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Wir müssen den Anarchismus als Ideologie und als Tätigkeit, die die Sache der sozialistischen Revolution unterhölt, bekämpfen

Radio Tirana, 21.5.1972

 

In seinem Bericht auf dem VI. Parteitag der Partei der Arbeit Albaniens betonte Genosse ENVER HOXHA: "Der Kampf gegen die gefährlichste antimarxistische Strömung, gegen den modernen Revisionismus mit dem sowjetischen an der Spitze, stand immer im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit unserer Partei." Auf die anderen antimarxistischen Strömungen der Zeit eingehend, welche zusammen mit dem Revisionismus eine antiproletarische Einheitsfront bilden, hebt Genosse ENVER HOXHA hervor: "Aktiver als je zuvor wollten aber auch die diversen Strömungen der Trotzkisten und Anarchisten, die in die verschiedenen Massenbewegungen, insbesondere in die Bewegung der Jugend und der Intellektuellen eindringen, sich bemühen, dort im Trüben zu fischen, um die Massen vom richtigen Weg abzubringen und sie in gefährliche Abenteuer zu stürzen, die zu schweren Niederlagen und Enttäuschungen führen müssen. Obwohl sie oft mit ultra-revolutionären und antirevisionistischen Losungen auftreten, spielen sie in der Tat das Spiel der Rev-isionisten. Und gemeinsam mit ihnen unterminieren sie die Sache der Revolution."

Im Zusammenhang mit dieser Frage bringen wir in dieser Sendereihe heute Auszüge aus dem Artikel
"Wir müssen den Anarchismus als Ideologie und als Tätigkeit, die die Sache der sozialistischen Revolution unterhöhlt, bekämpfen", aus der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift Rruga e Partise (Theor. und polit. Organ des ZK der PAA).

Betrachtet man nur die Losungen, die antikapitalistischen und antirevisionistischen Schriften der Anarchisten, und vertieft man sich nicht in das Wesen der Dinge, - so wird in dem Artikel der Rruga e Partise unter anderem unterstrichen, könnte man meinen, zwischen dem Anarchismus auf der einen und dem Reformismus auf der anderen Seite gebe es nichts Gemeinsames. In Wirklichkeit steht es ganz anders. Sowohl der Anarchismus als auch der Reformismus sind zwei Erscheinungen des Opportunismus. Der Unterschied zwischen ihnen besteht darin, daß der Anarchismus linker und der Reformismus rechter Opportunismus ist.
Diese beiden Strömungen verfechten in diesem oder jenem Maße, auf diese oder jene Weise die kapitalistische Ordnung, sind Feinde der Arbeiterklasse, der Revolution und des Kommunismus. Als Linksopportunismus, sowohl als ideologische wie auch politische Strömung, ist der Anarchismus nichts Neues und nicht eine zufällig von einzelnen erfundene Neuigkeit. In ihm finden wir schon in den ersten Schriften die Gesinnung, die Ziele und die Absichten der Elemente widerspiegelt, die im Ergebnis der Entwicklung der kapitalistischen Verhältnisse deklassiert und ruiniert wurden. Diese Elemente suchten im utopischen Ideal des Anarchismus einen Rettungsweg, den Weg des Kampfes gegen die sozialen Ungerechtigkeiten und Privilegien. Diese sind bekanntlich kleinbürgerliche Elemente. Als der industrielle Kapitalismus sich etablierte, traten erneut als Träger der anarchistischen Ideen und Ansichten eben wieder die Kleinbourgeoisie und ein Teil der Intelligenz auf, die wegen ihres Klassenzustandes ebenfalls kleinbürgerlich ist. D. h. aber nicht, daß in solche Positionen nicht auch besondere Elemente der anderen Klassen der kapitalistischen Gesellschaft geraten.

Auf die soziale Basis des Anarchismus eingehend, sagte LENIN: Theoretisch ist es für die Marxisten eine indiskutable Tatsache, und dies wurde auch durch die Erfahrungen aller Revolutionen und aller revolutionären Bewegungen Europas bewiesen, daß der Kleineigentümer, der kleine Herr, ein sozialer Typ, der sehr umfangreich vertreten ist und eine wichtige Masse in vielen Ländern Europas bildet, der unter dem kapitalistischen System stets unterdrückt war, dessen Lebensverhältnisse sich sehr oft außerordentlich rasch verschlechterten und der ruiniert wird, sehr leicht zum extremen Revolutionarismus übergeht.
Er ist jedoch nicht imstande, sich konsequent, organisiert, diszipliniert und entschlossen zu erweisen. Die Kleinbourgeoisie, die angeblich wegen der Schrecken des Kapitalismus wütend wird, wie auch der Anarchismus, ist ein für alle kapitalistischen Länder typisches Phänomen. Die Klassiker des Marxismus-Leninismus und ihre Nachfolger haben einen ungebrochenen Kampf gegen die antisozialistische Doktrin des Anarchismus geführt. In diesem Kampf wurde mit Nachdruck betont, daß es zwischen dem Anarchismus und den Anarchisten auf der einen Seite und dem Marxismus-Leninismus und den Marxisten -Leninisten auf der anderen Seite nichts Gemeinsames gibt. Alles trennt sie. Viele bürgerliche, reformistische, ja sogar anarchistische Autoren bemühen sich nach wie vor, den Abgrund, der diese beiden Doktrinen trennt, einzuebnen.

