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Brief

des ZK der Partei der Arbeit Albaniens und der Albanischen Regierung

an

das ZK der Kommunistischen Partei Chinas und die Chinesische Regierung

( 29. Juli 1978 )

Verlag “8 Nentori” - Tirana, 1978




An das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas

An den Staatsrat der Volksrepublik China



Am 7. Juli 1978 übergab das Außenministerium der Volksrepublik China der Botschaft der Sozialistischen Volksrepublik Albanien in Peking eine offizielle Note, durch die mitgeteilt wird, dass die Chinesische Regierung beschlossen hat,

“die Wirtschafts- und Militärhilfe für Albanien abzubrechen und die Wirtschafts- und Militärspezialisten abzuziehen”,

die bis zu diesem Datum in Albanien arbeiteten.

Mit dieser treulosen und feindlichen Handlung gegenüber dem sozialistischen Albanien habt ihr skrupellos die ofiziell zwischen den beiden Ländern abgeschlossenen Verträge gebrochen, auf brutale und willkürliche Weise die elementaren internationalen Regeln und Normen mit Füßen getreten und die ideologischen Meinungsverschiedenheiten auch auf die staatlichen Beziehungen zu Albanien erstreckt.

Mit diesem feindlichen Schritt gegenüber dem sozialistischen Albanien versucht ihr die Wirtschaft und die Verteidigungsfähigkeiten unseres Landes zu treffen und zu schädigen, die Sache der Revolution und des Sozialismus in Albanien zu sabotieren. Zugleich untergrabt ihr auf schwerwiegende Weise die brüderliche Freundschaft zwischen dem albanischen und dem chinesischen Volk. Indem ihr einem sozialistischen Land – wie es die Sozialistische Volksrepublik Albanien ist- übel wollt, bereitet ihr den Feinden des Sozialismus und der Revolution Befriedigung. Die Verantwortung für diesen reaktionären und albanienfeindlichen Akt, wie für seine Folgen, fällt vollständig der chinesischen Seite zu.

Das Zentralkomitee der Partei der Arbeit Albaniens und die Albanische Regierung verurteilen die brutale Einstellung der Hilfen und Kredite für das sozialistische Albanien durch euch vor der ganzen Weltöffentlichkeit als reaktionäre Handlung, die ausgeht von Großmachtpositionen, als Handlung, die nach Inhalt und Form die blindwütigen und chauvinistischen Methoden Titos, Chruschtschows und Breschnews wiederholt, die einst auch China verurteilt hatte.

Das Zentralkomitee der Partei der Arbeit Albaniens und die Albanische Regierung weisen die Versuche zurück, die in der chinesischen Note unternommen werden, Albanien zum Schuldigen zu machen, ohne jede Grundlage die albanische Führung zu bezichtigen, sie sei angeblich nicht dankbar für die Hilfe Chinas und habe angeblich versucht, die wirtschaftliche und militärische Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern zu sabotieren. Für jeden normalen Menschen ist es unglaubhaft und außerhalb jeder Logik, dass Albanien, ein kleines Land, das gegen die imperialistisch-revisionistische Einkreisung und Blockade kämpft, das sich entschlossen an eine breite und allseitige Arbeit zur schnellen wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung des Landes gemacht hat, das unermüdlich für die Stärkung der Verteidigung seines sozialistischen Vaterlandes arbeitet, selbst auf den Abbruch der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit China drängt und ihn fordert, Chinas zivile und militärische Kredite und Hilfen zurückweist.

Das albanische Volk, seine Partei und seine Regierung haben, beseelt von den Lehren des Marxismus-Leninismus und von den Prinzipien des proletarischen Internationalismus, ehrlich und konsequent für die Festigung der Freundschaft, der brüderlichen Zusammenarbeit und der gegenseitigen Hilfe zwischen Albanien und China gekämpft. Sie haben stets die Hilfe, die China Albanien gegeben hat, hoch zu schätzen gewusst und sie als eine internationalistische Hilfe des chinesischen Volkes betrachtet, als eine Hilfe, die der allgemeinen Sache der Revolution und des Sozialismus auf der Welt diente, als eine Hilfe, die von einem Land kam, das sozialistisch genannt wurde. Das albanische Volk, seine Partei und seine Regierung halten heute wie früher an ihrer bisherigen Beurteilung dieser Hilfe und ihrer Rolle, unter anderen äußeren Faktoren, für die Entwicklung unseres Landes fest.

Das sozialistische Albanien hat seine Freundschaft zu den Völkern der anderen Länder niemals als ein Mittel betrachtet, um wirtschaftliche Profite herauszuschlagen. Zugleich hat es niemandem gestattet, die wirtschaftliche Hilfe und Zusammenarbeit als Investition zu kalkulieren, um unserem Land politische und ideologische Standpunkte zu diktieren und aufzuzwingen, die im Widerspruch zum Marxismus-Leninismus und den Interessen des Sozialismus stehen. Die Sozialistische Volksrepublik Albanien hat niemals die Prinzipien verschachert, niemals hat sie die auf den Markt getragen, und sie tut es nicht.

Als die Partei der Arbeit Albaniens auf der Bukarester Beratung und der Beratung der kommunistischen und Arbeiterparteien im Jahre 1960 in Moskau die Kommunistische Partei Chinas gegen die Angriffe der Chruschtschow-Revisionisten verteidigte, tat sie dies bewusst, um die Prinzipien des Marxismus-Leninismus zu verteidigen und nicht, um von China einige Fabriken und Traktoren zu erhalten. Als das sozialistische Albanien in den Vereinten Nationen jahrelang die Rechte Volkschinas gegen das amerikanische Komplott verteidigte, tat es dies nicht wegen materieller Interessen, sondern um eine gerechte und prinzipielle Sache zu verteidigen.

Als die Partei der Arbeit Albaniens und unsere Arbeiterklasse die strategischen Ziele der Kulturrevolution in China unterstützten, taten sie das nicht, um irgendeine Gegenleistung zu erhalten, sondern um der chinesischen Arbeiterklasse, den chinesischen Kommunisten und dem chinesischen Volk zu helfen, das Land von den kapitalistischen Elementen zu retten, die die Macht in China an sich gerissen hatten.

Um die Einstellung der Hilfen für Albanien zu rechtfertigen, hat sich die Chinesische Regierung, da es ihr nicht anders möglich ist, auf wirtschaftliche und technische “Argumente” der einfachen und gewöhnlichen Praxis der Beziehungen zwischen zwei Staaten beschränkt. Ihr macht das in der Absicht, die wahren Gründe zu vertuschen, die euch zu diesem feindlichen Akt gegen das sozialistische Albanien getrieben haben.

Die Einstellung der Hilfen und Kredite für Albanien kann nicht mit den 8 “Tatsachen” begründet werden, die in der chineischen Note vorgelegt werden, dass angeblich der “Stellvertretende Industrie- und Bergbauminister Albaniens... weitere Beratungen ablehnte... und in arroganter Weise den Gesprächen ein Ende setzte”, dass die albanischen Spezialisten “die technischen Anweisungen der chinesischen Spezialisten” in der Erdölraffenerie “nicht beachteten”, dass das chinesische Projekt für ein Militärobjekt nicht erfolgreich war, “weil durch die schwachen geologischen Studien von albanischer Seite die Höhlen, in denen sich Wasser sammelte, zu spät entdeckt wurden” und die albanische Seite “ihre Meinung änderte, die Sache selbst in die Hand nahm und der chinesischen Hilfe für dieses Objekt ein Ende setzte”, dass die albanische Seite “verschiedene Vorwände schuf und sich, im Widerspruch zum Vertrag, weigerte, das Protokoll der Inbetriebsetzung der Objekte zu unterschreiben”, dass sich die albanische Seite “unerwartet weigerte, 25 Rechnungen in Höhe von beinahe 100 Millionen Yuan Renminbi zu akzeptieren”, dass, “weil die albanische Seite die technischen Ratschläge der chinesischen Spezialisten nicht befolgte, sich im Hüttenkombinat im Hochofen ein Ansatz bildete – die albanischen Spezialisten beseitigen diesen Schaden selbst, ohne auf besondere Spezialisten aus China zu warten -”, dass der “albanische Botschafter in China die Annahme der chinesischen Note vom 7. Juli 1978 verweigerte”.

Diese “Argumente” und “Tatsachen”, die die chinesische Regierung liefert, sind nicht nur erfunden und verdreht. Denn selbst wenn sie es nicht wären, könnten sie in keinem Fall als moralische und juristische Grundlage dienen, auf die sich ein Staat stützen kann, um die einseitige und brutale Einstellung der Wirtschafts- und Militärhilfe an einen anderen Staat zu rechtfertigen, mit dem er lange Zeit eng verbündet gewesen ist.

Die wahren Gründe der Einstellung der Hilfe und Kredite an Albanien haben nicht einfach technischen Charakter, wie in der Note der Chinesischen Regierung behauptet wird, sondern zutiefst politischen und ideologischen Charakter.

In diesem Brief werden das Zentralkomitee der Partei der Arbeit Albaniens und die Albanische Regierung diese politischen und ideologischen Ursachen voll beleuchten. Doch zuvor wollen wir beweisen, das auch ...

I

...die “Argumente”, derer sich die chinesische Seite in ihrer Note bedient, nicht im Geringsten der Realität entsprechen:



Die Regierung der Sozialistischen Volksrepublik Albanien wird der Weltöffentlichkeit die Wahrheit über die Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und Albanien und insbesondere über die Fragen, die in der chinesischen Note aufgeworfen werden, bekanntmachen, indem sie den vollen Wortlaut der Noten veröffentlichen wird, die darüber zwischen den Regierungen der beiden Länder ausgetauscht wurden. Hier werden wir einige “Tatsachen” aufklären, die in der chinesischen Note erwähnt werden.

Die chinesische Note vom 7. Juli spiegelt in der tendenziösen Aufzählung einer Reihe von Zahlen über die Hilfe Chinas an Albanien den Wunsch der chinesischen Führung wider, sich vor der Welt zu brüsten. Sie handelt genauso, wie die sowjetische revisionistische Führung handelte und handelt, die sich ständig mit der Anmaßung eines großen Staates der “Hilfe” brüstet, die sie einst Albanien gab.

Wir sehen uns gezwungen, die chinesische Führung daran zu erinnern, dass ihre Prahlereien im krassen Gegensatz zu den offiziellen Erklärungen stehen, die die Chinesische Regierung einst selbst abgab.

In der feierlichen Erklärung über die 8 Prinzipien der Hilfe der Chinesischen Regierung für andere Staaten heißt es:

“Bei der Hilfe an andere Länder stützt sich die Chinesische Regierung stets auf das Prinzip der Gleichberechtigung und des gegenseitigen Vorteils. Sie betrachtet eine solche Hilfe niemals als einseitiges Almosen, sondern als etwas, das auf Gegenseitigkeit beruht”.

Tschou En-lai betonte aber im Jahre 1964 bei seinem Besuch in 14 Staaten:

“...falls wir uns mit unserer Hilfe für andere brüsten sollten, wäre dies Chauvinismus eines großen Staates”.

Das Volk, die Partei und die Regierung Albaniens haben niemals die Hilfe der Volksrepublik China und die Rolle dieser Hilfe bei der wirtschaftlichen Entwicklung unseres Landes geleugnet. Sie haben diese Hilfe anerkannt und zu schätzen gewusst und sich dabei von aufrichtigen Gefühlen leiten lassen, in der Meinung, sie käme von einem befreundeten Staat und werde im Geist der Prinzipien des Sozialismus gegeben.

Doch in der chinesischen Note vom 7. Juli, in der die Wirtschafts- und Militärhilfe, die China Albanien gegeben hat, in übertriebenen Dimensionen geschildert und ausgeschmückt wird, findet man kein Wort, mit dem die Tatsache erwähnt wird, dass auch Albanien China geholfen hat, wie es die chinesischen Führer selbst früher oft erklärt haben.

In Würdigung der Hilfe, die Albanien China gegeben hat, sagte Mao Tsetung:

“In erster Linie müssen wir euch danken, denn ihr stet an der vordersten Frontlinie, denn ihr befindet euch in sehr schwierigen Bedingungen und kämpft standhaft für die Verteidigung des Marxismus-Leninismus. Das ist eine sehr wertvolle Sache, das ist kostbarer als alles andere” (aus dem Protokoll des Gesprächs mit einer albanischen Delegation am 29. Juni 1962).

Und Tschou En-lai hat seinerseits erklärt:

”Die albanischen Genossen erwähnen oft die Unterstützung und die Hilfe für Albanien von seiten Chinas. Ich möchte hier betonen, dass in erster Linie Albanien uns eine große Hilfe und Unterstützung geleistet hat.

... Das chinesische Volk wird niemals vergessen, dass zu der Zeit, als die modernen Revisionisten wütend die Kommunistische Partei Chinas verleumdeten und angriffen, die Partei der Arbeit Albaniens eine richtige Haltung einnahm und, angeachtet allen Drucks, aller Schwierigkeiten und Gefahren, mutig hervortrat und dieser Gegenströmung Widertand leistete, die anti-chinesischen Komplotte des modernen Revisionismus erbarmungslos entlarvte und geißelte” (Zeri i Popullit – 9. Januar 1964, Rede auf der Kundgebung in Tirana).

Wiederum Tschou En-lai sagte:

“Wir erfüllen unsere internationalistische Pflicht, und es wäre Verrat, würden wir euch nicht helfen... Ihr kämpft als Bollwerk des Sozialismus in Europa gegen den Imperialismus, den Revisionismus und die gesamte Reaktion. Würden wir euch nicht helfen, wären wir keine internationalistischen Kommunisten, sondern Verräter. Die Unterstützung und die Hilfe, die wir China und Albanien einander geben, ist gegenseitig. Ihr steht in Europa wie ein Leuchtfeuer und kämpft unbeugsam und unerschrocken. Dies ist eine große Hilfe und Unterstützung für uns und für alle Völker der Welt” (aus dem Protokoll des Gesprächs mit einer albanischen Delegation, Peking 29. August 1971).

