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W. B. Bland

'Der Mord an Kirow'

(Veröffentlichung des marxistisch-leninistischen Forschungsbüros, Bericht Nr. 13)



Der Mord

Am 2. Dezember 1934 gab die 'Prawda' bekannt:

"Am 2. Dezember um 16.30 Uhr starb der Sekretär des Zentralen und Lenin-grader Komitees der Allunions Kommunistischen Partei (Bolschewiki) und Mitglied des Präsidiums des Zentralexekutivkomitees der UdSSR, Genosse Sergej Mironowitsch Kirow*, durch die Tat eines Mörders, eines heimlichen Feindes der Arbeiterklasse, in Leningrad im Gebäude des Leningrader Sowjets (im ehemaligen Smolny). Der Bewaffnete wurde festgenommen. Seine Identität wird zur Zeit ermittelt."(Robert Conquest: 'Stalin und der Kirow-Mord', hiernach zitiert als 'Robert Con-quest, 1989', London 1989, S. 7, die 'Prawda' vom 2. Dezember 1934 zitierend).

Nachdem er das Gebäude betreten hatte, ging er in den zweiten Stock hinauf und

" ... versteckte sich in der Toilette. Vom Fenster der Toilette aus konnte man auf den Haupteingang sehen."(Anton Antonow-Owseenko: 'Die Zeit Stalins. Portrait einer Tyrannei', New York1981, S. 91).

Als Kirow dann den Flur zu seinem Büro entlangging, tauchte der Mörder aus seinemVersteck auf,

"um ihn in den Nacken zu schießen."(Stepan W. Krasnikow: 'Sergej Mironowitsch Kirow', Moskau 1964, S. 200).

Der Mord geschah vorsätzlich:

"Der Mord wurde nicht spontan ausgeführt. Der Mörder hatt seit dem Sommer seine Tat vorbereitet."(Robert Conquest, 1989: ebenda, S. 9).

Der Mörder wurde am Tatort festgenommen:

"Der Mörder verlor das Bewusstsein und fiel auf den Boden neben sein Opfer. Kirow wurde blutend und bewusstlos in sein Büro gebracht. ...Er starb kurz darauf. Die Autopsie gibt sehr detailliert den Weg der Kugel und ihre Wirkung wieder. Sehr schnell fand man, dass ein Nagan-Revolver benutzt wurde, der in der Nähe des Mörders gefunden wurde. In der Zwischenzeit wurde der bewusstlose Mörder von NKWD-Mitarbeitern festgenommen."(Ebenda).

 

Der Mörder

Am 3. Dezember 1934 wurde bekanntgegeben, dass

"vorläufige Untersuchungen ergeben haben, dass der Mörder Leonid Wassilewitsch Nikolajew*, geboren 1904, war, ein ehemaliger Arbeiter in der leningrader Arbeiter- und Bauerninspektion (RKI) und dass die Untersuchung fortgesetzt werde."(Ebenda, S. 10, die 'Prawda' vom 3. Dezember 1934 zitierend).

Er

"war mit Milda Draule verheiratet und hatte zwei Kinder. Seine Frau kam aus Lettland. ... Sie arbeitete als Sekretärin im Büro der Parteiführung."(Ebenda, S. 11).

Er erhielt schließlich

"eine Stelle in der RKI. Es scheint, dass er den Anforderungen nicht gerecht wurde und man gab ihm dann einen untergeordneteren Posten."(Ebenda, S. 10).

Er

"war der Kommunistischen Partei 1920 im Alter von sechzehn Jahren beigetreten. Er ... wurde im März (1934 - Verf.) aus der Partei wegen Disziplinbruchs ausgeschlossen, wurde jedoch zwei Monate später wieder aufgenommen, nachdem er ein Reuebekenntnis abgelegt hatte."(Ebenda, S. 10f).

Er habe einen aufrichtigen Hass auf Autoritäten entwickelt,

"die er dafür verantwortlich machte, dass er zu kurz gekommen war und dass seine Probleme ignoriert wurden. Er fing an, sich als Attentäter von geschichtlicher Größe zu sehen. Einem Bericht zufolge soll er während einer der ersten Vernehmungen gesagt haben, dass die Zeit kommen werde, dass sein Name zusammen mit denen von Schellabow* und Balmaschew*, den großen Attentätern aus der russischen Geschichte, genannt werden würde.(Ebenda, S. 11).

Nikolajew gab später zu, dass er in der Zeit zwischen August und November 1934

"den Nagan-Revolver, den er besaß, 'ausprobiert' habe." ('Das Verbrechen der Sinowjew-Opposition', hier nach zitiert als 'Verbrechen,1935'. Moskau 1935, S. 19).

Im Verlaufe der Vernehmung stellte sich heraus:

"Mit dem Ziel, die Spuren des Verbrechens zu verwischen und seine Komplizen zu schützen und auch zu dem Zweck, die wahren Motive für den Mord an den Genossen Kirow zu verheimlichen, bereitete der beschuldigte Nikolajew verschiedene Dokumente vor (ein Tagebuch, Erklärungen, die an verschiedene Institutionen gerichtet waren, usw.), in denen er sich darum bemühte, sein Verbrechen als einen persönlichen Akt der Verzweiflung und der Unzufriedenheit darzustellen, das sich aus seiner schlechten finanziellen Lage ergab sowie als Protest gegen das 'ungerechte Verhalten bestimmter Mitglieder der Regierung gegenüber einem menschlichen Wesen'."('Verbrechen, 1935', S. 19).

 

Die Untersuchung

Am Abend des 1. Dezember machte sich eine hochrangige Delegation, die aus drei Mitgliedern des Politbüros bestand - Stalin, Kliment Woroschilow*, Wjatscheslaw Molotow* und Andrej Schdanow* - auf den Weg von Moskau aus, um die Untersuchung des Kirow-Mordes zu leiten. Andere, nicht so hochgestellte Personen der Delegation umfassten Alexander Kossarew*, Generalsekretär des Bundes der Kommunistischen Jugend (Komsomol), Genrich Jagoda*, Volkskommissar der für Innere Angelegenheiten der UdSSR sowie Jakow Agranow*, stellvertretender Volkskommissar für Innere Angelegenheiten. Die Delegierten aus Moskau erreichten Leningrad

"gegen 7.30-8.30 Uhr abends am 2. Dezember."(Robert Conquest, 1989, S. 41).

Es war bereits deutlich geworden, dass es einige merkwürdige Umstände im Zusammenhang mit dem Mordanschlag gab:

"Die Abwesenheit sämtlicher Wachen im Smolny war schon rein äußerlich betrachtet eine erstaunliche Nachlässigkeit sowie auch die Tatsache, dass Kirows Bewacher ihn nicht begleitet hatte."(Robert Conquest, 1989, SS. 8, 39).

Noch merkwürdiger war das Verhalten der Sicherheitskräfte gewesen. Ihnen

"waren seit langem Nikolajews Einstellung und Drohungen bekannt. Sie hatten dies Saporoschets (Iwan Saporoschets, stellvertretender Vorsitzender des Leningrader NKWD - Verf.) mitgeteilt."(Robert Conquest, 1989, S. 40).

Man fand heraus, dass als Nikolajew im Ende November 1934 (ein paar Tage bevor Kirow ermordet wurde) den Smolny besuchte, seine Aktentasche kontroliert worden war:

"In seiner Aktentasche befand sich eine geladene Pistole sowie ein Tagebuch. Nikolajew wurde auf der Stelle verhaftet und ins Büro des Kommandanten gebracht."(Alexander Orlow: 'Die geheime Geschichte von Stalins Verbrechen', NewYork 1953, S. 17).

Wie jedoch der Angeklagte Pavel Bulanow* während des Moskauer Hochverratsprozesses 1938 bezeugte, hatte Saporoschets angeordnet, ihn wieder freizulassen:

"Ich erinnere mich, dass ... einige Tage vor der Ermordung Kirows die Wache Nikolajew festgenommen hatte ...und dass ein Notizbuch und ein Revolver in seiner Aktentasche gefunden wurden, aber Saporoschets ließ ihn schon bald wieder frei."(Pavel Bulanow: Aussage während des Hochverratsprozesses, März 1938, in: 'Prozessbericht zum Fall des antisowjetischen 'Blocks der Rechten undTrotzkisten', hiernach zitiert als 'Prozess, 1938', Moskau 1938, S. 558).

Stalin persönlich vernahm den Mörder Nikolajew. Nach Aussage von Alexander Orlow*, der sich von den Sicherheitskräften trennte (und in die USA überlief - Übers.),als der Gefangene wieder in seine Zelle zurückgebracht wurde, habe Stalin ihn gefragt:

"Warum haben Sie einen so netten Menschen umgebracht?"(Alexander Orlow: ebenda, S. 22).

und

"Alle Berichte stimmen darin überein, dass Nikolajew mutig geantwortet habe und auf die NKWD-Leute verwies und meinte, Stalin sollte sie doch mal fra-gen."(Robert Conquest, 1989, ebenda, S. 41).

 

Der Mord an Borisow, 1934

Ein wichtiger Zeuge in dem Fall war sicherlich der Chef von Kirows Personenschutz,ein Mann namens Borisow:

"Alle Berichte vermerken, dass Borisow Kirow gegenüber loyal war."(Robert Conquest, 1989, ebenda, S. 42).

Am späten Vormittag des 2. Dezember wurde Borisow auf eine Weisung des Leningrader NKWD-Oberkommandos hin, zum Smolny gefahren:

"Saporoschets, der davon aufgeschreckt war und befürchtete, dass nun Borisow jene verraten würde, die hinter Nikolajew standen, beschloss, Borisow zu beseitigen. Saporoschets arrangierte die Sache so, dass das Auto, in dem Borisow zum Smolny gebracht wurde, einen Unfall erleiden sollte. Borisow wurde bei dem Unfall tödlich verletzt und auf diese Weise wurden sie einen gefährlichen Zeugen los."(Pavel Bulanow: Aussage während des Hochverratsprozesses 1938. In: 'Pro-zess, 1938', ebenda, S. 558f).


