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Albanische Dokumente


aus dem Albanischen übersetzt von William B. Bland (Communist League of Britain),

Juli 2000



Erstes Dokument:


'Für Enver Hoxha gibt es keinen Tod',

Ansprache von Ethem Halili am Grab Enver Hoxhas aus Anlass des 15. Jahrestages seines Todes, 11. April 2000

"Wie das ganze Volk erinnern sich die Kommunisten mit tiefem Respekt und Verehrung an den Genossen Enver Hoxha.

Vor fünfzehn Jahren hörte das Herz der größten Gestalt, die die albanische Nation in ihrer gesamten Geschichte hervorgebracht hat, auf zu schlagen, an jenem Tag, als Enver

Hoxha von der Partei, die er schuf und fast ein halbes Jahrhundert lang führte, von dem Volk, das ihn liebte und dem er, ohne sich zu schonen, diente, getrennt wurde.

Führer wie Enver Hoxha sind selten. Sie werden von großen Epochen empor geschleudert und haben als Mission die revolutionäre Umgestaltung der Welt. So war Enver, dessen Einfluss so mächtig war, dass die Zeit, in der er lebte und wirkte zu Recht als das Zeitalter Envers genannt werden kann.

Enver Hoxha war ein großer Staatsmann, ein hervorragender Diplomat, ein fähiger Soldat, ein brillianter politischer Analytiker und Organisator - Eigenschaften, die ihn zu einem weitsichtigen, ja sogar visionären Führer machten. Der Sieg im antifaschistischen Nationalen Befreiungskrieg und die Stellung Albaniens auf der Seite der siegreichen Nationen sind untrennbar verbunden mit den tiefen marxistisch-leninistischen Einsichten Enver Hoxhas.

Dies ebnete den Weg für die Periode des sozialistischen Aufbaus, für die Schaffung einer vielseitigen Industrie und einer modernen Landwirtschaft, die nicht nur den Bedürfnissen des Landes diente, sondern einen wachsenden Überschuss für den Export produzierte.

Dies ebnete den Weg für die Errichtung eines sicheren Verteidigungssystems und der Entwicklung eines Erziehungswesens, das das Land mit einer 90prozentigen Analphabetenrate in ein solches mit einer Universität und einer Akademie der Wissenschaften verwandelte.

Enver Hoxha war der herausragende Gründer und Führer der Partei der Arbeit Albaniens (PLA), die er mit Umsicht fünfzig Jahre in Folge leitete. Er war der Kommandeur der Armee der Nationalen Befreiung sowie unserer Volksarmee, ein unermüdlicher Verteidiger der Freiheit und Unabhängigkeit unseres Landes. Mit Enver Hoxha an der Spitze unserer Partei, blieb Albanien ein wahrhaft unabhängiges Land, dessen Stimme in der internationalen Arena Gewicht hatte, ein Land, das niemand wagte herumzustoßen und das zweifellos den Respekt der unterdrückten Völker und Revolutionäre in der ganzen Welt besaß.

Die Größe der Gestalt von Enver Hoxha kommt umso mehr zur Geltung, wenn wir uns ansehen, was das Land seit seinem Tode durch die Rückkehr der Reaktion und die Wiederherstellung des Kapitalismus durchlitten hat. Alles, was das Volk mit Mühe und unter Opfern fünfzig Jahre lang unter der Führung der PLA und Enver Hoxha aufgebaut hatte, wurde vollkommen bis hinunter in die Grundfesten zerstört. Das Land und das Volk steht vor der Massenarbeitslosigkeit, wodurch die Albaner gezwungen sind, in die Emigration zu gehen oder als Diener anderer zu arbeiten. Kriminalität, Korruption, Prostitution und andere Übel, die mit der kapitalistischen Gesellschaft verbunden sind, verbreiten sich. Albanien hat nicht nur seinen guten Namen verloren, sondern auch seine Unabhängigkeit. Zehn Jahre lang hat ein Team von Propagandisten, inspiriert und angeleitet von der internationalen Bourgeoisie, Beleidigungen ausgestoßen und Volksverhetzung betrieben mit dem Ziel, die Wahrheit zu verfälschen, das Werk Enver Hoxhas in Abrede zu stellen und seine Gestalt zu beschmutzen.

Aber vergeblich. Die Menschen verstehen sehr gut, was geschehen ist und sehnen sich nach der Rückkehr von Enver. Je mehr Zeit vergeht, umso höher erhebt sich seine Gestalt am Horizont, umso heller erstrahlen seine Lehren.

Von den Kommunisten und den ehrlichen Menschen ist Enver Hoxha immer geliebt und respektiert worden. Er hat uns ein sehr wertvolles Erbe hinterlassen: die Theorie und Praxis, die wir benötigen, um uns in den großen und schweren Schlachten, die vor uns liegen, orientieren zu können.

Seine Lehren verlangen die Einheit der Kommunisten in einer einheitlichen Partei, die Vervielfachung der Verbindungen der Kommunisten mit dem Volk, die Stärkung und Stählung dieser Einheit. Nur so werden wir in der Lage sein, diese Aufgaben erfolgreich zu meistern, um die historische Mission zu erfüllen, der wir uns verschrieben haben.

Wenn wir heute Enver Hoxha gedenken, seines Werks und seines Namens, verbeugen wir uns mit tiefem Respekt und gleichzeitig versprechen wir, mit revolutionärer Hingabe zu arbeiten, ohne uns zu schonen, kommunistische Ideale lebendig zu halten, uns für alle Zeiten und bei jedem Schritt von dem Kompass der Lehren Envers leiten zu lassen, um dafür zu arbeiten, seinen letzten Wunsch zu erfüllen, dass Albanien stets rot nach vorn marschiert, rot wie die Herzen der Kommunisten und Partisanen.

Ewiger Ruhm dem unsterblichen Werk und dem Namen Enver Hoxhas!"

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Zweites Dokument:

Interview mit Agim Xheka, Sekretär des Zentralkomitees der Partei der Vereinigten Kommunisten Albaniens

aus: 'Shk Endija' (Der Funke), 5. März 2000 (Dieses Interview wurde von einer unabhängigen Zeitung geführt, die es jedoch nicht veröffentlichte).

Frage: Auf einer Pressekonferenz vor ein paar Tagen erklärte die Partei der Vereinigten Kommunisten Albaniens, dass sie sich an den nationalen Wahlen beteiligen würde. Bedeutet dies, dass sie dies alleine tun wird oder im Bündnis mit der Kommunistischen Partei?

Antwort: Als wir sagten, dass wir uns an den Wahlen beteiligen würden, sprachen wir von unserer Partei. Wir bezogen uns auf keinerlei Bündnisse. Wir sehen jedoch die Kommunistische Partei im Rahmen der Zielsetzung unseres Parteitags, dem der Einheit, dem der Schaffung einer einheitlichen kommunistischen Organisation. Die Erreichung dieses Zieles wird uns stärker machen und es den Menschen erleichtern, uns einzuschätzen.

