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J. LUGANIN

DIE SOWJETINDUSTRIE

IHRE PLANUNG, LEITUNG UND ENTWICKLUNG

VERELAG DER SOWJETISCHEN MILITÄRVERWALTUNG IN DEUTSCLAND

BERLIN 1917

INHALTSVERZEICHNIS

EINLEITUNG
I. DIE STEIGERUNG DER INDUSTRIELLEN PRODUKTION
Das Tempo des Wachstums
Die Neuausrüstung
Die Standortverteilung
Die Umstellung auf Kriegsproduktion
Der Wiederaufbau nach dem Kriege
II. DIE PERSPEKTIVEN DER KÜNFTIGEN ENTWICKLUNG
Der neue Fünfjahrplan 1946 bis 1950
Brennstoff und Energie
Stahl und Buntmetalle
Maschinenbau
Chemie
Bedarfsgüter und Nahrungsmittel
Ein Plan für 15 Jahre
III. DER AUFBAU DER INDUSTRIEVERWALTUNG
Die staatliche Industrie
Die genossenschaftliche Industrie
Der Betrieb als Basis für die Lenkung der Industrie
Die finanzielle Kontrolle der Industrie
IV. DIE WICHTIGSTEN PRINZIPIEN DER PLANUNG DER SOWJETINDUSTRIE
Die Hauptziele der Pläne
Die Realität der Pläne
Die Einheit der volkswirtschaftlichen Planung
Das Problem der staatlichen Reserven
Die schöpferische Initiative der Massen
V. STALIN UND DIE PLANUNG DER VOLKSWIRTSCHAFT

 

EINLEITUNG

Die Entwicklung der Sowjetindustrie wird durch die General­pläne, die Fünfjahrespläne, die Jahres- und die Vierteljahres­pläne bestimmt.

Der erste Generalplan wurde im Jahre 1920 unter der direkten Leitung Lenins aufgestellt. Dieser Plan, der von der Staatlichen Kommission zur Elektrifizierung Rußlands ausgearbeitet wurde, sah vor, im Laufe von lo bis 15 Jahren die Industrieproduktion des Jahres 1913 um 80 bis 100 vH zu steigern. Berücksichtigt man, daß die Industrieproduktion im Jahre 1920 lediglich etwa 14 vH des Niveaus von 1913 betrug, so zeigt es sich, daß in dem Plan eine 13- bis 14fache Produktionssteigerung festgelegt wurde. Der Leitgedanke dieses Planes bestand darin, eine Groß­industrie zu schaffen und die Elektrifizierung des Landes in jeder Hinsicht zu entwickeln.

Der berühmte englische Schriftsteller H. G. Wells, der die Sowjetunion im Jahre 1920 besuchte und eine Aussprache mit Lenin hatte, bezeichnete diese Pläne als Phantastik. In Wirklich­keit aber war die Industrieproduktion des Landes nach 15 Jahren nicht nur auf das 13- bis 14fache, sondern sogar auf das 47fache des Standes von 1920 gestiegen! Der Plan der Inbetriebnahme der Kapazitäten in den Kraftwerken der Landkreise wurde mit 250 vH erfüllt.

Seit 1928 ging das Sowjetland dazu über, Fünfjahrespläne auf­zustellen. Der erste Fünfjahresplan war für die Zeit vom 1. Ok­tober 1928 bis zum 1. Oktober 1933 berechnet und wurde be­reits bis zum Jahre 1932 erfüllt. Der zweite Fünfjahresplan war für 1933 bis 1937 vorgesehen und wurde ebenfalls vorfristig er­füllt. Der dritte Fünfjahresplan sollte sich über die Zeit von 1938 bis 1943 erstrecken.

Im Jahre 1941 beschloß die Regierung, einen Generalplan zur Entwicklung der Volkswirtschaft für 15 Jahre aufzustellen. Das Ziel dieses Planes war eine derartige Produktionssteigerung der Industrie und der Landwirtschaft, daß die Produktion der am weitesten fortgeschrittenen Länder der Welt je Kopf der Bevöl­kerung überboten werden sollte. Der überfall von Hitlerdeutsch­land im Juni 1941 jedoch verhinderte die Vollendung des dritten Fünfjahresplanes wie auch die Aufstellung des Generalplanes.

Sofort nach Beendigung des Krieges beauftragte die Sowjet­regierung die Staatliche Plankommission, gemeinsam mit den Ministerien und den Unionsrepubliken einen Fünfjahresplan zum Wiederaufbau und zur Entwicklung der Volkswirtschaft für die Jahre 1946 bis 1950 aufzustellen.

Dieser Fünfjahresplan wurde im März 1946 dem Obersten Sowjet der Sowjetunion vorgelegt, der ihn nach gründlicher Er­örterung genehmigt und ihm die Kraft eines Staatsgesetzes ver­lieh. Ehe wir jedoch über den neuen Fünfjahresplan berichten, möchten wir einen kurzen historischen Überblick über die Ent­wicklung der Sowjetindustrie geben. (zurück zum Inhalt)

1. DIE STEIGERUNG DER INDUSTRIELLEN PRODUKTION

Das Tempo des Wachstums

Schon im Jahre 1920, als der Bürgerkrieg kaum beendet war, ging die Sowjetindustrie daran, ihre Produktion zu steigern. Bis zum Jahre 1941 wuchs die Sowjetindustrie, die keine Krisen und Depressionen kennt, ununterbrochen in außerordentlich raschem Tempo. Während die Industrieproduktion der Vereinigten Staa­ten und Englands im Jahre 1940 den gleichen Stand wie im Jahre 1929 aufwies, war sie in der Sowjetunion in derselben Zeit auf das 6,5fache - und verglichen mit der Industrieproduktion von 1913 auf das 12fache - angewachsen. Infolge dieser rapiden Entwicklung wurde die Sowjetunion zu einer der führenden Industriemächte der Welt, wie sich das aus nachfolgender Tabelle ergibt.

An welcher Stelle rangiert die Sowjetunion in der Industrieproduktion der Welt und Europas?

In der Welt

In Europa

 

Industriezweige

1929

1939

1929

1939

Gesamtindustrie

5

2

4

1

Elektrischer Strom

10

3

7

2

Kohle

4

5

3

Erdöl

3

2

1

1

Stahl

5

3

4

2

Elektrostahl

9

2

7

1

Maschinen

4

2

3

1

Landmaschinen

4

1

3

1

Lastkraftwagen

11

2

9

1

Traktoren

4

2

3

1

Superphosphat

18

2

14

1

Schwefelsäure

9

3

7

2

Baumwollverarbeitung

4

2

2

1

Schuhe

5

2

4

1

Zucker

2

1

1

1

Fischfang

5

2

3

1

Bei Beginn des Zweiten Weltkrieges stand die Sowjetunion, was ihre gesamte Industrieproduktion und einen so entscheiden­den Industriezweig wie den Maschinenbau betrifft, unmittelbar hinter den Vereinigten Staaten, d. h. an zweiter Stelle in der Welt.

Folgende Zahlen zeigen die Veränderungen des ökonomischen Kräfteverhältnisses: im Jahre 1913, am Vorabend des Ersten Weltkrieges, produzierte Deutschland sechsmal soviel Industrie­waren wie Rußland; im Jahre 1939, am Vorabend des Zweiten Weltkrieges, produzierte Deutschland weniger Industriewaren als die Sowjetunion.

Während in der Sowjetunion die gesamte Industrieproduktion stieg, entwickelten sich in den Vorkriegsjahren in besonders schnellem Tempo die Stromerzeugung, die Fabrikation von Qualitätsstahl, die Buntmetallgewinnung, die Herstellung aller Arten von Maschinen und die chemische Industrie. Der rasche­sten Entwicklung dieser Industriezweige galten die besonderen Bemühungen des Sowjetvolkes und der Sowjetregierung.

Durch die Schaffung einer großen Zahl neuer Großbetriebe wurde die wirtschaftliche Position des Sowjetlandes außerordent­lich gefestigt, seine Verteidigungsfähigkeit in ungeheurem Aus­maße erhöht und die Möglichkeit geschaffen, durch die eigene Produktion den Bedarf des Landes an den wichtigsten Maschinen und Rohstoffen zu decken. Die Sowjetunion löste die geschicht­liche Aufgabe, sich ihre ökonomische und technische Unabhängig­keit zu sichern.

Durch diese Fortschritte wurde die Zusammensetzung der Sowjetindustrie von Grund auf verändert, wie das nachfolgende Tabelle deutlich zum Ausdruck bringt.

Anteil der vier größten Industriezweige an der Bruttoproduktion der Industrie (in vH)

Industriezweige

1913

1929

1938

Gesamtindustrie

100

100

100

Davon: Maschinenbau

8,9

13,0

31,7

Nahrungsmittelindustrie

35,7

24,5

18,7

Textilindustrie

21,7

20,6

10,6

Chemische Industrie

2,8

2,5

6,4

Die Produktion der Textilindustrie stieg von 1913 bis 1938 auf das 3,2iache, die der Nahrungsmittelindustrie auf das 3,4­fache; die Produktion der chemischen Industrie aber stieg in der­selben Zeit auf das 15fache und die des Maschinenbaus auf mehr als das 30fache. Im Jahre 1913 deckte Rußland etwa zwei Drittel seines Bedarfs an Maschinen durch Import. Im Jahre 1938 betrug der Anteil des Imports, obwohl der Bedarf an Maschinen um ein Vielfaches gestiegen war, nur 1 vH.

Bei Beginn des Jahres 1941, vor dem Überfall Nazideutsch­lands auf die Sowjetunion, wurden 50mal mehr Maschinen ge­baut als im Jahre 1913.

Die Schaffung eines eigenen Maschinenbaus- gehört zu den glänzendsten Siegen der sowjetischen Volkswirtschaft.

Die Neuausrüstung

Die Entwicklung der Industrieproduktion wurde durch eine ge­waltige Neubautätigkeit, die in den Jahren 192g/29 eingeleitet und von da an ständig erweitert wurde, gesichert. In der Zeit von 1928 bis 1940 wurden Tausende von Großbetrieben er­richtet. Viele von ihnen gehören zu den größten in Europa und in der Welt. Gleichzeitig wurden die alten Betriebe von Grund auf umgebaut. Man kann sagen, daß die Industrie der Sowjet­union völlig neu geschaffen wurde.

Dieser Aufbau der Industrie unterschied sich in vieler Hin­sicht von der Entwicklung in den kapitalistischen Ländern, be­sonders von der in dem fortschrittlichsten Industrieland der Welt, den Vereinigten Staaten.

In England, in den Vereinigten Staaten, ebenso in Deutsch­land und anderen kapitalistischen Ländern erforderte der Aufbau der Industrie viele Jahrzehnte. Dessen ungeachtet ent­wickelten sich in verschiedenen Zeitabschnitten einzelne Indu­striezweige besonders schnell. So führte zum Beispiel in den Vereinigten Staaten im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts die rapide Entwicklung des Eisenbahnbaus zu einem starken Auf­schwung der Hütten- und Stahlindustrie, des Kohlenbergbaus sowie des Waggon- und Lokomotivenbaus. Das Ende des 19. und der Anfang des 20. Jahrhunderts standen im Zeichen eines

stürmischen Wachstums der elektrotechnischen Industrie. Der Automobilbau und eine Anzahl kooperierender Industriezweige entwickelten sich vor dem Ersten Weltkrieg ebenfalls in einem raschen Tempo. Wenn auch in den darauffolgenden Jahren diese Industrien noch mehr erweitert wurden, verschob sich der Brenn­punkt der Kapitalinvestitionen. In gewissen Zeitabschnitten rück­ten in dieser Hinsicht bestimmte Industriezweige in den Vorder­grund. In den Jahren vor der Weltwirtschaftskrise von 1929 entwickelten sich besonders schnell der Flugzeugbau, die chemi­sche Industrie, die Erdgasgewinnung, die Rundfunk- und die Filmindustrie. Die Kapitalien - und in ihrem Gefolge auch die Arbeitskräfte und die technische Wissenschaft - strebten diesen Industriezweigen zu.

Die Länge des Zeitraumes, in dem der Produktionsapparat der Vereinigten Staaten geschaffen wurde, trug dazu bei, daß gewisse Schwierigkeiten vermieden werden konnten. Aber gleich­zeitig hatte sie die Verschiedenartigkeit der technischen Aus­rüstung in den einzelnen Industriezweigen zur Folge. Hinzu kam: in zahlreichen Betrieben, die viele Jahre zuvor gegründet worden waren, vollzog sich die Erweiterung durch den Anbau neuer Werkabteilungen und durch das Auswechseln eines Teils der Ausrüstung. Die Folge war die Verschiedenartigkeit im tech­nischen Niveau der einzelnen Industriezweige und darüber hin­aus die Verschiedenartigkeit im technischen Niveau in ein und demselben Betrieb.

In der Sowjetunion wurde die moderne Industrie innerhalb eines Jahrzehnts geschaffen. Infolge der Kürze dieser Frist er­gaben sich eine Reihe außerordentlicher Schwierigkeiten. Es ist bekannt, daß ein Betrieb, der sich im Bau befindet, der Volks­ wirtschaft Arbeitskräfte, Baumaterial, Maschinen und Finanzen entzieht, aber, solange der Bau nach nicht abgeschlossen ist, der Volkswirtschaft nichts zuführt, Infolgedessen war die Zeit des Aufbaus der Sowjetindustrie, vor allem die Jahre 1929 bis 193 i, eine äußerst schwierige.

Dafür konnte aber dank der Kürze der Frist, in der die Sowjet­industrie aufgebaut wurde, eine einheitliche technische Ausrüstung in den verschiedenen Industriezweigen geschaffen werden. An­dererseits brauchte die Sowjetindustrie den längen, schwierigen Entwicklungsweg der kapitalistischen Länder nicht zu gehen. Sie knüpfte dort an, wo die anderen stehen geblieben waren. Die letzten Errungenschaften der Technik in den anderen Ländern bildeten in vielen Fällen die erste Errungenschaft der technischen Entwicklung der Sowjetindustrie. In jenen Jahren war der Maschinenimport der Sowjetunion noch sehr groß; aus den Ver­einigten Staaten, aus England und Deutschland wurden die modernsten Maschinen eingeführt.

Als Resultat des Aufbaus wurden bereits im Jahre 1937 mehr als 80 vH der gesamten Industrieproduktion und etwa 90 vH der Produktion der chemischen Industrie, der Hütten-, Stahl- und Buntmetallindustrie und des Maschinenbaus von neuen oder völlig umgebauten Betrieben geliefert.

Der Anteil der elektrischen Energie am Gesamtenergiever­brauch der Industrie und der Prozentsatz der maschinenmäßig betriebenen Kohlenförderung war höher als in den Vereinigten Staaten, in England oder in Deutschland. Alle Großkraftwerke des Sowjetlandes waren miteinander verbunden. Sie bildeten große Ringsysteme, und der Anteil der öffentlichen Kraftwerke an der gesamten Stromerzeugung betrug mehr als s0 vH. In der Hütten- und Stahlindustrie wurde die Hauptmenge von Roh­eisen und Stahl in großen maschinell bedienten Hoch- und Martinöfen gewonnen.