Auch Kang Scheng hat eine solche Erklärung abgegeben:

“Ich habe den Genossen oft gesagt und es auch dieses Mal wieder betont, dass die albanischen Genossen uns eine große ungeheure Hilfe geben. Wir dürfen nicht nur die Stickstoff-Düngemittelfabrik, das Wärmekraftwerk, die verschiedenen Werke und Fabriken sehen, die wir euch geben, sie sind nichts im Vergleich zu der großen Unterstützung, die die albanischen Genossen uns und der kommunistischen Weltbewegung geben” (aus der Rede beim Abendessen zu Ehren der chinesischen Delegation am 13. November 1966 in Tirana).

Wir sprechen nicht gern über die Hilfe, die Albanien China gegeben hat, denn das, was die Partei und das albanische Volk getan haben, haben sie im kommunistischen Bewusstsein und beseelt von brüderlichen und internationalistischen Gefühlen getan. Doch ihr zwingt uns, darüber zu sprechen, denn ihr habt begonnen, dem Beispiel Chruschtschows und Brechnews folgend, uns in Yuan und Fen vorzurechnen, was ihr Albanien gegeben habt!

Die chinesische Regierung versucht in ihrer Note in der Öffentlichkeit den Eindruck zu erwecken, Albanien habe, soweit es irgendwelche Erfolge in der wirtschaftlichen Entwicklung zu verzeichnen hat, alles nur der Hilfe Chinas zu verdanken. Zu diesem Zweck, und um die Meinung im In- und Ausland zu beeindrucken, sind die Zahlen, die in der chinesischen Note erwähnt werden, sorgfältig aufgebauscht und manipuliert. Dort heißt es, dass

“die Chinensische Regierung zur Umsetzung der zwischen China und Albanien abgeschlossenen Verträge mehr als 10 Milliarden Yuan Renminbi ausgegeben hat”.

Dies ist eine willkürliche Zahl und entspricht nicht der Wahrheit.

In erster Linie muss gesagt werden, dass das, was die Chinesische Regierung Hilfe nennt, in Wahrheit Kredite sind, Verbindlichkeiten, die sich aus den zwischen den beiden Regierungen abgeschlossenen Verträgen ergeben, in Übereinstimmung mit den Wünschen und Interessen beider Seiten und der internationale anerkannten Praxis der Beziehungen zwischen souveränen Staaten, und die beiderseitige Verpflichtungen enthalten. Deshalb haben wir es hier nicht mit Almosen oder christlicher Nächstenliebe zu tun.

Andererseits ergibt sich aus den Dokumenten, über die die albanische Seite verfügt, dass vom Dezember 1954 bis zum Juli 1975 zwischen Volkschina und Albanien 17 Abkommen auf Regierungsebene über Kredite Volkschinas an Albanien unterzeichnet wurden, abgesehen von den Verträgen über Militärhilfe. Unter diesen Abkommen gibt es solche, in denen die Hilfe und Kreditbasis in alten Rubeln berechnet wird, danach in neuen Rubeln, dann in englischen Pfund, später in Inlands-Yuan und Handels-Yuan, oder in US-Dollar. Rechnet man die verschiedenen Währungen in diesen Verträgen nach dem von der Bank von China in der entsprechenden Periode festgelegten offiziellen chinesischen Kurs in Handels-Yuan um, so ergibt sich ein Gesamtwert der chinesischen Wirtschaftshilfe auf Kreditbasis an Albanien von 1954 bis 1975, als der letzte Vertrag unterzeichnet wurde, nicht von “mehr als 10 Milliarden Yuan”, wie in der chinesischen Note angegeben wird, sondern von nur 3, 053 Milliarden Handels-Yuan. Von dieser Summe, berechnet man den Wert der fertiggestellten Werke und der allgemeinen Materialien nach den einseitig von der chinesischen Seite festgelegten Preisen, sind bis zum Juli des Jahres 1978 von Albanern rund 75 Prozent in Anspruch genommen worden. Dabei muss man aber betonen, dass der Wert der Rechnungen der Bank von China über die vollständigen Werke und die allgemeinen Materialien nicht auf der Grundlage von Preisen errechnet wurde, die “in gemeinsamer Beratung” festgelegt wurden, sondern willkürlich, allein von der chinesischen Seite und ohne die albanische Seite, wie im Vertrag vorgesehen, zu fragen. Daher ist es keine “Verletzung der Verträge”, wie in der chinesischen Note behauptet wird, wenn die Albanische Staatsbank der Bank von China die Rechnungen über in Albanien erbaute Objekte zurückschickte.

Die Preise für die vollständigen Werke und die allgemeinen Materialien, über die die von China geschickten Rechnungen gehen, sind nicht in Übereinstimmung mit den Bestimmungen des offiziellen Vertrages zwischen der Regierung der Sozialistischen Volksrepublik Albanien und der Regierung der Volksrepublik China vom 8. 6. 1965 und den Bestimmungen des Briefwechsels vom 22. 12. 1971 festgelegt, in denen klar festgehalten wird:

“Die Preise für die vollständigen Werke und die allgemeinen Materialien... werden in gemeinsamer Beratung nach den Prinzipien der Festlegung der Handelspreise zwischen China und Albanien bestimmt.”

Was die Militärhilfe betrifft, so geschah die Festlegung des Werts von der chinesischen Seite aus vollkommen willkürlich, da in dieser Kategorie von Abkommen vor dem Jahr 1967 die Werte in chinesischer Währung angegeben werden, ohne dass darüber mit der albanischen Seite gesprochen worden wäre, während in den späteren Verträgen, die auch den Hauptteil der chinesischen Militärhilfe für Albanien ausmachen, kein konkreter Wert festgelegt ist, weder in chinesischer Währung noch in irgendeiner anderen Währung.

Daher stellen jene Milliarden Yuan, die in der chinesischen Note erwähnt werden, nicht die wirkliche Summe der Wirtschafts- und Militärhilfe Chinas für Albanien dar, sondern sind eine chinesische Reklame, erfunden auf der Grundlage willkürlicher, einseitiger und tendenziöser Rechnungen. Wir sagen, dass sich die chinesische Seite übereilt hat mit der Bestimmung solcher Zahlen, um ihren gemeinen Absichten dienlich zu sein. Die endgültigen Abrechnungen von beiden Seiten werden nach den festgelegten Veträgen, Protokollen und Kriterien gemacht werden. Darin werden auch die Verluste und der Schaden berücksichtigt werden, die die chinesische Seite der albanischen Wirtschaft zufügte, weil sie ihre Verpflichtungen nicht rechtzeitig erfüllte, einen wesentlichen Teil der Projekte unvollendet ließ usw.

Die chinesische Seite war nicht korrekt bei der Umsetzung der Abkommen und offiziellen Protokolle und der gemeinsam festgelegten Kriterien. Der überwiegende Großteil der Wirtschaftsobjekte, die in Albanien mit Hilfe von Krediten aus China erbaut wurden, ist immer mit Verspätung fertiggestellt worden, und zwar zwischen einem und sechs Jahren Verspätung. Es gibt auch Objekte, wie etwa das Ferrochromwerk, das auf Grund des 1965 abgeschlossenen Kreditvertrages von China in Albanien erbaut werden sollte und das durch Verschulden der chinesischen Seite bis heute noch nicht fertiggestellt ist. So begann der Bau des Hüttenkombinats mit Verspätung und bis heute sind durch Verschulden der chinesischen Seite die Investitionen zu dessen Bau nur zu 67 Prozent im Verhältnis zum Gesamtwert des Kombinats ausgenutzt, und von China sind erst 74 Prozent der Ausrüstungen geliefert.

Diese flagrante Verletzung der offiziellen Verträge durch die chinesische Seite hat großen Schaden in der albanischen Wirtschaft verursacht, und dafür trägt die Chinesische Regierung die volle materielle und moralische Verantwortung. Wenn all das auf der Grundlage von offiziellen Dokumentationen und konkreten Fakten berechnet wird, wird man sehen, wer bei wem wieviele Schulden hat. In der chinesischen Note wird die Hilfe, die China Albanien gegeben hat, als für die Entwicklung unseres Landes entscheidender Faktor ausgegeben. Doch ein solcher Faktor ist sie nicht gewesen und konnte sie nicht sein. Der entscheidende Faktor, den niemand bestreiten kann, war die entschlossene, hartnäckige und heldenhafte Arbeit und der Kampf des albanischen Volkes unter der Führung der Partei der Arbeit Albaniens für den Aufbau des Sozialismus gemäß dem leninistischen Prinzip, sich auf die eigenen Kräfte zu stützen. Die großartigen Erfolge, die Albanien beim Aufbau des Sozialismus und bei der Landesverteidigung erreicht hat, sind Werk der Partei der Arbeit Albaniens, des albanischen Staates, der Diktatur des Proletariats, des albanischen Volkes, und nicht Frucht der Hilfe von außen.

Die von China erhaltene Hilfe war nur ein Hilfsfaktor. Alle chinesischen Kredite, die von Albanien bis Ende 1977 in Anspruch genommen wurden, machen im Verhältnis zu unserem Nationaleinkommen einen äußerst geringen Prozentsatz aus. Dies ist die Wahrheit und nicht die erlogene Behauptung der chinesischen Seite, die den Eindruck zu erwecken versucht, als ob es China gewesen sei, das das albanische Volk am Leben erhalten hat.

Die Konzepte des Chauvinismus eines großen Staates haben die Logik der chinesischen Führung vernebelt und sie dazu gebracht, in der Sprache von Feudaleigentümern zu sprechen. In der chinesischen Note wird angeberisch erwähnt, dass China Albanien mit 1,8 Millionen Tonnen Weizen beliefert hat. Fehlt nur noch, dass behauptet wird, Albanien habe vom “Brot Chinas gelebt”.

Dies ist eine beleidigende Haltung gegenüber dem albanischen Volk. Wahr ist, dass Albanien zwischen 1956 und 1975 von China Weizen eingeführt hat. Die Zahlen, die angegeben werden, entsprechen nicht nur nicht der Realität, sondern es muss gesagt werden, dass Albanien in diesem ganzen Zeitraum nur 436 000 Tonnen Weizen auf Kredit von China bezogen hat, während für den ganzen Rest, der von ihm auf dem Handelsweg bezogen wurde, mit Clearing bezahlt wurde. Sobald in der chinesischen Note der von Albanien auf Kreditbasis eingeführte und der mit Clearing bezahlte Weizen in einer einzigen Zahl zusammengefasst werden, warum erwähnt die chinesische Seite dann nicht, was sie von Albanien bezogen hat, was im Zeitraum von 1954 bis 1977 auf Clearing-Basis von Albanien nach China ausgeführt wurde? Albanien hat China mit über 1,7 Millionen Tonnen Erdöl, über 1,3 Millionen Tonnen Bitumen, rund 2,7 Millionen Tonnen Chromerz und Chromkonzentrat usw. beliefert. Indem die Chinesische Regierung in ihrer Note die Militärhilfe angesprochen und indem sie diese Note veröffentlicht hat, hat sie absichtlich das militärische Geheimnis über die Verteidigung der Sozialistischen Volksrepublik Albanien publik gemacht. Durch diese Handlung hat die chinesische Regierung der Verteidigung der Sozialistischen Volksrepublik Albanien schweren Schaden zugefügt und ihren äußeren Feinden, besonders den Kräften des NATO-Paktes und dem amerikanischen Imperialismus, sowie den Kräften des Warschauer Vertrages und dem sowjetischen Sozialimperialismus geholfen. Dies ist ein treuloser Akt, für den die Chinesische Regierung die Verantwortung trägt.

Einen besonderen Platz nehmen in der Note der Chinesischen Regierung die Versuche ein, die albanischen Werktätigen zu beschuldigen, sie hätten angeblich die chinesischen Spezialisten, die nach Albanien gekommen waren, nicht respektiert und nicht mit ihnen zusammenarbeiten wollen. Das sind von Anfang bis Ende üble Erfindungen und es lohnt sich nicht, sie zu widerlegen. Wir sind davon überzeugt, dass, in seinem Bewusstsein, kein chinesischer Spezialist, der unter unserem Volk gelebt und gearbeitet hat, diese Beschuldigungen akzeptieren wird. Die albanischen Arbeiter, Spezialisten und Direktoren haben die ganze Zeit über in brüderlichem und freundschaftlichem Geist mit den chinesischen Spezialisten zusammengearbeitet, ihre Arbeit richtig gewürdigt, ihr Wissen und ihre Erfahrung respektiert.

In bestimmter Absicht heißt es in der chinesischen Note, dass im Verlauf von 24 Jahren 6 000 chinesische Spezialisten nach Albanien entsandt worden sind. Diese globale Zahl wird serviert, um zu unterstellen, das Verdienst für die Bauten, die Industrie, die Landwirtschaft und alles, was in Albanien geleistet worden ist, gebühre angeblich diesen 6 000 Spezialisten. Doch der Aufbau des neuen Albanien ist das Werk des albanischen Volkes selbst. An der Errichtung der verschiedenen Werke haben täglich und ständig Zehntausende albanischer Spezialisten, Ingenieure und Techniker gearbeitet, ohne dabei die Techniker mit Fachschulausbildung und die qualifizierten Arbeiter zu erwähnen, die in die Hunderttausende gehen. Ohne ihre Arbeit und ihr Wissen hätte keines dieser Werke errichtet werden können.

