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DIE SOWJETISCHE ARBEITERKLASSE IST NICHT MEHR EIGENTÜMER DER PRODUKTINSMITTEL

Veniamin Toci, Kico Kapetani - Ökonomen

NACH DEM GROSSEN VERRAT DER CHRUSCHTSCHOWREVISIONISTISCHEN CLIQUE, NACHDEM DIESE CLIQUE VON DER THEORIE UND PRAXIS DER REVOLUTION UND DES SOZIALISTISCHEN AUFBAUS ABGEWICHEN WAR UND SIE SOGAR VERWORFEN HATTE, WURDE DIE SOWJETUNION ZU EINEM BUERGERLICHEN STAAT BESONDERER ART. SIE WURDE ZU EINER IMPERIALISTISCHEN MACHT, DIE EINE EXPANSIONISTISCHE POLITIK BETREIBT UND MIT ANDEREN KAPITALISTISCHEN LAENDERN UM EINFLUSSBEREICHE UND UM VORHERRSCHAFTSSTELLUNGEN AUF DER WELT RINGT. DIESER KONTERREVOLUTIONAERE PROZESS, DER IMMER WEITER SCHREITET, BEGANN MIT DER BUERGERLICHEN ENTARTUNG DES SOZIALISTISCHEN UEBERBAUS DER PARTEI UND DER DIKTATUR DES PROLETARIATES,

mit deren Bürokratisierung und der Bürokratisierung der Kader. Mit der Entstellung der marxistisch--leninistischen Theorie über die proletarische Revolution und den sozialistischen Aufbau, schufen die Chruschtschowrevisionisten eine grosse ideologische Verwirrung, sie entwaffneten die Arbeiterklasse vor der bürgerlichen und der reformistischen Ideologie, sie bahnten der ideologischen Konterrevolution den Weg, die das Vorspiel zur politischen und wirtschaftlich-sozialen Konterrevolution war. Zum Motto dieser Konterrevolution wurden die „chruschtschowsche friedliche Koexistenz“, der „friedliche Weg des Übergangs zum Sozialismus“, der „Übergang zum Sozialismus unter der Führung auch nichtproletarischer Parteien“, die Ausfuhr der Revolution und des Sozialismus auch durch „den wirtschaftlichen Wettbewerb“ mit dem Kapitalismus, „der Staat des ganzen Volkes“ usw.
Die Arbeiterklasse und die revolutionären Kräfte der Welt sind Zeugen dieses konterrevolutionären Kurses der sowjetrevisionistischen Führerschaft, sowohl in der Innenpolitik, als auch in der Aussenpolitik. Ein neuer Ausdruck des revisionistischen Verrats und eine schwere Herausforderung an alle Völker der Welt sind die neuen sowjetisch-amerikanischen Vereinbarungen, die in letzter Zeit zwischen beiden Supermächten während des Besuchs von Breschnew in den USA zustande kamen. Beide Teile versuchen mit diesen Abkommen eine gemeinsame, internationale, konterrevolutionäre Diktatur zu errichten, das Schicksal und die Zukunft der Menschheit unter ihre Kontrolle zu stellen, die Aufstände und Nationalen Befreiungskämpfe der Völker zu verurteilen und zu verwerfen, die Arbeiterbewegungen und die Revolution überall auf der Welt abzuwürgen, wobei sie sowohl mit dem Ölzweig wedeln, als auch brutal militärische Gewalt anwenden. Diese Abkommen zeigen erneut, dass die amerikanischen Imperialisten und die sowjetischen Sozialimperialisten, trotz der unvermeidlichen Widersprüche, die zwischen ihnen bestehen, an einer gemeinsamen einheitlichen Front gegen die Völker stehen, einander unterstützen und sich gegenseitig zu ihren räuberischen und , aggressiven Zielen aufhetzen.

1.

Durch die bürgerliche Entartung im Lande, wurde die sowjetische Arbeiterklasse ihrer historischen Mission als machthabende Klasse, als führende, hegemonistische Masse beraubt. Sie ist heute nur noch eine Produktivkraft, genauso wie die Arbeiterklasse der kapitalistischen Länder. Sie wird wieder zum ausgebeuteten Proletariat, sowohl in politischer und ideologischer, als auch in ökonomischer und sozialer Hinsicht. Dieser Prozess geht ständig weiter.