Als Lenin im Jahre 1913 die technische Entwicklungsstute der Industrie des damaligen Rußlands charakterisierte, schrieb er, daß Rußlands Ausrüstung mit modernen Produktionsmitteln nur ein Viertel der von England, ein Fünftel der von Deutschland und ein Zehntel der von Amerika betrug.

Als Stalin im Jahre 1939 jedoch die Ergebnisse der technischen Entwicklung der Sowjetindustrie schilderte, konnte er fest­stellen: »... daß vom Standpunkt der Produktionstechnik, vom Standpunkt des Ausmaßes der Ausstattung der Industrieproduk­tion mit neuen technischen Mitteln unsere Industrie in der Welt an erster Stelle steht«,

Die Standortverteilung

Die Standortverteilung der Industrie im vorrevolutionären Ruß­land war außerordentlich unrationell. Die Betriebe der ver­arbeitenden Industrie waren von den Rohstoffquellen weit ent­fernt. Reichste Bodenschätze wurden nicht ausgewertet, ja in manchen Fällen waren sie überhaupt unbekannt. Millionen Tonnen von Rohstoffen mußten aus Sibirien, Mittelasien und Kasachstan Tausende von Kilometern in die zentralrussischen Gebiete gebracht, hier verarbeitet und als Fertigware zurück­geschickt werden. Obwohl in verschiedenen Gebieten des Lan­des Steinkohlen- und Eisenerzvorkommen vorhanden waren, war der überwiegende Teil des Kohlenbergbaus und der Hütten­industrie im Donezbecken und in der Ukraine konzentriert. Dadurch wurde der Weg des Rohstoffs zum Fertigfabrikat verlängert, die Produktionsunkosten vergrößert und die Eisen­bahnen sowie die Wasserverkehrswege unnötig belastet.

Es galt also, innerhalb einer kurzen Frist die bestehende Stand­ortverteilung der Industrie vollständig zu verändern. Die wich­tigste Voraussetzung dafür waren groß angelegte geologische Forschungen zur Feststellung der Bodenschätze des Landes. Denn von den 22 Millionen Quadratkilometern des Sowjetterritoriums waren nur etwa 10 vH, d. h. etwas mehr als 2 Millionen Quadrat­kilometer, geologisch erforscht.

Hunderte von geologischen Expeditionen nahmen deshalb die Erforschung der unermeßlichen Gebiete des Landes in Angriff. Diese Tätigkeit ist bei weitem noch nicht abgeschlossen. Bis An­fang 1939 war erst etwa die Hälfte des Sowjetterritoriums erforscht. Es besteht kein Zweifel darüber, daß das weitere Studium der Bodenschätze unsere heutigen Vorstellungen von den Naturreichtümern der Sowjetunion wesentlich ergänzen wird. Aber schon die Ergebnisse der bisherigen Forschungen beweisen, daß es kein Land in der Welt gibt, dessen Naturschätze an Umlang und Mannigfaltigkeit denen der Sowjetunion gleich­kommen.

Durch geologische Forschungen wurden außergewöhnliche Reichtümer im Osten des Landes festgestellt. Der Ural wird von den Geologen mit Recht als »Truhe der Naturschätze« be­zeichnet: Gold, Silber, Platin, Bauxite, Kupfer, Blei, Zink, Molybdän, seltene Metalle, Kohle, Eisen- und Manganerz, Chromit, Asbest, Erdöl, Kalisalze, Phosphorite, reichste Wald­bestände, gewaltige Wasserkraftreserven; dies sind aber bei weitem nicht alle Reichtümer dieses Gebietes, die für die Indu­strie von größter Bedeutung sind.

Stellung der Sowjetunion in der Welt und irr Europa in bezug auf Umfang der geologisch erforschten

Naturschätze:

In der Welt In Europa

Bodenfläche 1 1

Wälder 1 1

Wasserkraftreserven

1

1

Steinkohle

2

1

Erdöl

1

1

Torf

]

1

Eisenerz

1

1

Manganerz

1

1

Kalisalze

1

1

Phosphorite

2

1

Apatite

1

1

Es wurden riesige Kohlenreviere in Sibirien, im Ural, in Kasachstan, in Mittelasien, in Transkaukasien, im Fernen Osten, in Ostsibirien, in Zentralrußland und im Norden geschaffen. Das Land war nicht mehr von der Kohle des Donezbeckens abhängig.

Im Ural und in Westsibirien wurden die riesigen Werke der Hütten- und Stahlindustrie in Kusnezk und Magnitogorsk er­richtet, die vor dem Kriege ebensoviel Roheisen lieferten wie sämtliche Betriebe der russischen Hüttenindustrie im Jahre 1913 zusammen.

Die Erdölgewinnung beschränkte sich früher auf den Bezirk von Grosny und vor allem auf Baku. In den letzten Jahren aber wurden riesige Erdölreviere im Ural, an der Wolga, in Mittel­asien und im Fernen Osten erschlossen. Außerordentlich ver­heißungsvolle Perspektiven bieten die Erdölbezirke im Ural und an der Wolga, die mit Recht das „zweite Baku“ genannt werden.

Besonders stolz ist die Sowjetindustrie auf die großen Maschinenbauzentren im Ural und in Westsibirien. In diesen Gegenden wurden gewaltige Industrien für Schwermaschinen­bau, Panzer- und Flugzeugbau, Traktoren-, Automobil- und Generatorenbau geschaffen.

Auch in der Verteilung der Bevölkerung auf die Industrie­betriebe gingen große Veränderungen vor sich. Nach der Volks­ zählung von 1939 betrug die Bevölkerungszunahme der UdSSR seit 1927 15,9 vH. Im Ural jedoch betrug die Zunahme 25 vH, in Westsibirien 20 vH, in Ostsibirien 47 vH und im Fernen Osten sogar 81 vH.

Dort, wo noch vor kurzem Urwälder waren, die unpassierbare Taiga, endlose öde Steppen, sind Hunderte neuer Städte er­standen.

Der Aufbau der Industrie, ihre Ausrüstung mit modernen Maschinen und die rationelle Standortverteilung der Betriebe ermöglichten es, eine Anzahl sozialpolitischer und wirtschaft­ licher Aufgaben zu lösen.

Es wurde eine Industrie geschaffen, die imstande ist, die wei­tere Entwicklung aller Volkswirtschaftszweige zu sichern.

Für die Landesverteidigung entstand eine mächtige Industrie­basis. Die Sowjetindustrie kann dem Bedarf der Streitkräfte in erforderlicher Menge und Qualität gerecht werden.

Die technische und wirtschaftliche Abhängigkeit des Landes ist überwunden. Die Sowjetunion ist in der Lage, den gesamten Bedarf an wesentlichen Rohstoffen und Maschinen aus eigener Produktion zu decken.

Die Industrie hat die Landwirtschaft in großem Umfange mit modernen Maschinen ausgerüstet. Vor dem Kriege waren auf den Feldern des Sowjetlandes 580000 Traktoren und 180000 Mähdrescher eingesetzt.

Diese Maschinen, die nur in der Großwirtschaft rationell aus­genutzt werden können, bildeten die technische Grundlage des neuen, in der Sowjetunion geschaffenen Typs der Landwirtschaft, der Sowjetgüter und der Kollektivwirtschaften.

Sämtliche Zweige des Verkehrswesens wurden völlig um­gestaltet; der Luft- und der Automobilverkehr neu geschaffen. Die Arbeitslosigkeit ist restlos und für immer beseitigt. Die gesicherte Zukunft und die Möglichkeit, jederzeit in einem beliebigen Beruf Arbeit zu bekommen, wurden zu einem unab­änderlichen Bestandteil des Lebens und Denkens der Sowjet­bevölkerung.

Die Wirtschaftsgeographie- des Landes hat sich radikal ge­

ändert. Einst rückständige Randgebiete konnten nunmehr an der Kultur und an den Ergebnissen des mit jedem Tag intensiver fortschreitenden Aufbaus teilnehmen.

Die Umstellung auf Kriegsproduktion

Die friedliche Entwicklung der Sowjetindustrie wurde durch den hinterhältigen überfall Hitlerdeutschlands am 22. Juni 1941 unterbrochen. Der Industrie erwuchsen nunmehr neue Aufgaben.

Die Gefahr, die das Land bedrohte, erforderte die schnellste Umstellung der Wirtschaft auf den Krieg. Die Lösung dieser Auf­gabe wurde dadurch erleichtert, daß sämtliche Industriebetriebe dem Staat gehören. Die Regierung hatte zu Beginn des Krieges erschöpfende Unterlagen zur Verfügung über die Verteilung der Betriebe im Land und über deren Kapazität wie auch über sämt­liche Bestände an Roh- und Brennstoffen, Zwischenprodukten und Fertigwaren in den Betrieben und in den Handels- und Lieferungsorganisationen.

Eine zentralisierte und planmäßige Verteilung der wichtigen Rohstoffe und Erzeugnisse gab es bereits vor dem Kriege. Das erleichterte die Umstellung der Wirtschaft auf den Krieg außer­ordentlich.

Die Hauptschwierigkeiten standen aber noch bevor.

In der ersten Periode des Krieges gelang es der faschistischen deutschen Armee, die über eine erdrückende Überzahl an Pan­zern und Flugzeugen verfügte und den Überraschungsfaktor aus­nutzte, tief ins Innere des Sowjetterritoriums einzudringen. Im Herbst 1941 erreichte der Feind die Ukraine, eines der größten Zentren des Maschinenbaus (Schiffs-, Panzer-, Traktoren- und Generatorenbau, Maschinen für Bergbau und chemische Industrie) und der Nahrungs- und Genußmittelindustrie (Zucker, Wein, Butter, Mehl, Tabak, Konditoreiwaren, Konserven usw.). Darüber hinaus war die Ukraine das wichtigste Kohlen- und Hüttenrevier des Landes (Steinkohlenförderung, Eisenerz- und Manganerz-, Roheisen- und Stahlgewinnung sowie groß angelegte Walzguterzeugung). Im Donezbecken befanden sich mehr als die Hälfte der sowjetischen Hütten- und Stahlwerke sowie Kohlen­gruben, die etwa zwei Drittel der Gesamtproduktion an Kohle lieferten.

Leningrad, das große Industriezentrum des Sowjetlandes, wurde von den Naziarmeen blockiert. Es kam zu den Kämpfen um Moskau, das nicht nur das politische, kulturelle und Verwaltungszentrum des Landes, sondern auch eine der größten Industriestädte der Sowjetunion ist.

Ende des Sommers 1941 faßte die Sowjetregierung den außer­ordentlich kühnen Entschluß, die Industrie nach dem Osten zu verlegen. In wenigen Wochen wurde die Ausrüstung von Tau­senden von Betrieben abmontiert auf Eisenbahnwagen verladen und zusammen mit dem Kernbestand der Belegschaften und den Arbeiterfamilien in Sonderzügen nach dem Osten transportiert. Der Abtransport des größten Teiles da Maschinen wurde von August bis November 1941 vorgenommen. So gelang es, viele Rüstungs- und Maschinenfabriken zu evakuieren. Außerdem wurde der größte Teil der Generatoren sowie der komplizierten Apparatur der chemischen Industrie, der Zucker- und der Papier­industrie, der Brennerelen und anderer Industriezweige fort­geschafft. Ein Bild dieser wahrhaft gigantischen Leistung ver­mittelt die Tatsache, daß in diesen wenigen Monaten etwa 1,5 Millionen Eisenbahnwagen nach dem Ural, nach Sibirien und nach Mittelasien gelenkt wurden.

Für die Verteilung und die Montage der im Osten einge­troffenen Maschinen wurden alle Möglichkeiten ausgenutzt. Eine Anzahl der evakuierten Betriebe wurde zum Ausbau bereits vor­handener Werke verwendet. Ein Teil der Maschinen wurde in den Fallen der noch im Bau befindlichen Betriebe aufgestellt. Sämtliche leerstehende Gebäude, Lager, ja sogar Theater, Zir­kusse, Schulen und Hochschulen wurden als Werkräume benutzt! Und trotzdem mangelte es noch an Raum. Deshalb mußte der Bau neuer Werkhallen und ganzer Betriebe schnellstens in An­griff genommen werden.

Die Lage wurde dadurch erschwert, daß Transport und Auf­bau im strengen sibirischen Winter erfolgen mußten. Es fehlte an Menschen, an Brennstoff, an Wohnungen, an Baumaterial und zuweilen auch an Nahrungsmitteln. Aber am meisten mangelte es an Zeit! Die Front forderte unverzügliche Lieferung von Waffen und Munition.

In diesen schicksalsschweren Tagen bewiesen Tausende und aber Tausende von Arbeitern, Frauen, Jugendlichen und Greisen vorbildlichste Opferbereitschaft und wahrsten Heroismus. Das war kein Heldentum, das nur für eine kurze Zeitspanne ein Zusammenreißen aller seelischen und körperlichen Kräfte er­forderte, sondern ein Helden' um unter Anspannung aller Kräfte, tagein, tagaus unter schwersten Entbehrungen und Leiden. Die Menschen hausten bei 40 Grad Kälte in Erdhütten und arbei­ teten 16 bis 18 Stunden am Tag. Ihr Leben, ihre Arbeit waren nur von einem Gedanken beseelt: so schnell wie möglich der Front helfen! Dieser Gedanke, der Hunderttausende von Men­schen ergriffen hatte, wuchs zur allmächtiger Gewalt an.

Die Verlagerung der Industrie nach dein Osten stellte das Land vor zahlreiche schwere Probleme.

Schon vor dem Kriege waren die Kraftwerke des Urals und Sibiriens überlastet. Der Verlegung zahlreicher Betriebe in diese Gebiete erhöhte nunmehr noch den Bedarf an elektrischer Ener­gie. Es mußten also schnellstens Kraftwerke errichtet werden.

Auch die gesamte Hütten- und Stahlindustrie des Ostens mußte sich auf die Erzeugung neuer Sorten von Stahl und Walz­gut für die Rüstungsindustrie umstellen. Es entstanden neue Wege des Güterverkehrs, neue Verbindungen zwischen den Betrieben, neue Städte und Siedlungen, Wohnhäuser, Läden, Kantinen, Schulen, Krankenhäuser, Kinderheime und -krippen, Entbindungsheime usw.

Ehe Montage der evakuieren Maschinen und die Inbetrieb­nahme der verlegten Werke wurde in kürzester Frist durch­geführt, Der größte Teil der Maschinen war bereits im ersten Halbjahr 1942 aufgestellt. Im selben Jahr setzte der Strom der ständig wachsenden Produktion dieser Betriebe nach der Front ein.

Und da bestätigte sich, wie richtig die weitsichtige Politik der Sowjetregier ung gewesen war, indem sie bereits in den Vor­kriegsjahren eine zweite Kohlen- und Hüttenbasis im Osten ge­schaffen haue.

Durch den Krieg wurde die Industrie verschiedener Gebiete vollständig umgestellt. Im Ural entstanden neue Industrie­zweige, darunter Manganerzförderung, Erzeugung von Qualitäts­walzgut, Panzerbau, Flugzeugbau, Motorenbau, Turbinenbau, Herstellung von Bergbaumaschinen, Geräten, Kugellagern, die Erzeugung von plastischen Massen, Kabeln, Reifen, Gummi usw. Die Industrieproduktion des Uralgebiets stieg in den vier Kriegs­jahren auf das 3,6fache, die Sibiriens auf das 2,8fache und die des Wolgagebiets auf das 3,4fache.

