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'Trotzkistischer Putsch in Albanien' , hrsg. von der Kommunistischen Partei Neuseelands, April 1991, deutsche Übersetzung November 2004

 

 

Inhalt

 

Einführung

1. Stellungnahme des Zentralkomitees der Kommu-

nistischen Partei Neuseelands vom 15. April

1991: 'Trotzkistischer Putsch in Albanien'

 

2. Stellungnahme des ZK der KPNS vom 11. Februar

1991: 'Albaniens Abgleiten in den Kapitalismus'

 

3. Artikel aus 'Volksstimme' vom 11. Februar 1991:

'Würden Sie diesem Mann vertrauen?'

 

4. Artikel aus 'Volksstimme' vom 17. April 1991:

'Keine Kandidaten der Arbeiterklasse'

 

5. Artikel aus 'Volksstimme' vom 17. April 1991:

'Alia für Abriss der Statue verantwortlich'

 

6. Artikel aus 'Volksstimme' vom 25. Februar 1991:

'Hoxhas Statue in Tirana umgestürzt'

 

 

Einführung

 

 

Im Februar 1991 veröffentlichte das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Neuseelands ein 400-Seiten starkes Buch mit dem Titel

 

'Albaniens Abgleiten in den Kapitalismus'.

 

Dieses Buch enthielt drei Teile:

 

1. Eine detaillierte Entlarvung des albanischen Revisionismus, die vom Zentralkomitee der KP Neuseelands am 11. Februar 1991 veröffentlicht worden war;

 

2. Wichtige Dokumente, Erklärungen und Presseberichte zu Albanien, die die Zeit von drei Jahrzehnten abdeckten;

 

3. Einschlägige Auszüge aus den theoretischen Schriften von Enver Hoxha, der vier Jahrzehnte lang Albaniens Staatschef bis zu seinem Tod im Jahre 1985 gewesen war.

 

(Es folgen Angaben zum Buch) ...

 

 

1. Stellungnahme des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei

Neuseelands vom 15. April 1991

 

 

Die kapitalistischen Medien machen Freudensprünge über das, was sie

als 'das Abwerfen des stalinistischen Dogmas' in dem kleinen Balkanstaat Albanien bezeichnen. Kapitalistische Regierungen preisen seinen Präsidenten Ramiz Alia, weil er den 'Weg zur Demokratie' eingeschlagen hat, zu einer Zeit, da Albanien unter den Einfluss der 'Marktkräfte' und der Politik des internationalen Großkapitals gerät.

 

Die albanische Regierung nimmt Worte wie 'Sozialismus', 'Klassenkampf', 'Revolution' und 'Diktatur des Proletariats' nicht mehr in den Mund. Stattdessen gründen prokapitalistische Intellektuelle, die in Albanien die Staatsgeschäfte vollständig ansichgerissen haben, ihre Politik auf solche ökonomischen Konzepte wie 'maximale Gewinnträchtigkeit der Unternehmen', 'freier Wettbewerb' und 'Privatisierung des Staatsvermögens' - die gleichen Schlagwörter, die die neuseeländischen Arbeiter kennen und hassen gelernt haben.

 

 

Rücksichtslose Säuberungen

 

 

Jedes einzelne Prinzip des Kommunismus ist im Laufe des vergangenen Jahres von der herrschenden Elite um Präsident Alia ad acta gelegt worden. Mit einer Rücksichtslosigkeit, die für kapitalistische Politiker typisch ist, säubern sie ihre Gegner aus sämtlichen einflussreichen Positionen in Wirtschaft, Staat, Regierungspartei und in den Streitkräften.

 

Alia & Co. führten im letzten Juli und Dezember in der Partei der Arbeit zwei größere Putsche durch, durch die die Mehrzahl der Politbüromitglieder eliminiert und durch prokapitalistische Politiker ersetzt wurden. Durch ähnliche, jedoch verdeckte Aktionen, wurden in den vergangenen neun Monaten sämtliche Minister, die der kapitalistischen Konterrevolution Widerstand entgegensetzten, weggesäubert.

 

Besonders war die Entfernung von Simon Stefani als Minister für Innere Angelegenheiten (auch verantwortlich für die Polizei) und Verteidigungsminister Prokop Murra. Beide, die sie Schlüsselpositionen im Staatsapparat bekleideten, wurden von den kapitalistischen Medien als 'stalinistische Hardliner' bezeichnet.

Ihre über Nacht vorgenommene Eliminierung, ohne dass auch nur die leisteste öffentliche Erklärung gegenüber den Albanern erfolgte, lief auf einen kapitalistischen Putsch hinaus, mit dem Ziel, dadurch die Politik der Regierung zu revidieren. (Dieser Putsch ähnelte aufs Haar dem Putsch der Chruschtschowianer gegen Lavrenti Berija im Juli 1953, den sie mit Unterstützung von Marschall Schukow durchführten - Übers.).

 

Das Entstalinisierungspropramm ist jetzt in vollem Gange und verwandelt den politischen und Staatsapparat in ein scharfes Schwert der kapitalistischen Konterrevolution, zu einer Zeit, da Albanien unter die Knute des internationalen Großkapitals gezwungen wird.

 

 

'Kontakt'

 

 

Das Regime in Tirana liefert die Ressourcen und das Arbeitskräfte-

potenzial des Landes dem internationalen Kapital mit dem Argument aus, dass 'Albanien keine geschlossen Kiste ist', wie Ramiz Alia sich am 13. Februar ausdrückte. Alia:

 

'Wir leben in dieser Welt,' so der albanische Präsident weiter, 'und

ohne Kontakt zu ihr, können wir nicht existieren.'

(Bulletin der Albanischen Nachrichtenagentur).

 

Wahre Kommunisten nähmen 'Kontakt' zum Kapitalismus auf, in der gleichen Weise wie ein Boxer vor einem Kampf seine Hand im Boxhandschuh auf 'freundschaftliche' Weise für einen Handschlag entgegenstreckt, der aber genau weiß, dass, sobald die Glocke ertönt ist, er seine Fäuste benutzen wird, um 'Kontakt' oder Tuchfühlung zum Kinn des Gegners aufzunehmen.

 

Als Verräter am Kommunismus jedoch verstehen Alia & Co. unter 'Kontakt' zur kapitalistischen Welt, Albanien in jede beliebige Form zu verwandeln, die dem internationalen Großkapital angenehm ist.

 

 

Trotzki

 

 

Die Überlegungen von Alia & Co. gehen in die gleiche Richtung wie die von Leo Trotzki in den 20iger Jahren, als dieser die zentrale Rolle bei der Organisierung der gescheiterten Konterrevolution innerhalb der sowjetischen Partei und des sowjetischen Staates spielte. Wegen seiner geheimen konterrevolutionären Aktivitäten wurde er aus der Sowjetunion ausgewiesen.

 

Trotzki stellte sich auf fanatische Weise Stalins Linie vom Aufbau des 'Sozialismus in einem Land' entgegen, die solange gelten sollte, wie die internationale proletarische Revolution noch nicht weitere Länder dem sozialistischen Lager zuführen konnte.

 

Trotzki argumentierte, dass der Sozialismus in der UdSSR scheitern müsse, weil die Bolschewistische Revolution von 1917 nicht durch weitere erfolgreiche sozialistische Revolutionen in einer Reihe anderer europäischer Länder unterstützt worden war. Als er seinem eigenen Defätismus zum Opfer gefallen war, wurde er zum herausragendsten 'linken' Gegner des sozialistischen Aufbaus in der Sowjetunion.

 

Eben weil er sich als 'Linker' ausgab, wurde Trotzki zu einem nützlichen Propagandawerkzeug in den Händen des internationalen Kapitalismus in seiner ideologischen Offensive gegen den Sozialismus in den 20iger und 30iger Jahren. Aber eine auch noch so 'revolutionäre' Wortwahl konnte Trotzkis wahre Einstellung als rechtsgerichteter Politiker verschleiern, der für den Kapitalismus akzeptabel war, weil er es ablehnte, für den 'Sozialismus in einem Land' zu kämpfen.

 

Wenn Arbeiter es ablehnen würden, eine revolutionäre Situation auszunutzen, um eine siegreiche Revolution zu organisieren, nur weil die Trotzkisten erklären, dass 'Sozialismus in einem Land' nicht erlaubt sei, dann könnte der Sozialismus nie an die Stelle des Kapitalismus auf internationaler Ebene treten, weil es klar ist, dass ein Anfang in irgendeinem Land gemacht werden muss. Wenn nie ein Anfang gemacht wird, kann eine Sache nie zuende geführt werden. Das ist für klassenbewusste Arbeiter völlig einsichtig, selbst wenn es dies für kleinbürgerliche Intellektuelle nicht ist, die die Klassenbasis für den Trotzkismus abgeben.

 

 

Moskauer Prozesse

 

 

Als politische Strömung wurde der Trotzkismus in den 20iger und 30iger Jahren nicht nur von den sowjetischen Werktätigen, sondern auch von den klassenbewussten Arbeiter aus allen Ländern entschieden zurückgewiesen.

 

Jeder Massenbasis beraubt, ließ sich Trotzki auf eine geheime Allianz mit Hitlers Nazis und anderen imperialistischen Diensten ein, um gegen die Regierung Stalin einen Putsch zu organisieren, wie später seine Anhänger während der in der Öffentlichkeit stattfindenden Moskauer Prozesse in den Jahren 1936-38 zugaben.

 

Unter den Journalisten und Diplomaten, die an den Gerichtsverhand-

lungen teilnahmen, befand sich auch der US-amerikanische Botschafter in Moskau, Joseph Davies - selbst ein sehr erfahrener Prozessjurist. In einer vertraulichen Mitteilung seiner Botschaft an den Außenminister der USA aus dem Jahre 1937 berichtete Davies, dass die Diplomaten in Moskau

 

'... ausnahmslos der Meinung sind, dass die Verfahren eindeutig die Existenz eines politischen Komplotts und Verschwörung beweisen, um die Regierung zu stürzen.'

 

Davies erklärte, dass die 'ruhige' und 'kluge' Handhabung der öffentlichen Verhandlungen

 

'... meine Anerkennung und Bewunderung als Anwalt hervorriefen.'

 

Als nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs die ganze Bandbreite des geheimen Waffenarsenals der Nazis ans Tageslicht gekommen war, meinte 1941 Davies in einer offiziellen Erklärung, dass die Moskauer Prozesse die

 

'... gesamten Aktivitäten der deutschen fünften Kolonne ausgelöscht haben. ..Die Säuberungen (der Trotzkisten) haben das Land gereinigt und es vom Verrat befreit'.

 

Alle Politiker, unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit, haben nur zwei echte Alternativen: Entweder sie stellen sich in den Dienst des Klassenkampfes der Arbeiter zur Befreiung von der Herrschaft des Kapitals und den Sozialismus aufzubauen. Oder sie stellen sich in den Dienst der Beherrschung der Arbeiterbewegung durch das Großkapital.

 

Um es anders auszudrücken:

 

Es gibt nur zwei mögliche Alternativen: Entweder die Diktatur des Proletariats (bei der die Arbeiterklasse alle anderen Teile des werktätigen Volkes von der Klassenausbeutung befreit, während gleichzeitig mögliche Ausbeuter niedergehalten werden oder die Diktatur der Bourgeoisie (bei der das Großkapital die Freiheit besitzt, die Interessen aller Werktätigen mit Füßen zu treten).

 

Diesen beiden Formen der Staatsmacht entsprechen die beiden unversöhnlich gegenüberstehenden Interessen der beiden Hauptklassen in der modernen Welt: Arbeit und Kapital. Das Großkapital kann nur unter der Voraussetzung, dass es von seiner wirtschaftlichen, staatlichen und ideologischen Macht Gebrauch macht, weiter existieren, um die maximale Ausbeutung der Arbeitskraft zu organisieren.

 

Wir erleben heute die verheerenden Auswirkungen des Arbeitsvertrags-

gesetzes, mit dem die Gewerkschaften zerstört werden sollen, für die Arbeiterklasse in Neuseeland und der lebensgefährlichen Sozialkürzungen, mit denen die Armen konfrontiert sind.

 

Der ständige Klassenkampf zwischen Arbeit und Kapital kann nur dann zugunsten der Arbeiterklasse entschieden werden, wenn diese eine erfolgreiche sozialistische Revolution durchführt, die Industrie und den Handel in öffenliches Eigentum verwandelt, um dem öffentlichen Wohl zu dienen, statt den privaten Gewinnen und die Diktatur der Arbeiterklasse errichtet, um den sozialistischen Aufbau zu beschützen.

 

 

Opportunisten

 

 

Opportunistische Politiker wie Leo Trotzki und Ramiz Alia bezeichnen sich selbst als 'Kommunisten', um dadurch innerhalb der Arbeiterbewegung einflussreiche Positionen zu erobern, aber danach nutzen sie diese Positionen, um die Arbeiterbewegung den Forderungen des internationalen Kapitalismus anzupassen. Deshalb muss die Arbeiterklasse wachsam sein und darauf bestehen, dass die Führer der Arbeiterbewegung der Arbeiterklasse direkt verantwortlich sind und dass die Worte und Taten solcher Führer sich genau entsprechen.

 

Solange Stalin an der Spitze der sowjetischen Partei und des sowjetischen Staates stand, waren Opportunisten wie Trotzki nicht in der Lage, eine kapitalistischen Putsch durchzuführen. Stalin sprach immer direkt und ehrlich zu den sowjetischen Werktätigen, darüber, wie die bolschewistische Partei die Arbeiterklasse unterstützen kann, um ihre führende Rolle in jedem Stadium des Klassenkampfes auszuüben.

 

Die breite Mehrheit der sowjetischen Bevölkerung setzte sich aus der Kleinbauernschaft zusammen, deren Klassenlage sie tendenziell dazu bewegte, die kapitalistischen Ansichten zum privaten Grundbesitz, zum privaten Markt und zur privaten Anhäufung von Kapital zu übernehmen.

 

Stalin und die bolschewistische Partei mobilisierten die sowjetische Arbeiterklasse als bewusste Führerin der Kleinbauernschaft, um sie auf den Weg des sozialistischen Aufbaus zu führen. Unter der Diktatur des Proletariats wurde ein ziemlich tragfähiges Bündnis zwischen der sowjetischen Arbeiterklasse und der Kleinbauernschaft geschmiedet, auf der Grundlage, dass diese stark benötigte materielle Vorteile erhielt, wie beispielsweise:

 

- die Befriedigung des Landhungers der Bauern durch eine staatlich unterstützte Enteignung der reichen Farmer;

 

- die Beseitigung rückständiger landwirtschaftlicher Ackergeräte durch die Kollektivierung der Landwirtschaft;

 

- die Einführung von Maschinen-Traktoren-Stationen auf dem Lande, die von Arbeitern betreut wurden;

 

- die Einführung eines staatlichen Marktes für landwirtschaftliche Produkte, die den Bauern eine Einkommenssicherung gaben.

 

Obwohl die riesigen bäuerlichen Massen auf den Weg des sozialisti- schen Aufbaus geführt wurden, gaben ihre tief verwurzelten Klassentraditionen einen fruchtbaren Boden für ein fortgesetztes Wiederaufleben der kapitalistischen Ideologie ab, was nur durch die Diktatur des Proletariats in Schach gehalten werden konnte.

 

Als jedoch eine ganze Reihe von Funktionären der bolschewistischen Partei auf Kreis-, Republik- und zentraler Ebene der Ideologie des privaten Vorteils erlagen, welche kontinuierlich in der Kleinbauern-

schaft neu hervorgebracht wurde, und sich zu einer gesonderten Schicht von Bürokraten entwickelte, die nur sich selbst dienten, statt den Klasseninteressen des Proletariats, wurden die starken Bande zwischen dem Proletariat und der Partei ernsthaft geschwächt. Dadurch wurde die Diktatur des Proletariats untergraben, weil die Arbeiterklasse fest um ihre kommunistische Partei organisiert sein muss, damit sie ihre führende Rolle in allen Phasen des Klassenkampfes spielen kann.

 

Es ist offensichtlich, dass dieser Prozess der ideologischen Erosion innerhalb der bolschewistischen Partei schon während der Regierungszeit Stalins begann. Aber solange Stalin lebte, wurden die Verbindungen zwischen dem Proletariat und der Partei nie abgebrochen. Stalins theoretische und praktische Aktivitäten blieben eng mit all den erforderlichen Kämpfen des Proletariats verbunden. So blieb die bolschewistische Partei ein Instrument der Diktatur des Proletariats, trotz vieler von opportunistischen Funktionären eingeführter Schwachpunkte.

 

Nach Stalins Tod 1953 jedoch war das Zentralkomitee der bolschewisti-schen Partei nicht mehr in der Lage, sich im Kampf gegen die politischen Opportunisten, die aus dem Schatten hervorgetreten waren, zu behaupten, mit dem Ergebnis, dass die modernen Trotzkisten, die sich um Nikita Chruschtschow herum gruppiert hatten, die Macht in einem konterrevolutionären Putsch ansichreißen konnten. Ihre erste Aufgabe sahen sie darin, die stalinsche Mehrheit im Zentralkomitee erbarmungslos wegzusäubern.

 

 

Tragische Ergebnisse

 

 

Wir sehen heute (Stand 1991 - Übers.) in der Sowjetunion die tragi-

schen Resultate. Michail Gorbatschow, der opportunistische Nachfolger von Nikita Chruschtschow und Leonid Breschnew vollendet heute die Aufgabe, die Sowjetunion in einen monopolkapitalistischen Staat, der mit den Staaten im Westen identisch ist, zu verwandeln. Eine schmale sowjetische Elite wird ungeheurer reich und mächtig im Bündnis mit dem Auslandskapital, während die sowjetischen Werktätigen sich immer mehr Not und Elend ausgesetzt sehen.

 

Diese Niederlage in der Sowjetunion war jedoch nicht unvermeidlich. Das sowjetische Proletariat, das im Ergebnis des bolschewistischen Programms der Industrialisierung an Zahl und Einfluss hinzugewonnen hatte, hätte weiterhin eine solide Massenbasis für den weiteren Vormarsch zum Sozialismus nach Stalins Tod abgeben können, wenn opportunistischer Verfall nicht das Nervenzentrum des Proletariats - das Zentralkomitee der bolschewistischen Partei vorher infiziert hätte.

 

Die Chruschtschowianer begaben sich jedoch tragischerweise auf den gleichen trotzkistischen Weg, den Ramiz Alia jetzt in Albanien eingeschlagen hat. Unter dem Schlagwort der 'friedlichen Koexistenz'

betonten die Chruschtschowianer die Notwendigkeit für friedliche 'Kontakte' mit der kapitalistischen Welt, mit dem Ergebnis, dass der Klassenkampf für den Sozialismus aufgegeben und die Sowjetunion dem Diktat des westlichen Imperialismus unterworfen wurde.

