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Das Verhältnis Kader-Massen und der Kampf

gegen den Bürokratismus

von

Agim Popa

Aus: “Albanien heute” Nr. 5 / 1976 , Seite 13 – 17)



Ein korrektes Verhältnis zwischen Kadern und Massen ist eine unerlässliche Voraussetzung dafür, dass sich die sozialistische Demokratie allseitig entwickelt, dass die Massen unmittelbar, wirksam und umfangreich am Regieren des Landes teilnehmen, dass die Diktatur des Proletariats und die sozialistische Ordnung im Allgemeinen ununterbrochen bewahrt und gefestigt werden und dass ihre bürgerlich-revisionistische Entartung verhindert wird.

Die historische Erfahrung der Diktatur des Proletariats, die positive wie negative, hat gezeigt, dass die Frage der Kader, die Ausbildung der Kader, ihre Revolutionierung und die Herstellung von korrekten Beziehungen zwischen ihnen und den werktätigen Massen eine der wichtigsten Fragen im Sozialismus ist.

Die Revolution ununterbrochen voranzutreiben und die sozialistische Gesellschaft aufzubauen, das erfordert unbedingt, eine große Zahl tüchtiger, revolutionärer, den Marxismus-Leninismus, den Idealen des Sozialismus und den Interessen der Arbeiterklasse und des Volkes treuer Kader auszubilden. Dass eine ganze Armee solcher Kader auf allen Gebieten der sozialistischen Entwicklung geschaffen werden konnte, stellt einen wichtigen Sieg unserer Partei dar.

Die Kader“, sagt Enver Hoxha, „bilden einen großen Schatz der Partei und des Volkes. Sie tragen auf ihren Schultern eine schwere Last und lösten und lösen erfolgreich große Probleme des sozialistischen Aufbaus und der Verteidigung des Vaterlandes“ (Enver Hoxha, Rede auf dem 4. Plenum des ZK der PAA, 26. Juni 1973).

Während die Existenz von ideologisch und politisch reinen, revolutionären und mit den Massen eng verbundenen Kadern eine sichere Gewähr für die Sache des Sozialismus ist, stellt die Schwächung des revolutionären Geistes der Kader, ihre Entartung, die Verzerrung des Verhältnisses Kader-Massen hingegen eine ernste Gefahr für die sozialistische Ordnung dar. In Theorie und Praxis hat sich bereits bestätigt:

Ohne korrekte Beziehungen zwischen Kadern und Massen herzustellen, kann von wirklich sozialistischen Produktionsverhältnissen keine Rede sein; außerdem besteht die Gefahr, dass die Produktuionsverhältnisse allmählich zu Verhältnissen der Ausbeutung und Unterdrückung der Werktätigen durch die leitenden Kader entarten. Ein korrektes Verhältnis zwischen Kadern und Massen ist ebenfalls eine unerlässliche Voraussetzung dafür. Dass sich die sozialistische Demokratie allseitig entwickelt, dass die Massen unmittelbar, wirksam und umfangreich am Regieren des Landes teilnehmen, dass die Diktatur des Proletariats und die sozialistische Ordnung im Allgemeinen ununterbrochen bewahrt und gefestigt werden und dass ihre bürgerlich-revisionistische Entartung verhindert wird.

Karl Marx und Friedrich Engels verallgemeinerten die Lehren der Pariser Kommune und hoben hervor:

dass diese Arbeiterklasse, um nicht ihrer eigenen, erst eben eroberten Herrschaft wieder verlustig zu gehen, einerseits alle die alte, bisher gegen sie selbst ausgenutzte Unterdrückungsmaschinerie beseitigen, andererseits aber sich sichern müssen gegen ihre eigenen Abgeordneten und Beamten“,

dass sie Maßnahmen ergreifen muss gegen die „Verwandlung des Staates und der Staatsorgane aus Dienern der Gesellschaft in Herren der Geschichte“ (Marx-Engels, Werke, MEW Band 17, Seite 623 und 624).