Die Sowjetindustrie löste ihre Aufgabe: Sie versorgte die Front mit allem Erforderlichen und ermöglichte den Sowjet­streitkräften somit die zahlenmäßige Überlegenheit an Panzern und Flugzeugen. Qualitativ war die Rüstungsproduktion der Sowjetunion während des ganzen Krieges höher als die Nazi­deutschlands.

Dabei muß man berücksichtigen, daß sieh die faschistische Kriegswirtschaft nicht nur auf die Industrie Deutschlands und seiner Vasallen, sondern auf die Industrien aller vom Nazismus unterdrückten Länder, d. h. auf fast ganz Europa, stützen konnte. Dadurch wurden Deutschlands Reserven an Eisenerz versechs­facht, an Roheisen, Stahl und an natürlichem und synthetischem Erdöl verdoppelt, an Kupfer verdreifacht, an Aluminium fast verdoppelt und an Bauxiten sogar vervielfacht.

Die Waffenlieferungen der Alliierten an die Sowjetunion waren in den ersten Kriegsjahren außerordentlich gering. Später nahmen sie wesentlich zu. Doch betrug ihr Anteil an der Ge­samtmasse der Bewaffnung der an der riesigen Ostfront operieren­den Roten Armee nur 5 vH.

Diese gigantischen Leistungen waren das Ergebnis der im Laufe vieler Jahre durchgeführten Politik; und die Gesellschafts­ordnung -- das staatliche Eigentum an den Produktionsmitteln -- schuf die notwendigen Voraussetzungen für die Mobilisierung der Industrie und die Ausnutzung all der unerschöpflichen Mög­lichkeiten der modernen Schwerindustrie.

Im Kampf der Wirtschaft des faschistischen Deutschlands gegen die Wirtschaft der sozialistischen Sowjetunion hat die Volks­wirtschaft der Sowjetunion restlos gesiegt.

Der Wiederaufbau nach dem Kriege

Die Sowjetindustrie ist zum zweitenmal in ihrer Geschichte in die Phase des Wiederaufbaus eingetreten. Bereits nach dem Ersten Weltkrieg zeigte sich ein für die Sowjetunion charakteristisch rasches Entwicklungstempo der Industrie, wie sich aus der nachfolgenden Tabelle ergibt.

Wiederaufbau der Industrie nach dem ersten Weltkrieg

Länder

Jahr des tiefsten Standes der Produktion

Produktionsstand vH des Produktionsstandes von 1913

Vorkriegsstand erricht im Jahre

Produktionsstand vH des Produktionsstandes von 1913

Zuwachs im Jahresdurchschnitt

UdSSR

1920

13,8

1926

108

51,0

England

1919

93,5

1929

98

0,5

Frankreich

1919

57,0

1924

109

13,8

Deutschland

1919

37,8

1928

102

11,6

Dabei ist zu berücksichtigen, daß die Sowjetunion in dieser Zeit nicht wie andere Länder Auslandskredite erhielt. Dagegen stieß sie beim Wiederaufbau ihrer Industrie auf direktes Ent­gegenwirken einer Anzahl Länder, die der Sowjetunion äußerst feindlich gegenüberstanden.

Die Sowjetunion mußte die Industrie aus eigener Kraft auf­bauen und ist dieser Aufgabe mehr als gerecht geworden.

Der gegenwärtige Wiederaufbau der Sowjetindustrie unter­scheidet sich sehr stark von dem der Jahre 192obis 1925. Damals die Industrieproduktion auf ein Siebentel zusammen­geschrumpft. Der Erzbergbau, die Hüttenindustrie, die elektro­technische, die Glas-, die Zement- und die Textilindustrie sowie verschiedene andere Industriezweige lagen fast völlig still. All diese Industriezweige hatten, verglichen mit 1913, einen Pro­duktionsstand von 1 bis 3 vH. Aber diese Einschränkungen bzw. Stillegungen waren nicht die Folge von Zerstörungen der Werke, obwohl sich der Krieg in einem bedeutenden Teil des Landes abgespielt hatte und der darauffolgende Bürgerkrieg sowie die Intervention fast das gesamte Sowjetterritorium zu ihrem Schau­platz gemacht hatten. Der Niedergang der Produktion war da­mals eine Folge der Stilllegung der rohstoffgewinnenden Indu­strien sowie der Zerrüttung des Transportwesens. Der Hunger zwang die Arbeiter, in den Dörfern Zuflucht zu suchen. Die Arbeitsproduktivität ging zurück.

Der Wiederaufbau der Industrie erforderte in jenen Jahren vor allem die Inbetriebnahme der stillgelegten Werke. Der größte Teil der Mittel wurde für Gesamtüberholung der Betriebe und für Instandsetzungsarbeiten verwendet. Allerdings war der Wie­deraufbau der Industrie selbst damals keine einfache Reproduk­tion der technischen Ausrüstung der Industrie von 1913. In ver­schiedenen Industriezweigen (Erdöl und Elektrotechnik) wurden gewisse Neuerungen vorgenommen. Doch waren diese quanti­tativ und qualitativ sehr geringfügig.

Anders liegen die Dinge heute.

Die Naziarmee verschleppte aus den vorübergehend besetzten Sowjetgebieten die Ausrüstung der Betriebe, sie sprengten die Anlagen und Bauten. Der Sowjetregierung war es zwar gelungen, die Maschinen vieler Großbetriebe fortzuschaffen, aber eine große Anzahl von Mittelbetrieben und Großbetrieben waren an ihrem Standort verblieben. Die Nazibarbaren, erfüllt von bestialisch, Haß, zu dem sich die Wut der Verzweiflung gesellte, zerstörten ungeheure Werte, die das Sowjetvoll in tapferer Arbeit ge­schaffen hatte:

31825 Betriebe, in denen etwa vier Millionen Arbeiter be­schäftigt waren, d. h. anderthalb Millionen mehr, - als die gesamte russische Industrie im Jahre 1913 zählte wurden vernichtet, und zwar 1135 Bergwerke mit einer Jahresförderung von mehr als 100 Millionen Tonnen Kohle; 61 Großkraftwerke und 12000 Gebäude von Kraftwerken und Umformerstationen; 67 Hochöfen 113 Martinöfen und 24 8 Walzwerke; 66 Betriebe für Stickstoffdünger -und andere chemische Werke; 749 Betriebe für schweren und mittelschweren Maschinenbau, 64 Werkzeugmaschinen- und Schleifsteinfabriken, 41 Fabriken für elektrotechnische Ausrüstung, 169 Betriebe, in denen Land­maschinen sowie Maschinen für die chemische und die Holz­industrie hergesellt werden, ferner 433 Textilfabriken und 160 Leder- und Schuhfabriken, 100 Glasfabriken, 409 Betriebe für Baumaterial, über 5000 Betriebe der Nahrungsmittelindustrie.

1710 Städte, über 6 Millionen Gebäude, 334 Hochschulen lind 605 Forschungsinstitute wurden zerstört.

Die Zuckerindustrie büßte ( , 3 vH ihrer Ausrüstung ein, die Spiritusbrennereien 61 vH, die Konservenindustrie 76 vH, die Tabakindustrie 56 vH, die Salzbergwerke 50 v11, die Konditorei­warenindustrie 60 vH usw.

Die Gesamtsumme des unmittelbar zugefügten Schadens be­trägt 679 Milliarden Rubel.

Der Industrie wurden derartig schwere Schäden zugefügt, daß riesige Wiederaufbauarbeiten notwendig sind.

Das Industriepotential des Landes ist jedoch unvergleichlich höher als im Jahre 1921, wodurch der Wiederaufbau wesentlich erleichtert wird.

Es ist gelungen, mit dem Wiederaufbau schon während des Krieges zu beginnen, und zwar nachdem die von ihr Naziarmee besetzten Gebiete wieder befreit worden waren. So konnten in dieser Zeit bereits mehr als 20 Hochöfen, über 50 Koksofen­batterien, 150 Öfen für Stahlgewinnung, Walzwerke und mehrere hundert große und mittlere Turbinen sowie zahlreiche Dampfkessel repariert werden. Im Kohlenbergbau des Donez­beckens wurden 123 große Gruben sowie mehr als 500 mittlere und kleine Gruben wiederhergestellt und in Betrieb genommen. Von den 300 Millionen cbm Wasser, mit denen die Gruben er­säuft worden waren, wurden über 60 Millionen cbm heraus­gepumpt. Das Donezbecken brachte die Kohlerförderung auf etwa die Hälfte des Vorkriegsstandes. Die wiederhergestellten Hütten- und Stahlwerke lieferten im Jahre 1944, verglichen mit ihrer Vorkriegsleistung, 30vH der Roheisengewinnung, 35vH der Stahlerzeugung und 46 vH der Walzguterzeugung. Es wur­den 1745 Betriebe der Nahrungs- und Genußmittelindustrie und Dutzende von Maschinenfabriken wiederhergestellt.

Ein ausgezeichnetes Beispiel bietet der Wiederaufbau des Mos­kauer Kohlenbeckens. Die Nazitruppen hatten dieses Revier während der Offensive gegen Moskau im November 1941 be­setzt. Schon im Dezember wurden sie von der tapferen Roten Armee in der historischen Schlacht um Moskau zurückgeschlagen. Aber im Laufe dieses Monats hatten die Naziwandalen sämtliche Hauptförderschächte der Gruben zerstört, es Gruben unter Wasser gesetzt, 60 vH der elektrotechnischen Anlagen, 90 vH der Übertagbauten und 68 vH der Wohnhäuser sowie der sozialen und der Kulturstätten und fast die gesamte Ausrüstung inner­halb der Gruben vernichtet. Die Kohlenförderung war völlig lahmgelegt. Die Arbeiter waren zu den Partisanenabteilungen gestoßen oder hatten sich mit der Roten Armee zurückgezogen.

Einige Tage nach der Vertreibung der Faschisten aus dem Moskauer Kohlenbecken, am 29. Dezember 1941, unterschrieb Stalin einen Beschluß über den unverzüglichen Beginn der Ar­beiten zur Instandsetzung der Gruben. Es wurde ein Plan auf­gestellt für das Herauspumpen von etwa 4 Millionen cbm Was­ser, für die Instandsetzung der Maschinen und die Inbetrieb­nahme der Gruben. Schon am 11. Januar 1942 wurden die ersten 22 Tonnen Kohle gefördert. Im September desselben Jahres be­trug die durchschnittliche Tagesförderung bereits 3 5 000 Tonnen gegenüber 34 800 vor dem Krieg. Die gesamte Instandsetzung dauerte also hier nicht mehr als acht Monate.

Im Kriege wurde eine umfangreiche Neubautätigkeit durch­geführt. In den Jahren 1942 und 1943 überstieg die Zahl der Neubauten die des Jahres 1940. So konnte die Industrie des Hinterlandes wesentlich erweitert werden, während die Industrie der zeitweilig besetzten Gebiete ungeheure Verluste erlitt.

In den Jahren des Krieges wurden in der Verbesserung der Produktionstechnik nennenswerte Fortschritte gemacht und große organisatorische und technische Erfahrungen gesammelt. Tausende von Werkabteilungen wurden auf das Fließbandsystem umgestellt, wodurch die Arbeitsproduktivität beträchtlich ge­steigert werden konnte. Der Maschinenpark wurde mit Spezial­vorrichtungen und Werkzeug ausgerüstet. Die Ausnützung der installierten Kapazitäten wurde verbessert. Die Stahlarbeiter des Ostens lernten verschiedene Sorten von Stahl in gewöhnlichen Martinöfen gewinnen, wozu früher Elektroöfen notwendig waren. (zurück zum Inhalt)

II. DIE PERSPEKTIVEN DER KÜNFTIGEN ENTWICKLUNG

Der neue Fünfjahresplan 1946 - bis 1950

Tr otz den bedeutenden Erfolgen, die schon während des Krieges beim Wiederaufbau der Industrie zu verzeichnen waren, steht die Hauptarbeit noch bevor. Auf der Tagung im März 1946 prüfte und bestätigte der Oberste Sowjet der Sowjetunion den Fünfjahresplan des Wiederaufbaus und der Entwicklung der Sowjetvolkswirtschaft für die Jahre 1946 bis 1950.

Der neue Plan für die Jahre 1946 bis 1950, der in den nächsten fünf Jahren für die Entwicklung der Industrie bestimmend sein wird, enthält als erste Aufgabe den Wiederaufbau der Industrie in den während des Krieges von Hitlerdeutschland besetzten Gebieten. Nach diesem Plan muß die Umstellung der Kriegs­wirtschaft auf die Friedenswirtschaft im Jahre 1946 völlig ab­geschlossen sein. Die Betriebe, die auf Kriegsproduktion um­gestellt waren, werden zur Erzeugung für den Friedensbedarf zurückkehren.

Die Entwicklung der Industrie in den Ostgebieten und der all­mähliche Wiederaufbau der Industrie in den Gebieten, die von den Nazis besetzt waren, werden es ermöglichen, in den nächsten drei Jahren den Vorkriegsstand der Produktion zu erreichen und bis zum Jahre 1948 zu überholen. Der Wiederaufbau der Indu­strie in den heimgesuchten Gebieten wird erst am Ende des Fünf­jahresplanes völlig abgeschlossen sein. Die Schwierigkeiten, die mit der Lösung dieser Aufgabe zusammenhängen, kann man daran ermessen, daß diese Gebiete im Jahre 1945 erst 25 vH des Vorkriegsstandes (1940) erreicht hatten.

Im Jahre 1950 wird die Industrieproduktion den Vorkriegs­stand von 1940 um 48 vH übersteigen und einen Wert von 205 Milliarden Rubel (in unveränderten Preisen) betragen. Sie wird also gegenüber dem Stand von 1913 auf das 17fache, gegen­über 1929 auf das 9fache und gegenüber dem Stand von 1937 auf mehr als das Doppelte ansteigen und so das 3- bis 4fache der englischen ausmachen.

Um den geplanten Produktionsumfang zu erreichen, sieht der neue Fünfjahresplan ein riesiges Bauprogramm vor. Insgesamt müssen 5900 Betriebe (die Kleinbetriebe nicht eingerechnet) in Gang gebracht werden; davon sind 3200 Betriebe wiederherzu­stellen und 2700 neu zu bauen. Die für den Bau dieser Werke notwendigen Kapitalanlagen werden 157 Milliarden Rubel be­tragen, d. h. das 6fache der Kapitalanlagen des ersten Fünf­jahresplanes (1927 bis 1931), der mit Recht als der Fünfjahresplan der großen Neubauten in die Geschichte der Sowjetunion ein­gegangen ist.

Ein anderes, bezeichnendes Merkmal des neuen Fünfjahres­planes ist die weitere Verlagerung der Industrie nach dem Osten. Die im Krieg evakuierten Betriebe verbleiben zum Teil dort, Die größte Anzahl der neu zu bauenden Werke soll auf das Uralgebiet, auf Sibirien und den Fernen Osten verteilt werden. Die Ostgebiete werden somit für die Volkswirtschaft der Sowjet­union eine immer größere Bedeutung erlangen. Die Verlagerung der Industrie nach dem Osten in die Gebiete, welche über die reichsten Naturschätze verfügen, wird eine riesige Ersparnis an Arbeit, Materialien und Produktionsmitteln zur Folge haben. So wird sich in diesen Gebieten nicht nur die Rohstoffindustrie, sondern auch die verarbeitende Industrie (Maschinenbau, Chemie und Bedarfsartikel) in schnellem Tempo entwickeln.