Frage: Sind Sie der Meinung, dass diese Einheit vor den Wahlen zustandekommen kann?

Antwort: Wir unternehmen alles in dieser Richtung, aber ich kann Ihnen zur Zeit keine genaue Auskunft geben. Insoweit unsere Programme auf derselben Grundlage basieren, auf den Idealen des 8. Novembers 1941, auf den Lehren des Marxismus-Leninismus und auf Enver Hoxha, kann ich keinen Grund dafür erkennen, dass die Einheit nicht zustandekommen kann. Ich führe die Verzögerung beim Zustandekommen einer vollständigen Übereinkunft in dieser Frage hauptsächlich auf die Tatsache zurück, dass die Kommunisten immer noch unter Bedingungen der Illegalität arbeiten. Aber ich kann nicht abstreiten, dass die zersetzende Arbeit von Saboteuren, die in die Bewegung eingedrungen sind, auch eine Rolle spielt. Dennoch: Unter den heutigen Bedingungen kann nichts das Verlangen nach Einheit aufhalten. Albanien ist zur Zeit führerlos. Die großen Mächte sind dabei, mit den Schicksalen der Menschen zu spielen, dessen Interessen ausschlaggebend sein sollten. Darin leisten ihnen die heutigen 'Politiker' der neuen Bourgeoisie Beihilfe. Sollte es den Kommunisten nicht gelingen, diese Einheit herzustellen, wird das Volk weiter von Kräften innerhalb und außerhalb der Grenzen ausgebeutet werden.

Frage: Gehen wir einmal davon aus, dass die Einheit hergestellt worden ist ...

Antwort: Wir Kommunisten geben uns keinen Phantasien hin; wir sind jedoch überzeugt, dass die Einheit der Kommunisten hergestellt wird und auch schon sehr bald. Jene, die darauf hinarbeiten, diese Einheit zu sabotieren, kennen ihre Anziehungskraft und fürchten, dass sie eines Tages vom Volk für den Schaden, den sie anrichten, zur Rechenschaft gezogen werden.

Frage: Sind Sie der Meinung, dass wenn diese Einheit hergestellt worden ist, das Volk Sie bei den nationalen Wahlen unterstützen wird?

Antwort: Ja, auf jeden Fall.

Frage: Sie unterstreichen dieses Ja. Worauf gründet sich dieser Glaube?

Antwort: Ich möchte nicht philosophieren, aber ich richte mich nach dem Wahrheitskriterium, das, wie Sie wissen, die Praxis ist. Was hat die Praxis in der Geschichte der Menschheit gezeigt? Wer hat die Sklavenhalterordnung gestürzt: die Sklavenhalter oder die Sklaven? Kommen wir zu unserer eigenen Geschichte, zum Jahr 1944: Wer stürzte die feudalbürgerlichen Herrscher und ihre Hintermänner? Die Besatzer des Landes? Es waren die arbeitenden Menschen, angeführt von den Kommunisten. Aber wer waren die Kommunisten? Waren sie die Vertreter des Volkes oder die der Unterdrücker des Volkes? Die Kommunisten befinden sich in einem ununterbrochenen Kampf gegen die Klassen, die das Volk unterdrücken. Deshalb befinden sie sich heute im Kampf gegen die Bourgeoisie und die Parteien, die sie unterstützen. Wem soll das Volk glauben, den Unterdrückern oder den Kommunisten?

Frage: Sind die Kommunisten tatsächlich die Verteidiger der Interessen des Volkes?

Antwort: Ich wiederhole: ja, ganz und gar! Dies ist eine unbestreitbare Tatsache. Und die Menschen haben diese Wahrheit durch die eigene bittere Erfahrung der letzten zehn Jahre gemacht. Und sie haben auch gelernt, dass in der Propaganda der Reaktionäre weiß zu schwarz wird und schwarz zu weiß.

Frage: Worin besteht die Hauptlehre, die sie gelernt haben?

Antwort: Sie werden es Ihnen selbst sagen. Sie haben gelernt, dass der Kapitalismus die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen zur Grundlage hat. Sie haben gelernt, dass bürgerliche Politiker lügen und betrügen, dass es sich bei ihnen um Banditen und Kriminelle handelt.

Frage: Also welches ist die Lehre, die Sie aus den letzten zehn Jahren ziehen?

Antwort: Wir Kommunisten brauchten keine zehn Jahre, um Lehren zu ziehen. Das Jahr 1991 reichte aus.

Frage: Wie meinen Sie das?

Antwort: Ich will in ein paar Sätzen die Fehler erklären, die wir selbst gemacht haben. Das ist die wichtigste Lehre.

Frage: Also Sie geben zu, dass Sie Fehler gemacht haben?

Antwort: Aber gewiss. Aber unsere Fehler waren nicht die, die von der bürgerlichen Propaganda als Fehler hingestellt wurden. Unsere Fehler hatten nichts zu tun mit kommunistischen Idealen, mit marxistisch-leninistischer Ideologie oder mit den Lehren Enver Hoxhas. Im Gegenteil: Unsere Fehler haben alle etwas mit der Beachtung dieser Lehren zu tun. Der Hauptfehler, den wir und das Volk begingen, war der Verlust der Wachsamkeit und es war ein Fehler, den wir sehr teuer bezahlen mussten. Um dies zu verdeutlichen, möchte ich Sie fragen, wie alt Sie sind? Fünfundzwanzig. Mögen Sie hundert Jahre alt werden! Sehen wir uns ein wenig die Geschichte an, denn Sie sind in der Altersgruppe, die in den letzten zehn Jahren keine vernünftige Ausbildung erhalten hat. Man muss wissen, dass wir Kommunisten keine 'Scheusale' sind, wie Ihnen in der Schule erzählt wurde, wie wir heute von den Herrschenden dargestellt werden. Wir sind ehrenwerte Menschen. Wir sind Patrioten. Wir sind die ersten, die Opfer bringen und die letzten, die unberechtige Ansprüche stellen. Wir Kommunisten haben nicht die Kommunistische Partei gegründet, um sie in den Dienst der Faschisten zu stellen. Wir haben keine Kraftwerke gebaut, um Profite für ausländische Firmen zu machen, sondern um den Menschen Licht zu bringen. Wir haben keine Verteidigungsanlagen gebaut, um uns gegen eingebildete Feinde zu verteidigen, sondern um das Volk vor dem Schicksal zu bewahren, das unsere kosovarischen Brüder heimgesucht hat. Schließlich möchte ich Sie fragen: Haben wir Kommunisten die Versprechen, die wir gemacht haben, erfüllt oder nicht? Vergleichen Sie die Versprechen mit denen, die heute gemacht werden. Um eine Brücke zu reparieren, benötigen sie heute mehrere Monate; die Kommunisten hätten das damals in einer Nacht geschafft. Das sind die kommunistischen 'Scheusale' und die Beweise sind zahllos und nicht von der Hand zu weisen.

