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Alliance Marxist-Leninist, Kanada

 

ALBANIEN, ENVER HOXHA UND JOSEF STALIN

 

 

 

INHALT

 

 

Einleitung

 

1. Vom antifaschistischen Krieg zur sozialistischen Revolution

 

2. Albanien und Josef Stalin

 

a. Über die imperialistischen Angriffe auf Albanien, die Rolle

Griechenlands und Stalins Vorschlag

 

b. Die konkrete Hilfe der Sowjetunion beim Aufbau des

Sozialismus in Albanien

 

c. Über die von Tito geführte Kommunistische Partei Jugos-

lawiens (KPJ)

 

Schlussfolgerungen

 

 

Einleitung

 

 

Marxisten-Leninisten sehen in der Haltung zu Stalin einen Prüfstein, um zu unterscheiden, wer sich nur Marxist-Leninist nennt und wer wirklich ein Marxist-Leninist ist. Nur Marxisten-Leninisten sind der Ansicht, dass der Sozialismus in der Sowjetunion errichtet wurde und bis kurz nach Stalins Tod erfolgreich funktionierte. Diese Herangehensweise erlaubt uns angesichts der Vielzahl unterschiedlicher Gruppen zwischen denjenigen zu unterscheiden, die wahre Marxisten-Leninisten sind und jenen, die dies nicht sind. Es wird sich mit der Zeit auch deutlich zeigen, dass die Einstellung zu Enver Hoxha und zum sozialistischen Aufbau in Albanien eine ähnliche Bedeutung gewinnen wird.

 

In diesem Beitrag werden wir aufzeigen, dass Enver Hoxha Albanien über einen nationalen Befreiungskrieg, der zwei Phasen durchlief, zum Sozialismus führte. Nach der Sowjetunion war Albanien bis heute das zweite Land der Erde, das den Sozialismus errichtete. Diese äußerst wichtige Errungenschaft hat bis jetzt keine angemessene Würdigung erfahren. Die Nichtbeachtung dieser Tatsache hat ihre Ursache in der revisionistischen Desinformation und in unhaltbaren Behauptungen.

 

Gerade heute gehen Marxisten-Leninsten daran, ihre Geschichte umfassend neu zu bewerten. Sämtliche Behauptungen müssen einer sorgfältigen Überprüfung unterzogen werden. Wir sagen, dass die Behauptung, der Sozialismus sei auch in verschiedenen anderen Ländern errichtet worden, wie beispielsweise in den ehemaligen Ländern des Warschauer Vertrages, in Kuba, Vietnam oder Nordkorea, unhaltbar und unzutreffend ist. Wir meinen auch, dass diese Behauptung dazu beiträgt, den Sozialismus abzuwerten und zu diskreditieren.

 

Tatsächlich verwischen diese unberechtigten revisionistischen Behauptungen den Unterschied zwischen dem Sozialismus und einem nationalistischen 'Pseudo-Sozialismus', der in bestimmten Ländern existierte. In Wahrheit haben die politischen Führer jener Länder nie die klaren Ratschläge Lenins und Stalins beachtet. Lenin und Stalin warnten davor, den revolutionären Prozess von der nationaldemokratischen Revolution hin zur sozialistischen Revolution abzustoppen. Stalin wies mit dem Ausdruck 'Chinesische Mauer', der sich als hellsehrerisch erweisen sollte (da die Kommunistische Partei Chinas gerade das tat, wovor er gewarnt hatte), darauf hin, dass man keine unüberwindliche Barriere zwischen der demokratischen und der sozialistischen Revolution errichten darf.

 

Es mag natürlich sein, dass zu diesem Zeitpunkt so mancher ehrliche Marxist-Leninist nicht davon überzeugt ist, dass Albanien tatsächlich das einzige Land war, das dem Beispiel der Sowjetunion folgte. Wir werden deshalb an dieser Stelle versuchen, zunächst die Entwicklung der Albanischen Revolution zu umreißen. Wir werden dann anschließend auf die Beziehungen zwischen Stalin und Hoxha, der die Albanische Partei vertrat, eingehen und in diesem Zusammenhang auch die Haltung der Tito-Revisionisten umreißen.

 

Damit werden wir zeigen, dass noch zu Lebzeiten Stalins und mit seiner direkten Unterstützung in Albanien das Fundament eines sozialistischen Staates gelegt wurde.

 

Dieser Überblick stellt die Entwicklung allerdings nur bis zu Stalins Tod im Jahre 1953 dar. Selbstverständlich ist Albaniens spätere Geschichte auch sehr wichtig für den Kampf gegen den Revisionismus.

 

Leider können wir uns mit ihr in diesem Artikel nicht befassen. Die wichtige Rolle, die Albanien zuerst bei der Entlarvung des Chruschtschow-Revisionismus und später bei der des chinesischen Revisionismus, des Maoismus, gespielt hat, wird später an anderer Stelle zu schildern sein.

 

Hier jedoch wollen wir uns nur kurz vergegenwärtigen, dass der Sozialismus vom albanischen Staat umfassend aufgebaut und zu großen Höhen entwickelt wurde, und zwar erstens nach wissenschaftlichen Maßstäben:

 

Die gesamte private Industrie wurde enteignet, der Staat kontrollierte die Schalthebel der Produktion und wurde selbst wiederum von der Arbeiterklasse und der Bauernschaft geleitet, zweitens nach den Maßstäben der einfachen Menschen: Im alltäglichen Leben wurde dieses Kriterium umfassend verwirklicht.

 

Im Jahre 1947 war Albanien jedoch ein Land, das vom Faschismus verwüstet worden war. Es besaß weder ein Eisenbahnnetz noch eine nennenswerte Industrie, dafür jedoch ein hohes Analphabetentum. Und dennoch besaß Albanien 1989 einen höheren Lebensstandard als seine Nachbarn, einschließlich Jugoslawien. Seine Menschen besaßen eine gute Ausbildung und das Land und seine Menschen entwickelten sich, auch wenn es die kapitalistische Propaganda nicht wahrhaben will. Albanien exportierte eine breite Palette von Produkten ins benachbarte Ausland, einschließlich Elektrizität, und was die Löhne anging, so unterlagen alle Arbeiter einem 1:1,2 - Verhältnis zwischen den niedrigsten und den höchsten Löhnen, wobei die Mitglieder der kommunistischen Partei die niedrigsten Löhne erhielten. Krankheiten, die in Jugoslawien noch an der Tagesordnung waren, waren in Albanien schon ausgerottet. Eine ganze Reihe anderer Faktoren könnte hinzugefügt werden, um den Unterschied im politischen, kulturellen und im sonstigen Lebensniveau zwischen Albanien und dem in den pseudosozialistischen Staaten deutlich zu machen.

 

Albanien war für die Arbeiter und Bauern auf der ganzen Welt ein gutes sozialistisches Vorbild. Dies war auch der Grund, weshalb die internationale Bourgeoisie, angeführt von den USA und der Weltbank, so hartnäckig den Putsch von 1990 unterstützte, der zur Folge hatte, dass der Verräter Ramiz Alia an die Macht gelangen konnte. Aber dazu bedurfte es der Initiative der Organisationen der internationalen kapitalistischen Klasse.

 

Enver Hoxhas Taten leben jedoch auch heute noch fort und sie werden auch weiterhin wegweisend sein für die Arbeiter und Bauern Albaniens, die nach wie vor Widerstand leisten.

 

Wie aber schuf Enver Hoxha die Grundlagen dieses sozialistischen Staates und auf welche Weise standen ihm Stalins Taten und Überlegungen zur Seite?

 

 

1. Vom antifaschistischen Krieg zur sozialistischen Revolution

 

 

Marxisten-Leninisten ist bekannt, dass an verschiedenen Knotenpunkten des Kampfes verschiedene Gruppen von Menschen sich an den Kämpfen beteiligen. Vor Einsetzen der sozialistischen Revolution gehören dazu auch Menschen, die sozialistischen Parolen und Prinzipien durchaus fernstehen.

 

Auch die Bolschewistische Revolution durchlief zwei Stadien: zuerst das der national-demokratischen und erst danach das der sozialistischen Revolution. Dazu Lenin:

 

"Wenn man nicht verstehen will, dass eine bürgerlich-demokratische Republik mit einer verfassungsgebenden Versammlung einen Fortschritt bedeutet gegenüber derselben Republik ohne eine solche, und dass eine Sowjetrepublik sogar zwei Schritte voraus bedeutet, dann verschließt man die Augen vor dem Unterschied zwischen Bourgeoisie und Proletariat."

(W. I. Lenin, 'Gesammelte Werke', Moskau 1980, Bd. 29, S. 498).

 

In seinen 'Aprilthesen', die er zur Zeit seiner Rückkehr aus dem Exil verfasste, macht Lenin klare Aussagen über die beiden Stadien der Bolschewistischen Revolution:

 

"Das eigentliche Kennzeichen der gegenwärtigen Situation in Russland besteht darin, dass das Land vom ersten Stadium der Revolution, welches wegen des unzureichenden Klassenbewusstseins und der unzureichenden Organisation des Proletariats die Macht in die Hände der Bourgeoisie legte, zu seinem zweiten voranschreitet, das die Macht in die Hände des Proletariats und der ärmsten Schichten der Bauernschaft legen muss."

(W. I. Lenin, ebd., Bd. 2, 'Aprilthesen', Bd. 2, Moskau 1977, S. 30).

 

Diese besonderen Merkmale (also 'unzureichendes Klassenbewusstsein' und 'mangelnde Organisation des Proletariats'), trafen auch auf Albanien zu. Wie Lenin erkannte, hatte die demokratische Revolution in Russland im Monat April (1917 - Üb.) stattgefunden:

 

"Erstens: Die alte zaristische Macht, die im Interesse einer Handvoll feudalistischer Landbesitzer ausgeübt wurde, ist gestürzt und beseitigt worden, aber nicht vollständig. Zweitens: Die staatliche Macht ist in die Hände einer neuen Klasse übergegangen, in die der Bourgeoisie und der verbürgerlichten Landbesitzer. Bis zu diesem Zeitpunkt ist die bürgerlich-demokratische Revolution in Russland vollendet."

(W. I. Lenin, 'Die Aufgaben des Proletariats in unserer Revolution', in: 'Gesammelte Werke', Band 2, S. 37).

 

Lenin wies auch darauf hin, dass der in der 'Doppelherrschaft' bestehende Spannungszustand sich durch den Sieg der einen oder der anderen Kraft auflösen werde:

 

"Das Hauptmerkmal unserer Revolution ..besteht in der Doppelherrschaft, die in den allerersten Tagen nach dem Triumph der Revolution entstand. Diese Doppelherrschaft zeigt sich in der Existenz von zwei Regierungen: Die eine ist die tatsächliche, jetzige Bourgeoisie, vertreten durch die 'Provisorische Regierung' von Lwow & Co., die sämtliche Machtorgane in den Händen hält und die andere ist die zusätzliche parallele Regierung, die Regierung der 'Kontrolle' in Gestalt des Petrograder Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten, die keinerlei Macht in den Händen hält, die sich aber auf eine eindeutige und unbezweifelbare Mehrheit des Volkes, der bewaffneten Arbeiter und Soldaten stützen kann."

(W. I. Lenin, 'Die Aufgaben des Proletariats in unserer Revolution', in: 'Gesammelte Werke', Band 2, S. 36f).

 

Lenin und Stalin wiesen in der Praxis nach, dass die sozialistische Revolution erst nach dem Sieg der national-demokratischen Revolution stattfinden kann. Dieses Verständnis versetzte sie in die Lage, sich in den Stürmen der kolonialen und halbkolonialen Welt zu orientieren, etwas, zu dem Trotzki übrigens nie in der Lage war, der die sozialistische mit der demokratischen Phase verwechselte. Es war dieses Verständnis, das Stalin später auch in die Lage versetzte, die Albanische Revolution zu entschlüsseln sowie Hoxhas Rolle darin.

 

So wie die Bolschewiki der Sowjetunion den Kampf gegen die feudale, zaristische Unterdrückung zu einer Abschussrampe für die erfolgreiche sozialistische Revolution machten, genauso führte die Partei der Arbeit Albaniens die Vereinigte Front im Kampf mit den faschistischen Invasoren zur national-demokratischen Revolution und von dort aus zur sozialistischen.

 

Zunächst führte sie die Vereinigte Front gegen die italienschen Faschisten, dann gegen die deutschen Nazis zur national-demokratischen Revolution und danach gegen den inneren Klassengegner zur sozialistischen Revolution. Albanien war übrigens während dieses heroischen Kampfes im Zweiten Weltkrieg das einzige Land, das ohne die Hilfe der Sowjetunion auskommen musste, aber dennoch in der Lage war, sich aus eigener Kraft aus der faschistischen Umklammerung zu lösen.

