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Marx, Engels, Lenin, Stalin

Grundlegende Merkmale des kommunistischen Gesellschaft

96 Seiten, Offenbach 2004, 1. Auflage, 8 EUR, ISBN 3-932636-67-8

Verlag Olga Benario und Herbert Baum, VKS GmbH, Postfach 102051, D-63020 Offenbach

info@verlag-benario-baum.de

http://www.verlag-benario-baum.de

Im ersten Teil des Buches werden antikommunistische Verleumdungen zurückgewiesen, die das zeil des Kommunismus als bloße Utopie verleugnen, die nie zu erreichen ist. Es wird erklärt, daß Kommunismus für die Ausgebeuteten und Unterdrückten leicht zu begreifen, logisch und vernünftig ist, daß Zielklarheit über die kommunistische Gesellschaft heute unerlässlicher den je ist, weil sie die nötige Kraft und Ausdauer für den Kampf gegen den Klassenfeind gibt. Denn der Feind ist noch stark und muss erst besiegt und niedergeworfen werden, denn der Kommunismus ist "das Einfache was schwer zu machen ist".

Der zweite Teil besteht aus kommentierten Auszügen aus den Werken von Marx, Engels, Lenin und Stalin über grundlegende Merkmale der kommunistischen Gesellschaft. Das Studium des wissenschaftlichen Kommunismus im Kampf für den Kommunismus, im Kampf für den Aufbau der Kommunistischen Partei anzuregen und zu unterstützen- das ist Ziel dieses Buches.

Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkung

Teil I

studiert die schriften des wissenschaftlichen Kommunismus!

Überzeugende Argumente für den Kommunismus

1) Kurze Charakteristik der kommunistischen Gesellschaft

2) Argumente für das gesellschaftliche Eigentum am Produktionsmitteln

3) Kommunismus- eine Gesellschaft ohne Klassen und ohne Staat

4) Nach den Bedürfnissen der kommunistischen Gesellschaft geplante, wissenschaftlich organisierte und technisch hoch stehende Wirtschaft

5) Die weltweiten gegensätze zwischen Stadt und Land sterben im Kommunismus ab

6) Warum ist die Forderung: "Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen" ein Kernpunkt des verwirklichten Kommunismus?

7) Das Aufblühen der Wissenschaft und Kunst im Kommunismus (Aufhebung der grundlegenden Gegensätze zwischen Kopf- und Handarbeit)

8) Warum im Kommunismus die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist.

9) Warum Kämpfe und Widersprüche auch im Kommunismus existieren, aber produktiv gelöst werden können und gelöst werden.

10) Kommunismus- ... was schwer zu machen ist!

Teil II

Lenin über die höhere Phase der kommunistischen Gesellschaft

Teil III

Grundlagen der kommunistischen Gesellschaft

Texte von Marx, Engels, Lenin und Stalin

A: Allgemeine Charakteristik des Kommunismus

1) Wissenschaft und Kommunismus

2) Kurze allgemeine Charakteristik

3) Zum Unterschied von Sozialismus und Kommunismus

4) Grundlegende Vorbedingungen für den Übergang vom Sozialismus zum Kommunismus

B. Zu den Kernpunkten des Kommunismus

1) Kein Privatiegentum an produktionsmitteln, sondern nur gesellschaftliches, kollektives Eigentum an produktionsmitteln

2) Keine Klassen, keine Staatsmacht, keine Nationen, keine Unterdrückung sondern Arbeiterinnen und Arbeiter der Industrie und Landwirtschaft, die sich als freie Assoziation der Werktätigen wirtschaftlich selbst leiten werden

a) Keine Klassen, keine Staatsmacht
b) Keine Nationen 
c) Beseitigung der bürgerlichen Familie und Befreiung der Frauen
      

3) Nach den Bedürfnissen der kommunistischen Gesellschaft geplante, wissenschaftlich organisierte und technisch hoch stehende Wirtschaft

4) Kein Gegensatz zwischen Stadt und Land, zwischen Industrie und Landwirtschaft sowie zwischen Hand-und Kopfarbeit

5) Die Produkte werden nach dem Prinzip " Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen" verteilt, Arbeit wird zum ersten Lebensbedürfnis

6) Die Persönlichkeit, befreit von der Sorge um das Stück Brot und der Notwendigkeit, sich an die, "Großen der Welt" anzubiedern, wird wirklich frei werden.

Anmerkungen

 

 

Vorbemerkung

Dieses Buch besteht aus drei Teilen. Der erste Teil enthält die Stellungnahme „Studiert die Schriften des wissenschaftlichen Kommunismus: Überzeugende Argumente für den Kommunis­mus". Der zweite Teil besteht aus einem Auszug aus Lenins „Staat und Revolution", dem kompletten Abschnitt „Über die höhere Phase der kommunistischen Gesellschaft". Der dritte Teil umfasst eine kommentierte Zitatensammlung aus den Werken von Marx, Engels, Lenin und Stalin zum Ziel des Kommunismus. Kommenta­re zu den Auszügen und Zitaten sind in den Anmerkungen zu fin­den.

Um die zitierten Passagen in ihrem Zusammenhang darzustellen, das kritische Herangehen an unsere Auswahl zu erleichtern und unseren Leserinnen und Lesern auch das eigene Studium der Schriften des wissenschaftlichen Kommunismus näher zu bringen, wurde jede zitierte Schrift kurz dargestellt und besprochen.

Wir haben versucht, die wichtigsten Zitate vor allem aus den grundlegenden Schriften des wissenschaftlichen Kommunismus aus den unterschiedlichsten Kampfperioden von Marx, Engels, Le­nin und Stalin zusammenzustellen, um auch aus ihrem vielfältigen Kampf gegen Verfälschungen des wissenschaftlichen Kommunis­mus für heute möglichst maximal lernen zu können.

Diese Zitatenzusammenstellung ist auch bewusst gegen die Me­thode der modernen Revisionisten gerichtet, die Zitate der Klassi­ker aus dem Zusammenhang zu reißen, um ihren Revisionismus mit deren Autorität zu „belegen".

Die modernen Revisionisten lehnen nicht nur die Notwendigkeit der gewaltsamen proletarischen Revolution zum Sturz der Bour­geoisie ab, sondern insbesondere auch die Notwendigkeit der Dik­tatur des Proletariats bis zum Kommunismus, die nach dem Sturz der Bourgeoisie die gesamte Reaktion niederhalten muss, um den Sozialismus und Kommunismus überhaupt aufbauen zu können.

Ein besonders extremes Beispiel solcher Fälschungen findet sich im revisionistischen Lehrbuch „Grundfragen des Marxismus­-Leninismus" von 1960. Dort heißt es: „Mit vollem Recht hat Engels hervorgehoben, daß der Kommunismus eine Sache der Menschheit, nicht bloß der Arbeiter ist'. " (Grundfragen des Mar­xismus-Leninismus, Moskau/Berlin 1960, S. 823) Offensichtlich haben die revisionistischen Autoren diesen Halbsatz aus Engels' Werk „Die Lage der arbeitenden Klasse in England" ganz bewusst aus dem Zusammenhang gerissen und unterschlagen zudem die spätere selbstkritische Klarstellung von Engels, um ihren Revisio­nismus mit Engels' Autorität zu untermauern.

Der gesamte Absatz lautet bei Engels:

„Der Kommunismus steht seinem Prinzipe nach über dem Zwiespalt zwischen Bourgeoisie und Proletariat, er erkennt ihn nur in seiner historischen Bedeutung für die Gegenwart, nicht aber als für die Zukunft berech­tigt an; er will gerade diesen Zwiespalt aufheben. Er erkennt daher, solange der Zwiespalt besteht, die Erbit­terung des Proletariats gegen seine Unterdrücker aller­dings als eine Notwendigkeit, als den bedeutendsten Hebel der anfangenden Arbeiterbewegung an, aber er geht über diese Erbitterung hinaus, weil er eben eine Sache der Menschheit, nicht bloß der Arbeiter ist."

(Engels, „Lage der arbeitenden Klasse in England", 1845, Werke Band 2,S.505)

Engels kommentierte seine damalige Formulierung folgender­maßen:

„So wird großes Gewicht gelegt auf die Behauptung, daß der Kommunismus nicht eine bloße Parteidoktrin der Arbeiterklasse ist, sondern eine Theorie, deren Endziel ist die Befreiung der gesamten Gesellschaft, mit Einschluß der Klasse der Kapitalisten, aus den gegen­wärtigen einengenden Verhältnissen. Dies ist in abst­raktem Sinn richtig, aber in der Praxis meist schlimmer als nutzlos. Solange die besitzenden Klassen nicht nur kein Bedürfnis verspüren nach Befreiung, sondern auch der Selbstbefreiung der Arbeiterklasse sich mit allen Kräften widersetzen, solange wird die Arbeiterklasse nun einmal genötigt sein, die soziale Umwälzung allein einzuleiten und durchzuführen. Die französischen Bourgeois von 1789 erklärten auch die Befreiung der Bourgeoisie für die Emanzipation des gesamten Men­schengeschlechts; Adel und Geistlichkeit wollten das aber nicht einsehn; die Behauptung - obwohl damals, soweit der Feudalismus dabei in Betracht kam, eine ab­strakte, historische Wahrheit - artete bald aus in pure sentimentale Redensart und verduftete gänzlich im Feuer des revolutionären Kampfs. Heutzutage gibt es auch Leute genug, die den Arbeitern von der Unpartei­lichkeit ihres höheren Standpunkts einen über allen Klassengegensätzen und Klassenkämpfen erhabenen Sozialismus predigen und danach streben, in einer hö­heren Menschlichkeit die Interessen beider widerstrei­tenden Klassen zu versöhnen - aber diese Leute sind entweder Neulinge, die noch massenhaft zu lernen ha­ben, oder aber die schlimmsten Feinde der Arbeiter, Wölfe im Schafspelz."

(Engels „Anhang zur amerikanischen Ausgabe der ‚Lage der arbeiten­den Klasse in England', Werke Band 21, S. 254)

Engels machte klar, dass seine damalige Formulierung „in abstrak­tem Sinn richtig, aber in der Praxis meist schlimmer als nutzlos" war und dass es unmöglich ist, den Kampf für das Ziel des Kom­munismus zu führen, ohne den Kampf auf Leben und Tod gegen die Bourgeoisie aufzunehmen (einem Teil „der Menschheit"), die ja versucht mit allen Mitteln ihr Ausbeuterparadies zu erhalten.

Es geht uns mit diesem Buch um einen ersten Schritt, alle wich­tigen Passagen von Marx, Engels, Lenin und Stalin zum Ziel des Kommunismus zusammenzustellen, zu studieren und auszuwerten. Dies ist notwendig, um die antikommunistischen und opportunisti­schen Verfälschungen wirklich umfassend zerschlagen und selbst das Ziel des Kommunismus immer überzeugender propagieren zu können.

Autorenkollektiv

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Studiert die Schriften

des wissenschaftlichen Kommunismus:

Überzeugende Argumente für den Kommunismus

Der Kommunismus wird seit über 150 Jahren verleumdet. Zu­sätzlich wurde er diskreditiert durch die polizeistaatlichen Karika­turen auf die kommunistischen Ideen von Karl Marx: von den Pseudokommunisten in der UdSSR, der DDR und den anderen re­visionistischen Staaten, die spätestens seit Mitte der 50er Jahre den Weg hin zum Kommunismus verlassen und unter der Maske des „Sozialismus" eine schlechte Kopie der westlichen kapitalistischen Staaten errichteten, ehe die Restauration des Kapitalismus völlig offen betrieben wurde.

Was also ist das Ziel des Kommunismus eigentlich? Eine bloße Utopie, nie zu erreichen, weil der Mensch halt doch „von Natur aus böse" ist, ein schönes, aber völlig unrealistisches Ideal? Oder gar das „teuflische Lügengebäude jüdisch-bolschewistischer Ver­schwörer, die nur den eigenen Vorteil suchen", wie dies die Nazi­faschisten propagieren? Die Verleumdungen des Kommunismus und seine Verfälschungen nehmen immer mehr zu. Das ist kein Wunder, denn die mörderische Realität des heutigen Kapitalismus in seiner imperialistischen Ausprägung schreit geradezu nach Be­seitigung des Imperialismus, nach Abschaffung des Profitsystems, nach Vergesellschaftung der Produktionsmittel usw., nach dem Kommunismus:

Eine nicht abreißende Serie von Raubkriegen, die Verschärfung von Ausbeutung und Elend bis zum Hungertod von jährlich über 30 Millionen Menschen, die schon längst ernährt werden könnten, wenn es aus der Sicht der „Verdammten dieser Erde" vernünftig zugehen würde, stehen im krassen Widerspruch zu den immer grö­ßer werdenden und deutlich sichtbaren Möglichkeiten, die grund­legenden Probleme der breiten Massen der Weltbevölkerung ange­sichts des gigantischen technischen Fortschritts, angesichts der Ansammlung ungeheurer Reichtümer, angesichts nur dem Imperia- lismus vernünftig erscheinender weltweiter Rüstungsausgaben von 800 Milliarden Dollar jährlich usw. lösen zu können. Die Herren dieser Erde morden, rauben, plündern, verschwenden und ver­schleudern und müssen immer mehr ... lügen: „Es gibt halt kein besseres System ..., da muss man sich mit abfinden."

Um so wichtiger ist es, sich Klarheit zu verschaffen: Klarheit darüber, warum und mit welchem Ziel das ganze kapitalistisch­imperialistische System bekämpft und vernichtet werden muss. Klarheit über das Ziel des Kommunismus, warum der Kommunis­mus vernünftig und realistisch ist und für wen!

Kommunismus - das ist die weltweite Solidarität der „Verdamm­ten dieser Erde", die sich nicht mehr gegeneinander aufhetzen las­sen, das ist das Ende der Kriege und Massenmorde. Kommunismus - das ist die Beseitigung der Möglichkeit zur Ausbeutung, indem die Mittel zur Produktion den bewusst sich zusammenschließenden Produzenten wirklich gehören. Kommunismus - das ist die Beseitigung von Elend sowie das Ende der absurden Vernichtung und Verschleuderung von Produk­ten. Dann existiert die wissenschaftlich geplante, an den Bedürf­nissen der Gesellschaft und nicht am Profit orientierte Produktion. Kommunismus - das ist schließlich das Ende von Unterdrückung. Die Menschen, die vom Dreck des Kapitalismus auf allen Gebieten befreit sind, regeln planvoll ohne jegliche staatliche Un­terdrückungsmaschinerie ihr Leben, sind selbstbewusst als „Kom­mune" organisiert und entfalten frei ihre individuellen Persönlich­keiten.

Bertolt Brecht hat Recht: Der Kommunismus ist „das Einfache", er ist für die Ausgebeuteten und Unterdrückten leicht zu begreifen, logisch und vernünftig. Zielklarheit über den Kommunismus ist heute unerlässlicher denn je, weil sie die nötige Kraft und Ausdau­er für den Kampf gegen den Klassenfeind gibt. Der Feind ist noch stark und muss erst besiegt und niedergeworfen werden, denn der Kommunismus ist „das Einfache, das schwer zu machen ist". Das Studium des wissenschaftlichen Kommunismus im Kampf für den Kommunismus, im Kampf für den Aufbau der Kommunistischen Partei anzuregen und zu unterstützen - das ist das Ziel der nach­folgenden Ausführungen.

 

1) Kurze Charakteristik der kommunistischen Gesellschaft

Es ist kein Zufall, dass Stalin mitten im Aufbau der Grundlagen einer sozialistischen Gesellschaft in der damals sozialistischen Sowjetunion 1927 die bisher prägnanteste Skizze der kommunisti­schen Gesellschaft - gegenüber einer skeptisch eingestellten ame­rikanischen Arbeiterdelegation - gegeben hat.

Beim Aufbau der sozialistischen Grundlagen im ersten Staat der Welt, der die Ausbeutung abschafft, wurde schnell auch praktisch klar, dass die verschiedenen Merkmale einer kommunistischen Ge­sellschaft nicht alle gleichzeitig realisiert werden konnten. In der Tat konnten auch in der ersten Phase direkt nach der siegreichen sozialistischen Revolution in einigen Jahrzehnten einzelne wichti­ge Merkmale der kommunistischen Gesellschaft schon realisiert werden (die Abschaffung des Privateigentums an den Produkti­onsmitteln, d. h. die Abschaffung der Ausbeutung), andere Merk­male aber können erst wesentlich später realisiert werden: die Ab­schaffung der Armee der Revolution, einer zentralen Waffe gegen noch bestehende imperialistische Staaten, das Absterben eines für die Unterdrückung der Feinde der Revolution noch nötigen Staats­apparates, das langsame Absterben nationaler Unterschiede oder auch die Abschaffung des Geldes - um hier nur einige Beispiele zu nennen. Die erste Phase beim Aufbau des Kommunismus, gewöhnlich als „sozialistisch" bezeichnet, ist somit deutlich zu unterscheiden von der höheren Phase des dann „reinen" Kommunismus, in der schließlich und endlich alle Merkmale einer kommunistischen Gesellschaft ohne Ausnahme verwirklicht sein werden. Und von einem solchen Zustand war auch die UdSSR 1927 „noch weit entfernt", wie Stalin gegenüber der amerikanischen Arbeiterdelegation hervorhob. Stalin antwortete auf die Frage nach der „zukünftigen Gesellschaft" wie folgt:

„Eine allgemeine Charakteristik der kommunistischen Gesell­schaft haben Marx, Engels und Lenin in ihren Werken gegeben. Wenn in aller Kürze die Anatomie der kommunistischen Gesell­schaft skizziert werden soll, so wird es eine Gesellschaft sein: a) in der es kein Privateigentum an Produktionsmitteln, sondern nur gesellschaftliches, kollektives Eigentum an Produktionsmit­teln geben wird;

b) in der es keine Klassen und keine Staatsmacht, sondern Ar­beiter der Industrie und der Landwirtschaft geben wird, die sich als freie Assoziation der Werktätigen wirtschaftlich selbst leiten werden;

c) in der die Volkswirtschaft, nach einem Plan organisiert, auf der höchsten Stufe der Technik in der Industrie wie auch in der Landwirtschaft basieren wird;

d) in der es keinen Gegensatz zwischen Stadt und Land, zwi­schen Industrie und Landwirtschaft geben wird;

e) in der man die Produkte nach dem Prinzip der alten französi­schen Kommunisten verteilen wird: Jeder nach seinen Fähig­keiten, jedem nach seinen Bedürfnissen`;

f) in der Kunst und Wissenschaft sich in so günstigen Verhält­nissen befinden werden, daß sie in jeder Hinsicht aufblühen werden;

g) in der die Persönlichkeit, befreit von der Sorge um das Stück Brot und der Notwendigkeit, sich an die Großen der Welt' an­zubiedern, wirklich frei sein wird usw. usw."

(Stalin, „Unterredung mit der ersten amerikanischen Arbeiterdelegation", 1927, zitiert nach: Leninismus-Heft 4, Moskau 1935, S. 111/112, siehe auch: Werke Band 10, S, 116/117)

2) Argumente für das gesellschaftliche Eigentum an Produktionsmitteln

Vor über 130 Jahren startete der erste große kommunistische Versuch: die Pariser Kommune von 1871. Thema Nummer eins im Geschrei der Reaktion gegen die Pariser Kommune war: Ihr wollt das heilige Eigentum antasten! Marx antwortete sehr direkt:

„Die Kommune, rufen sie aus, will das Eigentum, die Grundlage aller Zivilisation, abschaffen! Jawohl, meine Herren, die Kom­mune wollte jenes Klasseneigentum abschaffen, das die Arbeit der vielen in den Reichtum der wenigen verwandelt. Sie beab­sichtigte die Enteignung der Enteigner. Sie wollte das individuel­le Eigentum zu einer Wahrheit machen, indem sie die Produkti­onsmittel, den Erdboden und das Kapital, jetzt vor allem die Mittel zur Knechtung und Ausbeutung der Arbeit, in bloße Werkzeuge der freien und assoziierten Arbeit verwandelt. Aber dies ist der Kommunismus, der unmögliche' Kommunismus." (Marx, „Der Bürgerkrieg in Frankreich", 1871, Werke Band 17, S.342)

Das unverzichtbare Wesensmerkmal einer kommunistischen Ge­sellschaft ist, dass angesichts der technisch sowieso nur noch kol­lektiv möglichen Produktion auch die Mittel zur Produktion nicht mehr von Kapitalisten zur Ausbeutung verwendet werden dürfen, nicht mehr „Privateigentum" sein dürfen. Die industrielle Groß­produktion als Ganzes ist im Kapitalismus seit Jahrzehnten eh schon „gesellschaftlich". Das heißt, die Produktion findet in Wirk­lichkeit nicht isoliert statt. Es gibt keine sich selbst genügenden Miniwirtschaften. Es geht nun darum, diese schon stattfindende gesellschaftliche Produktion auch unter die gesellschaftliche Kon­trolle und Planung zu stellen. Nur so kann nicht nur die Ausbeu­tung beseitigt, sondern auch die Produktion wirklich vernünftig, das heißt im Interesse der Produzenten gesteigert, die Mittel zum Leben können leichter erzeugt und besser verteilt und aufgeteilt werden. Das A und O der vernichtenden Kritik am Kapitalismus und die tiefe Grundlage der kommunistischen Gesellschaft mit all ihren Strukturmerkmalen ist daher die „Enteignung der Enteigner", die Abschaffung des kapitalistischen Eigentums an Produktions­mitteln überhaupt. Lenin fasste diesen Gedanken so zusammen:

„Communis heißt gemeinsam. Kommunistische Gesellschaft, das heißt - alles ist gemeinsam: der Grund und Boden, die Fa­briken, und auch die Arbeit ist gemeinsam - das ist Kommu­nismus."

(Lenin, „Die Aufgaben der Jugendverbände", 1920, Werke Band 31, S.286)

3) Kommunismus - eine Gesellschaft ohne Klassen und ohne Staat

Im Kommunismus wird es schließlich keine Klassen mehr geben. Kommunismus wird daher zu Recht auch als „klassenlose Gesell­schaft" bezeichnet. Die Spaltung der Menschheit in Klassen, in Besitzer von Mitteln zur Produktion und Besitzlosen, wird auf dem Weg zum Kommunismus abgeschafft. Als erstes sind die Ausbeu­ter dran. Die klassenmäßigen Unterschiede zwischen den Werktä­tigen, etwa zwischen Arbeiter und Bauern zu beseitigen - das ist eine schon schwierigere, längerfristige Angelegenheit. Das ist nicht in erster Linie eine Frage menschlicher Ideale oder kommu­nistischer Moral. Der gigantische Fortschritt in der Produktions­technik ermöglicht, dass sich mehr und mehr die wesentlichen Un­terschiede zwischen Industrie und Landwirtschaft verwischen. Die Menschen arbeiten immer ähnlicher und die Abschaffung jeglichen Besitzes an Produktionsmitteln dient als Basis für die prinzipielle Gleichberechtigung aller Menschen in dieser höheren Phase des Kommunismus. So, auf fester materieller Grundlage, können kommunistische Ziele nach der Vernichtung der Ausbeutung ver­wirklicht werden. So kann auch schließlich der Staat als Unter­drückungsmaschinerie Stück für Stück absterben, wenn alle Men­schen grundsätzlich gleich und frei ihre Produktion und ihr gesam­tes Leben gemeinsam selbst in die Hand nehmen. Mit Hilfe von Selbstverwaltungsorganen organisieren sie die durchsichtige Ver­waltung und Leitung der Produktion und die Verteilung der Pro­dukte. Die Menschen planen gemeinsam ihr gemeinsames Leben, beraten unterschiedliche Einschätzungen mit guten Argumenten und beschließen auf Grund ihrer eigenen Erfahrungen. Engels stellte prägnant fest, wo der Staat in dieser kommunistischen Gesellschaft seinen Platz hat:

„Die Gesellschaft, die die Produktion auf Grundlage freier und gleicher Assoziation der Produzenten neu organisiert, versetzt die ganze Staatsmaschine dahin, wohin sie dann gehören wird: ins Museum der Altertümer, neben das Spinnrad und die bron­zene Axt."

(Engels, „Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats", 1884, Werke Band 21, S. 168)

Kommunismus - das bedeutet, dass die Menschheit weltweit, be­freit von imperialistischer Ausbeutung und Unterdrückung, eman­zipiert von allen historischen Konflikten zwischen den Völkern, die von den „Großen dieser Welt" gegeneinander aufgehetzt wur­den, ihre „freie Assoziation", ihren freien Zusammenschluss vo­rantreibt und verwirklicht. Staatsgrenzen verlieren ihren Sinn, wenn kein Raum für nationale Unterdrückung mehr existierte und werden verschwinden, nationale Unterschiede werden aufgehoben, alle Länder und Nationen werden im Weltkommunismus ver­schmelzen. Die Idee von der Einheit des einen Menschenge­schlechts auf dieser Erde wird dann eine Grundlage des Denkens und Handelns der Menschen sein - denn dieses Denken und Han­deln ist die Grundlage der kommunistischen Ideen und der kom­munistischen Gesellschaft.

4) Nach den Bedürfnissen der kommunistischen Gesellschaft geplante, wissenschaftlich organisierte und technisch hoch stehende Wirtschaft

Eine Gesellschaft ohne Klassen und ohne Staat, in der die Mittel zur Produktion allen gehören, ist nur denkbar, wenn klar wird, wie nun die Menschen ihre Geschicke in die eigene Hand nehmen. Das Grundprinzip des Tierreiches, die Methode, dass der Stärkere sich eben durchsetzt, die großen Fische die kleinen Fische fressen, war das Grundprinzip für die nach Maximalprofiten der Imperialisten strebende alte Gesellschaft, die nun vernichtet ist. Die Methode des gnadenlosen Konkurrenzkampfes bis hin zu Raubkriegen, die Me­thode des geschürten Konkurrenzkampfes zwischen den Arbeiten­den, des „Teile und Herrsche", wurde durch die sozialistische Re­volution vernichtet. Die kommunistische Gesellschaft entwickelt sich durch gemeinsam arbeitende Menschen, die planvoll und wis­senschaftlich Probleme anpacken und lösen.

Das ist nun möglich, da das Ziel ja nicht die Maximalprofite ei­ner kleinen, sich untereinander bekämpfenden Klasse ist, sondern die Erfüllung der Bedürfnisse aller Arbeitenden. Deshalb formu­lierte Engels:

„Darwin wußte nicht, welch bittre Satire er auf die Menschen ... schrieb, als er nachwies, daß die freie Konkurrenz, der Kampf ums Dasein, den die Ökonomen als höchste geschichtliche Errungen­schaft feiern, der Normalzustand des Tierreichs ist. Erst eine bewuß­te Organisation der gesellschaftlichen Produktion, in der planmäßig produziert und verteilt wird, kann die Menschen ebenso in gesell­schaftlicher Beziehung aus der übrigen Tierwelt herausheben, wie dies die Produktion überhaupt für die Menschen in spezifischer Be­ziehung getan hat. Die geschichtliche Entwicklung macht eine solche Organisation täglich unumgänglicher, aber auch täglich möglicher." (Engels, „Dialektik der Natur", Werke Band 20, S. 324, Hervorhebung im Ori­ginal)

Nicht mehr Aberglaube, Religion oder die Anbetung der Macht des spontanen Kampfes und seiner Sieger zählt nun, sondern Ar­gumente, gut begründete Argumente, nachvollziehbare, für jeden überprüfbare Argumente. Schon der heutige Stand der Wissen­schaft und Technik macht plausibel, dass Kommunikation bis in den letzten Winkel, Abklärung von Bedarf und Verbrauch längst kein ernstes Problem mehr ist. Nahrung und Konsumgüter, vor al­lem auch neue und bessere Produktionsmittel können Jahr für Jahr in immer größerem und genauer zu erforschendem sinnvollem Umfang hergestellt, gelagert und verteilt werden.

