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W. B. Bland


'DER ÄRZTEPROZESS'

UND DER TOD STALINS



London 1991


(Deutsche Übersetzung 2002)



DER 'ÄRZTPROZESS'

UND DER TOD STALINS




"Stalin ... gab Anweisung, eine Gruppe prominenter sowjetischer Fachärzte in Haft

zu nehmen ...

Als wir diesen 'Fall' nach Stalins Tod untersuchten, stellten wir fest, dass er ganz

und gar erfunden war."

(N. S. Chruschtschow, Geheimrede vor dem 20. Parteitag der KPdSU, in: Russi-

sches Institut, Columbia Universität, Hrsg.: 'Die Anti-Stalin-Kampagne und der In-

ternationale Kommunismus', Dokumentenauswahl, New York 1956, S. 64).



Die ersten Vorbereitungen auf den revisionistischen Putsch, 1943-46



Die Machtergreifung durch die sowjetischen Revisionisten verlangte bestimmte Vorberei-

tungsmaßnahmen, von denen die ersten darin bestanden, die Sicherheitsorgane des so-

zialistischen Staates zu schwächen, um sie später leichter den revisionistischen Ver-

schwörern aushändigen zu können.


Im April 1943 wurde die Behörde, die für die staatliche Sicherheit zuständig war - das

Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten (NKWD) mit dem Marxisten-Leninisten

Lawrentij Berija* an der Spitze - dadurch geschwächt, dass man sie in drei Abteilungen

zergliederte:


1. in das Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten (NKWD), das weiterhin von Berija

geleitet wurde, jedoch nicht mehr mit der Staatssicherheit befasst war:


"Dem NKWD unter Berijas Leitung wurden dadurch die schwierigen Probleme der

Staatssicherheit entzogen, und es wurde zunehmend zu einer 'ökonomischen'

Einrichtung."

(B. Lewitzki, 'Die Anwendung des Terrors. Der sowjetische Geheimdienst 1917-

1970', London 1971, S. 160).


2. in das Volkskommissariat für Staatssicherheit (NKGB), das von dem Marxisten-Leninis-

ten Wsewolod Merkulow* geführt wurde;


3. in die Spionageabwehrabteilung des Volkskommissariats für Verteidigung (SMERSCH),

die von dem Marxisten-Leninisten Wiktor Abakumow* geleitet wurde.


Nach Ende des Zweiten Weltkriegs, 1946, wurde


1. SMERSCH aufgelöst;


2. das Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten (NKWD) in 'Ministerium für Innere An-

gelegenheiten' (MWD) umbenannt, und sein marxistisch-leninistischer Leiter Merkulow, wel-

cher


" ... zu Berijas engsten und loyalsten Mitarbeitern gehörte",

(B. Lewitzki, ebenda, S. 141)


wurde durch den Revisionisten Sergej Kruglow* ersetzt;


3. das Volkskommissariat für Staatssicherheit (NKGB) in Ministerium für Staatssicherheit



Die erste Phase des 'Ärztefalls', 1948-51



Im Jahre 1948 wurden die Pläne der Verschwörer durch den 'Fall der Kremlärzte' gestört.

In diesem Jahr


"entdeckte Lydia Timaschuk, eine einfache Krankenhausärztin am Kremlhospi-

tal, bewusste Manipulationen in Krankenberichten seitens bedeutender medizi-

nischer Experten, die im Krankenhaus als fachärztliche Berater tätig waren. Sie

entlarvte ihre kriminellen Machenschaften und machte damit die Sicherheitsor-

gane auf die Existenz einer infamen Verschwörung aufmerksam."

(Y. Rapoport, ' 'Die Ärzteverschwörung'. Stalins letztes Verbrechen', London 1991,

S. 77).


Dr. Timaschuk schrieb an


" ... Stalin einen Brief, in dem sie erklärte, dass es Ärzte gäbe, die ungeeignete

Methoden bei medizinischen Behandlungen anwendeten."

(N. S. Chruschtschow, Geheimrede, ebenda, S. 63).


Was den Zeitpunkt betraf, so


" ... wurde Timaschuks erster Bericht zu einer Zeit verfasst, als Schdanow noch

lebte."

(P. Deriabin, 'Wachhunde des Terrors. Russische Bodyguards von den Zaren bis

zu den Kommissaren', n.p., USA 1984, S. 311).


Schdanow* starb im August 1948.


Obwohl Chruschtschow später in seinem Geheimbericht vor dem 20. Parteitag der KPdSU

im Februar 1956 behauptete, dass


" ... dieser schmachvolle Fall von Stalin initiiert worden sei",

(N. S. Chruschtschow, Geheimrede, ebenda, S. 65)


versichert uns Ian Grey, dass anfangs


" ... Stalin starke Zweifel an Timaschuks Behauptungen hegte."

(I. Grey, 'Stalin - Mann der Geschichte', London 1979, S. 461).


... und auch Stalins Tochter Swetlana Allilujewa* kann dies bestätigen:


"Die Haushälterin meines Vaters erzählte mir vor langer Zeit, dass er sehr über den

Lauf, den die Dinge nahmen, betrübt gewesen sei ... Sie hatte wie gewöhnlich bei

Tisch auf ihn gewartet, als er bemerkte, dass er nicht glaube, dass die Ärzte 'un-

ehrlich' seien, und dass die einzigen Beweise, die es gäbe, ja nur die 'Berichte' von

Dr. Timaschuk seien."

(S. Allilujewa, ebenda, S. 215).


Dennoch übergab Stalin diese Behauptungen den Staatssicherheitsorganen, die zu jener

Zeit dem Minister für Staatssicherheit, dem Marxisten-Leninisten Abakumow, unterstanden -

mit dem Ergebnis, dass


" ... Abakumow eine Untersuchung einleitete, die er persönlich leitete."

(P. Deriabin, ebenda, S. 311).


... und die Untersuchungsergebnisse zu Timaschuks Anschuldigungen überzeugten Stalin

schnell von ihrer Richtigkeit:


"Eines Tages rief uns Stalin in den Kreml und las uns einen Brief von einer Ärztin

namens Timaschuk vor. Sie behauptete, dass Schdanow nur deshalb gestorben

sei, weil ihn die zuständigen Ärzte bewusst unsachgemäß behandelt hätten, in

der Absicht, seinen Tod herbeizuführen."

(N. S. Chruschtschow, 'Chruschtschow erinnert sich', London 1971, S. 283).


Die ersten Festnahmen auf der Grundlage dieser Untersuchungen erfolgten bereits im De-

zember 1950 mit der Verhaftung des Diagnosearztes Jakow Etinger. Etinger war Chef einer

Abteilung am Ersten Gradskaja Krankenhaus in Moskau gewesen. Sein Name tauchte

später, 1953, unter den angeklagten Ärzten wieder auf:


"Jakow Etinger war 1950 verhaftet worden."

(Y. Rapoport, ebenda, S. 24).


"Zu der Gruppe der Terroristen gehörte auch ... Prof. Y. G. Etinger, ein Therapeut."

('Prawda' vom 13. Januar 1953, S. 4, in: 'Aktueller Überblick über die sowjetische

Presse', Band 4, Nr. 51 vom 31. Januar 1953, S. 3).



Die Entlassung und Verhaftung von Abakumow, 1951



Im Jahre 1951 hatten die revisionistischen Verschwörer allen Grund, sich über ihre Zukunft

große Sorgen zu machen. Gerüchte verbreiteten sich, dass


" ... mehrere Personen aus Stalins unmittelbarer Umgebung von einer bevorstehen-

den Säuberung bedroht waren."

(G. Bortoli, 'Stalins Tod', London 1973, S. 151).


Ganz offensichtlich musste dringend etwas unternommen werden, um sowohl die Verschör-

ung als auch die Verschwörer zu decken.


Ende 1951 erreichten die revisionistischen Verschwörer denn auch die Entlassung des Mar-

xisten-Leninisten Abakumow als Minister für Staatssicherheit und seine Ersetzung durch

den Revisionisten Semjon Ignatjew*:


"Berijas Widersacher in der Partei ... errangen Ende 1951 mit der Ablösung von

W. S. Abakumow, einem engen Mitarbeiter von Berija, durch S. D. Ignatjew, einem

Parteifunktionär, als neuen Chef des MWD einen bemerkenswerten Erfolg."

(S. Wolin & R. Slusser, 'Die sowjetische Geheimpolizei', London 1957, S. 20).


Boris Lewitzki berichtet, dass


"Abakumow, Berijas Freund (und Marxist-Leninist - Verf.), von seinem Posten ent-

fernt und durch S. D. Ignatjew ersetzt wurde."

(B. Lewitzki, ebenda, S. 204).


... und sieht hierin den ersten Schritt


" ... in Richtung einer kompletten Neubesetzung der Geheimpolizei, mit dem Ziel,

Berija und seine (marxistisch-leninistischen - Verf.) Freunde zu entfernen ... Dafür,

dass Ignatjew ... nur ein Werkzeug war, gibt es viele Beweise ... Ignatjews Er-

nennung wurde durch den Umstand begünstigt, dass er noch nie etwas mit Berija

zu tun gehabt hatte und keine Erfahrungen mit der Arbeit in der Geheimpolizei

besass."

(B. Lewitzki, ebenda, S. 204, 295).


Kurz darauf wurden Abakumow und einige Dutzend seiner Mitarbeiter unter dem Vorwand

'mangelnder Wachsamkeit im Zusammenhang mit der 'Leningrader Affäre' ' von 1949-50

verhaftet:


"Abakumow wurde ... 1951 verhaftet. ... Man schaffte ihn in die Lubjanka und gab

ihm eine Einzelzelle. Sieben seiner Stellvertreter und einige Dutzend Offiziere der

Staatssicherheit wurden mit ihm zusammen inhaftiert. ...Die Vorwürfe, die man

gegen ihn zu dieser Zeit erhob, bestanden darin, dass er bei der Untersuchung

der 'Leningrader Affäre' nicht die Volksfeinde durchschaut habe. ... Es war kein

Geringerer als Chruschtschow, der im September 1951 ... Stalins Vorwurf nach-

betete, dass Abakumow und seine Mitarbeiter die Volksfeinde im Parteiapparat

der nördlichen Stadt nicht wahrgenommen hätten."

(P. Deriabin, ebenda, S. 316 f.).


Dass es sich dabei um erfundene Vorwürfe gegen Abakumow und seine Mitarbeiter handelte,

wird aus der Tatsache ersichtlich, dass Abakumow später im Dezember 1954 von den glei-

chen Revisionisten hingerichtet wurde, die ihm diesmal vorwarfen, die 'Leningrader Affäre'

'aufgebracht' zu haben:


"Abakumow fabrizierte den sogenannten 'Leningrader Fall', in dessen Rahmen eine

Reihe sowjetischer Parteifunktionäre grundlos wegen angeblich schwerster Verbre-

chen gegen den Staat verhaftet worden waren."

('Prawda' vom 24. Dezember 1954, in: R. Conquest, ' Macht und Politik in der

UdSSR', London 1961, hiernach zitiert als 'R. Conquest 1961', S. 449).



Das georgische Scheinmanöver, 1951-52



Wie wir jedoch sehen werden, war mit der Beseitigung und Verhaftung Abakumows die Ge-

fahr für die Verschwörer, die sich aus der Einleitung der Untersuchung des 'Ärztefalls' ergab,

noch nicht vorüber. Sie versuchten sich deshalb dadurch zu decken, dass sie gegen be-

stimmte Marxisten-Leninisten Scheinmanöver führten:


Nach militärischem Sprachgebrauch ist ein 'Scheinmanöver'


" ... eine Bewegung, die in der Absicht unternommen wird, den Feind über die wah-

ren Absichten eines Befehlshabers hinwegzutäuschen."

(Kleines Oxford-Wörterbuch der englischen Sprache, Oxford 1972, S. 737).


Die revisionistischen Verschwörer erkoren sich Transkaukasien als Schauplatz für ihr Täu-

schungsmanöver aus - nicht nur, weil es sehr weit weg vom eigentlichen Ziel ihrer Attacke

lag, nämlich Moskau, sondern auch deshalb, weil es das Geburtsland von Stalin und Berija

war und als marxistisch-leninistische Hochburg galt. Charles Fairbanks jr.* spricht von

Berijas


" ... Lehensgebiet in Transkaukasien"

(C. H. Fairbanks jr., 'Nationale Kader - eine Kraft im sowjetischen System. Zeugnis

von Berijas Karriere, 1949-53', in: J. R. Asrael, Hrsg., 'Sowjetische Nationalitäten-

politik und -praxis', New York 1978, S. 155).


... und Lewitzki bemerkt dazu, dass auf dem


" ... 14. Parteitag der Georgischen Kommunistischen Partei im Januar 1949 zwei

verschiedene Grußschreiben abgeschickt wurden: eines an Stalin und das andere

an Berija."

(B. Lewitzki, ebenda, S. 208).


Der Angriff auf die georgischen Marxisten-Leninisten würde von den Marxisten-Leninisten

anderswo nur als ein grundloser, provokatorischer Akt aufgefasst werden können. Das Ziel

des Scheinmanövers bestand darin, zu gegebener Zeit, d.h. nach der Ausschaltung von

Stalin und seines Apparats, einzugreifen mit der Begründung, dass


1. das Ministerium für Staatssicherheit sich in der Gewalt heimlicher Feinde be-

funden hat, und dass es sich, z.B. in Georgien, schwerer Justizverbrechen schul-

dig gemacht habe, die man nun wieder gutzumachen verlangen müsse; und dass


2. man die schuldigen Ärzteverschwörer zusammen mit den unschuldigen Mar-

xisten-Leninisten entlassen und rehabilitieren müsse, um angeblich 'Justizirrtümer

zu berichtigen'.


Das Scheinmanöver begann im Januar 1951, als man, wie Robert Conquest* schrieb, Wilian

Sodelawa vom Posten des Chefs des Georgischen Bundes Junger Kommunisten entfernte.

(R. Conquest, 1961, S. 140).


Am 24. Mai 1951


" ... gab der Sender 'Stimme Amerikas' bekannt, dass ... er ab Samstag in georgi-

scher Sprache senden würde,"

('New York Times', 25. Mai 1951, S. 21).


Im November 1951 begann dann die massenhafte Entfernung führender Marxisten-Leninis-

ten aus ihren Ämtern in Georgien. Man beschuldigte sie der 'Unterschlagung, des Autodieb-

stahls und ähnlicher Verbrechen'. Die Nachricht wurde im Februar 1952 westlichen Diploma-

ten zugespielt:


"Eine große Serie von Unterschlagungen, Autodiebstählen und ähnlicher Verbre-

chen in Sowjetgeorgien hat zu einer Welle von Säuberungen führender Funktionäre

der Kommunistischen Partei und der Regierung in diesem Gebiet geführt, berichten

diplomatische Quellen. ...


Die Entlassungen begannen letzten November. ...Die beiden wichtigsten Amtsträ-

ger waren Michail Baramija und Rostom Schaduri, Sekretäre des Zentralkomitees

der Georgischen Kommunistischen Partei."

('New York Times' vom 6. Februar 1952, S. 12).


David Lang* bestätigt dies:


"Prominente georgische Kommunisten wurden beschuldigt, staatliche Gelder unter-

schlagen, Autos gestohlen und staatliches Eigentum gestohlen zu haben."

(D. M. Lang, 'Moderne Geschichte Georgiens', London 1962, S. 261).


So auch John Ducoli*:


"Die vorgeschobenen Gründe für die erste Säuberung waren die Unterschlagung

staatlicher Mittel, Autodiebstähle, die Veruntreuung staatlichen Vermögens usw. ..."

(J. Ducoli, 'Die georgischen Säuberungen 1951-53', in: Kaukasische Rundschau,

Band 6, 1958, S. 55).


Schon kurz darauf, im November 1951, ließ das Zentralkomitee der Kommunistischen

Partei Georgiens verlauten, dass die Vorwürfe gegen einige ehemalige hochrangige geor-

gische Funktionäre auch auf den Vorwurf der 'Protektion krimineller Funktionäre' ausge-

dehnt worden seien:


" 'Kürzlich wurde bekannt, dass der Zweite Sekretär des ZK der KP (B) Georgiens,

M. I. Baramija, Justizminister A. N. Rapawa sowie der Anklagevertreter der Re-

publik, B. Y. Schoniya, gewissen Funktionären, die Verbrechen begangen haben,

Protektion zukommen ließen und sie in jeder erdenklichen Weise deckten.' ...

Alle Genannten wurden ihrer Ämter enthoben."

(R. Conquest, 1961, ebenda, S. 139).


Später, nach der Entfernung Berijas aus der Führung im Juli 1953, wurden die entlassenen

Funktionäre als 'Helfershelfer von Berija' bezeichnet. Der damalige Erste Sekretär des

Georgischen Zentralkomitees, Akaki Mgeladze, führte in seinem Bericht an den Georgi-

schen Parteitag im September 1952 aus, dass


" '1951 ... einige hundert von Berijas Leuten in Georgien entfernt worden seien.' "

(C. H. Fairbanks jr., ebenda, S. 161).


Im April 1952 entließ das Plenum des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Geor-

giens sodann Kandida Tscharwiani als Ersten Sekretär, Rostom Schaduri und Michail

Baramija als Zweite Sekretäre, Walerian Bakradze als Stellvertretenden Ministerpräsiden-

ten, Awksenti Rapawa als Justizminister sowie eine Anzahl anderer prominenter georgi-

scher führender Politiker.


Das Plenum wählte einen neuen Ersten Sekretär - den heimlichen Revisionisten Akaki

Mgeladze:


"Kandida Tscharkwiani ... wurde entlassen und Akaki Mgeladze, ehemaliger Se-

kretär des wichtigen abchasischen regionalen Parteikomitees, trat an seine Stelle."

('Prawda' vom 6. Juni 1952, in: 'New York Times' vom 8. Juni 1952, S. 27).


Mgeladze setzte den Prozess umfangreicher Säuberungen von Marxisten-Leninisten aus

hohen Positionen in der georgischen Partei fort:


"Mgeladze machte sich daran, die Partei und den Staatsapparat von oben bis un-

ten zu säubern. Innerhalb von sechs Monaten ersetzte er die Hälfte der Mitglieder

des Zentralkomitees der Georgischen Kommunistischen Partei, die bei den Wahlen

im Jahre 1949 noch wiedergewählt worden waren und bewirkte so einen vollständi-

gen Personalwechsel in der Verwaltungsstruktur der Republik. ... Einige hohe

Funktionäre, die von Mgeladze gefeuert wurden, darunter insbesondere Walerian

Bakradze, stellvertretender Vorsitzender des Georgischen Ministerrats (und damit

stellvertretender Ministerpräsident - Verf.) waren persönlich von Berija vorgeschla-

gen worden."

(D. M. Lang, ebenda, S. 261).


"Nach nur sechs Monaten Amtszeit hatte es Mgeladze geschafft, fast 55% der 111

Mitglieder und Kandidaten des Zentralkomitees, das 1949 gewählt worden war, weg-

zusäubern."

(J. Ducoli, ebenda, S. 55).


Berija kam dann aus Moskau angereist, um am Aprilplenum teilzunehmen (1952):


"Berija war auf dem Aprilplenum anwesend, das formell die Nachfolge bestätigte.