 

Die Kommunistische Partei Albaniens (KPA, später 'Partei der Arbeit Albaniens - Üb.) bildete sich ursprünglich aus einer ganzen Reihe kleinerer Gruppen, die während der italienischen Besatzung wesentlich am Kampf beteiligt gewesen waren. Tatsächlich war es der antifaschistische Kampf an der Basis gewesen, der zu mehr als nur einer formalen Einheit unter den verschiedenen Gruppen geführt hatte.

 

"Während sich die Verhandlungen unter den Führern der kommunistischen Gruppen über Monate hinzogen, schwellte der antifaschistische Volkskampf im ganzen Land immer mehr an. Ein radikaler Wandel war eingetreten: Die einfachen Mitglieder der kommunistischen Gruppen wurden sich immer stärker bewusst, dass Einigkeit nicht durch sterile Gespräche unter den Führer hergestellt werden konnte, sondern nur durch den gemeinsamen Kampf gegen die faschistischen Invasoren. ..Die Demonstrationen wurden beherrscht von Parolen wie 'Lang lebe das freie Albanien!' oder 'Freiheit oder Tod'."

('Geschichte der Partei der Arbeit Albaniens', Band 1, Tirana 1971, S. 70).

 

Diese Aktivitäten führten schließlich dazu, dass sich 1940 in Tirana eine Untergruppe der Kommunistischen Partei bildete: die kommunistische Gruppe von Korca, die von Enver Hoxha geführt wurde. Unter seiner Anleitung wurden die sektiererischen und trotzkistischen Elemente der 'Jugendgruppe' entlarvt, die zum Beispiel falsche Parolen verbreiteten wie:

 

"'Für ein Sowjet-Albanien' noch in der Phase des antifaschistischen Kampfes."

('Geschichte der Partei der Arbeit Albaniens', Band 1, Tirana 1971, S. 79, im Folgenden mit 'Geschichte' zitiert).

 

Die Shkodra- und Korcagruppe rückten aufgrund der Notwendigkeit koordinierter Aktionen gegen die italienischen Faschisten enger zusammen. Schließlich kam es nach einem Treffen verschiedener Gruppen am 8. November 1941 zur Gründung der Kommunistischen Partei Albaniens. Die ideologischen und organisatorischen Fundamente der Partei entsprachen dabei exakt den Ratschlägen Lenins und Stalins ('Geschichte', S. 89ff). Ausdrücklich wurden trotzkistische Vorstellungen von dem 'reaktionären und konservativen Wesen der Bauernschaft' und dem 'Fehlen eines Proletariats' zurückgewiesen und als 'unheilvolle Wegbereiter für die Zerstörung der Hoffnungen auf einen Sieg' gebrandmarkt (Ebd., S. 86).

 

Das strategische Ziel der Partei bestand darin,

 

"Durch den Kampf die nationale Unabhängigkeit des albanischen Volkes sowie eine demokratische Volksregierung in einem Albanien ohne Faschismus zu verwirklichen."

(Ebd., S. 92).

 

Dabei wurde der Klassenkampf keineswegs außer Acht gelassen, jedoch wurde festgestellt, dass

 

" ..der grundlegende Widerspruch, der in Albanien damals existierte, und der einer raschen Lösung zugeführt werden musste, um den Weg für die nationale, die sozialökonomische und kulturelle Entwicklung zu ebnen, der zwischen dem Volk und den faschistischen Invasoren war."

(Ebd., S. 93).

 

Der Hauptfeind waren

 

" ..die italienischen Faschisten ..sowie all jene, die sich an die Seite der Invasoren gestellt und ihnen gedient hatten, um das albanische Volk zu unterjochen."

(Ebd.).

 

Die Hauptkräfte, die ihnen gegenüberstanden, bildeten

 

" ..die Arbeiter und Bauern, die die Hauptlast der faschistischen Besatzung trugen und darangingen, militärische Formationen zu bilden.., die unter den Arbeitern in den städtischen und ländlichen Regionen immer zahlreicher wurden."

(Ebd.).

 

In Übereinstimmung mit der Taktik der breitest möglichen Einheitsfront mit all jenen, die ehrlich bereit waren, dem gemeinsamen Feind entgegenzutreten, erließ die Kommunistische Partei Albaniens folgende taktische Direktive:

 

"Die nationalistisch gesinnten Teile der Bevölkerung waren jedoch gleichermaßen an der Wiederherstellung der nationalen Unabhängigkeit interessiert. Deshalb durfte die Partei diese Schichten nicht vernachlässigen und sie verpflichtete deshalb ihre Mitglieder, nicht in dem Bemühen nachzulassen, sie für die nationale Befreiungsbewegung zu gewinnen. ... Vereinigt euch mit all jenen Nationalisten, die ehrlich für ein freies Albanien eintreten, die gegen den Faschismus kämpfen wollen."

('Geschichte', S. 94).

 

Nachdem das Bündnis zwischen den Massen und den schwankenden, jedoch ehrlichen Patrioten unter den albanischen Nationalisten hergestellt worden war, ging die KPA dazu über, sich an die Spitze des Nationalen Befreiungskampfes zu stellen:

 

"Im Februar 1942 erließ das Zentralkomitee die ersten Direktiven zur Bildung von Nationalen Befreiungsräten, die als Instrument zur Organisierung und Mobilisierung des Volkes für den antifaschistischen Krieg dienen und gleichzeitig 'Keimzellen einer künftigen Regierung' bilden sollten. Die Räte sollten ein wichtiges Bindeglied zu den Volksmassen darstellen und sie an die Nationale Befreiungsfront heranführen."

(Ebd., S. 107).

 

Die Gründung der Nationalen Befreiungsfront auf der Konferenz von Pesa am 16. September 1942 war von ausschlaggebender Bedeutung für die Mobilisierung der Energien der ehrlichen Antifaschisten.

 

In der Praxis wusste man zu unterscheiden zwischen den ehrlichen, jedoch nicht-kommunistischen Patrioten und den falschen 'Patrioten'. Diese von Abas Kupi geführten Leute wagten es nicht, 'offen die führende Rolle der KPA, die sie zu spielen begann, in Frage zu stellen'." (Vgl. 'Geschichte', S. 123).

 

Die Räte gewannen dann zunehmend an Bedeutung:

 

"In den befreiten Gebieten stellten die Räte Organe der Volksmacht dar. Sie garantierten die Sicherheit und brachten die Wirtschaft wieder in Gang, sie organsierten die Versorgung mit Lebensmitteln, den Handel, die Aussaat, die Einbringung der Ernte; sie kümmerten sich um das Erziehungswesen, um die Kultur und die Presse, schlichteten Blutfehden und hielten die Wehrbereitschaft aufrecht. ..In allen Nationalen Befreiungsräten funktionierte die Verwaltung und die Menschen wurden für den Kampf und den Aufstand mobilisiert."

(Ebd., S. 125).

 

Die KPA verfügte auch über die Erfahrung der Sowjets in der Sowjetunion. Aber:

 

"Sie übernahm nicht einfach schematisch diese Erfahrungen. Zu allererst ging sie von den konkreten Umständen, unter denen sich die antifaschistische Volkserhebung in Albanien entwickelte, aus. Die Zusammensetzung der Organe dieses Aufstands stimmte mit ihrem nationalen Befreiungscharakter überein. Nach Ansicht des ZK sollten in diesen Räten die aktivsten Vertreter aller antifaschistischen Kräfte, unabhängig von ihrer politischen Überzeugung und ihrer sozialen Herkunft, präsent sein."

(Ebd., S. 126).

 

Auch während des Befreiungskrieges unterließ es die KPA nicht, die Machenschaften des 'Balli Kombetar' zu entlarven und zu vereiteln. Unter der Führung von Pseudopatrioten wie Mithat Frascheri und Abaz Kupi stehend, umfasste diese Organisation

 

" ..reaktionäre bürgerliche Intellektuelle, Großgrundbesitzer und Kaufleute, reaktionäre Geistliche und andere.. Auch die trotzkistische Gruppe 'Zjarri' schloss sich ihnen an. Der Balli Kombetar war eine buntscheckige politische Union der unterschiedlichsten reaktionären Strömungen. Ihre Organisation war durch und durch korrupt. Balli-Vertreter erklärten, sie würden die Pesa-Konferenz nicht anerkennen; stattdessen zogen sie es vor, mit den Invasoren zu kollaborieren."

(Ebd., S. 131ff).

 

Sektiererische Elemente, die von den Jugoslawen angestachelt worden waren, propagierten den 'offenen Kampf' gegen die Balli-Leute. Die KPA unter der Führung von Enver Hoxha auf der anderen Seite drang darauf, zwischen den Anführern des Balli und den einfachen Mitgliedern zu unterscheiden. Diese Herangehensweise trug mit dazu bei, dass das albanische Volk zu der Überzeugung gelangte, dass es nur eine Führung gab, die sich ehrlich für die nationale Befreiung stark machte, nämlich die KPA.

 

Als die Zweite Konferenz der Nationalen Befreiungsbewegung im September 1943 in Labinot stattfand, waren bereits Versuche von Seiten zurückweichlerischer Elemente des ZK der KPA unter Führung von Imer Dischnica von Hoxha vereitelt worden, die sich mit dem Balli Kombetar arrangierten wollten. Es war zu diesem Zeitpunkt an der Zeit, dafür zu werben

 

" ..dass die Nationalen Befreiungsräte als die einzigen Volksvertretungen in Albanien anerkannt wurden."

(Ebd., S. 170).

 

Schließlich setzte sich der richtige Kurs durch und die Masse der Bevölkerung konnte sich immer mehr davon überzeugen, dass die KPA entschlossen diesen bewährten Kurs fortführte. Mit der Zeit mussten sogar die objektiveren unter den britischen Militärbeobachtern in ihren Geheimberichten feststellen, dass

 

" .. es zunehmend schwieriger wird, den Partisanen (d.h. den Mitgliedern der Befreiungsfront) klarzumachen, weshalb die Alliierten nicht nur nicht die Kollaborateure verurteilen, sondern sie sogar versorgen und fortfahren, militärische Kontakte zu ihnen zu pflegen. In den vergangenen Monaten habe ich zusammen mit den Majoren Titman und Palmer darum gebeten, diese Politik zu ändern, aber leider vergeblich. ..Ich bin Berufssoldat und kein Politiker, aber nach dem zu urteilen, was ich gesehen habe, muss ich sagen, dass die Nationale Befreiungsfront hundertprozentig in der Lage ist, Albanien zur Zufriedenheit der Bevölkerung zu regieren."

(Britische Dokumente des Staatlichen Archivs von Kew, London, Nr. FO 371/43551/39/R 10429, zit.n. 'Ein wirres Knäuel. Geschichte der angloamerikanisch-albanischen Beziehungen, 1912-1955', hg. v. W.B. Bland und I. Price, London 1986, S. 99).

 

Die italienischen Faschisten mussten am 8. September 1943 kapitulieren. Aber danach kamen die deutschen Nazis und die bewaffneten Auseinandersetzungen wurden noch heftiger. Dies führte dazu, dass auch der Kampf gegen den inneren Feind an Schärfe zunahm, der Kampf gegen den Balli Kombetar, der sich immer mehr zu einer Speerspitze der Reaktion entwickelte. Dies geschah in einer Zeit, als Abas Kupi sich den deutschen Statthaltern anschloss, mit der stillschweigenden Duldung der Briten. Diese machten sich inzwischen zunehmend Sorgen über Enver Hoxha und das revolutionäre Potenzial der KPA und wollten ihre künftigen 'Rechte' an der Ausbeutung Albaniens mit Hilfe der Marionette Kupi sichern, und der britische Premierminister Winston Churchill führte unterdessen Gespräche mit dem albanischen König Zog.

 

Unter diesen Umständen drängte die KPA darauf, die staatliche Macht unter den Arbeitern und Bauern fester zu verankern:

 

"Die wichtigste Frage, mit der wir uns jetzt beschäftigen müssen, ist die der Staatsmacht, ist die der Gründung von Räten der Nationalen Befreiung an jedem Ort, ihre Stärkung sowie ihren Schutz vor allen Versuchen auf Seiten des 'Balli Kombertar' oder von irgendeiner anderen Seite, sie zu sabotieren oder ganz offen zu bekämpfen..Es darf außer den Räten für die Nationale Befreiung keine anderen Machtorgane geben. In dieser Frage darf es weder Kompromisse noch Zweideutigkeiten geben."

(Ebd., S. 184).