 

 

Kapitalistisches Programm

 

 

Anpassung an den Kapitalismus bedeutet die Aufgabe der Diktatur des Proletariats zugunsten der Diktatur der Bourgeoisie. Die kleinbürgerlichen Intellektuellen, die sich um Präsident Ramiz Alia herum zusammengeschlossen haben, haben ein zusammenhängendes wirtschaftliches und politisches Programm der Anpassung an den Kapitalismus entwickelt. Das kapitalistische Programm von Alia & Co. beinhaltet:

 

- die Neuschreibung der Verfassung des Landes, um jede Bezugnahme darauf, dass Albanien 'ein Staat der Diktatur des Proletariats' ist, zu tilgen;

 

- die Ausstattung Alias mit den weitreichenden Machtbefugnissen eines bürgerlichen Diktators in einem neuen Verfassungsentwurf, so dass jede Opposition gegen die kapitalistischen Konterrevolution leichter zerschlagen werden kann;

 

- die Betonung des angeblich 'klassenneutralen' Konzepts der 'Volksmacht', um die Installation der Diktatur der Bourgeoisie zu übertünchen. Die offene Unterstützung für die Bildung von offen kapitalistischen Parteien wie die der Demokratischen Partei, die als albanischer Arm des US Außenministeriums agiert;

 

- die Ausschaltung sämtlicher Gegner der Konterrevolution aus hohen Positionen in der Partei der Arbeit und des Staatsapparats und die einsetzenden Säuberungen von nicht so hoch gestellten Funktionären;

 

- die Nachfrage um die Erlaubnis für die Albanische Staatsbank, dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank beizutreten, welche als imperialistische Instrumente zur Kontrolle kleinerer Nationen bekannt sind;

 

- die Öffnung der gesamten albanischen Wirtschaft für Auslandsinves-

titionen mit der Garantie eines Schutzes vor Enteignung und Verstaatlichung;

 

- die Einräumung des Rechts an Auslandsunternehmen, die in Albanien investieren, jeden einzelnen Dollar ihrer Profite nach Hause zu schaffen, den sie aus der Ausbeutung albanischer Ressourcen und albanischer Arbeit herausgesogen haben;

 

- die Aufforderung an alle staatlichen, kooperativen oder privaten Unternehmen Albaniens, 'Joint Ventures' (Gemeinschaftsunternehmen) mit dem Auslandskapital zu bilden;

 

- die Ersetzung des kommunistischen Prinzips des proletarischen Internationalismus durch eine Propaganda zur Verteidigung der 'nationalen Unabhängigkeit', um den Ausverkauf Albaniens an den westlichen Imperialismus zu verdecken;

 

- die Verabschiedung eines vollständig neuen Gesetzbuches, um das albanische Recht voll und ganz mit der vom Imperialismus beeinflussten 'Paris Charter' (Pariser Charta) in Einklang zu bringen, die das Recht des Privatkapitals auf die ungehinderte Ausbeutung der Arbeitskraft in den Mittelpunkt stellt;

 

- die Verabschiedung einer arbeiterfeindlichen Gesetzgebung, die es buchstäblich unmöglich machen wird, irgendwelche wirksamen und ausgedehnteren Streikaktionen auf legaler Basis zu organisieren;

 

- die Weigerung, auch nur einem einzigen einfachen Industriearbeiter zu erlauben, auf der 250-Kandidaten umfassenden Liste der Partei der Arbeit für die Wahlen zur Nationalversammlung zu erscheinen;

 

- den Druck auf die Bauern, sich von Kollektivfarmen fernzuhalten und private Herden auf Ländereien zu unterhalten, die für private Zwecke abgezweigt und den Verkauf von landwirtschaftlichen Produkten auf Privatmärkten zu vorzunehmen;

 

- die Erhebung des Maximalprofits zum alleinigen Ziel jedes staatlichen Betriebes und die Verwandlung der Betriebsleiter in de facto kapitalistische 'Besitzer' der Betriebe, ausgestattet mit dem uneingeschränkten Recht, Arbeitskräfte zu heuern und zu feueren und 'privaten' Profit anzuhäufen;

 

- die starke Einschränkung der Rolle der zentralen Planwirtschaft, welche für den sozialistischen Aufbau unverzichtbar ist, um dafür die Rolle der kapitalistischen 'Marktkräfte' auszuweiten;

 

- die Neuschreibung von Schulbüchern, um 'ideologische' Begriffe wie Sozialismus, Revolution, Marxismus, Klassenkampf, Diktatur des Proletariats, Diktatur der Bourgeoisie, Kapitalismus, Imperialismus oder Opportunismus auszumerzen;

 

- einen Angriff auf Josef Stalin, um die ideologischen Voraussetzun-

gen für die Festigung des Kapitalismus in Albanien zu schaffen.

Marxist mit Fehlern

 

 

Alia & Co's Programm widerspricht jedem einzigen kommunstischen Prinzip. Stalin verwirklichte diese Prinzipien des Kommunismus in der Sowjetunion über einen Zeitraum von drei Dekaden. Deshalb muss Stalins Erbe von Alia & Co. attackiert werden, weil sie in die entgegengesetzte Richtung marschieren wollen.

 

Enver Hoxha, der im Jahre 1985 starb, nachdem er vier Jahrzehnte lang

an der Spitze Albaniens gestanden hatte, wird inzwischen nur noch von Ramiz Alia als 'historische Persönlichkeit' apostrophiert. Dass Hoxha stets den Namen und das Werk Stalins energisch verteidigte - dazu kein Wort.

 

Auch findet sich kein Hinweis darauf, dass Hoxha alles tat, um die Prinzipien des Kommunismus in der Praxis zu verwirklichen, obwohl er einige grundlegende Dinge missachtete und deshalb als Marxist mit Fehlern bezeichnet werden muss.

 

Sein wichtigster Fehler bestand darin, dass er das antimarxistische Konzept der 'Volksmacht' mit dem marxistischen Konzept von der Diktatur des Proletariats gleichsetzte.

 

Es ergibt keinen Sinn, den Begriff 'Volksmacht' zu verwenden, weil jede staatliche Macht auf der 'Diktatur einer einzigen Klasse', wie Lenin sich ausdrückte, beruht. In der modernen Welt bedeutet dies entweder die Diktatur der Bourgeoisie oder die Diktatur des Proletariats. Keine andere Klasse ist von ihrer ökonomischen oder politischen Lage her imstande, die staatliche Macht zu ergreifen.

 

Im Unterschied zu dem, was Hoxha vorschlug, kann die Staatsmacht (im Sozialismus - Übers.) niemals auf 'dem ganzen Volk' beruhen (Industriearbeiter, Kollektivfarmer, Intellektuelle, staatliche Funktionäre, Landarbeiter, selbstständige Händler usw., existieren als stark voneinander verschiedene Schichten des sozialen Gefüges nach der sozialistischen Revolution bis zur Epoche der klassenlosen Gesellschaft, also bis zum Kommunismus, weiter).

 

 

Ähnlichkeiten

 

 

Hoxhas Vorstellungen von der 'Volksmacht' ähneln sehr stark den antimarxistischen Konzepten von der Staatsmacht, die von Nikita Chruschtschow und Mao Tse-tung entwickelt wurden.

 

Chruschtschows Konzept vom 'Staat des ganzen Volkes' wurde als 'demokratischere' Form für die Diktatur des Proletariats der Stalin-Zeit propagiert. Tatsächlich war es nichts anderes als eine politische Maskierung für die Errichtung der Diktatur der Bourgeosie in der Sowjetunion auf den Ruinen der Diktatur des Proletariats.

 

Mao Tse-tung propagierte die 'demokratische Diktatur von vier Klassen' - den Arbeitern, den Bauern, der nationalen Bourgeoisie sowie des Mittelstandes. Durch die Leugnung des grundlegenden kommunistischen Prinzips, dass die staatliche Macht in der Welt von heute nur entweder vom Proletariat oder der Bourgeoisie ausgeübt werden kann, verhinderte dieses maoistische Konzept, dass die chinesische Arbeiterklasse je in der Lage war, die Zügel der Staatsmacht in die Hand zu nehmen und je in der Lage sein konnte, sich auf den Weg des sozialistischen Aufbaus zu begeben. Stattdessen entwickelte sich aus der Chinesischen Revolution von 1949 eine Form des Staatskapitalismus.

 

 

Richtige Orientierung

 

 

Es versteht sich von selbst, dass jeder und jede Partei Fehler macht. Sowohl Stalin als auch die bolschewistische Partei begingen Fehler, die sie im Lichte der Praxis öffentlich korrigierten. Jedoch ist das Wesen der stalinschen Linie richtig. Deshalb gewann die internationa- le kommunistische Bewegung zu Stalins Zeiten immer mehr an Kraft hinzu und aus diesem Grunde konnte der Imperialismus trotz einer schonungslosen militärischen, politischen, wirtschaftlichen und ideologischen Aggression gegen die Sowjetunion sehr stark in die Defensive gedrängt werden.

 

Die Geschichte hat wiederholt gezeigt, dass Politiker der Arbeiterbewegung, die Stalins strategische Linie als 'verfehlt' bezeichneten, sich selbst auf einem opportunistischen Weg befanden. Die Arbeiter sollten aufpassen und sehen, dass es zu den ersten Anzeichnen des Opportunismus gehört, wenn ein angeblich 'linker' oder 'kommunistischer' Politiker anfängt, Stalin herunterzumachen.

 

Hoxha muss als Marxist mit Fehler angesehen werden, jedoch nicht als Opportunist, weil er ehrlich der Annahme war, dass die 'Volksmacht' mit der Diktatur des Proletariats gleichzusetzen sei. Seine Aufrichtigkeit zeigt sich in seiner immerwährenden Hochachtung für Stalin und in seinen unablässigen Bemühungen, den Sozialismus in Albanien zu festigen. Leider führte jedoch die Verwirrung, die im albanischen Proletariat und in der Partei der Arbeit durch das antimarxistische Konzept von der 'Volksmacht' gesäht wurde, dazu, dass die zahlenmäßig wachsende Arbeiterklasse daran gehindert wurde, die Zügel der Staatsmacht fest in die Hände zu nehmen.

 

Diese Unterlassung, die Diktatur des Proletariats in Albanien zu konsolidieren, ist der eigentliche Grund dafür, weshalb die kapitalistische Konterrevolution, im vergangenen Jahr etwa, so schnelle Siege erzielen konnte.

 

 

Die jüngsten Versionen

 

 

In dem Versuch, den Zorn der albanischen Arbeiterklasse zu kanalisieren, erzählen uns Alia & Co. jetzt, dass die geringe Größe ihres Landes, seine ungeheure Rückständigkeit, als es von der faschistischen Herrschaft 1944 befreit wurde sowie seine Einkreisung durch mächtige kapitalistische Länder zwingende Gründe darstellen, weshalb Albanien keine andere Wahl hat, als kapitalistische Prinzipien zu übernehmen.

 

Tatsächlich ist dies nur die neueste Version Lesart von Trotzkis These, dass der 'Sozialismus in einem Land' nicht siegreich sein kann. Deshalb, so die Trotzkisten und Alia & Co., muss der 'Sozialismus' dem Kapitalismus angepasst werden, wenn er denn überleben will.

 

Diese antikommunistische Haltung wurde sehr klar von der neuseeländi- schen trotzkistischen Gruppe 'Arbeitermacht' im vergangenen Juli in ihrer Kritik am 'Stalinismus' in Albanien und in Neuseeland zum Ausdruck gebracht:

 

'Der Sozialismus kann nur siegreich sein, wenn er sich die internationale Arbeitsteilung zunutze machen kann und wenn er über die höchstentwickelsten Produktivkräfte des Kapitalismus verfügt',

hieß es in der trotzkistischen neuseeländischen Zeitschrift 'Redletter'.

 

Aber die einzige Art von Sozialismus, die mit 'den höchstentwickel-

sten Produktivkräften des Kapitalismus' aufgebaut werden kann, ist genau die Art von System, das jetzt gerade in Albanien geschaffen wird, das - so Alia & Co. - auf dem 'Kontakt' mit dem internationalen Kapitalismus beruht. Das heißt im Klartext nichts anderes als Anpassung an den Weltkapitalismus und es ist genau das, was die Trotzkisten (in Albanien - Übers.) angeordnet haben.

 

 

'Wirtschaftlicher Niedergang'

 

 

Am 13. Februar (1991 - Übers.) berichtete Alia, dass

 

'... das Land einen wirtschaftlichen Niedergang durchmacht'

 

und gleichzeitig ruft er zu weiteren 'Kontakten' mit der kapitalisti- schen Welt auf und fordert noch weitergehenden prokapitalistischen 'Wandel' in Albanien.

 

Jedoch gab Alia auch zu, dass

 

'... die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in den vergangenen zehn Jahren zugenommen haben'.

(Bulletin der albanischen Nachrichtenagentur).

 

Und in dieser Dekade (also etwa ab 1980 - Übers.) sei das Konzept von der Diktatur des Proletariats auf höchster Ebene in Partei und Regierung offen durch das antimarxistische Konzept von der 'Volksmacht' ersetzt worden.

 

Es scheint, dass der massive Rückgang der Arbeitsprodukivität in den letzten Jahren der entscheidende Grund für Albaniens derzeitigen 'wirtschaftlichen Niedergangs' darstellt. Im letzten Dezember machte Alia

 

' ... eine Psychose der Faulheit und Nachlässigkeit in vielen Sektoren für die fallende Arbeitsproduktivität verantwortlich'.

(Bulletin der Albanischen Nachrichtenagentur).

 

Aber dieser rapide Rückgang der Arbeitsproduktivität bringt nur die Desillusionierung der Arbeiterklasse und ihren Zorn auf die kapitalistische Konterrevolution, die in Albanien umsichgreift, zum Ausdruck. Die Arbeiter haben jetzt das Gefühl, dass sie von den Staatsgeschäften vollständig ferngehalten sind und deshalb nur noch Dienst nach Vorschrift machen. Zehntausende unternehmen alles nur Erdenkliche, um aus Albanien herauszukommen, weil sie das Gefühl haben, dass sie dem System nichts mehr abgewinnen können.

 

Ein ähnlicher Rückgang der Arbeitsproduktivität war auch in der Sowjetunion nach der Chruschtschowschen Konterrevolution zu verzeichnen. Kein Arbeiter macht nicht mehr als nur das unbedingt Notwendige für einen kapitalistischen Boss, weil jedes überschüssige Arbeitsprodukt nur der Bereicherung des Unternehmers dient und die Macht des Kapitals über die Arbeit steigert.

 

 

Politische Faktoren

 

 

In der Ära Hoxha jedoch war die Arbeitsproduktivität der albanischen Arbeiter sprunghaft angestiegen, was dazu führte, dass das Land eine der höchsten Zuwachsraten aufweisen konnte. Dies wurde auch in dem Bericht Alias an den Parteitag der Partei der Arbeit 1986 bestätigt. Obwohl Hoxhas Propagierung der 'Volksmacht' dazu geführt hatte, dass das Proletariat seine Diktatur nicht angemessen festigen konnte, besaß die albanische Arbeiterklasse zu der Zeit jedoch genügend Einfluss im Staatsapparat, um die Vorteile aus der angestiegenen Arbeitsproduktivität ziehen.

 

Deshalb scheint es, dass Albaniens derzeitiger 'wirtschaftlicher Niedergang' viel eher auf die kapitalistische Konterrevolution zurückgeführt werden muss als auf die objektiven Schwierigkeiten, denen ein kleines Land, das von mächtigen Feinden umgeben ist und das ein Erbe der Rückständigkeit aufzuweisen hat, ausgesetzt ist.

 

Mit anderen Worten: Albaniens Wirtschaftskrise ist die Folge politischer und nicht wirtschaftlicher Faktoren.

 

Dies widerlegt Trotzkis These, dass 'der Sozialismus in einem Land' scheitern muss. Es bestätigt Stalins These, dass die Diktatur des Proletariats wesentlich ist für den Fortschritt der Arbeiterklasse.

 

Es gibt sehr viele äußere Anzeichen des wirtschaftlichen und politischen Chaos in Albanien, wie die zunehmend gewaltsamen Demon-

strationen, wie die Zehntausenden, die versuchen, das Land zu verlassen, die Zunahme von Streiks und das Fernbleiben von der Arbeit sowie das immense Zahlungsbilanzproblem. Dies sind die bitteren Früchte von Alia & Co.'s trotzkistischer Linie der Anpassung an den Kapitalismus. Der Ausweg für die Arbeiter Albaniens besteht in der Organisierung mit dem strategischen Ziel der Wiedergewinnung der Diktatur des Proletariats. Dies was Stalins konsequent verfolgte Linie. Es ist heute die richtige Linie für alle Arbeiter in der Welt.

 

Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Neuseelands,

15. April 1991

 

 

2. Stellungnahme des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Neuseelands vom 11. Februar 1991: 'Albaniens Abgleiten in den Kapitalismus'

 

 

Genau um Mitternacht am 22. Dezember (1991 - Übers.) wurde die berühmte Stalinstatue auf Anordnung staatlicher Stellen in der albanischen Hauptstadt Tirana vom Sockel gestoßen und im Schutze der Nacht zu einer unbekannten Stelle befördert.

 

Dieser politisch motivierte Akt offiziellen Vandalismus war die Folge des Beschlusses, das Land zu entstalinisieren - ein Beschluss, der tagszuvor vom Politbüro der herrschenden Partei der Arbeit Albaniens (PAA) gefasst worden war. Das Politbüro beschloss, Stalins Namen von sämtlichen staatlichen Institutionen zu entfernen und seine Standbilder und Portraits herunterzureißen.

 

Als sie Stalins Statue um Mitternacht in Tirana umstürzten, handelten die albanischen Offiziellen wie Diebe in der Nacht. Dem albanischen Volk wurde nichts davon mitgeteilt, so dass es seine Meinung dazu hätte zum Ausdruck bringen können; auf keiner Ebene innerhalb der PAA wurde eine Debatte darüber geführt und auch für die internationale kommunistische Bewegung gab es keine Möglichkeit, eine Meinung zu äußern. Aber die alte PAA-Führung hatte immer wieder zum Ausdruck gebracht, dass die Verteidigung Stalins ein grundlegendes Prinzip für die internationale kommunistische Bewegung sei.

 

Die (alte - Übers.) PAA-Führung hatte Nikita Chruschtschow als einen Revisionisten bezeichnet, weil er 1956 auf dem Parteitag der sowjetischen Partei gegen Stalin einen Überraschungsangriff unternommen hatte und damit ganz offen damit begann, den konterrevolutionären Kurs der Wiederherstellung des Kapitalismus in der Sowjetunion einzuleiten. Bis vor kurzem noch hatte die PAA-Führung erklärt, dass Stalin ein wahrhafter Internationalist gewesen sei, dessen Leben und Arbeit der internationalen kommunistischen Bewegung gehöre und von der sowjetischen Partei nicht als ihr eigener Besitz missbraucht werden dürfe.

 

Jetzt ist die PAA-Führung in die Fußstapfen der Chruschtschowianer und anderer Revisionisten getreten, deren Angriffe auf Stalin ihre Kapitulation vor dem Kapitalismus signalisierten.

 

Am 26. Dezember erklärte Ramiz Alia vor einer PAA-Konferenz, dass

 

' ... Stalins Leben für Albanien keine direkte Bedeutung hat'.

