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DER NEOFREUDISMUS – EINE DER REAKTIONÄRSTEN STRÖMUNGEN DER BÜRGERLICHEN IDEOLOGIE

 

Victor Riska-Kleanthi Zozo.
Pädagogen in der Parteihochschule „W.I. Lenin“

 

DIE MODERNE BÜERGERLICHE ORDNUNG BEFINDET SICH IN EINER TIEFEN ALLGEMEINEN, AUSWEGLOSEN KRISE. DIE BÜRGERLICHEN IDEOLOGEN VERSUCHEN DESHALB MIT ALLERLEI "THEORIEN" UND "ARGUMENTEN" DIE VERFAULENDEN ERSCHEINUNGEN DIESER ORDNUNG ZU RECHTFERTIGEN. DIE WIRKLICHEN URSACHEN DIESER PHAENOMENE SOLLEN GETARNT WERDEN, MAN VERSUCHT SIE AUFZUPOLIEREN, UM DIE MENSCHEN ZU VERWIRREN UND SIE SO VON JEDER REVOLUTIONAEREN HANDLUNG, MIT DER DIE GRUNDLAGEN DER POLITISCHEN GEWALT DER BOURGEOISIE ANGETASTET WERDEIN KOENNTEN, ABZUHALTEN. EINE SEHR WEIT VERBREITETE VARIANTE DIESER "THEORIEN" IST DER NEOFREUDISMUS, ODER WIE MAN ANDERS SAGT DIE THEORIE DER PSYCHOANALYSE.

Wie jede andere bürgerliche Theorie, hat auch der Neofreudismus seine sozialen und erkenntnistheoretischen Wurzeln. Will man den Inhalt und die konkreten Erscheinungen dieser "Theorie" besser verstehen und die Richtungen des Kampfes gegen sie bestimmen, ist es sehr wichtig diese Wurzeln zu entdecken. Die Ansichten der Vertreter der Psychoanalyse dienen heute unmittelbar der Monopolbourgeoisie. Sie dienen dazu, deren Herrschaft, das Privateigentum an den Produktionsmitteln zu verewigen. Im Wesentlichen ist diese Theorie idealistisch. Lenin enthüllte die Wurzeln des Idealismus und schrieb in diesem Zusammenhang: "Die Betrachtung der Dinge nur in einer Richtung und die Einseitigkeit, die Eingefrorenheit und die Starrheit, der Subjektivismus und die subjektive Blindheit - das sind die erkenntnistheoretischen Wurzeln des Idealismus." (Lenin, "Über die Bedeutung des streitbaren Materialismus", Broschüre, alb. Ausgabe, 1968, S. 27).
In seinen ersten Arbeiten schnitt Freud eine Reihe psychologischer Fragen an. Er widmete seine Aufmerksamkeit der Struktur und der Bedeutung der Innenwelt des Menschen, seinen intimsten Gefühlen den Konflikten zwischen Zielen, Wünschen und Aufgaben des Menschen. Für die Entstehung bzw. Heilung von psychischer Krankheiten mass er den Gefühlseindrücken besondere Bedeutung bei. Dies begünstigte auch seinen aufsehenerregenden "Erfolg". Freud und seine Nachfolger erkannten bei diesen Fragen jedoch nicht ihre reale Basis, darum erklären sie auch die psychischen Phänomene einseitig. Gestützt auf einige ein für allemal gegebenen nicht realen Kategorien, die Analogien betrachteten sie aus Beweismangel auch die höhere Nerventätigkeit idealistisch Die Propagandisten dieser Theorie gehen von idealistischen Vorstellungen aus und entstellen so die Phänomene des Bewusstseins. Die Natur des Menschen, so behaupten sie, ist zutiefst unbewusst. So wirft Fromm Marx vor, einen "tragischer Fehler" begangen zu haben, indem er die Menschen als Vernunftwesen betrachtet denn, so behauptet er "Marx kannte die von Freund entdeckte grosse Wahrheit nicht, dass der Mensch ein irrationales Wesen ist. Der Mensch, lässt sich von instinktiven Gefühlen leiten, sein Hirn befindet sich im Bann irrationaler, unbewusster Impulse." Marx habe nach Fromm die rationale Gestalt des Menschen erfunden. Aber eben die Entstehung des Bewusstseins beim Menschen, behauptet er, löse die natürlichen Verbindungen zum Menschen, zerstöre seine Harmonie und zeuge den Widerspruch, der die Hauptfrage der Existenz des Menschen bildet. Das Bewusstsein selbst - so Fromm ferner - machte den Menschen zu einem Fremdling auf dieser Welt und lässt bei ihm das Gefühl der Einsamkeit und des Schreckens aufkommen.
