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W. A. KARPINSKI



Wie der Bauer in der Sowjetunion lebt



Verlag der sowjetischen Militärverwaltung in Deutschland Berlin 1946



Inhalt



Einleitung
1. Die geschichtlichen Voraussetzungen für die Umgestaltung des alten Dorfes auf neuen Grundlagen
2. Wie die Bauern anfangs die Agrar- und Bauernfrage zulösen gedachten
3. Die einzig richtige Methode einer grundlegenden Verbesserung der Lage der Bauern
4. Die Hauptbasis des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus
5. Die Kollektivwirtschaft ökonomisch vorteilhafter als die kleine Bauernwirtschaft
6. Das "Stahlroß" der Kollektivwirtschaften
7. Maschinen- und Traktorenstationen und ihre Bedeutung im Leben und Werden der Kollektivwirtschaften
8. Der Sieg des Kollektivwirtschaftssystems
9. Grundzüge des Kollektivwirtschaftsstatuts
10. Die Verwaltung der Kollektivwirtschaften
11. Wie ist die Arbeit in den Kollektivwirtschaften organisiert?
12. Wie die Einkünfte in den Kollektivwirtschaften verteilt werden
13. Was haben die Bauern den Kollektivwirtschaften zu verdanken ?
14. Produktionsleistungen der Kollektivwirtschaften
15. Kultureller Aufstieg der Kollektivwirtschaften
16. Was die Kollektivwirtschaften dem Sowjetstaat gegeben haben
l7. Die Kollektivwirtschaften und der Krieg des Sowjetvolkes gegen Hitlerdeutschland




Einleitung

Die Bauern des zaristischen Rußlands hatten wie die Bauern anderer Länder kleine Einzelwirtschaften, in denen jeder im Schweiße seines Angesichtes auf seinem kleinen Landanteil arbeitete. Nun sind diese Bauern - Russen, Ukrainer, Weißrussen, Georgier, Kirgisen, Usbeken und alle übrigen Bauern der Sowjetunion - von der Einzelwirtschaft zu einer neuen, in der Geschichte noch nie dagewesenen Form der landwirtschaftlichen Erzeugung Übergegangen: zur kollektiven Großlandwirtschaft auf Grundlage des gesellschaftlichen Eigentums an den Produktionsmitteln und der kollektiven Arbeit. Diese Tatsache von größter geschichtlicher Bedeutung ist für jeden Leser von Interesse, um so mehr, als die neuen gesellschaftlichen Verhältnisse im Sowjetdorf allen Prüfungen des ungemein schweren und harten Krieges, der der Sowjetunion von Nazideutschland aufgezwungen würde, in Ehren standhielt, Was hat nun die Sowjetbauern zu, einer so durchgreifenden Änderung in ihrer Wirtschaft bewogen? Wie ist der Übergang von der Einzelwirtschaft zur Kollektivwirtschaft vor sich gegangen? Hat dieser Übergang von seiten der Bauern einen Verzicht auf jegliches persönliches Eigentum, auf die Hauswirtschaft, auf die Familienbeziehungen usw. gefordert? Was stellt diese neue Wirtschaftsform - Kollektivwirtschaft oder, wie sie kurz genannt wird, "Kolchos" - dar? ("Kolchos" = Abkürzung für zwei russische Worte: "kollektivnoe chosjaistwo", deutsch = Köllektivwirtschaft.) Warum verteidigten die Sowjetbauern im erbitterten Krieg gegen ~die deutsch-faschistischen Eindringlinge die Kollektivwirtschaftsordnung und den Sowjetstaat mit ~solchem Heroismus sowohl in den Reihen der Roten Armee als ,auch in den Partisanenabteilungen? Warum arbeiteten ~die Sowjetbauern im Hinterland mit einem nie dagewesenen Enthusiasmus für die Versorgung der Armee und des Landes mit allen notwendigen Nahrungsmitteln und Rohstoffen? Was haben die Kollektivwirtschaften der Bauernschaft gegeben? Welche Bedeutung haben die Kollektivwirtschaften in der Volkswirtschaft der Sowjetunion, welche Rolle spielten sie insbesondere im siegreichen Vaterländischen Krieg des Sowjetvolkes gegen Hitlerdeutschland, und welche Aufgaben erwachsen ihnen in der Nachkriegsperiode? Auf alle diese Fragen gibt der Verfasser in dieser Schrift Antwort.zurück zum Inhalt

1. Die geschichtlichen Voraussetzungen für die Umgestaltung des alten Dorfes auf neuen Grundlagen

Das alte zaristische Rußland war eines der rückständigsten Agrarländer. Es genügt, darauf hinzuweisen, daß z. B, in England die Landwirtschaft viermal besser mit moderner Ausrüstung versehen war als im zaristischen Rußland. In der Landwirtschaft waren hauptsächlich so primitive Geräte wie Hakenpflug, Sichel, Sense, Dreschflegel verbreitet. Die überwiegende Mehrzahl der Bauern fristeten ein halbes Bettlerdasein. Die äußerst schwere Lage der Bauernschaft kann man aus der Verteilung des Bodens im Lande ersehen. Im europäischen Rußland besaßen 10,5 Millionen Klein- und Zwergbauernwirtschaften 82 Millionen Hektar Land; was der Boden einer Wirtschaft durchschnittlich abwarf, reichte bei dem damaligen niedrigen technischen Niveau des Ackerbaus absolut nicht für die Ernährung einer Familie aus. 76,5 Millionen Hektar besten Bodens gehörten jedoch 30 000 Großgrundbesitzern, in der Mehrzahl Adeligen. Dies machte 2500-Hektar pro Familie aus. 700 Großgrundbesitzer besaßen durchschnittlich je 32 500 Hektar. Die Eigentümer dieser Latifundien hatten meist keine großzügigen landwirtschaftlichen Betriebe. Sie überließen ihren Boden den Bauern zur Bearbeitung unter der Bedingung der Ablieferung des halben Ernteertrages oder der Durchführung einer bestimmten Arbeit auf den Herrschaftsgütern. Millionen ruinierter Bauern waren auf diese Weise in schwerer halb leibeigener Arbeit an eine kleine Gruppe Gutsbesitzer gefesselt, die über riesige Ländereien verfügten. So-sahen die wirtschaftlichen Verhältnisse im alten russischen Dorf aus. Aus diesen Verhältnissen erwuchsen die revolutionären Bestrebungen der Bauernschaft im zaristischen Rußland, ihre ewige Suche nach Land, einem besseren Leben, nach einer gerechten Ordnung. Die Liquidierung des zaristischen Regimes in RuBland im Februar 1917 änderte in der Hauptsache nichts an der Lage im ` Dorfe. Die Provisorische Regierung, die von Februar bis zum 7. November 1917 an der Macht war, nahm das gutsherrllche Grundeigentum unter ihren Schutz. Sie schickte gegen das unzufriedene Dorf und gegen ganze Bezirke Strafexpeditionen aus, die zu Blutvergießen und noch schärferer Zuspitzung der Lage Im Dorfe führten. Die Gefängnisse der Provisorischen Regierung waren überfüllt mit Bauern -"Aufwieglern", doch dies bewirkte gerade das Gegenteil: die Bauern erblickten in der Provisorischen Regierung ihren Feind, und die Losung: Übergabe des gesamten gutsherrlichen Bodens an das Volk ohne jegliche Abfindung, - wurde zur Hauptforderung der gesamten Bauernmasse. Die Arbeiterklasse und ihre führenden Vertreter unterstützten diese gerechte Forderung. Auf diese. . Weise stärkte sich , das Bündnis der Arbeiter und Bauern und bestimmte die Erfolge der Oktoberrevolution 1913 und das ganze weitere Schicksal, des Landes. Gleich nach der Oktoberrevolution ging die Staatsmacht in die Hände der Sowjets der Arbeiter- und Bauerndeputierten über. Am 8. November 1917 nahm der Allrussische Sowjetkongreß unter begeisterten Zurufen des ganzen Saales das berühmte Bodendekret an, das von W. I. Lenin eingebracht wurde. Die Stimmung der Bauerndeputierten auf dem Kongreß brachte ein Bauer des Gouvernements Twer klar zum Ausdruck, indem er sagte, daß er Lenin, als dem .standhaftesten. Verteidiger der Bauernschaft, die ergebensten Grüße und den Dank seiner Wähler überbringe. Die Sowjetregierung, die auf dem Kongreß gewählt wurde, übergab zur Durchführung des neuen Bodengesetzes den Bauern 152,5 Millionen Hektar Land zur unentgeltlichen und fristlosen Nutzung. Die von den Kleinbauern genutzte Bodenfläche wurde im allgemeinen um das Zweieinhalbfache vergrößert. Lassen wir zum Beispiel den Bauern A. P. Tarkowalin aus dem Dorf Sansk, Schilowsker Rayon, Rjasansker Gebiet-, erzählen: "Bis zur Oktoberrevolution führten wir ein armseliges Dasein. Der Gutsbesitzer Podlasow riß allein zweimal soviel Boden an sich, als 918 Wirtschaften besaßen. Auf jeden Bauernhof entfielen im Durchschnitt eine Viertel Kuh, ein halbes Schwein und ein Schaf. Nach der Oktoberrevolution verschwand der Gutsbesitzer Podlasow, Zweieinhalbtausend Hektar erhielten die Bauern. Außerdem wurde die Bauernschaft von den kolossalen Geldund Naturalleistungen an die Gutsbesitzer für ~das gepachtete Land und von den riesigen Schulden an die Agrarbank frei. Die fälligen Zahlungen für die Bodenpacht machten für das Land im ganzen 500 Millionen Rubel im Jahre aus, die Bankschulden betrugen 1326 Millionen Rubel (in Gold gerechnet). Die Bauern waren nicht mehr gezwungen, Geld für den Ankauf oder die Pacht von Land zu sparen und sich in Schulden zu stürzen. Sie erhielten vom Sowjetstaat den Boden unentgeltlich. So erfüllte sich die ewige Sehnsucht der Bauernschaft nach Land. Die Sowjetmacht errang durch diese Maßnahmen ein ungeheures Ansehen und erwarb das Vertrauen bei den Bauernmassen, was für die Umgestaltung des Dorfes auf neuer Grundlage von größter Bedeutung war. zurück zum Inhalt

2. Wie die Bauern anfangs die Agrar- und Bauernfrage zu lösen gedachten

Es ist ein ausgezeichnetes Dokument vorhanden, in welchem die Bauern Rußlands selbst bestimmten, wie nach ihrer Meinung die "gerechteste Lösung der Bodenfrage" aussehen sollte. Diese "BauernBodenanweisung" wurde auf Grund von 242 örtlichen Entschließungen abgefaßt, die in der Gemeindeversammlung angenommen worden waren. Sie wurde in der Bauernzeitung am 19. August 1917 veröffentlicht. Wir lesen in Punkt 1 dieser' Vorschrift: Das Recht auf Privateigentum an Grund und Boden wird ein für allemal aufgehoben; es darf weder Land verkauft noch gekauft, weder in Pacht gegeben noch verpfändet oder auf irgendeine andere Weise veräußert werden. Alles Land wird unentgeltlich enteignet, verwandelt sich in Gemeingut des Volkes und geht in die Benutzung aller auf ihm Schaffenden über. Auf diese-Weise sprachen sich die Bauernmassen selbst mit aller Entschiedenheit für die Nationalisierung des ganzen Bodens aus. Die Bauern begriffen, daß bei Enteignung des Bodens der Großgrundbesitzer unter Beibehaltung des Rechtes auf Privateigentum an Grund und Boden, d. h. unter Beibehaltung des Rechtes auf freien Verkauf und Verpachtung des Landes bemittelte Personen allmählich große Grundstücke von den bedürftigen Bauern ankaufen werden. Ein bedeutender Teil der Bauern würde dadurch wieder landlos werden und es wäre im wesentlichen die alte Lage wiederhergestellt. Die Bauernschaft Rußlands, die jahrhundertelang unter der leibeigenen Unterdrückung litt, dürstete nach sozialer Gleichheit. In anderen Punkten der "Bauernanweisung" heißt es daher, "das Recht auf Bodennutzung erhalten alle Bürger des russischen Staates (ohne Unterschied des Geschlechts), die den Wunsch haben, den Boden selbst, mit Hilfe ihrer Familie oder in einer Genossenschaft zu bearbeiten: . Taglöhnerarbeit wird nicht gestattet." Der Boden wird unter den Werktätigen ausgleichend verteilt "nach der Arbeits- oder Verbrauchsnorm", d. h. nach der Zahl der arbeitsfähigen oder nach der Zahl aller vorhandenen Familienmitglieder. "Die Form der Bodenbenutzung wird vollkommen freigestellt" (Einzelwirtschaft, Gemeinwirtschaft u. a.). In diesem Projekt gab es neben absolut richtigen und durchführbaren Maßnahmen auch utopische, unerfüllbare. Die Arbeiterklasse und ihre Kommunistische Partei billigten bereits damals voll und ganz die Nationalisierung des gesamten Bodens ohne jegliche Abfindung und begrüßten warm die Bestrebungen der Bauernmassen nach sozialer Gleichheit. Gleichzeitig erklärten die Führer der Kommunistischen Partei mit aller Entschiedenheit, daß auch die ausgleichendste Bodenverteilung die soziale Ungleichheit nicht beseitigen könnte, gegen die die Bauernschaft so leidenschaftlich ankämpfe. Denn für die Wirtschaft brauche man nicht nur Land, sondern auch Produktionsmittel, Vieh, Geld usw. Diese Mittel waren jedoch unter den Bauernwirtschaften bei weitem nicht gleichmäßig verteilt. Das ist es, warum bei der kleinen Einzelwirtschaft, obwohl bei ausgleichender Bodenbenutzung, die soziale Ungleichheit unvermeidlich weiter bestehen bleibt und sich weiter entfalten wird. Denn eine wohlhabendere Wirtschaft wird es auf keinen Fall unterlassen, ihre überschüssigen Mittel dazu zu verwenden, um den minderbemittelten Bauer zu verknechten. Die Uneinigkeit zwischen der Arbeiterschaft und.der Bauernschaft in der Frage der Bodenbenutzung war damals aber nicht so wichtig, daB sie eine Trennung zwischen ihnen hätte herbeiführen können. W. I. Lenin schlug daher in seiner Rede auf dem Allrussischen Sowjetkongreß vor, die gesamte "Bauernanweisung" dem Dekret, d. h. dem Bodengesetz, einzuverleiben, was der Kongreß annahm. In der Begründung seines Vorschlags sagte W. I. Lenin: "Als demokratische Regierung können wir 'doch einen BeschluB der Volksmassen nicht umgehen, auch wenn wir mit ihm nicht einverstanden sind. Wenn die Bauern anfangen werden, dieses Dekret in der Praxis anzuwenden, bei sich zu Hause durchzuführen, so werden sie im Kampfe des Lebens selbst erkennen, wo die Wahrheit liegt." (Lenin, Sämtl. Werke, Bd. XXII, S. 22.) Und in der Tat hat das Leben den Bauern gezeigt, wo die richtige Lösung der Frage zu suchen ist. zurück zum Inhalt

3. Die einzig richtige Methode einer grundlegenden Verbesserung der Lage der Bauern

Nie zuvor haben für die Bauern so günstige Bedingungen für den Aufschwung ihrer Wirtschaft und für die Verbesserung ihrer Lebenslage bestanden wie in SowjetruBland. Neben der Übergabe.riesiger Bodenflächen an die Bauern hat der Sowjetstaat von allem Anfang an den Bauernwirtschaften große Hilfe angedeihen lassen in Form von Kreditgewährung, Organisierung der Versorgung mit landwirtschaftlicher Ausrüstung und agronomischer Betreuung. Die bedürftigsten kleinbäuerlichen Wirtschaften erhielten besonders günstige Kreditbedingungen, eine besondere Versorgung und waren vollkommen steuerfrei. Dies alles verbesserte erheblich die Lage der Bauernmassen. Die soziale Ungleichheit im Dorf nahm bedeutend ab. Nichtsdestoweniger ging in den ersten zehn Jahren nach der Oktoberrevolution in Rußland keine grundlegende Veränderung im Dorfe vor sich. Die Technik der kleinbäuerlichen Landwirtschaft, der Ernteertrag der Felder, die Viehzucht blieben im allgemeinen auf dem früheren niedrigen Niveau. Die Getreideanbaufläche und der Bruttoertrag an Getreide waren sogar geringer als im Jahre 1913. Der Warenertrag der bäuerlichen Wirtschaften, d. h, ihre Fähigkeit, ihre Produkte auf den Markt zu bringen, war gering. Nur 11 v. H. der Getreideerzeugung der Bauernwirtschaften gelangten auf den Markt, d. i. weniger als die Hälfte der entsprechenden Getreidemenge im alten Rußland. Auch die Klassenschichtung in Arme und Reiche im Dorfe blieb weiter bestehen, obwohl die Zahl der Mittelbauernwirtschaften durch Verminderung der Zahl der Kleinbauernwirtschaften einerseits und auf Kosten der Kulaken*) andererseits stark anwuchs. Dennoch gab es im Jahre 1928 bei einer Gesamtzahl von 25 Millionen Bauernwirtschaften 8,75 Millionen Kleinbauernwirtschaften, die vorwiegend durch die Verdingung ihrer Arbeitskraft existierten, und 1,25 Millionen I{ulakenwirtschaften, die fremde Arbeitskräfte auf ihren Grundstücken beschäftigten. Auf diese Weise erwies sich der Traum der Bauernmassen von einem glücklichen Leben auf Grundlage einer gleichmäßigen Verteilung von Grund und Boden zwischen den Einzelbauernwirtschafken als unerfüllbar. Die Armbauernschaft, die über ein Drittel der Bauernwirtschaften ausmachte, strebte natürlich danach, irgendeinen Ausweg aus ihrer schweren Lage zu finden. Aber auch der Mittelbauer war mit seiner Lage keineswegs zufrieden. Die Mehrzahl der mittelbäuerlichen Wirtschaften unterschied sich wenig von den kleinbäuerlichen. In einem schlechten Erntejahre, im Falle eines Unglücks in der Familie oder in seiner Wirtschaft war der Mittelbauer ruiniert und geriet in die Reihen der Armbauern. ,

*) "Kulaken" - ein russisches Wort - bezeichnet die Großhauern, welche sich durch Ausbeutung der armen Schichten der Bauernschaft bereicherten.