Die Gefahr , vor der Marx und Engels warnten, trat in der Sowjetunion ein, wo die Diktatur des Proletariats nach Stalins Tod unter anderem auch deswegen zu einer konterrevolutionären Diktatur entartete, weil dort, wie Genosse Enver Hoxha betont, allmählich “eine aus verbürokratisierten, privilegierten, vom Volk und seinem Leben abgekapselten Kadern bestehende Arbeiteraristokratie entstanden war, die kein Klassen- und Klassenkampfdenken besaßen und von der bürgerlichen Ideologie und der bürgerlichen Lebensweise beseelt waren. Diese Schicht, der hauptsächlich Kader der Partei, des Staates, der Wirtschaft und der Intelligenz angehören, wurde die soziale Basis des Revisionismus. Gerade auf sie stützten sich die Chruschtschow-Revisionisten, als sie in der Sowjetunion die Macht an sich rissen, die Diktatur des Proletariats liquidierten, die Diktatur des Revisionismus errichteten und der Restauration des Kapitalismus den Weg ebneten“ (Enver Hoxha, Bericht auf dem 5. Parteitag der PAA, Seite 84).

Die PAA trug diesen lebenswichtigen Lehren Rechnung und arbeitete unter Verallgemeinerung der über 30 jährigen Erfahrung des sozialistischen Aufbaus in Albanien eine Reihe von wirksamen Maßnahmen aus, um keinerlei Entstellungen im Verhältnis Kader-Massen und keine bürgerlich-revisionistische Entartung der Kader zuzulassen, damit die Kader stets, bis zum Ende ihres Lebens aufrechte Revolutionäre und Diener des Volkes bleiben.

Der Kampf, um diese Maßnahmen in die Tat umzusetzen, wird hauptsächlich in zweierlei Hinsicht geführt:

einerseits durch eine umfangreiche und fortwährende erzieherische Arbeit, um die Kader ideologisch als Revolutionäre zu stählen; andererseits, indem die Kader in solchen auch gesetzlich verankerten materiellen und sozialen Bedingungen leben, dass sie nicht antarten, sondern wie aufrechte proletarische Revolutionäre denken, arbeiten und kämpfen.

Die ideologische Arbeit der Partei, um die Kader revolutionär zu erziehen, soll die Kader im Marxismus-Leninismus, in der revolutionären Weltanschauung der Arbeiterklasse, der herrschenden Ideologie in Albanien, in der Treue zur Partei der Arbeit Albaniens, der Vorhut der Arbeiterklasse und der führenden Kraft im sozialistischen Staat und in der sozialistischen Gesellschaft, in den moralischen Eigenschaften und Tugenden der Arbeiterklasse, der revolutionärsten und leitenden Klasse der sozialistischen Gesellschaft, stählen.

Dies erfordert einen beharrlichen zund ununterbrochenen Kampf gegen jede Erscheinung des Ökonomismus, Technokratismus und bürgerlichen Objektivismus, der politischen Gleichgültigkeit, des Abweichens von der proletarischen Ideologie und Politik, des Liberalismus und Opportunismus gegenüber den Einflüssen der fremden bürgerlichen und revisionistischen Ideologie und gegen jede Tendenz in dieser Richtung. In diesem Kampf werden die Kader im Geiste der klassenmäßigen Prinzipienfestigkeit, des Klassenstandpunktes und der proletarischen Parteilichkeit erzogen, damit sie sich immer und bei allem von der marxistisch-leninistischen Politik der Partei und dem revolutionären Kampfgeist leiten lassen. Die sozialistische Gesellschaft braucht Kader, die nicht nur tüchtige Fachleute dieser oder jener Branche, sondern gleichzeitig politisch und ideologisch gestählte Menschen, aufrechte proletarische Revolutionäre sind.

Unbedingt notwendig ist auch ein konsequenter Kampf gegen jede bürokratische und intellektualistische Vorstellung und Neigung, gegen jede Erscheinung von Hochmut und Subjektivismus, von Überschätzung der geistigen und leitenden Arbeit und von Missachtung der „einfachen“ Arbeit und der in der Produktion Arbeitenden, von Überschätzung eines Dekrets, von Absonderung von den Massen und der lebendigen praktischen Arbeit, gegen jeden geist von Bequemlichkeit, Karrierismus und Anmaßung von Privilegien. Das ist ein Kampf, um die Kadern “in der Schule der Arbeiterklasse“ (Enver Hoxha) zu stählen, damit sie bei der Erfüllung der Aufgaben und der Überwindung der Schwierigkeiten usw. stets Einfachheit, Opfermut, Ausdauer und Kampfgeist an den Tag legen. „Der Sozialismus,“ betont Genosse Enver Hoxha, “braucht keine Bürokraten, die nur an ihr `Genie` an die Technik und an die Macht des dekrets glauben; er braucht Kader, die sich mit den Massen verbinden und mit ihnen leben, die wie die Arbeiterklasse und die Genossenschaftsbauern denken und fühlen“ (Enver Hoxha, Bericht auf dem 6. Parteitag der PAA, dt. Ausgabe, Seite 127).