Daraus kann man den Schluss ziehen, dass die erkenntnistheoretischen Wurzeln des Freudismus und des Neofreudismus in der Verabsolutierung der irrationalen Phänomene und der inneren Impulse, sowie in der Leugnung des Menschen als bewusstes Wesen liegen.
Von kantischen Begriffen geleitet mit denen die Möglichkeit der Erkenntnis der Welt durch den Menschen geleugnet wird, bildeten diese Theorien ein Hindernis für die materialistische Ausarbeitung einiger Wissenschaften, mittels derer die gedanklichen Elemente und das Gehirn als deren Organ studiert werden müssen, wie Psychologie, Psychotherapie usw. Dies stellt eine weitere erkenntnistheoretische Basis des Neofreudismus dar. Wie jede andere idealistische Theorie, stützt sich auch der Neofreudismus auf die Religion. Fromm ist ein Vertreter des Neofreudismus im heutigen amerikanischen Denken, in dem drei Strömungen konvergieren: Psychoanalyse, Philosophie und Religion. Die heutige bürgerliche Philosophie und Ideologie stützen sich auf die Theorie der Psychoanalyse, um bei ihr die "Heilmethode für die Seele" zu finden. Anderseits greift auch die Theorie der Psychoanalyse zur Religion, um die eigene Aufgabe für das "Seelenheil" zu lösen. Die marxistisch-leninistische Theorie lehnt den Neofreudismus ab, denn er hat mit dem wirklich menschlichen Denken nichts gemein. Er hat einen reaktionären Charakter und ist Feind der Wissenschaft und Kultur. Der Marxismus-Leninismus geht davon aus, dass die wissenschaftliche Bedeutung der Psyche und des Verhaltens des Menschen erforscht werden kann, nur wenn die biologische und die soziale Natur des Menschen in ihrer Einigkeit betrachtet werden. Der Mensch ist vor allem ein soziales Wesen und seine soziale Tätigkeit ist der wichtigste Faktor für die Formung der Psyche und die Bewusstseinsentwicklung. Die Weltanschauung, die psychischen Eigenschaften und die Fähigkeiten des Menschen bilden sich unter dem Einfluss der sozialen Bedingungen, in der Familie, der Schule und vor allem bei der Arbeit und in der gesellschaftlichen Praxis. Die Arbeit bildet die Basis des Lebens und der Bewusstseinsentwicklung. Indem der Mensch die Natur umgestaltet, verwandelt er zugleich sich selbst. Die Arbeit gestaltet den Menschen nicht nur körperlich, sondern auch geistig. Der Mensch kann nur als handelnde, als aktive Persönlichkeit verstanden werden, in einer Einheit von Psyche und Psychologie, in der die unzähligen Verbindungen mit der Aussenwelt ihren Ausdruck finden. Eben diese Tätigkeit gestaltet die Bedingungen des materiellen Lebens und die Natur des Menschen selbst. Wie aus der Entdeckung der sozialen und erkenntnistheoretischen Wurzeln des Neofreudismus hervorgeht, besteht das Wesen dieser Theorie in der Verzerrung der Beziehungen und der gegenseitigen Abhängigkeit zwischen den materiellen und ideellen, rationalen und irrationalen Phänomenen im Bewusstsein des Menschen. Bekanntlich bildet schon die Ausgangsbasis zum Studium dieser Phänomene das Kampffeld für die heftige und unerbittliche Auseinandersetzung zwischen der marxistisch-leninistischen materialistischen Philosophie und der bürgerlichen idealistischen Philosophie und hängt unmittelbar mit der Deutung der Grundfrage der Philosophie zusammen. Bei der Deutung dieser Phänomene vertritt die neofreudistische Theorie die kennzeichnendsten Merkmale der heutigen bürgerlichen Ideologie, wie Antihistorismus, Irrationalismus, Biologisierung der sozialen Phänomene, Nichtbeachtung der Rolle der sozialen Praktik bei der Bewusstseinsformung, die metaphysische Auslegung der Gesetze des Gehirns und der psychischen Tätigkeit des Menschen. Auf Grund dieser Theorie werden die ideellen irrationalen oder unbewussten Elemente getrennt von den ideellen, rationalen oder bewussten Phänomenen betrachtet und als wichtige, das Bewusstsein unterwerfende Kräfte, die die ganze Tätigkeit des Menschen bestimmen, angesehen.
