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Gorbatschow, der Befreier unterdrückter Völker, ein wahrer Kommunist?

 

Nein! Ein Antikommunist und gerissener Heuchler!

 

(Autor: David Devonas)

 

 

1. Kurzes Portrait von Michail Gorbatschow

(Offizielle Version)

Sowjetischer Politiker geboren 2.3.1931 in Priwolnoje studierte Jura in Moskau. 1971 wurde er Mitglied des Zentralkomitee und 1980 Mitglied des Politbüro. 1985 wurde er Nachfolger Konstantin Tschernenkos als Generalsekretär der KPdSU und 1988 Nachfolger Andrej Gromykos als Vorsitzender des Obersten Sowjets (Staatsoberhaupt der UdSSR). Unter den Schlagworten Perestroika (Umgestaltung) und Glasnost (Offenheit) leitete er eine politische und wirtschaftliche Wende in der Sowjetunion ein. Um Entspannung und Öffnung zum Westen bemüht und aus wirtschaftlichen Gründen, ließ er 1989 die sowjetischen Truppen aus Afghanistan abziehen und kooperierte mit den Westmächten beim Golfkrieg. Durch seine Zustimmung zum 2+4-Vertrag ermöglichte er die Wiedervereinigung Deutschlands. Des Weiteren schloss er Abrüstungsabkommen mit den Vereinigten Staaten von Amerika ab. Für seine Bemühungen wurde er 1990 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Im März 1990 wurde er zum Staatspräsidenten gewählt. Reaktionäre kommunistische Kräfte putschten im August 1991 gegen ihn, er konnte jedoch nach drei turbulenten Tagen wieder in sein Amt zurückkehren. Gorbatschow trat daraufhin demonstrativ als Generalsekretär zurück. Sein Reformkurs hatte die Unabhängigkeitsbestrebungen der sowjetischen Teilrepubliken bestärkt und 1991 traten die drei baltischen Staaten Lettland, Litauen und Estland aus der Union aus. Auch andere Republiken verlangten Souveränität und Ende 1991 löste sich die UdSSR auf. Im Dezember dieses Jahres trat Gorbatschow als Staatspräsident zurück. Im Juni 1992 wurde er aus der KPdSU ausgeschlossen, da man ihm vorwarf, zu deren Niedergang beigetragen zu haben. Gorbatschow begab sich in der Folge auf ausgedehnte Vortragsreisen.

(Offizielles Wirken von Gorbatschow / Quelle: http://russianfederation.xardas.lima-city.de)

 

2. Fragen bezüglich Gorbatschow, die in dieser

Broschüre geklärt werden

 

Was war Michail Gorbatschow? „Der letzte Parteichef der UdSSR, eines veralteten, überholten Systems, welches nicht mehr zu retten war.“, „Er hat dennoch alles daran gesetzt, die UdSSR zu retten, denn er war ein Kommunist aber ein guter. Kein veralteter, wie die anderen in der Duma.“, solche oder ähnliche Aussagen hört man heute öfter denn je, wenn es darum geht, das Wirken Michail Gorbatschow zu beschreiben. Doch wer ist Gorbatschow in Wirklichkeit? Was waren seine Ideen, was seine Wertvorstellungen? Was und womit wollte er seine Ziele erreichen? Die zentralen Fragen sind: Hat Gorbatschow zum Niedergang der Sowjetunion beigetragen? Wieso und wie hat er es geschafft, das unentdeckt fertig zu bringen?

 

 

 

 

 

3. Überlegungen über die ehemaligen SU-Staaten

 

Vorweg ist zu sagen, dass er mit seiner Perestroika und seinem Glasnost die Auflösung der UdSSR bewirkt und einen grossen wirtschaftlichen Rückgang in restlos allen ehemaligen Sowjetrepubliken hervorgerufen hat. Die Auswirkungen der Auflösung der UdSSR sind unbeschreiblich bitter für die involvierten Völker, das ist eine Tatsache und wird auch nicht einmal von den bürgerlichen Medienmagnaten bestritten, sondern totgeschwiegen. Es ist daher wichtig den Problemen dieser Staaten ins Auge zu sehen. Gerade wenn man Gorbatschow dafür verantwortlich macht. Nur so sieht man das Ausmass und die Auswirkungen seines Verrates!