Frage: Sie sprachen von dem 'Verlust der Wachsamkeit' und 'Fehlern'?

Antwort: Ja, ja. Der Verlust der Wachsamkeit fand an höchster Stelle statt, in den Reihen der Partei der Arbeit (PdA). Die Scheusale drangen in die Partei ein oder entwickelten sich zu solchen Scheusalen innerhalb der Partei. So ging die Führung der Partei nach Envers Tod in die Hände solcher gerissener Verräter wie Ramiz Alia und Sali Berisha über, die vorgaben, 'päpstlicher als der Papst' zu sein. Und diese Fehler schufen die Bedingungen dafür, dass die innere und äußere Reaktion ihr langersehntes Ziel, den Kapitalismus wiederherzustellen, verwirklichen konnte. Jetzt hat sich die Partei von diesen Verrätern befreit und das Volk hat gelernt, wohin der Verlust der Wachsamkeit führt. Die Menschen wissen jetzt und Sie werden sehr schnell feststellen, wer die wahren Kommunisten sind, denen man vertrauen kann. Ich hoffe, dass es Ihnen gelingt, die Einheit herzustellen und wünsche Ihnen Erfolg bei den Wahlen und danke Ihnen. Ich danke Ihnen.

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Drittes Dokument:

Beschluss des Zentralkomitees der Partei der Vereinigten Kommunisten Albaniens, (PVKA)

Übersetzt aus 'Shk Endija' (Der Funke), 2. Februar 2000

"Genossen,

das Zentralkomitee der Partei der Vereinigten Kommunisten Albaniens (PVKA) hat auf seiner Sitzung vom 29. Januar 2000 beschlossen, sich erneut der Notwendigkeit der Schaffung einer einzigen, vereinigten Partei der Kommunisten zuzuwenden.

Diese historische Aufgabe, vor der die kommunistische Bewegung in Albanien heute steht, ist wegen der schwierigen Situation, durch die unsere Land hindurchgeht, um so dringlicher geworden.

Wir können dem Volk nur Hilfe leisten, wir können der antikommunistischen Bewegung und den bürgerlichen Parteien von rechts und 'links' nur entgegentreten, wenn wir unnötigen Auseinandersetzungen ein Ende setzen.

Wir erneuern noch einmal den Aufruf des ZK der PVKA, unverzüglich die Vereinigung der Kommunisten in einer einzigen Partei vorzunehmen. So können wir den Menschen zeigen, dass die Kommunisten die Sprache der Einigung finden, ihre Unterstützung gewinnen und wirkungsvoller den Kampf für die Erfüllung unserer historischen Mission aufnehmen.

Das Volk und die kommunistische Bewegung warten darauf, dass wir handeln."

(Zentralkomitee der Partei der Vereinigten Kommunisten, Tirana, 29. Januar 2000).

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Viertes Dokument:

Auszüge aus 'Mein Vater Enver Hoxha', von Ilir Hoxha

(Veröffentlicht 1998 in Tirana)

Vorwort

Ich schrieb diese Erinnerungen im Verlaufe des einjährigen Gefängnisaufenthalts durch den 'demokratischen' Staat Albaniens. Ich erhielt diese Strafe, weil ich ein Interview gegeben hatte, bei dem ich Fragen eines Journalisten der Zeitung 'Modeste' zu meinem Vater Enver Hoxha beantwortete. Vor Gericht stellte ich klar, dass trotz der politisch motivierten und rachsüchtigen Natur der gegen mich verhängten Strafe, niemand glauben solle, dass ich aus Angst nicht die Wahrheit über meinen Vater sagen würde oder über die jüngste oder fernere Vergangenheit Albaniens. Außer dass mir das Schreiben dieser Erinnerungen eine Genugtuung war, stellen sie die Verteidigung eines über alles geliebten Menschen dar.

In diesen Erinnerungen habe ich meinen Vater so beschrieben wie ich ihn im Laufe des Lebens gekannt habe, das wir miteinander teilten, solange er lebte. Er war ein vorbildlicher Vater, der uns liebte, der uns ermahnte, der uns Rat gab und der uns soziale Tugenden vermittelte. Er war genauso als Großvater zu unseren Kindern, seinen Enkeln und Enkelinnen.

Ich kannte ihn auch als politischen Führer, der sein ganzes Leben für Albanien und sein Volk gearbeitet hat. Er war einer der wichtigsten Architekten des großen Sieges, den das Volk im Nationalen Befreiungskampf errang, als wir mit unseren eigenen Kämpfern die nazifaschistischen Kräfte und ihre Kollaborateure besiegten, so dass Albanien sich an die Seite der siegreichen Alliierten Mächte stellen konnte. Die Festigung und der Aufbau des Landes, sein Hervortreten aus jahrhunderterlanger Rückständigkeit und vollständiger Zerstörung, die es während des Krieges erlitten hatte, die Entwicklung der Industrie und der Landwirtschaft auf wissenschaftlicher Grundlage, der Aufbau eines landesweiten Stromnetzes, die Entwicklung von Kunst, Kultur, Bildung und Wissenschaft, die Befreiung der Frau, der ehrenvolle Platz, den Albanien in der Welt erhielt - all dies muss als das Verdienst Enver Hoxhas als Führer während der gesamten Periode, in der er Staatsoberhaupt war, angesehen werden.

Wie der ehrliche Leser erkennen wird, war er ein echter Demokrat, was sein Verhältnis zum Volk, zu den Arbeitern, Bauern, Intellektuellen und zur Jugend anging, aber er ging hart mit den äußeren und inneren Feinden, die versuchten, jene Errungenschaften zu sabotieren oder die Souveränität und Unabhängigkeit des neuen demokratischen Albanien mit Füßen zu treten, ins Gericht.

Er starb vom ganzen Volk verehrt, weil er sein ganzes Leben für das Volk gearbeitet hatte. Fünf Jahre nach dem Tod von Enver Hoxha wurde das demokratisch-sozialistische System, das über mehr als 45 Jahre hinweg mit Schweiß und unter Opfern aufgebaut worden war, gestürzt. Es wurde von dunklen inneren und äußeren Kräften gestürzt, die Hand in Hand mit den imperialistischen Mächten grausam an jenen Rache übten, die es ihnen verwehrt hatten, die politische Macht auszuüben und das 'Recht' auf Ausbeutung auszuüben. Diese Kräfte, die jetzt politisch organisiert sind, rissen seine Statue herunter. Im Schutz der Dunkelheit, weil sie sich vor dem Volk fürchteten, raubten sie vom Friedhof der Märtyrer der Nation in einer makabren Weise den Leichnam Enver Hoxhas, den Oberbefehlshaber des Nationalen Befreiungskampfes. Damit war die 'Demokratie' in Albanien errichtet worden!