 

Die vielen Stalin-Symbole in Albanien

 

' ... dienen keinem',

 

fuhr er fort und sollten jetzt

 

'beseitigt werden'.

 

Alia brachte jedoch auch zum Ausdruck, dass seine revisionistische Fraktion immer noch die starken proletarischen Gefühle, die durch die Stalin-Symbole geweckt werden, fürchten muss, als er weiter sagte, dass

 

' ... die Schwierigkeit ist, dass diese Dinge in politische und ideologische Symbole verwandelt werden können'.

 

 

Angriffe auf Stalin

 

 

Obwohl sich ihre Taktik je nach den vorhandenen Bedingungen unterscheidet, sind alle Revisionisten gezwungen, Stalin anzugreifen, weil er es war, der den Aufbau des Sozialismus in der Sowjetunion über 30 Jahre hinweg leitete, wodurch die Theorien von Marx, Engels und Lenin in der Praxis bestätigt wurden. Die Revisionisten können nicht ruhig schlafen, weil sie wissen, dass die Arbeiter immer noch von dem Banner des Kommunismus, das von Stalin so weit vorangetragen worden war, trotz der wütenden Opposition der Feinde der Arbeiter innerhalb und außerhalb der Sowjetunion, angezogen sind.

 

Trotzki behauptete, dass Stalin eine 'terroristische Bürokratie' betrieb. Trotzki hatte vorgehabt, seine Verbündeten aus der bürgerlichen Intelligenz zu einer herrschenden Elite zu machen und so die Diktatur des Proletariats zu zerstören. Es war Trotzki, der dafür eintrat, die sowjetische Arbeiterklasse einem armeeähnlichen Kommando von oben zu unterstellen, während Stalin darauf bestand, dass die Partei das Instrument der proletarischen Diktatur sein und deshalb die Arbeiterklasse durch Methoden kameradschaftlicher Überzeugung mobilisieren müsse, und die Klasse (die Arbeiterklasse - Übers.) wiederum müsse alle anderen Werktätigen beim Aufbau des Sozialismus anleiten.

 

Mao Tse-tung sprach laut von nicht genannten 'Fehlern Stalins', um die chinesische Partei (gemeint: die Chinesische Kommunistische Partei - Übers.) auf den Weg des Großmachtexpanisionismus und der Kollaboration mit dem Imperialismus zu führen. Während jeder einzelne und jede Partei Fehler macht, wie Stalin bereitwillig zugab, erwies sich der durch die Korrektur von Fehlern so erfolgreiche Aufbau des Sozialismus als so solide, dass in der Zeit, als Stalin an der Spitze der Sowjetunion stand, diese den faschistischen Blitzkrieg vereitelte, während westliche Staaten von Hitlers Armeen zermalmt worden waren.

 

Nikita Chruschtschow verleumdete Stalin als 'blutrünstigen Tyrannen'. Er hatte vor, die bolschewistische Partei als Instrument der proletarischen Diktatur zu destabilisieren und die Diktatur der Bourgeoisie in der Sowjetunion wiederherzustellen. Solange die sowjetische Partei von Stalin geführt wurde, wurden die Feinde der Arbeiterklasse unterdrückt, sobald sie den Versuch unternahmen, die Diktatur des Proletariats in Frage zu stellen. Unter Chruschtschow und seinen Nachfolgern jedoch unterdrückte die sowjetische Partei die Freunde der Arbeiterklasse, wenn diese daran gingen, die Diktatur der Bourgeoisie, die von Chruschtschow errichtet worden war, wieder in Frage zu stellen.

 

 

Klassenkampf

 

 

Lenin und Stalin hörten nicht auf davor zu warnen, dass der Klassenkampf in der Sowjetunion während der gesamten Übergangsperiode zur klassenlosen Gesellschaft (bis zur zweiten Phase des Kommunismus), bis der Klassenstaat allmählich verschwindet, weitergehe. In der Zeit von Lenin und Stalin organisierte die bolschewistische Partei die Arbeiterklasse als herrschende Klasse in einer sozialistischen Nation, deren gesellschaftliche Produktion die wachsenden sozialen Bedürfnisse befriedige.

 

Nach der chruschtschowschen Konterrevolution, als sich die Revisionisten die Kontrolle über die Führung der sowjetischen Partei gesichert hatten, wurde der Arbeiterklasse die gleiche Position zugewiesen, die sie unter dem Zarismus eingenommen hatte: in die einer ausgebeuteten Klasse von Werktätigen, deren Lebenszweck wieder darin bestand, Mehrwert für eine winzige Minderheit von verhätschelten Parasiten zu erwirtschaften.

 

Diese neue Klasse von sowjetischen Ausbeutern hatte ihre sozialen Wurzeln in jenen Funktionären der sowjetischen Partei auf Kreis-, Republik- und Unionsebene, die über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten hinweg angefangen hatten, sich von der Arbeiterklasse zu entfernen. Schließlich verschmolzen sie zu einer eigenen von der Arbeiterklasse abgetrennten Schicht und dienten nur noch ihren eigenen egoistischen Interessen, statt den Interessen der gesamten Klasse. Dieses Bemühen um staatliche Privilegien stellte die materielle Grundlage für den Revisionismus in der Sowjetunion dar.

 

Dieser konterrevolutionäre Prozess setzte schon zu Stalins Lebzeiten ein; solange er jedoch lebte, konnten es die Revisionisten nicht riskieren, offen aufzutreten und die Macht ansichzureißen. Jene Parteifunktionäre, die fast lautlos in den Revisionismus abgeglitten waren, waren gezwungen, in der Stalin-Zeit ihre Köpfe einzuziehen und das sozialistische Programm des Zentralkomitees der bolschewistischen Partei auszuführen oder sie mussten damit rechnen, von Stalin gemaßregelt zu werden.

 

 

Welle des Opportunismus

 

 

Der Opportunismus, der sich immer wieder wellenförmig innerhalb und außerhalb der bolschewistischen Partei bemerkbar machte, wurde entlarvt und von Stalin und den ehrlichen Bolschewiki zerschlagen. Stalin und seine Anhänger besiegten die Trotzkisten in den 20iger Jahren, die vorhatten, dem Druck des Imperialismus nachzugeben und die Sowjetunion für das ausländische Kapital zu öffnen, da sie der Meinung waren, dass der 'Sozialismus nicht in einem Land aufgebaut werden kann'.

 

Stalins Anhänger besiegten die Parteigänger von Nikolai Bucharin in den 30iger Jahren, die vorgehabt hatten, die kapitalistische Landwirtschaft und den unversöhnlichen Klassengegensatz auf dem Land beizubehalten, statt zur kollektiven Landwirtschaft überzugehen, die allein in der Lage war, den Sozialismus zu festigen und den Klasseninteressen der breiten Mehrheit der Kleinbauern und landlosen Arbeitern zu dienen.

 

Und nicht zuletzt besiegten Stalins Anhänger in den 40iger und frühen 50iger Jahren die revisionistischen Befürworter einer bürgerlichen politischen Ökonomie, die bestrebt waren, das Wirken des Wertgesetzes und der Warenproduktion auszuweiten, statt es einzuschränken, um den 'Kräften des Marktes' grünes Licht für die Restauration des Kapitalismus in der Sowjetunion zu geben.

 

Diese eiserne Entschlossenheit, den Sozialismus zu festigen und die Diktatur des Proletariats zu verteidigen, zog Stalin den blinden Hass aller Imperialisten und Opportunisten auf sich. Sie erfanden jede nur erdenkliche Verleumdung gegen ihn. Seit Stalins Tod im Jahre 1953 versuchen die Feinde des Kommunismus sein Lebenswerk zu begraben, aber wie ein Gespenst kehrt er immer wieder zurück, um sie in Gestalt der Kommunisten aus aller Welt wie ein Spuk zu verfolgen, die wieder für die Diktatur des Proletariats kämpfen.

 

 

Richtige Linie

 

 

Obwohl Stalin wie jeder andere Mensch dieser Welt Fehler machte, die er in aller Öffentlichkeit korrigierte, sobald er sie erkannte, war seine strategische Orientierung richtig. Daran liegt es, dass die internationale kommunistische Bewegung sich während der Stalin-Zeit immer stärker entwickelte und daran liegt es, dass der Imperialismus trotz einer unablässigen militärischen, politischen, wirtschaftlichen und ideologischen Aggression gegen die Sowjetunion sehr stark in die Defensive gedrängt werden konnte.

 

Aufrichtige Kämpfer für den Sozialismus haben in Stalin immer den Verteidiger und Fortentwickler der kommunistischen Theorien von Marx, Engels und Lenins gesehen. Dies war stets über den langen Zeitraum ihrer Geschichte hinweg die Position der Kommunistischen Partei Neuseelands (KPNS) und dies bleibt die Position aller wahrhaft kommunistischen Parteien in anderen Ländern und dies war auch immer die erklärte Postion der Partei der Arbeit Albaniens (PAA) - bis vor nicht allzu langer Zeit.

 

But inzwischen haben Ramiz Alia und die jetzige Führung der PAA ihre Haltung gegenüber Stalin geändert und haben zur Entstalinisierung Albaniens aufgerufen. Alia & Co. attackieren Stalin, um alle kommunistischen Prinzipien, die Stalin sein Leben lang verteidigte, in aller Öffentlichkeit über Bord zu werfen.

 

 

Analyse zu Albanien

 

 

Alia & Co. haben sich jetzt auf allen Gebieten bürgerliche Prinzipien zueigen gemacht, wie wir später in dieser Erklärung nachweisen werden. Aber zunächst müssen wir eingestehen, dass wenn das Zentralkomitee der KPNS die Situation in Albanien bereits früher genauer analysiert hätte, der revisionistische Kurs von Alia & Co. schon zu einem früheren Zeitpunkt entlarvt worden wäre. ...

 

 

Staatsmacht

 

 

Die Führung der PAA hat ganz offen die Diktatur des Proletariats als Staatsform für Albanien ad acta gelegt. Dies ist stets einer der ersten Maßnahmen, die Revisionisten ergreifen, um den Widerstand der Arbeiterklasse gegen die kapitalistische Konterrevolution zu schwächen.

 

In der Verfasssung aus dem Jahre 1976, die in der Zeit des ehemaligen albanischen Führers Enver Hoxha entwickelt worden war, wurde Albanien als

 

'ein Staat der Diktatur des Proletariats, der die Interessen aller arbeitenden Menschen vertritt und verteidigt',

 

bezeichnet.

 

In dem Entwurf der neuen Verfassung, der im Dezember 1990 unter Ramiz Alias strenger Aufsicht entwickelt wurde, heißt es jedoch, dass die

 

'gesamte staatliche Macht in Albanien vom Volk ausgeht und ihm gehört.'

 

1976 wurde der albanische Staat noch als Klassenstaat bezeichnet, in dem die Arbeiterklasse ihre Macht im Namen aller Werktätigen ausübte. Seit 1990 wird er zu einem über den Klassen stehenden Staat erklärt, in dem das gesamte 'Volk' - die Arbeiterklasse, die Bauernschaft, die Staatsfunktionäre, die Intellektuellen usw. - zusammen die Macht ausüben.

 

Diese neue Formel von Alia & Co. ist im Grunde identisch mit dem 'Staat des ganzen Volkes', den die Chruschtschowianer vorgaben, als 'demokratischeren' Staat an die Stelle der Diktatur des Proletariats aus der Stalin-Zeit zu setzen. Tatsächlich jedoch ist das revisionistische Konzept vom 'Staat des ganzen Volkes' nichts anderes als eine politische Maske für die Schaffung der Diktatur der Bourgeoisie in der Sowjetunion auf den Ruinen der Diktatur des Proletariats.

 

Die Geschichte der Sowjetunion der vergangenen 35 Jahre, von Chruschtschow zu Breschnew und jetzt hin zu Gorbatschow, zeigt, wie sich eine Klasse von Ausbeutern aus den Reihen revisionistischer Funktionäre der sowjetischen Partei gebildet hat, die unter dem politischen Deckmantel des Aufbaus eines 'Staats des ganzen Volkes' sich zu einer neuen herrschenden Klasse formierte und nach und nach ihre ökonomische und juristische Position als verhätschelte Parasiten, die den sowjetischen Werktätigen das Blut aussaugt und sich mit dem westlichen Großkapital zusammentat, um den kapitalisti- schen 'Marktkräften' freien Lauf zu lassen, um die letzten Überreste einer sozialistischen Wirtschaft zu beseitigen und um einen pluralistischen politischen Überbau zu schaffen, der es ermöglichen soll, dass verschiedene Fraktionen der herrschenden Klasse innerhalb eines 'demokratischen' Parlaments sich darum streiten können, wer welche Schmiergelder erhalten soll, so dass es heute so weit gekommen ist, dass die sowjetischen Oligarchen über ein Land regieren, welches sich praktisch nicht mehr vom westlichen Monopolkapitalismus unterscheidet.

 

Die sowjetischen Werktätigen organisieren als Antwort auf die Angriffe durch ihre herrschende Klasse den Massenwiderstand. Die sowjetische Arbeiterklasse schafft zur Zeit Gewerkschaften, die von den Bossen und dem Staat unabhängig sind, um bessere Arbeitsbedingun- gen zu erzwingen. Viele Nationalitäten agitieren für die Loslösung von der Sowjetunion, um dem 'Völkergefängnis' zu entkommen, das mit dem Verrat der Chruschtschowianer an der gemeinsamen Sache der Arbeiter errichtet wurde. Und es sind Aktivisten, die wieder für Stalin eintreten, die darüber diskutieren, wie man eine wahrhaft kommunistische Partei aufbauen kann, um die sowjetische Arbeiter-

klasse für eine zweite sozialistische Revolution zu mobilisieren.

 

Die revisionistischen albanischen Führer haben den gleichen kapita-

listischen Weg gewählt, der von den sowjetischen Revisionisten bereits beschritten worden war. Das Unheil erwartet die Arbeiter Albaniens, es sei denn, dass sie sich um eine neue kommunistische Partei scharen, um die von Alia & Co. geführte Konterrevolution zu besiegen.

 

 

Lenin über den Staat

 

 

In seinem berühmten Werk 'Staat und Revolution' kritisiert Lenin heftig das revisionistische Konzept vom Staat des 'Volkes', das jetzt von Alia & Co. propagiert wird, um ihre kapitalistische Konterrevolu-

tion zu verdecken. In Anlehnung an Marx und Engels erklärte Lenin, dass

 

'jeder Staat ein besonderer Machtapparat zur Niederhaltung der unterdrückten Klasse ist'.

 

Deshalb, so schloss er, kann es nie so etwas wie einen 'Volksstaat' geben.

 

Lenin zitierte desweiteren Marx und betonte dass

 

'der Klassenkampf unweigerlich zur Diktatur des Proletariats führt'(in einer sozialistischen Gesellschaft)

 

und dass

 

'diese Diktatur selbst nur eine Übergangsform zur Abschaffung aller Klassen sowie zu einer klassenlosen Gesellschaft darstellt' (d.h. zu einer kommunistischen Gesellschaft).

 

'Die Übergangsperiode vom Kapitalismus zum Kommunismus', so Lenin,

'ist die Phase eines nie vorher gekannten gewaltsamen Klassenkampfes in nie vorher gekannten scharfen Formen, woraus folgt, dass in dieser Phase der Staat unbedingt ein Staat sein muss, der auf neue Weise demokratisch ist (für das Proletariat und die Besitzlosen im Allgemeinen) und diktatorisch in einer neuen Weise (nämlich gegen die Bourgeoisie)'.

 

Lenin fügte dann hinzu:

 

'Die Diktatur einer einzigen Klasse ist nicht nur für jede Klassengesellschaft im Allgemeinen notwendig, nicht nur für das Proletariat, das die Bourgeoisie gestürzt hat, sondern auch für die gesamte historische Periode, die den Kapitalismus von der klassenlosen Gesellschaft trennt: vom Kommunismus.

 

Die Arten bürgerlicher Staaten sind äußerst vielfältig, aber ihr Wesen ist stets dasselbe: All diese Staaten, gleich welche Gestalt sie annehmen, sind zwangsläufig in letzter Instanz die Diktatur der Bourgeoisie. Der Übergang vom Kapitalismus zum Kommunismus kann nur eine ungeheure Fülle und Vielfalt politischer Formen annehmen; aber ihr Wesen wird zwangsläufig immer das gleiche sein: die Diktatur des Proletariats.'

 

Lenins These, dass die Diktatur des Proletariats für die gesamte Periode des Sozialismus notwendig ist, wie die Übergangsperiode zwischen Kapitalismus und der klassenlosen Gesellschaft (Kommunismus) genannt wird, befindet sich in voller Übereinstimmung mit den Schlussfolgerungen von Marx und Engels.

 

In seiner 'Kritik am Gothaer Programm' erklärte Marx:

 

'Zwischen der kapitalistischen und kommunistischen Gesellschaft liegt die Periode des revolutionären Übergangs von der einen zur anderen. Damit geht auch eine politische Übergangsperiode einher, in der der Staat nur die revolutionäre Diktatur des Proletariats sein kann.'

 

Alia & Co. haben jedoch der Diktatur des Proletariats den Rücken gekehrt. Deshalb haben sie auch Marx, Engels, Lenin und Stalin den Rücken gekehrt. Und wenn kommunistische Prinzipien erst einmal beiseite gelegt worden sind, dann sind es nur noch die einzig alternativen Prinzipien, die kapitalistischen, die zur Verfügung stehen, denn diese beiden Kategorien von Prinzipien entsprechen den antagonistischen Klasseninteressen der beiden entscheidenden Kräfte in unserer klassengeteilten Welt - des Proletariats und der Bourgeoisie oder einfacher ausgedrückt: der Arbeiterklasse und des Großkapitals.

 

 

'Volksmacht'

 

 

Vor Enver Hoxhas Tod im April 1985 erklärte die PAA-Führung, dass sie die Diktatur des Proletariats unterstütze. Aber eine genaue Untersuchung ergibt, dass die Begriffe 'Volksmacht' und 'staatliche Volksmacht' als praktisch austauschbare Begriffe für den der Diktatur des Proletariats von Hoxha und anderen PAA-Führern gebraucht wurden.

 

In Hoxhas Rechenschaftsbericht an den Achten Parteitag der PAA 1981 zum Beispiel erklärte er:

 

'Die staatliche Volksmacht ist der größte Sieg und die stärkste Waffe der Arbeiterklasse und der anderen arbeitenden Massen für den Aufbau des Sozialismus und die Verteidigung des Heimatlandes.'

 

Dies ist nur eine zufällige Auswahl eines Beispiels unter vielen. Der Begriff 'staatliche Volksmacht' taucht wiederholt in Hoxhas Werken neben dem der Diktatur des Proletariats auf.

 

Wie wir gesehen haben, ist es unsinnig, den Begriff 'staatliche Volksmacht' zu verwenden, da jede staatliche Macht auf der 'Diktatur einer einzigen Klasse' (so Lenin) beruht. Die staatliche Macht kann niemals auf dem ganzen Volke beruhen, da es verschiedenen Klassen angehört, die auch nach der sozialistischen Revolution bis zur klassenlosen Gesellschaft (Kommunismus) weiterexistieren.