 

Wenn man lediglich die heutigen Probleme Russlands in Rechnung trägt ist dies falsch und unfair gegenüber anderen ehemaligen Sowjetstaaten, denen die Auflösung noch auf die schlimmere Art zugesetzt hat. Ausserdem ist auch die Auflösung der UdSSR, wie viele andere Krisen nicht nur ein nationales Problem, sondern ein gesellschaftliches, wie ich das sehe. Am deutlichen drückt sich diese Gesellschaftliche Krise in Kultur, Mentalität und Sport aus. Kaum einer dieser Bereiche konnte sich im gleichen Maße weiterentwickeln, wie es das in der Sowjetunion stetig tat. Es wäre arrogant diese Probleme, welche alle ehemaligen sowjetischen Staaten haben, nur auf Russland runterzuspielen. Man darf seinen Blick also nicht nach Russland alleine richten, um das Gesamtausmass der Veränderungen überblicken zu können, das ist wichtig. Gerade auch, weil das ganze Leid in Russland sein Ende nahm aber es eben dort auch wieder geboren wurde! Die Politik Osteuropas war seit jeher von Russland geprägt. Und heute ist Russland am Boden zerstört, jedenfalls als Staat. Aber eben nicht nur Russland! Wenn Russland den Bach ab geht, zieht es alle Staaten ringsum mit, das ist klar zu erkennen, wenn man sich die Wichtigkeit dieses Landes in der Rolle des sowjetischen Sozialismus’ ansieht.

 

 

3.1 Russland heute

russische Innenpolitik

 

Konzentrieren wir uns dennoch auf die Lage Russlands, da es in den anderen ehemaligen Republiken der UdSSR frappierend ähnlich aussieht:

 

Russland als Staat ist nunmehr ein Schatten seiner einstiegen selbst. Jetzt, wo jeglicher sozialer Fortschritt, alle guten, wie auch weniger guten Entwicklungen des letzten Jahrhunderts über Bord geworfen worden sind, wird in zaristischer Manier geherrscht. Der einzige Unterschied zwischen dem zaristischen und dem kapitalistischen System liegt faktisch nur darin, dass es heute mehr Herrscher gibt, denn überall, wo das Geld stinkt, werden Leute arm, dumm, zum Krieg gepeitscht und gerade so willig gehalten, dass sie ihre Arbeit noch verrichten können, allerdings in einem solchen Maße unwillig, dass sie keine Kraft haben, sich gegen ihre Herrscher aufzulehnen. Es entstand nach der Konterrevolution also eine anhaltende Depression und dies nicht nur auf die Wirtschaft bezogen! Gewinne erzielen ausländische Firmen und viele neureiche Russen, Profiteure der Konterrevolution, die aus der Armut des Volkes wie immer Profit schlagen. Die bekannte Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Ich will nicht an die Moral appellieren, zuletzt habe ich das vor, doch ist klar, wie mit dieser Verbrecherbande abgerechnet werden soll. Doch wer will mit ihnen abrechnen? Das „dumm“ gehaltene russische Volk aus den tiefen Regionen Sibiriens? Die aus Depressionen besoffenen Arbeiter und Arbeitslosen im ganzen Land? Die hungernden Kinder auf den Strassen? Die Grosskapitalisten in ihren modernen Tempeln in Gestalt von Wolkenkratzern? Diese Frage sollte man sich vor Augen führen, um nicht etwa zu fragen: „Wenn es jetzt so schlecht ist, wieso erhebt sich das Volk denn nicht gegen die Regierung?“, solchen und ähnlichen Aussagen sind wir Kommunisten tagtäglich ausgesetzt und es ist schwer mit der Wahrheit zu leben, wenn man sie erstmals kennt und sie den wenigsten sagen kann, ohne gleich als realitäts- entfremdet und „anno dazumal“ abgestempelt zu werden. Das Kommunistendasein ist gerade auch deshalb hart, weil eine allgemeine Gleichgültigkeit gegenüber der Existenz von Afrikanern, Chinesen und nicht zu letzt Russen herrscht. Wer gibt es offen Kund, dass er diese Menschen als minderwertiger einstuft, als wir „Westeuropäer“ es nach deren „Erkenntnis“ sein sollen. Solchen Leuten sei gesagt, dass ein solches Denken hinderlich, nichts anderes als hinderlich ist. Es ist ein chauvinistisches, völlig unangebrachtes Denken. Das Schiff, um mit den biblischen Worten Gorbatschows zu sprechen, wird in einen Nebenfluss einmünden, wenn das alte System den Bach runter zu stürzen droht, das ist klar. Momentan gibt es nur eine Alternative gegenüber dem Kapitalismus und zwar den Sozialismus. Den Faschismus und den Anarchismus klammere ich aus gutem Grunde aus. Das chauvinistische Denken vieler Leute ist unangebracht, doch der Klassenkampf schreitet des zu trotz voran und wird sich den Industrien, den Fabriken, den Büros der Kapitalisten bemächtigen, sofern die Kapitäne in den richtigen Nebenfluss einmünden werden und das ist zu hoffen, dafür zu kämpfen. Die, welche heute alles haben, sind die Armen von morgen! Und auf einmal werden sie Kommunisten sein. Das russische Szenario von den 30er Jahren wird sich wiederholen. Doch man schlief in der revolutionären Ideenfabrik nicht, man lernte aus den alten Fehlern. So sieht die heutige innenpolitische Lage in Russland und deren Auswirkungen aus.

