa ein „Hofspital zur Heilung Kranker" zu errichten, das in der Folge zur ersten russischen medizinischen Schule wurde.

Beim Hofspital wurde ein Anatomiehörsaal erbaut. Als Schüler zum Studium der „Beilmittelkunde" wurden Ausländer und Russen aller Stände aufgenommen, insgesamt 50 Personen.

Die Ausbildung dauerte fünf bis elf Jahre, entsprechend der Vorbereitung und den Fähigkeiten der Schüler. Nach einigen Jahren Studium und nach Ablegen eines Examens wurde der Schüler Arztgehilfe. Nach dem Erwerb genügender Erfahrung und genügen­der Kenntnis verließ der Student die Schule mit dem Titel eines Wundarztes.

Die Unterrichtsfächer waren: Anatomie, Chirurgie, Pharma­zeutik, Zeichnen, Latein.

Den Studenten standen ein holländischer Anatomie-Atlas, Nie­derschriften nach Vorlesungen der Lehrer und einige Leichen zum Sezieren zur Verfügung. Die chirurgischen Operationen- im Hospital

wurden an Leichen und lebenden Personen vorgenommen; die häufigsten Opera,tionen jener Zeit waren Trepanationen.

Die Arzneiwissenschaften, d. h. die Botanik, die Grundlage der Pharmakognosie und der Pharmazie, und die Pharmakologie ' wurden auf Exkursionen und Feldern, auf denen Heilpflanzen an­gebaut wurden, studiert. Die Rezepte wurden nach Diktat des Professors niedergeschrieben und auswendig gelernt.

Die Arztgehilfen waren als Feldschere tätig, begleiteten die Ärzte bei ihren Rundgängen durch die Krankensäle, waren Dienst­habende im Spital und führten kleine Operationen aus.

Der Unterricht fand in lateinischer Sprache statt, ohne Lehr­bücher. Das gesamte Unterrichtswesen leitete Bidloo selbst, der ihm viel Kraft und Aufmerksamkeit widmete und u. a. auch dem Zaren berichtete, daß die Absolventen der medizinischen Schule imstande seien, jegliche Operation auszuführen, und mit den verschiedensten Krankheiten des. menschlichen Organismus vertraut seien. Im Jahre 1713 schlossen die ersten Ärzte ihr Studium ab.

Nach dem Tode Bidloos (1735) geriet die Schule in Verfall, der erst mit der Ernennung des ehemaligen Präsidenten der Akademie der Wissenschaften, Blumentrost, zum Hospitaldirektor endete. Blumentrost erweiterte den Unterricht durch Einführung neuer Lehrfächer für innere Krankheiten und für Gerichtsmedizin. Unter seiner Leitung erschienen in den 40er Jahren des 18. Jahr­hunderts die ersten, in der Hauptsache aus dem Holländischen und dem Deutschen übersetzten Lehrbücher.

Im Jahre 1733 wurden neue Ärzteschulen beim Feld- und Marinelazarett in Petersburg und beim Marinelazarett in Kron­stadt eröffnet. Der Unterricht in diesen Schulen hatte jedoch ein bedeutend niedrigeres Niveau als der in der Moskauer Schule, der vielen ausländischen Ärzteschulen jener Zeit entsprach.

Bedeutende Veränderungen erfuhr die medizinische Ausbildung unter der Zarin Elisabeth, der Tochter Peters I.

Kondoidi, der an der Spitze der medizinischen Verwaltung stand, war eir er der bedeutendsten Organisatoren auf dem Gebiete der medizinischen Bildung. Seit 1761 sandte er regelmäßig junge russische Ärzte zur Vervollkommnung ihrer Fachkenntnisse an Auslandsuniversitäten. In den Schulen wurde ein siebenjähriges Studium eingeführt. Im ersten und im zweiten Schuljahr waren die Unterrichtsfächer Anatomie, Pharmazie und Zeichnen; im dritten Studienjahr Physiologie; im vierten Physiologie und Pathologie; im fünften und im sechsten Studienjahr Chirurgie,

und im siebenten Jahr wurde Krankenhauspraxis ausgeübt, wurden Erfahrungen gesammelt und seziert.

Die Bemühungen Kondoidis zur Heranbildung eigener Lehr­kräfte wurden von dem genialen russischen Gelehrten, dem Autodidakten Michail W. Lomonossow, unterstützt. Im Jahre 1761 schrieb Lomonossow in seiner berühmten, an den Grafen I. I. Schuwalow gerichteten Abhandlung „über die Vermehrung und die Erhaltung des russischen Volkes":

„Die große Mehrzahl der Menschen fällt auch verschiedenen anderen Krankheiten anheim, für deren Heilung es außerordent­lich wenige Anstalten gibt.

Dazu wären erforderlich in allen Städten eine genügende Anzahl von Doktoren, Wundärzten und Apotheken und in diesen zu­mindest die Arzneien, die in unserem Klima wachsen. Von all dem ist kaum der hundertste Teil vorhanden; und selbst die Armee Rußlands ist äußerst schlecht mit Medizinern versorgt, so daß die Wundärzte nicht einmal ausreichen, die Verwundeten zu ver­binden, geschweige denn, jeden zu untersuchen, ihn eingehend zu befragen, ihm Arznei zu verordnen und somit die Leiden des Patienten zu lindern. Infolge all dieser Unzulänglichkeiten müssen viele, die am Leben erhalten werden könnten, sterben." Lomo­nossow schrieb dies, als der Siebenjährige Krieg am heftigsten tobte, zu einer Zeit, als nach seinen Worten „heute in Europa durch die Unbilden des Krieges nicht nur einzelne Personen, son­dern auch ganze zugrunde gerichtete Familien gezwungen sind, ihr Vaterland zu verlassen, um an weit entfernten Orten Zu­flucht vor den Unbilden des Krieges zu suchen".

Lomonossow unterstützte die bereits von Peter I. getroffenen Maßnahmen, die darauf abzielten, das medizinische Personal durch Ausbildung einheimischer Ärzte zu vervielfachen und nicht durch Berufung fremder Ärzte. Lomonossow meinte; „man könne mit Deutschen nicht den ganzen Staat bevölkern; außerdem seien sie der Sprache nicht mächtig, hätten einen anderen Glauben, andere Sitten und verlangten viel Geld. All dies bedeute nur eine Erschwerung."

Michail W. Lomonossow gilt mit Recht als einer der Begründer der ältesten Universität des Landes, der Moskauer Universität, an der allmählich unter großen Schwierigkeiten auch die erste medizinische Fakultät entstand. Die Moskauer Universität wurde 1755 eröffnet. Mit großer Mühe gelang es, die nötige Zahl von Medizinstudenten und ihre ersten Lehrer zusammen­zubringen.

An der Medizinischen Fakultät der Moskauer Universität waren drei Lehrstühle vorgesehen. Sie sollten besetzt werden durch l. einen Doktor und Professor der Chemie, zu dessen beson­deren Aufgaben Vorlesungen über Arzneichemie gehörten; 2. einen Doktor und Professor für Naturgeschichte, der Vor­lesungen über Mineralogie, Pflanzen- und Tierkunde zu halten hatte;

3. einen Professor der Anatomie; zu seinen Pflichten gehörte, im Anatomiesaal den Studenten den menschlichen Körper­bau zu demonstrieren und sie an medizinische Praxis zu gewöhnen.

Im Jahre 1758 hielt der aus dem Ausland gerufene Kerstens den ersten sechs Schülern, die Medizin studieren wollten, Vorlesungen über theoretische und Experimentalphysik und Mineralogie. Aber erst mit dem Studienjahr 1764/65 wurde die erste medizinische Fakultät Rußlands an der Moskauer Universität tatsächlich er­öffnet. Die ersten Professoren der ersten russischen medizinischen Fakultät waren Sybelin, Professor für Geburtshilfe, der über Physiologie des gesunden menschlichen Organismus mit dazu gehöriger Semiotik und Diätetik, Pathologie und allgemeine Therapie las, sowie Benjaminow, der Botanik lehrte. Nach fünf Jahren schloß sich ihnen der erste Professor aus der Zahl der Absolventen der Medizinischen Fakultät der Moskauer Univer­sität, Iwan Sibirski, an.

In der ersten Zeit war der medizinische Unterricht an der Uni­versität von der Praxis viel weiter entfernt als der an den Hospital­schulen, und die Ärzteausbildung an der Universität reichte nicht ' an die Ausbildung der Wundärzte in der Moskauer Hofspital­schule heran. Aber schon sehr bald änderte sich das. Die Universi­tätsprofessoren und -lehrer kamen in immer engere Berührung mit der ärztlichen Praxis und begannen die führende Rolle zu spielen, die den ersten Professoren der ersten medizinischen Hoch­schule zukommt.

Sybelin hielt in dieser Zeit eine Vorlesung über den Nutzen der Impfung gegen Pocken. Kerstens sprach über notwendige Maß­nahmen zur Steigerung der Bevölkerungszahl im Lande und über den Kampf gegen die Kindersterblichkeit in einem Vortrag, der später auch gedruckt erschien.

Sybelin und Benjaminow arbeiteten in ihrer Eigenschaft als Mitglieder des Medizinischen Rates zusammen mit ihren Gehilfen aufopferungsvoll an der Bekämpfung der Pestepidemie im Jahre 1771, die in Moskau heftig wütete. Sybelin war persönlich als Arzt des ersten Stadtteils, Benjaminow als Arzt des vierten Stadt­teils tätig.

In den ersten Jahrzehnten des Bestehens der Fakultät änderten sich häufig die Unterrichtsfächer, ebenso wechselten aber auch die Lehrer. 1791 erhielt die Universität nach einem beharrlichen Kampf mit dem Ärztekollegium, das der Universität dieses Recht nicht einräumen wollte, das Recht, Wundärzten den Doktortitel zu verleihen.

Am 29. April 1794 verteidigte der Student der Moskauer Uni­versität, Foma Barsuk-Moissejew, seine Doktordissertation über das Thema „Atmung" und erhielt als erster von einer russischen Universität den Titel Doktor der Medizin.

Bei der Einführung des neuen Universitätsstatuts im Jahre 1804 wurden die Erfahrungen der ersten vier Jahrzehnte des Bestehens der Medizinischen Fakultät an der Moskauer Universität berück­sichtigt. Nach diesem Statut bildete der klinische Unterricht ein selb­ständiges Unterrichtsfach. Folgende Lehrstühle wurden geschaffen:

1. Lehrstuhl für Anatomie, Therapie und gerichtsärztliche Wissenschaften;

2. Lehrstuhl für Pathologie, Therapie und Klinik; 3. Lehrstuhl für Chirurgie;

4. Lehrstuhl für Geburtshilfe;

5. Lehrstuhl für Veterinärkunde;

6. Lehrstuhl für Pharmalzologie, Pharmazie und Krankheits­beschreibung.

Zum erstenmal wurde der Medizinischen Fakultät ein Kranken­saal mit 10 Betten, der mit dem nötigen Inventar für klinischen Unterricht ausgestattet und von Muchin geleitet wurde, ange­schlossen (1797), ferner eine Augenklinik mit 6 Betten für chro­nische Leiden (1805) und eine Entbindungsanstalt für unbemittelte Wöchnerinnen (1806).

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erreicht die medizinische Aus­bildung in Rußland ihre volle Blüte. Es entstand die erste medi­zinische Gesellschaft unter dem Namen „Gesellschaft für den Wettstreit zwischen Medizin und Physik an der Moskauer Uni­versität" (1805). 1805 erschien auch die erste wissenschaftliche medizinische Zeitschrift unter dem Titel „Zeitschrift für Medizin und Physik", in der die Arbeiten der genannten Gesellschaft abgedruckt wurden.

Talentierte junge Professoren führten außer den im Statut vom Jahre 1804 vorgesehenen Lehrfächern neue Vorlesungen ein. So zum Beispiel hielt Prof. Woinow Vorlesungen über die Geschichte

der Medizin, Barsuk-Moissejew über Hygiene und Diätetik, Mudrow Über Militärmedizin, wobei er der Ausbildung von Militärärzten yro3e Aufmerksamkeit widmete. Mudrow förderte ferner den poli­klinischen Unterricht an der Medizinischen Fakultät, „indem er unbemittelten Leuten und Handwerkern in Anwesenheit der Studenten Ratschläge gab, um diese daran zu gewöhnen, Krank­heiten zu erkennen, ihre Diagnosen zu stellen und sie, wo dies nur möglich, mit Hausmitteln zu heilen".

Am Vaterländischen Krieg gegen Napoleon nahmen die Pro­fessoren der Medizinischen Fakultät an der Moskauer Universität tätigsten Anteil. Dieser Krieg entriß der Medizinischen Fakultät viele hervorragende Kräfte, unter ihnen die freiwillig in die Volks­wehr eingetretenen Professoren Cxrusinow und I'ener, ferner Re­mirow, Barsuk-1!Ioissejew, Wensowitsch, den Redakteur der ersten medizinischen Zeitschrift, und Keresturi, den Vorsitzenden der ersten wissenschaftlichen medizinischen Gesellschaft.

Der Feuersbrunst in Moskau 1812 fielen die Universitätsgebäude, die gesamten Lehrmittel und ein großer Teil der Bibliothek zum Opfer. Wie durch Zufall blieb das Gebäude der Klinik unversehrt. Im Rechenschaftsbericht der Universität für das Jahr 1819/20 wird darauf hingewiesen, daß die „Medizinische Fakultät durch den Feindüberfall große Opfer sowohl an Ärzten als auch an Studenten, die alle freiwillig in die Armee eintraten und in Ehren ihre Pflicht erfüllten, zu beklagen habe".

Es ist nicht uninteressant, die Zahlen der Absolventen der Medizinischen Fakultät an der Moskauer Universität in jenen Jahren anzuführen: 1812/13 absolvierten 11 Ärzte die Moskauer Universität, in den folgenden Jahren je 4 Ärzte, 1818/19 kein ein­ziger. 1820/21 absolvierten 37 Ärzte die Moskauer Universität, d. h. mehr als im Jahrzehnt vorher, in dessen Verlaufe 30 Hörer ihre Studien abschlossen.

Im Einklang mit den Erfordernissen des Krieges wurde die Aus­bildungszeit herabgesetzt, was sich jedoch negativ auf die medi­zinische Ausbildung auswirkte. Die Ausbildungszeit wurde auf nicht weniger als 4 Jahre mit anschließendem obligatorischem Praktikum von 3-4 Monaten festgesetzt. Das neue Statut sah 5 Studienjahre und 10 Lehrfächer vor. Im Jahre 1843 wurde verfügt, daß in die Medizinische Fakultät nur solche Personen aufzunehmen seien, die die Staatsgymnasien mit „Ausgezeichnet" absolviert hätten.

Bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts entstanden nach und nach auch andere medizinische Hochschulen. 1799 wurden die Petersburger Medizinisch-Chirurgische Akademie und die nur kurze Zeit bestehende Moskauer Medizinisch-Chirurgische Akademie gegründet. Das große Verdienst ihrer Organisierung gebührt dem Hauptschatzmeister und Direktor des Medizinischen Kollegiums Wassiljew.

Kurz darauf wurden auch neue Universitäten mit medizinischen Fakultäten in Kasan und Charkow eröffnet. Die medizinischen Fakultäten an den Universitäten von Dorpat und Wilna nahmen ihre Tätigkeit wieder auf.

Die Entwicklung der medizinischen Hochschulbildung im vor­revolutionären Rußland spiegelt auch die Entwicklung des gesell­schaftlichen Lebens im Lande wider. Die Epoche der Reaktion, insbesondere die letzten Jahre der Herrschaft Alexanders I. und der Herrschaft Nikolaus' L, sind gekennzeichnet durch einen ge­wissen Niedergang der medizinischen Hochschulbildung, da die reaktionären Minister, Kuratoren und Rektoren jeden frischen, selbständigen Gedanken unterdrückten und die Professoren zwangen, an Stelle von Naturwissenschaften Theologie zu lehren, die Krankheiten nach Sündengraden einzuteilen usw., und so die Hochschulen aus Stätten der Wissenschaft in Stätten des mittel­alterlichen Obskurantismus umwandelten.

Auch die den höheren medizinischen Lehranstalten zur Ver­fügung gestellten materiellen Mittel waren ungenügend. Aus diesem Grunde wandte auch der Zar 1 858 dem Rechenschaftsbericht des Ministeriums für Volksbildung für das Jahr 1857 seine Aufmerk­samkeit zu. In diesem wurde darauf verwiesen, daß für die große Zahl der in den medizinischen Fakultäten eingeschriebenen 2391 Studenten, von denen an der Moskauer Universität 1058 studierten, die vorhandenen Lehrmittel völlig ungenügend waren.

Bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren die medi­zinischen Fakultäten von verhältnismäßig geringer Bedeutung; in der Hauptsache hingen sie von ausländischen wissenschaftlichen Einflüssen ab. Zu Beginn der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts entstanden aber selbständige russische Schulen medizinischer Kapazitäten.

Die Moskauer Medizinische Fakultät und die Petersburger Medi­zinisch-Chirurgische Akademie wurden führende wissenschaftliche Zentren der Medizin in Rußland. An einer Reihe anderer Universi­täten: in Jurj ew, Iiasan, Charköw, Odessa und anderen Orten waren ebenfalls hervorragende Vertreter der medizinischen Theorie und Praxis tätig.

Der Unterricht im 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts war reiner Anschauungsunterricht. Die in den Kliniken befindlichen Kranken dienten den Studenten als Lehrmaterial für die Haupt­symptome der Krankheiten und für die bei den verschiedenen Krankheiten anzuwendende Therapie..

1835 wurde der klinische Unterricht erweitert und nach dem neuen Statut ein klinischer Lehrstuhl mit den Unterabteilungen: a) Spezielle Pathologie und Therapie und

b) Klinisches Krankenhaus eingerichtet.

Das Statut des Jahres 1863 trennte die Spezielle Pathologie und Therapie ab und errichtete einen besonderen Lehrstuhl für Spezielle Pathologie und Therapie mit den Unterabteilungen:

a) Systematische klinische Darlegungsmethoden der Nerven­und der Geisteskrankheiten und

b) Systematisches klinisches Studium der Hautausschläge. Der Lehrplan der medizinischen Fakultäten sah nach dem Statut des Jahres 1,869 die Ausbildung eines universellen praktischen Arztes vor.

Sacharin, Botkin, Ostroumow waren die Begründer der russi­schen therapeutischen Schule, Sklifasowski, Pirogow, Djakonow und Veljaminow die Begründer der russischen chirurgischen Schule, Filatow und Gundobin die der russischen Schule für Pädiatrie, Sklifasowski, bedeutender russischer Chirurg. Sein Name ist mit dem Institut für dringliche ärztliche Hilfe in Moskau eng verknüpft.

Gabritschewslzi der Begründer der russischen Schule für Bakterio­logie; I;+ risman und Dobroslawin begründeten die russische Schule für Hygiene, Koshewennikow und IZorsakow die für Nervenheil­kunde und Psychiatrie usw.

Sacharin, Ostroumow und Filatow waren hervorragende Ver­treter der klinischen Theorie und der ärztlichen Praxis. Sie strebten nicht nur die Hebung des theoretischen Niveaus der Hörer an, sondern taten nicht wenig zur Verbesserung der praktischen Aus­bildung und der Sammlung praktischer Erfahrung schon auf der Hochschule. Die Vorlesungen dieser Meister der Medizin wurden vor überfüllten Auditorien von Studenten und Ärzten gehalten, die mit gespanntester Aufmerksamkeit ihren Ausführungen folgten.

In den 80er Jahren erlangte die Moskauer Medizinische Fakultät durch den Bau neuer Kliniken und einiger dem theoretischen Unterricht dienender Gebäude in Moskau in der Dewitschie Pole ausgezeichnete lehrklinische und theoretische Unterrichtsmöglich­keiten. Diese Kliniken wurden unter Leitung des Professors für Hygiene F. F. Erisman und unter Teilnahme der hervorragend­sten Kliniker, wie z. B. Prof. Djakonows, die die Erfahrungen des Baus von Kliniken an Auslandsuniversitäten studiert hatten, er­richtet.