Einige schildern MARX und LENIN so, als ob sie immer eher auf den Positionen des Anarchismus stünden, als auf denen des Marxismus. Einige versuchten, den bekannten Anarchisten Bakunin nicht nur als Revolutionär und Sozialist hinzustellen, sondern als Vorgänger LENINs sogar. Als Doktrin wird der Anarchismus von ihnen als ideologische Quelle des Leninismus betrachtet. Im Zusammenhang damit schrieb Cohn, daß die extremistischen Theorien des Anarchismus Bakunins und aller nihilistischen Agitatoren wie Netschajew und Kassow, die für die Gewalt waren und die gesellschaftliche Moral ignorierten, später im Leninismus wieder belebt worden seien. Weitere Autoren bemühen sich, diese Ansicht noch mehr zu vertiefen. Sie versuchen zu beweisen, daß es Bakunins Verdienst sei, die Theorie der revolutionären Aktion geschaffen zu haben. Daraus entsteht die Schlussfolgerung, daß der Leninismus weiter nichts anderes als die Fortsetzung dieser Theorie ist. So haben sie den Leninismus mit dem Bakuninismus in Zusammenhang gebracht und betrachten Bakunin und Netschajew als geistige Vorgänger der Bolschewiken. Auch sozialreformistische Autoren standen solchen Verleumdungen nicht nach. Der Sozialreformist Henry Kunow betrachtete beispielsweise den Leninismus als Rezidiv des Bakuninismus. Picurrie meint in seinem Werk "Die Doktrin des Anarchismus", daß die Bolschewiken nicht begreifen, was sie Bakunin zu verdanken haben. Auch der Anarchist Cohn-Bendit, einer der aktiven Teilnehmer an den Ereignissen in Frankreich im Mai und Juni 1968, versucht in seinem Buch „Der Linksradikalismus -Gewaltkur gegen die Alterskrankheit des Kommunisrnus“ zu beweisen, daß LENIN in bestimmten Momenten die Positionen des Anarchismus bezogen habe. In diesem Blickwinkel betrachtet dieser Autor den Kampf LENINs zur Analyse des Wertes und der Bedeutung der Sowjets, indem er sagt: "LENIN wurde fast ein Anarchist und wollte, daß die Partei jene ideologische Wendung vornehme, wofür sie zu wenig vorbereitet war." Eben da betrachtet Cohn-Bendit LENINs Werk "Staat und Revolution"
eher als anarchistisches Werk, wo doch bekannt ist, daß LENIN in diesem Werk außer dem Revisionismus eben die anarchistischen Ansichten über Staat und Revolution zerschmetterte. Aber das Ganze endet nicht damit. Andere Autoren versuchen ebenfalls zu beweisen, daß es zwischen dem Anarchismus und dem Marxismus keine wesentlichen Unterschiede gebe, daß beide sozialistische Strömungen seien und sich nur dadurch unterschieden, daß sie mit verschiedenen Taktiken das gleiche Ziel zu erreichen suchen. Nach ihnen heißt es also, daß es zwischen dem Marxismus und dem Anarchismus nur taktische Unterschiede gebe. Das Höchste ist es dann, daß die Schreiberlinge den Anarchismus als die radikalste Strömung des Sozialismus verkünden.
Es ist nunmehr bekannt, daß der Anarchismus und der Marxismus wie Nacht und Tag sich voneinander unterscheiden. Den Unterschied zwischen ihnen müssen wir darin sehen, daß der Marxismus eine Wissenschaft ist, während der Anarchismus im besten Falle ein utopischer revolutionärer Romantismus ist, der der revolutionären Bewegung großen Schaden zugefügt hat und weiterhin zufügt, während er selbst von einem Misserfolg zum anderen eilt. Wie erklärt sich nun die Tatsache, fragt der Autor, daß der Anarchismus, obwohl er seit einem Jahrhundert sowohl theoretisch wie praktisch eine Niederlage nach der anderen erlitt, heute noch einen Nährboden findet und sich verbreiten kann? Wie erklärt sich die Tatsache, daß in der letzten Zeit wie schon nach dem 1.Weltkrieg ein Aufleben und ein Aufblühen der anarchistischen Ansichten und der anarchistischen Bewegungen in solchen Ländern wie Frankreich, Italien, Spanien und anderen festgestellt wird und daß die Klassiker des Anarchismus wie Stirner, Proudhon, Bakunin, Kropotkin bzw. einige zeit-genössische Autoren wie Cohr-Bendit ein so großes Echo in der Presse, im Rundfunk und im Fernsehen der kapitalistischen Länder finden bzw. ihre Werke in großen Auflagen erscheinen?