Welchen Ausweg aus dieser Lage fanden nun die Bauern? Hören wir die Erzählung M. I. Olenitschews, - eines Bauern aus dem Woronesher Gebiet, Dobrinsker Rayon: "Im Dezember 1919 kehrte ich aus der Roten Armee nach Hause zurück und ging an die Arbeit. Das Leben begann leichter zu werden. Man gab mir Land für fünf Esser, ich schaffte mir ein Pferd an, erwarb eine Kuh und dachte: nun, jetzt können wir zu leben beginnen! Ich wirtschaftete ein Jahr, und noch ein Jahr, und noch ein drittes ... und sah, daß nur wenig aus meiner Wirtschaft herauskommt. Im besten Jahr erntete ich 13 Doppelzentner Roggen und 8 bis 10 Doppelzentner Hafer, zusammen mit Hirse, - und das war alles. Kaum für das Essen reichte es. Mir noch Vieh anzuschaffen oder, etwaige Überschüsse zu verkaufen - davon konnte keine Rede sein. Wieder mußte man gegen die Not ankämpfen. Ringsherum jedoch kletterten die Kulaken -mit allen Mitteln in die Höhe. Das kränkte mich. Wofür haben wir dann gekämpft - dachte ich. Und als man von den Kollektivwirtschaftey zu reden begann, schmiB ich als erster meine Einzelwirtschaft hin und trat in die Kollektivwirtschaft Iljitsch' ein."*) Die besten Menschen der Bauernschaft hörten immer mehr auf die Stimme der Arbeiter, auf die Stimme der Repräsentanten der Sowjetmacht. Diese rieten den Bauern, von der kleinen, wenig ertragreichen Einzelwirtschaft zur großen kollektiven Wirtschaft überzugehen. - Nur die Kollektivwirtschaften - sagten sie - gestatten jedem Bauer, frei auf seinem Boden zu schaffen; nur die Kollektivwirtschaft gibt a 11 e n Bauern die Möglichkeit, die riesigen Vorteile großzügiger landwirtschaftlicher Erzeugung bei Anwendung der vollkommensten Maschinen und aller Errungenschaften der Wissenschaft im Ackerbau und in der Viehzucht zu genießen. Nur die Kollektivierung der bäuerlichen Wirtschaften bewahrt die Bauernmassen für immer vor Armut und Ausbeutung und schafft für alle Bauern ein gesichertes und kulturvolles Leben. Mit dem Übergang der Bauern zur kollektiven, hochproduktiven Wirtschaft werden mehr landwirtschaftliche Erzeugnisse auf den Markt gebracht werden können, und das Land wird mit Lebensmitteln und Rohstoffen vollkommen versehen sein, die unentbehrlich sind für die Entwicklung einer großen Industrie und vor allem der Schwerindustrie, die Metalle, Maschinen, Ausrüstungen und Abwehrmittel für das Land erzeugt. Dadurch wird aber eine sichere wirtschaftliche Grundlage für den ununterbrochenen Aufschwung des materiellen und kulturellen Niveaus der Volksmassen, für das Anwachsen des Reichtums und der Macht, für die Festigung der Unabhängigkeit des Sowjetstaates geschaffen.

*) Iljitsch 'St in der UdSSR der volkstümliche, besonders liebevolle Name von Lenin; die Kollektivwirtschaft "Iljitsch" war also nach Lenin benannt worden.zurück zum Inhalt


4. Die Hauptbasis des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus

Im Sowjetstaat führte das Leben selbst die Bauern zur Kollektivwirtschaft - auf den einzigen Weg, auf dem eine. grundlegende Verbesserung des Lebens der Bauernmassen möglich ist. Es galt nun eine für die Bauern am besten geeignete Art des Ubergangs von der Einzelwirtschaft zur Kollektivwirtschaft zu finden, Es galt, die richtigen Methoden der Leitung im kollektivwirtschaftlichen Aufbau von seiten der staatlichen Organe anzuwenden. Die von den Leitern des Sowjetstaates W. I. Lenin und J. W. Stalin seinerzeit gegebenen Hinweise bezüglich des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus kann man in folgenden vier Grundsätzen zusammenfassen: W. I. Lenin wies bereits im Jahre 1919 darauf hin, daB die kleinen Bauern unermüdlich Arbeitende sind: Die Sowjetmacht, als wahre demokratische Macht, kann daher keinen Zwang auf dem Gebiete der wirtschaftlichen Verhältnisse der kleinen Bauern ausüben. "Hier ist erforderlich", sagte W. I. Lenin, " . . die besonderen Lebensbedingungen des bäuerlichen Lebens berücksichtigen, um von den Bauern zu lernen auf welche Weise zu einem besseren System überzugehen und n i c h t wagen herumzukommandieren!" Der Aufbau der Kollektivwirtschaften - soll auf Basis der vollen Freiwilligkeit und nicht anders als auf Beschluß der Bauern selbst erfolgen. Nur solche Kollektivwirtschaften werden lebensfähig ~sein. Der Übergang zur Kollektivwirtschaft bedeutete eine ganze Umwälzung im Leben der Bauern. Es ist klar, daß die Bauern als praktische Leute nur dann zu dieser neuen Wirtschaftsform übergehen werden, wenn sie sie praktisch ausprobiert und sich davon überzeugt haben, daß sie vorteilhafter ist als die alte Bauernwirtschaft. Der Aufbau der Kollektivwirtschaften muß daher a u f d e r B a s i s materieller Interessiertheit der Bauern an den Vorteilen einer großen kollektiven Wirtschaft erfolgen, auf der Basis praktischer Veranschaulichung dieser Vorteile. Jede neue.Gesellschaftsordnung entsteht und festigt sich, wenn sie von seiten der Staatsmacht unterstützt wird. Dem Aufbau der Kollektivwirtschaften muß daher v o n s e i t e n d e s S o w j e t - s t a a t e s weitgehende Unterstützung durch Kredite, Maschinen, organisatorische und agronomische Hilfe erwiesen werden. Außerdem ist eine gewisse Stuf e n f o 1 g e beim Über - gang der,Bauern zur kollektivenWirtschaftsform erforderlich. Die einfachste und für den Kleinbauern zugänglichste Art des Übergangs zur neuen Wirtschaftsform ist die Genossenschaft. Diese vier Prinzipien wurden der gesamten praktischen Arbeit beim Aufbau der Kollektivwirtschaften zugrunde gelegt. Den Übergang zu den Kollektivwirtschaften bildete die weitgehende Entwicklung der Konsum-, Absatz- und Produktionsgenossenschaften. Schon 1928, also vor Beginn der massenweisen Zusammenfassung der Bauernhöfe in Kollektivwirtschaften, lag die Versorgung des Dorfes schon zu mehr als 50 v. H. in den Händen der Genossenschaften; die Beschaffung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen wurde etwa zu zwei Dritteln durch genossenschaftliche und staatliche Organe besorgt. Alle rübenbauenden Bauernwirtschaften und 95 v. H. baumwollerzeugende Bauernwirtschaften hatten sich bereits in Genossenschaften vereinigt. In den Genossenschaften zur Verarbeitung von Milchprodukten waren etwa eine Million Bauernwirtschaften erfaßt usw. In diesen Genossenschaften überzeugten sich die Bauern von den Vorteilen, die der gemeinsame Wirtschaftsbetrieb bietet, und gewöhnten sich an gemeinsame, kollektive Arbeit. Manche Bauern, die sich besonders hervortaten, nahmen auch leitende Posten in Genossenschaften ein. Mit der fortschreitenden Zusammenfassung von Bauernwirtschaften in Genossenschaften stellten sich die Bauern in gewissen Zweigen der landwirtschaftlichen Produktion (zum Beispiel der Milchproduktion) völlig auf die gemeinsame, Betriebführung ein. Damit näherten sie sich schließlich auch dem Gedanken der Vergenossenschaftlichung des Ackerbaus, d. h. den Kollektivwirtschaften. Beim Aufbau von Kollektivwirtschaften begannen die Bauern zunächst mit der gemeinsamen Bodenbearbeitung, was als die erste Stufe der Kollektivwirtschaft zu betrachten ist. In solchen Genossenschaften vereinigten sich die Bauern vornehmlich für die Zeit der Feldarbeiten; die Produktionsmittel blieben aber noch Privateigentum der Genossenschaftsmitglieder. Allmählich ging man aber zu einer komplizierteren, aber vorteilhafteren Form der Kollektivwirtschaft - zum Artel - über, in dem nicht nur die Arbeit, sondern auch die wichtigsten Produktionsmittel der Bauernwirtschaft kollektiviert sind. Der Erfolg des Kollektivwirtschaftsaufbaus war durch die weitblickende Politik der Sowjetmacht gesichert, die von Anfang an dem Aufbau der Kollektivwirtschaften das Prinzip absoluter Frei willigkeit zugrunde legte und allseitig dafür sorgte, daß die Bauern an der Errichtung von Kollektivwirtschaften unmittelbar materiell interessiert seien und daß der Ubergang von der Einzelwirtschaft zur Kollektivwirtschaft sich allmählich, stufenweise, vollziehen könne. Den in Kollektivwirtschaften sich zusammenschließenden Bauernwirtschaften ließ der Staat weitgehende Unterstützung angedeihen. zurück zum Inhalt

5. Die Kollektivwirtschaft ökonomisch vorteilhafter als die kleine Bauernwirtschaft

Daß ein Großbetrieb wirtschaftlich vorteilhafter ist als ein kleiner, ist eine Binsenwahrheit. . Die Frage, ob die neue, unbekannte Form der Großwirtschaft - die Kollektivwirtschaft - vorteilhafter ist als die kleine, dafür aber gewohnte Bauernwirtschaft, kann für den Bauern nur in der Praxis entschieden werden. Und sie wurde entgegen den Erwartungen der Feinde des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus im positiven Sinn entschieden. Bereits das bloße Zusammenlegen der üblichen bäuerlichen Produktionsmittel und der Arbeitskraft vieler Bauernwirtschaften in einer großen Wirtschaft brachte bedeutende Vorteile. Diese Zusammenlegung gestattete eine viel rationellere und bessere Ausnutzung sowohl des Inventars als auch der Arbeitskraft. Nehmen wir zum Beispiel die Frage der Pferdenutzung. Es schien, als ob der Bauer in seiner Wirtschaft sein eigenes Pferd am besten nutzt. In Wirklichkeit war dem bei weitem nicht so. In einer kleinen Bauernwirtschaft wurde das Pferd durchschnittlich für die Bodenbearbeitung und die Aussaat auf einer Landfläche von nur 4,3 Hektar benutzt. In einer Kollektivwirtschaft wurde die Leistung des Pferdes sofort bedeutend höher. Sie betrug 3,6 bis 8,3 Hektar ohne jeden Schaden für die Leistungsfähigkeit des Tieres. Früher schien es, als ob der Bauer in seiner eigenen Wirtschaft seine Arbeitskraft und die Arbeitskraft seiner Familie voll ausnutzte. Aber auch das traf durchaus nicht zu. In der kleinen Einzelwirtschaft bewältigte ein Bauer im Durchschnitt kaum 1,6 Hektar Anbaufläche, während er in den Kollektivwirtschaften 2,3 Hektar bearbeitet. Schon durch gemeinsame Nutzung der Pferde und gemeinsame Bodenbearbeitung wurde eine bedeutende Erweiterung der Anbaufläche erzielt, denn es wurde nun Brache aufgepflügt und Neuland erschlossen, was die wenig produktive Bauernwirtschaft nicht zu leisten vermochte. So vergrößerten die Kollektivwirtschaften am Fluß Choper, Gebiet Stalingrad, bereits in den ersten Jahren ihre Anbaufläche um 30, 40 oder 50 Prozent. Die Vereinigung in Kollektivwirtschaften hat schon anfangs, noch vor der massenweisen Anwendung moderner Maschinen, die Durchführung verschiedener einfacher agronomischer Maßnahmen, wie Tiefpflügen, Reihensaat, Saatenreinigung, Sortieren, Samenbeizen, möglich gemacht. Die Zusammenlegung der kleinen Grundstücke vieler Bauernwirtschaften zu einem großen Massiv verringerte bedeutend den Ausfall an Boden, der durch die zahllosen Feldraine und Wege entstand, und verminderte die nutzlose Zeitvergeudung für Fahrten von einem Grundstück zum anderen. Jeder Bauernhof bearbeitete nämlich drei bis vier Dutzend und mehr Grundstücke. Die Vereinigung der kleinen Grundstücke in ein großes Massiv eröffnete alle Möglichkeiten für eine auf wissenschaftlicher Grundlage geführte Landwirtschaft und für die Anwendung moderner Maschinen. Das Ergebnis war eine erhebliche Steigerung der Produktionsleistung in den Kollektivwirtschaften gegenüber den kleinen Bauernhöfen. Bereits im Jahre 1923 konnten die Delegierten auf dem I. Kongreß der ukrainischen Kollektivwirtschaften berichten, daß die Ernte auf den Kollektivfeldern um ein Viertel, ein Drittel und sogar um die Hälfte höher war als auf den Feldern der Kleinbauern. Man muB dabei in Betracht ziehen,. daß in den Nachkriegsjahren die bäuerliche Wirtschaft sehr heruntergekommen war. Über ein Viertel der Bauernhöfe besaßen weder die einfachsten Geräte zur Bearbeitung des Bodens, noch Pferde. Die überwiegende Mehrheit der Bauern kannte in ihren Wirtschaften keine Maschinen. Der Sowjetstaat versah jedoch die Kollektivwirtschaften mit Geräten und Maschinen unter den günstigsten Bedingungen. Dem Kleinbauern und insbesondere dem Armbauern wurden die Vorteile klar, die die Vereinigung in Kollektivwirtschaften bereits von allem Anfang an mit sich brachten. Die - ersten Kollektivwirtschaften wurden bereits im Jahre 1918 von einer Anzahl enthusiastischer Armbauern gegründet, die begriffen hatten, daß die Kollektivwirtschaften die Armbauernschaft vor der Notwendigkeit bewahren, sich als Feldarbeiter beim reichen Bauern verdingen zu müssen, und daß sie ihnen den Weg zu einem gesicherten und kulturvollen Leben eröffnen. Die ersten Kollektivwirtschaften, die über das ganze Land wie kleine Inseln verstreut waren, dienten somit als Musterbetriebe, an denen die Bauern sich mit eigenen Augen davon überzeugen konnten, daß die neue, noch nie dagewesene Form der landwirtschaftlichen Erzeugung - die Kollektivwirtschaft - nicht nur völlig durchführbar, sondern auch weit vorteilhafter für die Bauernschaft ist. Eine andere Art landwirtschaftlicher Großbetriebe waren die Sowjetwirtschaften - staatliche Fabriken für Getreide, Fleisch, Baumwolle usw. --, die aus Staatsmitteln errichtet wurden. In den Sowjetwirtschaften konnten die Bauern in der Praxis sehen, zu welchen Ergebnissen in der Landwirtschaft die Anwendung eines mächtigen Maschinenpärks, die Durchführung agronomischer Maßnahmen und die gemeinsame, richtig organisierte Arbeit zahlreicher Arbeitskräfte führen. Die große mechanisierte Sowjetwirtschaft "Gigant" besuchten zum Beispiel allein in den Jahren 1929 bis 1931 über 120 000 Bauerndelegierten, die Dutzende, ja sogar Hunderte von Kilometern weit hergereist kamen. Die Sowjetwirtschaften erwiesen den Bauern direkte Betriebsund organisatorische Hilfe beim Aufbau der Kollektivwirtschaften. Sie halfen ihnen mit ihrem Inventar die Kollektivfelder pflügen und die Ernte einbringen, stellten ihnen Sortensaatgut und Rassenjungvieh zur Verfügung, schickten ihnen ihre Agronomen und richteten in den Sowjetwirtschaften Kurse zur Ausbildung von Fachkräften für die Kollektivwirtschaften ein. In den Sowjetwirtschaften wurden die Bauern zum erstenmal mit der Anwendung der Traktoren und Traktoren-Anhängegeräte bekannt, was von außerordentlich großer Bedeutung für die weiteren Erfolge des Aufbaus der Kollektivwirtschaften war. zurück zum Inhalt

