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Die Organisation der politischen Arbeit in den Kolchosen N. B. Ivuskin (1933-1934 Leiter der Politischen Abteilung der Novo-Derevensker MTS im Moskauer Gebiet) berichtet

 

... Die Politische Abteilung begann ihre Arbeit unter außeror­dentlich schwierigen Umständen. Im Novo-Derevensker Ra­jon, wie in den übrigen Rajons des Landes, tobte ein erbitterter Klassenkampf. Aus diesem Rajon wurden zur Zeit der Kollekti­vierung 120 Kulaken ausgesiedelt. Vor der Revolution hatten 20 Prozent von ihnen bis zu 40 Desjatinen Land besessen, 11 Prozent zwischen 40 und 100 Desjatinen, acht Prozent über 100 Desjatinen, 31 Prozent hatten käuflich erworbenes Land und Industrieunternehmen besessen, und 30 Prozent waren bis zur Revolution Pächter und Besitzer von Handelsunternehmen gewesen. Aber die Helfershelfer des Kulakentums verbargen sich und setzten den Kampf im geheimen fort. So verwundeten sie in der Kolchose »Sieg« den Aktivisten-Rechnungsführer, der auf den Schutz des Kolchosgartens vertraut hatte, durch einen Revolverschuß. Im Dorf Borovok wurden unter dem Dach eines Kulakenhauses zwei zerlegte Gewehre gefunden, in der Kolchose »Pariser Kommune« plünderten antisowjetische Elemente Brot. Es ereignete sich der Fall, daß in eine Dresch­maschine ein Kuppelbolzen geriet: irgendeine sabotierende Hand hatte ihn unbemerkt in eine Garbe gesteckt.

Zahlreich waren die Angriffe der Kulaken auch gegen die Mechanisierung der Landwirtschaft.

Früher, bis zur Organisation der MTS im Rajon, gab es wenig landwirtschaftliche Maschinen. In den Dörfern galten die Mäh­- und Dreschmaschinen als die kompliziertesten Maschinen und kamen nur vereinzelt vor. Lediglich einige große Kulakenwirt­schaften besaßen sie. Die Masse der Bauern hatte äußerst pri­mitives, von den Großvätern und Urgroßvätern stammendes landwirtschaftliches Inventar - Sicheln, Sensen, Dreschflegel.

Deshalb ist es ganz natürlich, daß das Erscheinen des ersten Traktors auf den Feldern des Rajons im Jahre 1930 bei den kulakischen Elementen wütende Feindseligkeit hervorrief. Sie verbreiteten Gerüchte darüber, daß sich Traktoren für die Ar­beit auf dem Boden von Rjazan' nicht eigneten.

Fertigwerden mit diesem Übel, alle kulakischen Ausfälle rechtzeitig aufdecken und verhindern konnte man nur, indem man sich auf Kommunisten, Komsomolzen, demobilisierte Rotarmisten, auf das Kolchosaktiv stützte. Deshalb hielt es die Politische Abteilung für ihre vorrangige Aufgabe, sich mit all denen zu verbinden, denen der Kolchos-Aufbau am Herzen lag. Es war völlig unumgänglich, die Arbeit so aufzubauen, daß die Politische Abteilung in jedem Kolchos ihre Hände und Au­gen hatte.

Unter all den vielfältigen Arbeitsformen, die wir nutzten, war die für uns wichtigste die intensive organisatorische Arbeit un­ter den Massen. Einen großen Teil der Zeit brachten wir in den Kolchosen zu. Nachdem wir einen Plan entworfen und die Aufgaben jedes Arbeiters der Politischen Abteilung festgelegt hatten, fuhren wir für einige Tage in die Kolchosen. Zurückge­kehrt in die Politische Abteilung, sammelten wir die Ergebnisse der Arbeit, faßten die wertvollen Erfahrungen zusammen und fuhren erneut in die Orte hinaus.

In den Kolchosen waren wir vor allem beschäftigt mit dem Umbau der Arbeit der Parteiorganisationen nach dem Produk­tionsprinzip und mit der Vereinigung des Partei- mit dem Komsomolaktiv. Anstelle der fünf territorialen Parteiorganisa­tionen und der drei Kandidatengruppen gründeten wir im Tä­tigkeitsbereich der MTS sechs Kolchosparteiorganisationen, drei Kandidatengruppen und vierzehn Partei-Komsomolzellen. Diese 23 Parteiglieder vereinigten 150 Mitglieder und Kandida­ten der Partei. Viele Kommunisten versetzten wir von der Kanzleiarbeit in die Brigaden, zur Produktion. Die jungen, nach dem neuen Prinzip aufgebauten Organisationen sollten die Kolchosproduktion beherrschen und praktisch leiten. In diesen Jahren hatte man noch keine Erfahrung mit der Arbeit der Produktions-Kolchos-Zellen. Die Leute von der Politischen Abteilung, bereichert durch die Erfahrungen einer intensiven Parteiarbeit in den Fabrikorganisationen, halfen ihnen mit Er­folg, die Arbeit neu aufzubauen.

Nach dem Produktionsprinzip wurden auch die Komsomolz-­Organisationen umgebaut. Parallel dazu säuberte man einzelne Komsomolz-Organisationen von kulakisehen Elementen. So war beispielsweise in der Kolchose »Pariser Kommune« lange Zeit der Sohn eines bedeutenden örtlichen Kulaken - vor der Revolution hatte er 100 Desjatinen Land besessen- Sekretär der Komsomol-Organisation ...