In erster Linie wurde die sowjetische Arbeiterklasse ihrer revolutionären Ideologie beraubt, sie wurde ideologisch entwaffnet. Die ideologische Leitung des gesellschaftlichen Lebens des Landes liegt nicht mehr in ihren Händen. Die Revisionisten reden demagogisch von "Entwicklung", "Bereicherung" und "schöpferischer Anwendung" des Marxismus-Leninismus. Das taten sie auch auf dem 24. Parteitag ihrer revisionistischen Partei, sowie auf anderen späteren Kundgebungen ihres politischen und gesellschaftlichen Lebens. Die Sowjetrevisionisten verkehrten die ideologischen, politischen und organisatorischen Grundlagen einer kommunistischen Partei in ihr Gegenteil und so blieb die Arbeiterklasse nicht nur ohne ihre Ideologie, sondern auch ohne ihre politische Vorhut - die wirkliche Kommunistische Partei.
Die revisionistische Partei ist zu einem Refugium für bürgerliche und entartete Elemente, für Bürokraten und Technokraten geworden. Auf ihrem 24.Parteitag gaben die sowjetischen modernen Revisionisten bekannt, dass 44,8 Prozent der Parteimitgliedschaft aus Angestellten bestand; nur 40,1 Prozent waren Arbeiter. Dabei bilden die Arbeiter 58 Prozent der Gesamtzahl der Werktätigen des Landes. Von den Mitgliedern und Kandidaten der Bezirks- und Stadtparteikomitees (also an der Basis) stellen Arbeiter und Bauern zusammengenommen nur 40 Prozent dar. So sind also 60 Prozent dieser Komitees Angestellte.
Diese Angaben zeigen, dass die revisionistische Partei in Wirklichkeit eine Partei der Angestellten und Beamten ist, eine Partei der Intellektuellen, eine Partei der Bürokraten, und nicht eine Partei der Arbeiterklasse.
Dennoch, bemühen sich die Chruschtschowrevisionisten, für ihre Partei das Aussehen einer "Arbeiterpartei" zu bewahren, indem sie noch eine Verhältnismassig grosse Anzahl von Arbeitern und Bauern in ihr beibehalten, obwohl es die bourgeoise Elite ist, die in der Partei das Gesetz macht. Ausserdem muss man auch diesen Prozentsatz der Arbeiter mit Vorbehalt betrachten, denn ein Teil dieser Arbeiter kommt aus der Arbeiteraristokratie. Diese Elemente vertreten weder die Arbeiterklasse, noch deren wirklichen ideologischen, politischen, sozialen und ökonomischen Interessen.
Zu demagogischen Zwecken bezeichnen die Sowjetrevisionisten ihre Partei weiterhin als "kommunistische Partei". Der Name allein kann aber den wirklichen Charakter einer marxistisch-leninistischen Partei nicht bestimmen. Dieser wird bestimmt durch die Aufgaben und Ziele, die die Partei sich stellt, die Ideologie für die sie kämpft, ihre Innen- und Aussenpolitik, ihre soziale Zusammensetzung und die Stellung, die sie in der Gesellschaft und im ganzen Leitungssystem des wirtschaftlich-sozialen Lebens des Landes einnimmt.
Dass die Arbeiterklasse aus der Leitung des Landes entfernt wurde, kommt deutlich zum Ausdruck durch die Entartung der Staatsmacht, durch die Verwandlung der innen- und aussenpolitischen Funktionen der Diktatur des Proletariates sowie durch die Klassenzusammensetzung der Partei. Die sowjetischen Revisionisten verkündeten mit Pauken und Trompeten die These vom sogenannten Staat des ganzen Volkes. Es handelt sich hier in Wirklichkeit um eine Utopie, sowohl im innenpolitischen, als auch im aussenpolitischen Rahmen der sozialen Kräfteverhältnisse. Als historische Kategorie kann der Staat nur die Diktatur der machthabenden Klasse sein. Der kapitalistische Staat ist eine Diktatur der grossen Monopolbourgeoisie. Der sozialistische Staat ist die Diktatur des Proletariats, die Diktatur der Arbeiterklasse. Wie der Marxismus-Leninismus lehrt, wird dieser Staat absterben, ohne dass er zuerst zum "Staat des ganzen Volkes" werden muss. Er wird absterben, sobald die Klassen selbst völlig verschwunden sind und der Kommunismus in weltweitem Massstab endgültig gesiegt hat.
