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Antworten auf Leserfragen

Unser Lohnsystem

Neues Albanien Nr. 5 – 1973

Qimo Kocani – Vorsitzender des Komitees für Arbeit und Lohn



Die Prinzipien und Kritiken, die der Arbeitsorganisation und -entlohnung zu Grunde liegen, wurden aus der Wirtschaftspolitik der Partei der Arbeit Albaniens gewonnen, aus dem gesellschaftlichen Eigentum, aus der Stellung und Rolle, die die Arbeiterklasse als die hauptsächliche Produktivkraft sowie als führende politische und gesellschaftliche Kraft des Landes einnimmt.

Die Arbeit ist die Grundlage unserer wirtschaftlich-gesellschaftlichen Ordnung. Deshalb ist auch das Grundprinzip dieser Ordnung die Entlohnung eines jeden Mitglieds der Gesellschaft nach der Menge und Qualität der von ihm geleisteten Arbeit.

Das Hauptziel ist, die Arbeitsproduktivität ununterbrochen zu steigern, den Wohlstand der Massen zu erhöhen, bei den Werktätigen Interesse für ihre technisch-berufliche Weiterbildung zu wecken und das Arbeitsbewusstsein eines jeden zu stählen.

Um das Prinzip der Entlohnung nach der Menge und Qualität der geleisteten Arbeit in die Tat umzusetzen,, wurde bei uns ein bestimmtes Lohnsystem ausgearbeitet. Dieses System ist für das ganze Land einheitlich, zentralisiert und für alle obligatorisch.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – das ist ein weiteres wichtiges Prinzip des Lohnsystems in unserem Land. Darin spiegelt sich nicht nur eine Forderung der sozialistischen Gerechtigkeit wider, sondern damit wird auch jede Diskriminierung von Geschlecht, Rasse, Alter usw. beseitigt. Dieses Prinzip ist die Garantie der wirtschaftlichen Gleichstellung der albanischen Frau und mit ein wichtiger Erfolg im Kampf für ihre vollständige Emanzipation.

Die Löhne sind in unserem Land vom Staat garantiert. Die Höhe des Lohnes wird bei uns vom Wirtschaftspotential des Staates bedingt, vom Wert des Sozialproduktes, von der Arbeitsrentabilität und vom Verhältnis zwischen dem sozialistischen Akkumulationsfonds und der gesellschaftlichen und persönlichen Konsumtion. Bei der Bestimmung der Lohnhöhe erstrebt man stets ein möglichst geringes Gefälle zwischen den Einnahmen der Werktätigen der Staädte und der Dörfer. Dabei wird auch das technisch-berufliche Niveau der Werktätigen berücksichtigt.

Unser Lohnsystem richtet sich nach bestimmten Proportionen der Arbeitsentlohnung in den verschiedenen Wirtschaftszweigen und nach den verschiedenen Gruppen der Werktätigen. So wird zum Beispiel schwere Arbeit höher bezahlt als leichte Arbeit. Auch für Arbeit, die unter schwierigen Bedingungen geleistet wird, ist ein höherer Lohn vorgesehen, als für die Arbeit unter normalen Bedingungen, ebenso für die Arbeit, die einen höheren Qualifikationsgrad erfordert, im Vergleich zu einfachen oder weniger qualifizierten Arbeiten. Ebenso wird für die Arbeit in den wichtigsten Zweigen und Sparten der Wirtschaft mehr bezahlt als für die Arbeit in anderen Wirtschaftssektoren.

Eine konkrete Lohnpolitik wird vor allem den Erfordernissen der Entlohnung entsprechend der Qualität und Menge der geleisteten Arbeit gerecht. Zugleich aber darf man dabei nicht in Gleichmacherei, in eine Gleichschaltung der Löhne verfallen. Allerdings werden auch keine großen Lohngefälle zugelassen, durch die größere Unterschiede im Lebensniveau der Werktätigen entstehen könnten. Das ist deshalb sehr wichtig, weil auf diese Weise verhindert wird, dass aus den Reihen der Werktätigen sich privilegierte, gesellschaftliche Schichten bilden, zum Beispiel eine Arbeiteraristokratie oder eine neue Bürokratie, wie es die bittere Erfahrung einiger anderer Länder gezeigt hat. Solch eine von den Massen abgekapselte Bürokratie wird zur sozialen Stütze des Revisionismus, dessen Ziel die Entartung der sozialistischen Ordnung und die Wiederherstellung des Kapitalismus ist.

Im Zuge der Maßnahmen für die Revolutionierung des gesamten Lebens des Landes wurden bei uns die hohen Löhne herabgesetzt und die niedrigen Löhne erhöht, ferner wurden die Lohnsteuern abgeschafft und auch noch viele weitere Maßnahmen zur Verbesserung des Lohnsystems.

