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William B. Bland

 

Der Fall Maxim Gorki

 

Aus: 'Stalin und die Künste' - Vortrag vor der Stalin-Gesellschaft, ca. 1998, deutsche Übersetzung 2003

 

 

Die Verfolgung von Maxim Gorki durch die sowjetischen Revisionisten, besonders

durch Grigori Sinowjew, nahm solche Ausmaße an, dass Gorki sich 1921 gezwungen sah, Sowjetrussland zu verlassen und nach Italien zu gehen:

 

"Sein Verhältnis zu Sinowjew, dem Diktator vor Ort in Petrograd, gestaltete sich so gespannt, dass er im Herbst 1921 Russland verließ."

(Jeanne Wronskaja & Wladimir Tschuguew: 'Biografisches Lexikon der ehemaligen Sowjetunion. Prominente Personen aus allen gesellschaftlichen Bereichen, 1917 bis heute', London 1992, S. 157).

 

"Teils wegen seiner Meinungsverschiedenheiten mit führenden Bolschewiki ging Gorki 1921 wieder ins Ausland."

(Anthony K. Thorlby, Hrsg., 'Penguins Handbuch der Literatur', Band 2, Harmondsworth 1969, S. 325).

 

"Gorki zog sich die Feindschaft einer der neuen Herren, nämlich Sinowjews zu."

(Dan Lewin, 'Unruhestifter. Leben und Werk Maxim Gorkis', London 1967, S. 198).

 

..wobei Sinowjew in seiner Fehde mit Gorki

 

" ...Unterstützung von Kamenjew erhielt. ..Es war seine schwächer werdende Position in Sowjetrussland, eine wachsende Enttäuschung und Hilflosigkeit - nicht seine Gesundheit - die ihn schließlich 1921 veranlasste zu gehen."

(Dan Lewin, Ebd., S. 210).

 

Im Jahre 1928 wurden die Angriffe gegen Gorki von den immer noch verbliebenen heimlichen Revisionisten in der Führung der RAPP (Russischer Verband Proletarischer Schriftsteller, Vorsitzender Awerbakh, ein Trotzkist) wieder aufgenommen. Im Februar zum Beispiel wurde Gorki im theoretischen Organ der RAPP als

 

" ..ein Mann ohne Klassenbewusstsein"

('Auf Literarischer Wacht', Februar 1928, S. 24).

 

bezeichnet.

 

Awerbakhs Attacken gegen Gorki in 'Auf Literarischer Wacht' wurden auch in der Zeitschrift 'Die Gegenwart', die vom sibirischen Schriftstellerverband (Gründer Semjon Rodow, der zur Leitung der RAPP-Führung gehörte) gegründet worden war, wiederholt. Diese Zeitschrift beschrieb Gorki als

 

" ..einen durchtriebenden, verkleideten Feind."

('Die Gegenwart', Nr. 8 und 9, in: C. Vaughan James, 'Soviet Socialist Realism' - Sowjetischer Sozialistischer Realismus - London 1973, S. 74).

 

"In sich steigernden Hasstiraden wurde Gorki als Klassenfeind und Beschützer antisowjetischer Elemente hingestellt."

(Ebd.).

 

Zu dieser Zeit (Ende der zwanziger Jahre - Übers.) war die Entlarvung der Opposition (in der KPdSU, B - Übers.) bereits so weit gediehen, dass diese Attacken pariert werden konnten:

 

"An dieser Stelle wurde die Partei aktiv und verabschiedete die Resolution 'Über die Erklärung von Teilen der sibirischen Schriftsteller und literarischen Organisationen gegen Maxim Gorki'."

(Ebd.).

 

..und erteilte der

 

" ..kommunistischen Fraktion im sibirischen Proletkult (steht für 'Proletarische Kulturelle und Erzieherische Verbände', von A. Bogdanow, einem Gegner Lenins, 1917 gegründet - Übers.) einen strengen Verweis."

(Ebd.).

 

Während Gorkis Zwangsaufenthalts im Ausland unterstützte ihn Stalin weiter und schrieb ihm zum Beispiel im Januar 1930 nach Italien:

 

"Ich habe gehört, dass du einen Arzt aus Russland brauchst. Stimmt das? Wen willst du haben? Gib Bescheid und wir schicken ihn hin."

(J. W. Stalin, Brief an Maxim Gorki, Januar 1930, in: 'Werke', Band 12, Moskau 1955, S. 183).

 

1931 hatte es den Anschein, dass die Revisionisten endgültig geschlagen waren und Gorki fühlte sich sicher genug, um in die Sowjetunion zurückzukehren. Er kehrte nach Moskau zurück, nachdem sein Erzfeind Sinowjew entmachtet worden war (Vgl. J. Wronskaja & Wladimir Tschuguew, S. 157). Denn

 

" ..die Niederlage der kommunistischen Opposition ..muss ..für Gorki der Vorbote für die Einheit gewesen sein. Sinowjew ..war Gorkis Foltermeister gewesen."

(Dan Lewin, ebd., S. 264).

 

Die heimlichen Revisionisten (Bland meint damit die Trotzkisten und Bucharinisten - Übers.) setzten jedoch ihre verdeckten Machenschaften gegen Gorki fort. Indem er die Dienste von Ärzten, die mit zur Verschwörung gehörten, in Anspruch nahm, arrangierte Genrich Jagoda - Volkskommissar für Innere Angelegenheiten von 1934 bis 1936 - die Ermordung von Gorkis Sohn Maxim Peschkow im Jahre 1934 und die von Gorki zwei Jahre später:

 

"Jagoda: 'Jenukidze ..teilte mir mit, dass das Zentrum (gemeint das Trotzkistisch-Bucharinistische Verschwörerzentrum gegen die sowjetische Führung unter Stalin - Übers.) beschlossen habe, eine Reihe von terroristischen Akten gegen Mitglieder des Politbüros und auch gegen Maxim Gorki persönlich durchzuführen. ..Jenukidze erklärte mir, dass der 'Block der Rechten und Trotzkisten' ..Gorki als eine gefährliche Persönlichkeit ansehe. Gorki sei ein entschiedener Befürworter von Stalins Führerschaft, und falls die Verschwörung in die Tat umgesetzt würde, wäre er zweifellos einer derjenigen, die seine Stimme gegen uns Verschwörer erheben würde. ..."

 

Wyschinsky (Anklagevertreter der UdSSR): 'Geben Sie zu, an dem Mord an Alexej Maximowitsch Gorki Schuld zu sein?'

 

Jagoda: 'Ja.' "

(Gerichtsprotokoll im Fall des antisowjetischen 'Blocks der Rechten und Trotzkisten', Moskau 1938, S. 574 und 577).

 

Der Arzt Dimitri Pletnew erklärte vor Gericht:

 

"Pletnew: 'Es wurden keine giftigen Substanzen von außen zugeführt. Er (Gorki - Verf.) wurde jedoch einem Regime unterworfen, dass gesundheitsschädlich war. Alle Medikamente waren vertretbar, aber in Gorkis Fall waren sie schädlich. ..'

 

Wyschinsky: 'Könnten Sie kurz die Einzelheiten des Plans umreißen, den Sie zusammen mit Lewin (der mitangeklagter Arzt Lew Lewin - Verf.) für die Tötung von Alexej Maximowitsch Gorki erdachten?'

 

Pletnew: 'Den Organismus schwächen, um seine Widerstandskraft zu erschöpfen.'

 

Wyschinsky: 'Zu welchem Zweck?'

 

Pletnew: 'Um Gorkis Tod herbeizuführen.' "

(Ebd., S. 591 und 593).