In Wirklichkeit befindet sich die Staatsmacht in der Sowjetunion in Händen der revisionistischen Bourgeoisie, in Händen der Bürokraten und Technokraten, in Händen der Privilegierten, die von der Arbeiterklasse und den Interessen des werktätigen Volkes abgekapselt sind. Erst unter diesen Bedingungen wurde der ganze Apparat und alles, was dabei herauskommt, so ungeheuer aufgebläht und fetischisiert. Der Sowjetstaat wurde allmählich entproletarisiert und entproletarisiert sich weiter, sowohl was seine Klassenzusammensetzung betrifft, als auch die innen- und aussenpolitischen Funktionen, die er übernommen hat.
Auch physisch wird der sowjetischen Arbeiterklasse immer mehr das Recht, den Staat zu leiten, geraubt. Nach offiziellen Angaben, ist der Anteil der Angestellten und Intellektuellen im Obersten Sowjet um 8 Prozent grösser als der der Arbeiter und Kolchosbauern zusammengenommen. (S. "SSSR i sarubaschnie strani posle pobedi velikoj sozialistitscheskoi revolucii", Statistitscheskii sbornik, Moskwa, 1970).
Bürokraten, Angestellte und Intellektuelle bilden die absolute Mehrheit in den gewählten bzw. ernannten revisionistischen Staatsorganen. Eben diese Personen in hohen Machtpositionen, mit uneingeschränkten Vollmachten, sind es, die den legislativen Organen ihren Willen aufzwingen und die entsprechenden Gesetze und Regeln erlassen. Sie treten die demokratischen Rechte und Freiheiten der werktätigen Massen mit Füssen, obwohl sie lauthals ihre sogenannte sozialistische Demokratie propagieren. Es ist eine bekannte Tatsache, dass nicht nur die breiten Massen der Werktätigen, sondern auch die sogenannten gewählten Organe weder bei der Ausarbeitung ihrer Politik und Haltung zu innen- und aussenpolitischen Problemen noch bei der Aufstellung der wichtigsten Gesetze und Beschlüsse oder an deren Diskussion und Anwendung irgend etwas zu sagen haben. Diese Dinge werden von dem engen Kreis der machthabenden Clique bestimmt, während die Arbeiterklasse und die anderen Werktätigen lediglich vor vollendete Tatsachen gestellt wenden.
Ausserdem steht die Legislative unter der effektiven Kontrolle der Exekutive, der bürokratisierten und verbürgerlichten Apparate. Man wird kaum ein anderes Land auf der Welt finden, in dem die Bürokratie solch eine grosse und unüberschaubare Macht in ihren Händen konzentriert hat, wie in der Sowjetunion. In der Sowjetunion beherrscht die Bürokratie nicht nur das ideologische, sondern auch das politische und ökonomische Monopol. Bürokratie und Bürokratismus wurden zum System erhoben, wurden zur Methode und zum Stil jeglicher Überlegung, jedes Handelns, des ganzen Lebens gemacht. Die bürokratische Maschinerie beutet die Arbeiterklasse und die anderen werktätigen Massen auf allen Ebenen und Instanzen aus, übt auf sie wirtschaftlichen und politischen Druck aus und wurde zum Hindernis für die rationelle Verwendung der Natur- und Arbeitsquellen.
Die bürgerliche Entartung der Partei und des Staates in der Sowjetunion brachte unvermeidlich auch die Entartung des Eigentums an Produktionsmitteln mit sich, das das Grundelement der Produktionsverhältnisse ist. Genosse Enver Hoxha sagte auf dem 6. Parteitag der PAA, zu dieser Frage unter anderem: "Die Veränderung des Charakters von Partei und Staat, die konterrevolutionäre Umwandlung im politischen und ideologischen Überbau führen unvermeidlich auch zu einer Unwandlung der wirtschaftlichen Basis des Sozialismus. Die Wirtschaftsreformen, die die Chruschtschowianer in Übereinstimmung mit ihren antimarxistischen ideologischen Auffassungen vornahmen, führten schliesslich zu einer radikalen Umwandlung der Produktionsverhältnisse". (Enver Hoxha, Bericht an den 6. Parteitag der PAA, S. 229, alb. Ausgabe.)