Auf die Ursachen der Belebung der anarchistischen Ansichten eingehend, sagte LENIN, daß der Anarchismus oft eine Art Strafgewalt für die opportunistischen Sünden der Arbeiterbewegung sei. Diese beiden Scheusale ergänzen einander. Und so ist es auch tatsächlich. Untersuchen wir die Lage der Arbeiterbewegung während und nach dem 1. Weltkrieg bzw. nach dem XX. Parteitag der KPdSU, so werden wir außer den Unterschieden auch ein gemeinsames Merkmal feststellen. In diesen beiden Perioden hat der Opportunismus, alias der Revisionismus, ganze Parteien der Arbeiterklasse, die als revolutionäre Parteien gegründet wurden, erfaßt. Also in diesen beiden Perioden stellten wir eine Belebung und Verbreitung des Revisionismus fest.
Der regressiven revisionistischen Strömung haben wir stets die gesunden marxistisch-leninistischen Kräfte entgegengestellt. Wie in der ersten Periode, als die gesündesten Elemente der Arbeiterbewegung ihre neuen kommunistischen Parteien, Parteien des neuen Typs schufen, ringen auch in der zweiten Periode die revolutionärsten und entschlossensten Elemente der Arbeiterbewegung um die Schaffung von neuen revolutionären Organisationen der Arbeiterklasse, damit diese ihren Kampf für die bürgerliche Ordnung fortsetze. Aber eben in solchen Perioden tauchen auch die Anarchisten auf und bemühen sich, im Trüben zu fischen. Sie bedienen sich einer "linken" revolutionären Phraseologie, kritisieren die revisionistischen, so genannten kommunistischen Parteien und die revisionistischen so genannten so-
zialistischen Länder. Sie kritisieren den Kapitalismus, sprechen von der Notwendigkeit des Sturzes und von der Errichtung der neuen Ordnung usw. usf. Mit ihren Ansichten tun sie aber weiter nichts anderes als unter den Massen ideologische Panik zu verbreiten. In der Absicht, die Massen zu verwirren und vom Wege der Revolution und des Sozialismus abzuhalten. Die Arbeit dieser Elemente analysierend, sagte der bekannte französische Publizist Maurice (Duberge), daß - sollte der ultralinke Extremismus nicht existieren - die Herren Pompidou und Chaban-Delmas ihn kritisieren müssten. Dies soll aber nicht heißen, daß alle Elemente dieser Sorte bewusste Mitarbeiter der Regierung oder der Bourgeoisie sind. Aber die Anarchisten mit ihren Ansichten und mit ihrer Tätigkeit führen absichtlich oder unbeabsichtigt Wasser in die Mühlen der Bourgeoisie, wie auch die Revisionisten, die heute zu Stabilisatoren der kapitalistischen Ordnung geworden
sind. Also: was auch immer die Unterschiede zwischen ihnen sind, sind Anarchisten und Revisionisten schließlich im selben Lager. Dies macht den Kampf gegen sie unausbleiblich.
Besondere Bedeutung erhält der Kampf in unseren Tagen, wo an die Marxisten-Leninisten mit Nachdruck die Forderung herangetragen wird, daß sie neue revolutionäre Parteien der Arbeiterklasse bilden. Um diese historische Aufgabe zu erfüllen, müssen sie die Massen gewinnen. Und eben um dieses Ziel zu erreichen, ist es unbedingt notwendig, den Kampf zu führen sowohl gegen den rechten als auch gegen den linken Opportunismus.