Die medizinischen Fakultäten wurden zu Zentren der fortschritt­lichen gesellschaftlichen Bewegungen. In den medizinischen Fakul­täten entwickelte sich der Kern der linksstehenden Professoren und der revolutionär gesinnten Studenten, die für die Autonomie der medizinischen Hochschule gegen die reaktionären Angriffe des Ministers für Volksbildung kämpften. Der Kampf der Studenten­schaft und der Professoren gegen die Reaktion nahm in der Zeit, als an der Spitze des -Ministeriums für Volksbildung der Reaktionär Kasso stand, besonders scharfe Formen an.

Eine Reihe Professoren der medizinischen Fakultäten wurde entlassen, und andere, die die reaktioiqäre Lehre von ihren Lehr­stühlen aus nicht verkünden wollten, traten in den Ruhestand. In dieser Zeit verschlechterte sich der Unterricht erheblich, das Niveau der wissenschaftlichen Arbeit an den medizinischen Hoch­schulen sank.

An der Organisierung des medizinischen Unterrichts in der vor­revolutionären Zeit nahmen fortschrittliche Ärztevereinigungen, insbesondere die Pirogow-Gesellschaft der russischen Ärzte und die Pirogow-Kongresse, tätigen Anteil. So stellte der II. Pirogow­Kongreß 1911 den Tatsachen entsprechend fest, daß die die Universität verlassenden Ärzte ungenügend dafür vorbereitet waren, selbständig zu arbeiten.

Der imperialistische Krieg 191.4 löste eine erhöhte Nach­frage nach Ärzten aus. Es begann eine beschleunigte Ausbildung. Der klinische Unterricht wurde den Erfordernissen der Kriegszeit angehaßt, die Qualität der ausgebildeten Ärzte sank. Trotzdem war der Bedarf an Ärzten für Front und Hinterland weitaus nicht gedeckt.

Der Krieg 1914 bewies die Notwendigkeit, die Zahl der Ärzte in Rußland und das Niveau ihrer Ausbildung wesentlich zu steigern.

In den letzten Kriegsjahren nahmen die höheren Lehranstalten des Landes, darunter die medizinischen Institute, an der revolu­tionären Bewegung tätigen Anteil, und 1917/14 traten infolge der tätigen Teilnahme an der stürmischen gesellschaftlich-politischen Bewegung beim fortgeschrittenen Teil der Studentenschaft die Fragen des Studiums und der Beherrschung ihres Berufes in den Hintergrund. Aber schon nach kurzer Zeit wurden, hervorgerufen durch die Nöte der Bevölkerung, die Wiederherstellung und die Erweiterung der medizinischen Hochschulen sowie die Erhöhung der Zahl der Studierenden dringende Forderungen. nach oben

DIE MEDIZINISCHE HOCHSCHULE IN DER SOWJETUNION

Die Große Oktoberrevolution, die das ganze Leben der Sowjet­union neu gestaltete, baute auch das Gesundheitswesen nach ganz anderen Grundsätzen auf und verlieh ihm einen bis dahin in der Geschichte nie gekannten Aufschwung. '

Es darf nicht vergessen werden, daß das zaristische Rußland ein rückständiges Land war, in dem sich die sanitären Verhältnisse der Bevölkerung auf einer sehr niedrigen Stufe befanden. Im Jahre 1913 erreichte die allgemeine Sterblichkeit 26 von 1000; die Sterblichkeit der Kinder bis zu 1 Jahr 25 von 100. Hundert­tausende von Personen erkrankten an Pocken, Flecktyphus und Cholera. Die Fälle von Erkrankungen an Tuberkulose und Ge­schlechtskrankheiten häuften sich von Jahr zu Jahr.

Wladimir Iljitsch Lenin schrieb in den 90er Jahren: „Nicht nur eine Verarmung, sondern ein direktes Aussterben der russi­schen Bauernschaft vollzieht sich in den letzten Jahrzehnten mit erstaunlicher Schnelligkeit".

Die Ausgaben für Gesundheitswesen standen im Staatsbudget an letzter Stelle. 1913 wurden für Gesundheitszwecke durchschnitt­lich 90 Kopeken je Kopf der Bevölkerung ausgegeben, darunter für sanitäre Maßnahmen und Epidemienbekämpfung nur 5 Kopeken.

Im ganzen Lande gab es noch keine 20000 Ärzte, die Mehrzahl von ihnen arbeitete in den Städten. Die Bauernschaft ließ sich von Kurpfuschern, „weisen Frauen" oder überhaupt nicht be­handeln.

Analphabetentum und Unkultur stellten sich den fortschritt­lichen, gesellschaftlich tätigen Medizinern, insbesondere den Land- ­und den Stadtärzten, die aufopferungsvoll den Kampf gegen die Krankheiten führten, als furchtbares Hindernis in den Weg.

Eine im Vergleich zu den Anforderungen unbedeutende Heil­kunde und äußerst schwache Keime einer Sanitätskunde waren das vom alten System hinterlassene Erbe.

Es ist klar, daß der Kampf gegen Erkrankungen, Sterblichkeit und sanitätswidrige Lebensbedingungen der breiten Volksmassen in seiner ganzen Größe vor dem Sowjetstaat erstand.

Auf dem Zweiten Allrussischen Kongreß der Angestellten der medizinisch-sanitären Einrichtungen sagte Wladimir Iljitsch Lenin: „Die Zusammenarbeit der Vertreter der Wissenschaft und der Arbeiter - nur eine solche Zusammenarbeit wird imstande sein, die ganze Last des Elends, der Krankheiten und des Schmutzes zu vernichten, und das wird getan werden". (März 1920.)

Am 11. Juli 1918 wurde ein einheitliches staatliches System zur Organisierung des Gesundheitsschutzes in der Sowjetrepublik ge­schaffen. Zum Schutze der Volksgesundheit wurden großzügige Maßnahmen zur Verbesserung der sanitären Verhältnisse getroffen, mit dem Ziel, der Entwicklung von Krankheiten vorzubeugen »

Durchgreifende und großzügige sanitäre Maßnahmen im Interesse der Werktätigen wie:

1.

  • Verbesserung der sanitären Verhältnisse am Wohnort (Überwachung des Bodens, des Wassers und der Luft);
  • Einrichtung öffentlicher Speisehallen nach wissenschaft­lich-hygienischen Grundsätzen;
  • Maßnahmen zur Vorbeugung der Entwicklung und der Verbreitung ansteckender Krankheiten;
  • Schaffung einer sanitären Gesetzgebung.

2. Bekämpfung der sozialen Krankheiten (Tuberkulose, Ge­schlechtskrankheiten, Alkoholismus usw.).

3. Sicherung einer allgemein zugänglichen, unentgeltlichen, qualifizierten ärztlichen Hilfe und unentgeltliche Verabfol­gung von Arzneien.

Die Sowjetverfassung gewährt den Bürgern der Sowjetunion das Recht auf Unterstützung im Alter sowie im Falle von Krankheit und Invalidität. Dieses Recht wird gewährleistet durch die Sozial­versicherung der Werktätigen, durch ein umfassendes Netz von Heil- und sanitären Anstalten, Einrichtungen zum Schutz von Mutter und Kind usw.

Zur Lösung der gewaltigen Aufgaben, die von dem Sowjet­gesundheitswesen während eines Vierteljahrhunderts seines Be­stehens zu bewältigen waren und auch in Zukunft bewältigt werden müssen, waren Zehntausende qualifizierter Ärzte erforderlich. Diese Aufgabe mußte in kürzester Zeit gelöst werden, und ihre Lösung wurde der medizinischen Sowjethochschule Übertragen.

Im Jahre 1917 gab es auf dem Gebiet der Sowjetunion folgende höhere medizinische Lehranstalten: die Militärärztliche Akademie und das Psycho-Neurologische Institut in Leningrad, Medizinische Fakultäten an den Universitäten in Moskau, Kiew, Kasan, Char­kow, Odessa, Tomsk, Perm, Saratow sowie am Don und in Jurjew, ferner die Charkower und die Odessaer höheren Ärztekurse und Ärztekurse bei der .Moskauer und Kiewer Frauenhochschule. Die Mehrzahl der höheren medizinischen Lehranstalten befand sich in Zentralrußland und in der Ukraine. Für ganz Sibirien und den Fernen Osten gab es nur die Medizinische Fakultät an der Tomsker Universität. Im Kaukasus und in Mittelasien gab es überhaupt keine höheren medizinischen Lehranstalten. Diese riesigen Gebiete des Ostens und des Südostens des Landes waren tatsächlich ohne qualifizierte ärztliche Hilfe. Die Zahl der Medizinstudenten an allen Kursen zusammen betrug 8500, jährlich absolvierten 1000 bis 1500 Ärzte die Schulen.

„In einem Lande, das verwüstet ist, ist die erste Aufgabe, die Werktätigen zu retten. Die erste Produktivkraft der ganzen Menschheit ist der Arbeiter, der Werktätige. Bleibt er am Leben, so sind wir alle gerettet, und wir werden alles wiederherstellen", schrieb Lenin in den ersten Jahren der Sowjetregierung.

Die Notwendigkeit, den Riesenbedarf an Ärzten für die Zivil­bevölkerung und die Rote Armee zu decken, die Typhusepidemien zu bekämpfen, die dringlichen Aufgaben des Volksgesundheits­schutzes zu lösen - all dies erforderte eine rasche Erweiterung des Netzes der höheren medizinischen Lehranstalten und breiteste Heranziehung der Sowjetjugend, nicht zuletzt der Jugend der nationalen Republiken, die bis zur Revolution kein-, -Möglichkeit hatte, in der Regel auch nur die Mittelschule zu besuchen, ge­schweige denn die Hochschule.

Bis zum Jahre 1922 wurden ungeachtet aller Schwierigkeiten, die die junge Republik in diesen Jahren zu überwinden hatte, 16 medizinische Fakultäten eröffnet. Dies bedeutete eine Verdopp­lung ihrer Zahl im Vergleich zu dem Stande im vorrevolutionären Rußland. Diese Zunahme hielt auch in den folgenden Jahren an.

1935 war die Zahl der höheren medizinischen Lehranstalten auf 55, bis 1941, also bis zum Beginn des Vaterländischen Krieges, auf 72 gestiegen; darunter waren 51 Hochschulen, die Ärzte aus­bildeten. Die medizinischen Fakultäten der baltischen Republiken sind in diese Zahl nicht einbezogen.

Die Zahl der Studenten in den höheren medizinischen Lehr­anstalten, die Ärzte ausbilden, belief sich vor dem Krieg auf etwa 102000, und in den Instituten für Stomatologen und Apotheker stieg sie auf 11000.

Aus diesen allgemeinen Zahlen kann man aber noch nicht die, tiefgehenden Veränderungen in der medizinischen Hochschul­bildung ersehen. Neue höhere Lehranstalten entstanden in den Gebieten, in denen es früher überhaupt keine gab, besonders im Kaukasus und in Mittelasien. In kurzer Zeit wurden medizinische Institute in Baku, Tbilissi, Eriwan, Taschkent, Samarkand, Stalinabad, Aschchabad, Alma-Ata und Frunse eröffnet. Die Schaffung medizinischer Institute in diesen Städten ermöglichte die Ausbildung des Ärztenachwuchses aus den in den Unions­republiken lebenden Nationalitäten.

So gab es in dem 1978 gegründeten Taschkenter Medizinischen Institut aus dem Kreis der dort lebenden Nationalitäten:

1920

5

Studenten

1925

12

1930

. .

. . .

. .

65

:935

. .

. . .

. .

480

1939

. .

. . .

. .

685

Das Taschkenter Medizinische Institut absolvierten:

1921

. .

. . .

. .

, .

20 Ärzte

1925

. .

. . .

. .

. .

88

1930

. .

. . ,

. ,

. .

138

1935

. .

. . .

. .

, .

112

11

1939

. .

. . .

. .

. .

201

Davon Ärzte der einheimischen Nationalitäten:

1925

1 Person

1930

6 Personen

1935

60 „

1939

101 „

Veranschaulichen schon die vorstehenden Zahlenangaben das bedeutende Anwachsen des einheimischen medizinischen Nach­wuchses in den höheren Lehranstalten 3Tittelasiens, so ist das Wachstum des einheimischen Ärztenachwuchses noch gewal­tiger in den medizinischen Lehranstalten Transkaukasiens, in Georgien, Aserbaidshan und Armenien, wo die Zahl der Hörer der dort lebenden Nationalitäten die überwiegende Mehrheit darstellt.

Das Budget der medizinischen Institute stieg um ein Viel­faches. Allein 1936 wurden 1.50 Millionen Rubel für den Bau und die Einrichtung von höheren medizinischen Lehranstalten ausgegeben.

Die Erweiterung des Netzes der medizinischen Institute und das Steigen der Studentenzahl ist mit dem Bau neuer Spezialheil ­und -lehranstalten und Studentenheime verknüpft.

Die neuen höheren Lehranstalten, die anfangs in kleinen, mit Mühe den Lehrfächern angepaßten Räumen, Ortskrankenhäusern und Schulen untergebracht wurden, erhielten während der Durch­führung der Stalinschen Fünfjahrespläne vorzüglich ausgestattete neue Gebäude -- wahre Paläste der medizinischen Wissenschaft; so die neue Klinik in Charkow, das Anatomische Institut in Wo­ronesh, die Klinik in Stalino, die neuen Universitätsgebäude in Tbilissi, Stalinabad, Aschchabad u. a.

Gleichzeitig damit wurden auch die alten medizinischen Insti­tute, die schon vor der Revolution' eine bedeutende materielle Grundlage besaßen, erweitert. So wurde beim Ersten Moskauer Medizinischen Institut ein Institut für Hygiene und eine Ent­bindungs- und Frauenklinik errichtet, im Zweiten Moskauer Medi­zinischen Institut neue Hörsäle und Einrichtungen zum Studium der Theorie usw.

Die Zunahme der höheren medizinischen Lehranstalten, das Steigen der Zahl ihrer Hörer und die Festigung ihrer materiellen Grundlage gingen Hand in Hand mit einem Umbau des Unter­richtssystems und des Inhalts des Unterrichts. Einer der bedeu­tendsten Vertreter der Sowjetmedizin, S. P. Solowjew, schrieb über den künftigen Sowjetarzt: „Der künftige Arzt muß die Fähigkeit besitzen, wissenschaftlich zu denken und die in der menschlichen Gesellschaft wirkenden sozialen Gesetzmäßigkeiten richtig zu ver­stehen. Aber das ist noch nicht genug. Wir brauchen praktische Ärzte, die imstande sind, auf den Kranken und seine Umgebung einzuwirken ... Die Arbeitsmethoden der Dispensorien, die pro­phylaktischen Grundlagen der Sowjetmedizin, die Fragen der sozialen Hilfe, der sanitären Aufklärung, der sanitären Tätigkeit usw. müssen aufhören, Dinge zu sein, bei denen die jungen Ärzte, nachdem sie die Hochschule bereits verlassen haben, erstaunt die Augen aufreißen,

Unser Streben ist darauf gerichtet, dem Arzt, der nur Hand­werker ist und in diesem oder jenem Spezialfach eine gewisse handwerksmäßige Fertigkeit erworben hat, den Arzt mit wissen­schaftlichem Interesse entgegenzustellen, den Arzt, der am öffent­lichen Leben teilnimmt und der für die praktische Tätigkeit auf dem Gebiete der Heilkunde und der Prophylaktik genügend ge­schult ist."

In dem Bestreben, solche Ärzte auszubilden, hat die medizinische Sowjethochschule einen schweren Weg zurücklegen müssen, hat viele Versuche, die sich nicht bewährt haben, angestellt, bevor sie die richtigen Methoden der Organisierung des Unterrichts ge­funden hat.

Der ständige Schrei nach Ärzten und die gewaltige Arbeit, die zu ihrer Heranbildung notwendig war, eine Arbeit, die trotz den Verlusten im Krieg, durch Epidemien und Hungersnot, das Er­gebnis hatte, daß die Zahl der Ärzte von 19785 im Jahre 1913 auf 141000 im Jahre 1941 stieg, machten durchgreifende und ent­schiedene Maßnahmen erforderlich.

In der ersten Zeit wurden bei der Jagd nach der größtmöglichen Hörerzahl die Bedingungen für die Aufnahmeprüfung in die höheren medizinischen Lehranstalten in bestimmten Grenzen, herabgesetzt; die Ausbildungszeit wurde verkürzt. (Nebenbei be­merkt; auch in England und den Vereinigten Staaten von Amerika ging man während des Krieges zur Verkürzung der Ausbildungs­zeit über.) Die Unterrichtsmethoden waren dabei nicht genügend durchdacht - das Verhältnis zwischen Vorlesungen und prak­tischen Arbeiten schwankte sehr. Die Anforderungen an die Prüf­linge waren nicht überall die gleichen.

Trotz diesen -Mängeln gestatteten der große Wissensdrang der Sowjetjugend, die Begeisterung, mit der sie an die Beherrschung der medizinischen Theorie und Praxis heranging, die Arbeits­disziplin und die große gesellschaftliche Erziehungsarbeit an unseren Hochschulen. schon in den ersten Jahrzehnten der Ent­wicklung der medizinischen Sowjethochschulen, einen guten Ärzte­nachwuchs auszubilden, der seine Aufgaben auf dem Dorfe, in den neuerrichteten Betrieben, in der Armee und in unseren Keil- und prophylaktischen Anstalten in vollem Umfange erfüllt. Die Zahl der Ärzte in der Sowjetunion stieg in diesen Jahren wie folgt an:

1913 gab es in Rußland etwa 19800 Ärzte

1928 62200 „

1932 76000 „

  • 1937 105000 „
  • 1938 112400 „

1940 130400 „

Am 1. Januar 1941 betrug die Zahl der Ärzte in der Sowjet­union (einschließlich der Westgebiete der Ukraine und Bjelo­rußlands, der Moldauischen SSR und der baltischen Republiken) 141000. Eine solche Zunahme der Ärzte in so kurzer Zeit hat kein anderes Land der Erde aufzuweisen. Sie erklärt sich aus der bedeutenden Erweiterung des Netzes der höheren medizinischen Lehranstalten und dem starken Ansteigen ihrer Hörerschaft seit dem Bestehen der Sowjetregierung.

Zum Eintritt in die medizinische Sowjethochschule ist das Ab­gangszeugnis einer 10 klassigen -Mittelschule erforderlich. Das Lehrprogramm der 10 klassigen Mittelschule vermittelt eine Bildung, die im allgemeinen der des Gymnasiums oder der High School in den Vereinigten Staaten von Amerika entspricht. Unterrichts­fächer der Mittelschule sind: Muttersprache, Literatur, Geschichte, Geographie, Mathematik, Biologie, Physik, Chemie und eine Fremdsprache. Abiturienten der Mittelschule mit der Note „Aus­gezeichnet" in allen Fächern (in den Sowjetschulen gilt das 5-Noten­System) werden in die Hochschulen ohne Examen aufgenommen. Die übrigen. müssen die Aufnahmeprüfungen in Russisch, Literatur, Mathematik, Physik und Chemie und an den Universitäten der Unionsrepubliken auch in ihrer Muttersprache ablegen.

Da, die Zahl der Anwärter für die medizinischen Institute um ein Vielfaches die vorhandenen Plätze übersteigt und der Kreis der Mittelschulabiturienten, die mit „Ausgezeichnet" abschließen, sehr groß ist, so werden für die Aufnahme in die höheren medizi­nischen. Lehranstalten und einzelne medizinische Institute in .Moskau, Tbilissi und Kiew auch unter den Bewerbern mit der 'Note ;,ausgezeichnet" Examen-Wettbewerbe durchgeführt. Das ist um so wichtiger, als in den verschiedenen Mittelschulen des großen Sowjetlandes das Unterrichtsniveau nicht überall völlig gleich sein kann.

Die Studenten werden einzig und allein auf Grund der Prüfungs­ergebnisse aufgenommen, ohne Rücksicht auf Geschlecht, Natio­nalität, Konfession, Parteizugehörigkeit und soziale Lage. Die Altersgrenze ist 17 bis 35 Jahre. Das Studiengeld beträgt 300 Rubel für die Hochschulen der Hauptstädte 400 Rubel) jährlich. Viele Studenten sind von der Zahlung befreit, und zwar Invaliden, Kinder von einfachen Soldaten der Roten Armee, Kinder von Kriegsinvaliden usw. Alle Studenten, die ihre Studien mit Erfolg durchführen, sind nicht nur von der Zahlung des Studiengeldes befreit, sondern erhalten für ihren eigenen Unterhalt ein Monats­stipendium, das nach Studienjahr und -leistung 110 bis 250 Rubel monatlich beträgt. Die besten Studenten erhalten besondere, vom Staat zu Ehren bedeutender Persönlichkeiten gestiftete Stipendien, beispielsweise: „Stalin"-, „Molotow .... ,Kalinin"- und andere Stipendien, meist in einer Höhe von 500 bis 700 Rubel monatlich.