Es ist ferner notwendig, dass gegen jede Neigung gekämpft wird, die Erziehung der Kader in der Ideologie des Marxismus-Leninismus von ihrer aktiven Teilnahme am praktischen Klassenkampf und an der revolutionären Aktion zusammen mit den Arbeitern und Bauern zu trennen, denn dies verhindert, dass tiefe und feste ideologisch-politische und moralische innere Überzeugungen entstehen.

Schließlich ist es wichtig, dass die Ausbildung und ideologisch-politische Erziehung der Kader nicht losgelöst von der Ausbildung und ideologisch-politischen Erziehung der Arbeiterklasse und der werktätigen Massen erfolgt, weil der Marxismus-Leninismus, die Ideologie der Arbeiterklasse, nicht das Privileg einer Minderheit sein darf, sondern eine starke Waffe in Händen der breiten werktätigen Massen sein muss, die, von seinen Lehren geleitet und unter Führung der Partei, mit ihren Händen und bewusst den Sozialismus und Kommunismus aufbauen..

Die Kader dürfen in unserer sozialistischen Gesellschaft nichts anderes sein als Diener der Arbeiterklasse und des werktätigen Volkes. Damit die Kader im Dienste der Arbeiterklasse und des Volkes stehen, müssen sie stets enge Verbindungen zu den Massen halten, das Denken und die Sorgen der Massen kennenlernen, aufmerksam auf die Stimme der Massen hören, von ihrer großen Erfahrung lernen und den Willen der Massen vertreten. Den Prinzipien des Sozialismus ist eine den werktätigen Massen gegenüber herablassende Haltung, von wem sie auch eingenommen werden mag, fremd. Besonders verwerflich ist, wenn sich die Kader und Angestellten unter Missbrauch ihres Postens überheblich, willkürlich, ungerecht und rachsüchtig verhalten.

Eine der wirksamsten Maßnahmen, um den Bürokratismus der leitenden Kader und ihre Umwandlung aus Dienern des Volkes in Herren über die Werktätigen und das Volk zu verhindern, ist, die Kader doppelt abhängig zu machen und doppelt zu kontrollieren: von oben, durch die Anwendung des proletarischen Zentralismus, und unmittelbar von unten durch die Massen selbst oder die Werktätigenkollektive im Einklang mit den Normen der sozialistischen Demokratie. Das ist lebenswichtig. Die einseitige Abhängigkeit der Kader nur von oben – das war einer der grundlegendsten Mängel in der Sowjetunion – bringt sehr negative Folgen mit sich: bei den Kadern wird Selbstherrlichkeit, Arriganz, Überheblichkeit, herablassende Haltung und Kommando-ton gegenüber den werktätigen Massen gezüchtet. Die einseitige Abhängigkeit führt mit anderen Worten dazu, dass die Kader bürokratisieren.

Die bisherige Erfahrung in Albanien zeigt, dass die praktische Anwendung des Prinzips, die Kader auch unmittelbar von unten, von den werktätigen Massen zu kontrollieren und abhängig zu machen, einige Hauptaspekte enthält.

Dies erfordert vor allem, konsequent die Lehren der Pariser Kommune in die Tat umzusetzen, dass die Arbeiterklasse sich auch gegen einige Abgeordnete und Beamten sichern muss: „indem sie diese alle, ohne Ausnahme für jederzeit absetzbar erklärte“ (Marx, Engels, MEW, Band 17, Seite 623).