Die Divergenzen der Marxisten-Leninisten mit den Anarchisten bleiben im Kern die, die sie auch früher waren. Aber heute unterbreiten die neuen Anarchisten unter dem Vorwand der Änderung der konkreten historischen Bedingungen in einer neuen Form einige alte Fragen und üben Kritik allem gegenüber, indem sie die wesentlichen Probleme mit den einfachen Problemen durcheinander bringen. Die Anarchisten stehen auf den Positionen des betonten Individualismus und des Egoismus. Ihrer Ansicht nach geht es nicht, daß die Interessen des Individuums mit den Interessen des Kollektivs, der Gesellschaft harmonieren können. So stellen sie das Individuum gegen das Kollektiv. Die Anarchisten sprechen zwar von Revolution und von der Zerstörung des Kapitalismus, aber sie haben einen Begriff der Revolution, der mit der wirklichen Revolution nichts zu tun hat. Mit ihren Ansichten hindern die Anarchisten in der Tat die Durchführung der Revolution, und demzufolge hindern sie die Befreiung der Arbeiterklasse vom Joch des Kapitals. Vor allem verzerren die Anarchisten die Frage der Triebkraft der Revolution. Unabhängig von den Unterschieden, die die Strömungen des Anarchismus aufzuweisen haben, leugnen alle die Rolle des Proletariats und seiner Partei in der Revolution. Ihnenzufolge, angefangen von Bakunin, muß die Hauptkraft der Revolution das Lumpenproletariat sein. Und so sind sie auch nicht derselben Ansicht wie MARX und ENGELS, was die Frage des Lumpenproletariats anbelangt. Diese soziale Basis der Revolution wird von den heutigen Anarchisten ausgedehnt: Sie bringen als die Triebkraft der Revolution Gruppen von Studenten von verschiedenen Bekenntnissen hinein. Insbesondere wird durch sie die Studenten- und Jugendbewegung als revolutionäre Bewegung in den Himmel gehoben; die angeblich der Funke der Arbeiterbewegung, der bestimmende Faktor für jede revolutionäre Bewegung sein muß.
Selbstverständlich muß es begrüßt werden, wcnn die Studenten und Jugendlichen sich am Kampf für den Triumph des Kommunismus beteiligen, aber weder die Studenten noch irgendeine andere Gruppe können die Rolle der Arbeiterklasse im Kampf spielen.
Die Arbeiterklasse war und bleibt die Haupttriebkraft der Revolution. Die Rolle der Arbeiterklasse in der Revolution abzuleugnen, bedeutet, gegen die Revolution zu kämpfen, bedeutet, die Positionen der Bourgeoisie und des Kapitalismus zu festigen. Die Arbeiterklasse war und bleibt die Klasse der Gesellschaft. Sicherlich führt die Arbeiterklasse die Revolution nicht allein. Sie sichert sich Alliierte: die werktätigen Massen in Stadt und Land, die Intelligenz , die Studenten, die Jugend und die Frauen. Die führende Rolle der Arbeiterklasse in der Revolution hervorhebend, sagte Genosse Enver Hoxha: "Die Frage der Hegemonie in der Revolution ist von großer prinzipieller Bedeutung, weil von der Tatsache, wer sich an ihrer Spitze befindet, wer sie leitet, die Führung, die konsequente Verwirklichung und selbst das Geschick der Revolution abhängen. Die Haltung gegenüber der Arbeiterklasse und ihrer führenden Rolle ist ein Prüfstein für alle Revolutionäre", Sei es der rechte Opportunismus oder sei es der "linke" Opportunismus, beide verneinen sie die führende Rolle der Arbeiterklasse.
Dies ist ein weiterer Treffpunkt zwischen ihnen. Bei den Anarchisten steht heute kein bestimmter Gedanke im Zusammenhang mit den Aufgaben, die die Revolution lösen muß. Einige sind der Ansicht, daß die wesentliche Aufgabe der Revolution die Abschaffung der kulturellen Ungleichheit, die in der heutigen Gesellschaft besteht, die Abschaffung der Aufteilung der Menschen in Intellektuelle, geistige Arbeiter einerseits, und in Arbeiter und Bauern, körperliche Arbeiter andererseits, ist. Die Abschaffung einer solchen Trennung ist nach ihnen die Hauptaufgabe einer jeden revolutionären Bewegung. Mit einer derartigen Ansicht verstecken die Anarchisten die Grundaufgaben der sozialistischen Revolution, die die Machtergreifung von Seiten der Arbeiterklasse, die Herstellung der Diktatur des Proletariates ist, ohne die überhaupt keine Rede sein kann von der Liquidierung des Kapitalismus als gesellschaftlicher Ordnung mit all seinem Übel, darunter auch dem antagonistischen Kontrast zwischen der körperlichen und der geistigen Arbeit. Bekanntlich besteht dieser Kontrast in den heutigen ausbeuterischen Gesellschaften, ob diese kapitalistisch oder revisionistisch sind. Der Kontrast zwischen der körperlichen und der geistigen Arbeit, der mit der Entstehung des Privateigentums an den Produktionsmitteln und der antagonistischen Klassen herbeigeführt worden ist, charakterisiert alle aus-beuterischen Klassen. Dieser Widerspruch wird erst dann abgeschafft werden, wenn die Ursache, die ihn hervorgebracht hat, abgeschafft wird , d.h. wenn das Privateigentum an den Produktionsmitteln liquidiert sein wird. Und dies wird mit der Errichtung des Sozialismus erreicht.
Da sie in ihren Gedanken nicht konsequent sind, lassen sich die Anarchisten sogleich von verschiedenen Begebenheiten beeinflussen, und, ohne diesen Kern zu erkennen, und überhaupt ohne die Ursachen dieser Begebenheiten und Dinge zu verstehen, ziehen sie verschiedene Schlüsse für die Revolution und den Sozialismus. So schrieb Cohn-Bendit nach den Ereignissen im Mai/ Juni 1968 in Frankreich, daß die sozialistische Revolution das bewusste Anpacken der Zukunft und der Verwaltung der gesamten Gesellschaft durch die Ausgebeuteten ist. Hier haben wir es also mit einer Verzerrung des Inhalts der sozialistischen Revolution und des Sozialismus zu tun. In erster Reihe unterstreichen die Anarchisten die Idee der Selbstorganisierung der Massen in der Revolution, die mittels ihrer verschiedenen willkürlichen Aktionen den Sieg über die bürgerliche Bürokratie sichern werden. Dazu führen sie das Beispiel der Sowjets der Arbeiter- und Bauernabgeordneten in Russland an, die von den Massen selbst gegründet wurden, um ihre Ansicht der Selbstorganisierung und Selbstbetätigung der ausgebeuteten Massen zu belegen.
Aus diesem anarchistischen Begriff der Revolution kann man zwei wichtige Schlussfolgerungen ziehen:
1. daß die Anarchisten die Notwendigkeit eines leitenden Stabs für die Revolution, d.h. die Partei verneinen, da sie sich auf die Selbstorganisierung der Massen stützen und
2. indem die Anarchisten nur von dem Sieg über die bürgerliche Demokratie sprechen, lassen sie die Frage der Zerschlagung des bürgerlichen Staatsapparats und seiner Ersetzung durch einen neuen Typ des Staates beiseite. Die Anarchisten weisen heute auf die Frage des Weges und der Formen des Übergangs zum Sozialismus hin. Auf diesem Gebiet kritisieren und beschuldigen sie die revisionistischen Parteien, daß sich diese den Parteien der bürgerlichen Demokratie anpassen, daß diese sich am parlamentarischen System beteiligen, sich mit dem Klassenfeind vereinigen, die Rathäuser nach den Gesetzen und Prinzipien der Klassenfeinde verwalten usw. usf. Diese Kritik fortsetzend, richten sie sich gegen den parlamentarischen Weg, gegen den politischen, parlamentarischen Kampf, um zum Sozialismus überzugehen, und verneinen voll und ganz die Bedeutung dieses Kampfes. Aber die Alternative, die uns die Anarchisten für die Sicherung des Übergangs zum Sozialismus geben -auch wenn sie annehmen, daß der Kapitalismus durch Gewalt zerstört werden muß - diese Alternative also ist genauso alt und schädlich wie auch die Alternative der Revisionisten. Wie die eine, der parlamentarische Weg, so auch die andere, die so genannte Selbstorganisierung und Selbstbetätigung der Massen, führen zu nichts anderem als zur Festigung der Stellungen des Kapitalismus und –auf verschiedenen Wegen- bringen sie Wasser auf dieselbe Mühle, auf die der Bourgeoisie.
Hier erkennen die Anarchisten auch die Kombinierung der legalen und illegalen Formen des Kampfes nicht richtig, indem sie die Notwendigkeit der Ausnutzung der legalen Formen des Kampfes ganz abstreiten. Die Anarchisten sind der Ansicht, daß die Revolution überall durchgeführt werden kann, unabhängig von den objektiven Voraussetzungen und destomehr von den subjektiven Voraussetzungen. Die Notwendigkeit der Reifung der objektiven und subjektiven Verhältnisse der Revolution ableugnend, verneinen die Anarchisten in erster Linie die Rolle der Partei für die revolutionäre Bewegung. Darüberhinaus betrachten sie die Rolle der Partei als hindernd und bremsend für die revolutionäre Bewegung und verleihen der kommunistischen Partei eine konterrevolutionäre Rolle.
Auf diesem Gebiet können wir die Ansichten der heutigen Anarchisten in drei Punkten zusammenfassen:
1. Die Anarchisten bemühen sich zu beweisen, daß die Arbeiterklasse keine führende Partei benötigt, da die revolutionäre Bewegung spontan durchgeführt wird.
2. Die Anarchisten bemühen sich zu beweisen, daß falls die Arbeiterklasse über eine solche Partei verfügt - sie, d.h. die Klasse, ihren Kampf weder im Kapitalismus noch im Sozialismus führen kann.
3. Die Anarchisten kritisieren die revisionistischen Parteien wie die der Sowjetunion, Frankreichs, Italiens u. a. wegen ihres Reformismus, nicht, weil sie bezwecken, daß man revolutionäre Parteien gründet, sondern um die Bildung revolutionärer marxistisch-leninistischer Parteien zu verhindern oder um die bestehenden zu liquidieren.