Die Absurditäten des heutigen Systems von Überfluss und Ver­nichtung von Arzneimitteln und Nahrungsmitteln einerseits und chronischem Mangel an Nahrungsmitteln und Arznei andererseits könnten alleine schon als Argument für den Urteilsspruch „Todes­strafe" für dieses imperialistische System herhalten. Innerhalb von 10 Minuten lassen sich ohne Probleme Beispiele in Hülle und Fül­le für aus der Sicht der „Verdammten dieser Erde" unproduktive Ausgaben benennen (die nur im imperialistischen System produk­tiv im Sinne der Profitmaximierung sind), die oft schon direkt nach einer sozialistischen Revolution, auf jeden Fall aber im höheren Stadium des Kommunismus abgeschafft werden und die dabei ver­schleuderten Ressourcen sinnvoll genutzt werden könnten: Abge­sehen von den riesigen Rüstungskosten, sind vor allem die desin­formierenden Werbeausgaben, der absurde bürokratische Aufwand für Versicherungen aller Art, Steuerbehörden und -berater, Finanz­ämter mit allen Unter- und Unter-Unterabteilungen sowie der auf­geblähte Apparat der Justiz zu nennen - die Liste ließe sich belie­big fortsetzen! Es geht dabei nicht um Kleinigkeiten, sondern um Billiarden-Beträge.

Noch entscheidender aber als solche Einsparungen wird die Ent­wicklung von wirklich an den Bedürfnissen der Menschen ange­passten Technologien sein, die möglichst allseitig, also kurzfristig und langfristige Aspekte (Ressourcen der Natur, Gesundheits­aspekte usw.) berücksichtigend entwickelt werden. Der Mensch wird nicht mehr Anhängsel der Technik, sondern souverän die Technik wirklich in seinem Sinne würdig und adäquat einsetzen oder eben nicht einsetzen.

Die Steigerung der Qualität der Maschinen und der Technologie dient im Imperialismus der verschärften Ausbeutung und Unter­drückung, leistet das Gegenteil von dem, was sie „eigentlich", das heißt etwa unter kommunistischen Bedingungen leisten könnte. Es ist eben so, wie Marx schon in seinem großen Werk „Das Kapital" feststellte, dass

„die Maschinerie an sich betrachtet die Arbeitszeit verkürzt, während sie kapitalistisch angewandt den Arbeitstag verlängert, an sich die Arbeit erleichtert, kapitalistisch angewandt ihre In­tensität steigert, an sich ein Sieg des Menschen über die Natur­kraft ist, kapitalistisch angewandt den Menschen durch die Na­turkraft unterjocht, an sich den Reichtum des Produzenten vermehrt, kapitalistisch angewandt ihn verpaupert usw."

(Marx, „Das Kapital", 1872, Werke Band 23, S. 465)

In den letzten Jahrzehnten hat die Entwicklung von Technologie, die gerade auch Kommunikation zeitnah ermöglicht, ungeheuer zugenommen. Die auch im Kommunismus nötige Verwaltung wird immer einfacher. Es ist so, wie Lenin es vor gut 85 Jahren schon grundlegend festgestellt hatte:

„Die kapitalistische Kultur hat die Großproduktion, hat Fabri­ken, Eisenbahnen, Post, Telefon u.a. geschaffen, und auf dieser Basis sind die meisten Funktionen der alten Staatsmacht' so vereinfacht worden und können auf so einfache Operationen der Registrierung, Buchung und Kontrolle zurückgeführt werden, daß diese Funktionen alle Leute, die des Lesens und Schreibens kundig sind, ausüben können, so daß man sie für gewöhnlichen ,Arbeiterlohn' wird leisten und ihnen jeden Schimmer eines Vorrechts, eines ‚Vorgesetztenrechts’ wird nehmen können (und müssen)."

(Lenin, „Staat und Revolution", 1917, Werke Band 25, S. 433, Hervorhebungen im Original)

Auf der Basis hoch industrialisierter und hoch technologisierter menschlicher Produktion können so eine Vielzahl von Verwal­tungsfunktionen des Staates wegfallen und absterben. Das ist eine wichtige Voraussetzung für die Errichtung der klassenlosen und staatenlosen kommunistischen Gesellschaft.

5) Die weltweiten Gegensätze zwischen Stadt und Land sterben im Kommunismus ab

Weltweit wie in jedem einzelnen Land gibt es durch die histori­sche Entwicklung des Kapitalismus, Kolonialismus und Imperia­lismus einen fundamentalen Gegensatz zwischen Stadt und Land. Das, was verharmlosend als ein weltweites „Nord-Süd-Gefälle" heutzutage selbst von bürgerlichen Soziologen diagnostiziert wird, ist in Wirklichkeit brutale imperialistische Ausbeutung durch die imperialistischen Großmächte. Durch die am Maximalprofit orien­tierten gigantischen Operationen zerstört das weltweit agierende Kapital auf der Suche nach profitablen Anlagemöglichkeiten jeden Rest von „ländlicher Idylle" und produziert weltweit Hungerkata­strophen, Dürren, Epidemien, Verwüstungen, Massenauswande­rungen und Elend aller Art. In den industriellen Zentren als Anzie­hungspunkt für die vom Land Vertriebenen nehmen Armut und Slums zu, die Arbeitslosigkeit drückt auf die Arbeitenden - eine aus kommunistischer Sicht völlig absurde Situation.

Die kommunistische Gesellschaft wird - anknüpfend an die grundlegende Erhöhung der Produktivkräfte unter Ausnutzung des höchsten Stands der Wissenschaft und Technik - weltweit wie in den einzelnen Ländern im Prozess der Abschaffung aller Klassen­gegensätze dieses Gefälle planmäßig beseitigen und die Gegensät­ze zwischen Stadt und Land aufheben.

6) Warum ist die Forderung „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen" ein Kernpunkt des verwirklichten Kommunismus?

In den ersten Jahren und Jahrzehnten nach der sozialistischen Revolution können schon wichtige Merkmale der zukünftigen kommunistischen Gesellschaft erarbeitet und erkämpft werden. Doch in dieser Zeitspanne schleppt die Gesellschaft noch alte Strukturen, Vorurteile und durch die Macht der Gewohnheit einge­schliffene Verhaltensweisen der Menschen mit sich. Auf die Frage: „Was ist gerecht?" wird es noch weitgehend die Antwort geben: „Wenn jeder nach seiner Leistung bezahlt wird! Wer mehr und qualifizierter arbeitet, soll auch mehr Produkte erhalten!"

Im Imperialismus, heute also, ist das hochgepriesene „Leistungs­prinzip" eine Verhöhnung der arbeitenden Menschen, zudem ein Mittel der Diskriminierung der durch Krankheit und Verelendung nicht mehr arbeitsfähigen Menschen. Wenn einzelne Personen an einem Tag das verdienen, was Industriearbeiterinnen bzw. Industr­iearbeiter in einem Jahr verdienen, wo ist da die angeblich „ge­rechte Entlohnung" nach Leistung?

So ist es schon ein gewaltiger historischer Fortschritt, wenn nach der „Enteignung der Enteigner", wenn nach der sozialistischen Re­volution mit der Abschaffung der Ausbeutung nun die Masse der Werktätigen in der Tat teils sofort als Lohn, teils indirekt als sozia­le Leistungen (Schule, Krankenversicherung, Verkehrsmittel usw.) das, was sie erarbeitet haben, auch selber erhalten. Auch hier wird Krankheit, Ausmaß der Arbeitsfähigkeit usw. angemessen berück­sichtigt, aber es gilt doch das Prinzip der Entlohnung nach Umfang und Art der geleisteten Arbeit, das Prinzip „Jeder nach seiner Lei­stung". Das aber bedeutet, dass das eigentliche Grundprinzip des Kommunismus „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen", wie es als Erstes französische Kommunisten for­mulierten, noch nicht verwirklicht ist, dass die eigentliche, die höchste Stufe des Kommunismus noch nicht erreicht ist.

Warum aber ist dieser Punkt überhaupt wichtig, was bedeutet er? Marx erklärte in seiner gerade für das Studium dieser Frage zentra­len Schrift „Kritik des Gothaer Programms" 1875, dass es ein rie­siger Unterschied ist, ob ich immer noch sozusagen der Not und der Einsicht gehorchend arbeite, um das Leben bestreiten zu kön­nen, oder aber ob ich arbeite, weil das Arbeiten selbst ein echtes Bedürfnis geworden ist. Ja Marx spricht sogar vom „ersten Le­bensbedürfnis". Für Marx und die kommunistische wissenschaftli­che Theorie ist das kein moralischer Appell. Es ist heute kaum vorstellbar, dass der Satz „Arbeit wird erstes Lebensbedürfnis" nicht Gelächter hervorruft. Was muss sich geändert haben, damit das nicht mehr so ist?

Nun ganz gewiss, dass wir nicht mehr für den Klassenfeind ar­beiten müssen, sondern für uns selbst, dass es keine Ausbeutung mehr gibt. Mit Sicherheit muss auch die „notwendige" Arbeit, die Arbeitszeit, die der Produktion der grundlegenden Lebensmittel dient, drastisch nach unten gesenkt worden sein, sodass schon eine ganze Weile die Arbeit vor allem der Entfaltung der Persönlichkeit des Einzelnen dient, wenigstens teilweise eingebunden ins Kollek­tiv, wirklicher „Genuss", wirkliches „Vergnügen" wird, „Spaß macht" und der fühlbare Zwang zur Arbeit als „Mittel, um zu le­ben" abnimmt.

Durch den oben beschriebenen hohen Stand der Technik, der vernünftigen Planung werden Produkte in mehr als ausreichender Anzahl für alle vernünftigen Bedürfnisse der Menschen in immer kürzerer Zeit entstehen. Der Zwang, als Spezialist im Geflecht der menschlichen Arbeitsteilung nervend immer dieselbe Arbeit lei­sten zu müssen, fällt immer mehr weg. Die Möglichkeit, selbst immer mehr zu lernen, immer mehr zu können und es in anderen Arbeitszweigen ausprobieren zu können - all das wächst und erleichtert zunächst die Arbeit ausgesprochen, bis schließlich der Punkt kommt, an dem die Arbeit wirklich als Sinn des eigenen Le­bens einen zentralen Stellenwert erhält. Dann zerfällt das Leben nicht mehr in „Arbeitszeit" und „freie Zeit", sondern diese Grenze verwischt sich und wird weitgehend aufgehoben. Jeder arbeitet nach seinen Fähigkeiten - und diese Fähigkeiten entwickeln und verfeinern sich mehr und mehr. Und jeder lebt nach seinen Be­dürfnissen, die sich auch verfeinern und erweitern, allerdings nicht im Sinn einer „Kultur" der Anmaßung, Verblödung und Gier nach Masse.

Die dümmlichen Einwände heutiger antikommunistischer Theo­retiker, die spotten, dass doch dann einzelne Menschen (sie denken an sich und ihre Mentalität) 200 Kühlschränke haben wollen und dass das doch „nicht gehe", gehen daran vorbei, dass die menschli­chen Umstände im Kommunismus solche gierig-dummen Fantasi­en nur als Alptraum erscheinen lassen. Denn bitte, welcher Mensch will 200 Kühlschränke in seiner Wohnung? Die entfaltete kommu­nistische Gesellschaft lebt nicht insofern im Überfluss, dass viel zu viel produziert und dann ungenutzt weggeschmissen wird. Die wirkliche kommunistische Gesellschaft hat Kraftreserven im Über­fluss. Die Menschen wollen und können hochqualifiziert arbeiten und planen und sie werden das erzeugen, was ihren wirklichen Be­dürfnissen im erforschten Umfang entspricht, und Probleme, die entstehen angemessen anpacken und lösen. Darum geht es bei der kommunistischen Losung: „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen", die die niedere Stufe der sozialisti­schen Gesellschaft oder die erste Phase der kommunistischen Ge­sellschaft mit dem Rechtshorizont der Entlohnung nach Leistung ablösen wird.

Daher schrieb Marx:

„In einer höheren Phase der kommunistischen Gesellschaft, nachdem die knechtende Unterordnung der Individuen unter die Teilung der Arbeit, damit auch der Gegensatz geistiger und körperlicher Arbeit verschwunden ist; nachdem die Arbeit nicht nur Mittel zum Leben, sondern selbst das erste Lebensbedürfnis geworden; nachdem mit der allseitigen Entwicklung der Indivi­duen auch ihre Produktionskräfte gewachsen und alle Spring­quellen des genossenschaftlichen Reichtums voller fließen - erst dann kann der enge bürgerliche Rechtshorizont ganz über­schritten werden und die Gesellschaft auf ihre Fahnen schrei­ben: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürf­nissen!" (Marx, „Kritik des Gothaer Programms", 1875, Werke Band 19, S. 21)

7) Das Aufblühen der Wissenschaften und der Kunst im Kommunismus (Aufhebung der grundlegenden Gegensätze zwischen Kopf- und Handarbeit)

Im Imperialismus gibt es eine tiefe Kluft zwischen der großen Masse der Werktätigen, die in Industrie und Landwirtschaft hart arbeiten und ausgebeutet werden, und jenen Menschen, die wis­senschaftlich-geistig und künstlerisch arbeiten können (obwohl zunehmend auch in abhängiger Situation). Die Arbeiterinnen und Arbeiter, wenn sie durch den Klassenkampf geschult sind, denken in vielem gewiss logischer und damit wissenschaftlicher als so mancher bürgerliche Wissenschaftler. Sie haben aber nicht genü­gend Zeit, um den Umfang des bisher angehäuften menschlichen Wissens auf allen Gebieten zu kennen und zu beherrschen oder sich gar nur systematisch mehrere Stunden täglich damit zu be­schäftigen - wie das im Kommunismus der Fall sein wird.

Zudem wird die Wissenschaft im Imperialismus als Waffe gegen die Arbeiterinnen und Arbeiter verwendet. Der Arbeitsmediziner, der Polizeipsychologe und die Finanzwissenschaftler wollen alle die Schraube anziehen, nach letzter „wissenschaftlicher Erkennt­nis", versteht sich! Und die Kunst und Kultur im Imperialismus? Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel, aber der größte Teil der in die „Kultur" investierten Arbeitszeit und Mittel dient im Im­perialismus allemal der Verblödung und Vergröberung der Sinne, die durch Kunst und Kultur eigentlich - im Interesse der Menschen - verfeinert und sensibilisiert werden sollten. Damit sind wir wie­der beim Thema. „Eigentlich" - das heißt aus der Sicht der heuti­gen „Verdammten dieser Erde" zu studieren, welche Möglichkei­ten es denn im entwickelten Kommunismus für Wissenschaft und Kunst gibt und welcher Zusammenhang mit den bisher behandel­ten Fragen existiert.

Die Antwort ist kurz und verblüffend: Jeder Mensch im Kom­munismus arbeitet und ist dabei gleichzeitig Wissenschaftler und Künstler. Die Trennung von körperlicher Arbeit (die tendenziell mehr und mehr abnimmt) und geistiger Arbeit (die tendenziell mehr und mehr zunimmt) wird mehr und mehr aufgehoben. Von

Jugend an gilt es, möglichst viele Arbeitstechniken zu erlernen, möglichst umfassend in alle Wissensgebiete des menschlichen Le­bens und der Natur Einblick zu nehmen, „Feuer zu fangen" und nie mehr aufzuhören zu lernen, zu studieren, wissenschaftlich zu arbeiten. Diese allseitige Bildung und Ausbildung, also die Kennt­nisse und Fähigkeiten in möglichst vielen verschiedenen Arbeits­bereichen, wird möglich auf Grund des hohen Stands der Produk­tion, der niedrigen „notwendigen" Arbeitszeiten und einer kom­munistischen Atmosphäre, in der arbeiten und lernen untrennbar verknüpft sind. Und es leuchtet unmittelbar ein, dass so gebildete und ausgebildete Menschen eine ungeheure Steigerung der Produktion ermöglichen könnten, wenn sie es denn wollen.

Die arbeitenden Menschen, im Kollektiv verbunden, unterwerfen sich so nicht mehr lange Zeit einer ihre Entfaltung behindernden Arbeitsteilung - auch nicht der Arbeitsteilung, dass irgendwelche anderen Leute, so genannte Künstler dann wissen, was sie schön finden sollen, welche Form ihre Produkte und welche Form die sonstigen Lebensumstände haben sollen. Die Vielfalt der Formen, der praktische Aspekt des Schönen und der schöne Aspekt des Praktischen, die Schönheit im Nützlichen wie im scheinbar völlig Unnützen werden von diesen allseitig gebildeten Menschen disku­tiert und in ihrer Vielfalt produziert werden - echte kommunisti­sche Lebenskünstler im besten Sinne des Wortes. Der Gegensatz zwischen Produktion einerseits und Wissenschaft und Kunst ande­rerseits wird mit der Beseitigung des Gegensatzes von körperlicher und geistiger Arbeit aufgehoben werden - der Schlüssel ist die Veränderung des ganzen Charakters der Arbeit auf einem hohen Niveau der Produktion.

Auf dieser Basis wird auch die Religion in der kommunistischen Gesellschaft (wie Aberglaube und Irrationalismus überhaupt) ihre doppelte Rolle ausgespielt haben: Der Mensch in der kommunisti­schen Gesellschaft ist nicht mehr die „gequälte Kreatur", die die Religion als Beruhigung, als „Opium des Volkes" benötigt und selbst will. Und die Religion ist schon gar nicht mehr ein Macht­mittel der Herrschenden, um das gegen seine Ausbeutung und Un­terdrückung kämpfende Volk zu beruhigen oder gegen andere Völker aufzuhetzen. In der kommunistischen Gesellschaft gibt es keine herrschende Klasse, die die Religion als „Opium für das Volk" ebenso wie Aberglaube und die Ideologie des Egoismus bewusst einsetzt, um die kommunistische Moral zu verhindern, wie das in der heutigen Gesellschaft weltweit der Fall ist.

Auch der Nationalismus (der politisch in der Epoche des Impe­rialismus in unterdrückten Nationen im Kampf gegen die imperia­listischen Großmächte seine historische Erklärung und Berechti­gung hatte) wird als Ideologie, die historisch dem Kapitalismus angehörte, endgültig beerdigt werden, als Ideologie, die die Menschheit spaltet und nicht eint. Über eine Reihe von Generatio­nen werden kulturelle nationale Besonderheiten mehr und mehr ihre aktuelle Bedeutung verlieren, aufgehoben in der kulturellen Schatzkammer der Menschheit allen Menschen dieser Erde zur Verfügung stehen. Selbst die Sprachen als Instrument der Verstän­digung zwischen den Menschen werden sich von Generation zu Generation der neuen Situation Schritt für Schritt anpassen, nicht administrativ und künstlich, sondern den Bedürfnissen der Men­schen nach Verständigung entsprechend.

An Stelle der vielfältigen reaktionären Ideengebäude, der Aus­beuterideologien, wird in der kommunistischen Gesellschaft All­gemeingut der Menschheit, dass moralisches, menschliches Han­deln auf klarer wissenschaftlicher Erkenntnis beruht und nun die kommunistische Moral nicht mehr als Kern die kämpferische Soli­darität der „Verdammten dieser Erde" beinhaltet, sondern die kommunistische Moral der befreiten Menschheit wirklich alle Menschen in der klassenlosen, staatenlosen, in der kommunistische Gesellschaft umfasst.

8) Warum im Kommunismus die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist

Kommunistisch, das heißt gemeinsam, das heißt „kollektiv"! Seit die kommunistischen Ideen die wirkliche Gleichheit der Men­schen, dieses menschliche Grundprinzip einklagen und die von Marx und Engels gegründete Internationale für dieses grundlegen­de Menschenrecht kämpft, beschwört der Antikommunismus aller Schattierungen diese angeblich „kommunistische Gleichmacherei". Das angebliche „Argument" lautet: Die Menschen wären doch nicht alle gleich, sie wären verschieden groß, es gäbe Männer und Frauen, Junge und Alte, sie hätten verschiedene Hautfarbe und würden verschiedene Sprachen sprechen - daher könne ja der

Kommunismus mit seiner „Gleichheit" nicht funktionieren, ja die­se „Gleichmacherei" würde sogar aus einzelnen Persönlichkeiten gestanzte Puppen, geklonte, zugerichtete und willenlose Menschen machen.

Die Demagogie ist, dass den kommunistischen Kräften ein Ge­danke unterstellt wird, den sie gar nicht haben. Es geht nicht dar­um, dass alle Menschen „gleich" sind, sondern darum, dass sie ge­gen jede Diskriminierung gleiche Rechte, gleiche Würde und glei­che Möglichkeit zur Entfaltung haben sollen, und zwar bei Beibe­haltung und Entfaltung ihrer Besonderheiten und Eigenheiten. Im Geburtsdokument des wissenschaftlichen Kommunismus, im „Manifest der Kommunistischen Partei" fassten Marx und Engels diesen Gedanken in die Worte, dass im Kommunismus

„die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist."

(Marx/Engels, „Manifest der Kommunistischen Partei", 1848, Werke Band 4, s. 82)

Unter den Bedingungen eines eng begrenzten Raumes bedeutet die Entfaltung einer Person (seine Ausdehnung, um im Beispiel zu bleiben) eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit der anderen - wenn ich mehr habe, haben die anderen weniger. In der kommuni­stischen Gesellschaft wird der „Raum zum Leben" immer größer, sodass dieses Problem eben nicht mehr existiert. Es existiert nicht mehr das Prinzip der Konkurrenz unter den Arbeitenden, das den Kampf um den Arbeitsplatz im Kapitalismus einschloss, sondern es existiert ein kommunistisches, gemeinsames Arbeiten und Le­ben, bei dem das Voneinanderlernen wesentlich ist.

In der kommunistischen Gesellschaft bedeutet die Entdeckung von Neuem durch den Einzelnen zugleich Entfaltungsmöglichkeit für die anderen, denn jeder neu erschlossene Raum wird zugleich für all die anderen miterschlossen und ihnen zugängig gemacht. Wäre die Entfaltung des Einzelnen ein Hindernis für die Entfaltung der anderen - so könnte sich logischerweise keiner wirklich entfal­ten, da jeder in jedem anderen nur eine Eingrenzung seiner freien Entfaltungsmöglichkeit sehen müsste. In der kommunistischen Ge­sellschaft wird das Verhältnis von Individuum und Kollektiv, dem finzelnen und den anderen, durch produktive Spannung, gegensei­tige Unterstützung und maximale Entwicklung des Individuums und des Kollektivs gekennzeichnet sein.

9) Warum Kämpfe und Widersprüche auch im Kommunismus existieren, aber produktiv gelöst werden können und gelöst werden

Im Kommunismus gibt es also paradiesische Zustände? Nun, ganz gewiss könnte man literarisch im Gegensatz zum Zeitalter des Imperialismus die kommunistische Gesellschaft so kennzeichnen. Aber eine solche Vorstellung hat einen Haken: denn das „Para­dies" bedeutet Stillstand, ein Zustand ohne Arbeit und Kampf. Und genau das ist nicht das Merkmal der kommunistischen Gesell­schaft. Die Menschheit wird befreit von Ausbeutung und Unter­drückung, von Kriegen, Nationalismus und Religion weiter arbei­ten und kämpfen. Doch die Auseinandersetzung mit der Natur ei­nerseits und die Auseinandersetzung der Menschen untereinander, diese beiden großen Kämpfe der Menschheit, die nicht aufhören werden, solange es Menschen gibt, werden in der kommunisti­schen Gesellschaft einen grundlegend anderen Charakter haben. Die „Kämpfe" zwischen den Menschen werden keine Klassen­kämpfe und keine bewaffneten Kämpfe sein, sondern Kämpfe mit Argumenten auf Grund unterschiedlicher Erfahrungen und eines unterschiedlichen Wissensstands und unterschiedlicher Interessen, die - so oder so gelöst - nicht die Existenz der einzelnen Men­schen bedrohen oder in Frage stellen. Die „Kämpfe" mit der Natur haben als Ziel die langfristig geplante, sinnvolle und bewusste Umgestaltung der Natur im langfristigen Interesse der Menschheit. Das aber ist ein gewaltiger Unterschied zu den bisherigen „Kämp­fen" in der Weltgeschichte.

Engels urteilte aus historischer Perspektive über den grundlegen­den Unterschied zwischen dem Kommunismus und den bisherigen Gesellschaften:

„Die Anarchie innerhalb der gesellschaftlichen Produktion wird ersetzt durch planmäßige bewußte Organisation. Der Kampf ums Einzeldasein hört auf. Damit erst scheidet der Mensch, in gewissem Sinn, endgültig aus dem Tierreich, tritt aus tierischen Daseinsbedingungen in wirklich menschliche. Der Umkreis der die Menschen umgebenden Lebensbedingungen, der die Men­schen bis jetzt beherrschte, tritt jetzt unter die Herrschaft und

Kontrolle der Menschen, die zum ersten Male bewußte, wirkli­che Herren der Natur, weil und indem sie Herren ihrer eignen Vergesellschaftung werden. Die Gesetze ihres eignen gesell­schaftlichen Tuns, die ihnen bisher als fremde, sie beherrschen­de Naturgesetze gegenüberstanden, werden dann von den Men­schen mit voller Sachkenntnis angewandt und damit beherrscht. Die eigne Vergesellschaftung der Menschen, die ihnen bisher als von Natur und Geschichte aufgenötigt gegenüberstand, wird jetzt ihre freie Tat. Die objektiven, fremden Mächte, die bisher die Geschichte beherrschten, treten unter die Kontrolle der Menschen selbst. Erst von da an werden die Menschen ihre Ge­schichte mit vollem Bewußtsein selbst machen, erst von da an werden die von ihnen in Bewegung gesetzten gesellschaftlichen Ursachen vorwiegend und in stets steigendem Maß auch die von ihnen gewollten Wirkungen haben. Es ist der Sprung der Menschheit aus dem Reich der Notwendigkeit in das Reich der Freiheit."

(Engels, „Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissen­schaft", 1880, Werke Band 19, S. 226)

10) Der Kommunismus -... was schwer zu machen ist!

Die kommunistische Weltgesellschaft, in der es keine bewaffne­ten Kämpfe mehr gibt, keine Klassen, kein Staat, keine staatliche Unterdrückung und keine Nationen: eine solche Gesellschaft ist einfach und klar, aber in der Tat „schwer zu machen"!