Unmittelbar abhängig von unten, von den werktätigen Massen sind und müssen die vom Volke gewählten Vertreter wie auch alle Kader sein, besonders diejenigen, die leitende Posten in der Verwaltung und in den Apparaten innehaben, weil bei ihnen die Gefahr, dass sie verbürokratisieren, am größten ist. Die Partei und Genosse Enver Hoxha haben laufend hervorgehoben, dass es bei der Einschätzung, Ernennung oder Versetzung der Kader unbedingt notwendig ist, zuerst die Meinung der Massen, des jeweiligen Arbeiterkollektivs einzuholen, und das nicht nur formal, nachdem alles bereits beschlossen ist; erst danach dürfen die zuständigen Organe, bei denen sie angestellt werden, beschließen. Genossen Enver Hoxha sagt:

Unabhängig von der Personalliste wählt und bestätigt uns das Volk, darum muss es uns auch absetzen dürfen, wenn wir nicht gut arbeiten... Die Direktion und die Kaderabteilung müssen existieren, die die Kader vorschlagen und ihren Lebenslauf verfassen. Ob sie dann aber bestätigt werden oder nicht, das ist eine Frage, die die Massen eingehend erörtern müssen. Man darf auf keinen Fall etwas beschließen, nur weil der Direktor, das Komitee oder der Minister es so wollen.“

Die Abhängigkeit der Kader von unten, unmittelbar von den Massen, erfordert unbedingt, dass die Kader, die gewählten wie die ernannten, vor den Massen Rechenschaft ablegen und der Kontrolle der Massen unterworfen sind. Trotz der bisher gesammelten positiven Erfahrung steht hier noch ein weites Feld offen, um mannigfaltige und möglichst wirksame Formen für die Rechenschaftslegung der Kader vor den Massen zu finden, wobei ein beharrlicher Kampf gegen den Formalismus in dieser Frage geführt werden muss. In diesem Zusammenhang ist die Lehre von Genossen Enver Hoxha sehr wichtig, dass die Kritik der Massen an den Kadern auf keinen Fall unter dem Vorwand oder mit der falschen begründung verhindert werden darf, das Ansehen der Partei- und Staatskader müsse gewahrt werden. Das Volk weiß ganz genau zwischen der korrekten Linie der Partei und verschiedenen Personen zu unterscheiden, die, in welcher Position auch immer, Fehler begehen und die korrekten Richtlinien der Parrtei und der Volksmacht entstellen. Wenn die Kader für ihre Tätigkeit und ihre Haltung vor den Massen Rechenschaft ablegen, wenn sie sich der Kritik der Massen stellen und vor den Werktätigen Selbstkritik üben, so schadet das nicht dem Ansehen unserer Partei und unseres Staates, sondern erhöht es im Gegenteil noch mehr.

Von besonderer Bedeutung dafür, die Kader von unten abhängig zu machen, ist vor allem, dass eine ständige, wirksame und mannigfaltige Kontrolle durch die werktätigen Massen, in erster Linie der Arbeiterkontrolle, über die Kader, ihre Tätigkeit und ihre Haltung ausgeübt wird. Niemand kann und darf außerhalb einer solchen Kontrolle bleiben. Genosse Enver Hoxha sagt:

Es ist die Pflicht aller Werktätigen, besonders der Arbeiterklasse, sich mutig zu erheben und jede Erscheinung des Bürokratismus streng zu verurteilen, die gesamte Tätigkeit der Staats -, Wirtschafts – und Parteiorgane, der Kommunisten, der Kader und der Angestellten, überall, wo sie arbeiten, ob sie gewählt oder ernannt sind, ihrer Kontrolle zu unterstellen.“

Diese Kontrolle bildet eines der grundlegenden und entscheidenden Mittel, um die Kader und damit die sozialistische Ordnung und den Staat der Diktatur des Proletariats vor der Gefahr der bürgerlich-revisionistischen Entartung zu bewahren.

Das Leben und die Erfahrung haben die Korrektheit der Richtlinien der Partei der Arbeit Albaniens bestätigt, dass die Teilnahme der Kader an der Arbeit direkt in der Produktion, an der Seite der Arbeiterklasse und der Genossenschaftsbauern eine unentbehrliche Voraussetzung ist, damit sie fortwährend revolutioniert werden, eng mit den Massen verbunden sind, in den revolutionären moralischen Eigenschaften und Tugenden der Arbeiter und Bauern gestählt und von der Gefahr des Bürokratismus, Intellektualismus, Karrierismus usw. bewahrt werden.

Einer der wichtigen Mängel, die in der Sowjetunion dazu führten, dass viele Kader vom Bürokratismus, Intellektualismus, Karrierismus und der bürgerlichen Lebensweise befallen wurden und allmählich entarteten, war unter anderem gerade, dass sie von der Arbeit in der Produktion getrennt waren, dass eine starke Teilung der geistigen und leitenden Arbeit von der körperlichen Arbeit als tiefsitzendes Erbe der Ausbeutergesellschaft bestehen blieb.