Ebenso wird in der chinesischen Note nicht gesagt, dass die von China geschickten Spezialisten für ihre Arbeit vom albanischen Volk nicht schlecht bezahlt worden sind. Dies wird nicht erwähnt, aber die Note verzichtet nicht darauf, daran zu erinnern, dass China 100 Millionen Yuan für Experimente im Zusammenhang mit albanischem Eisen ausgegeben habe. Und gleichzeitig überließen die chinesischen Spezialisten, die aus Albanien abgezogen wurden, auf Befehl von oben, den albanischen Spezialisten kein einziges technisches Dokument, sondern verbrannten alle technischen Unterlagen, die sie über die in Albanien mit Hilfe von China errichteten Objekte hatten, oder nahmen sie mit.

Es ist natürlich, dass zwischen zwei Partnern, zwischen zwei Staaten in konkreten wirtschaftlichen Fragen verschiedenlich Probleme auftauchen. Um sie zu lösen, ist es nötig, ja unerlässlich, Diskussionen zu führen. Doch die chinesische Führung hat es nicht für nötig gehalten, normale Diskussionen zu führen, denn sie wollte Albanien ihre Meinungen aufzwingen. Die chinesische Seite hat, nicht erst heute, sondern über einen langen Zeitraum hinweg, in den wirtschaftlichen Fragen in vielen Formen und auf verschiedene Weise Druck auf Albanien ausgeübt. Bei den Gesprächen zur Unterzeichnung von Abkommen zur Erteilung von Wirtschaftshilfen in Krediten durch China an Albanien und danach, bei der Anwendung dieser Abkommen, gab es viele Debatten, widersetzte sich die albanische Seite erfolgreich den Ansichten der chinesischen Führung, die Albanien eine einseitige wirtschaftliche Entwicklung aufzwingen, ihren schnellen und sicheren Fortschritt verzögern wollte.

Bei den ausgedehnten Debatten ging der Druck der chinesischen Führung soweit, dass die chinesische Seite sich von der Projektierung der Wasserkraftwerke von Vau i Dejes und Fierza zurückziehen wollte, mit dem Ziel, dass diese sehr wichtigen Industrieobjekte überhaupt nicht errichtet würden. Die chinesische Führung glaubte, dass Albanien, da es ihrer Meinung nach nicht die technischen Kräfte hatte, um solch großen, schwierigen Wasserkraftwerke selbst zu entwerfen, auf den Bau dieser Projekte verzichten würde. Doch schließlich war sie gezwungen, der Vergabe des Kredits zuzustimmen, nachdem die albanische Seite es übernommen hatte, diese beiden Wasserkraftwerke selbst zu projektieren. Und diese beiden Wasserkraftwerke wurden von albanischen Spezialisten projektiert und gebaut, wobei die chinesischen Spezialisten die Rolle des Beraters, nicht aber des Planers gespielt haben.

Die zahlreichen Fakten und Dokumente zeigen, dass in bestimmten Augenblicken, so oft in der chinesischen Politik scharfe Wendungen vollzogen wurden, denen sich die albanische Partei und die albanische Regierung nicht anschlossen, die Chinesische Regierung diese Wendungen mit Druck und wirtschaftlichen Zwangsmaßnahmen verschiedenster Art verbunden hat. Diese Haltungen bedeuten eine flagrante Widerlegung der spektakulären Erklärungen und der Beteuerungen der Chinesischen Regierung, denen zufolge “die Chinesische Regierung bei der Vergabe von Hilfe an andere Länder mit Sorgfalt die Souveränität der Länder, die die Hilfe erhalten, respektiert und die Hilfe niemals an Bedingungen knüpft, niemals nach Privilegien strebt”.

In der chinesischen Note heißt es, dass

“die albanische Seite, als Ergebnis der Erfordernisse ihrer Innen- und Außenpolitik... bewusst die Hilfe Chinas an Albanien verleumdet...”

Das zeigt den intriganten Geist der chinesischen Führung und ihren Wunsch, Albanien politisch, ideologisch und wirtschaftlich vom sowjetischen Sozialimperialismus oder vom amerikanischen Imperialismus und der reaktionären Bourgeoisie geknechtet zu sehen. Die chinesische Führung spricht so, weil sie der Meinung ist, Albanien sei isoliert, es atmete und lebte dank China, es sei nun verlassen und werde eine Beute der Imperialisten oder der Sozialimperialisten. Das haben auch Chruschtschow und Mikojan einst gedacht und so haben sie gesprochen; sie behaupteten, Albanien werde sich für “30 Silberlinge verkaufen”, “es würde ohne die sowjetische Hilfe binnen 15 Tagen verhungern”!

Das Leben bewies jedoch, dass sich Albanien weder an jemandem verkaufte, noch verhungerte. Es schritt beim Aufbau des Sozialismus mit großem Erfolg voran. Und das wurde nicht dank der chinesischen Hilfe, sondern durch die heldenhafte Arbeit und den ruhmreichen Kampf des albanischen Volkes erreicht.

Auch in Zukunft wird das albanische Volk unter der Führung der Partei der Arbeit Albaniens, gestützt auf die eigenen Kräfte, immer siegreich auf dem Weg des Sozialismus voranmarschieren und dabei durch sein Beispiel den Freunden und Völkern die unbezwingbare Stärke und Lebenskraft des Marxismus-Leninismus, die Stärke des Sozialismus, die Stärke des Volkes zeigen.

In unserem Kampf für den Aufbau des Sozialismus und die Verteidigung des Vaterlandes, bei unseren Anstrengungen, den Schwierigkeiten, die unserem Land durch den feindlichen Akt der Chinesischen Regierung entstanden sind, die Stirn zu bieten und sie erfolgreich zu überwinden, haben wir die internationalistische Hilfe der wahren Revolutionäre, der freiheitsliebenden Völker und der fortschrittlichen Menschen auf der ganzen Welt und werden sie immer mehr haben. Albanien ist niemals isoliert gewesen und es kann niemals isoliert werden.

Die von der Partei festgelegten Pläne zur Entwicklung Albaniens werden in jeder Hinsicht realisiert werden, einschließlich der Objekte, die China unvollendet ließ, wie auch der anderen neuen Werke, die ihnen durch die selbstlose Arbeit, die Entschlossenheit des Volkes und durch unsere eigenen Kräfte hinzukommen werden.



II

(Die feindliche Haltung der chinesischen Führung gegenüber Albanien ist Folge ihrer Abweichung von den Prinzipien des Marxismus-Leninismus und des proletarischen Internationalismus)



Die einseitige Kündigung der Abkommen über die wirtschaftlichen und militärischen Zusammenarbeit mit Albanien durch die Chinesische Regierung, der verräterische Bruch der zwischen beiden Ländern offiziell abgeschlossenen Verträge, die Nichtfertigstellung zahlreicher für unsere sozialistische Wirtschaft wichtiger Objekte, die Zurückziehung der Spezialisten usw. sind die Widerspiegelung einer bestimmten politischen und ideologischen Linie der chinesischen Führung. Sie sind Folge des Abweichens der chinesischen Führung vom Marxismus-Leninismus und den Prinzipien des proletarischen Internationalismus, ihrer Annäherung an den amerikanischen Imperialismus, das internationale Kapital und die Reaktion und der Zusammenarbeit mit ihnen, der Abkehr von der Hilfe und Unterstützung für die revolutionären und Befreiungskräfte auf internationaler Ebene, der Absicht Chinas, eine imperialistische Supermacht zu werden.

Dieser Kurs der chinesischen Führung, die einen Prozess voller Windungen und Wendungen durchgemacht hat, ist auf den ständigen Widerstand der Partei der Arbeit Albaniens gestoßen, für die die Sache des Sozialismus, der Revolution und der Befreiung der Völker, über allem anderen steht. Dies hat dazu geführt, dass zwischen der Partei der Arbeit Albaniens und der Kommunistischen Partei Chinas ernste ideologische und politische Widersprüche entstanden, die sich nach und nach verschärften. Insbesondere, weil unsere Partei und das albanische Volk die chinesische Linie und die chinesischen Standpunkte einer Großmacht nicht akzeptierten und sich ihnen nicht unterwarfen, ging die Führung der Kommunistischen Partei Chinas und der Chinesischen Regierung so weit, die Hilfen für das sozialistische Albanien einzustellen und die ideologischen Meinungsverschiedenheiten auch auf die zwischenstaatlichen Beziehungen zu erstrecken.

Das Zentralkomitee der Partei der Arbeit Albaniens hat während der ganzen Zeit versucht, diese Meinungsverschiedenheiten auf marxistisch-leninistischem Weg, durch Konsultationen und gegenseitige Klarstellungen unter Genossen zu lösen, ohne sie jemals an die Öffentlichkeit zu bringen.

In dieser Frage ist unsere Partei von dem Prinzip ausgegangen, dass zwischen verschiedenen Parteien und Staaten, auch wenn enge freundschaftliche Beziehungen zwischen ihnen bestehen, Meinungsverschiedenheiten und Missverständnisse aufkommen können. Unabhängig davon, welche Seite die Schuld trägt, erfordern die Meinungsverschiedenheiten und Missverständnisse gemeinsame Gespräche, um sie zu bereinigen. Um so mehr muss dieses Prinzip zwischen sozialistischen Ländern und kommunistischen Parteien angewendet werden. Normen, wie Konsultationen und gegenseitige Klarstellungen unter Genossen, sind absolut notwendig, denn diese marxistisch-leninistischen Normen schützen die reine Freundschaft und nicht die heuchlerische Freundschaft mit schlechten Absichten, sie schützen die Reinheit unserer wissenschaftlichen Theorie, des Marxismus-Leninismus, sie stärken die Revolution und den Kampf der Völker.

Unter den marxistisch-leninistischen Normen, die die Beziehungen zwischen kommunistischen Parteien regeln, gibt es auch die Norm, für die richtige gegenseitige prinzipienfeste und konstruktive Kritik an Fehlern, die man in der Linie und in der Tätigkeit der einen oder der anderen Partei feststellt. Eine solche Kritik unter Genossen darf nicht als polemisch beurteilt werden, so wie die chinesische Führung diese Norm auslegt. Die Polemik ist, wie das Wort selbst sagt, ein ideologischer und politischer Kriegszustand, eine Situation, in der sich nichtantagonistische Meinungsverschiedenheiten in antagonistische verwandeln.

Die Partei der Arbeit Albaniens hat sich in den Beziehungen zur Kommunistischen Partei Chinas strikt an diese marxistisch-leninistischen Prinzipien und Normen gehalten, wie sie zwischen wahrhaft kommunistischen Parteien angewandt werden. So oft sie bei der Kommunistischen Partei Chinas Auffassungen und Handlungen festgestellt hat, die im Widerspruch zum Marxismus-Leninismus und zum proletarischen Internationalismus, im Widerspruch zu den Interessen des Sozialismus und der Revolution standen, hat sie auf diese Fehler hingewiesen und sie in einer Weise kritisiert, wie es unter Genossen üblich ist. Dafür gibt es schriftliche Dokumente unserer Partei und unseres Staates, über die ihr verfügt. Doch welche Haltung hat die chinesische Führung eingenommen? Während die Unterstützung und das Eintreten der Partei der Arbeit Albaniens für Volkschina von diesem begrüßt wurden, wurden die richtigen und prinzipienfesten kritischen Hinweise unserer Partei von der chinesischen Seite niemals begrüßt. Die Führung der Kommunistischen Partei Chinas hat niemals beliebt, die leninistischen Normen in den Beziehungen zwischen Parteien anzuwenden. Indem sie gemäß den Konzepten und der Logik einer Großmacht, einer großen Partei und eines großen Staates urteilte und handelte, der sich selbst für ein unfehlbares Genie hält, hat sie bewiesen, dass sie keinen anderen Weg kennt als den, den anderen, besonders den kleinen, ihre Ansichten zu diktieren und aufzuzwingen.

Bei allen Divergenzen, die bestanden, haben die Partei der Arbeit Albaniens und die Regierung Albaniens vor aller Welt China und die Sache des Sozialismus in China unterstützt, insbesondere in den schwierigsten inneren und äußeren politischen Momenten, die es durchgemacht hat, in Momenten, da China isoliert war und von allen Seiten angegriffen wurde, auch von seinen heutigen Freunden. Unsere Partei und unsere Regierung haben dies mit offenem Herzen getan, in der Überzeugung, so die Geschicke der ernsthaft bedrohten Revolution in China zu verteidigen, die hohen Interessen des proletarischen Internationalismus, die Freundschaft zwischen Albanien und China zu verteidigen. Als die albanischen Kommunisten und das albanische Volk China gegen die Feinde des Sozialismus unterstützten, als sie jene seiner Auffassungen und Handlungen unterstützten, die auf dem richtigen Weg waren, haben sie dafür gekämpft, dass in China die Positionen des Marxismus-Leninismus und des Sozialismus gefestigt würden.

Um die politischen und ideologischen Ursachen noch besser zu verstehen, die die chinesische Führung dazu gebracht haben, arrogant die Hilfe für Albanien einzustellen, um die chauvinistischen Haltungen, die Haltungen einer Großmacht, die sie in den Beziehungen zur Partei der Arbeit Albaniens einnahm, zu verstehen, wie auch um die ehrliche, brüderliche und korrekte Haltung zu zeigen, die die Partei, die Regierung und das Volk Albaniens gegenüber China und dem chinesischen Volk eingenommen haben, ist es nötig, einen



Blick auf die Entwicklung der albanisch-chinesischen Beziehungen

zu werfen.



1.

    Die Verbindungen zwischen unseren beiden Parteien und Ländern wurden nach dem Sieg der Revolution in China, nach der Gründung der Volksrepublik China hergestellt. Aber sie wurden enger und festigten sich besonders nach 1960, als der offene Kampf gegen den Chruschtschow-Revisionismus begann. Der Kampf gegen den Imperialismus und den modernen Revisionismus vereinte unsere Parteien mit der Abkehr Chinas von diesem Kampf trennten sich unsere Wege.