Die Verhaftung der Leningrader Sicherheitsoffiziere, 1934

Während des Tages (des 2. Dezember)

"wurde fast die gesamte Führung des Leningrader NKWD ... aus ihren Positionen entfernt, um ihr den Prozess wegen 'Vernachlässigung ihrer Pflichten' zu machen."(Robert Conquest, 1938, ebenda, S. 42f, die 'Prawda' vom 4. Dezember 1934zitierend).

Jakow Agranow

"wurde zeitweilig das Leningrader NKWD unterstellt."(Ebenda, S. 43).

 

Kirows Beerdigung, 1934

Stalin verließ Leningrad am 4. Dezember und kehrte nach Moskau zurück und

"Agranow führte jetzt die laufenden Untersuchungen."(Ebenda).

Am 4. Dezember 1934

"erreichte Kirows Sarg um 10.30 Uhr Moskau ... und das Staatsbegräbnis begann um 2.30 Uhr am 6. Dezember. Stalin hielt neben anderen die Ehrenwache."(Ebenda).

 

Die Anti-Terrorgesetzgebung, 1934

Am Abend des 1. Dezember 1934, dem Tag des Kirowmordes,

"unterzeichnete der Sekretär des Präsidiums des Zentralen Exekutivkomitees, A.Jenukidze* die folgende Direktive:1. Untersuchungsbehörden werden angewiesen, die Fälle jener zu beschleunigen, denen vorgeworfen wird, Terrorakte vorbereitet oder ausgeführt zu haben; 2. Justizorgane werden angewiesen, die Ausführung von Todesurteilen, die sich auf Verbrechen dieser Kategorie beziehen, nicht hinauszuzögern, weil die Möglichkeit einer Begnadigung in Betracht gezogen wird, weil das Präsidium des Zentralen Exekutivkomitees der UdSSR es nicht für möglich erachtet, Petitionen dieser Art entgegenzunehmen; 3. Die Organe des Kommissariats für Innere Angelegenheiten werden angewiesen,die Todesurteile gegen Kriminelle der obengenannten Kategorie unmittelbar nachder Verhängung der Urteile zu vollstrecken."(Avel Jenukidze: Antiterror-Direktive des Zentralen Exekutivkomitees der UdSSR,1. Dezember 1934, zitiert nach Nikita S. Chruschtschow: Geheimrede vor dem20. Parteitag der KPdSU, Februar 1956, in: 'Die Entthronisierung Stalins', Manchester 1956, S. 11).

Dennoch:

" .. das Gesetz vom 1. Dezember 1934 ... wurde in der Folge nur selten angewandt." (J. Arch Getty: 'Die Ursprünge der Großen Säuberungen. Die Sowjetische Kommunistische Partei neu betrachtet, 1933-38', Cambridge 1985, S. 298).

 

Der Prozess gegen die weißgardistischen Terroristen, 1934

Am 4. Dezember 1934

"wurde bekanntgegeben, dass die Fälle der kürzlich verhafteten Weißgardisten, denen vorgeworfen wird, terroristische Angriffe gegen Arbeiter der Sowjetmacht begangen zu haben, am 2. Dezember dem Militärkollegium des Obersten Gerichts zur sofortigen Behandlung übertragen worden seien. In der Zeit vom 5. bis zum 18. Dezember wurde das Verfahren und die Hinrichtung jener bekanntgemacht. ... (17 von ihnen wurden an untere Instanzen zwecks weiterer Untersuchungen zurückverwiesen). ...Allen Angeklagten wurde vorgeworfen, Terroristen zu sein, die mit Waffen und Anweisungen über die Grenze geschickt worden seien, um Morde zu begehen."(Robert Conquest, 1989, S. 44).

Am 2. Januar 1935 antwortete der sowjetische Botschafter in London, Iwan Maiski*,auf Vorhaltungen zu diesen Fällen wie folgt:

"Die Personen, die kürzlich in verschiedenen Städten der UdSSR aufgrund von Gerichtsurteilen hingerichtet wurden, ... waren für schuldig befunden worden, Terrorakte geplant und durchgeführt zu haben. ... Die Mehrheit von ihnen drang illegal aus dem Ausland in die Sowjetunion ein und, wie sich herausstellte, besaß Bomben, Granaten, Revolver und andere Waffen. Vor Gericht gaben sie offen zu, dass sie Feinde der Sowjetunion seien und gestanden die Ausführung der ihnen zur Last gelegten Straftaten ein."(Iwan Maiski: Erklärung zu Prozess und Hinrichtung von Terroristen, 2. Januar1935, in: Jane Degras, Hrsg.: 'Sowjetische Dokumente zur Außenpolitik', Bd.3, London 1953, S. 100).

Es wurde nicht unterstellt, dass die Terroristen, die in diese Fälle verwickelt waren, auch etwas mit dem Mord an Kirow zu tun hatten:

"Es schien so, als ob das Regime, das auf diese Verbrechen nicht vorbereitet war und sich nicht im Klaren darüber war, wer eigentlich bestraft werden sollte, auf heftige Weise und spontan gegen traditionelle Feinde der Sowjetmacht losschlug."(J. Arch Getty: ebenda, S. 209).

 

Das Leningrader terroristische Zentrum

Jakow Agranow, der einstweilige Chef des Leningrader NKWD, stieß schon 1934 sehr schnell auf

"eine Verbindung zwischen Nikolajew und den Leuten, die die führende Rolleim Leningrader Komsomol spielten, als Sinowjew in der Stadt auf dem Weg nach oben war. Der wichtigste Mann war I. I. Kotolnjow*, ehemaliges Mitglied des Zentralkomitees des Komsomol. ... Er war in der Tat ein wahrer Oppositioneller."(Robert Conquest: 'Der große Terror. Stalins Säuberungen in den dreißigerJahren', London 1973, S. 86).

Tatsächlich

"arbeitete Nikolajew in der Parteieinheit im Kreis Vyborg, dessen Chef natürlich ein Sinowjnew-Anhänger war - I. I. Kotolnjow."(Robert Conquest, 1989, ebenda, S. 51).

Weitere Untersuchungen ergaben, dass

"1933 ... eine illegale konterrevolutionäre und terroristische Gruppe in Leningrad gegründet worden war", ..('Verbrechen, 1935', ebenda, S. 8).

...und dass die Kotolnjow-Gruppe

"von dem im Untergrund arbeitenden 'Leningrader Zentrum' angeleitet wurde."('Verbrechen, 1935', ebenda, S. 9).

Am 22. Dezember 1934 erhielten Nikolajew, Kotolnjow und 12 weitere Leute

"vor dem Militärkollegium ihren Prozess."(Robert Conquest, 1989, ebenda, S. 53, die 'Prawda' vom 17. Dezember 1934zitierend).

Am 22. Dezember 1934 gab das NKWD bekannt, dass

"die Untersuchungen im Fall Nikolajew und seine Komplizen am 20. Dezember abgeschlossen waren. Die Tat (der Mord an Kirow - Verf.) war von dem 'illegalen terroristischen 'Leningrader Zentrum' (als 'ehemalige Mitglieder der Sinowjew-Opposition' bezeichnet) ausgeführt worden."(Robert Conquest, 1989, ebenda, S. 53).

Die Anklage zum Fall des 'Leningrader Zentrums', die am 27. Dezember 1934 veröffentlicht wurde, zählte Iwan Kotolnjow

"zu den Hauptorganisatoren der Verschwörung gegen Kirow."('Verbrechen, 1935', ebenda, S. 8).

 

Die Verhaftung von Mitgliedern des Moskauer terroristischen Zentrums, 1934


Iwan Bakajew*, Sinowjews ehemaliger Leningrader Sicherheitspolizeichef und Grigori Jewdokimow*, Kirows Vorgänger als Leningrads Erster Sekretär wurden

"um den 14. Dezember herum (1934 - Verf.) verhaftet."(Robert Conquest, 1989, ebenda, S. 53).

Grigori Sinowjew und Lew Kamenjew* sowie fünf andere Kollegen wurden

"in Moskau am 16. Dezember im Zusammenhang mit dem Kirowmord verhaftet."(Robert Conquest, 1989, ebenda, S. 54, die 'Prawda' vom 23. Dezember 1934zitierend).

Am 23. Dezember wurde jedoch bekannt gegeben, dass

"in Ermangelung ausreichender Beweise für eine Anklage" ..(J. Arch Getty: ebenda, S. 209).

...ihre Fälle

"der Sonderabteilung des NKWD übergeben wurden, mit dem Ziel, diese Personen sofort freizulassen. Die Untersuchungen im Zusammenhang mit den anderen Personen werden fortgesetzt."(Robert Conquest, 1989, ebenda, S. 55, die 'Prawda' vom 23. Dezember 1934zitierend).


Der Prozess gegen das Leningrader terroristische Zentrum, 1935

Am 28./29. Dezember fand der Prozess gegen Nikolajew, Kotoljnow und 10 andere Angeklagte, denen Mittäterschaft am Mord vom Kirow vorgeworfen wurde, statt:

"Alle 12 Angeklagten, denen nachgesagt wurde, zum 'Leningrader Zentrum'gehört zu haben, wurden zum Tode verurteilt und sofort hingerichtet."(Friedrich Adler: 'Der Hexenprozess in Moskau', London 1936, S. 25).

 

Der erste Prozess gegen Kamenew und Sinowjew, 1935

Im Januar 1935 wurde mitgeteilt, dass weitere Untersuchungen

" ...neues Material",('Verbrechen, 1935', ebenda, S. 33).

..bezüglich der Aktivitäten von Kamenew, Jewdokimow, Sinowjew und andere erbracht hätten, und am 13. Januar wurden sie als Mitglieder des

" ..so genannten 'Moskauer Zentrums' "('Verbrechen, 1935', ebenda, S. 33f).

...angeklagt.