6. Das "Stahlroß" der Kollektivwirtschaften

In einer alten russischen Sage ist von einem Zauberpferd die Rede, das mühelos, im Handumdrehen, jeden Befehl seines Herrn ausführt. Der alte sehnliche Bauernwunsch, der in dieser Sage seinen Niederschlag gefunden hat, ist nun in Erfüllung gegangen. Der russische Bauer besitzt nun sein Zauberpferd - sein "Stahlroß", wie er den Traktor zu nennen pflegt. Als in den Dörfern, die nie zuvor eine derartige Maschine gesehen hatten, die ersten Traktoren auftauchten, wurden sie von alt und jung wie ein wahres Wunder bestaunt. Scharenweise strömten die Bauern herbei, von nah und fern kamen sie, um mit eigenen Augen zu sehen, wie die wunderbare Maschine flink und mühelos Dinge verrichtete, für die man eine Unmenge von Pferden benötigt hätte. Alle befühlten und betasteten den Traktor, alle liefen hinter ihm her, prüften und untersuchten, wie tief er den Boden aufzulockern vermochte, rechneten nach, wieviel Hektar er im Laufe des Tages aufpflügen könnte. Der Traktorenführer wurde mit zahllosen Fragen bestürmt: "Wird er auch Brache bewältigen können?" "Wieviel Petroleum mag er verschlingen?" "Wieviel kostet solch eine Maschine?" Und als die Bauern erfuhren, wieviel ein Traktor kostete, seufzten sie und räusperten sich nachdenklich. So kam es, daß der Traktor, wie ein gewandter Agitator, aufs eindringlichste für den Gedanken der Kollektivwirtschaft warb. Es war, als wenn er zu den Bauern spräche: "Schaut mal, was diese Maschine zu leisten vermag! Wenn jeder von euch nur seinen eigenen Hof bewirtschaftet, kann er sich natürlich keinen Traktor kaufen, und wenn er ihn auch hätte, - was könnte ein Traktor auf solch einer engen Scholle, wo er sich nicht einmal frei bewegen kann, anfangen. Wollt ihr einen Traktor benutzen, so müßt ihr eben eure Grundstücke zu einem einzigen großen Kollektivfeld vereinigen." So schien der Traktor zu sprechen, und jeder Bauer, der gesunden Menschenverstand besaß, konnte sich ausrechnen, was man aus einem Traktor herauszuholen vermag. Wieviel Land kann der Bauer im Laufe des Tages besäen, wenn er ohne Maschinen arbeitet? Nicht mehr als drei Hektar. Der Traktor nebst Sämaschine besät aber 18 bis 20 Hektar täglich. Das bedeutet, daß er die Arbeit des Bauern um das Sechs- bis Siebenfache erleichtert und beschleunigt. Außerdem wird dabei viel Saatgut eingespart - 30 bis 40 v. H. Was leistet eine einfache Dreschmaschine mit Pferdezug im Laufe einer Stunde? Nur fünf Doppelzentner. Eine komplizierte Dreschmaschine, die vom Traktor angetrieben wird, leistet hingegen bis 30 Doppelzentner in der Stunde und beschleunigt somit die Arbeit um das Sechsfache. Was kann der Bauer beim Kartoffelsetzen leisten, wenn er bloß mit der Hand arbeitet? Etwa 0,2 Hektar vermag er im Laufe des Tages zu bewältigen. Benutzt er aber einen Traktor nebst Kartoffelpflanzmaschine, so geht die Arbeit 50mal schneller vonstatten, und im Laufe des Tages werden bis 10 Hektar bewältigt. Kein Wunder, daß nun von den Bauern Tausende von Bestellungen auf Traktoren einliefen. Allerorts wurden solche Anmeldungen entgegengenommen, wobei die Besteller gleich eine gewisse Anzahlung zu leisten hatten. Nachstehend ein Auszug aus der, Entschließung, die in einer Bauernversammlung im Dorf Sarino, Rayon Isdeschkowo, Gebiet Smolensk, im Mai 1925 gefaßt wurde: "Es ist unser größter Wunsch, unser Ziel, einen Traktor zu erwerben ... und eine Maschinengenossenschaft zu organisieren, die wir Sarja' (,Morgenrot') benennen wollen . . . Wir beschließen hiermit, 200 Rubel zu sammeln, die als Vorschußrate eingezahlt werden sollen." In der ersten Zeit schafften sich einzelne Kollektivwirtschaften je einen oder zwei Traktoren an. Es stellte sich aber bald heraus, daß eine derartige Zersplitterung des Traktorenbestandes äußerst unzweckmäßig ist und die technische Bedienung der Maschinen erschwert. Zudem sind außer dem Traktor auch verschiedene andere Maschinen und Geräte als Anhänger erforderlich, die in den Kollektivwirtschaften n5cht vorhanden waren. Um von den Traktoren in den Kollektivwirtschaften möglichst zweckr.aäßig Gebrauch zu machen, bedurfte es einer besonderen Einrichtung, die alsbald im Zuge der Entwicklung der Kollektivwirtschaften ins Leben gerufen wurde. zurück zum Inhalt

7. Maschinen- und Traktorenstationen und ihre Bedeutung im Leben und Werden der Kollektivwirtschaften

1927 wurde in der Sowjetwirtschaft "Taras Schewtschenko" in der Ukraine eine besondere Traktorenkolonne gebildet. Sie sollte den Bauern, die sich in Kollektivwirtschaften zusammenschlossen, bei der Arbeit helfen. Der Versuch war von glänzendem Erfolg gekrönt. Die Traktorenkolonne war der erste Ansatz zur Schaffung von Maschinen- und Traktorenstationen, die 1929 auf Weisung Stalirrs allerorts zu erstehen begannen. Was sind nun eigentlich diese Maschinen- und Traktorenstationen, die man kurzweg MTS zu nennen pflegt? Die MTS werden vom Staat organisiert und auf Staatskosten unterhalten. Sie verfügen über die neuesten technischen Einrichtungen, über Reparaturwerkstätten und eigens geschultes technisches - und landwirtschaftliches Personal. Die einzige Obliegenheit der MTS ist die Betreuung von Kollektivwirtschaften. Für sich selbst bauen die MTS kein Land an. - Auf jede MTS kommen im Durchschnitt 84 Traktoren (in 15-PSTraktoren-umgerechnet) mit einer Gesamtleistungskraft von 1200 PS, 22 Mähdrescher, 14 komplizierte Dreschmaschinen, 60 Traktorenpflüge, 13 Schälpflüge, 22 Kultivatoren, 29 Ge#reidesämaschinen für Traktorenantrieb und verschiedene andere Maschinen. Vor dem Krieg gab es in der _Sowjetunion insgesamt etwa 3000 MTS. Die MTS sind keineswegs bloß Maschinenausleihstellen. Jede MTS arbeitet für eine ganze Gruppe von Kollektivwirtschaften auf Grund eines mit ihnen eigens geschlossenen Vertrages. Im Durchschnitt bedient jede MTS etwa 30 Kollektivwirtschaften. im Vertrag, den die MTS mit jeder einzelnen Kollektivwirtschaft auf beiderseitiges Ubereinkammen abschließt, sind die gegenseitigen Verpflichtungen aufs genaueste festgelegt. Für etwaige Nichteinhaltung des Vertrages ist die betreffende Partei laut den Gesetzen verantwortlich. Die MTS übernimmt die Verpflichtung, mit ihren Maschinen und Geräten, mit Hilfe ihres technischen und landwirtschaftlichen Personals alle vertraglich vorgesehenen Arbeiten - Bodenbearbeitung, Brachepflügen, Aussaat, Erntemahd und -drusch -- zu bestimmten Zeitpunkten zu verrichten. Auch Herbststurz und Winteraussaat werden von der MTS besorgt. Dafür führt die Kollektivwirtschaft an die MTS einen gewissen Teil der Ernte des folgenden Jahres ab. Die MTS ist auch verpflichtet, der Kollektivwirtschaft ständig bei der Durchführung des Fruchtwechsels wie auch bei der Aufstellung der Produktionspläne, des Haushaltsplans, bei den Verrechnungen, der Organisation der Arbeit, der Verteilung des Einkommens der Kollektivwirtschaften und schließlich bei der Ausbildung von Spezialkräften zu helfen. Die Kollektivwirtschaft verpflichtet sich, der MTS für die landwirtschaftlichen Arbeiten ihre sämtlichen Arbeitskräfte, darunter auch Personal für die Bedienung der Traktoren und Anhänger, sowie ihr landwirtschaftliches Inventar und Zugvieh zur Verfügung zu stellen und dafür zu sorgen, daß die -Maschinen der MTS zweckmäßig zur Anwendung gelangen. Die Kollektivwirtschaft hat auch das für die Aussaat erforderliche sortierte Saatgut und Düngemittel zu liefern und alle im Vertrag vorgesehenen agronomischen Maßnahmen durchzuführen. Die von der MTS geleistete Arbeit hat die Kollektivwirtschaft in Naturalien nach den staatlich festgesetzten Normen, je nach der Höhe des Ernteertrages, zu bezahlen. Gewisse Arbeiten werden mit Geld bezahlt, Die Gebühren für die von der MTS ausgeführten Arbeiten sind nicht hoch bemessen; jedenfalls sind sie erheblich geringer als der Mehrertrag, den die Kollektivwirtschaft der Anwendung komplizierter Maschinen zu verdanken hat. ' Hier ein Beispiel, aus dem ersichtlich ist, welche Vorteile die NITS mit ihrem modernen Maschinenpark den Kollektivwirtschaften zu bieten vermögen. Der Mähdrescher, eine komplizierte Maschine, die das Getreide mäht, drischt, reinigt und sortiert, leistet, einem Raupentraktor angekoppelt, in zehn Stunden Arbeit genau so viel, wie sechs bis acht Mähmaschinen mit Pferdezug, zwei ebensolche Dreschmaschinen, mehrere Kornschwingen und Sortiermaschinen leisten. Außerdem werden mit dem Mähdrescher 1,6 Doppelzentner Korn vom Hektar eingespart. Die Brüder Ossjkin - zwei treffliche Mähdrescherführer aus der Illeker MTS, Gebiet Tschkalow - haben mit zwei an einen 60-P5-Traktor (Marke "Tsch TS", gebaut im Tscheljabinsker Traktorenwerk) gekoppelten Mähdreschern im Laufe einer Saison die Ernte von 5238 Hektar Land eingebracht. Um diese Arbeit mit einfachen Maschinen zu verrichten, wären 1637 Mann, 373 Pferde, 25 Mähmaschinen, 26 Dreschmaschinen, 25 Kornschwingen, 40 Sortiermaschinen erforderlich gewesen. Bei rein manueller Arbeitsweise hätte man 3323 Mann einsetzen müssen. In früheren Zeiten hätten sich die Bauern so enorme Vorteile, wie sie der Sowjetstaat jetzt den Kollektivwirtschaften durch die MTS bietet, nicht einmal träumen lassen. Die MTS leisten den Bauern technisch, agronomisch, organisatorisch und kulturell jeden nur denkbaren Beistand. Dabei tun die MTS auch nicht im entferntesten dem demokratischen Geist, der in den Kollektivwirtschaften herrscht, der Selbsttätigkeit der Kollektivbauernmassen Abbruch. Vielmehr regen sie immer breitere Schichten der Kollektivbauernschaft zu schöpferischer Tätigkeit an. Mit Hilfe der MTS vermag der Sowjetstaat die Bauern möglichst wirksam mit technischen Mitteln und leitendem Personal zu unterstützen, die Kollektivwirtschaften mit großzügigen maschinellen Einrichtungen zu versehen, die Produktivität der Arbeit zu steigern und die Kollektivwirtschaften organisatorisch zu festigen. Auf diese Weise wird den Bauern geholfen, binnen einer, geschichtlich gesehen, kurzen Zeitspanne die Kollektivierung ihrer Wirtschaften erfolgreich zum Abschluß zu bringen. zurück zum Inhalt

8. Der Sieg des Kollektivwirtschaftssystems

Es ist ganz natürlich, daß eine so tiefgreifende Wandlung, wie es die Umstellung von der Einzel- auf die Kollektivwirtschaft ist, sich nicht ohne Kampf, ohne Widerstand von seiten gewisser Schichten der Dorfbevölkerung vollziehen konnte. Der Weg in die Kollektivwirtschaft stand jedermann offen. Aber die Reichen im Dorfe, die Kulaken, verhielten sich schon gleich zu Anfang, als die ersten Kollektivwirtschaften ins Leben gerufen wurden, überaus feindlich und agitierten gegen die Kollektivierung der Landwirtschaft. Als nun die ersten Traktoren im Dorf auftauchten und die Bauern massenweise in Kollektivwirtschaften einzutreten begannen, erkannten die Kulaken, daß die aufblühenden Kollektivwirtschaften das privilegierte Dasein des Kulakentums bedrohten. Und so nahmen sie den Kampf gegen die Kollektivwirtschaften auf. Sie verfolgten jeden, der aktiv am Aufbau der Kollektivwirtschaften teilnahm, verübten vielfach Morde aus dem Hinterhalt, setzten Kollektivwirtschaftsscheunen in Brand, beschädigten Traktoren, Maschinen und Gerät, fügten dem Vieh Schaden zu. In ihren Versammlungen faßten nun die Bauern öfters Entschließungen über die Aussiedlung der Kulaken aus den Dörfern und ihre gerichtliche Belangung. Auch hierbei stand der Sowjetstaat den Millionenmassen der Bauern hilfreich zur Seite, strebten sie doch danach, diese neue, fortschrittliche Wirtschaftsform zu verankern. Es sei hier ein kurzer Überblick über die Entwicklung der~ Kollektivwirtschaftsbewegung in der Sowjetunion gegeben. 1918: Ein Meer von Einzelbauernwirtschaften, zwischen denen hier und da gleich Inseln vereinzelte Kollektivwirtschaften verstreut sind. 16 000 Kollektivbauernhöfe, was 0,1 v. H. der Gesamtzahl der Bauernwirtschaften bedeutet. Langsam, aber unentwegt steigt diF Zahl der Kollektivwirtschaften an. 1928: 400 000 Kollektivbauernhöfe - 1,3 v. H. der Gesamtzahl der Bauernwirtschaften. 1929 bis 1932: Unaufhaltsame Entwicklung der Kollektivwirtschaften. 15 Millionen Kollektivbauernhöfe sind bereits vorhanden. Somit sind 61,5 v. H. der Bauernhöfe in Kollektivwirtschaften zusammengeschlossen. 1933 bis 1940 - die abschließende Phase der Kollektivierung. 19,3 Millionen Kollektivbauernhöfe. Das bedeutet, daß 96,9 v. H. aller Bauernhöfe in Kollektivwirtschaften vereinigt und 99,9 v. H. der gesamten Bauernfelder kollektiviert sind. Es dürfte von Interesse sein, in die nachstehenden Ziffern Einblick zu nehmen, die die Entwicklung der Kollektivwirtschaften und zugleich die Vergrößerung des Traktorenbestandes veranschaulichen:

J A H R Prozentualer Anteil
der Kollektivbauernhöfe
an der Gesamtzahl der
Bauernwirtschaften
Leistungskraft des
Traktorenbestandes
der MTS in tausend
Pferdestärken
1929 3,9 23,9
1930 23,6 372,5
1931 52,7 848,0
1932 61,5 1077,0
1933 65,6 1758,9
1934 71,4 2753,9
1935 83,2 4281,6
1936 90,5 5856,0
1937 93,0 6679,2
1938 93,5 7437,0
1939 95,6 7943,5
1940 96,9 8224,0


Die unaufhaltsame Entwicklung der Kollektivwirtschaften setzte zugleich mit der massenweisen Verbreitung von Traktoren in den Sowjetdörfern ein. Es liegt auf der Hand, daß die maschinelle Technik eine entscheidende Rolle beim Aufbau der Kollektivwirtschaften spielte. Die Kollektivwirtschaften sind maschinisierte landwirtschaftliche Großbetriebe. Im Durchschnitt verfügt jede Kollektivwirtschaft, abgesehen von Wiesen-, Gartenland usw., über eine Anbaufläche von nahezu 500 Hektar, in den Getreidegebieten des Landes ist die Anbaufläche der Kollektivwirtschaften noch erheblich größer. So zum Beispiel beträgt die Anbaufläche einer Kollektivwirtschaft in den Gebieten Rostow und Stalingrad im Durchschnitt mehr als 2000 Hektar. In jeder Kollektivwirtschaft sind durchschnittlich 82 Bauernhöfe vereinigt. Jede Kollektivwirtschaft besitzt etwa 65 Stück Rindvieh, 28 Schweine, 113 Schafe und Ziegen, 56 Pferde und verfügt an Traktoren über 35 Pferdestärken. Mit der Umwandlung der bäuerlichen Kleinwirtschaften in große Kollektivwirtschaften haben sich die wirtschaftlichen Verhältnisse, die gesamte Gesellschaftsordnung im Dorf durchgreifend gewandelt. Schon äußerlich hat sich der Anblick des Dorfes völlig verändert. Bereits aus der Ferne erkennt man das kollektivierte Dorf an seinen hohen Silotürmen. Schaut man sich das Dorf näher an, so erblickt man vortreffliche Viehställe, Getreidescheunen,, landwirtschaftliche Maschinen und" Geräte und verschiedenartige Wirtschaftsbetriebe - Mühlen, Käsereien, Bienengärten u. a. m. In der Mitte des Dorfes aber sieht man schöne öffentliche Gebäude - Klub und Theater, Schule, Krankenhaus usw. 1928 hatte man in der Sowjetunion 25 Millionen Kleinbauern-, Mittelbauern- und Kulakenwirtschaften; jetzt sind daraus 236 000 Großwirtschaften von ganz neuer Art geworden. Der Grundsatz der Kollektivwirtschaften ist gemeinsames Eigentum an den Produktionsmitteln. Ausgebeutete arme Bauern und daneben eine Ausbeuterklasse - Kulaken -, das gibt es jetzt nicht mehr. In den Kollektivwirtschaften sind alle Mitinhaber der gemeinsamen Arbeitsgeräte, und jeder bezieht aus der gemeinsamen Wirtschaft einen gewissen Teil der Einkünfte, der nach der Quantität und Qualit~t der von ihm geleisteten Arbeit bemessen wird. In den Kollektivwirtschaften ist die alte Sehnsucht des Bauern nach sozialer Gerechtigkeit in Erfüllung gegangen. Das Gebot der 1913 abgefaßten "Bauernanweisung", wonach im Dorf keine Lohnarbeit geduldet werden darf und jede Ausbeutung des Menschen durch den Menschen ausgemerzt werden soll, ist in die Tat umgesetzt worden. Allen Bauern ist in den Kollektivwirtschaften Wohlstand und Kultur gesichert. zurück zum Inhalt