 

Aus der Rückschau betrachtet, müssen wir schlussfolgern, dass selbst in der Ära Hoxha die PAA-Führung theoretische Konfusion bei ihrer Verteidigung der Diktatur des Proletariats zeigte.

 

Und diese theoretische Verwirrung in der Frage des Wesens des albanischen Staates bringt eine gewisse Distanz zwischen der PAA und der albanischen Arbeiterklasse zum Ausdruck. In der Praxis kann die albanische Arbeiterklasse weder voll ihre Klassenherrschaft in der Ära Hoxha errichtet haben, noch kann die PAA voll und ganz zum Instrument der proletarischen Diktatur geworden sein.

 

Angesichts dieser theoretischen und praktischen Schwäche bei der Errichtung der Diktatur des Proletariats, muss der Sozialismus immer in Albanien auf einem unsicheren Fundament gestanden haben - trotz des äüßeren Eindrucks, dass guter Fortschritt in der Zeit Hoxhas gemacht wurde.

 

 

Führende Klasse

 

 

Lenin drückte sich in 'Staat und Revolution' so aus:

 

'Der Sturz der bürgerlichen Herrschaft kann nur durch das Proletariat erfolgen als diejenige Klasse, deren ökonomische Existenzbedingungen sie auf diese Aufgabe vorbereiten und sie mit der Möglichkeit und der Macht, sie auszuführen ausstatten. Während die Bourgeoisie die Bauernschaft wie auch die kleinbürgerlichen Schichten zerteilt und auflöst, schmiedet sie, vereinigt sie und organisiert sie das Proletariat.

 

'Nur das Proletariat, bedingt durch die Rolle, die es in der Großproduktion spielt, ist in der Lage, Führer aller Werktätigen und ausgebeuteten Klassen zu sein, die die Bourgeoisie ausbeutet, unterdrückt und häufig ... stärker als die Proletarier ausbeutet, die aber außerstande sind, einen unabhängigen Kampf für ihre Befreiung zu führen'.

 

Lenin weiter:

 

'Der Sturz der Bourgeoisie kann nur durch das Proletariat vorgenommen werden, wenn es zur herrschenden Klasse wird, die in der Lage ist, die unvermeidliche und verzweifelte Gegenwehr der Bourgeoisie zu zerschlagen und alle Werktätigen und ausgebeuteten Massen für die neue ökonomische Ordnung zu organisieren. Das Proletariat braucht die Staatsmacht, den zentralisierten Gewaltapparat, eine Organisation der Gewalt, um einerseits den Widerstand der Ausbeuter zu zerschlagen und

andererseits die ungeheuren Massen der Bevölkerung - die Kleinbauern, die Kleinbourgeoisie, die Halbproletarier - bei der Aufgabe der Organisation der sozialistischen Gesellschaft anzuleiten.'

 

Lenin macht hier die Notwendigkeit deutlich, dass die Arbeiterklasse zur herrschenden Klasse werden muss und allen anderen Schichten der arbeitenden Menschen vorangehen muss - den Bauern, den Intellektuellen, den Selbstständigen, den kleinen Geschäftsleuten, den Landarbeitern usw. - auf dem Weg zum sozialistischen Aufbau, in Richtung des letztendlichen Ziels der klassenlosen Gesellschaft (Kommunismus). Es ist die Aufgabe der kommunistischen Partei, der Arbeiterklasse voll bewusst zu machen, dass sie die führende Rolle zu spielen hat und helfen muss, die Klasse zu organisieren, um dieser Rolle in den reißenden Strömen des Kampfes zwischen Kapital und Arbeit gerecht zu werden.

 

 

Marxist mit Fehlern

 

 

Im Lichte unserer näheren Untersuchung der Situation in Albanien, sieht sich die KPNS jetzt gezwungen, Enver Hoxha als einen Marxisten mit Fehlern zu beschreiben, als jemand, der ehrlich versuchte, die Prinzipien des Kommunismus zu verwirklichen, jedoch in einigen grundlegenden Fragen seiner Aufgabe nicht gerecht wurde.

 

Hiermit sollen Hoxha nicht einfach persönlich Fehler nachgewiesen werden, ohne seine Verdienste gepriesen zu haben und ohne, dass wir uns mit den objektiven Bedingungen befasst haben, die den Mann und seine Partei halfen zu formen.

 

Hoxha war die treibende Kraft für die Schaffung der PAA, die wiederum die Befreiung Albaniens von den eingefallenen faschistischen Mächten geleitet hat. Die von der PAA gebildete Führung enteignete die Kapitalisten und Feudalherrn, errichtete das staatliche Eigentum an den Produktionsmitteln, leitete ein anspruchsvolles Industrialisie-

rungsprogrammm ein, schuf den unentgeltlichen Gesundheitsdienst sowie die kostenlose Schulbildung, verteilte das Land an die Kleinbauern und half ihnen, moderne landwirtschaftliche Kooperativen zu gründen.

 

Die wirtschaftliche und politische Landschaft Albaniens wurde durch diesen enormen gesellschaftlichen Fortschritt radikal umgestaltet. Zum ersten Mal in der Geschichte Albaniens wurde dem einfachen Werktätigen ein Arbeitsplatz garantiert, ein Familieneinkommen, von dem man leben konnte, ein Heim, die Ausbildung für die Kinder, soziale Sicherheit sowie ein effektives Mitsprachrecht darüber, wie das Land zu regieren sei. Diese Tatsachen sprechen Bände für die Verdienste der Leistungen der PAA unter Enver Hoxha.

 

Im Laufe der Zeit stellte sich jedoch heraus, dass es schwerwiegende Mängel gab, die zusammen mit diesen Verdiensten in der Ära Hoxha Erwähnung finden müssen. Wir erblicken diese besonders in der verhängnisvollen Schwächung der Diktatur des Proletariats, die sich aus der Verwirrung, die durch das 'klassenneutrale' Konzept von der 'staatlichen Volksmacht' entstanden war, ergab.

 

Unsere Untersuchungen ergaben, dass sich der Sozialismus in Albanien nie richtig festigen konnte, weil die führende Rolle der Arbeiter- klasse durch die PAA, die durch das Konzept von der 'Volksmacht' gelähmt war, nie voll etabliert war.

 

Es waren sicherlich objektive Bedingungen, die die Verwirklichung der führenden Rolle der Arbeiterklasse behinderten. Als Albanien befreit wurde, gab es praktisch keine Fabriken oder größere Industrieanlagen, so dass es keine voll entwickelte Arbeiterklasse gab, sondern nur einige wenige städtische Handwerker. Die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung bestand aus Kleinbauern.

 

Stalin schlug Hoxha 1947 vor, dass die Kommunistische Partei Albaniens sich in Partei der Arbeit umbenennen sollte, um den Mangel an Proletariern im Land in Rechnung zu stellen. Dieser Vorschlag wurde auf dem Ersten Parteitag der Albanischen Partei verwirklicht.

 

Die albanische Arbeiterklasse wurde erst nach der Befreiung durch das Industrialisierungsprogramm der PAA geschaffen. Die Töchter und Söhne der Kleinbauern wurden in großem Umfang zu Industriearbeitern. Dies schuf die Möglichkeit, die führende Rolle der Arbeiterklasse sowohl in der Praxis als auch in der Theorie zu festigen und eine ganze Reihe von Maßnahmen wurde in dieser Richtung durch die PAA beschlossen, jedoch konnten diese nicht bis zu Ende durchgeführt werden, weil das unterschwellige Konzept von der 'Volksmacht' innerhalb der PAA-Führung dies verhinderte.

 

 

Verhängnisvolle Schwächen

 

 

Nach Hoxhas Tod ermöglichte es dieser verhängnisvolle Fehler Alia & Co., jede Erwähnung der Diktatur des Proletariats mit einer Zensur zu belegen, um zu verhindern, dass die Arbeiterklasse sich ihrer führenden Rolle bei der Festigung des Sozialismus bewusst zu werden und die konterrevolutionären Pläne der Revisionisten zunichte zu machen.

 

Während der Trauerfeierlichkeiten für Hoxha im April 1985 erwähnt Alia in seiner Ansprache die Diktatur des Proletariats nur beiläufig und legte die Betonung stattdessen auf die 'Volksmacht'.

 

Anlässlich der Eröffnung einer PAA-Konferenz im Oktober 1985 setzte Alia Sozialismus mit dem 'Albanien des Volkes' gleich und erwähnte die Diktatur des Proletariats nicht mehr. Im gleichen Monat wurde in einer Resolution des Zentralkomitees der PAA zur Errichtung des Enver-Hoxha-Museums betont, dass der frühere Staatschef einen Beitrag zur 'Errichtung und Festigung der staatlichen Volksmacht' geleistet habe, und wiederum wurde die staatliche Macht der Arbeiterklasse mit keinem einzigen Wort erwähnt.

 

In Alias 200-Seiten-starkem Rechenschaftsbericht an den Neunten Parteitag der PAA vom November 1986 wird nur dreimal beiläufig auf die Diktatur des Proletariats verwiesen, ganz im Gegensatz zu vorangegangenen Parteitagen. Stattdessen betonte Alia erneut das antimarxistische Konzept der 'staatlichen Volksmacht'.

 

 

Ostdeutschland

 

 

Im Juni 1989 führten Ramiz Alia und Adil Carcani Gespräche mit dem Außenminister der DDR, Oskar Fischer. Die offizielle albanische Nachrichtenagentur ATA bezeichnete Carcani als einen 'der engsten Mitarbeiter von Ramiz Alia'.

 

Dem offiziellen Bericht zu diesen Gesprächen zufolge, der von der DDR-Regierung veröffentlicht wurde, hatte Alia betont, dass die DDR ein 'wichtiger Faktor für Frieden und Sozialismus in der Welt' sei. Alia weiter:

 

'Beide Länder bauen den Sozialismus unter ihren besonderen Bedingungen auf'.

 

Und Carcani bezeichnete außerdem Albanien und die DDR als 'wertvolle Partner beim Aufbau des Sozialismus'.

 

Hierdurch erhalten wir weitere Beweise darauf, dass Alia & Co. den Revisionismus, so wie er in der DDR praktiziert wurde, als Vorbild für den 'Sozialismus' in Albanien betrachtete.

 

Nur wenige Monate nach diesen Gesprächen hatten es die DDR-Revisionisten zugelassen, dass ihr Staat in das kapitalistische Westdeutschland eingegliedert wurde. Jetzt machen Alia & Co. gegenüber den westeuropäischen Mächten Annäherungsversuche, um Albanien in ihr politisches und wirtschaftliches System einzuglie-

dern. Der 'unechte' Sozialismus der revisionistischen Führer der DDR und Albaniens hat sie dem gleichen konterrevolutionären Schicksal zugeführt.

 

 

Konkreter Anfang

 

 

Das Achte Plenum des Zentralkomitees der PAA wurde im September 1989 abgehalten. Dieses Plenum sollte später von Alia (im Dezember 1990) als der Anfang einer 'neuen Linie' beschrieben werden, die eine 'Korrektur vieler vergangener Haltungen' einläuten sollte sowie 'eine Distanzierung von vielen vormals abgegebenen Erklärungen in Bezug auf den Sozialismus, das Eigentum, die Massendemokratie und die Partei selbst'.

 

Alias Rede an den Achten Parteitag bewies, wie sorgfältig seine revisionistische Fraktion den geplanten konterrevolutionären Putsch vorbereitete. Alia benutzte seine Kritik an dem 'revisionistischen Verrat' Gorbatschows, wie er sich ausdrückte, um die Frage aufzuwerfen, ob nicht 'bestimmte Individuen oder führende Organe in der Stalin-Zeit zu viel Macht besaßen'. Aus der Rückschau betrachtet, erweist sich, dass dies ein vorbereitender Schritt in Richtung eines offenen Angriffs auf Stalin als Verteidiger der Diktatur des Proletariats war.

 

Alia leistete Lippenbekenntnisse über 'die Festigung der führenden Rolle der Partei', um für die PAA aus den Reihen der Intelligenz mehr Mitglieder zu rekrutieren. Aus der Rückschau betrachtet, erweist sich, dass dies ein bedeutender Schritt in Richtung Zerstörung des proletarischen Einflusses innerhalb der PAA war, so dass Albaniens Arbeiterklasse gegen den konterrevolutionären Putsch später ohne Führung dastand.

 

Alia benutzte seine Anpreisung 'der aktiven Rolle der Massen', um für Veränderungen im 'Mechanismus des Wahlsystems' einzutreten. Aus der Rückschau betrachtet, erweist sich, dass dies ein bedeutender Schritt in Richtung eines politischen Pluralismus war, bei dem alle bürgerlichen Strömungen vom Staat mitfinanziert werden, während die Kommunisten geknebelt und gefesselt bleiben.

 

Alia benutzte seine Kritik an der 'revisionistischen imperialisti-

schen Einkreisung', durch die 'dem sozialistischen Aufbau Hindernisse in den Weg gelegt' werden, um für eine Ausweitung der 'Kontakte mit der Welt' einzutreten. Aus der Rückschau betrachtet, erweist sich, dass dies ein wichtiger Schritt in Richtung einer Öffnung der albanischen Wirtschaft für eine Kontrolle durch das westliche Kapital war.

 

Alia benutzte seine Kritik an der ausbleibenden Erhöhung der Arbeitsproduktivität, um den Gedanken einer größeren Rolle für 'finanzielle und Bankendisziplin' voranzutreiben sowie den einer 'Kontrolle durch das Geld'. Im Nachhinein gesehen, erweist es sich, dass dies ein bedeutender Schritt in Richtung einer Öffnung der albanischen Wirtschaft für das ungehinderte freie Spiel der 'Marktkräfte' war.

 

Indem wir unsere Augen nach hinten wenden, wohlwissend, wonach wir zu suchen haben, ist das Zentralkomitee der KPNS heute in der Lage, dieses September-Plenum des Zentralkomitees der PAA als einen Meilenstein für die Beschleunigung der bis dahin immer noch relativ vorsichtigen Offensive des albanischen Revisionismus einzuschätzen.

 

 

'Arbeiterkontrolle'

 

 

In den dann kommenden Monaten bereiteten Alia & Co. den Boden vor für den nächsten großen revisionistischen Sprung nach vorne. Dies lässt sich an seiner Rede vom Dezember 1989 vor dem Generalrat der albanischen Gewerkschaftsbewegung ablesen, in der er von der Verbesserung der 'Arbeiterkontrolle' gegen die Bürkratie sprach, ohne die Diktatur des Proletariats auch nur zu erwähnen, welche die staatliche Form der Arbeiterkontrolle darstellt.

 

Alia forderte im weiteren Verlauf seiner Rede die Gewerkschaften dazu auf, die 'Bürokraten, Schwindler und Karrieristen', die hohe Positionen innerhalb der PAA bekleideten, zu bekämpfen.

 

Wir sehen jetzt, dass dies nur ein Versuch war, die Arbeiter und ihre Gewerkschaften gegen jene PAA-Funktionäre aufzuwiegeln, die Alia als 'Bürokraten' gebrandmarkt hatte, weil diese sich gegen seinen revisionistischen Kurs gestemmt hatten. Diese Herangehensweise konnte nur geeignet sein, den Graben zwischen der PAA und der Arbeiterklasse nur zu vertiefen, der bereits - bedingt durch das antimarxistische Konzept von der 'Volksmacht' innerhalb der PAA-Führung - existierte.

 

 

'Wirtschaftsreformen'

 

 

Alia & Co. benutzten das Neunte Plenum des Zentralkomitees der PAA im Januar 1990, um bedeutsame kapitalistische Reformen für die albanische Wirtschaft zu verkünden. Alia trat in seiner Rede an das Plenum für die folgenden Maßnahmen ein:

 

1. für die Einschränkung der zentralen Wirtschaftsplanung und für eine größere wirtschaftliche Unabhängigkeit der staatlichen Betriebe;

 

2. für die Ausweitung des Wirkungsbereichs von Angebot und Nachfrage;

 

3. dafür, dass Einzelhandelspreise von anderen Gütern als Grund-

nahrungsmitteln ansteigen durften;

 

4. für die Anbindung der Einkommen an die Rentabilität der Betriebe;

 

5. für Anreize für Bauern, private Herden zu unterhalten;

 

6. für die Einrichtung von Produktmärkten, auf denen die Preise von den Bauern bestimmt werden durften.

 

Alias Vorschläge wurden von dem Plenum unter dem politischen Vorwand, der 'Belebung der Antriebskräfte der sozialistischen Produktion' gebilligt. Die kapitalistischen Medien griffen die kapitalistischen Reformen von Alia & Co. mit großem Vergnügen auf. Die Nachrichtenagentur Reuters zum Beispiel trimphierte darüber, dass Alia 'begrenzte Reformen des stalinistischen Systems des Landes vorgeschlagen habe'. Das Neunte Plenum war ein Hinweis darauf, dass die revisionistische Konterrevolution in Albanien gute Fortschritte machte. Das Zehnte Plenum des Zentralkomitees der PAA, das drei Monate später im April 1990 abgehalten wurde, brachte die albanische Wirtschaft unaufhaltsam auf den kapitalistischen Weg.

 

 

'Neuer ökonomischer Mechanismus'

 

 

Alias Vorschlag für einen 'neuen wirtschaftlichen Mechanismus' für Albanien wurde vom Zehnten Plenum angenommen. Die Elemente dieses neuen wirtschaftlichen Mechanismus, so Alia, würden beinhalten:

 

1. Die Verringerung der Rolle der staatlichen Planung;

 

2. die erhöhte Rolle der Märkte;

 

3. die weitere Annäherung der Preise an den Wert;

 

4. die Begrenzung nichtökonomischer Faktoren bei der Preisfestsetzung;

 

5. die Anhebung der Rolle des Gewinnprinzips;

 

6. die Auflage an die staatlichen Betriebe, Fonds aus den eigenen Gewinnen zu bilden;

 

7. die Vergrößerung der Unabhängigkeit der Betriebe;

 

8. die Anbindung der Löhne und Gehälter an den Gewinn und Verlust der Betriebe;

 

9. die Straffung der Arbeitsdisziplin;

 

10.die Gewährung des uneingeschränkten Rechts von Managern von Betrieben, zu heuern und zu feuern;

 

11.die Herstellung engerer Beziehungen zu kapitalistischen Staaten;

 

12.die Abgabe von Land an Bauern für die private Bewirtschaftung.

 

Diese Maßnahmen wurden von Ministerpräsident Adil Carcani als 'umfassende und radikale Änderungen am ökonomischen Mechanismus' beschrieben.

 

 

Stalin über politische Ökonomie

 

 

Ramiz Alia erklärte vor dem Plenum, dass der neue ökonomische Mechanismus ein 'wertvoller Beitrag für die sozialistische politische Ökonomie' sei. Tatsächlich war es jedoch nichts anderes als die gleiche Art von revisionistischem Abgleiten in die bürgerliche politische Ökonomie, die Stalin in seinem Aufsatz aus dem Jahre 1952 'Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR' verurteilt hatte.

Dieser war das Ergebnis von über 30 Jahren praktischer Erfolge auf dem Gebiet des sozialistischen Aufbaus in der Sowjetunion.