Für diese kommunistischen Ideale zu kämpfen, das heißt gerade auch zu verstehen und zu studieren,

- dass auf dem Weg zu einer kommunistischen Gesellschaft ohne Waffen die Waffen des Klassenfeindes, insbesondere seine Armee und Polizei, im bewaffneten Kampf zerschlagen und ver­nichtet werden müssen;

- dass auf dem Weg zu einer klassen- und staatenlosen Gesell­schaft die Macht der Arbeiterklasse, der Staat der Diktatur des Pro­letariats durch immer breitere Teilnahme der Massen an den „Staatsgeschäften", durch Entfaltung der sozialistischen Demokra­tie gestärkt und auf dieser Grundlage der Klassenkampf verschärft werden muss als Voraussetzung dafür, dass jeglicher Staat über­haupt absterben kann;

- dass auf dem Weg zu einer kommunistischen Gesellschaft, in der wirklich die ganze Menschheit frei ist und das Prinzip „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen" gilt, mit Hilfe der Diktatur des Proletariats alle reaktionären Kräfte und Elemente unterdrückt und niedergehalten werden müssen und auch der Kampf in den eigenen Reihen gegen Überreste der kapitalisti­schen Ideologie, gegen die Macht der Gewohnheit geführt werden muss, um zu verhindern, dass die gestürzte Reaktion ihr Ausbeu­terparadies wieder zurückgewinnen kann.

- dass auf dem Weg zur Aufhebung der Nationen und nationalen Unterschiede in der kommunistischen Weltgesellschaft gerade die fortschrittlichen nationalen Elemente im Kampf gegen alle reak­tionären nationalen Elemente aufblühen, sich sozialistische Natio­nen entfalten, bis schließlich alle Länder und Nationen im Welt­kommunismus verschmelzen;

Die Ideale des Kommunismus erkämpfen, heißt wirklich genau überlegt - ohne dieses Ziel jemals aus den Augen zu verlieren -, dass der harte und unerbittliche Kampf gegen die heutigen Herren dieser Welt, „das Schwere" ist, um wirklich die kommunistische Gesellschaft zu erreichen!

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Teil II

Lenin über die höhere Phase der kommunistischen Gesellschaft

(Auszug aus Lenins, „Staat und Revolution", 1917, Werke Band 25, S. 482-489, Kapitel V, Abschnitt 4, Hervorhebungen im Text im Original)

 

Lenin über die höhere Phase der kommunistischen Gesellschaft

[Siehe Anmerkung 1]

4. Die höhere Phase der kommunistischen Gesellschaft Marx fährt fort:

„In einer höheren Phase der kommunistischen Gesellschaft, nachdem die knechtende Unterordnung der Individuen unter die Teilung der Arbeit, damit auch der Gegensatz geistiger und kör­perlicher Arbeit verschwunden ist; nachdem die Arbeit nicht nur Mittel zum Leben, sondern selbst das erste Lebensbedürfnis ge­worden; nachdem mit der allseitigen Entwicklung der Individuen auch die Produktionskräfte gewachsen sind und alle Springquel­len des genossenschaftlichen Reichtums voller fließen - erst dann kann der enge bürgerliche Rechtshorizont ganz überschrit­ten werden und die Gesellschaft auf ihre Fahnen schreiben: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!"

Erst jetzt können wir die ganze Richtigkeit der Bemerkungen von Engels einschätzen, in denen er unerbittlich die Verbindung der Wörter „Freiheit" und „Staat" als unsinnig verspottete. Solange es einen Staat gibt, gibt es keine Freiheit. Wenn es Freiheit geben wird, wird es keinen Staat geben.

Die ökonomische Grundlage für das vollständige Abster­ben des Staates ist eine so hohe Entwicklung des Kommu­nismus, daß der Gegensatz von geistiger und körperlicher Arbeit verschwindet, folglich eine der wichtigsten Quellen der heutigen gesellschaftlichen Ungleichheit beseitigt wird, und zwar eine Quelle, die durch den bloßen Übergang der Produktionsmittel in Gemeineigentum, durch die bloße Ex­propriation der Kapitalisten keinesfalls mit einem Schlag aus der Welt geschafft werden kann.

Diese Expropriation wird eine enorme Entwicklung der Produk­tivkräfte ermöglichen. Und wenn wir sehen, wie schon jetzt der Kapitalismus in unglaublicher Weise diese Entwicklung aufhält, wie vieles auf Grund der heutigen, bereits erreichten Technik vor­wärtsgebracht werden könnte, so sind wir berechtigt, mit voller Überzeugung zu sagen, daß die Expropriation der Kapitalisten un­ausbleiblich eine gewaltige Entwicklung der Produktivkräfte der menschlichen Gesellschaft zur Folge haben wird. Wie rasch aber diese Entwicklung weitergehen wird, wie schnell sie zur Aufhe­bung der Arbeitsteilung, zur Beseitigung des Gegensatzes von gei­stiger und körperlicher Arbeit, zur Verwandlung der Arbeit in „das erste Lebensbedürfnis" führen wird, das wissen wir nicht und kön­nen wir nicht wissen.

Wir sind daher auch nur berechtigt, von dem unvermeidlichen Absterben des Staates zu sprechen. Dabei betonen wir, daß dieser Prozeß von langer Dauer ist und vom Entwicklungstempo der hö­heren Phase des Kommunismus abhängt, wobei wir die Frage der Fristen oder der konkreten Formen des Absterbens vollkommen offen lassen, denn Unterlagen zur Entscheidung dieser Fragen gibt es nicht.

Der Staat wird dann völlig absterben können, wenn die Ge­sellschaft den Grundsatz „Jeder nach seinen Fähigkeiten, je­dem nach seinen Bedürfnissen" verwirklicht haben wird, d. h. wenn die Menschen sich so an das Befolgen der Grund­regeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens gewöhnt ha­ben werden und ihre Arbeit so produktiv sein wird, daß sie freiwillig nach ihren Fähigkeiten arbeiten werden. Der „enge bürgerliche Rechtshorizont", der dazu zwingt, mit der Hart­herzigkeit eines Shylock bedacht zu sein, nur ja nicht eine halbe Stunde länger zu arbeiten als der andere und keine ge­ringere Bezahlung zu erhalten als der andere - dieser enge Horizont wird dann überschritten sein. Die Verteilung der Produkte wird dann von der Gesellschaft keine Normierung der jedem einzelnen zukommenden Menge erfordern; jeder wird frei „nach seinen Bedürfnissen" nehmen.

Vom bürgerlichen Standpunkt aus ist es leicht, eine solche Ge­sellschaftsstruktur als „reine Utopie" hinzustellen und darüber zu spotten, daß die Sozialisten jedem das Recht zusichern, von der Gesellschaft ohne jegliche Kontrolle über die Arbeitsleistung des einzelnen Bürgers eine beliebige Menge Trüffeln, Autos, Klaviere u. dgl. m. zu erhalten. Die meisten bürgerlichen „Gelehrten" be­schränken sich auch bis auf den heutigen Tag auf dieses Spotten und verraten dadurch nur ihre Ignoranz und ihre eigennützige Ver­teidigung des Kapitalismus.

Ignoranz, denn es ist keinem Sozialisten je eingefallen, „zuzusi­chern", daß die höhere Phase der Entwicklung des Kommunismus eintreten wird: die Voraussicht der großen Sozialisten aber, daß sie eintreten wird, hat nicht die heutige Arbeitsproduktivität und nicht den heutigen Spießer zur Voraussetzung, der es fertigbrächte, etwa wie die Seminaristen bei Pomjalowski (russischer Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, AAR.) „für nichts und wieder nichts" Magazine gesellschaftlicher Vorräte zu beschädigen und Unmögliches zu verlangen.

Bis die „höhere" Phase des Kommunismus eingetreten sein wird, fördern die Sozialisten die strengste Kontrolle seitens der Gesell­schaft und seitens des Staates über das Maß der Arbeit und das Maß der Konsumtion, aber diese Kontrolle muß mit der Expropria­tion der Kapitalisten beginnen, mit der Kontrolle der Arbeiter über die Kapitalisten, und darf nicht von einem Beamtenstaat durchge­führt werden, sondern von dem Staat der bewaffneten Arbeiter.

Die eigennützige Verteidigung des Kapitalismus durch die bür­gerlichen Ideologen (und ihre Schleppenträger vom Schlage der Herren Zereteli, Tschernow und Co.) besteht gerade darin, daß sie die dringende, aktuelle Frage der heutigen Politik in Diskussionen und Gerede über die ferne Zukunft umfälschen, und zwar die Frage der Expropriation der Kapitalisten, der Umwandlung aller Bürger in Arbeiter und Angestellte eines großen „Syndikats", nämlich des ganzen Staates, und der völligen Unterordnung der gesamten Ar­beit dieses ganzen Syndikats unter den wahrhaft demokratischen Staat, den Staat der Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten.

Wenn der gelehrte Professor und mit ihm der Spießer und die Herren Zereteli und Tschernow von hirnverbrannten Utopien, von demagogischen Versprechungen der Bolschewiki, von der Unmög­lichkeit der „Einführung" des Sozialismus reden, dann meinen sie im Grunde genommen das höhere Stadium, die höhere Phase des Kommunismus, die „einzuführen" niemand versprochen, ja nicht einmal im Sinn gehabt hat, denn „einführen" läßt sie sich über­haupt nicht.

Hier sind wir bei der Frage des wissenschaftlichen Unterschieds zwischen Sozialismus und Kommunismus angelangt, die Engels in seiner obenerwähnten Betrachtung über die Unrichtigkeit der Be­zeichnung „Sozialdemokraten" berührt. Politisch wird der Unter­schied zwischen der ersten oder niederen und der höheren Phase des Kommunismus mit der Zeit wahrscheinlich ungeheuer groß sein, doch wäre es lächerlich, jetzt, im Kapitalismus, diesen Unter­schied hervorzuheben; ihn in den Vordergrund rücken könnten höchstens vereinzelte Anarchisten (falls unter den Anarchisten noch Leute übriggeblieben sind, die nichts hinzugelernt haben, nachdem sich die Kropotkin, Grave, Cornelissen und andere „Leuchten" des Anarchismus auf „Plechanowsche" Art in Sozial­chauvinisten oder in Schützengraben-Anarchisten verwandelt ha­ben - wie sich Ge, einer der wenigen Anarchisten, die noch Ehre und Gewissen bewahrt haben, ausgedrückt hat).

Doch der wissenschaftliche Unterschied zwischen Sozialismus und Kommunismus ist klar. Was gewöhnlich als Sozialismus be­zeichnet wird, nannte Marx die „erste" oder niedere Phase der kommunistischen Gesellschaft. Insofern die Produktionsmittel Gemeineigentum werden, ist das Wort „Kommunismus" auch hier anwendbar, wenn man nicht vergißt, daß es kein vollkommener Kommunismus ist. Die große Bedeutung der Erörterungen von Marx besteht darin, daß er auch hier konsequent die materialisti­sche Dialektik, die Entwicklungslehre, anwendet, indem er den Kommunismus als etwas betrachtet, das sich aus dem Kapitalis­mus entwickelt. An Stelle scholastisch ausgeklügelter, „erdachter" Definitionen und fruchtloser Wortklaubereien (was Sozialismus, was Kommunismus sei) gibt Marx eine Analyse dessen, was man als Stufen der ökonomischen Reife des Kommunismus bezeichnen könnte.

In seiner ersten Phase, auf seiner ersten Stufe kann der Kommu­nismus ökonomisch noch nicht völlig reif, völlig frei von den Tra­ditionen, von den Spuren des Kapitalismus sein. Daraus erklärt sich eine so interessante Erscheinung wie das Fortbestehen des „engen bürgerlichen Rechtshorizonts" während der ersten Phase des Kommunismus. Das bürgerliche Recht setzt natürlich in bezug auf die Verteilung der Konsumtionsmittel unvermeidlich auch den bürgerlichen Staat voraus, denn Recht ist nichts ohne einen Appa­rat, der imstande wäre, die Einhaltung der Rechtsnonnen zu er­zwingen.

So ergibt sich, daß im Kommunismus nicht nur das bürgerliche Recht eine gewisse Zeit fortbesteht, sondern sogar auch der bür­gerliche Staat - ohne Bourgeoisie!

Das mag paradox oder einfach als dialektisches Gedankenspiel erscheinen, wie das vielfach dem Marxismus von Leuten zum

Vorwurf gemacht wird, die sich nicht im geringsten die Mühe ge­nommen haben, seinen überaus tiefen Gehalt zu ergründen.

In Wirklichkeit zeigt uns doch das Leben auf Schritt und Tritt, sowohl in der Natur als auch in der Gesellschaft, Überreste des Al­ten im Neuen. Und Marx hat nicht willkürlich ein Stückchen „bür­gerlichen" Rechts in den Kommunismus hineingebracht, sondern hat das genommen, was wirtschaftlich und politisch in einer aus dem Schoß des Kapitalismus hervorgehenden Gesellschaft unver­meidlich ist.

Die Demokratie ist im Befreiungskampf der Arbeiterklasse ge­gen die Kapitalisten von gewaltiger Bedeutung. Die Demokratie ist aber durchaus keine unüberschreitbare Grenze, sondern lediglich eine der Etappen auf dem Wege vom Feudalismus zum Kapitalis­mus und vom Kapitalismus zum Kommunismus.

Demokratie bedeutet Gleichheit. Es ist begreiflich, welch große Bedeutung der Kampf des Proletariats um die Gleichheit und die Losung der Gleichheit haben, wenn man sie richtig, im Sinne der Aufhebung der Klassen auffaßt. Aber Demokratie bedeutet nur formale Gleichheit. Und sofort nach der Verwirklichung der Gleichheit aller Mitglieder der Gesellschaft in bezug auf den Besitz der Produktionsmittel, d. h. der Gleichheit der Arbeit, der Gleich­heit des Arbeitslohnes, wird sich vor der Menschheit unvermeid­lich die Frage erheben, wie sie von der formalen zur tatsächlichen Gleichheit, d.h. zur Verwirklichung des Satzes „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen" weiterschreiten soll. Welche Etappen die Menschheit auf dem Wege zu diesem höheren Ziel durchschreiten wird, welche praktischen Maßnahmen sie hier­zu ergreifen wird, wissen wir nicht und können wir nicht wissen. Es ist aber wichtig, daß wir uns darüber klarwerden, wie grenzen­los verlogen die landläufige bürgerliche Vorstellung ist, der Sozia­lismus sei etwas Totes, Erstarrtes, ein für allemal Gegebenes, wäh­rend in Wirklichkeit erst mit dem Sozialismus die rasche, wirkli­che, wahrhafte Vorwärtsbewegung der Massen auf allen Gebieten des öffentlichen und persönlichen Lebens, zunächst unter Teil­nahme der Mehrheit der Bevölkerung und später der gesamten Be­völkerung, einsetzen wird.

Die Demokratie ist eine Staatsform, eine der Spielarten des Staates. Folglich ist sie, wie jeder Staat, eine organisierte, sy­stematische Gewaltanwendung gegenüber Menschen. Das ist die eine Seite. Anderseits bedeutet Demokratie aber die for­male Anerkennung der Gleichheit zwischen den Bürgern, des gleichen Rechtes aller, die Staatsverfassung zu bestimmen und den Staat zu verwalten. Das wiederum hat zur Folge, daß die Demokratie auf einer bestimmten Entwicklungsstufe er­stens die dem Kapitalismus gegenüber revolutionäre Klasse, das Proletariat, zusammenschließt und ihr die Möglichkeit gibt, die bürgerliche, und sei es auch eine bürgerlich­republikanische, Staatsmaschine - stehendes Heer, Polizei, Beamtentum - zu zerbrechen, in Scherben zu schlagen, aus der Welt zu schaffen, sie durch eine demokratischere Staatsmaschine, aber immerhin noch durch eine Staatsma­schine zu ersetzen, bestehend aus bewaffneten Arbeiter­massen, die dazu übergehen, das gesamte Volk zur Beteili­gung an der Miliz heranzuziehen.

Hier „schlägt Quantität in Qualität um": Eine solche Stufe des Demokratismus ist mit der Sprengung des Rahmens der bürgerli­chen Gesellschaft, mit dem Beginn ihrer sozialistischen Umgestal­tung verbunden. Wenn tatsächlich alle an der Verwaltung des Staates teilnehmen, dann kann sich der Kapitalismus nicht länger halten. Die Entwicklung des Kapitalismus schafft ihrerseits die Voraussetzungen dafür, daß wirklich „alle" an der Leitung des Staates teilnehmen können. Zu diesen Voraussetzungen gehört die allgemeine Schulbildung, die in den fortgeschrittensten kapitalisti­schen Ländern bereits eingeführt ist, ferner die „Schulung und Disziplinierung" von Millionen Arbeitern durch den umfassenden, komplizierten, vergesellschafteten Apparat der Post, der Eisenbah­nen, der Großbetriebe, des Großhandels, des Bankwesens usw. usf.

Unter solchen ökonomischen Voraussetzungen ist es durchaus möglich, unverzüglich, von heute auf morgen, dazu überzugehen, die Kapitalisten und Beamten, nachdem sie gestürzt sind, bei der Kontrolle über Produktion und Verteilung, bei der Registrierung der Arbeit und der Produkte, durch bewaffnete Arbeiter, durch das gesamte bewaffnete Volk zu ersetzen. (Man verwechsle nicht die Frage der Kontrolle und Rechnungsführung mit der Frage des wis­senschaftlich ausgebildeten Personals, der Ingenieure, Agronomen u. a.: Diese Herrschaften arbeiten heute und fügen sich den Kapita­listen, sie werden morgen noch besser arbeiten und sich den be­waffneten Arbeitern fügen.)

Rechnungsführung und Kontrolle - das ist das Wichtigste, was zum „Ingangsetzen", zum richtigen Funktionieren der kommunisti­schen Gesellschaft in ihrer ersten Phase erforderlich ist. Alle Bür­ger verwandeln sich hier in entlohnte Angestellte des Staates, den die bewaffneten Arbeiter bilden. Alle Bürger werden Angestellte und Arbeiter eines das gesamte Volk umfassenden Staats„syndikats". Es handelt sich nur darum, Daß sie alle glei­chermaßen arbeiten, das Maß der Arbeit richtig einhalten und glei­chermaßen Lohn bekommen. Die Rechnungsführung und Kontrol­le darüber ist durch den Kapitalismus bis zum äußersten verein­ facht, in außergewöhnlich einfache Operationen verwandelt wor­den, die zu verrichten jeder des Lesens und Schreibens Kundige imstande ist, er braucht nur zu beaufsichtigen und zu notieren, es genügt, daß er die vier Grundrechnungsarten beherrscht und ent­sprechende Quittungen ausstellen kann.1)

Wenn die Mehrheit des Volkes anfangen wird, selbständig aller­orts eine solche Rechnungsführung, eine solche Kontrolle über die Kapitalisten (die nunmehr Angestellte geworden sind) und über die Herren Intellektuellen, die kapitalistische Allüren beibehalten ha­ben, auszuüben, dann wird diese Kontrolle eine wirklich universel­le, allgemeine, eine wirkliche Volkskontrolle werden, dann wird man sich ihr auf keine Weise entziehen können, wird man sich vor ihr „nirgends retten" können.

Die gesamte Gesellschaft wird ein Büro und eine Fabrik mit glei­cher Arbeit und gleichem Lohn sein.

Aber diese „Fabrik"disziplin, die das siegreiche Proletariat nach dem Sturz der Kapitalisten, nach Beseitigung der Ausbeuter auf die gesamte Gesellschaft erstrecken wird, ist nichts weniger als unser Ideal oder unser Endziel, sie ist nur eine Stufe, die notwendig ist zur radikalen Reinigung der Gesellschaft von den Niederträch­tigkeiten und Gemeinheiten der kapitalistischen Ausbeutung, eine Stufe, um weiter vorwärtsschreiten zu können.

Von dem Zeitpunkt an, da alle Mitglieder der Gesellschaft oder wenigstens ihre übergroße Mehrheit selbst gelernt ha­ben, den Staat zu regieren, selbst die Staatsregierung in ihre Hände genommen haben, die Kontrolle „in Gang gebracht“ haben über die verschwindend kleine Minderheit der Kapita­listen, über die Herrchen, die die kapitalistischen Allüren gern bewahren möchten, über die Arbeiter, die durch den Kapitalismus tief demoralisiert worden sind - von diesem Zeitpunkt an beginnt die Notwendigkeit jeglichen Regierens überhaupt zu schwinden. Je vollständiger die Demokratie, um so näher der Zeitpunkt, zu dem sie überflüssig wird. Je demokratischer der „Staat", der aus bewaffneten Arbeitern besteht und „schon kein Staat im eigentlichen Sinne mehr" ist, um so rascher beginnt jeder Staat abzusterben. Denn wenn alle gelernt haben werden, selbständig die gesell­schaftliche Produktion zu leiten, und sie in der Tat leiten werden, wenn sie selbständig die Rechnungsführung und die Kontrolle über Müßiggänger, Herrensöhnchen, Gauner und ähnliche „Hüter der Traditionen des Kapitalismus" verwirklichen, dann wird das Um­gehen dieser vom ganzen Volk durchgeführten Rechnungsführung und Kontrolle unvermeidlich so ungeheuer schwierig werden, eine so höchst seltene Ausnahme bilden und wahrscheinlich eine so ra­sche und ernsthafte Bestrafung nach sich ziehen (denn die bewaff­neten Arbeiter sind Menschen des praktischen Lebens, keine sen­timentalen Intelligenzler und werden kaum mit sich spaßen lassen), daß die Notwendigkeit zur Einhaltung der unkomplizierten Grund­regeln für jedes Zusammenleben von Menschen sehr bald zur Ge­wohnheit werden wird. Dann wird das Tor zum Übergang von der ersten Phase der kommunistischen Gesellschaft zu ihrer höheren Phase und damit auch zum völligen Absterben des Staates weit geöffnet sein.

 

1)Wenn der Staat im wesentlichen Teil seiner Funktionen auf eine solche Rechnungsführung und Kontrolle durch die Arbeiter selbst reduziert wird, hört er auf, ein „politischer Staat" zu sein, dann „verwandeln sich die öffentlichen Funktionen aus politischen in einfache administrative Funktionen" (vgl. oben, Kapitel IV, Abschnitt 2, über Engels' Polemik gegen die Anarchisten; siehe dazu ab S. 449 in „Staat und Revolution", Werke Band 25, r1.d.R.)

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Grundlegende Merkmale der kommunistischen Gesellschaft

A. Allgemeine Charakteristik des Kommunismus

1) Wissenschaftlicher Kommunismus

„... indem Marx die Entwicklungsgesetze der menschlichen Ge­sellschaft erforschte, erkannte er die Unvermeidlichkeit der Ent­wicklung vom Kapitalismus zum Kommunismus, und, was die Hauptsache ist, er erbrachte den Beweis dafür allein auf Grund des exaktesten, gründlichsten und tiefsten Studiums dieser kapitalisti­schen Gesellschaft, dank der völligen Beherrschung alles dessen, was die frühere Wissenschaft zu bieten hatte. Alles, was von der menschlichen Gesellschaft geschaffen worden war, hat Marx kri­tisch verarbeitet und nicht einen Punkt unbeachtet gelassen. Alles, was das menschliche Denken hervorgebracht hatte, hat er umgear­beitet, der Kritik unterworfen, an der Arbeiterbewegung überprüft und dann jene Schlußfolgerungen gezogen, die die in den bürgerli­chen Rahmen eingezwängten oder an bürgerliche Vorurteile gefes­selten Menschen nicht zu ziehen vermochten."

(Lenin, „Die Aufgaben der Jugendverbände", 1920, Werke Band 31, S. 276) [siehe Anmerkung 2]

2) Kurze allgemeine Charakteristik

„Eine allgemeine Charakteristik der kommunistischen Gesell­schaft haben Marx, Engels und Lenin in ihren Werken gegeben. Wenn in aller Kürze die Anatomie der kommunistischen Gesell­schaft skizziert werden soll, so wird es eine Gesellschaft sein:

a) in der es kein Privateigentum an Produktionsmitteln, sondern nur gesellschaftliches, kollektives Eigentum an Produktionsmitteln geben wird;

b) in der es keine Klassen und keine Staatsmacht, sondern Arbei­ter der Industrie und der Landwirtschaft geben wird, die sich als freie Assoziation der Werktätigen wirtschaftlich selbst leiten wer­den;

c) in der die Volkswirtschaft, nach einem Plan organisiert, auf der höchsten Stufe der Technik in der Industrie wie auch in der Landwirtschaft basieren wird;

d) in der es keinen Gegensatz zwischen Stadt und Land, zwi­schen Industrie und Landwirtschaft geben wird,

e) in der man die Produkte nach dem Prinzip der alten französi­schen Kommunisten verteilen wird Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen';

f) in der Kunst und Wissenschaft sich in so günstigen Verhältnis­sen befinden werden, daß sie in jeder Hinsicht aufblühen werden;

g) in der die Persönlichkeit, befreit von der Sorge um das Stück Brot und der Notwendigkeit, sich an die Großen der Welt' anzu­biedern, wirklich frei werden wird usw. usw."

(Stalin, „Unterredung mit der ersten amerikanischen Arbeiterdelegation", 1927, zitiert nach: „Leninismus" Heft 4, Moskau 1936, S. 111/112, siehe auch: Werke Band 10, S.116/117) [siehe Anmerkung 3]

3) Zum Unterschied von Sozialismus und Kommunismus

„Womit wir es hier zu tun haben, ist eine kommunistische Ge­sellschaft, nicht wie sie sich auf ihrer eignen Grundlage entwickelt hat, sondern umgekehrt, wie sie eben aus der kapitalistischen Ge­sellschaft hervorgeht, also in jeder Beziehung, ökonomisch, sitt­lich, geistig, noch behaftet ist mit den Muttermalen der alten Ge­sellschaft, aus deren Schoß sie herkommt. Demgemäß erhält der einzelne Produzent - nach den Abzügen - exakt zurück, was er ihr gibt. Was er ihr gegeben hat, ist sein individuelles Arbeitsquantum. Z. B. der gesellschaftliche Arbeitstag besteht aus der Summe der individuellen Arbeitsstunden. Die individuelle Arbeitszeit des ein­zelnen Produzenten ist der von ihm gelieferte Teil des gesellschaft­lichen Arbeitstags, sein Anteil daran. Er erhält von der Gesell­schaft einen Schein, daß er soundso viel Arbeit geliefert (nach Ab­zug seiner Arbeit für die gemeinschaftlichen Fonds), und zieht mit diesem Schein aus dem gesellschaftlichen Vorrat von Konsumti­onsmitteln soviel heraus, als gleich viel Arbeit kostet. Dasselbe Quantum Arbeit, das er der Gesellschaft in einer Form gegeben hat, erhält er in der andern zurück.