    Der Kampf der Arbeit Albaniens gegen den modernen Revisionismus hatte schon vor der Verurteilung des Titoismus durch das Informationsbüro begonnen. Er ging noch schärfer nach Stalins Tod weiter, als die Chruschtschow`sche Variante des Revisionismus hervorzutreten begann. Diesen Kampf erweiterte und intensivierte unsere Partei immer mehr, indem sie den anti-marxistischen Auffassungen und Handlungen Chruschtschows und seiner Bande in der Außenpolitik ebenso wie in den Beziehungen zu den kommunistischen Parteien, besonders zu unserer Partei, Widerstand entgegensetzte.

    Die chruschtschow`sche Abweichung bedeutete die Revision der marxistisch-leninistischen Theorie auf allen Gebieten und in jeder Frage. Die chruschtschow`sche Strategie zielte darauf ab, die Diktatur des Proletariats zu unterhöhlen und den Kapitalismus in der Sowjetunion wieder herzustellen, das Land in eine imperialistische Supermacht zu verwandeln und die Welt gemeinsam mit dem amerikanischen Imperialismus aufzuteilen und zu beherrschen. Um diese Strategie zu verwirklichen, griff Chruschtschow Stalin und den Bolschewismus an, predigte er das Erlöschen des Klassenkampfes sowohl innerhalb wie außerhalb der Sowjetunion. Unter dem Vorwand, das Kräfteverhältnis auf der heutigen Welt habe sich geändert, der amerikanische Imperialismus und die reaktionäre internationale Bourgeoisie seien vernünftig geworden, rechtfertigte er die Abkehr von der Schlüsselthese des Marxismus-Leninismus über die gewaltsame Revolution und verbreitete Illusionen über den sogenannten friedlichen Weg. In den Beziehungen zu den kommunistischen und Arbeiterparteien handelten die Chruschtschowianer nach dem Konzept der “Mutterpartei” und des “Dirigentenstabs”. Sie wollten die Unterwerfung der Parteien unter ihr Diktat und ihre Ansichten, ihre Verwandlung in Instrumente ihrer Außenpolitik. Auf diesem Weg versöhnten sich Chruschtschow, Breschnew usw. mit den jugoslawischen Revisionisten und machten im Kampf gegen den Marxismus-Leninismus und die Revolution gemeinsame Sache mit ihnen.

    Die Partei der Arbeit Albaniens kämpfte entschlossen und unbeugsam gegen diese verräterische und konterrevolutionäre Linie des Chruschtschowismus. Insbesondere akzeptierte sie nicht, sondern brandmarkte sie die ideologische Rehabilitierung des Titoismus durch Chruschtschow, der durch diese Handlungsweise klar sein vollständiges Abgleiten in den Sumpf des Opportunismus und des Verrats bezeugte. Die Dokumente belegen, dass auch die Kommunistische Partei Chinas, bei all ihren Schwankungen, die sich in ihrer Haltung gegenüber dem jugoslawischen Revisionismus gehabt hat, zu Beginn des Jahres 1960, ohne von jemandem beeinflusst zu sein, die Rehabilitierung Titos und seiner Gruppe durch Chruschtschow verurteilte.

    Im Juni 1960 wurde bekanntlich die Bukarester Beratung abgehalten. Sie bewies noch deutlicher die konterrevolutionäre Linie Chruschtschows und der Chruschtschowianer. Sie griffen nicht nur den Marxismus-Leninismus in jeder Hinsicht an, sondern ganz direkt auch die Kommunistische Partei Chinas. Die Partei der Arbeit Albaniens trat auf dieser Beratung offen zur Unterstützung der Kommunistischen Partei Chinas auf und verteidigte sie bis zum Letzten, wobei sie selbst das Feuer der Wut und die Last des Drucks von Seiten aller Chruschtschow-Revisionisten auf sich zog. Diese prinzipienfeste Verteidigung leistete unsere Partei in reinem kommunistischem Bewusstsein, im Glauben und in der Überzeugung, den Marxismus-Leninismus und Volkschina zu verteidigen.

    Die Bukarester Beratung und danach die Beratung der 81 kommunistischen und Arbeiterparteien in Moskau bezeichneten die definitive Trennung zwischen den Marxisten-Leninisten und den Chruschtschow-Revisionisten und den Beginn der offenen Polemik zwischen ihnen. Während unsere Partei den Kampf gegen den Chruschtschow-Revisionismus konsequent und entschlossen aufnahm und entfaltete, zeigte die chinesische Führung Schwankungen und nahm keine feste Haltung gegen die Chruschtschowianer ein. In der ersten Zeit der scharfen Polemik zwischen der Partei der Arbeit Albaniens und den Chruschtschow-Revisionisten stimmte China mit Albanien überein, allerdings nur an der Oberfläche, da es in Wirklichkeit, wie sich später erwies, auf die Versöhnung mit den Sowjets und das Ersticken der Polemik abzielte. Das zeigte sich auch in der Rede von Tschou En – lai auf dem 22. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, wo er in Wirklichkeit nicht unsere Partei verteidigte, sondern bestrebt war, die Polemik zu ersticken. Diese flaue Haltung der chinesischen Führung wurde von ihrer Hilfe für Albanien genannt, doch das Streben danach, die Polemik zu ersticken, war weder im Interesse des sozialistischen Albaniens, noch im Interesse von China selbst. Es begünstigte Chruschtschow in seinem Kampf gegen den Sozialismus und den Marxismus-Leninismus.

    2.

    Die schwankende Haltung der Kommunistischen Partei Chinas im Kampf gegen den Revisionismus erwies sich klarer im Juni 1962. Zu dieser Zeit sandte die Partei der Arbeit Albaniens eine Delegation nach Peking, um mit der Führung der Kommunistischen Partei Chinas über wichtige Fragen, der Strategie und Taktik des gemeinsamen Kampfes der beiden Parteien auf internationaler Ebene zu sprechen. Die Delegation unserer Partei stieß damals auf äußerst falsche Ansichten der chinesischen Führung.

    Liu Schao-tschi, zur damaligen Zeit nach Mao Tse-tung hauptsächlicher Führer in der Kommunistischen Partei Chinas, der die Gespräche für die chinesische Seite führte, wie auch Deng Hsiao-ping, der damals Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas war, vertraten hartnäckig den Standpunkt der chinesischen Führung, wonach die anti-imperialistische Front unbedingt auch die Sowjetunion einschließen müsse, die zu dieser Zeit von der Revisionistenclique Nikita Chruschtschow geführt wurde.

    Die Delegation unserer Partei verteidigte die Linie der Partei der Arbeit Albaniens, die sich auf die Lehren Lenins stützt, die besagen, dass man nicht erfolgreich gegen den Imperialismus kämpfen kann, ohne gleichzeitig auch gegen den Revisionismus zu kämpfen. Unsere Delegation bestand auf der Ansicht der Partei der Arbeit Albaniens, dass die anti-imperialistische Front nicht nur auf keinen Fall auch die Sowjetrevisionisten einschließen darf, sondern dass der Kampf gleichzeitig wie gegen den Imperialismus im Allgemeinen und den amerikanischen Imperialismus im Besonderen, so auch gegen den Sowjetrevisionismus gerichtet werden muss.

    Die Linie der Versöhnung mit den Sowjetrevisionisten begründete die chinesische Führung mit der Notwendigkeit der Vereinigung “mit allen” gegen den amerikanischen Imperialismus, der – wie sie sagte – der Hauptfeind war. Diese opportunistische These brachte unter anderem auch die Illusionen der chinesischen Führung gegenüber den sowjetischen Revisionistenführern zum Ausdruck. Deng Hsiao-ping erklärte gegenüber der Delegation des Zentralkomitees unserer Partei bei den Gesprächen in Peking:

    “Es ist unmöglich, dass sich Chruschtschow so ändert, dass er wie Tito wird. ... Als sozialistisches Land kann sich die Sowjetunion niemals ändern” (Aus dem Protokoll des Gesprächs vom 11. Juni 1962).

    Die Partei der Arbeit akzeptierte diese Ansichten so wenig wie die chinesische These von der anti-imperialistischen Einheitsfront unter Einschluss der Chruschtschow-Revisionisten. Die chinesische Führung hingegen beharrte auf ihren opportunistischen Positionen.

    Der spätere Verlauf der Ereignisse, das Anwachsen des Kampfes der marxistisch-leninistischen Kräfte gegen den Chruschtschow-Revisionismus, die Intensivierung der spalterischen Tätigkeit Chruschtschows und besonders die Unterzeichnung des englisch-sowjetisch- amerikanischen Vertrags über das Verbot von Kernwaffenversuchen in der Atmosphäre im August 1963, das die Vereinigung der Bemühungen der beiden Supermächte um die Errichtung ihrer Weltherrschaft widerspiegelte, zwangen die chinesische Führung, die offene Polemik mit Chruschtschow aufzunehmen. So betrat die Kommunistische Partei Chinas erst jetzt, als sich die erwünschte Aussöhnung und Übereinkunft der chinesischen Führung mit den Sowjetrevisionisten nicht verwirklichen ließ, tatsächlich den Weg des Anti-Chruschtschowismus und schloss sich dem entschlossenen, konsequenten und prinzipienfesten Kampf der Partei der Arbeit Albaniens an. Dies freute die Partei der Arbeit Albaniens und das albanische Volk natürlich, die allein schon beinahe drei Jahre lang den offenen und wütenden Angriffen Chruschtschows und des ganzen modernen Revisionismus die Stirn boten. Die Verbindungen und die Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Parteien im Kampf gegen den Imperialismus und Revisionismus festigten sich noch mehr.

    Unsere Partei hat alle Anstrengungen unternommen, um diesen Kampf zu erweitern und zu vertiefen, da er der Mobilisierung der anti-imperialistischen und anti-revisionistischen Kräfte zur Verteidigung der Sache des Sozialismus und der Befreiung der Völker diente. Doch die chinesische Führung erwies sich, wie wir später sehen werden, nicht als konsequent und prinzipienfest in diesem Kampf.



    3.

    Im Sommer 1964 begann die chinesische Propaganda über die chinesisch-sowjetischen Grenzprobleme zu sprechen. Unter Hinweis auf ein Gespräch Mao Tse-tungs mit einer Gruppe japanischer sozialistischer Parlamentarier erklärte sie, dass weite Gebiete von Hunderttausenden von Quadratkilometern China von den russischen Zaren geraubt worden seien, dass die Sowjetunion auch in Europa als Folge des Zweiten Weltkrieges Grenzprobleme habe.

    Die Partei der Arbeit billigte es nicht, dass von Seiten Mao Tse-tungs die Frage der Überprüfung der Grenzen aufgeworfen wurde. Nach Ansicht unserer Partei machte die chinesische Führung zwei schwere Fehler: in erster Linie bedeutete es keine Unterstützung des ideologischen Kampfes gegen den Chruschtschow-Revisionismus, dass in diesem Augenblick die Frage der Grenzen aufgeworfen wurde. Dies gab im Gegenteil der sowjetischen Führung eine starke Waffe an die Hand, um sie gegen China und die Marxisten-Leninisten zu verwenden, um die Wirkung des ideologischen Kampfes, den diese zur Entlarvung des Chruschtschow`schen Verrats führten, zu neutralisieren und die Sache so hinzustellen, als ginge es in unserem Kampf um eine Grenzangelegenheit, um territoriale Forderungen. Andererseits wurde dadurch, dass die Grenzregelungen nach dem Zweiten Weltkrieg zwischen der Sowjetunion und einigen europäischen Ländern zur Diskussion gestellt wurden, ungerechtfertigterweise J. W. Stalin angegriffen und der Vorwurf der internationalen Reaktion gegen ihn unterstützt, er habe “Einflusszonen” schaffen wollen.. Die chinesische Führung vereinigte sich mit Tito, der diese These unterstützte, der selbst, wenn es darum ging, die Ungerechtigkeit der Siegermächte gegenüber Jugoslawien in der Vergangenheit herauszustellen, laut seine Stimme erhob, während er über deren Ungerechtigkeit gegenüber einem anderen Volk, diesmal zugunsten Jugoslawiens, volles Schweigen bewahrte.

    Die chinesische These der Überprüfung der Grenzen war keine einfache Angelegenheit. Sie brachte den Geist des Großmacht-Chauvinismus und des bürgerlichen Nationalismus zum Ausdruck und begünstigte die Kriegshetze in Europa.

    Das Zentralkomitee der Partei der Arbeit Albaniens legte dem Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas und dem Vorsitzenden Mao Tse-tung persönlich, unter Respektierung der leninistischen Normen, im Geist der vollkommenen Korrektheit und auf kamaradschaftlichem Wege in einem Brief, den es ihnen am 10. September 1964 schickte, offen seine eigenen Ansichten zu diesen Fragen dar.

    In diesem Brief heisst es unter anderem:

    “Unserer Meinung nach schadet es unserem Kampf schwer, gegenwärtig die territorialen Fragen mit der Sowjetunion aufzuwerfen. Das zu machen, hieße, dem Feind eine starke Waffe geben, um uns zu bekämpfen, und das würde unseren Vormarsch lähmen.

    Die sowjetischen Volksmassen werden, unter dem Druck der revisionistischen Propaganda Chruschtschows, unter dem Einfluss der Verleumdungen und der Lügen Chruschtschows und aus vielen anderen Gründen nicht verstehen, warum Volkschina jetzt territoriale Forderungen an die Sowjetunion stellt, sie werden dies nicht billigen und werden von der sowjetischen Propaganda bearbeitet, damit sie sich gegen euch empören. Aber auch die sowjetischen wahren Kommunisten werden dies, so meinen wir, nicht verstehen und nicht billigen. Dies wird ein ungeheurer Verlust für unseren Kampf sein.

    ... wir meinen, dass es nicht nötig ist, etwa bestehende alte Wunden zu öffnen, den Kampf und die Polemik darüber zu eröffnen, ob die Sowjetunion anderen Land weggenommen hat oder nicht, unser einziger, konzentrierter Kampf muss sich vielmehr gegen die große Wunde richten, den großen Verrat, nämlich den Imperialismus und den modernen Revisionismus, die Verrätergruppen Chruschtschows, Titos und aller ihrer Getreuen.”