Was am deutlichsten zeigt, dass die Arbeitenklasse in Staat und Wirtschaft nichts effektives mehr zu sagen hat, ist zweifellos die Tatsache, dass sie der wichtigsten Produktionsmittel beraubt wunde, dass das sozialistische Eigentum liquidiert ist und die sozialistischen Produktionsverhältnisse entartet sind. Es war auch zu erwarten, dass der Entartung des Überbaus, unweigerlich die Entartung der Wirtschaftsbasis folgen würde. Dem degenerierten Überbau musste unbedingt eine degenerierte Basis entsprechen. Die modernen Revisionisten handelten und handeln in diesem Falle mit Demagogie, denn es war und ist für sie nicht leicht, offen gegen das sozialistische Eigentum aufzutreten.
Die Wirtschaftsreform, die von den Sowjetrevisionisten durchgeführt wurde, veränderte von Grund auf das Besitz- und Verwaltungssystem, was das ehemals sozialistische Eigentum anbelangt. Sie veränderte ihr Subjekt in der Person des sozialistischen Staates, als unmittelbarer Vertreter der Arbeiterklasse und der anderen werktätigen Massen. Durch diese Reform ging das Eigentum allmählich in die Hände der neuen revisionistischen Bourgeoisie über.
Die Entartung des Eigentums konnte aus verschiedenen politischen, ökonomischen, historischen und psychologischen Gründen nicht in der klassischen Form der kapitalistischen Zersplitterung des Eigentums erfolgen, indem das Eigentum in den Besitz einzelner Kapitalisten übertragen wird. Die Form des Staatseigentums wurde beibehalten und erhielt den Charakter von staatsmonopolistischem Eigentum. Schliesslich ist es aber für die Arbeiterklasse unerheblich, ob sich das
Eigentum in den Händen einzelner Kapitalisten oder in Händen des Kapitals befindet, das sich in Form von Staatsmonopolen vereinigt hat. In jedem Fall gibt es Ausbeutung, gleichgültig, ob es nun die individuelle kapitalistische Ausbeutung oder die kollektive kapitalistische Ausbeutung ist.
Der Charakter des Eigentums, der Produktionsverhältnisse, bestimmt auch den Charakter des Staates. Der Charakter des Staates wiederum bestimmt umgekehrt den Charakter des Eigentums und der Produktionsverhältnisse. Wer die Staatsmaschine in der Hand hat, besitzt auch die wichtigsten Produktionsmittel und gebraucht die Staatsmaschine als mächtige Waffe, um damit Reichtum und kapitalistische Profite zu steigern.
Die Klassiker des Marxismus-Leninismus heben hervor, dass der Charakter des Eigentums von der Natur des wirtschaftlich-sozialen Systems und des Staates abhängt. Im Zusammenhang mit den Verstaatlichungen sagte Karl Marx -."... solange die reichen Klassen an der Macht bleiben, ist jede Verstaatlichung keine Liquidierung der Ausbeutung, sondern nur eine Veränderung ihrer Form..." (K. Marx und F. Engels, Werke, Band 28, russische Ausgabe, S. 301-302.)
Von dieser Marxschen These ausgehend, kann auch der Charakter des Staatseigentums in der Sowjetunion bestimmt werden". Die neue sowjetische Bourgeoisie riss die Staatsmacht an sich, nicht als Ziel an sich, sondern als starkes Mittel, um sich zu bereichern und um materielle Vorteile für sich herauszuschlagen. Durch den Staat konnte sie auch das Staatseigentum in die Hand bekommen und machte dieses also zum kapitalistischen Eigentum eines besonderen Typs.
Pro forma und äusserlich heisst das Staatseigentum in der Sowjetunion weiterhin sozialistisches Eigentum. In Wirklichkeit hat es aber den einstigen sozialistischen Charakter verloren. Da die Arbeiterklasse des Rechtes mitzuleiten beraubt wurde, benutzt die neue sowjetische Bourgeoisie das Staatseigentum als Mittel, um sich auf kapitalistische Weise zu bereichern und Profite herauszuschlagen, indem sie sich den von der Arbeiterklasse geschaffenen, Mehrwert aneignet.