Tscharkwianis Anhänger waren durch Leute aus Abchasien, dort, wo Mgeladze Par-

teichef gewesen war, ersetzt worden."


(R. G. Suny, 'Die Entstehung der georgischen Nation', London 1989, S. 288).


"Berija, jetzt Vizepräsident des sowjetischen Ministerrats (=stellvertretender

Ministerpräsident der UdSSR - Verf.), kam eigens aus Moskau angereist, um an

einer Sitzung des Zentralkomitees der Georgischen Kommunistischen Partei teil-

zunehmen."

(D. M. Lang, ebenda, S. 261).


Berijas Anwesenheit veranlasste die getarnten Revisionisten 'zu verkünden', d.h. die

völlig unzutreffende Behauptung zu verbreiten, dass die Veränderungen an der Spitze,

die sie in Georgien bewerkstelligt hatten, 'auf Stalins Anweisung hin' erfolgt waren:


"Zu dieser Zeit (im Frühjahr 1952 - Verf.) war bekannt geworden, dass Mr. Berija

sich höchstpersönlich nach Georgien begeben hatte, um eine Lage zu bereini-

gen, die durch weit verbreiteten Amtsmissbrauch und andere Arten von Korrup-

tion gekennzeichnet war. Später war zu erfahren, dass Premier Stalin selbst

einschreiten musste, um Säuberungen in der Georgischen KP anzuordnen."

('New York Times' vom 3. Januar 1953, S. 3).


Tatsächlich aber handelte es sich bei den hohen georgischen Parteifunktionären, die ab-

serviert worden waren, um Leute, die sowohl von Berija als auch von Stalin unterstützt

und auf ihre Empfehlung hin gewählt worden waren:


"Verschiedene hohe Funktionäre, die von Mgeladze entfernt wurden, insbesondere

Walerian Bakradze, stellvertretender Vorsitzender des Georgischen Ministerrats

und damit auch stellvertretender Ministerpräsident, waren von Berija persönlich

vorgeschlagen worden."

(D. M. Lang, ebenda, S. 261).


"Mr. Berija musste tatenlos zusehen, wie die Leute, die er selbst an die Spitze

der georgischen Partei gebracht hatte, wieder entfernt und wie die Korruptionsvor-

würfe als reine Wahrheiten ausgegeben wurden."

('New York Times' vom 17. April 1953, S. 10).


Das Märchen, dass die Veränderungen in der Führung auf Wunsch von Berija oder Stalin

vorgenommen wurden, erwies sich als nützlich, um den Widerstand gegen sie zu brechen.

Im September 1952 berichtete Mgeladze den Delegierten des Georgischen Parteitags Fol-

gendes:


"Diese Plenarsitzungen (von November 1951 und April 1952 - Verf.) verabschie-

deten Resolutionen, die auf dem Beschluss des ZK der Partei der Union und auf

Stalins persönlichen Weisungen beruhten."

(A. Mgeladze, Bericht an den Parteitag der Georgischen KP, September 1952, in:

R. Conquest, 1961, ebenda, S. 143).


Die angeführten Gründe dafür, dass Berija und Stalin diese Veränderungen gewollt haben

sollten, waren dann naturgemäß reichlich nebulös. Mgeladze hatte schon im Mai 1952 vor

Vertretern des Bundes der Georgischen Jungkommunisten Folgendes geäußert:


"Genosse Stalin entdeckte Mängel in der Führung der Kommunistischen Partei so-

wie in der des Bundes der Jungkommunisten Georgiens, welche bedrohliche Folgen

gehabt haben könnten und zeigte Wege auf zur Berichtigung der Fehler."

(A. Mgeladze, Bericht an den Bund der Jungkommunisten, Mai 1952, in: R. Con-

quest, 1961, ebenda, S. 141 f.).


Diese vagen Behauptungen wurden später dadurch konkretisiert, dass sie mit kritischen Äu-

ßerungen von Stalin zu den Gefahren des Nationalismus in Verbindung gebracht wurden:


"Im Verlauf der georgischen Säuberungen von 1951-52 wurde seinen (Berijas

- Verf.) Leuten Nachgiebigkeit gegenüber dem georgischen Nationalismus vor-

geworfen."

(C. H. Fairbanks jr., ebenda, S. 154).


Mgeladze dazu vor dem Parteitag der Georgischen Kommunistischen Partei im Septem-

ber 1952:


"Die alte Führung hatte vergessen, dass internationale Reaktionäre versuchen,

in unserer Republik nationalistische Elemente mit einer feindlichen Einstellung

zu finden, um mit ihrer Hilfe Sabotageakte zu begehen und Spionagearbeit zu

betreiben."

('New York Times' vom 23. September 1952, S. 3).


Einigen der entlassenen marxistisch-leninistischen führenden Funktionären wurde dann

auch vorgeworfen, kriminelle Äußerungen georgischen Nationalismus getätigt zu haben:


"Mgeladze und sein Minister für Staatssicherheit, Rukhadze, warfen einigen

Schützlingen von Berija Nationalismus vor. Es waren M. I. Baramija, ..., Rapawa,

Schonija. ... Sie wurden verhaftet und eingesperrt."

(J. Ducoli, ebenda, S. 56).


"Alle Genannten (Baramaija, Rapawa und Schonija - Verf.) wurden ... später ver-

haftet."

(R. Conquest, 1961, ebenda, S. 139).


"Tscharkwiani, Sekretär des Georgischen Zentralkomitees von 1939 bis 1952, Ra-

pawa, damals Innenminister der Georgischen Republik sowie andere wurden ihrer

Ämter enthoben und verhaftet, nachdem man ihnen auf dem Georgischen Partei-

tag im April 1952 Nationalismus vorgeworfen hatte. Rukhadze, damals Minister

für Staatssicherheit in Georgien, führte diesen Coup aus."

(Boris Nikolajewski, 'Macht und sowjetische Elite', New York 1965, S. 182).



Der marxistisch-leninistische Gegenschlag in Georgien



In der Zwischenzeit ließen die Marxisten-Leninisten, die erkannt hatten, dass die Sicherheit

des sozialistischen Staates in Georgien einen schweren Rückschlag erlitten hatte, die An-

gelegenheit durch Stalins 'Sonderabteilung' untersuchen, die einen speziellen Sicherheits-

apparat unter der Kontrolle von Marxisten-Leninisten darstellte.


Die Sonderabteilung entdeckte genügend Beweise, um feststellen zu können, dass der

georgische Minister für Staatssicherheit, N. Rukhadze, in dem Fall der georgischen Marxis-

ten-Leninisten unkorrekt gehandelt hatte. Das Ergebnis war, dass die Revisionisten im Juli

1952 Rukhadze fallenlassen mussten, obwohl es ihnen gelang, seine Verhaftung und die

Rückgängigmachung seiner Schritte im Rahmen des 'georgischen Täuschungsmanövers',

zumindest bis zum April des folgenden Jahres aufzuschieben:


"Im Juli 1952 wurde Rukhadze, der als Minister für Staatssicherheit für die Barami-

ja-Säuberung verantwortlich gewesen war, entlassen. ... Rukhadzes Entlassung war

sicherlich ein Teilerfolg für Berija."

(R. Conquest, 1961, ebenda, S. 142).



Die Anklage im 'Ärztefall', 1953



Trotz der Entfernung und Verhaftung von Abakumow war durch das Eingreifen von Stalilns

persönlichem Sekretariat gewährleistet, dass die Untersuchung des 'Ärztefalls' fortgesetzt

werden konnte. Isaac Deutscher* bestätigt, dass


" ... Ignatjew, der neue Minister für Staatssicherheit, den Anordnungen nur zöger-

lich nachkam."

(I. Deutscher, 'Stalin. Eine politische Biografie', Harmondsworth 1968, S. 605).


Ignatjew hielt sich aus der Untersuchung des 'Ärztefalls' heraus und überließ die Unter-

suchungsführung seinem Stellvertreter, dem Marxisten-Leninisten Michail Rjumin:


"Der stellvertretende Minister Rjumin ... leitete höchstpersönlich die Nachforschun-

gen (im 'Ärztefall' - Verf.)."

(Y. Rapoport, ebenda, S. 190).


Rjumin hatte vorher die Staatssicherheitsabteilung von Stalins persönlichem Sekretariat

geleitet:


"Rjumin hatte vor seiner Ernennung zum Stellvertretenden Minister für Staatssicher-

heit ... die Staatssicherheitsabteilung in Stalins persönlichem Sekretariat unter sich."

(B. Nikolajewski, ebenda, S. 155).


Das Ergebnis der Ermittlungen bestand darin, dass


" ... im Sommer 1952 eine Reihe von ... Ärzten, die jahrelang im Kremlkrankenhaus

gearbeitet und viele Staatsmänner behandelt hatten, fristlos entlassen wurden. Unter

ihnen befanden sich auch Miron Wowsi und Wladimir Winogradow. Auch der ehema-

lige Chef des Kremlkrankenhauses, Aleksej Bussalow sowie Michael Jegorow ...

und Sophia Karpai wurden verhaftet."

(Y. Rapoport, ebenda, S. 72).


Am 13. Januar 1953 berichtete die 'Prawda' über die Verhaftung


" ... einer terroristischen Gruppe von Ärzten, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte,

das Leben wichtiger sowjetischer Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens durch un-

sachgemäße Behandlung zu verkürzen. ... Die Mitglieder dieser terroristischen Grup-

pe stellten unter Ausnutzung ihrer Stellung als Ärzte und des Vertrauens ihrer Pa-

tienten in verbrecherischer Absicht ... falsche Diagnosen und verurteilten diese dann

durch eine falsche Behandlung zum Tode."

('Prawda' vom 13. Januar 1953, S. 4, in: 'Aktueller Überblick über die sowjetische

Presse', Band 4, Nr. 31 vom 31. Januar 1953, S. 3).


Neun Ärzte wurden namentlich als Mitglieder dieser terroristischen Vereinigung genannt:


"Professor M. S. Wowsi, Therapeut;

Professor W. N. Winogradow, Therapeut;

Professor M. B. Kogan, Therapeut;

Professor B. B. Kogan, Therapeut;

Professor P.I. Jegorow, Therapeut;

Professor A. I. Feldmann, Hals-Nasen-Ohren-Arzt;

Professor J. G. Etinger, Therapeut;

Professor A. M. Grinschtein, Nervenarzt sowie

Professor G. I. Majorow, Therapeut."

('Prawda' vom 13. Januar 1953, in: ebenda, S. 3).


Unter den Beschuldigten befand sich auch Wladimir Winogradow* ,


" ... Stalins Hausarzt."

(Y. Rapoport, ebenda, S. 216).


Michail und Boris Kogan waren Brüder, während Miron Wowsi ein Verwandter des jüdi-

schen Schauspielers Salomon Mikhoels* war, der eigentlich Wowsi hieß.


Den Ärzten wurde vorgeworfen, auf jene Weise Andrej Schdanow sowie Alexander

Schtscherbakow* ermordet zu haben sowie Mordversuche an den Marschällen Alexan-

der Wassiljewski*, Leonid Koworow*, Iwan Konjew* und an General Sergej Schtemenko*

und Admiral Gordej Lewtschenko* unternommen zu haben.


Es wurde vorgebracht, dass


" ... die meisten Mitglieder der terroristischen Gruppe (M. S. Wowsi, B. B. Kogan,

A. I. Feldmann, A. M. Grinschtein, J. Etinger u.a.) mit der internationalen jüdisch-

bürgerlichen nationalistischen Organisation 'Joint', die vom US-Geheimdienst instal-

liert worden war, um Juden im Ausland materielle Unterstützung zu gewähren, in

Verbindung standen. Tatsächlich führt diese Organisation unter Anleitung des US-

Geheimdienst in einer ganzen Reihe von Ländern, einschließlich der Sowjetunion,

eine ausgedehnte Spionagetätigkeit und terroristische und andere subversive Akte

aus. ... Der verhaftete Wowsi gab vor den Untersuchungsbeamten an, dass er An-

weisungen erhalten habe, 'die führenden Kader der UdSSR auszuschalten', Anweis-

ungen, die er aus den USA über die Organisation 'Joint' durch den Moskauer Arzt

Schimeljowitsch und den bekannten jüdisch-bürgerlichen Nationalisten Mikhoels

erhalten habe.


Andere Mitglieder der terroristischen Gruppe wie W. N. Winogradow, M. B. Kogan

oder P. I. Jegorow erwiesen sich als altgediente Agenten des britischen Geheim-

dienstes."

('Prawda' vom 13. Januar 1953, S. 4, in: 'Aktueller Überblick über die sowjetische

Presse', Band 4, Nr. 51 vom 3. Januar 1953, S. 3).


Der volle Name von 'Joint' war 'Amerikanisch-Jüdische Verbindungsstelle für Zuwendungen'

und war in den USA im November 1914 durch die Zusammenlegung dreier Komitees ge-

gründet worden - wahrscheinlich als internationale Wohlfahrtseinrichtung zur Unterstützung

von Juden in der ganzen Welt.


Die Nachricht in der 'Prawda' schloss mit den Worten:


"Die Untersuchung wird bald abgeschlossen sein."

('Prawda' vom 13. Januar 1953, in: ebenda, S. 3.).


Der Leitartikel der 'Prawda' vom gleichen Tage erinnerte die Leser daran, dass in den 30iger

Jahren schon einmal eine Gruppe von Ärzten, die in eine revisionistische Verschwörung ver-

wickelt war, im Verlauf des öffentlichen Prozesses gestanden hatte, eine Reihe von führen-

den sowjetischen Marxisten-Leninisten dadurch ermordet zu haben, dass sie ganz bewusst

unzweckmäßige Behandlungsmethoden auf sie anwendeten:


"Die Staatssicherheitsorgane entdeckten die terroristische Sabotageorganisation

der Ärzte nicht rechtzeitig. Diese Organe hatten jedoch Anlass genug, besonders

wachsam zu sein, da die Geschichte bereits Beispiele von abscheulichen Mördern

und Verrätern am Vaterland kennt, die ihre Intrigen hinter der Maske von Ärzten

ausführten wie die 'Ärzte' Lewin und Pletnew, die den großen russischen Schrift-

steller A. M. Gorki und die hervorragenden sowjetischen Staatsmänner W. W.

Kuibyschew und W. R. Menschinski auf Anordnung von Feinden der Sowjetunion

hin durch bewusst falsche Behandlungsmethoden ermordeten."

('Prawda', ebenda).


Die ursprüngliche Stellungsnahme besagte, dass


" ... die kriminellen Ärzte gestanden hatten."

('Prawda' vom 13. Januar 1953, in: ebenda, S. 3).


... und auch Chruschtschow erklärte in seiner Geheimrede an den 20. Parteitag der KPdSU

im Februar 1956:


"Kurz nachdem die Ärzte verhaftet worden waren, erhielten wir als Mitglieder des

Politbüros Protokolle, die die Geständnisse der Ärzte enthielten."

(N. S. Chruschtschow, Geheimrede an den 20. Parteitag der KPdSU, in: ebenda,

S. 64).


... und noch nachdem sie von den revisionistischen Verschwörern nach Stalins Tod im

März 1953 freigelassen worden waren, gaben die Ärzte zu, dass ihre Geständniss echt

waren:


"Nachdem wir alle entlassen worden waren, erzählten mir Wowsi und Winogradow

selbst, dass sie die ihnen zur Last gelegten Verbrechen zugegeben hatten. Der am

meisten tragische Aspekt dieser Geständnisse lag darin, dass die betreffende Per-

son nicht nur die Verbrechen zugab, die sie angeblich eigenhändig ausgeführt hatte,

sondern darüberhinaus auch die Existenz von kriminellen Organisationen und kollek-

tiver krimineller Handlungen. ... Der Beschuldigte wurde dazu verleitet, dadurch mit

der Untersuchungsbehörde zu kooperieren, dass er die Verbrechen anderer gleich

mit gestand. Das traf auf Wowsi und Winogradow zu, aber auch auf andere.


Sophia Karpai, einst Ärztin am Kremlkrankenhaus, berichtete mir im Sommer 1953

über ihre Gegenüberstellung mit Wowsi, Winogradow und Wasilenko im Gefängnis.

Sie sagten ihr ins Gesicht, dass sie es gewesen sei, die ihre kriminellen Befehle,

die Patienten auf schädliche Weise zu behandeln, ausgeführt habe. ...


So waren also diejenigen, die umgefallen waren, selbst zu Zeugen der Anklage ge-

worden."

(Y. Rapoport, ebenda, S. 137).


Darüberhinaus sagten die entlassenen Ärzte aus, dass ihre Geständnisse nicht durch die

Anwendung von


" ... Folter, wovon es in den denkwürdigen Säuberungsjahren 1937-39 verbreitet Ge-

rüchte gab, erpresst worden seien. ... Winogradow teilte mir mit, dass er von An-

fang an entschlossen gewesen sei, alles zuzugeben - auch was die Vorwürfe der

Spionage für Frankreich und Großbritannien betraf und nicht zu warten, bis sie an-

fingen, ihn zu foltern."

(Y. Rapoport, ebenda, S. 138).


Die Entschlossenheit, mit der die sowjetischen Marxisten-Leninisten mit der Untersuchung

des 'Ärztfalles' fortfuhren, machte es für die revisionistischen Verschwörer zu einer Frage

auf Leben und Tod, ob es ihnen noch gelingen würde, das Verfahren zu stoppen. Dazu war

es notwendig, Stalins persönliches Sekretariat als notwendige Voraussetzung für seine

Liquidierung selbst auszuschalten.



Die Ausschaltung des Verteidigungssystems um Stalin


Wir haben schon auf die Rolle von Stalins persönlichem Sekretariat, das auch unter dem

Namen 'Sonderabteilung' des Sekretariats des Zentralkomitees der Partei bekannt war,

für das Zustandekommen der Verratsprozesse in den 30iger Jahren an anderer Stelle hin-

gewiesen. Diese Abteilung spielte jedoch auch eine wichtige Rolle für den Schutz des

marxistisch-leninistischen Kerns im Herzen der Kommunistischen Partei der Sowjetunion,

mit Stalin an der Spitze.


An der Spitze dieser Sonderabteilung hatte seit 1928 der Marxist-Leninist Alexander Pos-

krebyschew* gestanden:


"Als Kopf der 'Sonderabteilung' des Zentralkomitees war er (Poskrebyschew -

Verf.) bis 1952 Stalins engster Vertrauter."

(R. Conquest, 'Der Große Terror', Harmondsworth 1971, hiernach zitiert als 'R.

Conquest, 1971', S. 37).


... während Generalleutnant Nikolai Wlassik*


" ... über 25 Jahre lang ... Stalins persönlicher Sicherheitschef gewesen war. Er

wusste viel und besaß das Vertrauen seines Chefs."

(D. Wolkogonow, 'Stalin. Triumph und Tragödie', London 1991, S. 333).


Dimitri Wolkogonow* behauptet, dass Poskrebyschew


" ... bis an das Ende seiner Tage der seinem Meister ergebene Diener blieb. ... Er

besaß das Gedächtnis eines Computers. Man konnte auf jede Frage eine exakte

Antwort erhalten. Er war ein wanderndes Lexikon. ... Stalin ... vertraute ... Wlassik

und Poskrebyschew."