    Auf den prinzipienfesten und korrekten Brief unserer Partei antwortete das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas nicht. Die chinesische Führung gab unserer Partei gegenüber in dieser so bedeutenden Frage niemals irgendeine Aufklärung. Mao Tse-tung beschränkte sich lediglich auf eine mündliche Erklärung, in der es hieß, dass “wir euren Brief nicht beantworten werden, um keine Polemik zu betreiben”. Unserer Ansicht nach sind der Meinungsaustausch, die Kritik unter Genossen und die gegenseitige Aufklärung auf der Grundlage der marxistisch-leninistischen Normen eine normale Sache zwischen zwei kommunistischen Parteien. Das ist keineswegs Polemik.

    Trotz dieser nicht korrekten Haltung der chinesischen Führung trug unsere Partei diese Meinungsverschiedenheit nicht an die Öffentlichkeit. Sie führte, gemeinsam mit China, ihren revolutionären Kampf gegen den Imperialismus und den Revisionismus fort.



    4.

    Im Oktober 1964 wurde N. Chruschtschow gestürzt. Dieses Ereignis machte die schwankende Haltung der chinesischen Führung gegenüber den sowjetischen Revisionisten erneut offensichtlich. Die Wünsche nach Versöhnung und zur Annährung mit ihnen wurden wiederbelebt.

    Am 29. Oktober 1964 ersuchte Tschou En-lai im Namen des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas und des Staatsrates der Volksrepublik China im Beisein der Botschafter Vietnams, Koreas, Rumäniens und Kubas den albanischen Botschafter in Peking, dem Zentralkomitee der Partei der Arbeit Albaniens den chinesischen Vorschlag zu übermitteln, dass unsere Parteien Delegationen nach Moskau schicken sollten, um die neue Führung der Sowjetunion mit Breschnew an der Spitze zu unterstützen und sich mit ihr “im Kampf gegen den gemeinsamen Feind, den Imperialismus” zu vereinigen. Er fügte hinzu, dass er dazu der sowjetischen Seite vorgeschlagen habe, auch Albanien einzuladen, um an den Feierlichkeiten zum 7. November teilzunehmen.

    Bei jenem Treffen sagte Tschou En-lai zur Begründung des chinesischen Standpunkts:

    “In der Sowjetunion fanden Veränderungen statt. Ihr Einfluss und ihre Bedeutung beschränken sich nicht nur auf die Sowjetunion, sondern erstrecken sich auf die sozialistischen Parteien und Länder und die ganze kommunistische Weltbewegung, sogar auch auf unsere gemeinsamen Feinde und ihre Agenten. Kurz, das ist eine gute Sache, es hat eine Veränderung stattgefunden.

    ... Aus diesem Grund sandten wir auch der neuen Führung der Partei und der Regierung der Sowjetunion ein Glückwunschtelegramm, in dem wir zum Ausdruck brachten, dass wir eine solche Veränderung unterstützen und willkommen heißen.

    ... Jetzt sind wir in Peking un unserer Presse seit dem 16. Oktober in den Waffenstillstand eingetreten.

    ... Das machen wir in der Absicht, uns auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus gegen den gemeinsamen Feind zusammenzuschließen, obwohl viele große Probleme vorerst nicht gelöst werden können.”

    Obwohl Tschou En-lai wusste, dass es zwischen der Sowjetunion und Albanien keine diplomatischen Beziehungen gab – diese waren brutal auf Initiative der Chruschtschowianer abgebrochen worden -, bestand er darauf, dass Albanien eine Delegation nach Moskau schicken sollte, und sagte zu unserem Botschafter: “Wir meinen, die albanischen Genossen sollten unseren Vorschlag studieren, denn das ist eine gute Gelegenheit, um die Hand zu reichen und sich im Kampf gegen die Feinde zu vereinigen.”

    Das Zentralkomitee der Partei der Arbeit Albaniens konnte diesen Vorschlag nicht annehmen, der die Einstellung des Kampfes gegen den Revisionismus und die ideologische Versöhnung mit ihm verlangte. Wäre diese Linie der Versöhnung mit den Sowjetrevisionisten eingenommen worden, wäre dies für die marxistisch-leninistische Bewegung katastrophal gewesen, wäre dies ein vernichtender Schlag für sie gewesen. Daher lehnte unsere Partei kategorisch das Ansuchen der chinesischen Führung ab und wies es entschieden zurück.

    In dem Brief, den das Zentralkomitee der Partei der Arbeit Albaniens am 5. November 1964 dem Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas zusandte, erklärte es geduldig und mit marxistisch-leninistischer Korrektheit, dass die Einschätzung der chinesischen Führung von den Veränderungen, die in der Sowjetunion stattgefunden hatten, falsch sei und ihr Vorschlag, nach Moskau zu gehen, unannehmbar.

    In diesem Brief heißt es u.a.:

    “Dieses Ereignis hat, obwohl es wichtig ist und nicht ohne ernste Folgen bleiben kann, dennoch, zumindest bis heute, den Revisionismus nicht der vollen Niederlage entgegengebracht, hat noch nicht den endgültigen Sieg des Marxismus-Leninismus über den Revisionismus beschleunigt, de Revisionismus seinem Grab näher gebracht, während die Nachfolger Chruschtschows versuchen, den Revisionismus vor diesem Grab zu retten, indem sie die Politik des Chruschtschow-Revisionismus ohne Chruschtschow betreiben.

    ... Obwohl die Entfernung N. Chruschtschows von der politischen Bühne ein wichtiger Sieg für den Marxismus-Leninismus ist, meint das Zentralkomitee der Partei der Arbeit Albaniens, dass dies nicht überschätzt werden darf und dass sie in ihrem prinzipienfesten Kampf zur Zerschlagung des chruschtschowschen modernen Revisionismus nicht innehalten dürfen.

    ... Wir meinen, dass die offene und prinzipienfeste Polemik zur ununterbrochenen Entlarvung des modernen Revisionismus auch heute bis zu Ende fortgeführt werden muss, bis der Revisionismus als Ideologie gänzlich begraben wird... Unser Rückzug von diesem im Kampf gewonnenen Positionen wäre ein Verlust für uns und ein Gewinn für die Revisionisten.

    ... Wir meinen, dass es uns, unter diesen Bedingungen, da die sowjetische Regierung auf ihre Initiative hin die diplomatischen Beziehungen abgebrochen und gegen uns abscheuliche, antimarxistische Handlungen unternommen hat, nicht erlaubt ist, und dass es weder marxistisch noch eines souveränen Staates würdig ist, diese Dinge zu ignorieren, einzig und allein aus der Tatsache heraus, dass die Person N. Chruschtschow beseitigt wurde.

    Aus diesen Gründen sind wir gezwungen, dem Vorschlag des Genossen Tschou En-lai, dass eine albanische Delegation von der sowjetischen Partei und Regierung zur Teilnahme an den Feierlichkeiten zum 7. November eingeladen wird, zu widersprechen.”

    Auch diesem internen Brief unserer Partei gegenüber nahm das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas eine geringschätzige Haltung ein. Die chinesische Führung antwortete auch auf diesen Brief niemals und zog nicht die darin enthaltenen begründeten, kameradschaftlichen Einwände in Betracht.

    Tschou En-lai begab sich am 7. November 1964 an der Spitze einer chinesischen Partei- und Regierungsdelegation nach Moskau, um die Machtübernahme Breschnews zu begrüßen. Doch, wie sich herausstellte, hatte er keinen Erfolg bei der ihm übertragenen Mission der Versöhnung und der Übereinkunft mit der neuen sowjetischen Führung, und nach seiner Rückkehr nach China war die chinesische Führung gezwungen, die Polemik mit der Sowjetunion wieder aufzunehmen.

    Es ergab sich also, dass die Haltung unserer Partei gegenüber den Ereignissen um den Sturz Chruschtschows und deren Einschätzung richtig, marxistisch-leninistisch war. Deswegen war die Position der chinesischen Führung versöhnlerisch, opportunistisch und in der Einschätzung der Haltung gegenüber der neuen revisionistischen Führung der Sowjetunion ganz und gar falsch. Trotz alledem, auch wenn sich die chinesische Regierung nicht korrekt gezeigt und keinerlei Selbstkritik geübt hatte, obwohl sich die ideologischen Divergenzen weiter vertieften, ging unsere Partei weiterhin vorwärts in ihrem Kampf zur Festigung der Freundschaft und der Zusammenarbeit mit der Kommunistischen Partei Chinas, denn sie hoffte, dies würde dazu beitragen, dass die chinesische Führung im gemeinsamen Kampf gegen Revisionismus und Imperialismus solide Positionen beziehen würde.



    5.

    Unabhängig von den Widersprüchen, die zwischen uns entstanden waren, unterstützte die Partei der Arbeit Albaniens in Anbetracht der schwierigen Lage, in der sich China befand, und im aufrichtigen Wusch, der Kommunistischen Partei Chinas und dem chinesischen Volk bei deren Überwindung zu helfen, weiterhin entschlossen China, insbesondere in jenen politischen und ideologischen Fragen, in denen unsere Standpunkte übereinstimmten.

    Unsere Partei unterstützte die Kulturrevolution auf persönliche Bitte Mao Tse-tungs selbst, der unserer Partei gegenüber erklärte, China befände sich vor einer ungeheuren Gefahr, und es sei nicht bekannt, wer in China siegen würde, die sozialistischen oder die revisionistischen Kräfte (Aus dem Protokoll des Gespräches mit der albanischen Partei- und Regierungsdelegation im Mai 1966). Die Partei der Arbeit Albaniens half China in einer sehr kritischen Periode, als es große Erschütterungen durchmachte und von der vereinten imperialistisch-revisionistischen Front brutal angegriffen wurde. Sie unterstützte die Generallinie der Kulturrevolution zur Liquidierung der kapitalistischen und revisionistischen Elemente, die Schlüsselpositionen in der Partei und in der Staatsmacht an sich gerissen hatten, obwohl sie mit vielen prinzipiellen Fragen und Methoden, die bei dieser Revolution angewandt wurden und von denen sie geleitet wurde, nicht einverstanden war. Bei ihrer Unterstützung der Kulturrevolution hoffte unsere Partei, dabei werde der Weg des wahren revolutionären Kampfes, geführt von der Arbeiterklasse und ihrer Avantgarde, der Kommunistischen Partei gefunden werden. Die ganze Periode der großen Kulturrevolution war für den Sozialismus in China eine sehr schwierige Periode und schuf einen wirren und chaotischen Zustand. Dieser Zustand war das logische Ergebnis der prinzipienlosen Fraktionskämpfe, die innerhalb der Kommunistischen Partei Chinas in der Periode des Kampfes für die Entfaltung der bürgerlich-demokratischen Revolution und nach 1949 für den Weg, den China bei der Weiterentwicklung der Revolution verfolgen würde, stattgefunden hatten.

    Die großen Ideen der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution und die marxistisch-leninistische Ideologie wurden nicht, wie es sein muss, zum Vorbild, zur Achse und zum Kompass der Kommunistischen Partei Chinas unter den konkreten Bedingungen Chinas gemacht. Dies bewirkte, dass auch der marxistisch-leninistische Kern der Partei in einem unkontrollierten Chaos des Machtkampfes von Fraktionen, Personen und Gruppen mit allen möglichen nicht-marxistisch-leninistischen Ansichten Antrieb gab, was die Errichtung der Grundlagen des Sozialismus in China ernstlich behinderte. Dieses politische, ideologische und organisatorische Chaos in der Kommunistischen Partei Chinas und im chinesischen Staat führte dazu, dass kapitalistische und revisionistische Elemente Schlüsselpositionen in der Partei, der Staatsmacht und in der Armee in ihre Hand brachten. Unter diesen Bedingungen brach die Kulturrevolution aus, die von Mao Tse-tung selbst angeregt und geführt wurde.

    Die Partei der Arbeit Albaniens unterstützte die allgemeine Strategie der Kulturrevolution. Doch wir möchten betonen, dass unsere Partei die Strategie dieser Revolution unterstützte, und nicht jede ihrer Taktiken. Sie verteidigte entschlossen die Sache des Sozialismus in China, verteidigte das chinesische Brudervolk, die Kommunistische Partei Chinas und die Revolution, keineswegs aber den fraktionistischen Kampf anti-marxistischer Gruppen, welche sie auch gewesen sein mögen, die, offen oder getarnt, aufeinanderstießen und sich bekämpften, bis hin zu bewaffneten Auseinandersetzungen, um die Macht wiederzuerlangen.

    Die Kulturrevolution behielt die meiste Zeit den Geist und die Handlungen eines prinzipienlosen, nicht von einer wahrhaften Partei der Arbeiterklasse, die für die Errichtung der Diktatur des Proletariats kämpfte, geführten Kampfes bei. Diese Auseinandersetzungen zwischen fraktionistischen Gruppen endeten so in China mit der Errichtung einer von bürgerlichen und revisionistischen Elementen beherrschten Macht.

    Die gegenwärtige chinesische Führung wollte und will, dass die Partei der Arbeit Albaniens die Kulturrevolution verurteilt, gemäß den Wünschen und Beweggründen der chinesischen Führung. Die Partei der Arbeit Albaniens wird ein derartiges Diktat niemals akzeptieren. Sie und alle Revolutionäre der Welt erwarten von der Kommunistischen Partei Chinas eine wirkliche Analyse dieser Kulturrevolution, sie erwarten, dass die Kommunistische Partei Chinas den Mut hat, die Wahrheit über die Ideen zu sagen, die diese Revolution leiteten, über die Gruppen und Menschen, die sie vollzogen und führten, über diejenigen, gegen die sich diese Revolution richtete, sie erwarten, dass die Kommunistische Partei Chinas in dieser Frage klar Stellung bezieht. Die Führung der Kommunistischen Partei Chinas hat bis heute nichts Entsprechendes getan, weil sie die Tatsache, die historischen Ereignisse und ihre wahrhaft marxistisch-leninistische Interpretation fürchtet.