Mit der Veränderung des Eigentumscharakters, veränderte sich auch das Ziel der Produktion und die Bestimmung der Arbeitsergebnisse. Damit veränderte sich im wesentlichen auch das Leitungs- und Planungssystem. Der Raub der Produktionsmittel führte folglich auch zur Entfernung der Arbeiterklasse von der effektiven Leitung der Wirtschaft und der Produktion. Mit der Wirtschaftsreform ersetzten die Chruschtschowrevisionisten das sozialistische Planungssystem der Wirtschaft durch ein "elastisches" Planungssystem und durch eine vollständige innerbetriebliche wirtschaftliche Rechnungsführung, und auf dem Gebiet der Produktion, der Verteilung, der Akkumulation, der Kapitalinvestitionen usw. uneingeschränkt vorzugehen. Die Rechte, die den Betriebsleitern zur Verwendung, Verwaltung, ja sogar zum Verkauf der hergestellten Produkte eingeräumt wurden, ihre Rechte auf dem Gebiet der Umtauschverhältnisse und der Verteilung der Produkte, zeigen klar, dass das Eigentum und die Arbeitsergebnisse der Wirtschaftsbetriebe der Sowjetunion auf kapitalistische Art zu persönlichen Zwecken verwendet werden. Darin hat auch die Gewinnsucht, die für alle Wirtschaftsbetriebe der Sowjetunion kennzeichnend geworden ist, ihre Ursache. Eine Folge davon ist auch der Mangel einiger Waren in verschiedenen Gegenden und Gebieten des Landes bzw. ihr Überschuss in anderen Gegenden, sowie die Tatsache, dass eine Ware der gleichen Qualität auf demselben Markt zu verschiedenen Preisen verkauft wird.
Im Verlauf der Entartung des Eigentums, vollzogen die Sowjetrevisionisten auch wichtige Veränderungen bei den Kriterien des Aufbaus von "Wirtschaftsbetrieben, in ihrer ökonomischen und juristischen Physiognomie, sowie in ihrer Verteilung vom geographischen Standpunkt aus. Sie schufen monopolistische Gemeinschaften des kapitalistischen Typs im der Industrie, in der Landwirtschaft, im Verkehrswesen und in anderen Wirtschaftszweigen. Diese Gemeinschaften verschlingen immer wieder kleinere und mittlere Unternehmen, was zu Verstellungen in der Akkumulation der Arbeitsquellen führt. Der Anreiz dieses spontanen Prozesses ist der kapitalistische Profit.
Dass die Arbeiterklasse des Eigentums an den Produktionsmitteln beraubt wurde, erkennt man schliesslich auch an der Art und Weise, wie die von den einzelnen Betrieben geschaffenen Mittel verbraucht werden. Es wurde errechnet, dass 80-85 Prozent der für den materiellen Anreiz bestimmten Mittel von den Betriebsleitern eingesteckt werden. Nach offiziellen statistischen Angaben, erhielt das ingenieur-technische Personal in den letzten 4-5 Jahren nur in Form von Prämien im Durchschnitt jeden Monat 12mal mehr als die Arbeiter, während die Angestellten 6-7mal mehr als die Arbeiter erhielten. (S. "Seria ekonomitscheskaja". Nr. 2, Jahr 1972, S. 47.)

3.

Die kapitalistische Entartung des Eigentums musste schliesslich zur kapitalistischen Entartung der Verteilung führen. Die Sowjetrevisionisten ersetzten tatsächlich die Verteilung entsprechend der geleisteten Arbeit durch ein ganzes System der Aufteilung der Einnahmen, mit dem der neuen Bourgeoisie alle Möglichkeiten gegeben werden, sich die Früchte der Arbeit und der Mühe der Arbeiterklasse und der anderen werktätigen Massen anzueignen, indem sie sich um ein Vielfaches grössere Einnahmen, als die Arbeiter und Bauern gewähren.
Infolgedessen entstand ein starkes Gefalle in den Einnahmen, bei dem in erster Linie die Leiter des bürokratischen Partei-, Staats- und Wirtschaftsapparates bevorteilt werden. Die unvermeidliche Folge davon war die zunehmende kapitalistische Polarisierung der heutigen sowjetischen Gesellschaft und, auf dieser Basis, die Verschärfung des sozialen Antagonismus. W. I. Lenin verwies auf die Notwendigkeit und die Bedeutung der Verringerung des Lohngefälles im Sozialismus. Er betonte dazu: "Im sozialistischen Regime hören die Beamten in dem Masse auf, Bürokraten zu sein, wie ihr Lohn zum durchschnittlichen Tageslohn der Werktätigen herabgesetzt wird." (W. I. Lenin, Ausgewählte Werke, Band II, S. 235.) Gegenwärtig besteht aber in der Sowjetunion ein tiefer Graben zwischen dem Einkommen der verschiedenen Bevölkerungsgruppen und -schichten. Es sei lediglich erwähnt, dass die Leiter der Wirtschaftsbetriebe allein für die Planrealisierung bis zu 7 Monatsgehältern als zusätzliche Belohnung im Jahr bekommen können. Dabei sind andere Formen der materiellen Belohnung nicht berücksichtigt.