 

Stalin spricht dort von dem 'ökonomischen Gesetz, das die Produktionsverhältnisse notwendigerweise mit dem Charakter der Pro-

duktivkräfte übereinstimmen müssen'. Einfach ausgedrückt, umfassen die Produktivkräfte die Produktionsinstrumente sowie die Menschen, die sie bedienen, während die Produktionsverhältnisse die Eigentumsverhältnisse zwischen den Menschen ausmachen.

 

Auf das vorrevolutionäre Russland anspielend, sagte Stalin weiter:

 

'Die Produktivkräfte unseres Landes, besonders die der Industrie, besaßen gesellschaftlichen Charakter, aber die Form der Eigentumsverhältnisse war privat und kapitalistisch. Auf der Grundlage des ökonomischen Gesetzes, dass die Produktionsverhältnisse

(die Eigentumsverhältnisse - Übers.) notwendigerweise mit dem Charakter der Produktivkräfte übereinstimmen müssen, vergesell-

schaftete die Sowjetregierung die Produktionsmittel, verwandelte sie in das Eigentum des ganzen Volkes, beseitigte das Ausbeutungssystem und schuf sozialistische Formen der Ökonomie.'

 

Stalin weiter:

 

'Das Gesetz von der gleichmäßigen Entwicklung der Volkswirtschaft entstand im Widerspruch zum Gesetz der Konkurrenz und Anarchie der Produktion im Kapitalismus. Es entstand aus der Sozialisierung der Produktionsmittel, nachdem das Gesetz der Konkurrenz und Anarchie der Produktion seine Gültigkeit eingebüßt hatte. Es wurde wirksam, weil eine sozialistische Wirtschaft nur auf der Grundlage des ökonomischen Gesetzes der gleichmäßigen Entwicklung der Volkswirtschaft geleitet werden kann.'

 

Und Stalin wies auch auf Folgendes hin:

 

'Heute gibt es zwei grundlegende Arten sozialistischer Produktion in unserem Lande: eine staatliche oder im öffentlichen Eigentum befindliche und die Produktion der Kollektivfarmen, die man nicht als im öffenlichen Eigentum befindliche bezeichnen kann. In den staatlichen Betrieben sind die Produktionsmittel und das Produkt der Produktion Volkseigentum. Bei den Kollektivfarmen - obwohl die Produktionsmittel (Land und Maschinen) sehr wohl dem Staat gehören - ist das Produkt der Produktion das Eigentum der verschiedenen Kollektivfarmen, da die Arbeit wie auch die Saaten ihnen selbst gehören, während das Land, das den Kollektivfarmen als dauernder Besitz übergeben wurde, von ihnen buchstäblich als ihr eigenes Eigentum benutzt wird, trotz der Tatsache, dass sie es nicht verkaufen, kaufen, verpachten oder verpfänden können.'

 

'Daraus ergibt sich, dass der Staat nur über das Produkt der staatlichen Betriebe verfügt, während das Produkt der Kollektivfar-

men, weil es ihr Eigentum ist, nur von ihnen veräußert werden kann.

Die Kollektivfarmen sind jedoch nicht bereit, ihre Produkte zu veräußern, außer in der Form von Waren, für die sie diejenigen Waren zu erhalten wünschen, die sie benötigen. Zur Zeit ist es so, dass die Kollektivfarmenfarmen keine anderen Wirtschaftsbeziehungen mit der Stadt anerkennen als Warenbeziehungen: den Austausch über Kauf und Verkauf. Aus diesem Grunde sind Warenproduktion und Handel bei uns heute genauso eine Notwendigkeit, wie sie es vor 30 Jahren waren, als, sagen wir, Lenin von der Notwendigkeit sprach, den Handel bis zum Äußersten zu entwickeln.'

 

'Natürlich wird dann, wenn es statt der beiden grundlegenden Produktionsbereiche, dem staatlichen und dem der Kollektivfarmen, nur einen einheitlichen, alles umspannenden Produktionssektor gibt, mit dem Recht, sämtliche Konsumgüter, die in unserem Land hergestellt werden, zu veräußern, die Warenzirkulation mit ihrer Geldwirtschaft verschwinden, weil sie ein überflüssiges Element in der Volkswirtschaft ist.'

 

Stalin gab auch diesen Hinweis:

 

'Es wird gesagt, dass die Warenproduktion zwangsläufig und unter allen Bedingungen zum Kapitalismus zurückführt. Das stimmt nicht. Nicht immer und nicht unter allen Bedingungen. Die Warenproduktion darf nicht mit der kapitalistischen Produktion gleichgesetzt werden. Es sind zwei verschiedene Dinge. Die kapitalistische Produktion ist die höchste Form der Warenproduktion. Die Warenproduktion führt nur zum Kapitalismus, wenn es privates Eigentum an den Produktionsmitteln gibt, wenn die Arbeitskraft auf dem Markt als eine Ware erscheint, die von den Kapitalisten gekauft und im Prozess der Produktion ausgebeutet werden kann und wenn folglich ein System der Ausbeutung von Lohnarbeitern durch Kapitalisten im Lande existiert. Die kapitalistische Produktion beginnt dann, wenn die Produktionsmittel sich in privaten Händen konzentrieren und wenn die Arbeiter der Produktionsmittel beraubt sind und gezwungen sind, ihre Arbeitskraft als Ware zu verkaufen.'

 

'Überall dort, wo Waren und Warenproduktion existieren, muss auch das Wertgesetz existieren. ... Aber bedeutet dies, dass das Wirken des Wertgesetzes einen ebenso großen Spielraum besitzt wie im Kapitalismus? .. Nein, dies bedeutet es nicht. Tatsächlich ist der Wirkungsbereich des Wertgesetzes in unserem ökonomischen System streng begrenzt und vollzieht sich in einem genau festgelegten Rahmen. ... Das Wertgesetz kann in unserem System nicht der Regulator der Produktion sein.'

 

 

Den Schleier wegziehen

 

 

Diese Worte Stalins ziehen der revisionistischen Fraktion, die jetzt die PAA kontrolliert, den Tarnschleier weg und dies zeigt, weshalb sie gezwungen sind, Stalin anzugreifen.

 

Alia & Co. weiten jetzt die Warenproduktion der staatlichen Betriebe aus, da sie ihnen vorschreiben, sich selbst aus ihren eigenen Profiten zu finanzieren. Alia & Co. gestatten dem Wertgesetz, Preise sowie die Produktion durch die Einschränkung nichtökonomischer Faktoren bei der Preisfestlegung zu bestimmen sowie dadurch, dass die Preise näher an den Wert herangebracht werden.

 

Sie legen dem Gesetz von der gleichmäßigen Entwicklung der Volkswirt-

schaft dadurch Fesseln an, dass sie die Rolle der staatlichen Planung verringern. Sie entfesseln das Gesetz der Konkurrenz und Anarchie der Produktion, indem sie die Rolle des Gewinnprinzips wieder erhöhen, indem sie die Rolle des Marktes wieder unterstreichen und indem sie engere wirtschaftliche Kontakte mit kapitalistischen Staaten aufnehmen. Sie höhlen die sich im öffentlichen Eigentum befindliche Produktion aus, indem sie die wirtschaftliche Selbständigkeit staatlicher Betriebe ausweiten, deren Leiter praktisch tun können, was ihnen beliebt.

 

Sie höhlen die kollektive landwirtschaftliche Produktion aus, indem sie private Viehherden an Bauern vergeben und ihnen erlauben, das Land für private Zwecke zu bewirtschaften.

 

Und Alia & Co. verwandeln die Arbeitskraft wieder in eine Ware, indem sie die Höhe der Löhne von den Gewinnen oder den Verlusten eines Betriebes, das die Arbeiter beschäftigt, abhängig machen, die Arbeitsdisziplin verschärfen und den Betriebsleitern das uneinge- schränkte Recht einräumen, das Personal zu heuern und zu feuern.

 

Schneller Rückzug

 

 

Das 10. Plenum machte deutlich, dass die revisionistischen Führer der PAA sich sehr schnell von einer sozialistischen zugunsten einer bürgerlichen politischen Ökonomie zurückzogen. Aber wie lässt sich dies mit dem ökonomischen Gesetz vereinbaren, dass die Produktionsverhältnisse (die Eigentumsverhältnisse - Übers.) mit dem Charakter der Produktivkräfte übereinstimmen müssen? Wie war es Alia & Co. in Albanien möglich geworden, diesen fluchtartigen Rückzug von einer sozialistischen politischen Ökonomie zu bewerkstelligen?

 

Die Antwort liegt darin, dass es der albanischen Arbeiterklasse nicht gelang, wegen der negativen Auswirkungen des Konzepts von der 'Volksmacht' in der PAA-Führung und des sich daraus ergebenden Grabens zwischen der Arbeiterklasse einerseits und der PAA andererseits,ihre führende Rolle beim sozialistischen Aufbau zu zementieren. Es ist nur logisch, dass dies eine gewisse Disharmonie zwischen den Produktionsverhältnissen und den Produktivkräften hervorrufen musste und deshalb die Festigung der sozialistischen politischen Ökonomie in Albanien verhindert hat.

 

Diese Disharmonie lieferte den fruchtbaren Boden dafür, dass die revisionistische Saat, die von Alia & Co. gesät worden war, aufgehen konnte und die sozialistischen Pflanzen, die nicht reifen konnten, weil die Arbeiterklasse davon abgehalten wurde, ihre führende Rolle auszuüben, anfingen wieder einzugehen. ... (Es folgen einige Erklärungen, weshalb es der KPNS nicht früher möglich war, eine ausführliche Analyse des 10. Plenums zu erstellen).

 

 

Ausländische Verbindungen

 

 

Das 10. Plenum verabschiedete auch einen revisionistischen Aktionsplan auf dem Gebiet der Außenpolitik.

 

Alia erklärte, dass Albanien mit den kapitalistischen und revisionis-

tischen Ländern engere Verbindungen herstellen müsse, einschließlich der Herstellung von 'Kontakten, Gesprächen, Vereinbarungen, Kompromissen, Weigerungen und Zusagen'. Nachdem er dem Plenum erzählt hatte, dass die europäischen Staaten dabei wären, 'Wege und Mittel für die Verringerung von Spannungen' zu finden, schlug er vor, dass sich Albanien der 'Konferenz für Europäische Sicherheit und Zusammenarbeit' anschließen und sich auch um diplomatische Beziehungen zu den USA und der Sowjetunion bemühen solle.

 

Dieses April-Plenum im Jahre 1990 war deshalb ein wichtiger Markstein von Alia & Co., um Albanien in das globale Netz des Imperialismus einzubinden. Die Notwendigkeit, der eigenen herrschenden Klasse Bedingungen für die Erzielung eines Maximalprofits zu gewähren, zwingt jede imperialistische Macht, die Mehrheit der eigenen Bürger skrupellos auszubeuten und zu verarmen und gegen andere Länder wirtschaftliche, politische und militärische Aggressionen zu entfesseln.

 

Das Wesen des Imperialismus hat sich nicht im Geringsten gewandelt. Dies zeigt sich einmal mehr in dem inner-imperialistischen Konflikt am Golf zur Herstellung der Kontrolle über das Öl im Nahen und Mittleren Osten.Was sich dagegen geändert hat, ist die öffentliche Haltung von Alia & Co. gegenüber dem Imperialismus.

 

Während sie früher behaupteten, dass sie gegen den Imperialismus seien, versuchten Alia & Co. jetzt dem 10. Plenum klarzumachen, dass Albanien mit dem Imperialismus einen Kompromiss schließen müsse. Und ein Kompromiss mit dem Imperialismus bedeutet nichts anderes als die unvermeidliche Versklavung Albaniens und seiner arbeitenden Menschen durch das internationale Großkapital. Aber ganz in der Art der üblichen hinterhältigen Masche der Revisionisten erzählte Alia dem Plenum, dass Albanien fortfahren würde, sich vom 'Marxismus-Leninismus inspirieren' zu lassen.

 

 

Die Besetzung der Botschaft

 

 

Dann ereignete sich im Juli letzten Jahres in Tirana die Erstürmung der ausländischen Botschaften durch 4.500 größtenteils albanische Jugendliche, die verlangten, so schnell wie möglich das Land verlassen zu dürfen. Wir können jetzt einschätzen, dass diese nie dagewesene Unzufriedenheit der Massen die sich zuspitzenden sozialen Konflikte, die sich aus der an Fahrt gewinnenden revisionistischen Konterrevolution ergaben, widerspiegelte.

 

Natürlich handelten die ausländischen Botschaften ihrem imperialisti-

schen Instinkt entsprechend und versuchten, so viel Unzufriedenheit wie möglich zu schüren. Aber ohne den inneren revisionstischen Krebs, der die Reihen der albanischen Arbeiter spaltete, wäre der äußere Druck des Imperialismus auf eine Backsteinmauer gestoßen. Das 11. Plenum des Zentralkomitees der PAA trat während der Botschaftsbeset-

zungen zusammen. Der Klassenkampf in den Straßen von Tirana fand seinen Widerhall in dem Plenum, wobei es deutliche Hinweise dafür gab, dass sich innerhalb der Führung der PAA ein erbitterter interner Machtkampf abspielte.

 

Wenn Alia bestimmte 'Kräfte, die unsere Entwicklung sowie ihre Richtung aufhalten wollen' verurteilte, gestand er in Wirklichkeit ein, dass es eine starke Opposition gegen seine revisionistische Konterrevolution gab. Er fügte hinzu:

 

'Das Schlimmste ist, dass diese Kräfte jetzt einige Verbündete in unserem Land gefunden haben, was in den jüngsten Ereignissen vor den Botschaften in Tirana deutlich wurde. ... Wir treten in einen neuen Klassenkampf gegen innere und äußere reaktionäre Kräfte ein, die diese Entwicklung aufhalten und unterminieren wollen.'

 

 

Säuberungen

 

 

Auf diesem Plenum setzten Alia & Co. die Entlassung von drei Mitgliedern des PAA-Politbüros durch: von Rita Marko, Prokop Murra und Manush Myftiu - und sie nahmen gleichzeitig eine umfangreiche Umbesetzung von Regierungsämtern vor. Die Gegner von Alia & Co., die sich in führenden Position in Partei und Regierung befanden, wurden jetzt weggesäubert.

 

Alia benutzte das Juli-Plenum, um Kritik an der 'Verzögerung' bei der Ausführung seines revisionistischen Programms zu üben. Alia:

 

'Es wird höchste Zeit, so schnell wie möglich Erfolge zu erzielen.'

 

Es scheint, dass Alia & Co. entschlossen waren, die Konterrevolution auf das Äußerste zu beschleunigen.

 

Das Plenum billigte Alias Vorschlag, grünes Licht für private Familienbetriebe im Einzelhandel zu geben. Diese privaten Betriebe sollten völlig frei sein in ihrer Entscheidung, von wem sie oder an wen sie kaufen oder verkaufen wollten, zu welchen Preisen ausgehandelten Preisen auch immer.

 

 

'Demokratisierung'

 

 

Das Hauptthema jedoch, das Alia dem 11. Plenum einhämmern wollte, war die 'Demokratisierung' des Landes. Er erklärte, dass die Demokrati-

sierung Wirtschaft, Kultur, Staat, Regierung und Partei inzwischen durchdringe. Durch die Verbindung dieses Konzepts der 'Demokratisie-

rung' mit seinem kapitalistischen Programm, trat er in Wirklichkeit für eine kapitalistische Demokratie in Albanien ein.

 

Die kapitalistische Demokratie ist jedoch nur für die herrschende Klasse demokratisch, während die Arbeiterklasse unter dem grausamen Stiefel der bürgerlichen Demokratie zu leiden hat.

 

'In der kapitalistischen Gesellschaft', so Lenin in 'Staat und Revolution', 'ist die Demokratie stets durch den schmalen Rahmen, der durch die kapitalistische Ausbeutung festgelegt wird, eingegrenzt und bleibt in Wirklichkeit immer nur eine Demokratie für die Minderheit, für die besitzende Klasse, bleibt nur eine Demokratie für die Reichen. ... Aufgrund der Zustände der kapitalistischen Ausbeutung werden die modernen Lohnsklaven so sehr durch Not und Armut niedergedrückt, dass sie 'sich nicht um die Demokratie scheren', dass sie 'mit Politik nichts zu tun haben wollen'. Im normalen Alltag bleibt die Mehrheit der Bevölkerung von der Teilnahme am öffentlichen und politischen Leben ausgeschaltet.'

 

Lenin unterstrich, dass nur der Sozialismus eine 'Demokratie für die breite Mehrheit der Bevölkerung' auf der Grundlage 'der gewaltsamen Unterdrückung' und des 'Ausschlusses von der Demokratie' all jener sein könne, die die arbeitenden Menschen ausbeuten und unterdrücken wollten.

 

Und er fügte hinzu, dass es nur dann, wenn die sozialistische Gesellschaft sich zur kommunistischen Gesellschaft fortentwickelt habe, in der es keine Klassen mehr gebe und der Staat langsam absterbe, eine 'wahrhaft vollständige Demokratie, eine Demokratie ohne jede Ausnahmen' geben könne.

 

 

Massenproteste

 

 

Trotz des Getöses von Alia & Co. über 'Demokratisierung' boten die Monate nach dem Juli-Plenum wachsende Anzeichen für einen Massenprotest und einen sozialen Konflikt innerhalb Albaniens. Im September gab Alia öffentlich zu, dass es 'Hindernisse und große Schwierigkeiten' bei der Umsetzung der Beschlüsse des letzten Plenums des Zentralkomitees gebe. Er verdammte die 'bürokratische' Opposition seitens bestimmter Partei- und Staatsfunktionäre und Betriebsleiter.

 

Ein wenige Tage darauf erschienener Leitartikel in 'Zeri i Popullit', dem Organ des Zentralkomitees der PAA, listete die wachsende Zahl von Diebstählen, Konflikten und der Demoralisierung in den landwirtschaftlichen Kooperativen auf, nachdem ein Teil des Viehbestandes an Bauern als Privateigentum übergeben worden war. In dem Leitartikel wurde festgestellt, dass diejenigen 'Leute, die die Kooperativen zerstören wollten', um Albanien in die Zeit zurückzuzerren, 'als reiche Bauern sich über die Landarbeiter als unumschränkte Herrn aufspielten', die gleichen seien, die jetzt das Banner der Demokratie erheben.

 

Im gleichen Monat September berichtete das Politbüromitglied Pirro Kondi in 'Zeri i Popullit', dass 'der plötzliche politische Wandel' Ängste, Verwirrung und Zorn bei den Menschen hervorgerufen hätte. Die 'dürftige Kommunikation' der PAA mit den Menschen habe 'ein Vakuum, eine Unsicherheit' hervorgerufen, stellte er fest.

 

Dann, im Oktober, erklärte Alia in der Öffentlichkeit, dass 'wir uns nicht beeilen sollten' bei dem, was er den 'Prozess der Demokrati-

sierung' nannte. Diese Feststellung erfolgte nur knapp drei Monate, nachdem er seiner revisionistische Fraktion geraten hatte, 'so schnell wie möglich' voranzuschreiten. Weshalb dieser plötzliche taktische Umschwung? Es scheint, dass die wachsende Opposition gegen die Konterrevolution Alia & Co. zwang, eine vorübergehende Pause einzulegen, während sie gleichzeitig das nächste Stadium ihres revisionistischen Putsches planten.