Im Gegensatz zu diesen Ansichten, betrachtet die marxistisch-leninistische Philosophie die ideellen Phänomene in enger Verbindung und in wechselseitigem Zusammenwirken, so wie sie sind, wobei die bewussten Elemente die bestimmende Rolle innehaben. So sind die Empfindungen, die Wahrnehmungen, die Emotionen, die Vorstellungen des Menschen mit den rationalen Elementen eng verbunden, wie mit den Begriffen den Beurteilungen, den Reflektionen, der Analyse, der Synthese usw. Die ideellen Phänomene sind die Widerspiegelung der materiellen Phänomene und können unabhängig von diesen nicht existieren. In konzentrierter Weise äusserte Marx diese Idee wie folgt: "Bei mir... ist das Ideelle nichts andres als das im Menschenkopf umgesetzte und übersetzte Materielle." (Marx/Engels, Ausgewählte Schriften, alb. Ausgabe, Bd. I, S. 428.)
Die Theorie der "Psychoanalyse", die im wesentlichen idealistisch ist, beschränkt sich nicht auf das Studium und das Verständnis der psychischen Phänomene, sondern dringt auch bis zur falschen Erklärung verschiedener sozialer Phänomene vor. Mit diesen Erklärungen dient sie der kapitalistischen Ordnung dafür, die hässlichsten Erscheinungen der kapitalistischen Gesellschaft zu rechtfertigen. Nach den Neofreudianern, liegen die Ursachen der menschlichen Tragödien, der sozialen Ungerechtigkeiten, der Kämpfe, der Ausbeutung, der Unmoral in den kapitalistischen Ländern in der biologischen Natur des Menschen, in der Unterdrückung der biologischen Neigungen, in den Erregungen und emotionalen Zuständen. So wird beispielsweise der Krieg als ein der Natur des Menschen, dem Aggressions- und Zerstörungstrieb entstammendes Phänomen betrachtet. Diese Ansicht dient der Rechtfertigung imperialistischer Aggressionen und Eroberungen.
"Mit der Veränderung der politischen Situation haben auch die verschiedenen Strömungen des Neofreudismus, die gegenwärtig von Ideologen wie Fromm, Sullivan, Horny und anderen vertreten werden, ihr Äusseres geändert. Die Neofreudianer bemühen sich heutet den Geist der "Ruhe", des Kompromisses und der "Befriedung" zu verabsolutieren und neue Methoden zu finden, um der aggressiven und ausbeuterischen Natur des Imperialismus besser zu dienen. Die Theorie des "humanen Sozialismus", des "demokratischen Sozialismus" wird heute auf breiter Basis propagiert. Mit dieser Theorie wird die Rolle der materiellen Faktoren bei der tatsächlichen Umgestaltung der Gesellschaft geleugnet und die Psychoanalyse in den Vordergrund geschoben. Fromm behauptet, nur die Psychoanalytiker könnten die Gesellschaft heilen und zum Sozialismus führen. Er nennt daher deren psychische Analyse "Diagnose" der "Krankheit der westlichen Länder". Diese Theorie ist in Wirklichkeit keine Diagnose, sondern ein Produkt des Kapitalismus und seiner Ideologie. Wenn er die kapitalistische Gesellschaftsordnung für "krank" erklärt, sieht er dabei den einzigen Ausweg in der Schaffung einer psychisch gesunden Gesellschaft, deren Ideal der "Sozialismus" zum Ausdruck bringt. Als Mittel zur Verwirklichung dieses Ideals wird die Veränderung der Psyche der die Gesellschaft bildenden Individuen hingestellt.