Es herrscht hier offenbar dasselbe Prinzip, das den Warenaus­tausch regelt, soweit er Austausch Gleichwertiger ist. Inhalt und Form sind verändert, weil unter den veränderten Umständen nie­mand etwas geben kann außer seiner Arbeit und weil andrerseits nichts in das Eigentum der einzelnen übergehn kann außer indivi­duellen Konsumtionsmitteln. Was aber die Verteilung der letzteren unter die einzelnen Produzenten betrifft, herrscht dasselbe Prinzip wie beim Austausch von Warenäquivalenten, es wird gleich viel Arbeit in einer Form gegen gleich viel Arbeit in einer andern aus­getauscht.

Das gleiche Recht ist hier daher immer noch - dem Prinzip nach - das bürgerliche Recht, obgleich Prinzip und Praxis sich nicht mehr in den Haaren liegen, während der Austausch von Äquiva­lenten beim Warenaustausch nur im Durchschnitt, nicht für den einzelnen Fall existiert.

Trotz dieses Fortschritts ist dieses gleiche Recht stets noch mit einer bürgerlichen Schranke behaftet. Das Recht der Produzenten ist ihren Arbeitslieferungen proportionell, die Gleichheit besteht darin, daß an gleichem Maßstab, der Arbeit, gemessen wird. Der eine ist aber physisch oder geistig dem andern überlegen, liefert also in derselben Zeit mehr Arbeit oder kann während mehr Zeit arbeiten; und die Arbeit, um als Maß zu dienen, muß der Ausdeh­nung oder der Intensität nach bestimmt werden, sonst hörte sie auf, Maßstab zu sein. Dies gleiche Recht ist ungleiches Recht für un­gleiche Arbeit. Es erkennt keine Klassenunterschiede an, weil je­der nur Arbeiter ist wie der andre; aber es erkennt stillschweigend die ungleiche individuelle Begabung und daher Leistungsfähigkeit der Arbeiter als natürliche Privilegien an. Es ist daher ein Recht der Ungleichheit, seinem Inhalt nach, wie alles Recht. Das Recht kann seiner Natur nach nur in Anwendung von gleichem Maßstab bestehn; aber die ungleichen Individuen (und sie wären nicht ver­schiedne Individuen, wenn sie nicht ungleiche wären) sind nur an gleichem Maßstab meßbar, soweit man sie unter einen gleichen Gesichtspunkt bringt, sie nur von einer bestimmten Seite faßt, z.B. im gegebnen Fall sie nur als Arbeiter betrachtet und weiter nichts in ihnen sieht, von allem andern absieht. Ferner: Ein Arbeiter ist verheiratet, der andre nicht; einer hat mehr Kinder als der andre etc. etc. Bei gleicher Arbeitsleistung und daher gleichem Anteil an dem gesellschaftlichen Konsumtionsfonds erhält also der eine fak­tisch mehr als der andre, ist der eine reicher als der andre etc. Um alle diese Mißstände zu vermeiden, müßte das Recht, statt gleich, vielmehr ungleich sein.

Aber diese Mißstände sind unvermeidbar in der ersten Phase der kommunistischen Gesellschaft, wie sie eben aus der kapitalisti­schen Gesellschaft nach langen Geburtswehen hervorgegangen ist. Das Recht kann nie höher sein als die ökonomische Gestaltung und dadurch bedingte Kulturentwicklung der Gesellschaft.

In einer höheren Phase der kommunistischen Gesellschaft, nach­dem die knechtende Unterordnung der Individuen unter die Tei­lung der Arbeit, damit auch der Gegensatz geistiger und körperli­cher Arbeit verschwunden ist; nachdem die Arbeit nicht nur Mittel zum Leben, sondern selbst das erste Lebensbedürfnis geworden; nachdem mit der allseitigen Entwicklung der Individuen auch ihre Produktivkräfte gewachsen und alle Springquellen des genossen­schaftlichen Reichtums voller fließen - erst dann kann der enge bürgerliche Rechtshorizont ganz überschritten werden und die Ge­sellschaft auf ihre Fahne schreiben: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!"

(Marx, „Kritik des Gothaer Programms", 1875, Werke Band 19, S. 20/21) [siehe Anmerkung 4]

4) Grundlegende Vorbedingungen für den Übergang vom Sozialismus zum Kommunismus

„Um den wirklichen Übergang zum Kommunismus vorzuberei­ten, nicht aber den Übergang zu deklarieren, müssen mindestens drei grundlegende Vorbedingungen erfüllt werden.

Erstens ist es notwendig, nicht eine mystische rationelle Or­ganisation' der Produktivkräfte, sondern das ununterbrochene Wachstum der gesamten gesellschaftlichen Produktion bei vor­wiegender Steigerung der Produktion von Produktionsmitteln ste­tig zu gewährleisten. Die vorwiegende Steigerung der Produktion von Produktionsmitteln ist nicht nur deshalb notwendig, weil durch sie sowohl die Produktionsmittel produzierenden Betriebe als auch die Betriebe aller anderen Zweige der Volkswirtschaft mit Ausrü­stungen versorgt werden müssen, sondern auch deshalb, weil ohne sie eine erweiterte Reproduktion überhaupt unmöglich ist.

Zweitens ist es notwendig, das kollektivwirtschaftliche Eigentum vermittels allmählicher, den Kollektivwirtschaften und folglich der gesamten Gesellschaft zum Vorteil gereichender Übergänge auf das Niveau des allgemeinen Volkseigentums zu heben und die Wa­renzirkulation ebenfalls vermittels allmählicher Übergänge durch ein System des Produktenaustauschs zu ersetzen, damit die Zen­tralgewalt oder irgendein anderes gesellschaftlich-ökonomisches Zentrum die Gesamterzeugung der gesellschaftlichen Produktion im Interesse der Gesellschaft zu erfassen vermag.

Genosse Jaroschenko irrt sich, wenn er behauptet, im Sozialis­mus gebe es keinerlei Widerspruch zwischen den Produktions­verhältnissen und den Produktivkräften der Gesellschaft. Natürlich durchlaufen unsere gegenwärtigen Produktionsverhältnisse eine Periode, in der sie sich in völliger Übereinstimmung mit dem Wachstum der Produktivkräfte befinden und diese mit Riesen­schritten vorwärtsbringen. Es wäre aber falsch, wollte man sich damit zufriedengeben und annehmen, daß es keinerlei Widersprü­che zwischen unseren Produktivkräften und Produk­tionsverhältnissen gebe. Widersprüche gibt es zweifellos und wird es zweifellos geben, da die Entwicklung der Produktionsverhält­nisse hinter der Entwicklung der Produktivkräfte zurückbleibt und zurückbleiben wird. Bei einer richtigen Politik der leitenden Orga­ne können sich diese Widersprüche nicht in einen Gegensatz ver­wandeln, und es kann hier nicht zu einem Konflikt zwischen den Produktionsverhältnissen und den Produktivkräften der Ge­sellschaft kommen. Anders liegen die Dinge, wenn wir eine fal­sche Politik durchführen, etwa wie sie Genosse Jaroschenko emp­fiehlt. In dem Falle wird ein Konflikt unvermeidlich, und unsere Produktionsverhältnisse können zu einem schwerwiegenden Hemmschuh für die weitere Entwicklung der Produktivkräfte wer­den.

Daher ist es die Aufgabe der leitenden Organe, die heran­wachsenden Widersprüche rechtzeitig zu erkennen und durch An­passung der Produktionsverhältnisse an das Wachstum der Pro­duktivkräfte rechtzeitig Maßnahmen zu ihrer Überwindung zu tref­fen. Dies gilt vor allem für solche ökonomischen Erscheinungen wie das kollektivwirtschaftliche Gruppeneigentum und die Waren­zirkulation. Natürlich werden diese Erscheinungen gegenwärtig von uns mit Erfolg zur Entwicklung der sozialistischen Wirtschaft benutzt, und sie bringen unserer Gesellschaft unbestreitbaren Nut­zen. Zweifellos werden sie uns auch in nächster Zukunft Nutzen bringen. Es wäre aber unverzeihliche Blindheit, wollte man nicht sehen, daß diese Erscheinungen gleichzeitig auch schon beginnen, die gewaltige Entwicklung unserer Produktivkräfte zu hemmen, da sie Hindernisse für die vollständige Erfassung der gesamten Volkswirtschaft, besonders der Landwirtschaft, durch die staatli­che Planung schaffen. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß diese Erscheinungen je länger, je mehr das weitere Wachstum der Produktivkräfte unseres Landes hemmen werden. Folglich besteht die Aufgabe darin, diese Widersprüche zu beseitigen durch allmäh­liche Umwandlung des kollektivwirtschaftlichen Eigentums in all­gemeines Volkseigentum und durch - gleichfalls allmähliche - Einführung des Produktenaustauschs an Stelle der Warenzirkulati­on.

Drittens ist es notwendig, ein kulturelles Wachstum der Ge­sellschaft zu erreichen, das allen Mitgliedern der Gesellschaft eine allseitige Entwicklung ihrer körperlichen und geistigen Fähigkei­ten gewährleistet, damit die Mitglieder der Gesellschaft die Mög­lichkeit erhalten, ausreichende Bildung zu erwerben, um aktiv an der gesellschaftlichen Entwicklung mitzuwirken, damit sie die Möglichkeit erhalten, ihren Beruf frei zu wählen und nicht infolge der bestehenden Arbeitsteilung Zeit ihres Lebens an irgendeinen Beruf gefesselt sind.

Was ist dazu erforderlich?

Es wäre falsch, wollte man glauben, ein so bedeutsames kul­turelles Wachstum der Mitglieder der Gesellschaft könne ohne ernste Veränderungen in der gegenwärtigen Lage der Arbeit er­reicht werden. Dazu ist es vor allem notwendig, den Arbeitstag mindestens bis auf sechs und später bis auf fünf Stunden zu ver­kürzen. Das ist notwendig, damit die Mitglieder der Gesellschaft genügend freie Zeit erhalten, um eine allseitige Bildung zu er­werben. Dazu ist es ferner notwendig, den allgemeinen obligato­rischen polytechnischen Unterricht einzuführen, damit die Mit­glieder der Gesellschaft die Möglichkeit erhalten, ihren Beruf frei zu wählen, und nicht Zeit ihres Lebens an irgendeinen Beruf gefes­selt sind. Dazu ist weiter notwendig, die Wohnungsverhältnisse grundlegend zu verbessern und den Reallohn der Arbeiter und An­gestellten mindestens um das Doppelte, wenn nicht mehr, zu erhö­hen, sowohl durch direkte Erhöhung des Geldlohnes als auch be­sonders durch eine weitere systematische Senkung der Preise für Massenbedarfsgüter.

Das sind die Grundbedingungen für die Vorbereitung des Über­gangs zum Kommunismus.

Erst nach Erfüllung aller dieser Vorbedingungen in ihrer Ge­samtheit wird man hoffen können, daß die Arbeit in den Augen der Mitglieder der Gesellschaft aus einer Bürde das erste Lebensbe­dürfnis' wird (Marx), daß die Arbeit ... aus einer Last eine Lust wird' (Engels), daß das gesellschaftliche Eigentum von allen Mit­gliedern der Gesellschaft als unerschütterliche und unantastbare Grundlage der Existenz der Gesellschaft angesehen wird.

Erst nach Erfüllung aller dieser Vorbedingungen in ihrer Ge­samtheit wird man von der sozialistischen Formel Jeder nach sei­nen Fähigkeiten, jedem nach seiner Leistung' zur kommu­nistischen Formel Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach sei­nen Bedürfnissen' übergehen können.

Das wird ein grundlegender Übergang von einer Ökonomik, der Ökonomik des Sozialismus, zu einer anderen, höheren Ökonomik, der Ökonomik des Kommunismus, sein.

Wie man sieht, ist der Übergang vom Sozialismus zum Kom­munismus nicht so einfach, wie sich Genosse Jaroschenko das ein­bildet.

Wer dieses ganze komplizierte und vielgestaltige Werk, das be­deutsame ökonomische Veränderungen erfordert, auf eine ,rationelle Organisation der Produktivkräfte' zu reduzieren ver­sucht, wie Genosse Jaroschenko das tut - der unterschiebt dem Marxismus Bogdanow-Anschauungen."

(Stalin, „Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR", 1952, Werke Band 15, S. 316-319) [siehe Anmerkung 5]

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B. Zu Kernpunkten des Kommunismus

1) Kein Privateigentum an Produktionsmitteln, sondern nur gesellschaftliches, kollektives Eigentum an Produktionsmitteln

„Die Kommune, rufen sie aus, will das Eigentum, die Grundlage aller Zivilisation, abschaffen! Jawohl, meine Herren, die Kommu­ne wollte jenes Klasseneigentum abschaffen, das die Arbeit der vielen in den Reichtum der wenigen verwandelt. Sie beabsichtigte die Enteignung der Enteigner. Sie wollte das individuelle Eigen­tum zu einer Wahrheit machen, indem sie die Produktionsmittel, den Erdboden und das Kapital, jetzt vor allem die Mittel zur Knechtung und Ausbeutung der Arbeit, in bloße Werkzeuge der freien und assoziierten Arbeit verwandelt."

(Marx, „Der Bürgerkrieg in Frankreich", 1871, Werke Band 17, 5.342) [siehe Anmerkung 6]

„Communis heißt gemeinsam. Kommunistische Gesellschaft, das heißt - alles ist gemeinsam: der Grund und Boden, die Fabriken, und auch die Arbeit ist gemeinsam - das ist Kommunismus." (Lenin, „Die Aufgaben der Jugendverbände", 1920, Werke Band 31, S. 286) [siehe Anmerkung 2]

2) Keine Klassen, keine Staatsmacht, keine Nationen, keine Unterdrückung, sondern Arbeiterinnen und Arbei­ter der Industrie und der Landwirtschaft, die sich als freie Assoziation der Werktätigen wirtschaftlich selbst leiten werden

a) Keine Klassen, keine Staatsmacht

„Sind im Laufe der Entwicklung die Klassenunterschiede ver­schwunden und ist alle Produktion in den Händen der assoziierten Individuen konzentriert, so verliert die öffentliche Gewalt den poli­tischen Charakter. Die politische Gewalt im eigentlichen Sinne ist die organisierte Gewalt einer Klasse zur Unterdrückung einer an­dern. Wenn das Proletariat im Kampfe gegen die Bourgeoisie sich notwendig zur Klasse vereint, durch eine Revolution sich zur herr­schenden Klasse macht und als herrschende Klasse gewaltsam die alten Produktionsverhältnisse aufhebt, so hebt es mit diesen Pro­duktionsverhältnissen die Existenzbedingungen des Klassengegen­satzes, die Klassen überhaupt, und damit seine eigene Herrschaft

als Klasse auf." (Marx/Engels, „Manifest der Kommunistischen Partei", 1848, Werke Band 4, S. 482) [siehe Anmerkung 7]

„Es wird wohl kaum nötig sein zu bemerken, daß der allgemein theoretische Standpunkt dieses Buchs - in philosophischer, öko­nomischer und politischer Beziehung - sich keineswegs genau deckt mit meinem heutigen Standpunkt. Im Jahre 1844 existierte der moderne internationale Sozialismus noch nicht, der seitdem, vor allem und fast ausschließlich durch die Leistungen von Marx, zu einer Wissenschaft ausgebildet worden ist. Mein Buch repräsen­tiert nur eine der Phasen seiner embryonalen Entwicklung. Und wie der menschliche Embryo in seinen frühesten Entwicklungsstu­fen die Kiemenbögen unserer Vorfahren, der Fische, noch immer reproduziert, so verrät dies Buch überall die Spuren der Abstam­mung des modernen Sozialismus von einem seiner Vorfahren - der deutschen Philosophie. So wird großes Gewicht gelegt auf die Be­hauptung, daß der Kommunismus nicht eine bloße Parteidoktrin der Arbeiterklasse ist, sondern eine Theorie, deren Endziel ist die Befreiung der gesamten Gesellschaft, mit Einschluß der Klasse der Kapitalisten, aus den gegenwärtigen einengenden Verhältnissen. Dies ist in abstraktem Sinn richtig, aber in der Praxis meist schlim­mer als nutzlos. Solange die besitzenden Klassen nicht nur kein Bedürfnis verspüren nach Befreiung, sondern auch der Selbstbe­freiung der Arbeiterklasse sich mit allen Kräften widersetzen, so­lange wird die Arbeiterklasse nun einmal genötigt sein, die soziale Umwälzung allein einzuleiten und durchzuführen. Die französi­schen Bourgeois von 1789 erklärten auch die Befreiung der Bour­geoisie für die Emanzipation des gesamten Menschengeschlechts; Adel und Geistlichkeit wollten das aber nicht einsehen; die Be­hauptung - obwohl damals, soweit der Feudalismus dabei in Be­tracht kam, eine abstrakte, historische Wahrheit - artete bald aus in pure sentimentale Redensart und verduftete gänzlich im Feuer des revolutionären Kampfs. Heutzutage gibt es auch Leute genug, die den Arbeitern von der Unparteilichkeit ihres höheren Standpunkts einen über allen Klassengegensätzen und Klassenkämpfen erhabe­nen Sozialismus predigen und danach streben, in einer höheren Menschlichkeit die Interessen beider widerstreitenden Klassen zu versöhnen - aber diese Leute sind entweder Neulinge, die noch massenhaft zu lernen haben, oder aber die schlimmsten Feinde der Arbeiter, Wölfe im Schafspelz."

(Engels „Anhang zur amerikanischen Ausgabe der Lage der arbeit enden Klasse in England"`, 1886, Werke Band 21, S. 254/255) [siehe Anmerk­ung 8]

„Der Staat ist also nicht von Ewigkeit her. Es hat Gesellschaften gegeben, die ohne ihn fertig wurden, die von Staat und Staatsge­walt keine Ahnung hatten. Auf einer bestimmten Stufe der ökono­mischen Entwicklung, die mit Spaltung der Gesellschaft in Klassen notwendig verbunden war, wurde durch diese Spaltung der Staat eine Notwendigkeit. Wir nähern uns jetzt mit raschen Schritten ei­ner Entwicklungsstufe der Produktion, auf der das Dasein dieser Klassen nicht nur aufgehört hat, eine Notwendigkeit zu sein, son­dern ein positives Hindernis der Produktion wird. Sie werden fal­len, ebenso unvermeidlich, wie sie früher entstanden sind. Mit ih­nen fällt unvermeidlich der Staat. Die Gesellschaft, die die Produk­tion auf Grundlage freier und gleicher Assoziation der Produzenten neu organisiert, versetzt die ganze Staatsmaschine dahin, wohin sie dann gehören wird, ins Museum der Altertümer, neben das Spinn­rad und die bronzene Axt." (Engels, „Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats", 1884, Werke Band 21, S. 168) [siehe Anmerkung 9]

„Die kapitalistische Kultur hat die Großproduktion, hat Fabriken, Eisenbahnen, Post, Telefon u. a. geschaffen, und auf dieser Basis sind die meisten Funktionen der alten Staatsmacht' auf vereinfacht worden und können auf so einfache Operationen der Registrierung, Buchung und Kontrolle zurückgeführt werden, daß diese Funktio­nen alle Leute, die des Lesens und Schreibens kundig sind, aus­üben können, so daß man sie für gewöhnlichen Arbeiterlohn' wird leisten und ihnen jeden Schimmer eines Vorrechts, eines ,Vorgesetzenrechts' wird nehmen können (und müssen)."

(Lenin, „Staat und Revolution", 1917, Werke Band 25, S. 433, [siehe Anmer­kung 10]

„In den landläufigen Betrachtungen über den Staat wird fortwäh­rend der Fehler begangen, vor dem hier Engels warnt und den wir in den vorhergegangenen Darlegungen beiläufig gestreift haben. Man vergißt nämlich immer, daß die Aufhebung des Staates auch die Aufhebung der Demokratie bedeutet, daß das Absterben des Staates ein Absterben der Demokratie ist.

Auf den ersten Blick mag diese Behauptung höchst sonderbar und unverständlich erscheinen; bei manchem dürfte sogar die Be­fürchtung aufkommen, daß wir den Anbruch einer Gesellschafts­ordnung erwarten, in der das Prinzip der Unterordnung der Min­derheit unter die Mehrheit nicht eingehalten werden würde, denn Demokratie sei doch gerade die Anerkennung dieses Prinzips.

Nein. Demokratie ist nicht identisch mit Unterordnung der Min­derheit unter die Mehrheit. Demokratie ist ein die Unterordnung der Minderheit unter die Mehrheit anerkennender Staat, d. h. eine Organisation zur systematischen Gewaltanwendung einer Klasse gegen die andere, eines Teils der Bevölkerung gegen den anderen.

Als Endziel setzen wir uns die Abschaffung des Staates, d. h. je­der organisierten und systematischen Gewalt, jeder Gewaltanwen­dung gegen Menschen überhaupt. Wir erwarten nicht, daß eine Ge­sellschaftsordnung anbricht, in der das Prinzip der Unterordnung der Minderheit unter die Mehrheit nicht eingehalten werden würde. Doch in unserem Streben zum Sozialismus sind wir überzeugt, daß er in den Kommunismus hinüberwachsen wird und daß im Zu­sammenhang damit jede Notwendigkeit der Gewaltanwendung ge­gen Menschen überhaupt, der Unterordnung eines Menschen unter den anderen, eines Teils der Bevölkerung unter den anderen ver­schwinden wird, denn die Menschen werden sich daran gewöhnen, die elementaren Regeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens ohne Gewalt und ohne Unterordnung einzuhalten.

Um dieses Element der Gewohnheit zu betonen, spricht Engels eben von einem neuen Geschlecht, das, in neuen, freien Gesell­schaftszuständen herangewachsen, imstande sein wird, den ganzen Staatsplunder von sich abzutun' - jedes Staatswesen abzuschaffen, auch das demokratisch-republikanische." (Lenin, „Staat und Revolution", 1917, Werke Band 25, S. 469/470) [siehe Anmerkung 11]

„Als Klassen bezeichnet man große Menschengruppen, die sich voneinander unterscheiden nach ihrem Platz in einem geschichtlich bestimmten System der gesellschaftlichen Produktion, nach ihrem (größtenteils in Gesetzen fixierten und formulierten) Verhältnis zu den Produktionsmitteln, nach ihrer Rolle in der gesellschaftlichen Organisation der Arbeit und folglich nach der Art der Erlangung und der Größe des Anteils am gesellschaftlichen Reichtum, über den sie verfügen. Klassen sind Gruppen von Menschen, von denen die eine sich die Arbeit der andern aneignen kann infolge der Ver schiedenheit ihres Platzes in einem bestimmten System der gesell­schaftlichen Wirtschaft.

Es ist klar, daß man zur völligen Aufhebung der Klassen nicht nur die Ausbeuter, die Gutsbesitzer und die Kapitalisten, stürzen, nicht nur ihr Eigentum abschaffen muß, man muß auch sonst jedes Privateigentum an den Produktionsmitteln abschaffen, man muß sowohl den Unterschied zwischen Stadt und Land wie auch den Unterschied zwischen Hand- und Kopfarbeitern aufheben. Das ist ein sehr langwieriges Werk. Um es zu vollbringen, bedarf es eines gewaltigen Schritts vorwärts in der Entwicklung der Produktiv­kräfte, muß man den Widerstand der zahlreichen Überreste der Kleinproduktion überwinden (einen oft passiven Widerstand, der besonders hartnäckig ist und sich besonders schwer überwinden läßt), muß man die ungeheure Macht der Gewohnheit und Trägheit überwinden, die diesen Überresten anhaftet."

(Lenin, „Die große Initiative", 1919, Werke Band 29, S. 410/411) [siehe Anmerkung 12]

„Wir sind für das Absterben des Staates. Wir sind jedoch gleich­zeitig für die Verstärkung der Diktatur des Proletariats, der stärk­sten und mächtigsten Staatsmacht, die jemals bestanden hat. Höch­ste Entwicklung der Staatsmacht zur Vorbereitung der Bedingun­gen für das Absterben der Staatsmacht - so lautet die marxistische Formel. Ist das ,widerspruchsvoll'? Ja, es ist ,widerspruchsvoll'. Aber dieser Widerspruch ist dem Leben eigen, und er widerspie­gelt vollständig die Marxsche Dialektik." (Stalin, „Politischer Rechenschaftsbericht des Zentralkomitees an den XVI. Par­teitag der KPdSU(B)", 1930, Werke Band 12, S. 323) [siehe Anmerkung 13]

„Manche Genossen haben die These von der Aufhebung der Klassen, von der Schaffung einer klassenlosen Gesellschaft und vom Absterben des Staates als Rechtfertigung für Trägheit und Gleichmütigkeit aufgefaßt, als Rechtfertigung der konterrevolutio­nären Theorie vom Erlöschen des Klassenkampfes und von der Schwächung der Staatsmacht. Es erübrigt sich zu sagen, daß solche Leute mit unserer Partei nichts gemein haben können. Das sind Entartete oder Doppelzüngler, die man aus der Partei verjagen muß. Die Aufhebung der Klassen wird nicht durch das Erlöschen des Klassenkampfes, sondern durch seine Verstärkung erreicht. Das Absterben des Staates wird nicht durch Schwächung der Staatsmacht erfolgen, sondern durch ihre maximale Verstärkung, die notwendig ist, um die Überreste der sterbenden Klassen zu vernichten und die Verteidigung gegen die kapitalistische Umkrei­sung zu organisieren, die noch bei weitem nicht beseitigt ist und noch nicht so bald beseitigt sein wird."

(Stalin, „Vereinigtes Plenum des ZK und der ZKK der KPdSU(B), 7.-12. Januar 1933", 1933, Werke Band 13, S. 188/189) [siehe Anmerkung 14]

„Zu den Mängeln unserer propagandistischen und ideologischen Arbeit ist auch der Umstand zu zählen, daß es unter unseren Ge­nossen an voller Klarheit über einige Fragen der Theorie fehlt, die von großer praktischer Bedeutung sind, daß in diesen Fragen eine gewisse Verwirrung herrscht. Ich meine die Frage des Staates im allgemeinen, die Frage unseres sozialistischen Staates im besonde­ren und die Frage unserer Sowjetintelligenz.

Manchmal wird gefragt: Die Ausbeuterklassen sind bei uns auf­gehoben, feindliche Klassen gibt es im Lande nicht mehr, es gibt niemanden mehr, der zu unterdrücken wäre, also braucht man den Staat nicht mehr, er muß absterben - warum tragen wir denn nicht zum Absterben unseres sozialistischen Staates bei, warum bemü­hen wir uns nicht, mit ihm Schluß zu machen, ist es nicht an der Zeit, diesen ganzen Plunder der Staatlichkeit über Bord zu wer­fen?'

Oder auch: Die Ausbeuterklassen sind bei uns bereits aufgeho­ben, der Sozialismus ist im wesentlichen errichtet, wir marschieren zum Kommunismus, die marxistische Lehre vom Staat aber be­sagt, daß es unter dem Kommunismus keinerlei Staat geben soll - warum tragen wir nicht zum Absterben unseres sozialistischen Staates bei, ist es nicht an der Zeit, den Staat in ein Museum für Altertümer abzuschieben?'