 

Diese Schlussfolgerung wird durch den albanischen Autor Ismail Kadare bestätigt, der sich einige Wochen später in den Westen absetzte und dort den kapitalistischen Medien mitteilte, dass er lange der Hoffnung gewesen sei, dass Alia zu einem 'albanischen Gorbatschow' werden würde; aber er sei ins Exil gegangen, als der 'Demokratisierungsprozess plötzlich angehalten wurde'.

 

 

Gegner

 

 

Das 12. Plenum des Zentralkomitees der PAA trat im November 1990 zusammen. Hier bemerkte Alia, dass Albanien nun ausländische Investitionen, Gemeinschaftsunternehmen mit ausländischer Beteiligung und wirtschaftliche Zusammenarbeit mit anderen Ländern begrüße. Diese Öffnung Albaniens für die wirtschaftliche Kontrolle durch das Auslandskapital beraubt das Land seiner Fähigkeit, seine Unabhängigkeit zu verteidigen.

 

Auf diesem Plenum musste Alia seine revisionistische Linie gegen nichtgenannte Gegner verteidigen, die, wie er sich ausdrückte, einen 'gefährlichen' Einfluss auf die öffentliche Meinung hätten, weil sie 'unter dem Deckmantel von Prinzipien auftreten', wenn sie erklärten, dass 'wir den Sozialismus aufgeben'.

 

Er verdammte 'bürokratische' Staats- und Wirtschaftsfunktionäre, die die 'Umsetzung von Beschlüssen behindern'.

 

Alia räumte ein, dass es zwischen den Betriebsleitungen und den Arbeitern über die Notwendigkeit für die Betriebe, größere Gewinne zu erzielen, 'eine Auseinandersetzung' geben könne. Er stellte eine 'allgemeine Demoralisierung' unter den Arbeitern der Städte und auf dem Lande fest. Und er fragte, weshalb 'Parteikomitees mit verschränkten Armen dasitzen' würden, 'wenn sie einen solchen Mangel an Arbeitsdisziplin erleben'.

 

Nach dem zu urteilen, was Alia sagte, scheint es eine weitverbreitete Opposition und Enttäuschung unter den Arbeitern, den Funktionären und den PAA-Mitgliedern gegenüber der von der revisionistischen Führung der PAA eingefädelten Konterrevolution zu geben.

 

 

Fall der Produktivität

 

 

Diese Unruhe zeigt sich auch in dem rapiden Rückgang der Arbeitspro-

duktivität. Die Arbeiter haben offensichtlich das Gefühl, dass ihre Klasseninteressen in dem revisionistischen Klima, das in Albanien vorherrscht, nicht wahrgenommen werden können und nur Dienst nach Vorschrift an ihrem Arbeitsplatz machen. Ein ähnlicher dramatischer Rückgang der Arbeitsproduktivität ereignete sich auch in der Sowjetunion zur Zeit der Konterrevolution unter Chruschtschow.

 

In der Ära Hoxha war jedoch die Arbeitsproduktivität in Albanien sprunghaft angestiegen, wodurch das Land international eine der höchsten Wachstumsraten zu verzeichnen hatte. Dies wurde von Alia auf dem Parteitag der PAA 1986 selbst zugegeben, als er berichtete, dass sich im Verlaufe des letzten Planjahrfünfts das gesamte Bruttosozial-

produkt um 19% erhöht habe, die finanziellen Einkommen um 17%, die Industrieproduktion um 27% und der Warenexport um 29%.

 

Jetzt versinkt Albanien durch die Konterrevolution in der Katastro-

phe. Alia informierte das Novemberplenum über Albaniens 'außerordent-lichen' Abrutsch in die Wirtschaftskrise. Die staatlichen Investi- tionen hätten um Hunderte von Millionen von Lek verringert werden müssen, um ein Haushaltsdefizit zu verhindern, welches es 'nie zuvor gegeben hat', wie er zugeben musste.

 

 

'Pluralismus'

 

 

Auf dem 12. Plenum engagierte sich Alia für die Verteidigung der 'freien Diskussion' und der 'Meinungsfreiheit'. Dies wurde als theoretische Rechtfertigung für den politischen Richtungswechsel in Albanien hingestellt, was darauf hindeutet, dass sich die revisionistische Führung einem erheblichen Druck ausgesetzt sah.

 

Alias offene Ermunterung des politischen Pluralismus war gleichermaßen darauf angelegt, die Schleusen für jede Art opportunistischer Strömung im Land zu öffnen, mit dem Ziel, wahrhafte Kommunisten durch diesen konterrevolutionären Sog untergehen zu lassen.

 

Alia konfrontierte das Plenum mit einem Plan für 'pluralistische' Wahlen mit mehreren Kandidaten für die Wahlen zur Volksversammlung, wodurch, so behauptete er, 'sich ein höherer Grad an politischer Demokratie als vorher' entwickeln würde. Dies sind die üblichen Lügen, die von den Revisionisten verbreitet werden. Der eigentliche Gehalt der Demokratie entsteht nicht durch die Anzahl von Kandidaten, sondern durch die politische Plattform, die sie den Wählern vorlegen und heute arbeitet die revisionistische Führung der PAA auf Hochtouren, um zu gewährleisten, dass nur eine bürgerliche Plattform bei jeder öffentlichen Veranstaltung zur Diskussion gestellt wird.

 

Wie offen Alia & Co. ihre bürgerliche Plattform versuchen durchzudrücken, wurde Ende November in einer Rede von Enver Halili, Mitglied des Zentralkomitees und Justizminister in der albanischen Regierung, vor hohen Funktionären deutlich. Der amtlichen Nachrichtenagentur ATA zufolge hatte Halili erklärt, dass Albanien jetzt 'die Prinzipien der grundlegenden Dokumente der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa umsetzt'.

 

Die grundlegenden Dokumente der KSZE ranken sich jedoch um die kapitalistischen Prinzipien einer freien Marktwirtschaft sowie um den Schutz des Privateigentums. Tatsächlich meinte Halili weiter, dass sich die albanische Wirtschaft jetzt auf dem kapitalistischen Weg befände, was offensichtlich Hand in Hand geht mit der bürgerlichen Vorherrschaft innerhalb des politischen und staatlichen Apparats.

 

 

Innerparteiliche Auseinandersetzungen

 

 

Die Entlassung von sieben Mitgliedern des Politbüros durch die dominierende revisionistische Fraktion auf dem 13. Plenum des Zentralkomitees Mitte Dezember lieferte weitere Beweise dafür, dass ein harter innerparteilicher Kampf im Gang ist. Zu jenen, die aus dem Politbüro gefeuert wurden, gehören Muho Asllani, Foto Cami, Hajredin Celiku, Lenka Cuko, Pirro Kondi, Qirjako Mihaii sowie Simon Stefani.

 

Nach diesen Säuberungen sowie nach dem Putsch von vor fünf Monaten ist das Politbüro nun vollständig mit Alias Anhängern besetzt. Die Mehrheit des alten Politbüros ist somit der revisionistischen Konterrevolution zum Opfer gefallen.

 

Auch nutzten Alia & Co. das Dezember-Plenum dazu, innerhalb der Regierung weitgehende Umbildungen vorzunehmen, um ihre Kontrahenten in der Regierung auszuschalten.

 

Das 13. Plenum gab auch grünes Licht für die Bildung von 'unabhängigen politischen Organisationen'. Dies bahnte den Weg dafür, dass die Wahlen zur Volksversammlung Anfang 1991 auf der Grundlage eines Mehrparteiensystems stattfinden können. Das Plenum verteidigte in seinem Kommuniqué einen solchen 'Pluralismus' als 'im Interesse einer weiteren Demokratisierung des politischen Lebens des Landes'.

 

Die kapitalistischen Medien reagierten auf diese Wahlen mit ungezügelter Freude. So berichtete die Nachrichtenagentur Reuters an vorderster Stelle über 'das Abwerfen des stalinistischen Dogmas und die Entwicklung einer Mehrparteienpolitik', obwohl diese Agentur das Land während der Hoxha-Ära praktisch ignoriert hatte.

 

 

Ansprache an die Nation

 

 

Einen Tag nach dem Plenum hielt Alia eine 'Ansprache an die Nation', die über alle Radio- und Fernsehstationen übertragen wurde. Nicht ein einziges Mal bezog sich Alia auf Albanien als ein sozialistisches Land; dafür rief er zur Schaffung einer 'modernen Demokratie' auf, in der es 'unabhängige politische Organisationen' geben könne.

 

Da sich Alia weigerte, seinen Aufruf für eine 'moderne Demokratie' mit dem Sozialismus zu verbinden, sprach er ganz eindeutig nicht von einer sozialistischen Demokratie. Die kapitalistische Demokratie ist der einzige alternative Typ von Demokratie, der in unserer klassenzerteilten Welt möglich ist, in der sich Kapital und Arbeit als unversöhnliche Feinde gegenüberstehen. Deshalb ist es ganz offensichtlich, dass sich Alia für die Schaffung einer kapitalisti- schen Demokratie in Albanien aussprach.

 

Kapitalistische Demokratie bedeutet nichts anderes als Demokratie für eine winzig kleine Minderheit von parasitären Millionären, während die Mehrheit der Bevölkerung sich tagtäglich einer niederdrückenden Ausbeutung ausgesetzt sieht und von einer wirklichen Mitsprache darüber, wie ihr Land regiert wird, ausgeschlossen ist. In Neuseeland ist es zum Beispiel so, dass Monopolgruppen wie 'Business Roundtable' sowohl der Nationalen Partei ('Konservative' - Übers.) als auch der Labour Party (Sozialdemokraten - Übers.) ihre Politik vorschreiben, während die Arbeiterklasse keine Vertretung im Parlament besitzt.

 

Auch kann es keine 'unabhängige' Partei in unserer durch Klassen zerklüfteten Welt geben. Jede Partei vertritt die Interessen einer bestimmten Klasse oder des Teils einer bestimmten Klasse. Eine echte kommunistische Partei vertritt zum Beispiel die Interessen der Arbeiterklasse und diese Interessen verlangen, dass eine Bündnis der Freundschaft zwischen der Arbeiterklasse und allen anderen Werktätigen in unserer Gesellschaft hergestellt wird.

 

Alias Gerede über 'unabhängige' politische Parteien stellt bloß jenen politischen Betrug dar, der für Revisionisten charakteristisch ist. Alia konnte nicht offen heraus sagen, dass er sich für verschiedene bürgerliche Parteien einsetzen wollte, um die verschiedenen Fraktionen der Klasse der Ausbeuter, die jetzt in Albanien entsteht, zu vertreten. Deshalb verbarg er seinen Betrug am Sozialismus unter dem Deckmantel 'unabhängiger' Parteien und der 'modernen Demokratie'.

 

 

Breitestes Publikum

 

 

In seiner 'Ansprache an die Nation' erklärte Alia, dass er und die anderen 'Initiatoren' der Demokratisierung 'wünschen, schneller voranzuschreiten'. Aber er fügte hinzu, dass 'Wünsche allein nicht genügen' und bei dieser Gelegenheit schlug er Alarm gegen die 'dunklen Kräfte', die seinem Programm Widerstand entgegenstellten.

 

Alia teilte aus gegen die 'politischen Demagogen, Querulanten und Provokateure', die gegen den 'schnellen demokratischen Fortschritt' seien. Er warnte vor den 'Feinden, die uns spalten wollen'. Und er erklärte, dass 'jetzt keine Zeit zum Theoretisieren ist', wobei er wahrscheinlich Widersacher im Sinn hatte, die darauf hinwiesen, dass die kommunistische Theorie diametral Alias revisionistischem Kurs entgegensteht.

 

Deshalb appellierte Alia an alle innerhalb Albaniens, der Konterrevolution zu Hilfe zu kommen, um den Widerstand der Gegner des Revisionismus zu zerschlagen. Indem er betrügerische Schlüsselwörter wie 'Demokratisierung' verwendete, versuchte er, ein größtmögliches Publikum für seinen Kampf gegen den Sozialismus zu erreichen.

 

Leider, so scheint es, haben Alias Gegner ihren Kampf gegen den Revisionismus auf die Partei beschränkt. Sie haben es unterlassen, ihre Botschaft der Arbeiterklasse zugänglich zu machen und die Klasse zu mobilisieren, um die Konterrevolution zu zerschlagen. Dies ist nur die Folge des tragischen Erbes der Trennung zwischen Partei und Klasse, die sich aus dem revisionistischen Konzept von der 'Volksmacht' ergab, welche die Festigung der Diktatur des Proletariats verhinderte. Weil die Arbeiterklasse nicht als organisierte Klasse gegen den Revisionismus in den Kampf geführt wurde, konnte es nicht ausbleiben, dass die Unzufriedenheit der Massen mit der Lage in Albanien sich nur in spontanen und anarchistsichen Ausbrüchen äußerte. Und genau dies ereignete sich nur wenige Tage nach Alias 'Ansprache an die Nation', als es in Elbasan, Shkodra, Kavaje und Dürres zu gewaltsamen Ausschreitungen kam. In verschiedenen Städten mussten Truppen und Panzer stationiert werden, um die öffentliche Ordnung wiederherzustellen.

 

 

Demokratische Partei

 

 

Etwa um die gleiche Zeit gründeten Studenten und Intellektuelle aus Tirana die Demokratische Partei, die sich ein offen bürgerliches Programm zur Wiederherstellung der freien Marktwirtschaft, der Wiederherstellung des Privateigentums, für die Unterordung Albaniens unter andere europäische Länder, für die Errichtung einer bürgerlichen Demokratie usw. gab.

 

Es gibt zahlreiche Hinweise dafür, dass es zwischen Alia & Co. und der Demokratischen Partei (DP) freundschaftliche Beziehungen gab. Ministerpräsident Adil Carcani, einer von Alias engsten Verbündeten, lud die DP-Führer zu einer gemütlichen, zweistündigen Unterhaltung ein, kurz nachdem die Partei gegründet worden war. Die DP-Führer erhielten reichlich Sendezeit im Radio und im Fernsehen. In der von Alia entworfenen Wahlplattform wurde zu einem 'loyalen Dialog' und zu 'demokratischen Beziehungen' mit Parteien wie der DP aufgerufen. Einige hundert Albaner, die wegen antisozialistischer Verbrechen inhaftiert worden waren, wurden, nachdem die DP die Freilassung von politischen Gefangenen verlangt hatte, wieder laufen gelassen. Die Regierung gab außerdem dem Verlangen der DP nach, den Wahltermin zu verschieben, um der neuen Partei mehr Zeit für die Vorbereitung der Wahl zur Volksversammlung zu geben.

 

Es gibt freundschaftliche Beziehungen zwischen den Führern der PAA und der DP, weil beide Parteien Apologeten des Kapitalismus sind, obwohl Alia & Co. aus taktischen Gründen immer noch das eine oder andere 'marxistische' Wort fallen lassen, während die Intellektuel- len, die an der Spitze der DP stehen, ganz offen pro-bürgerlich eingestellt sind.

 

Ihren Widersachern innerhalb der PAA jedoch gegenüber sind Alia & Co. keineswegs so freundschaftlich gesonnen. So erklärte Alia vor einer Konferenz am 26. Dezember (1991 - Übers.), dass 'führende Partei-

organe' so schnell wie möglich 'mit jungen Leuten neu besetzt werden würden, die in der Lage sind, auf die neuen Forderungen und Situationen energisch zu reagieren'. Anders ausgedrückt: Alia & Co. machen von ihrer vorherrschenden Stellung Gebrauch, um die 'führenden Apparate' von allen Gegnern des Revisionismus zu säubern.

 

Und er versprach, dass sich diese Säuberungen bis hinunter in die geschäftführenden Ausschüsse der regionalen Parteiorganisationen erstrecken würden. Die dabei anzuwendende Methode sollte die Schaffung 'neuer Regeln und Kriterien' für die Wahlen zu den geschäftsführenden Ausschüssen sein, dazu bestimmt, Opponenten von Alia & Co. auszuschalten.

 

In seiner ihm eigenen hinterhältigen Art ebnete Alia den Weg für diese rücksichtslosen Säuberungen, indem er von der Notwendigkeit sprach, 'die innerparteiliche Demokratie weiter zu vertiefen'.

 

 

Wirtschaftskrise

 

 

Alia musste in seiner Rede vor der PAA-Konferenz zugeben, dass die 'wirtschaftliche Lage nicht so gut ist': 'Viele strategische Ziele, die einst schon so greifbar nahe waren, scheinen jetzt in sehr viel weitere Ferne gerückt zu sein'.

 

Er verdammte die 'Psychose der Faulheit und Nachlässigkeit in vielen Sektoren, was zu einer fallenden Arbeitsproduktivität' geführt habe. Wie alle bürgerlichen Politiker macht Alia die Arbeiter dafür verantwortlich, wenn sie nicht bereit sind, sich zu Tode zu schuften, damit die Klasse der Blutsauger mehr Profit machen kann.

 

Er teilte der Konferenz auch mit, dass der neue ökonomische Mechanismus 'das System der zentralen Kommandowirtschaft ersetzt', was zu einer 'Marktwirtschaft' führe, die auf dem Wettbewerb zwischen dem staatlichen, kooperativen und privaten Sektor beruhe.

 

Das Gewinnprinzip, welches die Marktwirtschaft steuere, würde zur Schließung von 'nicht lebensfähigen Betrieben' führen, die, so gab er zu, 'zu größeren Entlassungen führen wird'. Die Auferlegung neuer Steuern für Arbeiter und Betriebe sei notwendig, um Arbeitslosen- unterstützung und Zuschüsse für einkommensschwache Familien zu finanzieren.

 

Er verlangte 'politische Stabilität', um Auslandsinvestitionen anzulocken. Alia pries die Westmächte dafür, dass sie jetzt so viel Geld in Osteuropa anlegten und fügte hinzu: 'Wir möchten hoffen, dass diese Hilfe um Albanien keinen Bogen machen wird'. Der albanische Führer bat um Almosen von den imperialistischen Mächten, die nie auch nur einen Pfennig geben, ohne dass daran Bedingungen geknüpft sind.

 

Alias Dezember-Rede vor der PAA-Konferenz zeigt einmal mehr, wie schnell Albanien in den Morast der bürgerlichen politischen Ökonomie versinkt. Seine Worte über größeren Wettbewerb, höhere Profite, faule Arbeiter, Massenentlassungen, höhere Steuern und Auslandsinvestitio- nen hätten auch aus dem Munde irgendeines kapitalistischen Politikers aus Neuseeland oder anderswo kommen können.

 

 

Diktatorische Vollmachten

 

 

Ende letzten Jahres wurde der unter Alias Federführung zustande gekommene Verfassungsentwurf für Albanien öffentlich bekanntgemacht.