Tausende von Studenten leben in den staatlichen Studentenheimen, Zehntausende werden in den Studenten-Speisehallen verpflegt. Besondere Studenten-Lesehallen und -Bibliotheken versorgen die Studenten mit den nötigen Lehrbüchern, Leitfäden und Lehr­mitteln.

Medizinisches Hilfspersonal (Feldschere, Hebammen, Pharma­zeuten), das die dreijährige medizinische Mittelschule absolviert und eine dreijährige Praxis hinter sich hat, wird, ebenso wie die Abiturienten der allgemeinen Mittelschule, zur Aufnahmeprüfung in höhere medizinische Lehranstalten zugelassen.

Die medizinischen Institute der Sowjetunion haben zum Unter­schied von denen anderer Länder außer den üblichen Lehrfächern der Heilkunde andere, wie Sanitätswesen und Pädiatrie. Das sich in einem stürmischen Tempo entwickelnde Sowjetland hat einen Riesenbedarf an Sanitätspersonal. Das furchtbare Erbe der sani­tären Unkultur und des unzureichenden Schutzes gegen Epide­mien, das der Zarismus der jungen Sowjetrepublik hinterließ; die außerordentliche Weite des Landes; die geringe Bevölkerungs­dichte; der Mangel an Sanitätspersonal in der Vergangenheit; der Umfang der sanitären und organisatorischen Aufgaben, vor denen (las Sowjetgesundheitswesen steht; all das erforderte ein Heer an geschultem Sanitätspersonal, dessen Ausbildung in denkbar kürze­ster Frist durchzuführen war.

Es genügt, darauf hinzuweisen, daß Moskau allein heute über mehr Sanitätsärzte verfügt, als vor der Revolution ganz Rußland hatte. Es besteht heute ein umfangreicher spezialisierter Sanitäts­dienst in Form von Industrie-Sanitätsinspektionen in den Fabriken und Betrieben, von Nahrungsmittel-Sanitätsinspektionen in den Lebensmittelbetrieben, in öffentlichen Speisehallen und Lebens­mittelgeschäften, von kommunalen Sanitätsinspektionen bei den Wasserwerken und auf großen Bauten sowie von Schul-Sanitäts­inspektionen zur Betreuung der Kinderanstalten.

Unser Land bedurfte auch einer großen Zahl hochqualifizierter Kinderärzte. Die bedeutende Geburtenzunahme bei einem Rück­gang der Kindersterblichkeit, die unermüdliche Sorge des Sowjet­volkes, seiner gesellschaftlichen Organisationen und des Staates. gesunde, blühende Sowjetkinder großzuziehen, und im Zusammen­hang damit der Aufbau eines umfassenden Netzes von Schulen, Kindergärten und -krippen, Pionierlagern, Kinderklubs und Sport­plätzen erfordern die tägliche Arbeit zehntausender Ärzte, die speziell auf diesem Gebiete des Gesundheitsdienstes tätig sind. An 17 von 56 medizinischen Hochschulen gibt es daher Lehrfächer für Sanitätswesen, an 19 Lehrfächer für Pädiatrie. Die Zahl der Studenten, die speziell Sanitätswesen studieren, beträgt etwa 10 v. H. der Gesamtzahl der Hörer an medizinischen Lehranstalten, und die Zahl der Pädiatrie Studierenden etwa 15 v. H

Ein besonderer W esenszug der sowjetischen höheren medizini­schen Lehranstalten, der sie von ähnlichen Anstalten im Ausland unterscheidet, ist ihre organisatorische Eingliederung in das System des Ministeriums für Gesundheitsschutz der Sowjetunion.

Bis 1930 war die medizinische Hochschule in der Regel eine Fakultät an den Universitäten. Ihr Vorzug war die Verbindung der medizinischen Bildung und der wissenschaftlichen Forschung mit der Tätigkeit der anderen Fakultäten. der Universität, ins­besondere der physikalisch-mathematischen und der biologischen.

Aber die weitere Entwicklung des gesamten Gesundheitswesens im Lande, der große Anteil der Medizinstudenten an der Gesamt­zahl der Studierenden, die anders gestaltete materielle Basis der medizinischen Fakultäten . (Kliniken, Krankenhäuser, Anatomie­-Hörsäle, physiologische Laboratorien, sanitär-bakteriologische In­stitute usw.), ferner die Notwendigkeit der engen Verbindung der Ausbildung des künftigen Arztes mit der praktischen Tätigkeit des Sowjetgesundheitsschutzes -- all dies erforderte die Abtren­nung dieser stark entwickelten Fakultäten, die tatsächlich höhere medizinische Lehranstalten innerhalb der Universitäten waren, und ihre Umbildung in selbständige medizinische Institute, die den höchsten Organen des Sowjetgesundheitsschutzes unmittelbar unterstellt sind. Durch Beschluß der - höchsten gesetzgebenden Organe der Sowjetunion vom 23. Juli 1930 wurde diese Umwand­lung verwirklicht.

Gleichzeitig mit diesen spezifischen Interessen wird die Ver­einheitlichung der Aufnahme- und der Abschlußprüfungen an den höheren Lehranstalten, die Vereinheitlichung der Anforderungen an das Lehrpersonal, an die Lehrpläne und die Programme dieser Anstalten - kurzum, die Koordinierung _ dieser Bedingungen im Gesamtsystem der Hochschulbildurig in der Sowjetunion - durch das Ministerium für Hochschulbildung der UdSSR gewähr­leistet,

Der große Aufschwung der wissenschaftlichen Forschungsarbeit an den Lehrstühlen und in den Kliniken der höheren medizinischen Lehranstalten nach 1930 zeigte, daß die von einzelnen gehegte Befürchtung, die Lostrennung der medizinischen Fakultäten aus dem Bestand der Universitäten würde das Niveau ihrer wissen­schaftlichen Arbeit beeinträchtigen, völlig grundlos war.

Lehrplan für die Heranbildung praktischer Ärzte, nach dem bis zum Studienjahr 1945 unterrichtet wurde

Lehrfächer

Semester

Stunden I

Grundfragen des Marxismus-Leninismus

1, 2, 3 , 4

216

Latein

1

108

Fremdsprachen

1, 2, 3, 4

198

Biologie mit einem Lehrgang für Zoologie und Parasitologie

1, 2

162

Physik

1, 2

144

Anatomie des Menschen . . . . . , .

1, 2, 3

414

Allgemeine Chemie (Anorganische Chemie Analytische Chemie, Physikalische Che­mie und Kolloidal-Chemie) . . . . ,

1, 2

252

Histologie und Embryologie

2, 3

216

Organische Chemie

2

90

Biologische Chemie

3, 4

216

Physiologie

3, 4

288

Militärärztliche Ausbildung

1,2,3,4,7,9

286

Mikrobiologie

5

234

Topographische Anatomie mit operativer Chirurgie

6, 7

106

Pathologische Anatomie mit. Präparierübungen

5, 6, 10

208

Pathologische Physiologie

5, 6

146

Pharmakologie

5, 6

164

Propädeutik für Innere Krankheiten mit einem Lehrgang für Röntgenologie und Physiotherapie

5, 6

216

Allgemeine Chirurgie

5, 6

210

Hygiene

6; 7

214

Fakultäts-Therapie mit Lehrgang für Tu­berkulose

7,8

187

Nervenkrankheiten

7, 8

96

Fakultäts-Chirurgie

7, 8

161,

Haut- und Geschlechtskrankheiten

7, 8

96

Geburtshilfe und Gynäkologie

7, 8, 9

182

Infektionskrankheiten und Epidemiologie

8, 9

188

Kinderkrankheiten

und Kinderinfektionskrankheiten

8,9,10

198

Augenkrankheiten

9

90

Ohren-, Hals- und Nasenkrankheiten

9

90

Psychiatrie

10

75

Krankenhaus-Therapie

9, 10

210

Krankenhaus-Chirurgie, mit Lehrgang für Kriegs-Chirurgie und einem Lehrgang für Stomatologie und Kiefer-Chirurgie

9, 10

273

Gerichtsmedizin

10

90

Seit 1936 hat sich das Unterrichtssystem in den medizinischen Hochschulen der Sowjetunion im wesentlichen gefestigt.

Die sowjetisch-medizinische Schule, die die Erfahrungen der englischen, der amerikanischen, der französischen und der deut­schen medizinischen Hochschule berücksichtigte, vermied, sowohl in das eine Extrem der nur theoretischen Ausbildung der Medizin­studenten auf Kosten der praktischen Ausbildung wie auch in das andere Extrem der nur praktischen Ausbildung auf- Kosteil der theoretischen zu verfallen. Der Lehrplan in den medizinischen Hochschulen der Sowjetunion wurde vereinheitlicht (mit nur ,geringen Abweichungen, die den jeweiligen örtlichen Verhält­nissen angepaßt waren), und alle höheren medizinischen Lehr­anstalten der Sowjetunion schulen heute Ärzte und andere Spezia­listen nach einem einheitlichen Lehrplan (siehe Seite 29) und einem einheitlichen Lehrsystem.

Das Verhältnis von Vorlesungen und praktischer Arbeit im Lehrplan der höheren medizinischen Lehranstalten in der Sowjet­union ist etwa 2 : 3, wobei das Arbeitspraktikum nicht mit ein­geschlossen ist.

Die Studenten der medizinischen Hochschulen der Sowjet­union haben ein obligatorisches Arbeitspraktikum; es beginnt nach dem dritten Studienjahr mit Krankenpflege und sieht nach Abschluß des vierten Studienjahres ein zweimonatiges Arbeitspraktikum in Dorf- und Bezirkskrankenhäusern vor. Über jedes Lehrfach hat der Student nach der praktischen Durcharbeitung des Materials und dem Hören der dafür vorgesehenen Vorlesungen beim Leiter des Lehrstuhls Prüfungen abzulegen.

Die Studenten, die den Lehrplan der medizinischen Hoch­erfüllt und alle Prüfungen abgelegt haben, werden zum Staatsexamen vor einer vom Ministerium. für Hoch­schulbildung der UdSSR und vom Ministerium für Gesund­heitswesen ernannten Sonderkommission zugelassen. Die Staats­examina werden in folgenden Lehrfächern abgelegt: Innere Krankheiten, Chirurgie und Kriegschirurgie, Infektionskrank­heiten, Kinderkrankheiten, Geburtshilfe und Gynäkologie, Hy­giene. Studenten, die das Staatsexamen bestanden haben, erhalten das Ärztediplom.

Zum Vergleich führen wir nachstehend die Stundenzahl für die medizinischen Hauptlehrfächer nach dem Sowjetlehrplan und dem einer der besten amerikanischen, der Harvard-­Universität, in:

Lehrfächer

Stundenzahl nach dem

Sowjetlehrplan

Stundenzahl nach dem Lehrplan der Harvard-Universität

Anatomie und Histologie

630

440

Physiologische Fächer (Physiologie, Biochemie

638

593

Pathologie und Bakteriologie

587

479

Therapie, Chirurgie und Spezialfächer

2081

1712

Geburtshilfe und Gynäkologie

182

317

Pädiatrie

198

212

Hygiene und Organisierung des Gesundheitsschutzes

270

124

Das medizinische Bildungswesen in den medizinischen Instituten der Sowjetunion stellte sich in den letzten Jahren auf eine Erwei­terung des poliklinischen Unterrichts ein. Die Studenten werden mit der praktischen Arbeit unter den verschiedensten Bedingungen und Verhältnissen vertraut gemacht, mit der Arbeit in den öffent­lichen Ambulatorien und mit der Krankenbehandlung in der Woh­nung des Patienten, sie werden ferner zu intensiver Arbeit in den Kliniken für Therapie und Chirurgie herangezogen, damit sie sich bereits als- Medizinstudenten mit möglichst vielen verschieden­artigen Krankheitserscheinungen bekannt machen.

Auf einen der Wesenszüge der sowjetischen medizinischen Hoch­schule, das obligatorische Arbeitspraktikum, wurde bereits hin­gewiesen. Nach Beendigung des dritten Studienjahres arbeiten die Medizinstudenten anderthalb Monate praktisch in städtischen Krankenhäusern und Lazaretten, und zwar unter unmittelbarer Leitung der Ärzte dieser Heilanstalten und der allgemeinen metho­dischen Leitung des Fakultätsdekans sowie speziell bestimmter Lehrer.

Nach Abschluß des vierten Studienjahres gehen die Medizin­studenten zum zweimonatigen Arbeitspraktikum in Bezirks- und Dorfkrankenhäuser, in denen sie als Assistenzärzte in den Sanitäts­stellen, den Ambulatorien und in den Abteilungen für epidemische Krankheiten Diensttun. Das ist die beste Vorbereitung für die zukünftige Tätigkeit als Arzt im Kreiskrankenhaus oder als Sanitätsarzt.

Das Gesundheitswesen einschließlich der Heilbehandlung der Bevölkerung des Sowjetlandes ist nach dem System der Er­richtung besonderer Rayons (Bezirke) organisiert. Jeder Stadt­bezirk oder jedes Dorf mit einer bestimmten Einwohnerzahl (die je nach den tatsächlichen örtlichen Bedingungen schwankt) ver­fügt über ein Bezirksambulatorium oder eine Poliklinik, die jegliche ambulatorische Hilfe und Krankenbehandlung in der Wohnung des Patienten leistet, ferner über Einrichtungen zur Epidemiebekämpfung usw. Auf dem flachen Lande, wo die Be­völkerungsdichte gering und der Verkehr zwischen den einzelnen Orten erschwert ist, erfüllen diese Aufgabe die ambulatorischen Sprechstunden oder Landkreis-Sanitätsstellen. Bei der Landkreis­Sanitätsstelle gibt es gewöhnlich eine kleine Ambulatoriums­station mit 10 bis 40 Betten.

Während ihres Praktikums arbeiten die Studenten unter Be­dingungen, unter denen sie nach Absolvierung der medizinischen Hochschule wirken werden.

Wie bereits erwähnt, sind die medizinischen Institute in der Sowjetunion dem Ministerium für Gesundheitswesen der UdSSR und dem der Unionsrepubliken unterstellt. Die Leitung der höheren medizinischen Lehranstalten des Ministeriums für Gesundheits­schutz der Union obliegt der Hauptverwaltung der medizinischen Lehranstalten.

An der Spitze jedes medizinischen Instituts steht der Direktor des Instituts, der vom Ministerium für Gesundheitswesen und dem Ministerium für Hochschulbildung der UdSSR ernannt wird. In der Regel werden Professoren und Doktoren der Wissen­schaften als Direktoren ernannt.

Gehilfen des Direktors sind sein Stellvertreter in Fragen der wissenschaftlichen Schulungsarbeit (ebenfalls Professor, Doktor der Wissenschaften) sowie sein Stellvertreter für Verwaltungs­fragen und - wirtschaftliche Angelegenheiten. Die methodologische Arbeit an der Fakultät, die unmittelbare Überwachung der Arbeit der Studenten, die tagtägliche Überwachung der Erfüllung des Lehrplans und der wissenschaftlichen Arbeit obliegt dem Dekan der Fakultät, der aus der Mitte der angesehensten Professoren der Universität gewählt wird.

Die wesentlichen Fragen des Hochschullebens, die Organisierung ihrer wissenschaftlichen Arbeit und Lehrtätigkeit, die Verleihung wissenschaftlicher Grade und Titel, die Begutachtung von Disser­tationen zur Erwerbung des Titels eines Kandidaten oder eines Doktors der medizinischen Wissenschaften werden auf den Sitzungen des Institutsrats und - in großen höheren Lehranstalten. - auch von den Fakultätsräten entschieden. Dem Rat der höheren Lehranstalten und Fakultäten gehören außer dem Rektor und dem Dekan alle Leiter von Lehrstühlen und in der Regel die Professoren an, die den Grad eines Doktors der Wissenschaften erworben haben.

Den Lehrstühlen und den. Kliniken stehen die Leiter der Lehrstühle und die Direktoren der Kliniken vor, die durch geheime Wahl in den Professorenräten gewählt und dann vom ,Ministerium für Hochschulbildung der UdSSR, auf Vorschlag des Institutsdirektors, als des Vorsitzenden des Institutsrates, bestätigt werden.

Außerdem gibt es bei den Lehrstühlen mit großem Aufgaben­kreis das Amt der Stellvertretenden Professoren, die, im Besitz des wissenschaftlichen Grades eines Doktors der medizinischen Wissenschaften, vom Hochschulrat durch geheime Abstimmung gewählt und vom Ministerium für Gesundheitswesen der Union bestätigt werden. Dozenten, die Kandidaten der Wissenschaften oder Doktoren der Wissenschaften sind, werden durch geheime Abstimmung im Hochschulrat gewählt und vom Ministerium für Gesundheitswesen auf Vorschlag des Institutsdirektors bestätigt. Lehrstuhlassistenten werden vom Leiter des Lehrstuhls berufen und vom Direktor des Instituts bestätigt.

Die wissenschaftliche Qualifizierung der Mitarbeiter einer Hoch­schule erfolgt durch den Erwerb des wissenschaftlichen Grades Kandidat oder Doktor der Wissenschaften. Nach erfolgreicher Verteidigung der Dissertation über ein selbstgewähltes Thema wird die Würde eines Kandidaten der Wissenschaften erteilt. Ver­teidigt wird die Dissertation vor dem Rat der entsprechenden höheren Lehranstalt. Die Dissertation muß allgemein-theoretische Kenntnisse auf dem Gebiete des jeweiligen Lehrfachs, Spezial­kenntnisse über das zur Behandlung stehende Thema und die Fähigkeit zu selbständiger wissenschaftlicher Forschung auf­weisen. Die Kandidatenwürde der medizinischen Wissenschaften wird vom Institutsrat durch geheime Abstimmung bestätigt.

Die Doktorwürde wird einem Kandidaten der Wissenschaften erteilt, nachdem er seine Doktordissertation über ein selbstgewähl­tes Thema öffentlich verteidigt hat. Die Doktordissertation muß eine selbständige Forschungsarbeit sein, in. der ein wissenschaft­liches Problem gelöst oder theoretisch verallgemeinert wird oder neue, wissenschaftliches Interesse erregende Probleme wissen­schaftlich begründet aufgeworfen werden.

Die Würde eines Doktors der Wissenschaften wird vom Hoch­schulrat verliehen und unterliegt der Bestätigung durch die höchste Attestierungskommission des -Ministeriums für Hoch­schulen der UdSSR. Die Höchste Attestierungskommission hat eine Reihe Expertenkommissionen, die nach Prüfung des von den Räten der medizinischen Institute vorgelegten Materials in den Sitzungen der Höchsten Attestierungskommission darüber berichten, ob der wissenschaftliche Grad zu Recht verliehen wurde. Der Höchsten Attestierungskommission beim Ministerium für Hochschulen gehören die hervorragendsten sowjetischen Gelehrten der verschiedensten Spezialgebiete an. Die Zu­sammensetzung der Attestierungskommission wird von der Sowjetregierung bestätigt.

Die wissenschaftliche Qualifizierung der Universitätsprofessoren der medizinischen Hochschulen erfuhr eine bedeutende Erwei­terung nach dem Beschluß der Sowjetregierung vom 23. Juni 7.936. In diesem Beschluß hieß es, daß „ohne wissenschaftliche Forschungsarbeit die Ausbildung von Spezialisten auf den Stand der modernen Wissenschaft durch die Hochschulen nicht ver­wirklicht werden könne und die Heranbildung eines wissenschaft­lichen Forschernachwuchses sowie die Hebung ihrer Qualifikation undenkbar sei".

Der berühmte russische Gelehrte N. I. Pirogow wies schon darauf hin: „An der Universität kann der Unterricht nicht von der wissenschaftlichen Forschungsarbeit getrennt werden. Zwar spendet die Wissenschaft auch ohne Lehrbetriebe an sich schon Licht und Wärme, aber Lehrbetrieb ohne Wissenschaft, mag er nach außen hin auch noch so verlockend sein, blendet nur."