Ein weiteres wichtiges Merkmal des neuen Fünfjahresplanes ist die Verbesserung der Produktionsverfahren. Es sind umfang­reiche Maßnahmen zur Mechanisierung verschiedener Arbeits­prozesse vorgesehen, zur Einführung automatischer Vorrich­tungen, zur weitgehenden, Auswertung der elektrischen Energie und der chemischen Vorgänge in den Produktionsverfahren, Umfangreiche Arbeiten zur Gewinnung und Verwendung gas­förmigen Brennstoffs sollen in Angriff genommen werden. Der Wissenschaft wurde die Aufgabe gestellt, verstärkt nach Mög­lichkeiten zur Verwertung der Atomkernenergie in der Industrie und im Verkehrswesen zu suchen,

Die Hebung des technischen Niveaus der Industrie wird dadurch gewährleistet, daß bei einer Erhöhung der gesamten Industrieproduktion um 48 vH die Erzeugung elektrischer Energie eine Steigerung von 70 vH aufweisen wird, die Produk­tion des Maschinenbaus eine Verdopplung, die Herstellung von hochproduktiven Aggregat- und Spezialwerkbänken eine Steigerung um das 9,5fache, die von Schmiedepressen uni das 3fache usw.

Schließlich ist bemerkenswert, daß in dem Plan die schnellste Wiederherstellung und Weiterentwicklung der Bedarfsartikel­industrievorgesehen ist, und zwar der Textilindustrie, der Schuh­industrie, der Fleisch-, der Konserven-, der Zuckerindustrie usw. Durch den Wiederaufbau und die Entwicklung dieser Industrie­zweige und der Landwirtschaft wird der Verbrauch im Vergleich zum Vorkriegsjahr 1940 um 28 vH zunehmen. Die Gesamt­menge der zum Verkauf an die Bevölkerung gelangenden Indu­striewaren wird um 36 vH höher sein als 1940.

Brennstoff und Energie

Die schwierigste Aufgabe ist die Instandsetzung des Kohlenberg­baus im Donezbecken, dem entscheidenden Kohlenrevier des Landes. Bis 1949 müssen hier 182 große Zechen wiederhergestellt und neue Zechen angelegt werden. Im Jahre 1950 wird dieses Revier mehr Kohle liefern als vor dem Kriege.

Das schnellste Tempo ist für die Entwicklung des Kohlenberg­baus im Ural, in Sibirien, im Fernen Osten und im Norden vor­gesehen. Insgesamt sollen über 250 große Bergwerke angelegt werden. Die Kohlenförderung wird von 166 Millionen Tonnen im Jahre 1940 auf 250 Millionen Tonnen im Jahre 1950 an­wachsen. Der gesamte Betrieb unter Tage wird völlig mechanisiert.

Der Plan sieht außerdem den Bau von 271 Kohlenverwer­tungsfabriken und 27 Brikettfabriken vor.

Bekanntlich ist die Sowjetunion bahnbrechend auf dem Ge­biete der unterirdischen Kohlenvergasung. Nach dem Prinzip des großen russischen Gelehrten Mendelejew werden die Kohlen­flöze unter der Erde vergast. Das Gas wird als Rohstoff an chemische Betriebe und als -Heizstoff an andere Werke geliefert. Es erübrigt sich, von der riesigen Ersparnis an Arbeit zu sprechen, die diese wahre Revolution im Bergbau mit sich bringt. Im neuen Fünfjahresplan ist vorgesehen, die Gasgewinnung durch Unter­tagvergasung auf 950Millionen cbm im Jahre 1950 zu steigern.

Insgesamt soll die Gasgewinnung mehr als l0 Milliarden cbm betragen.

Der Vorkriegsstand der Erdölgewinnung und -verarbeitung soll laut Plan im Jahre 1949 erreicht werden, so daß die Erdöl­gewinnung im Jahre 1950 auf 35 Millionen Tonnen ansteigen wird gegenüber 31 Millionen Tonnen im Jahre 1940. Die Ost­gebiete der Sowjetunion (Ural, Wolgagebiet usw.) werden in Zukunft in der Erdölgewinnung eine bedeutend größere Rolle spielen, obwohl das Erdölrevier von Baku nach wie vor führend sein wird.

In dem Plan ist außerdem der Wiederaufbau aller von den Nazis zerstörten Kraftwerke vorgesehen, so z. B. der des Wasser­kraftwerks am Dnjepr, das - der Stolz der sowjetischen Energie­wirtschaft - seiner Leistung nach in Europa an erster Stelle steht. Im Jahre 1950 wird die Stromerzeugung 82 Milliarden kWh be­tragen, gegenüber 4s Milliarden kWh im Jahre 1940. Außerdem soll ein großzügiger Bau von Kleinkraftwerken, Windkraft­werken und Wärmekraftwerken mit Lokomobil- oder Holzgas­antrieb erfolgen. Den Wissenschaftlern und der Industrie wurde die Aufgabe gestellt, Überlandleitungen mit Hochspannungs­gleichstrom zu schaffen.

Stahl und Buntmetalle

Der Schaden, den die Naziwandalen diesem Industriezweig zu­ gefügt haben, ist besonders groß; denn das wichtigste Zentrum der Stahlgewinnung war die Ukraine.

In dem Plan ist vorgesehen, bis 1950 die Roheisengewinnung auf 19,5 Millionen Tonnen und die Stahlerzeugung auf 25,4 Mil­lionen Tonnen zu erhöhen gegenüber 15 Millionen Tonnen Roh­eisen und 18,3 Millionen Tonnen Stahl im Jahre 1940. Die Walz­guterzeugung wird 17,8 Millionen Tonnen erreichen.

Für die Durchführung dieses gewaltigen Programms müssen 45 Hochöfen, 165 Martinöten, 90 Elektroöfen und 104 Walz­straßen instandgesetzt oder neu gebaut werden.

Vor allem ist die Steigerung der Roheisen- und der Stahlpro­duktion in den Ostgebieten vorgesehen, und zwar sollen diese Gebiete doppelt soviel Roheisen und 3mal soviel Stahl liefern wie die gesamte Hüttenindustrie des Landes im Jahre 1913.

Was die Buntmetallgewinnung anbetrifft, soll, verglichen mit dem Stand von 1940, die Kupfergewinnung auf das 1,6iache, die Aluminiumgewinnung auf das Doppelte, die Magnesium­gewinnung auf das 2,7tache, die Nickelgewinnung auf das 1,9­ fache, die Bleigewinnung auf das 2,6iache, die Zinkgewinnung auf das 2,5iache, die Wolframgewinnung auf das 4,4Eache, die Molybdängewinnung auf das 2,1fache und die Zinngewinnung auf das 2,7iache ansteigen. Die Hauptgebiete der Buntmetall­gewinnung werden der Ural und Kasachstan sein. Auch Sibirien wird in der Buntmetallindustrie eine viel größere Rolle als bis­her spielen.

Maschinenbau

Dieser Industriezweig war seit jeher Gegenstand unermüdlicher Bemühungen der Regierung. Bereits im Jahre 1940 war die Pro­duktion des Maschinenbaus 50mal größer als 1913. Diese Politik der weitestgehenden Entwicklung des Maschinenbaus wird auch im neuen Fünfjahresplan fortgesetzt.

Das Entwicklungstempo des Maschinenbaus ist doppelt so schnell wie das der gesamten Industrie im neuen Fünfjahresplan: seine Produktion soll im Jahre 195o das 25fache der Produktion von 1928 betragen.

Der Werkzeugmaschinenbau wird im Jahre 195o seine Produk­tion auf 74 000 Werkbänke - davon mehr als 12 000 Aggregat­werkbänke, Spezialautomaten und Halbautomaten - erhöhen.

Der Plan sieht vor, daß der Maschinenpark an metallbearbei­tenden Werkbänken auf 13 0000o Stück gebracht wird, was den Werkbankpark der Vereinigten Staaten vom Jahre 1940 um 30 vH übersteigt.

Die bestehenden Automobilwerke des Sowjetlandes werden nach dem neuen Fünfjahresplan bedeutend erweitert. Außerdem werden in verschiedenen Gegenden des Landes sieben neue Automobilwerke errichtet, die im Jahre 1950 zusammen mit den alten Betrieben 500000 Kraftwagen liefern sollen. Nach wie vor wird der Bau von Lastkraftwagen den Hauptbestandteil der Ge­samtproduktion bilden. Der Fünfjahresplan sieht 428 000 Last­kraftwagen vor, also 3,5ma1 soviel wie in England vor dem Kriege gebaut wurden. Personenwagen werden in mehreren Typen produziert, und zwar komfortable Siebensitzer, Fünf­sitzer und Kleinwagen.

Auf die Entwicklung des Verkehrsmaschinenbaus wird im neuen Fünfjahresplan besonderer Wert gelegt. Folgende Statistik gibt eine Übersicht über diesen wichtigen Zweig des Maschinen­baus in der Sowjetunion im Vergleich zu dem der Vereinigten Staaten:

Sowjetunion 1950

USA 1929

Lokomotiven für den Fernverkehr

2200

1065

Güterwagen (umgerechnet auf zweiachsige)

146000

170800

Personenwagen

2600

1274

Außerdem sollen nach dem neuen Fünfjahresplan 300 Diesel­lokomotiven und 220 Elektrolokomotiven für den Fernverkehr gebaut werden.

Eine hervorragende Stelle nimmt im neuen Fünfjahresplan der Traktoren- und Landmaschinenbau ein. Vor etwa 15 bis 20 Jahren war die entscheidende Zugkraft in der Landwirtschaft das Arbeitsvieh. Im Jahre 1928 betrug der Anteil des Maschinen­antriebs nur 4 vH. In den darauffolgenden Jahren jedoch vollzog sich in der Landwirtschaft eine wahrhafte technische Revo­lution. Heute sind mehr als zwei Drittel der Zugkräfte Antriebs­maschinen. Die Nazitruppen haben dem Landmaschinenpark der Sowjetunion schweren Schaden zugefügt. Der Wiederaufbau der Landwirtschaft erfordert deshalb vor allem schnellstes Ent­wicklungstempo im Traktorenbau sowie bei der Herstellung von Anhängerinventar, Mähdreschern, Dreschmaschinen usw. In dem Plan ist für 1950 der Bau von 112000 Traktoren, 110000 Traktorenpflügen, 83000 Sämaschinen für Traktoren festgelegt. Insgesamt wird die Landwirtschaft der Sowjetunion in fünf Jahren 350000 Traktoren und 174000 Mähdrescher erhalten.

Für alle Zweige des Maschinenbaus ist ein schnelles Entwick­lungstempo der Produktion angesetzt. Die Erzeugung von Textil­maschinen wird auf das 4fache gesteigert, die der optisch-mecha­nischen und der elektrischen Meßgeräte auf das 7fache, die der Elektroapparatur auf das 2,5fache.

Besonders groß sind die Aufgaben, die der Baumaterialien­industrie angesichts des im Fünfjahresplan vorgesehenen gran­diosen Bauprogramms erwachsen. Es wurde bereits erwähnt, daß 59100 Betriebe (die kleinen nicht eingerechnet) wiederhergestellt oder neu gebaut werden müssen. Auch für den Wohnungsbau ist eine rapide Entwicklung vorgesehen. In den Städten und den Arbeitersiedlungen sollen Wohnhäuser mit einer Gesamtwohn­fläche von 84 Millionen qm neu errichtet oder wiederhergestellt werden, auf dem Lande etwa 3,5 Millionen Häuser.

Der Plan sieht weiterhin eine Steigerung der Produktion aller entscheidenden Baumaterialien - Zement, Glas, Schiefer und Dachziegel - im Vergleich zum Stand von 1940, auf das 2- bis 4fache vor. Es wird ein neuer Industriezweig geschaffen: die fabrikmäßige Herstellung von Wohnhäusern und Standardbau­teilen. Jährlich sollen Häuser mit einer Gesamtwohnfläche von 4,6 Millionen qm fabrikmäßig hergestellt werden. Die Bau­materialienbetriebe sollen sich, um weite Transporte zu ver­meiden und die örtlichen Reserven maximal auszunutzen, in der Nähe der Neubaustellen befinden.

Chemie

Dieser Industriezweig muß auf Grund des Planes alle seine Betriebe wiederaufbauen und die Produktion von Chemikalien weiter steigern. Vor allem sind in dem Plan die Wiederherstel­lung und die Weiterentwicklung der Stickstoffindustrie sowie die Produktion von Farbstoffen und Düngemitteln festgelegt. Im, Jahre 1950 soll die Produktion von Superphosphat 8 Mil­lionen Tonnen betragen gegenüber 1,4 Millionen Tonnen im Jahre 1937 und gegenüber 4 Millionen Tonnen, die 1929 und 1937 in den Vereinigten Staaten hergestellt wurden. Die Pro­duktion von synthetischem Kautschuk soll im Vergleich zu 1940 verdoppelt und die von Automobilreifen verdreifacht werden. Bis 1950 wird die Produktion von natürlichem Kautschuk in großem Umfang aufgenommen sein.

Bedarfsgüter und Nahrungsmittel

Im neuen Fünfjahresplan ist ein Jahreszuwachs dieser Industrie­zweige um 17 vH vorgesehen. Auf diese Weise wird sich die Pro­duktion der Bedarfsgüter und der Nahrungsmittel im Vergleich zu 1945 verdoppeln.

Zur Durchführung der gewaltigen Aufgaben sind in dem Plan große Kapitalanlagen vorgesehen, um den Vorkriegsstand nicht nur zu erreichen, sondern bedeutend zu überschreiten. Es müssen 92 Zuckerraffinerien, 144 Spritbrennereien, 24 Konserven­fabriken, 68 Brotfabriken, 41 Wurstfabriken und 29 Kühlhäuser wiederhergestellt und eine große Anzahl von neuen Fabriken gebaut werden.

In der Textilindustrie ist der Bau von großen Baumwoll-, Woll- und Wirkwarenfabriken, vor allem in Mittelasien und Sibirien, sowie einer Anzahl von Schuh-, Leder- und Rauch­warenfabriken geplant.

Diese Industriezweige sollen eine bedeutende Verbesserung der Qualität ihrer Produktion sowie eine weitgehende Erhöhung des Assortiments der Erzeugnisse unter größtmöglicher Aus­wertung der lokalen Reserven erreichen.

Für 10,50 sind vorgesehen: 4,7 Milliarden m Baumwollstoffe, 159 Millionen m Wollstoffe, 240 Millionen Paar Lederschuhe, 8 8 Millionen Paar Gummischuhe, 2,4 Millionen Tonnen Zucker, mehr als eine Million Tonnen Butter und 87000o Tonnen Seife zu erzeugen und 2,2 Millionen Tonnen Fische zu fangen. Im Jahre 1950 sollen außerdem hergestellt werden:

925 000 Rundfunkempfänger,

1 000 000 Grammophone,

1 050 000 Fahrräder,

7 400 000 Uhren.

Alle diese Tatsachen beweisen, wie im neuen Fünfjahresplan vor allem den Bedürfnissen der Volksmassen Rechnung getragen wird.