Zu seinen herausragendsten Merkmalen gehören die fast diktatorischen Vollmachten, die er dem Präsidenten Albaniens zuerkennt, der zufälligerweise kein anderer ist als Ramiz Alia selbst. Sollte der Verfassungsentwurf rechtskräftig werden, werden dem Präsidenten folgende neue Vollmachten gewährt: Das Recht,

 

1. Sitzungen der Volksversammlung einzuberufen;

 

2. den Termin für die Wahlen zur Volksversammlung sowie zu den Volksräten in den Kreisen zu bestimmen;

 

3. die Volksversammlung vor Ablauf der Legislaturperiode aufzulösen und Neuwahlen anzuberaumen;

 

4. die Volksräte in den Kreisen aufzulösen und Neuwahlen anzuordnen;

 

5. Gesetze, mit denen der Präsident nicht zufrieden ist, an die Volksversammlung zur nochmaligen Beratung zurückzuverweisen;

 

6. der Volksversammlung vorzuschlagen, wer zum Ministerpräsidenten ernannt werden soll und wann dieser entlassen werden kann;

 

7. Mitglieder der Regierung zu ernennen und zu entlassen;

 

8. führende Funktionäre anderer übergeordneter Institutionen zu ernennen oder zu entlassen;

 

9. Kabinettssitzungen zu leiten;

 

10.Maßnahmen der Regierung, der Ministerien und der Volksräte in den Kreisen rückgängig zu machen, falls er diese für ungesetzlich oder irregulär zustandegekommen hält;

 

11.als Präsident Erlasse herauszugeben, die volle Gesetzeskraft besitzen;

 

12.internationale Verträge abzuschließen;

 

13.diplomatische Vertreter zu ernennen oder zu entlassen;

 

14.den Vorsitz im Verteidigungsrat zu führen;

 

15.die bewaffneten Streitkräfte zu kommandieren;

 

16.den Notstand auszurufen;

 

17.Krieg zu erklären und eine teilweise oder volle Mobilmachung anzuordnen;

 

18.den Vorsitz im Obersten Justizrat zu führen;

 

19.Gnadenerlasse zu unterzeichnen;

 

20.Auszeichnungen und Ehrenzeichen zu vergeben;

 

21.politisches Ayl zu verleihen sowie das Recht,

 

22.Vorschläge für Verfassungsänderungen machen.

 

Diese diktatorischen Vollmachten, die von den revisionistischen albanischen Führern vorgeschlagen werden, um Ramiz Alia damit auszustatten, stehen im deutlichen Widerspruch zu ihrer ganzen irreführenden Propaganda über eine so genannte 'Demokratisierung Albaniens'. Von diesen neuen Vollmachten wird man Gebrauch machen, um den Widerstand gegen die Konterrevolution zu zerschlagen und um Albanien in ein Paradies für die Reichen und in eine Hölle auf Erden für die Werktätigen zu verwandeln.

 

Die kapitalistischen Medien bezeichnen Enver Hoxha ausnahmslos als einen 'stalinistischen Diktator', weil er für den Sozialismus kämpfte, obwohl er ein Marxist mit gewissen Fehlern war. Hoxha besaß nur sehr wenige der weitreichenden Vollmachten, die der Verfassungsentwurf Ramiz Alia zuerkennen möchte, und dennoch beziehen sich die kapitalistischen Medien auf Alia als einen 'Reformer', der Albanien zur Demokratie führt, aus dem einfachen Grunde, weil dieser Revisionist für den Kapitalismus kämpft.

 

 

Anti-Streik-Gesetze

 

 

Weitere Beweise dafür, dass Alia & Co. die bürgerliche Diktatur über die Arbeiterklasse errichten, kamen Mitte Januar ans Licht, als die albanische Regierung ein Gesetz verabschiedete, das Streiks praktisch für illegal erklärt. Der Anlass dazu war ein Streikwelle der Bergarbeiter, der Transportarbeiter und Hafenarbeiter für höheren Lohn.

 

Das neue Gesetze verpflichtet die Arbeiter, Arbeitsniederlegungen 15 Tage im voraus anzukündigen. In dieser 'Abkühlungsphase' dürfen sie keinerlei Aktionen durchführen. Nach Ablauf dieser 15tägigen Frist dürfen Arbeiter nur einen Tag lang streiken, wonach sie erneut 15 Tage warten müssen, bevor sie einen vollständigen Ausstand durchführen dürfen.

 

Darüberhinaus sind Streiks in einer Zeit der nationalen Krise und vor Wahlen verboten. In Schlüsselsektoren wie denen der Verteidigung, der Energieversorgung, des Fernmeldewesens oder der Ernährung und Gesundheit dürfen Streiks nur durchgeführt werden, wenn ein Minimal- betrieb gewährleistet ist.

 

Und die Krönung all dieser Einschränkung ist, dass die Volksversamm- lung befugt ist, jeden Streik per Erlass auszusetzen, wenn sie zu der Überzeugung gekommen ist, dass das 'nationale Interesse' bedroht ist.

 

Deshalb ist es in Albanien heutzutage praktisch nicht möglich, einen legalen Streik zu organisieren, der effektiv und umfassend sein wäre. Das neue Anti-Streik-Gesetz ist das Gesetz eines Polizeistaats, das dazu bestimmt ist zu verhindern, dass Arbeiter auch nur die bestehenden Bedingungen der Lohnsklaverei verteidigen. Dies entlarvt den tatsächlichen Charakter der 'Demokratisierung', die dem Land jetzt aufgezwungen wird.

 

 

Kein sozialistisches Land

 

 

Mit dem Abgleiten Albaniens in den Kapitalismus besitzt die internationale Arbeiterklasse kein Land mehr, welches man sozialistisch nennen könnte. Wir befinden uns wieder in der gleichen Lage, in der sich die Kommunisten vor der bolschewistischen Oktoberrevolution von 1917 befanden.

 

Es hat seit dem Ersten Weltkrieg einige anti-imperialistische Revolutionen in einer ganzen Reihe von Ländern gegeben, welche schwache Kettenglieder in der weltumspannenden Kette des Imperialismus darstellten, wie in der Sowjetunion, Albanien, Osteuropa, China und in Indochina. Aber es erwies sich als unmöglich, die Herrschaft der Arbeiterklasse in diesen Ländern zu festigen, größtenteils deswegen, weil der überwiegende Teil der Bevölkerung sich aus Bauern und nicht-proletarischen Schichten zusammensetzte, die einen fruchtbaren Boden für den Revisionismus abgaben.

 

Der Klassenkampf zwischen Kapital und Arbeit flackert jedoch an verschiedenen Stellen der Welt immer stärker erneut auf. Dies zeigt sich auch in Neuseeland zum Beispiel, in den Anti-Gewerkschaftsge-

setzen der Regierung und den Sozialkürzungen. Sie stellen die stärksten gesetzgeberischen Angriffe auf die Arbeiterklasse in der Geschichte Neuseelands dar. Sie laufen auf eine offene Erklärung des

Klassenkrieges seitens der parlamentarischen Vertreter des Großkapitals hinaus.

 

Deshalb ist es wichtiger als je zuvor für die Arbeiterklasse Neusee-

lands, dass sie sich um ihre kommunistische Partei vereint und eine Arbeitereinheitsfront bildet, um die ökonomische, politische und ideologische Diktatur des Großkapitals zu zersetzen und schließlich zu zerstören.

 

Es ist mehr als je geboten, dass die Arbeiterklasse Neuseelands sich um ihre kommunistische Partei zusammenschließt, um den Kampf für den Sozialismus aufzunehmen, in dem es gesellschaftliches Eigentum an den Produktionsmitteln gibt, das durch die Diktatur des Proletariats geschützt sein wird.

 

 

Von der Niederlage zum Sieg

 

 

Das offene Übergehen der Führung der PAA zum Revisionismus stellt eine Niederlage für die internationale Arbeiterklasse dar. Wir sehen keine Veranlassung, diese unangenehme Tatsache zu vertuschen. Wenn jedoch unsere Analyse und Offenlegung der Ursachen für den Revisionismus in Albanien dazu beitragen kann, dass die KPNS ihr Bewusstsein schärft darüber, wie sie angesichts des sich verschärfenden Klassenkampfes in Neuseeland kommunistische Führerschaft entwickeln kann, dann wird es uns gelingen, die Niederlage in einen Sieg zu verwandeln. Das Gleiche gilt auch für die kommunistischen Parteien des Auslands.

 

Die KPNS hat nie ihre Existenz oder ihre Arbeit davon abhängig gemacht, was Parteien in anderen Ländern machen oder nicht machen. Deshalb wird sich die KPNS durch die Ereignisse innerhalb der PAA nicht erschüttern lassen.

 

Die KPNS ruht solide auf den festen Fundamenten kommunistischer Theorie und Praxis. Zur gleichen Zeit, da die Führer der PAA sich beeilen, sich dem internationalen Kapital anzupassen, erblickt eine größer werdende Zahl von Arbeitern in Neuseeland in der KPNS das bewussteste und entschlossenste Zentrum der Opposition gegen die Diktatur der Bourgeoisie.

 

In den siebzig Jahren seit ihrer Gründung im Jahre 1921 hat sich unsere Partei, die KPNS, gegen zahlreiche revisionistische Strömun- gen, wie den Trotzkismus, den Browderismus (in den Vereinigten Staaten), gegen die Titoisten (in Jugoslawien), die Chruschtschowia- ner, den Maoismus, den Eurokommunismus (die revisionistischen Parteien Westeuropas) und all ihre Statthalter in Neuseeland behauptet. Jetzt müssen wir uns gegen den Revisionismus von Alia & Co. behaupten, die Albaniens Abdriften in den Kapitalismus geschickt in die Weg geleitet haben.

 

Die KPNS hat sieben Jahrzehnte lang den kommunistischen Prinzipien die Treue gehalten. Unsere Partei hat sich zu den kampferprobtesten Gegnern der Sozialdemokratie und des Revisionismus der Welt in ihrer siebzigjährigen Existenz entwickelt. Wir werden in diesem Kampf gegen den albanischen Revisionismus weder zerbrechen noch uns von dem im Gang befindlichen Kampf für den Sturz der Herrschaft des Großkapitals und für die Errichtung der Herrschaft der Arbeiterklasse in Neuseeland abbringen lassen.

 

Das Zentralkomitee der KPNS fordert unsere gesamte Partei auf, dafür zu stimmen, dass die jüngsten Resolutionen unserer nationalen Konferenz wieder zurückgenommen werden, wonach die PAA zu unterstützen sei und worin Albanien als sozialistisches Land beschrieben wird. Wir sind zuversichtlich, dass unsere gesamte Partei sich gegen den albanischen Revisionismus behaupten wird.

 

Das Zentralkomitee der KPNS fordert zu einer öffentlichen Antwort vonseiten aller ausländischen Parteien auf die öffentliche Entlarvung des albanischen Revisionismus auf. Dies kann dazu beitragen, dass der internationalen Kampf auf den Kampf gegen den Revisionismus gerichtet und dass die internationale kommunistische Bewegung gefestigt wird.

 

Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Neuseelands, 11. Februar 1991

 

 

3. Artikel aus 'Volksstimme' vom 11. Februar 1991: 'Würden Sie diesem Mann vertrauen?'

 

 

Ramiz Alia ist Erster Sekretär der Partei der Arbeit Albaniens. Er steht an der Spitze der revisionistischen Fraktion, die in der PAA die völlige Kontrolle gewonnen hat und die jetzt den Übergang Albaniens in den Kapitalismus betreibt.

 

Alia spricht heute die Sprache eines kapitalistischen Politikers. Aber noch vor nicht allzu langer Zeit gab er sich wie ein Marxist. Es ist ganz lehrreich, seine Erklärungen, die er heute von sich gibt, mit denen zu vergleichen, die er gestern äußerte, um zu zeigen, wie Alia bei jedem einzelnen grundlegenden Prinzip wortbrüchig geworden ist.

 

 

Dezember 1990:

 

 

'Stalins Leben hat für Albanien keine unmittelbare Bedeutung. Wir schätzten ihn besonders als Führer im Vaterländischen Krieg der Sowjetunion sowie als einer der führenden Köpfe der antifaschisti-

schen Koalition und dafür, dass er Albanien 1948 und später verteidigte, als unser Land von Jugoslawien bedroht wurde. ... Diese Momente unserer Beziehung zur Sowjetunion und Stalin gehören heute zur fernen Vergangenheit. Wir haben immer noch viele Namen, Monumente und Symbole, die diesen Momenten gewidmet sind, die ihren früheren Wert jedoch eingebüßt haben. Die Schwierigkeit bestand darin, dass diese Dinge zu politischen und ideologischen Symbolen gemacht wurden, die niemanden interessieren und niemandem nützen. Aus diesem Grunde liegt es im Interesse der Allgemeinheit, dass die alten Beschlüsse, die sich mit dem Gedenken an Stalin befassen, jetzt fallengelassen werden.'

 

 

Dezember 1979:

 

 

'Der Name und das Werk Stalins sind unsterblich und werden die Jahrhunderte überdauern. ... Die Haltung zu Stalin und seinem Werk stellt eine klare Demarkationslinie zwischen Marxisten-Leninisten einerseits und modernen Revisionisten andererseits dar. Dies ist nicht eine Frage vergangener Geschichte, sondern stellt ein aktuelles Probleme von großer Bedeutung dar. ... Für die Kommunisten und Menschen Albaniens ist Stalins Name untrennbar verbunden mit der siegreichen Lehre des Proletariats, die den Weg für die Erringung all unserer Siege erleuchtet hat. ... Die albanischen Kommunisten und unserer ganzes Volk ehren Stalin mit großem Respekt und Dankbarkeit, weil all diese Siege auf seinen Lehren und seiner Hilfe und den Erfahrungen seines Kampfes und seines Werkes beruhen.'

 

 

Dezember 1990:

 

 

'Die Partei hat bereits öffentlich ihre Auffassung kundgetan, dass die Schaffung unabhängiger politischer Organisationen ... der weiteren Demokratisierung des Landes dienen werden. Dieser kluge Standpunkt der Partei stellt ein weiteres Kettenglied unseres demokratischen Prozesses dar.'

 

 

September 1989:

 

 

'Wir werden nie die Schwächung der führenden Rolle unserer marxis-

tisch-leninistischen Partei zugunsten eines so genannten Pluralismus, den uns die Bourgeoisie vorsetzt, zulassen. ... Diese Frage betrachten wir als heilig.'

 

 

November 1990:

 

 

'Den Pluralismus der Meinungen vertraten wir sogar in der Vergan- genheit. ... Wir müssen die bestehenden gesellschaftlichen Organisationen zu vollständigen pluralistischen Einrichtungen machen. ... Die Tatsache, dass die politischen und gesellschaftlichen Organisationen des Landes ... gleichberechtigt an Wahlen teilnehmen und auf diese Weise die pluralistischere Vertretung der an der Macht befindlichen Massen gewährleisten, legt von der Vertiefung der Volksdemokratie Zeugnis ab.'

 

 

Januar 1990:

 

 

'Westliche Länder ermutigen zu den politischen Veränderungen in Osteuropa. Wenn sie zu freien Wahlen aufrufen und sich für verschiedene politische Parteien und Gruppen aussprechen, dann fordern sie den Pluralismus, sie wollen, dass die Menschen alles völlig zerstören, was an den Sozialismus erinnert... In den osteuropäischen Ländern wurde der Sozialismus unter der Parole von der Befreiung vom Monopol der kommunstischen Parteien zurückgewiesen. Und der Pluralismus ... wurde zur Formel der Rettung, damit sich die Demokratie angeblich besser entfalten kann. ... Wir haben uns für die Hegemonie der Partei der Arbeit ausgesprochen, weil wir uns bewusst sind, dass dies die Grundlage für den sozialistischen Aufbau ist.'

 

 

Juli 1990:

 

 

'Wir treten in einen neuen Klassenkampf ein, gegen innere und äußere reaktionäre Kräfte. ... Wir sollten uns nicht wundern, wenn die Landstreicher, die Demagogen, die Parasiten und die Kaffeehaus-Politiker wieder neu zum Leben erweckt werden.'

 

 

Januar 1990:

 

 

'Unsere sozialistische Gesellschaft ... erlebt keine gesellschaft-

lichen Konflikte. ... Wir haben bei uns eine völlig stabile Situa-

tion.'

 

 

November 1990:

 

 

'Durch Sondergesetze haben wir Auslandsinvestitionen und Kooperatio- nen mit ausländischen Firmen und Kapital zugestimmt. Dies erfordert, dass wir Artikel 28 der bestehenden Verfassung ändern.'

 

 

November 1986:

 

 

'Wir verknüpfen niemals den Handel mit der Annahme von Krediten aus

dem Ausland, mit der Gewährung von Konzessionen (Genehmigungen für die Ausbeutung von Bodenschätzen z.B. an Auslandsfirmen - Übers.) oder damit, ausländischen Unternehmen oder wirtschaftlichen oder finanziellen Einrichtungen zu erlauben, in unserem Land tätig zu sein. Dies wird durch die albanische Verfassung ganz eindeutig unter Strafe gestellt.

 

 

Dezember 1990:

 

 

'Der neue ökonomische Mechanismus, der das System administrativer Anweisungen von einer Zentrale aus ablöst, wird zu einer Marktwirtschaft führen, in der es einen Wettbewerb zwischen einem größeren staatlichen Sektor und einem kooperativen und privaten Sektor geben wird.'

 

 

November 1986:

 

 

'Unsere Wirtschaft basiert auf dem Prinzip des demokratischen Zentralismus, das die zentrale staatliche Leitung von oben mit der Initiative der Massen von unten verbindet. Die Gewährleistung und konsequente Anwendung des ... demokratischen Zentralismus ist eine Frage des Prinzips.'

 

 

Juli 1990:

 

 

'Begrenzte und kontrollierte private Geschäftstätigkeit steht unseren moralischen und ideologischen Normen nicht entgegen. Es besteht keine Gefahr, dass eine gewisse Klasse von Eigentümern oder Ausbeutern geschaffen wird.'

 

 

September 1989:

 

 

'Wir werden es nicht erlauben, dass der Weg für die Rückkehr des Privateigentums und der kapitalistischen Ausbeutung geebnet wird.'

 

 

April 1990:

 

 

'Wenn die Bauernschaft der Meinung ist, dass das Halten einer Kuh oder von ein paar Schafen und Ziegen auf ihren privaten Ländereien effektiver ist, dann sollten die landwirtschaftlichen Kooperativen dies selbst entscheiden. ... In diesem Fall könnte das Vieh kleinerer Herden an sie verkauft werden.'

 

 

September 1989:

 

 

'Wir werden niemals die Schwächung des sozialistischen Gemeineigen-

tums zulassen.'

 

 

Dezember 1990:

 

 

'Wir sind der Meinung, dass die Zukunft Europas von der Hilfe profitieren wird, die der Westen Osteuropa gewährt, um die Schwierig- keiten aus der wirtschaftlichen Umstrukturierung zu überwinden. ... Wir möchten hoffen, dass diese Hilfe um Albanien keinen Bogen macht.'

 

 

Dezember 1989:

 

 

'Die osteuropäischen Länder hoffen auf die Hilfe des internationalen Kapitals, um aus der Krise, in die sie gestürzt sind, herauszufinden.