Man gab zu, dass die weiteren Nachforschungen

"keine Tatsachen erbracht hatten, die Anlass geben würden, die Mitglieder des 'Moskauer Zentrums' direkt zu beschuldigen, dass sie dem terroristischen Anschlag gegen den Genossen Kirow ihre Zustimmung gaben."('Verbrechen, 1935', S. 41).

Dennoch, so die Anklage, bewiesen die Fakten, dass

"ihnen die terroristische Stimmung unter den Mitgliedern der Gruppe bekannt war und dass sie diese Gefühle weiter anheizten", .. (Ebenda).

... so dass sie

"nicht nur die moralische und politische Verantwortung, sondern auch die Verantwortung vor dem sowjetischen Gesetz für die Folgen ihrer konterrevolutionären Aktivitäten im Untergrund, die die Leningrader Gruppe dazu verlassten, zu terroristischen Anschläge überzugehen, auf sich nehmen müssen."('Verbrechen, 1935', ebenda, S. 41).

Vom 15. bis zum 16. Januar 1935 fand in Leningrad unter Ausschluss der Öffentlichkeit der erste Prozess gegen Kamenew, Sinowjew, Jewdokimow, Bakajew und 15 weitere Angeklagte vor dem Militärkollegium des Obersten Gerichts statt.

Der Angeklagte Jewdokimow gab vor Gericht zu:

"Wenn uns eine terroristische Haltung vorgeworfen wird, dann erkläre ich ganz entschieden: Ja, dafür müssen wir die Verantwortung auf uns nehmen, für das Gift, mit dem wir in den letzten zehn Jahren die vergifteten, die uns umgaben und wodurch das schwere Verbrechen, der Mord an Kirow, möglich wurde."(Grigori Jewdokimow: Zeugenaussage im Prozess von 1935, in: Robert Conquest, 1989, S. 65, die 'Prawda' vom 16. Januar 1935 zitierend).

In der 'Prawda' wurde ein zusammenfassender Bericht über den Prozess veröffentlicht:

"Die Angeklagten gaben zu, ...dass sie versucht ... hatten, die Gefühle der Verbitterung und des offenen Hasses gegen die Führer der Partei und der Sowjetmacht zu bestärken. ..Unter der Last von Beweisen waren sie gezwungen zuzugeben, dass sie in jenem vergifteten, sinowjeschen konterrevolutionären Pfuhl echte weißgardistische Kampfmethoden gegen die Sowjetmacht entwickelten und bestärkten sowie ein offen terroristisches Temperament, welches zu dem abscheulichen Mord an dem Genossen Kirow führte."(Robert Conquest, 1989, ebenda, S. 65, die 'Prawda' vom 17. Januar 1935 zitierend).

Kurz, während des Prozesses bestritten Kamenew und Sinowjew,

"dass sie in irgendeiner Weise an dem Mord an dem Genossen Kirow ... beteiligt gewesen waren, wenn sie erklärten, dass sie nur eine moralische und politische Verantwortung für den Mord an dem Genossen Kirow trügen."(Prozessbericht zum Fall des trotzkistisch-sinowjeschen terroristischen Zentrums, hiernach zitiert als 'Bericht, 1936', London 1973, S. 10).

Die Angeklagten wurden für schuldig erklärt. Sinowjew und drei weitere Personenwurden

"zu zehn Jahren Freiheitsstrafe als 'aktive Anführer' und 'aktivste Mitglieder'der Untergrundgruppe verurteilt."(Robert Conquest, 1989, ebenda, S. 66).

Die meisten anderen wurden zu

"acht bzw. sechs Jahren wegen 'aktiver Beteiligung' und 'Mitgliedschaft' verurteilt", ..(Ebenda)

...während Kamenew und zwei weitere Angeklagte zu fünf Jahren als

" ... weniger aktive Mitglieder"(Ebenda).

..verurteilt wurden.

Außerdem

" ...verurteilte das Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten 49 Personen, die in den Fall der Sinowjewgruppe verwickelt waren, zu vier bis fünf Jahren Lagerhaft für Kriminelle und 29 Personen zur Verbannung in verschiedene Orte des Landes für zwei bis fünf Jahre."(Friedrich Adler: Ebenda, S. 26).


Der Prozess gegen die Leningrader Sicherheitspolizeioffiziere, 1935

Am 23. Januar 1935

"wurden die Polizeioffiziere, deren Verhaftung am 4. Dezember verkündet worden war, vor Gericht gestellt."(Robert Conquest, 1989, ebenda, S. 69).

Den zwölf Angeklagten, zu denen auch der Chef des Leningrader NKWD Filip Mejdwed und seine beiden Stellvertreter Iwan Saporoschets und Fedor Fomin gehörten, wurden unterschiedliche Grade von

"krimineller Verletzung von Sorgfaltspflichten vorgeworfen. Alle ... bekannten sich schuldig."(Robert Conquest, 1989, ebenda, S. 69f).

Sie wurden zu Haftstrafen von zehn Monaten bis drei Jahren verurteilt (Ebenda, S. 70).

Die verurteilten Polizeioffiziere wurden tatsächlich sehr zuvorkommend behandelt:

"Den Chefs der Leningrader Abteilung des Kommissariats für Innere Angelegenheiten und ihre Stellvertreter ... wurden ... Posten in der Verwaltung des Konzentrationslagers gegeben, in das sie geschickt worden waren. Tatsächlich bedeutete deshalb die Bestrafung nur eine Degradierung."(Boris Nikolajewski: 'Macht und sowjetische Elite. Der Brief eines alten Bolschewisten und andere Aufsätze', New York 1965, S. 53).

 

Der zweite Prozess gegen Kamenew, 1935

In die Jenukidze-Affäre (siehe Bericht Nr. 12 des Marxistisch-Leninstischen Forschungsbüros) vom Sommer 1935 war

"eine weibliche Angestellte der Kremlbibliothek verwickelt. Unter den 46 verhafteten Personen befand sich auch Kamenew (dessen Bruder Arzt im Kremlkrankenhaus war)."(Robert Conquest, 1989, ebenda, S. 78).

Er wurde

"am 27. Juli 1935 zu zehn Jahren Haft verurteilt."('Bericht, 1936', ebenda, S. 174).


Der Prozess gegen das trotzkistisch-sinowjesche terroristische Zentrum, 1936

Im Spätfrühling des Jahres 1936

"wurden Sinowjew, Jewdokimow und Bakajew aus ihrer Zelle geholt und hatten sich einem erneuten Verhör zusammen mit dem Veteranen I. N. Smirnow zustellen."(Robert Conquest, 1989, ebenda, S. 79).

Die Anklageschrift

"wurde am 15. August veröffentlicht und am 19. August wurde der öffentliche Prozess eröffnet, zu dem auch Vertreter der westlichen Presse und der diplomatischen Korps eingeladen worden waren."(Robert Conquest, 1989, ebenda, S. 80).

Zu den sieben Hauptangeklagten gehörten:

Iwan Bakajew, Grigori Jewdokimow, Lew Kamenew, Sergej Mrachowski, Iwan Smirnow, Wagwarschak Ter-Waganjan* sowie Grigori Sinowjew ...

... hinzu kamen zehn weitere Angeklagte, so dass es sich insgesamt um 16 Angeklagte handelte ('Bericht, 1936, ebenda, S. 38f).

Leon Trotzki und sein Sohn Leon Sedow* wurden in Abwesenheit angeklagt:

"L. Trotzki und sein Sohn L. L. Sedow, die sich beide im Ausland befinden, die durch das im vorliegenden Fall vorliegende Beweismaterial als diejenigen entlarvt worden sind, die die Tätigkeit der Organisierung von terroristischen Akten in der UdSSR gegen die Führer der KPdSU und den sowjetischen Staat unmittelbar vorbereitet und überwacht haben, sind für den Fall, dass sie auf dem Territorium der UdSSR entdeckt werden, sofort festzunehmen und vor Gericht zu stellen."('Bericht, 1936', ebenda, S. 39).

Vierzehn der Angeklagten (einschließlich aller wichtigen Personen, außer IwanSmirnow,

"bekannten sich schuldig in allen Anklagepunkten."('Bericht, 1936', ebenda, S. 40).

Smirnow und einer der weiteren Angeklagten verneinten

"lediglich ... ihre persönliche Beteiligung an der Vorbereitung terroristischer Handlungen."(Ebenda).

Der Angeklagte Sergej Mrachowski sagte aus, dass Ende 1932 ein vereinigter terroristischer Block zwischen den Trotzkisten und Sinowjewleuten gebildet worden sei:

"In der zweiten Jahreshälfte 1932 tauchte die Frage nach der Notwendigkeit einer Vereinigung der trotzkistischen terroristischen Gruppe mit den Sinowjisten auf. Es war I. N. Smirnow, der diese Frage aufwarf. ... Im Herbst1932 traf ein Brief von Trotzki ein, in dem er die Entscheidung, sich mit den Sinowjewleuten zusammenzutun, billigte. ... Die Vereinigung müsse auf der Grundlage des Terrorismus erfolgen, und Trotzki unterstrich darin noch einmal die Notwendigkeit, Stalin, Woroschilow und Kirow zu ermorden. ...Der terroristische Block der Trotzkisten und Sinowjisten wurde Ende 1932 gebildet."('Bericht, 1936', ebenda, S. 41f).

Die Angeklagten Grigori Sinowjew, Grigori Jewdokimow und Lew Kamenew gaben zu, dass der Mord an Kirow von diesem vereinigten trotzkistisch-sinowjistischen terroristischen Zentrum organisiert worden war:

"Wyschinski (Anklagevertreter - Übers.) zu Sinowjew: 'Ist die Ermordung vonSergej Mironowitsch Kirow von Ihrem Zentrum ... organisiert worden?

'Sinowjew: 'Ja, von unserem Zentrum.

'Wyschinski: 'Zu diesem Zentrum gehörten Sie, Kamenew, Smirnow, Mrachowkski und Ter-Waganjan?