(D. Wolkogonow, ebenda, S. 203 f., 318).


... und Lewitzki bestätigt, dass


" ... jene, die über die Verhältnisse an der Spitze der Partei nach 1945 Bescheid

wussten, Poskrebyschew als ein großes Organisationstalent mit einem hervorra-

genden Gedächtnis beschreiben."

(B. Lewitzki, ebenda, S. 177).


Conquest behauptet, das Poskrebyschew


" ... der Mann war, der am engsten und unmittelbarsten mit Stalin verbunden war.

(Er wurde später, in Chruschtschows Geheimrede, als Stalins 'Schildknappe' be-

zeichnet )."

(R. Conquest, 1961, S. 156).


Wolkogonow über Wlassik:


"Mehr als 25 Jahre lang war Wlassik Stalins persönlicher Sicherheitschef gewesen.

Er wusste viel und genoss das Vertrauen seines Chefs."

(D. Wolkogonow, ebenda, S. 318, 333).


... und Robert McNeal* meint:


" ... Wlassik und Poskrebyschew ... sicherten effektiv die Zugänge zu Stalins Büro

ab. Der eine kontrollierte die Sicherheit - der andere die Anmeldungen."

(R. H. McNeal, 'Stalin. Mensch und Herrscher', Basingstoke 1988, S. 301):


Es leuchtete deshalb ein, dass ein erfolgreicher terroristischer Anschlag auf Stalin die vor-

herige Beseitigung der loyalen Poskrebyschew und Wlassik erforderte.


Walter Laqueur* meint:


"In Stalins letzten Jahren fiel Poskrebyschew in Ungnade."

(W. Laqueur, 'Stalin. Die Glasnost-Enthüllungen', London 1990, S. 176).


... und Nikita Chruschtschow kann berichten, wie diese Ungnade erzeugt wurde. Er be-

schreibt, wie er im Winter 1952-53 in den Verdacht geriet, Geheimdokumente aus der

Hand gegeben zu haben und wie es ihm gelungen sei, den Verdacht von sich auf Poskre-

byschew abzulenken:


"Stalin ... beschwerte sich darüber, dass Geheimdokumente aus unseren Büros

verschwanden. ...Er kam direkt auf mich zu: 'Du bist es, Chruschtschow! Die Sa-

chen sickern direkt in deinem Büro durch!' ... Es gelang mir, den Vorwurf zu ent-

kräften, aber Stalin ließ die Sache nicht auf sich beruhen. ...Nachdem ich Stalin

davon überzeugt hatte, dass die undichte Stelle sich nicht in meinem Büro befin-

den konnte, kam er zu der Schlussfolgerung, dass sie sich bei Poskrebyschew

befinden musste. ... Poskrebyschew hatte jahrelang für Stalin gearbeitet. ...

Stalin entfernte Poskrebyschew von seinem Posten und stellte jemand anders

ein."

(N. S. Chruschtschow, 1971, S. 272 ff.).


Niels Rosenfeldt bestätigt, dass


" ... Poskrebyschew spätestens im Winter 1952/3 aus seiner alten Position ent-

fernt wurde. ... Um diese Zeit verschwand auch Stalins Leibwächter Wlassik (im

Winter 1953 - Verf.)."

(N. Rosenfeldt, 'Wissen und Macht. Die Rolle von Stalins Kanzlei im sowjetischen

Regierungssystem', Kopenhagen 1978, S. 196).


Ebenso Adam Ulam*:


"Poskrebyschew und Wlassik ... fielen in Ungnade."

(A. B. Ulam, 'Stalin. Der Mensch und seine Zeit', London 1989, S. 617).


Wolkogonow bemerkt dazu, dass


" ... Poskrebyschew und Wlassik ... kurz vor Stalins Tod kompromittiert worden

waren und deshalb aus seiner Nähe entfernt wurden."

(D. Wolkogonow, ebenda, S. 513).


... und auch McNeal kann bestätigen, dass


" ... beide (Poskrebyschew und Wlassik - Verf.) 1952 vor die Tür gesetzt wurden."

(R. H. McNeal, ebenda, S. 301).


Deriabin stimmt zu, dass die gegen Poskrebyschew und Wlassik erhobenen Vorwürfe völlig

unzutreffend waren:


"Der Vorwurf gegen dieses Paar altgedienter loyaler Mitarbeiter war nichts anderes

als eine ausgemachte Lüge. Stalin jedoch ... entließ sie beide."

(P. Deriabin, ebenda, S. 320).


Die revisionistischen Verschwörer stellten Poskrebyschew unter Hausarrest:


"Poskrebyschew wurde in seiner Datscha außerhalb von Moskau, vor der Wachen

aufgestellt waren, unter Hausarrest gestellt."

(P. Deriabin, ebenda, S. 321).


"Poskrebyschew ... verschwand. Er wurde einfach nicht mehr erwähnt, außer in

einer höhnischen Bemerkung Chruschtschows in seinem Geheimbericht."

(R. Conquest, 1961, S. 208).


... während Wlassik aus der Partei ausgeschlossen und nach Swerdlowsk geschickt

wurde, wo man ihn zum stellvertretenden Kommandanten eines Arbeitslagers machte:


"Wlassik ... wurde nicht nur gefeuert; er wurde auch aus der Partei ausgeschlos-

sen und nach Swerdlowsk geschickt ... als stellvertretender Kommandant eines ...

Arbeitslagers."

(P. Deriabin, ebenda, S. 321).


Wlassik kam jedoch nach Moskau zurück und


" ... ging zum Kreml, um Stalin zu sprechen. ... Man griff ihn in der Nähe der Kreml-

tore auf und steckte ihn in die Lubjanka. Zwei Wochen später starb er dort an einer

'Krankheit'."

(P. Deriabin, ebenda, S. 321).


Wolkogonow bestätigt, dass Wlassik


" ... am 16. Dezember 1952 verhaftet wurde."

(D. Wolkogonow, ebenda, S. 570).


... und berichtet auch, dass im Verlauf seines Verhörs Druck auf ihn ausgeübt wurde, um


" ... Poskrebyschew zu belasten. ... Er weigerte sich."

(D. Wolkogonow, ebenda).


Auch Ulam bestätigt, dass


" ... Wlassik, der Hauptverantwortlich für seine (Stalins - Verf.) persönliche Sicher-

heit seit dem Bürgerkrieg, verhaftet worden war. Stalins persönlicher Sekretär Pos-

krebyschew wurde davongejagt."

(A. B. Ulam, ebenda, S. 737).


... und auch Stalins Tochter Swetlana Allilujewa* erzählt die gleiche Geschichte:


"Kurz bevor mein Vater starb, fielen sogar einige seiner engsten Vertrauten in Un-

gnade: Der immerwährende Wlassik kam im Winter 1952 ins Gefängnis und der

Privatsekretär meines Vaters, Poskrebyschew, der 20 Jahre mit ihm zusammen

gewesen war, wurde entfernt."

(S. Allilujewa, 'Zwanzig Briefe an einen Freund', London 1967, S. 216).


Die Attacke auf das Sicherheitssystem Stalins beschränkte sich jedoch nicht nur auf die

Liquidierung von Poskrebyschew und Wlassik. Noch im Jahr 1952 setzten die heimlichen

Revisionisten


" ... eine Kommission ein, um ... den gesamten staatlichen Sicherheitsapparat zu

durchleuchten."

(P. Deriabin, ebenda, S. 317).


Diese Kommission


" ... machte sich daran, Stalins Leibwachen auf ein Minimum zu reduzieren. ... Un-

gefähr 7000 Mann wurden aus der ursprünglich 17000 Mann starken Schutztruppe

entfernt. ... Als die Säuberung vorbei war, war von Stalins Schutztruppe Nr. 1 nur

noch die Hälfte übrig geblieben."

(P. Deriabin, ebenda, S. 317 ff.).


Das führte dazu, dass Stalin


" ... nur noch von einer kleinen Gruppe von Offizieren bewacht wurde, ... einer

Gruppe, die wenig Sicherheitserfahrung, besonders als Leibwächter, besaß und

die von einem einfachen Major geführt wurde."

(P. Deriabin, ebenda, S. 319).


Rosenfeldt fügt hinzu, dass etwa zur gleichen Zeit der besondere Wachdienst, dessen Auf-

gabe es war, für Stalins persönliche Sicherheit zu sorgen, nach 'einer gründlichen Säuber-

ung und einer erheblichen Personalverringerung' zusammen mit der Kremlwache sowie mit

der medizinischen Verwaltung des Kreml, insgesamt dem von den Revionisten kontrollier-

ten Ministerium für Staatssicherheit unterstellt wurde:


"Der besonder Wachdienst, dessen Aufgabe darin bestand, für Stalins persönliche

Sicherheit zu sorgen, wurde dem MGB, dem Ministerium für Staatssicherheit, 1952

unterstellt, nachdem eine gründliche Säuberung und eine erhebliche Personalver-

ringerung vorangegangen war. Gleichzeitig und nach dem gleichen Schema wurden

auch die Kremlwache und die medizinische Verwaltung des Kreml dem MGB unter-

stellt."

(N. Rosenfeldt, ebenda, S. 196).


Dann - am 17. Februar 1953 - zwei Wochen bevor Stalin starb, wurde der plötzliche Tod von

Generalmajor Pjotr Kosnykin, stellvertretender Kommandant der Kremlwachen und verant-

wortlich für die Vorkehrungen zum Schutze Stalins, bekannt gegeben:


"Am 15. Februar 1953, kurz vor Stalins Tod, starb der Kommandant der Kremlwa-

che, Generalmajor Pjotr Kosnykin, der für Stalins persönliche Sicherheit verant-

wortlich war."

(B. Lewitzki, ebenda, S. 212).


"Der stellvertretende Kommandant des Kreml, Generalmajor Kosnykin, betraut mit

den Vorkehrungen für die Bewachung Stalins, starb zwei Wochen vor Stalin an

einem Herzinfarkt. So jedenfalls lautete die Nachricht."

(P. Deriabin & F. Gibney, 'Die geheime Welt', New York 1959, S. 169).


"Der Vize-Chef der Kremlkommandantur, Generalmajor Pjotr Kosnykin, 'verschied

vorzeitig' am 15. Februar 1953."

(N. Rosenfeldt, ebenda).


"Am 15. Februar 1953 ... starb Generalmajor Pjotr Kosnykin, stellvertretender Kom-

mandant der Kremlwache, plötzlich an einem Herzanfall. Dieser plötzliche Anfall

war recht ungewöhnlich, um es vorsichtig auszudrücken. Als fanatischer Bewunde-

rer Stalins befand sich Kosnykin in der Blüte seines Lebens. ... Die besonders

gründlichen Untersuchungen, denen sich Angestellte wie Kosnykin in regelmäßi-

gen Abständen zu unterziehen hatten, legen ohne weiteres nahe, dass der Führer

der Wache sich in hervorragender körperlicher Verfassung befand und ganz sicher

nicht an einer Herzerkrankung litt. ... Am 17. Februar 1953 erschien ein Bericht,

dem keine allzu große Aufmerksamkeit zuteil wurde, dass der stellvertretende Kom-

mandant, General Kosnykin, der einzige Wachhabende, dem Stalin noch vertrauen

konnte, plötzlich an einem 'Herzanfall' gestorben sei."

(P. Deriabin, ebenda, S. 239, 325).


Schließlich wurde am 21. Februar


" ... im Oberbefehl der Armee ein bedeutsamer Wechsel vollzogen. General Sergej

Schtemenko wurde durch Marschall Wassili Sokolowski als Generalstabschef der

sowjetischen Streitkräfte abgelöst. ... und gleichzeitig mit Schtemenkos Ablösung

wurden die Leibwächter der Schutztruppe aus dem Generalstab entfernt."

(P. Deriabin, ebenda, S. 325).


"Der Chef des Generalstabs der Armee, Sergej Schtemenko, wurde etwa zur glei-

chen Zeit (Mitte Februar 1953 - Verf.) seines Postens enthoben."

(N. Rosenfeldt, ebenda, S. 196).


Deriabin kommt zu dem Ergebnis, dass dieses 'Verfahren, Stalin seines gesamten persön-

lichen Sicherheitsapparates zu berauben, eine durchdachte und sehr gekonnt durchgeführ-

te Aktion' war:


"Dies führte den Prozess, Stalin seiner gesamten persönlichen Sicherheit zu be-

rauben, zuende, abgesehen von den relativ unbedeutenden Veränderungen bei den

unteren Dienstgraden in der Schutztruppe sowie in seinem Büro und Haushalt. All

dies war ein gut durchdachtes und meisterhaft durchgeführtes Unternehmen: die

Intrige gegen Abakumow, die Entlassung Wlassiks, die Diskreditierung von Pos-

krebyschew, die Schwächung der Schutztruppe und ihre zwangsweise Unterstell-

ung unter das (revisionistisch kontrollierte - Verf.) MGB, Kosnykins 'Herzattacke',

die Entfernung von Schtemenko und die Säuberung des Generalstabs von den

letzten Einflüssen der Schutztruppe Stalins. Und sicherlich darf man an dieser

Stelle nicht ... die Kontrolle des MGB über die medizinische Abteilung des Kreml

vergessen."

(P. Deriabin, ebenda, S. 325 f.).


All das verschaffte den Verschwörern schließlich die Oberhand:


"Dadurch, dass sie die Staatssicherheit und die Streitkräfte unter ihrer Kontrolle

hatten, konnten sich die Verschwörer schließlich die Oberhand verschaffen."

(P. Deriabin, ebenda, S. 326).



Stalins Tod



Am 3. März 1953 hieß es in einer gemeinsamen Erklärung des Zentralkomitees der KPdSU

und des Ministerrates der UdSSR, dass


" ... unserer Partei und unserem Volk ein großes Unglück widerfahren ist."

(Kommuniqué vom 3. März 1953, in 'Prawda' und 'Iswestija' vom 4. März 1953, S. 1,

in: 'Aktueller Überblick über die sowjetische Presse', Band 5, Nr. 6, 21. März 1953,

S. 4).


Es hieß dort, dass


" ... sich Genosse Stalin in seiner Moskauer Wohnung in der Nacht vom 1. auf den

2. März eine Gehirnblutung zugezogen habe, die lebenswichtige Teile seines Ge-

hirns beeinträchtige. Genosse Stalin verlor das Bewusstsein.


Es entstand eine Lähmung seines rechten Armes und Beins. Das Sprechvermögen

setzte aus. Es entwickelte sich eine schwere Störung der Herztätigkeit und der At-

mung.


Das beste medizinische Personal wurde herbeigerufen, um den Genossen Stalin zu

behandeln. ...


Die Behandlung des Genossen Stalin erfolgte unter der ständigen Kontrolle des

Zentralkomitees und der Kommunistischen Partei der Sowjetunion sowie der Sow-

jetregiering."

(Erklärung der Regierung vom 3. März 1953, in: 'Prawda' und am 4. März in der

'Iswestija', S. 1, in: ebenda, S. 4).


In den frühen Morgenstunden des folgenden Tages, dem 4. März, wurde ein medizinisches

Bulletin folgenden Inhalts herausgegeben:


"Um 2 Uhr am 4. März ist der Zustand von J. W. Stalin immer noch ernst. Es wer-

den erhebliche Störungen der Atmung beobachtet; die Atmungsfrequenz beträgt

36 Schläge pro Minute, bei unregelmäßigem Herzrhythmus und regelmäßig länge-

ren Unterbrechungen.


Es wird beobachtet, dass die Pulsfrequenz 120 pro Min. erreicht, bei vollständig un-

regelmäßigem Rhythmus. Maximaler Blutdruck liegt bei 220, das Minimum bei 120.


Die Körpertemperatur beträgt 38,2° (Celsius - Verf.). Wegen der gestörten Atmung

und Blutzirkulation wird die Unzulänglichkeit der Organfunktion beobachtet. Der

Grad der Hirnfunktionsstörungen hat sich leicht verschlimmert.


Zur Zeit werden eine Reihe therapeutischer Maßnahmen ergriffen, um die lebens-

wichtigen Funktionen des Organismus wiederherzustellen."

(Ärztliches Bulletin vom 4. März 1953, in: ebenda, S. 4).


Am Morgen des 5. März wurde ein zweites Bulletin herausgegeben, in dem es hieß:


"Während der vergangenen 24 Stunden blieb der gesundheitliche Zustand von Josef

Wissarionowitsch Stalin ernst. Die Arteriosklerose, die sich in der Nacht vom 1. auf

den 2. März auf der Grundlage eines Bluthochdrucks und einer Gehirnblutung in der

linken Gehirnhälfte herausbildete, hat außer zu einer rechtsseitigen Lähmung von

Gliedern und zum Verlust des Bewusstseins zu einer Schädigung des Gehirnstam-

mes, verbunden mit Störungen der lebenswichtigen Funktionen der Atmung und der

Blutzirkulation geführt.


In der Nacht vom 3. auf den 4. März setzte sich die Störung der Atmung und die der

Blutzirkulation fort. Die größten Veränderungen wurden bei der Atmungsfunktion

festgestellt.


Phasen einer sogenannten Cheyne-Stokes-Atmung wurden häufiger. Im Zusammen-

hang damit verschlechterte sich die Kreislauffunktion und der Sauerstoffmangel er-

höhte sich.


Die systematische Zufuhr von Sauerstoff sowie von Medikamenten, welche die At-

mung sowie die Arbeit der Herzgefäße stabilisieren, verbesserten allmählich leicht

das Krankheitsbild und am Morgen des 4. März verringerte sich der Grad der At-

mungsausfälle leicht.


Im Laufe des Tages am 4. März setzten die schweren Atmungsstörungen jedoch

wieder ein. Die Atmungsfrequenz betrug 39 pro Minute. Der Blutdruck blieb hoch

(Maximum bei 210, Minimum bei 110) - bei einer Pulsfrequenz von 108-116 pro Mi-

nute - unregelmäßig, flatternd und arthythmisch.


Das Herz ist nicht übermäßig vergrößert. In den vergangenen 24 Stunden wurden

wesentliche Veränderungen im Zustand der Lunge sowie der Organe der Bauch-

höhle festgestellt. Eiweißstoffe und rote Blutkörperchen waren im Normbereich.


Die Blutuntersuchung ergab, dass die Zahl der weißen Blutkörperchen in einem

Umfang auf bis zu 17.000 angestiegen war. Die Körpertemperatur stieg am Mor-

gen und am Nachmittag auf 38,6° C.


Die im Verlauf des 4. März ergriffenen medizinischen Maßnahmen bestanden in

der Zufuhr von Sauerstoff und dem Verabreichen von Kampferpräparaten, von Kof-

fein und Glukose. Ein zweites Mal wurden Blutegel für die Blutentnahme einge-

setzt.


Wegen der hohen Temperatur und der ausgeprägten Lykozytose wurde die Be-

handlung mit Penizillin, welche für prophylaktische Zwecke seit Beginn der Er-

krankung durchgeführt wurde, intensiviert.


Am Ende des 4. März ist der gesundheitliche Zustand von Josef W. Stalin nach

wie vor ernst.