9. Grundzüge des Kollektivwirtschattsstatuts

Die gegenwärtige Form der Kollektivwirtschaft, das Artel (Artel = genossenschaftliche Gemeinschaft.), ist im Laufe der Jahre im Zuge der Organisation der Kollektivwirtschaften entstanden. Das Statut der Kollektivwirtschaften wurde mehrfach abgefaßt und abgeändert. Im Februar 1935 fand der Zweite Unionskongreß der Kollektivwirtschaften statt. Dem Kongreß wohnten 1433 Delegierte bei - Vertreter aller Zweige des kollektivwirtschaftlichen Betriebs und zugleich Angehörige von 51 Nationalitäten der Sowjetunion. An der Arbeit des Kongresses nahm J. W. Stalin teil. Der Kongreß nahm einstimmig das Musterstatut des landwirtschaftlichen Artels an, das hierauf von der Regierung bestätigt wurde. Dieses Statut wurde den Satzungen aller Kollektivwirtschaften zugrunde gelegt. Es sei hier ein Einblick in das Musterstatut der Kollektivwirtschaften gewährt.
In Artikel 1, in dem von den Zielen und Aufgaben der Kollektivwirtschaften die Rede ist, wird darauf hingewiesen, daß die Bauern des betreffenden Dorfes und Rayons sich freiwillig zu einem landwirtschaftlichen Artel zusammenschließen, um mit gemeinsamen Produktionsmitteln und gemeinsamer organisierter Arbeit eine kollektive, d. h. gesellschaftliche Wirtschaft aufzubauen, "den vollen Sieg über Not und Finsternis, über die Rückständigkeit der kleinen Einzelbauernwirtschaft zu sichern, hohe Arbeitspröduk'tivität zu erzielen" und somit alle Kollektivbauern wohlhabend zu machen.
In Artikel 2 des Statuts ist gesagt, daß der Boden, der den Kollektivwirtschaften zugeteilt ist, ihnen zu unbefristeter Nutzung überlassen wird. Jeder Kollektivwirtschaft wird eine staatliche Urkunde über unbefristete Nutzung des Bodens ausgefolgt. In der Urkunde sind die Ausmaße und Grenzen des der Kollektivwirtschaft zugeteilten Bodens genau angegeben. Verringerung der der Kollektivwirtschaft zuerkannten Landfläche ist verboten. Hingegen darf sie vergrößert werden. Diese Bestimmung wurde späterhin präzisiert und durch die Verfassung der UdSSR bekräftigt.
In Artikel 8 der Verfassung der UdSSR heißt es: "Der Boden, den die Kollektivwirtschaften innehaben, wird ihnen zu unbefristeter Nutzung, d. h. für ewig; urkundlich zuerkannt." Die Feldraine, die früher die Landanteile der Kollektivwirtschaftsmitglieder trennten - heißt es im Statut -, werden beseitigt, und alle Landanteile werden zu einem einheitlichen Landmassiv vereinigt, das dem Artel zu gemeinsamer Nutzung zur Verfügung steht. Im Statut ist genau angegeben, welche Produktionsmittel aus dem Besitz der in die Kollektivwirtschaft eintretenden Bauern gesellschaftliches Eigentum werden. Es werden vergesellschaftet: das gesamte Zugvieh, das landwirtschaftliche Inventar (Pflug, Sämaschine, Egge, Dreschmaschine, Mähmaschine), alle Vorräte an Saatgut, die Futtermittel, soweit sie für den Unterhalt des in kollektiven Besitz überführten Viehs erforderlich sind, die Wirtschaftsgebäude, die für die Artelwirtschaft notwendig sind, und, alle Betriebe zur Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse. `. Beim Eintritt des Bauern in die Kollektivwirtschaft wird der Wert seines Eigentums, das er der Kollektivwirtschaft übergibt, genau festgestellt. 50 bis 75 v. H. des Gesamtwerts dieses Eigentums werden als Mitgliedsbeitrag betrachtet.' Der Rest wird in den unteilbaren Kollektivwirtschaftsfonds abgeführt. Außerdem hat jedes Köllektivwirtschaftsmitglied einen gering bemessenen einmaligen Beitrag in bar zu entrichten, der dem unteilbaren Fonds der Kollektivwirtschäft zufließt. In die Kollektivwirtschaft kann jeder Werktätige sowohl männlichen als weiblichen Geschlechts im Alter von über 16 Jahren aufgenommen werden. , Jedes- Kollektivwirtschaftsmitglied kann auf Wunsch aus der . Kollektivwirtschaft ausscheiden. Beim Ausscheiden wird ihm der von ihm geleistete Beitrag in bar ausgezahlt. Das Grundstück, das er vor dem Eintritt in die Kollektivwirtschaft besaß, wird ihm nicht zurückgegeben, jedoch wird ihm auf Wunsch ein anderes Grundstück aus dem staatlichen Bodenfonds zuerkannt. Im Statut sind auch verschiedene Bestimmungen über die persönliche Wirtschaft der Kollektivbauern enthalten. Beim Eintritt in das Artel wird das persönliche Eigentum der Kollektivbauern nicht etwa vergesellschaftet, wie es die faschistische Propaganda mit ihren böswilligen Unterstellungen weismachen wollte: Ein so absurder Gedanke, wie es Aufhebung des persönlichen Eigentums der Bürger wäre, ist den Leitern äer Kolchosen niemals gekommen. Das persönliche Eigentum der Staatsbürger an ihrem Arbeitseinkommen und ihren Ersparnissen, an ihrem Wohnhaus, an ihrer Kuh, ihrem Kleinvieh, ihrem Geflügel, an Hauswirtschaftsund Haushaltungsgegenständen wie auch an den Gegenständen des persönlichen Bedarfs und der Bequemlichkeit und auch das Erbrecht auf das persönliche Eigentum ist in der Sowjetunion gesetzlich geschützt (Artikel 10-der Verfassung der UdSSR).
In Artikel 4 des Kollektivwirtschaftsstatuts wird das Eigentum der Kollektivwirtschaftsmitglieder aufgezählt, das der Vergesellschaftung nicht unterliegt. Diese Bestimmung ist endgültig in der Verfassung der UdSSR verankert. Artikel 7 der Verfassung besagt:
"Jeder Hof eines Mitglieds der Kollektivwirtschaft hat zum persönlichen Besitz ein angemessenes, dem Hof anliegendes Grundstück und im persönlichen Eigentum eine Hilfswirtschaft auf dem dem Hof anliegenden Grundstück, ein Wohnhaus, Vieh, Geflügel und landwirtschaftliche Geräte gemäß dem Statut der landwirtschaftlichen Kollektivwirtschaften."
Die Frage der persönlichen Wirtschaft der Kollektivbauern rief auf dem Kongreß der Kallektivwirtschaften eine lebhafte Diskussion hervor. Viele Delegierte waren der Meinung, daß man im Interesse der Entwicklung der gesellschaftlichen Wirtschaft den Umfang der persönlichen Wirtschaft der Kollektivwirtschaftsmitglieder auf ein Mindestmaß herabsetzen müsse. Dagegen wandte sich aber J. W. Stalin. Er wies darauf hin, daß man neben den gesellschaftlichen auch die'persönlichen Interessen der Kollektivbauern berücksichtigen müsse. Man müsse in Betracht ziehen, daß die gesellschaftliche Produktion noch nicht alle Zweige der Bauernwirtschaft so weit umfasse, daß der Kollektivbauer aus der Kollektivwirtschaft alles für seine Familie Erforderliche erhalten könne. "Dann ist es besser, es geradeheraus zu sagen" - erklärte Genosse Stalin -, "daß dieses oder jenes Arbeitsgebiet gesellschaftlich ist - und jenes andere - privat ... Es ist besser, wenn wir davon ausgehen, daß wir eine gemeinsame Wirtschaft haben, eine gesellschaftliche, große, entscheidend wichtige, notwendig zur Befriedigung der gesellschaftlichen Bedürfnisse, und daneben eine kleine persönliche Wirtschaft, notwendig zur' Befriedigung der persönlichen Bedürfnisse des Kolchosmitglieds. Wenn eine Familie vorhanden ist, Kinder, persönliche Bedürfnisse und Anforderungen, so kann man das nicht außer acht lassen." Außerdem wies Stalin darauf hin, daß.die Ausmaße der persönlichen Wirtschaft der Kollektivbauern je nach den Verhältnissen und dem Charakter der Landwirtschaft in den verschiedenen Gebieten des Riesenlandes festgesetzt werden müssen. Auf dem Kongreß wurde der zulässige Umfang der persönlichen Wirtschaft der Kollektivbauern bestimmt. Er ist durchaus reichlich bemessen. Das dem Hof anliegende Grundstück darf 0,25 bis 0,50 Hektar umfassen, in manchen Gebieten sogar einen ganzen Hektar. In den Ackerbaugebieten darf jeder Kollektivbauernhof zu persönlicher Nutzung eine Kuh und bis zu zwei Stück Jungvieh, ein bis zwei Mutterschweine nebst Ferkeln, bis (insgesamt) zehn Schafe und Ziegen, eine unbegrenzte Anzahl Kaninchen und Geflügel, bis zwanzig Bienenstöcke besitzen. In den Ackerbaugebieten mit gut entwickelter Viehzucht erhöhen sich diese Ziffern aufs Zwei- bis Dreifache, in den ViPhzuchtgebieten sogar aufs Vier= bis Fünffache. In den Gebieten, wo die Viehzucht nomadenartig betrieben wird, darf jeder Kollektivbauernhof zu eigener Nutzung acht bis zehn Kühe nebst Kälbern, hundert bis fünfhundert Schafe und Ziegen, bis zehn Pferde, bis acht Kamele halten. Somit ist im Artel, in dem die wichtigsten Produktionsmittel der Bauernwirtschaften vereinigt sind, die individuelle Kleinwirtschaft in gesellschaftliche Großwirtschaft umgewandelt worden. Aus dieser gemeinsamen Wirtschaft bezieht der Kollektivbauer seine Haupteinkünfte. In dieser Wirtschaft sind die wichtigsten gesellschaftlichen Interessen der Kollektivbauern verankert. Sie leistet die Gewähr für eine noch reichere und schönere Zukunft. Gleichzeitig besitzen die Kollektivbauern zu ihrer persönlichen Nutzung auch ihre eigene angemessene Hilfswirtschaft. Das Artel tut in keiner Weise dem Familienleben des Bauern, seinem gewohnten Privatleben Abbruch. Das Artel hemmt keineswegs die Entwicklung der persönlichen Neigungen und Anlagen des Bauern. Vielmehr hat die kollektivierte, die Artelwirtschaft, die denkbar günstigsten materiellen und kulturellen Voraussetzungen für ein glückliches Familienleben, für die Entwicklung der Fähigkeiten und Talente der Werktätigen im Dorf geschaffen. Im Artel sind die persönlichen Erfordernisse der Kollektivbauern aufs glücklichste mit ihren gesellschaftlichen Interessen in Einklang gebracht, und somit ist die weitere Entwicklung der Kollektivwirtschaften gesichert. Damit ist auch die Erziehung aller Kollektivbauern zu zielbewußten und tatkräftigen Mitgliedern der neuen Gesellschaft gewährleistet. zurück zum Inhalt

10. Die Verwaltung der Kollektivwirtschaften

Die Verwaltung der Kollektivwirtschaften ist nach den gleichen demokratischen Leitsätzen organisiert, die der Leitung jeder genossenschaftlichen Organisation in jedem demokratischen Lande zugrunde gelegt sind. Das höchste Verwaltungsorgan des Artels ist die Generalversammlung seiner Mitglieder, heißt es in Artikel 20 des Statuts.
In der Generalversammlung der Artelmitglieder werden aus den Reihen der Mitglieder die Verwaltung, der Vorsitzende des Artels und die Revisionskommission gewählt. In der Generalversammlung er folgt auch die Aufnahme und der Ausschluß von Artelmitgliedern, die Bestätigung des Jahresproduktionsplans und des Haushaltsplans des Artels, der Baupläne, der Leistungsnormen und der Vergütungsnormen für die geleistete Arbeit. Der Vertrag der Kollektivwirtschaft mit der MTS, der Jahresrechenschaftsbericht der Verwaltung nebst dem entsprechenden Gutachten der Revisionskommission wie auch die Berichte der Verwaltung über die wichtigsten landwirtschaftlichen Aktionen, die Ausmaße der verschiedenen gesellschaftlichen Fonds des Artels, die Beschlüsse über die Quantität der landwirtschaftlichen Erzeugnisse und die Höhe der Geldbeträge, die den Mitgliedern des Artels aus den Arteleinkünffen auszufolgen sind, werden ebenfalls in der Generalversammlung bestätigt. Die Generalversammlung bestätigt auch die innere Betriebsordnung des Artels.
In allen wichtigen Fragen treten die Beschlüsse der Verwaltung erst nach Bestätigung durch die Generalversammlung der Artelmitglieder in Kraft.
In der Generalversammlung werden die Beschlüsse durch Stimmenmehrheit (in offener Abstimmung) gefaßt. Die Generalversammlung ist beschlußfähig bei Anwesenheit von mindestens der Hälfte der gesamten Mitgliederzahl. Für Beschlußfassungen über Wahlen der Verwaltung und des Artelvorsitzenden, über die Ausmaße der Artelfonds und über den Ausschluß von Artelmitgliedern ist die Anwesenheit von mindestens zwei Dritteln der Gesamtzahl der Artelmitglieder erforderlich.
Die Artelverwaltung besteht aus fünf bis neun Mitgliedern. Sie wird für die Dauer von zwei Jahren gewählt. D i e V e r w a 1 t u n g ist das Vollzugsorgan des Artels, das der Generalversammlung verantwortlich und rechenschaftspflichtig ist, Der in der GeneralversammIung gewählte Kollektivwirtschaftsvorsitzende ist gleichzeitig auch Verwaltungsvorsitzender. Er ist verpflichtet, mindestens zweimal monatlich Sitzungen der Verwaltung anzusetzen. Der stellvertretende Vorsitzende wird von der Verwaltung aus der Zahl der Verwaltungsmitglieder auf Antrag des Vorsitzenden gewählt.
Der Vorsitzende hat die Arbeit des Artels ständig zu leiten, die Ausführung der von der Artelverwaltung gefaßten Beschlüsse zu überwachen. Die Verwaltung ernennt für die Dauer von mindestens zwei Jahren Brigadiere und Viehzuchtfarmleiter. Sie sucht auch aus der Zahl der Artelmitglieder einen geeigneten Rechnungsführer aus; der Rechnungsführer kann aber, wie andere Fachkräfte, die in der Kollektivwirtschaft gegen Lohn angestellt werden, auch von anderweitig verpflichtet werden. Alle Dokumente, die über die flusgaben des Artels Ausweis geben, werden außer vom Rechnungsführer auch vom Vorsitzenden oder einem Stellvertreter unterzeichnet.
Die Revisionskommission wird aus der Zahl der Artelmitglieder für die Dauer von vier Jahren gewählt. Sie hat die gesamte wirtschaftlich-finanzielle Tätigkeit der Verwaltung, die Erfüllung der Verpflichtungen dem Staat gegenüber, die Bezahlung der Schulden durch die Kollektivwirtschaft, den Eingang der Zahlungen von den Schuldnern zu überwachen und etwaige Fälle von Verletzung der Interessen des Artels oder seiner Mitglieder zu untersuchen. Eine umfassende Uberprüfur_g der gesamten Arbeit der Kollektivwirtschaft wird von der Rcvisionskommission viermal jährlich vorgenommen. Uber jegliche Fälle von Mißbräuchen oder Verstößen gegen das Statut oder die Betriebsordnung hat die Revisionskommission der Generalversammlung oder der Verwaltung zu berichten und entsprechende Anträge zu stellen. Uber den Jahresrechenschaftsbericht der Verwaltung hat die Kommission ein Gutachten abzugeben.. Die Protokolle der Revisionskommission werden in der Generalversammlung bestätigt. Die Revisionskommission hat der Generalversammlung über ihre gesamte Arbeit Rechenschaft abzulegen. Der Personalbestand der Revisionskommission wird vom Vollzugsausschuß des Rayonssowjets bestätigt.
Es ist also klar, daß die Verwaltung der Kollektivwirtschaften voll und ganz Sache der Mitglieder der Kollektivwirtschaft ist. Der demokratische Geist der Kollektivwirtschaften ist ein Ergebnis des wichtigsten und ausschlaggebenden Grundsatzes des Kollektivwirtschaftssystems - des Grundsatzes der Freiwilligkeit. Der demokratische Geist der Kollektivwirtschaften ist ein konkreter Ausdruck der demokratischen Grundsätze, auf denen die gesamte Gesellschaftsordnung der Sowjetunion beruht.
Nachstehend ein Beispiel, aus dem ersichtlich ist, wie sich der demokratische Geist der Kollektivwirtschaften in der Praxis auswirkt: Der Kollektivwirtschaft "Timirjasew", Rayon Gorodez, Gebiet Gorki, sind 3189 Hektar Land urkundlich zuerkannt worden. Die Kollektivwirtschaft besitzt fünf Farmen, darunter ein Gestüt, in dem Vollbluttraber gezüchtet werden. Eine große und reiche Wirtschaft. Wer verwaltet und leitet sie? Vorsitzender der Kollektivtivirtschäft ist der ortseingesessene Bauer I. A. Jemeljanow, geboren 1901 im Dorf Medwedkowo. Stellvertretender Vorsitzender ist M. K. Kusnetzow, Agrotechniker ist I. A. Warwarin, Leiter der Farmen sind E. E. Schtschegolew, N. P. Ganitschewa u, a., als Brigadiere der Feldbaubrigaden arbeiten Anna Laptewa, Jekaterina Konygina, Anna Jemelina, Leiter des Gemüsebaus ist D. E. Bytschkow. Sie alle sind ö r t - liche Bauern und Bäuerinnen. In der Zeit vom 1. Januar 1941 bis zum 1. Juni 1942 wurden 52mal Sitzungen der Kollektivwirtschaftsverwaltung einberufen, also bedeutend häufiger als im Statut vorgesehen ist. In diesen Sitzungen wurden 123 Fragen behandelt. Uber 17 Fragen erstattete der Kollektivwirtschaftsvorsitzende Bericht, über die anderen Fragen - verschiedene Verwaltungsmitglieder, Leiter der Farmen, Brigadiere, der Rechnungsführer oder einfache Kollektivbauern. Besondere Aufmerksamkeit wurde den folgenden Fragen zuteil: Verrechnung und Vergütung der geleisteten Arbeit (diese Frage wurde 15mal behandelt), laufende landwirtschaftliche Arbeiten (14mal), persönliche Erfordernisse der Kollektivbauern und andere derartige Fragen (12mal), Viehzucht (12mal), Schulung des Personals und Ernennungen (llmal), Aufnahme neuer Mitglieder (8mal), Arbeitspläne (7mal).
Aus dem Obigen ist ersichtlich, daß die Bauern unmittelbar ihre Kollektivwirtschaften verwalten. Die Sowjetgesetze schützen die Rechte der Kollektivwirtschaften. Im Falle etwaiger Verstöße gegen den Grundsatz der Wählbarkeit der Verwaltung und anderer Kollektivwirtschaftsorgane, etwaiger Einmischung in die Dispositionen über das Eigentum und den Boden der Kollektivwirtschaften u. dgl. haben sich die Schuldigen vor Gericht zu verantworten. Der Sowjetstaat ist an der Festigung der kollektivwirtschaftlichen Demokratie und der Entwicklung der Selbsttätigkeit der Kollektivbauernmasse interessiert, bietet sie doch die Gewähr für die weitere Stärkung und Entwicklung des Kollektivwirtschaftssystems und somit auch für den weiteren Aufstieg des Sowjetstaates.
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11. Wie ist die Arbeit in den Kollektivwirtschaften organisiert?