 

Schon im Mai 1944 erwiesen sich die von der KPA geführten Partisanen, trotz heftiger deutscher Angriffe, als überlegen. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Nationale Befreiungsarmee auf bis zu 35.000 Mann angewachsen. In der Zwischenzeit, seit Januar 1944, hatte auch die Rote Armee an der Ostfront eine Offensive gestartet und war im April in Rumänien eingedrungen. Ausgerechnet in dieser entscheidenden Phase kamen die Anglo-Amerikaner den Kupi-Leuten sowie den Balli-Kollaborateuren zu Hilfe. Aber im Unterschied zu Griechenland, wo Kommunisten abgeschlachtet wurden, verfolgte die KPA durch Enver Hoxha eine richtige Linie. Im April 1944 wurde in Permet der Erste Kongress der Antifaschistischen Nationalen Befreiungsräte abgehalten. Auch die Frage der Staatsmacht wurde auf der Konferenz besprochen. Die KPA legte größten Wert auf die Behandlung dieser Frage. Nach den ersten demokratischen Wahlen, die Albanien erlebte, wurde der Antifaschistische Nationale Befreiungsrat als höchstes gesetzgebendes und ausführendes Organ gewählt, als

 

" ..Repräsentant der Souveränität des Volkes und des albanischen Staates. Der in Permet gewählte Antifaschistische Rat wurde das höchste Volksvertretungsorgan Albaniens. Der Kongress beauftragte den Antifaschistischen Rat mit der Bildung eines Antifaschistischen Komitees der Nationalen Befreiung, der Bildung einer vorläufigen demokratischen Volksregierung. Enver Hoxha wurde zum Vorsitzenden dieses Antifaschistischen Komitees gewählt. Indem er die höchsten Volksorgane schuf, beschloss der Kongress von Permet, dass das 'neue volksdemokratische Albanien ausschließlich gemäß dem heute feierlich durch den Antifaschistischen Nationalen Befreiungsrat zum Ausdruck gebrachten Willen des Volkes entsteht'."

(Ebd., S. 208).

 

Danach befreite sich Albanien ganz aus eigener Kraft vom Nazifaschismus.

 

Schließlich beschloss das zweite Treffen des Antifaschistischen Nationalen Befreiungsrates, das in Berat vom 20.-23. Oktober 1944 stattfand, das Antifaschistische Komitee in 'Demokratische Regierung Albaniens' umzubennen.

 

Diese versprach, vollständig demokratische Wahlen für eine Verfassungsgebende Versammlung nach der Befreiung abzuhalten. Allen Bürgern wurde in der 'Erklärung der Bürgerrechte' Gleichheit vor dem Gesetz, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit, Presse-, Religions- und Gewissensfreiheit, die Gleichberechtigung von Mann und Frau, das Wahlrecht usw. garantiert. Darüberhinaus wurden die ersten Schritte in Richtung einer Landreform unternommen: Der gesamte Grundbesitz wurde registriert, alle landlosen Bauern wurden gezählt und sämtliche Verträge, die auf politischem, militärischem oder ökonomischem Gebiet durch den ehemaligen König Zog mit dem Ausland abgeschlossen worden waren, wurden für null und nichtig erklärt, falls sie unter Verletzung albanischer Interessen eingegangen worden waren. Außerdem wurde eine enge Beziehung und eine intensive Zusammenarbeit mit der Sowjetunion angestrebt (Vgl. 'Geschichte', S. 217ff).

 

Als am 29. November 1944 die vollständige Befreiung erreicht war, wurde deutlich, dass die Arbeiterklasse unter Führung der KPA die entscheidende Rolle im Nationalen Befreiungsrat gespielt hatte und dies trotz der Tatsache, dass

 

" ..der Anteil der Arbeiter in den führenden Organen der Nationalen Befreiungsbewegung eher gering war. Das bedeutete jedoch nicht, dass die Arbeiterklasse nicht imstande war, ihre führende Rolle in diesem Krieg auszuüben."

(Ebd., S. 234).

 

Die Bauernschaft war zur wichtigsten bewaffneten Kraft im Nationalen Befreiungskrieg und zur 'zuverlässigsten Stütze der KPA' geworden. Es traf zu, dass

 

" ..die albanische Bauernschaft die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung ausmachte. Es traf auch zu, dass sie in ökonomischer und kultureller Hinsicht sicherlich rückständig war, aber sie hatte sich ein großes revolutionäres Potenzial gegen die Grundbesitzer und Wucherer, gegen das ehemalige volksfeindliche Regime sowie gegen die ausländischen Invasoren bewahrt. Die Bauernschaft befürwortete das Programm der KPA und deren führende Rolle, während die wohlhabenden Bauern und der Dorfadel dies nicht taten und sich mit den Balli-Leuten zusammentaten."

(Ebd., S. 234ff).

 

Was die anderen Klassen betraf, so schlossen sich die kleinere und mittlere Bourgeoisie ebenfalls der von der KPA geführten Nationalen Befreiungsfront an. Die überwiegende Mehrheit der Kleinbourgeoisie war mit Begeisterung in ihr tätig. In der mittleren Bourgeoisie gab es Schwankungen, jedoch beteiligte sich die Masse der Bevölkerung an den Aktionen (Vgl. 'Geschichte', S. 236). Die Jugendlichen und die Frauen gehörten dabei zu den aktivsten Kräften.

 

Bald wurde eindeutig Kurs auf das zweite Stadium, den Sozialismus, genommen.

 

Zunächst musste die Armee jedoch von einer Guerilla- und Partisanenarmee zu einer regulären Armee umgestaltet werden. Wahlen zu den örtlichen Machtorganen wurden abgehalten. Auf dem Ersten Kongress der Nationalen Befreiungsfront im August 1944 wurde die Demokratische Front unter der Parole der Nationalen Einheit gebildet. Der Kongress rief auch zur Abhaltung von Wahlen für den 2. Dezember auf. Ausgeschlossen von den Wahlen waren nur ehemalige Minister der Quisling-Regierung (gemeint die Regierung der Nazi-Kollaborateure - Üb.), Kriegsverbrecher und jene, die ihre Bürgerrechte eingebüßt hatten. In der Zeit vor den Wahlen wurden jedoch bereits bestimmte fortschrittliche Maßnahmen eingeleitet:

 

1. Das Bündnis und die Freundschaft mit der sozialistischen Sowjetunion;

2. Der Wiederaufbau von Schulen, Fabriken, Elektrizitätswerken ...;

3. Kaufleute und Kapitalisten wurden gezwungen, Steuern zu zahlen und zurückbehaltene Waren herauszugeben.

 

Dazu heißt es in der 'Geschichte':

 

"Im Jahre 1945 machten die Einnahmen aus der außerordentlichen Besteuerung von Kriegsprofiten mehr als die Hälfte der gesamten Steuereinnahmen aus."

(Ebd., S. 261).

 

Mitten in der Wahlkampagne erkannte die Sowjetunion die Demokratische Regierung Albaniens an. Die Wahlen selbst waren außerordentlich wichtig:

 

"Es beteiligten sich etwa 90% der Wahlberechtigten..und 93% davon gaben ihre Stimme den Kandidaten der Demokratischen Front. Es waren die ersten demokratischen Wahlen, die je in Albanien abgehalten worden waren..Am 11.Januar 1945 proklamierte die Verfassungsgebende Versammlung, die eindeutig den Willen des Volkes repräsentierte, Albanien als Volksrepublik und wählte eine neue Regierung mit Enver Hoxha als Regierungschef."

(Ebd., S. 272f).

 

In der neuen Verfassung hieß es, dass

 

" ..die wichtigsten Produktionsmittel fortan Eigentum des ganzen Volkes sind und dass der private Sektor der staatlichen Kontrolle unterliegt. Die Verfassung betrachtet Arbeit als Ehre und Pflicht für alle. Jeder Bürger soll seiner geleisteten Arbeit und seinen Fähigkeiten entsprechend entlohnt werden."

(Ebd., S. 274).

 

Den Zynikern zufolge waren die Wahlen natürlich 'manipuliert' worden. Jedoch kam der Offizier der US-Sondermission Joseph Jacobs 1945 interessanterweise zu folgender Einsicht:

 

"Die albanischen Patrioten stellen eine Gruppe von aufrichtigen Patrioten dar, mit denen so einfach nicht zurechtzukommen sein dürfte."

(W. B. Bland und I. Price, 'Ein wirres Knäuel. Die Geschichte der angloamerikanisch-albanischen Beziehungen, 1912-1955', London 1986, ebd.).

 

"Das Regime der Nationalen Befreiungsfront genießt eine größere Unterstützung in der Bevölkerung als jede andere Oppositionsgruppe. Diese oppositionellen Elemente sind schlecht organisiert und besitzen kein konstruktives Programm. Die Nationale Befreiungsfront stellt die einzige Bewegung dar, die den faschistischen Invasoren wirksam Widerstand entgegengesetzt hat. Allgemein kann man sagen, dass die Führer der Nationalen Befreiungsfront patriotisch eingestellt sind und gute Absichten verfolgen. Ihnen ist das Wohl des Volkes wichtiger als jeder anderen albanischen Vorgänger-Regierung. Dass sie bis jetzt so vieles erreicht haben, trotz ihrer geringen Erfahrung, ist recht bemerkenswert."

(Ebd., S. 140).

 

Die Volksräte waren zum Fundament der Diktatur des Proletariats geworden. Was war nun Stalins Haltung zu Enver Hoxha und zum im Werden begriffenen sozialistischen albanischen Staat?

2. Albanien und Josef W. Stalin

 

Unabhängig davon, dass die bolschewistische Revolution von 1917 für die Kommunisten Albaniens von überragender Bedeutung war, hatte die Entwicklung in der Sowjetunion nach 1917 in Albanien starke Sympathien hervorgerufen. Im Unterschied zu den Revisionisten in den sog. Volksdemokratien waren die Albaner von Anfang an vom sowjetischen Beispiel begeistert.

 

Auch der antifaschistische Befreiungskrieg erhielt mächtigen Auftrieb durch das sowjetische Beispiel. Dazu die 'Geschichte':

 

"Geführt von Josef W. Stalin erhoben sich die sowjetischen Völker wie ein Mann und begannen ihren Vaterländischen Krieg, um die Freiheit und Unabhängigkeit ihrer sozialistischen Heimat zu verteidigen. Dieser gerechte Krieg eröffnete eine neue Etappe im Zweiten Weltkrieg, stärkte den freiheitlichen, antifaschistischen Charakter des Kampfes der Völker gegen den faschistischen Block und legte das Fundament für die Vereinigung aller antifaschistischen Kräfte der Welt in einer einheitlichen Front. ..Der hinterhältige Angriff auf das sowjetische Volk und der Ausbruch des Großen Vaterländischen Krieges hatte große Auswirkungen auf Albanien. Die Mehrheit der albanischen Patrioten reagierte mit Entrüstung auf die Hitleraggression.., denn es war nur die Sowjetunion gewesen, die die Sache Albaniens unterstützt und die ihre Stimme gegen die vielen Ungerechtigkeiten erhoben hatte, die gegen Albanien verübt worden waren.. 'Unser Kampf', bemerkte Enver Hoxha, 'begann nicht erst nach dem Eintritt der Sowjetunion in den Krieg, aber nach diesem Eintritt wussten die Menschen in unserem Land, dass das von ihnen vergossene Blut nicht umsonst vergossen war."!

('Geschichte', S. 81f).

 

Das Treffen, auf dem die kommunistischen Gruppen sich zur KPA zusammengeschlossen hatten, setzte sich auch zur Aufgabe, die Sache der Nationalen Befreiung Albaniens mit dem Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion zu verknüpfen. Dazu die 'Geschichte':

 

"Der entscheidende äußere Faktor für den historischen Sieg des albanischen Volkes war der Große Vaterländische Krieg der Sowjetunion und ihr großer Sieg über den Faschismus. ..Unter der Führung Stalins trug die Sowjetunion die Hauptlast des Zweiten Weltkriegs und sie spielte die Hauptrolle bei der Zerschlagung des Faschismus."

(Ebd., S. 241).

 

Das beste Zeugnis für die Absichten Stalins sind die Aufzeichnungen Enver Hoxhas über seine fünf Begegnungen mit Stalin. Über diese Begegnungen schreibt er in seinen Erinnerungen:

 

"Wir, die albanischen Kommunisten, haben die Ratschläge Stalins in unserer Praxis erfolgreich umgesetzt, um zunächst einmal eine starke, gestählte Partei zu haben, die stets dem Marxismus-Leninismus gegenüber treu und den Klassenfeinden gegenüber unnachgiebig ist."

(Enver Hoxha, 'Begegnungen mit Stalin', Tirana 1979, S. 39).