Der Patient befindet sich in einer tiefen Bewusstlosigkeit.


Die nervliche Regulation der Atmung sowie die der Herztätigkeit sind weiterhin

schwer beeinträchtigt."

(Ärztliches Bulletin, 2 Uhr, 5. März 1953, in: 'Prawda' und 'Iswestija', 5. März 1953,

S. 1, in: ebenda, S. 4).


Ein drittes ärztliches Bulletin wurde am Morgen des 5. März 1953 herausgegeben und in

der Presse am 6. März veröffentlicht. Es berichtete von dem sich verschlechternden Zu-

stand Stalins:


"In der Nacht sowie in der ersten Tageshälfte des 5. März verschlimmerte sich

der Zustand von J. W. Stalin. Aktute Störungen des Herz-Kreislaufsystems sind

zu der Beeinträchtigung lebenswichtiger Gehirnfunktionen hinzugetreten. Drei

Stunden lang ereigneten sich heute morgen schwere Atmungsausfälle, die auch

nach intensiver Therapie nur leicht zurückgingen.


Heute morgen um 8 Uhr entwickelten sich Anzeichen einer akuten Herzschwäche,

eines Kollaps. Der Blutdruck sank, der Pulsschlag beschleunigte sich. Eine zu-

nehmende Blässe entstand. Ein sofortiges Eingreifen beseitigte diese Symptome.


Ein Elektrokardiogramm, das um 11 Uhr aufgenommen wurde, wies auf eine akute

Störung der Blutzirkulation in den Herzkranzarterien hin sowie auf Schädigungen

der hinteren Herzwand. (Das am 2. März aufgenommene Elektrokardiogramm hatte

diese Veränderungen noch nicht angezeigt). Um 11.30 Uhr ereignete sich ein zwei-

ter schwerer Kollaps, der durch richtige medizinische Behandlung unter Schwierig-

keiten beseitigt werden konnte. Im späteren Verlauf des Tages ließ die Störung

der Herztätigkeit etwas nach, der Allgemeinzustand des Patienten blieb jedoch wei-

terhin außergewöhnlich ernst.


Um 4 Uhr nachmittags bewegte sich der Blutdruck zwischen einem Maximum von

160 und einem Minimum von 100. Der Puls war 120/Minute und unregelmäßig. Die

Atmungsfrequenz betrug 36/Minute. Die Körpertemperatur war 37,6°. Die Zahl der

Leukozyten betrug 21.000. Die Behandlung konzentriert sich zur Zeit in erster Linie

auf die Behebung der Störung der Atmungstätigkeit und die des Blutkreislaufs, ins-

besonderer bei der Zirkulation in den Herzkranzgefäßen."

(Ärztliches Bulletin, 4 Uhr nachmittags, 5. März 1953, in: 'Prawda' und 'Iswestija',

6. März 1953, S. 1, in: ebenda, S. 5).


Am 6. März schließlich erschien der ärztliche Bericht, in dem der Tod Stalins mitgeteilt

wurde:


"Am Nachmittag des 5. März verschlechterte sich der Zustand des Patienten

besonders rapide; die Atmung wurde flacher und sehr viel schneller, der Puls er-

reichte 140-150 Schläge pro Minute bei nachlassendem Pulsdruck.


Nach Herzversagen und zunehmender Atmungsschwäche verstarb Stalin um

21.50 Uhr."

(Ärztliches Bulletin, 6. März 1953, in: 'Prawda' und 'Iswestija', 6. März 1953, S.1,

in: ebenda, S. 5).


Der medizinische Bericht erschien zusammen mit einer gemeinsamen Huldigung vonsei-

ten des Zentralkomitees, der Regierung und des Präsidiums des Obersten Sowjet der

UdSSR:


"Das Herz von Lenins Waffengefährten und des erleuchteten Fortsetzers der Lenin-

schen Sache, des weisen Führers und Lehrers der Kommunistischen Partei und

des sowjetischen Volkes - Josef Wissarionowitsch STALIN - hat aufgehört zu

schlagen.


STALINS Name ist unserer Partei, dem sowjetischen Volk und den arbeitenden

Menschen der Welt grenzenlos teuer. ... Indem er Lenins unsterbliche Sache fort-

setzte, führte Genosse STALIN das sowjetische Volk zu dem welthistorischen

Triumph des Sozialismus in unserem Land. Genosse STALIN führte unser Land

zum Sieg über den Faschismus im Zweiten Weltkrieg, wodurch ein radikaler Wan-

del der gesamten internationalen Lage herbeigeführt wurde. Genosse STALIN be-

waffnete die Partei und das ganze Volk mit einem großartigen und klaren Programm

für den Aufbau des Kommunismus in der UdSSR.


Der Tod des Genossen STALIN, der sein ganzes Leben der großen Sache des

Kommunismus widmete, stellt einen großen Verlust für die Partei und für die ar-

beitenden Menschen der Sowjetunion und der ganzen Welt dar."

(Gemeinsame Erklärung des ZK der KPdSU, des Ministerrats der UdSSR und des

Präsidiums des Obersten Sowjet der UdSSR, in: 'Prawda' und 'Iswestija', 6. März

1953, S. 1, in: ebenda, S. 5).


Am 7. März 1953 wurde der Bericht über die Obduktion von Stalins sterblichen Überresten

veröffentlicht. In ihm hieß es:


" ... die Diagnose, die von den Professoren der Medizin, die J. W. Stalin behandel-

ten, gestellt wurde, wird voll und ganz bestätigt."

(Pathologische und anatomische Untersuchung der sterblichen Überreste Josef

Stalins, in: 'Prawda', 7. März 1953, in: G. Bortoli, 'Stalins Tod', London 1975,

S. 209).


Außerdem wird gesagt, dass


" ... der unumkehrbare Charakter von Stalins Erkrankung seit dem Auftauchen der

Gehirnblutung bestätigt wird."

(ebenda).


Der Bericht im Einzelnen:


"Im Ergebnis der pathologischen und anatomischen Untersuchung konnte ein be-

deutsames Zentrum einer Gehirnblutung in der Region der unteren Gehirnrinde der

linken Gehirnhälfte lokalisiert werden. Diese Blutung zerstörte wichtige Teile des

Gehirns und rief unheilbare Störungen der Atmung sowie der Blutzirkulation hervor.

Neben dieser Gehirnblutung wurden eine erhebliche hypertonische Störung der lin-

ken Herzkammer, umfangreiche Blutungen des Herzmuskels und in der Magen-

und Darmschleimhaut und arteriosklerotische Veränderungen von besonders wich-

tigen Gefäßen in den Gehirnarterien festgestellt. Dieser Prozess war die Folge

hohen Blutdrucks. Die Ergebnisse der pathologischen und anatomischen Unter-

suchungen haben voll und ganz die Diagnose bestätigt, die von den Professoren

der Medizin, die J. W. Stalin behandelten, gestellt wurde. Diese Ergebnisse haben

den unheilbaren Charakter der Krankheit J. W. Stalins seit dem Auftreten der Ge-

hirnblutung bestätigt. Aus diesen Grunde konnten auch die energischen Maßnah-

men im Rahmen der Behandlung zu keinem positiven Ergebnis führen und auch

den tödlichen Ausgang nicht mehr verhindern."

(ebenda, S. 209).


Es existieren eine ganze Reihe von Umständen im Zusammenhang mit dem Tode Stalins,

die ihn aus gerichtsmedizinischer Sicht zu einem 'verdächtigen Tod' werden lassen:


Erstens schien Stalin unmittelbar vor Märzbeginn in ausgezeichneter gesundheitlicher Ver-

fassung zu sein:


"Und was ist mit Stalin selbst? In bester Verfassung. Bester Laune. Dies sind die

Worte der drei Ausländer, die ihn im Februar begegneten: Bravo, der argentinische

Botschafter; Menon, der indische sowie Dr. Kitchlu, indischer Aktivist der Friedens-

bewegung."

(H. Salisbury, 'Stalins Russland und danach', London 1952, S. 157).


Zweitens gab es in der Nacht vom 1. zum 2. März eine lange Verzögerung beim Eintreffen

ärztlicher Hilfe:


"Chruschtschow macht keine genauen Zeitangaben; seine Erzählung lässt es je-

doch als unglaubhaft erscheinen, dass die Ärzte lange vor 5 Uhr morgens am 2.

März eintrafen. ... Es ist nicht wahr, dass er unmittelbar nach dem Schlaganfall

ärztlich behandelt wurde."

(R. H. McNeal, ebenda, S. 304).


"Ein Geheimnis umgab das, was mit Stalin geschah. Seine Wächter machten sich

Sorgen, als er um 11 Uhr abends nicht nach seinem Abendessen gefragt hatte. ...

Der Sicherheitsbeamte hob ihn hoch und legte ihn auf das Sofa, die Ärzte wurden

jedoch erst am Vormittag herbeigeholt. ...


Stalin war für den Großteil eines ganzen Tages hilflos und ohne Behandlung sich

selbst überlassen worden, was Wiedebelebungsversuche sehr erschwerte. ...


Warum schoben die Parteiführer das hinaus? Einige Historiker sehen hier Hinweise

auf einen vorsätzlichen Mord. Abdurakhman Awtorhanow erblickt den Grund in Sta-

lins offensichtlichen Vorbereitungen für eine Säuberung im Stil der 30iger Jahre."

(J. Lewis & P. Whitehead, 'Stalin. Zeit für ein Urteil', London 1990, S. 179).


"Die ersten Ärzte ... erschienen erst am nächsten Vormittag."

(W. Laqueur, ebenda, S. 151).


"Erst mit zwölf- oder vierzehnstündiger Verspätung wurden die Ärzte schließlich zu

dem im Koma liegenden Führer gebracht."

(D. Wolkogonow, ebenda, S. 513).


Drittens wurde eine absichtliche Lüge bei der Verkündung seines Todes verwendet, der der

Erklärung zufolge 'in seiner Wohnung in Moskau' eingetreten sein soll, während er in Wirk-

lichkeit in seiner Datscha in Kuntzewo eintrat. Adam Ulam behauptet, dass


" ... Stalins Tod eine Atmosphäre der Konspiration umgab. Das verspätete Kommu-

niqué, das über seinen Schlaganfall berichtete, betonte, dass dieser sich in sei-

ner Wohnung im Kreml ereignet habe. Aber es war sein Landhaus, in das seine

Tochter Swetlana am 2. März gerufen wurde, um an seinem Totenbett sein zu

können. ... Er war von Moskau fortgebracht worden. ...


Die amtliche Verlautbarung hatte, was den Ort, an dem Stalin den tödlichen

Schlaganfall erlitten hatte, anbetraf, gelogen. ...


Anscheinend gab es einen Grund für diese Unwahrheit: Seine Nachfolger fürchte-

ten, dass eine wahrheitsgemäße Erklärung darüber, wo er sich zur Zeit des Schlag-

anfalls befand, zu Gerüchten führen könnte, ... dass der Schlaganfall sich ereigne-

te, als er von den Oligarchen entführt oder verhaftet worden war. Menschenmengen

hätten sich möglicherweise in Richtung Kreml begeben und eine Erklärung darüber

verlangt, was ihrem Vater und Beschützer widerfahren sei."

(A. B. Ulam, ebenda, S. 4, 700, 739).


Viertens hatten, wie wir gesehen haben, die revisionistischen Verschwörer ein handfestes

und eiliges Motiv - das der Selbsterhaltung - für die Beseitigung Stalins:


"Für viele führende sowjetische Staatsmänner und Funktionäre kam Stalins Dahin-

scheiden genau zur rechten Zeit. Ob dieses auf natürliche Ursachen zurückzuführen

war oder nicht, bleibt einmal dahingestellt."

(D. M. Lang, ebenda, S. 262).


"Welch eine seltsame Laune des Schicksals, dachte ich bei mir, dass Stalin nur

wenige Wochen, nachdem die eigenen Ärzte des Kreml beschuldigt worden waren,

genau solch einen Tod durch Intrigen herbeigeführt zu haben, im Sterben liegen

sollte.


Aber war es wirklich nur eine Laune? ... War es möglich, dass diese mächtigen und

fähigen sowjetischen Führer, zusammen mit ihren Kollegen in der Armee, einfach

nur passiv abwarten und keinerlei Schritte unternehmen würden, um den heranna-

henden Terror, der sie fast alle mit Sicherheit beseitigen würde, aufzuhalten? ...


Auch wenn ein Mord nicht bewiesen werden kann, so gab es zweifellos ein Motiv

dafür. ... Denn, ... wenn Stalin tatsächlich dabei war, eines natürlichen Todes zu

sterben, dann war dies der größte Glücksfall, der für diese Leute, die zu seiner

nächsten Umgebung gehörten, eintreten konnte.

(H. Salisbury, ebenda, S. 160 f.).


Fünftens ist es notwendig, die ganze Serie von Maßnahmen, die die Verschwörer in den

Monaten vor Stalins Tod trafen, um das System des Schutzes, das ihn umgeben hatte,

zu zerstören, zu berücksichtigen.


Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass sich innerhalb weniger Wochen nach Stalins Tod

Gerüchte verbreiteten, dass er ermordet worden sei:


"Es gab vor allem in Georgien Gerüchte, dass Stalin vergiftet worden sei."

(W. Laqueur, ebenda, S. 151).


Robert Conquest spricht von der


" ... Möglichkeit, dass er ermordet wurde."

(R. Conquest, 1961, S. 172).


Als Stalins ehemaliger Leibwächter Wlassik dabei war, Moskau nach seiner Entlassung

zu verlassen, soll Stalins Sohn Wassili* ausgerufen haben:


" 'Sie werden ihn umbringen! Sie werden ihn umbringen!'. Mit 'sie' meinte er ...

andere Mitglieder des Politbüros und mit 'ihn' meinte er seinen Vater."

(P. Deriabin, ebenda, S. 321).


"Stalins Sohn Wassili kam ständig herein und rief ... :'Sie haben meinen Vater

getötet, diese Schweine!' "

(D. Wolkogonow, ebenda, S. 774).


Obwohl Wassili Alkoholiker war - als er nicht nachließ, diese Anschuldigungen öffentlich

auszusprechen, wurde er im April 1953 verhaftet, um, wie seine Schwester sich ausdrückte,

'ihn zu isolieren':


"Nach dem Tod meines Vaters wurde er (Wassili - Verf.) ... verhaftet. Das geschah,

weil er der Regierung gedroht hatte; er sprach davon, dass 'mein Vater von seinen

Rivalen ermordet worden sei' und all solche Sachen und es waren dabei immer sehr

sehr viele Leute anwesend ..., so dass sie sich entschlossen, ihn zu isolieren. Bis

1961 war er im Gefängnis ... und danach starb er bald."

(S. Allilujewa, 'Nur ein Jahr', London 1969, hiernach zitiert als 'S. Allilujewa, 1969',

S. 202).


"Er (Wassili - Verf.) war davon überzeugt, dass unser Vater 'vergiftet' oder 'ermordet'

worden sei. ...


In der Zeit vor der Beerdigung ... beschuldigte er die Regierung, die Ärzte und alle

möglichen anderen Leute in seiner Nähe, meinen Vater falsch behandelt zu haben.

... .


Er wurde am 18. April 1953 verhaftet. ...Ein Militärgericht verurteilte ihn zu acht Jah-

ren Gefängnis. ... Er starb am 19. März 1962."

(S. Allilujewa, 1967, S. 222 ff.).


Georges Bortoli* dazu:


"Wassili Stalin hatte das laut ausgesprochen, was andere nur leise dachten. In we-

niger als einem Monat hätten sich in Moskau alle möglichen Gerüchte verbreitet und

die Menschen hätten angefangen, von einem Verbrechen zu sprechen. ...


Einige meinten, dass mehrere Leute aus Stalins engster Umgebung von einer her-

annahenden Säuberung bedroht gewesen waren. Hatten sie Vorkehrungen getroffen,

um dies zu verhindern?"

(G. Bortoli, ebenda, S. 151).


Robert Conquest und auch andere Kommentatoren haben auf die plötzliche Erkrankung und

den plötzlichen Tod des marxistisch-leninistischen tschechoslowakischen Parteiführers

Klement Gottwald*, kurz nachdem er in Moskau aus Anlass seiner Teilnahme an Stalins

Beerdigung gewesen war, hingewiesen und die Vermutung geäußert, dass auch dieser Tod

veranlasst worden sein könnte. Gottwalds Nachfolger als Präsident der Tschechoslowakei

wurde der getarnte Revisionist Antonin Zápotocký*:


"Vielen Kommentatoren fiel auf, dass unmittelbar nach Stalins Tod auch Gottwald ...

erkrankte, als er in Moskau an Stalins Beerdigung teilgenommen hatte und ein paar

Tage darauf starb; und auch sie zogen die Natürlichkeit der Gottwaldschen Erkrank-

ung in Frage."

(R. Conquest, 1961, S. 174).


Der albanische Parteiführer, der Marxist-Leninist Enver Hoxha*, weist ebenfalls auf diesen

Umstand hin:


"Unmittelbar nach Stalins Tod starb Gottwald. Dies war ein plötzlicher, überrasch-

ender Tod! Niemand, der Gottwald kannte, wäre auf den Gedanken gekommen, dass

dieser starke, agile, gesunde Mann an einer Grippe oder Erkältung sterben könnte,

die er sich angeblich an dem Tag von Stalins Beerdigung zugezogen haben soll."

(E. Hoxha, 'Die Chruschtschowianer', Tirana 1984, hiernach zitiert als 'E. Hoxha,

1984', S. 153 f.).


Hoxha weist auch auf die verdächtigen Umstände des Todes des polnischen Parteiführers,

des Marxisten-Leninisten Boleslaw Bierut*, am 12. März 1956


" ... in Moskau hin, wo er am 20. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjet-

union teilgenommen hatte."

('Keesings Archive der Zeitgeschichte', Band 10, S. 14, 767).


Ihm folgte im Amt der Revisionist Edward Ochab:


"Später ereignete sich der gleichermaßen unerwartete Tod des Genossen Bierut. ...

An seine Stelle trat Eward Ochab als Erster Sekretär der Partei. So erfüllte sich

ein langersehnter Wunsch Chruschtschows."

(E. Hoxha, 1984, S. 153, 165).


Ochab war es gewesen, dem es gelang, den inhaftierten Revisionisten Wladislaw Gomulka

im April aus der Haft zu befreien und ihn im Oktober zum Ersten Sekretär der Partei zu be-

fördern.


Hoxha wirft den revisionistischen Verschwörern unumwunden den Mord an Stalin vor:


"Diese kosmopolitische Krämerseele (Anastas Mikojan - Verf.) ... intrigierte, wie

die Geschichte gezeigt hat, zusammen mit Nikita Chruschtschow gegen Stalin,

den sie beschlossen hatten umzubringen. Er gestand dies selbst mit seinen eige-

nen Worten im Februar 1960 ein."

(E. Hoxha, 1984, S. 68 f. dt. Ausgabe).


"All diese Schurkereien kamen gleich nach Stalins Tod oder, um genauer zu sein,

gleich nach seiner Ermordung ans Licht. Ich sage nach der Ermordung Stalins, weil

Mikojan mir selbst sagte, ... dass sie zusammen mit Chruschtschow und seinen

Kollegen beschlossen hatten, ... einen Anschlag auf Stalins Leben zu unternehmen."