Von nun an wurde Enver Hoxha ein 'Diktator' genannt, obwohl er nicht so etwas war. Die Verfolgung seiner Familie begann. In der Presse, gleich ob in der rechten oder der 'linken', wurde ich jetzt 'der Sohn des Diktators' genannt, aber das machte auf mich nicht den geringsten Eindruck. Ich kannte meinen Vater stets als einen vorbildlichen Vater und als einen weitsichtigen politischen Führer, der entschlossen war, die errungenen Siege zu verteidigen. Er war ein wahrhafter Demokrat - nie ein Diktator.

Diese Erinnerungen widme ich meinen drei Kindern - Ermal, Shkilzen und besonders meinem jüngsten Sohn Besmir, der nur drei Monate das Leben mit ihm teilte, damit sie ihren Großvater besser kennenlernen und stolz auf ihn sein können, wie ich es bin.

Die 'Exhumierung'

Bevor ich meine Gefühle über die Exhumierung der sterblichen Überreste meines Vaters beschreibe - das schmerzlichste Ereignis in meinem ganzen Leben - muss ich zuvor kurz über den Tod meines Vaters und sein Begräbnis berichten.

Am 9. April (1985 - Übers.) um etwa neun Uhr erlitt mein Vater einen Herzanfall und fiel in ein Koma. Mutter, die wie immer in der Nähe war, benachrichtigte sofort die Ärzte. Sie kamen innerhalb weniger Augenblicke, weil sie wegen des ernsten Gesundheitszustandes von Vater immer in Bereitschaft waren. Es gelang ihnen, die Herzfunktion wieder herzustellen, aber er erlangte das Bewusstsein nicht wieder zurück.

Ich arbeitete gerade. Sie benachrichtigten mich und ich begab mich sofort nach Hause. Ich fand ihn in seinem Bett vor - umgeben von medizinischen Apparaten. Ich fühlte einen Kloß in meinem Hals. Ich strich ihn über den Kopf und sagte:

"Vater, ich bin's Lilo!"

Die Stunden vergingen, aber sein Zustand besserte sich nicht und ich fing an, die Hoffnung zu verlieren. Ich saß neben seinem Bett, hielt seine Hand und sagte mir:

"Vielleicht spürt er meine Anwesenheit, spürt er, dass ich bei ihm bin."

Ich sprach mit ihm in der Hoffnung, dass er mich hören würde, obwohl er nicht antwortete. Dieser Zustand dauerte bis zum 11. April, bis etwa zwei Uhr nachts, als sein Herz plötzlich aufhörte zu schlagen. Ich war ganz angezogen auf einem Bett in einem anderen Zimmer eingeschlafen, weil ich zwei Tage lang keinen Schlaf hatte. Ich stand auf und ging sofort in sein Zimmer. Ich gab ihm einen Kuss zum Abschied.

Ich ging in mein Zimmer zurück und weinte, um dem großen Schmerz, den ich verspürte, Luft zu machen, aber ich musste mich beherrschen, um zu meinen Kindern zu sprechen, die noch klein waren - sechs und zehn Jahre und Besmir war erst drei Monate alt und er konnte nicht verstehen, was sich gerade zutat. Für sie war es auch ein gewaltiger Schlag. Ihr Großvater, der sie liebte und so viel für sie getan hatte, war nicht mehr unter uns.

Am Morgen versammelten wir uns alle vor der Haustür. Dann verließ Vater das Haus zum letzten Mal, aber nicht um ins Büro zu gehen, sondern in die Totenhalle.

Später wurde alles öffentlich - die Zeremonie in der Halle des Volkes, wo eine lange Schlange von Menschen tagelang stand, um in der Stille und unter Tränen vor dem Sarg Abschied zu nehmen, der auf dem Gestell eines Geschützrohres lag, in die Nationalfahne eingehüllt. Dann folgte die Feier auf dem Skanderberg-Platz und schließlich das Begräbnis auf dem Friedhof der Märtyrer der Nation.

Die Menschen begleiteten Enver Hoxha zu seiner letzten Ruhestelle in Trauer und in dem Bewusstsein, dass er sein ganzes Leben für sie gearbeitet hatte.

Anfang Mai 1992, um neun Uhr abends, klopfte es an meiner Haustür. Ich öffnete. Jeman, den ich noch nie gesehen hatte, übergab mir einen Briefumschlag und verschwand dann wieder. Ich schloss die Tür und öffnete den Umschlag. Darin befand sich eine Mitteilung, dass am nächsten Tag, um sechs Uhr früh, meine Familie zum öffentlichen Friedhof in Sharra kommen möge, wo das Begräbnis von 'Herrn Enver Hoxha' stattfinden sollte.

Wie war dies möglich, dass man uns um neun Uhr abends mitteilte, dass wir am nächsten Tag um sechs Uhr früh, vor Sonnenaufgang, anwesend sein sollten, um einer so niederschmetternden Sache beizuwohnen? Wie war es möglich, dass ohne Anwesenheit der betroffenen Familienmitglieder heimlich des Nachts eine Exhumierung stattfinden sollte?

Es war eine schwierige Zeit für unsere Familie. Sie hatten meine siebzigjährige Mutter ins Gefängnis gebracht. Vielleicht würde sie, allein in ihrer Zelle, von dem 'Ereignis' erfahren.

Ich informierte meinen Bruder und meinen Schwager Klem. Wir fanden ein Auto und fuhren sofort zum Friedhof der Märtyrer der Nation. Aber die Polizei hatte den Eingang des Friedhofs abgeriegelt und erlaubte niemandem einzutreten.

"Wir haben Anweisung von höchster Stelle, niemanden hineinzulassen."

Ich antwortete:

"Niemand kann mich davon abhalten anwesend zu sein, wenn der Leichnam meines Vaters exhumiert wird."

Sie setzten sich mit ihren Vorgesetzten in Verbindung und angesichts unserer Hartnäckigkeit wiesen sie uns an, nach Hause zu fahren, wo sie uns mitteilen würden, wann die Umbettung stattfinden würde. Aber unser Lager in dieser Nacht war nicht unser Zuhause, sondern das in der Nähe unseres Vaters und so verbrachten wir die Nacht am Tor des Friedhofs. Dann, unter Scheinwerferlicht, begann das schreckliche Unterfangen:

Wir hörten das Geräusch der Presslufthämmer. Sie hatten es eilig, um die Angelegenheit vor Sonnenaufgang abzuschließen. Diese Arbeit musste nachts und klammheimlich, weit ab von den Augen des Volkes, erledigt werden. Dann waren sie fertig. Wir durften uns dem exhumierten Sarg nähern. Es waren Ärzte anwesend, um zu bestätigen, dass Enver Hoxha tatsächlich tot war. Es war sieben Uhr. Sie trugen den Sarg davon und wir durften folgen. Sie bestatteten ihn erneut auf dem Volksfriedhof.