Durch diese fetten Belohnungen für das leitende Personal des Partei-, Staats- und Wirtschaftsapparates, entstand und hält sich in der Sowjetunion die Kaste der neuen Herren, die von der Ausbeutung der Tagelohnarbeit leben. Die Löhne und Prämien, die diese Herren erhalten, entsprechen keineswegs der Arbeit, die sie leisten und auch nicht der Verteilung nach der geleisteten Arbeit. In vielen sowjetischen Betrieben wird ständig ein Belohnungssystem angewandt, nach dem 50 Prozent der Mittel, die durch die Verringerung der Zahl der Arbeiter, infolge der Steigerung der Arbeitshetze frei werden, den Fonds der zusätzlichen materiellen Anreize vergrössern. Diese Mittel werden jedoch hauptsächlich an die bürokratischen und technokratischen Betriebsherren verteilt, die diese "rationalisierende Operation" leiten.
Nach der Durchführung der Wirtschaftsreform nahmen in der Sowjetunion auch die Arbeitshetze und die Fluktuation der Arbeitskräfte, die oft die Form eines "Schwarzhandels" der Arbeitslosen erreicht, umfangreiche Ausmasse an. Diese zwei Erscheinungen verlaufen parallel zum Dezentralisierungsprozess der Wirtschaft und im allgemeinen zum Degenerierungsprozess der Verteilung, des Austausch und des Konsums des sozialen Produktes. Mit der These von der Erhöhung der Arbeitsproduktivität und des Nutzeffektes der Produktion werden allerlei "wissenschaftliche" Methoden angewandt, um die Arbeitshetze zu steigern. Man will damit nur die Profite und die Mittel für die zusätzlichen materiellen Prämien vergrössern.
Nicht zufällig zeigte sich in der sowjetischen Wirtschaft, genau wie in den kapitalistischen Ländern, das 'Phänomen der Arbeitslosigkeit, die unter den dortigen spezifischen Verhältnissen hauptsächlich als schleichende Arbeitslosigkeit wirkt. Wie selbst revisionistische Quellen bestätigen, wandern in der Sowjetunion allein in den Städten (das heisst die Landbevölkerung ausgenommen) jedes Jahr im Schnitt 3 Millionen Menschen von einem Ort zum anderen, auf der Suche nach Arbeit. Bedenkt man nun, dass über 80 Prozent dieser inneren Migration aus Menschen im Arbeitsalter besteht und dass dabei die Wanderung von den Dörfern in die Städte und von Dorf zu Dorf nicht einkalkuliert ist, so ergibt sich, dass 10 Prozent der Arbeiter praktisch nicht an der Produktion teilnehmen (S. Ekonomika i organizacija protmischlenowo proizwodstwa, Nr. 3, Jahr 1972, Seite 29-30).
Nachdem die Arbeiterklasse der Produktionsmittel beraubt worden ist, wurde sie auch von allen Leitungs- und Verwaltungsfunktionen der Produktion entfernt. Diese Funktionen sind nun in den Händen der bürokratisierten Kader konzentriert, die die Produktion in ihrem Interesse leiten, wobei sie die Ausbeutung der Werktätigen mit allen Mitteln immer mehr steigern.
Die sowjetischen Bürokraten und Technokraten sind zu einer Klasse für sich geworden, die immer mehr wächst. Das bestätigen auch Angaben, die die Klassenstruktur der heutigen sowjetischen Gesellschaft betreffen. Im Jahr 1939 bildeten in der Sowjetunion die Angestellten und ihre Familien 17,7 Prozent der Gesamtbevölkerung; 1970 waren es 25 Prozent. (Siehe Ekonomitscheskaja Gazeta, Nr. 4, Jahr 1972, S 3.) Solche Veränderungen fanden auch in dem Aufbau der Gesamtheit der Beschäftigten in der Sowjetunion statt. Im Jahr 1960 bildeten die Angestellten 21 Prozent der Gesamtzahl der sowjetischen Werktätigen; im Jahr 1970 erreichte ihr Anteil 26,4 Prozent. (Siehe "Ekonomitscheskaija Gazeta", Nr. 5, Jahr 1972, Seite 1.)