 

Diese Erinnerungen legen auch Zeugnis ab von der herzlichen persönlichen Beziehung zwischen diesen beiden großen Kämpfern für das Wohl der Menschheit. Es ist an dieser Stelle nicht nötig, darauf näher einzugehen, da das Buch für sich selbst spricht. Wir wollen aber dennoch versuchen, kurz einige besondere Aspekte der Beziehung zwischen Stalin und Hoxha herauszustellen.

 

a. Über die imperialistischen Angriffe auf Albanien, die Rolle Griechenlands und Stalins Vorschlag

 

Die Großmächte (also gemeint die USA, Großbritannien, Frankreich, Italien, Russland etc. -Üb) hatten sich stets in die inneren Angelegenheiten Albaniens eingemischt und ihre eigenen Grenzen gezogen. In dem Geheimvertrag von London, der am 26. April 1915 von Großbritannien, Frankreich, Italien und dem zaristischen Russland unterzeichnet worden war, wurde Albanien in drei Teile geteilt, von denen zwei direkt unter italienische und ein Teil unter griechische Kontrolle gestellt wurde (Vgl. W. Bland und I. Price, 'Ein wirres Knäuel', ebd., S. 6).

 

Dennoch benutzten unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkrieges die britischen und amerikanischen Imperialisten die Griechen erneut als Werkzeug, um Albanien auseinanderzubrechen. Also erneuerten die Griechen ihren angeblichen Anspruch auf den südlichen Teil Albaniens, den sie den 'Nördlichen Epirus' nannten. In einer Denkschrift des britischen Außenministeriums heißt es dazu:

 

"Das US-Außenministerium ..neigt dazu, einem begrenzten militärischen Eingreifen von Seiten der griechischen Armee auf einen Teil des albanischen Territoriums Berechtigung zuzuerkennen..Es gibt sehr vieles, das dafür spricht, den griechischen Militärs unter der Hand zu verstehen zu geben, dass einer begrenzten Aktion dieser Art nichts im Wege steht."

(Ebd., S. 235f).

 

Hoxha wies Stalin gegenüber darauf hin, dass sowohl die britischen als auch die US-amerikanischen Imperialisten genauso wie vor dem Krieg weiterhin darauf bedacht seien, Albanien zu schlucken. Darüberhinaus hätten auch die Griechen, die Italiener und die Jugoslawen bestimmte Absichten bezüglich Albaniens. Stalin riet, den Aufbau des Sozialismus Schritt für Schritt fortzusetzen. Stalin:

 

"Was die Rufe der äußeren Feinde angeht, Albanien zu teilen, so wird damit nur der Versuch unternommen, euch einzuschüchtern, denn ich glaube nicht, dass in dieser Beziehung zur Zeit eine Gefahr besteht. Erstens ist Albanien ein freies und unabhängiges Land, dessen Volk sich die Unabhängigkeit selbst erobert hat, und dieses Volk hat gelernt, seine Unabhängigkeit zu verteidigen. Zweitens bestehen unter den äußeren Feinden selbst Meinungsverschiedenheiten, was Albanien betrifft. Niemand möchte, dass Albanien nur ganz dem anderen gehört. Wenn Griechenland zum Beispiel Albanien ganz für sich alleine beanspruchen würde, dann wäre dies sicherlich für Italien oder Jugoslawien nicht so vorteilhaft. Diese Länder würden dann Einwände erheben. ..Auf der anderen Seite ist doch die Unabhängigkeit Albaniens von den Delegationen der Großen Drei - der Sowjetunion, Großbritannien und den USA - anerkannt und bestätigt worden. Es kann nun sein, dass diese Erklärung wieder relativiert wird, aber das wird nicht so einfach sein. Daraus folgt, dass, komme, was da wolle, Albaniens Unabhängigkeit geschützt sein wird."

(Enver Hoxha, 'Begegnungen mit Stalin. Erinnerungen', S. 116f).

 

Hoxha wies seinerseits auf bestimmte Informationen hin, aus denen hervorging, dass der Partisanenkrieg in Griechenland nicht richtig geführt wurde, und er ließ auch die dringenden Nachkriegsprobleme der unerfahrenen und schlecht geführten Griechischen Kommunistischen Partei (KKE) nicht unerwähnt. Bei seinem Treffen mit Stalin wurde Hoxha deutlicher:

 

"Wir sind der Meinung, dass die Führung der KKE schwere Fehler begangen hat.., unter anderem den, dass sie Distanz zum Volk gehalten hat..,dass sie es während des Krieges auf dem Land und in den Städten unterlassen hat, die Partei zu stärken..,und dass sie auch während des Krieges den Kampf gegen die innere Reaktion und gegen die anglo-amerikanische Intervention fehlerhaft geführt hat."

(Enver Hoxha, ebd., S. 109f).

 

Viele dieser Fehler waren die gleichen wie jene, gegen die die Hoxha-Führung im ZK der KPA selbst zu kämpfen hatte. Diese Fehler wurden von trotzkistischer Seite verstärkt sowie von heimlichen Tito-Agenten. Im Wesentlichen liefen sie auf ein mangelndes Vertrauen auf die Volkskräfte sowie auf Opportunismus hinaus:

 

"Auf dem Lande..kam die Stärkung der Partei nur schleppend voran und ihre Organisation war schwach dort und schlaff. Oft war keine klare Grenzlinie zur EAM (der griechischen Nationalen Befreiungsfront - Verf.) erkennbar. Es gab bei den nationalen Befreiungsräten auf Dorfebene sowohl im organisatorischen als auch in den Fragen der politischen Orientierung einen ausgeprägten Opportunismus. In den befreiten Gebieten und woanders gab es eine Koexistenz und eine Duldung der reaktionären zerwistischen Organisationen usw. Wir versuchten den griechischen Genossen klarzumachen, dass es ein großer Fehler gewesen war, den Oberbefehl über die Nationale Befreiungsarmee dem Mittelmeerkommando der Briten und Amerikaner zu unterstellen, dass es falsch war, mit Zerwas und der reaktionären griechischen Exilregierung Gespräche zu führen und Abkommen opportunistischen und kapitulantenhaften Charakters abzuschließen, dass es falsch war, in der Führung der griechischen Nationalen Befreiungsarmee das bäuerliche Element sowie die alten Karriereoffiziere überwiegen zu lassen usw., dass all dies schwere Fehler waren, die dazu führen können, dass der heroische Kampf des griechischen Volkes eine Niederlage erleiden werde. Das Varkiza-Abkommen war dann die logische Folge all dieser falschen Schritte und falschen Einstellungen: Es führte zur Kapitulation vor der britischen und der lokalen Reaktion."

(Enver Hoxha, ebd., S. 110ff).

 

Hoxha weiter:

 

"Aber auch nach dem Abschluss des kapitulantenhaften Varzika-Abkommen und der Phase der 'Legalität' der KKE korrigierte die Führung keineswegs ihre begangenen Fehler..Es gelang ihr nicht, die Lage nach der Niederlage des Faschismus richtig einzuschätzen. Sie unterschätzte den inneren Gegner und die anglo-amerikanischen Reaktion und war nicht in der Lage, die große Gefahr vorauszusehen, die ihr von diesen reaktionären Kräften drohte..Dagegen setzte sie große Hoffnungen in 'legale' Aktionen und in den Parlamentarismus. Das führte dazu, dass die Partei vor dem Feind entwaffnet wurde, dass sie ihre gesunden Verbindungen mit dem Volk wieder verlor und dass die Volksrevolution in Griechenland in eine schwere Krise geriet, und den Menschen wurde vorgegaukelt, dass die Revolution auf parlamentarischem Wege und durch Wahlen zum Sieg verholfen werden könnte..Die Führung unterließ es, Vorbereitungen auf einen langwierigen und schwierigen Krieg zu treffen. Sie unterschätzte den Partisanenkrieg und bezeichnete diejenigen Partisaneneinheiten, die sie erfolgreich umgruppiert hatte, schon als eine 'reguläre Armee'. Sie setzte ihre ganze Hoffnung auf diese angeblich reguläre Truppe und übersah dabei den entscheidenden Faktor: das Volk sowie den marxistisch-leninistischen Grundsatz, dass die Armee und das Volk eine Einheit bilden müssen."

(Ebd.).

 

Stalin machte sich über die Entwicklung in Griechenland Sorgen, aber auch über die gespannten Beziehungen zwischen der KPA und der KKE. Er war es dann, der eine Aussprache zwischen den Führern der KKE, Nicos Zachariadis, Mitsos Partsalides einerseits und Enver Hoxha andererseits arrangierte, um die Vorwürfe Hoxhas zu diskutieren. Dieses Treffen fand in Stalins Büros im Kreml statt, wo diese Vorwürfe offen zur Sprache gebracht wurden.

 

Hoxha kritisierte folgende Verletzung von Prinzipien:

 

1. Die KKE habe den Oberbefehl über den Kampf gegen den Faschismus an das britische und amerikanische Mittelmeerkommando abgetreten. Dazu Hoxha:

 

"Unsere Partei hat bis zuletzt die sowjetisch-britisch-amerikanische Allianz unterstützt, weil sie diese als eine antifaschistische Koalition betrachtete, um die deutschen Nazis zu zerschmettern. Gleichzeitig haben wir nie die Illusion gehabt, dass die anglo-amerikanischen Imperialisten loyale Freunde des albanischen Volkes werden könnten. ..Wir haben gleich von Anfang an klar zwischen der Sowjetunion und den Anglo-Amerikanern unterschieden. ..Unsere Partei, unsere Armee und der Oberbefehl unserer Armee haben sich nicht nur nie dem Diktat des britischen und amerikanischen Mittelmeerkommandos gebeugt, sondern wir blieben auch dann noch sehr vorsichtig, als wir ihnen gestatteten, uns militärische Ratschläge zu erteilen. ..Unsere beiden Völker (d.h. das albanische und das griechische - Verf.) entwickelten im Verlaufe des Krieges sogar noch engere Beziehungen.. Aber wir haben die Genossen in der Führung der KKE kritisiert, weil sie und die EAM (die Nationale Befreiungsfront Griechenlands - Üb) dadurch einen schwerwiegenden prinzipiellen Fehler begingen, dass sie den Nationalen Befreiungskampf des griechischen Volkes der anglo-amerikanischen Strategie unterordneten und den Oberbefehl praktisch dem britischen und amerikanischen Mittelmeerkommando unterstellten. Wir richteten unsere Kritik unmittelbar an den Genossen Zachariadis. Aber es war Siantos, der hauptsächlich für die Situation verantwortlich war. ..Zachariadis kam ins Gefängnis. ..Als wir später Zachariadis direkt auf die Dinge ansprachen, gab er keine klare Antwort, sondern war eher der Ansicht, dass es keine Fehler gab."

(Enver Hoxha, 'Begegnungen mit Stalin. Erinnerungen', S. 166).

 

2. Hoxhas zweite Kritik richtete sich gegen die zurückweichlerische Taktik der KKE und ihre Kapitulation in Varkiza. Rechtsgerichtete Kräfte bildeten den Nationalen Republikanischen Griechischen Bund (EDES), der formell von General Nicholas Plastiras, aber tatsächlich von General Napoleon Zerwas angeführt wurde. Auf einem Treffen im Mai 1944 im Libanon kamen die EAM, die ELAS und die KKE überein, ihre gesamten Streitkräfte einer Regierung der Nationalen Einheit mit Georges Papandreou an der Spitze zu unterstellen. Dieser verlangte kurz darauf die Auflösung sämtlicher Streitkräfte, außer der der Regierung. Als die ELAS (Griechische Nationale Befreiungsarmee - Üb) dieser Weisung nicht nachkam, brach der Bürgerkrieg aus, der auf Regierungsseite von dem britischen Oberstleutnant Ronald Scobie auf Wunsch Winston Churchills geführt wurde. Am 3. Januar 1945 wurde Papandreou als Premierminister durch den

EDES-General Plastiras ersetzt. Daraufhin kam es am 12. Februar zu der 'Friedenskonferenz' in Varkiza, auf der die ELAS-Führung ihrer Selbstaufllösung unter der Bedingung einer Amnestie zustimmte und die Waffen abgab. Die Restbestände der ELAS formierten sich dann zur Griechischen Demokratischen Armee um und der Bürgerkrieg brach erneut aus.

 

Dazu Hoxha:

 

"Unsere Opposition gegen die Führung der KKE mit dem Genossen Zachariadis an der Spitze gründet sich in erster Linie auf Varkiza, wo die KKE und die EAM das Abkommen unterschrieben, das mit der Übergabe der Waffen auf nichts anderes als auf eine Kapitulation hinauslief. Die KPA beschrieb diesen Akt als einen Verrat, begangen gegen die KKE und das griechische Brudervolk."