(E. Hoxha, 'Begegnungen mit Stalin. Erinnerungen', Tirana 1979, S. 34 dt. Ausgabe).



Der fehlgeschlagene Putsch, 1953



Wie bereits festgestellt wurde, befanden sich die Sicherheitskräfte in den Jahren vor Stalins

Tod unter der Kontrolle von getarnten Revisionisten, nicht unter der von Marxisten-Leninis-

ten:


"Vor Stalins Tod befanden sich die Ministerien für Staatssicherheit und Inneres nicht

unter Berijas Kontrolle."

(R. Conquest, 1961, S. 200).


Es versteht sich von selbst, dass bei einer Neuaufteilung der Verantwortlichkeiten nach Sta-

lins Tod, es für die revisionistischen Verschwörer von großer Bedeutung war, dass die Kon-

trolle über die Sicherheitskräfte nicht erneut in die Hände von Marxisten-Leninisten geriet.


Chruschtschow berichtet von einem Gespräch mit seinem revisionistischen Mitstreiter

Nikolai Bulganin* an Stalins Totenbett über die Gefahren für ihr Vorhaben, falls der Marxist-

Leninist Lawrenti Berija erneut Minister für die Sicherheitsdienste werden sollte:


" 'Stalin wird nicht durchkommen. ... Was meinst du - welchen Posten wird sich

Berija sichern?'


'Welchen denn?'


'Er wird versuchen, sich zum Minister für die Staatssicherheit zu machen. Egal,

was passiert - damit darf er nicht durchkommen. Wenn er Minister für Staatssi-

cherheit wird, dann ist das für uns der Anfang vom Ende.'


Bulganin stimmte mir zu."

(N. Chruschtschow, 1971, S. 319).


Wie wir gesehen haben, starb Stalin am 5. März, abends um 9.50 Uhr. Sofort nutzten die

Revisionisten ihre Kontrolle über die Sicherheitskräfte, um einen Putsch vorzubereiten. Der

US-amerikanische Journalist Harrison Salisbury war Augenzeuge davon, wie kurz vor 6 Uhr

am nächsten Morgen


" ... Kolonnen von Lastwagen sich still und leise in die Stadt hineinbewegten.


Einheiten von MWD-Truppen mit ihren blau-roten Kappen - immer 21 Leute in einem

Fahrzeug - die Spezialeinheiten des Ministeriums für Innere Angelegenheiten - sa-

ßen mit übergeschlagenen Beinen auf hölzernen Bänken in ihren grünangestriche-

nen Lastwagen. ... Mir kam kurz der Gedanke, dass ein Putsch kurz bevorstehen

könnte. ...


Gegen neun Uhr ... waren die Einheiten des MWD überall im Stadtzentrum. ... In

der oberen Gorki-Straße tauchten Panzerkolonnen auf. ... Sämtliche Truppen und

Panzer gehörten zur Spezialeinheit des MWD. Man konnte nicht eine einzige Ein-

heit regulärer Streitkräfte ausmachen. ...


Später erkannte ich, dass das MWD fast die gesamte Innenstadt von Moskau abge-

riegelt hatte. ...


Gegen zehn oder elf Uhr am Morgen des 6. März 1953 war niemand mehr in der La-

ge, ohne Erlaubnis des MWD den Stadtkern von Moskau zu verlassen. ...


Die MWD-Einheiten hatten die Stadt erobert. ...


Konnten irgendwelche anderen Truppen in die Stadt gelangen? Nur dann, wenn sie

die Erlaubnis des MWD besaßen oder bereit waren, sich Straße für Straße, Barri-

kade für Barrikade durchzukämpfen."

(H. Salisbury, ebenda, S. 163 f., S. 166, 171, 173).


Robert Conquest beschreibt die Situation in ähnlicher Weise:


"Die Straßen von Moskau waren vollgestopft mit MWD-Truppen, als Stalins Tod be-

kanntgegeben wurde."

(R. Conquest, 1961, S. 200).


So auch Pjotr Deriabin:


"Noch bevor Stalins Körper erkaltet war, ... hatten Sicherheitskräfte ... nicht nur Kon-

trollpunkte eingerichtet und den Verkehr, einschließlich des der Fußgänger, an jeder

wichtigen Durchgangsstraße zum Erliegen gebracht, sondern sie hatten auch

den Kreml umzingelt."

(P. Deriabin, ebenda, S. 328).


Die Marxisten-Leninisten schafften es jedoch zumindest vorübergehend, den geplanten

Putsch dadurch zu vereiteln, dass es ihnen gelang, genügend Anhänger zu mobilisieren,

dass am folgenden Tag, den 7. März, eine gemeinsame Dringlichkeitssitzung des Zentral-

komitees der Kommunistischen Partei, des Ministerrats sowie des Obersten Sowjet der

UdSSR einberufen werden musste. Angesichts dieser Entwicklung riskierten die revisionis-

tischen Verschwörer zunächst einmal nichts und hielten es für den Moment für zweckmä-

ßig, ihren geplanten Putsch zu verschieben und der Wahl Berijas zum Minister für Staats-

sicherheit , die unter den Parteiführern eine Mehrheit gefunden hatte, keinen Widerstand

entgegenzusetzen:


"Sofort schlug Berija Malenkow als Vorsitzenden des Ministerrats (=Ministerpräsi-

dent - Verf.) vor. Umgehend schlug Malenkow Berija als Ersten Stellvertreter vor.

Er regte auch den Zusammenschluss des Ministeriums für Staatssicherheit mit

dem für Innere Angelegenheiten zu einem einheitlichen Ministerium für Inneres an -

mit Berija als Minister. ... Ich sagte nichts. ... Auch Bulganin schwieg. Ich erkann-

te, welche Einstellung die anderen hatten. Wenn wir uns dagegen gestellt hätten,

... hätte man uns vorgeworfen, ... in der Partei einen Konflikt vom Zaun gebrochen

zu haben, bevor der Leichnam erkaltet war."

(N. S. Chruschtschow, 1961, S. 324).



Die Entlastung der Ärzte



Nach Stalins Tod bestand für die revisionistischen Verschwörer die sofortige und dringlich-

ste Aufgabe darin, die Ärzte freizusprechen, natürlich nicht, weil sie unschuldig waren, son-

dern, im Gegenteil, weil sie schuldig waren und weil weitere Nachforschungen in der Ange-

legenheit durchaus zur Entlarvung der hochrangigen Drahtzieher der Verschwörer geführt

haben könnten.


Um die Marxisten-Leninisten und die sowjetische Öffentlicheit über die wahren Motive für

die Entlastung der Ärzte zu täuschen, wurde dieser Schritt als Teil einer umfassenderen

Berichtigungsaktion hingestellt, um angeblich 'Justizirrtümer' zu korrigieren. Das heißt, der

Fall der Ärzte wurde mit dem georgischen Täuschungsmanöver von 1951-52 in Verbindung

gebracht, das sie selbst inszeniert hatten, und dieser echte Fall von Willkürjustiz sollte jetzt

zusammen mit dem Ärztefall bereinigt werden. Als weiteres Ablenkungsmanöver unterstützten die

revisionistischen Verschwörer sogar Maßnahmen, die von den Marxisten-Leninisten gefor-

dert worden waren und deren Position stärken konnten, nämlich die Forderung nach der Ent-

lassung von Leonid Melnikow* als Ersten Sekretär der Ukrainischen Kommunistischen Par-

tei.


Die Entscheidung, die Ärzte zu entlasten, wurde im März 1953 nur wenige Tage nach Stalins

Tod getroffen, da der Name eines der beschuldigten Ärzte, nämlich der von Boris Preobra-

schenski in der Ausgabe der Zeitschrift 'Westnik' (Bote) unter der Überschrift 'Hals-Nasen-

Ohrenheilkunde', die am 31. März erschien, erneut genannt wurde.

(R. Conquest, 1961, S. 206).


Am 3. April 1953 brachte die sowjetische Presse ein sensationelles Kommuniqué heraus,

das im Namen des Ministeriums für Innere Angelegenheiten der UdSSR veröffentlicht wurde

und die Entlastung der inhaftierten Ärzte sowie ihre Entlassung aus der Untersuchungshaft

bekanntgab:


"Das Ministerium für Innere Angelegenheiten der UdSSR hat eine gründliche Unter-

suchung sämtlicher Ermittlungsergebnisse aus vorangeganenen Untersuchungen

sowie anderer Unterlagen im Fall der Ärztegruppe, die der Sabotage, der Spiona-

ge und terroristischer Anschläge gegen amtierende Funktionäre des sowjetischen

Staates beschuldigt waren, durchgeführt.


Die Ermittlungen haben ergeben, dass die in diesem Fall Beschuldigten ... vom

Ministerium für Staatssicherheit zu Unrecht und ohne gesetzliche Grundlage ver-

haftet worden waren. ...


Die ... in diesem Fall Beschuldigten sind von den gegen sie erhobenen Vorwürfen

entlastet und ... aus der Haft entlassen worden."

(Kommuniqué des Ministeriums für Innere Angelegenheiten der UdSSR, in 'Praw-

da' und 'Iswestija', 3. April 1953, S. 4, in: 'Aktueller Überblick über die sowjetische

Presse', Band 5, Nr. 10. 18. April 1953, S. 3).


Das Kommuniqué versuchte, die Geständnisse der beschuldigten Ärzte dadurch hinwegzu-

erklären, dass es durchblicken ließ, dass sie durch Anwendung von Folter erzwungen wor-

den waren:


"Die Aussagen der Inhaftierten, welche angeblich die gegen sie erhobenen Beschul-

digungen bestätigten, waren von den Beamten der Ermittlungsabteilung des ehema-

ligen Ministeriums für Staatssicherheit durch die Anwendung von nach sowjetischem

Recht unzulässiger Methoden herbeigeführt worden. ...


Diejenigen Personen, die der fehlerhaften Durchführung der Untersuchungen be-

schuldigt werden, sind verhaftet worden und werden strafrechtlich zur Verantwort-

ung gezogen."

('Kommuniqué', ebenda).

Am gleichen Tag berichtete die Presse, dass


" ... das Präsidium des Obersten Sowjet der UdSSR beschlossen hat, den Erlass

vom 20. Januar 1953 wieder aufzuheben, wonach Dr. Lydia Timaschuk der Leninor-

den verliehen worden war. Die Auszeichnung ist in Verbindung mit neuen Erkennt-

nissen, die seitdem erbracht worden sind, für ungültig erklärt worden."

(Beschluss der Obersten Sowjet der UdSSR, in: Y. Rapoport, ebenda, S. 188).


Dr. Timaschuk wurde jedoch nicht wegen versuchter Täuschung der Justizorgane straftecht-

lich verfolgt und


" ... nahm schon kurz nach den April-Ereignissen am Kremlkrankenhaus ihren Dienst

wieder auf. ... Sie erschien anscheinend völlig gelassen wieder in ihrem Büro."

(Y. Rapoport, ebenda, S. 191 f.).



Die Rückgängigmachung des georgischen Scheinmanövers, 1953



Wie wir gesehen haben, gewannen die Marxisten-Leninisten durch die Umbildung der Re-

gierung vom 7. März, die auf den Tod Stalins erfolgte, zeitweilig erneut die Kontrolle über

die staatlichen Sicherheitskräfte:


"Am Tag nach Stalins Tod ... erlangte Berija erneut die Kontrolle über die staatli-

chen Sicherheitsorgane, die in Stalins letzten Jahren ihm nach und nach entzo-

gen worden war."

(A. B. Ulam, ebenda, S. 540).


Als Bestandteil der Strategie, die Marxisten-Leninisten und die sowjetische Öffentlichkeit

über ihre wahren Absichten zu täuschen, wurde den Marxisten-Leninisten gestattet, die

Revisionisten wieder aus den leitenden Positionen, die sie sich in Georgien während des

Täuschungsmanövers von 1951-52 erobert hatten, zu entfernen, d.h. das Scheinmanöver

zeitweilig rückgängig zu machen:


"Im April 1953 machte Berija die Säuberung in Georgien wieder rückgängig."

(C. H. Fairbanks jr., ebenda, S. 163).


Am 14. April 1953 entließ das Zentralkomitee der Georgischen Kommunistischen Partei

Akaki Mgeladze als Ersten Sekretär und dieser musste zugeben, dass die Vorwürfe 'na-

tionalistischer Abweichungen', die er gegen die ehemaligen marxistisch-leninistischen Par-

teifunktionäre erhoben hatte, erfunden worden waren:


"Berija handelte jetzt ohne zu zögern. ... Ein Plenum der Georgischen Kommunis-

tischen Partei wurde am 14. April 1953 abgehalten, das das von A. L. Mgeladze

geführte Parteisekretariat entließ und ein neues unter der Leitung eines Partei-

funktionärs namens Mirtskulawa einsetzte. Berijas alter Schützling, Walerian Bak-

radze, den Mgeladze seines Amtes enthoben hatte, wurde jetzt zum Ministerprä-

sidenten der Georgischen Republik ernannt. Einige prominente Anhänger Berijas,

die von Mgeladze und seiner Fraktion inhaftiert worden waren, wurden freigelassen

und erhielten Funktionen in der Regierung Bakradze. Der entfernte Erste Sekretär

Mgeladze legte ein weitgehendes Geständnis ab und erklärte, dass die Beschul-

digungen nationalistischer Abweichungen, die er gegen hochrangige georgische

Bolschewiki erhoben hatte, auf falschen Voraussetzungen beruhten. ... N. Rukhad-

ze, der georgische Minister für staatliche Sicherheit, der Mgeladze Beistand ge-

leistet hatte, wurde verhaftet."

(D. M. Lang, ebenda, S. 263).


Am 15. April


" ... gab der Ministerpräsident der Georgischen Sowjetrepublik M. W. Bakradze be-

kannt, ... dass der georgische Minister für Staatliche Sicherheit, M. Rukhadze, und

zwei ehemalige Generalsekretäre der Georgischen Kommunistischen Partei, nämlich

Mgeladze und Tscharkwiani, ihrer Ämter enthoben und verhaftet worden seien und

'streng' wegen der Erfindung falscher Beschuldigungen gegen ehemalige Mitglieder

der Georgischen Regierung und der Kommunistischen Partei 'bestraft' werden wür-

den. ... Gleichzeitig erklärte er, dass drei ehemalige Minister, die auf Betreiben Ru-

khadzes entlassen worden waren, ab sofort wieder ihre alten Ämter zurückerhalten

würden; dass die Ministerien für Innere Sicherheit und Staatssicherheit zu einem

einheitlichen Ministerium zusammengelegt würden und dass dieses Ministerium von

M. W. Dekanossow geleitet werden würde. ...


M. Bakradze, der eine Ansprache aus Anlass einer Sitzung des Obersten Sowjet

Georgiens hielt, sagte, dass ... einige unschuldige Personen Opfer grundloser Be-

schuldigungen ('bürgerlicher Nationalismus') geworden seien."

('Keesings Archive der Zeitgeschichte', Band 9, S. 13, 029).


Am 16. April brachte die 'Saria Wostoka' eine Rede Bakradzes, in der er Folgendes ausführ-

te:


" 'Die zuständigen Organe haben inzwischen eindeutig festgestellt, dass ... der Feind

des Volkes und der Partei, der ehemalige Minister für Staatssicherheit ... N. M. Ruk-

hadze, eine frei erfundene und provokatorische Affäre bezüglich eines nicht existier-

enden Nationlismus, deren Opfer hervorragende Arbeiter unserer Republik waren, ...

erfunden hatte. Rukhadze und seine Komplizen sind verhaftet worden und werden

streng bestraft.' "

('Saria Wostoka', 16. April 1953, in: R. Conquest, S. 145).


Am 21. April wurde der aus dem Gefängnis entlassene Wilian Sodelawa zum Ersten

Stellvertretenden Ministerpräsidenten ernannt und in das Büro des Zentralkomitees der

Georgischen Kommunistischen Partei gewählt.


...



Der Militärputsch in Moskau, 1953



Ende Juni 1953 hatte sich gezeigt, dass die Bemühungen, die Marxisten-Leninisten davon

zu überzeugen, dass die Entlastung der Ärzte gerechtfertigt war, nur zeitweilig von Erfolg

gekrönt war. Unter der Leitung von Berija setzten die Sicherheitskräfte, die sich nach der

Umbildung der Geschäftsbereiche nach Stalins Tod wieder unter marxistisch-leninistischer

Kontrolle befanden, ihre Ermittlungen in Sachen 'Ärztefall' fort.


Wenn sich die revisionistischen Verschwörer tatsächlich in Sicherheit wiegen wollten, dann

war es dringend geboten, Berija und seine marxistisch-leninistischen Genossen in den Si-

cherheitsorganen auszuschalten.


Am 10. Juli 1953, ein paar Tage nachdem Berija verhaftet worden war, enthüllte der 'Praw-

da'-Leitartikel den wahren Grund für die Verhaftung - ein Grund, der später jedoch nicht mehr

in dem Bericht zu seinem 'Prozess' genannt werden sollte - nämlich, dass er 'vorsätzlich'

Anweisungen des Zentralkomitees und der Sowjetregierung, die darauf abzielten, 'bestimmte

ungesetzliche und willkürliche Handlungen' aufzuklären - eine eindeutige Anspielung auf den

'Ärztefall' - 'unterlaufen' und den Versuch unternommen zu haben, diese zu 'entstellen':


"Obwohl er damit beauftragt war, die Anweisungen des Zentralkomitees der Partei

und der Sowjetregierung im Hinblick auf ... die Aufklärung bestimmter ungesetzli-

cher und willkürlicher Handlungen auszuführen, unterlief Berija vorsätzlich die Um-

setzung dieser Anweisungen und versuchte in einer Reihe von Fällen, diese zu ent-

stellen."

('Prawda', 10. Juli 1953, in: B. Nikolajewski, ebenda, S. 147).


Ende Juni 1953 kontaktierten die revisionistischen Verschwörer über mehrere Tage andere

führende Mitglieder des Politbüros und konfrontierten sie mit der erfundenen Geschichte,

dass Berija ein Agent imperialistischer Mächte sei und einen Putsch gegen die Führung

der Partei im Sinne habe. Chruschtschow beschrieb später, wie er seine Anschuldigungen

auf unbewiesene Behauptungen, die auf einem Plenum des Zentralkomitees im Februar

1937 von dem Revisionisten Grigori Kaminski* gemacht wurden, stützte, denen zufolge

Berija ein Agent der konterrevolutionären Mussawat-Partei gewesen sei -


" ... einer nationalistischen Partei der Bourgeosie und der Grundbesitzer in Azer-

baidschan, die 1912 gegründet wurde, ... und die von den türkischen und später

von den britischen Eindringlingen unterstützt wurde."

(Anmerkung in: J. W. Stalin, 'Werke', Band 5, Moskau 1953, S. 417, engl Ausgabe).


"Im Jahre 1937 behauptete der ehemalige Volkskommissar für den Schutz der

Gesundheit, Kaminski, auf einem Plenum des Zentralkomitees, dass Berija für

den Geheimdienst der Mussawat gearbeitet habe."