In seiner eigenen Wirtschaft arbeitet der Bauer für sich selbst, an den Erträgnissen seiner Arbeit ist er unmittelbar interessiert, und daher ist er darauf bedacht, die Arbeit seiner Familienangehörigen möglichst zweckmäßig zu organisieren.
Wie ist nun aber die Arbeit in der Kollektivwirtschaft organisiert, was spornt den Kollektivbauern an, die Produktivität seiner Arbeit zu erhöhen?
Der wichtigste Grundsatz auf dem Gebiet der Arbeit besteht in der Sowjetunion darin, daß die Arbeit je nach der Quantität und Qualität der Leistung bezahlt wird. In der Verfassung der UdSSR ist dieser Grundsatz folgendermaßen formuliert: "Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seiner Arbeitsleistung", "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen". Dieser Leitsatz ist der Organisation der Arbeit in den Kollektivwirtschaften zugrunde gelegt. Die Kollektivwirtschaftsverwaltung setzt die Vergütungsnormen für alle landwirtschaftlichen Arbeiten fest. Um das Verrechnen und Buchen der geleisteten Ärbeit zu erleichtern, werden die Arbeits leistungen nicht in Geld, sondern in besondere Einheiten umgerechnet. Diese Einheit nennt man T a g e w e r k. In den Kollektivwirtschaften gibt es nämlich keinen Arbeitslohn. Für die geleistete Arbeit erhält der Kollektivbauer einen bestimmten Teil der Einkünfte der Kollektivwirtschaft, der je nach den Erträgnissen der Produktion in der betreffenden Kollektivwirtschaft bemessen wird. Darum wird die Quantität und Qualität der Arbeitsleistungen in Tagewerke umgerechnet. Um die Jahreswende stellt die Kollektivwirtschaftsverwaltung fest, wieviel an landwirtschaftlichen Erzeugnissen und Geld für die den Kollektivbauern angerechneten Tage-werke ausgefolgt werden kann, und somit repräsentiert das Tagewerk einen realen Wert. Um die Verrechnung der geleisteten Arbeit zu erleichtern, werden alle Arbeiten in den Kollektivwirtschaften in sieben Kategorien eingeteilt. Zur ersten, d. h. zur unteren Kategorie gehören einfache Arbeiten, die keine besondere berufliche Eignung erfordern; für solche Arbeiten werden den Kollektivbauern je- 0,5 Tagewerke angerechnet. Zur siebenten, d. h. zur obersten Gruppe gehören komplizierte und schwierige Arbeiten, die hohe landwirtschaftliche Qualifikation und Erfahrung voraussetzen, wie z. B. die Bedienung des Garbenbinders oder der Mähmaschine mit Pferdezug: Solche Arbeiten werden auf zwei Tagewerke geschätzt.
Die Kollektivwirtschaftsverwaltung setzt auch die Leistungsnormen für sämtliche landwirtschaftlichen Arbeiten unter Berücksichtigung des Bestandes und der Produktivität der Maschinen, des Zustandes des' Zugviehs, der Bodenbeschaffenheit, des Saatenstandes, der Ertragfähigkeit der Samen fest. Es versteht sich, daß die Leistungsnormen in den verschiedenen Gebieten und Kollektivwirtschaften verschieden bemessen werden. So zum Beispiel ist für das Pflügen mit Zweigespann die Leistungsnorm auf 1 bis 1,5 Hektar pro Arbeitstag festgesetzt. Für die Ernteeinbringung mit Hilfe von Mähmaschinen mit Pferdezug beträgt die Leistungsnorm in manchen Kollektivwirtschaften 4 bis 6 Hektar, in anderen aber 8 bis 9 Hektar pro Arbeitstag.
Die festgesetzte Zahl der Tagewerke wird dem Hollektivbauer nur in dem Falle angerechnet, wenn er seine Leistungsnorm vollauf ausgeführt hat.' Hat er sie nicht ganz erfüllt, so werden ihm weniger Tagewerke angerechnet. Hat er sie überholt, so bekommt er entsprechend mehr. Hierbei wird aber nicht allein die Quantität, sondern auch die Qualität der Leistung berücksichtigt.
Damit die Kollektivbauern an den Erträgnissen ihrer Arbeit interessiert seien, werden für Überholung der für die betreffende Kollektivwirtschaft festgesetzten durchschnittlichen Arbeitsproduktivität noch besondere Zuschläge, ebenfalls in Tagewerke umgerechnet, gewährt. Hat zum Beispiel die Feldbaubrigade dank ihrer besonders guten Arbeit Ernteerträge eingebracht, die die für diese Kollektivwirtschaft festgesetzte Durchschnittsnorm übersteigen, hat die Viehzuchtbrigade besonders hohe Melkerträge erzielt, das Vieh besonders gut gepflegt, das gesamte Jungvieh aufgezogen, so gewährt die Kollektivwirtschaftsverwaltung diesen Brigaden zusätzlich als Prämie bis zu 10 v. H, der ihnen angerechneten Tagewerke; die einzelnen Kollektivbauern, die sich besonders hervorgetan haben, erhalten Prämien in Höhe von 15 V. 13, der Brigadier und der Farmleiter in Höhe von etwa 20 v. H. der geleisteten Tagewerke. Ist die Arbeitsproduktivität einer Brigade geringer als die Durchschnittsnorm, so werden allen ihren Mitgliedern bis 10 v. H. der von ihnen geleisteten Tagewerke abgezogen.
Sofern die Arbeitsleistung nach ihrer Quantität und Qualität vergütet wird, ist jeder Kollektivbauer unmittelbar an den Erträgnissen seiner Arbeit interessiert. Das ist einer der wichtigsten Faktoren, die den hohen Stand und die weitere Steigerung der Arbeitsproduktivität in den Kollektivwirtschaften gewährleisten.
Die wichtigste Methode der Arbeitsorganisation in den Köllektivwirtschaften ist das B r i g a d e n s y s t e m. Die Brigaden werden von der Kollektivwirtschaftsverwaltung für die einzelnen Produktionszweige geschaffen. Ihr Personalbestand ist beständig. Zu den wichtigsten Brigaden gehören die Traktorenbrigade, die Feldbaubrigade, die mit verschiedenartigem Inventar - sowohl mit Pferdezug als auch mit manuell bedienten Geräten - arbeitet, und die Viehzuchtbrigade.
Die Feldbaubrigade wird aus Mitgliedern der Kollektivwirtschaft für die Dauer von mindestens einer Fruchtwechselperiode zusammengesetzt. Jeder Brigade wird ein bestimmtes Grundstück für die gesamte Dauer der Fruchtwechselperiode zugeteilt, wobei die Brigade auf diesem Grundstück sämtliche Arbeiten zu verrichten hat. Jeder Brigade werden das erforderliche Inventar, Arbeitsvieh und die notwendigen Wirtschaftsgebäude zugewiesen. Die Feldbaubrigade besteht aus 30 bis 50 Personen in den Nichtschwarzerdegebieten, aus 60 bis 80 Personen in den Getreidegebieten. Die Viehzuchtbrigade wird für die Dauer von mindestens drei Jahren gebildet. Jeder Brigade werden eine bestimmte Anzahl Nutzvieh, das erforderliche Inventar, Zugvieh und die notwendigen Wirtschaftsgebäude zugeteilt. .
Alleiniger Leiter der Brigade ist der Brigadier, der von der Kollektivwirtschaftsverwaltung ernannt wird. Der Brigadier organisiert die Arbeit und verteilt das Inventar innerhalb der Brigade mit Berücksichtigung der beruflichen Eignung und der Fähigkeit ihrer Mitglieder, erteilt ihnen die entsprechenden Produktionsaufträge, überwacht die Ausführung der Aufträge, registriert die Arbeitsleistungen und trägt in das Arbeitsbuch des Kollektivbauern die ihm angerechneten Tagewerke ein. Die Anordnungen des Brigadiers sind für alle Mitglieder der Brigade verbindlich.
Durch Verteilung der Arbeitskräfte an die einzelnen Brigaden, denen bestimmte Produktionsmittel zugewiesen sind, ist die möglichst zweckmäßige Organisation der Arbeit in den Kollektivwirtschaften gesichert, Die Kollektivwirtschaftsverwaltung weiß jederzeit, wer diese oder jene Arbeit, und zwar zu welchem Zeitpunkt, zu verrichten hat, und jede Brigade und jedes Brigadenmitglied weiß wiederum, für welche Arbeit und für welches Inventar der Kollektivwirtschaft jeder einzelne verantwortlich ist. o Dadurch ist ebenfalls hohe und immer höhere Produktivität der Arbeit in den Kollektivwirtschaften gewährleistet. zurück zum Inhalt