Diese Fragen zeugen davon, daß die Fragesteller einzelne Sätze der Lehre von Marx und Engels vom Staat gewissenhaft auswen­dig gelernt haben. Sie zeugen aber auch davon, daß diese Genos­sen das Wesen dieser Lehre nicht begriffen haben, daß sie nicht darüber Bescheid wissen, unter welchen geschichtlichen Bedin­gungen die einzelnen Sätze dieser Lehre ausgearbeitet wurden und daß sie insbesondere die gegenwärtige internationale Situation nicht verstanden haben, daß sie die Tatsache, daß eine kapitalisti­sche Umwelt besteht, und die sich daraus ergebenden Gefahren für das Land des Sozialismus übersehen haben. In diesen Fragen kommt nicht nur die Unterschätzung des Bestehens der kapitalisti­schen Umwelt zum Ausdruck. In ihnen offenbart sich ebensowohl die Unterschätzung der Rolle und Bedeutung der bürgerlichen Staaten und ihrer Organe, die in unser Land Spione, Mörder und Schädlinge entsenden und nur auf den Moment lauem, um einen militärischen Überfall auf unser Land zu unternehmen; ebenso of­fenbart sich in ihnen die Unterschätzung der Rolle und Bedeutung unseres sozialistischen Staates und seiner Militär-, Straf- und Ab­wehrdienstorgane, die zum Schutze des Landes des Sozialismus gegen Überfälle von außen notwendig sind. Man muß feststellen, daß sich nicht nur die eben erwähnten Genossen diese Unterschät­zung zuschulden kommen lassen. In gewissem Maße lassen wir Bolschewiki alle ohne Ausnahme uns diese Unterschätzung zu­schulden kommen. Ist es denn nicht verwunderlich, daß wir von der Spionage- und Verschwörertätigkeit der Anführer der Trotzki­sten und Bucharinleute erst in der letzten Zeit, in den Jahren 1937 und 1938, erfahren haben, obwohl diese Herren, wie das aus den Materialien ersichtlich ist, schon in den ersten Tagen der Oktober­revolution als Spione bei den ausländischen Spionageapparaten in Dienst standen und ihre Verschwörertätigkeit ausübten? Wie konn­ten wir diese ernste Tatsache übersehen? Wodurch ist dieses Ver­sagen zu erklären? Gewöhnlich antwortet man auf diese Frage fol­gendermaßen: Wir konnten nicht annehmen, daß diese Leute so tief sinken können. Das ist aber keine Erklärung und noch viel we­ niger eine Rechtfertigung, denn die Tatsache des Versagens bleibt eben eine Tatsache. Womit ist dieses Versagen zu erklären? Dieses Versagen erklärt sich aus der Unterschätzung der Kraft und Bedeu­tung des Mechanismus der uns umgebenden bürgerlichen Staaten und ihrer Spionageorgane, die bestrebt sind, die Schwächen der Menschen, ihre Eitelkeit, ihre Charakterlosigkeit auszunutzen, um sie in ihre Spionagenetze zu verstricken und diese Netze um die Organe des Sowjetstaates zu ziehen. Es erklärt sich aus der Unter­schätzung der Rolle und Bedeutung des Mechanismus unseres so­zialistischen Staates und seines Abwehrdienstes, aus der Unter­schätzung dieses Abwehrdienstes, aus dem Geschwätz, daß der Abwehrdienst im Sowjetstaate nebensächlich und bedeutungslos sei, daß man den sowjetischen Abwehrdienst, ebenso wie den So­wjetstaat selber, bald in ein Museum für Altertümer abschieben müsse.

Auf welchem Boden konnte bei uns diese Unterschätzung auf­kommen?

Auf dem Boden der ungenügenden Ausarbeitung und Unvoll­ständigkeit einiger allgemeiner Sätze der Lehre des Marxismus vom Staate. Sie fand Verbreitung infolge unseres sträflich sorglo­sen Verhaltens zu den Fragen der Staatstheorie, obwohl wir über die praktische Erfahrung einer zwanzigjährigen staatlichen Tätig­keit verfügen, die ein reiches Material für theoretische Verallge­meinerungen liefert, obwohl wir die Möglichkeit haben, diese theoretische Lücke, bei richtigem Willen unsererseits, erfolgreich auszufüllen. Wir hatten den überaus wichtigen Hinweis Lenins auf die theoretischen Pflichten der russischen Marxisten vergessen, die berufen sind, die Theorie des Marxismus weiter auszuarbeiten. Le­nin sagt darüber:

,Wir betrachten die Marxsche Theorie durchaus nicht als etwas Abgeschlossenes und Unantastbares: Wir sind im Gegenteil überzeugt, daß sie nur die Grundpfeiler jener Wissenschaft ge­schaffen hat, die die Sozialisten in allen Richtungen weiterent­wickeln müssen, wenn sie nicht hinter dem Leben zurückbleiben wollen. Wir sind der Meinung, daß für die russischen Sozialisten eine selbständige Ausarbeitung der Marxschen Theorie beson­ders notwendig ist, denn diese Theorie liefert nur die allgemeinen leitenden Sätze, die im besonderen in England anders als in Frankreich, in Frankreich anders als in Deutschland, in Deutsch­land anders als in Rußland anzuwenden sind.' (Lenin, Unser Programm', 1899, Werke Band 4, S. 205/206)

Man nehme zum Beispiel die von Engels gegebene klassische Formel der Theorie der Entwicklung des sozialistischen Staates: ,Sobald es keine Gesellschaftsklasse mehr in der Unterdrückung zu halten gibt, sobald mit der Klassenherrschaft und dem in der bisherigen Anarchie der Produktion begründeten Kampfe ums Einzeldasein auch die daraus entspringenden Kollisionen und Exzesse beseitigt sind, gibt es nichts mehr zu reprimieren, das eine besondre Repressionsgewalt, einen Staat, nötig machte. Der erste Akt, worin der Staat wirklich als Repräsentant der gan­zen Gesellschaft auftritt - die Besitzergreifung der Produktions­mittel im Namen der Gesellschaft - ist zugleich sein letzter selb­ständiger Akt als Staat. Das Eingreifen einer Staatsgewalt in ge­sellschaftliche Verhältnisse wird auf einem Gebiete nach dem andern überflüssig und schläft dann von selbst ein. An die Stelle der Regierung über Personen tritt die Verwaltung von Sachen und die Leitung von Produktionsprozessen. Der Staat wird nicht 'abgeschafft', er stirbt ab.' (Engels, ,Anti-Dühring', 1878, Wer­ke Band 20, S. 262).

Ist diese These von Engels richtig?

Ja, sie ist richtig, jedoch nur unter einer von den beiden Bedin­gungen: a) wenn man den sozialistischen Staat nur vom Stand­punkte der inneren Entwicklung des Landes studiert, dabei von vornherein vom internationalen Faktor absieht und das Land sowie den Staat zur Vereinfachung der Untersuchung isoliert von der in­ternationalen Situation betrachtet, oder b) wenn man voraussetzt, daß der Sozialismus bereits in allen Ländern oder in den meisten Ländern gesiegt hat, daß es statt der kapitalistischen eine sozialisti­sche Umwelt gibt, daß keine Gefahr eines Überfalls von außen mehr besteht und die Stärkung der Armee und des Staates nicht mehr nötig ist.

Wie aber, wenn der Sozialismus nur in einem einzelnen Lande gesiegt hat und es angesichts dessen in keiner Weise möglich ist, von den internationalen Bedingungen abzusehen - was dann? Auf diese Frage gibt die Formel von Engels keine Antwort. Engels stellt sich eigentlich auch gar nicht diese Frage, folglich konnte es bei ihm auch keine Antwort auf diese Frage geben. Engels geht von der Voraussetzung aus, daß der Sozialismus bereits, mehr oder minder gleichzeitig, in allen Ländern oder in den meisten Ländern gesiegt hat. Folglich untersucht hier Engels nicht den einen oder den andern konkreten sozialistischen Staat dieses oder jenes ein­zelnen Landes, sondern die Entwicklung des sozialistischen Staa­tes überhaupt, unter der Voraussetzung, daß der Sozialismus in den meisten Ländern gesiegt hat - nach der Formel: Nehmen wir an, der Sozialismus habe in den meisten Ländern gesiegt; es fragt sich: Welche Veränderungen muß in diesem Falle der proletarische, der sozialistische Staat erfahren?' Nur durch diesen allgemeinen und abstrakten Charakter der Problemstellung ist die Tatsache zu erklä­ren, daß Engels bei der Untersuchung der Frage des sozialistischen Staates von einem solchen Faktor wie den internationalen Bedin­gungen, der internationalen Lage, völlig absieht.

Daraus folgt aber, daß sich die allgemeine Formel von Engels für das Schicksal des sozialistischen Staates schlechthin nicht auf den besonderen und konkreten Fall anwenden läßt, wo der Sozialismus in einem einzelnen Lande gesiegt hat, das von einer kapitalisti­schen Umwelt umgeben und der Gefahr eines kriegerischen Über­falls von außen ausgesetzt ist, und das infolgedessen von der inter­nationalen Lage nicht absehen kann; dieses Land muß sowohl eine gut ausgebildete Armee als auch gut organisierte Straforgane und einen starken Abwehrdienst, folglich einen genügend starken Staat

haben, um in der Lage zu sein, die Errungenschaften des Sozialis­mus vor einem Angriff von außen zu schützen.

Man kann von den Klassikern des Marxismus, die von unserer Zeit durch eine Periode von 45-55 Jahren getrennt sind, nicht ver­langen, daß sie alle und jede Zickzackwendungen der Geschichte in jedem besonderen Lande in der fernen Zukunft hätten vorausse­hen sollen. Es wäre lächerlich zu verlangen, daß die Klassiker des Marxismus uns fertige Lösungen für alle und jede theoretischen Fragen hätten liefern sollen, diein jedem einzelnen Lande nach Ablauf von 50-100 Jahren auftauchen können, damit wir, die Nachfahren der Klassiker des Marxismus, die Möglichkeit haben, uns ruhig auf die Bärenhaut zu legen und fertige Lösungen wieder­zukauen. (Allgemeine Heiterkeit). Aber wir können und müssen von den Marxisten-Leninisten unserer Zeit verlangen, daß sie sich nicht darauf beschränken, einzelne allgemeine Sätze des Marxis­mus auswendig zu lernen, sondern daß sie in das Wesen des Mar­xismus eindringen, daß sie lernen, den Erfahrungen des zwanzig­jährigen Bestehens des sozialistischen Staates in unserem Lande Rechnung zu tragen, daß sie schließlich lernen, gestützt auf diese Erfahrungen und ausgehend vom Wesen des Marxismus, die ein­zelnen allgemeinen Sätze des Marxismus zu konkretisieren, zu präzisieren und zu verbessern. Lenin schrieb sein berühmtes Buch ,Staat und Revolution' im August 1917, das heißt einige Monate vor der Oktoberrevolution und der Schaffung des Sowjetstaates. Die Hauptaufgabe dieses Buches sah Lenin in der Verteidigung der Lehre von Marx und Engels vom Staat gegen die Entstellung und Verflachung seitens der Opportunisten. Lenin beabsichtigte, einen zweiten Teil von , Staat und Revolution' zu schreiben, in dem er die Hauptlehren aus den Erfahrungen der russischen Revolution von 1905 und 1917 ziehen wollte. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß Lenin die Absicht hatte, im zweiten Teile seines Bu­ches, gestützt auf die Erfahrungen der Sowjetmacht in unserem Lande, die Theorie des Staates auszuarbeiten und weiterzuentwickeln. Doch hinderte ihn der Tod an der Erfüllung dieser Aufgabe. Aber was Lenin nicht mehr zu vollbringen vermochte, das müssen seine Schüler tun. (Stürmischer Beifall).

Der Staat entstand auf der Grundlage der Spaltung der Gesell­schaft in feindliche Klassen, er entstand, um die ausgebeutete Mehrheit im Interesse der ausbeutenden Minderheit im Zaume zu halten. Die Machtmittel des Staates konzentrierten sich hauptsäch­lich in der Armee, in den Straforganen, im Polizeiapparat, in den Gefängnissen. Zwei Hauptfunktionen kennzeichnen die Tätigkeit des Staates: die innere (die hauptsächliche) - die ausgebeutete Mehrheit im Zaume zu halten, und die äußere (die nicht hauptsäch­liche) - das Territorium seiner herrschenden Klasse auf Kosten des Territoriums der anderen Staaten zu erweitern oder das Territorium seines Staates gegen Überfälle anderer Staaten zu verteidigen. So lagen die Dinge in der Sklavenhaltergesellschaft und unter dem Feudalismus. So liegen die Dinge unter dem Kapitalismus.

Um den Kapitalismus zu stürzen, war es nicht nur nötig, die Bourgeoisie von der Macht zu entfernen, nicht nur die Kapitalisten zu expropriieren, sondern auch die Staatsmaschine der Bourgeoi­sie, ihre alte Armee, ihren bürokratischen Beamtenapparat, ihre Polizei, gänzlich zu zerschlagen und an ihre Stelle das neue, das proletarische Staatswesen, den neuen sozialistischen Staat zu set­zen. Bekanntlich sind die Bolschewiki gerade in dieser Weise vor­gegangen. Daraus folgt aber durchaus nicht, daß sich im neuen, im proletarischen Staat nicht gewisse Funktionen des alten Staates er­halten können, die entsprechend den Erfordernissen des proletari­schen Staates verändert werden. Daraus folgt erst recht nicht, daß die Formen unseres sozialistischen Staates unverändert bleiben müssen, daß alle ursprünglichen Funktionen unseres Staates auch weiterhin restlos erhalten bleiben müssen. In der Tat ändern sich die Formen unseres Staates und werden sich ändern, je nach der Entwicklung unseres Landes und der Veränderung der äußeren Lage.

Lenin hat vollkommen recht, wenn er sagt:

,Die Formen der bürgerlichen Staaten sind außerordentlich mannigfaltig, aber ihr Wesen ist das gleiche: Alle diese Staaten sind auf eine oder die andere Weise, aber in letzter Instanz un­bedingt eine Diktatur der Bourgeoisie. Der Übergang vom Ka­pitalismus zum Kommunismus muß natürlich eine ungeheure Fülle und Mannigfaltigkeit politischer Formen hervorbringen, aber das Wesentliche wird dabei unbedingt gleichbleiben: die Diktatur des Proletariats.' (Lenin, Staat und Revolution', 1917, Werke Band 25, S. 425).

Seit der Oktoberrevolution hat unser sozialistischer Staat in sei­ner Entwicklung zwei Hauptphasen durchgemacht.

Die erste Phase ist die Periode von der Oktoberrevolution bis zur Liquidierung der Ausbeuterklassen. Die Hauptaufgabe dieser Peri­ode bestand in der Unterdrückung des Widerstandes der gestürzten

Klassen, in der Organisierung der Verteidigung des Landes gegen Überfälle der Interventen, in der Wiederherstellung der Industrie und Landwirtschaft, in der Vorbereitung der Bedingungen für die Liquidierung der kapitalistischen Elemente. Dementsprechend er­füllte unser Staat in dieser Periode zwei Hauptfunktionen. Die er­ste Funktion war die Unterdrückung der gestürzten Klassen inner­halb des Landes. Darin erinnerte unser Staat äußerlich an die frü­heren Staaten, deren Funktion in der Unterdrückung jener bestand, die sich widersetzten, jedoch mit dem grundsätzlichen Un­terschied, daß unser Staat die ausbeutende Minderheit im Interesse der werktätigen Mehrheit unterdrückte, während die früheren Staa­ten die ausgebeutete Mehrheit im Interesse der ausbeutenden Min­derheit unterdrückten. Die zweite Funktion war die Verteidigung des Landes gegen Überfälle von außen. Darin erinnerte er eb­enfalls äußerlich an die früheren Staaten, die sich auch mit dem bewaffneten Schutze ihrer Länder befaßten, jedoch mit dem grund­sätzlichen Unterschied, daß unser Staat die Errungenschaften der werktätigen Mehrheit vor Überfällen von außen schützte, während die früheren Staaten in solchen Fällen die Reichtümer und Privile­gien der ausbeutenden Minderheit schützten. Es gab auch eine drit­te Funktion, und zwar die wirtschaftlich-organisatorische und kul­turell-erzieherische Arbeit der Organe unseres Staates, die die Entwicklung der Keime der neuen, der sozialistischen Wirtschaft und die Umerziehung der Menschen im Geiste des Sozialismus bezweckte. Doch erfuhr diese neue Funktion in dieser Periode kei­ne erhebliche Entwicklung.

Die zweite Phase ist die Periode von der Liquidierung der kapita­listischen Elemente in Stadt und Land bis zum vollen Siege des sozialistischen Wirtschaftssystems und der Annahme der neuen Verfassung. Die Hauptaufgabe dieser Periode war die Organisie­rung der sozialistischen Wirtschaft im ganzen Lande und die Li­quidierung der letzten Überreste der kapitalistischen Elemente, die Organisierung der Kulturrevolution, die Organisierung einer völlig modernen Armee für die Verteidigung des Landes. Dementspre­chend veränderten sich auch die Funktionen unseres sozialistischen Staates. Die Funktion der militärischen Unterdrückung innerhalb des Landes kam in Wegfall - starb ab -, denn die Ausbeutung ist vernichtet, Ausbeuter gibt es keine mehr und daher auch nie­manden, der zu unterdrücken wäre. Anstelle der Funktion der Un­terdrückung erhielt der Staat die Funktion, das sozialistische Ei­gentum vor Dieben und Plünderern des Volksguts zu schützen. Die Funktion des militärischen Schutzes des Landes vor Überfällen von außen blieb völlig erhalten, es blieben folglich auch die Rote Armee, die Kriegsmarine, ebenso wie die Straforgane und der Ab­wehrdienst, die notwendig sind zur Aufdeckung und Bestrafung von Spionen, Mördern und Schädlingen, die von den ausländi­schen Spionagediensten in unser Land geschickt werden- Die Funktion der wirtschaftlich-organisatorischen und kulturell-er­zieherischen Arbeit der Staatsorgane blieb erhalten und kam vollauf zur Entfaltung. Jetzt besteht die Hauptaufgabe unseres Staates im Innern des Landes in der friedlichen wirtschaftlich­organisatorischen und kulturell-erzieherischen Arbeit. Was unsere Armee, die Straforgane und den Abwehrdienst anbelangt, so ist nun ihre Spitze nicht nach dem Innern de: Landes gerichtet, son­dern nach außen, gegen die äußeren Feinde

Wie ihr seht, haben wir jetzt einen völlig neuen, sozialistischen Staat, wie ihn die Geschichte noch nicht gekannt hat, der sich in seiner Form und in seinen Funktionen von sozialistischen Staat der ersten Phase bedeutend unterscheidet.

Doch kann die Entwicklung dabei nicht stehenbleiben. Wir schreiten weiter, vorwärts, zum Kommunismus. Wird bei uns der Staat auch in der Periode des Kommunismus erhalten bleiben?

Ja, er wird erhalten bleiben, wenn die kapitalistische Umkreisung nicht beseitigt, wenn die Gefahr kriegerischer Überfälle von außen nicht überwunden wird; dabei ist es klar, daß sich die Formen un­seres Staates neuerlich verändern werden, entsprechend den Ver­änderungen der inneren und äußeren Situation.

Nein, er wird nicht erhalten bleiben, sondern absterben, wenn die kapitalistische Umkreisung beseitigt, wenn sie durch eine soziali­stische Umwelt abgelöst wird.

So steht es um die Frage des sozialistischen Staates."

(Stalin, „Rechenschaftsbericht an den XVIII. Parteitag über die Arbeit des ZK der KPdSU(B)", 1939, Werke Band 14, S. 222-229 [siehe Anmerkung 15]

b) Keine Nationen

„Das Ziel des Sozialismus ist nicht nur Aufhebung der Kleinstaa­terei und jeder Absonderung von Nationen, nicht nur Annäherung der Nationen, sondern auch ihre Verschmelzung. (...) Wie die Menschheit zur Abschaffung der Klassen nur durch die Über­gangsperiode der Diktatur der unterdrückten Klasse kommen kann, so kann sie zur unvermeidlichen Verschmelzung der Nationen nur

durch die Übergangsperiode der völligen Befreiung, das heißt Ab­trennungsfreiheit aller unterdrückten Nationen kommen."

(Lenin, „Die sozialistische Revolution und das Selbstbestimmungsrecht der Na­tionen", 1916, Werke Band 22, S. 148) [siehe Anmerkung 16]

„Diejenigen, die zum großrassischen Chauvinismus abweichen, sind schwer im Irrtum, wenn sie glauben, die Periode des soziali­stischen Aufbaus in der UdSSR sei eine Periode des Zerfalls und der Liquidierung der nationalen Kulturen. Die Sache verhält sich gerade umgekehrt. In Wirklichkeit ist die Periode der Diktatur des Proletariats und des sozialistischen Aufbaus in der UdSSR eine Periode des Aufblühens der nationalen Kulturen, die, ihrem Inhalt nach sozialistisch und ihrer Form nach national sind, denn die Na­tionen selbst sind in der Sowjetordnung ja keine gewöhnlichen ,modernen' Nationen, sondern sozialistische Nationen, ebenso wie ihre nationalen Kulturen dem Inhalt nach keine gewöhnlichen, bür­gerlichen Kulturen, sondern sozialistische Kulturen sind.

Sie begreifen offenbar nicht, daß sich die Entwicklung der natio­nalen Kulturen mit Einführung und Verankerung der allgemeinen Grundschulpflicht in der Muttersprache mit neuer Kraft entfalten muß. Sie begreifen nicht, daß man die rückständigen Nationalitä­ten nur unter der Bedingung in den sozialistischen Aufbau wirklich wird einbeziehen können, daß sich die nationalen Kulturen entwickeln.

Sie begreifen nicht, daß die Leninsche Politik der Förderung und Unterstützung der Völker der UdSSR bei der Entwicklung ihrer nationalen Kulturen gerade dies zur Grundlage hat.

Es mag sonderbar erscheinen, daß wir, die Anhänger der künfti­gen Verschmelzung der nationalen Kulturen zu einer (nach Form wie nach Inhalt) gemeinsamen Kultur, mit einer gemeinsamen Sprache, gleichzeitig Anhänger des Aufblühens der nationalen Kul­turen im gegenwärtigen Augenblick, in der Periode der Diktatur des Proletariats, sind. Aber daran ist nichts Sonderbares. Man muß den nationalen Kulturen die Möglichkeit geben, sich zu entwickeln und zu entfalten, alle ihre Potenzen zutage zu fördern, um die Vor­aussetzungen zu schaffen für ihre Verschmelzung zu. einer ge­meinsamen Kultur mit einer gemeinsamen Sprache in der Periode, da der Sozialismus in der ganzen Welt gesiegt haben wird. Das Aufblühen der ihrer Form nach nationalen und ihrem Inhalt nach sozialistischen Kulturen unter den Bedingungen der Diktatur des Proletariats in einem Lande zum Zwecke ihrer Verschmelzung zu einer (nach Form wie nach Inhalt) gemeinsamen sozialistischen Kultur mit gemeinsamer Sprache, wenn das Proletariat in der gan­zen Welt gesiegt und der Sozialismus sich im Leben eingebürgert haben wird - darin besteht gerade das dialektische Wesen des Le­ninschen Herantretens an die Fragen der nationalen Kultur."

(Stalin, „Politischer Rechenschaftsberichts des ZK an den XVI. Parteitag der KPdSU(B)", 1930, Werke Band 12, S. 322/323) [siehe Anmerkung 17]

„Genosse Cholopow beruft sich auf das Werk Stalins Ober den Marxismus in der Sprachwissenschaft', wo die Schlussfolgerung gezogen wird, daß infolge der Kreuzung von, sagen wir, zwei Sprachen, die eine der Sprachen gewöhnlich als Sieger hervorgeht, während die andere abstirbt, daß folglich die Kreuzung nicht ir­gendeine neue, dritte Sprache ergibt, sondern eine der Sprachen bestehen läßt. Ferner beruft er sich auf eine andere Schlußfolge­rung, die dem Referat Stalins auf dem XVI. Parteitag der KPdSU(B) entnommen ist, wo es heißt, daß in der Periode des Sieges des Sozialismus im Weltmaßstabe, wenn der Sozialismus erstarkt und in das Alltagsleben eingeht, die Nationalsprachen un­vermeidlich zu einer einzigen gemeinsamen Sprache verschmelzen müssen, die natürlich weder die großrussische noch die deutsche Sprache, sondern irgend etwas Neues sein wird. Genosse Cholo­pow, der diese beiden Formeln vergleicht und sieht, daß sie nicht nur nicht miteinander übereinstimmen, sondern einander aus­schließen, gerät in Verzweiflung. Aus Ihrem Artikel', schreibt er in dem Brief, habe ich entnommen, daß sich aus der Kreuzung von Sprachen niemals irgendeine neue Sprache ergeben kann, aber vor dem Artikel war ich auf Grund Ihrer Rede auf dem XVI. Par­teitag der KPdSU(B) fest davon überzeugt, daß im Kommunismus die Sprachen zu einer gemeinsamen Sprache verschmelzen wer­den.'

Es ist augenscheinlich, daß Genosse Cholopow, der einen Wider­spruch zwischen diesen beiden Formeln entdeckt hat und zutiefst davon überzeugt ist, daß der Widerspruch beseitigt werden muß, es für notwendig hält, sich einer dieser Formeln als falsch zu entledi­gen und sich an die andere Formel als die für alle Zeiten und Län­der richtige zu klammern; aber an welche Formel er sich eigentlich klammern soll, weiß er nicht. Es ergibt sich so etwas wie eine ausweglose Lage. Genosse Cholopow kommt gar nicht auf den Gedanken, daß beide Formeln richtig sein können, jede für ihre Zeit.

So ergeht es Buchstabengelehrten und Talmudisten immer, die stets in eine ausweglose Lage geraten, weil sie in das Wesen der Sache nicht eindringen und formal zitieren, ohne Beziehung zu den historischen Bedingungen, von denen die Zitate handeln.

Wenn man sich indessen über das Wesen der Frage klar wird, be­steht kein Grund für eine ausweglose Lage. Die Sache ist die, daß die Broschüre Stalins Über den Marxismus in der Sprachwissen­schaft' und die Rede Stalins auf dem XVI. Parteitag auf zwei ganz verschiedene Epochen Bezug nehmen, daß sich infolgedessen auch verschiedene Formeln ergeben.

Stalins Formel bezieht sich in dem Teil der Broschüre, der die Kreuzung von Sprachen betrifft, auf die Epoche vor dem Siege des Sozialismus im Weltmaßstab, wenn die Ausbeuterklassen die herr­schende Kraft in der Welt sind, wenn die nationale und koloniale Unterdrückung bestehen bleibt, wenn die nationale Absonderung und das gegenseitige Mißtrauen der Nationen durch die staatlichen Unterschiede besiegelt sind, wenn es noch keine nationale Gleich­berechtigung gibt, wenn sich die Kreuzung von Sprachen auf dem Wege des Kampfes um die Herrschaft einer der Sprachen voll­zieht, wenn noch keine Bedingungen für die friedliche und freund­schaftliche Zusammenarbeit der Nationen und Sprachen vorhanden sind, wenn nicht die Zusammenarbeit und gegenseitige Bereiche­rung der Sprachen, sondern die Assimilierung der einen und der Sieg der anderen Sprachen auf der Tagesordnung stehen. Es ist verständlich, daß es unter solchen Bedingungen nur siegreiche und besiegte Sprachen geben kann. Gerade auf diese Bedingungen be­zieht sich die Formel Stalins, wenn sie besagt, daß die Kreuzung, sagen wir, von zwei Sprachen nicht die Bildung einer neuen Spra­che, sondern den Sieg der einen und die Niederlage der anderen Sprache zur Folge hat.