6.

Die Partei der Arbeit Albaniens unternahm nach allen Seiten hin Anstrengungen zur festen und offenen Verteidigung Chinas auf internationaler Ebene, obwohl sie in sehr vielen Fragen ihm prinzipiell entgegengesetzte Standpunkte einnahm. So etwa der lange, beharrliche diplomatische Kampf des sozialistischen Albaniens, um die legitimen Rechte der Volksrepublik China in den Vereinten Nationen wieder herzustellen, die ihm vom amerikanischen Imperialismus und seinen Verbündeten abgesprochen wurden.

In den Beziehungen zu den anderen Ländern der Welt verfolgte China eine abgeschlossene Politik. Die Führung unserer Partei hat bei besonderen Anlässen und in der unter Genossen üblichen Art gegenüber der chinesischen Führung den Wunsch zum Ausdruck gebracht, China möge sich in seiner Außenpolitik aktiver zeigen, seine politischen, wirtschaftlichen, kulturellen u.a. Kontakte und Beziehungen zu den verschiedenen Ländern und besonders seinen Nachbarländern ausweiten. Unserer Ansicht nach konnte dies nur im Interesse von China selbst und der Sache des Sozialismus und der Revolution auf der Welt sein. Doch die chinesische Führung fand diesen Wunsch Albaniens nicht vernünftig und zog die Selbstisolation vor, wobei gegenüber allen Staaten, die den Wunsch unterbreiteten, Beziehungen zu ihr herzustellen, alle möglichen Vorwände vorgebracht wurden.



7.

Im Jahr 1968 reiste eine albanische Regierungsdelegation, an deren Spitze das ehemalige Mitglied des Politbüros, der ehemalige stellvertretende Vorsitzende des Ministerrates und ehemalige Minister für Volksverteidigung Beqir Balluku stand, nach China. Diese Delegation war mit der Aufgabe betraut, der chinesischen Führung auch unseren Wunsch nach Hilfe zur Stärkung der Verteidigungskraft Albaniens zu unterbreiten.

Tschou En-lai äußerte bei dieser Gelegenheit Beqir Balluku gegenüber offen den Standpunkt der chinesischen Führung, dass Albanien als kleines Land keine schweren Waffen brauche und nicht im Geringsten in der Lage sei, sich allein aus eigener Kraft gegen eine Aggression von außen zu verteidigen, besonders von Seiten des sowjetischen Sozialimperialismus und des amerikanischen Imperialismus, soviel Militärhilfe es auch von China erhalte. Deshalb, so Tschou En-lai, gäbe es für Albanien, um einer fremden Aggression standzuhalten, nur den Weg der Anwendung der Taktik des Partisanenkrieges im Land und die Verbindung in einem Militärbündnis mit Jugoslawien und Rumänien.

Als unsere Delegation in das Vaterland zurückkehrte, setzte Beqir Balluku das Politbüro in Kenntnis von den Vorschlägen Tschou En-lais. Das Polibüro des Zentralkomitees unserer Partei verurteilte und verwarf einstimmig den albanienfeindlichen und konterrevolutionären Vorschlag Tschou En-lais. Beqir Balluku, der sich formal dem Beschluss des Politbüros anschloss, gab an, er habe angeblich dem Vorschlag Tschou En-lais Widerstand entgegengesetzt, doch die späteren Tatsachen und Ereignisse bewiesen, dass Beqir Balluku in Wirklichkeit vollständig mit dem Vorschlag der chinesischen Führung einverstanden gewesen war und im Geheimen für die Verwirklichung dieses gegenüber der Sozialistischen Volksrepublik Albanien feindlichen strategischen Planes aktiv war.

Tschou En-lai wiederholte die gleiche These auch gegenüber einer albanischen Regierungsdelegation, die sich im Juli 1975 in Peking aufhielt, um ein Abkommen über die Wirtschaftshilfe von China an Albanien für den 6. Fünfjahresplan 1976-1980 abzuschließen. Erneut lehnte unsere Delegation diese These eindeutig und katehorisch ab.

Die Führung unserer Partei betrachtete Tschou En-lais Vorschlag zu dem Militärbündnis, dass er uns aufzuzwingen versuchte, als einen reaktionären Versuch der chinesischen Führung, das sozialistische Albanien durch Militärbündnisse in die Falle kriegstreiberischer Komplotte zu treiben, die das letztendliche Ziel haben, den Balkanraum in ein Pulverfass zu verwandeln, wie es die sowjetischen Sozialimperialisten und die amerikanischen Imperialisten anstreben.

Wir wissen nicht, ob Jugoslawien und Rumänien etwas von diesen Plänen der chinesischen Führung wissen. Doch wir sehen auch heute, dass sich die chinesische Führung äußerst eifrig dabei zeigt, sich in die Balkanfrage einzumischen, die Karten zu verwirren und in diese sehr empfindliche Zone Europas das Feuer des Krieges zu legen. Doch wir vertrauen darauf, dass die Völker des Balkans niemals zulassen werden, sich zu Werkzeugen des amerikanischen Imperialismus und des chinesischen Hegemonismus machen zu lassen.

Dieses Vorgehen der chinesischen Führung und der Widerstand unserer Partei gegen diese reaktionären Handlungen hatte später äußerst ernste Folgen für die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern. Unsere Partei hat sich niemals in die inneren Angelegenheiten Chinas eingemischt. Die chinesische Führung aber hat sich in bestimmten Augenblicken in krimineller Weise in die inneren Angelegenheiten Albaniens eingemischt. Diese Tatsachen werden wir zum geeigneten Zeitpunkt klar und deutlich ans Tageslicht bringen. Wären diese verwerflichen Akte, die die chinesische Regierung in Zusammenarbeit auch mit albanischen Verrätern unternahm, zur Wirklichkeit gemacht worden, wären die Sozialistische Volksrepublik Albanien, ihre Unabhängigkeit und Souveränität liquidiert worden.



8.

Während unsere Partei arbeitete, um die brüderliche Zusammenarbeit mit China zu festigen, während sie wünschte, dass wir den Kampf gegen den Imperialismus, den modernen Revisionismus und die Reaktion in einer gemeinsamen Front und mit allen marxistisch-leninistischen Parteien und Kräften richtig entfalteten und intensivierten, sah China alles nur durch seine eigene Brille, es war bestrebt. Über die anderen zu dominieren, damit sich diese seiner Strategie und Taktik unterordneten.

Die Ereignisse, die sich vollzogen, zeigten immer deutlicher, dass der politische und ideologische Kampf der Kommunistischen Partei Chinas gegen die Chruschtschowianer nicht von soliden Grundlagen ausging, dass er in Wahrheit nicht die Verteidigung des Marxismus-Leninismus, der Revolution und der Befreiung der Völker zum Ziele hatte. Er diente einfach pragmatischen Zwecken und egoistischen Interessen. Dies zeigte sich an der an die Wurzeln gehenden Änderungen der chinesischen Strategie, die mit Nixons Besuch in Peking offiziell besiegelt wurde.

Im Sommer 1971 erfuhr Albanien, das als engster Verbündeter Chinas galt, durch ausländische Presseagenturen von der auf der ganzen Welt verbreiteten Nachricht, dass Kissinger einen Geheimbesuch in Peking abgestattet hatte. Mit Kissinger waren Verhandlungen geführt worden, die eine die Wurzeln erfassende Änderung der chinesischen Politik bezeichneten. Wie bei anderen Gelegenheiten hielten es die Kommunistische Partei und die Regierung der Volksrepublik China, obwohl es um eine große politische Wendung zur Änderung der strategischen Linie ging, auch diesmal nicht für nötig, zuvor auch mit der Partei der Arbeit und der Regierung Albaniens zu sprechen, auch ihre Meinung einzuholen. Die chinesische Führung verfolgte den Kurs, die anderen vor vollendete Tatsachen zu stellen, in der Meinung, diese müssten sich ohne ein weiteres Wort ihr fügen.

Für unsere Partei war klar, dass der Besuch von Nixon in Peking kein schrittweiser Ausbau der Gespräche war, die bis dahin in Warschau zwischen dem chinesischen und dem amerikanischen Botschafter geführt worden waren, dass er nicht erfolgte, um die “Volksdiplomatie” zu entwickeln und Kontakten mit dem amerikanischen Volk den Weg zu ebnen, wie dies die chinesischen Führer vorgaben. Der Nixon-Besuch in Peking legte die Grundlagen einer neuen Politik von Seiten Chinas.

Mit Nixons Besuch begann China im Spiel der imperialistischen Bündnisse und Rivalitäten um die Neuaufteilung der Welt mitzumischen, damit auch China seinen Teil abbekäme. Mit diesem Besuch ebnete es von seiner Seite aus der Annäherung und Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Imperialismus und seinen Verbündeten den Weg. Die Grundlagen des Bündnisses mit den Vereinigten Staaten von Amerika markierte zugleich, dass die chinesische Führung die wahrhaft sozialistischen Länder, die marxistisch-leninistische Bewegung, die Revolution und den nationalen Befreiungskampf der Völker im Stich ließ.

Dieses Bündnis und dieses Treffen in Peking zwischen der chinesischen Führung und dem US-Präsidenten Nixon fanden zu einer Zeit statt, da die Vereinigten Staaten von Amerika in Vietnam ihren imperialistischen Raubkrieg führten, als sie mit Ausnahme allein der Atombombe alle und die modernsten militärischen Mittel einsetzten, um das heroische vietnamesische Brudervolk abzuschlachten und Vietnam in Schutt und Asche zu legen. Dieses ungeheuerliche Bündnis und die chinesisch-amerikanische Begegnung waren verwerfliche Handlungen und hatten katastrophale Folgen für die Völker. Deshalb sandte das Zentralkomitee der Partei der Arbeit Albaniens, als es diese gefährliche Wendung in der Außenpolitik Chinas feststellte, am 6. August 1971 dem Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas einen langen Brief, in dem es eindeutig betonte, dass es gegen diese Kursänderung Chinas war, die im Gegensatz zu den Interessen Volkschinas selbst, der Revolution und des Sozialismus stand.

Im Brief heißt es u.a.:

“... Euren Beschluss, Nixon in Peking zu empfangen, halten wir für nicht richtig, nicht wünschenswert, wir sind nicht mit ihm einverstanden und unterstützen ihn nicht. Ebenso wird der angekündigte Besuch Nixons in China, unserer Meinung nach, auch von den Völkern, den Revolutionären und den Kommunisten der verschiedenen Länder nicht verstanden und nicht gebilligt werden.

... An der Tatsache, dass Nixon in China empfangen wird, Nixon, der als wütender Antikommunist, als Aggressor und Völkermörder, als der Vertreter der schwärzesten amerikanischen Reaktion bekannt ist, lässt sich viel aussetzen und sie wird eine ganze Menge negativer Konsequenzen für die Revolution und unsere Sache mit sich bringen.

Dass Nixon nach China kommt, und die Gespräche mit ihm schaffen bei den einfachen Menschen, den Völkern, den Revolutionären, unweigerlich unheilvolle Illusionen über den amerikanischen Imperialismus, seine Strategie und Politik.

... Die Gespräche mit Nixon liefern den Revisionisten die Waffen, um den ganzen Kampf und die große Polemik, die die Kommunistische Partei Chinas zur Entlarvung der sowjetischen Renegaten als Verbündete und Kollaborateure des amerikanischen Imperialismus geführt hat, zu entwerten und den Eindruck zu erwecken, als ob die Haltung Chinas zum amerikanischen Imperialismus und die verräterische und kollaborationistische Linie, die die Sowjetrevisionisten ihm gegenüber verfolgen, das gleiche seien. Dies gibt den Chruschtschowrevisionisten die Möglichkeit, noch mehr ihre Fahne des verlogenen Anti-Imperialismus zu schwenken und ihre Demagogie und ihre Betrugsmanöver zu verstärken, um die anti-imperialistischen Kräfte auf ihre Seite zu ziehen.

... Der Besuch des US-Präsidenten in China wirft bei den einfachen Menschen unvermeidlich Fragezeichen, ja sogar Missverständnisse auf, die den Verdacht erwecken können, dass China dabei ist, seine Haltung gegenüber dem amerikanischen Imperialismus zu ändern und das Spiel der Supermächte mitzuspielen.

... Unsere Strategie sieht ein enges Bündnis mit den kämpfenden Völkern, mit den Revolutionären der ganzen Welt in einer gemeinsamen Front gegen den Imperialismus und Sozialimperialismus vor und und niemals ein Bündnis mit dem sowjetischen Sozialimperialismus angeblich gegen den amerikanischen Imperialismus, ebensowenig wie ein Bündnis mit dem amerikanischen Imperialismus angeblich gegen den sowjetischen Sozialimperialismus.”

Der Brief endet damit, dass betont wird, dass

“die Linie und die Haltungen der Partei der Arbeit Albaniens stets prinzipienfest, konsequent, unveränderlich bleiben werden. Wir werden kompromisslos und konsequent den amerikanischen Imperialismus und den Sowjetrevisionismus bekämpfen.”

Im Brief wird der Hoffnung Ausdruck gegeben, dass die kritischen Hinweise der Partei der Arbeit gegenüber einer Bruderpartei

“in einer Weise, wie sie unter Genossen üblich ist, erwogen und richtig verstanden werden.”