Mit einem Wort sind die Anarchisten gegen die Organisierung der Arbeiterklasse. Als theoretische Grundlage für die Ableugnung der Notwendigkeit der Bildung der Partei und ihrer Rolle benutzen die Anarchisten die Theorie der Spontaneität in der Arbeiterbewegung. Auf dieser Grundlage bekämpfen sie die Idee, daß der wissenschaftliche Sozialismus in die Arbeiterbewegung eindringen soll, um diese bewusst zu machen, eine Aufgabe, die die Partei der Arbeiterklasse erfüllen kann und auch erfüllt. Deshalb fordern sie auch eine anonyme Arbeiterbewegung, losgetrennt vom Einfluß der Partei, mit wenigen Worten: eine spontane Bewegung.
Der Anarchist Cohn-Bendit sagt, daß der anonyme Charakter die Form ist, die in vollkommenster Weise eine spontane Bewegung kennzeichnet. Sie nennen spontan eine anonyme Bewegung, der man keinen Namen geben kann, der früher einmal existiert hat, also eine Bewegung, die sich selbst einen Namen gibt. Es ist eine unbestrittene Tatsache, von der Praxis bewiesen und theoretisch belegt, daß der Sozialismus nicht infolge der spontanen Entwicklung kommt, daß er durch einen organisierten Kampf hergestellt wird, daß an der Spitze dieses Kampfes die von ihrer Partei geleitete Arbeiterklasse steht. Mit ihrer These über die Partei der Arbeiterklasse bemühen sich die Anarchisten, die Massen einzuschüchtern, die Partei als ein Schreckbildnis hinzustellen und damit die Bildung neuer revolutionärer Parteien zu verhindern. Sie verlangen sogar, daß alle bestehenden proletarischen Parteien auseinander getrieben und liquidiert werden sollen. Die Anarchisten bekämpfen die Parteien der Arbeiterklasse, indem sie revolutionäre Phraseologie anwenden. In die Parteien der Arbeiterklasse beziehen sie auch Organisationen ein, die mit dieser Klasse überhaupt nichts zu tun haben, die nicht ihre Interessen ausdrücken wie die revisionistischen Parteien oder die trotzkistischen Organisationen. Und nachdem sie diese als Parteien der Arbeiterklasse hinstellen, kritisieren sie sie, und weisen auf ihren reaktionären Charakter hin, auf ihre Zusammenarbeit mit der Bourgeoisie, auf ihren Kampf, die bürgerliche Ordnung zu wahren, während sie sich selbst als Revolutionäre, als Kämpfer gegen den Kapitalismus, als Verteidiger der Interessen der Massen ausgeben.

Eine weitere wichtige Frage, um welche nach wie vor wesentliche Unterschiede zwischen dem Marxismus-Leninismus und dem Anarchismus bestehen, ist die Frage des Staates. Alle Strömungen des Anarchismus nehmen eine diametral entgegengesetzte Haltung zum Marxismus-Leninismus ein, vor allem sind sie für die Liquidierung des Staates im allgemeinen. Die Anarchisten geben zu, daß die Existenz des Staates, welcher dies auch immer sei, im Gegensatz zu der individuellen Freiheit des Menschen steht, daß der Staat die Bürger unterdrückt und anderes. Sie halten sich an die These, daß dort, wo der Staat beginnt, die Freiheit des Individuums ein Ende hat, daß dort, wo es Autorität gibt, keine Freiheit gibt. Die Auffassung der heutigen Anarchisten über den Staat wird von (Rochel Boussinon) mit diesen Worten ausgedrückt: "Die staatliche Organisation ist heute das größte Hindernis für die Entwicklung der Menschheit in Richtung einer besseren Ge-
sellschaft. Und deshalb ist alles, was der Macht des Staates dient und diese Macht garantiert, schlecht, schädlich und muß gestürzt werden: die Polizei, die Armee, die Diplomatie, der bürokratische Apparat."

