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"Berlin ist einen Krieg wert" - über die Berliner Blockade(aus RF 15/84)

»Pfahl im Fleische der Sowjetzone« - so bezeichnete der damalige Westberliner Bürgermeister Ernst Reuter (SPD) die Rolle Westberlins. Diese Rolle wurde besonders an der sogenannten Berlin-­Blockade deutlich. Diese »Blockade« dauerte von Au­gust 1948 bis Mai 1949. Bis heute wird wiederholt, diese »Blockade« sei der Versuch Stalins gewesen, Westberlin: auszuhungern und seinem; Machtbereich einzuverleiben, was aber durch die »Selbstlo­sigkeit« der Westmächte sieg­reich verhindert wurde. Sehen wir uns einmal genau an, was damals geschah.

Gehen wir zunächst zurück ins Jahr 1945. Am 8. Mai kapitulierte die faschistische Wehr­macht bedingungslos, und das zerstörte Deutschland wurde von den Siegermächten be­setzt. Das war das Ergebnis des von den Hitlerfaschisten ange­zettelten II. Weltkrieges.

Mit dem Potsdamer Abkom­men vom 2. August J945 wur­de Deutschland in vier Besat­zungszonen aufgeteilt. Ge­samtberlin gehörte zur Sowje­tischen Besatzungszone (SBZ) und stand unter dem Oberbe­fehl der Sowjetischen Militär­administration (SMAD). Die drei Westalliierten wurden an der Verwaltungstätigkeit der! Stadt beteiligt und ihnen wur­den dafür eigene Sektoren ins Berlin eingeräumt. Diese Auf­teilung sollte aber nur bis zum Abschluß eines Friedensvertra­ges gelten, also nur vorläufig sein. Denn das Abkommen leg­te fest:

»Während der Besatzungs­zeit ist Deutschland als eine wirtschaftliche Einheit zu betrachten. Mit diesem Ziel sind' gemeinsame Richtlinien aufzu­stellen.«

und

»Bis auf weiteres wird keine zentrale deutsche Regierung er­richtet werden, jedoch werden einige wichtige zentrale deut­sche Verwaltungsabteilungen eingerichtet werden, an deren Spitze Staatssekretäre stehen, und zwar auf den Gebieten des Finanzwesens, des Transportwesens, des Verkehrswesens, des Außenhandels und der In­dustrie. Diese Abteilungen werden unter der Leitung des Kontrollrates tätig sein.«

Schließlich wurde bestimmt, daß ein Rat der Außenminister der Siegermächte gebildet wird mit dem Ziel, möglichst bald die Vorbereitung für den Ab­schluß eines Friedensvertrages vorzubereiten:

»Der Rat wird zur Vorberei­tung einer friedlichen Regelung für Deutschland benutzt wer­den, damit das entsprechende; Dokument (der Friedensver-1 trag mit Gesamtdeutschland) durch die für diesen Zweck ge­eignete Regierung Deutsch­lands angenommen werden kann, nachdem eine solche Re­gierung gebildet sein wird.« (Nach: Karl Bittel, »Die Feinde der deutschen Nation« S. 54)

Dieser Beschluß verpflichte­te die Besatzungsmächte, an der Einheit Deutschlands fest­zuhalten und eine gesamtdeut­sche Regierung zu bilden. Das stand aber völlig den Plänen der US-Imperialisten entgegen. Bereits auf der Konferenz von Jalta im Februar 1945 lehnte die damals sozialistische Sowjetunion eine Teilung Deutschlands ab, die Großbri­tannien und die USA vorge­schlagen hatten. Auf der Kon­ferenz von Potsdam hatte US-­Präsident Truman nochmals die Trennung beantragt - oh­ne Erfolg. Aber in seiner Ge­heimdirektive JCS/1067 an General Eisenhower, dem Oberkommandierenden der amerikanischen Truppen in Deutschland, vom 10. Mai 1945 heißt es:

»Die Militärverwaltung soll von Anfang an auf die spätere Teilung Deutschlands hinar­beiten.« (K. Bittel, S. 43)

 

D-Mark leitet Blockade ein

 

Die Westmächte dachten gar nicht daran, das Potsdamer Abkommen einzuhalten. Sie bildeten 1947 einen zentralen Wirtschaftsrat für die britische und die US-Zone (sogenannte »Bizone«). Ein Jahr später wurde mit der Währungsre­form die wirtschaftliche Ein­heit Deutschlands zerstört - gegen den erbitterten Wider­stand aus den Betrieben.