(N. S. Chruschtschow, 1971, S. 65).


Chruschtschow musste aber Folgendes eingestehen:


"Ich konnte mir zwar gut vorstellen, dass er (Berija - Verf.) ein Agent der Mussa-

watisten gewesen war, wie Kaminski behauptet hatte, Kaminskis Anschuldigun-

gen sind aber nie bewiesen worden. ... Wir waren auf unsere Vermutungen ange-

wiesen ..."

(N. S. Chruschtschow, 1971, S. 333).


Chruschtschow unternahm auch den Versuch, Georgi Malenkow* und Wjatscheslaw Molo-

tow* für seine Intrige, 'Berija festzusetzen für eine Untersuchung' zu gewinnen:


"Ich nahm Malenkow zur Seite und sagte zu ihm: 'Aber du musst doch sehen, dass

Berijas Position gegen die Partei gerichtet ist. Wir dürfen nicht dulden, was er

macht ...'. Schließlich stimmte Malenkow zu. Ich war überrascht und erleichtert. ...

Genosse Malenkow und ich kamen überein, dass wir mit dem Genossen Molotow

sprechen sollten. ... Ich erzählte Molotow, was für eine Art von Person Berija in

Wirklichkeit ist und von welcher Art die Gefahr sein würde, wenn wir seine Intrigen

gegen die Parteiführung nicht verhindern würden. Ich hatte ihm schon früher er-

zählt, wie Berija seine Pläne, die nationalen Spannungen in den Republiken anzu-

fachen, angefangen hatte zu verwirklichen. ...


Ich sagte: 'Du meinst, wir sollten ihn für eine Untersuchung 'festnehmen' lassen?

Ich fügte hinzu: ' 'Festsetzen', nicht 'festnehmen', weil es ja noch keine strafrecht-

lich relevanten Anschuldigungen gegen Berija gab. ... Molotow und ich waren uns

einig und trennten uns."

(N. S. Chruschtschow, 1971, S. 330 f.).


Später beschrieb er, wie es ihm gelang, auch Lasar Kaganowitsch* für sich zu gewinnen:


"Ich sagte, dass Malenkow, Bulganin, Saburow und ich gleicher Meinung seien und

dass wir ohne ihn eine Mehrheit hätten. Kaganowitsch erklärte rundheraus: 'Ich

stehe auf eurer Seite.' "

(N. S. Chruschtschow, 1971, S. 334).


Da jedoch die Sicherheitskräfte noch von den Marxisten-Leninisten kontrolliert wurden, konn-

te man sich nicht auf sie verlassen, die Aufgabe der Liquidierung Berijas und seiner Genos-

sen auszuführen. Deshalb kamen die Verschwörer überein, dass der Putsch von der Armee

ausgeführt werden müsse:


"Die Spitze der Sicherheitskräfte gehorchte ihm (Berija -Verf.). ... Deshalb beschlos-

sen wir, die Hilfe der Militärs in Anspruch zu nehmen."

(N. S. Chruschtschow, 1971, ebenda, S. 335 f.).


"Die Armee beteiligte sich an Berijas Verhaftung."

(J. Ducoli, ebenda, S. 58).


Chruschtschow beschreibt, wie die revisionistischen Verschwörer die Ausführung des Militär-

putsches einer Gruppe von revisionistischen Offizieren anvertraute, zu der auch Kirill Moska-

lenko* und Georgi Schukow* gehörten:


"Zunächst übertrugen wir die Aufgabe der Verhaftung Berijas an den Genossen Mos-

kalenko, den Kommandeur der Luftverteidigung sowie an fünf Generäle. Das war

meine Idee. Dann - gegen Ende der Sitzung - erweiterte Malenkow unseren Kreis

durch die Hereinnahme von Marschall Schukow und einige andere. Das waren ins-

gesamt 11 Marschälle und Generäle. In jenen Tagen waren alle Militärs beim Ein-

treten in den Kreml angehalten, ihre Waffen vorzuzeigen, so dass wir den Genos-

sen Bulganin damit beauftragten darauf zu achten, dass die Generäle ihre Waffen

mitnehmen konnten. Wir vereinbarten, dass Moskalenkos Gruppe in einem anderen

Raum auf Abruf bereit sein sollte, während die Sitzung stattfand. Auf ein Zeichen

von Malenkow sollten sie den Raum betreten, in dem wir unsere Sitzung hatten

und Berija festnehmen."

(N. S. Chruschtschow, 1971, S. 335 f.).


Der Putsch sollte während einer gemeinsamen Sitzung des Präsidiums des Zentralkomi-

tees der Partei und des Präsidiums des Ministerrats am 24. Juni 1953 stattfinden. Auf

dieser Sitzung erinnerte Chruschtschow die Anwesenden - unter ihnen die gutgläubigen

Marxisten-Leninisten - an die von Kaminski 1937 erhobenen Vorwürfe:


"Ich rief das Plenum des Zentralkomitees vom Februar 1937 in Erinnerung zurück,

auf dem der Genosse Grischa Kaminski Berija beschuldigt hatte, für den konter-

revolutionären Mussawat-Geheimdienst gearbeitet zu haben und somit auch für

den englischen Geheimdienst - zu einer Zeit, als er Sekretär der Bakuer Partei-

organisation gewesen war."

(N. S. Chruschtschow, 1971, S. 339).


Schließlich stellte Chruschtschow selbst den Antrag, dass Berija aus all seinen Ämtern

entfernt werden sollte:


"Nach der letzten Rede hing die Sitzung in der Luft. Es entstand eine lange Pause.

Ich erkannte, dass wir uns in einer Klemme befanden. Ich forderte den Genossen

Malenkow auf, das Wort zu ergreifen, um den Antrag zu stellen. Wie wir im Voraus

vereinbart hatten, schlug ich vor, dass das Präsidium des Zentralkomitees Berija

all seiner Ämter entheben sollte. ... Malenkow befand sich immer noch in einem

Zustand der Panik. Wie ich mich erinnere, stellte er nicht einmal meinen Antrag

zur Abstimmung. Er drückte einen geheimen Knopf, der den Generälen, die im

Nebenzimmer warteten, das Signal gab. Schukow traf als erster ein, dann Moska-

enko und die anderen. Malenkow sagte mit schwacher Stimme zum Genossen

Schukow: 'Als Vorsitzender des Ministerrats der UdSSR fordere ich sie auf, dass

sie Berija so lange in Verwahrung nehmen, bis die gegen ihn erhobenen Vorwürfe

geklärt worden sind.'


'Hände hoch!' befahl Schukow Berija.


Moskalenko und die anderen knöpften ihre Pistolentaschen auf für den Fall, dass

Berija irgendetwas unternehmen sollte. ... Wir sahen später nach und stellten fest,

dass er keine Waffe bei sich trug. ...


Berija wurde sofort ins Gebäude des Ministerrats, gleich neben Moskalenkos Büro,

gebracht und dort unter Bewachung gestellt ... in Einzelhaft."

(N. S. Chruschtschow, 1971, S. 337 f.).


Strobe Talbott*, der Herausgeber der Memoiren Chruschtschows, weist darauf hin, dass


" ... Chruschtschows indirekte Behauptung, er sei die treibende Kraft des Kom-

plotts gegen Berija gewesen, zweifellos im Wesentlichen zutreffend ist."

(S. Talbott, Anmerkung zu: N. S. Chruschtschow, 1971, S. 321).


Die Entfernung Berijas aus all seinen staatlichen Ämtern wurde am 26. Juni vom Präsidium

des Obersten Sowjet der UdSSR bestätigt. Berija wurde als Minister für Innere Angelegen-

heiten von dem Revisionisten Sergej Kruglow abgelöst, der das Amt vor der Regierungsum-

bildung nach Stalins Tod innegehabt hatte. ('Prawda', 17. Dezember 1953, in: R. Conquest,

1961, S. 440).


Bevor die Entlassung öffentlich gemacht wurde, ergriffen die revisionistischen Verschwörer

alle Vorsichtsmaßnahmen, um jeden Widerstand vonseiten jener, die scharfsichtig genug

waren zu durchschauen, was dies bedeutete, im Keim zu ersticken:


"In der Nacht des 26. Juni 1953 bewegten sich Panzer der Roten Armee der Kante-

mirowskaja-Division nach Moskau hinein und bezogen in etwa die gleichen Stellun-

gen wie ... im März. Außerdem wurden sie von Infanterieeinheiten aus dem weiß-

russischen Militärdistrikt unterstützt."

(P. Deriabin, ebenda, S. 332).


Am 10. Juli wurde offiziell bekanntgegeben,


" ... dass Herr Lawrenti Berija, Erster Stellvertretenden Vorsitzender und Minister für

Innere Angelegenheiten, aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen und als

'Volksfeind' aus seinen Ministerämtern entfernt worden ist."

('Keesings Archive der Zeitgeschichte', Band 9, S. 13, 029).


Drei Jahre später, in seiner Geheimrede vom Februar 1956, sollte Chruschtschow vor dem

20. Parteitag der KPdSU behaupten, dass


" ... Stalin den Begriff 'Volksfeind' erfand. ... Diese Bezeichnung ermöglichte den Ge-

brauch der brutalsten Unterdrückungsmaßnahmen und verletzte sämtliche Normen

revolutionärer Gesetzlichkeit."

(N. S. Chruschtschow, 1956, S. 12).


In den ersten Juliwochen wurden auch andere prominente Marxisten-Leninisten, die für die

Sicherheitsorgane gearbeitet hatten, verhaftet oder, wie sich Lang ausdrückt:


"Berija fiel und riss viele hohe Funktionäre ..., deren Vertrautheit mit Staatsgeheim-

nissen für die Sieger ein Risiko bedeutet hätte, mit in den Abgrund."

(D. M. Lang, ebenda, S. 264).


Zu jenen, die mit Berija zusammen verhaftet wurden, gehörten Wladimir Dekanosow*, Wse-

wolod Merkulow, Bogdan Kobulow, Sergej Golidze, Pawel Meschik und Lew Wlodsirmirski -

alles durchweg Marxisten-Leninisten, die in enger Verbindung mit den staatlichen Sicher-

heitsorganen gestanden hatten.


Schlussfolgerung:


Die revisionistischen Verschwörer waren in der Lage gewesen,


" ... die Parteiführer für eine Verschwörung zu gewinnen, in deren Verlauf es ihnen

mit Hilfe der Armee ... gelang, ihn (Berija - Verf) ein für allemal loszuwerden."

(R. Carrère d'Encausse, 'Stalin. Ordnung durch Terror', Harlow 1981, S. 193).



Der Militärputsch in Georgien, 1953/54



Am 14. Juli 1953 - kurz nach Berijas Verhaftung vom 26. Juni - inszenierten die revionisti-

schen Verschwörer in Georgien einen Militärputsch, um die Veränderungen, welche im April

1953 stattgefunden hatten, wieder rückgängig zu machen und um diejenige Lage wiederher-

zustellen, die vor diesem Datum existiert hatte, nämlich die revisionistische Vorherrschaft

im Gefolge des Scheinmanövers von 1951-52. Die Anführer des Putsches, der anlässlich

einer gemeinsamen Sitzung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Georgiens

und des Stadtkomitees von Tiflis inszeniert wurde, waren zwei Offiziere gewesen: General



"Armeegeneral A. I. Antonow, Kommandeur des transkaukasischen Militärdistrikts,

ein angeblicher Freund Schukows, ... handelte ohne zu zögern, nachdem die Nach-

richt von Berijas Verhaftung aus Moskau bekanntgegeben worden war. Er nahm an

einer gemeinsamen Sitzung des Georgischen Zentralkomitees und des Partei-

mitees von Tiflis zusammmen mit dem Offizierskollegen Generalmajor P. J. Jefi-

mow teil. Letzterer ... wurde ins Büro des Zentralkomitees gewählt. Andere Armee-

offiziere übernahmen anschließend wichtige Posten im Regierungs- und Parteiappa-

rat."

(J. Ducoli, ebenda, S. 58).


In Anbetracht der neuen politischen Situation versuchten Walerian Bakradze und einige an-

dere georgische Parteiführer ihre Position dadurch zu retten, dass sie auf den revionisti-

schen Zug aufsprangen. 'Saria Wostocka' berichtete am 15. Juli 1953 über eine Rede von

Bakradze auf der oben erwähnten Sitzung, in der er


" ... jetzt natürlich Berija verurteilt."

(R. Conquest, 1961, S. 146).


Dazu der Kommentar der 'New York Times':


"Nachdem Mr. Berija im letzten Juli entmachtet worden war, schien es, dass die

Herrn Bakradze und Mirtakhulawa versucht hatten, sich von Berija ... zu distanzie-

ren. Beide griffen Mr. Berija sowohl auf den Sitzungen in der georgischen Haupt-

stadt als auch auf einem Treffen des Obersten Sowjet der Sowjetunion im letzten

August heftig an."

('New York Times', 23. September 1953, S. 16).


Am 15. Juli bezog sich Radio Tiflis auf Mgeladze, Rapawa, Rukhadze und Schonija als


" ... Komplizen Berijas."

(R. Conquest, 1961, S. 146).


"Mr. Bakradze ... brachte Berijas Namen mit denen von Rukhadze, Mgeladze und

Tscharkwiani als 'Verräter der Partei' in Verbindung."

('Keesings Archive der Zeitgeschichte', Band 9, S. 13, 030).


Auf der Sitzung des georgischen Zentralkomitees am 14. Juli wurde der georgische Minister

für Innere Angelegenheiten, der Marxist-Leninist Wladimir Dekanosow, aus seinem Amt und

aus der Partei ausgeschlossen:


"Zuerst wurden die Polizisten bzw. die einstigen Polizisten und Anhänger Berijas

im Schnellverfahren entlassen."

(R. Conquest, 1961, S. 146).


"Am 15. Juli ... , nach Bekanntgabe von Berijas Verhaftung, hieß es in einer Rund-

funksendung aus Tiflis, dass M. Dekanosow aus der georgischen Regierung und

der Kommunistischen Partei wegen Kollaboration mit dem 'Verräter Berija' ausge-

schlossen worden sei."

('Keesings Archive der Zeitgeschichte', Band 9, S.13, 029-030).


"Der wichtigste Beschluss, der gefasst wurde (auf der ZK-Sitzung - Verf.), war der

über den Ausschluss von Dekanosow ... aus der Partei."

(R. Conquest, 1961, S. 146).


Dekanosow wurde


" ... unmittelbar darauf verhaftet."

(R. Conquest, 1961, S. 151).


Die 'New York Times', die über diese Ereignisse berichtete, sagte voraus, dass


" ... Tausende von georgischen Kommunisten als Anhänger von Berija vor der Ver-

haftung stehen."

('New York Times', 16. Juli 1953, S. 8).


Aleksej Inauri, ein weiterer revisionistischer Armeeoffizier, wurde als Nachfolger von Deka-

nosow zum georgischen Minister für Innere Angelegenheiten ernannt:


"A. I. Inauri ist zum georgischen Minister für Innere Angelegenheiten und Nachfol-

ger von Wladimir Dekanosow ernannt worden. ... Mr. Inauri erhält zum ersten Mal

ein hohes Amt in Georgien."

('New York Times', 3. August 1953, S. 6).


Der Versuch von Bakradze und anderen, ihre Positionen durch den Übertritt ins Lager des

Revisionisten zu retten, schlug jedoch fehl. Am 20. September 1953 entließ ein Plenum

des Zentralkomitees der Georgischen Kommunistischen Partei das von dem Sekretär des

Zentralkomitees der KPdSU Nikolai Schatalin aus Moskau geleitet wurde, Bakradze als

georgischen Ministerpräsidenten und Mirtskulawa als Ersten Sekretär des ZK der Georgi-

schen KP:


"Ministerpräsident Walerian Bakradze, der seit April an der Spitze der Regierung

gestanden hatte, wurde mit Schimpf und Schande entlassen und G. D. Dschawa-

khischwili ... trat an seine Stelle."

('New York Times', 23. September 1953, S. 1).


Auch wurde ein neuer Erster Sekretär in Gestalt eines weiteren Armeeoffiziers namens

Wassili Mschawanadze* gewählt:


"Der Posten des Ersten Sekretärs der Georgischen Kommunistischen Partei wurde

durch die Wahl eines neuen Mannes - Mr. Wassili P. Mschawanadze, einem ehe-

maligen Generalleutnant der Roten Armee, gefüllt."

(D. M. Lang, ebenda, S. 264).


Ducoli weist auf das Gewicht der Militärs in der neuen georgischen Führung hin:


"Drei Vertreter der Armee befanden sich im Büro (des ZK der Georgischen KP -

Verf.): der Erste Sekretär Mschawanadze, der Leiter des MWD, Inauri, sowie der

Kommandeur des Transkaukasischen Militärdistrikts Antonow."

(J. Ducoli, ebenda, S. 59).


Am 25. September 1953 - fünf Tage nach der Entlassung von Bakradze -


" ... wurde bekanntgegeben, dass drei weitere georgische Minister entlassen worden

waren: M. Baramija, Minister für Landwirtschaft und Versorgung, M. Tschaureli, Mi-

nister für Kultur und M. Tzukulidze, Minister für Erziehung. ... (M. Baramija war be-

reits im April 1952 als Zweiter Sekretär der Georgischen KP entlassen worden, nach-

dem man ihn des 'bürgerlichen Nationalismus' und der 'ideologischen Abweichung'

bezichtigt hatte, war aber ein Jahr später mit Berijas Unterstützung wieder in die

Regierung aufgenommen worden)."

('Keesings Archive der Zeitgschichte', Band 9, S. 13, 468).


Im Monat darauf (Oktober) wurde ein neuer georgischer Ministerpräsident gewählt: der Inge-

nieur und Geologe Giwi Djawakhischwili* - ein Revisionist:


"Am 29. Oktober 1953 wurde der einundvierzigjährige Ingenieur und Geologe Mr.

Giwi D. Djawakhischwili zum Ministerpräsidenten der Georgischen Republik ge-

wählt."

(D. M. Lang, ebenda, S. 264).


... und am 17. Januar 1954 hieß es in einer Sendung aus Tiflis,


" ... dass M. Wilian Zodelawa von seinem Posten als Erster Stellvertretender

Ministerpräsident der georgischen Sowjetrepublik entfernt worden ist."

('Keesings Archive der Zeitgeschichte', Band 9, S. 13, 468).


Conquest bemerkt dazu, dass


" ... von den von Berija ernannten Leuten (Marxisten-Leninisten - Verf.) niemand

wieder eingesetzt wurde."

(R. Conquest, 1961, S. 147).



Die 'Mingrelische Affäre', 1953



Nach revisionistischer Sowjetmythologie wurden die Ereignisse in Georgien vom April

1953 unter dem Namen 'Mingrelische Affäre' bekannt. Mingrelien ist jener Teil Georgiens,

der am Schwarzen Meer liegt und der Name kommt wahrscheinlich daher, weil die wich-

tigsten Leute, die in diese Affäre verwickelt waren, aus Mingrelien stammten:


"Es scheint gesichert, dass der Name 'Mingrelische Verschwörung' sich nicht

auf dieses kleine Gebiet bezieht, sondern auf eine Gruppe von einflussreichen

Personen aus dem georgischen Mingrelien. ... Baramija, Rapawa, Schonija und

Zodelawa ... waren Mingrelier, auch Berija selbst."