In dem Plan ist eine Steigerung der Arbeitsproduktivität um 36 vH im Vergleich zum Vorkriegsstand vorgesehen. Diese Steigerung wird durch weitestgehende Einführung der modern­sten Technik gewährleistet, die Arbeit von Millionen Menschen einsparen und erleichtern wird.

Eine schwierige Aufgabe ist die Versorgung der sich schnell entwickelnden Industrie mit Facharbeitern. Im Plan ist deshalb vorgesehen, daß der Nachwuchs an Facharbeitern vor allem aus den staatlichen Handwerks- und Betriebsschulen, die mehr als 3 Millionen junge Arbeiter für die Industrie ausbilden, ent­nommen werden soll.

Der neue Fünfjahresplan erfordert größte Anstrengungen. Aber niemand im Sowjetlande zweifelt an seiner Erfüllung. Die Gewähr dafür bieten die Erfahrungen, die bei der Durchführung des ersten und des zweiten Fünfjahresplanes gesammelt wurden. Beide waren vorfristig erfüllt. Die erfolgreiche Durchführung des dritten Fünfjahresplanes wurde nur durch den Krieg unmög­lich gemacht.

Gewähr für die Erfüllung des neuen Fünfjahresplanes bietet vor allem die ungeheure Arbeitsbegeisterung der breitesten Massen der Sowjetvölker. Millionen von ihnen wissen aus eigener Erfahrung, daß jeder Schritt vorwärts bei dem Wieder­aufbau und der Weiterentwicklung der Volkswirtschaft zugleich ein Schritt vorwärts bedeutet für ihren eigenen materiellen Wohlstand und für ihr Kulturniveau. Deshalb wurde die Durch­führung des neuen Planes mit größtem Enthusiasmus in Angriff genommen.

Ein Plan für 15 Jahre

Stalin entfaltete in seiner Wahlrede vom Februar 1946 die Um­risse eines Planes zur Entwicklung der Volkswirtschaft des Lan­des in den nächsten 15 Jahren. Stalin wies auf die Notwendigkeit hin, »einen neuen machtvollen Aufschwung der Volkswirtschaft in die Wege zu leiten, der uns die Möglichkeit bietet, den Stand unserer Industrie im Vergleich zum Vorkriegsstand, sagen wir, auf das 3fache zu heben. Wir müssen es erreichen, daß unsere Industrie in der Lage ist, jährlich 50 Millionen Tonnen Roheisen, 60 Millionen Tonnen Stahl, 500 Millionen Tonnen Kohle und etwa 60 Millionen Tonnen Erdöl zu erzeugen. Nur unter dieser Bedingung kann man damit rechnen, daß unser Heimatland gegen alle Zufälle gesichert sein wird. Dafür werden vielleicht drei neue Planjahrfünfte, wenn nicht mehr, erforderlich sein. Aber das ist zu schaffen, und wir müssen es schaffen.«

Stalin betonte vor allem die Notwendigkeit, die Roheisen- ­und die Stahlgewinnung um mehr als das 3Fache zu steigern. Die Hauptaufgabe der Industrie, ihr schließliches Ziel, ist die Erzeugung von Bedarfsartikeln. Doch wird die Entwick­lung dieser Industriezweige in entscheidendem Maße davon abhängig sein, inwieweit sie mit Maschinen ausgerüstet sind, inwieweit die Landwirtschaft, die sie mit Rohstoffen beliefert, mit Maschinen versorgt ist und wie das Transportwesen, das die Volkswirtschaftszweige und das gesamte Territorium des Landes zu einer geschlossenen Einheit verbindet, entwickelt ist. All das aber erfordert in erster Linie Metall und nochmals Metall.

Eine Analyse der ökonomischen Entwicklung der Vereinigten Staaten von Amerika zeigt, daß in den Zeiten, als der Bau neuer Betriebe die Hauptquelle für die Entwicklung der Produktion war, die Dynamik der Roheisen- und der Stahlgewinnung dem Entwicklungstempo der gesamten Industrieproduktion entsprach oder es sogar übertraf. Das war am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Fall. Dies ist eines der wichtigsten Ent­wicklungsgesetze der Industrie.

Nach Durchführung des 15-Jahres-Planes wird die Sowjetunion ebensoviel Roheisen und Stahl erzeugen wie die Vereinigten Staaten im Jahr 1929 und etwas weniger, als die Vereinigten Staaten im Zweiten Weltkrieg produzierten. Die Steinkohlen­förderung wird sich gegenüber 1940 verdreifachen, und die Erd­ölgewinnung wird sich verdoppeln. Die Sowjetunion wird dann mit ihrer Kohlenförderung die Vereinigten Staaten einholen, doppelt soviel wie England fördern und in der Erdölgewinnung nur den Vereinigten Staaten nachstehen.

Die genaue Festlegung der konkreten Aufgaben für die wich­tigsten Zweige der Leicht- und der Nahrungsmittelindustrie wird Sache der nächsten Zukunft sein. Es ist jedoch klar, daß die Ent­wicklung dieser Industriezweige der allgemeinen Entwicklung der Gesamtindustrie, deren Produktion sich verdreifachen soll, ungefähr entsprechen muß. Unter dieser Bedingung wird die Industrieproduktion im Vergleich zum Stand von 1929 auf das 18fache ansteigen. Die Sowjetunion wird, wenn sie diesen Pro­duktionsumfang erreicht hat, die Industrieproduktion der Ver­einigten Staaten quantitativ einholen.

Durch die Verwirklichung dieses Planes wird es möglich sein, im Sowjetlande einen noch nie und nirgends da gewesenen Über­fluß an allen Gebrauchsgegenständen zu schaffen.

Die Fähigkeit der Sowjetwirtschaft bei gleichem Produktions­umfang je Kopf der Bevölkerung, einen höheren Stand der Kon­sumption als in den anderen Ländern zu erreichen, erklärt sich durch verschiedene Gründe:

Vor allem ist zu berücksichtigen, daß der Anteil des Exports in der Gesamtmasse der in der Sowjetunion erzeugten Waren außerordentlich gering ist. Darum verbleibt fast die Gesamt­menge der erzeugten Waren im Lande.

Die sozialistische Planwirtschaft ist weder Krisen, Depres­sionen noch Absatzschwierigkeiten unterworfen. Es ist daher völlig undenkbar, daß irgendwelche Erzeugnisse oder Lebens­mittel in der Sowjetunion vernichtet oder unbrauchbar gemacht werden, um die Preise hochzutreiben, wie das in vielen kapitalistischen Ländern der Fall ist,

In der Sowjetunion werden fast keine ultraluxuriösen Artikel hergestellt, die nur für einen ganz geringen Teil der Bevölkerung vorgesehen sind. Dagegen machen beispielsweise in den Ver­einigten Staaten nach vorliegenden Berechnungen gerade diese Industriezweige, deren Produkte dem Fonds des Volkskonsums nicht zufließen, etwa 15 vH der Gesamtproduktion aus,

Schließlich ist noch zu erwähnen, daß in der Sowjetunion die Ausgaben für Reklame äußerst gering sind. Zwei bekannte amerikanische Nationalökonomen schrieben bereits vor langer Zeit in einem Buch mit dem bezeichnenden Titel: »Wie das Geld der Konsumenten verpulvert wird!«, daß »die Reklame Dumm­köpfe aus uns macht«. »Wir verbrauchen Berge guten Eisenerzes und zahllose Pferdekräfte« - heißt es in dem Buch - » um nach einigen Monaten den Müllkasten damit zu füllen.«

Die Sowjetunion ist der Ansicht, daß die Reklame für Ge­brauchsgegenstände notwendig ist, jedoch in bestimmten Gren­zen. Darum werden in der Sowjetunion für Reklame nur geringe Bruchteile eines Prozents dafür ausgegeben.

Aus all diesen Ursachen werden dem Fonds des Volkskonsums in der Sowjetunion - wenn dort die amerikanischen Produk­tionsnormen je Kopf der Bevölkerung erreicht sind - wesentlich mehr Waren zufließen, als es in den Vereinigten Staaten der Fall ist. Das wird der Sowjetunion die entscheidenden Schritte er­möglichen, die leuchtenden Gipfel des Kommunismus zu er­klimmen und eine Gesellschaftsordnung zu verwirklichen, in der alle Bedürfnisse des Volkes restlos befriedigt werden können.

Stalins Plan ist ein grandioses Aktionsprogramm. In den Zahlen dieses Planes sehen die Völker der Sowjetunion die materielle Verkörperung ihres Wohlstands und ihres Glücks. (zurück zum Inhalt)

III. DER AUFBAU DER INDUSTRIEVERWALTUNG

Die staatliche Industrie

Die Werke, die Fabriken, die Gruben und die Bergwerke sind in der Sowjetunion Staatseigentum, d. h. Gemeingut des Volkes, oder Eigentum von Genossenschaften. Der Anteil des Privateigentums in der Industrie ist verschwindend ge­ring und spielt in der Volkswirtschaft des Landes überhaupt keine Rolle.

Der Anteil der staatlichen Industrie an der Gesamtindustrie­produktion beträgt etwa 85 vH. Die übrigen 15 vH entfallen auf die Industrie der Genossenschaften.

Die Lenkung der staatlichen Industrie der Sowjetunion obliegt den eigens dazu geschaffenen Ministerien und Be­hörden.

Die Ministerien lassen sich in drei Gruppen einteilen. Zur ersten Gruppe gehören die Unionsministerien entsprechender Zuständigkeit. Sie sind in den einzelnen Unionsrepubliken nicht vorhanden. Wenn in irgendeiner der sechzehn Unionsrepubliken eine nennenswerte Anzahl von Betrieben irgendeines Industrie­zweiges vorhanden ist, die einem Unionsministerium unter­stehen, so hat dieses Ministerium bei der Regierung der Unions­republik seinen Bevollmächtigten. Der Bevollmächtigte, der unmittelbar dem Minister unterstellt ist, koordiniert mit der Regierung der betreffenden Republik alle Fragen derjenigen Betriebe des Ministeriums, die sich auf dem Gebiet der Unions­republik befinden.

Jedes Unionsministerium verwaltet einen bestimmten oder mehrere Industriezweige. Es gibt zweiundzwanzig industrielle Unionsministerien. Unter ihnen: das Ministerium für Kraft­werke, das Ministerium für die Hütten- und Stahlindustrie, das Ministerium für die Buntmetallgewinnung, das Ministerium für die elektrotechnische Industrie.

Die zweite Gruppe bilden die Unions- und die Republik­ministerien, die sowohl in der gesamten Union als auch in jeder Unionsrepublik vorhanden sind: das Ministerium für die Textilindustrie, das Ministerium für die Leichtindustrie, das Ministerium für die Nahrungsmittelindustrie, das Ministerium für die Holzindustrie, das Ministerium für die Baumaterialien­industrie u. a.

Die Minister der Unions- und der Republikministerien sind Mitglieder der Regierung der UdSSR. Sie gehören dem Minister­rat an.

Die dritte Gruppe der Ministerien sind die Republikministe­rien. Sie bestehen nur in den Unionsrepubliken. Es gibt zwei Industrieministerien: das Ministerium für die örtliche Industrie und das Ministerium für die örtliche Brennstoffindustrie. Dem Ministerium für örtliche Industrie unterstehen Wirkwaren-, Konfektions- und Galanteriewarenfabriken, Reparaturwerk­stätten, Druckereien, Schuhfabriken usw., die ihre Produktion in' der betreffenden Republik absetzen und örtliche Rohstoffe verwenden, .

Dem Ministerium für örtliche Brennstoffindustrie unterstehen die Bergwerke, die Torfstechereien und die Holzbeschaffungs­stellen, deren Bedeutung sich auf die betreffende Unionsrepublik beschränkt.

Die Betriebe, die ein bestimmtes Gebiet oder eine bestimmte Region beliefern, unterstehen den Verwaltungen der örtlichen Industrie bei den Gebiets-Exekutivkomitees der Sowjets. Die­jenigen Betriebe, deren Bedeutung nicht über den Rahmen einer bestimmten Stadt hinausgeht, unterstehen den Verwaltungen der örtlichen Industrie bei den Stadt-Exekutivkomitees. Schließ­lich gibt es in den Kreisen (die Zahl der Kreise in der Sowjet­union beträgt rund 4500) Kreis-Industrieunternehmungen, in denen Betriebe von Kreisbedeutung zusammengefaßt sind (Bau­- und Dachziegelherstellung, Herstellung alkoholfreier Getränke, Nähereien und Schuhwerkstätten, kleinere Druckereien, Repa­raturwerkstätten usw.). Die Kreisindustrie untersteht den Kreis­-Exekutivkomitees der Sowjets.

Die genossenschaftliche Industrie

Die Genossenschaftsindustrie der Sowjetunion umfaßt mehrere, hunderttausend Unternehmungen, vor allem Kleinbetriebe.

Die meisten Genossenschaftsbetriebe bestehen in den Kol­lektivwirtschaften, so z. B. Getreide- und Graupenmühlen, Mol­kereien, Schmieden, kleine Wasserkraftwerke usw.

Alle diese Betriebe sind Eigentum der Kollektivwirtschaften. Die Mitgliederversammlung und die Verwaltung der Kollektiv­wirtschaft prüfen und bestätigen die Produktionspläne sowie die Rechenschaftsberichte, stellen Kollektivbauern für die Arbeit zur Verfügung und verteilen die Einkünfte. Diese Genossen­schaftsbetriebe erzeugen einige Prozent der gesamten Industrie­produktion.

Die größte genossenschaftliche Organisation der Sowjetunion ist der Verband der Gewerbegenossenschaften, dem etwa 70 000 Betriebe, darunter ungefähr 9000 größere, angehören. Ihr An­teil an der Bruttoproduktion der Industrie beträgt etwa 10 vH.

Zum Verband der Gewerbegenossenschaften gehören Tau­sende von Genossenschaften, in denen mehrere hunderttausend Heimarbeiter beschäftigt sind. In verschiedenen Kreisen gibt es Gewerbezweige, die bereits seit einigen Jahrhunderten bestehen. Die Produktion der Gewerbegenossenschaften ist äußerst ver­schiedenartig: Teppiche, Spitzen, Sättel und Zaumzeug, Möbel, Schlösser, verschiedene Reparaturwerkstätten usw. usw. Viele Genossenschaften haben große Fabriken mit Hunderten von Arbeitern.

Außerdem gibt es in der Sowjetunion Invaliden-, Forst- sowie Jagd- und Fischereigenossenschaften. Verschiedene Betriebe (Molkereien und Käsereien, Bäckereien und Limonadenfabriken) gehören den Konsumgenossenschaften, deren Wirkungsbereich sich nur auf die ländlichen Ortschaften erstreckt.

Der Betrieb als Basis für die Lenkung der Industrie

Jeder Betrieb bekommt seinen Plan, in dem die Nomenklatur, die Menge, die Gestehungskosten der herzustellenden Waren sowie die Beträge genau angegeben sind, die je Einheit des Fabri­kats an den Staat abzuführen sind, ferner der Preis des fertigen Produkts. Die Differenz zwischen Gestehungskosten zuzüglich Leistungen an das Staatsbudget einerseits und dem Verkaufpreis andererseits bildet den Gewinn des Betriebs. Hat der Betrieb eine Senkung der im Plan vorgesehenen Gestehungskosten er­zielt, erhöht sich entsprechend der Gewinn. Ein Teil des Gewinns (4o bis 60 vH je nach dem betreffenden Industriezweig) verbleibt dem Betrieb. Der Rest wird dem Staatsbudget zugeführt. Der planmäßige Preis setzt sich also wie folgt zusammen: planmäßige Gestehungskosten, planmäßige Leistungen an das Staatsbudget (die als »Umsatzsteuer« bezeichnet werden) und planmäßiger Gewinn.