Am nächsten Tag und an den den weiteren Tagen kamen Veteranen des Partisanenkriegs, um Wache am Grab ihres Kommandeurs zu halten.

Präsident (jetzt der ehemalige Präsident) Sali Berisha zeichnete die Kriminellen aus, die Frauen und Kinder ermordet hatten. Er ehrte Pjeter Arbnori, den Sohn eines Faschisten, der gegen die Partisanen gekämpft hatte! Er sollte Renat Aleksander Meksi, den ehemaligen albanischen Ministerpräsidenten, der Albanien an den Rand der vollständigen Zerstörung gebracht hatte, ehren! Aber Enver Hoxha sollte entehrt werden! Welche Heuchelei!

Der Plan scheiterte jedoch. An der Stelle, wo einst die Grabstelle Enver Hoxhas gewesen war, haben junge Leute Blumensträuße niedergelegt und eine große Nationalfahne aufgezogen. Ich dachte, dass das neue Grab wenigstens 'etwas privater' ausfallen würde. Aber nein. Viele Leute zogen dort hin, um an diesem schlichten Grab Blumen niederzulegen und Kerzen anzuzünden, an dem Grab, das jetzt das Grab Enver Hoxha sein sollte. ...

Ein Marmorblock

Kurz nachdem das Berisha-Regime den Leichnam meines Vaters auf dem Friedhof der Märtyrer der Nation exhumiert hatte, ging ich eines Tages durch den Park von Tirana mit seinem künstlichen See, als ich ein Denkmal aus rotem Marmor bemerkte.

Ich erkannte es sofort wieder: Es war das Grabmal, das vorher am Grab meines Vaters auf dem Friedhof der Märtyrer gestanden hatte. Es besaß noch die Löcher, an denen vorher die Buchstaben des Namens meines Vaters eingeschlagen waren. Aber anstelle der alten Inschrift 'ENVER HOXHA - 1908-85' war eine neue angebracht worden:

'1939-1945: IM ANGEDENKEN AN DIE BRITISCHEN SOLDATEN, DIE IN ALBANIEN WÄHREND DES ZWEITEN WELTKRIEGS FIELEN'

Als wenn es nicht schon schlimm genug war, dass diese Soldaten weit weg von ihrem Heimatland und ihren Familien beerdigt waren, mussten sie jetzt das Gewicht des Grabmals Enver Hoxhas tragen!

Ein Staat, der den Grabstein des Mannes stiehlt, der den Nationalen Befreiungskampf des Landes geführt hatte, um ihn in ein Denkmal für ausländische Soldaten umzuwandeln, ist ein Staat, dem auch nur der Anschein von Würde abhanden gekommen ist. Und es ist andererseits auch eine Beleidigung für das Vereinigte Königreich Großbritanniens. Jedenfalls ist dies meine Meinung. ...

Das Gefängnis meiner Mutter

Nach diesem Ereignis nahm die Zahl der Besucher in unserer Familie stark zu. Es kamen Leute, die wir gar nicht kannten: Junge und Alte, Veteranen und andere.

Die jungen Leute waren einfache Leute, aber mit Charakter. Es waren Kosovaren darunter, viele ohne richtige Papiere, die nachts über die Berge gekommen waren, um ihr Albanien, ihr Heimatland zu erreichen.

Albaniens Tage des Terrors brachten meine Mutter vor Gericht. Die gegen unsere Familie gerichtete Propaganda war heftig, aber die meisten Menschen durchschauten, dass das Ziel des Verfahrens darin bestand, Enver Hoxha zu diskreditieren.

Das staatliche Fernsehen übertrug jede einzelne Sitzung des Gerichts, aber die Menschen erkannten bald, wie absurd die Vorwürfe waren: dass sie die Summe von 300 Dollar unterschlagen haben soll! Dafür wurde sie zu 11 Jahren Gefängnis verurteilt. Unmittelbar nach Verkündung des Urteils schrieb uns meine Mutter aus dem Gefängnis:

"Meine Kinder! Regt Euch nicht über mein Urteil auf. Mein einziges Anliegen bestand darin, Enver nicht zu diskreditieren - meinen Mann und Euren Vater - und dies wurde erreicht. Es waren in Wirklichkeit wir, die den Prozess gewannen. Ich umarme Euch."

Nachdem sie mehr als zwei Jahre in den kalten Zellen von Tirana in Einzelhaft zugebracht hatte, wo sie auf einer Matraze auf dem Boden schlafen musste, brachte man sie in das Hochsicherheitsgefängnis von Tepelena, wo sie ungefähr ein Jahr blieb. Es war ein Männergefängnis und Mutter war die einzige weibliche Gefangene.

Zusammen mit meiner Frau Teuta und unserem ältesten Sohn Ermal besuchte ich sie viele Male in Tepelena. Manchmall brachten wir auch die anderen Kinder mit. Ich möchte jetzt nicht in die Einzelheiten gehen, was die Schwierigkeiten betraf, die sie uns machten, wenn wir Mutter besuchen wollten, denn sie wird darüber selbst in ihren eigenen Erinnerungen berichten. Ich möchte nur ganz kurz eine Sache erwähnen, die in meiner Erinnerung geblieben ist:

Eines Tages führten sie sie aus der Zelle heraus, um ihr mitzuteilen, dass wegen des Jahrestages der Gründung der 'Demokratischen Partei' Berisha bereit sei, ihre Haftzeit um zwei Jahre zu verkürzen, wenn sie darum bitten würde. Empört sagte sie zu dem Beamten:

"Ich werde um keine Vergünstigungen betteln. Bringt mich in meine Zelle zurück!"

Ich erinnere mich auch an einen weiteren Vorfall, als sie im Tepelena-Gefängnis war: Bei einem Besuch bat sie mich, ihr ein paar Bücher von Enver Hoxha - Erinnerungen - mitzubringen. Aber die Polizei meinte:

"Es ist nicht erlaubt, die Bücher von Enver Hoxha ins Gefängnis zu bringen."

Ich antwortete:

"Ich will ihr nicht die Bücher von Enver Hoxha mitbringen, sondern die Erinnerungen ihres Mannes und meines Vaters. Das sind private Angelegenheiten, obwohl sie veröffentlicht worden sind."

Sie verbrachte mehr als fünf Jahre im Gefängnis, aber nun ist sie frei und schreibt ihre Erinnerungen. Trotz ihres fortgeschrittenen Alters konnte die schwere Zeit im Gefängnis sie weder entmutigen noch ihre Moral brechen. Sie stellte sich dem mit hoher Moral, weil es eine ungerechte Strafe war, die aus Rachsucht geboren war.