 

 

3.2 Russische Aussenpolitik

 

Die moderne russische Aussenpolitik ist ein Kapitel für sich. Ein minder trauriges, als das innenpolitische. Es versteht sich selbst, dass die Aussenpolitik Russlands eng mit der Nationalitäten- und der religiösen Frage verknüpft ist.

 

Zuerst möchte ich kurz anschneiden, wie in der Sowjetunion der 30er und 40er Jahre mit der Thematik der Nationalitätenpolitik gehandhabt worden ist. Natürlich hatte die Sowjetunion bereits seine nationalen Probleme, was bei einem solchen multikulturellen Land auch kein Wunder ist. Diese Probleme aber wurden auf friedliche Art und Weise ausgemerzt, wie es der stalinschen Innen- wie auch Aussenpolitik entsprach und es auch der kommunistischen Ideologie voll und ganz entspricht. Ich erinnere dabei z.B. an Aufruhr nationalistischer Gruppen in Georgien.

 

Bereits im mutmasslich sozialistischen Zeitalter unter Breschnews Doktrin wurde ein imperialistischer Krieg geführt, der in Afghanistan. Es sei erwähnt, dass die Amerikaner eine mindestens genauso schlechte Rolle gespielt haben! Das aber wird unter dem westlichen Deckmantel der Lügen verschwiegen, wie so vieles anderes ja auch. Wen wundert es? Selbstkritik ist keine Tugend der Übermenschen, der Wirtschaftsbonzen.

 

Um wieder zur Gegenwart zurückzukehren: der Tschetschenienkrieg, der bereits zu Breschnews Zeiten seine Anfänge fand, hat kein absehbares Ende in Sicht. Einige mögen jetzt vielleicht aufspringen und sagen, Tschetschenien sie russisch und daher ein innenpolitisches Problem. Aber bei nüchterner, objektiver Betrachtung entfallen einem vernünftigen Menschen solche Gedanken und er wendet sich der Realität zu. Die Tschetschenen sind ein unterdrücktes Volk ohne eigenen Staat, so ist es und so bleibt es auch, wenn man die heutige russische Politik betrachtet und in gleich bleibender Art linear weiterzieht. In beiden Kriegsfällen wurden Taten, die eines ausgewachsenen Dershimordas würdig sind begangen. Im Afghanistankrieg wollte Breschnew den Sozialismus exportieren, was unmöglich ist und an Trotzkis Weltrevolutionstheorien erinnert. Es ist nämlich eine Gesetzmässigkeit, dass sich jedes Volk selbst seinen Sozialismus erkämpfen muss, ansonsten ist er nicht von Dauer durchsetzbar und ruft nichts anders als Oppositionen und schliesslich den Bürgerkrieg oder den vereinten Kampf gegenüber dem Dershimorda hervor! Ein aggressiver Sozialismus funktioniert nicht. Es widerspricht kommunistischen Grundprinzipien und ist falsch!