In den auf den Beschluß des Rates der Volkskommissare über die Hochschulen folgenden acht Jahren verteidigten viele Mit­arbeiter der höheren medizinischen Lehranstalten erfolgreich Kan­didaten- und Doktordissertationen. Allein 1°43 wurden in den höheren medizinischen Lehranstalten 137 Doktor- und 202 Kan­didatendissertationen verteidigt. Zum 1. Januar 1944 waren allein an den medizinischen Instituten der Sowjetunion 5425 Professoren, Dozenten und Assistenten, unter ihnen 1003 Doktoren und 1516 Kandidaten der Wissenschaften. Das Personal an den Anstalten für die Weiterbildung der Ärzte sowie an den Stomatologischen Instituten ist hierbei nicht mit einbezogen.

Zur Ausbildung von Lehrkräften für die medizinischen Hoch­schulen und die wissenschaftlichen Forschungsinstitute gibt es in unserem Lande die Aspirantur und die Ordinatur. Die Aspirantur bei den höheren Lehranstalten und den wissen­schaftlichen Forschungsinstituten ist die Hauptform der Heran­bildung von Universitätsprofessoren und wissenschaftlichen Ar­beitern. Eine Aspirantur gibt es nur an jenen Hochschulen, die über hochqualifizierte wissenschaftliche Leiter und über die entspre­chende wissenschaftliche Forschungsbasis verfügen. Aufgenommen werden Personen nicht über 40 Jahre mit abgeschlossener Hoch­schulbildung und der Befähigung zu pädagogischer und wissen­schaftlicher Arbeit. Alle Eintretenden haben Aufnahmeprüfungen in den Grundfragen des -Marxismus-Leninismus, in dem Spezial­lehrfach und in einer der Fremdsprachen abzulegen. Die Aspirantur dauert drei Jahre. Die Verantwortung für die Aspirantur und. ihre Beaufsichtigung obliegen dem Leiter des Lehrstuhls. Die Haupt­tätigkeit der Aspiranten besteht darin, sieh durch selbständige Arbeit für die pädagogische Betätigung und die wissenschaftliche Forschungsarbeit vorzubereiten. Nach drei Jahren muß der Aspirant seine Kandidatendissertation beendet haben und sie vor dem Institutsrat verteidigen. Daraufhin wird ihm der Grad eines Kandidaten der Wissenschaften zuerkannt. Wer durch die Aspiran­tur gegangen ist, genießt das Vorzugsrecht für das Assistenten­amt in den höheren medizinischen Lehranstalten.

Die Aspirantur ist eine sehr verbreitete Form der Vorbereitung auf die wissenschaftliche Forschungs- und Lehrtätigkeit. So zum Beispiel gab es am 1. Januar 1940 in den medizinischen, stomato­logischen, pharmazeutischen Instituten und in den Instituten für ärztliche Weiterbildung 2920 Aspiranten für verschiedene Spezial­fächer der medizinischen Theorie und Praxis.

Die klinische Ordinatur besteht als ständige Einrichtung in den Kliniken der medizinischen Institute und in den Instituten für ärztliche Weiterbildung. Die klinische Ordinatur setzt sich haupt­sächlich die Ausbildung qualifizierter Spezialärzte sowohl für die praktische Arbeit wie auch für die Lehrtätigkeit bei den klinischen Lehrstühlen der medizinischen Institute zum. Ziel.

Die Besetzung der Stellen eines klinischen Ordinarius erfolgt einerseits durch Auswahl unter den Kandidaten, die sich auf Grund der offiziellen Ausschreibung um die Stelle beworben haben, und andererseits durch die Aufnahme. von Kandidaten, die von den Regions- und den Gebietsabteilungen des Gesundheits­schutzes und den größten städtischen Abteilungen des Gesund­heitsschutzes in die entsprechenden medizinischen Institute entsandt werden.

Das Amt klinischer Ordinarien bekleiden Ärzte, die ihre Ärzte­praxis auf einem Spezialgebiet nicht weniger als drei Jahre aus­üben, sowie Personen, die eine höhere medizinische Lehranstalt mit „Ausgezeichnet" absolviert und mit Erfolg in Studenten- und wissenschaftlichen Zirkeln klinische Lehrfächer unterrichtet haben. Die Dauer der klinischen Ordinatur beträgt drei Jahre.

Der klinische Ordinarius ist ein behandelnder Arzt in der je­weiligen Klinik, der unter unmittelbarer Leitung der Assistenten des Lehrstuhls arbeitet. Außer der Heilbehandlung obliegt dem klinischen Ordinarius die Arbeit an wissenschaftlichen Forschungs­themen, die ihm der Leiter des Lehrstuhls überträgt. Die klinische Ordinatur ist eine verbreitete Form sowohl der Ausbildung des Lehrernachwuchses für die' klinischen Lehrfächer als auch der Ausbildung von Fachärzten für die großen städtischen und Ge­bietskrankenhäuser. Bis zum Kriege waren in unseren medizini­schen Instituten einige tausend Aspiranten und klinische Ordi­narien tätig. Im Zusammenhang mit dein Krieg ist ihre Zahl bedeutend gesunken.

Zu Beginn des Großen Vaterländischen Krieges verfügte die Sowjetunion über ein weitausgebautes Netz höherer medizinischer Lehranstalten. Nicht umsonst sagte W. M. Molotow in seiner Rede auf der ersten Unionsberatung der Mitarbeiter der Hochschulen: „Es handelt sich nicht nur um die Anzahl der höheren medizini­schen Lehranstalten und die Zahl ihrer Studenten, es handelt sich auch nicht nur um die Erneuerung der Lehrprogramme, der Lehr­pläne u: dgl. Die Reorganisation der höheren Lehranstalten ist im wesentlichen in dem Sinne beendet, daß sie jetzt annähernd den Anforderungen des Staates, der den Sozialismus aufbaut, ent­spricht. Wenn wir unsere Hochschulbildung in ihrer Gesamtheit nehmen, unsere Hochschulen - die technischen und die militäri­schen, die pädagogischen und die medizinischen sowie die übrigen-, so können wir sagen, daß dieses Gebiet bereits so organisiert ist, daß es im Grunde allen wichtigsten Anforderungen des Sowjet­staates gerecht wird."

In dieser Rede wies W. M. Molotow auch darauf hin, daß von entscheidender Bedeutung für die richtige Organisierung des Unterrichtswesens das Vorhandensein guter Lehrbücher ist, ohne die eine fruchtbringende Arbeit der Studenten undenkbar ist. Im letzten Jahrzehnt wurden neue Lehrbücher für alle. Hauptfächer der medizinischen Hochschule in hoher Auflage herausgegeben. Herausgegeben und prachtvoll ausgestattet wurden: der erste russische Anatomische Atlas von dem Mitglied der Akademie

Worobjew und Prof. Sinelnikow; Lehrbücher für Anatomie von Lyssenkow und Tankow, das Lehrbuch für Physiologie unter der Redaktion des Mitglieds der Akademie Bykow, der Leitfaden für pathologische Anatomie von den Akademiemitgliedern Abrikossow und Dawidowski, das Lehrbuch für Histologie von dem Mitglied der Akademie Sawarsin, das Lehrbuch für operative Chirurgie von dem Akademiemitglied Schewkunenko, das Lehrbuch für All­gemeine Chirurgie von dem Mitglied der Akademie Rufanow, der Leitfaden für Innere Krankheiten von Prof. Lang, Prof. Kon­tschalowski, Akademiemitglied Selenin und Prof. Gelstein, das Lehrbuch für Haut- und Geschlechtskrankheiten von Prof. Grigorjew, das Lehrbuch für Nervenkrankheiten von Akademie­mitglied Sepp, das Lehrbuch für Augenkrankheiten von Prof. Udinzow, das Lehrbuch für Kinderkrankheiten von Prof. Maslow, Lehrbücher für allgemeine Epidemiologie von Akademiemitglied Gromaschewski, das Lehrbuch für Hygiene von Akademie­mitglied Syssin, das Lehrbuch für Schulhygiene von Prof. Molkow u. v. a.

So wurden bis 1941 fast in allen Lehrfächern der medizinischen Institute neue Lehrbücher und ,Leitfäden herausgegeben, die von den bedeutendsten- Fachleuten des Landes bearbeitet und von Spezial-Expertenkommissionen geprüft wurden. Neu ist die Be­arbeitung und die Herausgabe von Lehrbüchern für die medi­zinische Hochschule in Sprachen wie Ukrainisch, Georgisch, Aser­baidschanisch u. a. Zum erstenmal in der Geschichte haben die Studenten der einheimischen Nationalitäten in den einzelnen Unionsrepubliken die Möglichkeit erhalten, in den Ärzte-Hoch­schulen nach Lehrbüchern in ihrer Muttersprache zu studieren.

In georgischer Sprache erschienen so neben den zahlreichen Übersetzungen aus dem Russischen, Originallehrbücher für Nor­mal-Anatomie von Prof. Natischwili, für allgemeine pathologische Anatomie von Prof. Shgenti, für Innere Krankheiten von Prof. Kizewidse, für Chirurgie von Prof. Matschawariani. In aserbaidshanischer Sprache erschien ein dreibändiges' Lehrbuch für spezielle Chirurgie von dem bekannten aserbaidshanischen Chirur­gen, Mitglied der Akademie Tontschibaschevsr. Gleichzeitig damit vergrößerten sich die Sammlungen der Anschauungsmaterialien in unseren medizinischen Instituten bedeutend. Es wurden neue anatomische Museen (z. B. in der Charkower Medizinischen Hoch­schule, im Ersten Moskauer Medizinischen Institut), pathologisch­anatomische Museen, Museen für Gerichtsmedizin geschaffen sowie spezielle medizinische Lehrfilme über Physiologie, Mikrobiologie, Chirurgie, Therapie, Infektionskrankheiten, Psychiatrie u. a. ge­dreht.

Die nach der Revolution gegründete Zentralbibliothek für Medizin in 1.Moskau, die über 360000 Bände medizinischer Literatur in allen Sprachen der Welt verfügt, spielt eine entscheidende Rolle bei der organisierten Versorgung der medizinischen Institute und der Gelehrten mit entsprechender Literatur.

Um sich eine Vorstellung vom Umfang des medizinischen Ver­lagswesens zu machen, führen wir folgende Zahlen an: 1913 er­schienen in Rußland 785 Bücher und Broschüren medizinischen Inhalts in einer Gesamtauflage von 1601000 Exemplaren; 1940 aber 2723 Bücher und Broschüren in einer Gesamtauflage von 16605000 Exemplaren.

Die 1934 beginnende Reorganisierung der medizinischen Hoch­schule und die zahlenmäßige Zunahme des wissenschaftlichen und des Lehrpersonals waren eng verbunden mit der Entfaltung der wissenschaftlichen Forschungsarbeit in den medizinischen Instituten.

Unsere höheren medizinischen Lehranstalten, die über die besten Vertreter der medizinischen Theorie und Praxis verfügen, sind auch die Hauptstätten der medizinischen wissenschaftlichen For­schungsarbeit im Lande.

Vor dem Oktober 1917 war die russische medizinische Wissen­schaft in der Gelehrtenwelt weit bekannt durch die Namen N. I. Pirogow, S. P. Botkin, I. M: Setschenow, I. I. Metschnikow und I. P. Pawlow; insbesondere die russischen physiologischen Schulen hatten sich einen Namen gemacht. Die sowjetische medizinische Schule bewahrte sorgfältig dieses wissenschaftliche Erbe und vermehrte es bedeutend. 72 höhere medizinische Lehr­anstalten und 228 wissenschaftliche Forschungsinstitute mit einem. ausschließlich für wissenschaftliche Forschungsarbeit bestimmten Jahresbudget von 400 Millionen Rubel haben fortgesetzt alljähr­lich einen gewaltigen Beitrag geleistet für die Weiterführung der medizinischen Wissenschaft des Sowjetlandes wie auch der Welt.

In den oben angeführten Sowjetinstituten arbeiteten über 25000 Personen, unter ihnen 2500 Professoren und Doktoren der medizinischen Wissenschaften.

Unsere Sowjetwissenschaft hat sich die Achtung und Anerken­nung des gesamten Volkes erworben, und Partei und Regierung wenden ihr fortgesetzt ihre Aufmerksamkeit zu.

Eine charakteristische Besonderheit der medizinischen Wissen­schaft der Sowjetunion ist ihre ungewöhnlich breite organisato­rische Grundlage. Es gibt keinen Zweig der medizinischen Wissen­schaft, der im Gesamtsystem unserer wissenschaftlichen Institute nicht auf irgendeine Weise seine besondere Betonung gefunden hätte. Auf einzelneu Spezialgebieten haben wir Dutzende wissen­schaftlicher Institute, die über das ganze Land verstreut sind und die in ihrer Arbeit die örtlichen Besonderheiten widerspiegeln.

Eine zweite Besonderheit der Sowjetwissenschaft ist die folge­richtig durchgeführte Planung wissenschaftlicher Forschung, die die rascheste Lösung der dringendsten Probleme ermöglicht.

Ein charakteristisches Merkmal der Sowjetwissenschaft, das einen großen Einfiuß auf ihre erfolgreiche Entwicklung hat, ist ferner die systematische Verwirklichung des Grundsatzes von der unlöslichen Verbindung zwischen Theorie und Praxis.

Zu den hervorstechendsten Merkmalen der Sowjetwissenschaft gehören schließlich der Kollektivgeist bei der wissenschaftlich­schöpferischen Arbeit und die breite Anwendung mannigfaltigster Formen des wissenschaftlichen Erfahrungsaustausches.

Die Grundsätze der marxistisch-leninistischen Methodologie, im praktischen und im wissenschaftlichen Leben angewendet, haben den Sowjetgelehrten auf dem Gebiete der Medizin zu außerordent­lichen Erfolgen verholfen, sie bei der Lösung vieler Fragen einen führenden Platz einnehmen lassen und in die vordersten Reihen der Weltwissenschaft gerückt.

Als ein Beispiel des Aufblühens und der Entfaltung sei hier besonders die physiologische Schule des großen russischen Ge­lehrten und leidenschaftlicher, Patrioten, des Akademiemitglieds I. P. Pawlow erwähnt. Die Forschungen Pawlows und seiner Schule auf dem Gebiete der Physiologie des zentralen Nerven­systems stellen einen unschätzbaren Beitrag der Sowjetwissen­schaft zur Weltwissenschaft dar.

Aus dieser Schule gingen neue originelle Richtungen auf dem Gebiete der Physiologie hervor, die mit den Namen der größten Gelehrten unseres Landes, der Akademiemitglieder Orbeli, Bykow, Rasenkow verknüpft sind.

Eine große Rolle bei der Entwicklung der Sowjetphysiologie spielte die Schule Wedenskis und seines -Nachfolgers Uchtomski. Die originellen Forschungen, Waritaschwilis über das Problem der allgemeinen Störungen im zentralen Nervensystem, die erfolg­reichen Untersuchungen der Schule Lina Sterns über Fragen der Physiologie und der Pathologie der hämato-enzephalitischen Bar­riere waren ebenfalls ein außerordentlich wertvoller Beitrag zur Schatzkammer der Weltphysiologie.

Mit den Erfolgen der Physiologie sind die Erfolge auf dem Ge­biete der Biochemie eng verknüpft. Die Sowjetbiochemie kann mit Recht stolz sein auf die Ergebnisse der Arbeiten der Schule des Akademiemitglieds Bach auf dem Gebiete der Enzymologie und der Oxydations- und Reproduktionsprozesse der Gewebe, auf die Arbeiten Engelhardts, der die fermentativen Eigenschaften des Myosin's entdeckte, Braunsteins, der neue Gesetzmäßigkeiten hin­sichtlich der Umwandlung der Aminosäure im Organismus auf­stellte, Palladins, der viel Neues in der Biochemie der Muskel­tätigkeit und des Nervensystems entdeckte.

Die glänzenden Errungenschaften der Schulen der Stalin-­Preisträger, der Akademiemitglieder Sawarsin und Gurwitsch, des bekannten Schöpfers der Lehre von den mitogenetischen Strahlen, und des Korrespondierenden Mitglieds der Akademie der Wissenschaften, des verstorbenen Lawrentjew, riefen eine tiefe Umwälzung in den theoretischen Grundlagen der Histologie hervor.

Hervorragende Bedeutung für die Weltwissenschaft hat auch die Bearbeitung des Problems der Arteriosklerose, die von der Schule des Akademiemitglieds Anitschkow durchgeführt wurde.

Die klinisch-anatomische Richtung in der pathologischen Ana­tomie, die mit den Namen der Akademiemitglieder Abrikossow und Dawidowski verknüpft ist, eröffnete dieser Wissenschaft neue Horizonte und wappnete sie mit dem klinischen Verständnis für die pathologischen Prozesse.

Einen außerordentlichen Aufschwung erfuhr die Forschertätig­keit auf dem Gebiete der Mikrobiologie, die in enger Berührung mit der Arbeit auf dein Gebiet der Epidemiologie und der Klinik durchgeführt wurde und die Möglichkeiten schuf für die Lösung der wichtigsten praktischen Aufgaben des Sowjetgesundheits­schutzes hinsichtlich der 1'rolWylaktik und der Therapie von Infektionskrankheiten.

Die wissenschaftlichen Konzeptionen der mit der höchsten Aus­zeichnung, dem Stalin-Preis, gekrönten Sowjetgelehrten Iiron­towskaja, Jermoljewa, Smorodinzew, Tschunxakow, Solowjew so­wie die Arbeiten Silbers und Troizkis steilen einen wertvollen Beitrag auf dem Gebiet der Sowjetmikrobiologie dar.

Viel Neues schufen die Sowjet-Therapeuten Akademiemitglieder Strashesko, Selenin u. a. bei der klinischen Behandlung von Er­krankungen des Herz- und Gefäßsystems, insbesondere des Herz­muskelinfarkts, der akuten und der chronischen Koronarinsuffi­zienz, der Hypertonie und der Kreislaufinsuffizienz.

Die klinischen Forschungen Kontschalowskis, Strasheskos, Bur­mins u. a. waren wiederholt Gegenstand hervorragender Referate auf Unions- und internationalen Kongressen.

An Hand der Lehre des großen russischen Physiologen Pawlow studierten die Akademiemitglieder Leporski, Winogradow, Prof. Jarotzki, der verstorbene Prof. Luria u. v. a. gründlich und all­seitig die Erkrankungen des Verdauungstraktes. Diese Forschungen brachten wesentlich Neues in den Fragen der Physiologie, der Pathologie und der Klinik der Magen-, der Pankreas- und der Darmsekretion.

Alle diese Arbeiten u. v. a. stärkten in der Weltwissenschaft das Ansehen der Sowjet-Therapie als würdiger Nachfolger der großen russischen Kliniker Botkin, Sacharin und Ostroumow.

Gewaltiges und berechtigtes Aufsehen in der Wissenschaft er­regte die kühne Konzeption des Stalin-Preisträgers und Akademie­mitglieds A. D. Speranski über die Rolle des Nervensystems in der Pathologie und seine Bedeutung beim Zustandekommen des Krankheitsprozesses. Die Ideen Speranskis werden überaus wirk­sam in der klinischen Praxis angewandt.

Der Stalin-Preisträger und Held der sozialistischen Arbeit, Akademiemitglied Bogornolez, erwarb sich breiteste Volkstümlich­keit mit seinen Forschungen über die Funktionen des Binde­gewebes im Organismus. Von ihm wurde ein mit Erfolg für Heil­zwecke angewandtes Spezialserum in die Praxis eingeführt.

Die Stalin-Preisträger und Akademiemitglieder Girgolaw, Rufa­now, Judin, der verdiente Wissenschaftler Wischnewski und eine Reihe anderer Gelehrter arbeiteten an dem Problem der Wund­behandlung und schufen unter den Bedingungen des Krieges voll­bewährte Behandlungsmethoden.

War in der Mitte des 19. Jahrhunderts die neue Ära; in der Kriegschirurgie mit dem Namen Pirogows verknüpft und spielte im Ersten Weltkrieg 1914-191ß Prof. Weljaminow auf diesem Gebiet eine große Rolle, so erwarb sich im Großen Vaterländischen Krieg der Held der Sozialistischen Arbeit Akademiemitglied Bur­denko in der zweckmäßigen Einrichtung der Kriegschirurgie außer­ordentlich große Verdienste.