(Enver Hoxha, ebd., S. 170f).

 

Die Vereinbarung von Varkiza sollte schwerwiegende Folgen haben. Sie vernichtete die Streitkräfte der griechischen Kommunisten.

 

3. Hoxhas dritte Kritik bezog sich auf das Verständnis der KKE vom Guerillakrieg.

 

Die praktischen Erfahrungen der KPA ließen diese Kritik als sehr schwerwiegend erscheinen. Hoxha:

 

"Nach der Kapitulation von Varkiza wurde der Griechische Nationale Befreiungskampf erneut aufgenommen. ..Wir hatten Meinungsverschiedenheiten mit Zachariadis, Bardzotas und Ionnidis über den Charakter des Krieges, den die Griechische Demokratische Armee (GDA) gegen die griechische Reaktion führen sollte. ..Auf der Grundlage unserer Erfahrungen, die wir im Nationalen Befreiungskrieg gewannen, waren wir der Auffassung, dass der Griechische Demokratische Befreiungskampf nicht zu einem umfassenden Krieg führen, sondern den Charakter eines Partisanenkrieges behalten sollte, der sowohl mit kleinen als auch mit größeren Einheiten geführt werden könne. Bei dieser Taktik wäre es dem US-General Van Fleet mit seinen überlegenen Kräften nicht gelungen, die Griechische Demokratische Armee zu liquidieren. ..Zachariadis strategische Ansichten standen in direktem Gegensatz zu den unsrigen. Die Genossen in der Führung der KKE bezeichneten die Partisanenverbände als 'reguläre moderne Armee'. Sie behaupteten auch, dass sie sie mit der Strategie und Taktik einer regulären Armee ausgerüstet hätten. Andererseits verfolgten die griechischen Genossen bei ihren militärischen Operationen die Taktik der passiven Verteidigung, die in jedem Fall zur Niederlage führen musste. Die KKE-Führung ging von der falschen Annahme aus, dass der Partisanenkampf kein Endziel besitzt, d.h. dass er nicht das Ziel der Machtübernahme anstreben sollte.."

(Enver Hoxha, ebd., S. 174).

 

Hoxha wies außerdem darauf hin, dass die Griechische Demokratische Armee demoralisiert war, und dass sich dies noch zusätzlich durch die passive Abwartetaktik verstärkte. Selbst Teilsiege, wie der in der Schlacht von Gramos 1948, wurden nicht genutzt, um 'die Städte zu erobern' oder 'die Macht selbst'. Hoxha kommt nach diesen militärischen Erwägungen zum eigentlich entscheidenden Punkt, dass nämlich die führende Rolle der KKE schon aufgegeben worden war:

 

"Wir sind der Ansicht, dass bei den Schlachten von Gramos und Vitsi die Genossen in der KKE-Führung sich nicht an die marxistisch-leninistischen Prinzipien des Volkskriegs gehalten haben..Wir haben den griechischen Genossen auf kameradschaftliche Weise versucht klar zu machen, dass die führende Rolle der Partei in der griechischen Partisanenarmee stärker betont werden muss, dass der politische Kommissar einer Kompanie, eines Bataillons, einer Brigade oder Division der Vertreter der Partei sein muss und deshalb auch das gleiche Recht haben muss wie der Kommandeur, Befehle zu erteilen. Wir mussten jedoch feststellen - und das haben wir den griechischen Genossen auch oft genug gesagt, dass sie keine richtige Auffassung von der führenden Rolle der Partei in der Armee hatten. ..Das Unvermögen, diese führende Rolle der Partei in der Armee zu verstehen, war einer der Hauptgründe, weshalb die Griechische Demokratische Armee eine Niederlage erlitt. ..In der Griechischen Nationalen Befreiungsarmee (ELAS) existierte zwar das gemeinsame Kommando von Kommandant und Kommissar, es wurde aber in der Praxis nur unzureichend verwirklicht. Das lag daran, dass, bedingt durch die bürgerlich karrieristischen Ansichten von Offizieren, diese keine der Partei ergebenen Leute neben sich dulden wollten, so dass die Rolle der Kommissare zurückgedrängt wurde. All dies folgt aus der Einstellung der Führer der KKE über die Rolle der 'regulären Armee'.

(Enver Hoxha, 'Begegnungen mit Stalin. Erinnerungen', S. 183, S. 187-190).

 

Nachdem Stalin Zachariadis zugehört und sich mit den Fakten vertraut gemacht hatte, unterstützte er Hoxhas Analyse:

 

"Was Varkiza betrifft, so haben die Albaner Recht. Varkiza war ein schwerer Fehler. Ihr hättet das Abkommen nie unterschreiben dürfen und eure Waffen nicht abgeben dürfen, weil das dem Kampf des griechischen Volkes schweren Schaden zugefügt hat. ..Was die Einschätzung der Strategie und Taktik, die im Griechischen Demokratischen Krieg zur Anwendung kam, angeht, so glaube ich, dass so heroisch wie dieser Krieg geführt wurde, auch hier die albanischen Genossen im Recht sind. Ihr hättet einen Partisanenkrieg führen sollen."

(Ebd., S. 196f).

 

Aus dieser Diskussion über Griechenland werden folgende Dinge deutlich:

 

Erstens, dass das trotzkistische Standardargument, dass 'Stalin für das Debakel in Griechenland verantworlich war', falsch ist. Hier ist Hoxha Zeuge dafür, dass Stalin und die Kommunistische Partei Albaniens der KKE rieten, eine richtige marxistisch-leninistische Herangehensweise zu beherzigen, eine Herangehensweise, deren Befolgung die KPA zum Sieg führte.

 

Zweitens zeigt dies, dass das Verhältnis zwischen Stalin und Hoxha sehr offen und direkt war, offen und herzlich, aber auch prinzipiell. Die freimütige Parteidiskussion zwischen der KPA und der KKE kam durch Stalin zustande und verlief im Geist des proletarischen Internationalismus. Offene und scharfe Debatten tragen dazu bei, gefährliche Klüfte zu überbrücken, die marxistisch-leninistische Politik weiterzuentwickeln und eine Wiederholung von Fehlern zu vermeiden. Um einen unversöhnlichen Ausgang der Debatte zu vermeiden, sagte Stalin zum Schluss der Begegnung:

 

"Wartet einen Augenblick, Genossen! Umarmt Euch, Genossen Hoxha und Zachariadis!"

(Ebd., S. 200).

 

Drittens zeigt es, dass sich Stalins allgemeine Einschätzung der albanischen Situation langfristig als richtig erweisen sollte. Indem die KPA daran ging, den Sozialismus aufzubauen, konnte sie über eine ganze Reihe von Jahren hinweg - tatsächlich bis zu Hoxhas Tod - einer kapitalistischen Entwicklung widerstehen.

 

b. Die konkrete Hilfe der Sowjetunion beim Aufbau des Sozialismus in Albanien

 

Bei den zahlreichen Begegnungen zwischen Stalin und Hoxha unterhielt man sich intensiv darüber, wie die sozialistische Sowjetunion dem flügge gewordenen sozialistischen Staat Albaniens helfen könnte. Klar war, dass die sowjetische Führung Albanien sowohl politisch als auch praktisch in bedeutendem Umfang helfen wollte.

 

Allein schon der Name 'Partei der Arbeit Albaniens' wurde von Stalin für die Kommunstische Partei vorgeschlagen. Die überwältigende Mehrheit der Menschen Albaniens kam aus der Bauernschaft und Stalin wusste, was dies bedeutete:

 

"Die überwältigende Mehrheit unseres Volkes', sagte ich zu Stalin, 'setzt sich aus armen Bauern zusammen, dann kommen die Mittelbauern. Wir haben eine zahlenmäßig kleine Arbeiterklasse, aber dafür relativ viele Handwerker und Städter, die Kleinhandel betreiben und eine Minderheit von Intellektuellen. All diese Massen folgten dem Aufruf unserer Kommunistischen Partei und konnten im Befreiungskrieg mobilisiert werden und jetzt sind sie mit der Partei und der Volksmacht verbunden. Während Genosse Stalin die Politik unserer Partei gegenüber den Volksmassen im Allgemeinen und der Bauerschaft im Besonderen als richtig einschätzte, gab er uns einige wertvolle kameradschaftliche Ratschläge für die künftige Arbeit. Er war der Meinung, dass sich unsere KP 'Partei der Arbeit Albaniens' nennen sollte, da der größte Teil der Mitglieder Bauern seien."

(Ebd., S. 62).

 

Dieser Vorschlag wurde später von der KPA angenommen. Stalin zeigte damit, wie gut er die Probleme einer bäuerlich geprägten Gesellschaft auch wegen seiner eigenen praktischen Arbeit in dieser Beziehung verstand. Dazu Hoxha:

 

"Genosse Stalin erkundigte sich bei uns im Detail über die Lage der armen und mittleren Bauern. Ich berichtete ihm von der Politik der KPA, besonders aber von der umfassenden Arbeit, die sie geleistet hatte.., um in der Bauernschaft Unterstützung zu finden und sie für sich zu gewinnen. Ich sagte ihm, dass wir das getan hätten nicht nur, weil die Bauernschaft der engste und natürlichste Verbündete des Proletariats in der Revolution ist, sondern auch, weil sie in Albanien die breite Mehrheit der Bevölkerung ausmacht und über Jahrhunderte hinweg große patriotische und revolutionäre Traditionen entwickelt hat. Darauf entgegnete Stalin, dass zu Anfang die Bauern Angst vor dem Kommunismus haben, weil sie glauben, dass ihnen die Kommunisten ihr Land wegnehmen wollen und alles, was sie sonst noch besitzen. Die Feinde bearbeiten sie sehr stark in dieser Richtung, um zu erreichen, dass sie von dem Bündnis mit der Arbeiterklasse Abstand nehmen und sich von der Politik der Partei und dem sozialistischen Weg abwenden. Deshalb sei eine vorsichtige und weitsichtige Arbeit der Partei sehr wichtig, um zu gewährleisten, dass sich die Bauernschaft untrennbar mit der Partei und der Arbeiterklasse verbündet. Stalin riet, Maschinen-Traktorenstationen zu errichten, damit das Land gut bewirtschaftet wird zum Nutzen des Staates und der Kooperativen, aber natürlich auch zum Nutzen des einzelnen Bauern. Die Traktoristen müssten immer für die Bauern da sein, sie müssten alles über Landwirtschaft, Ernten und Böden wissen und sie müssten ihr gesamtes Wissen in der Praxis so zur Anwendung bringen, dass die Erträge auf jeden Fall gesteigert werden können."

(Ebd., S. 59-62, S. 75f).

 

Stalin gab noch viele andere Ratschläge, aber auch zahlreiche praktische Vorschläge zum Maschinenbau, über Baumwollsaaten, Schienen, Armeematerial und nicht zuletzt über Spezialisten und Ausbildungshilfen für den Aufbau der Industrie und der Eigenversorgung des Volkes:

 

"Wir werden euch mit Spezialisten zur Seite stehen, um den Prozess der Entwicklung der albanischen Wirtschaft und Kultur voranzutreiben. Was das Eröl betrifft, so werden wir euch aserbaidschanische Fachkräfte schicken, weil sie wirklich Meister ihres Faches sind. Albanien seinerseits sollte die Söhne und Töchter seiner Arbeiter und Bauern in die Sowjetunion schicken, um zu lernen und um sich weiterzuentwickeln, um in der Lage zu sein, zum Fortschritt ihres Heimatlandes beizutragen. ..Wir werden sowohl mit Literatur als auch mit Spezialisten aushelfen, um die Zahl der höheren Schulen anzuheben, die die Grundlage für den Aufbau von Universitäten bilden."

(Ebd., S. 77f, S. 105).

 

Die Großzügigkeit Stalins steht in krassem Gegensatz zu der Einstellung von Anastás Mikojan, der später als Verschwörer und Revisionist entlarvt wurde:

 

"Stalin sagte: 'Genossen, wir sind ein großes Land, aber ihr wisst auch, dass wir noch nicht all die schweren Folgen des Krieges bewältigt haben. Aber wir werden euch heute und morgen helfen, vielleicht nicht allzu sehr, aber mit den Möglichkeiten, die wir zur Zeit haben. Wir wissen, dass ihr eure sozialistischen Industriezweige aufbauen müsst und dafür werden wir all eure Wünsche, die ihr an uns herangetragen habt, erfüllen, auch die betreffs eurer Landwirtschaft.'