Es ist eine Tatsache, daß zwischen den Anarchisten es eine Reihe Elemente gibt, die den Kampf gegen die bürgerliche Ordnung, gegen die Ungerechtigkeit und die imperialistische Gewalt mit ganzem Herzen führen. Unter ihnen kann man Elemente finden, die entschlossen sind zu kämpfen und jedes Opfer zu bringen. Diese Lage der Revolte der Bekenntnisse, die mehrere Leute, die man die "Ultralinken" nennt, mit konkreten Aktionen zum Ausdruck bringen, spiegelt die Tatsache wider, daß die Massen mit der konkreten Lage in den kapitalistischen Ländern unzufrieden sind. Aber leider führt der von ihnen gewählte Weg nicht zum erwünschten Ziel, d. h. zur Abschaffung der Ungerechtigkeiten, der Unterdrückung und der Ausbeutung. Der Kapitalismus kann nicht zerstört werden, indem man sich von jener Ideologie und Doktrin leiten lässt. Dieses große Ziel kann nur erreicht werden, wenn sie von der marxistisch-leninistischen Ideologie geleitet werden; denn sie ist die einzige Lehre, die wissenschaftlich den Weg der Zerschlagung des Kapitalismus und des Aufbaus des Kommunismus weist.
Wie muß dann die Haltung der Marxisten-Leninisten gegenüber diesen Leuten sein? Während sie einen wuchtigen unversöhnlichen Kampf gegen den Anarchismus als Ideologie und als Handlungspraxis führen, müssen sie zugleich eine gewaltige Arbeit mit diesen Leuten machen, denen die Sache der Arbeiterklasse
teuer ist, um sie von den anarchistischen Auffassungen und Praktiken loszutrennen, damit ihre Energien der Revolution nicht schaden, sondern sie unterstützen.

"Die Marxisten-Leninisten widmen den Linksbewegungen der Jugend und der Intelligenz ihre volle Aufmerksamkeit und kämpfen, ohne die Schwächen zu verdecken, die diesen Bewegungen anhaften, um sie auf richtige revolutionäre Stellungen zu führen und von den Einflüssen der bürgerlichen, kleinbürgerlichen und revisionistischen Ideologie zu befreien. " (Enver Hoxha).

DIE ALLGEMEINEN KENNZEICHEN DER HEUTIGEN LINKSRADIKALISTISCHEN BEWEGUNG
(30.7. 1972)

Die linksradikalistische Bewegung in den verschiedenen Westländern kann ungefähr in drei Hauptströmungen eingeteilt werden: die anarchistische Strömung, die numerisch die kleinste ist, die trotzkistische und die sogenannte proletarische Linke.

Diese Strömungen scharen verhältnismäßig breite Massen zusammen. Letztere ist die positivste, was die Gesinnung und die Absichten betrifft, von welchen sie ausgeht. Sie hat nicht nur dem Revisionismus, sondern auch dem Trotzkismus den Kampf angesagt.
Es ist unmöglich, im Rahmen eines so kurzen Beitrags einen Spiegel der Situation der Plattformen dieser Strömungen und der Ideologie, die sie begeistert, zu geben, besonders, da diese in Gruppen und Untergruppen eingeteilt sind, die oft im Kampf miteinander sich befinden und zu deren Aufzählung man ganze Bücher brauchen würde.
Wir erwähnen nur, daß die Tendenz einer jeden Gruppe innerhalb der Strömung es ist, eine Partei oder eine Organisation für sich zu schaffen. Und diese Versuche haben eine neue Zersplitterung zur Folge, eine neue Splittergruppe oder eine neue Fraktion. Man kann keinen organisatorischen Aspekt der Linksbewegung feststellen außer einem auffallenden Autonomismus, einer ständigen Fluktuation bzw. Wanderung der Mitglieder von einer Gruppe zur anderen, von einer Strömung zur anderen. Nach den Bedingungen und den Umständen, die oft nur gelegentlich sind, kann die eine oder die andere Gruppe mit einer großen Zahl Mitglieder aufgebläht werden, aber gleich einige Monate darauf einschrumpfen und nunmehr wenige hundert oder gar dutzende Mitglieder zählen.
Aber gegenwärtig haben in Frankreich die trotzkistischen Gruppen und überhaupt die trotzkistische Bewegung die Überlegenheit. Das hat seine Gründe:

1. versucht der ganze Apparat der bürgerlichen Propaganda seit dem XX. Parteitag der "K"PdSU, Trotzkis Gestalt wieder zu beleben, ihn als ein Opfer hinstellend, um besonders auf die Jugendlichen einzuwirken, die von Trotzki und vom Trotzkismus so gut wie nichts wußten. Die Publikationen über Trotzki, den Trotzkismus, Trotzkis Werke selbst, Erinnerungen der verschiedenen Renegaten und Verräter am Kommunismus nehmen einen Hauptplatz in den Verlagen und Buchhandlungen ein,

2. die ultralinken und ultrarevolutionären Losungen der Trotzkisten können die Jugendlichen, die in das politische Leben eben eingetreten sind oder eintreten wollen, leicht irreführen.