Die chinesische Führung nahm auch diesem Brief gegenüber ihre gewohnte Haltung ein. Sie ließ sich nicht dazu herab, irgendeine Antwort zu geben. Damit zeigte sie nicht nur den Größenwahn des großen Staates, sondern auch die Furcht, sich den richtigen und prinzipienfesten, marxistisch-leninistischen Argumenten unserer Partei zu stellen. Tatsächlich wurde zwei Monate nach unserem Brief der 6. Parteitag der Partei der Arbeit Albaniens abgehalten. Dies war eine gute Gelegenheit dazu, mit der chinesischen Delegation, die zu diesem Parteitag eingeladen war, Meinungen auszutauschen und die jeweiligen Positionen zu erörtern. Doch die chinesische Führung nahm, konsequent auf ihrem Kurs der Ablehnung von Konsultationen zur Beilegung von Meinungsverschiedenheiten durch Gespräche, auch diesmal eine Haltung ein, die im Widerspruch zu der gesamten Praxis der internationalistischen Beziehungen zwischen Bruderparteien stand. Sie schob einige absurde Gründe dafür vor, keine Delegation zum Parteitag unserer Partei zu entsenden. Praktisch schränkte die Kommunistische Partei Chinas seit dieser Zeit einseitig die Kontakte zu unserer Partei ein und verwandelte die Beziehungen zwischen beiden Parteien in vollständig formale Beziehungen.

Die Änderung der Strategie Chinas vollzog sich in einem inneren Kampf in den Reihen seiner Kommunistischen Partei, wo tiefe Widersprüche bestanden, wo “hundert Blumen und hundert Schulen” blühten, wo es in der Führung Pro-Chruschtschowianer, Pro-Amerikaner, Opportunisten und Revolutionäre gab. Dies erklärt die sich aneinander reihenden Änderungen der politischen Linie der Kommunistischen Partei Chinas, ihre schwankenden, opportunistischen und widersprüchlichen Haltungen gegenüber dem amerikanischen Imperialismus, dem modernen Revisionismus und der internationalen Reaktion. Innerhalb von 10 Jahren, zwischen 1962 und 1972, wurde das Herzstück der chinesischen Politik dreimal geändert. Anfänglich hielt sich die Kommunistische Partei Chinas an die strategische Formel der “Einheitsfront auch mit den sowjetischen und den anderen Revisionisten gegen den US-Imperialismus und seine Verbündeten”. Später trat die Kommunistische Partei Chinas mit der Parole der “breitesten Einheitsfront des Proletariats und der revolutionären Völker aller Länder gegen den IS-Imperialismus, den Sowjetrevisionismus und die Reaktion der verschiedenen Länder” auf. Mit dem Nixon-Besuch in China sprach die chinesische Strategie erneut von einer “breiten Einheitsfront”, doch diesmal unter Einschluss “aller, mit denen man sich vereinigen kann”, inbegriffen die Vereinigten Staaten von Amerika gegen den sowjetischen Sozialimperialismus.



9.

Nach der Annäherung an den amerikanischen Imperialismus und der Öffnung gegenüber den Vereinigten Staaten von Amerika und ihren Verbündeten verkündet die Führung der Kommunistischen Partei Chinas die anti-marxistische und konterrevolutionäre Theorie der “drei Welten”. Diese gab sie als Strategie der Revolution aus und machte Anstrengungen, um sie der marxistisch-leninistischen kommunistischen Bewegung und allen Völkern der Welt als Generallinie ihres Kampfes aufzuzwingen.

Die Partei der Arbeit Albaniens, wie auch die Kommunistische Partei Chinas, hatten, als sie gemeinsam gegen den modernen Revisionismus und insbesondere gegen den Chruschtschow-Revisionismus kämpften, das Prinzip und betonten, dass es keine “Mutterpartei” und keine “Tochterpartei” gibt, dass jede Partei das Recht hat, ihre eigenen Ansichten über alle Probleme zu haben, dass eine Partei wahrhaft kommunistisch, revolutionär ist, wenn sie diese Probleme durch das Prisma des Marxismus-Leninismus betrachtet. Die Kommunistische Partei Chinas hat diese Prinzipien und Normen in jeder Hinsicht mit Füßen getreten. Sie ist bestrebt, die konterrevolutionäre Richtungsänderung der Vereinigung Chinas mit dem amerikanischen Imperialismus und der Weltreaktion allen Marxisten-Leninisten aufzuzwingen, die gesamte revolutionäre und Befreiungsbewegung dazu zu bringen, ihre anti-marxistischen Vorstellungen und Analysen über den Imperialismus, über die heutige Weltsituation, über die Bündnisse usw. als absolute und unumstößliche Wahrheit zu akzeptieren.

Die Praxis zeigt, dass die internationalen Fragen von der Kommunistischen Partei und der Regierung Chinas meist nicht unter dem Blickwinkel des Marxismus-Leninismus, der Interessen der Revolution und der Befreiungskämpfe der Völker betrachtet werden. Die chinesische Politik ist eine pragmatische Politik, und es kann gar nicht anders sein, solange ihre Strategie und Taktik so ist. Deshalb hat die Welt 180-Grad-Wendungen in der chinesischen Strategie und Politik erlebt und wird sie auch in Zukunft erleben. Diese Wendungen werden als marxistisch-leninistisch hingestellt, doch in Wirklichkeit sind sie antimarxistisch, sie sind Wendungen, die den Interessen des chinesischen großen Staates im Streben nach Bündnissen mit dem amerikanischen Imperialismus, dem sowjetischen Sozialimperialismus und dem Weltkapital dienen, um China zu einer imperialistischen Supermacht zu erheben.

Augenblicklich hat der Plan Chinas, sich in eine Supermacht zu verwandeln, seinen konzentrierten Ausdruck in der berüchtigten Theorie der “drei Welten” gefunden. Die Theorie der “drei Welten” sucht den Marxismus-Leninismus durch ein eklektisches Amalgam opportunistischer, revisionistischer und anarcho-syndikalistischer Ideen und Thesen zu ersetzen, sie ist bestrebt, den revolutionären Geist des Proletariats und seinen Klassenkampf zu ersticken, indem sie die Vereinigung mit der Bourgeoisie und dem Imperialismus propagiert. Mit ihren Predigten, es sei angeblich nicht die Zeit zur Revolution, versuchte die Theorie der “drei Welten” den Status quo zu wahren, die aktuelle Lage der kapitalistischen, kolonialistischen und neo-kolonialistischen Ausbeutung und Unterdrückung.

Angeblich im Namen der Verteidigung der nationalen Unabhängigkeit gegen den sowjetischen Sozialimperialismus, in dem es heute die einzige Gefahr und Bedrohung sieht, verlangt China von den Völkern, die Finger vom Kampf für nationale, wirtschaftliche und soziale Befreiung zu lassen, sich dem amerikanischen Imperialismus und den anderen kapitalistischen Mächten des Westens, den Kolonisatoren von früher zu unterwerfen. Es fordert die Stärkung der EWG und der Europäischen Gemeinschaft, von Organismen also, die geschaffen wurden, um das Proletariat von Europa in kapitalistischer Versklavung zu halten und die Völker anderer Länder auszubeuten und zu unterdrücken. Die Theorie der “drei Welten”, die das Wettrüsten der Supermächte anheizt, die die Kriegsinstrumente des amerikanischen Imperialismus, wie es die NATO und seine anderen Militärblöcke sind, unterstützt, hetzt zum imperialistischen Weltkrieg auf.

Die Theorie der “drei Welten” ist ein Rauchvorhang, der dazu dient, das Ziel Chinas zu verschleiern, seine Hegemonie über das zu errichten, was es “dritte Welt” nennt. Es ist kein Zufall, dass es sich selber zur “dritten Welt” zählt, und sich als ihre Führung auf internationaler Ebene ausgibt. Und es ist ebensowenig ein Zufall, dass die chinesische Führung mit den “Blockfreien” flirtet und bestrebt ist, sie unter ihre Fittiche zu nehmen.

Nicht die chinesische Führung hat als erste “Liebe” und “Fürsorge” für die sogenannte Dritte Welt gezeigt. Schon lange Zeit vor ihr haben die Imperialisten, die Sozialimperialisten und die anderen Neo-Kolonialisten verschiedene Theorien über die “dritte Welt” ausgearbeitet, um die Völker und Länder dieser “Welt” zu beherrschen und zu unterwerfen. Deshalb ist es völlig umsonst, wenn die chinesische Führung vorgibt, sie sei es gewesen, die diese Theorie 1974 aus einer angeblich objektiven Analyse der internationalen Situation durch Mao Tse-tung heraus entwickelt habe. Die ganze Welt weiß, dass die Theorie über die “dritte Welt” eine von der Weltreaktion aufgebrachte Theorie ist.

Die Partei der Arbeit Albaniens und die albanische Regierung haben seit 1960 und schon vorher auf internationaler Ebene die theoretischen und praktischen Spekulationen über die “dritte Welt” als bürgerlich-kapitalistische, neo-kolonialistische und rassistische Manöver und Komplotte zur Unterdrückung der für Freiheit und Unabhängigkeit kämpfenden Völker entlarvt und bekämpft.

Der “Beitrag” der chinesischen Führer zur Theorie der “drei Welten” besteht allein im “Nachweis” der Notwendigkeit der Versöhnung der “dritten Welt” mit dem Imperialismus. Sie haben nichts entdeckt, sondern dachten sich nur das Bündnis der “dritten Welt” mit dem amerikanischen Imperialismus und den anderen Imperialisten aus, um diesen Hilfen zu entlocken und China zu einer imperialistischen Supermacht zu machen.

Deshalb ist es nicht die Partei der Arbeit Albaniens, die den chinesischen Erfinder und die Verteidiger dieser Theorie angreift, vielmehr sind es gerade jene, die zuerst die Partei der Arbeit Albaniens und ihren Kampf gegen diese Theorie der Weltreaktion, ihren Kampf zur Unterstützung der Freiheit und Unabhängigkeit der Völker Afrikas, Lateinamerikas usw. angegriffen haben.

Die Anwendung der Theorie der “drei Welten” bringt die chinesische Führung dazu, sich selbst mit dem “Teufel” zu vereinigen, mit den amerikanischen Imperialisten und den Monopolisten Europas, mit den Faschisten und Rassisten, den Königen und Feudalen, mit den wütendsten Militaristen und Kriegstreibern. Pinochet und Franco, die nazistischen Exgeneräle der deutschen Wehrmacht und der Armee des japanischen Kaiserreichs, ausgemachte Verbrecher, wie Mobutu und blutsaugende Könige, die amerikanischen Bosse und die Präsidenten der multinationalen Gesellschaften sind ihre Verbündeten geworden.

Diese anti-marxistische Linie hat die Führung Chinas dazu gebracht, sich mit Tito, Carillo und anderen Revisionisten zu vereinigen. Früher war sie gegen Tito, während sie sich heute mit ihm vereinigt. Dies beweist das Fehlen marxistisch-leninistischer Prinzipien und die Inkonsequenz in ihrer Linie. Doch unsere Partei möchte der chinesischen Führung sagen:

Eure gegenwärtige Vereinigung mit Tito, die zweifelhaften Bündnisse, die ihr auf dem Balkan zusammenzimmern wollt, bergen in sich eine große Gefahr für die Völker dieser Halbinsel, für das jugoslawische, das albanische, das griechische, das türkische Volk usw. Albanien kennt die Pläne und Absichten der chinesischen Führung gegenüber dem Balkan genau. Deshalb müssen die Völker der Welt wachsam gegenüber den chinesischen Intrigen in diesem Raum sein.



10.

Die Partei der Arbeit Albaniens hat alle Anstrengungen unternommen, dass die Divrgenzen, die zwischen den beiden Parteien entstanden und die sie mit der Zeit verschärften, auf marxistisch-leninistischem Weg ausgeräumt werden.

Das Zentralkomitee der Partei der Arbeit Albaniens sah, geleitet von diesem Wunsch, als es merkte, dass die chinesische Führung systematisch unsere Briefe nicht beantwortet und sich weigerte, offizielle Delegationen nach Albanien zu schicken, als es merkte, dass die ideologischen Divergenzen mit der chinesischen Führung breite Ausmaße annahmen, nicht tatenlos zu, sondern unternahm weitere Anstrengungen, um kameradschaftliche Unterredungen mit ihr aufzunehmen.

So schlug das Zentralkomitee unserer Partei dem Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas im Januar 1974 vor, dass eine Delegation unserer Partei und unserer Regierung auf höchster Ebene zu Unterredungen nach China kommen sollte, wobei es vorschlug, dass dieser Besuch möglichst innerhalb des ersten Halbjahres 1974 stattfinden sollte. Doch die chinesische Führung akzeptierte zwar formal den Vorschlag unserer Partei, akzeptierte aber in Wirklichkeit nicht, dass unsere Delegation nach Peking ging. Erst sagte uns die chinesische Führung, die Delegation sollte im zweiten Halbjahr 1974 nach Peking gehen, dann wurde es auf das erste Halbjahr 1975 verschoben. Dann schließlich ließ sie die Sache ganz im Sand verlaufen und verbaute so den Weg zu gemeinsamen Gesprächen, zu einer Zeit, da in Peking mit großem Pomp diverse Könige und Fürsten, Reaktionäre und Faschisten empfangen und verabschiedet wurden. Es war also klar, dass die chinesische Führung hartnäckig ihren anti-marxistischen Weg ging, dass sie sich in den Beziehungen zu unserer Partei und unserem Land von Konzepten des Chauvinismus und der Großmacht leiten ließ, dass sie von uns verlangte, bedingungslos und ohne Diskussion ihre Linie und ihr Diktat zu akzeptieren

Unter diesen Bedingungen, da die chinesische Führung jeden Kontakt zurückwies, da sie sich jeder Diskussion und Konsultation entzog, da sie arrogant und überheblich daran arbeitete, der marxistisch-leninistischen Bewegung die Theorie der “drei Welten” aufzuzwingen – was sollte da die Partei der Arbeit tun? Die antimarxistische Linie der Kommunistischen Partei Chinas akzeptieren und sich selbst verleugnen? Die Finger vom Kampf gegen den Imperialismus und den modernen Revisionismus lassen und sich mit den Feinden der Revolution, des Sozialismus der Freiheit und der Unabhängigkeit der Völker vereinigen? Sich von den marxistisch-leninistischen Revolutionären trennen und sich mit den Opportunisten und der reaktionären Bourgeoisie vereinigen? Den nationalen Befreiungskampf der Völker gegen die Supermächte und ihre Agenten innerhalb dieser Völker nicht mehr unterstützen?