'Sinowjew: 'Ja.

'Wyschinski: 'Also, Sie alle organisierten die Ermordung von Kirow?

'Sinowjew: 'Ja.

'Wyschinski: 'Wurde die Ermordung von Sergej Mironowitsch Kirow von dem Zentrum vorbereitet?

'Jewdokimow: 'Ja.

'Wyschinski: 'Sie nahmen persönlich an diesen Vorbereitungen teil?

'Jewdokimow: 'Ja.

'Wyschinski: 'Haben sich Sinowjew und Kamenew mit Ihnen zusammen anden Vorbereitungen beteiligt?

'Jewdokimow: 'Ja.

'Wyschinski zu Kamenew: 'Haben Sie Anweisungen für die Vorbereitungenfür die Ermordung von Kirow gegeben?

'Kamenew: 'Ja, im Herbst. ...Die terroristische Verschwörung wurde von mir, Sinowjew und Trotzki organisiert. ...Im Juni 1934 fuhr ich selbst nach Leningrad, ... um einen Anschlag auf das Leben von Kirow zusammen mit der Nikolajew-Kotoljnow-Gruppe vorzubereiten.

'Wyschinski: 'War die Ermordung von Kirow unmittelbar Ihr Werk?

'Kamenew: 'Ja.' "

('Bericht, 1936', ebenda, SS. 44, 45, 46, 49, 65, 67).

Sowohl Grigori Jewdokimow als auch Grigori Sinowjew gaben zu, dass sie bei ihrem vorherigen Prozess im Januar 1935 gelogen hatten, als sie verneint hatten, an der Planung von Kirows Ermordung beteiligt gewesen zu sein:

"Wyschinski zu Jewdokimow: 'Bei dem Prozess in Leningrad vom 15./16. Januar 1935, als sie dem Gericht so wie jetzt gegenüberstanden, haben Sie mit Nachdruck abgestritten, dass Sie irgendetwas mit jenem Mord zu tun gehabt hatten. Haben Sie zu jener Zeit die Unwahrheit gesagt?

'Jewdokimow: 'Ja, ich habe das Gericht getäuscht.

'Wyschinski zu Sinowjew: 'Sagen Sie jetzt die Wahrheit?

'Sinowjew: 'Ja, jetzt sage ich die ganze Wahrheit.

'Wyschinski: 'Denken Sie daran, dass Sie am 15./16. Januar auf der Sitzung des Militärkollegiums des Obersten Gerichts ebenfalls behaupteten, dass Sie die ganze Wahrheit sagen würden!

'Sinowjew: 'Ja, am 15./16. Januar sagte ich nicht die ganze Wahrheit.

'Wyschinski: 'Sie sagten nicht die Wahrheit, aber Sie behaupteten, dass Sie die Wahrheit sagen würden.' " ('Bericht, 1936', ebenda, SS. 47, 72).

Der Angeklagte Bakajew (ehemaliger Chef der Sicherheitspolizei in Leningrad - Übers.) gab zu, sich heimlich mit dem Mörder Leonid Nikolajew zur Vorbereitung des Mordesan Kirow getroffen zu haben:

"Wyschinski zu Bakajew: 'Haben Sie sich mit Nikolajew in Leningrad getroffen?

'Bakajew: 'Ja..

'.Wyschinski: 'Nikolajew teilte Ihnen mit, dass er bereit sei, S. M. Kirow zu ermorden, nicht wahr?'

Bakajew: 'Ja, das hat er gemacht..

'Wyschinski: 'Haben Sie sich an der Ermordung des Genossen Kirow beteiligt?

'Bakajew: 'Ja.

'Wyschinski: 'Sie waren der Organisator der Ermordung Kirows?

'Bakajew: 'Ja, aber ich war nicht der einzige.' "

('Bericht, 1936', ebenda, SS. 49, 61, 62).

Die Angeklagten verzichteten auf ihr Recht, Verteidigungsreden zu halten, hielten jedoch vor Gericht ein Schlusswort:

"Mrachowski: 'Ich bin ein Konterrevolutionär. ...Ich bitte nicht um Strafmilderung. ..Ich gehe als Verräter an meiner Partei, als Verräter, der erschossen werden sollte.

'Jewdokimow: 'Ich halte es nicht für angebracht, um Milde zu bitten. Unsere Verbrechen gegen den proletarischen Staat und gegen die internationale revolutionnäre Bewegung sind zu groß als dass wir Milde erwarten könnten.'

Bakajew: 'Ich bin Schuld an der Ermordung von Kirow. Ich habe mich direkt ander Vorbereitung anderer terroristischer Handlungen gegen die Führer von Partei und Regierung beteiligt. ..

'Kamenew: 'Ich, zusammen mit Sinowjew und Trotzki, war der Organisator und Anführer einer terroristischen Verschwörung, die eine Reihe von terroristischen Anschlägen auf das Leben der Führer von Regierung und Partei unseres Landes geplant und vorbereitet hat und die die Ermordung von Kirow ausführte.'

Sinowjew: 'Ich gebe zu, dass ich voll und ganz schuldig bin, ... einer der Organisatoren, gleich nach Trotzki, des trotzkistisch-sinowjistischen Blocks gewesen zu sein, ein Block, der sich das Ziel setzte, Stalin, Woroschilow und eine Reihe anderer Führer der Partei und der Regierung zu ermorden. Ich bekenne mich schuldig, einer der Hauptorganisatoren der Ermordung von Kirow gewesen zusein. ..'

Ter-Waganjan: 'Ich senke mein Haupt in Schuld vor dem Gericht und sage: Worin auch immer seine Entscheidung bestehen wird, wie streng auch immerdas Urteil sein wird, ich werde es als verdient auf mich nehmen.' " ('Bericht, 1936', ebenda, SS. 165-173).

Alle sechzehn Angeklagten wurden für schuldig befunden und zum Tode 'durch Erschießen' verurteilt ('Bericht, 1936', ebenda, S. 180).

Am 25. August 1936

"wurde mitgeteilt ..., dass alle Angeklagten erschossen worden seien." (Robert Conquest, 1989, ebenda, S. 86).

 

Der Hochverratsprozess, 1937

Auf dem zweiten öffentlichen Prozess im Januar 1937

"wurden Pjatakow*, Radek* und fünfzehn weitere angeklagt, ein 'Reservezentrum' gebildet zu haben, das geheim gehalten worden war für den Fall, dass die Sinowjew-Verschwörer entlarvt werden sollten. Der Gruppe, die im August1936 erschossen worden war, warf man jetzt vor, das Gericht in der Weise getäuscht zu haben, dass dieses zweite Netzwerk verheimlicht worden war."(Robert Conquest, 1989, ebenda, S. 95).

Auf diesem Prozess

"war wenig vom Mord an Kirow die Rede."(Robert Conquest, 1989, ebenda, S. 95).

Juri Pjatakow und Karl Radek sagten jedoch aus, dass im Juli 1935 nach dem Mord an Kirow in diesem 'Reservezentrum' die Frage diskutiert wurde, eine ganze Reihe von Morden an der Parteiführung insgesamt auszuführen:

"Radek: 'Im Juli 1935 ... erhob sich die Frage, dass es sinnlos sei, einzelne Individuen zu töten. Das würde politisch nichts bringen. ..'

Wyschinski: 'Verstehe ich Sie recht: Es reichte nicht aus, Kirow getötet zuhaben; andere müssten ebenfalls getötet werden?'

Radek: 'Entweder ganz auf den Terrorismus verzichten oder damit zu beginnen, ernsthaft massenweise terroristische Anschläge zu organisieren, die eine Situation entstehen lassen würden, die uns näher an die Macht heranführen würde. ..Trotzkis Direktive die terroristischen Anschläge betreffend, Gruppenanschläge, erreichte uns im Januar 1936. ..'

Wyschinski: 'In der zweiten Jahreshälfte 1935 ... wurden in Ihrer Mitte Vorbereitungen für einen terroristischen Gruppenanschlag getroffen?'

Radek: 'Ja, es gab sie. ..Als die Frage auftauchte, gegen wen sich der Terrorismus richten sollte,... hatte ich ... nicht den leisesten Zweifel, das sich die Anschläge gegen Stalin richten sollten und gegen seine engsten Mitarbeiter wie Kirow, Molotow, Woroschilow und Kaganowitsch*.' " (Prozessbericht im Fall des antisowjetischen trotzkistischen Zentrums,Moskau 1937, SS. 72, 74, 77, 89).

 

Der Hochverratsprozess von 1938

Im Februar 1937

"wurden Bucharin* und Rykow*, die Führer der 'Rechten', verhaftet. Jagoda wurde im April 1937 verhaftet."(Robert Conquest, 1989, ebenda, S. 96).

Der Hochverratsprozess von 1938 wurde wie die von 1936 und 1937 in der Öffentlichkeit abgehalten und

"am 2. März 1938 eröffnet."(Ebenda, S. 97).

Aus der Perspektive des Kirowmordes betrachtet, bestand das

"Hauptanliegen des Prozesses darin, dass jetzt das NKWD zum ersten Mal öffentlich beschuldigt wurde, nicht nur fahrlässig gehandelt zu haben, sondern aktiv an dem Verbrechen beteiligt gewesen zu sein."(Ebenda).

Es wurde jetzt aufgedeckt, dass Genrich Jagoda, der den Posten des Volkskommissars für Innere Angelegenheiten (verantwortlich für das NKWD) von Juli 1934 bis September 1936 inne hatte, ein führendes Mitglied der Verschwörung gewesen war. Jagodas Sekretär, Pawel Bulanow, sagte aus:

"Im Frühjahr 1936 ... sagte Jagoda, ... dass er gewusst habe, dass ein Anschlag gegen S. M. Kirow vorbereitet wurde, dass er einen verlässlichen Mann in Leningrad gehabt habe, der in alles eingeweiht war: Saporoschets stellvertretender Chef der Leningrader Regionalverwaltung des Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten, und dass dieser alles getan habe, um den Mord an Kirow durch Nikolojew zu erleichtern. ... Die ganze Sache kam fast dadurch raus, als einige Tage vor dem Mord eine Wache Nikolajew versehentlich festnahm und ein Notizbuch und einen Revolver in seiner Aktentasche gefunden wurden, aber ... Saporoschets ließ ihn rechtzeitig wieder frei."('Bericht, 1938', ebenda, S. 558).