Aufs neue wurden in unserem Lande solche Chirurgiezweige er­schlossen wie die Neurochirurgie (auf diesem Gebiet nimmt das Akademiemitglied Burdenko und seine Schule einen führenden Platz ein) sowie die Chirurgie der Brusthöhle (das Fach der Aka­demieglieder Spasokupotzki und Dschanelidse sowie' der Pro­fessoren Linberg, Lewit u. a.),

Eingehend bearbeitet wurde eine Reihe allgemeiner Fragen der Chirurgie, wie z. B. Spezialmethoden der Narkose und der ört­lichen Betäubung. Viele neue antiseptische Mittel, die sich als besonders wertvoll unter den Bedingungen des Krieges erwiesen, wurden ergründet und in der Praxis weitestgehend angewandt. Eifrig studiert wurde die Natur des traumatischen Schocks. Außer­ordentliche Erfolge errangen die Sowjetchirurgen, insbesondere die Akademiemitglieder Judin und Sawinych, auf dem Gebiete der Chirurgie der Bauchhöhlenorgane.

Dank den Arbeiten des Stalin-Preisträgers Akademiemitglieds Petrow und vieler anderer Gelehrten gelang es, den Kampf gegen bösartige Geschwülste auf wissenschaftlicher Grundlage aufzu­nehmen.

Die Bluttransfusion, die vielen Verteidigern unserer Heimat das Leben rettete, erfuhr während des Krieges weiteste Anwendung. Die hervorragenden theoretischen und praktischen Arbeiten über Bluttransfusion der Sowjetgelehrten Bogomolez, Schamow, Judin, des verstorbenen Akademiemitglieds Shasokupotzki, Muchadse und Bagdasarow haben Weltruhm.

Die vielseitige Tätigkeit des Ophthalmologen Akadernien:itglieds Filatow kann ebenfalls nicht mit Schweigen übergangen werden. Die von ihm vorgeschlagene Methode der Plastik gestielter Lappen durchlief siegreich alle Gebiete der Chirurgie und fand verdiente Anerkennung in der ganzen Welt. Ebenso große Berühmtheit erwarb er sich mit seinen Operationen zur Transplantation der Hornhaut, die vielen Blinden das Augenlicht zurückgab.

Interessant und erfolgreich sind die wissenschaftlichen Arbeiten auch auf dem Gebiet der Geburtshilfe und der Gynäkologie. Die Schulen der bekannten Geburtshelfer und Gynäkologen Mali­nowski, Skrohanski, Archangelski u. a. verwandten viel Mühe auf das Studium der sich während der Schwangerschaft im Organismus der Frau vollziehenden Veränderungen.

Vortreffliche Ergebnisse erzielten die Gynäkologen hei der Hei­lung von Geschwülsten durch Strahlenenergie und durch Anwen­dung der vervollkommneten Methoden der Frühdiagnostik des Krebses.

Die Entwicklung der Sowjet-Oto-Laryngologie, auf deren Ge­bieten die Schule Lewin und Wojatsohek besonders gründlich arbeitete, hat bedeutende Erfolge zu verzeichnen.

Auf dem Gebiet der Venerologie und der Dermatologie erzielten die Sowjetgelehrten Erfolge im Experimentalstudium der Syphilis und. der Anwendung neuer Sowjetpräparate für ihre Heilung und ihre Serologie. Diese Errungenschaften sind mit den Namen Grigorjew, Podwyssotzkaja, Kritschewski, Tschernogubow n. a. verknüpft.

Berechtigtes Augenmerk lenken auch die theoretischen Fragen der Organisation des Gesundheitsschutzes auf sich. Vom ersten Tage seines Bestehens an ist das Sowjetgesundheitswesen auf den Grundsätzen des Marxismus-Leninismus aufgebaut. Aus der Feder der ersten Organisatoren des Sowjetgesundheitsschutzes, des Aka­demiemitglieds Nikolai A. Semaschko und des verstorbenen S. P. Solowjews, die den praktischen Aufbau- mit der Leitung des Lehrstuhls für Hygiene vereinigten, stammen viele wissenschaft­liche Arbeiten, in denen sie vom marxistisch-leninistischen Stand­punkt die Fragen der Theorie des Gesundheitsschutzes bear­beiteten.

Viel Neues und Wertvolles schufen die Sowjetgelehrten auch auf anderen Gebieten der Medizin, wie z. B. das Akademiemitglied Sepp auf dem Gebiete der Neuropathologie und auf dem Gebiete der Psychiatrie die Akademiemitglieder Giljarowski und Gure­witsch.

Es ist unmöglich, in kurzen Worten die ganze Mannigfaltigkeit der neuen, originellen Errungenschaften der Sowjetmedizin dar­zustellen. Aber die erwähnten Schulen und wissenschaftlichen Konzeptionen, die die Entwicklung der Sowjetmedizin nach den verschiedensten Richtungen kennzeichnen, sind ein beredter Be­weis für den großen Erfolg der Arbeiten der Sowjetgelehrten auf dem Gebiete der Medizin sowohl im Frieden als auch in der Zeit des Großen Vaterländischen Krieges.

Die Sowjetmedizin, die die ruhmreiche Überlieferung der russi­schen vorrevolutionären Wissenschaft weiterentwickelt und ver­mehrt, in unermüdlicher schöpferischer Arbeit immer neue Erfolge erzielt und immer wieder neue junge Gelehrte heranbildet, hat eine ansehnliche Höhe erlangt und nimmt einen bedeutenden Platz in der medizinischen Weltwissenschaft ein. nach oben

DIE MEDIZINISCHE HOCHSCHULE WÄHREND DES

GROSSEN VATERLÄNDISCHEN KRIEGES

Gleich von den ersten Tagen des Krieges an, als alle Hilfsquellen des Landes für die Front erschlossen wurden, standen die höheren medizinischen Lehranstalten vor einer Aufgabe von größter Be­deutung. Es galt vor allem, die Zahl der Ärzte zur Versorgung der Roten Armee, der Kriegsflotte, der Kriegsbetriebe und der Bevölkerung zu erhöhen. Bei der Ausbildung der Ärzte mußte besonderes Augenmerk den Zweigen des medizinischen Wissens und Könnens zugewandt werden, die durch die militärische Lage in den Vordergrund gerückt worden waren.

Unsere höheren medizinischen Lehranstalten mußten schließlich unmittelbaren Anteil an der sanitären Verteidigung der Heimat nehmen, an der Arbeit in den Lazaretten. und den Organen des Gesundheitsschutzes, sowohl in bezug auf Heilbehandlung als auch auf dem Gebiete der Epidemienbekämpfung und des Sanitäts­wesens.

Unsere Institute wurden in vollem Umfange den Aufgaben gerecht, die ihnen die Heimat stellte.

Zehntausende von Ärzten, die die medizinischen Institute ab­solvierten, Hunderte von Professoren und Lehrern der Hoch­schulen traten in die Armee ein und erfüllten heldenmütig ihre Pflicht als Ärzte und Sowjetpatrioten. Ihre Tätigkeit fand seitens der Regierung hohe Anerkennung. Die Tatsache, daß der Hundert­satz der an die Front zurückkehrenden Verwundeten 70 über­stieg, daß zum Unterschied von allen früheren Kriegen, die Rußland führen mußte, und trotz allen Schwierigkeiten der Kriegszeit Epidemien unserem Lande keine Verbreitung fanden, ist nicht zuletzt das große Verdienst unserer medizinischen Institute.

Die medizinischen Institute waren bei ihrer Unterrichts- und praktischen Tätigkeit aufs engste mit den Lazaretten und den Anstalten zur Epidemienbekämpfung verbunden. Sie waren noch mehr als vor dem Kriege Mittelpunkte der medizinisch­wissenschaftlichen Tätigkeit und der sanitären Aufklärungsarbeit in ihren Bezirken.

Der Krieg drückte der Tätigkeit der medizinischen Institute, sowohl was Umfang als auch Güte betraf, seinen Stempel auf. Während des Krieges verkleinerte sich das Netz der medizinischen Hochschulen, einzelne Institute wurden verlegt und entfalteten ihre Arbeit an neuen Orten. So übersiedelte das Kiewer Medi­zinische Institut nach Tscheljabinsk im Ural, das Charkower Medizinische Institut nach Tschkalow, das Medizinische Institut der Krim nahm seine Arbeit in Kzyl-Orda in Kasachstan auf, das Leningrader Medizinische Institut in Krasnojarsk usw.

Die Zahl der Studenten und des Professoren- und Lehrerperso­nals nahm ab. Viele meldeten sich freiwillig an die Front und leiteten die Heilbehandlung und das Sanitätswesen in der Roten Armee in der Eigenschaft als Chirurgen, Internisten, Epidemio­ logen, medizinische Berater der Front und der Lazarette. Das Professoren- und Lehrerpersonal, das seine Arbeit in den Hoch­schulen weiterführte, gestaltete die wissenschaftliche und die Lehr­tätigkeit entsprechend den Erfordernissen des Krieges um. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit standen das Problem der Kriegspathologie, die Heilung verwundeter und kranker Soldaten, der Kampf gegen Traumatismus und Schock, Fragen der Epidemio­logie und der Bekämpfung von Infektionskrankheiten, Erforschung und Verwertung einiger neuer Heilpflanzen.

Der Arzt, der das medizinische Institut unter den Verhältnissen des Krieges absolvierte, mußte auf dem Gebiete der Chirurgie, vor allem der Kriegschirurgie, besonders gut ausgebildet sein, mußte die Methoden der Wundbehandlung, die Diagnostik Innerer Krankheiten und die Verhütung von Infektionskrankheiten be­herrschen.

In viel größerem Maße als früher wurden die Lazarette und die Anstalten zur Epidemienbekämpfung die Basis für die praktische Arbeit der Studenten. Die medizinischen Institute nahmen an den Maßnahmen zur Verbesserung der sanitären Verhältnisse und der Schaffung von Einrichtungen zur Epidemienbekämpfung usw., von denen Hunderttausende von Personen und Zehntausende von Häusern, Betrieben usw. erfaßt wurden, unmittelbaren Anteil. So hat das Molotower (ehemals Permer) Medizinische Institut mit den Kräften der Studenten und der Lehrer etwa 1/2 Million Per­sonen auf Symptome von Infektionskrankheiten hin untersucht. Tausende von Studenten des Bakuer Medizinischen Instituts unter­zogen sowohl die sanitären Verhältnisse als auch die sanitäre Ar­beit in einer Reihe von Bezirken einer sorgfältigen Prüfung.

Besondere Anerkennung verdient die Tätigkeit der Leningrader -Medizinischen Institute. Diese unterbrachen unter den schwie­rigsten Blockadeverhältnissen 1942/43, während der andauernden Luftangriffe und des Artilleriebeschusses auch nicht für einen Tag weder ihre Unterrichts- und ihre wissenschaftliche Tätigkeit noch die aufopferungsvolle Heilbehandlung. Die Kliniken der Medi­zinischen Institute schalteten sich in den Frontdienst ein. Die Professoren, die Lehrer und die Studenten leisteten der Lenin­grader Front bei der Versorgung der Verwundeten und dem Ge­sundheitsschutz der Bevölkerung Leningrads allseitige Hilfe und verhinderten auch unter den außerordentlich schwierigen Verhält­nissen der Blockade, trotz Hunger, Kälte, Zerstörung der Kanali­sation und der Wasserleitung, in vielen Stadtbezirken Leningrads das Umsichgreifen epidemischer Krankheiten. Dank der auf­opfernden Arbeit der Klinik des Leningrader Medizinischen In­stituts für Pädiatrie und der Tatkraft ihres Direktors, des Prof. Mendelejewa, konnten Tausende von Leningrader Kindern ge­rettet werden.

In dieser Zeit gaben die Leningrader höheren Lehranstalten eine ,Reihe Sammelbände interessanter wissenschaftlicher Arbeiten heraus.

Die an andere Orte verlegten Institute vermochten rasch den Unterricht wieder einzurichten und zu bedeutenden Mittelpunkten der medizinischen Theorie und Praxis an jenen Orten zu werden, an denen es früher keine medizinischen Institute gegeben hatte. So wurde z. B. in der nach Tscheljabinsk verlegten Kiewer Medi­zinischen Hochschule ein Kollektiv von etwa 2000 Studenten ge­schult und eine hochwertige Arbeit für Heilbehandlung und Maß­nahmen zur Epidemienbekämpfung in die Wege geleitet.

Die harten, schweren Verhältnisse des Krieges konnten natur­gemäß nicht ohne Auswirkung auf das Leben der Studenten und des Lehrpersonals bleiben. Ihr Lebensstandard verschlechterte sich, eine Reihe von Gebäuden, Einrichtungen und Ausstattungen der höheren Lehranstalten wurde zerstört. Trotz alledem hielt aber der Sowjetstaat auch in den schwersten Zeiten des Krieges, als der Feind vor den Toren Moskaus und Stalingrads stand, einen großen Teil der medizinischen Hochschulen aufrecht und setzte die Ausbildung Zehntausender von Sowjetmedizinern und quali­fizierten Fachleuten fort, um so den -Anforderungen von Front und Hinterland zu genügen.

Während des Großen Vaterländischen Krieges versorgte unsere medizinische Hochschule die Front und das Sowjetgesundheits­wesen mit 60000 Fachleuten.

So absolvierten das Kiewer Medizinische Institut von 1941 bis einschließlich 1944: 3067 Ärzte, von denen 500 für vorzügliche Arbeit während des Vaterländischen Krieges Regierungsauszeich­nungen erhielten.

Mit der in den Jahren 1943/44 erfolgten Befreiung des Sowjetterritoriums von der vorübergehenden deutschen Besetzung begannen in stürmischem Tempo die außerordentlich schwierige Rückführung der höheren medizinischen Lehranstalten in die befreiten Städte und ihre Wiedereröffnung. Die nazistischen Okku­panten hatten die Medizinischen Institute in Stalingrad, Smolensk, Stalino, Woronesh, Minsk und Witebsk völlig zerstört. Sehr großer Schäden war den Medizinischen Instituten von Stawropol, Dnje­propetrowsk, Charkow, Kursk, Krasnodar, Odessa, Kiew und Winniza sowie den höheren Lehranstalten Leningrads zugefügt worden, die unter den systematischen Luftangriffen und dem Artilleriebeschuß zu leiden gehabt hatten.

In den Jahren 1943/44 und 1944/45 wurde als Ergebnis der größten gemeinsamen Anstrengungen der Professoren, der Lehrer und der Studentenschaft sowie dank der großen Hilfe, die die örtlichen Organisationen und die Sowjetregierung leisteten, das Netz der höheren medizinischen Lehranstalten in den befreiten Gebieten völlig wiederhergestellt. Gegenwärtig haben auf dem gesamten Gebiet der Sowjetunion 70 höhere medizinische Lehr­anstalten mit 100000 Studenten ihre Arbeit aufgenommen. All­jährlich werden sie 23000 neuen Studenten ihre Pforten öffnen. Die Zahl der Studenten wird damit den Vorkriegsstand erreichen.

Die in den ersten Kriegsjahren durchgeführte Evakuierung von Professoren, Lehrern und Studenten ermöglichte es unserem Lande, in dieser Zeit eine Reihe neuer medizinischer Institute in jenen Orten zu schaffen, in denen das Kiewer, das Charkower und andere Medizinische Institute vorübergehend untergebracht waren.

So wurden während des Krieges neue medizinische Institute errichtet: in der Stadt Tscheljabinsk 1944, in Jaroslawl 1944; in Krasnojarsk 1943, in Kislowodsk 1944, in Tschkalow 1944, ein Pharmazeutisches Institut in Pjatigorsk 1943 gegründet und in der Ukraine das Medizinische Institut in Czernowitz reorganisiert. Der Gesamtschaden, der allein dem medizinischen Hochschul­wesen der Sowjetunion an Materialien zugefügt wurde, deren Wert sich in Geld ausdrücken läßt, beträgt über 150 Millionen Dollar. In diese Summe sind die zerstörten einzigartigen Sammlungen, Geräte, seltenen Bücher usw. nicht mit einbezogen. An vielen Orten wurde das Ergebnis 10-15jähriger beharrlichster Arbeit, die mittels großzügiger Staatsbeihilfen geschaffenen medizinischen Institute, durch die Nazibarbaren völlig vernichtet. Zur Wieder­herstellung dieser medizinischen Institute sind Jahre angespann­tester Arbeit erforderlich.

Trotz allem stockte während des Krieges der medizinische Hoch­schulbetrieb in der Sowjetunion nicht; die Erfahrungen der Kriegs­zeit waren vielmehr ein Ansporn zur Überprüfung des medizinischen Bildungswesens in unserem Lande.

Im vierten Kriegsjahr wurde unter Berücksichtigung der Weiter­entwicklung der medizinischen Theorie und Praxis und im Hin­blick auf einzelne Mängel, die sich in der praktischen Arbeit unserer Ärzte in der Armee und im Hinterland offenbart hatten, die Idee einer grundlegenden Verbesserung der Ärzteausbildung ausgearbeitet.

Der Hauptgedanke, der der Reorganisierung des medizinischen Bildungswesens zugrunde liegt, geht davon aus, daß der gewaltige Fortschritt der medizinischen Wissenschaft eine Überprüfung und eine strengere Aiiswahl des Wesentlichen und Notwendigsten in der Ausbildung neuzeitlicher Ärzte fordert und nicht einfach zu einer Anhäufung neuen Materials und weiterer Überlastung der ohnehin schon mit vielen Einzelfächern überlasteten Lehrpläne führen darf.

Der Beschluß der Sowjetregierung vom 1. Dezember 1944 stellt fest, daß die medizinischen Institute in den letzten 10 Jahren sowohl in der Ärzteausbildung als auch auf verschiedenen Gebieten der medizinischen Theorie und Praxis bedeutende Erfolge errungen haben. Gleichzeitig damit unterstreicht dieser Beschluß die Not­wendigkeit, die theoretische und die praktische Ausbildung der künftigen Ärzte weiter zu verbessern, indem die gesamte Auf­merksamkeit der Studenten auf die theoretischen und die kli­nischen Hauptfächer gelenkt und das Studium an den medizi­nischen Hochschulen auf 6 Jahre festgesetzt wird.

Verbunden ist der Übergang zum sechsjährigen Studium mit einer Überprüfung des Lehrplans in den medizinischen Instituten, mit der Ausarbeitung neuer Lehrprogramme, ferner mit der wei­teren Verbesserung der 37ethodik des Unterrichts in den höheren Lehranstalten sowie der Ausstattung der Lehrstühle und der Kliniken mit den neuesten Lehrmitteln und der Herausgabe von Lehrbüchern in hohen Auflagen.

Der neue Lehrplan, vorbereitet von Kommissionen bekanntester Vertreter der Sowjetmedizin, wurde vom Volkskommissariat für (Gesundheitswesen und vom Komitee für Hochschulangelegen­heiten beim Rat der Volkskommissare der UdSSR genehmigt. Nachstehend bringen wir den Lehrplan:

Lehrplan der medizinischen Fakultät Studiendauer 6 Jahre

Lehrfächer

Semester

Stunden

1.

Grundfragen des Marxismus-­ Leninismus

1, 2, 3, 4

250

2.

Latein

1, 2

108

3.

Fremdsprache

1. 2, 3, 4

390

4.

Physik

1, 2

144

5.

Biologie und Parasitologie

1, 2, 3

216

6.

Anatomie des Menschen

1; 2, 3; 4

398

7.

Histologie und Embryologie

2, 3, 4

250

8.

Anorganische Chemie und Analytische Chemie ­

1, 2,

162

9.

Biologische Chemie, Organische und Physikalische Chemie und Kolloidal-Chemie

2, 3, 4,

374

10.

Physiologie

3, 4

278

11.

Militärärztliche Ausbildung:

a) Allgemeine militärische Aus­bildung

b) Sanitäre Kampfstoffabwehr

c) Sanitätstaktik

4

9

10

42

68

70

12.

Mikrobiologie

5, 6

255

13.

Pathologische Physiologie

5, 6

162

14.

Pharmakologie

5, 6

219

15.

Pathologische Anatomie mit Prä­parierübungen

5, 6, 11

264

16.

Diagnostik und Spezielle Patho­logie mit Therapie

5, 6, 7

332

17.

Allgemeine Chirurgie

6, 7

213

18.

Operative Chirurgie und Topo­graphische Anatomie

7, 8

127

19.