(R. Conquest, 1961, S. 140).


Als Nikita Chruschtschow die 'Mingrelische Affäre' vom April 1953 vor dem 20. Parteitag

der KPdSU im Februar 1956 als einen Fall von Justizwillkür bezeichnete, verwechselte

er sie, zweifellos in voller Absicht, mit dem Scheinmanöver von 1951-52, das von Chruscht-

schow und seinen revisionistischen Komplizen inszeniert und von den Marxisten-Leninisten

im April 1953 korrigiert worden war. Er führte aus, dass die Affäre von 1951-52 durch falsche

Anschuldigungen von 'Nationalismus', die gegen georgische Parteiführer erhoben worden

waren, ausgelöst wurde, wiederholte aber die falsche Behauptung, die damals kursierte,

dass diese Anschuldigungen von Stalin ausgingen:


"Aufschlussreich ... ist der Fall der mingrelischen nationalistischen Organisation,

die vermutlich in Georgien existierte. Wie bekannt ist, wurden Resolutionen, die

sich mit diesem Fall beschäftigten, im November 1951 und im März 1952 vom

Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sowjetunion verabschiedet. ...

Stalin hatte sie persönlich angeordnet. In ihnen wurden ernste Beschuldigungen

gegen viele loyale Kommunisten erhoben. Durch gefälschte Dokumente sollte

bewiesen werden, dass in Georgien angeblich eine nationalistische Organisation

existierte, deren Ziel die Beseitigung der Sowjetmacht in jener Republik mit Hilfe

imperialistischer Mächte gewesen sei.


In diesem Zusammenhang wurden eine Reihe führender Partei- und Sowjetarbeiter

in Georgien verhaftet. Wie später bewiesen wurde, waren dies gegen die georgische

Parteiorganisation gerichtete Verleumdungen.


Uns ist bekannt, dass es zeitweilig Kundgebungen von bürgerlichem Nationalismus

auf örtlicher Ebene in Georgien wie auch in einigen anderen Republiken gegeben

hat. ...


Als er aufzuleben begann, gab es keine nationalistische Organisation in Georgien.

Tausende unschuldiger Menschen wurden Opfer von Willkür und Gesetzlosigkeit.

All dies trug sich zu unter der 'genialen' Führung von Stalin, dem 'großen Sohn der georgischen Nation',

wie einige Georgier sich gerne auf Stalin bezogen."

(N. S. Chruschtschow, 1961, S. 60 ff.).



Der 'Prozess' gegen Berija, 1953



Der 'Prozess' gegen Lawrenti Berija und sechs weitere marxistisch-leninistische Genossen,

die für die Sicherheitskräfte gearbeitet hatten, fand beim Obersten Gericht der UdSSR vom

18. - 23. Dezember 1953 statt. Zu jenen, die mit Berija zusammen vor Gericht gestellt wur-

den, gehörten:


"Wladimir Dekanosow, der ehemalige Minister für Innere Angelegenheiten in Geor-

gien; Sergej Goglize, einst Georgischer Volkskommissar für Inneres und Funktio-

när im Ministerium für Innere Angelegenheiten der UdSSR; Bogdan Kobulow, ehe-

maliger stellvertretender georgischer Kommissar für Innere Angelegenheiten; Wse-

wolod Merkulow, einst Minister für Staatssicherheit der UDSSR und Minister für

Staatliche Kontrolle der UdSSR; Pawel Meschik, ehemaliger Funktionär im Minis-

sterium für Innere Angelegenheiten der UdSSR und zuletzt noch ukrainischer Minis-

ter Innere Angelegenheiten sowie Lew Wlodsirmirski, ehemaliger Abteilungsleiter

im Ministerium für Innere Angelegenheiten der UdSSR im Zuständigkeitsbereich

für die Untersuchung besonders wichtiger Fälle.


Der vorsitzende Richter in diesem 'Prozess' war Marschall Iwan Konjew, zu dessen Ernenn-

ung die 'New York Times' kommentierte:


"Marschall Iwan Konjews Funktion als Vorsitzender des Tribunals ... scheint bis

jetzt der deutlichste Hinweis darauf zu sein, dass die höchsten sowjetischen Mili-

tärführer jetzt eine viel größere Macht besitzen als früher."

('New York Times', 24. Dezember 1953, S. 1).


... und ein Jahr später merkte sie an:


"Drei der vier obersten Richter, die Berija den Prozess machten und ihn verurteilten,

waren Leute aus der Armee."

('New York Times', 25. Dezember 1954, S. 3).


Darüberhinaus wurde von den revisionistischen Verschwörern eigens zu diesem Zweck ein

neuer Generalstaatsanwalt ernannt: der ukrainische Jurist Roman Rudenko*, ein Revisionist:


"Wir hatten ... zum Generalstaatsanwalt ... kein Vertrauen. Wir entließen ihn also

und ersetzten ihn durch den Genossen Rudenko."

(N. S. Chruschtschow, 1971, S. 339).


Es wurde behauptet, dass Berija


"...1919...dadurch Verrat beging, dass er bereit war, als Geheimagent für den Nach-

richtendienst der konterrevolutionären Mussawat-Regierung von Aserbaidschan zu

arbeiten, der unter der Kontrolle der britischen Sicherheitsorgane stand."

(Bericht zum Prozess von L.P. Berija, in: 'Prawda', 24. Dezember 1953, in: R. Con-

quest 1961, S. 445).


Allen Angeklagten wurde vorgeworfen, dass sie,


"...indem sie ihr hohes Amt in den Organen des NKWD, des MGB oder des MWD

missbrauchten, eine ganze Reihe der schlimmsten Verbrechen verübt zu haben, um

unbescholtene Funktionäre zu liquidieren",

(Bericht zum Prozess von L.P. Berija, in: ibid., S. 446).


wobei sie


"...ihr Vaterland im Interesse des ausländischen Kapitals...verrieten, ...um die Macht

zu ergreifen,...mit dem Ziel, den Kapitalismus und die Vorherrschaft der Bourgeosie

wiederherzustellen",

(Ibid., SS. 444-5).


und dabei


"...auf kriminelle Weise Machenschaften gegen...Sergo Ordschonikidse organisier-

ten."

(Ibid., S. 442).


Alle Angeklagten wurden für schuldig befunden und zum Tode durch Erschießen verurteilt.

Das Urteil wurde am 23. Dezember 1953 vollstreckt.


Es wurde behauptet, dass alle Angeklagten


"...ihre Schuld einstanden",

(Ibid., S. 446).


wir kennen jedoch nur die Worte der Verschwörer dazu, da


"...zum Prozess die Öffentlichkeit nicht zugelassen war."

('New York Times', 24. Dezember 1953, S. 1).


Nikolajewski betont jedoch, dass


"...Berija hinter verschlossenen Türen der Prozess gemacht wurde, ohne dass er

...ein Geständnis ablegte."

(B. Nikolajewski: aaO., S. 120).


Der albanische Parteiführer, der Marxist-Leninist Enver Hoxha, berichtet davon, dass ein

sowjetischer Militärberater für Albanien, die Albaner darüber informiert habe, dass er selbst

als Zeuge an Berijas 'Prozess' teilnahm und dass Berija, weit davon entfernt, ein 'Geständnis'

abzulegen, sich energisch verteidigt und sämtliche Anklagepunkte zurückgewiesen habe:


"Als ein sowjetischer Militärberater, dessen Name wohl Sergatskow war, nach Tirana

gekommen war, erzählte er uns auch etwas über Berijas Prozess. Er sagte, er sei

als Zeuge geladen worden, um auszusagen, dass Berija sich ihm gegenüber angeb-

lich arrogant verhalten habe. Bei dieser Gelegenheit sagte uns Sergatskow ganz im

Vertrauen: 'Berija verteigte sich sehr energisch vor Gericht, akzeptierte keine der

Beschuldigungen und wies sie alle zurück.'"

(E, Hoxha 1984, S. 33, dt. Ausgabe).


Viele westliche Berichterstatter geben zu, dass die gegen Berija und seine mitangeklagten

Genossen erhobenen Vorwürfe ein bloßer Vorwand für den an ihnen verübten Justizmord

waren. Selbst Stalins Tochter Swetlana, die Berija nicht mochte und geneigt war, jede Ge-

schichte zu glauben, die ihm abträglich war, bezeugt, dass


"...Berijas 'Prozess' inszeniert war...und dass es keine Beweise gab."

(S. Allilujewa 1969, S. 375).


Was die Anschuldigung betrifft, dass Berija ein 'ausländischer Agent' gewesen sein soll, so

weist Nikolajewski darauf hin, dass


"...auch nicht der kleinste Beweis dafür vorgelegt wurde."

(B. Nikolajewski: aaO., S. 145).


Auch Lang bezeichnet den Vorwurf, dass Berija und seine marxistisch-leninistischen Genos-

sen schuldig waren, 'versucht zu haben, den Kapitalismus wiederherzustellen', als lächer-

lich:


"Diese Personen und andere, die mit ihnen zum Tode verurteilt wurden, waren be-

schuldigt worden, sich mit Berija zusammen verschworen zu haben, um die Regier-

ung der sowjetischen Arbeiter und Bauern zu liquidieren, mit dem Ziel, den Kapita-

lismus und die Macht der Bourgeoisie wiederherzustellen. ...Diese Vorwürfe können

kaum ernst genommen werden."

(D.M. Lang: aaO., S. 264).



Das Wiederauftauchen von Melnikow, 1953-57



Nach der 'Verhaftung' von Berija im Juli 1953 fühlten sich die getarnten Revisionisten sicher

genug, um die 'Rehabilitierung' ihres Kollegen Leonid Melnikow durchzuführen:


"Danach trat Melnikow wieder auf den Plan und stieg erneut auf. Ein paar Wochen

nach Berijas Sturz wurde Melnikow zum sowjetischen Botschafter in Rumänien er-

nannt. Im April 1955 ...wurde er nach Moskau zurückgerufen und zum Minister für

die Errichtung von Betrieben der Kohleindustrie gemacht, und im Juni 1957 konnte

man ihn als Vorsitzenden der Staatlichen Plankommission und Ersten Stellvertre-

tenden Vorsitzenden des Ministerrats (Erster Stellvertretender Ministerpräsident -

Verf.) der Kasachischen SSR ausmachen. Auf diese Weise schickte Chruschtschow

den berüchtigten Russifizierer der Ukraine in eine muslimische Republik, um einen

prominenten örtlichen Parteiführer zu ersetzen.

(L. Pistrak: aaO., S. 185).



Der Prozess gegen Abakumow, 1954



Vom 14. bis zum 17. Dezember 1954 wurde der ehemalige Minister für Staatssicherheit, der

Marxist-Leninist Wiktor Abakumow, in Leningrad vor das Militärgericht des Obersten Ge-

richtshofs der UdSSR, unter dem Vorsitz von Oberstleutnant J.L. Seidin, gestellt. Zusammen

mit Abakumow erschienen als Mitangeklagte:


A.G. Leonow, ehemaliger Direktor der Untersuchungsabteilung des MGB für beson-

ders wichtige Fälle;


W.I. Komarow und M.T. Likhatschew, ehemalige Stellvertretende Vorsitzende der

Untersuchungsabteilung für besonders wichtige Fälle;


I.A. Tschernow und I.M. Browerman, ehemalige Mitarbeiter des Ministeriums für

Staatssicherheit.


Den Angeklagten wurde vorgeworfen,


"...dieselben Verbrechen wie Berija begangen zu haben",

('Prawda' und 'Iswestija', 24. Dezember 1954, S. 2, in: 'Aktueller Überblick über die

sowjetische Presse', Band 6, Nr. 49, 19. Januar 1955, S. 12).


...wobei Abakumow darüberhinaus beschuldigt wurde,


"...den sogenannten 'Leningrader Fall' fabriziert zu haben, in dem viele Partei- und

Sowjetfunktionäre unter der falschen Anschuldigung, schwere Verbrechen gegen den

Staat begangen zu haben, grundlos verhaftet worden waren."

('Prawda' und 'Iswestija', in: ibid., S. 12).


Alle Angeklagten wurden schuldig gesprochen. Tschernow erhielt 15 Jahre Arbeitslager, Bro-

werman 25 Jahre, während Abakumow, Leonow, Komarow und Likatschew zum Tode durch

Erschießen verurteilt wuden.



Der 'Prozess' gegen Ryumin, 1954



Wie erwähnt, war es Semjon Ignatjew, der als Minister für Staatssicherheit offiziell für die

Führung der Untersuchungen zum 'Ärztefall' verantwortlich war, während Michail Ryumin nur

sein Stellvertreter war.


Ignatjew war jedoch Mitglied in der revisionistischen Verschwörergruppe und beteiligte sich

deshalb nur widerstrebend an den Untersuchungen, während Ryumin Marxist-Leninist war.

Es nimmt deshalb nicht Wunder, dass ihnen von Seiten der Verschwörer eine sehr unter-

schiedlich Behandlung zuteil wurde.


Ryumin wurde am 5. April 1953 verhaftet, zwei Tage nachdem die Ärzte entlastet worden

waren.('Prawda', 6. April 1953, S. 1).


Dazu Georges Bortoli:


"Es war zweckmäßig ihm und nicht dem ehemaligen Minister Ignatjew den größten

Teil der Verantwortung für die Affäre zuzuschieben. Ignatjew hielt zu Chruschtschow

und Chruschtschow verteidigte ihn vehement."

(G. Bortoli: aaO., SS. 186-87).


Dennoch dauerte es bis Juli 1954 - fünfzehn Monate nach seiner Verhaftung - bis Ryumin

der Prozess gemacht wurde:


"Die Tatsache, dass Ryumin erst fünfzehn Monate nach seiner Verhaftung seinen

Prozess bekam, zeigt, dass es Leute gab, die sich für ihn einsetzten - noch dazu

sehr einflussreiche Leute. ...


Ein regelrechter Kampf wurde über den Ryumin-Fall auf dem Juni-Plenum (1954 -

Verf.) ausgetragen, und dort war es auch, wo seine Hinrichtung beschlossen wurde."

(B. Nikolajewski: aaO., SS. 154-55, 156).


Ryumins Prozess dauerte sechs Tage - vom 2. bis zum 7. Juli 1954:


"Vom 2. - 7.Juli beschäftigte sich das Militär-Kollegium des Obersten Gerichts der

UdSSR mit dem Fall von M.D. Ryumin."

('Prawda', 23. Juli 1954, in: R. Conquest 1961: aaO., S. 447).


...und aus dem Verhandlungsprotokoll wurde deutlich, dass man ihn beschuldigte, den 'Ärz-

tefall' 'fabriziert' zu haben:


"In der Zeit, als er den Posten eines Hauptuntersuchungsführers innehatte und spä-

ter als Leiter der Abteilung für die Untersuchung besonders wichtiger Fälle beim

ehemaligen Ministerium für Staatssicherheit...machte sich Ryumin daran, Ermitt-

lungsunterlagen zu fälschen, auf deren Grundlage auf provokatorische Weise Fälle

konstruiert und ungerechtfertigte Verhaftungen unter einer Reihe von Sowjetbürgern,

einschließlich unter einigen prominenten Ärzten durchgeführt wurden."

('Prawda', 23. Juli 1954, in: ibid., S. 447).


Seltsamerweise wurde dies jedoch als


"...ein Verbrechen eingestuft, das unter den Artikel 58-7 des Strafgesetzbuches der

RSFSR fällt."

('Prawda', 23. Juli 1954, in: ibid.; S. 447).


Der Artikel 58, § 7 des Strafgesetzbuches der RSFSR bezieht sich jedoch auf Wirtschafts-

sabotage!


"Der Artikel 58, § 7 ist...nicht auf die Handlungen Ryumins im Zusammenhang mit

der Verhaftung der Ärzte anwendbar. ...Er kann unmöglich auf Ryumins Rolle in

der Ärzteverschwörung Anwendung finden."

(B. Nikolajewski: aaO., S. 149).


Nikolajewski weist erläuternd darauf hin, dass die Fälschung von Beweismaterial nach dem

Strafgesetzbuch nur mit bis zu fünf Jahren Freiheitsentzug geahndet wird, während auf

'Wirtschaftssabotage' die Todesstrafe steht.(B. Nikolajewski: aaO., S. 149).


Das Gericht


"...gab Ryumin die Höchststrafe - Tod durch Erschießen. Das Urteil ist vollstreckt

worden."

('Prawda', 23. Juli 1954, in: R. Conquest 1961, S. 448).


Adam Ulam fasst diese Ereignisse folgendermaßen zusammen:


"Nach einem Geheimprozess im Juli 1954 wurde Ryumin erschossen."

(A.B. Ulam: aaO., S. 736).


Das Schicksal von Ignatjew, dem Minister, war ganz anderer Art. Man warf ihm lediglich


"...politische Blindheit und Fahrlässigkeit vor."

('Prawda', 6. April 1953, in: Y. Rapoport: aaO., SS. 189-90).


Er wurde


"...nur degradiert",

(R. Conquest 1961, S. 208)


wie sich Conquest ausdrückt.


Am 7. April (zwei Tage nach Ryumins Verhaftung) wurde bekanntgegeben, dass Ignatjew


"...von seinen Funktionen als Sekretär des Zentralkomitees der KPdSU entbunden

worden sei."

('Prawda' und 'Iswestija' , 7. April 1953, S.12, in: 'Aktueller Überblick über die sowje-

tische Presse', Band 5, Nr.11, 25. April 1953, S.4).


Diese Behandlung ließ sich darauf zurückführen, dass Ignatjew als Teilnehmer an der revi-

sionistischen Verschwörung


"...unter dem Schutz von Chruschtschow stand."

(R. Conquest 1961: S. 181).


So kam es, dass Ignatjews Schmach nur sehr vorübergender Natur war: Ein paar Monate

später, im Februar 1954, wurde Ignatjew


"...zum Ersten Parteisekretär in der baschkirischen ASSR ernannt."

(S. Wolin & R.M. Slusser: aaO., S. 56).


"Chruschtschow ...gab Ignatjew Protektion und vermachte ihm einen wichtigen Pos-

ten im Parteiapparat, wenn es auch nur einer in der Provinz war."

(B. Nikolajewski: aaO., S. 128).


"Ignatjew wurde zum Ersten Sekretär der Autonomen Baschkirischen Republik er-

nannt. So kam unter dem Chruschtschow-Regime eine weitere muslimische Re-

publik unter die Herrschaft eines Großrussen, dessen politische Karriere nicht un-

bedingt Zeugnis für seine Sympathie für andere Nationalitäten und Rassen ablegte."

(L. Pistrak: aaO., S. 187).



Die 'Rehabilitierung' von Anna Louise Strong, 1955



Am 14. Februar 1949


"...'wurde die bekannte Geheimagentin, die amerikanische Journalistin Anna Louise

Strong...verhaftet...'.


Mrs. Strong wird Spionage und subversive Tätigkeit gegen die Sowjetunion vorge-

worfen. Es wird berichtet, dass sie in wenigen Tagen deportiert werden könnte."