12. Wie die Einkünfte in den Kollektivwirtschaften verteilt werden

Die Ausgaben der Kollektivwirtschaften werden in zwei Rubriken zusammengefaßt. Erstens Verpflichtungen dem Staat gegenüber und zweitens Betriebskosten. In die erste Rubrik gehören die landwirtschaftliche Einkommensteuer, die vom Bareinkommen der Kollektivwirtschaft abgeführt wird, ferner die Umsatzsteuer, mit denen die Hilfsbetriebe belegt werden, die Gebühren für Versicherung des Eigentums der Kollektivwirtschaft; außerdem hat die Kollektivwirtschaft dem Staat die von ihm empfangenen Darlehen zurückzuzahlen. Aus ihrem Naturaleinkommen führt die Kollektivwirtschaft einen durch das Gesetz festgelegten Teil ab, der dem Staat im Rahmen der obligatorischen Lieferungen verkauft wird. Der Erlös aus dem Verkauf landwirtschaftlicher Erzeugnisse an den Staat gehört selbstverständlich zum Bareinkommen der Kollektivwirtschaft. Die Kollektivwirtschaft erstattet dem Staat die von ihm bezogenen Saatgutdarlehen zurück.
Was die zweite Rubrik der Ausgaben anbelangt, so werden aus dem Bareinkommen der Kollektivwirtschaft laut dem Statut 12 bis 20 v. H. in den unteilbaren Kollektivwirtschaftsfonds abgeführt, der der Stärkung und dem Ausbau der Kollektivwirtschaft dient. Gewisse Beträge werden ferner für die laufenden Produktions- und Wirtschaftserfordernisse der Kollektivwirtschaft, zur Befriedigung der kulturellen und sozialen Anforderungen der Kollektivbauern, zur Deckung der Verwaltungskosten (die übrigens laut dem Statut nicht mehr als 2 v. H. betragen dürfen) ausgefolgt. Aus dem NaturalBruttoeinkommen der Kollektivwirtschaft wird ein gewisser Teil zur Vergütung für die Arbeit, die von der MTS auf Grund des mit ihr abgeschlossenen Vertrages ausgeführt wurde, verwendet. Aus dem Naturaleinkommen führt die Kollektivwirtschaft auch einen gewissen Teil in die Saatgut- und Futtermittelfonds ab sowie in den Fonds zur Versicherung gegen Mißernte, in den Fonds zur Unterstützung der vorübergehend arbeitsunfähigen Kollektivbauern, der Invaliden und Greise und schließlich in den Fonds, der dem Unterhalt der Kinderfürsorgeanstalten dient. Ein Teil der Bruttoproduktion wird an Genossenschäften oder auf dem Kollektivwirtschaftsmarkt verkauft; mit dem Erlös pflegt die Kollektivwirtschaft das erforderliche Inventar, Baumaterial u. dgl. zu erwerben.
Der gesamte Nettoertrag sowohl in Geld als auch in landwirtschaftlichen Erzeugnissen wird an die K.ollektivwirtschaftsmitglieder als Entgelt für die geleisteten Tagewerke verteilt. So verhält es sich mit der Verteilung des Einkommens in den Kollektivwirtschaften der Sowjetunion.
Welch ein Teil des Bruttoeinkommens wird zur Deckung der Ausgaben, die in die erste und zweite Rubrik fallen, verwendet, und wieviel bleibt vom Nettoeinkommen übrig, um für die geleisteten Tagewerke zur Verteilung zu gelangen?
Die Antwort auf diese Frage ergibt sich aus den folgenden zusammenfassenden durchschnittlichen Angaben über die gesamte Kollektivwirtschaft. . Zur Deckung der Ausgaben, die zur ersten Rubrik gehören, führen die Kollektivwirtschaften aus ihrem Bareinkommen im Durchschnitt 9,4 v. H. ab (darunter 0,4 v. H. zur Tilgung der Bardarlehen). Für die Ausgaben, die in die zweite Rubrik fallen, gelangen durchschnittlich 33,7 v. H. des Einkommens zur Verwendung (darunter 1,5 v. H. zur Deckung der Verwaltungsunkosten). Das Netto-Bareinkommen beträgt somit 52,9 v. H.
Aus ihrem Natural-Bruttoeinkommen (Getreide) laut denselben durchschnittlichen Angaben führen die Kollektivwirtschaften zur Deckung der in die erste Rubrik fallenden Ausgaben 13,3 v. H. ab (darunter 1,5 v. H. zur Tilgung der empfangenen Saatgutdarlehen). Die Abführungen von Naturaleinkommen, die oben als zweite Rubrik erwähnt wurden, betragen durchschnittlich 50,4 v. H. (darunter 13,9 v. H. zur Bezahlung der von der MTS geleisteten Arbeit und 4,8 v. H. an Genossenschaften und auf dem Kollektivwirtschaftsmarkt verkauft werden). Das Netto-Naturaleinkommen stellt sich somit auf 35,9 v. H.
Nachstehend einige Beispiele, die über die Verteilung des Barund Naturaleinkommens in den Kollektivwirtschaften AufschluB geben. Die Kollektivwirtschaft' "Iljitsch", Rayon Dobrinka, Gebiet Woronesh, hatte 1938 ein Brutto-Bareinkommen in Höhe von rund 660 000 Rubel zu verzeichnen. Aus diesem Betrag wu'rden 22 052 Rubel als Landwirtschaftssteuer entrichtet, 14 129 Rubel als Versicherungsgebühren und 3583 Rubel als Umsatzsteuer, mit der die Hilfsbetriebe belegt wurden. Insgesamt betrugen die Ausgaben innerhalb der ersten Rubrik 39 766 Rubel, was 6 v. H. des gesamten Bareinkommens der Kollektivwirtschaft ausmachte.
In ihren unteilbaren Fonds führte die Kollektivwirtschaft 121 730 Rubel bzw. 18,4 v. H. des Einkommens ab. Die Ausgaben zur Deckung der Produktions- und Wirtschaftserfordernisse der Kollektivwirt-schaft betrugen insgesamt 1'r6 521 Rubel bzw. 26,8 v. H. (darunte0,2 v. H. als Bezahlung für die-,von der MTS geleistete Arbeit). Für kulturelle und soziale Erfordernisse verausgabte die Kollektivwirtschaft 16 520 Rubel bzw. 2,5 v. H., zur Deckung der Verwaltungsunkosten 9054 Rubel bzw. 1,4 v. H. Insgesamt wurden im Rahmen der zweiten Rubrik 323 825 Rubel bzw. 49,1 v. H. des Bareinkommens verausgabt. Das Netto-Bareinkommen betrug somit 296 409 Rubel bzw. 44,9 v. H. Diesen Betrag zahlte die Kollektivwirtschaft den Kollektivbauern für die geleisteten Tagewerke aus, wobei für jedes Tagewerk 3 Rubel 30 Kopeken ausgefolgt wurden. Jede Kollektivbauernfamilie erhielt im Durchschnitt 2300 Rubel.
Die Kollektivwirtschaft "Tschapajew", Rayon Salsk, Gebiet Rostow, brachte 1940 insgesamt 55 018 Doppelzentner Getreide ein. Davon wurden an den Staat im Rahmen der obligatorischen Lieferungen 6330 Doppelzentner bzw. 11,5 v. H. des Bruttoertrages verkauft. Die MTS erhielt von der Kollektivwirtschaft für die geleistete Arbeit 11 422 Doppelzentner bzw. 20,8 v. H. des Bruttoertrages. In die verschiedenen Fonds führte die Kollektivwirtschaft 16 066 Doppelzentner bzw. 29,2 v. H. des Gesamtertrages ab. Außerdem wurden 8000 Doppelzentner bzw. 14,5 v. H. des Bruttoertrages an Genossenschaften verkauft. Für Ausgäben der zweiten Rubrik wurden somit 64,5 v. H. des Gesamtertrages verwendet.
Als Netto-Naturaleinkommen wurden an die Kollektivwirtschaftsmitgüeder für die geleisteten Tagewerke 13 200 Doppelzentner Getreide, d. h. 24 v. H. des Bruttoertrages, verteilt. Für jedes Tagewerk wurden 6 Kilogramm Getreide ausgefolgt. Eine fünfköpfige Familie mit zwei arbeitsfähigen Familienmitgliedern, von denen jedes mindestens 300 Tagewerke geleistet hatte, erhielt 3600 Kilogramm Getreide.
Außer Getreide erhalten die Kollektivbauern von der KollektivWirtschaft für die geleisteten Tagewerke Futtermittql für das in ihrem persönlichen Besitz befindliche Vieh; in vielen Kollektivwirtschaften werden auch Gemüse, Kartoffeln, Obst, Wein, Honig, Butter, Käse, Fleisch und Wolle ausgefolgt.
Aus den obigen Angaben ist deutlich zu erkennen, daß die Kollektivwirtschaften, um ihre Verpflichtungen dem Staat gegenüber zu erfüllen, nur einen geringen Teil ihres Einkommens zu verwenden brauchen. Die Verwaltungsunkosten nehmen einen nur ganz unbedeutenden Teil des Einkommens in Anspruch. Der Nettoertrag der Kollektivwirtschaften wird unmittelbar an die Kollektivbauern für die von ihnen geleistete Arbeit verteilt. zurück zum Inhalt

13. Was haben die Bauern den Kollektivwirtschaften zu verdanken?

Die Faschisten, die ärgsten Feinde der Sowjetunion, versuchten die Kollektivwirtschaften in Mi[ikredit zu bringen, indem sie behaupteten, die Kollektivwirtschaften hätten die Bauern zugrunde gerichtet. Hätte jemand etwas Derartiges in einer KollektivbauernvErsammlung zu behaupten versucht, so hätte er unfehlbar einen Sturm der Entrüstung entfacht. Die Kollektivbauern hätten darauf erwidert, daB noch unlängst, bevor die Kollektivierung vorgenommen wurde, etwa ein Drittel der Einzelbauernwirtschaften nicht imstande war, sich wenigstens mit Brot zu versorgen und daher die Besitzer dieser armseligen Bauernhöfe gezwungen waren, sich als Knechte auf fremden Höfen zu verdingen oder sich auf die Wanderschaft, auf die Suche nach Arbeit zu begeben.- Die Kleinwirtschaft des Einzelbauern vermochte nicht die große Masse der Mittelbauern einigermaßen zu ernähren. Der Mittelbauer war immer und ewig von schweren Sorgen bedrückt.
In allen Kollektivwirtschaften leben die Bauern in guten Verhältnissen. Es stehen ihnen Traktoren, moderne landwirtschaftliche Maschinen, Zug- und Nutzvieh, Saatgut, Futtermittel, Reservefonds u, dgl. zur Verfügung. Dem Kollektivbauer droht keine Arbeitslosigkeit und Not. Um seine Zukunft braucht er sich keine Sorgen zu machen. Was ihm selbst oder seiner Familie immer auch widerfahren mag, er ist dessen gewiß, daß die Kollektivwirtschaft unzerstörbar ist, daß sie sich von Jahr zu Jahr vergrößert und daß sie ihm in der Not helfen und für seine Kinder und seine betagten Eltern sorgen wird.
Was hat die Bauernschaft den Kollektivwirtschaften in den letzten Jahren zu verdanken gehabt? Die gesamte Aüssaatfläche der Kollektivwirtschaften hat sich in den Jahren 1932 bis 1939 von 91,5 Millionen auf 156,2 Millionen Hektar, d. h. um das 1,3fache, vergrößert. Die Bruttoproduktion der Kollektivwirtschaften ist 1932 bis 1937 wertmäßig von 6,6 Milliarden auf 12,6 Milliarden Rubel, d. h. nahezu auf das Doppelte, gestiegen. Der Rindviehbestand hat sich von 1932 bis 1939 auf das 1,7fache vergrößert, der Schweinbestand auf das 2,3fache, der Schafbestand hat sich verdreifacht. Alle Kollektivbauern haben sich für ihren persönlichen Bedarf Kühe, Schweine, Schafe, Geflügel angeschafft.
In keinem anderen Land der Welt hat die Landwirtschaft jemals einen so stürmischen Aufschwung genommen, wie ihn die kollektivierte Landwirtschaft der Sowjetunion in der kurzen Zeitspanne von nur einigen Jahren erzielt hat.
Es versteht sich, daß der Wohlstand der Kollektivbauernmasse ebenso rasch gestiegen ist. Für die geleisteten Tagewerke wurden 1937 pro Kollektivbauernhof durchschnittlich dreimal mehr Getreide und 3,5ma1 mehr Geld ausgefolgt als 1932. Auf dem Kollektivwirtschaftsmarkt haben die Kollektivwirtschaften und die einzelnen Kollektivbauern zweimal mehr landwirtschaftliche Erzeugnisse verkauft als 1932.
Der oben erwähnte Kollektivbauer Olenitschew, der mit seiner individuellen Wirtschaft seine Familie nicht einmal mit Brot zu versorgen vermochte, berichtet:
"Meine Familie besteht nun aus 14 Personen. Ich bin 54 Jahre alt. Mein jüngster Sohn ist zwei Jahre alt. Hätte ich mit meiner eigenen Wirtschaft meine ganze Familie ernähren können? Gewiß nicht. Jetzt aber sind meine Kinder satt und anständig gekleidet. Vor zwei Jahren habe ich mit meiner Familie 2292 Tagewerke geleistet. Dafür wurden mir 164 Doppelzenter Getreide und 3500 Rubel ausgefolgt. Von damals habe ich noch 49 Doppelzentner Getreide übrig. Im vergangenen Jahr erhielt ich 3 Kilogramm Getreide und 3 Rubel für jedes geleistete Tagewerk. Ich habe eine Kuh, ein Kalb, Schweine, Schafe und Geflügel."
Die Kollektivbauern sind jetzt nicht nur mit Nahrungsmitteln vollauf versorgt, sie kleiden sich auch bedeutend besser und schaffen sich auch Verschiedenes an. An Kleiderstoffen haben sich die Kollektivbauern 1938 2,8ma1 mehr gekauft als im Jahre 1933, an Schuhwerk 2,4mal mehr, ferner 4,3mal mehr Waschseife, 7mal mehr Toilettenseife, 7,8ma1 mehr Zucker. In den Dörfern sieht man jetzt solche Gegenstände, die früher bei den Bauern nur selten oder gar nicht zu finden waren: Grammophone, Radio- und Photoapparate,- Taschenund Standuhren, Nähmaschinen, Fahrräder, Klaviere.
Die Lage der Frau hat sich in den Kollektivwirtschaften durchgreifend verbessert. In den Kollektivwirtschaften ist die Frau selbständig geworden. Sie hat ihren ständigen Verdienst, ihr eigenes Arbeitsbuch, in dem die von ihr geleisteten Tagewerke vermerkt werden. Das Familienleben hat sich erheblich gebessert. In den Kollektivwirtschaftsdörfern kennt man nur Liebesheiraten, und die Ehe beruht auf gegenseitiger Achtung und Zuneigung.
In der Kollektivwirtschaft wird für die Frau ganz besonders gesorgt. Im Kollektivwirtschaftsstatut ist gesagt, daß die Frau einen Monat vor und einen Monat nach der Niederkunft von jeglicher Arbeit befreit werden muß, wobei ihr für diese Zeit die Hälfte der durchschnittlich von ihr geleisteten Tagewerke angerechnet wird. Die Kollektivwirtschaft richtet auf gesellschaftliche Kosten Kinderkrippen, -gärten und -spielplätze (besonders während der Zeit der Feldarbeiten) ein und gewährt somit der Frau die Möglichkeit, in gleicher Weise wie der Mann an der Arbeit und dem Leben der Kollektivwirtschaft teilzunehmen.
In Kollektivwirtschaften und Staatsorganen bekleiden Frauen auch leitende Posten. Hunderttausende von Frauen sind Kollektivwirtschaftsvorsitzende, Vorsitzende von Revisionskommissionen, Farmleiterinnen, Brigadierinnen, Agronominnen, Zootechnikerinnen, Feldbautechnikerinnen, Rechnungsführerinnen. So zum Beispiel sind im Gebiet Tambow 111 Frauen als Vorsitzende von Dorfsowjets, 408 Frauen als Kollektivwirtschaftsvorsitzende tätig, 3932 Frauen sind Mitglieder von Kollektivwirtschaftsverwaltungen, 3056 Frauen arbeiten als Leiterinnen von Feldbau- und Traktorenbrigaden, 2867 Frauen leiten Viehzuchtfarmen, 13 275 Frauen arbeiten als Feldbau-Gruppenführerinnen. Viele Kollektivbäuerinnen haben sich durch hervorragende Arbeitsleistungen einen Namen gemacht, wie zum Beispiel die bekannte Kollektivbäuerin A. S. Sergejewa (aus der Kollektivwirtschaft "Politotdel", Rayon Andrejewskoje, Altaigebiet), die 101,1 Doppelzentner Sommerweizen vom Hektar einbrachte und somit einen Weltrekord aufstellte, oder auch Anna Jutkina (aus der Kollektivwirtschaft "Krassny Perekop", Rayon Marünsk, Gebiet Kemerowo), die mit 1331 Doppelzentner Kartoffeln vom Hektar einen Weltrekord aufstellte und mit dem Stalinpreis ausgezeichnet . worden ist.
Es ist eine besonders bemerkenswerte Tatsache, daß in vorbildlichen Kollektivwirtschaften und sogar in ganzen Gebieten die Kollektivbauern bedeutend größere Verdienste erzielen als durchschnittlich in der gesamten Sowjetunion. Millionen von Kollektivbauernhöfen erhalten jetzt für die geleisteten Tagewerke 80 bis 245 Doppelzentner `Getreide und zehntausende Rubel. Schon 1938 hatten über 300 Kollektivwirtschaften ein Geldeinkommen von 480 000 bis 1 Million Rubel zu verzeichnen; 769 Kollektivwirtschaften hatten sogar ein Einkommen von mehr als je einer Million Rubel. So zum Beispiel hat die Kollektivwirtschaft "Stalin", Rayon Gunib, Daghestanische Republik, die nicht nur Feldbau, sondern auch Viehzucht in großem Umfang betreibt, ein Einkommen von mehr als 3 Millionen erzielt; in dieser Kollektivwirtschaft wurden für jedes geleistete Tagewerk 14 Rubel, 2,5 Kilogramm Getreide, 1 Kilogramm Fleisch, 50 Gramm Käse und verschiedene andere Nahrungsmittel ausgefolgt.
Die Kollektivbauern sind dessen gewiß, daB sie in den Kollektivwirtschaften auch fernerhin eine Fülle von landwirtschaftlichen Erzeugnissen erhalten werden und daß ihnen in Zukunft noch weitgehendere Befriedigung ihrer materiellen und geistigen Bedürfnisse gesichert ist. zurück zum Inhalt