Die Partei der Arbeit Albaniens blieb dem Marxismus-Leninismus und ihrer korrekten revolutionären Linie treu, die sie ständig entschlossen, ohne Schwanken und konsequent verfolgt hat. Diese marxistisch-leninistische Linie legte sie auch auf ihrem 7. Parteitag dar, wo sie ihre eigenen Ansichten und ihre eigene Haltung zu den gegenwärtigen hauptsächlichen internationalen Problemen, den Problemen der Revolution und des Befreiungskampfes der Völker unterbreitete. Auf dem 7. Parteitag äußerte unsere Partei, wie auf allen ihren Parteitagen, im Geist des proletarischen Internationalismus ihre Ansichten auch über Probleme der marxistisch-leninistischen Bewegung. Die Linie des 7. Parteitags, die einmütig von der ganzen Partei gebilligt wurde, liegt der ganzen Innen- und Außenpolitik unseres Landes zu Grunde.

Diese marxistisch-leninistische Linie unserer Partei, die unabhängige Politik des sozialistischen Albanien, die entschlossene, prinzipienfeste Haltung des albanischen Volkes, die im Gegensatz zur antimarxistischen Linie und Großmachtpolitik der chinesischen Führung standen und stehen, sind die wahre, grundlegende Ursache für die albanienfeindliche Haltung und Tätigkeit des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas und der Chinesischen Regierung, die bis zur willkürlichen Einstellung der zivilen und militärischen Hilfen an Albanien führten.

Dies zeigt sich insbesondere nach dem 7. Parteitag der Partei der Arbeit Albaniens, als die chinesische Führung, unter Missachtung jeder Norm der Beziehungen zwischen Bruderparteien und unter dem Vorwand, auf dem Parteitag seien China, die Kommunistische Partei Chinas und Mao Tse-tung angegriffen worden, sich beeilte, den 7. Parteitag unserer Partei anzugreifen.

Die Beschuldigung der chinesischen Führung entbehrt jeder Grundlage. Es genügt, dazu die Materialien des 7. Parteitags zu lesen, die alle veröffentlicht sind. Wer immer es will, kann ohne Schwierigkeiten feststellen, dass es dort keinen Angriff gegen China, keinen Angriff gegen die Kommunistische Partei China und auch nicht gegen Mao Tse-tung gibt. Das Zentralkomitee der Partei der Arbeit Albaniens verlangte in einem Brief vom 24. Dezember 1976 vom Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas Aufklärung darüber, in welchem Punkt und wo unsere Partei die Kommunistische Partei Chinas und Mao Tse-tung angegriffen habe. Bis heute hat die chinesische Führung, wie gewöhnlich, überhaupt nicht geantwortet.

Aber die Frage besteht nicht in nichtexistierenden “Angriffen”. Die Verärgerung und die Arroganz der chinesischen Führung im Zusammenhang mit dem 7. Parteitag haben ihren Ausgangspunkt in der Tatsache, dass unsere Partei die anti-marxistischen chinesischen Thesen und Ansichten, die konterrevolutionäre Theorie der “drei Welten” nicht übernahm. Die Partei der Arbeit Albaniens ist als wahre marxistisch-leninistische Partei einverstanden, über Probleme zu diskutieren, doch sie hat niemals von irgend jemandem Befehle und Weisungen angenommen, welche Probleme sie stellen und wie sie ihre eigenen Ansichten auf ihrem Parteitag darlegen muss. Daher erlaubte und erlaubt sie keiner Partei, sei sie klein oder groß, und auch nicht der Kommunistischen Partei Chinas, sich in ihre inneren Angelegenheiten einzumischen und ihr zu diktieren, was sie zu tun und wie sie zu handeln habe.



11.

In der Führung der Kommunistischen Partei Chinas gab es immer wieder Änderungen der Linie, Strategie und der Menschen. Die Partei der Arbeit Albaniens hat niemals diese oder jene Gruppe oder Persönlichkeit verteidigt, die von der Führung der Kommunistischen Partei Chinas beseitigt wurde. Wir hatten und haben unsere Meinung über alles und über jede führende Person oder Gruppe, die in China tätig war. Das ist eine natürliche Sache.

Die gegenwärtige chinesische Führung hat sich sehr gewünscht, dass die Partei der Arbeit Albaniens ihre Handlungen hinsichtlich der Veränderungen an der Spitze der Kommunistischen Partei Chinas unterstützen möge. Da wir dies nicht taten, ist sie zur Meinung gelangt, wir seien Anhänger Lin Biaos und der “Vier”. Sie irrt sich bei beiden Annahmen und das ist einer der großen uneingestandenen politischen, ideologischen Gründe, die die chinesische Führung dazu gebracht haben, die Hilfe an Albanien einzustellen. Die gegenwärtige chinesische Führung hat sich gewünscht, dass unsere Partei ihre illegale, vom marxistisch-leninistischen Weg abweichende Tätigkeit zur Machtergreifung in China unterstützt. Unsere Partei hat der chinesischen Führung diesen Wunsch nicht erfüllt und wird ihn ihr nicht erfüllen. Die Partei der Arbeit Albanien verletzt niemals die marxistisch-leninistischen Prinzipien, sie wurde niemals und wird niemals zum Werkzeug von irgend jemandem werden.

In den ideologischen und politischen Divergenzen und Widersprüchen mit der Partei der Arbeit Albaniens, im Scheitern der Versuche der chinesischen Führung, der Partei der Arbeit Albaniens ihre Ansichten und ihre Linie aufzuzwingen, liegt der wahre Grund des chinesischen Beschlusses, die Hilfen an Albanien einzustellen. Die chinesische Führung versucht nun, da sie das sozialistische Albanien nicht unterwerfen konnte, sich zu rächen und dem Aufbau des Sozialismus in Albanien zu schaden. Doch mit dieser Handlungsweise enthüllt sie nur noch mehr ihr eigenes anti-marxistisches und konterrevolutionäres Gesicht.

* *

*

Die Einstellung der Kredite und Hilfen für das sozialistische Albanien durch die chinesische Führung ist nicht lediglich eine, wenn auch schwerwiegende, Episode in den Beziehungen zwischen China und Albanien. Dieser Akt enthält eine große internationale Bedeutung, er beweist, dass sich China gegen den Marxismus-Leninismus und den proletarischen Internationalismus gestellt hat, dass es sich eine chauvinistische Politik des Diktats der Großmacht zu eigen gemacht hat und anwendet, dass es die hegemonistische Praxis anwendet und mit der brutalen Willkür einer Großmacht handelt.

Für ihre eigenen egoistischen Ziele, um China zu einer zentralen Weltmacht zu machen, stellt sich die chinesische Führung in ihrer Propaganda als “Verteidigerin der kleinen und mittleren Länder” hin, als kämpfe sie gegen “die ungerechte Einteilung der Weltwirtschaft”, als sei sie gegen die “wirtschaftliche Diskriminierung der Entwicklungsländer durch die imperialistischen Mächte”, als sei sie für die “Entwicklung ihrer nationalen Wirtschaft”, für die “Stärkung ihrer Unabhängigkeit und Souveränität”, als kämpfe sie “gegen das Diktat der Großen über die Kleinen”, usw. usf. Doch wenn sich die chinesische Führung Albanien gegenüber wie ein Feind verhält, wenn sie die Hilfen und Kredite einstellt, weil sich die Partei der Arbeit Albaniens nicht ihrem Dirigentenstab unterwirft, begreift man die ganze Verlogenheit der chinesischen Linie, begreift man klar auch die alles andere als wohlmeinenden Absichten, die Lügen, die die chinesische Führung den Völkern der “dritten Welt” zu verkaufen sucht, um sie zu unterdrücken und zu versklaven, ihnen ihren Willen und den der alten und neuen Kolonisatoren aufzuzwingen.

Durch die Einstellung der Hilfe an das sozialistische Albanien, zu einer Zeit, da China große Hilfen und Kredite vom amerikanischen Imperialismus und vom Weltkapitalismus erhält und deren Agenten wie Mobutu und Genossen Hilfen und Kredite gewährt, zeigt die chinesische Führung der Weltöffentlichkeit offen, dass sie ideologisch nicht einverstanden ist mit einem wahrhaft sozialistischen Land, aber einverstanden und im Bündnis ist mit den Feinden des Sozialismus und den Reaktionären, dass sie gegen die sozialistische Ordnung ist, gegen die Länder und Völker, die sich eben vom Imperialismus und vom Sozialimperialismus zu befreien versuchen, von der Unterdrückung und dem Diktat des Chauvinismus des großen Staates.

Wir wollen den chinesischen Führern sagen:

Ihr habt die ideologischen Meinungsverschiedenheiten und Divergenzen auch auf die staatlichen Beziehungen mit unserem Land erstreckt. Damit habt ihr der albanisch-chinesischen Freundschaft, für die sowohl das albanische Volk als auch das chinesische Volk so viel gekämpft haben, einen schweren Schlag versetzt. Ihr habt die Meinungsverschiedenheiten und Divergenzen in die Öffentlichkeit getragen und die offene Polemik begonnen. Diese Herausforderung nehmen wir an und die Polemik fürchten wir nicht. Doch für all eure feindlichen, anti-marxistischen und albanienfeindlichen Taten tragt ihr die volle Verantwortung vor dem chinesischen Volk und vor dem albanischen Volk, vor der ganzen Weltöffentlichkeit.

Um dem albanischen Volk und dem chinesischen Volk, sowie der ganzen Weltöffentlichkeit die Möglichkeit zu geben, die Ansichten eurer Partei und Regierung und der Albanischen Partei und Regierung zur Einstellung der kredite und Hilfen Chinas an Albanien kennenzulernen und zu beurteilen, werden wir in der Zeitung “Zeri i Popullit” diesen Brief veröffentlichen, ebenso wie die Note der chinesischen Regierung. Wir hoffen, dass auch ihr unseren Brief in der Zeitung “Renminribao” veröffentlichen werdet. Dies ist eine Norm, die China in der Vergangenheit unterstützt hat.

Die Partei der Arbeit Albaniens, die albanische Regierung und das albanische Volk werden für die Erhaltung der albanisch-chinesischen Freundschaft, die eine Freundschaft zwischen Völkern ist, kämpfen. Sie werden, soweit es von ihnen abhängt, versuchen, normale staatliche Beziehungen zwischen Albanien und China zu unterhalten. Sie sind zuversichtlich, dass das chinesische Volk die albanische Haltung richtig einschätzen wird und auch das albanienfeindliche Vorgehen der chinesischen Führung zu beurteilen wissen wird.

Die chinesische Führung stellte die Wirtschafts- und Militärhilfe an Albanien ein in der Meinung, Albanien werde gezwungen sein, entweder zu kapitulieren und sich ihr zu unterwerfen, oder den anderen die Hand hinzuhalten und sich zu diskreditieren. Aber die chinesische Führung hat die Partei der Arbeit Albaniens und das albanische Volk, deren Entschlossenheit, deren Stärke und Einheit noch nicht kennengelernt.

Die Sozialistische Volksrepublik Albanien und das albanische Volk werden, unter der konsequenten Führung der Partei der Arbeit Albaniens mit Genossen Enver Hoxha an der Spitze ihre historische Mission des Aufbaus des Sozialismus gestützt auf die eigenen Kräfte eherenvoll und bis zum Schluss erfüllen und damit erneut vor dem Weltproletariat und allen Völkern der Welt die unerschöpfliche und unbezwingbare Lebenskraft der marxistisch-leninistischen Ideologie beweisen, die es möglich gemacht hat, dass auch ein kleines Land eingekreist vom Imperialismus und vom Revisionismus, wie Albanien, erfolgreich den Sozialismus aufbaut, ihn verteidigt und immer voranführt.

Albanien wird sich niemals irgend jemandem ergeben, es wird dem Marxismus-Leninismus und dem proletarischen Internationalismus bis zum Letzten treu bleiben, es wird unaufhaltsam auf dem Weg des Sozialismus und des Kommunismus marschieren, erleuchtet von den unsterblichen Lehren von Marx, Engels, Lenin und Stalin. Das albanische Volk mit der Partei der Arbeit an der Spitze wird entschlossen und konsequent die revolutionären und Befreiungskämpfe der Völker, ihre Anstrengungen für Freiheit, Unabhängigkeit und gesellschaftlichen Fortschritt unterstützen. Es wird kompromisslos und bis zum Letzten gegen den amerikanischen Imperialismus, den sowjetischen Sozialimperialismus, den modernen Revisionismus und die Weltreaktion kämpfen. Albanien hat niemals seinen Rücken gekrümmt oder seinen Nacken gebeugt, weder in der Vergangenheit noch heute, und wird dies auch in der Zukunft nicht tun.

Die chinesische Führung wird sowohl hinsichtlich ihrer Predigten als auch ihrer Intrigen scheitern. Ihre reaktionäre Handlungsweise Albanien gegenüber ruft im Bewusstsein jedes ehrlichen Menschen auf der Welt Empörung hervor. Das sozialistische Albanien ist eingekreist, doch es ist nicht isoliert, denn es genießt die Achtung und die Liebe des Weltproletariats, der freiheitsliebenden Völker und der ehrlichen Menschen auf der ganzen Welt. Diese Achtung und diese Liebe werden in Zukunft noch mehr zunehmen. Unsere Sache ist gerecht! Das sozialistische Albanien wird triumphieren!

Zentralkomitee der Partei der Arbeit Albaniens

Ministerrat der Sozialistischen Volksrepublik Albanien

Tirana, den 29. Juli 1978