Der Neofreudismus ist nicht imstande das Proletariat, das die revolutionärste Kraft darstellt und Träger des sozialen Fortschritts ist, sowie seine marxistisch-leninistische Partei zu erkennen. Die utopischen Darstellungen des Neofreudismus, mit ihrem alten Inhalt, wenn auch in neuer Form, kann man klar sehen, nicht nur wenn ein Problem psychologisch behandelt wird, sondern auch wenn versucht wird, es vom soziologischen Standpunkt aus zu lösen. Nach Fromm wandelt sich die kapitalistische Gesellschaft friedlich um. Die Verbreitung solcher Ideen, unter Leugnung der Notwendigkeit der revolutionären Veränderung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse in sozialistische, des Privateigentums an den Produktionsmitteln in sozialistisches Eigentum ist ein typisches Beispiel der Verteidigung des Kapitalismus. Diese Propaganda zielt darauf ab, die Illusion zu schaffen, dass die heutige kapitalistische Gesellschaft in ein Entwicklungsstadium eingetreten ist, in dem es nicht mehr wichtig ist, wem die Produktionsmittel gehören. Nicht die Form des Eigentums bestimme den Charakter der Gesellschaftsordnung, sondern die Tatsache von wem und wie diese Mittel geleitet werden und wie die Produktion organisiert wird. Ohne eine klare Vorstellung von den Triebkräften und den Gesetzen der Umwandlung des Kapitalismus in Sozialismus, baut Fromm also auf diese Weise eine falsche und zutiefst reaktionäre Theorie über die sozialen Veränderungen auf. Unter den heutigen Bedingungen der Verschärfung des Klassenkampfes, spielt nun diese Theorie, zusammen mit anderen bürgerlich-revisionistischen Theorien eine rückschrittliche Rolle. Sie erklärt auch die Wege des Übergangs zum Sozialismus falsch und stellt sich der marxistisch-leninistischen Theorie in dieser Frage völlig entgegen. Die Tatsachen beweisen, dass der einzige Weg zur Erlösung der Menschheit von kapitalistischer Unterdrückung und Ausbeutung die gewaltsame Revolution ist, der Umsturz der alten Produktionsverhältnisse und die Errichtung von sozialistischen Produktionsverhältnissen an ihrer Stelle. Unter den heutigen Bedingungen, propagieren die Neofreudianer die Ansicht, die Plagen des Kapitalismus könnten durch psychische Vervollkommnung beseitigt werden. Sie versuchen zugleich die brennenden sozialen Fragen durch psychologische Fragen zu ersetzen. Sie behaupten, heute müsse "die Innenwelt des Menschen" studiert werden und messen den psychologischen Einwirkungen auf die werktätigen Massen besonders auf die Jugend, grosse Bedeutung bei. Diese Einwirkung wollen sie durch die Anregung einiger pessimistischer, irrationalistischer Tendenzen erreichen, wobei die negativen Erscheinungen der bürgerlichen Gesellschaft durch die finsteren Kräfte des Bewusst-seins erklärt werden. In den kapitalistischen Ländern wurde die psychologische Bearbeitung der Menschen zu einem Kult erhaben. Die Bourgeoisie bemüht sich, ihr Leben zu verlängern. Sie gibt zu diesem Zweck kolossale Summen zur Verbesserung der "Verhältnisse zwischen den Menschen" aus. Sie lässt hunderte psychologische Forschungsinstitute errichten, die allerlei Methoden ausarbeiten, um im Dienste der Monopole eine Stimmung der Resignation und des Klassenfriedens" zu schaffen. Die neofreudistischen Soziologen ziehen Schlussfolgerungen im Dienste der Monopolbourgeoisie: der Kapitalismus habe sich verändert, er sei fortschrittlich geworden, er sei nicht kriegstreiberisch und und unterdrücke die Völker nicht. Sie behaupten, durch die Regelung der Verhältnisse zwischen Betriebsleitung und Arbeiterschaft könnten die Wunden des