Am 11. Juni 1948 forderten ganze Belegschaften, sich nicht durch eine separate Währungs­reform überraschen. zu lassen und ihr rechtzeitig entgegenzu­treten. Dennoch wird sie am 20. Juni ohne Vorbereitung für die drei Westzonen verkündet. Die sowjetischen Besatzungs­behörden werden erst 24 Stun­den vorher informiert. Ihr Ziel war die vollständige Erhaltung des Privateigentums an den Produktionsmitteln und die Vernichtung sämtlicher Er­sparnisse. der Volksmassen. Damit sollten die Kriegsschul­den der Hitlerfaschisten auf den Rücken der Werktätigen abgewälzt werden.

Pro Person wurde ein Kopf­geld von 60 DM ausgezahlt. Bis 60 RM wurden 1 zu 1 um­getauscht, darüber hinausge­hende Beträge im Verhältnis 1 C zu 1. Aber nur die Hälfte die­ses Betrages war frei verfüg­bar, die andere Hälfte wurde auf einem sogenannten »Fest­konto« gesperrt. Im September 1948 wurden 70 Prozent dieses Sparguthabens nachträglich gestrichen, 10 von den verbliebenen 30 Prozent mußten in Wertpapieren angelegt werden. Die endgültige Umtauschquote für 100 RM war schließlich 16 zu 1.

Während so die Werktätigen ausgeplündert wurden, schaff­ten sich die Monopole die Vor­aussetzung für ihren wirt­schaftlichen Wiederaufstieg. Über zwei Drittel der Aktien­gesellschaften stellten ihr Ak­tienkapital vollständig im Ver­hältnis 1 zu 1 um, einige noch höher. Der Hoesch-Konzern beispielsweise gab für 10 Mil­lionen RM-Aktien 29 Millio­nen DM-Aktien aus, bei Klöckner war das Verhältnis 1 zu 3,08.

Das über Nacht, wertlos ge­wordene Geld flutete über Westberlin in die SBZ, in der die Reichsmark noch Gültig­keit hatte. Das Wirtschafts­und Finanzsystem der SBZ drohte im Chaos zu versinken. Sofortige Gegenmaßnahmen wurden im Interesse der werk­tätigen Bevölkerung- notwen­dig. Der Personen- und Wa­renverkehr von den westlichen Besatzungszonen nach West­berlin wurde durch die SMAD unterbunden. Mit dem Befehl 11 verkündete sie die Durch­führung einer Währungsreform für das Territorium der SBZ und Gesamtberlins. Am 23. Juni 1948 wurde eine »neue Reichsmark« ausgegeben. Ihr Ziel war der westlichen gerade entgegengesetzt. Das Kopfgeld betrug 70 Mark, Sparguthaben wurden bis 100 RM im Ver­hältnis 1 zu 1, bis 1000 RM im Verhältnis 5 zu 1, bis 5 000 RM im Verhältnis 10 zu 1 umgetauscht. Für den Umtausch höherer Beträge wird geprüft, wie das Geld erworben wurde.

Doch 24 Stunden vor dieser Umtauschaktion in Gesamt­berlin verfügen die Stadtkom­mandanten der Westsektoren die Einführung einer Spalterwährung in ihrem Hoheitsbe­reich, der sogenannten »B­-Mark« (westdeutsche D-Mark mit einem B-Stempel). Damit gab es plötzlich in Berlin zwei gültige Währungen. Ein Wirt­schaftschaos zeichnete sich ab. Die damals sozialistische So­wjetunion erklärte daraufhin, daß die rechtlichen und politi­schen Grundlagen, die sich aus dem Potsdamer Abkommen ergaben, durch Aufhebung der wirtschaftlichen Einheit Deutschlands nicht mehr gegeben wa­ren. Die Imperialisten hatten ihre Rechte in Westberlin ver­wirkt, und sie wurden aufge­fordert, fordert, aus Westberlin abzuziehen. Truman erklärte dagegen: »Wir bleiben in Berlin.« Die US-Imperialisten blockier­ten den Handel mit der SBZ als Antwort auf die rechtmäßigen Verkehrsbeschränkungen. Die ganze Blockade war von den westlichen Imperialisten selbst provoziert, um Berlin zu spalten und einen Brückenkopf für den Kalten Krieg zu erhalten - eben »Pfahl im Fleische«.