Um ihre Zielsetzungen möglichst "ruhig" zu realisieren, trieben die modernen Revisionisten die Arbeiterklasse in den Sumpf der Gleichgültigkeit und des Apolitismus. Für diese Gleichgültigkeit und die Entfernung der sowjetischen Arbeiterklasse von der Produktionsleitung sprechen viele Tatsachen. Bei einer Umfrage, die in einem Maschinenmontagebetrieb in Sibirien durchgeführt wurde und in deren Rahmen ungefähr 1000 Arbeiter befragt wurden, antworteten über 70 Prozent, dass sie keine Ahnung hätten und sich nicht weiter interessierten, wie das Produktionsprogramm durchgeführt wurde, dass sie nie auf Versammlungen sprachen und dass es auch keinen Sinn habe, etwas zu sagen, da ihre Worte ja doch nie berücksichtigt würden. Das ist ein symptomatischer Ausdruck der Gleichgültigkeit und der Apathie der sowjetischen Arbeiter im Zusammenhang mit Fragen der Produktionsleitung und -Organisation. Dies ist allerdings eine Folge davon, dass sie des Rechtes, mitzuleiten und mitzuregieren, sowie des Rechtes auf Eigentum an den Produktionsmitteln beraubt wurden,
Ausser der Bürokratisierung der revisionistischen Apparate, fallen in der heutigen sowjetischen Gesellschaft auch andere bürgerliche Tendenzen, wie z.B. Schmarotzertum auf. Eindeutig nimmt die Zahl der Menschen, die durch die Ausbeutung der Arbeit der Arbeiterklasse und der werktätigen Bauernschaft leben, ständig zu. Dieses Phänomen wirkt sich negativ auf die gesellschaftliche Struktur des Landes aus, es entstellt und degeneriert diese und steigert das soziale Schmarotzertum. Eine Erscheinung dieses Schmarotzertums ist die Erweiterung der nichtproduktiven Bereiche in einem nicht zu rechtfertigenden Masse. Nach offiziellen statistischen Angaben waren im Jahr 1950 13,8 Prozent der Gesamtzahl der Beschäftigen (ohne Schüler und Militär) in nichtproduktiven Bereichen der sowjetischen Wirtschaft beschäftigt; im Jahr 1960 waren es schon 17 Prozent und anfangs der siebziger Jahre erfassten die nichtproduktiven Bereiche ungefähr 22 Prozent aller arbeitsfähigen Bürger des Landes.
In der sowjetischen Wirtschaft wächst die Zahl der in den nichtproduktiven Bereichen Beschäftigten viel rascher als die Zahl der Werktätigen der produktiven Bereiche. Diese Tendenz vertieft sich immer mehr. Auch hier handelt es sich um einen Ausdruck des wirtschaftlichen und sozialen Schmarotzertums.
Mit der Steigerung des Sozialproduktes muss zweifellos auch die Tätigkeit der nichtproduktiven Zweige zunehmen, die der Produktion und der Bevölkerung dienen. Aber die Erweiterung des nichtproduktiven Bereiches muss im richtigen Verhältnis zum Wachstum des produktiven Bereiches erfolgen, sonst verlangsamt sich das Tempo der erweiterten sozialistischen Reproduktion. Das lehrt die marxistisch-leninistische Theorie der erweiterten sozialistischen Reproduktion und dies wird jeden Tag auch durch die Praxis des sozialistischen Aufbaus bestätigt.
Das Leben beweist immer wieder, dass die sowjetischen Revisionisten von den Prinzipien des Marxismus-Leninismus über die Partei und den proletarischen Staat, über die Rolle der Arbeiterklasse in der Revolution und beim sozialistischen Aufbau abweichen. Dieser Rückschritt der Sowjetunion und einiger anderen Länder hängt - wie Genosse Enver Hoxha sagte - gerade mit der Tatsache zusammen, dass dort die Lehren des Marxismus-Leninismus verlassen wurden und dass man dort auf die Grundsätze des sozialistischen Aufbaus verzichtete, dass man die Errungenschaften der Revolution unterhöhlte und der Wiederherstellung des Kapitalismus den Weg bahnte."