Kapitalismus geheilt werden, es werde weder Streiks noch Arbeitslosigkeit mehr geben. In den Vereinigten Staaten von Amerika wird daher die Ansicht propagiert dass jeder Betriebsleiter in erster Linie den Markt gut kennen müsse und dass die Kenntnis der psychologischen Verhältnisse und die Fähigkeit, "mit den Menschen gut umzugehen", an zweiter Stelle stehe. Es ist jedoch unmöglich die Wunden der kapitalistischen Gesellschaft zu heilen, nur indem die "Verhältnisse zwischen den Menschen" im Rahmen des Kapitalismus geregelt werden. Das Proletariat, so lehrt der Marxismus-Leninismus, wird von der Unterdrückung und den anderen Übeln, die Weggefährten der bürgerlichen Gesellschaftsordnung sind, nur dann befreit, wenn die kapitalistischen Produktionsverhältnisse umgestürzt werden. Nach der marxistisch-leninistischen Theorie, sind die psychologischen Verhältnisse zwischen den Menschen Ausdruck der Wirtschaftsverhältnisse. Die Psyche der Menschen, ihre Gefühle, die geistigen Beziehungen von Mensch zu Mensch, sowie die zwischen dem Individuum und der Gesellschaft, den Kadern und den Massen sind wichtig und müssen richtig eingeschätzt werden. Ihre Manipulierung kann aber unter keinen Umständen zur Grundlage der Umwandlung der kapitalistischen Ordnung werden. Die ideologischen und psychologischen Verhältnisse der Menschen bauen auf den wirtschaftlichen Verhältnissen auf. Die Verabsolutierung der psychischen Verbindungen zwischen den Menschen durch die Neofreudianer – die diese Verbindungen als Mittel für die kapitalistische Ordnung betrachten- hat mit dem unerlässlichen Erfordernis, die Entwicklung der Gefühle, der Innenwelt der Menschen kennenzulernen und darauf einzuwirken, nichts zu tun. "... Die jedesmalige ökonomische Struktur der Gesellschaft (bildet) die reale Grundlage, aus der der gesamte Überbau der rechtlichen und politischen Einrichtungen sowie der religiösen, philosophischen und sonstigen Vorstellungsweise eines jeden geschichtlichen Zeitabschnittes in letzter Instanz zu erklären sind." (Marx-Engels, Werke, russische Ausgabe, Band XX, S. 26).
Der Einfluss der Neofreudianer in den kapitalistischen Ländern bremst die Durchführung der proletarischen Revolutionen, während er in den sozialistischen Ländern eine reale Basis bildet, die zur Restauration des Kapitalismus führen kann. Besonders empfindlich sind ihnen gegenüber die Jugend, die Intellektuellen vor allem im Bereich der Künste, der Literatur, der Dramatik, der Musik usw. Eben deshalb ermutigt die Monopolbourgeoisie diese Theorie mit allen Mitteln, denn sie will die Massen, besonders die Jugend, von der Revolution ablenken. Ihr Ziel ist es, die Jugend irrezuführen und in Passivität und politische Gleichgültigkeit zu treiben, ja sie auf Abwege zu führen damit sie auf den Stand unbewusster Handlungen gelangt.
Genosse Enver Hoxha sagte auf dem VI. Parteitag der PAA: "Die bürgerlichen und revisionistischen Ideologen bemühen sich die Jugend und die Massen davon zu überzeugen, dass es keinen Sinn habe dafür zu kämpfen, einen Ausweg aus den tiefen Widersprüchen zu finden, die ihre Gesellschaftsordnung im inneren zerfressen. Die einzige Alternative, die sie vorschlagen, ist das Versinken in Pessimismus und Korruption. Hier liegt die Quelle des skrupellosen Antreibens zum Alkoholismus, Narkotismus, Sexualismus und vielen niedrigen und tierischen Instinkten, mit katastrophalen gesellschaftlichen Folgen, die in der kapitalistischen und revisionistischen Welt Mode geworden sind." (E. Hoxha, Bericht an den VI. Parteitag der PAA, alb. Ausgabe, 1971, S. 145.).