 

 

4. Untersuchung Gorbatschows Beitrag zum heutigen Elend

 

Ob Gorbatschow auf die Auflösung der UdSSR hingearbeitet hat oder ob er die UdSSR retten wollte, das ist es, was ich in dieser Broschüre thematisiere – die zentrale Frage schlichtweg! Für Sozialisten beinahe jeden Zweigs erübrigt sich wohl diese Frage; da sind sich zur Abwechslung beinahe alle einig. Dennoch wird gerade von bürgerlicher Seite das Wesen Gorbatschows so verwischt, dass eine eindeutige Stellungnahme zu diesem Thema schwierig wird. Ich will hier einige Lügen entkräften und dabei möglichst sachlich und objektiv bleiben (Bei der Schwere der Auswirkungen Gorbatschows „Reformen“ ist dies nicht einfach einzuhalten).

 

Einige Leser haben sich sicherlich bereits selbst zu diesem Thema informiert, sich damit auseinandergesetzt. Traurige Tatsache ist, dass man oft gezielt in die Irre geführt wird. Die Geschichte wurde von der herrschenden Klasse manipuliert, oder wie Stalin sagte:

 

„Die Geschichte wird vom Sieger geschrieben werden.“

 

Das geschah dann auch so. Je nach Quelle kommt man natürlich zu einem anderen Resultat, das ist klar. Man kann auch niemandem die Tatsache vorwerfen, dass er das falsche gelesen hätte. Wie will man wissen was die Wahrheit ist, wenn man nichts gelesen hat? Eben, das ist unmöglich. Deshalb ist es umso wichtiger, dass man liest UND selbst überlegt, die Wahrscheinlichkeit eines Sachverhaltes abwägt, kontroverse Dinge liest, etc.!

 

 

4.1 Analyse Gorbatschows Schriften

 

Suchen wir in Gorbatschows Schriften und Reden Indizien für einen Antikommunismus. Beginnen wir unsere Suche beim weltbekannten Buch Perestroika.

 

 

4.1.1 Perestroika (Umgestaltung)

 

Gorbatschow schrieb in seinem 1987 erschienenen Buch Perestroika (Umgestaltung) sinngemäss, die Krisen, die in den 70er Jahren entständen seien, häuften sich und gefährdeten die Sowjetunion. Diese Krisen seinen nur über Reformen zu überbrücken, schrieb er unter anderem. Durch die Perestroika eben. Weiter appellierte er an die USA keine Verleumdungen gegenüber der UdSSR zu betreiben, da dies dem Völkerverständnis nur schade. Sogar der umweltlichen Problemen mahnte er und er schrieb, dass ein Nuklearkrieg beide Seiten zu Verlierern machen würde. Kurzum gesagt ist in den Schriften aus Perestroika absolut kein Antikommunismus, noch nicht mal deutliche antikommunistische Tendenzen auszumachen. Was er schrieb, entsprach der Realität und die Probleme der SU waren diejenigen, die er aufzählte. Er schrieb für den Frieden, die Annäherung der Nationen, das gegenseitige Verständnis der Mächte und ein „Leben und leben lassen“. Es fielen gute Sätze wie:

 

„Es wird keine zweite Arche Noah geben!“

 

Ist das nicht wahnsinnig, ihn dann als Antikommunisten zu betiteln? Nein, Das trügerische Wesen seiner Schriften ist bei nüchterner Betrachtung auch nicht weiter verwunderlich, da eine antikommunistische „Version“ des Buches Perestroika wohl die Absetzung von Gorbatschow als Staats- und Parteichef der UdSSR bewirkt hätte. Einige mögen nun aufspringen und „Verleumder“ rufen. Die sollen das nur tun, die Wahrheit ist zu sagen und es lässt sich kein Kompromiss dieser erreden. Der Meister Gorbatschow sah die Gefahren einer Ehrlichkeit, die er sowieso niemals aus genannten Gründen zu diesem Zeitpunkt sowieso nicht erwog, wie man aus einem späteren Interview feststellen kann, und heuchelte in „Perestroika“ sein Wesen als „standfesten“ Kommunisten vor.

 

4.2 Vorträge und Interviews von und mit Gorbatschow

 

4.2.1 Interview mit der Zeitschrift Spiegel

 

Ja, ich weiss, dass Spiegel keine gute Zeitschrift ist. Daher ist umso interessanter, wenn in einem solchen Schandblatt gelegentlich die Wahrheit proklamiert wird. Wer hätte das schon gedacht? Es geschieht selten, doch ab und an geschieht es doch. Viel geht bereits aus diesem kleinen Ausschnitt hervor (Hervorhebungen von mir):

 