Auf diese Weise konnten richtige Lohnverhältnisse hergestellt werden. So beträgt z.B. Das Verhältnis zwischen dem Lohn eines einfachen Arbeiters der Metallindustrie und dem eines qualifizierten Arbeiters 1: 1,7. Das Gehalt eines Ingenieurs ist höchstens um 20% höher als das eines qualifizierten Arbeiters. Der Direktor eines Betriebes der metallverarbeitenden Industrie kann höchsten 50% mehr verdienen als ein qualifizierter Arbeiter.

Der Direktor eines Bergwerkes verdient höchstens 20% mehr als ein qualifizierter Bergarbeiter, während ein stellvertretender Minister nur 30-50% mehr verdienen kann. Ähnliche Verhältnisse wurden auch für die Entlohnung der Werktätigen bzw. Der Betriebsleiter in anderen Zweigen der Wirtschaft, der Kultur und der Verwaltung festgesetzt.

Bei uns werden bei der Festsetzung der Löhne und Gehälter verschiedene Kriterien angewendet. Vor allem aber werden die Lohngruppen nach dem Arbeitsplatz unter Berücksichtigung der Arbeitsverfahren bestimmt. Auf diese Weise wird man vor allem dem Prinzip der Entlohnung nach Menge und Qualität der geleisteten Arbeit gerecht. Wenn ein Arbeiter während des Arbeitstages mehrere Arbeitskategorien leisten muss, so wird er nach der Arbeitsgruppe entlohnt, in die er sich durch seine Ausbildung eingestuft hat. Wenn die für die Herstellung eines Erzeugnisses benötigte Zeit normiert werden kann bzw., die Produktionsmenge für die Zeiteinheit bestimmt werden kann, werden die Arbeiter nach Stückzahl bezahlt. Für die Arbeitsplätze, an denen diese Möglichkeit der Lohnerrechnung nicht besteht, wird der Zeitlohn angewandt.

Außer dem Grundlohn gibt es für bestimmte Lohngruppen auch Zuschläge für Dienstalter, Arbeitschwierigkeiten usw., wie beispielsweise für die Werktätigen, die unter Tage arbeiten, für Erdölarbeiter, Lehrer, medizinisches Personal, die Werktätigen des Fernmeldewesens u.a.m.

Im Verhältnis zum jährlichen Lohnfonds schafft jeder Betrieb einen Sonderfonds von dem 60% für Prämien für Bestarbeiter bestimmt sind, sowie für Hilfe an Arbeiter in besonderen Fällen wie bei einem Familienunglück usw.

Außer den Einnahmen für die geleistete Arbeit kommen die Werktätigen unseres Landes auch in den Genuss anderer Vergünstigungen und Rechte. So haben sie das Recht auf jährlich bezahlten Urlaub von 12-24 Arbeitstagen. Diejenigen, die sich ohne Unterbrechung ihrer beruflichen Tätigkeit weiterbilden wollen, bekommen 7-21 Tage bezahlten Bildungsurlaub während der Prüfung. Ebenso haben sie das Recht, jeden Tag ohne Lohnabzug eine Stunde weniger zu arbeiten. Diese Begünstigung gilt für die ganze Ausbildungs-- bzw Studienzeit. Ferner erhalten die Werktätigen den vollen Lohn fortgezahlt, wenn sie sich mit gesetzlich vorgesehenen, gesellschaftlichen oder staatlichen Verpflichtungen befassen. Gesetzlich verankert sind Schulgeldfreiheit und kostenlose ärztliche Hilfe. Je nach Wunsch können die Werktätigen in Betriebskantinen essen, wo sie nur den Nettopreis der Gerichte bezahlen. Jeder Werktätige ist versichert bei Krankheit, Arbeitsunfällen, Invalidität, Alter usw. Den Werktätigen wird nichts für die Sozialversicherung vom Lohn abgezogen. Betriebe und andere Einrichtungen zahlen in die staatliche Krankenkasse einen bestimmten Prozentsatz des jeweiligen Lohnfonds. Außerdem können die Werktätigen ihre Ferien in Erholungsheimen verbringen, wo sie nur 25-40% der Kosten bezahlen.

Bei uns wird in erster Linie die Erhöhung des Reallohns angestrebt. Dies erfolgt vor allem durch Preissenkungen. Noch nie wurden bei uns Preise für Nahrungsmittel erhöht, deren Produktion von der Ernte bzw von den Witterungsverhältnissen abhängt. Die Preise sind im Gegenteil stets stabil oder werden gesenkt. Von 1950 bis 1969 fanden 14 Preissenkungen für Konsumwaren, Medikamente, Dienstleistungen usw statt.