Hygiene

7, 8

254

20.

Geschichte der Medizin

7

34

21.

Fakultäts-Therapie mit Lehrgang für Tuberkulose

8, 9

276

22.

Fakultäts-Chirurgie

8, 9

246

23.

Haut- und Geschlechtskrank­heiten

8,9

124

24.

Nervenkrankheiten

9, 10

138

25.

Organisierung des Gesundheits­schutzes

9

85

26.

Geburtshilfe und Gynäkologie

7, 8, 9, 10

279

27.

Krankenhaus-Therapie

10, 11, 12

304

28.

Krankenhaus-Chirurgie mit Lehr­gang für Kieferchirurgie

10, 11, 12

332

29.

Kinderkrankheiten

10, 11, 12

212

30.

Infektionskrankheiten und Epi­demiologie

10, 11, 12

184

31.

Augenkrankheiten

10, 11

96

32.

Ohren-, Hals- und Nasenkrank­heiten

10, 11

96

33.

Psychiatrie

10, 11

100

34.

Gerichtsmedizin

11, 12

100

Obligatorisches Arbeitspraktikum: nach dem 4. und dem 5 . Studienjahr für 2 Monate in Kreis- und Dorfkrankenhäusern. Nach Erfüllung des Lehrplans und_ nach Bestehen aller Vor­examina und Abschlußprüfungen in jedem Lehrfach sowie nach erfolgreichem Arbeitspraktikum werden. die Studenten zum Staats­examen in folgenden Fächern zugelassen: 1. Anatomie, 2. Patho­logische Anatomie; 3. Pathologische Physiologie, I. Innere Krank­heiten, 5. Chirurgie, 6. Geburtshilfe und Gynäkologie, 7. Kinder­krankheiten, 8. Infektionskrankheiten und Epidemiologie und 9. Hygiene. -

Nach bestandenem Staatsexamen erhält der Student das Diplom als Arzt.

Der neue Sechs-Jahres-Lehrplan sieht eine Erhöhung der Anzahl der Lehrstunden in den theoretischen und den klinischen Haupt­fächern vor (Anatomie, Physiologie, Histologie und Embryologie, Biologie, Pathologische Anatomie ' Pharmakologie, Hauptkliniken); nach Beendigung des 2. Studienjahres Überführungsprüfung in Anatomie, Histologie und Embryologie, Physiologie und Bio­chemie. Durch diesen Plan wird auch eine große Erweiterung &s klinischen Unterrichts vorgesehen in Inneren Krankheiten, Chirur­gischer Klinik, Klinik der Nervenkrankheiten, Kinderklinik, Geburtshilfe und Gynäkologie sowie eine Erweiterung der Lehr­fächer, die im Staatsexamen geprüft werden, auf 9 (hinzu kommen Anatomie, Pathologische Anatomie und Pathologische Physiologie).

Die medizinischen Institute leisten nicht nur eine Bildungs-, sondern auch eine bedeutende Erziehungsarbeit bei der Aus­bildung der künftigen Ärzte.

Die Sowjetstudentenschaft nimmt am gesellschaftlichen Leben des Landes tätig teil. Sie beteiligt sich an der umfassenden Auf­klärungsarbeit unter der Bevölkerung sowie bei der Durchführung sanitär-hygienischer Maßnahmen. Die gesellschaftlichen Stu­dentenorganisationen widmen der allgemeinen Bildung der Stu­dentenschaft selbst große Aufmerksamkeit; sie richten systema­tische Vorlesungen über Literatur, Geschichte, Kunst, Philosophie ein und regen zum regelmäßigen Besuch der Kunst- und Kultur­stätten, besonders während der Hochschulferien, an. In den Biblio­theken jedes medizinischen Instituts gibt es eine umfangreiche Abteilung für schöne Literatur.

Fast in jeder medizinischen Hochschule besteht eine wissen­schaftliche Studentenvereinigung, die sich in verschiedene Sek­tionen nach den wichtigsten Lehrfächern gliedert, Referate und Berichte der Studenten sammelt und entgegennimmt. Der Sechs­Jahres-Lehrplan sieht den obligatorischen Unterricht in Ge­schichte der Medizin für alle Medizinstudenten vor.nach oben

WEITERBILDUNG UND SPEZIALISIERUNG DER ÄRZTE

Sieht man ab von den staatlich finanzierten Auslandsreisen einer kleinen Anzahl junger Gelehrter, die im Begriffe waren, den Professortitel zu erwerben, so waren bis zum letzten Viertel des 19. Jahrhunderts die Ärzte in Rußland in ihrer Weiterbildung hauptsächlich auf Sammlung von Erfahrungen und Kenntnissen bei der Ausübung der ärztlichen Praxis angewiesen; dazu kamen Auslandsreisen einzelner Ärzte auf eigene Kosten oder die Arbeit in Hauptstadtkliniken unter Leitung berühmter Kliniker. Die Möglichkeiten ärztlicher Weiterbildung waren damit erschöpft.

Aber bereits 1885 wurde von Prof. Eichwald in Petersburg ein Spezialinstitut zur Weiterbildung der Ärzte geschaffen, das so­genannte Helenen-Institut, das aus Mitteln der Großfürstin Helene Pawlowna, anderen Privatspenden und geringen Staats­beihilfen gegründet wurde.

Die medizinischen Anstalten, die aus Mitteln der Großfürstin Helene Pawlowna unterhalten wurden, waren Institutskliniken. zu ihnen zählten: die Maximilian-Heilanstalt, das Elisabeth-­Krankenhaus, eine Entbindungsanstalt und die Kreuzerhöhungs-­Gemeinde des Roten Kreuzes. Obwohl Prof. Eichwald die Schaf­fung eines Instituts für ärztliche Weiterbildung schon 1870 geplant hatte, brauchte er für die Verwirklichung seiner Idee 15 Jahre. Mannigfache Schwierigkeiten seitens der Behörden mußten über­wunden werden, wie auch Hindernisse seitens einiger Kreise der Medizinischen Akademie, die diesem neuen Typus einer wissen­schaftlich-pädagogischen medizinischen Anstalt feindlich gegen­überstanden, da sie eine Untergrabung der Sonderstellung der medizinischen Fakultäten und Akademien befürchteten.

Nicht wenige Unzulänglichkeiten gab es auch im Lehrbetrieb des ersten Instituts zur Weiterbildung der Ärzte. Die Unterrichts­methode beruhte fast ausschließlich auf Vorlesungen, da der aus bevorrechteten Schichten sich zusammensetzende Krankenbestand in den Institutskliniken die Möglichkeit einer Ausnutzung dieser Kliniken für praktische Arbeit ausschloß.

Der Inhalt des Unterrichts war auf einen engen Kreis von Fachärzten zugeschnitten, ohne Rücksichtnahme auf die Bedürf­nisse des praktischen Arztes, der die breiten Volksmassen in Stadt und Land zu betreuen hat. Fragen des Sanitätsdienstes und der Epi­demienbekämpfung wurden im Institut überhaupt nicht berück­sichtigt, obwohl doch fast die Hälfte der Hörer Landärzte waren.

Trotz alledem vermittelte das Institut während der ersten 25 Jahre seines Bestehens 2836 Landärzten zusätzliche Fachkennt­nisse. Es war das erste Institut zur Weiterbildung der Ärzte nicht nur in Rußland, sondern in der ganzen Welt. Eine Reihe von Pro­fessoren des Instituts, wie Afanassjew, Motschutkowski, Ott u. a., spielten in der Entwicklung der medizinischen Wissenschaft Ruß­lands eine bedeutende Rolle. In den 32 Jahren seines Bestehens vor der Revolution absolvierten etwa 10000 Ärzte, die aus allen Teilen Rußlands zusammenströmten, dieses Institut.

Nach der Revolution wurde die Vertiefung der ärztlichen Fach­kenntnisse ein entscheidendes Glied in den staatlichen Maßnahmen zur Erreichung eines höheren Standes im Sowjetgesundheits­dienst.

Weiterbildung und Spezialisierung der Ärzte versuchte man wie folgt zu erreichen:

a) durch Spezialkurse (Zyklen) für einzelne Ärztegruppen in den Instituten für ärztliche Weiterbildung;

b) durch systematische Vorlesungszyklen;

c) durch Vortragsreisen und örtliche wissenschaftliche Kon­ferenzen;

d) durch kurzfristige Tagungen und 10-Tages-Kurse für quali­fizierte Fachärzte.

Eine bedeutende Rolle bei der Weiterbildung und der Höher­qualifizierung der Ärzte spielt das umfassende Netz der Aspirantur und der Ordinatur bei den Kliniken der verschiedenen medizini­schen und wissenschaftlichen Forschungsinstitute.

Gegenwärtig bestehen in der Sowjetunion folgende Institute für die Weiterbildung der Ärzte: das Zentrale Institut für ärzt­liche Weiterbildung in Moskau (gegründet 1930), das mit dem Lenin-Orden ausgezeichnete Leningrader Kirow-Institut für ärzt­liche Weiterbildung (das reorganisierte Helenen-Institut); das Kasaner Lenin-Institut (gegr. 1920); das Ukrainische Ärztliche Weiterbildungs-Institut in Charkow (gegr. 1923); die ärztlichen Weiterbildungs-Institute in Kiew, Odessa, Nowosibirsk (gegr. 1930), Taschkent, Tbilissi, Baku, Minsk.

Die Hauptfachgebiete, in denen die Kenntnisse der Ärzte erweitert und spezialisiert werden, sind folgende: Therapie, Chirurgie verschiedener Spezialgebiete, darunter Neurochirurgie und Traumatologie, Bakteriologie, Infektionskrankheiten, Epi­demiologie, Röntgenologie, Geburtshilfe und Gynäkologie, Pädiatrie, Sanitätsdienst, Onkologie u. a.

Das Ministerium für Gesundheitswesen der Sowjetunion stellt jährlich, ausgehend von der jeweiligen örtlichen Nachfrage, einen einheitlichen staatlichen Plan für die Weiterbildung und die Spezialisierung der Ärzte auf. Die Kurse zur Weiterbildung und zur Spezialisierung dauern 3 bis 6 Monate.

Die Ärzte werden von den Gesundheitsämtern der Städte und der Gebiete zu diesen Kursen entsandt. Während des Studiums wird den Ärzten das Gehalt von ihrer Arbeitsstelle weitergezahlt; die Reisespesen trägt der Staat; außerdem erhält jeder Arzt ein monatliches Stipendium in Höhe von 400 Rubel, Maßnahmen, die für die Landärzte von besonders großer Bedeutung sind.

Laut Gesetz hat jeder Landarzt nach 5jähriger Praxis im Land­kreis Anspruch auf eine 3monatige Kommandierung in ein Institut zur Weiterbildung. Diese Institute ermöglichen den Organen für Volksgesundheitsschutz, die erforderlichen Fachärzte für speziali­sierte ärztliche Hilfe heranzuschulen und die Qualifikation breiter Ärztekreise planmäßig zu heben.

Eine besonders große Rolle spielten diese Institute während des Großen Vaterländischen Krieges bei der Hebung der Quali­fikation der in den Lazaretten und den Heilanstalten. des Hinter­landes tätigen Ärzte. Allein das Leningrader Institut für ärztliche Weiterbildung absolvierten in 3x/ 2 Kriegsjahren 12000 Militär- ­und Zivilärzte.

Unter den Verhältnissen des Krieges wurde die Studiendauer in diesen Instituten etwas herabgesetzt. Die Zunahme der Zahl der Ärzte, die in diesen Instituten ihr Wissen vervollkommneten und sich spezialisierten, geht aus folgenden Angaben hervor.

1942 erhielten eine Weiterbildung und eine Spezialisierung 18608 Ärzte, davon 6807 Chirurgen;

gegenwärtig beträgt die Zahl der Ärzte, die jährlich diese Kurse besuchen, etwa 75000.

Leitung und Auswahl der Professoren und anderer Lehrkräfte für diese Institute zur ärztlichen Weiterbildung sind ähnlich wie in den übrigen medizinischen Instituten. Doch in den Instituten zur Vervollkommnung der medizinischen Fachkenntnisse gibt es noch spezialisiertere Lehrstühle als in den übrigen medizinischen Instituten, beispielsweise Lehrstühle für Neurochirurgie, Onkologie, Traumatologie und Orthopädie, Physiotherapie, Urologie u. a.

Einzelnen individuellen Wünschen der Ärzte nach Verwendung in Kliniken, wissenschaftlichen Forschungsinstituten und in großen Krankenhäusern auf bestimmte Zeit wird nach Möglichkeit Rech­nung getragen.

Den wachsenden Wirkungskreis der Institute für ärztliche Weiterbildung in der Sowjetunion zeigen folgende Zahlen: Ab­solvierten das Helenen-Institut in den 32 Jahren seines vor­revolutionären Bestehens 10000 Personen, so beträgt die Zahl der Absolventen dieses Instituts in den 25 Jahren nach der Oktober­revolution an die 37000 Ärzte, d. h. im Durchschnitt jährlich fünfmal mehr als in der vorrevolutionären Zeit. Dieses Institut hatte 1885: 4 Lehrstühle, 1917: 8 Lehrstühle, 1942: 45 Lehr­stühle.

Während des Krieges, als die Berufung der Ärzte in die Groß­städte und das Verlassen ihres ständigen Arbeitsplatzes Schwierig­keiten machten, richteten die Institute in breitem Maße Vortrags­reisen ihrer Professoren ein. So entsandte das Nowosibirsker Institut für ärztliche Weiterbildung seine besten Vertreter zu Vortragsreisen in große Industriezentren wie Stalinsk, Kemerowo, Rubzow usw., das Bakuer Institut gleicher Art organisierte Vor­tragsreisen nach Kirowobad, Lenkoran, Geoktschai u. a.

In den ersten Kriegsjahren wurde bei der Weiterbildung der Ärzte das Hauptaugenmerk den Fragen der Chirurgie, insbesondere der Kriegschirurgie, der Wundbehandlung sowie den Fragen der Sanitätstaktik und den Maßnahmen zur Epidemienbekämpfung zugewandt, wozu viele Tausende von Ärzten nicht nur in den In­stituten, sondern auch in den Lazaretten und den Kranken­häusern entsprechende Kurse durchmachten.

Jedes Lazarett führte mit Hilfe seiner Fachärzte und erfahrenen Ärzte ein Arbeitspraktikum zur Hebung der Qualifikation der in die Lazarette kommandierten Ärzte anderer Spezialgebiete durch.

Im dritten und vierten Kriegsjahr wurde bei der Weiterbildung der Ärzte den Fachgebieten Innere Krankheiten, Kinderkrank­heiten, Tuberkulose, Geburtshilfe und Gynäkologie, Haut- und Geschlechtskrankheiten, der Bekämpfung von Krebserkrankungen u. a. erneut große Aufmerksamkeit gewidmet.

Auf Ersuchen der örtlichen Gesundheitsschutzorgane begannen die Institute für Weiterbildung der Ärzte wieder die für Bezirks­und Stadtkrankenhäuser nötigen Spezialärzte für folgende engen Fachgebiete auszubilden: Ohren-, Hals- und Nasenkrankheiten, Augenkrankheiten, Nerven- und Geisteskrankheiten, Röntgeno­logie n. a. .Ärzte, die Spezialausbildung erhalten haben, werden als Spezialärzte in die Gebiete und die Bezirke kommandiert, die sie in die Institute entsandten.

Die Weiterbildung der Ärzte und ihre Spezialisierung gibt unserem Lande somit die Möglichkeit, die Bevölkerung in brei­tem Umfange mit Spezialärzten zu versorgen, gleichzeitig er­weitert sie die ärztlichen Kenntnisse durch die neuen Errungen­schaften der theoretischen und der praktischen Medizin, was insbesondere für Ärzte, die auf dem Lande tätig sind, von großer Bedeutung ist.

Neben den Instituten für ärztliche 'Weiterbildung veranstalten alle medizinischen Institute für die ortsansässigen Ärzte, wie auch für die von außerhalb, Vorlesungen, wissenschaftliche Vortrags­zyklen und stellen diesen Ärzten in ihren Kliniken und Labora­torien Arbeitsplätze in breitem Umfange zur Verfügung.

Eine unvermeidliche Begleiterscheinung aller früheren Kriege war die übliche Einbuße an beruflichem Können der in die Armee eingezogenen Ärzte, die im besten Falle umfassende chirurgische Fertigkeiten erwarben. Im Großen Vaterländischen Krieg aber hat die überwiegende Mehrzahl der in der einen oder der anderen Form zum militärischen Sanitätsdienst einberufenen Ärzte ihre Qualifikation gehoben, und zwar nicht nur auf dem Gebiete der Chirurgie, sondern auf den mannigfaltigsten medizinischen Fach­gebieten.

Die auch in der Zeit des Großen Vaterländischen Krieges fort­geführte Weiterbildung und Spezialisierung der Sowjetärzte, ihre Ausrüstung mit gründlichen medizinischen Fachkenntnissen wer­den den Sowjetmedizinern helfen, den mannigfaltigen, verant­wortungsvollen Aufgaben, die ihrer nach der Niederlage des Faschismus und nach ihrer Rückkehr in die Sowjetheimat zu friedlicher, schöpferischer Arbeit harren, besser gerecht zu werden.

bedeutende Anzahl von Provisorien mit Hochschulbildung. Aus diesem Grunde wurden 1936 auf besonderen Beschluß der Regie­rung die höheren pharmazeutischen Lehranstalten (pharmazeu­tische Institute) mit der Ausbildung von Provisoren betraut. Gegenwärtig gibt es 9 pharmazeutische Institute: das Moskauer Pharmazeutische Institut (gegr. 1934), das Pjatigorsker Pharma­zeutische Institut (gegr. 1943), das Molotower Pharmazeutische Institut (gegr. 1918), das Charkower Pharmazeutische Institut (gegr. 1921), das Dnjepropetrowsker Pharmazeutische Institut (gegr. 1931), das Odessaer Pharmazeutische Institut (gegr. 1921), das Taschkenter Pharmazeutische Institut (gegr. 1937), das Tbilissier Pharmazeutische Institut (gegr. 1922), das Leningrader Pharmazeutische Institut (gegr. 1919); außerdem gibt es pharma­zeutische Abteilungen an den Medizinischen Instituten in Tomsk und Baku.

Die Studienzeit der Provisoren währt 4 Jahre. Die Hauptfächer an den pharmazeutischen Instituten sind außer Physik, Chemie, Botanik, Mikrobiologie, Anatomie und Physiologie - Pharma­zeutische Chemie, Pharmakognosie, die Organisation der Pharma­zeutik, Technologie der Arzneimittel und Galen-Präparate, Ge­richtschemie.

In den pharmazeutischen Instituten werden insgesamt 4597 Studenten unterrichtet.

Während der Studienzeit machen die Pharmaziestudenten ein drei­faches Arbeitspraktikum durch. Das erste besteht im Sammeln von Arzneimitteln, das zweite wird in Apotheken und das dritte Arbeits­praktikum in Galen-Laboratorien und in Betrieben abgeleistet.

In den letzten Jahren wurden an den größten pharmazeutischen Instituten in den höheren Kursen Studentengruppen ausgewählt, die für die. Arbeit in der chemisch-pharmazeutischen Industrie ausgebildet werden. nach oben

PHARMAZEUTISCHE INSTITUTE

Einen besonderen Platz im Rahmen der medizinischen Hochschul­bildung nimmt die Ausbildung von Provisoren ein. Im vorrevolu­tionären Rußland wurde die Ausbildung von Provisoren an einigen Universitäten (Erste Moskauer Universität, Zweite Moskauer Universität u. a.) vorgenommen. Die Hauptgruppe der Provisoren wurde in der Vergangenheit in den Apotheken herangebildet. Mit der Entwicklung des Apothekenwesens im Lande und den wachsen­den Anforderungen an dieses benötigte man in der Folge eine bedeutende Anzahl von Provisoren mit Hochschulbildung. Aus diesem Grunde wurden 1936 auf besonderem Beschluß der Regierung die höheren pharmazeutischen Lehranstalten (pharmazeutische Institute) mit der Ausbildung von Provisoren betraut. Gegenwärtig gibt es 9 pharmazeutische Institute: das Moskauer Pharmazeutische Institut (gegr. 1934), das Pjatigorsker Pharmazeutische Institut (gegr. 1943), das Molotower Pharmazeutische Institut (gegr. 1918), das Charkower Pharmazeutische Institut (gegr. 1921), das Dnjepropetrowsker Pharmazeutische Institut (gegr. 1931), das Odessaer Pharmazeutische Institut (gegr. 1921), das Taschkenter Pharmazeutische Institut (gegr. 1937), das Tblisser Pharmazeutische Institut (gegr. 1922), das Leningrader Pharmazeutische Institut (gegr. 1919); außerdem gibt es pharmazeutische Abteilungen an den Medizinischen Instituten in Tomsk und Baku.