Nach Absatz der Produkte hat der Betrieb die Möglichkeit, einen Teil des Erlöses zur Anschaffung von Rohstoffen ' Brenn­stoff, Material usw. sowie für die Entlohnung zu verwenden. Der Gewinn dient zur Erweiterung der Zirkulationsmittel, zur Rationalisierung der Produktion usw. Ein Teil des Gewinns fließt dem Staatsbudget zu. Ein anderer Teil sowie ein bedeuten­der Prozentsatz des Mehrgewinns werden zur Verbesserung der Wohn- und der Lebensverhältnisse der Arbeiter und der An­gestellten, der Prämiierung der Besten u. dgl. m., verwendet.

Die Abschreibungen gehören zu einem bestimmten Prozent­satz zu den Gestehungskosten. Ein Teil der Abschreibungen bildet den Fonds für die Gesamtüberholung, der andere Teil wird der Bank für langfristige Finanzierung der Industrie zu­geführt, wo die Mittel zur Finanzierung der Bautätigkeit akku­muliert werden.

Die finanzielle Kontrolle der Industrie

Jeder Betrieb untersteht einer finanziellen Kontrolle. Die Finanz­behörden bekommen den Produktionsplan des Betriebs über­wiesen und sind so über die Leistungen an das Staatsbudget je Einheit des Fertigfabrikats sowie über den Produktionsplan für bestimmte Zeitabschnitte genau unterrichtet. Hat das Staats­budget die im Finanzplan vorgesehenen Summen zum fälligen Termin nicht erhalten, so hat der Betrieb seinen Produktions­plan nicht erfüllt. Die Nichterfüllung des Planes führt zu Schwierigkeiten bei der Bezahlung der Roh- und der Brenn­stoffe, des Materials usw. Die Leistungen der Industrie an das Staatsbudget bilden die größte Einnahmequelle des Sowjetstaates; sie betragen etwa 60 vH aller Budgeteinnahmen. Bekanntlich ist in den kapita­listischen Ländern die Hauptquelle der Staatseinnahmen die Ein­treibung eines bestimmten Teils des Einkommens der Bevölke­rung in Form direkter und indirekter Steuern. Die Profite der Industrie dagegen verbleiben nach dein Grundsatz des Privat­eigentums in den Händen einzelner Privatpersonen, der Trusts und der Konzerne. In der Sowjetunion übernimmt der Staat gegenüber der Indu­strie sämtliche wirtschaftliche und organisatorische Funktionen. Die Industrie ist Eigentum des Staates. Das Staatsbudget verfügt über den Gewinn im Interesse der rationellsten Entwicklung der gesamten Volkswirtschaft sowie der Hebung des materiellen und des kulturellen Niveaus der Bevölkerung und der Festigung der Verteidigungskraft des Landes. Darum sind die Sowjetfinanzbehörden unmittelbar daran interessiert, daß die Betriebe ihre Pläne erfüllen. Jedem Betrieb stehen die erforderlichen Zirkulationsmittel für eine normale Tätigkeit zur Verfügung. In gewissen Fällen gibt jedoch die Staatsbank den Betrieben Kredite. Alle Betriebe haben bei der Bank ihre Konten. Die Betriebe sind verpflichtet, die freien Summen auf der Bank zu hinterlegen. wofür sie bestimmte Zinssätze erhalten. Der Betrieb hat das Recht, über alle auf seinem Bankkonto befindlichen Mittel nach eigenem Ermessen zu verfügen. Der Grundsatz der individuellen Leitung ist in den Betrieben restlos verwirklicht. Der Betrieb wird durch einen vom Mini­sterium oder vom Verantwortlichen der Hauptverwaltung er­nannten Direktor geleitet. Der Direktor ist verantwortlich für die Geschäftslage des Betriebs, und er allein leitet ihn. Das be­deutet natürlich, daß der Direktor eines Betriebs, der Leiter einer Hauptverwaltung oder ein Minister seine Aufgaben nur erfüllen kann, wenn er sich auf die gesellschaftlichen Organisationen des Betriebs stützt oder im engen Kontakt mit der Gewerkschaft arbeitet. Aber alle Entscheidungen trifft der Direktor selbst, und er allein leitet ihre Durchführung.

Die Struktur der Betriebsleitung kann nicht überall die gleiche sein. Sie. ist verschieden, und zwar je nach der Größe des Be­triebs, nach dem Charakter der Produktion und des Produktions prozesses. In manchen Betrieben gibt es große Konstruktions­abteilungen, Absatz- und Lagerorganisationen. Und doch haben die Betriebsleitungen bei aller Verschiedenheit die gleichen Hauptaufgaben zu lösen. Es kommt darauf an, einen exakten rhythmischen Produktionsprozeß zu erzielen, um die Pläne zu erfüllen, die Arbeitsproduktivität zu heben und die Gestehungs­kosten zu senken. Dazu sind notwendig: eine richtige Arbeits­organisation, präzise Kontrolle und operative Erfassung des gesamten Produktionsgangs sowie Schaffung aller nur möglichen Voraussetzungen für die Entfaltung der schöpferischen Initiative und Aktivität der gesamten Belegschaft.

Es muß dabei bemerkt werden, daß die Bedingungen für die Produktion in den Sowjetbetrieben außerordentlich günstig sind. Der Betrieb kennt keine Absatzschwierigkeiten. Wenn ein Be­trieb seine Erzeugung entsprechend dem festgesetzten Assortiment und in der erforderlichen Qualität produziert hat, ist der Absatz der Produktion gewährleistet. Dem Betrieb droht keine überraschende Senkung des Absatzpreises, denn dieser ist vom Staat im voraus festgesetzt. Sollte die Regierung es aus irgend­einem Grunde für nötig erachten, die Absatzpreise zu senken, so wird das in den Abrechnungen mit dem betreffenden Betrieb berücksichtigt. Außerdem sind für die Arbeiter Verhältnisse ge­schaffen, die eine organische Einheit der gesamten Belegschaft herbeiführen. Der Arbeitstag in den Sowjetbetrieben beträgt sechs bis acht Stunden. Die Hauptform der Entlohnung sind der Alkorlohn und das progressive Prämiensystem. Alle Arbeiten­den bekommen Unterstützung bei vorübergehender Arbeits­unfähigkeit, für die Beerdigung verstorbener Angehörigen usw., Arbeiterinnen bei Schwangerschaft und in der Stillzeit. Die Aus­gaben der Sozialversicherung trägt der Staat. Die Leitung der Organe, der Sozialversicherung liegt jedoch in den Händen der Gewerkschafter. Alle Arbeitenden erhalten auf Staatskosten einen bezahlten zwei- bis vierwöchigen Urlaub, wobei der Durchschnittslohn als Grundlage dient. Der Betrieb führt einen bestimmter Prozentsatz des Lohnfonds an die Gewerkschaft ab zur Verbesserung der Lebensverhältnisse und zur Durchführung kultureller Maßnahmen. Die Arbeiter haben das Recht, in Ver­sammlungen und in der Presse ihre Vorgesetzten zu kritisieren, die Berücksichtigung ihrer Forderungen zu beanspruchen, die Absetzung untauglicher Direktoren und Vorgesetzten zu ver­langen usw. Die Geschichte der Sowjetindustrie kennt keinen einzigen Fall, in dem berechtigten Forderungen der Arbeiter nicht entsprochen worden wäre.

All das schafft in den Betrieben eine Atmosphäre des Zu­sammenhalts, der Einheit, des Pflicht- und des Verantwortungs­bewußtseins. (zurück zum Inhalt)

IV. DIE WICHTIGSTEN PRINZIPIEN DER PLANUNG DER SOWJETINDUSTRIE

Die Hauptziele der Pläne

Der Übergang der größten Betriebe in die Hände des Staates nach der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution im Jahre 1917 - brachte die Notwendigkeit einer unmittelbaren Leitung der Industrie mit sich. Andererseits wurde es möglich, die Indu­strie zu planen, da der Staat nicht nur die Werke und Fabriken, sondern auch den Boden, das Verkehrswesen, die Banken und den Außenhandel in Besitz nahm. Gestützt auf diese Schlüssel­stellungen der Volkswirtschaft, konnte der Staat den Betrieben konkrete Produktionspläne geben.

Das Ziel jedes Produktionsplans ist die Steigerung des gesell­schaftlichen Reichtums. Die Erzielung von Gewinn war niemals und ist auch jetzt nicht das Entscheidende für die Tätigkeit eines staatlichen Betriebs. Trotzdem wird den Fragen der Rentabilität größte Aufmerksamkeit geschenkt, da der Gewinn eines der wichtigsten Merkmale der Arbeitsqualität und der Gewinn der Industrie eine der wichtigsten Quellen der Staatseinnahmen ist. Aber selbst Betriebe, die mit Verlust arbeiten, werden m wenn die Volkswirtschaft ihre Erzeugnisse benötigt - von der Regie­rung angewiesen, ihre Produktion nicht etwa einzustellen, son­dern im Gegenteil sie zu steigern.

Steigerung der Industrieproduktion bedeutet Steigerung des gesellschaftlichen Reichtums des Landes. Darum ist allen Zweigen der Volkswirtschaft, folglich auch der Industrie, die Aufgabe ge­stellt, die Produktion stetig zu erweitern.

Das Anwachsen des gesellschaftlichen Reichtums in der Sowjet­union bedeutet einen ständigen Aufstieg des materiellen und kulturellen Niveaus der gesamten Bevölkerung. Dementsprechend ist vorgesehen, die Produktion von Gebrauchsgegenständen von Jahr zu Jahr zu steigern, die Löhne zu erhöhen, mehr Schulen, Hochschulen, Theater und Kinos zu bauen und dem Wohn- und Kommunalbau sowie die soziale und kulturelle Bautätigkeit zu erhöhen.

Das wichtigste Merkmal der Revolution in der Sowjetunion war, daß breite Massen des Volkes mit aller Deutlichkeit den Unterschied der Lebensbedingungen vor der Revolution gegen­über denen nach ihrem Sieg voll erkannten, als nicht nur die politischen Rechte errungen wurden, sondern auch die Arbeits­losigkeit völlig beseitigt, der materielle Lebensstandard beträcht­lich gehoben wurde und die Kultur zu voller Blüte gelangte.

Und darin liegt die Kraft des Sowjetstaates, daß das Volk dem Sowjetsystem ergeben ist. Das haben Millionen Sowjetmenschen während des Krieges durch ihren Heldenmut an der Front und durch ihre großen Taten im Hinterlande bewiesen, als sie die nationale Unabhängigkeit des Sowjetlandes schützten.

Die Aufgabe, das Lebensniveau und die Kultur zu heben, war, ist und wird auch in Zukunft eine der größten Aufgaben der Sowjetunion sein.

Das nächste Ziel der staatlichen Planung ist die Steigerung der Verteidigungsfähigkeit des Landes, die Unterordnung des ge­samten Planes unter diese Aufgabe, um die Integrität und die Unabhängigkeit des Landes vor möglichen Angriffen irgendeines Aggressors zu schützen.

Die Gefahr eines Krieges war für das Land eine stetige. Die Erinnerung an den Krieg Deutschlands gegen Rußland in den Jahren 1914 bis 1918 ist im Volke noch lebendig, ebenso der darauffolgende Bürgerkrieg, die Intervention sowie die provokato­rischen Aktionen der japanischen Imperialisten, und vor allein die Vorbereitungen der deutschen Faschisten zum Kriege, die besonders stark nach Hitlers Machtergreifung im Jahre 1933 betrieben wurden. Deshalb nahm das Sowjetvolk manche Ent­behrungen auf sich, um ganze Industriezweige für die Landes­verteidigung zu schaffen und die Armee und die Kriegsmarine zu stärken. Diese Entbehrungen wurden belohnt. Der Roten Armee gelang es, die deutsche Kriegsmaschine zu zerschmettern und in den blutigen Kämpfen an der Ostfront die Naziarmeen aufzu­reiben. Jetzt, da der Krieg zu Ende ist, wird die Industrie auf den Frieden umgestellt: Aber die Aufgabe, die Verteidigungskraft des Landes weiter zu stärken, darf dabei nicht vergessen werden.

Bei Beginn des Zweiten Weltkrieges hatte die Sowjetunion die so wichtige Aufgabe, ihre technische und wirtschaftliche Un­abhängigkeit zu erreichen, im großen und ganzen gelöst.

Aber die weitere Festigung der wirtschaftlichen Unabhängig­keit des Landes bleibt nach wie vor eine der zentralen Aufgaben. Der Kampf dafür hat keineswegs die wirtschaftliche Isolierung zum Ziele. Im Gegenteil: die Sowjetunion verfügt über so reiche Reserven an den verschiedensten Rohstoffen und Fabrikaten, dai3 sie zu einem bedeutenden Teilnehmer am Welthandel werden kann. Die Sowjetunion ist an der Einfuhr verschiedener Rohstoff­arten und Fabrikate, vor allem an der Einfuhr von Maschinen, interessiert, um den Wiederaufbau und die Weiterentwicklung der Volkswirtschaft zu beschleunigen. Nicht Isolierung vom Fort­schritt der Welttechnik, sondern ihr gründliches Studium und ihre Anwendung, ist die Parole.

Die Entwicklung der politischen Beziehungen unter den Völ­kern durch Wirtschaftsbeziehungen muß gefördert werden. Die Sowjetunion ist aufrichtig und stark daran interessiert, die poli­tischen Verbindungen mit ihren Nachbarn und mit ihren großen Verbündeten auszubauen. Darum muß die Festigung der wirt­schaftlichen Unabhängigkeit des Landes mit einer maximalen Er­weiterung der Außenhandelsbeziehungen Hand in Hand gehen.

Die Ziele der Volkswirtschaftspläne sind mit nicht zu über­bietender Klarheit in der Verfassung der Sowjetunion formu­liert. Artikel 11 der Verfassung lautet:

»Das Wirtschaftsleben der UdSSR wird im Interesse der Mehrung des gesellschaftlichen Reichtums, der stetigen Hebung des materiellen und des Kulturniveaus der Werktätigen, der Festigung der Unab­hängigkeit der UdSSR und der Steigerung ihrer Wehrfähigkeit durch den staatlichen Volkswirtschaftsplan bestimm und gelenkt.«

Die Realität der Pläne

Die Pläne bestimmen und lenken das Wirtschaftsleben des Lan­des, wie es in der Verfassung der Sowjetunion heißt. Sie sind keine Prognosen, die die künftige Entwicklung vorwegzunehmen versuchen, sondern Direktiven, Aufträge. Die von der Regierung bestätigten Pläne werden Staatsgesetze, zu deren Durchführung der Staat alle ihm zur Verfügung stehenden Hebel der Wirtschaft, seinen ganzen Apparat in Bewegung setzt.