Die Werktätigen Berlins sa­hen dem Treiben der Imperiali­sten nicht tatenlos zu. Allein im Berliner Arbeiterbezirk Weißensee beteiligten sich über 20 000 Menschen an einer De­monstration, deren Hauptfor­derung die Einberufung einer Gesamtberliner Betriebsrätekonferenz zwecks Ausrufung des Generalstreiks unter der Losung »Einheitliche Wäh­rung für ganz Berlin« war. Au­ßerdem forderten die Kollegen den Abzug der imperialistischen Besatzungsmächte. Die-` se Protestbewegung schwoll von Tag zu Tag an. So demon­strierten am 26. August in Massenversammlungen über 250 000 Arbeiter gegen die Spalterpläne der USA.

 

Die Luftbrücke ein Kriegsmanöver

In dieser bedrängten Lage fanden die US-Imperialisten ei­ne »Lösung«, mit der sie den Protest unterlaufen und direk­te Kriegsdrohungen gegen die Sowjetunion richten konnte: die »Berliner Luftbrücke«. Als Begründung wurden gerade die Maßnahmen der Sowjetunion herangezogen, die dem Schutz, der Einheit Deutschlands dien­ten. Am 26. Juni wird die ge­samte Luftstreitmacht der USA mobilisiert - einschließ­lich der B-29-Atombomber. Das Blatt »Sozialdemokrat« der Westberliner SPD läßt am 17. August 1948 die Maske fal­len und schreibt wörtlich: »Berlin ist einen Krieg wert.«

Die US-Imperialisten und ih­re deutschen Helfershelfer mit dem fanatischen Antikommu­nisten Ernst Reuter an der Spitze entfalten eine Hetzkampagne: »Die Bolschewiken wollen die Stadt aushungern« - so prasselt es immer wieder auf die Werktätigen nieder. Gegen alle, die den Unsinn der Selbstblockade nicht mitma­chen und ihrem gesunden Men­schenverstand folgend im Ost­teil der Stadt einkaufen, wird regelrecht Pogromstimmung erzeugt. An allen Ecken der Stadt läßt Reuter Plakate auf­hängen mit dem bezeichnenden) Text: »Nur Familie Schimpf und Schande kauft außer Lande.«

Trotz dieses Trommelfeuers lassen sich über 100 000 West­berliner nicht irre machen und kaufen ihre Lebensmittel in den Verkaufsstellen der HO Handelsorganisation - staat­liche Handelskette in der DDR) Ostsektor, von denen es 3 000 an den Sektoren zu Westberlin gab. Außerdem stellte die Sowjetunion Ende Juni 1948 mehr als 10 000 Tonnen Mehl aus den Beständen der Roten Armee der Bevölkerung, Westberlins zur Verfügung. Ferner wurde die gesamte Brennstoff- und ebenso die Milchversorgung sichergestellt. Diese Hilfsleistungen wurden an Reuter und seinen Leuten n Schöneberger Rathaus ohne Begründung abgelehnt.

Die so laut gepriesene Bedeutung der Luftbrücke für die Versorgung der Bevölkerung Westberlins war von Anfang an gering. Denn die Transport­-Tagesleistung aller Flugzeuge Betrug 4 500 Tonnen, während für die Versorgung der 2 Mill­ionen Bewohner der Westsektoren eine Tagesleistung von 25 000 Tonnen nötig gewesen wäre. Diese Zahlen beweisen, daß die Behauptung der USA, sie hätten die Westberliner vor dem Verhungern gerettet, ein großer Propagandabluff ist. Selbst die erzkonservative bri­tische Zeitung »Daily Mail« schrieb damals: »Die Berliner, wenn sie die Lieferangebote der sowjetischen Behörden an­nehmen, haben die Macht, un­sere Luftbrücke lächerlich zu machen.« Am 12. Mai 1949 brachen die US-Imperialisten das Luftbrückenspektakel ab, weil sie sahen, daß die Propagandawirkung nachließ. Im September wurde dann die Bundesrepublik als Separat­staat errichtet. Damit war die Spaltung Deutschlands vollzo­gen.