3. waren zwar die Trotzkisten in Frankreich traditionsmäßig eine Handvoll Menschen, jedoch sie haben in den Propagandaorganen wichtige Stellungen eingenommen und auf diesem Gebiet Erfahrungen gehabt. Andererseits kommen die heutigen Führer der Trotzkistengruppen der Jugendlichen fast alle aus den Reihen der Organisationen der kommunistischen Jugend, wo sie leitende Posten bekleideten. Als solche bringen sie auch die Erfahrung in der Organisation und Propaganda mit sich. Außer diesen Ursachen muß noch erwähnt werden, daß die proletarische Linke, die anfangs besonders bei den Ereignissen im Mai 1968 in der ganzen linken Bewegung den Hauptplatz einnahm, sich in Kommandoaktionen stürzend, einen Teil des Einflusses auf die Massen der Jugend einbüßte.
Auf jeden Fall hatten diese Strömungen verschiedene Physiognomien und Neigungen. Dennoch besitzt die ganze Linksbewegung einige allgemeine gemeinsame Kennzeichen:
Das erste davon ist die Unfähigkeit, eine starke Organisation zu bilden; und nicht nur wegen der Existenz des bürgerlichen Apparates und der gut gegliederten revisionistischen Parteien, sondern auch
schon deswegen, weil die ganze Linksbewegung im wesentlichen gegen die Schaffung und die Existenz einer wirklichen Partei ist, gegen die organisatorischen Formen und eine starke Disziplin.
Von den revisionistischen Parteien enttäuscht, hat sich auch der positivste Flügel der Linksbewegung, ja sogar auch einige, die sich Marxisten-Leninisten nannten, gegen die Existenz einer strukturierten Partei erhoben. Der direkte oder indirekte Einfluß des Trotzkismus auf die ganze Linksbewegung trägt so zur Zersplitterung und Fraktionierung bei.
Andererseits fehlt den revoltierenden Jugendlichen, die den verschiedenen Gruppen angehören, die Geduld, die Ausdauer zu einer langwierigen organisatorischen Arbeit und sie stürzen sich sofort in Aktionen, sobald sie sich zu einer Gruppe zusammengeschart haben, zähle diese auch nur 20 Personen. Diese Bewegung ist schließlich nicht imstande, eine starke Organisation zu bilden, auch wegen eines anderen objektiven und festen Grundes: sie vertritt nicht die Interessen einer beständigen Gesellschaftsklasse, sondern nur die Sorgen und die Desorientierung eines Teils der Universitätsjugend, die nur eine kurze Lebensdauer innerhalb der Schulräume hat, daher sehr beweglich ist und in der Folge auch in der Organisation unbeständig ist.

Zweitens ist sie unfähig, eine richtige Klassenanalyse, eine richtige Analyse des Klassenkampfes, der Rolle der Klassen, vorzunehmen. Dies wegen der heterogenen Zusammensetzung der Linksbewegung, der Verwirrung und Unklarheit, die sie mit ihren trotzkistischen und anarchistischen Theorien sät, sowie wegen des Einflusses, den die verschiedensten bürgerlichen Ideologen ausüben. Schon wegen ihres Status als Studenten und Intellektuelle, die von der Arbeiterklasse und ihren Sorgen abgesondert sind, neigen sie zu vielen Sophismen und unnötigem Theoretisieren, ohne ihre Überlegungen mit dem Leben, mit der Praxis, mit dem Kampf der Massen und in erster Linie mit dem Kampf der Arbeiterklasse zu verbinden. Sie bemühen sich, ihre engen Sorgen von Schule und Universität in die Theorie des revolutionären Kampfes einzuschleusen.

Drittens meint zwar der positivste Flügel der Linksbewegung mit Worten, ohne die Verbindung mit der Arbeiterklasse sei ihre Bewegung zum Scheitern verurteilt, in der Praxis aber anerkennt die Linksbewegung im allgemeinen nicht die führende Rolle der Arbeiterklasse. Einmal offen, ein anderes Mal verhüllt haben sich in dieser Bewegung zusammen gefunden und verquickt die ultrarevisionistischen Theorien von Garaudy über die besondere Rolle der Intelligenz in der Produktion, also auch in der Revolution, und die Theorien Marcuses und der Trotzkisten, wonach die Arbeiterklasse ihre revolutionären Fähigkeiten verloren hat, während die Intelligenz, die Neger, die Fremdarbeiter diese Fähigkeiten bewahren.

Kein Zufall ist es, daß in den Westländern alle Linksbewegungen ausnahmslos, wenn sie sich an die Arbeiterklasse wenden, in erster Linie sich an die Fremdarbeiter wenden. Auch wenn sie sich an die einheimische Arbeiterklasse wenden, tun sie dies patenschaftlich.

Genosse Enver Hoxha sagte in seinem Bericht auf dem 6. Parteitag der PAA unter anderem:
"In vielen Ländern wie in Frankreich, Italien, den USA, Japan, Spanien und Lateinamerika haben die Jugend, die Studenten und die verschiedensten Schichten der Intelligenz eine große Aktivität entfaltet und Beweise von Tapferkeit, Selbstlosigkeit und revolutionärem Geist gegeben. Doch muß man zugeben, daß in der Linksbewegung der Intellektuellen und Studenten eine große ideologische und politische Konfusion in die Augen springt. Der oft utopische Charakter ihrer Programme und Losungen, ihr Mangel an Geduld und der spontane Charakter ihrer Ausbrüche stammen aus dem Einfluß fremder Ideologien und aus dem heterogenen Klassencharakter in der Zusammensetzung dieser Bewegung selbst. "