Die Studienzeit der Provisoren währt 4 Jahre. Die Hauptfächer an den pharmazeutischen Instituten sind außer Physik, Chemie, Botanik, Mikrobiologie, Anatomie und Physiologie – Pharmazeutische Chemie, Pharmakognosie, die Organisation der Pharmazeutik, Technologie der Arzneimittel und Galen-Präparate, Gerichtschemie.

In den pharmazeutischen Instituten werden insgesamt 4597 Stunden unterrichtet.

Während der Studienzeit machen die Pharmaziestudenten ein dreifaches Arbeitspraktikum durch. Das erste besteht im Sammeln von Arzneimittlen, das zweite wird in Apotheken und das dritte in Galen-Laboratorien und in Betrieben abgeleistet.

In den letzten Jahren wurden an den größten pharmazeutischen Instituten in den höheren Kursen Studentengruppen ausgewählt, die für die Arbeit in der chemisch-pharmazeutischen Industrie ausgebildet werden.nach oben

STOMATOLOGISCHE INSTITUTE

Die Ausbildung von Stomatologen erfolgt ebenfalls in höheren Lehranstalten. Die Stomatologen müssen eine umfassende theo­retische und eine allgemein klinisch-stomatologische Ausbildung haben, um der Bevölkerung ärztliche und prophylaktische Hilfe bei Zahnerkrankungen, Erkrankungen des Kiefer-Gesichts-Systems und seiner Grenzgebiete leisten zu können. Das Arbeitsfeld der Stomatologen umfaßt:

a)Heilung, Plombieren und Zahnextraktionen;

b) Heilung von Alveolarpyorrhöe, Stomatitis und anderen Er­krankungen der Mundhöhle;

c) Heilung von Kieferentzündungen und Erkrankungen des Kiefergewebes, Osteomyelitis, Phlegmonen u. dgl.

d) Heilung neuralgischer Erkrankungen des Kiefer-Gesichts­-Systems;

e) Kiefer-Gesichts-Chirurgie (angeborene und später erworbene Mängel, Geschwülste u. a.);

f) Heilung, Traumatologie von Verletzungen des Kiefer­-Gesichts-Systems;

g)Kiefer-Zahn-Orthopädie und- Zahnprothesen;

h) Erste ärztliche Hilfe.

Die Zahnärzte müssen alle Arten der schmerzlosen Behandlung und der Narkose kennen.

In den stomatologischen Instituten gleichen die Lehrpläne der ersten drei Studienjahre denen der medizinischen Institute. Im 3. und im 4. Studienjahr gibt es Spezialfächer.

Gegenwärtig gibt es in unserem Lande folgende stomatolo­gischen Institute: das Moskauer Stomatologische Institut (1935 eröffnet), das Dlolotower Stomatologische Institut (gegr. 1936), das Leningrader Stomatologische Institut (gegr. 1935), das Kasaner Stomatologische Institut (gegr. 1936), das Charkower Stomato­logische Institut (gegr. 1926), das Tbilissier Stoxnatologische Institut (gegr. 1935); an dem Kiewer und dem Tomsker Medizini­schen Institut gibt es stomatologische Abteilungen.

In den stomatologischen Instituten werden 3977 Studenten unterrichtet.

Die Stomatologen erweisen der Bevölkerung wertvollste zahn­ärztliche Hilfe, sind jedoch vorwiegend in den großen Zentren in einer Reihe von Krankenhäusern als Fachberater tätig und unter­richten zahnärztliche Lehrfächer in den Schulen für Zahnärzte.nach oben

DIE AUSBILDUNG MEDIZINISCHEN-HILFSPERSONALS

Das riesige Territorium der Sowjetunion macht es notwendig, neben der organisierten ärztlichen Hilfe für die Bevölkerung über ein Netz von Hilfs- und Behandlungsstellen zu verfügen, die von qualifiziertem medizinischem Hilfspersonal ohne unmittelbare An­leitung durch Ärzte betreut werden. Daher gibt es in unserem

Lande ein besonderes System zur Ausbildung verschiedener Grup­pen medizinischen Hilfspersonals. Im vorrevolutionären Rußland, in dein ärztliche Hilfe für die Bevölkerung ein Vorrecht der Städte war, kam die Forderung nach medizinischem Hilfspersonal noch stärker zum Ausdruck als heute. Auf dem Lande leisteten Hell­gehilfen und Hebammen, die einjährige Schulen für Heilgehilfen und Hebammen absolviert hatten, medizinische Hilfe. Sehr weit verbreitet war damals die Kurpfuscherei. Vor der Revolution gab es insgesamt 37 800 Heilgehilfen, Heilgehilfinnen, Hebammen und 10000 Krankenschwestern, die in Kursen des Roten Kreuzes ausgebildet wurden.

1915 umfaßte das Netz medizinischer Mittelschulen 65 Schulen für Zivil-Heilgehilfen, Heilgehilfinnen und Hebammen mit 8750 Hörern, 57 Lehranstalten für Geburtshelfer und Hebammen sowie 4 Vorbereitungskurse beim Roten Kreuz. Außerdem gab es 10 Schulen für Militär-Heilgehilfen. Selbst in Industriegebieten wie Donezbecken und Kusnezbecken gab es keine einzige medizi­nische Mittelschule, von Kasachstan, Kirgisien und Armenien schon gar nicht zu sprechen. Die Schulen der verschiedenen Kreise, Bezirke und Organisationen hatten verschiedene Aus­bildungsdauer, verschiedene Lehrpläne und Programme und ver­schiedene Aufnahmebedingungen.

Der Mangel an Ärzten im zaristischen Rußland führte dazu, daß nicht weniger als ein Drittel der Heilgehilfen selbständig Sanitätsstellen betreuen oder die fehlenden Ärzte ersetzen mußte. Die Landbevölkerung und in bedeutendem Maße auch die Arbeiter­bevölkerung der Städte wurde so von Heilgehilfen betreut.

Nach der Revolution wurden alle medizinischen Mittelschulen dem Volkskommissariat für Gesundheitsschutz unterstellt. Mit der Ausbildung von Krankenschwestern wurden Vereinigungen des Roten Kreuzes betraut. 9m 8. September 1936 wurde vom Rat der Volkskommissare der Sowjetunion eine Verordnung über die Ausbildung zahnärztlicher und pharmazeutischer Hilfskräfte er­lassen. Diese Verordnung verfügte die Einführung eines einheit­lichen Systems der medizinischen Mittelschulbildung für die gesamte Sowjetunion und machte der Vielfalt der medizinischen Mittelschulen ein Ende, legte die Berufe, die in den Mittelschulen zu erlernen sind, fest wie auch die Arten der medizinischen 'Mittel­schulen selbst.

Folgende Arten von medizinischen Mittelschulen wurden ge­nehmigt: Schulen für Heilgehilfen, Schulen für Hebammen und Heilgehilfinnen mit 3jährigem Studium, Schulen für Schwestern mit 2jähriger Unterrichtsdauer, pharmazeutische und zahnärzt­liche Schulen mit 3jähriger Ausbildungszeit.

1936 gab es in der UdSSR bereits 602 medizinische Mittel­schulen mit 129 227 Schülern, 1937: 1151 Schulen mit 201282 Schü­lern und 1938: 1209 Schulen mit 231192 Lernenden.

1939 und 1940 absolvierten jährlich über 80000 Personen die. medizinischen Mittelschulen.

Ende 1944 gab es 260 Schulen für I3eilgehilfen, 1Ieilgehilfinnen und 4Iebammen, 46 zahnärztliche und zahntechnische Schulen, 48 Schulen für Pharmazeuten, 39 Laborantenschulen und 248 Schu­len Air Krankenschwestern. Die Gesamtzahl der Schüler in diesen Schulen betrug 137 622.

Zum Eintritt in die medizinische Mittelschule berechtigt der Abschluß der 7 klassigen Mittelschule.

Nachstehend führen wir die charakteristischsten Lehrpläne der Schulen für Heilgehilfen und Krankenschwestern an:

LEHRPLAN DER SCHULEN FÜR HEILGEHILFEN, HEILGEHILFINNEN UND HEBAMMEN

Unterrichtsdauer 3 Jahre

Lehrfächer

Semester / *Studienjahr

Stunden

Muttersprache und Russisch

1*, 2* ,3*

266

Mathematik

1, 2

78

Geschichte der UdSSR

1, 2, 3

138

Wirtschaftsgeographie

1

80

Latein

1

80

Anatomie und Histologie

1, 2

176

Physiologie

2

94

Biologie

1

60

Physik

1

100

Chemie

1, 2

98

Mikrobiologie

2

58

Pathologische Anatomie und Pathologische Physiologie

2, 3

96

Pharmakologie und Rezeptur

2, 3

176

Hygiene

2

56

Organisation des Gesundheitsschutzes und sanitäre Aufklärung

4

36

Vormilitärische und militärisch-sanitäre Ausbildung

1, 2, 3, 4, 5, 6

432

Geburtshilfe

3, 4, 5, 6

413

Gynäkologie

5, 6

143

Anatomisch-physiologische Besonderheiten der Neugeborenen und Säuglingspflege

3

116

Innere Krankheiten und ihre Krankenpflege

3, 4, 5, 6

297

Chirurgie, Traumatologie und Kriegschirurgie

3, 4, 5, 6

336

Kinderkrankheiten und Kinderkrankenpflege

4, 5, 6

136

Infektionskrankheiten mit Lehrgang der Epidemiologie und Praxis in Desinfizieren und im Impfen

4, 5, 6

192

Grundbegriffe der Haut und Geschlechtskrankheiten und ihre Krankenpflege

4

74

Nerven - und Geisteskrankheiten

5

60

Augenkrankheiten

5

60

H-N-O-Krankheiten

5

40

Physiotherapie und Massage

6

39

Arbeitspraktikum

6

288

Nach Bestehen der Semesterprüfungen werden die Studenten bei den Abschlußexamina in folgenden Lehrfächern geprüft:

1. Geburtshilfe und Gynäkologie;

2. Innere und Infektionskrankheiten;

3. Chirurgie und Traumatologie, Verbandanlegung und Kriegs­chirurgie;

4. vormilitärische und militärisch-sanitäre Ausbildung. Nach Bestehen der Abschlußprüfungen erhält der

Student das Diplom eines Heilgehilfen und Geburtshelfers.

Lehrplan der Schulen für Krankenschwestern

Unterrichtsdauer 2 Jahre

Lehrfächer

Semester

Stunden

Muttersprache und Russisch

1, 2, 3

173

Arithmetik

1

40

Geschichte der UdSSR

1, 2, 3

98

Wirtschaftsgeographie

1

40

Latein

1

60

Anatomie und Physiologie

1

180

Biologie

1

60

Physik

1

80

Chemie

1, 2

98

Allgemeine Pathologie

2

56

Hygiene

2

76

Pharmakologie und Rezeptur

2

114

Inner Krankheiten, ihre Krankenpflege und ihre medizinische Technik

2 , 3, 4

200

Infektionskrankheiten mit Grundfragen der Mikrobiologie, der Epidemiologie, Impf – und Desinfektionswesen und Krankenpflege

3, 4

118

Chirurgische Krankheiten, Pflege der Kranken und der Verwundeten sowie Erste medizinische Hilfe

2, 3 , 4

207

Kinderkrankheiten mit anatomisch-physiologischen Besonderheiten des Kindesalters, Pflege, Ernährung und Prophylaktik

2, 3, 4

198

Grundbegriffe der Geburtshilfe und der gynäkologischen Erkrankungen mit Kranken – und Wöcherinnenpflege

3

60

Grundbegriffe der Haut – und Geschlechtskrankheiten und ihre Krankenpflege

4

60

Grundbegriffe der Nerven – und Geisteskrankheiten und ihre Krankenpflege

4

40

Grundbegriffe der Augenkrankheiten und ihre Krankenpflege

4

24

Grundbegriffe der H – N – O- Krankheiten und ihre Krankenpflege

3

20

Physiotherapie mit Massage und Heilgymnastik

3

50

Erziehungsarbeit an Kleinkindern und Kindern im vorschulpflichtigen Alter

3, 4

77

Lehrpraxis

Insgesamt 324 Stunden

In der therapeutischen Abteilung eines Krankenhauses

In der Krankenhausabteilung für Infektionskrankheiten

In der Kinderabteilung

In der chirurgischen Abteilung eines Krankenhauses

In Kinder - , prophylaktischen und Heilanstalten

Nach Bestehen der Vorexamina haben die Studenten Abschluß­prüfungen in folgenden Lehrfächern abzulegen:

l. Innere Krankheiten mit Krankenpflege und Rezeptur;

2. chirurgische Krankheiten, Pflege der Kranken und der Ver­wundeten und Erweisung Erster medizinischer Hilfe;

3. Kinderkrankheiten mit Krankenpflege, Ernährung und Pro­phylaktik;

4. vormilitärische und militärisch-sanitäre Ausbildung.

Nach bestandenen Abschlußpri:fungen erhalten die Schülerinnen das Diplom als Krankenschwester.

Nach Absolvierung der Schule für Heilgehilfen und bestandenem Staatsexamen erhält der Schüler das Diplom eines Heilgehilfen. Zu den Obliegenheiten eines Heilgehilfen gehören:

  • Erweisung ambulatorischer medizinischer Hilfe, Kranken­behandlung in der Wohnung des Patienten und Durch­führung sanitärer und prophylaktischer Maßnahmen sowohl unter allgemeiner Anleitung des Arztes als auch selbständig;
  • Ergreifung von Maßnahmen zur Epidemienbekämpfung, u. a. Durchführung der erforderlichen prophylaktischen Impfungen;

Leitung der medizinischen Sanitätsstelle und der Feldscher - ­und Geburtshilfestation.

Bei Abwesenheit des Arztes kann ein Heilgehilfe mit abgeschlos­sener medizinischer Mittelschulbildung und Heilgehilfenpraxis nicht unter 3 Jahren den Ambulatoriumsarzt in einem kleinen Isolatorium (bis zu 10 Betten) zeitweilig vertreten sowie zeitweilig die ambulatorische Beratungsstelle auf dem Lande leiten oder den Landkreisarzt in dessen Abwesenheit vertreten.

Parallel mit der Zunahme der medizinischen Fachkräfte stieg auch die Zahl des medizinischen Hilfspersonals. So erhöhte sie sich von 1935 bis 1940 von 210700 auf 412200 Personen, also um bei­nahe das Doppelte, davon waren in den Städten 263922 und auf dem Lande 148299 tätig. Heilgehilfen, Sanitäts-Heilgehilfen, -Heilgehilfinnen und -Hebammen gab es 92244, Hebammen 60215, Krankenschwestern 154000 und Schwestern in Kinder­krippen und Schulen 49784. Auf dem Lande arbeiteten 1941: 45 400 Sanitäts-Heilgehilfen, -Heilgehilfinnen, Hebammen und 36 000 Hebammen.

Am 1. Januar 1941 gab es auf dem Lande 13 612 ambulatorische I Beratungsstellen und 28558 Sanitäts-Heilgehilfen- und Heb­ammenstellen.

Zur gleichen Zeit hatte das qualifizierte medizinische Hilfs­personal in städtischen Krankenhäusern 117 241 Stellen inne, in städtischen Arnbulatorien und Polikliniken 97000. Bei Sanitäts­einrichtungen und Einrichtungen zur Epidemienbekämpfung in den Städten und auf dem Lande waren qualifizierte medizinische Hilfskräfte auf 47700 Stellen.

Besonders bemerkenswert ist die Zunahme der qualifizierten medizinischen Hilfskräfte in den nationalen Republiken. So ist in ganz Mittelasien, wo es vor der Revolution keine einzige medizi­nische Mittelschule gab und die medizinischen Hilfskräfte nur spärlich vorhanden waren, ihre Zahl nach der Revolution un­geheuer gestiegen. 1913 gab es in Kasachstan 690 Heilgehilfen und Krankenschwestern, 1923: 1311, 1932: 1890, 1937: 7600, 1941: 13500. In Anbetracht des großen Mangels an qualifiziertem medizinischem Hilfspersonal an der Front und in den Lazaretten während des Vaterländischen Krieges wurde durch das Rote Kreuz und den Roten Halbmond eine umfassende Ausbildung medizi­nischer Hilfskräfte in die Wege geleitet.

Nach dem gemeinen Überfall Hitlerdeutschlands auf die Sowjet­union traten Hunderttausende von Patriotinnen in die Kurse für Krankenschwestern und Hilfssanitäterinnen ein und nahmen Schulter an Schulter mit den Soldaten der Roten Armee an der Verteidigung der Heimat teil.

Im Hinterland haben die Gehilfen der staatlichen Sanitäts­inspektoren und Epide.miologen, die Desinfektoren, die Ambulato­riums- Krankenschwestern, Patronage-Schwestern und andere me­dizinische Fachkräfte eine außerordentlich schwierige und ver­antwortungsvolle Aufgabe in der medizinischen. und prophylak­tischen Betreuung der Bevölkerung erfüllt. nach oben

DIE AKADEMIE DER MEDIZINISCHEN WISSENSCHAFTEN DER UdSSR

Der staatliche und gesellschaftliche Charakter der Organisation der medizinischen Wissenschaft in der Sowjetunion und die groß­zügige Planung, die der praktischen Tätigkeit der Staatsorgane zugrunde liegt, einerseits, andererseits der große Aufschwung der wissenschaftlichen Forschungsarbeit in der Sowjetunion auf dem Gebiete der medizinischen Theorie und Praxis und die besondere Aufmerksamkeit, die dem Menschen geschenkt wird als dem Wert­vollsten, was es im. Staate gibt, haben in unserem Lande die Not­wendigkeit einer planmäßigen Organisierung der wissenschaft­lichen Forschungsarbeit geschaffen.

Durch die Initiative des großen Menschenfreundes ;Maxim Gorki und von Generalissimus Stalin und W. M. Molotow aufs wärmste unterstützt, erfolgte 1932 die Gründung des Unionsinstituts für Experimental-Medizin, das den Namen Gorkis trägt. Dieses In­stitut vereinigte und leitete in bedeutendem Umfange die wissen­schaftliche Forschungsarbeit auf dem Gebiete der medizinischen Theorie und Praxis.

Aber der neue Aufschwung der medizinischen Betreuung von Front und Hinterland in der Zeit des Großen Vaterländischen Krieges und die Vielseitigkeit der auf dem Gebiete der medi­zinischen wissenschaftlichen Forschungen stehenden Aufgaben zwangen dazu, die Frage der Organisation der medizinischen Wissen­schaften erneut zu stellen.

In dem Bestreben, die sowjetische medizinische Wissen­schaft weiterzuentwickeln, faßte der Rat der Volkskommissare der UdSSR am 30. Juni 1944 den Beschluß über die Gründung einer Akademie der Medizinischen Wissenschaften der Sowjetunion beim Volkskommissariat für Gesundheits­wesen.

Die Akademie der Medizinischen Wissenschaften der UdSSR ist laut ihrem Statut die höchste wissenschaftliche Institution auf dem Gebiete der Medizin und zählt zu ihren Mitgliedern die her­vorragendsten Wissenschaftler des Landes.

Die Hauptaufgaben der Akademie der -Medizinischen Wissen­schaften der Sowjetunion sind:

  • Wissenschaftliche Bearbeitung der Fragen der medizinischen Theorie und Praxis und Förderung der weiteren Entwicklung der medizinischen Wissenschaft im Einklang mit den Er­fordernissen des Gesundheitsschutzes und den Aufgaben der medizinisch-sanitären Sicherung der Verteidigung des Landes.
  • Die den medizinischen wissenschaftlichen Forschungsinsti­tuten zu stellenden dringlichsten Hauptprobleme auf dem Gebiete der medizinischen Wissenschaft und die Verall­gemeinerung der Ergebnisse der Arbeiten der wissenschaft­lichen Forschungsinstitute.

c) Die wissenschaftliche Bestätigung und Billigung der wich­tigsten Entdeckungen und Vorschläge auf dem Gebiete der Medizin und die Entscheidung über die Zulassung neuer Heilmethoden in der Praxis.

d) Im Auftrag der Regierung abzugebende wissenschaftliche Gutachten über medizinische Fragen

  • Verleihung der von der Regierung festgesetzten Preise für wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiete der Medizin.
  • Ausbildung hochqualifizierter wissenschaftlicher Arbeiter auf dem Gebiete der Medizin.