Dann lachte er und sagte: 'Aber werden die Albaner auch selbst arbeiten?' Ich wusste genau, weshalb er mich dies fragte: Es lag an den böswilligen Unterstellungen, die der armenische Feilscher Mikojan ihm gegenüber gemacht hatte, der nicht nur eine ganz andere Sprache als Stalin sprach, sondern der auch mit drastischen Worten der Kritik gegenüber der Planerfüllung in unserem Land nicht sparte und meinte, dass unsere Menschen nicht genug arbeiten würden usw. usw. Er wollte Art und Umfang der sowjetischen Hilfe für uns beschneiden."

(Ebd., S. 103f).

 

Hieraus ergibt sich, dass Stalin ganz eindeutig Hoxha und den sozialistischen albanischen Staat unterstützte.

 

c. Über die von Tito geführte Kommunistische Partei Jugoslawiens (KPJ)

 

Nach der offenen Entlarvung des Trotzkismus begab sich der Revisionismus in den Untergrund. Nach der weiteren Entlarvung von Revisionisten in der Sowjetunion wie von Sinowjew, Bucharin, Radek u.a. wurde der internationale Revisionismus vorsichtig.

 

Den nächsten offenen Versuch, die marxistisch-leninistische Weltbewegung zu unterwandern, unternahm Tito. Es war letztlich die Entlarvung Titos durch Stalin, die es den Albanern ermöglichte, ihre Unabhängigkeit zu bewahren. Denn seit den frühesten Tagen des Albanischen Befreiungskampfes bis zu dem Zeitpunkt, als Stalin den Titoismus entlarvte, waren Albanien und die KPA einem ständigen Druck ausgesetzt, die Unabhängigkeit des Landes auf die eine oder andere Weise den Jugoslawen und der KPJ zu opfern.

 

Die Beziehungen zwischen der KPA und der KPJ wähend des Krieges

 

Im Sommer 1941 nahm die KPA Beziehungen zur KPJ auf. Das bisherige Verhältnis zwischen Albanien und Jugoslawien war stark belastet. Hoxha:

 

"Dieses schwere Vermächtnis, das sich im Laufe von Jahrzehnten entwickelte, war nicht durch Verschulden der Völker oder des albanischen Volkes entstanden. Die Schuld daran trägt die antialbanische Politik der Monarchen von Serbien und der Prinzen von Montenegro, die sich Albanien einverleiben wollten. Die Monarchen von Italien, Österreich-Ungarn, Griechenland, Serbien, Montenegro und Bulgarien beeilten sich, so viel sie konnten aus den Grenzgebieten des zusammenbrechenden Osmanischen Reiches ansichzureißen. ..Es waren insbesondere die serbischen und montenigrischen Horden, die über die Albaner herfielen und die die am weitesten abgelegene Region von Kosova besetzten und dabei etwa drei Millionen Albaner vertrieben. 1912 errangen die Albaner einen großen Sieg: die Unabhängigkeit Albaniens. Aber Albanien wurde Kosova genommen und dadurch geteilt und andere albanischen Gebiete wurden gewaltsam Serbien einverleibt. Danach verstärkte sich die antialbanische Politik der großserbischen Reaktion. Später bekräftigte Jugoslawien sein 'Rechte' an den besetzten Gebieten und ging neue Wege, um sich ganz Albanien einzuverleiben. Es waren ausgerechnet die serbischen Monarchen, die König Zog von Albanien zu Hilfe eilten, der im Juni 1924 aus Albanien geflohen war. Zog war es dann auch, der im Dezember 1924 die Konterrevolution anführte. Zum Dank für die erwiesene Hilfe vermachte Zog den Serben noch weitere Gebiete albanischen Territoriums, wie Vermsoh und Shen-Naum."

(Enver Hoxha, 'Die Titoisten', Tirana 1982, S. 4-9).

 

Die Aufnahme von Beziehungen zur KPJ und ein Zusammengehen mit ihr gestaltete sich nach diesen jahrhundertelangen bitteren Erfahrungen nicht leicht. Die KPJ kämpfte jedoch selbst gegen den Faschismus und die KPA maß der Herstellung von Beziehungen große Bedeutung zu.

 

In den folgenden Jahren sollte die KPJ jedoch beharrlich ein anderes langfristiges Ziel verfolgen, nämlich die Annektierung Albaniens.

 

Die KPJ behauptete fälschlicherweise, die 'KPA aufgebaut' zu haben. Tatsächlich jedoch war die KPA schon gebildet worden, bevor sich die KPA zum ersten Mal an die KPJ im Juli 1942 wandte. Die verschiedenen Gruppen (aus denen die KPA hervorging - Üb) hatten sich zwischen dem 8. und 14. November 1941 getroffen. Der Vertreter der KPJ erreichte Albanien erst im Dezember 1942: Blazo Jowanowic hatte eine Botschaft Titos bei sich. Er sagte:

 

"Sie enthält Anweisungen und Ratschläge, die für euch sehr wichtig sind. ..Seid ihr einverstanden?"

(Ebd., S. 27).

 

Dieser Befehlston und das Bestreben, den 'Kampf zu beschlagnahmen' (gemeint: der antifaschistische Kampf gegen die Nazis - Üb), kennzeichnete die jugoslawische Haltung zu Albanien in den folgenden Jahren. Später behauptete Tito, durch jene Botschaft die 'KPA gerettet' zu haben. Die KPA hatte jedoch schon all jene Probleme gelöst, die Tito vorgab, für sie lösen zu wollen.

 

Unter den zahlreichen späteren 'Beratern' der KPJ befanden sich auch Svetozar Vukmanovic-Tempo und Dusan Mugosa. Außer, dass sie abschätzig von einer 'Schablone der Oktoberrevolution' sprachen, was Hoxha energisch zurückwies, versuchten sie des öfteren, die KPA zu unterwandern. Sie warfen ihr 'Sektierertum' vor (bezüglich ihrer Haltung zu den Nationalisten), andererseits beschuldigten sie die KPA, gegenüber dem Balli Kombetar (also gegenüber den albanischen Nationalisten - Üb) zu nachgiebig gewesen zu sein:

 

"Eure Haltung gegenüber dem Balli Kombetar ist falsch. Ihr wart von dem Zeitpunkt an, als dieser auf den Plan trat, zu nachgiebig und zu tolerant. Ihr wart überrascht und wusstet dann nicht mehr, welche Haltung ihr einnehmen solltet. Anstatt ihm den Krieg zu erklären, habt ihr Verhandlungen angeboten."

(Ebd., S. 64).

 

Diese Vorwürfe konnte Hoxha leicht widerlegen, indem er auf die Erfolge der Vereinigten Nationalen Befreiungsfront verwies. Der KPJ-'Berater', Oberst Velimir Stojnic, bezeichnete die KPA und Enver Hoxha 1944 als 'Opportunisten', nur weil mit dem Balli Kombetar im August 1943 in Mukje Gespräche geführt worden waren. Hoxha erläuterte noch einmal die richtige Taktik der KPA. Er versuchte, der Einmischung ein Ende zu setzen, indem er ganz offen erklärte:

 

"Eure Einmischung in unsere Angelegenheiten ist fehl am Platz und euer Ton ist inakzeptabel."

(Ebd., S. 137).

 

Die Jugoslawen (gemeint: die jugoslawischen Trotzkisten oder Revisionisten - Üb) fuhren jedoch fort, ihre Fraktion in der Führung der KPA, also Leute wie Liri Gega und Mehmet Shehu zu unterstützen. Diese organisierten Handlungen des individuellen Terrors, indem sie zum Beispiel willkürlich Balli-Leute beschießen ließen und damit Parteibeschlüsse über die 'kühle Beurteilung von Verbrechern' verletzten (Vgl., Ebd., S. 126-130).

 

Die Jugoslawen begannen jetzt auch, ihre Politik der Unterordnung der albanischen Angelegenheiten unter die Führung der KPJ in die Tat umzusetzen. Im frühen Stadium ihrer Machenschaften brachten sie

 

" ..einen Stab ins Spiel, dann wieder einen 'Stab der Stäbe', also eine universelle Organisation. Dies sollte ein Stab für den gesamten Balkan sein, ein 'Balkan-Stab'."

(Ebd., S. 53)

 

Hoxha hielt dies für albern in Zeiten von Faschismus und Krieg. Die anderen Schwesterparteien wie die griechische und die bulgarische wiesen diese Absurditäten ebenfalls zurück und die KPJ leitete einen zeitweiligen Rückzug ein.

 

Trotz all dieser Provokationen beschäftigte die KPA sich ausschließlich mit dem Befreiungskampf gegen den Faschismus, dem Vorspiel zur sozialistischen Revolution.

 

Auch was Kosova anging - albanisches Territorium, das von den Jugoslawen annektiert worden war und das hauptsächlich von Albanern besiedelt war - brachte die KPA eine marxistisch-leninistische Politik zur Anwendung. Ungeachtet der demagogischen Appelle des Balli Kombetar an die Kosowaren, dass sie Kosova von den 'Jugoslawen befreien' würden,

 

" ..richtete die KPA Aufrufe an die Menschen, dass 'nur der unerbittliche Krieg gegen die Faschisten und ihre Helfershelfer zur Lösung unserer nationalen Probleme führen kann, wozu auch die Berichtigung geschichtlicher Ungerechtigkeiten gehört. Dafür kämpft unsere kommunistische Partei und die KPJ führt ebenfalls die Völker auf diesen Weg."

(Ebd., S. 78).

 

Da Kosova zu der Zeit von den Nazifaschisten besetzt gehalten wurde - Balli-Leute behaupteten, dies stelle eine 'Befreiung von den Serben' dar - war dies ein prinzipieller Standpunkt seitens der KPA. Natürlich hätten beide, die KPA oder die KPJ, den Kampf der Kosowaren anführen können. Tatsächlich verlangte

 

" ..die KPJ, dass die Bevölkerung von Kosova und jene in den anderen albanischen Regionen Jugoslawiens unter ihrer Führung für den Kampf mobilisiert werden und dann unmittelbar nach dem Krieg über ihre eigene Zukunft auf der Grundlage des marxistisch-leninistischen Prinzips des Rechts auf Selbstbestimmung entscheiden sollte. Diese Forderung empfanden wir als vernünftig und gerecht. Wir erklärten uns bereit, ein Zugeständnis zu machen, so dass diese Frage noch nicht einmal als 'Vorwand' von anderer Seite benutzt werden konnte. Dies war nicht die Zeit, über die besondere Lage in Kosova zu diskutieren. Die Hauptaufgabe bestand darin, die Völker für einen umfassenden Krieg gegen die faschistische Besatzung zu mobilisieren. Erst später, wenn die kommunistischen Parteien an der Macht sein würden, würden die Probleme einer gerechten und endgültigen Lösung zugeführt werden, dem Willen der Völker Rechnung tragend."

(Ebd., S. 79-84).

 

Die KPJ brach ihr Versprechen bezüglich der Garantie des Rechts auf Selbstbestimmung. Dennoch erklärte die KPA den Kosowaren während des Krieges, dass sie schonungslos gegen die Faschisten kämpfen müssten. Trotz falscher jugoslawischer Anschuldigungen, dass die KPA für einen 'großalbanischen Chauvinismus' sei, wurde diese Orientierung durchgehalten.

 

Die KPJ (genauer: die trotzkistische Führung der KPJ unter Tito - Üb) zeigte jedoch immer wieder, dass sie nationalistische Zielsetzungen verfolgte. Die erste Konferenz des Nationalen Befreiungsrats für Kosova und die Methohija wurde vom 31. Dezember 1943 bis zum 2. Januar 1944 abgehalten. Von dieser Konferenz aus, die von der KPJ für Kosova und von der KPA für Shkodra und Tropoja geleitet wurde, wurde erklärt, dass

 

" ..das albanische Volk von Kosova und der Dukajin-Ebene die Möglichkeit haben soll, das Selbstbestimmungsrechts auszuüben, einschließlich des Rechts auf Loslösung, um über seine Zukunft selbst frei entscheiden zu können."

(Ebd., S. 119).

 

Das Zentralkomitee der KPJ unter der Führung von Tito tilgte jedoch diesen Satz aus den schriftlichen Resolutionen, was der KPA vorenthalten wurde (Vgl. ebd., S. 121).