Die Teilnahme der Kader an der Arbeit direkt in der Produktion ist neben der unmittelbaren Beteiligung der breiten Massen der Werktätigen am Regieren des Landes, an der Entfaltung der Kultur und der wissenschaftlich-technischen Revolution usw. eines der wirksamsten Mittel, um die wesentlichen Unterschiede zwischen geistiger und körperlicher Arbeit zu verringern. In Übereinstimmung mit den Lehren Lenins, dass alle Werktätigen lernen müssen zu regieren, was eine Grundbedingung des Fortschreitens zur kommunistischen Gesellschaft ist, soll in dieser Frage weiter der Weg begangen werden, die leitende Arbeit mit der Arbeit in der Produktion zu verbinden und abzuwechseln, damit die Kader gleichzeitig Leiter der Werktätigen sind, damit sie stets mit den Massen der Arbeiter und bauern leiten, arbeiten und leben.

In der sozialistischen Gesellschaft gehört die Macht nicht einer ausbeutenden Minderheit, sondern dem werktätigen Volk, mit der Arbeiterklasse an der Spitze und unter der ungeteilten Führung der proletarischen Partei. Die wirksame und unmittelbare Teilnahme der breiten werktätigen Massen am Regieren des Landes stellt, wie der 6. Parteitag der PAA betonte, die hauptsächliche Entwicklungsrichtung der sozialistischen Demokratie in Aktion in der gegenwärtigen Etappe in unserem Land dar.

Um dieses Prinzip in die Tat umzusetzen, müssen möglichst viele Werktätige der Reihe nach zur leitenden Arbeit herangezogen werden und lernen, das Land zu regieren. Ein praktischer Weg dazu ist die Kaderrotation von leitenden Posten und der Verwaltung in der Produktion. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist, dass die Rotation eines der wirksamsten Mittel darstellt, um Kader und Massen eng miteinander zu verbinden und sie zu revolutionieren. Dies wird klar durch die positive Erfahrung der sozialistischen Entwicklung in Albanien, wie durch die negative Erfahrung der Sowjetunion und einiger anderer Länder bestätigt, wo die fehlende Kaderrotation eine Ursache dafür war, dass viele Kader verbürokratisierten und entarteten und so zur sozialen Basis des Revisionismus wurden. Genosse Enver Hoxha betont, an die Basis müssen „die in der Leitung erfahrensten Menschen“ geschickt werden, sie müssen „mit dem Geiste der Basis gerüstet und zu entschlossenen Kämpfern werden, um alle Spuren intellektualistischer, bürokratischer und technokratischer Überreste von sich abzustreifen. An ihre Stelle müssen wir ausgezeichnete Werktätige von der Basis in die zentralen Apparate holen“ (Enver Hoxha, Berichte und Reden, 1970-1971, Seite 89).

Ein Hauptziel der Kaderrotation in unserer sozialistischen Gesellschaft ist, ausgehend von dem Prinzip, dass die Arbeiterklasse die führende Klasse ist, die die Macht der Diktatur des Proletariats auch unmittelbar in verschiedensten Formen ausübt, möglichst viele Arbeiter oder Personen, die ihrer Herkunft oder Abstammung nach der Arbeiterklasse angehören, an leitende Posten zu stellen. Eine dieser Formen ist, Arbeiter direkt in die leitenden Organe und Apparate des Staates, der Wirtschaft, der Kultur usw. in allen Gliederungen und auf allen Ebenen zu berufen. Unsere Partei führte und führt in diesem Zusammenhang einen entschlossenen und konsequenten Kampf, um die bürokratischen und intellektualistischen und technokratischen Hemmungen zu überwinden, die die Berufung von Arbeitern aus der Produktion in die leitenden Apparate und die Unterordnung der Fachkräfte unter die Leitung der Arbeiter behindern.