Der Neofreudismus übt einen grossen Einfluss auf einige "Linksbewegungen" von liberal-anarchistischem Charakter aus. Eine dieser weitverbreiteten Bewegungen in der entarteten kapitalistischen Welt ist die der Hippies, die von den bürgerlichen Ideologen "Blumen des Lebens" genannt werden. Hippies - das sind Jugendliche, die nicht arbeiten und sich gruppenweise herumtreiben von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf wandern, barfuss, unrasiert, unfrisiert, meist mit unansehnlicher Kleidung und ein ausschweifendes Schmarotzerleben führen. Die Hippies werden von den neofreudistischen Strömungen als "Muster der zukünftigen Gesellschaft" geschildert. Die zukünftige Gesellschaft ist für sie entweder ein Stocken oder ein Comeback, also Verewigung des Privateigentums. Die Frage der Hippies ist dennoch eine politische Angelegenheit. Um die Jugend zu verwirren, um sie daran zu hindern, den richtigen Rettungsweg zu finden predigt die bürgerliche und die revisionistische Ideologie den friedlichen "Widerstand" der Jugend_gegen_die Ungerechtigkeiten der Gesellschaft. Lange Haare, Backenbart, lange Bärte, Wuschelköpfe, sind das Symbol dieses Widerstandes auf nicht revolutionärem Weg, wobei die Illusion geschaffen werden soll, man könne das Ziel durch friedliche Methoden erreichen. Wenn auch manche nur der "Mode" zuliebe mit langen Bärten und Wuschelköpfen herumlaufen, nur um "modern" zu sein, sind diese modernen Erscheinungen nur Zeichen des Primitivismus, des sozialen Pessimismus und der politischen Apathie.
Die heutigen irrationalen Strömungen rechtfertigen den extremen Individualismus. Sie stellen die Gesellschaft als einen Wald dar, in dem die Bäume nebeneinander wachsen ohne jede Verbindung untereinander. Von diesem Bild ausgehend, behaupten sie, auch in der Gesellschaft werde jeder Mensch einmal geboren, besitze seine Individualität, seine eigenen Ziele, lebe für sich und sterbe in Einsamkeit. Für sie ist die "Gesellschaft" ein hohler Begriff und gibt es zwischen den Menschen nichts gemeinsames. Man müsse, so sagen sie, die Menschen nach ihrem Wunsch leben lassen, es sei nicht notwendig ihnen allerlei Ideen einzutrichtern, denn man könne ihre Natur sowieso nicht verändern. Sie behaupten, der Mensch fühle sich in der Gesellschaft verlassen, er wisse, dass ihm die Gesellschaft nur Leiden bringe, denn sie hindere, die Erfüllung seiner Triebe, erdrossele seine Gefühle. Daher betrachten die bürgerlichen Ideologen den Individualismus, als Kern der menschlichen Natur, als Hauptgrundsatz der wechselseitigen Beziehungen zwischen den Menschen. Sie rechtfertigen ihren Individualismus mit der Behauptung, sie nehmen damit das Individuum gegen das Kollektiv in "Schutz", denn sollte das Individuum einmal ins Kollektiv kommen sei es mit ihm aus. Das "Ich" stehe über allem und werde zum "Nichts" wenn es ins Ganze einbezogen werde. Das ist ein Aufruf, sich in sich selbst einzukapseln, damit ein jeder für sich lebe, nur seinem "Ich" zuliebe. Dass diese Auffassungen irrational sind, ist klar. Der Marxismus lehrt, dass der Mensch nie von der Gesellschaft losgetrennt betrachtet werden darf. Er lebt als Bestandteil der Gesellschaft, des Kollektivs. Um das Individuum zu verstehen, muss man zunächst die gegebene Gesellschaft verstehen. Mit ihren Handlungen wirken die Menschen auf die Natur und auf die Gesellschaft ein. Sie sind dabei nicht isoliert, sondern treten in bestimmte Verhältnisse zu einander - wirtschaftliche, ideologische, moralische und andere Verhältnisse. Gerade in diesem natürlichen Prozess des Zusammenwirkens entwickelt sich auch die Persönlichkeit des Menschen. Die Neufreudianer wollen mit ihren Theorien, mit der Losung von der "absoluten Freiheit" des Individuums den bürgerlichen Liberalismus rechtfertigen. Sie verstehen die Freiheit einseitig und metaphysisch. Sie behaupten, der Mensch sei von der Gesellschaft unabhängig und habe das Recht, alles zu tun, was er wolle. Sie sagen, im Kapitalismus werde dem Menschen die Möglichkeit zur Entwicklung seiner Persönlichkeit geschaffen. Nur der Kapitalismus schaffe die Bedingungen für eine vollkommene Freiheit für alle. Diese Freiheit aber, die von den bürgerlichen Ideologen propagiert