14. Produktionsleistungen der Kollektivwirtschaften

Die unaufhaltsame Entwicklung der Kollektivwirtschaften und der steigende Wohlstand der Kollektivbauernschaften sind in erster Linie auf die enorme Steigerung der Produktivität der Arbeit in den Kollektivwirtschaften zurückzuführen.
In den Einzelbauernwirtschaften ergab ein Arbeitstag, der von dem Bauern für den Feldbau verwendet wurde, im Durchschnitt 31,1 Kilogramm Getreide. In den Kollektivwirtschaften erbringt der gleiche Arbeitsaufwand 98 Kilogramm Getreide. Das bedeutet, dafi die Produktivität der Arbeit in der Getreidewirtschaft sich um 350 v. H. erhöht. hat.
Der Leiter der Baumwollbau-Kollektivwirtschaft "Kalinin", Rayon Osch, Kirgisische Republik, Abaidula Sadikow, berichtet:
"Ich und- einige andere alte Kollektivbauern haben eines Tages interessante Berechnungen angestellt. Für die Aufzucht der Baumwollstauden auf einem Hektar Land pflegte ' der Bauer früher im Durchschnitt 150 Arbeitstage aufzuwenden. Dafür brachte er 6 bis 8 Doppelzentner Baumwolle ein. In der Kollektivwirtschaft wendet er bloß 65 Arbeitstage auf und erhält 20 bis 25 Doppelzentner Baumwolle."
Dieses erhebliche Anwachsen der Arbeitsproduktivität ist vor ,allem durch die weitgehende Anwendung moderner Maschinen in den Kollektivwirtschaften hervorgerufen worden. Dank der Vereinigung der Bauernwirtschaften in Großbetriebe ist nun allen Bauern der Sowjetunion die Möglichkeit geboten, sich moderner Maschinen ;zu bedienen. Hingegen pflegten in Deutschland in der Vorkriegszeit nur 0,2 v. H. der Bauernwirtschaften Traktoren und Motorenpflüge von geringer Leistungskraft (bis zu 16 PS) zu benutzen. Im vergesellschafteten Großbetrieb werden zudem jegliche Maschinen erheblich zweckmäßiger benutzt als in der Privatwirtschaft. So zum Beispiel werden in den Vereinigten Staaten im Durchschnitt nur 230 Hektar Getreidefelder mit dem Mähdrescher abgeerntet, ,obwohl Amerika eigentlich die Heimat dieser Maschine ist. Der amerikanische Nationalökonom Eiwin North behauptet, daß die Höchstleistung eines Mähdreschers während der Erntezeit nicht mehr als 400 Hektar betragen könne. In den Kollektivwirtschaften der Sowjetunion wird mit einem Mähdrescher die Ernte von durchschnittlich 305 Hektar eingebracht. Im Gebiet Stalingrad werden mit einem Mähdrescher 432 Hektar, im Gebiet Karaganda sogar 362 Hektar abgeerntet. Der Mähdrescherführer Furmanow aus der Atkarsker MTS, Gebiet Sarätow, hat mit einem Mähdrescher die Ernte von 2146 Hektar eingebracht, die Brüder Osskin `haben im Jahre 1939 mit zwei Mähdreschern, die an einem Traktor gekoppelt waren, 3006 Hektar je Mähdrescher geleistet.
Die gewaltige Steigerung der Arbeitsproduktivität in den Kollektivwirtschaften ist auch der zielbewußten Durchführung agronomischer Maßnahmen zu verdanken, die in einer kleinen Einzelwirtschaft niemals möglich wäre. Im wissenschaftlich organisierten Großbetrieb konnte auf das von den Vorfahren ererbte Dreifeldersystem, bei dem das Feld in drei Teile gegliedert wird - 1. Brache (meist ungedüngt), 2. Roggen, 3. Sommergetreide -, verzichtet werden. Bei Anwendung des Dreifeldersystems war der Boden :binnen kurzer Zeit erschöpft, mit Unkraut verunreinigt, und- seine Ertragfähigkeit sank erheblich. Die Kollektivwirtschaften wenden nun das Vielfeldersystem mit zweckmäßiger Fruchtfolge an. Auf diese Weise ist es vielen Kollektivwirtschaften gelungen, den Ernteertrag auf das Doppelte zu erhöhen. Die Einführung des Vielfeldersystems mit Frucht- und Grasfolge hat sich auch als ein überaus wirksames Mittel der Dürrebekämpfung in den Südostgebieten der Sowjetunion erwiesen.
In den Dürregebieten haben es die Kollektivbauern auch zuwege gebracht, so gewaltige Bewässerungsanlagen zu errichten, wie es zum Beispiel der Große Ferghana-Kanal "Stalin" (in der Usbekischen Republik) ist, dessen Gesamtlänge 2'i0 km beträgt. Diesen Kanal haben die Kollektivbauern im Rahmen einer großen freiwilligen Aktion mit vereinten Kräften in einer erstaunlich kurzen Zeitspanne - in nur 45 Tagen - gebaut. In der Usbekischen Republik haben die Kollektivwirtschaften auch noch weitere 44 Bewässerungskanäle mit einer Gesamtlänge von 1113 Kilometern fertiggestellt. In der Aserbaidshanischen Republik ist 'der 107 Kilometer lange Samur-Dewitsch-Kanal von Kollektivbauern gebaut worden. Dank diesen und noch anderen Kanälen sind Hunderttausende von Hektar Neuland der Landwirtschaft erschlossen worden.
In den Kollektivwirtschaften wird der Boden nach wissenschaftlichen Methoden mit Berücksichtigung der Besonderheiten der verschiedenen Gebiete des Landes bearbeitet. Hierbei gelangen verschiedenartige Spezialgeräte zur Anwendung. Beim Tiefpflügen wird der Boden bis zu mindestens 20 bis 22 Zentimeter (auf Rübenund Kartoffelfeldern sogar bis zu 23 bis 30 Zentimeter) aufgelockert.
Bei der Aussaat wird in den Kollektivwirtschaften meist sortiertes Saatgut verwendet. Besondere Aufmerksamkeit wird der Behandlung des Saatguts vor der Aussaat zuteil. In vielen Kollektivwirtschaften werden die Samen nicht nur gereinigt, sondern auch zweimal mit dem Trieur behandelt. Außerdem wird das Saatgut mit Chemikalien gebeizt. Weit verbreitet ist die vorherige Vernalisation der Samen nach einem vom Akademiemitglied T. D. Lyssenko empfohlenen Verfahren. Nach einer von Lyssenko erfundenen Methode werden auch die Saatkartoffeln vor dem Setzen bearbeitet. Die bekannten sibirischen Kollektivbauern Jefremow, Tschumakow, Senatow u. a, haben festgestellt, daß man durch die-Anwendung verschiedener agrotechnischer Verfahren, u. a. auch durch richtiges Verteilen der Pflanzen, bis zu 850 bis 1000 Weizenhalme auf jedem Quadratmeter Boden aufziehen kann. Diese Erfahrungen, die von vorbildlichen Kollektivbauern gemacht wurden, haben die Agronomen veranlaßt, die zuvor nach-wissenschaftlichen Berechnungen festgesetzten Aussaatnormen abzuändern.
In den Kollektivwirtschaften werden alle Arten von Düngemitteln zur Anwendung gebracht - Stallmist, Vogelmist, Fäkalien, Torf, Asche, Schlamm, Kompost. Die Belieferung der Landwirtschaft mit Kunstdünger hat sich in der Zeit von 1932 bis 1938 auf das Dreieinhalbfache erhöht. Diese Düngemittel werden in erster Linie für Industriepflanzen benutzt. Auch Behandlung des Bodens mit Kalk und Gips ist in den Kollektivwirtschaften vielfach üblich.
Das von Wissenschaftlern ausgearbeitete Düngungssystem ist von vorbildlichen Kollektivbauern erheblich verbessert worden. Statt einmaligem wird jetzt mehrmaliges Düngen geübt. Bei zweckmäßiger Auswahl der Düngemittel werden mit diesem Verfahren vortreffliche Ergebnisse erzielt. Das Jäten der Saaten und Bekämpfung der Schädlinge ist in allen Kollektivwirtschaften üblich.
Durch diese Maßnahmen ist der jahresdurchschnittliche Ernteertrag für Getreidefelder im Läufe der Fünfjahrperiode 1933 bis 1933 gegenüber dem vorhergehenden Jahrfünft von 'i,5 auf 9,1 Doppelzentner vom Hektar erhöht worden. Der Jahresdurchschnitt des Getreideertrages vom Hektar ist also um einen Doppelzentner höher als in den Vereinigten Staaten. In manchen Gebieten betrug der Getreideertrag in den Kollektivwirtschaften schon 1938 20 bis 23 Doppelzentner vom Hektar. Somit ist die in europäischen Ländern mit besonders intensivem Ackerbau übliche Höhe des hektarweisen Durchschnittsertrages nahezu erreicht. In den Einzelbauernwirtschaften war Rassevieh nirgends anzutreffen. In den kollektivwirtschaftlichen Farmen werden verschiedene Kreuzungsverfahren angewandt, und daher konnten neue Rindvieh-, Schweine- und Schafrassen gezüchtet werden, die sich durch hervorragende Qualität auszeichnen und für die örtlichen Verhältnisse besonders geeignet sind. Auch künstliche Befruchtung wird in den kollektivwirtschaftlichen Viehfarmen angewandt. Durch regelmäßige Futterpflanzenfolge, durch Aufbesserung und zweckmäßige Ausnützung der Wiesen und Weiden, durch den Bau von Silotürmen und die Anwendung des Gärverfahrens, durch Verwertung verschiedener Produktionsabfälle ist der Viehzucht in den Kollektivwirtschaften eine gute Futtermittelbasis gesichert. Die Fütterung des Viehs ist in den Kollektivwirtschaften aufs zweckmäßigste organisiert. Die Futterrationen sind auf Grund wissenschaftlicher Untersuchungen festgesetzt. Das Melken, die Aufzucht des Jungviehs wird ebenfalls aufs rationalste betrieben. Alle besonders zeitraubenden Arbeiten werden mit Hilfe mechanischer Vorrichtungen verrichtet. Tausende von Kollektivwirtschaftsfarmen haben Windmotoren, Pumpanlagen, Wasserleitungen, mechanisierte Tränkvorrichtungen, Schwebe- und Schmalspurbahnen errichtet und benutzen bei der Futterzubereitung, bei der Schafschur und beim Melken elektrische Einrichtungen. :
Diese Maßnahmen haben beträchtlich zur Steigerung der Produktivität der Viehzucht beigetragen. So zum Beispiel ist in der Zeit von 1932 bis 1938 der Melkertrag in den Kollektivwirtschaftsfarmen um 118 v. H, gestiegen, Überall, wo Reinrassevieh oder verbesserte Viehschläge vorhanden sind, haben sich die Melkerträge sogar auf das Anderthalb- bis Zweifache erhöht. In einzelnen vorbildlichen Kollektivwirtschaften werden noch höhere Melkerträge erzielt. So zum Beispiel sind in der Kollektivwirtschaft "Stalin", Rayon Schtepowka, Gebiet Sumy, von Schwyzkühen 4555 bis 3060 Kilogramm Milch im Laufe der Laktationsperiode erzielt worden.
Solche Errungenschaften, die in den vorbildlichen Kollektiv-wirtschaften zu verzeichnen sind, lassen erkennen, daB allen Kollektivwirtschaften eine glänzende Zukunft gesichert ist. zurück zum Inhalt

15. Kultureller Aufstieg der Kollektivwirtschaften

Mit dem Aufstieg des materiellen Lebensniveaus der Kollektivbauern hat sich im Dorf auch ein kultureller Aufschwung vollzogen. Trostlose Finsternis und Unkultur herrschten in der Vorrevolutionszeit im Dorf. Vier Fünftel der Dorfbevölkerung konnten weder lesen noch schreiben. Die Volkszählung im Jahre 1939 ergab, daß in den kollektivierten Dörfern jetzt nicht einmal ein Viertel der Bevölkerung (vornehmlich hochbetagte Männer und Frauen) aus Analphabeten besteht. Die Zahl der Schulen in den Dörfern hat sich um eiia Mehrfaches vergrößert. Demgemäß ist auch die Schülerzahl gestiegen. Alle Kinder schulpflichtigen Alters besuchen die Schule.
Mit dem Sieg der Kollektivwirtschaften hat sich in den Dörfern eine wahre Umwälzung auf dem Gebiet der Kultur vollzogen. Das alte Dorf mit seiner primitiven Lebensweise ist verschwunden. Jetzt hat man überall Klubs, die zu wahren Pflanzstätten der Kultur geworden sind. Klubs werden nicht nur vom Staat, sondern auch von den Kollektivwirtschaften auf ihre eigenen Kosten gebaut. In jedem Kollektivwirtschaftsklub gibt es einen geräumigen Saal, wo Vorstellungen veranstältet werden, auch Kino, Radio, eine Bibliothek mit Tausenden von, Bänden, Lesezimmer, ein landwirtschaftliches Laboratorium, Räume für die verschiedenen Zirkel. In kleinen Dörfern hat man sogenannte Lesehütten:
In der Zeit von 1929 bis 1939 hat sich die Zahl der Klubs in den Dörfern in der ganzen Sowjetunion mehr als verdreifacht. In vielen Republiken ist sie noch- stärker angestiegen. So zum Beispiel hat sie sich in der Turkmenischen und Kirgisischen Republik um das Sechsfache erhöht. Die Zahl der Bibliotheken ist während dieser Jahre auf das Dreifache, die Zahl der Lichtspieltheater auf das 4,5fache, die Zahl der Radioübertragungsstellen auf das 148fache gestiegen.
Ein besonders beredter Beweis des kulturellen Aufstiegs der Kollektivwirtschaften sind die Dorftheater, in denen örtliche Amateure, mitunter aber auch aus der Stadt eingeladene Schauspieler auftreten: Im Laufe von zehn Jahren hat sich die Zahl der Dorftheater auf das 3,25fache erhöht. In diesen Theatern werden Aufführungen in den Sprachen von 30 Völkern der Sowjetunion veranstaltet.
In früheren Zeiten waren in den Dörfern nur wenig gebildete Leute zu finden. In ganz Rußland gab es nur 2100 Agronomen. Nur ganz vereinzelte Bauern hatten die Möglichkeit, Mittelschulbildung, geschweige denn Hochschulbildung zu erwerben.
Im Laufe von nur zehn Jahren (bis 1939) hat sich die Zahl der Mittelschulen in den kollektivierten Dörfern auf das 8,Sfache, die Zahl der Schüler auf das 13fache erhöht. 250 000 Agronomen sind nun auf dem Lande tätig. Selbst Ingenieure und Techniker für Mechanisierung der Landwirtschaft, die es früher überhaupt nicht gab, sind nun im Dorf aufgetaucht. Allein in der Zeit von 1933 bis 1938 sind aus den Hochschulen 52 000, aus mittleren Lehranstalten 123 000 Spezialisten für Landwirtschaft hervorgegangen.
Millionen landwirtschaftlicher Fachleute arbeiten nun auf dem Lande. Vor dem Krieg sind im Laufe von acht Jahren 2 365 000 Traktorenführer, 522 000 Mähdrescherführer (ihre Gehilfen mit eingerechnet), 208 000 Kraftfahrer, 195 000 Maschinisten für die Bedienung von komplizierten Dreschmaschinen, 106 Ob0 Brigadiere von Traktorenbrigaden, 63 000 Spezialisten für die Bedienung von Flachszupfmaschinen, 60 000 Mechaniker und Hunderttausende anderer Fachkräfte in den Dörfern an die Arbeit gegangen.
Woher nimmt das Dorf eine solche Unmenge eigens geschulter Arbeitskräfte? Aus den Reihen seiner eigenen Bevölkerung. Die meisten Studenten der landwirtschaftlichen Hochschulen und Mittelschulen wie auch die Schüler der entsprechenden Speziallehranstalten sind Bauern. Eine große Anzahl von Landwirtschaftsspezialisten wird unmittelbar im Dorf in verschiedenen Lehrgängen, die in den MTS und den Sowjetwirtschaften veranstaltet werden, ausgebildet.
In der Kollektivwirtschaft "Iljitsch" haben die Kollektivbauern Ptschelnikow und Jemaschew ihre Söhne auf die Zootechnische Hochschule geschickt. Die Söhne der Kollektivbauern Drushinin und Kitajew sind Studenten pädagogischer und medizinischer Lehranstalten. Die Kollektivbauern Tupizki und Ptschelnik sind jetzt als Schullehrer tätig. Der Kollektivbauer Sobolew ist Direktor einer MTS, der Kollektivbauer Krassnow Gehilfe des Leiters der Woronesher Gebiets-Landabteilung usw.
Die Häuser der Kollektivbauern sind meist nach altem Muster gebaut, nur daß sie geräumiger und heller sind. Aber in diesen einfachen Bauernhäusern, die mitunter nur ein Strohdach haben, findet man die Werke russischer und anderer Schriftsteller, die Werke von Lenin und Stalin in russischer Sprache oder in die Sprache der betreffenden Völkerschaft der Sowjetunion übersetzt, Bücher über Landwirtschaft, Lehrbücher usw. Die Wände sind mit Bildnissen der beliebtesten Schriftsteller und der Leiter des Landes geschmückt. Auch Radioempfänger und Musikinstrumente sind vorhanden.
Jetzt aber werden in den Kollektivwirtschaften auch moderne Häuser gebaut. Viele Kollektivwirtschaften sind nach dem Muster moderner Siedlungen gestaltet.
In vielen Kollektivwirtschaften baut man neuerdings auch Mehrfamilienhäuser. So zum Beispiel wurde in der Kollektivwirtschaft "Iljitsch", Gebiet Woronesh, schon 1937 der Bau großer Wohnhäuser mit zwei, vier oder acht Wohnungen in Angriff genommen. Diese Häuser haben Wasserleitung und elektrisches Licht.
Die besonders fortgeschrittenen Kollektivwirtschaften wirken natürlich beispielgebend. Im Sowjetstaat sind allen Kollektivwirtschaften, der gesamten Kollektivbauernmasse unbegrenzte kulturelle Entwicklungsmöglichkeiten geboten.
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16. Was die Kollektivwirtschaften dem Sowjetstaat gegeben haben