 

Weitere prinzipienlose Handlungen seitens der KPJ folgten. Nachdem die KPA in Kosova den Kampf aufgenommen hatte, unterstützten albanischen Partisanen der KPA den Kampf zur Befreiung von Kosova. Dann befahlt Tito der KPA und den Partisaneneinheiten in Kosova, die Nazis Richtung Norden zu verfolgen, was den Titoisten ermöglichte,

 

" ..in Kosova einzudringen, ohne auf den Widerstand der aufständischen albanischen Kräfte mehr zu stoßen. Tito liquidierte dort die Nationalen Befreiungsräte und ging mit ungezügeltem Terror gegen die albanische Bevölkerung vor. Diese beispiellosen Unterdrückungsmaßnahmen seitens der Titoisten führten zu Recht zu einem Volksaufstand und warfen einen Schatten auf das 'Neue Jugoslawien'. Angesichts dieser sehr komplizierten Situation verlangte das patriotische Volk von Kosova die Rückkehr der albanischen Partisanen. Tito sah sich gezwungen, darauf einzugehen, so dass die Partisanen die Möglichkeit bekamen, zurückzukehren. Danach heckte er neue Machenschaften aus: Es sei notwendig, dass sich unsere Streitkräfte aus Kosova zurückzögen und nach Albanien zurückkehren sollten. Aber wie? Der sorfortige Rückzug unserer Streitkräfte aus Kosova wäre für die Titoisten mit unangenehmen und ernsten Begleiterscheinungen verbunden gewesen. Es hätte sein können, dass das kosowarische Volk sich erneut erhoben hätte. Tito gab vor, dass es 'notwendig sei, reaktionäre Banden in Richtung Süden, d.h. in Richtung Griechenland zu verfolgen, wofür er unsere Hilfe benötige. Wir gaben unseren Einheiten den Befehl zu handeln. Nachdem sie den südlichsten Teil der mazedonischen Grenze erreicht hatten, teilte man unseren Einheiten mit, dass sie 'nicht mehr in Jugoslawien benötigt' würden. Die Grenze wurde im Gebiet von Korca und Prespa, weit außerhalb des Blickfeldes des kosowarischen Volkes, überschritten. Tito und Rankowic hatten freie Hand für ihr barbarisches Vorgehen gegen das gemarterte Kosova."

(Ebd., S. 212ff).

 

In der Zwischenzeit hatten die Jugoslawen fleißig Agenten rekrutiert, wie zum Beispiel das Mitglied des ZK der KPA Koci Xoxe, der später als getarnter KPJ-Mann entlarvt werden konnte. All diese Machenschaften waren direkt gegen Enver Hoxha gerichtet, der die jugoslawischen Abgesandten immer wieder neu entlarvte und ihnen das Leben in Albanien schwer machte. Sogar noch während des Krieges unternahmen die Jugoslawen einen Putschversuch, bei dem sie diese Geheimagenten im Politbüro der KPA benutzten. Man warf Hoxha 'Sektierertum' in der Partei vor, zu einer Zeit, da die Befreiung von Berat und von Südalbanien durch die richtige Politik Enver Hoxhas erkämpft worden war.

 

Am Vorabend der Befreiung des gesamten Landes wurde am 23. November in Berat das Zweite Plenum des ZK der KPA abgehalten. Dies nahmen die verdeckt arbeitenden jugoslawischen Revisionisten zum Anlass, die albanische Partei zu desorganisieren. Vor diesem Plenum hatte sich die Jugoslawen in der Partei eine verdeckte Mehrheit im ZK der Volksbefreiungsarmee verschafft. Diese getarnten Agenten wurden von Koci Xoxe angeleitet, zu ihnen gehörten aber auch Leute wie Nako Spiru oder Sejfulla Maleschowa.

 

Das Nahziel für sie bestand darin, 'die Front für den Balli zu öffnen', danach sollte Hoxha entfernt werden.

 

Die getarnten Agenten, die Hoxha als 'die Synthese sämtlicher Fehler, die in der politischen und organisatorischen Linie aufgetaucht sind', bezeichneten, und die der Meinung waren, dass 'die Parteilinie sich vom Sektierertum hin zum Opportunismus' entwickelt habe, erzielten auf dem Plenum des ZK einen ersten Erfolg (Vgl., ebd., S. 187-191).

 

Der Delegierte der KPJ, Stojnic, der die Agenten anleitete, gab die künftige politische Linie aus, wenn er sagte:

 

"Ohne Jugoslawien könnt ihr nicht vorankommen und schon gar nicht ohne das Jugoslawien, so wie es jetzt auf dem Balkan und in Europa entstanden ist. Ihr sprecht sehr wenig von uns. Ihr solltet in Zukunft häufiger von Jugoslawien und Tito sprechen."

(Ebd., S. 214f).

 

Ein weiterer Bestandteil der politischen Orientierung für die Zukunft betraf das Bündnis mit den Westmächten. Stojnic in der Debatte vor dem Plenum des ZK:

 

" 'Die Alliierten, die in diesem Krieg die entscheidende Rolle spielen, sollten alle vom neuen Staat gleichrangig behandelt werden.'

 

'Wie?', fragte Hoxha, 'indem ihr die Sowjetunion mit den anderen beiden auf eine und dieselbe Stufe stellt?'

 

'Aus staatlicher Sicht gesehen ja', erwiderte Stojnic. 'Die Politik eines richtigen Staates macht da keinen Unterschied. Inoffiziell, auf Parteiebene, kann die Sowjetunion ja als der natürliche und Hauptverbündete gelten, nicht aber auf der staatlichen Ebene. Amerika und Großbritannien werden stets unsere Verbündeten sein und ihre jetzige Politik ist positiv und in unserem eigenen Interesse.' "

(Ebd., S. 220).

 

Hoxha wies dies in seinen Reden entschieden zurück.

 

Obwohl die Konferenz von Berat einen bedeutenden Rückschritt darstellte, hatten die Titoisten doch in einem Punkt keinen Erfolg: Es gelang ihnen nicht, Hoxha aus der Führung zu verdrängen, weil er im Plenum ein außerordentliches Ansehen genoss. Hoxha war immer noch in der Lage, die richtige Linie durchzusetzen, die darin bestand, die Unabhängigkeit der Front zu gewährleisten und zu erkennen, dass

 

" ..die Frage der Staatsmacht für die Partei die entscheidende Frage ist. Wir müssen die Räte stärken und fremde Elemente daraus entfernen."

(Ebd., S. 218).

 

Trotz der verräterischen Handlungen der angeblichen Bruderpartei (genauer: ihrer revisionistischen Führung unter Tito - Üb), verfolgte die albanische Armee nach der Befreiung von Tirana kurz vor Ende der Berater Konferenz die deutschen Faschisten bis nach Jugoslawien und half mit, Montenegro, Sandjak und Bosnien zu befreien (Vgl. 'Geschichte', S. 231).

 

Tito legt dem albanischen Weg zum Sozialismus Hindernisse in den Weg

 

Die Haltung Stalins gegenüber dem albanischen Wiederaufbau, insbesondere aber seine Einstellung zum Aufbau einer sozialistischen Industrie, wurde oben beschrieben. Diese Haltung stand im auffälligen Gegensatz zu der des Tito-Regimes. Die Politik Titos gegenüber Albanien nach dem Krieg war eine der Störmanöver für die albanische Entwicklung. Dies sollte es Tito erleichtern, sich Albanien einzuverleiben. Hoxha zitiert den Jugoslawen V.Dedijer:

 

"Schon im Frühjahr 1945 verlangte Moshe Pijade, einer der engsten Mitarbeiter Titos, dass die neue Kanzlei der Föderativen Republik Jugoslawiens in Belgrad nicht sechs, sondern sieben Kabinette haben sollte. Nach Ansicht der Titoisten sollte das siebte für die 'Jugoslawische Republik Albanien' reserviert sein."

(Enver Hoxha, 'Die Titoisten', ebd., S. 231).

 

Tito und Kardelj und andere Jugoslawen erklärten ihren Agenten im ZK der KPA (Shehu, Themelko, Xoxe, Maleshova..) ihre revisionistischen Absichten. Dazu Hoxha:

 

"Was die 'Stadien der Revolution' angeht, waren die Jugoslawen der Meinung, dass, weil das Stadium der bürgerlich demokratischen Revolution noch nicht vollendet sei, der Übergang zum zweiten Stadium, zu dem der proletarischen Revolution, verzögert werden müsse, und dass der Übergang vom ersten zum zweiten Stadium ein Weg der Reformen sei, dass die Nationalen Befreiungsräte Organe der bürgerlich-demokratischen Revolution darstellten, und dass ein wesentlicher Unterschied zwischen der Oktoberrevolution und der jugoslawischen Revolution darin bestehe, dass hier der Bourgeois dazugehöre, dass er ein Teil der Front sei. Außerdem habe Tito den Marxismus mit der Taktik des Nationalen Befreiungskrieges bereichert."

(Ebd., S. 240).

 

Es wurde deutlich, dass die Strategie von Berat nur ein Teil ihrer Gesamtstrategie war. Die Konferenz von Berat warf der KPA 'sektiererisches Verhalten' in der Demokratischen Front vor. Jetzt fanden die Titoagenten in Titos 'innovativen' Ideen eine Rechtfertigung dafür, das zweite Stadium der Revolution in Albanien zu blockieren. Die ausgegebene Losung lautete:

 

"Die Genossen Tito, Kardelj und Djilas raten uns, die Stadien nicht zu überspringen."

(Ebd., S. 245ff).

 

Danach ging die KPJ sogar dazu über, Druck auf die KPA auszuüben, damit die vom ehemaligen König Zog mit den Imperialisten abgeschlossenen Verträge respektiert würden.

 

Hoxha hielt auch trotz der zeitweiligen Niederlage von Berat an der richtigen marxistisch-leninistischen Orientierung fest. Die Ambitionen der drei getarnten Agenten, die um Einfluss und Macht rangelten, konnten sich die Marxisten-Leninisten zunutze machen. Es handelte sich um Xoxe, Maleshova und Spiru.

 

Im Frühjahr 1946 ging Hoxha im Politbüro der KPA wegen der Fehler des Zweiten Plenums von Berat zum Gegenangriff über. Obwohl die KPJ alles tat, um dies zu verhindern, drang Hoxha darauf, das Fünfte Plenum für den Ersten Parteitag der KPA öffentlich abzuhalten. Die KPJ verlangte dagegen eine Geheimsitzung. In diesem kritischen Augenblick bat Tito Hoxha, dringend im Juli 1946 nach Belgrad zu kommen.

 

Hoxha verlangte spürbare Hilfen in Form von Krediten für die Entwicklung der Landwirtschaft und der Industrie sowie einen Vertrag auf gegenseitige Hilfe, Tito dagegen entwickelte seine Vorstellungen von einer 'Balkanföderation'. Diese Idee war ursprünglich von Georgi Dimitroff, dem bulgarischen Kommunisten, der eine zentrale Rolle in der Komintern spielte, entwickelt worden. Für Tito war diese Idee ein geeignetes Instrument, um, wie Hoxha sich ausdrückt,

 

" ..sein Ziel, den gesamten Balkan, einschließlich Albanien, Jugoslawien einzuverleiben, voranzutreiben."

(Ebd., S. 287).

 

Tatsächlich kam es zwischen Albanien und Jugoslawien zu einem Vertrag über Freundschaft und Gegenseitige Hilfe sowie zu einem Wirtschaftsabkommen. Aber obwohl Hoxha sich weigerte, Gespräche über eine Balkanföderation zu führen, nahm der Druck in dieser Richtung auf ihn zu. Stalin machte dann diesen Manövern der Titoisten ein Ende. Hoxha:

 

"Xoxe, Kristo und Themelko übten auf mich einen enormen Druck aus, damit wir in die 'Balkanföderation' eintraten, was in ihren Köpfen bedeutete, dass wir uns Jugoslawien anschlossen. Ich ging darauf nicht ein. Eines Tages - es war Anfang 1948 - kamen sie zu mir und meinten: 'Die Balkanföderation wird gerade zwischen Jugoslawien und Bulgaren hergestellt!' Wir richteten dann ein Schreiben an die KPJ, auf das wir nie eine Antwort erhielten. Stalin, der hinter Titos expansionistische Pläne gekommen war, machte Dimitroff darauf aufmerksam, welcher dann Anfang 1948 öffentlich erklärte, dass seine Auffassungen von der Föderation zwischen Jugoslawien und Bulgarien nicht richtig waren."

(Ebd., S.287f).

 

Was es mit Titos 'Hilfe' auf sich hatte, wurde später deutlich:

 

"Im ersten Jahr nach der Befreiung hatten wir nur mit Jugoslawien Handelsbeziehungen. Der Handel war tatsächlich eine Einbahnstraße und verlief zu unserem Ungunsten. Wir gaben mehr als wir zurückerhielten. Wir lieferten gute Produkte und erhielten Schund dafür. Wir enteigneten die Großkaufleute und verkauften die Stoffe an die Jugoslawen zu Preisen, die sie uns diktierten, während die Rasierklingen und andere Kleinigkeiten solcher Art uns ein Vermögen kosteten. Wir führten Getreide von ihnen ein, weil es knapp bei uns war, ein bisschen Leder und auch eiserne Pflüge, die sie uns zu ihren Inlandspreisen überließen, die aber sehr hoch waren. Wir lieferten Oliven, Käse, Olivenöl .., obwohl wir kaum selbst davon genug hatten."