wird, ist ein Betrug und in Wahrheit eine Einschränkung der Persönlichkeit. Der Marxismus-Leninismus lehrt, dass es keine reine Demokratie gibt. Sie wird immer einen Klassencharakter besitzen und in jeder Gesellschaftsordnung wird sie von dem Charakter der Produktionsverhältnisse und von der politischen Ordnung bestimmt. In den kapitalistischen Ländern werden die Freiheiten "für alle" nur proklamiert, jedoch nicht garantiert. Dort gibt es tiefgehende Widersprüche zwischen der Ausrufung der Rechte und deren konkreten Durchführung. Anderseits bedeutet Freiheit nicht Verrottung, zügelloser Liberalismus oder vollständige Unabhängigkeit von den Gesetzen der gesellschaftlichen Entwicklung. Im Gegenteil, Freiheit bedeutet, in der Lage zu sein, diese Gesetze und die Grundlage ihres Wirkens kennenzulernen. Die Bourgeoisie propagiert die „absolute Freiheit“, um die Massen und besonders die Jugend zu desorganisieren, um den Eindruck zu erwecken, alle seien gleich und es bestehe keine Ursache, die bestehende Ordnung umzustürzen. Im Namen der "Freiheit" wurden auch die revisionistisch beherrschten Länder zu einem Tummelplatz der bürgerlichen Ideologie. Entartete Musik, Literatur und Filme, Jazz, Rauschgiftsucht, Rowdytum sind dort Mode geworden. Die Revisionisten ermutigen die Jugend, sich zu "unterhalten", den "Freuden" zu frönen, denn die Jugend liebe das "Neue", das "Moderne", die "Demokratie und Freiheit". Das ist der Grund, weshalb viele jungen Leute in der Sowjetunion und in anderen Ländern, in denen die Revisionisten am Ruder sind, pornographische Klubs besuchen usw. Dieser zügellose Liberalismus hängt mit der Restaurierung des Kapitalismus, mit der politischen und ideologischen Degeneration in diesen Ländern eng zusammen. In den kapitalistischen Ländern gehören Mord, Raub, Verrat, Vergewaltigung und Perversion, Diebstahl und ähnliches zum Alltag. Hier einige Tatsachen. In England erreichte die Zahl der eingetragenen Verbrechen in der ersten Hälfte des Jahres 1972 181.889. Alle vier Minuten versucht in der kapitalistischen Welt ein Mensch Selbstmord zu begehen, während alle vierzig Minuten Selbstmord begangen wird. Die Kriminalität ist auch in der Sowjetunion und in den anderen revisionistischen Ländern verbreitet. Alkoholismus ist dort bereits zu einer gesellschaftlichen Krankheit geworden, bzw. zur Ursache von Rowdytum und Affekthandlungen. Die Drogensucht verbreitet sich in diesen Ländern immer mehr. In der Tschechoslowakei, die einst zu den Ländern gehörte, in denen am wenigsten Verbrechen zu registrieren waren, wurden im Jahr 1971 über 22.000 verschiedene Straftaten begangen. Erscheinungen dieser Natur kennzeichnen die kapitalistischen und revisionistischen Länder im allgemeinen. Der Neofreudismus, der in der Eigenschaft des Verfechters der bürgerlichen Ordnung aufritt, versucht, diese Erscheinungen theoretisch zu begründen. Nach dieser Theorie, ist der Mensch von Natur aus aggressiv und unmoralisch. Das Verbrechen ist eine Auswirkung der inneren Triebe des Menschen und daher unvermeidlich. Diese Phänomene sind aber nichts anderes als ein Produkt des Privateigentums an den Produktionsmitteln, der kapitalistischen Produktionsverhältnisse, Erscheinungen der in antagonistische Klassen eingeteilten Gesellschaft, die unter den heutigen Bedingungen jeden Tag mehr von der bürgerlich-revisionistischen Ideologie genährt werden. Die Entlarvung und die Misserfolge der Ideen Freuds durch die Verbreitung des Marxismus-Leninismus und die Entwicklung der verschiedenen Wissenschaften, nötigte seine Nachbeter die "Theorie der Psychoanalyse" in einigen besonderen Aspekten zu überprüfen, jedoch ohne ihr Wesen anzutasten. Eine Besonderheit der neofreudistischen Theorien ist eben der Versuch einiger ihrer Vertreter, den Freudismus mit dem Marxismus zu "synthetisieren", wobei dieser abstrakt dargelegt wird. Die Neofreudianer spekulieren mit der Philosophie von Marx und bemühen sich, die Freudsche Theorie zu reformieren. Fromm versucht, die Frage des Verhältnisses zwischen Mensch und Gesellschaft zu lösen. Er beruft sich dabei gleichzeitig auf Marx und auf Freud, da sich diese angeblich "gegenseitig ergänzen" und zur Lösung obiger Frage beitragen.