Aber hat sich der Kapitalismus gewandelt und ist er großzügig geworden? Überhaupt nicht. ... Der Kapitalismus vergibt nichts ohne Zinsen. Dies zeigt sich bei den Ereignissen in Osteuropa immer deutlicher. Er diktiert ihnen, was sie zu tun haben, wie sie ihre Wirtschaften reformieren sollen, um so dem Privateigentum und dem ausländischen Kapital den Weg zu ebnen.'

 

 

September 1990:

 

 

'Wir kommen nicht umhin, die Veränderungen, die im Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion stattgefunden haben, als vielversprechend einzuschätzen. ... Falls die Entspannung zwischen den Supermächten global werden sollte, ... würde jeder davon profitieren. ... Die Schritte, die bereits in Richtung einer Verringerung von Spannungen und der Lösung vieler regionaler Konflikte unternommen worden sind, ... haben eine Atmosphäre erzeugt, die für die gesamte Menschheit Anlass zur Hoffnung geben.'

 

 

Juni 1989:

 

 

'Wir sind der Ansicht, dass die zeitweilige Verringerung der Spannungen, die von den spezifischen Interessen der Supermächte diktiert worden ist, nicht zu einer Euphorie führen sollte oder dazu, die Wachsamkeit einzuschläfern. Die Supermächte, die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion, sind das geblieben, was sie immer gewesen sind. Sie haben weder ihre strategischen Ziele aufgegeben, um für sich eine Vorherrschaft durchzusetzen, ... noch haben sie ihre Einflusssphären aufgegeben. ... Das sozialistische Albanien hat ... die expansionistische und hegemonistische Politik der imperialisti- schen Supermächte, die in erster Linie für die Spannungen zwischen den Staaten veranwortlich ist, verurteilt und wird dies auch künftig tun.'

 

 

April 1990:

 

 

'Die Wiederherstellung diplomatischer Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion ist auf die Tagesordnung erschienen.'

 

 

November 1986:

 

 

'Zwischen dem sozialistischen Albanien und den beiden Supermächten wird es nie irgendeine Versöhnung geben.'

 

 

Wenn man diese widersprüchlichen Erklärungen von Ramiz Alia vergleicht, stellt sich sofort folgende Frage: Würden Sie einem Mann vertrauen, der das eine an dem einen Tag und etwas ganz anderes am nächsten sagt?

 

Solche schnellen Meinungsänderungen sind ein sicherer Hinweis dafür, dass ein solcher Politiker sich nicht von kommunistischen Prinzipien, sondern von opportunistischen Zweckmäßigkeitserwägungen leiten lässt.

 

 

 

4. Artikel aus der 'Volksstimme' vom 17. April 1991: 'Keine Kandidaten der Arbeiterklasse'

 

 

Die Arbeiterklasse Albaniens ist jetzt von jedem Mitspracherecht darüber, wie ihr Land regiert wird, ausgeschlossen.

 

Ramiz Alias opportunistische Fraktion, die inzwischen die herrschende Partei der Arbeit Albaniens (PAA) fest im Griff hat, legt der Arbeiterklasse einen Maulkorb an, um den Widerstand gegen ihre kapitalistische Konterrevolution zu ersticken. Alia & Co. ist es gelungen, einfache Industriearbeiter aus der 243 Personen umfassenden Liste von PAA-Kandidaten für die am 31. März stattfindenden Wahlen zur Volksversammlung auszuschließen.

 

'Zeri i Popullit', das täglich erscheinende Organ des Zentralkomitees der PAA, veröffentlichte Einzelheiten über den Klassenhintergrund von 241 der 243 PAA-Kandidaten. Die Übersetzung des Artikels aus 'Zeri i Popullit' durch 'People's Voice' ('Volksstimme') zeigt, dass es sich bei diesen PAA-Kandidaten um Wirtschaftswissenschaftler, Ingenieure, Lehrer, Parteifunktionäre, Agronomen, Rechtsanwälte, Armeeoffiziere, Staatsangestellte, Naturwissenschaftler, Künstler, Ärzte usw. handelt, dass jedoch kein einziger Industriearbeiter darunter ist.

 

Im Folgenden wird untersucht, welchen Klassenhintergrund diese 241 Kandidaten der PAA besitzen:

 

1. Ingenieure: 58 Kandidataten (= 23% der aller Kandidaten);

 

2. Agrarwissenschaftler: 56 (= 22%);

 

3. Wirtschaftswissenschaftler: 37 (= 15%);

 

4. PAA-Funktionäre: 18 (= 7%);

 

5. Lehrer: 14 (= 6%);

 

6. Ärzte: 14 (= 6%);

 

7. Armeeoffiziere: 6 (= 2,4%);

 

8. Chemiker: 6 (= 2,4%);

 

9. Tierärzte: 5 (= 2%);

 

10.Manager: 4 (=1,6%);

 

11.Rechtsanwälte: 4 (= 1,6%);

 

12.Mathematiker: 3 (= 1,2%);

 

13.Schriftsteller: 3 (= 1,2%);

 

14.Zoologen: 3 (= 1,2%);

 

15.Physiker: 2 (= 1%);

 

16.Naturwissenschaftler: 2 (= 1%);

 

17.Verleger: 2 (= 1%);

 

18.Künstler: 2 (= 1%);

 

19.Pensionäre: 1 (=0,5%);

 

20.Kriegsveteranen: 1 (0.5%).

 

Nach den Wahlen vom 31. März erhielt die PAA zwei Drittel der Sitze in der Volksversammlung. Den größten Rückhalt hatte die PAA bei den Wählern auf dem Lande.

 

Der größte Teil des verbleibenden Drittels der Sitze entfiel auf die entschieden pro-kapitalistische Demokratischen Partei (DP). 'People's Voice' ('Volksstimme') verfügt über keine Einzelheiten zum Klassenhintergrund der DP-Kandidaten. Da sich jedoch die Führung der DP fast ausschließlich aus anti-kommunistischen Intellektuellen zusammensetzt, scheint gesichert zu sein, dass nur sehr wenige ihrer Kandidaten - falls überhaupt welche - Industriearbeiter waren.

 

Die PAA erlitt die größten ihrer Verluste in den städtischen Wahlkreisen. Sogar der Präsident Albaniens, Ramiz Alia, wurde in seinem Wahlkreis in Tirana nicht wiedergewählt. Dies muss als Zeichen eines Massenprotests per Stimmabgabe seitens der in den städtischen Wahlkreisen konzentrierten Arbeiterklasse gegen die PAA gewertet werden.

 

Unabhängig davon, welche Partei bei den Wahlen am 31. März gewann oder nicht gewann, musste die albanische Arbeiterklasse zu den Verlierern zählen. Die Führungen sowohl der PAA als auch der Demokratischen Partei setzen sich beide vehement dafür ein, dass Albanien so schnell wie möglich in ein Paradies der Reichen verwandelt wird, in dem die Arbeiter wieder die ausgebeuteten Lohnsklaven des Kapitals sein werden.

 

Die Errungenschaften der Arbeiterklasse aus der Vergangenheit werden vollständig durch die pro-kapitalistische Politik von PAA und DP ausradiert werden. Und der Arbeiterklasse wird in der albanischen Regierung auch nur eine symbolische Vertretung schon dadurch verwehrt, dass von der PAA überhaupt keine proletarischen Kandidaten aufgestellt wurden.

 

Die Interessen der Arbeiterklasse können in Albanien weder durch die PAA noch durch die DP wahrgenommen werden. Die Arbeiter müssen eine wahrhaft kommunistischen Partei schaffen, um die Flut der kapitalis-

tischen Konterrevolution einzudämmen.

 

 

5. Artikel aus 'Volksstimme' vom 17. April 1991:

'Alia für den Abriss der Statue verantwortlich'

 

 

Eine riesige Statue von Enver Hoxha, der vier Jahrzehnte lang, bis zu seinem Tode 1985, Albaniens Staatschef war, wurde im Oktober 1988 auf dem größten Platz in Tirana enthüllt. Die Hauptrede hielt der albanische Präsident Ramiz Alia. Nachdem er darauf hingewiesen hatte, dass Hoxha stets 'die Lehren von Marx, Engels, Lenin und Stalin' verteidigte, versprach er, 'dass das albanische Volk und seine Partei der Arbeit, ohne Halt zu machen, auf dem Weg von Enver Hoxha weiter marschieren wird'.

 

Jedoch widersprechen Alias Taten vollständig seinem 'feierlich' abgegebenen Versprechen, das er bei der Enthüllung der Hoxha-Statue abgab: Denn die konterrevolutionäre Fraktion mit Alia an der Spitze fädelte das Abgleiten Albaniens in den Kapitalismus ein, nachdem sie sich die Kontrolle über die Partei der Arbeit gesichert hatte.

 

Bestandteile ihres pro-kapitalistischen Programms waren die Einfüh-

rung einer kapitalistischen Ökonomie des 'freien Marktes', die Öffnung Albaniens für unbegrenzte Auslandsinvestitionen sowie die Bildung einer Allianz mit den imperialistischen Mächten Europas.

 

Im letzten Dezember ordneten Alia & Co. den Abriss der berühmten Stalin-Statue in Tirana an. Dies war das Signal für eine offene Kampagne der Entstalinisierung, die der in der Sowjetunion aus dem Jahre 1956 nach Chruschtschows konterrevolutionärer 'Geheimrede' auf dem Parteitag der sowjetischen Partei ähnelt. So viel zu Alias Versprechen, 'nicht Halt zu machen, auf dem Weg Enver Hoxhas', der stets den Namen und das Werk Stalins verteidigte. Die Ereignisse haben gezeigt, dass Alia nichts als ein Lügner ist.

 

Obwohl Hoxha als Marxist mit Fehlern bezeichnet werden muss, da seine Betonung des 'klassenneutralen' Konzepts von der 'Volksmacht' verhinderte, dass die Diktatur des Proletariats sich in Albanien festigen konnte, wurde seine Statue in Tirana weithin als kommunistisches Symbol angesehen.

 

Die konterrevolutionären Kräfte, die von Alia & Co. entfesselt wurden, richteten deshalb ihre ganze Wut gegen die Statue Hoxhas. Am 20. Februar stürzten Tausende von Universitätsstudenten die Statue um, rollten dann anschließend seinen Kopf durch die Straßen hin zur Universität, wo sie auf ihr urinierten.

 

Dies waren die Nachwirkungen eines studentischen Streiks, bei dem die Forderung laut wurde, dass die Enver-Hoxha-Universität umbenannt werden sollte, um alle Erinnerungen an den ehemaligen albanischen Führer auszulöschen.

 

Nur ein paar Stunden nach der Zerstörung der Hoxha-Statue, brachte die albanische Regierung eine Stellungnahme heraus, in der sie sich damit einverstanden erklärte, die Enver-Hoxha-Universität umzube- nennen. Dies wurde von den Studenten mit großem Beifall bedacht.

 

So viel wiederum zu Alias Versprechen, 'ohne Halt zu machen, auf dem Weg von Enver Hoxha weiterzumarschieren'. Alias Weigerung, sich für die Beibehaltung des Namens 'Enver-Hoxha-Universität' einzusetzen, geht Hand in Hand damit, dass sich Alia nunmehr auf Hoxha nur noch als eine 'Persönlichkeit der Geschichte' bezieht, statt als eine Persönlichkeit, die alles tat, um die Prinzipien des Kommunismus (wenn auch nicht immer konsequent) zu verteidigen.

 

Alia hatte den Kern des Lebenswerks von Enver Hoxha bereits zerstört, lange bevor die Studenten seine Statue zerstörten.

 

Typisch für Alias Handeln in den vergangenen Jahren war sein ständiges Lob für die Intelligenz als der 'fortschrittlichsten' Kraft in Albanien. Alia versuchte unter den Studenten den Gedanken zu verankern, dass sie die Herren des Landes seien und sah in ihnen die gesellschaftliche Basis für die Unterstützung seines konterrevolutio-

nären Programms.

 

Das logische Resultat war die studentische Kampagne gegen die Symbole des Kommunismus, die in dem Abriss der Hoxha-Statue gipfelte.

 

Deshalb ist diejenige Person, die für die Zerstörung der Hoxha-Statue verantwortlich ist, derselbe Mann, der bei ihrer Enthüllung die Hauptrede hielt - Ramiz Alia. Die politische Heuchelei von Opportu-

nisten wie Alia kennt keine Grenzen.

 

 

6. Artikel aus der 'Volksstimme' vom 25. Februar 1991:

'Hoxhas Statue in Tirana umgestürzt'

 

 

Tausende von Studenten rissen die riesige Statue des verstorbenen albanischen Staatschefs Enver Hoxha am 21. Februar in Tirana nieder, um damit ihre Aktionen, das Land noch schneller auf den Weg des Kapitalismus, zu unterstreichen.

 

Die Studenten hatten schon drei Wochen lang ihre Vorlesungen boykottiert. Sie forderten die Entfernung des Namens von Enver Hoxha aus der Bezeichnung der Universität. Nachdem die Statue umgestürzt worden war, rollten die Studenten ihren Kopf durch die Straßen, hin zur Universität, wo sie auf ihr urinierten.

 

Ein paar Stunden später gab die albanische Regierung eine kurze Stellungnahme heraus, in der sie die Entfernung des Namens von Enver Hoxha begrüßte. Dies traf auf den ungeteilten Beifall der Studenten, die gegen Hoxha eingestellt sind, weil er für sie als Stalinist gilt, der den Sozialismus verteidigte.

 

Die Studenten Tiranas hatten im letzten Dezember die Demokratische Partei gegründet und ihr ein offen kapitalistischen Programm für die Wiederherstellung einer Wirtschaft des 'freien Marktes' sowie für die Wiederherstellung des Privateigentums in der Industrie, im Handel und in der Landwirtschaft gegeben, wodurch Albanien, ausgestattet mit einem kapitalistischen Parlament, ohne jeden Einfluss für die Arbeiterklasse, den großen Mächten Westeuropas angeschlossen werden soll.

 

Ramiz Alia und andere politische Führer der Partei der Arbeit Albaniens (PAA)hatten beschlossen, die Bildung von Oppositionspar-

teien zuzulassen, die sich dafür stark machen, Albanien in einen kapitalistischen Staat zu verwandeln. Daraufhin kam es zu Studentendemonstrationen, bei denen der 'politische Pluralismus' gefordert wurde.

 

Alia & Co. haben sich ganz offen als Totengräber des Sozialismus in Albanien erwiesen. Ihr Eintreten für den 'politischen Pluralismus' entfesselte alle möglichen pro-kapitalistischen Strömungen, während auf der anderen Seite die Arbeiterklasse durch Maßnahmen wie der Übergabe sämtlicher einflussreicher Positionen an Opportunisten innerhalb der PAA, durch die starke Machterweiterung der Betriebslei- tungen über die Arbeiter in staatlichen Betrieben sowie durch die weitgehende Beschneidung des Streikrechts geknebelt und gefesselt wurde.

 

Alia & Co. haben Albaniens Abdriften in den Kapitalismus eingefädelt. Sie erwiesen sich als offene Feinde des Kommunismus, nachdem sie das Politbüro der PAA von ihren Gegnern im Juli und Dezember vergangenen Jahres gesäubert hatten. Aber die Entartung hatte bereits vor dem Tode von Enver Hoxha im Jahre 1985 eingesetzt.

 

Hoxha war ein Marxist mit gewissen Fehlern. Er versuchte ehrlich, die Prinzipien des Kommunismus zu verwirklichen und verteidigte deshalb Stalin als einen großen Marxisten. Jedoch muss gesagt werden, dass Hoxha einige Wesenselemente des Kommunismus nicht beachtete. Insbesondere wurde die führende Rolle der Arbeiterklasse in Albanien durch Hoxhas Eintreten für das anti-marxistische Konzept der 'Volksmacht' nicht voll verwirklicht.

 

Es gehört zu den grundlegenden kommunistischen Leitsätzen, dass jede Klassengesellschaft von einer e i n z i g e n Klasse regiert wird. Dies zeigt sich zum Beispiel im kapitalistischen Neuseeland, wo das Großkapital sowohl der Nationalen als auch der Labour Partei hinter der 'demokratischen' Fassade des Parlaments die politische Marschroute diktiert.

 

In einem sozialistischen Land muss die Arbeiterklasse die staatliche Macht verteidigen, um das gesellschaftliche Eigentum in Industrie, Handel und Landwirtschaft zu schützen. Aber die Herrschaft der Arbeiterklasse konnte in Albanien nicht gefestigt werden, weil Hoxha und andere politische Führer der PAA dem Gedanken von der 'Volksmacht' anhingen.

 

Die Arbeiterklasse muss sich um ihre kommunistische Partei herum organisieren und alle anderen Schichten des 'Volkes' - wie Landwirte, Intellektuelle, Selbstständige, kleine Geschäftsleute und Landarbeiter - auf den Weg des Sozialismus führen. Wenn die Macht der Arbeiterklasse ausgehöhlt wird, dann öffnet dies den Weg für genau die Art von Konterrevolution, die jetzt Albanien fest im Griff hat.

 

Alia & Co. konnten sich hinter dem Konzept der 'Volksmacht' ver-

schanzen, um im albanischen Staat sämtlichen Arbeitereinfluss zu beseitigen und den politischen Einfluss der Studenten und Intellek-

tuellen zu stärken. In letzter Zeit fingen die Führer der PAA an, die pro-kapitalistische eingestellte Intelligenz als die wichtigste Kraft

aufzuwerten und ordneten die Beseitigung aller Statuen Stalins an. Eines der unvermeidlichen Ergebnisse dieser konterrevolutionären Allianz zwischen Alia und den Studenten war auch der Abriss der Enver-Hoxha-Statue.

 

Die kapitalistische Nachrichtenagentur Reuters beschrieb die Studen-

tenproteste, die dazu führten, dass Hoxhas Statue umgestürzt wurde, als 'Volksmacht'. Sowohl die kapitalistischen Medien als auch Alia & Co. benutzen deshalb das Konzept von der 'Volksmacht', um Albaniens Abgleiten in den Kapitalismus zu rechtfertigen. Dies allein schon beweist, dass jede Schwächung der Macht der Arbeiterklasse zur Zerstörung des Sozialismus führt.

 

Aber im Gefolge der Konterrevolution kommen all die gewöhnlichen Krisen des Kapitalismus, die sich aus dem unversöhnlichen Kampf zwischen den Klassen ergeben, wieder zurück. Präsident Alias Ansprache an die Nation, nachdem die Ausschreitungen der Studenten in Tirana begonnen hatten, begann mit dem Eingeständnis, dass 'das Land auf den Höhepunkt der Krise zusteuert'.

 

Alia verkündete des Weiteren, dass 'ich entschieden habe, die Richtung der Staatsgeschäfte selbst zu bestimmen'. Nach der Gewinnung diktatorischer Vollmachten, wird Alia in der Lage sein, das Tempo der Konterrevolution weiter zu beschleunigen. Die albanische Arbeiterklasse wird in den kommenden Tagen noch weitere scheußliche Attacken von Alia & Co. zu erwarten haben.