(Ebd., S. 302).

 

Selbstverständlich wollten die Albaner ihren Staatsapparat umgestalten:

 

"Wir mussten unser Land auf der Straße zum Sozialismus auf allen Gebieten voranbringen, besonders aber auf dem der Wirtschaft. Es war uns klar, dass dafür die inneren Verhältnisse entscheidend waren, obwohl das Verhältnis zur Sowjetunion Stalins auch von erstrangiger Bedeutung war, aber in einer Situation, als wir noch nicht die nötigen direkten Verbindungen zum Sowjetstaat hatten, streckten wir unsere Hände zu den benachbarten Freunden von der KPJ aus."

(Ebd.).

 

Die KPJ hatte jedoch andere Vorstellungen, die sich um einen halbkolonialen Status für Albanien im Verhältnis zu Jugoslawien bewegten: Dazu Enver Hoxha:

 

"Die KPJ meinte: 'Dies ist nicht die Zeit für eine sozialistische Umwälzung', ..'Unsere Freunde' legten uns auch in der Frage der Landreform Hindernisse in den Weg und gaben eine falsche Orientierung aus: Uns wurde angeraten, es nicht mit den ehemaligen Grundherrn zu verderben. Sie meinten, wir sollten einen kleinen Teil der Ländereien an uns nehmen, sie dafür mit Geld entschädigen, aber ihnen den größten Teil belassen, der allerdings 10 bis 20 mal umfangreicher war als der der armen Bauern. Was die Industrie anging, so wurde uns geraten: 'Später werdet ihr schon sehen, was mit den Bergwerken und dem Öl passieren kann. Jetzt solltet ihr zunächst einmal alles auflisten, was ihr habt, uns mit Rohstoffen versorgen und wir werden euch dafür reichlich mit Fertigprodukten beliefern. .. Als rückständiges Agrarland solltet ihr euch auf die Landwirtschaft konzentrieren.' "

(Ebd., S. 304f).

 

Die vereinbarten Kredite liefen über Aktiengesellschaften. Die Vereinbarungen dazu wurden am 27. November 1947 unterzeichnet. Die Jugoslawen verletzten dann immer häufiger das Abkommen, zum Beispiel dadurch, dass sie

 

- die Zollunion so auslegten, dass die Grenzen nur zu ihrem Vorteil geöffnet werden sollten. Das führte dazu, dass albanische Waren zwar nach Jugoslawien ausgeführt werden konnten, Albanien erhielten jedoch dafür nur entwertete Dinars (Vgl. ebd., S. 323);

 

- die gemeinsamen Aktiengesellschaften ihrerseits nicht mit Mitteln ausstatteten (Vgl. ebd.);

 

- sämtliche Preise einfach einseitig von ihnen festgelegt wurden (Vgl. ebd., S. 323f);

 

- in Albanien keine Werke errichteten (Ebd.);

 

- sich einerseits darüber beschwerten, dass Albanien seinen Verpflichtungen nicht nachkam, obwohl andererseits klar war, dass dies davon abhängig war, dass Albanien Ausrüstungsmaterial erhielt, was aber nie ankam (Vgl. ebd., S. 326);

 

- Preisparitäten zwischen den beiden Ländern verlangten, was für Albanien mit Schwierigkeiten verbunden war (Vgl., S. 339).

 

Als die Jugoslawen dann erfuhren, dass Albanien versucht hatte, von der Sowjetunion Rat und Hilfe zu bekommen, meinten sie:

 

"In Albanien entwickelt sich jetzt eine neue Linie!"

(Ebd., S. 333).

 

Sie hatten wiederholt versucht,

 

" ..unsere Verbindungen zu Stalin so lange wie möglich zu blockieren."

(Ebd., S. 344).

 

Mehr noch:

 

Sie versuchten zu verhindern, dass die Lieferungen aus der UdSSR Albanien erreichen konnten und 'begründeten' dies wie folgt:

 

"Albanien ist wie ein Uhrwerk: Es kann einfach nicht mit allen möglichen Teilen funktionieren. Einige mögen besser sein als andere. Aber um was für Teile es sich auch immer handeln mag, es muss sich um die gleiche Sorte handeln. Nicht, dass einige aus jugoslawischer Produktion und andere aus einer anderen stammen! Da in eurem Land ein jugoslawisches Fundament gelegt wurde, muss auch alles, was darauf aufgebaut werden soll, ausschließlich jugoslawisch sein!"

(Ebd., S. 349f).

 

Im November 1947 stelte dann Jugoslawien ein Ultimatum:

 

"Das ZK der KPJ bestand darauf, dass die Beziehungen zwischen Jugoslawien und Albanien jeden Tag von der Idee inspiriert sein sollten, dass unsere Union stärker wird und unsere Freundschaft sich in die Richtung einer Verbrüderung und Zusammenarbeit unserer Völker, einschließlich Bulgarien, entwickelt. Wegen ihrer Rückständigkeit sei die albanische Wirtschaft nicht in der Lage, sich unabhängig zu entwickeln. Das Kriterium für eine Hilfe durch Jugoslawien bestehe darin, dass wir nicht einfach alles wie Schmarotzer entgegennehmen und uns ansonsten nur auf die Jugoslawen verlassen! Sie meinten: 'Ihr werdet mit uns zusammen besser vorankommen. Unser ZK ist der Ansicht, das die jugoslawische Hilfe umso großzügiger ausfallen wird, wenn unsere beiden Länder untereinander eine Wirtschaftsunion bilden.' "

(Ebd., S. 360).

 

Die heimlichen jugoslawischen Agenten im ZK der KPA arbeiteten darauf hin, dass die Albaner diese Linie akzeptierten. Hoxha versuchte jedoch, dies zu verhindern. Der Druck auf ihn wurde jedoch immer stärker. Auf dem Achten Plenum des ZK der KPA akzeptierte die Partei unter diesem Druck eine neue projugoslawische Orientierung. Hoxha sollte beseitigt werden. Das führte schließlich dazu, dass die führende Rolle der Front an die Stelle der führenden Rolle der Partei treten sollte, so wie es die Jugoslawen gewünscht hatten (und selbst in ihrem eigenen Land praktizierten - Üb). (Vgl. S. 459, ebd.).

 

Aber Hoxha gab nicht auf. Die Jugoslawen beeilten sich, ihr Vorhaben, sich Albanien einzuverleiben, voranzutreiben. Hoxha bestand darauf, dass diese Forderungen schriftlich abgefasst wurden. Schon bald wurde klar, weshalb es die Jugoslawen mit einer politischen Union zwischen Albanien und Jugoslawien so eilig hatten: Die Jugoslawen ahnten, dass die von Stalin geführte KPdSU, B kurz davor war, den jugoslawischen Revisionismus zu entlarven. Die Jugoslawen wollten, dass sich Albanien noch vorher zu einer Union verpflichtete.

 

Am 27. März 1948 entlarvte die KPdSU, B offen den jugoslawischen Revisionismus. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass dieses Einschreiten Stalins und der KPdSU, B von enormer Bedeutung für die Rettung des albanischen Sozialismus war (Ebd., S. 484-498).

 

Die Beziehungen zwischen Albanien und Jugoslawien kühlten sich danach merklich ab und diejenigen zwischen Albanien und der UdSSR erwärmten sich.

 

Die Ereignisse nach dem Offenen Brief der KPdSU, B an die KPJ

 

Es wurde schnell deutlich, dass Stalin schon seit geraumer Zeit das unsaubere Verhalten der Jugoslawen gegenüber dem im Werden begriffenen sozialistischen albanischen Staat bekannt war, denn

 

Erstens hatte Stalin die albanische Weigerung unterstützt, Truppen Titos in Albanien zu stationieren (Ebd., S. 533);

 

zweitens hatte Stalin Dimitroffs Eintreten für die Balkanföderation - ein Vorwand für Titos Großmachtpläne - scharf kritisiert und ließ diesen Plan scheitern (Vgl. ebd.). und

 

drittens unterstrich er das Recht der Kosowaren auf Selbstbestimmung (Vgl. ebd., S. 537).

 

Den letzten Punkt bezog er aus strategischen und prinzipiellen Gründen auf die jugoslawische Föderation selbst, wenn er sagte:

 

"Ich bin der Meinung, dass wir als Marxisten-Leninisten auch in Zukunft die antimarxistischen Ansichten und Handlungen Titos und der jugoslawischen Führung bekämpfen müssen, aber ich betone, wir sollten uns nie und in keinster Weise in ihre inneren Angelegenheiten einmischen. Das wäre nicht marxistisch. Es ist Aufgabe der jugoslawischen Kommunisten und des jugoslawischen Volkes, sich darum zu kümmern. Es ist ihre Aufgabe, die aktuellen und künftigen Aufgaben ihres Landes selbst zu lösen. Und in diesem Zusammenhang sehe ich das Kosova-Problem und das der Albaner, die in Teilen von Jugoslawien leben. Wir dürfen dem titoistischen Feind keinen Vorwand geben, dass er uns später vorwerfen kann, dass wir angeblich darauf hingearbeitet hätten, die jugoslawische Föderation zu zerstören. Das ist eine heikle Sache, die sorgfältig überlegt sein will, denn wenn Tito sagen könnte: 'Seht her, sie wollen Jugoslawien zerstören!', dann könnte er damit nicht nur die Reaktion um sich scharen, sondern auch einen Teil der patriotischen Elemente für sich gewinnen."

(Enver Hoxha, 'Begegnungen mit Stalin. Erinnerungen', ebd., S. 142f).

 

Jetzt wurde es leichter, die titoistischen Agenten in Albanien zu entlarven. Das Neunte und Elfte Plenum des ZK der KPA beschäftigte sich in aller Offenheit mit der Geschichte und den Folgen der titoistischen Unterwanderungsversuche der Partei. Die Partei war eindeutig für die Fortsetzung des Weges der sozialistischen Konsolidierung.

 

Aber auch jetzt noch warnte Stalin vor der jugoslawischen Gefahr:

 

"In der jetzigen Situation solltet ihr vor jeder Gefahr aus Jugoslawien auf der Hut sein! Die Titoisten haben ihre Agenten in eurem Land. Sie werden noch weitere hineinschmuggeln. Sie würden euch am liebsten angreifen, tun es aber nicht, weil sie die Folgen für sich fürchten müssen. Ihr braucht deshalb keine Angst zu haben, aber ihr müsst zusehen, dass ihr eure Wirtschaft stärkt, eure Kader ausbildet, eure Partei stärkt, eure Armee gut ausbildet und ständig wachsam seid. Mit einer starken Partei, einer starken Wirtschaft und einer starken Armee braucht ihr niemanden mehr zu fürchten."

(Ebd., S. 205).

 

Stalins Ahnungen sollten sich später bewahrheiten. Als Chruschtschow an die Macht kam und daranging, den Sozialismus in der UdSSR zu demontieren, erneuerten die Titoisten ihre Attacken gegen den Sozialismus auf internationaler Ebene, aber besonders gegen Albanien.

 

 

Schlussfolgerungen

 

 

Es kann kaum ein Zweifel daran bestehen, dass Enver Hoxha ein großer Marxist-Leninist war. Es kann ebenso wenig ein Zweifel daran bestehen, dass Stalin die Kommunistische Partei Albaniens (später 'Partei der Arbeit Albaniens' - PAA) in ihrem heroischen Kampf um die Errichtung eines sozialistischen Staates unterstützte.

 

 

Anmerkung:

Hoxha richtete einen Appell an die Völker der Sowjetunion nach dem Putsch der Chruschtschowianer gegen Stalin. Er sagte:

 

"Ihr, die ihr über die gefährlichsten Feinde der Menschheit mit dem Namen Stalins auf den Lippen triumphiert habt, was werdet ihr jetzt tun? In eurem Land ist die Partei keine marxistisch-leninistische Partei mehr. Ihr müsst eine neue Lenin-Stalin-Partei durch den Kampf aufbauen. Wollte ihr das Joch des neuen Kapitals hinnehmen? Wir setzen auf die große revolutionäre Kraft der sowjetischen Völker, auf das sowjetische Proletariat und dies ist auch der Grund, weshalb wir davon überzeugt sind, dass diese Kraft allmählich wieder zum Vorschein kommt. Durch Kämpfe und Opfer wird sie wieder die Stärke gewinnen, die von der Zeit gefordert wird und wird in der Lage sein, den sowjetischen Sozialimperialismus zu zerschmettern."

(Enver Hoxha, 'Begegnungen mit Stalin. Erinnerungen', S. 41ff).