Jagoda selbst bestätigte, dass er auf Anweisung von Avel Jenukidze, dem Sekretärdes Zentralen Exekutivkomitees und einem Mitglied der Verschwörung, Saporoschets angewiesen hatte, die Ermordung von Kirow durch Nikolajew zu ermöglichen:

"Wyschinski zu Jagoda: 'Haben Sie persönlich irgendwelche Maßnahmen ergriffen, um die Ermordung Sergej Mironowitsch Kirows auszuführen?'

Jagoda: 'Ich gab Anweisungen.'

Wyschinski: 'Wem?'

Jagoda: 'Saporoschets in Leningrad. ...Saporoschets kam nach Moskau und berichtete, dass ein Mann verhaftet worden sei. ...'

Wyschinski: 'In dessen Aktentasche ...'

Jagoda: '..sich ein Revolver und ein Tagebuch befanden. Und er entließ ihn. ...'

Wyschinski: 'Und dann gaben Sie Anweisung, der Ermordung Kirows keine Hindernisse in den Weg zu legen? ..'

Jagoda: 'Ja, das tat ich.'

Jagoda: '1934, im Sommer, teilte mir Jenukidze mit, dass das Zentrum des 'Blocks der Rechten und Trotzkisten' den Beschluss gefasst habe, die Ermordung Kirows zu organisieren. ... Jenukidze bestand darauf, dass ich keine Schwierigkeiten machen solle; der Terrorakt würde von der trotzkistisch-sinowjistischen Gruppe durchgeführt werden. Deshalb sah ich mich gezwungen, Saporoschets, der den Posten des stellvertretenden Chefs der Regionalverwaltung des Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten innehatte, anzuweisen, dem Terroranschlag gegen Kirow keine Hindernisse in den Weg zu legen. Einige Zeit später teilte mir Saporoschets mit, dass die Organe des Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten Nikolajew verhaftet hätten, in dessen Besitzsich ein Revolver und eine Karte mit dem Weg, den Kirow gewöhnlich nahm, gefunden worden sei. Nikolajew wurde freigelassen. Kurz darauf wurde Kirow von dem gleichen Nikolajew ermordet." ('Bericht, 1938', ebenda, SS. 376, 572f).

Bulanow sagte auch aus, dass Jagoda und Saporoschets den Mord an Kirows Leibwächter Borisow arrangierten:

"Jagoda teilte mir auch mit, dass ... als Mitglieder der Regierung nach Leningrad kamen und diesen Borisow in den Smolny beorderten, um ihn als Zeugenim Zusammenhang mit der Ermordung von Kirow zu befragen, Saporoschets,der dadurch alarmiert war, weil er befürchtete, dass Borisow diejenigen verraten würde, die hinter Nikolajew standen, sich entschloss, Borisow zu töten. Auf Jagodas Anweisung hin, veranlasste Saporoschets, dass das Auto, in dem Borisow zum Smolny gebracht wurde, einen Unfall haben sollte. Borisow kam beidem Unfall ums Leben und auf diese Weise wurden sie einen gefährlichen Zeugen los." ('Bericht, 1938', ebenda, S. 558f.).

... und erklärte die Vorzugsbehandlung der verurteilten Offiziere der Sicherheitspolizei damit, dass Jagoda dies angeordnet habe:

"Dann verstand ich plötzlich die außergewöhnliche und ungewöhnliche Fürsoge,die Jagoda an den Tag legte, als Medwed, Saporoschets und die anderen Beamten verhaftet und vor Gericht gebracht wurden. Ich erinnere mich, dass er mir persönlich die Sorge um die Familien von Saporoschets und Medwed anvertraut hatte. Ich erinnere mich auch, dass er sie auf ungewöhnliche Weise indas Straflager fahren ließ: nicht in einem Fahrzeug für Gefangene, sondern in einem durchgehenden Sonderzug." ('Bericht, 1938', ebenda, S. 559).

 

Der 20. Parteitag der KPdSU, 1956

In seiner Geheimrede an den 20. Parteitag der KPdSU im Februar 1956 gab der revisionistische Erste Sekretär der KPdSU, Nikita Chruschtschow*, eine entstellende Version des Mordes an Kirow in der Weise zum Besten, dass er unterstellte, dass Stalin für seine Organisierung verantwortlich gewesen sei:

"Es muss gesagt werden, dass bis heute die Umstände, die den Mord an Kirow umgeben, viele Dinge ungeklärt und mysteriös erscheinen lassen und die sorgfältigste Untersuchung verlangen. Es gibt Gründe für den Verdacht, dass der Mörder von Kirow, Nikolajew, von jemanden gedeckt wurde, dessen Pflicht es war, die Person Kirows zu schützen. Vor dem Mord war Nikolajew verhaftet worden aus Gründen verdächtigen Verhaltens, wurde aber freigelassen und nicht einmal durchsucht. Es war ein ungewöhnlich verdächtigerUmstand, dass der Tschekist, der den Auftrag hatte, Kirow zu beschützen, zu einem Verhör am 2. Dezember 1934 bestellt wurde bei einem 'Autounfall' getötet wurde, bei dem keine anderen Insassen des Autos verletzt wurden. Nach dem Mord an Kirow wurden Spitzenfunktionären des NKWD leichte Strafen gegeben, aber 1937 wurden sie erschossen. Wir dürfen annehmen, dass sie erschossen wurden, um die Spuren derer zu verwischen, die Kirows Mord organisierten hatten."(Nikita S. Chruschtschow: Geheimrede an den 20. Parteitag der KPdSU, Februar 1956, in: 'Die Enthronung Stalins', ebenda, S. 12).

Selbst Robert Conquest*, der behauptet, dass

"Stalins Schuld (an der Organisierung des Mordes an Kirow - Verf.) kaum zu bezweifeln ist",(Robert Conquest: Vorwort zu 'Robert Conquest, 1989', ebenda, S. VII).

..sieht sich gezwungen zuzugeben, dass

"obwohl Chruschtschow das eine oder andere Detail hinzufügt, das was er aufdeckt sich nicht wesentlich von dem unterscheidet, was durch die Aussagen von Jagoda und Bulanow auf dem Prozess 1938 bereits herauskam."(Robert Conquest, 1989, ebenda, S. 113).


Der 22. Parteitag der KPdSU, 1961

Im Oktober 1961 auf dem 22. Parteitag der KPdSU nahm Chruschtschow erneut Stellung - diesmal öffentlich - zu den 'verdächtigen' Umständen des Kirowmordes:

"Es wird noch großer Bemühungen bedürfen um herauszufinden, wer wirklich für seinen Tod (Kirows - Verf.) verantwortlich ist. Je intensiver wir das Material im Zusammenhang mit Kirows Tod prüfen, um so zahlreicher werden die Fragen. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass Kirows Mörder zweimal vorher von Tschekisten (...) in der Nähe des Smolny festgenommen worden war und dass Waffen bei ihm gefunden wurden. Er wurde jedoch jedesmal auf Anweisung von irgendjemanden wieder freigelassen. Und die nächste Sache: Dieser Mann befand sich im Smolny, bewaffnet, auf dem Flur, auf dem Kirow normalerweise entlangging. Und aus irgendeinem Grunde befand sich Kirows Hauptleibwächter im Moment des Mordes weit hinter ihm, obwohl Instruktionen ihm nicht gestatteten, so weit von Kirow entfernt zu sein.

Auch folgende Tatsache ist merkwürdig: Als Kirows Hauptleibwächter zur Vernehmung gefahren wurde - er sollte von Stalin, Molotow und Woroschilow vernommen werden - wurde, wie der Fahrer später angab, das Fahrzeug bewusst in einen Unfall verwickelt von jenen, die den Mann zum Verhör fuhren. Sie gaben an, dass er in Folge des Unfalls starb, obwohl er tatsächlich von denjenigen getötet wurde, die ihn begleiteten.

Auf diese Weise wurde derjenige, der Kirow bewachte, getötet. Später wurden jene, die ihn getötet hatten, erschossen. Dies war anscheinend kein Unfall, sondern ein sorgfältig geplantes Verbrechen. Wer konnte das gemacht haben? Eine gründliche Untersuchung wird jetzt in die Umstände dieses komplizierten Falls vorgenommen.

Wie sich herausstellte, ist der Fahrer des Fahrzeugs, in dem Kirows Hauptleibwächter zur Vernehmung gefahren wurde, noch am Leben. Er gab an, dass ein NKWD-Mann mit ihm zusammen während der Fahrt in der Kabine saß. Sie fuhren in einem LKW. (Es ist natürlich merkwürdig, dass man einen LKW nahm, um den Mann zum Verhör zu fahren, als ob kein anderes Fahrzeug für den Zweckzur Verfügung gestanden hätte). Ganz offensichtlich war alles im Voraus geplant worden - bis ins Einzelne. Zwei weitere NKWD-Leute befanden sich hinten im LKW zusammen mit Kirows Hauptleibwächter.

Im Verlauf der Erzählung der Geschichte sagte der Fahrer, dass, als sie eine Strasse entlang fuhren, der Mann neben ihm plötzlich ihm das Steuerrad aus den Händen riss und das Fahrzeug direkt auf ein Haus zusteuerte. Der Fahrer hatte inzwischen wieder das Fahrzeug unter Kontrolle und lenkte den LKW, so dasser die Mauer des Gebäudes nur seitlich streifte. Später sagte man ihm, dass Kirows Hauptleibwächter bei dem Unfall ums Leben gekommen sei.