Die Akademie der Medizinischen Wissenschaften der UdSSR verfügt über folgende Institute, die in 3 Abteilungen vereinigt sind:

I. Abteilung der medizinisch-biologischen Wissenschaften

l. Institut für Experimental-Biologie und Biophysik,

2. Institut für normale und pathologische Morphologie,

3. Institut für Physiologie,

4. Institut für biologische und medizinische Chemie,

5. Institut für evolutionäre Physiologie der höheren Nerven­tätigkeit,

6. Institut für allgemeine und Experimental-Pathologie,

7. Institut für Experimental-Medizin,

8. Institut für Pharmakologie, Toxikologie, Chemietherapie und pharmazeutische Chemie.

II. Abteilung für Hygiene, Mikrobiologie und Epidemiologie

9. Institut für Mikrobiologie, Epidemiologie und Infektions­krankheiten,

10. Institut für Virusologie,

11. Institut für medizinische Parasitologie und Helminthologie,

12. Institut für allgemeine und kommunale Hygiene,

13. Institut für Arbeitshygiene und Berufskrankheiten,

14. Institut für Ernährungswissenschaften,

15. Institut für die Organisierung des Gesundheitsschutzes, der medizinischen Statistik und Sozialhygiene

III. Abteilung für klinische Medizin

16. Institut für Experimental- und klinische Chirurgie,

17. Institut für Neurochirurgie,

18. Institut für Onkologie,

19. Institut für Neurologie,

20. Institut für Hämathologie und Bluttransfusion,

21. Institut für Geburtshilfe und Gynäkologie,

22. Institut für Experimental – und klinische Therapie,

23. Tuberkulose-Institut,

24. Institut für Pädiatire,

25. Institut für Psychiatrie.

An der Spitze dieser Institute stehen die größten Wissenschaftler des Landes. So steht z. B. dem Institut für Entwicklungsphysio­logie der höheren Nerventätigkeit das Akademiemitglied L. A. Or­beli vor, dem Institut für normale und pathologische Morphologie das Akademiemitglied A. I. Abrikossow, dem Institut für Viruso­logie das Akademiemitglied G. N. Pawlowski; das Institut für Neurochirurgie leitet das Akademiemitglied N. N. Burdenko.

Außerdem gibt die Akademie Zeitschriften, Sammelbände, Monographien, Dissertationen und.andere wissenschaftliche Ab­handlungen heraus, veranstaltet Konferenzen und Beratungen, um wissenschaftliche Vorträge und Berichte über die Arbeitsergebnisse der Institute entgegenzunehmen und zu erörtern, und ruft je nach Erfordernis Sonderausschüsse ins Leben.

Die Akademie der Medizinischen Wissenschaften der UdSSR besteht aus ordentlichen Mitgliedern, Ehrenmitgliedern, korre­spondierenden Mitgliedern und sonstigen wissenschaftlichen Mit­arbeitern, die in den Akademie-Institutionen tätig sind. Als ordent­liche Mitglieder der Akademie der Medizinischen Wissenschaften der UdSSR können Gelehrte gewählt werden, die die medizinische Wissenschaft der Sowjetunion mit Werken von großer wissen­schaftlicher Bedeutung bereichert haben.

Als korrespondierende Mitglieder der Akademie der Medizi­nischen Wissenschaften können große Sowjetgelehrte aus den Reihen der medizinischen Wissenschaftler gewählt werden. Zu Ehrenmitgliedern der Akademie der Medizinischen Wissenschaften können besonders verdienstvolle Wissenschaftler sowohl der So­wjetunion als auch anderer Länder gewählt werden.

Die Zahl der ordentlichen und der korrespondierenden Mit­glieder der Akademie der Medizinischen Wissenschaften der Sowjetunion wird. durch den Ministerrat der UdSSR auf Vor­schlag des Präsidiums der Akademie der Medizinischen Wissen­schaften festgesetzt. Die Mitglieder der Akademie werden in ge­heimer Abstimmung gewählt. .41s gewählt betrachtet werden die­jenigen, die nicht weniger als zwei Drittel der Stimmenzahl der ordentlichen Mitglieder der entsprechenden Abteilung der Aka­demie erhalten. Die von den Abteilungen der Akademie gewählten Kandidaten für die ordentliche Mitgliedschaft der Akademie der Medizinischen Wissenschaften der UdSSR werden der allgemeinen Versamrnlung der Akademie vorgestellt, die auf dem Wege ge­heimer Stimmabgabe die Wahlen der ordentlichen Mitglieder vor­nimmt und in offener Abstimmung die von den Abteilungen ge­wählten korrespondierenden Mitglieder bestätigt. Als gewählt sind diejenigen zu betrachten, die auf der allgemeinen Versammlung der Akademie -einfache Stimmenmehrheit erhalten. Stimmrecht haben die ordentlichen Mitglieder der Akademie.

Ursprünglich betrug die Zahl der ordentlichen Mitglieder der Akademie der Medizinischen -Wissenschaften der UdSSR, die von der Sowjetregierung bestätigt wurde, 60 Personen. In nächster Zukunft werden Ergänzungswahlen von werteren 40 ordentlichen Akademiemitgliedern und 150 korrespondierenden Mitgliedern entsprechend der obengenannten Ordnung erfolgen. Die medizinische Öffentlichkeit der Sowjetunion erwartet mit großem Inter­esse diese Wahlen und rüstet zu ihnen durch Aufstellung würdiger Kandidaten.

Das höchste Organ der Akademie ist die allgemeine Versamm­lung der ordentlichen Akademiemitglieder, die die ordentlichen Mitglieder und die Ehrenmitglieder wählt und die korrespondieren­den Mitglieder der Akademie sowie die akademischen Sekretäre der Abteilungen bestätigt, die Arbeitspläne der Akademie erörtert und beschließt, die Hauptprobleme aufwirft, Berichte über die Ergeb­nisse der Arbeit der Akademie, einzelner Institute und Wissen­schaftler entgegennimmt.

Die allgemeinen Abteilungsversammlungen der Akademie ver­einigen die ordentlichen Mitglieder, die Ehrenmitglieder und die korrespondierenden Mitglieder der entsprechenden Fachgebiete

und wählen aus ihrer Mitte den akademischen Sekretär und die Mitglieder des Büros der Abteilung, prüfen die Arbeitspläne. und die Berichte über die Arbeitsergebnisse und legen sie denr Präsi­dium der Akademie zur Genehmigung vor. Das Abteilungsbüro wird auf die Dauer von 2 Jahren von der allgemeinen Abteilungs­versammlung gewählt und von der allgemeinen Versammlung der Akademie bestätigt. Das Abteilungsbüro besteht aus dem aka­demischen Sekretär und 2 bis 4 Büromitgliedern aus der Zahl der ordentlichen Mitglieder der betrefienden Abteilung.

Das Vollzugsorgan der Akademie der Medizinischen Wissen­schaften der Sowjetunion ist das Präsidium der Akademie, das vom Präsidenten geleitet wird und aus 3 Vizepräsidenten, dem akademischen Sekretär und 1* 2 ) Präsidialmitgliedern besteht und auf die Dauer von 4 Jahren von der allgemeinen Versammlung der Akademie gewählt wird. Ferner gehören ihm die 3 akademischen Sekretäre der Abteilungen an. Präsident der Akademie ist das in der Sowjetunion und im Ausland weithin bekannte Akademie­mitglied N. N. ßurdenko, Held der Sozialistischen Arbeit, Chef­chirurg der Roten Armee, Professor der Fahultäts-Chirurgie an dem mit dem Lenin-Orden ausgezeichneten Ersten Moskauer Medizinischen Institut. Seine Stellvertreter sind: der berühmte Vertreter der Pathologischen Anatomie, Leiter des Lehrstuhls für Pathologische Anatomie an dem mit dem Lenin-Orden aus­gezeichneten Ersten Moskauer Medizinischen Institut, Held der Sozialistischen Arbeit A. I. Abrikossow, der Professor der Chirurgie an dem Ersten Leningrader Pawlow-Institut für Medizin Akademiemitglied Kuprijanow und der Leiter des Lehrstuhls für Geburtshilfe und Gynäkologie an dem mit dem Lenin-Orden ausgezeichneten Ersten Moskauer Medizinischen Institut Akademiemitglied M. C. Malinowski; Sekretär der Akademie ist der Physiologe Akademiemitglied W. W. Partin, Professor des Moskauer Medizinischen Instituts.

Die Periode der Organisierung dieses größten Zentrums der wissenschaftlichen Forschungsarbeit auf dem Gebiete der Medizin in der Sowjetunion ist nunmehr abgeschlossen. Das Land und die medizinische Öffentlichkeit erwarten weiterhin von der Akademie einen großen, fruchtbringenden Aufschwung der wissenschaft­lichen Forschung auf dem Gebiete der medizinischen Theorie und Praxis.

Der Führer des Sowjetvolkes, Stalin, brachte anläßlich eines Empfanges der Mitarbeiter der Hochschulen im Kreml einen Toast aus „auf das Gedeihen der Wissenschaft, jener Wissen­schaft, die sich vom Volk nicht abgrenzt, sich vom Volk nicht fernhält, sondern bereit ist, dem Volk - zu dienen, bereit ist, dem Volk alle Errungenschaften der Wissenschaft zu übermitteln, die dem Volk nicht aus Zwang, sondern freiwillig, mit Freuden dient.

Auf das Gedeihen der Wissenschaft, jener Wissenschaft, die es nicht zuläßt, daß ihre alten und anerkannten Führer sich selbst­gefällig als Priester der Wissenschaft, als Monopolisten der Wis­senschaft abkapseln, die den Sinn, die Bedeutung und die All­macht des Bundes der alten Wissenschaftler mit den jungen Wis­senschaftlern begreift, die freiwillig und mit Freuden alle Tore des Wissens den jungen Kräften unseres Landes öffnet und ihnen die Möglichkeit gibt, die Gipfel des Wissens zu bezwingen, die anerkennt, daß die Zukunft den jungen Wissenschaftlern gehört.

Auf das Gedeihen der Wissenschaft, jener Wissenschaft, deren Vertreter, obgleich sie die Kraft und die Bedeutung der Tra­ditionen, die sich in der Wissenschaft herausgebildet haben, be­greifen und sie verständnisvoll im Interesse der Wissenschaft aus­nutzen, dennoch nicht Sklaven dieser Traditionen sein wollen, der Wissenschaft, die die Kühnheit und die Entschlossenheit besitzt, alte Traditionen, Normen, Einstellungen zu brechen, wenn sie veralten, wenn sie zu einem Hemmschuh für den Vor­marsch werden, und die es versteht, neue Traditionen, neue Normen, neue Einstellungen zu schaffen."

Die ehrenvollste Aufgabe der Akademie der Medizinischen Wissenschaften der UdSSR ist die wissenschaftliche Verallgemei­nerung, die pluilosophische Zusammenfassung aller Errungen­schaften auf dem Gebiete der Medizin und die schöpferische Ziel­setzung ihrer nächsten, wichtigsten Aufgaben in enger Verbindung mit der Entwicklung der Physik, der Chemie, der Biologie, der Physiologie und anderer Wissenschaften.

Das Sowjetvolk erhofft von seiner jungen Akademie der Medi­zinischen Wissenschaften die erfolgreiche Lösung der verant­wortungsvollen Aufgaben, die die Heimat ihr stellte; es ist über­zeugt, daß die Akademie dank der großen Unterstützung durch den Sowjetstaat ihren Aufgaben in Ehren gerecht werden wird.nach oben

ZUSAMMENFASSUNG

Die Hauptgesichtspunkte der medizinischen Ausbildung in der Sowjetunion sind:

1. Einheitliche Aufnahmebedingungen in die höheren medi­zinischen Lehranstalten, die für alle medizinischen Insti­tute gelten und die Aufnahme nach Bestehen der vor­geschriebenen Prüfungen ermöglichen, ohne Rücksicht auf Geschlecht, Nationalität, Glaubensbekenntnis und soziale Lage.

2. Einheitliche Lehrpläne und Programme in den Unterrichts­fächern der medizinischen Institute.

3. Einheitliche Anforderungen an die Absolventen der medi­zinischen Institute, die ihr Diplom und das Recht auf Aus­übung ärztlicher Praxis erhalten.

4. Staatliches System der Weiterbildung und der Speziali­sierung der Ärzte, das die Erfassung möglichst breiter Kreise der Sowjetärzte anstrebt, um systematisch ihre Qualifika­tion zu heben und die Ausbildung der für das Land er­forderlichen Fachärzte auf allen medizinischen Spezial­gebieten sicherzustellen.

5. Gleichmäßige theoretische und praktische Ausbildung, ins­besondere bei den Vorlesnngs-Lehrgängen und dem Arbeits­praktikum der Studenten, unter Berücksichtigung der Wich­tigkeit dieser beiden Grundbestandteile der medizinischen Hochschulbildung.

6. Betonung der spezifischen Wichtigkeit der klinischen Aus­bildung der Studenten.

7. Obligatorisches Arbeitspraktikum der Studenten nach dem 4, und dem 5. Studienjahr. -

8. Systematische Kultur- und Erziehungsarbeit zur Hebung des allgemeinen Bildungsstandes der Studenten.

9. Lenkung der gesamten Sowjetmedizin, dabei auch der medi­zinischen Ausbildung in der Richtung der Schaffung des breitesten öffentlichen Verständnisses für die Fragen des Volksgesundheitsschutzes und besonders der prophylak­tischen Aufgaben der ärztlichen Tätigkeit.

10. Ständige Verbindung der medizinischen Institute, ihrer Lehrstühle und ihrer Kliniken mit den praktischen Auf­gaben des Gesundheitsschutzes einerseits und mit dem um­fassenden System der wissenschaftlichen Forschungsinsti­tute andererseits.

11. Organische Verbindung der Heilbehandlung, des Unter­richts und der wissenschaftlichen Arbeit der medizinischen Institute als höheren Lehranstalten.

12. Staatliches System der Attestierung der Lehrkräfte der Hochschulen und Besetzung der freien Stellen durch Lehr­stuhlleiter, Professoren und Dozenten, später möglicherweise auch durch Assistenten auf der Grundlage eines freien Union-­ Wettbewerbs, dessen Ergebnisse durch geheime Abstim­mung der Professorenräte der höheren Lehranstalten be­stimmt werden.

13. Systematische Heranbildung eines wissenschaftlichen Nach­wuchses durch die Aspirantur und die Ordinatur, d. h. eines Stammes junger Wissenschaftler, die sich auf die pädago­gische und die wissenschaftliche Tätigkeit an den Lehr­stühlen und in den Kliniken vorbereiten.

14. Staatliche Fürsorge für die Studenten (durch Studenten­heime, Speisehallen und Stipendien), die den Sowjet­bürgern gestattet, von ihrem Recht auf Bildung Gebrauch zu machen.

15. Umfassende Teilnahme der medizinischen Öffentlichkeit, insbesondere der bedeutendsten Vertreter der medizinischen Theorie und Praxis, der Akademiemitglieder; verdienst­voller Wissenschaftler, der hervorragenden praktischen Ärzte, der Organisatoren des Gesundheitsschutzes an der Aus­arbeitung der Probleme und des Lehrsystems der medizi­nischen Hochschulbildung.

16. Befriedigung des Bedarfs an qualifiziertem medizinischem Hilfspersonal durch ein umfassendes Netz von medizinischen Mittelschulen, die den örtlichen Gesundheitsschutzorganen unterstellt sind und Heilgehilfen, Heilgehilfinnen und Heb­ammen (3 Jahre Studium) und Krankenschwestern (2 Jahre Studium), Zahnärzte und Pharmazeuten (3 Jahre Studium) ausbilden. Die medizinischen Mittelschulen bauen auf den örtlichen Krankenhäusern, die, pharmazeutischen Schulen auf den Apotheken auf.

In dem Vierteljahrhundert des Bestehens des Sowjetgesund­heitsschutzes haben die medizinischen Hoch- und Mittelschulen eine große Arbeit geleistet und sind den Anforderungen des Landes nach ärztlichen Kräften für den Gesundheitsschutz in bezug auf Güte und Zahl im wesentlichen gerecht geworden. Die härte Prüfung des Krieges haben sie in Ehren bestanden.nach oben

LISTE DER MEDIZINISCHEN INSTITUTE DER UdSSR

Bezeichnung des medizinischen Instituts

Gründungsjahr

1.

Erstes Moskauer Medizinisches Institut (mit dem Lenin-Orden ausgezeichnet

1765

2.

Lwower Medizinisches Institut

1773

3.

Charkower Medizinisches Institut

1805

4.

Kasaner Medizinisches Institut

1814 •

5.

Kiewer Medizinisches Institut (mit dem Roten Arbeitsbanner-Orden Ausgezeichnet)

1841

6.

Das Tomsker Medizinische W. M. Molotow-Institut

1888

7.

Erstes Leningrader Pawlow-Institut für Medizin (benannt nach dem Akademiemitglied I. P. Pawlow­)

1897

8.

Odessaer Medizinisches Institut

1900

9.

Zweites Moskauer Medizinisches Institut

1906

10.

Zweites Leningrader Medizinisches Institut

1908

11.

Saratower Medizinisches Institut

1911

12.

Rostower Medizinisches Institut (Rostow am Don)

1915

13.

Molotower (ehem. Permer) Medizinisches Institut

1916

14.

Dnjepropetrowsker Medizinisches Institut

1916

15.

Woronesher Medizinisches Institut

1918

16.

Astrachaner Medizinisches Institut

1918

17.

Tbiliseier Medizinisches Institut

1918

18.

Asarbaitschanisches Medizinisches Institut (Baku)

1919

19.

Kuibyschewer Medizinisches Institut

1919

20.

Irkutsker Medizinisches Institut

1920

21.

Medizinisches Institut in Gorki

1920

22.

Das Taschkenter Medizinische W. M. Molotow-Institut

1919

23.

Kubaner Medizinisches Institut in Krasnodar

1920

24.

Omsker Medizinisrhes Institut

1920

25.

Smolensker Medizinisches Institut

1920

26.

Bjelorussisches Medizinisches Institut in Minsk

1921

27.

Friwaner Medizinisches Institut

1922

28.

Medizinisches Institut in Iwanowo

1930

29.

Medizinisches Institut in Stalino

1930

30.

Chabarowsker Medizinisches Institut

1930

31.

Samarkander Medizinisches Institut

1930

32.

Kasachisches Medizinisches Institut

1931

33.

Das Medizinische I. W. Stalin-Institut der Krim in Simferopol

1931

34.

Swerdlowsker Medizinisches Institut

1931

35.

Moskauer Medizinisches Institut des Ministeriums für Gesundheitswesen der RSFSR

1932

36.

Winnizaer Medizinisches Institut

1932

37.

Baschkirisches Medizinisches Institut in Ufa

1932

38.

Daghestanisches Medizinisches Institut in Machatsch­ Kala

1932

39.

Aschchabader Medizinisches Institut

1932

40-

Archagensler Medizinisches Institut

1932

41.

Ishewsker Medizinisches Institut

1933

42.

Kursker Medizinisches Institut

1935

43.

Stalingrader Medizinisches Institut

1935

44.

Leningrader Medizinisches Institut für Pädiatrie

1935

45.

Nowosibirsker Medizinisches Institut

1935

46.

Stawropoler Medizinisches Institut

1937

47.

Nord-Ossetisches Medizinisches Institut

1939

48.

Kirgisisches Medizinisches Institut

1939

49.

Stalinabader Medizinisches Institut

1939

50.

Krasnojarsker Medizinisches Institut

1943

51.

Tscheljabinsker Medizinisches Institut

1944

52.

Kislowodsker Medizinisches Institut

1944

53.

Tschkalower Medizinisches Institut

1944

54.

Medizinisches Institut in Jaroslawl

1944

55.

Medizinisches Institut in Czernowitz

1945

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