Wie die Neofreudianer behaupten hatte Freud eine "allzu naive Vorstellung von der Gesellschaft und die meisten Schlussfolgerungen seiner Psychologie über soziale Fragen, waren falsch". Fromm betont zugleich, dass auch der Marxismus durch "die von Freud geschaffene Psychologie ergänzt werden" müsse. Diese Versuche, zwei miteinander sowohl ihrem Inhalt als auch ihrer Ziele nach unvereinbare Theorien zu vereinigen, sind ein Beweis der eklektischen Position des Neofreudismus. Das Ziel der Vertreter dieser Theorie ist es, eine angeblich neue Strömung zu schaffen, die über den zwei früheren Theorien steht und allen dient, indem sie von beiden etwas annimmt. Die vom Neofreudismus angewandte Konvergenz dient als trojanisches Pferd, um die Burg von innen her zu nehmen, um die Wachsamkeit der Marxisten gegenüber der neofreudistischen Theorie abzustumpfen und den unerbittlichen ideologischen Klassenkampf, der zwischen dem Marxismus-Leninismus und dem Neofreudismus ausgetragen wird, für überholt zu erklären.
Die heutige Monopolbourgeoisie misst der Propagierung des Neofreudismus grosse Bedeutung bei. Diese Theorie ergriff nicht nur von einem weiten Kreis bürgerlicher Ideologen, sondern auch von Schriftstellern, Künstlern und Wissenschaftlern Besitz. Sie drang nicht nur in den Bereich der psychologischen Studien ein, sondern auch in den der Kultur, der Literatur, des Films, des Fernsehens usw. Um die Einschätzung dieser Theorie durch die Bourgeoisie begreiflich zu machen, sei darauf hingewiesen, dass der Name Freuds, des Begründers dieser Theorie, in der heutigen bürgerlichen Fachliteratur, was den Einfluss seiner Ideen im Bewusstsein der Menschen Betrifft, mit den Namen von bekannten Wissenschaftlern verglichen wird, wie Kopernikus, Darwin und Einstein. Die Theoretiker des Neofreudismus behaupten, nur die Religion habe solch grosse Massen von Menschen in ihren Einflussbereich einbezogen, wie diese Theorie. Der Neofreudismus ist weit verbreitet, dass man kaum einen Bereich im Leben der Bourgeoisie finden kann, in dem er nicht seinen Einfluss ausübt. Viele Kongresse und Konferenzen wurden in den letzten Jahren über die Theorie der Psychoanalyse abgehalten, und zwar nicht nur in den USA, sondern auch in Frankreich, Kanada, Lateinamerika usw. Unter diesen Bedingungen gewinnt die Kritik an den neofreudistischen Ansichten für alle aufrechten Marxisten-Leninisten besonders grosse Bedeutung, einerseits um die Stellungen des Marxismus-Leninismus, seine Prinzipien und Grundsätze zu verteidigen und andrerseits um vor der Arbeiterklasse die falschen Ansichten zu entlarven und zu widerlegen, mit denen alle linken liberal-anarchistischen Bewegungen versuchen, die Hirne der Menschen zu vergiften.