Um die Lehren der PAA und des Genossen Enver Hoxha über die Kaderrotation konsquent anzuwenden, müssen verschiedene fremde, bürokratische Auffassungen bekämpft, ausgerottet und verworfen werden, wie die Auffassung, wonach die Kader im Sozialismus dazu ausersehen sind, ihr Leben lang führende Posten zu bekleiden, oder, dass die Kader „unersetzlich“ sind, Auffassungen, die sich in manchen Köpfen eingenistet haben und im Gegensatz zu dem zutiefst demokratischen Geist der sozialistischen Ordnung stehen. Auf dieser Auffassung sowie darauf, dass dem engen Eigeninteresse gegenüber dem Allgemeininteresse Vorrang eingeräumt wird, beruhen die ungesunden Neigungen mancher Kader, ihre Versetzung im Rahmen der Kaderrotation als nur „vorübergehend“ zu betrachten mit dem Ziel, unbedingt wieder in die leitenden Posten zurückzukehren.

Es ist auch notwendig, die bürokratische und kleinbürgerliche Auffassung auszurotten, die die Kaderrotation mit der Absetzung wegen Verfehlungen oder wegen anderer Gründe gleichsetzt, indem die Auffassung verankert wird, dass die Kaderrotation von leitenden Posten an die Basis, unter die werktätigen Massen, keine Strafe oder Herabsetzung ist, sondern eine Regel in der sozialistischen Gesellschaft und einer der wirksamsten Wege, damit die Kader bis zum Ende ihres Lebens aufrechte Revolutionäre bleiben.

Ein wichtiges Prinzip des Sozialismus ist es, dass die Angestellten – und hier sind in erster Linie die leitenden Kader gemeint -, in einem korrekten Verhältnis gegenüber den Arbeitern und Genossenschaftsbauern entlohnt werden, um nicht zuzulassen, dass eine priviligierte Schicht entsteht. Das ist ein lebenswichtiges Problem der sozialistischen Gesellschaft, das in letzter Instanz mit den Geschicken der Revolution und des sozialistischen Aufbaus zusammenhängt. In der sozialistischen Gesellschaft verschwindet mit der Beseitigung des Privateigentums die Ungleichheit der Menschen gegenüber den Produktionsmitteln und damit auch die Ausbeutung des menschen durch den Menschen. Als Übergangsgesellschaft und als niedere Phase der kommunistischen Gesellschaft behält der Sozialismus Spuren des Kapitalismus, darunter die Ungleichheit in der Verteilung, mit anderen Worten, in den Einkommen und dem Lebensniveau der Werktätigen. Dies stellt eine materielle Grundlage für die Möglichkeit, ja für die Gefahr dar, dass bestimmte Menschengruppen, in erster Linie und hauptsächlich die leitenden Kader, verbürgerlichen. Das Wesen der Frage ist: Wird der Weg beschritten, die Ungleichheit zu vergrößern, oder der Weg, sie fortwährend zu verringern?

Die negative Erfahrung der Sowjetunion zeigt, dass von dem Prinzip der Pariser Kommune den Angestellten und Funktionären nur durchschnittlichen Arbeiterlohn zu zahlen (Marx, Engels, Werke Band 17, Seite 624)., abzuweichen, ein System von hohen Löhnen zu verabsolutieren und zu verallgemeinern, was eine Zeit lang durch die historischen Umstände (das Vorhandensein einer geringen Zahl von Fachleuten usw.) gerechtfertigt war, sowie die materiellen Stimuli übermäßig zu betonen und die moralischen Stimuli geringzuschätzen, dazu führt, dass eine breite Schicht von Kadern verbürgerlicht und sie im starken Maße zu einer sozialen Basis für den revisionistischen Kurs werden. Nachdem die Revisionisten die Macht an sich gerissen hatten, vertieften sie die Ungleichheit oder „das bürgerliche Recht“, wie Marx und Lenin es bezeichneten; das war ein Hauptweg, um die sozialistischen Produktionsverhältnisse zu liquidieren und die Werktätigen durch die neue bürgerliche Klasse auszubeuten.

Die PAA befolgte und befolgt in dieser lebenswichtigen Frage eine korrekte Politik. Ohne in kleinbürgerliche Gleichmacherei zu verfallen, ergriff sie zur rechten Zeit die nötigen Maßnahmen, um keine starken Missverhältnisse bei der Entlohnung der Kader und der werktätigen Massen zuzulassen. Sie beschritten dabei konsequent den Weg, das Lohngefälle weiter zu verringern.