Meine Verhaftung

Die Einkerkerung meiner Mutter war ein Fehlschlag. Die Proteste von vielen Organisationen im Ausland nahmen zu und der Druck, sie freizulassen, nahm zu. Es war eine Schande, dass sie, eine Antifaschistin, aus politischen Gründen im Gefängnis saß.

Als sich ihre Haftzeit dem Ende zuneigte, fanden jene, die alles hinter den Kulissen ausgeheckt hatten, dass ein neues Mitglied der Hoxha-Familie ins Gefängnis müsse. Den Vorwand fanden sie in einem Interview, in dem ich über meinen Vater gesprochen hatte. Es war eigentlich nicht viel mehr als der Eindruck eines Sohns von seinem Vater, aber meine Verhaftung gab den Dingen eine neue Wendung.

Am Abend des 11. April 1995, dem Todestag meines Vaters, bat mich ein Journalist der Zeitung 'Modeste' um ein Interview. Ich sagte ihm, er solle die Fragen, die er mir stellen wollte, aufschreiben und den Ort für ein Treffen angeben. Ich arbeitete die ganze Nacht an den Antworten und gab ihm sie, als wir uns trafen. Der Leser wird das Interview im hinteren Teil des Buches wiederfinden.

Nach der Veröffentlichung des Interviews beglückwünschten mich viele Leute deswegen, weil bis dahin die Ansichten unserer Familie noch nie veröffentlicht worden waren, denn die albanischen Zeitungen hatten kein Interesse an unseren Ansichten.

Es war der 17. April. Ich kam gegen acht Uhr abends nach Hause. Das Haus war ein heruntergekommenes und verlassenes Gebäude in einem Vorort von Tirana, das uns die Behörden zugewiesen hatten. Fünf Minuten später klopfte es an der Tür. Unser kleiner Sohn ging an die Tür, um nachzusehen, wer es sein konnte und ganz erschreckt rief er Teuta:

"Mutti, es ist die Polizei!"

Teuta ging an die Tür, wo eine Gruppe Polizisten und zwei Zivilisten warteten. Sie fragten nach mir und Teuta rief mich.

Als ich kam, überreichten sie mir einen Brief und sagten, ich müsse sie zum Büro des Staatsanwalts begleiten, um dort einige Fragen zu beantworten.

"Einen Moment", sagte ich, "ich hole meinen Mantel."

Ich ging ins Haus zurück.

"Was wollen sie?" fragte mich Teuta beunruhigt.

"Sie wollen mich im Büro des Staatsanwalts verhören."

"Die Schweine werden Dich verhaften!"

Die Kinder beobachteten schweigend was ich tat. Ich zog mich warm an, obwohl es April war; das Wetter war kalt und es würde in einer Gefängniszelle sehr kalt sein. Ich umarmte die Kinder und meine Frau und sagte zu dem Jüngsten:

"Mach Dir keine Sorgen, Liebling. Du bist schon ein großer Junge und musst tapfer sein. Papa kommt zurück."

Zu dem Ältesten, Ermal, sagte ich:

"Du musst Dich um Mutti kümmern, während ich weg bin und Du, Shkilzen, musst Mutti helfen, nach Deinem kleinen Bruder zu sehen."

Es blieb keine Zeit, mich mit meiner Frau zu unterhalten; aber wir wussten beide, dass das Interview der Grund für meine Verhaftung war. Als ich die Treppe hinunterging, dachte ich an meine 74jährige Mutter im Gefängnis und sagte mir:

"Wenn sie es in ihrem Alter aushält, dann sollte ich es in meinem Alter auch können."

Unten vor der Treppe wartete ein Polzeibus. Scheinbar wurde ich vom Berisha-Regime als viel zu gefährlich angesehen, um in einem normalen Polizeiwagen transportiert zu werden. Berisha hatte uns Frau von Kohl, der Vertreterin der Internationalen Föderation für Menschenrechte, gegenüber als 'kriminelle Familie' bezeichnet, nachdem sie ihn gefragt hatte, weshalb die Familie Enver Hoxhas verfolgt werde. Und sie hatte geantwortet:

"In einer Demokratie gibt es nicht so etwas wie eine 'kriminelle Familie', nur einzelne Kriminelle. Als Präsident sollten Sie das wissen."

Nach diesem Zwischenfall kam Frau von Kohl nie mehr nach Albanien.

Ich kletterte in den Polizeibus und begrüßte die Polizisten, die alle sehr jung waren. Als wir bei der Staatsanwaltschaft ankamen, verlas der Staatsanwalt, der den Namen Genc Gjokutaj trug, die Vorwürfe. Mir wurde vorgeworfen, 'Hass unter den Nationalitäten und Rassen geschürt' zu haben!

Als meine Vernehmung begann, war es zehn Uhr. Aber obwohl es schon so spät war, lief Teuta noch zu ihrer Schwester, um ihr von meiner Verhaftung zu erzählen. Dort informierten einige Freunde das Blatt 'Unsere Zeit' über meine Verhaftung und am nächsten Tag wurde dort ein 'Exklusivbericht' über meine Verhaftung veröffentlicht.

Natürlich fragte ich mich, ob meine Mutter wohl von meiner Verhaftung erfahren habe. Tatsächlich hatte sie am folgenden Tag wie immer die BBC-Nachrichten gehört, die sie als objektiver ansah als das, was die Sender, die vom Berisha-Regime kontrolliert wurden, berichteten.

"In der letzten Nacht", so begann der Bericht der BBC, "wurde Ilir Hoxha, der Sohn Enver Hoxhas, verhaftet."

Die Nachricht traf sie wie eine Bombe und sie hörte dann nichts anderes mehr. Sie war überzeugt, dass meine Verhaftung politischer Natur war. Erst später las sie das Interview und schrieb mir:

"Du hast gut manövriert, in einem Meer voller unsichtbarer Felsen."

Viele andere Leute erzählten mir, dass das Interview eine Falle gewesen sei. Ich stimmte dem nicht zu und sagte, dass es mir egal sei, ob der Journalist von sich aus gekommen oder geschickt worden war. Worauf es mir ankam, war, dass er mir eine Gelegenheit gegeben hat, meine Gedanken der Welt mitzuteilen und dass sie unverfälscht wiedergegeben wurden.

Am nächsten Tag besuchte Teuta meine Mutter im Gefängnis und berichtete ihr in allen Einzelheiten, was passiert war.

Der Prozess

Die Zeit, bevor mein Prozess begann, war eine Zeit der intensiven Vorbereitung auf meine Verteidigung. Man gestattete mir, einen Anwalt zu benennen und empfahl mir einen jungen Mann namens Arben Ristani, den ich selbst nicht kannt, aber ich kannte seinen Vater, einen Photografen. Er kam ins Gefängnis und wir unterhielten uns lange. Er würde meine Verteidigung aus juristischer Sicht vorbereiten, etwas was er dann sehr professionell tat, indem er eins nach dem anderen die Argumente der Anklage widerlegte.