„Und Gorbatschow musste das Schiff der Perestroika durch die Klippen steuern. Dabei konnte man noch nicht Dinge ankündigen, für die das Volk noch nicht reif war. Man hätte mich für verrückt erklärt, das Volk wäre zerrissen worden, es hätte zum Bürgerkrieg kommen können. Man musste Geduld zeigen, bis die Parteibürokratie so entmachtet war, dass sie das Rad der Geschichte nicht mehr zurückdrehen konnte. Am Ende hatte die Partei zum Fahren nicht mehr genug Dampf, ihre Kraft reichte gerade noch, ein letztes Mal die Hupe zu betätigen.“

 

 

Solche Aussagen warf Gorbatschow 1993 aus. Es war auch wieder Zeit verstrichen, sein Kopf war in Sicherheit; jetzt konnte er auspacken. Diese Aussage zeigt, welch Mensches Kind Herr Gorbatschow in Tat und Wahrheit ist und bereits 1986 war. Selbst bezeichnet er sich als einen „Sozialdemokraten“. Das alleine sollte ausreichend sein, um ihm die Sabotierung des SU-Systems vorzuwerfen. Wie soll ein Sozialdemokrat die wichtigsten Aufgaben im Sozialismus anpacken? Und vor allem: Will ein Sozialdemokrat den Sozialismus aufrechterhalten oder „reformieren“? Natürlich konnte er seinen konterrevolutionären Ideen zu diesem Zeitpunkt noch keinen verbalen noch schriftlichen Ausdruck verleihen. Er wäre vom Volk verrissen worden, das sagte er selbst und das sagt alles aus. Das Volk stand hinter dem Sozialismus, das wusste Gorbatschow und trotzdem sabotierte er ihn. Noch mehr geht aus dem gesamten Interview hervor:

 

 

SPIEGEL-Interview mit Michail

Gorbatschow (1993) BWS1


SPIEGEL: Michail Sergejewitsch, [...] Sie waren als Generalsekretär der KPdSU 1985 einer der mächtigsten Männer der Welt. Sie haben einen großen Prozess der friedlichen Transformation eingeleitet, der abgebrochen ist; es kam zu Blutvergießen. Warum ließ sich die kontrollierte Entwicklung nicht mehr fortsetzen?

GORBATSCHOW: Ein großer Bewusstseinswandel hatte stattgefunden. Bei dem Versuch, das neue Denken in die Praxis umzusetzen, kam die Revolution von oben zum Stillstand. Jetzt ging es darum, das ganze Volk einzubeziehen, damit die Nomenklatura den Reformprozess nicht abwürgen konnte.

SPIEGEL: Das System begann sich zu wehren.

GORBATSCHOW: Die Parteibürokratie, die Ministerien, all diese Lehnsfürsten leisteten Widerstand. Auch die Industrieherren, die Direktoren, fürchteten um ihre Macht. Es war wie der Sturm in der Taiga: In den Wipfeln rauschte es, am Boden aber blieb es still. So war es schon hundert Kilometer hinter Moskau.

SPIEGEL: Den einen ging es zu langsam, den anderen war alles zu radikal.

GORBATSCHOW: Und Gorbatschow musste das Schiff der Perestroika durch die Klippen steuern. Dabei konnte man noch nicht Dinge ankündigen, für die das Volk noch nicht reif war. Man hätte mich für verrückt erklärt, das Volk wäre zerrissen worden, es hätte zum Bürgerkrieg kommen können. Man musste Geduld zeigen, bis die Parteibürokratie so entmachtet war, dass sie das Rad der Geschichte nicht mehr zurückdrehen konnte. Am Ende hatte die Partei zum Fahren nicht mehr genug Dampf, ihre Kraft reichte gerade noch, ein letztes Mal die Hupe zu betätigen.

SPIEGEL: Demnach war die Macht der Nomenklatur gebrochen.

GORBATSCHOW: Und da ist mir die russische Führung in den Rücken gefallen. Das russische Parlament berief sich darauf, dass seine Gesetze über den Gesetzen der Union stünden. Ich habe Jelzin entgegengehalten, die Union kann nicht ohne Russland existieren, Russland aber auch nicht ohne die Zusammenarbeit mit anderen Republiken, sonst droht Russland der gleiche Leidensweg, wie ihn die Union gehen musste. Genau das, was ich damals, im Dezember 1991, vorausgesagt habe, ist eingetreten. Diese Entwicklung war also kein Zufall und auch keine historische Notwendigkeit.