Was nun die andere Formel Stalins betrifft, die der Rede auf dem XVI. Parteitag entnommen ist, dem Teil, der die Verschmelzung der Sprachen zu einer gemeinsamen Sprache betrifft, so ist hier eine andere Epoche gemeint, nämlich die Epoche nach dem Siege des Sozialismus im Weltmaßstab, wenn es einen Weltimperialis­mus schon nicht mehr gibt, die Ausbeuterklassen gestürzt sind, die nationale und koloniale Unterdrückung beseitigt ist, die nationale Absonderung und das gegenseitige Mißtrauen der Nationen durch gegenseitiges Vertrauen und durch die Annäherung der Nationen ersetzt sind, die nationale Gleichberechtigung verwirklicht, die Po litik der Unterdrückung und Assimilierung von Sprachen liqui­diert, die Zusammenarbeit der Nationen hergestellt ist und die Na­tionalsprachen die Möglichkeit haben, auf dem Wege der Zusam­menarbeit einander frei zu bereichern. Es ist verständlich, daß un­ter diesen Bedingungen keine Rede sein kann von der Unterdrückung und Niederlage der einen und dem Siege der anderen Spra­che. Hier werden wir es nicht mit zwei Sprachen zu tun haben, von denen die eine eine Niederlage erleidet, die andere aber als Sieger aus dem Kampfe hervorgeht, sondern mit Hunderten von National­sprachen, aus denen sich im Ergebnis einer langen wirtschaftli­chen, politischen und kulturellen Zusammenarbeit der Nationen zunächst die am meisten bereicherten einheitlichen zonalen Spra­chen herausheben und dann die zonalen Sprachen zu einer gemein­samen internationalen Sprache verschmelzen werden, die natürlich weder die deutsche noch die russische, noch die englische, sondern eine neue Sprache sein wird, die die besten Elemente der natio­nalen und zonalen Sprachen in sich aufgenommen hat.

Folglich entsprechen die beiden verschiedenen Formeln zwei verschiedenen Entwicklungsepochen der Gesellschaft, und gerade, weil sie ihnen entsprechen, sind beide Formeln richtig, jede für ih­re Epoche.

Zu fordern, daß diese Formeln nicht in Widerspruch zueinander stehen, daß sie einander nicht ausschließen, ist ebenso absurd, wie es absurd wäre, zu fordern, daß die Epoche der Herrschaft des Ka­pitalismus nicht in Widerspruch stehe zu der Epoche der Herr­schaft des Sozialismus, daß Sozialismus und Kapitalismus einan­der nicht ausschließen.

Die Buchstabengelehrten und Talmudisten betrachten den Mar­xismus, die einzelnen Schlußfolgerungen und Formeln des Mar­xismus, als eine Sammlung von Dogmen, die sich trotz der Verän­derungen der Entwicklungsbedingungen der Gesellschaft niemals' verändern. Sie glauben, wenn sie diese Schlußfolgerungen und Formeln auswendig lernen und sie hin und her zitieren, daß sie im­stande seien, beliebige Fragen zu lösen, da sie damit rechnen, daß die auswendig gelernten Schlußfolgerungen und Formeln ihnen für alle Zeiten und Länder, für alle Fälle des Lebens zustatten kommen werden. Aber so können nur solche Leute denken, die den Buch­staben des Marxismus, nicht aber sein Wesen sehen, die den Wort­laut der Schlussfolgerungen und Formeln des Marxismus aus­wendig lernen, ihren Inhalt aber nicht begreifen.

Der Marxismus ist die Wissenschaft von den Entwick­lungsgesetzen der Natur und der Gesellschaft, die Wissenschaft von der Revolution der unterdrückten und ausgebeuteten Massen, die Wissenschaft vom Siege des Sozialismus in allen Ländern, die Wissenschaft vom Aufbau der kommunistischen Gesellschaft. Der Marxismus als Wissenschaft kann nicht auf der Stelle stehenblei­ben - er entwickelt und vervollkommnet sich. In seiner Entwick­lung muß sich der Marxismus selbstverständlich mit neuen Er­fahrungen und neuen Kenntnissen bereichern - folglich müssen sich selbstverständlich seine einzelnen Formeln und Schlußfolge­rungen im Laufe der Zeit verändern, müssen durch neue Formeln und Schlußfolgerungen ersetzt werden, die den neuen historischen Aufgaben entsprechen. Der Marxismus erkennt keine unveränder­lichen Schlußfolgerungen und Formeln an, die für alle Epochen und Perioden obligatorisch wären. Der Marxismus ist ein Feind jeglichen Dogmatismus."

(Stalin, „An Genossen A. Cholopow", 1950, Werke Band 15, S. 249-253) [siehe Anmerkung 18]

c) Beseitigung der bürgerlichen Familie und Befreiung der Frauen

„21. Frage: Welchen Einfluß wird die kommunistische Gesell­schaftsordnung auf, die Familie ausüben?

Antwort: Sie wird das Verhältnis der beiden Geschlechter zu ei­nem reinen Privatverhältnis machen, welches nur die beteiligten Personen angeht und worin sich die Gesellschaft nicht zu mischen hat. Sie kann dies, da sie das Privateigentum beseitigt und die Kin­der gemeinschaftlich erzieht und dadurch die beiden Grundlagen der bisherigen Ehe, die Abhängigkeit des Weibes vom Mann und der Kinder von den Eltern vermittels des Privateigentums, vernich­tet. (Engels, „Grundsätze des Kommunismus", 1847, Werke Band 4, S. 377) [siehe Anmerkung 19]

„Aufhebung der Familie! Selbst die Radikalsten ereifern sich über diese schändliche Absicht der Kommunisten.

Worauf beruht die gegenwärtige, die bürgerliche Familie? Auf dem Kapital, auf dem Privaterwerb. Vollständig entwickelt exi­stiert sie nur für die Bourgeoisie; aber sie findet ihre Ergänzung in der erzwungenen Familienlosigkeit der Proletarier und der öffent­lichen Prostitution.

Die Familie des Bourgeois fällt natürlich weg mit dem Wegfallen dieser ihrer Ergänzung, und beide verschwinden mit dem Ver­schwinden des Kapitals. Werft ihr uns vor, daß wir die Ausbeutung der Kinder durch ihre Eltern aufheben wollen? Wir gestehen dieses Verbrechen ein. Aber, sagt ihr, wir heben die trautesten Verhältnisse auf, indem wir an die Stelle der häuslichen Erziehung die gesellschaftliche setzen. Und ist nicht auch eure Erziehung durch die Gesellschaft be­stimmt. Durch die gesellschaftlichen Verhältnisse, innerhalb derer ihr erzieht, durch die direktere oder indirektere Einmischung der Gesellschaft, vermittelst der Schule usw.? Die Kommunisten er­finden nicht die Einwirkung der Gesellschaft auf die Erziehung; sie verändern nur ihren Charakter, sie entreißen die Erziehung dem Einfluß der herrschenden Klasse. Die bürgerlichen Redensarten über Familie und Erziehung, über das traute Verhältnis von Eltern und Kindern werden um so ekel­hafter, je mehr infolge der großen Industrie alle Familienbande für die Proletarier zerrissen und die Kinder in einfache Handelsartikel und Arbeitsinstrumente verwandelt werden. Aber ihr Kommunisten wollt die Weibergemeinschaft einführen, schreit uns die ganze Bourgeoisie im Chor entgegen. Der Bourgeois sieht in seiner Frau ein bloßes Produktionsinstru­ment. Er hört, daß die Produktionsinstrumente gemeinschaftlich ausgebeutet werden sollen, und kann sich natürlich nichts anderes denken, als daß das Los der Gemeinschaftlichkeit die Weiber gleichfalls treffen wird. Er ahnt nicht, daß es sich eben darum handelt, die Stellung der Weiber als bloße Produktionsinstrumente aufzuheben. Übrigens ist nichts lächerlicher als das hochmoralische Entsetzen unserer Bourgeois über die angebliche offizielle Weibergemein­schaft der Kommunisten. Die Kommunisten brauchen die Weiber­gemeinschaft nicht einzuführen, sie hat fast immer existiert. Unsere Bourgeois, nicht zufrieden damit, daß ihnen die Weiber und Töchter ihrer Proletarier zur Verfügung stehen, von der offizi­ellen Prostitution gar nicht zu sprechen, finden ein Hauptvergnü­gen darin, ihre Ehefrauen wechselseitig zu verführen. Die bürgerliche Ehe ist in Wirklichkeit die Gemeinschaft der Ehefrauen. Man könnte höchstens den Kommunisten vorwerfen, daß sie an Stelle einer heuchlerisch versteckten eine offizielle, of­fenherzige Weibergemeinschaft einführen wollten. Es versteht sich übrigens von selbst, daß mit Aufhebung der jetzigen Produktions­verhältnisse auch die aus ihnen hervorgehende Weibergemein­schaft, d. h. die offizielle und nichtoffizielle Prostitution, ver­schwindet." (Marx/Engels, „Manifest der Kommunistischen Partei", 1848, Werke Band 4, S. 478/479) [siehe Anmerkung 20]

„Was wir also heutzutage vermuten können über die Ordnung der Geschlechtsverhältnisse nach der bevorstehenden Wegfegung der kapitalistischen Produktion ist vorwiegend negativer Art, be­schränkt sich meist auf das, was wegfällt. Was aber wird hinzu­kommen? Das wird sich entscheiden, wenn ein neues Geschlecht herangewachsen sein wird: ein Geschlecht von Männern, die nie in ihrem Leben in den Fall gekommen sind, für Geld oder andre so­ziale Machtmittel die Preisgebung einer Frau zu erkaufen, und von Frauen, die nie in den Fall gekommen sind, weder aus irgendwel­chen andern Rücksichten als wirklicher Liebe sich einem Mann hinzugeben, noch dem Geliebten die Hingabe zu verweigern aus Furcht vor den ökonomischen Folgen. Wenn diese Leute da sind, werden sie sich den Teufel darum scheren, was man heute glaubt, daß sie tun sollen; sie werden sich ihre eigne Praxis und ihre da­nach abgemeßne öffentliche Meinung über die Praxis jedes einzel­nen selbst machen - Punktum."

(Engels, „Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates", 1884, Werke Band 21, S. 83) [siehe Anmerkung 21]

3) Nach den Bedürfnissen der kommunistischen Gesellschaft geplante, wissenschaftlich organisierte und technisch hoch stehende Wirtschaft

„Die gesellschaftlichen Beziehungen der Menschen zu ihren Ar­beiten und ihren Arbeitsprodukten bleiben hier (im Kommunis­mus, A.d.R.) durchsichtig einfach in der Produktion sowohl als in der Distribution." (Marx, „das Kapital", Band I, 1872, Werke Band 23, S. 93) [siehe Anmerkung 22]

„... die Maschinerie an sich betrachtet die Arbeitszeit verkürzt, während sie kapitalistisch angewandt den Arbeitstag verlängert, an sich die Arbeit erleichtert, kapitalistisch angewandt ihre Intensität steigert, an sich ein Sieg des Menschen über die Naturkraft ist, ka­pitalistisch angewandt den Menschen durch die Naturkraft unter­jocht, an sich den Reichtum des Produzenten vermehrt, kapitali­stisch angewandt ihn verpaupert usw."

(Marx, „Das Kapital", 1872, Werke Band 23, S. 465) [siehe Anmerkung 23]

„...daß also die Produktions-, Aneignungs- und Austauschweise in Einklang gesetzt wird mit dem gesellschaftlichen Charakter der Produktionsmittel. Und dies kann nur dadurch geschehen, daß die Gesellschaft offen und ohne Umwege Besitz ergreift von den jeder andern Leitung außer der ihrigen entwachsenen Produktivkräften. Damit wird der gesellschaftliche Charakter der Produktionsmittel und Produkte, der sich heute gegen die Produzenten selbst kehrt, der die Produktions- und Austauschweise periodisch durchbricht und sich nur als blindwirkendes Naturgesetz gewalttätig und zer­störend durchsetzt, von den Produzenten mit vollem Bewußtsein zur Geltung gebracht und verwandelt sich aus einer Ursache der Störung und des periodischen Zusammenbruchs in den mächtigst­en Hebel der Produktion selbst.

Die gesellschaftlich wirksamen Kräfte wirken ganz wie die Na­turkräfte: blindlings, gewaltsam, zerstörend, solange wir sie nicht erkennen und nicht mit ihnen rechnen. Haben wir sie aber einmal erkannt, ihre Tätigkeit, ihre Richtungen, ihre Wirkungen begriffen, so hängt es nur von uns ab, sie mehr und mehr unserm Willen zu unterwerfen und vermittelst ihrer unsre Zwecke zu erreichen. Und ganz besonders gilt dies von den heutigen gewaltigen Produktiv­kräften. Solange wir uns hartnäckig weigern, ihre Natur und ihren Charakter zu verstehn - und gegen dieses Verständnis sträubt sich die kapitalistische Produktionsweise und ihre Verteidiger -, solan­ge wirken diese Kräfte sich aus trotz uns, gegen uns, solange be­herrschen sie uns, wie wir das ausführlich dargestellt haben. Aber einmal in ihrer Natur begriffen, können sie in den Händen der as­soziierten Produzenten aus dämonischen Herrschern in willige Diener verwandelt werden. Es ist der Unterschied zwischen der zerstörenden Gewalt der Elektrizität im Blitze des Gewitters und der gebändigten Elektrizität des Telegraphen und des Lichtbogens; der Unterschied der Feuersbrunst und des im Dienst des Menschen wirkenden Feuers. Mit dieser Behandlung der heutigen Produktiv­kräfte nach ihrer endlich erkannten Natur tritt an die Stelle der ge­sellschaftlichen Produktionsanarchie eine gesellschaftlich­planmäßige Regelung der Produktion nach den Bedürfnissen der Gesamtheit wie jedes einzelnen; damit wird die kapitalistische An­eignungsweise, in der das Produkt zuerst den Produzenten, dann aber auch den Aneigner knechtet, ersetzt durch die in der Natur der modernen Produktionsmittel selbst begründete Aneignungsweise der Produkte: einerseits direkt gesellschaftliche Aneignung als Mittel zur Erhaltung und Erweiterung der Produktion, andrerseits direkt individuelle Aneignung als Lebens- und Genußmittel."

(Engels, „Anti-Dühring", 1878, Werke Band 20, S. 260/261) [siehe Anmerkung 24]

„Sobald die Gesellschaft sich in den Besitz der Produktionsmittel setzt und sie in unmittelbarer Vergesellschaftung zur Produktion verwendet, wird die Arbeit eines jeden, wie verschieden auch ihr spezifisch nützlicher Charakter sei, von vornherein und direkt ge­sellschaftliche Arbeit. Die in einem Produkt steckende Menge ge­sellschaftlicher Arbeit braucht dann nicht erst auf einem Umweg festgestellt zu werden; die tägliche Erfahrung zeigt direkt an, wie­viel davon im Durchschnitt nötig ist. Die Gesellschaft kann einfach berechnen, wieviel Arbeitsstunden in einer Dampfmaschine, einem Hektoliter Weizen der letzten Ernte, in hundert Quadratmeter Tuch von bestimmter Qualität stecken. Es kann ihr also nicht einfallen, die in den Produkten niedergelegten Arbeitsquanta, die sie alsdann direkt und absolut kennt, noch fernerhin in einem nur relativen, schwankenden, unzulänglichen, früher als Notbehelf unvermeidli­chen Maß, in einem dritten Produkt auszudrücken und nicht in ih­rem natürlichen, adäquaten, absoluten Maß, der Zeit. Ebensowenig wie es der Chemie einfallen würde, die Atomgewichte auch dann auf dem Umwege des Wasserstoffatoms relativ auszudrücken, so­bald sie imstande wäre, sie absolut, in ihrem adäquaten Maß aus­zudrücken, nämlich in wirklichem Gewicht, in Billiontel oder Quadrilliontel Gramm. Die Gesellschaft schreibt also unter obigen Voraussetzungen den Produkten auch keine Werte zu. Sie wird die einfache Tatsache, daß die hundert Quadratmeter Tuch meinetwe­gen tausend Arbeitsstunden zu ihrer Produktion erfordert haben, nicht in der schielenden und sinnlosen Weise ausdrücken, sie seien tausend Arbeitsstunden wert. Allerdings wird auch dann die Ge­sellschaft wissen müssen, wieviel Arbeit Jeder Gebrauchsgegen­stand zu seiner Herstellung bedarf. Sie wird den Produktionsplan einzurichten haben nach den Produktionsmitteln, wozu besonders auch die Arbeitskräfte gehören. Die Nutzeffekte der verschiednen Gebrauchsgegenstände, abgewogen untereinander und gegenüber den zu ihrer Herstellung nötigen Arbeitsmengen, werden den Plan schließlich bestimmen. Die Leute machen alles sehr einfach ab oh­ne Dazwischenkunft des vielberühmten, Werts'."

(ebenda, S. 288) [siehe Anmerkung 25]

„Die gesellschaftliche Aneignung der Produktionsmittel beseitigt nicht nur die jetzt bestehende künstliche Hemmung der Produkti­on, sondern auch die positive Vergeudung und Verheerung von Produktivkräften und Produkten, die gegenwärtig die unvermeidli­che Begleiterin der Produktion ist und ihren Höhepunkt in den Kri­sen erreicht. Sie setzt ferner eine Masse von Produktionsmitteln und Produkten für die Gesamtheit frei durch Beseitigung der blöd­sinnigen Luxusverschwendung der jetzt herrschenden Klassen und ihrer politischen Repräsentanten. Die Möglichkeit, vermittelst der gesellschaftlichen Produktion allen Gesellschaftsgliedern eine Exi­stenz zu sichern, die nicht nur materiell vollkommen ausreichend ist und von Tag zu Tag reicher wird, sondern die ihnen auch die vollständige freie Ausbildung und Betätigung ihrer körperlichen und geistigen Anlagen garantiert, diese Möglichkeit ist jetzt zum erstenmal da, aber sie ist da.

Mit der Besitzergreifung der Produktionsmittel durch die Gesell­schaft ist die Warenproduktion beseitigt und damit die Herrschaft des Produkts über die Produzenten. Die Anarchie innerhalb der gesellschaftlichen Produktion wird ersetzt durch planmäßige be­wußte Organisation. Der Kampf ums Einzeldasein hört auf. Damit erst scheidet der Mensch, in gewissem Sinn, endgültig aus dem Tierreich, tritt aus tierischen Daseinsbedingungen in wirklich menschliche. Der Umkreis der die Menschen umgebenden Le­bensbedingungen, der die Menschen bis jetzt beherrschte, tritt jetzt unter die Herrschaft und Kontrolle der Menschen, die nun zum er­sten Male bewußte, wirkliche Herren der Natur, weil und indem sie Herren ihrer eignen Vergesellschaftung werden. Die Gesetze ihres eignen gesellschaftlichen Tuns, die ihnen bisher als fremde, sie beherrschende Naturgesetze gegenüberstanden, werden dann von den Menschen mit voller Sachkenntnis angewandt und damit beherrscht. Die eigne Vergesellschaftung der Menschen, die ihnen bisher als von Natur und Geschichte oktroyiert gegenüberstand, wird jetzt ihre eigne freie Tat. Die objektiven, fremden Mächte, die bisher die Geschichte beherrschten, treten unter die Kontrolle der Menschen selbst. Erst von da an werden die Menschen ihre Ge­schichte mit vollem Bewußtsein selbst machen, erst von da an werden die von ihnen in Bewegung gesetzten gesellschaftlichen

Ursachen vorwiegend und in stets steigendem Maße auch die von ihnen gewollten Wirkungen haben. Es ist der Sprung der Mensch­heit aus dem Reiche der Notwendigkeit in das Reich der Freiheit.

Diese weltbefreiende Tat durchzuführen, ist der geschichtliche Beruf des modernen Proletariats. Ihre geschichtlichen Bedingun­gen und damit ihre Natur selbst zu ergründen, und so der zur Akti­on berufenen, heute unterdrückten Klasse die Bedingungen und die Natur ihrer eignen Aktion zum Bewußtsein zu bringen, ist die Aufgabe des theoretischen Ausdrucks der proletarischen Bewe­gung, des wissenschaftlichen Sozialismus."

(ebenda, S. 263-265) [siehe Anmerkung 26]

„In der zweiten Phase der kommunistischen Gesellschaft wird die Menge der für die Herstellung der Produkte aufgewandten Ar­beit nicht auf einem Umwege gemessen werden, nicht vermittels des Wertes und seiner Formen, wie es in der Warenproduktion der Fall ist, sondern direkt und unmittelbar - durch die zur Herstellung der Produkte verausgabte Menge der Zeit, Menge der Stunden. Was die Verteilung der Arbeit anbelangt, so wird die Verteilung der Arbeit zwischen den Produktionszweigen nicht durch das Wertgesetz reguliert werden, das zu dieser Zeit seine Kraft verlie­ren wird, sondern durch das Wachstum des Bedarfs der Gesell­schaft an Produkten. Das wird eine Gesellschaft sein, in der die Produktion durch die Bedürfnisse der Gesellschaft reguliert wer­den und die Erfassung der Bedürfnisse der Gesellschaft für die Planungsorgane erstrangige Bedeutung erlangen wird."

(Stalin, „Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR", 1952, Werke Band 15, S. 274) [siehe Anmerkung 27]

4) Kein Gegensatz zwischen Stadt und Land, zwischen Industrie und Landwirtschaft sowie zwischen Hand- ­und Kopfarbeit

„Nur eine Gesellschaft, die ihre Produktivkräfte nach einem ein­zigen großen Plan harmonisch ineinander greifen läßt, kann der Industrie erlauben, sich in derjenigen Zerstreuung über das ganze Land anzusiedeln, die ihrer eignen Entwicklung und der Erhaltung resp. Entwicklung der übrigen Elemente der Produktion am ange­messensten ist.

Die Aufhebung des Gegensatzes von Stadt und Land ist hiernach nicht nur möglich. Sie ist eine direkte Notwendigkeit der industriellen Produktion selbst geworden, wie sie ebenfalls eine Not­wendigkeit der Agrikulturproduktion und obendrein der öffentli­chen Gesundheitspflege geworden ist. Nur durch Verschmelzung von Stadt und Land kann die heutige Luft-, Wasser- und Boden­vergiftung beseitigt, nur durch sie die jetzt in den Städten hinsie­chenden Massen dahin gebracht werden, daß ihr Dünger zur Er­zeugung von Pflanzen verwandt wird, statt zur Erzeugung von Krankheiten. (...)

Die Aufhebung der Scheidung von Stadt und Land ist also keine Utopie, auch nach der Seite hin, nach der sie die möglichst gleich­mäßige Verteilung der großen Industrie über das ganze Land zur Bedingung hat. Die Zivilisation hat uns freilich in den großen Städten eine Erbschaft hinterlassen, die zu beseitigen viel Zeit und Mühe kosten wird. Aber sie müssen und werden beseitigt werden, mag es auch ein langwieriger Prozeß sein."

(Engels, „Anti-Dühring", 1878, Werke Band 20, S. 276/277) [siehe Anmerkung 28]

„Das Problem der Aufhebung des Gegensatzes zwischen Stadt und Land, zwischen Industrie und Landwirtschaft ist ein bekanntes Problem, das bereits vor langem von Marx und Engels behandelt wurde. Die ökonomische Grundlage dieses Gegensatzes bilden die Ausbeutung des Dorfes durch die Stadt, die Expropriation der Bauernschaft und die Ruinierung der Mehrheit der ländlichen Be­völkerung durch den ganzen Verlauf der Entwicklung der Indu­strie, des Handels, des Kreditsystems im Kapitalismus. Darum muß der Gegensatz zwischen Stadt und Land im Kapitalismus als Interessengegensatz betrachtet werden. Auf diesem Boden entstand das feindliche Verhalten des Dorfes zur Stadt und überhaupt zu den Städtern'.

Zweifellos mußte mit der Beseitigung des Kapitalismus und des Systems der Ausbeutung, mit der Festigung der sozialistischen Ordnung in unserem Lande auch der Interessengegensatz zwischen Stadt und Land, zwischen Industrie und Landwirtschaft ver­schwinden. So geschah es auch. Die gewaltige Hilfe, die unserer Bauernschaft von der sozialistischen Stadt, von unserer Arbeiter­klasse bei der Liquidierung der Gutsbesitzer und des Kulakentums erwiesen wurde, festigte den Boden für das Bündnis der Arbeiter­klasse mit der Bauernschaft, und die systematische Versorgung der Bauernschaft und ihrer Kollektivwirtschaften mit erstklassigen Traktoren und anderen Maschinen verwandelte das Bündnis der Arbeiterklasse mit der Bauernschaft in Freundschaft zwischen ih­nen. Natürlich stellen die Arbeiter und die Kollektivbauernschaft dennoch zwei Klassen dar, die sich ihrer Lage nach voneinander unterscheiden. Aber dieser Unterschied schwächt in keiner Weise ihre Freundschaft. Im Gegenteil, ihre Interessen liegen auf der gleichen gemeinsamen Linie, auf der Linie der Festigung der so­zialistischen Ordnung und des Sieges des Kommunismus. Es ist daher nicht verwunderlich, daß von dem früheren Mißtrauen, schon gar nicht zu reden von dem Haß des Dorfes gegen die Stadt, auch nicht eine Spur übriggeblieben ist.

All dies bedeutet, daß dem Gegensatz zwischen Stadt und Land, zwischen Industrie und Landwirtschaft durch unsere gegenwärtige sozialistische Ordnung bereits der Boden entzogen ist.

Das bedeutet natürlich nicht, daß die Aufhebung des Gegensatzes zwischen Stadt und Land zum Untergang der großen Städte' füh­ren muß (siehe den ,Anti-Dühring' von Engels, Werke Band 20, [vgl. S.277, A.d.R.]). Die großen Städte werden nicht nur nicht un­tergehen, sondern es werden noch neue große Städte entstehen als Zentren des größten Wachstums der Kultur, als Zentren nicht nur der Großindustrie, sondern auch der Verarbeitung der landwirt­schaftlichen Produkte und der mächtigen Entwicklung aller Zwei­ge der Nahrungsmittelindustrie. Dieser Umstand wird das kulturel­le Aufblühen des Landes erleichtern und zur Angleichung der Le­bensbedingungen in der Stadt und auf dem Lande führen."