Viertens: Im Ergebnis all dessen, was wir oben erwähnten, sind die verschiedenen Strömungen der Linksgruppen außerstande, eine richtige revolutionäre Taktik und Strategie zu verfolgen. Im Ergebnis dessen springt ein weiterer allgemeiner Wesenszug in die Augen: und zwar, daß alle diese Strömungen die sogenannte "Heldentheorie" beherzigt haben und folglich auch die anarchistischen, blanquistischen und Volkstümler-Kampfesmethoden, die Methoden der Kommandos und einiger ausgewählter Menschen.
In den Ländern, die in einer tiefen politischen, wirtschaftlichen, nationalen und sozialen Krise stecken und mit der Revolution geschwängert sind, wie in Lateinamerika usw., werden die Kommandoaktionen oft in Aktionen des individuellen Heldentums ausgeführt, die an die Aktionen der Anarchisten der Vergangenheit erinnern, während sich diese in Frankreich und einigen anderen Ländern meistens in der Arretierung eines Professors oder in der Besetzung eines Klassenraumes ausdrücken. Und schließlich deckt sich die Linksbewegung als linker Opportunismus in vielen Haltungen mit dem rechten Opportunismus, mit dem Revisionismus. In Wirklichkeit helfen sie einander, nähren sich gegenseitig politisch und ideologisch. Trotz der großen Unterschiede zwischen ihnen haben der rechte und der linke Opportunismus viele Berührungspunkte, sogar in den wichtigsten Fragen wie in der Haltung zur Partei, zum Sozialismus, zu Stalin. Wo aber der linke Radikalismus am meisten mit dem Revisionismus zusammentrifft und sich deckt, das ist die Frage der Revolution, die Frage des Weges zum Sozialismus. Sowohl der rechte als auch der linke Opportunismus leugnen die Revolution.
Die radikalen Strömungen der Linksbewegung und ihre Schwächen kritisierend, schenken die Marxisten-Leninisten dieser Bewegung ihre ganze Aufmerksamkeit, weil es sich dabei um den politischen Kampfeinsatz sehr breiter Massen der intellektuellen Jugend in in der Vergangenheit noch nie dagewesenen Proportionen handelt. Es handelt sich hier um Massen, die sich - wenn auch konfus - gegen die Ausbeutung und Unterdrückung durch die Bourgeoisie erheben, gegen die bürgerliche Ideologie und Moral. Die Anstrengungen der Marxisten- Leninisten müssen darauf hinzielen, diese Massen auf richtige revolutionäre Positionen zu bringen, damit sie nicht Lakaien der Borgeoisie werden.

Unter den heutigen Bedingungen stellt der linke Radikalismus keine effektive Gefahr weder für die französische noch die Bourgeoisie der anderen Westländer dar. Er macht ihnen nur deshalb Sorgen, weil er unter bestimmten Umständen zum Detonator für den Ausbruch von Situationen wie die im Mai 1968 werden könnte. Darüber hinaus, da die links radikalistische Bewegung konfus und unklar ist, bemühen sich die wichtigsten politischen Kräfte, aus ihr eine Lösung der Dinge für sich herauszuschlagen. Von ihr wollen auch die Regierungen profitieren, um ihre Koalitionen und die Kompromisse mit den Regierungsparteien zu wahren, sowie besonders, um ihr Programm der umfangreichen kapitalistischen Konzentration fortzusetzen, indem sie sich der Revolution als Schreckmittel bedienen und diese als Ursache der Unruhen hinstellen für jene Teile der Bourgeoisie, deren Interessen von dieser Konzentration betroffen werden. In solchen Situationen lavierend, bemüht sich die französische und die italienische Bourgeoisie ferner, durch die Manipulation der anarchistisch-trotzkistischen Kommandos die kommunistischen Parteien zu veranlassen, sich immer mehr als Parteien der Ordnungshütung zu erweisen.

Die Ausschreitungen der linksradikalistischen Gruppen ausnutzend, wollen die revisioiistischen Parteien ihrerseits ihren Einfluß in der Arbeiterklasse bewahren und die marxistisch-leninistischen Parteien diskreditieren, indem sie sie auf die gleiche Stufe mit den linken Radikalisten stellen, um alle Wege der Entwicklung dieser Parteien zu verlegen. Von ihrer jahrelangen Erfahrung überzeugt, daß die breiten Massen der Jugendlichen, die die linksradikalistischen Gruppen füllen, bald von ihren Führern und von ihren anarchistischen Kampfmethoden enttäuscht sein werden, bemühen sich nun die revisionistischen
Parteien, die Masse dieser Jugendlichen für sich zu gewinnen.

Die faschistischen Rechtskräfte bemühen sich wieder, und dies ist besonders in Italien sichtbar, die Existenz und das Wirken der linksradikalistischen Bewegung auszunutzen, um in den kleinbürgerlichen Schichten Panik hervorzurufen, um auf diese ihren Einfluß auszubreiten, und sollten es die Umstände erlauben, werden sie versuchen, morgen die linken Radikalismen als Vorwand für die Errichtung ihrer Diktatur auszunutzen. Schließlich gibt es noch andere zweitrangige Kräfte, die sich ebenfalls bemühen, diese Bewegung für sich einzubringen, wie die so genannten linken sozialistischen Parteien. Es ist daher die Aufgabe aller Marxisten-Leninisten, sich zu bemühen, die Auflehnung der Jugend und der Studenten in den richtigen Weg zu bahnen, damit sie nicht entgegen ihren wirklichen Wünschen und ihrer guten jugendlichen Gesinnung zum Werkzeug der reaktionären, faschistischen und revisionistischen Kräfte werden. Solange die marxistisch-leninistische Bewegung nicht konsolidiert sein wird, solange die französische, die italienische und andere revisionistische "Kommunistische" Parteien immer tiefer in den Schlamm des Verrats versinken werden, werden die Existenz und der Einfluß des linken Radikalismus und dessen verschiedenen Strömungen unvermeidlich sein. Er wird mit Erfolg bekämpft und besiegt werden nur auf Grund der Beeinflussung und Entfaltung der revolutionären marxistisch-leninistischen Bewegung im Kampf gegen den modernen Revisionismus.