Der Lebensstandard“, betont Genosse Enver Hoxha, „ darf sich nicht mit großen Unterschieden erhöhen. Die Büroangestellten dürfen nicht viel besser leben als die Arbeiter, und die Bauern nicht schlechter als ihre Verbündeten in den Städten. Dadurch würde es besonders durch zu hohe Löhne der Büroangestellten kommen. Eine solche Situation schafft das Element der neuen Bourgeoisie, das aus der Klasse, aus der Partei hervorgeht und, wenn es nicht korrigiert wird, gefährlich wird ... die Schere muss immer mehr geschlossen und die höheren Löhne müssen gesenkt werden, damit das höhere Lebensniveau einer Gruppe von Menschen nicht den Wunsch nach einem bürgerlichen Leben erweckt ... Wir müssen also Maßnahmen treffen, damit diese Ungleichheit om Lohnsystem verringert wird ... sonst würden wir zulassen, dass sich das kapitalistische Element entwickelt...“

Die historische Erfahrung hat bewiesen, dass die Kader in der sozialistischen Gesellschaft auch durch die Jagd nach Privilegien entarten und verbürgerlichen, indem sie dazu ihre Posten ausnutzen.

Im sozialistischen Aklbanien, wo die Arbeiterklasse im Bündnis mit allen Werktätigen an der Macht ist, wo die sozialistischen Produktionsverhältnisse vollkommen gesiegt haben und jede Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beseitigt ist, wo die leitenden Kader aus den Massen hervorgegangen sind und die Lebensinteressen des Volkes vertreten und verteidigen, sind die Beziehungen zwischen den Kadern und den Massen durch die Einheit gekennzeichnet, die ein Bestandteil der großen Einheit des Volkes um die Partei im Kampf für den vollständigen und endgültigen Sieg des Sozialismus und Kommunismus ist. Aber auch in der sozialistischen Gesellschaft können – wie es auch tatsächlich der Fall ist – verschiedene Widersprüche zwischen den Kadern und den Massen entstehen.

In der Regel haben sie keinen antagonistischen Charakter. Es sind Widersprüche im Volk. Wie aber die PAA betont, können diese nichtantagonistischen Widersprüche allmählich zu antagonistischen Widersprüchen werden, wenn sie nicht rechtzeitig und auf korrektem, marxistisch-leninistischem Wege gelöst werden, wenn zugelassen wird, dass sich die Kader den werktätigen Massen, ihren Interessen entgegenstellen, wenn die Kader zu Herren über die Massen und zu neuen Ausbeutern werden, wodurch schließlich die sozialistischen Produktionsverhältnisse zu Verhältnissen zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten, das heißt, zu kapitalistischen Verhältnissen werden, wie es in der Sowjetunion und in einigen anderen Ländern geschah, in denen die Revisionisten ans Ruder kamen.

Die Partei der Arbeit Albaniens, die die revolutionäre Erfahrung des Landes verallgemeinerte, legte richtig die Hauptwege fest, um die Widersprüche zwischen Kadern und Massen zu behandeln und zu lösen. Dabei geht es um die Normen der Beziehungen zwischen Kadern und Massen, wie darum, die Kader unter doppelte Abhängigkeit und Kontrolle zu stellen, nicht nur von oben, sondern auch von unten, unmittelbar von den Massen, darum, dass sie vor den Massen Rechenschaft ablegen, dass die Massen das Recht haben, ihre Vertreter wieder abzuberufen, wenn sie das in sie gesetzte Vertrauen nicht rechtfertigen, und dass sie das Recht haben, die Absetzung der ihres Postens nicht würdigen Angestellten und Funktionäre zu verlangen, dass die Bürger das Recht haben, sich wegen ungerechten Vorgehens der Angestellten und Funktionäre zu beschweren, dass vor dem Gesetz und bei den Rechten und Pflichten keinerlei Ungleichheit oder Privileg auf Grund der gesellschaftlichen Stellung anerkannt wird usw. Wenn sich aber die Kader als uverbesserlich erweisen, den Weg des Kapitalismus und Revisionismus einschlagen, zu Feinden und Konterrevolutionären entarten und die Hand gegen die Partei, die Arbeiterklasse, das Volk, das Vaterland und den Sozialismus erheben, dann geht die Diktatur des Proletariats erbarmungslos gegen sie vor.

Auch in der lebenswichtigen Frage des Verhältnisses zwischen Kadern und Massen bilden die revolutionären Erfahrungen der PAA und die Lehren des Genossen Enver Hoxha einen Schlag gegen die konterrevolutionären Predigten der modernen Revisionisten und dienen der Entwicklung und fortwährenden Festigung der sozialistischen Ordnung.

ENDE