(Stalin, „Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR", 1952, Werke Band 15, S. 316/317) [siehe Anmerkung 29]

5) Die Produkte werden nach dem Prinzip „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!" verteilt, die Arbeit wird zum ersten Lebensbedürfnis

„Sowie nämlich die Arbeit verteilt zu werden anfängt, hat Jeder einen bestimmten ausschließlichen Kreis der Tätigkeit, der ihm aufgedrängt wird, aus dem er nicht heraus kann; er ist Jäger, Fi­scher oder Hirt oder kritischer Kritiker und muß es bleiben, wenn er nicht die Mittel zum Leben verlieren will - während in der kommunistischen Gesellschaft, wo Jeder nicht einen ausschließli­chen Kreis der Tätigkeit hat, sondern sich in jedem beliebigen Zweige ausbilden kann, die Gesellschaft die allgemeine Produkti­on regelt und mir eben dadurch möglich macht, heute dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, nach dem Essen zu kritisieren, wie ich gera­de Lust habe, ohne je Jäger, Fischer, Hirt oder Kritiker zu werden." (Marx/Engels, „Die Deutsche Ideologie", 1846, Werke Band 3, S. 33) [siehe Anmerkung 30]

„Nun aber besteht eines der wesentlichsten Prinzipien des Kom­munismus, wodurch er sich von jedem reaktionären Sozialismus unterscheidet, in der auf die Natur des Menschen begründeten em­pirischen Ansicht, daß die Unterschiede des Kopfes und der intel­lektuellen Fähigkeiten überhaupt keine Unterschiede des Magens und der physischen Bedürfnisse bedingen; daß mithin der falsche, auf unsre bestehenden Verhältnisse begründete Satz Jedem nach seinen Fähigkeiten' sofern er sich auf den Genuß im engeren Sinne bezieht, umgewandelt werden muß in den Satz: Jedem nach Be­dürfnis; daß, mit anderen Worten, die Verschiedenheit in der Tä­tigkeit, in den Arbeiten, keine Ungleichheit, kein Vorrecht des Be­sitzes und Genusses begründet."

(Marx/Engels, „Die Deutsche Ideologie", 1846, Werke Band 3, S. 528) [siehe Anmerkung 31]

„Der gemeinsame Betrieb der Produktion kann nicht durch Men­schen geschehen wie die heutigen, deren jeder einem einzigen Produktionszweig untergeordnet, an ihn gekettet, von ihm ausge­beutet ist, deren jeder nur eine seiner Anlagen auf Kosten aller an­dern entwickelt hat, nur einen Zweig oder nur den Zweig eines Zweiges der Gesamtproduktion kennt. Schon die jetzige Industrie kann solche Menschen immer weniger gebrauchen. Die gemein­sam und planmäßig von der ganzen Gesellschaft betriebene Indu­strie setzt vollends Menschen voraus, deren Anlagen nach allen Seiten hin entwickelt sind, die imstande sind, das gesamte System der Produktion zu überschauen. Die durch die Maschinen schon jetzt untergrabene Teilung der Arbeit, die den einen zum Bauern, den andern zum Schuster, den dritten zum Fabrikarbeiter, den vier­ten zum Börsenspekulanten macht, wird also gänzlich ver­schwinden. Die Erziehung wird die jungen Leute das ganze Sy­stem der Produktion rasch durchmachen lassen können, sie wird sie in Stand setzen, der Reihe nach von einem zum andern Produk­tionszweig überzugehen, je nachdem die Bedürfnisse der Gesell­schaft oder ihre eignen Neigungen sie dazu veranlassen. Sie wird ihnen also den einseitigen Charakter nehmen, den die jetzige Tei­lung der Arbeit jedem einzelnen aufdrückt. Auf diese Weise wir die kommunistisch organisierte Gesellschaft ihren Mitgliedern Ge­legenheit geben, ihre allseitig entwickelten Anlagen allseitig zu betätigen. Damit verschwinden notwendig auch die verschiedenen Klassen. So daß die kommunistisch organisierte Gesellschaft ei­nerseits mit dem Bestand der Klassen unverträglich ist und andrer­seits die Herstellung dieser Gesellschaft selbst die Mittel bietet, diese Klassenunterschiede aufzuheben."

(Engels, „Grundsätze des Kommunismus", 1847, Werke Band 4, S. 376) [siehe Anmerkung 32]

„Der dem Herrn Dühring überkommenen Denkweise der gelehr­ten Klassen muß es allerdings als eine Ungeheuerlichkeit erschei­nen, daß es einmal keine Karrenschieber und keine Architekten von Profession mehr geben soll und daß der Mann, der eine halbe Stunde lang als Architekt Anweisungen gegeben hat, auch eine Zeitlang die Karre schiebt, bis seine Tätigkeit als Architekt wieder in Anspruch genommen wird."

(Engels, „Anti-Dühring", 1878, Werke Band 20, S. 186)

„Einen Sozialismus, in dem etwa alle Menschen den gleichen Lohn, die gleiche Portion Fleisch, die gleiche Menge Brot erhalten, die gleichen Kleider tragen, die gleichen Produkte in gleicher Menge erhalten - einen solchen Sozialismus kennt der Marxismus nicht.

Der Marxismus sagt nur das eine: Solange die Klassen nicht end­gültig beseitigt sind, solange die Arbeit nicht aus einem Mittel zum Leben zum ersten Lebensbedürfnis der Menschen, zu einer freiwil­ligen Arbeit für die Gesellschaft geworden ist, werden die Men­schen für ihre Arbeit entsprechend ihren Leistungen bezahlt wer­den. Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seiner Leistung' - das ist die marxistische Formel des Sozialismus, das heißt die Formel des ersten Stadiums des Kommunismus, des ersten Stadi­ums der kommunistischen Gesellschaft.

Erst im höheren Stadium des Kommunismus, erst in der höheren Phase des Kommunismus wird jeder seinen Fähigkeiten entspre­chend arbeiten und für seine Arbeit entsprechend seinen Bedürf­nissen erhalten. Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen.'

Es ist ganz klar, daß verschiedene Menschen auch im Sozialis­mus verschiedene Bedürfnisse haben und haben werden. Der So­zialismus hat nie die Verschiedenheit in bezug auf den Ge­schmack, auf die Quantität und Qualität der Bedürfnisse geleugnet. Lesen Sie, wie Marx Stirner wegen seiner Tendenzen zur Gleichmacherei kritisierte, lesen Sie die Marxsche Kritik des Gothaer Programms von 1875, lesen Sie die späteren Werke von Marx, En­gels, Lenin, und Sie werden sehen, mit welcher Schärfe sie gegen die Gleichmacherei auftreten. Die Quelle der Gleichmacherei ist die individuelle bäuerliche Denkweise, die Auffassung, daß alle Güter gleichmäßig verteilt werden müßten, die Mentalität des pri­mitiven ‚Bauernkommunismus'. Gleichmacherei hat nichts gemein mit dem marxistischen Sozialismus. Nur Menschen, die den Mar­xismus nicht kennen, können so primitive Vorstellungen haben, als wollten die russischen Bolschewiki alle Güter auf einen Haufen werfen und sie dann gleichmäßig verteilen. Solche Vorstellungen haben nur Menschen, die nichts mit dem Marxismus gemein ha­ben. So hatten sich Menschen wie die primitiven Kommunisten' aus der Zeit Cromwells und der französischen Revolution den Kommunismus vorgestellt. Aber derMarxismus und die russi­schen Bolschewiki haben mit derartigen, auf Gleichmacherei aus­gehenden ,Kommunisten' nichts gemein."

(Stalin, „Unterredung mit dem deutschen Schriftsteller Emil Ludwig", Werke Band 13, 1932, S. 104/105) [siehe Anmerkung 33]

6) Die Persönlichkeit, befreit von der Sorge um das Stück Brot und der Notwendigkeit, sich an die „Großen der Welt" anzubiedern, wird wirklich frei werden

„Innerhalb der kommunistischen Gesellschaft, der einzigen, wor­in die originelle und freie Entwicklung der Individuen keine Phrase ist, ist sie bedingt eben durch den Zusammenhang der Individuen, ein Zusammenhang, der teils in den ökonomischen Voraussetzun­gen besteht, teils in der notwendigen Solidarität der freien Ent­wicklung Aller, und endlich in der universellen Betätigungsweise der Individuen auf der Basis der vorhandenen Produktivkräfte." (Marx/Engels, „Die Deutsche Ideologie", 1846, Werke Band 3, S.424/425) [sie­he Anmerkung 34]

„An die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Klas­sen und Klassengegensätzen tritt eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist."

(Marx/Engels, „Manifest der Kommunistischen Partei", 1848, Werke Band 4, S. 482) [siehe Anmerkung 35]

„Das Reich der Freiheit beginnt in der Tat erst da, wo das Arbei­ten, das durch Not und äußre Zweckmäßigkeit bestimmt ist, auf­hört; es liegt also der Natur der Sache nach jenseits der Sphäre der eigentlichen materiellen Produktion. Wie der Wilde mit der Natur ringen muß, um seine Bedürfnisse zu befriedigen, um sein Leben zu erhalten und zu reproduzieren, so muß es der Zivilisierte, und er muß es in allen Gesellschaftsformen und unter allen möglichen Produktionsweisen. Mit seiner Entwicklung erweitert sich dies Reich der Naturnotwendigkeit, weil die Bedürfnisse; aber zugleich erweitern sich die Produktivkräfte, die diese befriedigen. Die Frei­heit in diesem Gebiet kann nur darin bestehen, daß der vergesell­schaftete Mensch, die assoziierten Produzenten, diesen ihren Stoffwechsel mit der Natur rationell regeln, unter ihre gemein­schaftliche Kontrolle bringen, statt von ihm als von einer blinden Macht beherrscht zu werden; ihn mit dem geringsten Kraftaufwand und unter den ihrer menschlichen Natur würdigsten und adäquat­esten Bedingungen vollziehn.

Aber es bleibt dies immer ein Reich der Notwendigkeit. Jenseits desselben beginnt die menschliche Kraftentwicklung, die sich als Selbstzweck gilt, das wahre Reich der Freiheit, das aber nur auf jenem Reich der Notwendigkeit als seiner Basis aufblühn kann. Die Verkürzung des Arbeitstags ist die Grundbedingung."

(Marx, „Das Kapital", Band III, 1894, Werke Band 25, S. 828) [siehe Anmer­kung 36]

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Anmerkungen

1 Lenins Schrift „Staat und Revolution" wurde 1917 verfasst und nach der bürgerlichen Februarrevolution in Russland am Vorabend der Oktober­revolution veröffentlicht, während der Erste Weltkrieg noch andauerte. In­ternational gesehen reifte die proletarische Revolution heran, so dass die theoretische Frage nach dem Verhältnis der proletarischen Revolution ge­genüber dem Staat unmittelbare, praktische Bedeutung erlangt hatte. In die­ser Situation machte es sich Lenin vor allem zur Aufgabe, die durch die Opportunisten der II. Internationale entstellte Lehre von Marx und Engels über den Staat wiederherzustellen. Gleichzeitig entwickelte er in diesem Werk den wissenschaftlichen Kommunismus in den Fragen des Staates im Allgemeinen und der Diktatur des Proletariats im Besonderen weiter. In den zitierten Passagen erläutert Lenin grundlegend, wie der Prozess des Absterbens des Staates im Sozialismus und Kommunismus ablaufen wird und welche Voraussetzungen dafür nötig sind. [Siehe Zitat 33f.]

2 In Lenins Rede „Die Aufgaben der Jugendverbände" auf dem III. Gesamtrussischen Kongreß der kommunistischen Jugendverbände am 2.Oktober 1920, die unmittelbar danach in der „Prawda" veröffentlicht wurde, werden vor allem die grundlegenden Aufgaben des Kommunisti­schen Jugendverbands unter der Diktatur des Proletariats behandelt. In die­sem Zusammenhang erklärt Lenin, dass die dringendste Aufgabe der kom­munistischen Jugendverbände darin besteht, zu lernen und insbesondere den wissenschaftlichen Kommunismus zu studieren. Dabei erläutert er, dass Marx den wissenschaftlichen Kommunismus nur schaffen konnte, weil er das gesamte menschliche Wissen kritisch verarbeitet, dieses Wissen an­hand der Erfahrungen der Arbeiterbewegung überprüft und auf dieser Basis dann seine revolutionären Schlussfolgerungen und Prinzipien aufgestellt hat. Nur wenn diese Vorgehensweise bewusst ist, wird klar, dass man den wissenschaftlichen Kommunismus auch wie eine Wissenschaft studieren muss. [Siehe Zitat S. 43]

3 Stalins „Unterredung mit der ersten amerikanischen Arbeiterdelega­tion" von 1927 ist ein Interview mit einer Arbeiterdelegation aus den USA, die die sozialistische Sowjetunion besuchte. Diese Delegation stellte die verschiedensten Fragen und Stalin antwortete sehr knapp darauf. Das In­terview wurde im September 1927 in der „Prawda" veröffentlicht. Auf eine der Fragen antwortete Stalin mit einer kurzen Charakteristik der kommuni­stischen Gesellschaft. Siehe auch: Stalin, „Anarchismus oder Sozialismus", Werke Band 1, S. 291-294. [Siehe Zitat S. 43f.]

4 Die Schrift „Kritik des Gothaer Programms" (1875) von Marx ist ein Musterbeispiel für den unversöhnlichen Kampf gegen den Opportunismus.

Marx zerschlägt darin die opportunistischen Positionen des „Gothaer Pro­gramms" und geht vor allem auch sehr detailliert auf den Unterschied zwi­schen Sozialismus und Kommunismus ein. Marx kritisiert in dem Teil, aus dem das Zitat entnommen ist, die auf Lassalle zurückgehende opportunisti­sche Formulierung vom „gerechten Arbeitsertrag", den im Sozialismus an­gebliche alle Werktätigen erhalten würden. Marx macht zunächst klar, dass die sozialistische Gesellschaft auf allen Gebieten noch behaftet ist mit den Muttermalen der alten kapitalistischen Gesellschaft. Dann erläutert er dies am Beispiel der Verteilung der Produkte im Sozialismus im Unterschied zum Kommunismus, wobei er Prinzipien der Verteilung der Produkte im Sozialismus und Kommunismus ausführlich entwickelt. [Siehe Zitat S. 44f]

5 Stalins Schrift „Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR", die 1952 veröffentlich wurde, richtet sich gegen nach 1945 immer stärker aufkommende revisionistische Positionen in der KPdSU(B) und weltweit, insbesondere auch in der Frage der Unvermeidlichkeit von impe­rialistischen Kriegen, der Unterschätzung der Gefährlichkeit des 1945 zwar geschlagenen, aber nicht zerschlagenen deutschen Imperialismus, sowie zu Fragen des sozialistischen Aufbaus in der UdSSR und zum Unterschied zwischen Sozialismus und Kommunismus. Anlass zur Entstehung der Schrift war eine Debatte über die Erstellung eines Lehrbuchs der politi­schen Ökonomie Ende 1951.

Stalin setzt sich in dem hier zitierten Teil mit der ökonomistischen Positi­on Jaroschenkos auseinander, der behauptet, die „rationelle Organisation der Produktivkräfte" würde ausreichen, um zum Kommunismus übergehen zu können, und kritisiert Jaroschenkos antimarxistische Position, dass es im Sozialismus angeblich keinerlei Widerspruch zwischen den Produktions­verhältnissen und den Produktivkräften der Gesellschaft mehr gebe. Gegen diese revisionistischen Positionen legt Stalin drei Voraussetzungen dar, die wirklich nötig sind, tun den Übergang zum Kommunismus nicht zu dekla­rieren, sondern wirklich vorzubereiten:

Das ununterbrochene Wachstum der gesamten gesellschaftlichen Produk­tion bei vorwiegender Steigerung der Produktion von Produktionsmitteln stetig zu gewährleisten, denn nur so kann die materielle Grundlage geschaf­fen werden, um das Prinzip „Jedem nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen" zu verwirklichen; das noch bestehende kollektivwirtschaftliche Eigentum in der Landwirt­schaft in gesellschaftliches Eigentum zu verwandeln und damit die Waren­zirkulation vollständig zu beseitigen, denn Kommunismus bedeutet ja ge­sellschaftliches Eigentum an den Produktionsmitteln; ein kulturelles Wachstum der Gesellschaft zu erreichen, das allen Mitglie­dern der Gesellschaft eine allseitige Entwicklung ihrer körperlichen und geistigen Fähigkeiten gewährleistet, denn nur allseitig entwickelte Menschen sind in der Lage, den Kommunismus wirklich aufzubauen. [Siehe Zitat S. 4Gf.]

6 In der Schrift „Der Bürgerkrieg in Frankreich", geschrieben und veröffentlich 1871, wertet Marx im Auftrag des Generalrats der I. Interna­tionale die Erfahrungen der Pariser Commune von 1870 aus, des ersten Versuchs der Errichtung der Diktatur des Proletariats. Er verteidigt ihre revolutionären Erfahrungen gegen opportunistische und bürgerliche An­griffe und begründet grundsätzlich vor allem auch die Notwendigkeit der Zerschlagung des bürgerlichen Staatsapparats in der proletarischen Revolu­tion und der Ersetzung des bürgerlichen Staats durch den proletarischen Staat, durch die Diktatur des Proletariats. In dem zitierten Absatz setzt sich Marx mit antikommunistischen Angriffen gegen die Commune auseinander, wie z. B., dass die Commune jegliches Eigentum abschaffen wolle, und macht klar, dass Kommunismus Enteignung der Ausbeuter, Beseitigung des Privateigentums an Produktionsmitteln durch die Vergesellschaftung aller Produktionsmittel bedeutet, die im Kommunismus lediglich Werkzeuge der „freien und assoziierten Arbeiter" sind. [Siehe Zitat S. 50]

7 Das „Manifest der Kommunistischen Partei" ist von Marx und Engels 1847/48 im Auftrag des „Bundes der Kommunisten" als Geburtsdokument des wissenschaftlichen Kommunismus, als das erste Programm der Kommunistischen Partei verfasst und 1848 veröffentlicht worden. Diesem programmatischen Charakter entsprechend sind ü1 dieser Kampf- und Streitschrift wesentliche Grundprinzipien des Kommunismus enthalten.

In dem hier zitierten Teil macht Marx klar: Wenn sämtliche Klassen und alle Klassenunterschiede beseitigt sind, dann wird auch der Staat - der ja der herrschenden Klasse dazu dient, eine andere Klasse zu unterdrücken - überflüssig. Der Weg dorthin führt nur über die proletarische Revolution, darüber, dass das Proletariat die Bourgeoisie stürzt, sich zur herrschenden Klasse erhebt, also die Diktatur des Proletariats errichtet, um gewaltsam die Bourgeoisie niederzuhalten und die kapitalistischen Produktionsverhältnisse zu beseitigen. [Siehe Zitat S. 50/51]

8 Die „Lage der Arbeiterklasse in England" von 1845 ist eine Anklage gegen den Kapitalismus und die Bourgeoisie, eine auch später nicht mehr übertroffene eindrucksvolle und wahrheitsgetreue Schilderung der Notlage der Arbeiterklasse, zugleich ein Beweis der schon damals bei Engels vorhandenen Überzeugung, dass das Proletariat der Totengräber des Kapitalismus ist und die kommunistische Gesellschaft erkämpfen wird. Jedoch enthält diese Frühschrift von Engels auch die im Vorwort zitierte und von den moderenen Revisionisten verfälschte und aus dem Zusammenhang gerissene Passage, auf die Engels im hier zitierten „Anhang zur amerikanischen Ausgabe der Lage der arbeitenden Klasse in England' eingeht. Engels macht klar, dass seine damalige Formulierung, der Kom­munismus sei „eine Sache der Menschheit, nicht bloß de „Arbeiter"..... in abstraktem Sinn richtig aber in der Praxis meist schlimmer als nutzlos " war (siehe dazu auch: Vorbemerkung dieser „Rot Front".) [Siehe Zitat S. 51/52]

9 In seinem Werk „Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats" von 1884 weist Engels vor allem den Zusammenhang nach zwischen der Entstehung der Klassenteilung in Unterdrückende und Unterdrückte, in Ausbeuter und Ausgebeutete, zwischen der Entstehung des Staates als Werkzeug der herrschenden Klasse und der beginnenden Unterdrückung der Frauen. Ex zeigt auf, dass es Gesellschaften gab, die keinen Staat kannten, und dass die kommunistische Gesellschaft keinen Staat mehr kennen wird, weil es keine Klassen mehr geben wird, dass er dann ins „Museum der Altertümer" versetzt wird „neben dar Spinnrad und die bronzene Axt" . [Siehe Zitat S. 52]

10 Der Auszug aus „Staat und Revolution" macht klar, dass auf der Ba­sis hochindustrialisierter und hochtechnologisierter menschlicher Produkti­on eine Vielzahl von Verwaltungsfunktionen des proletarischen Staats weg­fallen und absterben können, da sie sehr vereinfacht worden sind und so im Grunde von allen Werktätigen ausgeführt werden können. Das ist eine wichtige Voraussetzung für die Errichtung der klassenlosen und staatenlo­sen kommunistischen Gesellschaft.[Siehe Zitat S. 52]

11 Lenin erklärt in dem hier zitierten Auszug aus seiner Schrift „Staat und Revolution", den zwingenden Zusammenhang zwischen dem Abster­ben des Staates und dem Absterben der Demokratie, da „Demokratie" ein „die Unterordnung der Minderheit unter die Mehrheit anerkennender Staat" bedeutet. Erst im Kommunismus ist der Staat vor allem auch deshalb abgestorben, weil der kommunistische Mensch, der in der kommunistischen Gesellschaft geboren und herangewachsen ist, sich an das kommunistische gesellschaftli­che Zusammenleben ohne die Notwendigkeit von Gewalt und ohne Unter­ordnung gewöhnt hat. [Siehe Zitat S. 52/53] In derselben Schrift erläutert Lenin weiter: „Beim Übergang vom Kapitalismus zum Kommunismus ist die Unterdrückung noch notwendig, aber es ist das bereits eine Unterdrückung der Minderheit der Ausbeuter durch die Mehrheit der Ausgebeuteten. Ein besonderer Apparat, eine besondere Maschi­ne zur Unterdrückung ein Staat ist noch notwendig, aber es ist dar bereits ein Über­gangsstaat, kein Staat im eigentlichen Sinne mehr, denn die Niederhaltung der Minder­heit der Ausbeuter durch die Mehrheit der Lohnsklaven von gestern ist eine so ver­hältnismäßig leichte, einfache und natürliche Sache, dass sie viel weniger Blut kosten wird als de Unterdrückung von Aufständen der Sklaven, Leibeigenen und Lohnarbeiter, daß sie der Menschheit weit billiger Zu stehen kommen wird. Und sie ist vereinbar mit der Ausdehnung der Demokratie auf eine so überwältigende Mehrheit der Bevölkerung, dass die Notwendigkeit einer besonderen Maschine Zur Unterdrückung Zu schwinden beginnt. Die Ausbeuter sind natürlich nicht imstande, das Volk niederzuhalten ohne eine sehr komplizierte Maschine Zur Erfüllung dieser Aufgabe, dar Volk aber vermag die Ausbeuter mit einer sehr einfachen Maschine, ja nahezu ohne Maschine, ohne einen besonderen Apparat nieder2,zrhalten, durch die einfache Organisation der be­waffneten Massen (in der Art der Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten, sei vorgreifend bemerkt). Schließlich macht allein der Kommunismus den Staat völlig überflüssig, denn es ist niemand niederzuhalten, niemand' im Sinne einer Klasse, im Sinne des systematischen Kampfes gegen einen bestimmten Teil der Bevölkerung. Wir sind keine Utopisten und leugnen durchaus nicht die Möglichkeit und Unve17neidlicbkeit von Ausschreitungen einzelner Personen und ebensowenig die Notwendigkeit, solche Ausschreitungen zu unterdrücken. Aber erstens bedarf es da„u keiner besonderen Maschine, keines besonde­ren Unterdrückungsapparates; das wird das bewaffnete Volk selbst mit der gleichen Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit bewerkstelligen, mit der eine beliebige Gruppe zivilisierter Menschen sogar in der heutigen Gesellschaft Raufende auseinander bringt oder eine Frau vor Gemalt schützt. Zweitens wissen wir, darf die soziale Grundursache der Ausschreitungen, die eine Verletzung der Regeln des <gesellschaftlichen Zusammenle­bens bedeuten, in der Ausbeutung der Massen, ihrer Not und ihrem Elend zu suchen ist. Mit der Beseitigung dieser Hauptursache werden die Ausschreitungen unvermeidlich ,abzusterben' beginnen. Wir wissen nicht, wie rasch und in welcher Folge das geschehen wird, aber wir wissen, dass sie absterben werden. Mit dem Absterben der Ausschreitungen wird auch der Staat absterben. " (Lenin, Staat und Revolution, Werke Band 25, S. 477/478)

12 Lenins Schrift „Die große Initiative" (1919 veröffentlicht) beschreibt die Entstehung kommunistischer Subbotniks unter den Arbeitern und Arbeiterinnen im Hinterland während des Bürgerkriegs gegen die imperialistischen Interventen, die die junge Diktatur des Proletariats vernichten wollten. Kommunistischer Subbotnik bedeutet, dass Arbeiterinnen und Arbeitern unentgeltlich, freiwillig und mit höchstem Einsatz arbeiteten zur Unterstützung des Kampfs der Roten Armee gegen die imperialistischen Interventen. Lenin erklärt in dieser Schrift insbesondere auch, was Klassen sind und was notwendig ist, damit die Aufhebung der Klassen durchgeführt werden kann. Kernpunkt ist dabei, dass es zur Aufhebung der Klassen nicht ausreicht, die Bourgeoisie zu stürzen und zu enteignen, sondern dass es erstens notwendig ist, jedes Privateigentum an den Produktionsmitteln zu beseitigen, zweitens den Gegensatz zwischen Kopf- und Handarbeit sowie drittens den Gegensatz zwischen Stadt und Land aufzuheben. AU dies ist nicht nur unmöglich ohne einen Kampf gegen die Überreste der Kleinproduktion, sondern ist vor allem auch unmöglich ohne Kampf gegen die ungeheure Macht der Gewohnheit und Trägheit, die diesen Überresten anhaftet und von diesen auch unablässig ins Proletariat eindringen. [Siehe Zitat S. 53]

13 In Stalins „Rechenschaftsbericht an den XVI. Parteitag" von 1930 ist ein Kernpunkt, dass zum Absterben des Staates die Diktatur des Proleta­riats immer weiter verstärkt werden muss, was nicht bedeutet, den Staat der Diktatur des Proletariats bürokratisch aufzublähen. Es geht darum, immer weitergehender alle Werktätigen an den Staatsgeschäften zu beteiligen, so dass im Innern wie nach Außen die Konterrevolution maximal bekämpft und zuerst die sozialistische und dann kommunistische Gesellschaft – wo der Staat beseitigt sein wird - überhaupt aufgebaut werden kann. In diesem Sinne spricht Stalin hier von „Verstärkung der Diktatur der Proletariats `: [Siehe Zitat S. 54]

14 Stalin bekämpft in seinem Bericht über die Ergebnisse des ersten Fünfjahrplans auf dem „Vereinigten Plenum des ZK und der ZKK der KPdSU(B)" (1933) vor allem auch die konterrevolutionäre These, dass die klassenlose Gesellschaft ohne Staat, also der Kommunismus, durch Ab­schwächung der Diktatur des Proletariats und des Klassenkampfs geschaf­fen werden könne. Dagegen macht er klar, dass nur durch die Verschärfung des Klassenkampfs und die Verstärkung der Staatsmacht durch immer wei­tergehendere Einbeziehung der werktätigen Massen die Klassen und der Staat beseitigt werden können, den nur auf diesem Weg ist es möglich, die Überreste der ehemaligen Ausbeuterklassen im Innern zu vernichten und die Verteidigung eines sozialistischen Landes gegen die kapitalistische Um­kreisung zu organisieren. Nur auf diesem Weg ist es möglich, vorwärts zu schreiten zum Aufbau einer kommunistischen Gesellschaft ohne Klassen und Staat. [Siehe Zitat S. 54/55]

15 In Stalins „Rechenschaftsbericht an den XVIII. Parteitag" von 1939 ist im Teil über Fragen der Theorie ein Kernpunkt die selbstkritische Analyse der Situation innerhalb der KPdSU(B), insbesondere die theoreti­schen Mängel bei den Kadern der KPdSU(B). In dem hier abgedruckten Auszug bekämpft Stalin die opportunistische Vorstellung, dass in der So­wjetunion der Staat vollständig absterben könne, weil es keine Ausbeuter mehr gäb. Stalin entwickelt dabei den wissenschaftlichen Kommunismus in der Frage des Staates weiter. Insbesondere legt er dar, dass es in einem so­zialistischen Land, das von imperialistischen Ländern umkreist ist, möglich ist, auf ökonomischem Gebiet den Kommunismus aufzubauen, dass der Staat der Diktatur des Proletariats - insbesondere die Armee - aber trotz­dem bestehen bleibt, ja verstärkt werden muss, wobei die Formen des pro­letarischen Staates sich ändern, ja Teile dieses Staates absterben können. [Siehe Zitat S. 55f.]