In der Zwischenzeit besuchte Teuta sämtliche Botschaften von Staaten, die Mitglieder in den internationalen Menschenrechtsorganisationen waren und die des Europäischen Ministerrats und schrieb an Freunde im In- und Ausland.

Die Vorbereitung meiner Verteidigung war keine leichte Aufgabe, weil die einschlägigen Dokumente übersetzt, getippt und als Pressemitteilungen verteilt werden mussten. Aber unter diesen schwierigen Umständen half mir Teuta bei allem, was getan werden musste.

Der Tag meines Prozesses näherte sich. Der Gerichtssaal quoll vor Genossen und Freunden über. Auch viele Journalisten waren da.

Als ich sah, dass Teuta, Ermal und Shkilzen in der vordersten Reihe des Gerichtssaals saßen, winkte ich ihnen zu, um ihnen zu zeigen, dass es mir gut ging und sie lächelten zurück.

Unter solchen Bedingungen ist die Einheit der Familie - dieses Kerns der Gesellschaft, wie er genannt worden ist - von unschätzbarem Wert. Der 'Schuld'spruch stand von vorneherein fest und das Gericht verurteilte mich zu einem Jahr Gefängnis.

Wir legten auf zwei Ebenen Berufung ein, aber dies wurde abgelehnt. Eine ganze Reihe von internationalen Einrichtungen, die sich mit Menschenrechten befassen, schickten Protestbriefe, in denen gegen die offensichtliche Abhängigkeit der Gerichte von politischen Hintermännern protestiert wurde. Diese Protestschreiben wurden Berisha, der Volksversammlung, dem Ministerpräsidenten, dem Justizminister usw. zugeschickt, in denen ich als politischer Gefangener beschrieben werde. Aber die Behörden hatten an Menschenrechten nur insoweit ein Interesse, als sie auf ihnen herumtrampeln wollten. Aber immerhin war es ehrlichen Menschen in der ganzen Welt nicht entgangen, dass die Gerichte in Albanien missbraucht wurden, um an der Familie Enver Hoxhas Rache zu nehmen.

Im Gefängnis

Ich kam zuerst ins Gefängnis von Tirana, wo ich mich zufällig in derselben Zelle wiederfand, in der auch meine Mutter gewesen war.

Ich fand das Leben im Gefängnis sehr langweilig und frustrierend und konnte es gar nicht erwarten, von Teuta besucht zu werden, um zu erfahren wie sich die Kinder entwickelten. Zwei Tage nach meiner Ankunft kam ein Wärter und forderte mich auf, mich auf den Besuch vorzubereiten. Er machte mir klar, dass ich Handschellen zu tragen hätte, weil die Bestimmungen dies verlangten.

Aber er schloss sie nicht richtig und sie fielen auf den Boden. Er zwinkerte mir zu.

Wir hatten uns verstanden.

Die erste Begegnung im Gefängnis war sehr emotional. Wir umarmten uns und fingen an, die Neuigkeiten auszutauschen. Allein schon, dass wir uns sehen konnten, gab uns Mut. Aber der Besuch war viel zu schnell vorüber und wir mussten uns wieder trennen.

Allein in meiner Zelle vergingen die Tage sehr langsam und eintönig. Meine Zelle war sehr klein und die Matratze auf dem Boden war das einzige Möbelstück. Ein kleines vergittertes Fenster ließ das einzige Licht und Luft hinein. Es war unmöglich hindurchzusehen, weil es hoch oben in die Wand gesetzt war. Das Essen konnte man nicht auf dem Boden stehenlassen, weil es viele große Küchenschaben gab, die aus den Löchern in der Wand kamen. Es gab auch große Mäuse, aber sie trauten sich nicht in die Zelle.

Es war sehr heiß und der Schweiß lief mir herunter. Aber im Aufenthaltsraum gab es ein größeres Fenster, durch das man auf einen Hof sehen konnte und in einiger Entfernung sah man das Staatsarchiv. Ich ging eine halbe Stunde im Aufenthaltsraum hin und her, bevor ich wieder in meine Zelle geführt wurde. Am Tage des Besuches von Teuta und am Tag darauf durfte ich das schmackhafte Essen, das sie zubereitet hatte, zu mir nehmen. Das Essen, das sie zuhause zubereitet hatte, schmeckte immer sehr gut, aber durch die Hitze in der Zelle war es oft schnell verdorben, aber nach einiger Zeit hatte sie es heraus, Essen zu machen, dass sich eine Woche lang hielt - bis zu ihrem nächsten Besuch.

Das Gefängnisessen: kein Frühstück; zum Mittagessen Suppe, die ziemlich gut war und die ich gewöhnlich auch aß und abends gab es Makkaroni, die ich nicht anrührte, weil sie ekelerregend aussahen.

Nach vier Monaten kam eines Tages ein Wächter in meine Zelle und forderte mich auf, mich fertig zu machen, weil ich in ein anderes Gefängnis verlegt werden sollte. Innerhalb von fünf Minuten hatte ich die zwei oder drei Sachen zusammengekramt, die ich bei mir hatte und stieg zusammen mit einem Jungen in einen Polizeibus, der wegen eines Diebstahls verurteilt worden war. Der Bus ließ die Sirene aufheulen und schon fuhren wir in Richtung Durres ab.

Bei Kavaja bogen wir rechts ab und mir wurde klar, dass wir zum Gefängnis von Bardhora fuhren. Die Straße war sehr schlecht, voller Schlaglöcher und ich überlegte mir, dass es für Teuta und die Kinder jetzt sehr schwierig werden würde, mich einmal in der Woche zu besuchen, denn man konnte hier nur mit einem Wagen mit Vierradantrieb fahren. Auch fragte ich mich, ob meine Familie überhaupt etwas von meiner Verlegung erfahren würde.

Und so war es dann auch: Erst nachdem sie zwei Stunden in der Schlange vor dem Gefängnis von Tirana gewartet hatten, wurde ihnen mitgeteilt, dass man mich nach Bardhora, in der Nähe von Kavaja, gebracht hatte. Teuta und die beiden Jungen machten sich sofort auf den Weg in Richtung Bardhora und fuhren per Anhalter dorthin.

An jenem Tag wartete ich viele Stunden lang auf dem Gefängnishof und zuletzt war ich überglücklich, als ich sie den Weg zum Gefängnis heraufkommen sah. Nachdem sie die Formalitäten, die Besucher über sich ergehen lassen müssen, hinter sich hatte, trafen und umarmten wir uns.