In dem staatlichen Plan für die Entwicklung der Industrie wird beispielsweise nicht mm festgelegt, wieviel Steinkohle oder Eisen­erz in der Planperiode zu fördern ist, sondern es wird genau an­gegeben, welches Ministerium - und in welchem Umfang gerade dieses Ministerium - den Plan zu erfüllen hat. In dem Plan des Ministeriums wird ebenso festgelegt, welcher Teil des Regie­rungsauftrages auf jede Hauptverwaltung des Ministeriums ent­fällt. Der Plan der betreffenden Hauptverwaltung wiederum enthält die Aufgaben für den Betrieb. Davon ausgehend, arbeitet der Betrieb den Plan für die Abteilungen aus, die ihn der Arbeits­gruppe in Form des Schichtauftrages und dem Arbeiter als Pro­duktionsnorm zur Kenntnis bringen. Jede Zahl in dem Plan richtet sich an einen bestimmten Empfänger, hinter jedem Auf­trag stellen lebendige Menschen.

Damit der Plan die Tätigkeit von Millionen Menschen tat­sächlich lenken kann, muß er real sein, muß er von den gesell­schaftlichen Entwicklungsgesetzen, von der objektiven Wirklich­keit ausgehen und darf kein müßiges Phantasieprodukt sein.

Die Realität des Planes erfordert entschiedene Bekämpfung aller möglichen Phantasieprojekte. Die Phantasieprojekte sind ja gerade deshalb unreal und phantastisch, weil sie nicht von der realen Wirklichkeit, nicht von den gesellschaftlichen Entwick­lungsgesetzen ausgehen, sondern lediglich das Ergebnis des Tem­peraments, des guten Willens ihrer Verfasser sind.

Doch die Realität der Pläne hat nichts gemein mit opportu­nistischer Furcht vor Schwierigkeiten. Die Realität der Pläne erfordert vor allem Kenntnis und Ausnutzung all der riesigen Wachstumsmöglichkeiten, die dem sozialistischen System der Volkswirtschaft und der Industrie des Landes innewohnen, er­fordert Kenntnis der Gesetzmäßigkeiten der Entwicklung der Sowjetvolkswirtschaft.

In den zwanzig Jahren, die dem Krieg vorangingen, ent­wickelte sich die Großindustrie der Sowjetunion in folgendem Tempo:

Zunahme der Industrieproduktion in Prozenten (jeweils im Vergleich zum Vorjahr)

1931

. 42,1

1926

. 43,2

1931

24,4

1936

. 30,2

1922

. 30,7

1927

. 14.4

1932

14,3

1937

. 11,4

1923

. 52,9

1925

24,3

1933

3,3

1933

. 11,3

1924

. 16,4

1929

25,9

1934

20,7

1939

. 14,1

1925

. 66,1

1430

29,7 ;

1935

23,1

1940

. 11,0

Die Statistik zeigt vor allem, daß sich die Industrie der Sowjet­union auf anderen Bahnen entwickelt als die Industrie in den kapitalistischen Ländern. Während in den kapitalistischen Län­dern auf Jahre des Aufstiegs Jahre des Niedergangs folgten, hat sich die Industrie der Sowjetunion im Verlaufe ihrer ganzen friedlichen Entwicklung unaufhaltsam vorwärts entwickelt. Es gab kein einziges Jahr, in dem die Industrie des Sowjetlandes ihren Produktionsumfang im Vergleich zu dem des Vorjahres einschränken mußte. Im Gegenteil: jedes neue Jahr war, was den Umfang der Produktion betrifft, ein Rekordjahr in der Industrie­geschichte des Landes.

Die Statistik zeigt ferner, daß sich die Industrie des Landes in einem sehr schnellen Tempo entwickelt. In den Jahren 1920 bis 1940 war der jährliche Zuwachs der Produktion 7- bis 8 mal höher als der durchschnittliche Jahreszuwachs in den Haupt­industrieländern der Welt.

Das besondere Merkmal für die Entwicklung der Sowjet­industrie ist das schnelle Wachstumstempo der gesamten Indu­strie und aller ihrer Zweige. Die verschiedenen Industriezweige weisen zwar in ihrem Entwicklungstempo starke Unterschiede auf, doch ist ihnen allen eine schnelle Entwicklung gemeinsam.

Der stetige Aufstieg und das schnelle Wachstumstempo der ge­samten Industrie sowie aller ihrer Zweige sind Gesetzmäßig­keiten der Entwicklung der Sowjetindustrie, die durch ihre ge­samte Geschichte bestätigt werden.

In den Jahren 1929 bis 1932 stieg die Industrieproduktion der Sowjetunion um 140,5 vH, d. h. um 25,5 Milliarden Rubel. Jedes Prozent des Zuwachses belief sich auf 180 Millionen Rubel. In den Jahren 1933 bis 1937 stieg die Industrieproduktion um 120,6 vH, d. h. um 52,5 Milliarden Rubel. Jedes Prozent des Zuwachses belief sich auf 437 Millionen Rubel. In den Jahren 1933 bis 1940 steigerte die Industrie den Produktionsumfang um 41 vH, d. h. um 37,2 Milliarden Rubel. Jedes Prozent des Zuwachses belief sieh auf 900 Millionen Rubel. (Sämtlichen An­gaben sind unveränderte Preise zugrundegelegt.)

Somit war der absolute Zuwachs, ungeachtet dessen, daß die Industrie in den Jahren 1938 bis 1940 in einem langsameren Tempo wuchs als in den vorangegangenen Jahren, außerordent­lich, und hinter jedem Prozent des Zuwachses verbarg sich ein 2- bis 5facher absoluter Zuwachs. Folglich muß bei der Planung des Wachstumstempos auch der absolute Zuwachs berücksichtigt werden.

Aber die Realität der Pläne erfordert nicht nur Berücksichti­gung der für das Wachstum der Produktion schon bestehenden, sondern auch der mit der Planerfüllung neu entstehenden Mög­lichkeiten.

Bereits im Jahre 1929 äußerte der damalige Leiter der Sowjet­industrie, der inzwischen verstorbene Kuibyschew, bei der Kritik von Entwürfen des Fünfjahresplanes der Industrie folgende be­merkenswerte, inhaltsreiche Gedanken­

»... Diejenigen, die die Projekte von Fünfjahresplänen auf­stellten, gingen in ihrer Arbeit von den Verhältnissen, der Lage und den Besonderheiten jedes Tages, jedes Monats und jedes Vierteljahres aus, in denen sich ihre Arbeit abwickelte. In der Absicht, einen möglichst realen Fünfjahresplan der Entwicklung zu schaffen, maßen sie diese Grenzen des Möglichen mit den Maßstäben des heutigen Tages, zerrten die Zukunft auf das Niveau der Gegenwart herab. Und von diesem Gesichtspunkt kann man, so paradox es auch klingt, sagen, daß die Entwürfe der Fünfjahrespläne, je realer sie aufgebaut wurden, in Wirklich­ keit um so weniger real waren ... Einen Fünfjahresplan der Ent­wicklung aufstellen, ohne als notwendige Voraussetzung die systematische Hebung des technischen und kulturellen Niveaus und der Fähigkeit zu wirtschaften, einzubeziehen und ohne aus­giebigste Berücksichtigung aller jener Reserven und aller jener Vorteile, die unserem Land, unserer Wirtschaft usw. usw. zur Verfügung stehen, bedeutet, sich mit Lappalien abzugeben, einem müßigen, völlig unnützen Zeitvertreib.«

Das ist eine äußerst wichtige und mit voller Klarheit formu­lierte These.

Ein deutliches Beispiel für das Entstehen neuer Wachstums­möglichkeiten ist die im Jahre 1935 beginnende Stachanow­bewegung.

Der junge Bergarbeiter Alexej Stachanow konnte nach Ratio­nalisierung seiner Arbeit das 15fache des Schichtplanes für die Kohlenförderung leisten. Dieses Beispiel wurde an vielen Stellen nachgeahmt, und viele frühere Arbeitsnormen dadurch in revo­lutionärer Weise über den Haufen geworfen, so daß die Arbeits­produktivität und mit ihr die Produktion rapide anstieg. Diese spontane Bewegung erfaßte alle Volkswirtschaftszweige und löste eine gewaltige Arbeitsbegeisterung aus.

Die Stachanowbewegung ergab sich aus der Verbesserung der materiellen Lage der Arbeiter und aus ihren Erfolgen bei der Meisterung der neuen Technik. Sie wurde durch die gesamte Ent­wicklung des Sowjetlandes vorbereitet.

Bei der Aufstellung des Fünfjahresplanes für 1933 bis 1937 wurde festgelegt, daß die Industrie im Jahre 1935 ihre Produktion um 17,3 vH steigern sollte. Ende 1934 wurde bei der Aufstellung des Jahresplanes für 1935 eine Steigerung um 17 vH vorgesehen. Aber die Stachanowbewegung beschleunigte das Entwicklungs­tempo um 35 vH mehr, als es der Plan vorsah. Tür das Jahr 1936 wurde ein Zuwachs von 24,4 vH festgesetzt gegenüber 19,6 vH laut Fünfjahresplan. Tatsächlich aber konnte die Industrie ihre Produktion um 30,2 vH erhöhen und so den Fünfjahresplan be­reits in vier Jahren erfüllen.

Folglich erfordert die Realität der Pläne, daß in den Fünf­jahresplänen für die letzten Jahre eine höhere Arbeitsqualität veranschlagt wird. Bei der Aufstellung der Vierteljahrespläne ist eine Steigerung der Arbeitsqualität in jedem Vierteljahr zu ver­anschlagen und die Leistung der Industrie nicht nur mit dem entsprechenden Vierteljahr des Vorjahres, sondern auch mit dem vorangehenden Vierteljahr des laufenden Jahres zu vergleichen.

Die Einheit der volkswirtschaftlichen Planung

Die Volkswirtschaft des Landes ist ein äußerst komplizierter Mechanismus. Alle Zweige der Volkswirtschaft sind aufs engste miteinander verflochten und voneinander abhängig. Das läßt sich durch folgendes Beispiel aus der Geschichte der Planung der Sowjetindustrie illustrieren.

Nach Aufstellung der Produktionsvoranschläge eines Fünf­jahresplanes wurde angeregt, die Produktion von Baumwoll­stoffen in einem viel beträchtlicheren Umfang als vorgesehen zu steigern.

Die befragten Fachleute für Baumwollpflanzungen erklärten, daß die Baumwollgebiete die Textilindustrie mit der zusätzlichen Baumwollmenge nur unter der Voraussetzung beliefern könnten, wenn eine Anzahl von Bewässerungskanälen angelegt und die Baumwollgebiete mit größeren Mengen Mineraldünger beliefert würden.

Die Vertreter der chemischen Industrie stellten Berechnungen auf, nach denen die Fabrikation von Düngemitteln gesteigert werden könne, wenn der Bau mehrerer chemischer Werke be­schleunigt würde.

Die Vertreter der Textilindustrie machten darauf aufmerksam, daß das gesteigerte Produktionsprogramm für Baumwollstoffe den Bau einer Anzahl von Spinnereien, Webereien und Kattun­druckereien erforderlich mache.

Die Vertreter des Maschinenbaus verpflichteten sich, die zu­sätzliche Ausrüstung für die chemische und die Textilindustrie zu bauen unter der Voraussetzung, daß mehrere neue Maschinen­fabriken errichtet würden.

Das alles erforderte eine Revision der Pläne auch für die Hüttenindustrie, die Erzbergwerke, den Kohlenbergbau usw. usw. Die Pläne für die Entwicklung der Warenzirkulation, die Finanz- ­und Budgetpläne, die Pläne der Schulneubauten, die Pläne für die Ausbildung von Ingenieuren und Technikern, die Pläne der Krankenhausneubauten und noch viele andere wurden ebenfalls revidiert.

Es zeigte sich also, daß die Revision des Planes für einen ein­zigen Industriezweig eine Revision aller Pläne für sämtliche Industriezweige, für die Landwirtschaft, das Transportwesen, die Finanzen und die sozialen und die kulturellen Einrichtungen not­wendig machte. So groß ist die gegenseitige Abhängigkeit der einzelnen Bestandteile der modernen Volkswirtschaft.

Es ist noch zu bemerken, daß die Zusammenhänge und die gegenseitige Abhängigkeit der einzelnen Zweige der Volkswirt­schaft stärker und komplizierter werden, je mehr die technische Modernisierung der Volkswirtschaft fortschreitet.

Noch bis vor kurzem war die Verbindung zwischen der Land­wirtschaft und der Schwerindustrie sehr locker und beschränkte sich auf die Erneuerung und eine gewisse Vergrößerung des zum Teil noch primitiven Landmaschinenparks. Jetzt ist der gesamte landwirtschaftliche Produktionsprozeß in höchstem Maße vom Maschinenbau abhängig (Traktoren, Mähdrescher, Kraftwagen, Anhängerinventar usw.) sowie von der Brennstoffindustrie, die den Traktoren- und Automobilpark mit Treibstoff versorgt, von der chemischen Industrie (Belieferung mit Düngemitteln) usw.

Diese organische Einheit aller Volkswirtschaftszweige ist mehr oder minder für die Volkswirtschaft aller Länder der Welt be­zeichnend. Aber die planlose Wirtschaft führt dazu, daß bei der Entwicklung von einzelnen Bestandteilen der Volkswirtschaft die notwendige Übereinstimmung fehlt. Daraus ergibt sich: Über­produktion in einem Teil der Industriezweige und unzureichende Produktion in den anderen.

Nur die Planwirtschaft vermag eine ausgeglichene Entwicklung aller Volkswirtschaftszweige zu sichern. Die Einheit der Volks­wirtschaft erfordert einheitliche Volkswirtschaftspläne, die alle Bereiche der menschlichen Tätigkeit umfassen.

Folglich läßt sich in der Industrie eine Planmäßigkeit nicht er­zielen, wenn in der Entwicklung dieses Volkswirtschaftszweiges keine Übereinstimmung mit allen anderen Volkswirtschafts­zweigen gewährleistet wird. Der Plan zur Entwicklung der Indu­strie muß ein Bestandteil des allgemeinen Volkswirtschaftsplanes sein.

Die Anerkennung der Notwendigkeit einer Proportionalität in der Entfaltung bedeutet keineswegs > daß sich sämtliche Zweige der Volkswirtschaft gleichmäßig entwickeln müssen. Die Pro­portionalität ist kein Selbstzweck. Sie ist ein Mittel zur schnell­sten und sichersten Lösung der Aufgaben des Landes. Vor allem ist zu bestimmen, welche Industriezweige entscheidend sind. Die Plärre für die anderen Volkswirtschaftszweige müssen der Ent­wicklung dieser führenden Bestandteile der Volkswirtschaft untergeordnet werden.

Aber die Industrie ist der entscheidende Faktor der Sowjet­volkswirtschaft, und die Aufstellung des Volkswirtschaftsplanes beginnt daher mit der Planung der Industrie.

Zunächst wird der Produktionsplan aufgestellt. Es wird ge­prüft, welche Produktionskapazitäten bereits vorhanden und welche Kapazitäten für die Erfüllung des Produktionsplanes zu­sätzlich erforderlich sind. Die Menge der notwendigen Kapazi­täten ergibt den Plan der Neubauten. Folglich bestimmt der Plan der Industrieproduktion den notwendigen Kapitalaufwand, und nicht umgekehrt der Kapitalaufwand den Produktionsplan.