('New York Times', 15. Februar 1949, S. 1).


Als die sowjetischen Revisionisten 1955 beschlossen, eine Annäherung an die Vereinigten

Staaten einzuleiten, mussten Berija und Abakumow als Sündenböcke für Strongs Deporta-

tion im Jahre 1949 herhalten, da sie angeblich das Beweismaterial dafür 'fabriziert' hätten:


Am 4. März 1955


"...wurde Anna Louise...in aller Form...von den Vorwürfen, sie habe in der Sowjet-

union Spionage betrieben, freigesprochen. ...


Lawrenti Berija ...und Wiktor S. Abakumow...wurden für die ungerechtfertigte Ver-

haftung von Miss Strong verantwortlich gemacht."

('New York Times', 5. März 1955, S. 1).



Die 'Rehabilitierung' von Tito, 1955



Auf der gleichen Linie lag, dass, als die sowjetischen Revisionisten beschlossen hatten,

die Verurteilung des jugoslawischen Revisionismus, die 1948-49 durch das marxistisch-

leninistische KomInformBüro erfolgt war, wieder rückgängig zu machen, Chruschtschow

zu diesem Zweck im Mai 1955 Belgrad besuchte:


"Nicht nur entschuldigte er sich für die 'Erschwernisse' aus der Vergangenheit, er

machte dafür die 'Fabrikationen' von Lawrenti Berija und Wiktor Abakumow verant-

wortlich."

('New York Times', 27. Mai 1955, S. 1).



Der Rapawa-Rukhadze-Prozess, 1955



Im September 1955 führte das Militärkollegium des Obersten Sowjet der UdSSR in Tiflis

unter dem Vorsitz von Generalleutnant Tschertkew den Prozess gegen Awksenti Rapawa,

dem ehemaligen georgischen Volkskommissar für Innere Angelegenheiten, Nikolai Rukhad-

ze, einst Minister für Staatssicherheit, und gegen sechs weitere Angeklagte, die früher für

die georgischen Sicherheitskräfte gearbeitet hatten. Ihnen wurde


"...Landesverrat, Terrorismus und die Beteiligung an konterrevolutionären Organisa-

tionen vorgeworfen."

(Radio Tiflis, 22. November 1955, in: R. Conquest 1961, S. 450).


Rukhadze war natürlich ein Opfer der Manöver für die Rückgängigmachung des Georgischen

Scheinangriffs von 1951-52, die im engen Zusammenhang mit der Freisprechung der terro-

ristischen Ärzte standen, geworden, und wurde diesen Manövern geopfert.


Neben dem Verbrechen, 'Komplizen von Beria' gewesen zu sein, warf man den Angeklagten

vor, sich aktiv an


"...den Intrigen beteiligt zu haben, die Berija über mehrere Jahre hinweg gegen

Sergo Ordschonikidze, den prominenten Staatsmann, gesponnen hatte",

(Radio Tiflis, 22. November 1955, in: R. Conquest 1961, S. 450).


und


"...terroristische Anschläge gegen Mamia Orakhelaschwili, den ehemaligen Sekretär

des Regionalen Transkaukasischen Parteikomitees und seine Frau Mariam Orakhe-

laschwili, die einstige Volkskommissarin für Erziehung der Georgischen SSR"

(Radio Tiflis, 22. November 1955, in: R. Conquest 1961, S. 450)


begangen zu haben.


Dazu Conquest:


"Im Rapawa-Rukhadze-Prozess vom September 1955 wurde erneut der Name von

Sergo Ordschonikidze genannt. Außerdem wurde eine Reihe von Georgiern mit

Orakhelaschwili an der Spitze rehabilitiert, die nach dem Jenukidze-Karakhan-

Prozess vom 16. Dezember 1937 zum Tode verurteilt worden waren."

(R. Conquest 1961, S. 274).


Einer der Angeklagten wurde zu zehn Jahren Haft, ein weiterer zu 25 Jahren Haft verurteilt

und der Rest - einschließlich Rapawa und Rukhadze - zum Tode durch Erschießen.



Der Prozess gegen Bagirow, 1956



Im Juli 1953, nach der 'Verhaftung' von Berija, wurde der Marxist-Leninist Mir Bagirow*, Se-

kretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Aserbaidschans, seines Amtes

enthoben und kurz darauf verhaftet.


Zwischen dem 12. und dem 26. April 1956 wurde Bagirow und fünf angeblichen 'Komplizen'

vor dem Militär-Kollegium des Obersten Gerichts, das in Baku tagte und von Generalleut-

nant A.A. Tscheptsow geleitet wurde, wegen


"...Landesverrats, der Beauftragung terroristischer Anschläge sowie der Mitarbeit in

einer konterrevolutionären Organisation"

('Babinski Rabotschi', 27. Mai 1956, S. 2, in: 'Aktueller Überblick über die sowjeti-

sche Presse', Band 8, Nr. 21, 4. Juli 1956, S. 12)


der Prozess gemacht.


Neben anderen Anschuldigungen warf man Bagirow und den anderen Angeklagten vor,


"...sich an Berijas Intrigen und denen seiner Komplizen gegen Sergo Ordschoni-

kidze beteiligt zu haben."

('Babinski Rabotschi', 27. Mai 1956, S. 2, in: ibid., S. 12)


Die Angeklagten wurden alle für schuldig befunden. Zwei der Angeklagten wurden zu 25

Jahren Haft, während die anderen drei, einschließlich Bagirow, zum Tode durch Erschießen

verurteilt wurden.


Der Bagirow-'Prozess' war der letzte in einer Reihe von Justizmorden an marxistisch-leni-

nistischen hohen Funktionären der Sicherheitskräfte.



Biografische Anmerkungen


Abakumow, Wiktor S., marxistisch-leninistischer sowjetischer Sicherheitsfunktionär

und Politiker, 1894-1954; Leiter der Spionageabwehrorganisation SMERSCH, 1942-45;

Minister für Staatssicherheit, 1946-52; von Revisionisten 'hingerichtet', 1954.


Allilujewa, Swetlana S., Stalins Tochter, 1926-


Antonow, Aleksej I., revisionistischer sowjetischer Armeeoffizier, 1895-1962; Komman-

deur für den transkaukasischen Militärdistrikt, 1949-54; Erster Stellv. Generalstabschef

und später Generalstabschef des Waschauer Vertrages, 1955-62.


Bagirow, Mir D. A., marxistisch-leninistischer sowjetischer Politiker, 1896-1956; Erster

Sekretär in Aserbaidschan, 1933-53; von Revisionisten 'hingerichtet', 1956.


Berija, Lawrenti P., marxistisch-leninistischer sowjetischer Politiker, 1899-1953; Volks-

kommissar für Innere Angelegenheiten der UdSSR, 1938-45; Ministerpräsident der UdSSR,

1941-45; Stellv. Vorsitzender des Verteidigungskomitees der UdSSR, 1941-44; Marschall

der Sowjetunion 1945M Minister für Innere Angelegenheiten der UdSSR und Erster Stellv.

Ministerpräsident, April-Juni 1953, von Revisionisten 'hingerichtet'.


Bierut, Boleslaw, marxistisch-leninistischer polnischer Politiker, 192-1956; Präsident 1947-

52; Generalsekretär der Polnischen Arbeiterpartei 1948-54; Ministerpräsident 1952-54;

Erster Sekretär der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei, 1954-56.


Bortoli, Georges, französischer Journalist und TV-Produzent marokkanischer Abstammung,

1923-


Bulganin, Nikolai A., revisionistischer sowjetischer Politiker, 1895-1975; stellv. Ministerpräsi-

dent, 1938-41; Minister für die Streitkräfte 1947; stellv. Ministerpräsident und Verteidigungs-

minister der UdSSR 1953-55; Ministerpräsident der UdSSR 1955-58.


Conquest, Robert, Dichter und politischer Journalist britischer Abstammung; 1917-; Forscher

am Hoover-Institut.


Dekanosow, Wladimir G., marxistisch-leninistischer sowjetischer Diplomat und Politiker,

1898-1953; stellv. Volkskommissar für Innere Angelegenheiten der UdSSR 1939-41; Bot-

schafter in Deutschland 1940-41; Minister für Innere Angelegenheiten Georgiens 1953; von

Revisionisten 'hingerichtet', 1953.


Deriabin, Pjotr S., US-amerikanischer Schriftsteller russischer Herkunft; 1921-; ehemaliger

Funktionär in den sowjetischen Sicherheitskräften; floh 1954 ins Ausland.


Deutscher, Isaac, britischer Journalist und politischer Schriftsteller polnischer Herkunft; 1907-

1967.


Dschawakhischwili, Giwi D., revisionistischer sowjetischer Geologe und Politiker; 1912-;

stellv. Ministerpräsident Georgiens 1953; Ministerpräsident Georgiens 1953.


Ducoli, John, US-amerikanischer Lehrer, auf Transkaukasien spezialisiert; 1922-


Fairbank, Charles H.jr., US-amerikanischer politischer Schriftsteller; 1944-; Außerordentli-

cher Professor für Politikwissenschaft an der Yale-Universität, 1979-81; Mitglied im Politi-

schen Planungsausschuss des US State Department, 1981-82; Forschungsprofessor an

der John Hopkins Universität, 1982-85; außenpolitischer Berater des Reagan-Präsident-

schaftsausschusses, 1980 sowie Mitglied im Bush-Präsidentschaftsausschuss, 1988.


Gomulka, Wladislaw, revisionistischer polnischer Politiker, 1905.82; Generalsekretär der Polnischen Arbeiterpartei,

1943-48; wegen Nationalismus inhaftiert, 1943-56; Erster Sekretär der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei, 1966-70.


Gottwald, Klement, marxistisch-leninistischer tschechoslowakischer Politiker, 1896-1955;

Ministerpräsident, 1946-48; Präsident, 1948-53.


Goworow, Leonid A., revisionistischer sowjetischer Armeeoffizier, 1897-1955; Marschall,

1944; Kommandeur der Nationalen Luftverteidigungskräfte und Stellv. Minister für die Streit-

kräfte der UdSSR, 1948-54; Oberkommandierender der Luftverteidungskräfte und Stellv.

Verteidigungsminister der UdSSR, 1954-55.


Grey, Ian, Rechtsanwalt und Historiker neuseeländischer Abstammung, 1918- .


Hoxha, Enver, marxistisch-leninistischer albanischer Parteiführer, 1908-85; Generalsekretär

der Kommunistischen Partei Albaniens bzw. der Partei der Arbeit Albaniens, 1941-85; Mi-

nisterpräsident und Außenminister, 1944-54.


Ignatjew, Semjon D., revisionistischer sowjetischer Politiker, 1908- ; Minister für Staatssi-

cherheit, 1951-53; Sekretär des ZK, März-April 1953; Erster Sekretär in Baschkirien, 1954- .


Kaganowitsch, Lasar M., marxistisch-leninistischer sowjetischer Politiker, 1893-1991; Mit-

glied des Staatlichen Verteidigungskomitees, 1941-45; Minister der Bauindustrie der UdSSR,

1946-47; Erster Sekretär der Ukraine, 1947-53; Stellv. Ministerpräsident der UdSSR, 1953-

55; Minister für die Baustoffindustrie, 1956-57.


Kaminski, Grigori N., revisionistischer sowjetischer Politiker, 1885-1938.


Konjew, Iwan S., revisionistischer sowjetischer Armeeoffizier, 1897-1973; Marschall, 1944;

Oberkommandierender der Landstreitkräfte und Stellv. Minister für die Streitkräfte der

UdSSR, 1946-50; Hauptinspekteur der Armee, 1950-51; Kommandeur des Militärdistrikts

Karpaten sowie Oberbefehlshaber der Landstreitkräfte, 1951-55; Oberbefehlshaber der

Streitkräfte des Warschauer Vertrages und Erster Stellv. Verteidigungsminister der UdSSR,

1956-60; Generalinspekteur beim Verteidigungsministerium der UdSSR, 1960-73.


Kruglow, Sergej, revisionistischer sowjetischer Funktionär in den Sicherheitskräften, 1907-

77; Minister für Innere Angelegenheiten der UdSSR, 1946-März 1953, Juli 1953-56.


Lang, David M., britischer Historiker, 1924- ; Professor für Kaukasische Studien an der Uni-

versität London, 1964-84.


Laqueur, Walter, US-amerikanischer Journalist deutscher Abstammung, Historiker und poli-

tischer Schriftsteller, 1930- ; Direktor des Instituts für Zeitgeschichte, 1964- ; Staatsprofes-

sor an der Georgetown Universität, 1977- ; Vorsitzender des Internationalen Forschungsrats,

Zentrum für Strategische und Internationale Studien, 1973- .


Lewtschenko, Gordej, revisionistischer sowjetischer Marineoffizier, 1897-1981; Admiral,

1944; Stellv. Marinekommissar und Kommandeur der Baltischen Flotte, 1944-60; 1960 im

Ruhestand.


Lewtiski, Boris, politischer Schriftsteller österreichischer Abstammung, 1915- .


Malenkow, Georgi M., marxistisch-leninistischer sowjetischer Politiker, 1902-88; Mitglied des

Staatlichen Verteidigungskomitees, 1941-45; Ministerpräsident der UdSSR, 1953-55; Erster

Sekretär der KPdSU, 1953; Minister für Kraftwerke der UdSSR, 1955-57.


McNeal, Robert H., US-amerikanischer Historiker, 1930- ; außerordentlicher Professor für

Geschichte an der Universität von Toronto, 1964-69; Professor für Geschichte an der Univer-

sität von Massachusetts, 1969- .



Melnikow, Leonid G., revisionistischer sowjetischer Politiker, 1906- ; Erster Sekretär in der

Ukraine, 1949-53.


Mikhoels, Solomon (eigentlich: Wowsi), sowjetischer Schauspieler, 1890-1948, Direktor des

Jüdischen Staatstheaters in Moskau, 1929-48; Vorsitzender des Jüdischen Anti-Faschisti-

schen Komitees, 1942-48; posthum der Spionage und des Terrorismus beschuldigt, 1953.


Molotow, Wjatscheslaw M., marxistisch-leninistischer sowjetischer Politiker, 1890 - 1986;

Ministerpräsident der UdSSR, 1930 - 41; Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten der

UdSSR, 1939 - 46; Außenminister der UdSSR, 1946 - 49, 1953 - 56; Mitglied des Staatlichen

Verteidigungskomitees, 1941 - 45; Minister für Staatliche Kontrolle der UdSSR, 1956- 57; Bot-

schafter in der Mongolei, 1957 - 60.


Moskalenko, Kirill A., revisionistischer sowjetischer Armeeoffizier, 1900 - 85; Kommandeur

der Moskauer Luftverteidiung, 1945 - 53; Kommandeur des Moskauer Militärdistrikts, 1953 -

60; Marschall, 1955; Oberkommandierender der Strategischen Raketenstreitmacht der

UdSSR sowie Stellv. Verteidigungsminister, 1960 - 62; Hauptinspekteur beim Verteidigungs-

ministerium der UdSSR, 1962 - 66; Stellv. Verteidigungsminister der UdSSR, 1966 - 83.


Mschawanadze, Wassili P., revisionistischer sowjetischer Armeeoffizier und Politiker, 1902- ;

Generalleutnant, 1944; Erster Sekretär in Georgien, 1953- 72.


Nikolajewski, Boris I., US-amerikanischer politischer Schriftsteller, 1887- 1966.


Orakhelaschwili, Iwan (Mamija), revisionistischer sowjetischer Politiker, 1881 - 1937.


Orakhelaschwili, Maria P., revisionistische sowjetische Politikerin, 1887 - 1937.


Poskrebyschew, Alexander N., marxistisch-leninistischer sowjetischer Politiker, 1891 - 1965;

Leiter der Sonderabteilung beim Zentralkomitee der KPdSU, 1928 - 52.


Rudenko, Roman A., revisionistischer sowjetischer Jurist, 1907- 81; sowjetischer Hauptanklä-

ger in Nürnberg, 1945-46; Generalstaatsanwalt der UdSSR, 1953 - 81.


Salisbury, Harrison E., US-amerikanischer Journalist, 1908- ; Moskauer Korrespondent der

'New York Times', 1949 - 54.


Schtscherbakow, Alexander S., marxistisch-leninistischer sowjetischer Politiker und Armee-

offizier, 1901 - 45; Sekretär des ZK, 1938 - 44; Leiter des Sowjetischen Informationsbüros,

Stellv. Volkskommissar für Verteidigung, 1942 - 45.


Schtemenko, Sergej M., revisionistischer sowjetischer Armeeoffizier, 1907- ; Generalstabs-

chef und Stellv. Minister für die Streitkräfte, 1948 - 52; Generalstabschef und Erster Stellv.

Oberkommandierender der Landstreitkräfte, 1962 - 64; Stellv. Generalstabschef der UdSSR,

1964 - 68; General, 1968; Generalstabschef der Streitkräfte des Warschauer Vertrages,

1968 - 90.


Stalin, Wassili J., Stalins Sohn, 1921- 62.


Strong, Anna L., US-amerikanische Journalistin, 1885 - 1970.


Talbott, Strobe, US-amerikanischer Journalist, 1946- .


Ulam, Adam B., US-amerikanischer politischer Schriftsteller polnischer Herkunft, 1922- ;

Staatsprofessor an der Harvard-Universität, 1979- ; Direktor des Russischen Forschungs-

zentrums, Harvard, 1973 - 76, 1980- .


Wasiljewski, Alexander M., revisionistischer sowjetischer Armeeoffizier, 1895 - 1977; Gene-

ralstabschef, Erster Stellv. Verteidigungsminister, 1946 - 49; Minister für die Streitkräfte der

UdSSR, 1949 - 53; Stellv. Verteidigungsminister der UdSSR, 1953 - 57.


Winogradow, Wladimir N., sowjetischer Facharzt, 1882 - 1964.


Wolkogonow, Dimitri, sowjetischer Historiker, 1928- ; Mitglied der Hauptverwaltung der Ro-

ten Armee, 1970 - 85; Direktor des Instituts für Militärgeschichte, 1985- .


Zapotocky, Antonín, tschechischer revisionistischer Politiker, 1884 - 1957; Stellv. Ministerprä-

sident der CSSR, 1945 - 48; Ministerpräsident, 1948 - 53; Präsident der CSSR, 1953 - 57.


Schdanow, Andrej A., marxistisch-leninistischer sowjetischer Politiker, 1896 - 1948; Sekretär

der KPdSU, 1934 - 48; KPdSU-Sekretär von Leningrad, 1934 - 48; von Revisionisten ermordet,

1948.


Schukow, Georgi K., revisionistischer sowjetischer Armeeoffizier, 1896 - 1974; Marschall,

1943; Oberkommandierender der sowjetischen Besatzungsstreitkräfte in Deutschland, 1945 -

46, Verteidigungsminister der UdSSR, 1955 - 57; Mitglied des Präsidiums des ZK der KPdSU,

1957.




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Zeitschriften und Zeitungen:


Aktueller Überblick über die sowjetische Presse

Bakinski Rabotschi

Iswestija

Keesings Archive der Zeitgeschichte

Kurzes englisches Wörterbuch, Oxford

New York Times

Prawda

Sarja Wastoka