Warum starb er, obwohl kein anderer in dem Fahrzeug zu Schaden kam? Warum wurden die Beamten des Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten, die Kirows Hauptleibwächter begleiteten, später erschossen? Das bedeutet, dass sie jemand umbringen ließ, um alle Spuren zu verwischen.

Viele, sehr viele Umstände hiervon und andere ähnliche Fälle liegen immernoch im Dunkeln." (Nikita S. Chruschtschow: Bericht zum Parteiprogramm der KPdSU, gehalten auf dem 22. Parteitag der KPdSU, Oktober 1961, S. 111f).

Dazu Robert Conquest:

"Wieder einmal war die Erzählung nicht unvereinbar mit der Version von Jagoda und Bulanow. ...Chruschtschow wiederholte die Vorwürfe gegen Jagoda, Saporoschets und das NKWD."(Robert Conquest, 1989, S. 115f).

Jedoch, obwohl keine direkte Anklage vorgetragen wurde, bestand Chruschtschows Hetzrede darin, dass

" ... die wahre Schuld und die wahren Schuldigen noch genannt werden müssten."(Robert Conquest, 1989, ebenda, S. 115).

...und das diese von Stalin angeführt wurden.

Stalins Tochter Swetlana verweist auf die

" ...klaren Hinweise", ..(Swetlana Allilujewa: 'Zwanzig Briefe an einen Freund', London 1968, S. 147).

...dass Stalin den Mord an Kirow organisiert hatte.

 

Die Untersuchungskommission, 1956-91

"Die Kommission nahm eine Unmenge an Beweisen auf - 200 Bände beträgt der erwähnte Umfang. Hunderte von Zeugen wurden aufgerufen, und die Kommission besaß Zugang zu sämtlichen Geheimarchiven. ...Die Kommission fuhr zu der Stelle, an der sich Borisows Unfall ereignete und hörte sich die Aussage des Fahrers an."(Robert Conquest, 1989, ebenda, S. 115).

Man muss jedoch annehmen, dass es sich als unmöglich herausstellte, den Berichtsentwurf mit der Hypothese zu vereinbaren, die von den revisionistischen Führern bevorzugt wurde, dass Stalin Kirows Ermordung organisiert hatte, denn

" ... nichts davon wurde veröffentlicht, und inoffiziell heißt es, dass der Bericht der Kommission einfach zu den Akten gelegt wurde."(Ebenda).

"Der Bericht der Kommission ist nie veröffentlicht worden."(Allan Bullock: 'Hitler und Stalin. Parallele Leben', London 1991, S. 590).

Außer der Kommission der fünfziger Jahre gab es

" ... zumindest zwei Untersuchungen in den 60iger Jahren, die der Pelsche*-und die der Schwernik*-Kommission." (J. Arch Getty & Roberta T. Manning, Hrsg.: 'Perspektiven', Cambridge 1993,S. 46).

Im Jahre 1989 wurde eine weitere Kommission - die Jakowlew-Kommission - ins Leben gerufen, die damit beauftragt war, die 'Lücken' zu füllen, die von den vorangegangenen Untersuchungen hinterlassen worden waren:

"Die Jakowlew-Kommission des Politbüros ... ernannte ein Untersuchungsteam aus Mitgliedern verschiedener Behörden, aus Personal der Generalstaatsanwaltschaft der UdSSR, der Militärstaatsanwaltschaft, dem KGB und verschiedener Archive. Zwei Jahre lang führte das Team Interviews, sah Tausende von Dokumenten durch und versuchte, alle nur möglichen Szenarios durchzuspielen. Seine Arbeit hat fünfzehn weitere Bände den dreißig-jährigen Bemühungen hinzugefügt. ...Die Satzung des Teams bestand darin, Stalins Komplizenschaft zu beweisen ... .Es gab nur wenig politischen Ansporn, ihn ungeschoren davonkommen zu lassen. Ganz im Gegenteil: Dennoch kamen die Mitglieder der Arbeitsgruppe zu dem Ergebnis, dass es in dieser Angelegenheit keine Beweisunterlagen gäbe, die objektiv Stalins Beteiligung oder eine NKWD-Beteiligung an der Organisierung und Ausführung des Kirowmordes belegen würden. Das Team schlussfolgert, dass lediglich 'einseitige, oberflächliche, nicht belegte Fakten, Gerüchte und Mutmaßungen' Stalins Komplizenschaft stützen könnten."(J. Arch Getty & Roberta T. Manning, Hrsg., ebenda, S. 46f).

Es stimmt, dass Olga Schatunowskaja

"kürzlich schrieb, dass die Kirow-Untersuchungen in den 60iger Jahren überzeugende Beweise zutage gefördert hätten, dass Stalin hinter der Ermordung stand ...und behauptete, dass Material der Untersuchungen aus dem Jahre 1960 durch die Kontrollkommission der Partei (KPK) beseitigt worden sei, um die Schlussfolgerungen aus jener Untersuchung zu revidieren."(Ebenda, S. 46).

Jedoch:

" ... 1989 überprüften Untersuchungsbeamte die Dokumente der Vorläuferkommissionen bei der KPK und dem KGB und kamen zu dem Ergebnis, dass aus den früheren Beständen nichts abhanden gekommen ist. Sie fanden auch heraus, dass Schatunowskaja als KPK-Untersuchungsbeamtin, die Chruschtschows Unterstützung besaß, damals im Jahre 1960 mit der Schlussfolgerung, dass Stalin den Mord nicht organisiert hatte, einverstanden gewesen war."(Ebenda).

 

Der Legende von Stalins Verwicklung, 1953-94

Die Legende, dass Stalin der Drahtzieher des Mordes an Kirow gewesen sei, tauchte zuerst 1953 im Westen als propagandistische Waffe im 'Kalten Krieg' auf:

"Vor dem Kalten Krieg gab es keine ernstzunehmende Autorität, die behauptet hätte, dass Stalin hinter der Ermordung (Kirows - Verf.) stand. Es war der KGB-Überläufer Alexander Orlow*, der zuerst eine solche Behauptung in seinem zweifelhaften Bericht aus dem Jahre 1953 aufstellte. Boris Nikolajewski wiederholte die Geschichte in seinen weitverbreiteten Essays aus dem Jahre 1956 (in seinem 'Brief eines alten Bolschewisten' von 1936 hatte er Stalin noch nicht beschuldigt)." (Ebenda, S. 207).

Das übliche Motiv, das der Legende beigefügt wurde, bestand darin, dass Kirow ein 'gemäßigter' politischer Gegner Stalins gewesen sei:

"Die Standardmeinung von Stalins Politik vor den Säuberungen in den 30igerJahren ergab sich aus einer mündlichen Überlieferung, die wie folgt lautet: 'Am Ende des ersten Fünfjahrplans (1932) war die Mehrheit des Politbüros dafür, den politischen Gegnern gegenüber Mäßigung und Verständigungsbereitschaft an den Tag zu legen. Diese Gruppe von stalinistischen 'Tauben' war gegen Stalins Plan, gegen ... Anhänger der 'Rjutin-Plattform' die Todesstrafezu verhängen. ... Daraufhin habe Stalin geplant, den populären Kirow beseitigen zu lassen'. Dieses Szenario der Kirowaffäre geht ausschließlich auf zwei Quellen zurück:... auf Boris J. Nikolajewski sowie NKWD-Überläufer Alexander Orlow....Praktisch alle Varianten dieser Geschichte innerhalb und außerhalb der UdSSR können auf diese beiden Darstellungen zurückgeführt werden."(Ebenda, S. 42f).

Über Orlow schreibt der revisionistische Historiker Roy Medwedew*:

"Es ist offensichtlich, dass Orlows Artikel aus dem Jahre 1956 eine plumpe Fälschung ist."(Roy Medwedew: 'Lasst die Geschichte urteilen. Die Ursachen und Folgen desStalinismus', London 1972, S. 318).

Und auch Anna Larina*, die Witwe Bucharins, schreibt über Nikolajewski:

"Ich betrachte sowohl den 'Brief eines alten Bolschewisten' als auch das Interview mit Nikolajewski als gefälschte Dokumente." (Anna Larina: 'Dies kann ich nicht vergessen. Die Memoiren von Nikolai Bucharins Frau', London 1993, S. 276).

Tatsächlich sind sich die meisten Historiker darüber einig, dass es keine Beweise dafür gibt, dass Kirow ein 'gemäßigter Politiker' war oder dass er irgendwelche Differenzen mit Stalin hatte:

"Kirow lobte tatsächlich in seiner Rede an den Parteitag von 1934 das Mittel der Zwangsarbeit seitens der Geheimpolizei und verspottete die Opposition....Kirow wurde mit Stalin identifiziert und diejenigen Teile seiner Rede, die den größten Beifall hervorriefen, waren die, in denen er Stalin pries und die Opposition beschimpfte. ... Eine sorgfältige Untersuchung von Kirows Reden und schriftlichen Äußerungen offenbart nur wenige Unterschiede zwischen seinen und Stalins Äußerungen und sowjetische Gelehrte, die sich mit verschlossenen Parteiarchiven auskennen, verspotten den Gedanken, dass Kirow ein Gemäßigter, ein Gegner Stalins oder der Chef irgendeines Blocks war.... Die Untersuchung der Kommission des Politbüros zur Rjutin-Gruppe konnte keine Beweise finden, dass Stalin 1932 ihre Hinrichtung verlangte oder dass Kirow dagegen war."(J. Arch Getty & Roberta T. Manning, Hrsg., ebenda, S. 45).

"Stalin und Kirow waren Verbündete ... und Kirows Tod war nicht Anlass für irgendeinen Politikwandel ...Es gibt nicht den geringsten Hinweis darauf, dass Kirow irgendeine besondere Parteilinie bevorzugte oder vertrat, die nicht auf Stalins Generallinie lag. ...Stalin entschied sich für Kirow, um den schwierigen Posten in der Leningrader Parteiführung einzunehmen und vertraute ihm heikle 'Feuerwehr'-Aufgaben an."(J. Arch Getty, ebenda, S. 92ff).