SPIEGEL: Die Union ist tot...

GORBATSCHOW: ... aber das Land lebt noch. Krank, verwundet, gelähmt - aber es ist noch am Leben. Das, was an alten Unionsbeziehungen noch vorhanden ist, bewahrt uns vor der Katastrophe. Die Ukraine, Kasachstan, Litauen - sie stecken alle in einer tiefen Krise.

SPIEGEL: In Litauen haben aber gerade eben Kommunisten eine freie Wahl gewonnen. Was wünschen Sie sich mehr?

GORBATSCHOW: Wer da gewonnen hat, das sind nicht mehr die alten Kommunisten. Sie nennen sich auch nicht mehr so. Ehemalige Kommunisten sind wir alle, auch Jelzin [...].

SPIEGEL: Michail Sergejewitsch, Sie sind kein Kommunist mehr?

GORBATSCHOW: Wenn Sie meine Aussagen nehmen, dann wird Ihnen klar, dass meine politischen Sympathien der Sozialdemokratie gehören und der Idee von einem Sozialstaat nach der Art der Bundesrepublik Deutschland.

SPIEGEL: Wie bitte?

GORBATSCHOW: Ich möchte Ihr Land nicht idealisieren , aber ich bin für einen Staat, der für soziale Sicherheit sorgt, einen Rechtsstaat mit einem funktionierenden Parlamentarismus, der eine Föderation von weitgehend selbstständigen Bundesländern mit einem kräftigen Zentrum darstellt. [...] Und ich habe Hochachtung für das starke demokratische Bewusstsein der Bevölkerung, die sich den Neonazis widersetzt. Bei grundsätzlichem Bekenntnis zum Liberalismus greift der deutsche Staat aktiv in das soziale Leben und in die Volkswirtschaft ein, ich halte das für richtig.

SPIEGEL: [...] Was betrachten Sie als Ihr größtes Versäumnis, solange Sie noch an der Macht waren?

GORBATSCHOW: Wir kamen zu spät mit der Parteireform. Wir haben die Schwierigkeiten des Reformprozesses in der multinationalen Föderation unterschätzt - diese Dinge haben uns die Separatisten aus der Hand genommen. Auch in der Wirtschaftspolitik hätte man damit anfangen müssen, Landwirtschaft, Lebensmittel- und Leichtindustrie zu reformieren.

 

Gorbatschow sagte: „ Die Parteibürokratie, die Ministerien, all diese Lehnsfürsten leisteten Widerstand. Auch die Industrieherren, die Direktoren, fürchteten um ihre Macht.“ Ich frage: Was hat diesen Menschen die Macht gegeben? Was hat die Industrieherren erst geschaffen? – Reformen der Anpassung an den Kapitalismus, die Perestroika! Wer hat die Perestroika durchgerungen? – Gorbatschow persönlich! Doch er, Gorbatschow sieht sich natürlich noch immer in der Position eines Helden, eines Revolutionärs. Der Konterrevolutionär übersieht dabei, dass ihn das russische Volk bis aufs Blut hasst, ihm 1993 bei den Wahlen zum Präsidenten Russlands lediglich einen Wahlprozentanteil von etwa 1.5% zugesprochen hat. Ebenfalls erschreckend finde ich die banale Tatsache, dass Gorbatschow, der ehemalige Staats- und Parteichef Russlands kein Kommunist war. Er war nicht einmal ein unfähiger Kommunist, der es nicht geschafft hatte, die Union der Sozialistischen Sowjetstaaten über Wasser zu halten. Nein! Es war gar nie in seinem Interesse die UdSSR zu verbessern. Man weiss seit der Entstehung der Sowjetunion, wer der Feind nebst Faschisten, Imperialisten und Monarchisten waren: Die Sozialdemokraten – die ewigen Bremsklötze, Bürokraten, Weltverbesserer, die keinen Sozialismus, sondern nur einen schönen Kapitalismus wünschen, der immer wieder zu Krisen führt und unbedingt zu Krisen führen muss, die sie dann wieder ausbügeln und auf die nächste warten, die wiederum bestimmt kommen muss! Die Leidtragenden sind wie immer, bei solchen Spielchen das Volk, die Profiteure wie immer die Kapitalisten, in diesem Falle konkret die Sozialdemokraten. Das ist das Wesen der Sozialdemokratie. Ein solcher war scheinbar Staats-und Parteichef der Sowjetunion! Es ist also ausgeschlossen, dass Gorbatschow das System retten wollte. Wieso sollte das ein Sozialdemokrat auch tun? Klüger ist es, wenn man sich hinaufarbeitet und oben angekommen damit anfängt das System zu sabotieren, anfangs mit kleinen Reformen und mit der Zeit mit immer schwerwiegenderen. Bis zu dem Punkt, wo der sozialistische Staat wirklich nicht mehr existieren kann, weil er eben keiner mehr ist, die Kommunistische Partei so entkräftet und entmachtet ist, dass sie ihren Aufgaben nicht mehr nachkommen kann! Was bleibt ist ein durch Chruschtschow, Breschnew und Gorbatschow hervorgerufenes nicht zuzuordnendes Durcheinander, was in einer Konterrevolution geendet hat.