Das Kollektivwirtschaftssystem ist erst vor verhältnismäßig kurzer Zeit entstanden, und daher ist es ganz begreiflich, daß die Kollektivwirtschaften noch so manche Mängel aufweisen. Viele Aufgaben sind noch zu lösen. Die Aussaatfläche der Kollektivwirtschaften kann noch um weitere Dutzende Millionen Hektar vergrößert, die Ernteerträge, die Produktivität des Nutzviehs können noch erheblich gesteigert werden. Auch auf dem Gebiet des Kulturaufbaus harren noch verschiedene Aufgaben ihrer Lösung. Überfluß an sämtlichen Erzeugnissen, Befriedigung aller Bedürfnisse der Kollektivbauern - das ist, in kurzen Worten gesagt, das Ziel der Kollektivwirtschaften in den nächsten Jahren.
Aber nicht allein der Bauernschaft, sondern auch dem ganzen Lande, dem gesamten Sowjetstaat haben die Kollektivwirtschaften bereits großen Nutzen gebracht.
Um die Landwirtschaft in die Bahnen einer großzügigen mechanisierten Produktion zu überführen, um das Land wirtschaftlich unabhängig zu machen, mußte man in der Sowjetunion große Industriebetriebe errichten. Es waren aber Unmengen von Nahrungsmitteln und landwirtschaftlichen Rohstoffen erforderlich, um die Befriedigung der wachsenden Stadtbevölkerung, der Fabriken und Werke zu gewährleisten: Die Einzelbauernwirtschaften brachten aber nur wenig Erzeugnisse auf den Markt (zum Beispiel nur 11 v. H. ihres Getreideertrages). Wo sollte man da Brot und Rohstoffe hernehmen?
Dank der Einführung des Kollektivwirtschaftssystems konnte diese wichtige und überaus akute Frage gelöst werden. Hier einige Ziffern, die darüber Aufschluß geben können. 1927, also in der Zeit, wo nur einzelne Kollektivwirtschaften vorhanden waren, brachte die Landwirtschaft 103 Millionen Doppelzentner Getreide auf den Markt. 1939 brachte die Landwirtschaft bereits 365,5 Millionen Doppelzentner Getreide zum Verkauf, also 3,6ma1 mehr. Aus den Baumwollwirtschaften gelangten 1927 nur 5,3 Millionen Doppelzentner Baumwolle, 1939 aber bereits 27 Millionen Doppelzentner, d. h. fünfmal mehr, zum Verkauf. Somit haben die Kollektivwirtschaften dem Lande, dem Staat Brc3t und landwirtschaftliche Rohstoffe gesichert.
Für den Bau von Industriebetrieben brauchte man Millionen von Arbeitern. Wo sollte man sie hernehmen? Durch Mechanisierung der Arbeit in den Kollektivwirtschaften konnte eine gewaltige Anzahl von Arbeitskräften freigemacht werden. 1933 wurde ausgerechnet, daB die Arbeiten, die in den Kollektivwirtschaften mit Traktoren ausgeführt wurden, 1,9 Millionen ständige Arbeitskräfte erfordert hätten. Hätten nun aber diese Arbeiten in Einzelbauernwirtschaften verrichtet werden müssen, so wären hierzu 12,8 Millionen ständige Arbeitskräfte erforderlich gewesen: Somit hat das Land durch Kollektivierung und Mechanisierung der landwirtschaftlichen Arbeiten in den Kollektivwirtschaften 10,9 Millionen Arbeitskräfte eingespart. Das bedeutet, daß dank dem Kollektivwirtschaftssystem die Frage der Versorgung der Industrie mit Arbeitskräften eine glückliche Lösung gefunden hat.
Das Kollektivwirtschaftssystem war eine unerläßliche Voraussetzung für den Aufbau einer großzügigen Industrie, der in der Sowjetunion in einer kurzen Zeitspanne durchgeführt wurde. Die Kollektivierung war somit eine unerläßliche Voraussetzung für die Industrialisierung des Landes.
Dank der Kollektivierung konnte das gesamte Land auf ganz neuen Grundlagen umgestaltet werden. Dank dem Kollektivwirtschaftssystem ist aus der Einzelbauernschaft eine ganz neuartige Bauernschaft geworden, wie sie die Geschichte bisher nicht gekannt hatte. Die Wirtschaftsbasis der Kollektivbauernschaft ist nicht Privateigentum und individuelle Arbeit, sondern kollektives, gesellschaftliches Eigentum und kollektive Arbeit. Somit kennzeichnen sich ,beide Klassen der Sowjetgesellschaft - Arbeiter und Kollektivbauern - durch den Grundsatz des gesellschaftlichen Eigentums an den Produktionsmitteln. Die Sowjetintelligenz, deren Reihen mit Angehörigen dieser beiden Klassen aufgefüllt werden, ist somit aufs, engste mit der Arbeiterschaft und der Kollektivbauernschaft verwoben.
In der Sowjetgesellschaft gibt es nur Werktätige, deren Interessen in allem Wesentlichen vollkommen übereinstimmen. Das ist die Grundlage der unzerreißbaren moralisch-politischen Einheit der Sowjetgesellschaft, ihrer unerschütterlichen Kraft.
Dank der Einführung des Kollektivwirtschaftssystems haben sich die Wirtschaftskräfte des Landes um das Mehrfache vergrößert. Ehe die Kollektivierung der Landwirtschaft durchgeführt wurde, bildeten die staatlichen Industriebetriebe, die es noch zu entwickeln und zu vermehren galt, die wirtschaftliche Basis des Sowjetstaates. In der Landwirtschaft gab es aber nur kleine Bauernwirtschaften. Dank dem Kollektivwirtschaftssystem hat der Sowjetstaat nicht allein seine Industrie erheblich entwickelt und gefestigt, sondern sich auch in der Landwirtschaft eine starke Stütze - hochproduktive Großbetriebe, wie es die von den staatlichen MTS bedienten Kollektivwirtschaften sind ,- gesichert. Außerdem hat der Staat eine beträchtliche Anzahl von Sowjetwirtschaften - staatlichen landwirtschaftlichen Großbetrieben - geschaffen, die etwa ein Zehntel der Gesamtproduktion der Landwirtschaft ergeben.
Damit hat sich die Sowjetunion aus einem rückständigen Agrarland zu einem mächtigen Industrieland mit hochentwickelter mechanisierter Großlandwirtschaft entwickelt. Die Sowjetunion ist zu einem mächtigen Staat geworden, der seine Freiheit und Unabhängigkeit zu schützen vermag. Ein Beweis hierfür ist der vernichtende Schlag, den die Sowjetunion dem faschistischen Deutschland, von dem sie überfallen wurde, versetzt hat.

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17. Die Kollektivwirtschaften und der Krieg des Sowjetvolkes gegen Hitlerdeutschland

Jeder Krieg pflegt sich bekanntlich in der Bauernwirtschaft verheerend auszuwirken. Während des ersten Weltkrieges hat sich die Aussaatfläche in Rußland in bezug auf Getreide um 11 v. H. verringert, in bezug auf Kartoffeln um 17 v. H., in bezug auf Zuckerrüben um. 31 v. H. Besonders stark wurde die Viehzucht in Mitleidenschaft gezogen. Dadurch wurde ein starker Mangel an Proviant für die Armee und die großen Städte hervorgerufen, was wiederum traurige Folgen für die Bauernmasse, besonders aber für die Soldatenfrauen und,' -witwen hatte. Gar oft mußten sie betteln gehen.
Im Sowjetstaat ist dank dem Kollektivwirtschaftssystem die Bauernwirtschaft in diesem härtesten aller Kriege nicht etwa in Verfall gekommen, vielmehr hat sie sich weiterhin entwickelt. In den Kriegsjahren ist (wenn man von den zeitweilig vom Feind besetzten Gebieten absieht) die Getreideaussaatfläche nicht etwa zurückgegangen, sondern um 3 v. H. vergrößert worden. Das gilt besonders für Sommergetreide. So zum Beispiel wurden die Reissaaten um 22 v. H. erweitert, die Hirsefelder um 37 v. H., die Buchweizensaaten um 78 v. H. Auch die Rindviehbestände, die Schaf- und Ziegenbestände sind in den Kollektivwirtschaften nicht zurückgegangen, sondern allein im Laufe eines Jahres (bis zum 1. Januar 1943) um 11 v. H. angestiegen. In der Kirgisischen Republik haben sich die Viehbestände der Kollektivwirtschaften sogar um die Hälfte vergrößert.
Es sei hier beispielsweise die Kollektivwirtschaft "Gorki" im Altaigebiet erwähnt. Vor dem Kriege pflegten dort 960 Hektar angebaut zu werden; 1943 wurden aber 1500 Hektar besät und reiche Ernteerträge eingebracht. Vor dem Krieg besaß die Kollektivwirtschaft 120 Stück Rindvieh, jetzt sind es 226 Stück geworden; vor dem Kriege hatte die Kollektivwirtschaft 300 Schafe, 12 Mutterschweine; jetzt besitzt sie 715 Schafe und 78 Mutterschweine. Der Roten Armee hat die Kollektivwirtschaft 45 vorzügliche Pferde geliefert, und doch hat sich ihr Pferdebestand vergrößert.
Trotz aller Schwierigkeiten der Kriegszeit ist die Kollektivwirtschaft im Hinterlande der Sowjetunion in unablässigem Aufstieg und Aufschwung begriffen. Während des Krieges haben die Kollektivwirtschaften große Anlagen, die für den gesamten Staat von Bedeutung sind, erbaut, wie zum Beispiel den Großen GissarKana1. 50 000 Kollektivwirtschaften aus zwei nebeneinanderliegenden Republiken - der Tadshikischen und der Usbekischen - haben im Laufe einer kurzen Zeitspanne fünf Millionen Kubikmeter Erdarbeiten, über 29 000' Kubikmeter Beton-, Eisenbeton- und Maurerarbeiten geleistet, und am 12. September 1942 wurde der 49 Kilometer lange Kanal seiner Bestimmung übergeben und somit 33 000 Hektar fruchtbar gemacht.
Nur so bornierte Politiker, wie es die deutschen Faschisten waren, . konnten darauf rechnen, daB das Kollektivwirtschaftssystem "zusammenbrechen" würde, daB die Bauernschaft, die man angeblich "gewaltsam in die Kollektivwirtschaften hineingetrieben hatte", die Deutschen als ihre "Befreier" betrachten würden, die die Privatwirtschaft wiederherstellen könnten. Die Kollektivbauern der Sowjetunion erhoben sich aber wie ein Mann gegen die deutschen faschistischen Eindringlinge. So zum Beispiel erzählt der Kollektivbauer A. Tarkowalin aus dem Dorf Sanskoje, Gebiet Rjasan, der schon eingangs erwähnt wurde, daß er 1921, als er von der Front heimkehrte, in seinem Dorf Hunger und Not vorfand. Gemeinsam mit anderen Bewohnern seines Dorfes gründete er eine Kollektivwirtschaft, die sich zu einem großen, reichen und kulturvollen Wirtschaftsbetrieb entwickelt hat. 576 Kollektivbauernhöfe zählt diese Kollektivwirtschaft. Sie besitzt 1500 Stück Vieh, fünf Viehfarmen, Silotürme. Sie verfügt über Traktoren, Mähdrescher und sechs Kraftwagen. Scheunen und Lagerräume sind bis an -den Rand mit Korn und anderem Gut gefüllt. In der Mitte des Dorfes sind das Klubgebäude, das für 600 Besucher berechnet ist, Bibliothek und Lesehalle mit 5000 Bänden, das "Haus der Landesverteidigung", Radiostation, Mittelschule, Kinderkrippe, Krankenhaus errichtet. Jede Kollektivbauernfamilie hat Brot, Fleisch, Milch, Gemüse in Hülle und Fülle. Als Trakowalin mit seinen beiden Söhnen an die Front ging, sagte er:. "Mit unserem Herzblut, mit unserer Arbeit haben wir für uns selbst und unsere Kinder ein ' glückliches Leben aufgebaut. Um keinen Preis werden wir uns von der deutschen Armee dieses Leben nehmen lassen. Wir werden unser Land, unsere Rechte, unsere Freiheit und unser Glück verteidigen. Auf Leben und Tod werden wir mit dem Feind kämpfen. Unser Glück werden wir uns nicht rauben lassen!"
So sprachen, so dachten und fühlten alle Kollektivbauern der Sowjetunion. Sie schonten ihre Kräfte und Mittel nicht, sie setzten ihr Leben ein, um ihre Kollektivwirtschaften zu schützen, um ihre Heimat gegen -die deutschen faschistischen Eindringlinge zu verteidigen, um den Sieg zu erringen.
In all den Jahren des Krieges kam aus der Kollektivbauernmasse fast täglich die Anregung zu immer neuen und neuen patriotischen Aktionen. So zum Beispiel beantragte die Tambower Kollektivwirtschaft "Krassnij Dobrowolez", eine Geldsammlung für den Bau von Kampfwagen für die Rote Armee zu veranstalten. Dieser Gedanke wurde sogleich von sämtlichen Kollektivwirtschaften, vom gesamten Lande aufgegriffen, und alsbald waren für diesen Zweck über sieben Milliarden 41 Millionen Rubel gesammelt. Außer Geld sammelten die Kollektivwirtschaften und Kollektivbauern für den Fonds der Roten Armee Millionen von Tonnen Nahrungsmittel. Hier noch ein anderes Beispiel. Ende 1942 führten in zwölf vom Feind befreiten Rayons des Gebietes Orel die Kollektivwirtschaften, denen es gelungen war, ihre Ernte rechtzeitig vor der deutschen Armee zu verbergen, außer den obligatorischen Lieferungen an den Staat 12 800 Doppelzentner Getreide, 22 000 Doppelzentner Heu, 3200 Doppelzentner Gemüse an den Fonds der Roten Armee ab; die Kollektivbauern der betreffenden Rayons spendeten aus ihren Privatvorräten noch 25 000 Doppelzentner Getreide, 3700 Doppelzentner Kartoffeln, 1800 Doppelzentner Fleisch, viel Wolle, Schaffelle, warme Kleider und sandten an die Front über 60 000 Päckchen mit Geschenken.
In den Sowjetgebieten, die die Rote Armee befreit hat, sind die von den Deutschen ausgeraubten Kollektivwirtschaften wie Phönix aus der Asche wiedererstanden. Die Kollektivbauern zogen ihre rechtzeitig vergrabenen Getreidevorräte ans Tageslicht und gaben sie an den Saatgutfonds der Kollektivwirtschaft ab. Neue Viehställe wurden gebaut, die Pferde, die die Deutschen bei -ihrem Rückzug im Stich gelassen hatten, wurden geborgen. Die Traktorenführer förderten die seinerzeit in irgendeinem Versteck untergebrachten Ersatzteile zutage, setzten die Traktoren und Mähdrescher wieder instand, und die gesamte Wirtschaft wurde wieder in Gang gebracht. In allen Gebieten, die die Rote Armee von den Deutschen gesäubert hatte, wurden die Felder wieder von den Kollektivwirtschaftsbrigaden bestellt und ergaben gute Erträge. Als die Sowjetregierung anordnete, die seinerzeit ins Innere des Landes evakuierten Kollektivwirtschaftsherden in die befreiten Dörfer zurückzubringen, beschlossen die Kollektivbauern, einer Anregung der Kollektivwirtschaft "Iskra", Gebiet Gorki, folgend, den wiedererstehenden Kollektivwirtschaften auch Vieh aus ihren eigenen Kollektivwirtschaften und aus ihrem Privatbesitz zu senden. Alle Kollektivwirtschaften des unermeßlichen Landes nahmen an dieser Aktion teil. Hunderttausende Stück Vieh wurden den im Wiederaufbau begriffenen Kollektivwirtschaften geschickt. So half die kollektiv organisierte Bauernschaft der östlichen Gebiete der Sowjetunion ihren Brüdern, die so schwer in den Jahren der deutschen Besetzung gelitten hatten. Diese freiwillige gemeinschaftliche Hilfe leistete einen wesentlichen Beitrag bei der Entfaltung eines ganzen Systems staatlicher Maßnahmen zur Beseitigung der gewaltigen Zerstörungen, die die Hitlerarmeen in der Landwirtschaft der Ukraine, Bjelorußlands und anderer Sowjetrepubliken in den Jahren 1941-1944 verursacht haben.
Die ganze Welt weiß jetzt, wie die Deutschen in den von ihnen vorübergehend eroberten sowjetischen Gebieten gehaust haben. Die deutsche Wehrmacht hat 3 Millionen Pferde, 17 Millionen Rinder, 20 Millionen Schweine, 27 Millionen Schafe und Ziegen und 110 Millionen Geflügel ausgeschlachtet, geraubt oder nach Deutschland abtransportiert. Beim Rückzug der deutschen Wehrmacht wurden 90,000 Dörfer zerstört oder niedergebrannt, 98 000 Kollektiv-, 1876 Sowjetwirtschaften und 12 890 Maschinen- und Traktorenstationen zerstört oder ausgeplündert. Die friedliche Bevölkerung der russischen, ukrainischen und bjelorussischen Dörfer, die sich vorübergehend unter deutscher Herrschaft befanden, war unerhörten Demütigungen und Exekutionen ausgesetzt, denen Zehntausende von Frauen, Greisen und Kindern zum Opfer fielen.
Viele Soldaten der Roten Armee hat schweres Leid betroffen: die Deutschen haben ihre Angehörigen ermordet, ihre Wirtschaften zerstört. In rührendster Weise sorgen die Kollektivwirtschaften für diese Soldaten. In einem Brief, den 500 Mitglieder der Kollektivwirtschaft "Putj. k Sozialismu" aus dem fernen Chakassischen Gebiet den Soldaten eines Garderegiments Kadotschnikow, Krochin, Jegorow usw. an die Karelische Front schickten, heißt es: "Ihr habt eure Familien verloren. Jetzt werden wir eure Familie sein. Wenn ihr von der Front zurückgekehrt sein werdet, wird jeder von euch in unserer Kollektivwirtschaft ein Haus, eine Kuh, Schafe, Gänse, Hühner und ein Gemüsefeld bekommen."
Das ist ein beredter Ausdruck der brüderlichen Solidarität der Kollektivbauernmassen, der unerschütterlichen Kraft des Kollektivwirtschaftssystems. Am 6. November 1943 wies J. W. Stalin in seiner Rede darauf hin, daß die Sowjetunion infolge des Einbruchs der deutschen Horden zeitweilig wichtige landwirtschaftliche Gebiete der Ukraine, des Don- und des Kubangebiets verloren habe, und erklärte:
"Leidet unsere Armee im dritten Jahre des Krieges keinen Mangel an Lebensmitteln, wird unsere Bevölkerung mit Lebensmitteln und unsere Industrie mit Rohstoffen versorgt, so ist das ein Ausdruck der Kraft und Lebensfähigkeit der Kollektivwirtschaftsordnung, des Patriotismus der Kollektivbauernschaft."
Die Kollektivbauernschaft war ebenso wie die Arbeiterklasse die sicherste und verläßlichste Stütze der Roten Armee in ihrem Kampf gegen ,Hitlerdeutschland. Der Sowjetstaat, der sich auf die hingebungsvolle Hilfe der Volksmassen stützt, war stets seines vollen Sieges gewiß. Diesen Sieg hat er auch errungen.

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