16 Lenins Thesen „Die sozialistische Revolution und das Selbstbe­stimmungsrecht der Nationen" von 1916 wurden für den Abdruck im „Vorboten", einer Zeitschrift der „Zimmerwalder Linken", verfasst, an der auch die Bolschewiki mitarbeiteten. Die „Zimmerwalder Linke" war ein Zusammenschluss von Organisationen, die gegen den Sozialchauvinismus und gegen die Unterstützung der „eigenen" Bourgeoisie im imperialisti­schen Ersten Weltkrieg durch die europäischen sozialdemokratischen Par­teien kämpften. Die Bolschewiki bekämpften innerhalb der „Zimmerwalder Linken" die Halbheiten der schwankenden und inkonsequenten Kräfte. Diese Thesen waren sehr wichtig im Kampf gegen die sozialchauvinisti­schen „Argumente" der imperialistischen „Vaterlandsverteidigung", weil sie diese „Argumente" ideologisch zerschlugen und gleichzeitig, wie in der zi­tierten Passage, knapp kommunistische Grundpositionen zur nationalen Frage entwickelten. Leiait7 legt in dieser Passage dar, dass der Weg zur Ver­schmelzung der Nationen im Kommunismus nur über die völlige Befreiung unterdrückter bzw. ehemals unterdrückter Nationen führt, was das Recht auf staatliche Lostrennung beinhaltet. [Siehe Zitat S. C2/63]

17 Stalins „Politischer Rechenschaftsbericht des ZK an den XVI. Parteitag der KPdSU(B)" von 1930 benennt nationalistische, ja großrus­sisch-chauvinistische Positionen, die innerhalb der KPdSU(B) auftraten und behaupteten, die nationalen Kulturen in der Sowjetunion würden zerfallen und vernichtet werden. Stalin nahm den Kampf dagegen auf und skizzierte gleichzeitig prinzipiell, wie die nationalen Kulturen und Sprachen sich auf dem Weg zum Kommunismus entwickeln werden.

Das Aufblühen der ihrer Form nach nationalen und ihrem Inhalt nach sozialistischen Kulturen unter den Bedingungen der Diktatur des Proletari­ats in einem Land zum Zweck der Verschmelzung zu einer gemeinsamen (der Form wie dem Inhalt nach) sozialistischen Kultur mit einer gemeinsa­men Sprache, wenn das Proletariat in der ganzen Welt gesiegt und der So­zialismus sich im Leben eingebürgert haben wird - dies ist ein Kernpunkt der nationalen Frage unter der Diktatur des Proletariats, den Stalin hier er­läutert. [Siehe Zitat S. 63/64]

Ähnlich argumentiert Stalin im „Schlußwort zum politischen Rechen­schaftsbericht des ZK an den XVI. Parteitag der KPdSU(B)":

„Die zweite Gruppe von Anfragen betrifft die nationale Frage. In einer dieser Anfragen, die ich für die interessanteste halte, wird ein Vergleich gezogen zwischen der Behandlung der Problems der Nationalsprachen in meinem Bericht an den XVI. Parteitag und der Behandlung der Frage in meinem Vortrag an der Universität der Völker des Ostens im Jahre 1925, und zwar wird behauptet, hier bestehe eine gewisse Unklarheit, die be­hoben werden müsse. Sie haben sich damals', so heißt es in der Anfrage ,gegen die Theo­rie (Kautskys) vom Absterben der Nationalsprachen und von der Schaffung einer einzigen, gemeinsamen Sprache in der Periode der Sozialismus (in einem Lande) ,gewandt, heute aber; in Ihrem Bericht an den XVL Parteitag, erklären Sie, die Kommunisten seien Anhänger der Verschmelzung der nationalen Kulturen und der nationalen Spra­chen Zu einer gemeinsamen Kultur mit einer gemeinsamen Sprache (in der Periode des Sieges des Sozialismus im Weltmaßstab) - besteht hier nicht eine Unklarheit?'

Ich glaube, dass hier weder eine Unklarheit noch irgendein Widerspruch besteht. In meinem Vortrag von 1925 wandle ich mich gegen die national-chauvinistische Theorie Kautskys, nach welcher ein Sieg der proletarischen Revolution Mitte des vorigen Jahrhun­derts in einem vereinigten österreichisch-deutschen Staat zum Aufgehen der Nationen in einer einheitlichen deutschen Nation mit einer deutschen Einheitssprache und zur Germanisierung der Tschechen hätte führen müssen. Ich lehnte diese Theorie als eine antimarxistische, antileninistische Theorie ab und berief mich dabei auf die Tatsachen aus dem Leben unseres Landes nach dem Siege des Sozialismus in der UdSSR, die diese Theorie widerlegen. Diese Theorie lehne ich, wie aus meinem Rechenschaftsbericht an diesen unseren XVZ Parteitag zu ersehen ist, auch heute ab. Ich lehne sie ab, weil die Theorie der Aufgehens aller Nationen, sagen wir der UdSSR, in einer einheitlichen großrussischen Nation mit einer großrussischen Einheitssprache eine national­chauvinistische Theorie, eine antileninistische Theorie ist, die einer Grundthese der Leni­nismus widerspricht, nämlich der These, dass die nationalen Unterschiede in der nächsten Periode nicht verschwinden können, dass sie nach lange Zeit sogar nach dem Siege der proletarischen Revolution im Weltmaßstab bestehen bleiben müssen.

Was eine entferntere Perspektive der nationalen Kulturen und nationalen Sprachen anbetrifft, so vertratich immer und vertrete auch weiter die Leninsche Ansicht, dass in der Periode des Sieger des Sozialismus im Weltmaßstab, wenn der Sozialismus bereits erstarkt rein und sich im Leben eingebürgert haben wird, die Nationalsprachen unweiger­lich zu einer gemeinsamen Sprache verschmelzen müssen, die natürlich weder das Großrussische noch das Deutsche, sondern etwas Neues rein wird. Das habe ich ebenfalls unzweideutig in meinem Bericht an den XVI. Parteitag erklärt.

Wo ist denn da eine Unklarheit, und was bedarf hier eigentlich der Klärung?" (Stalin, „Schlußwort zum politischen Rechenschaftsbericht des ZK an den XVI. Parteitag der KPdSU(B)", 1930, Werke Band 13, S. 3/4.)

18 In dem Brief Stalins „An Genossen A. Cholopow", der 1950 in der „Prawda" erschien, greift Stalin in die Diskussion auf dem Gebiet der Sprachwissenschaft ein, was ex schon mit seiner Schrift „Marxismus und Fragen der Sprachwissenschaft" getan hat, um auch auf diesem Gebiet opportunistische und nationalistische Positionen zu bekämpfen. Stalin geht in diesem Brief grundsätzlich auf das Problem ein, dass es unzulässig ist, ein Zitat aus seinem jeweiligen historischen Zusammenhang zu reißen und los­gelöst von diesem zu zitieren. Er erläutert weiter, dass es falsch ist, davon auszugehen, dass Schlussfolgerungen des wissenschaftlichen Kommunis­mus, die in einer bestimmten historischen Periode richtig sind, auch für alle anderen Perioden richtig bleiben müssen. Stalin erläutert diese Punkte vor allem anhand der Frage der Entwicklung der Nationen und Sprachen im Sozialismus und bis zum Kommunismus. [Siehe Zitat S. 64f.]

19 Engels' Arbeit „Grundsätze des Kommunismus" von 1847 ist ein vorläufiger Programmentwurf für den „Bund der Kommunisten". Dieser Entwurf war eine Grundlage für die Erarbeitung des „Manifests der Kom­munistischen Partei", das 1848 erstellt wurde. Er wurde erst 1932 zum er­sten Mal in Deutsch veröffentlicht. Der Entwurf enthält insbesondere zur Charakteristik der kommunistischen Gesellschaft wichtige Passagen, u. a. auch zur Abschaffung der bürgerlichen Familie und der Befreiung der Frau.

Kernpunkt ist hier, dass die bürgerliche Ehe und Familie im Kommunis­mus beseitigt und das Verhältnis zwischen Mann und Frau ein reines Pri­vatverhältnis sein wird, was nur möglich ist auf der Grundlage der Vernich­tung des Privateigentums an Produktionsmitteln. [Siehe Zitat S. 67]

20 Im „Manifest der Kommunistischen Partei" von 1848 haben Marx und Engels auch gegen „die bürgerlichen Redensarten über Familie und Erziehung" in polemischer Form den kommunistischen Standpunkt zur Stellung der Frauen (und auch der Kinder) in der kapitalistischen Gesellschaft, zur bür­gerlichen Ehe und Familie grundsätzlich entwickelt. Sie haben gezeigt, dass die Beseitigung der Ausbeutung und Knechtung der Frauen in der Gesell­schaft und in der Familie, die Aufhebung ihrer Rolle als „ bloße Produktionsin­ strumente" nur möglich ist durch die „Aufhebung derbjetzigen Produktionsverhält­nisse", also durch die Errichtung der kommunistischen Gesellschaft. [Siehe Zitat S. 67f]

21 In seinem Werk „Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats" von 1884 geht Engels auf die Frage ein, wie das Verhält­nis der Geschlechter im Kommunismus aussehen mag, und antwortet, dass diesbezügliche Vermutungen „vorwiegend negativer Art" seien. Das heißt, klar ist, wie diese Verhältnisse nicht aussehen werden. Es werden keine ausbeu­terischen und unterdrückenden Verhältnisse mehr sein, soviel ist gewiss, ohne sich aber nun im Einzelnen darauf festlegen zu wollen, wie dies kon­kret, positiv aussehen wird. Weit entfernt von Moralpredigten oder unsinni­gen Diskussionen über diese Fragen im Detail erklärte Engels zu den Be­ziehungen von Männern und Frauen, die unter kommunistischen Bedin­gungen herangewachsen sind, dass sie „sich ihre eigene Praxis ... selbst machen" werden. [Siehe Zitat S. 69]

22 [Siehe Zitat S. 69]

Ähnlich heißt es bei Marx im „Kapital" an anderer Stelle:

„Denken mir die Gesellschaft nicht kapitalistisch, sondern kommunistisch, so . fällt zu­nächst das Geldkapital ganz fort, also auch die Verkleidungen der Transaktionen, die durch es hineinkommen. Die Sache reduziert sich einfach darauf, daß die Gesellschaft im voraus berechnen muß, wieviel Arbeit; Produktionsmittel und Lebensmittel sie ohne ir­gendwelchen Abbruch auf Geschäftszweige verwenden kann, die, wie Bau von Eisenbah­nen Z. B., für längre Zeit, ein Jahr oder mehr, weder Produktionsmittel noch Lebensmit­tel, hoch irgendeinen Nutzeffekt liefern, aber wohl Arbeit Produktionsmittel und Le­bensmittel der jährlichen Gesamtproduktion entziehen. "

(Marx, „Das Kapital", Band II, 1885, Werke Band 24, S. 316/317)

23 In Marx Hauptwerk „Das Kapital" wird nicht nur enthüllt, dass der Mehrwert durch die Ausbeutung des Proletariats erzeugt wird. Darauf auf­bauend wird die Unlösbarkeit der Widersprüche des Kapitals bewiesen und geschlussfolgert, dass das Proletariat der Totengräber des Kapitalismus ist. Es enthält die wissenschaftliche Begründung für die Notwendigkeit und Möglichkeit der proletarischen Revolution, des Aufbaus des Sozialismus und Kommunismus. Dieses Werk beweist jedoch nicht nur, dass der Kapi­talismus vernichtet werden muss und vernichtet werden wird, sondern es werden an verschiedenen Stellen auch Grundzüge der kommunistischen Gesellschaft in knapper Form vorgestellt.

Marx macht hier u. a. klar, dass nicht die Maschinerie an sich an Armut und Verelendung im Kapitalismus schuld ist, sondern der Kapitalismus selbst. Denn im Kommunismus würde der Einsatz. von neuer Maschinerie die Arbeitszeit verkürzen, während sie im Kapitalismus zur Verschärfung der Ausbeutung führt. [Siehe Zitat S. 69/70]

24 Engels Werk „Anti-Dühring" von 1877/78, wurde zunächst in 30 Folgen im „Vorwärts" (Zentralorgan der SPD) veröffentlicht. Darin vertei­digt und entwickelt Engels in beißender Polemik gegen den hochstapelnden Professor Eugen Dühring auf den Gebieten der Philosophie, der Naturwis­senschaften, der Geschichte und der politischen Ökonomie die Grundlagen des wissenschaftlichen Kommunismus. Dieses Werk ist auch heute unver­zichtbar für den theoretischen und ideologischen Kampf gegen pseudowis­senschaftliche antikommunistische Angriffe gegen den wissenschaftlichen Kommunismus. Engels macht in dem hier zitierten Teil vor allem klar, dass im Kommu­nismus an die Stelle der kapitalistischen Produktionsanarchie eine gesell­schaftlich-planmäßige Regelung der Produktion nach den Bedürfnissen der Gesamtheit wie auch jedes Einzelnen tritt, dass anstelle der kapitalistischen Verteilungsweise die kommunistische Aneignungsweise der Produkte tritt, die einerseits die Aufgabe hat, die Produktion zu erhalten und zu erweitern, andererseits die individuellen Lebens- und Genussmittel zur Verfügung zu stellen. [Siehe Zitat S. 70/71] Ähnlich heißt es bei Engels in seiner Schrift „Dialektik der Natur": „Darwin wußte nicht, welch bittre Satire er auf die Menschen und besonders auf seine Landsleute schrieb, als er nachwies, daß die freie Konkurrenz, der Kampf ums Dasein, den die Ökonomen als höchste geschichtliche Errungenschaft feiern, der Normalzustand des Tierreichs ist. Erst eine bewußte Organisation der gesellschaftlichen Produktion, in der planmäßig produziert und verteilt wird, kann die Menschen ebenso in gesellschaftli­cher Beziehung aus der übrigen Tierwelt herausheben, wie dies die Produktion überhaupt für die Menschen in spezifischer Beziehung getan hat. Die geschichtliche Entwicklung macht eine solche Organisation täglich unumgänglicher, aber auch täglich möglicher. Von ihr wird eine neue Geschichtsepoche datieren, in der die Menschen selbst, und mit ihnen alle Zweige ihrer Tätigkeit, namentlich auch die Naturwissenschaft, einen Aufschwung nehmen werden, der alles Bisherige in tiefen Schatten stellt" (Engels, „Dialektik der Natur", 1883, Werke Band 20, S. 324)

25 In diesem Zitat aus dem „Anti-Dühring" legt Engels dar, dass im Kommunismus die Produktion durchsichtiger und einfacher wird, weil auf der Basis des gesellschaftlichen Eigentums „die Arbeit eines jeden" gesell­schaftliche Arbeit ist. Deshalb muss die zur Herstellung eines Produkts notwendige gesellschaftliche Arbeitszeit nicht über den Umweg des Werts einer Ware gemessen werden, sondern direkt darüber, wie viel Zeit die Pro­duktion dieses oder jenes Produkts die kommunistische Gesellschaft kostet. [Siehe Zitat S. 71/72]

26 Im hier zitierten Teil des „Anti-Dühring" wird dargelegt, dass im Kommunismus die Warenproduktion, die Verschwendung und Zerstörung von Produktionsmitteln und Produkten in den periodisch wiederkehrenden kapitalistischen Krisen sowie die Verschwendung durch Produktion unsin­niger Luxusgüter beseitigt ist. Engels macht klar; dass es im Kommunismus möglich ist, allen Mitgliedern der Gesellschaft eine Existenz zu sichern, „die nicht nur materiell vollkommen ausreichend ist und von Tag Zu Tag reicher wird"; son­dern „die ihnen auch die vollständige freie Ausbildung und Betätigung ihrer körperlichen und geistigen Anlagen garantiert. "

Dies alles ist möglich, weil im Kommunismus eine planmäßige, bewußte Organisation der Produktion erfolgt und auf dieser Basis die Menschen so­zusagen das erste Mal aus dem Tierreich in wirklich menschliche Lebensbe­dingungen eintreten und ihre Geschichte mit vollem Bewusstsein selbst machen, die Gesetze der Natur und der Gesellschaft wirklich beherrschen, anstatt von ihnen beherrscht zu werden. [Siehe Zitat S. 72/73]

27 Stalin stellt an dieser Stelle aus „Ökonomische Probleme des Sozia­lismus in der UdSSR" zwei Kernpunkte klar. Erstens wird im Kommu­nismus die Menge der für die Herstellung der Produkte aufgewandten Ar­beit nicht vermittels des Wertes und seiner Formen, wie es in der Warenproduktion der Fall ist, gemessen, sondern direkt und unmittelbar durch die zur Herstellung der Produkte verausgabte Menge der Zeit. Zweitens wird die Verteilung der Arbeit auf die verschiedenen Produktionszweige nicht wie im Kapitalismus durch das Wertgesetz reguliert, sondern durch das Wachstum des Bedarfs der Gesellschaft an Produkten. [Siehe Zitat S. 73]

28 Engels macht an dieser Stelle im „Anti-Dühring" vor allem klar, dass nur auf der Basis der planmäßigen gesellschaftlichen Produktion der Ge­gensatz zwischen Stadt und Land, zwischen Industrie und Landwirtschaft beseitigt werden kann, denn nur so ist es möglich, die Industrie über das ganze Land so zu verteilen, dass dadurch nicht nur die Industrie, sondern auch die landwirtschaftliche Produktion maximal entwickelt werden kann. [Siehe Zitat S. 73/74]

29 Stalin geht hier in „Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR" auf drei Kernpunkte ein. Erstens erklärt er die Ursache des Ge­gensatzes zwischen Stadt und Land im Kapitalismus, zweitens erläutert er recht detailliert, wie weitgehend dieser Gegensatz in der damals sozialisti­schen Sowjetunion schon beseitigt war. Drittens geht Stalin kurz darauf ein, dass auf dem Weg zur Aufhebung des Gegensatzes zwischen Stadt Und Land kommunistische Städte entstehen werden. Sie werden Zentren der Kultur, der Industrie und der Landwirtschaft sein, was das kulturelle Auf­blühen des Landes erleichtern und zur Angleichung der Lebensbedingun­gen von Stadt und Land führen wird. [Siehe Zitat S. 74/75]

30 In der Schrift „Die Deutsche Ideologie", die 1845/46 entstand und erst 1932 von der Sowjetunion auf Deutsch herausgegeben wurde, kritisie­ren Marx und Engels umfassend die damals vorherrschende „deutsche Phi­losophie", insbesondere auch den so genannten „deutschen Sozialismus" und begannen, Grundzüge des wissenschaftlichen Kommunismus zu ent­wickeln. Diese Schrift ist eine Frühschrift von Marx und Engels, ist also zu einer Zeit entstanden, als der Marxismus gerade zu entstehen begann. Ihr Hauptzweck bestand nach Marx in der „Selbstverständigung" (siehe Werke Band 3, S. VI). Trotz dieser Besonderheiten enthält sie gerade auch wichtige

Passagen zu Fragen des Sozialismus und Kommunismus, die es zu studie­ren und auszuwerten gilt. In dem hier zitierten Teil wird das kommunistische Prinzip „Jedem nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen" konkret erläutert. In der kommunistischen Gesellschaft, in der die Produktion der notwendigen Lebensmittel durch die kommunistische Gesellschaft gesichert ist, kann sich jeder Mensch auf jedem beliebigen Gebiet ausbilden, kann jeder Mensch auf jedem beliebigen Gebiet tätig werden. [Siehe Zitat S. 75/76]

31 In diesem Teil der Schrift „Die Deutsche Ideologie" machen Marx und Engels klar, dass aus der Verschiedenartigkeit der Tätigkeit der Men­schen, ihren verschiedenen Kenntnissen und Fähigkeiten, im Kommunis­mus keineswegs geschlussfolgert werden kam, dass sie dann auch verschie­dene und verschieden viele Produkte erhalten (wie das im Kapitalismus der Fall ist), sondern dass bei der Verteilung im Kommunismus das Prinzip gilt: „Jedem nach seinen Bedürfnissen". [Siehe Zitat S. 76]

32 In der hier zitierten Passage aus Engels' „Grundsätze des Kommu­nismus" von 1847 geht es darum, dass die kommunistische Gesellschaft allseitig entwickelte Menschen voraussetzt, die das gesamte System der Pro­duktion überschauen. Nur so kann die kommunistische Produktion auf höchstem technischem Niveau überhaupt durchgeführt werden. Das be­deutet, dass die kommunistische Gesellschaft allen Mitgliedern die Mög­lichkeit gibt, ihre allseitig entwickelten Anlagen allseitig zu betätigen, was beinhaltet, dass im Kommunismus jegliche Klassenunterschiede ver­schwunden sind. [Siehe Zitat S. 76/77]

33 Stalin bekämpft in diesem Teil der „Unterredung mit dem deut­schen Schriftsteller Emil Ludwig" die antikommunistische Vorstellung, dass im Kommunismus alle Menschen gleich seien, alle das gleiche essen und trinken, dieselben Kleider tragen würden usw. Ex macht grundsätzlich klar, dass es erst im Kommunismus wirkliche Gleichheit gibt, wenn die Klassen beseitigt und das Prinzip Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen" gilt. Im Sozialismus wie im Kommunismus wer­den die Menschen jedoch verschiedene Geschmäcker haben, verschiedene Bedürfnisse im Hinblick auf Quantität und Qualität, d. h., der eine will die­ses Produkt haben, was ein andere gar nicht will, der eine will von diesem Produkt mehr haben als der andere usw. [Siehe Zitat S. 77/78]

Im „Rechenschaftsbericht an den XVII. Parteitag über die Arbeit des ZK der KPdSU(B)" von 1934 erklärt Stalin, was der wissenschaftliche Kom­munismus unter Gleichheit versteht:

„Unter Gleichheit versteht der Marxismus nicht Gleichmacherei auf dem Gebiet der _persönlichen Bedürfnisse und der Lebensweise, sondern die Auj7jebung der Klassen, das heißt a) die gleiche Befreiung aller Werktätigen von der Ausbeutung, nachdem die Kapi­talisten gestürzt und expropriiert sind; b) die gleiche Abschaffung des Privateigentums an den Produktionsmitteln für alle, nachdem die Produktionsmittel zum Eigentum der gesamten Gesellschaft geworden sind ,- c) die gleiche Pflicht aller, nach ihren Fähigkeiten zu

arbeiten, und das gleiche Recht aller Werktätigen, hierfür nach ihrer Leistung vergütet Zu werden (sozialistische Gesellschaft); d) die <gleiche Pflicht aller, nach ihren Fähigkeiten Zu arbeiten, und das gleiche Recht aller Werktätigen, hierfür nach ihren Bedürfnissen versorgt Zu werden (kommunistische Gesellschaft). Dabei geht der Marxismus davon aus, daß der Geschmack und die Bedürfnisse der Menschen der Qualität oder Quantität nach weder in der Periode des Sozialismus noch in der Periode der Kommunismus gleich sind oder gleich sein können.

Das ist die marxistische Auffassung von der Gleichheit.

Eine andere Gleichheit erkannte und erkennt der Marxismus nicht an. Daraus die Schlußfolgerung zu ziehen, dass der Sozialismus die Gleichmacherei, die Gleichstellung, die Nivellierung der Bedürfnisse der Mitglieder der Gesellschaft, die Nivellierung ihres Geschmacks und ihrer persönlichen Lebensweise fordere, daß nach dem Plan der Marxi­sten alle die gleichen Kleider tragen und die gleichen Speisen in dergleichen Menge essen müssen, heißt Plattheiten reden und den Marxismus verleumden.

Es ist Zeit, sich darüber klar zu werden, daß der Marxismus ein Feind der Gleichma­cherei ist. "

(Stalin, „Rechenschaftsbericht an den XVII. Parteitag über die Arbeit des 7.K der KPdSU(I3)", 1934, Werke Band 13, S. 315)

34 In diesem Teil der Schrift „Die Deutsche Ideologie" gehen Man: und Engels auf den Zusammenhang zwischen Individuum und Kollektiv im Kommunismus ein. Die freie Entfaltung des Individuums ist bedingt durch seine Einbindung in das kommunistische Kollektiv, also unmöglich ohne das kommunistische Kollektiv. [Siehe Zitat S. 78]

35 Siehe hierzu Teil I, S. 24 in dieser „Rot Front". [Siehe Zitat S. 78] Marx erklärt im „Kapital" hierzu ähnlich:

„Als Fanatiker der Verwertung des Werts zwingt er (der Kapitalist, A.d.R.) rücksichtslos die Menschheit zur Produktion um der Produktion willen, daher Zu einer Ent­wicklung der gesellschaftlichen Produktivkräfte und Zur Schöpfung von materiellen Pro­duktionsbedingungen, welche allein die reale Basis einer höheren Gesellschaftsformation bilden können, deren Grundprinzip die volle und freie Entwicklung jedes Individuums ist. "

(Marx, „Das Kapital", Band I, 1867, Werke Band 23, S. 618)

36 Im hier zitierten Teil aus dem „Kapital" erklärt Marx den Unterschied zwischen dem „Reich der Freiheit" und dem „Reich der Notwendigkeit". [Siehe Zitat S. 79]

 

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