Paradoxerweise haben ausgerechnet die jüngst freigegebenen Dokumente, mit denen bezweckt wurde, Stalin für die Organisierung des Kirowmordes verantwortlich zumachen, im Grunde seine Nichtbeteiligung erwiesen:

"Jüngste Enthüllungen, die darauf angelegt waren, Stalins persönliche Beteiligung an der Repression aufzudecken, haben paradoxerweise Dokumente und Tatsachenbeweise erbracht, die entscheidende Bestandteile dieser Geschichte widelegen bzw. ihr widersprechen. Das traditionelle Verständnis von Stalins Motiven, Mitteln und Wegen, Kirows Ermordung zu arrangieren ... lässt sich nicht mehr mit den Quellen, die jetzt verfügbar sind, vereinbaren."(Ebenda, S. 43f).

Andere antisowjetische Überläufer stimmen dem zu: Zum Beispiel Grigori Tolkajew*

" ... war der Meinung, dass die Ermordung in Wirklichkeit das Werk von irregeleiteten jungen Oppositionellen war" ..(Ebenda, S. 207).

...und Genrich Liuschkow*,

" ... ein NKWD-Abtrünniger, der rangmäßiger über den Orlow-Beschützern stand,... äußerte gegenüber seinem japanischen Gesprächspartner, dass Stalin mit der Sache nichts zu tun hatte."(Ebenda).

Zusammengefasst ergibt sich, dass

" ... weder die Quellen, noch die Umstände, noch die Folgen des Verbrechens auf Stalins Komplizenschaft hindeuten. ... Es gibt keinen ernsthaften Grund anzunehmen, dass Stalin der Ermordung Kirows Vorschub leistete."(J. Arch Getty, ebenda, S. 210).

 

Schlussfolgerung

Sergej Kirow wurde von einer Gruppe von revisionistischen Verschwörern, die zu Recht bei ihren Prozessen in den Jahren 1936-38 für schuldig befunden wurden, ermordet.

Es gibt keine Belege dafür, dass Stalin an der Ermordung beteiligt war oder irgendein Motiv für eine solche Beteiligung gehabt haben konnte.

 

Bibliographie



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Prozessbericht: 'Der Fall des trotzkistisch-sinowjistischen terroristischen Zentrums', Moskau 1936

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Prozessbericht: 'Der Fall des antisowjetischen Blocks der Rechten und Trotzkisten', Moskau 1938

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Biographische Anmerkungen



Agranow, Jakow, revisionistischer sowjetischer Politiker, 1893-1939; stellvertretender Volkskommissar für Innere Angelegenheiten, 1921-34; stellvertretender Vorsitzender der GPU (Gossudarstwennoje polititscheskoje uprawlenje, Staatlichepolitische Verwaltung - Inlandsaufklärung); 1937 aus der KPdSU ausgeschlossen; verhaftet, angeklagt und wegen Subversion für schuldig befunden, 1937.

Bakajew, Iwan P., revisionistischer sowjetischer Politiker, 1887-1936; wegen Subversion für schuldig befunden zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, 1935; 1936 erneut angeklagt, wegen Hochverrats und für schuldig erklärt, zum Tode verurteilt und 1936hingerichtet.

Balmaschew, Stepan V., russischer Terrorist, 1881-1902; Mitglied der Sozialrevolutionären Partei; ermordete den zaristischen Innenminister Dimitri S. Sitiagin, 1853-1902;1902 erhängt.

Bucharin, Nikolai I., revisionistischer sowjetischer Politiker, 1888-1938; 1906 Mitglied der SDAPR, nach Haftentlassung Emigration nach Deutschland; 1917 Rückehr aus den USA, Chefredakteur der 'Prawda'; 1924 Mitglied des Politbüros der KP; seit 1920 im EKKI-Präsidium der Komintern; 1925 Präsident der KI; Chefredakteurder 'Iswestja'; 1929 aus dem Politbüro ausgeschlossen; 1937 Ausschluss aus der Partei und Verhaftung; angeklagt wegen Hochverrats, Verwicklung in den Anschlag gegen Lenin, Organisator von Kulakenaufständen; 1938 zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Bulanow, Pavel P., revisionistischer sowjetischer Politiker, 1895-1938; Sekretär von Jagoda, 1929-37; 1937 verhaftet; angeklagt wegen Hochverrats und für schuldig befunden; zum Tode verurteilt und hingerichtet, 1938.

Chruschtschow, Nikita S., revisionistischer sowjetischer Politiker, 1894-1971; seit 1918 Mitglied der SDAPR; 1929 Studium an der Moskauer Wirtschaftsakademie; seit 1931 Parteifunktionär in Moskau; 1935-38 Erster Sekretär der Moskauer Stadtparteiorganisation der KPdSU, B; 1938 Mitglied des Politbüros; 1938-1949 Erster Sekretär des ZK der KP, B der Ukraine; Erster Sekretär des ZK der KPdSU nach Verschwörung gegen Stalin, März 1953 und Militärputsch gegen Berija, Juli 1953; seit 1958 auch Vorsitzender des Ministerrates der UdSSR; im Oktober 1964 auf einer ZK-Sitzung von der Breschnew-Kossygin-Fraktion in der KPdSU von seinen Funktionen als Erster Sekretär 'entbunden'.

Jagoda, Genrich G., revisionistischer sowjetischer Politiker, 1891-1938; 1912-1914 Verbannung; seit 1920 in der Tscheka; 10.Juni 1934 bis 26. September 1936 Volkskommissar des Inneren, danach Volkskommissar für das Fernmeldwesen; 1937 aller Funktionen enthoben; Mitglied der Opposition in der KPdSU; organisierte Mord an dem Schriftsteller Maxim Gorki durch unsachgemäße ärztliche Behandlung; verhaftet und wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und hingerichtet, 1938.

Jakowlew, Alexander N., revisionistischer sowjetischer Politiker, 1923- ; Botschafterder UdSSR in Kanada, 1973-83; Direktor des Instituts für Weltwirtschaft und Internationale Beziehungen, 1983-86; Mitglied des Politbüros der KPdSU, 1987-90; 1990 in den Ruhestand; 1991 Austritt aus der KPdSU.

Jenukidze, Avel S., revisionistischer sowjetischer Politiker, 1977-1937; seit 1903 Mitglied der SDAPR; nach Februarrevolution 1917 Mitglied im Zentralexekutivkomitee, 1918 ihr Sekretär; 1924-1934 ZK-Mitglied; 1935 Ausschluss aus dem ZK und Versetzung in den Kaukasus; 1937 verhaftet und wegen Hochverratszum Tode verurteilt; 1956 von den Chruschtschowianer 'rehabilitiert'.

Jewdokimow, Grigori, revisionistischer sowjetischer Politiker, 1894-1936; seit 1903 Mitglied der SDAPR; Vorsitzender der politischen Abteilung der 7. Armee; 1922 Vorsitzender des Petrograder Gewerkschaftsrats; 1925 Sekretär des Leningrader Parteikomitees; Mitglied des ZK der KPdSU,B; 1927 Ausschlussaus der Partei, da Mitglied der Vereinigten Opposition; nach 'Selbstkritik' Wiederaufnahme; 1935 wegen Subversion zu einer Gefängnisstrafe verurteilt; 1936 erneut vor Gericht gestellt und wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und 1936 hingerichtet.

Kaganowitsch, Lasar M., marxistisch-leninistischer sowjetischer Politiker, 1893-1991; seit 1911 Mitglied in der SDAPR; 1924-57 Mitglied des ZK der KPdSU,B; 1925-1928 Generalsekretär der KP der Ukraine; Mitglied des Politbüros der Partei von 1930-57; 1935-37 und 1938-48 Volkskommissar für das Transportwesender UdSSR; 1937-39 Volkskommissar für die Schwerindustrie; 1942-43 Mitglied im Staatlichen Verteidigungskomitee; 1947-55 Sekretär der KP der Ukraine; Direktor der Sverdlowsker Zementwerke, 1957-60; Ausschluss aus der KPdSU wegen Zugehörigkeit zu einer 'parteifeindlichen Gruppe' auf dem Juniplenum des ZK der KPdSU 1960.

Kamenew, Lew B., revisionistischer sowjetischer Politiker, 1883-1936; seit 1901 mit Unterbrechungen Mitglied der SDAPR; 1902 Emigration nach Frankreich; 1914 verhaftet und nach Sibirien verbannt; 1917 Mitglied des ZK der KPR,B; 1918-1926 Vorsitzender des Moskauer Sowjets; 1924-26 Mitglied des EKKI der KI; Volkskommissar für Außenhandel der UdSSR, 1926-27; Ausschluss aus der Partei 1927; 1928 wieder zugelassen; 1932 erneuter Ausschluss; 1933 wiederzugelassen; 1934 erneut ausgeschlossen; 1934 Verhaftung; 1935 zu Gefängnisstrafe im Prozess gegen das Moskauer Zentrum verurteilt; erneut 1935 vor Gericht gestellt und wegen Hochverrats (direkte Beteiligung an der Ermordung Kirows) zum Tode verurteilt und hingerichtet, 1936.

Kirow, Sergej M., marxistisch-leninistischer sowjetischer Politiker, 1888-1934; seit 1904 Mitglied der SDAPR; seit 1910 Mitglied der Petersburger Parteiführung, Teilnahme an der Revolution von 1905-07; Teilnehmer am Oktoberaufstand 1917; 1920 Leiter der sowjetischen Delegation für den Friedensschluss mit Polen; seit 1923 ZK-Mitglied; seit 1930 Mitglied des Politbüros; 1934 Sekretär des ZK; auf Weisung Trotzkis von Sinowjewleuten ermordet.

Kossarew, Alexander W., revisionistischer sowjetischer Politiker, 1903-1939; 1929 Erster Sekretär des Komsomol; 1937 oder 1938 verhaftet; wegen Hochverrats1939 hingerichtet.