Zum Beispiel: in Übereinstimmung mit dem Plan zur Entwick­lung der Textilindustrie wird festgelegt, welche Mengen Baum­wolle, Flachs und Wolle die Landwirtschaft der Industrie zu liefern hat.

Je nach Umfang der Industrieproduktion und der Verteilung der Produktions- und der Konsumtionszentren wird der Plan für die Eisenbahntransporte aufgestellt. Die Industriegüter be­tragen etwa 85 vH aller Gütertransporte des Eisenbahn- und Wasserverkehrs.

Der Plan der Industrieproduktion bestimmt auch die Aus­maße des Handels mit Industriewaren.

Der Industrieplan bestimmt den Plan für die Ausbildung von Ingenieuren und Technikern, sowohl ihre Zahl als auch ihr spe­zielles Fach.

Die Gewinne der Industrie sind ein entscheidender Faktor der Staatseinnahmen und bestimmen in weitgehendem Maße den Umfang und die Ausgaben des Staatshaushaltsplanes.

Demzufolge bestimmt die Industrie die Entwicklung der anderen Volkswirtschaftszweige, deren Pläne in starkem Maße den Interessen des Industrieplanes untergeordnet sein müssen.

Die Wirtschaftsausgaben des Landes bestimmen auch die wich­tigsten Bestandteile, die wichtigsten Zweige der Industrie.

Bei der Aufstellung des Fünfjahresplanes für 1946 bis 1950 ordnete die Sowjetregierung an, die Schwerindustrie schleunigst wieder aufzubauen. Die Notwendigkeit dieser Maßnahme ergibt sich aus verschiedenen Gründen, deren wichtigste wir nach­stehend aufzählen:

1) Die Hauptzweige der Schwerindustrie wurden während der Besatzungszeit durch die Nazis am meisten geschädigt, so z. B. der Kohlenbergbau, die Hüttenindustrie, der Schiffbau, die elektro­technische Industrie und einige andere.

2) In der Landwirtschaft hat der Traktoren- und Mähdrescher­park schwer gelitten. Seine Erneuerung sowie die der Anhänger­geräte für die Traktoren ist eine wichtige Aufgabe des Land­maschinenbaus.

3) Im Eisenbahnwesen haben die Nazitruppen Zehntausende von Kilometern zerstört, Lokomotiven und Waggons in großer Anzahl vernichtet oder geraubt. Die Wiederherstellung des Eisenbahnwesens, als des wichtigsten Teils des Transportwesens, ist mit eine der dringlichsten Aufgaben des Landes. Sie kann nur verwirklicht werden durch die Herstellung der nötigen Mengen von Schienen, Metall und rollendem Material.

Das Problem der staatlichen Reserven

Die planmäßige Entwicklung der Volkswirtschaft ist undenkbar ohne Reserven an Rohstoffen, Brennstoff, Material, Metall und Arbeitskräften - konzentriert in den Händen des Staates.

Die Notwendigkeit staatlicher Reserven ergibt sich vor allem aus der ungenügenden Beherrschung der Naturkräfte durch den Menschen. In der Landwirtschaft sind zwar jetzt katastrophale Mißernten, wie sie im zaristischen Rußland alle 6 bis 7 Jahre vorkamen, unmöglich. Aber trotzdem sind auch heute noch be­trächtliche Schwankungen des Ernteertrages infolge von Natur­katastrophen zu verzeichnen. Um diesen Einfluß der Natur so weit wie irgend möglich auszuschalten, muß der Staat über große Reserven verfügen.

Ferner ist zu beachten, daß trotz dem gewaltigen Einfluß, den der Staat bei der Erfüllung des Planes ausüben kann, einzelne Betriebe oder Industriezweige den Plan nicht erfüllen, wenn bei seiner Aufstellung später auftauchende Schwierigkeiten nicht berücksichtigt waren. Unerwartete Schneewehen können zum Beispiel die Transporte und die normale Belieferung sehr be­einträchtigen.

Selbstverständlich wird die Volkswirtschaft nicht stark in Mitleidenschaft gezogen, wenn der Produktionsplan für Regen­schirme nicht erfüllt wird. Dagegen wird sich die Nichterfüllung des Planes der Eisen- und Stahlerzeugung unverzüglich auf den Maschinenbau, das Bauwesen und auf die anderen metallver­brauchenden Industriezweige nachteilig auswirken. Folglich kann der Staat, wenn ihm Reserven zur Verfügung stehen, bei einem eventuellen Mißverhältnis einen Ausgleich schaffen.

Der Staat muß auch mit der Möglichkeit rechnen, daß der Plan von einzelnen Volkswirtschaftszweigen überboten wird. Wenn diese Überbietung bei den Rohstoffindustrien beginnt und außerdem für alle Rohstoffarten gleichzeitig zu verzeichnen wäre, würde sie den Ausgangspunkt einer rapiden Weiter­entwicklung der gesamten Volkswirtschaft bilden. Das ist jedoch nicht immer der Fall. Es ist deshalb Aufgabe des Staates, die neuen Wachstumsmöglichkeiten, die in einem oder in mehreren Industriezweigen in Erscheinung treten, so zu fördern, daß sie der gesamten Industrie zu einer schnellen Vorwärtsentwicklung verhelfen.

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für jede Produktion sind die Arbeitskräfte. Durch die Tatsache, daß die Arbeitslosig­keit im Lande, die Armut und Verelendung auf dem Dorf be­seitigt wurden, ist das Problem der Reserven an Arbeitskräften grundsätzlich ein anderes als in den kapitalistischen Ländern, in denen die Industrie auf eine Millionenarmee von Arbeits­losen zurückgreifen kann. Und dabei herrscht in der Sowjetunion ein außergewöhnlich starker Bedarf an Arbeitskräften, vor allem an qualifizierten.

Durch einen Erlaß des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR »Über die staatlichen Arbeitsreserven« wurden im Jahre 1940 Gewerbeschulen mit zweijährigem Lehrgang und Betriebs­schulen mit halbjährigem Lehrgang geschaffen. Die Gewerbe­schulen bilden qualifizierte Facharbeiter aus, die Betriebsschulen Arbeiter für die Berufe mit Massenbedarf an Arbeitskräften. Das Gesamtkontingent der Lernenden beträgt etwa eine Million jährlich. Sämtliche Schüler dieser Schulen werden vom Staat unterhalten; Kleidung, Ernährung, Wohnung und Ausbildung sind unentgeltlich. Die Absolventen dieser Schulen sind ver­pflichtet, auf Zuweisung der Regierungsorgane vier Jahre in staatlichen Betrieben zu arbeiten. Die Absolventen der Berufs- und Gewerbeschulen bilden die staatliche Arbeiterreserve, die dem Ministerrat unmittelbar untersteht. Sie dürfen von den Ministerien und den Betrieben ohne Genehmigung der Regie­rung nicht verwendet werden.

Die Aufnahme in diese Lehranstalten erfolgt sowohl durch freiwillige Meldung als auch durch Einberufung der städtischen und der Landjugend nach einem bestimmten Plan. Es sei be­merkt, daß bei der ersten Bewerbung für 800 000 Plätze 1 100 000 freiwillige Aufnahmegesuche eingereicht wurden.

Innerhalb von fünf Jahren haben diese Schulen der Industrie und dem Transportwesen 2 450 000 Facharbeiter zugeführt. Der Bedarf der Betriebe an hochqualifizierten Arbeitskräften wurde zum größten Teil aus diesen staatlichen Reserven gedeckt.

Die schöpferische Initiative der Massen

Die Aufstellung des Planes ist nur der Anfang der Arbeit. Das Wichtigste und Entscheidendste ist die Planerfüllung. Von der Teilnahme der Massen an der Planung hängt vor allem die Reali­sierung des Planes ab.

Die Lebenserfahrungen von Millionen Menschen müssen mit den Kenntnissen von Wirtschaftsfachleuten, Ingenieuren und Technikern kombiniert werden. Die Verquickung der Erfah­rungen von Millionen mit dem Wissen ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Qualität der Pläne. Darum werden bei der Aufstellung und Ausarbeitung der Pläne die breitesten Schichten der in der Industrie Beschäftigten hinzugezogen. Der Arbeiter kennt seine Werkbank, seinen Arbeitsplatz, die Mög­lichkeiten zur Verbesserung der Produktion, ebenso wie der Ingenieur und der Techniker - besser als sonst jemand - seine Werkabteilung und der Betriebsdirektor sein Werk kennt.

Die Arbeiter machen in Versammlungen und Produktions­beratungen bei der Erörterung des Planes zahlreiche überaus wertvolle Vorschläge zur Rationalisierung der Produktion.

Die Pläne fördern in hohem Maße die schöpferische Initiative der Massen. Jeder Planauftrag bedeutet intensivste Arbeit für seine Erfüllung. Jeder Plan erfordert: Steigerung der Produktion, Verbesserung der Erzeugnisse, Hebung der Arbeitsproduktivität und Senkung der Gestehungskosten. Das weckt die Initiative der Massen, die durch das materielle Interesse und die Möglichkeit einer raschen Verwirklichung der gemachten Vorschläge noch gestärkt wird. Daher der außerordentlich große Strom aller möglichen Erfindungen und Rationalisierungsvorschläge, daher die Hunderttausende von Rationalisatoren der Produktionsver­fahren, daher die Stachanowbewegung, die Millionen umfaßt. (zurück zum Inhalt)

V. STALIN UND DIE PLANUNG DER VOLKSWIRTSCHAFT

Die Geschichte der sozialistischen Planwirtschaft und der demo­kratischen Wirtschaftsplanung ist mit dem Namen Stalins aufs engste verbunden.

Stalin hat die Theorie der sozialistischen Planung entwickelt. Diese Theorie ist einer der wertvollsten Beiträge zur Schatz­kammer des Marxismus-Leninismus und liegt der ganzen Praxis der Planung der Sowjetvolkswirtschaft zugrunde.

Im Jahre 1927 schilderte Stalin auf dem 15. Parteitag der KPdSU(B) die wichtigsten Voraussetzungen und Bedingungen, die eine Planung der Volkswirtschaft ermöglichen. »Um plan­mäßig zu leiten«, erklärte Stalin, »muß man ein anderes, ein sozialistisches - aber kein kapitalistisches - System der Indu­strie haben, muß man zumindest eine nationalisierte Industrie haben, ein nationalisiertes Kreditsystem, nationalisierten Grund und Boden, ein sozialistisches Bündnis mit dem Dorf, die Macht der Arbeiterklasse im Lande usw.«

In einer Unterredung mit dem englischen Schriftsteller Wells betonte Stalin, daß die erste Voraussetzung für die Möglichkeit einer Planung das gesellschaftliche Eigentum an den Produktions­mitteln ist. Er sagte: »Ohne sich von den Kapitalisten befreit, ohne mit dem Prinzip des Privateigentums an Produktionsmitteln, aufgeräumt zu haben, werden Sie keine Planwirtschaft schaffen können.«

Der Übergang der Macht in die Hände der Arbeiterklasse und die Konzentrierung aller wichtigsten Kommandohöhen der Volkswirtschaft in den Händen des Staates bestimmen auch das Wesen der Volkswirtschaftspläne als Direktivpläne, als Pläne mit Gesetzeskraft.

»Allerdings« - so sagte Stalin in bezug auf die bürgerlichen Staaten - »gibt es bei ihnen auch eine Art Pläne. Aber das sind Planprognosen, Planvermutungen, die für niemand bindend sind und auf Grund deren die Wirtschaft des Landes zu leiten unmöglich ist. Anders ist es bei uns. Unsere Pläne sind keine Planprognosen, keine Planvermutungen, sondern Direktivpläne , die für die leitenden Organe bindend sind und die Richtung unserer künftigen wirtschaftlichen Entwicklung im ganzen Lande bestimmen. Sie sehen, daß wir hier einen prinzipiellen Unterschied haben.«

Dieser prinzipielle Unterschied, der auf dem gesellschaftlichen Eigentum an den Produktionsmitteln in der Sowjetunion beruht, bestimmt sowohl die Unterschiede wie auch die Vorzüge der Sowjetwirtschaft gegenüber der kapitalistischen Wirtschaft.

»Krise, Erwerbslosigkeit, Verschwendungssucht, Elend der breiten Massen«, so erklärte Stalin, »das sind die unheilbaren Krankheiten des Kapitalismus. Unser System leidet nicht an diesen Krankheiten, weil die Macht in unseren Händen, in den Händen der Arbeiterklasse liegt, weil wir eine Planwirtschaft betreiben, weil wir planmäßig Hilfsmittel anhäufen und sie auf die verschiedenen Zweige der Volkswirtschaft richtig ver­teilen. Wir sind frei von den unheilbaren Krankheiten des Kapitalismus. Darin unterscheiden wir uns vom Kapitalismus, darin besteht unser entscheidender Vorzug dem Kapitalismus gegenüber.«

Von größter Bedeutung für die gesamte praktische Planung sind die Hinweise Stalins auf die Rolle der Massen bei der Pla­nung, auf die Notwendigkeit einer gründlichen Berücksichtigung und Auswertung der Erfahrungen der Massen, darauf, daß sich die Planung keineswegs auf die Zusammenstellung der Plan­dokumente beschränkt.

»Es wäre töricht, zu glauben«, so sagte Stalin, »der Produk­tionsplan bestehe im Aufzählen von Zahlen und Aufgaben. Der Produktionsplan ist in Wirklichkeit die lebendige, praktische Tätigkeit von Millionen Menschen. Die Realität unseres Pro­duktionsplanes, das sind die Millionen Werktätiger, die ein neues Leben schaffen. Die Realität unseres Programms, das sind lebendige Menschen, das sind wir alle miteinander, das ist unser Arbeitswille, unsere Bereitschaft, auf eine neue Art zu arbeiten, unsere Entschlossenheit, den Plan zu erfüllen.«

»Nur Bürokraten«, sagte Stalin, »können glauben, daß die Planarbeit mit der Aufstellung des Planes beendet ist. Die Auf­stellung des Planes ist nur der Beginn der Planung. Die wahre planmäßige Führung entfaltet sich erst nach der Aufstellung des Planes, nach der Prüfung an Ort und Stelle, im Verlauf der Durch­führung, Berichtigung und Präzisierung des Planes.«

Stalin hat alle grundlegenden politischen und wirtschaftlichen Aufgaben entwickelt, die in den Plänen gelöst werden müssen. Die wichtigsten Planaufgaben werden unter seiner unmittelbaren Leitung zusammengestellt.

Die Teilnahme Stalins an der Ausarbeitung und Entwicklung der Pläne, die Kontrolle, die er bezüglich ihrer Durchführung ausübt, all das gab dem Volk das Recht, die Fünfjahrespläne als Stalinsche Pläne zu bezeichnen.

Als tiefschürfender Theoretiker, als ausgezeichneter Kenner der Volkswirtschaft des Landes, als Personifizierung unerschütter­lichen Willens, unversiegbaren Sinnes für das Neue, erstaunlicher Arbeitsfähigkeit und vor allem grenzenloser Treue gegenüber der Sache der Werktätigen, im Kampfe für das geistige und das materielle Glück der Millionen, die das Sowjetland bevölkern, ist Stalin dem Volke bekannt, das ihm dafür seine Liebe und seine Achtung schenkt. (zurück zum Inhalt)