 

Der folgende Text lässt einen Kommunisten- Kopf beinahe, ohne schwer zu übertreiben, platzen.

 

 

 

4.2.2 Rede Gorbatschows vor der Amerikanischen

Universität von Ankara (1999) BWS2

 

Man streitet sich um die Echtheit dieser Aussagen, wenn sie auch wahrscheinlich ist. Gorbatschow soll folgende Aussagen geäussert haben:

 

 

„Mein Lebensziel war die Zerschlagung des Kommunismus, der eine unerträgliche Diktatur über das Volk ist. In dieser Haltung hat mich meine Ehefrau unterstützt und bestärkt, die diese Meinung schon früher als ich hatte. Am meisten konnte ich dafür in den höchsten Funktionen tun. Deswegen empfahl meine Frau Raissa mir, mich um immer höhere Funktionen zu bemühen. Als ich den Westen persönlich kennen gelernt hatte, war meine Entscheidung unumkehrbar...“

 

Am meisten konnte er den Kommunismus in den höchsten Positionen zerschlagen. Damit meinte er, dass er so das System am besten verkaufen/verraten konnte. Lässt sich bei einer solchen Aussage auf einen Gorbatschow mit Streben nach einer Verbesserung im sowjetischen System schliessen – die Antwort ist hart aber klar: Nein, Gorbatschow strebte die Auflösung der UdSSR an, ein Ende der unerträglichen Diktatur über das Volk, wie er selbst meinte! Wie furchtbar diese Diktatur war, sehen wir, wenn wir sie mit den heutigen Zuständen in den ehem. Sowjetrepubliken vergleichen.

 

 

5. Fazit

 

Was jemand ist, sieht man anhand seiner Taten. Im Falle von Gorbatschow ist mit Überzeugung zu sagen, dass er ein Konterrevolutionär, der Vollender der langjährigen kapitalistischen Anpassungspolitik und daher ein Feind des Sowjetvolkes ist. (Vergleichbar mit dem Staatsfeind Trotzki, der ja auch ein Sozialdemokrat sein wollte) Die Situation nach der Auflösung der UdSSR sei noch mal in Erinnerung gerufen! Ich wiederhole: Und es ist nicht verwunderlich, dass der schlechteste Präsident der UdSSR von Seiten der Bürgerlichen in den Himmel empor gehoben wird. Alleine dieses Faktum zeigt doch mit aller Deutlichkeit, dass Gorbatschow kein Kommunist war. Diese Ganzen Lobhudeleien, diese Dankessagungen, der Nobelpreis. Vor diesen Tatsachen kann man seine Augen nicht verschliessen. Es drängt sich auf Gorbatschow als Verräter der UdSSR zu sehen! Er ist für das Sowjetvolk der Gondolieri, der es in den Tod steuerte und nicht der grosse Kapitän, als den er sich sieht, gewesen. Nichts in der Geschichte des Sozialismus ist so deutlich wie die Tatsache, dass Gorbatschow kein Kommunist ist. Wer im Chor der ewigen Lakaien- Papageien mitsingen will, der soll dies tun, doch die Wahrheit ist weder da, noch „zwischendrin“, also nicht zwischen zwei gegensätzlichen Aussagen zu suchen.

 

 

Ich beendige meinen Beitrag mit den Worten Peter Hacks’:

 

 

Jahrhundertmonster

Wer war der, der vom meisten Blute troff?
War’s Churchill, Hitler oder Gorbatschow?

Peter Hacks, Gesellschaftsverse in DIE GEDICHTE