Kotolnjow, Iwan I., revisionistischer sowjetischer Politiker, 1905-1934; wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und hingerichtet, 1934.

Larina, Anna M., 1914- ; Frau von Nikolai Bucharin seit 1934.

Liuschkow, Genrich S., revisionistischer sowjetischer Sicherheitsbeamter, 1900-1945; zu den Japanern übergelaufen, 1938; 1945 von Japanern erschossen.

Maiski, Iwan M., revisionistischer sowjetischer Diplomat, 1884-1975; seit 1902 Mitglied der SDAPR; 1903 Mitglied der menschewistischen Partei; 1918 Parteiausschluss wegen Unterstützung konterrevolutionärer Bestrebungen; 1921 Mitglied der KPR,B; 1922-46 im diplomatischen Dienst; seit 1932 Botschafter in London; 1943-46 stellvertretender Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten; Entfernung aus dem Außenministerium, 1946; 1953 Verhaftung; 1955 von Revisionisten begnadigt. Kritisierte Stalins Rolle im 2. Weltkrieg.

Medwedew, Roy A., revisionistischer sowjetischer Historiker, 1925- ;stellvertretender Chefredakteur des Verlages für Pädagogische Literatur, 1957-61; freier Schriftsteller, ab 1971.

Molotow, Wjatscheslaw M., marxistisch-leninistischer sowjetischer Politiker zu Stalins Lebzeiten, 1890-1986; seit 1906 Mitglied der SDAPR; 1921-57 Mit-glied des ZK; 1926-57 Mitglied des Politbüros; Mitglied des EKKI der KI,1929-30; Vorsitzender des Rats der Volkskommissare, 1930-41; Volks-kommissar für Auswärtiges, Nachfolger Litwinows, 1939-46; Außenminister bis 1949, dann wieder von 1953 bis 1956; Beteiligung am konterrevolutionären, von Chruschtschowrevisionisten organisierten Militärputschgegen den Marxisten-Leninisten L. Berija, Juli 1953. 1957 aller Ämter wegen Beteiligung an einer 'parteifeindlichen Gruppe' von Revisionisten enthoben; Botschafter in der Monogolei, bis 1960; Parteiausschluss 1962; mehrere Bemühungen um Wiederaufnahme 1984 von Erfolg gekrönt.

Mrachowski, Sergej W., revisionistischer sowjetischer Politiker, 1888-1936; ausder KPdSU,B ausgeschlossen, 1927; wieder zugelassen; 1936 erneut aus-geschlossen und im gleichen Jahr verhaftet; wegen Hochverrats angeklagt,zum Tode verurteilt und hingerichtet, 1936.

Nikolajew, Leonid W., revisionistischer sowjetischer Terrorist, 1904-35; aus derPartei 1934 ausgeschlossen und nach 'Selbstkritik' wieder aufgenommen; ermordete Sergej M. Kirow 1934; wegen Hochverrats verurteilt und 1935 hingerichtet.

Orlow, Alexander, revisionistischer sowjetischer Geheimdienstoffizier, 1895-1973; lief in die Vereinigten Staaten über, 1937; Hauptquelle für Anti-Stalin-Le-genden; starb 1973 in den USA.

Pelsche, Arvid I., in Lettland geborener revisionistischer sowjetischer Politiker, 1899-1985; Erster Sekretär der KP Lettlands, 1959-66; Vorsitzender der Parteikontrollkommission der KPdSU, 1966-85; Mitglied des Politbüros bis 1985.

Pjatakow, Grigori L., revisionistischer sowjetischer Politiker, 1890-1937; seit 1910Mitglied der SDAPR; 1912 verbannt; 1917 Rückkehr nach Russland; 1921 stellvertretender Vorsitzender des Obersten Volkswirtschaftsrats; seit 1923 Mitglied der trotzkistisch-sinowjeschen Opposition; 1927 deswegen Partei-ausschluss; Wiederaufnahme 1929; 1930 Mitglied des ZK, stellvertretender Volkskommissar für die Schwerindustrie; 1936 verhaftet, Ausschluss aus der Partei wegen Sabotageakten; 1937 wegen Hochverrats angeklagt und zum Tode verurteilt; 1937 hingerichtet.

Radek, Karl B., revisionistischer sowjetischer Politiker, 1885-1939; 1907 nach Deutschland; Mitglied der SPD und als Journalist in der Partei tätig; 1914 in die Schweiz; Teilnahme an den Konferenzen von Zimmerwald und Kiental 1915 bzw. 1916; 1919 Ausweisung aus Deutschland; 1919 in Abwesenheit ins ZK der KPR,B gewählt (bis 1924); Sekretär der KI, 1920-24; seit 1923 Mitglied der trotzkistischen Opposition in der KPdSU,B; 1923 im Auftrag der KI nach Deutschland, desorientiert die KPD in der Märzaktion, die daraufhin mit einer Niederlage endet; 1927 Ausschluss aus der KPdSU; 1931 nach 'Selbstkritik' Wiederaufnahme; 'Prawda'-Redakteur; 1936 wegen Mitgliedschaft im 'Parallelen antisowjetischen trotzkistischen Zentrum' verhaftet; wegen Subversion für schuldig befunden und zu zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt; von Mithäftlingen im Lager umgebracht, 1939; von Gorbatschow 1988 'rehabilitiert'.

Rykow, Alexej I., revisionistischer sowjetischer Politiker, 1881-1938; 1898 Mitglied der SDAPR; 1917 Mitglied des ZK der KPR,B; Volkskommissar für Innere Angelegenheiten, 1918-21; Vorsitzender des Obersten Wirtschaftsrats,1923/24; 1924-29 Mitglied des EKKI der KI; Vorsitzender des Rats der Volkskommissare nach Lenins Tod, 1924-30; seit 1928 einer der Führer der rechten Opposition in der KPdSU,B; Verlust aller Ämter 1930 und Par-teiausschluss; endgültiger Ausschluss erst 1937; Verhaftung 1937 und wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und 1938 hingerichtet.

Schdanow, Andrej A., marxistisch-leninistischer sowjetischer Politiker, 1890- 1948; seit 1915 Mitglied der SDAPR, seit 1934 ZK-Sekretär sowie Sekretär des Leningrader Gebiets- und Stadtkomitees der KPdSU,B; Nachfolger Kirows; ab 1939 Mitglied des Politbüros; Mitglied des EKKI bis 1943; Vorsitzender des Kominformbüros von 1947 bis zu seiner Ermordung durch ärztliche Falschbehandlung infolge eines revisionistischen Komplotts, 1948.

Scheljabow, Andrej I., russischer Terrorist, 1851-81; Mitglied von 'Volkswille'; einerder Organisatoren der Ermordung von Zar Alexander II, 1855-81.

Schwernik, Nikolai M., revisionistischer sowjetischer Gewerkschaftsführer und Politiker, 1888-1970; seit 1905 Mitglied der SDAPR; seit 1921 Gewerk-schaftsfunktionär und Mitglied der Arbeiter- und Bauerninspektion; 1925 Mitglied des ZK; 1939 Mitglied des Politbüros; 1935 Delegierter der UdSSR auf dem 7. Weltkongress der KI; 1946-53 Vorsitzender des Präsidiumsdes Obersten Sowjets; 1953-56 Vorsitzender des Zentralrats der sowjetischen Gewerkschaften; bis 1966 im Politbüro und Vorsitzender der Par-teikontrollkommission.

Sedow, Leon, revisionistischer sowjetischer Politiker, 1905-38; Sohn Trotzkis; 1928 nach Deutschland; Redakteur von 'Bulletin der Opposition', 1928-38; Verbindungsmann Trotzkis in Deutschland bis 1933; nach Frankreich 1933; starb 1938 in Frankreich.

Sinowjew, Grigori J., revisionistischer sowjetischer Politiker, 1883-1936; seit 1901 Mitglied der SDAPR; 1912 Mitglied des ZK; Teilnehmer an den Konferenzen von Zimmerwald und Kiental 1915 bzw. 1916; Vorsitzender des Petrograder Sowjets, 1917-26; 1919-26 Vorsitzender des EKKI der KI; 1921 bis 1926 Mitglied des Politbüros; 1927 Ausschluss aus der Partei; 1928 nach 'Selbstkritik' wieder zugelassen; erneut 1932 ausgeschlossen; 1933 Wiederaufnahme; 1934 erneuter Ausschluss und Verhaftung; 1935 wegen Beteiligungam Kirowmord zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt; 1936 erneut vor Gerichtgestellt und wegen direkter Beteiligung an der Ermordung Kirows zum Tode verurteilt und hingerichtet, 1936.

Smirnow, Iwan N., revisionistischer sowjetischer Politiker, 1881-1936; aus der Partei 1927 ausgeschlossen; 1930 wieder zugelassen; 1933 erneuter Aus-schluss, wegen Subversion angeklagt und zu Gefängnisstrafe verurteilt,1933; 1936 erneut angeklagt und wegen Hochverrats zum Tode verurteiltund 1936 hingerichtet.

Ter-Waganjan, Wagarschak A., revisionistischer sowjetischer Politiker, 1893-1936; 1936 verhaftet und wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und im gleichen Jahr hingerichtet.

Woroschilow, revisionistischer sowjetischer Politiker und Offizier, 1881-1969; 1903 Mitglied der SDAPR; Teilnahme am Aufstand in Petrograd 1917; Organisator der Tscheka, 1917; von 1921 bis 1969 im ZK; 1934-1940 Volkskommissar für Verteidigung; seit 1940 stellvertretender Vorsitzender des Rats der Volkskommissare, Befehlshaber der Partisanentruppen im Zweiten Weltkrieg; stellvertretender Ministerpräsident von 1946 bis 1953; 1952-66 Mitglied des Präsidiums des ZK der KPdSU; Mitglied des Präsidiums des Obersten Sowjets, zwischenzeitlich auch Vorsitzender, bis 1960.