"Ihr habt mich gefunden!" Mehr konnte ich nicht sagen.

Bardhora war ein vollständig heruntergekommenes Gefangenenlager. Die internationalen Organisationen, die sich die albanischen Gefängnisse angeschaut hatten, klassifizierten es als 'vollständig unbewohnbar'. Es war einst ein Gefangenenlageer für Gefängnisinsassen gewesen, die damit beschäftigt waren, Lorbeeren aufzusammeln, die von der in der Nähe gelegenen Kooperative ausgesät worden waren. Aber diese gab es nicht mehr und die Lorbeeren gab es nicht mehr. Einst hatte das Lager sein Wasser von einem Tanker bezogen; jetzt war es mit Kalk verseucht. Es gab keine Duschen und die Gefängnisinsassen stellten Duschen in Erdlöchern her, die gleichzeitig als Latrinen benutzt wurden. Die Küche war zehn Meter entfernt und das Essen war mit Fliegen übersät, wenn es bei uns ankam. Der Kalk zum Tünchen hatte die Wände der Küche vollständig abblättern lassen. Die Gefangenen schliefen in Schlafräumen, die schon mehr als fünfzig Jahre alt waren, vier auf einem Zimmer, in Hängematten. Die Fenster besaßen keine Scheiben. Im Sommer gab es überall Wanzen. Im Winter wehte der Wind hinein. Wenn es regnete, verwandelte sich das ganze Lager in einen Schlammsee. Es gab etwa 250 Gefangene. Die meisten hatten schwere Verbrechen begangen: Morde, Vergewaltigungen, gewaltsame Raubüberfälle.

Als sie erfuhren, wer ich war, verhielten sie sich trotz ihrer unterschiedlichen politischen Ansichten mir freundlich gegenüber und sagten:

"Jeder hat das Recht, zu seinem Vater zu stehen!"

Dies behagte dem Gefängnisdirektor gar nicht.

Die Familie brachte immer die Zeitungen und allmählich wurden sie von allen gelesen. Wir lösten zusammen die Kreuzworträtsel. An einem Ende des Schlafraums stand ein Fernseher und wenn die Ansagen kamen und der Ansager anfing zu sagen,

"Das Polizeikommissariat gibt bekannt ..." ..dann kamen alle herbei um zu erfahren, wer verhaftet worden war. Sie schienen sich alle zu kennen.

Schließlich ging die Zeit meiner Haft zuende. Alle Gefangenen träumen von diesem Tag. Es war schön, dass meine Familie wieder zusammen war. Aber es fehlte jemand, denn während ich im Gefängnis saß, war mein ältester Junge gezwungen gewesen, ins Ausland zu gehen, um die Familie zu unterhalten. Er kam und erzählte mir davon im Gefängnis und ich riet ihm, was ich ihm raten konnte. Jetzt ist mein zweiter Sohn Shkilzen Teutas rechte Hand geworden.

Am Tag vor meiner Entlassung konnte ich nicht schlafen. Ich hatte alle meine Habseligkeiten zusammengerafft. Mein zweiter Sohn wartete vor dem Lager. Ich konnte es nicht abwarten, nach Hause zurückzukehren. Es kam der Vorschlag, dass man eine Kaffeepause einlegen sollte, aber ich fand, dass das verlorene Zeit sei. Zuhause warteten Teuta und mein anderer Sohn sowie andere Familienmitglieder. Ich sagte zu meinem Sohn:

"Siehst Du, Papa ist wieder zurückgekommen."

Dann unterhielt ich mich mit meinem ältesten Sohn am Telefon. Am nächsten Tag besuchte ich Mutter im Gefängnis und danach legte ich Blumen auf Vaters Grab. Ich berührte sein Grab mit Stolz.

Anhang:

'Das Interview , das zum Grund meiner Verhaftung wurde'

(Veröffentlicht in der Zeitung 'Modeste' am 14. April 1995, unter der Überschrift: 'Ich, der Sohn Enver Hoxhas')


Interviewer: Ilir Hoxha, ein Vorname, der aus dem Altertum stammt und ein Nachname, den die Zeit vergessen machen möchte! Was für eine Person verbirgt sich hinter diesem Namen?

Ilir: Es stimmt, dass der Name Ilir aus dem Altertum stammt, während der Nachname Hoxha, den ich das Glück hatte, von meinem Vater zu erben, dem albanischen Volk zumindest seit dem 8. November 1941 bekannt ist, als die Kommunistische Partei Albaniens gegründet wurde. Dass Sie gekommen sind, um mich zu interviewen, liegt allein in der Tatsache begründet, dass ich diesen Namen trage. Ich sage Ihnen, dass es unwahr ist, dass die 'Zeit diesen Nachnamen vergessen machen möchte'. Aber wenn es stimmt, dass die Zeit diesen Nachnamen nicht vergessen will, dann hängt dies nicht mit irgendwelchen Verdiensten meinerseits zusammen, sondern mit der kolossalen Arbeit, die Enver Hoxha für Albanien und das albanische Volk geleistet hat.

Interviewer: Kind einer berühmten Persönlichkeit zu sein, hat Vorteile. Meinen Sie nicht auch, dass dies Nachteile hat?

Ilir: Natürlich hat dies seine eigenen Nachteile, die um ein Vielfaches größer sind als die Vorteile. Einer - und das ist der wichtigste - bestand und besteht darin, dass als er noch lebte und noch mehr heute, da er nicht mehr lebt, ich ihn entehren könnte.

Interviewer: 45 Jahre lang war Enver Hoxha der Führer eines ganzen Volkes und gleichzeitig war er auch ein Vater. Als was schätzen Sie ihn mehr: als Vater oder politischen Führer?

Ilir: Ich kann die beiden Dinge nicht voneinander trennen. Ich schätze ihn als Vater, aber gleichzeitig schätzte ich ihn als einen politischen Führer, so wie alle dies taten. Die erste Bewertung ist persönlicher Natur.

Interviewer: Die Zeiten ändern sich. Enver Hoxha wird heute nicht mehr als ein Idol, sondern als ein Unglück für die Nation charakterisiert. Wie schätzen Sie Enver Hoxha ein?

Ilir: Gewiss können sich die Zeiten ändern. Dass er kein Idol ist, stört mich überhaupt nicht, denn er wollte nie ein Idol sein. Einige Leute bezeichnen ihn als 'Unglück der Nation', aber wer und warum? Ich persönlich betrachte ihn nicht als 'Unglück der Nation'. Nur die Bescheidenheit hindert mich - denn er war mein Vater - ihn als den Stolz der Nation zu bezeichnen.

Interviewer: Was würden Sie als größtes Verdienst Enver Hoxhas bezeichnen?

Ilir: Die Schaffung und Festigung des neuen albanischen Staates, die ihm internationales Ansehen verschufen.

Interviewer: Aber hat er nicht auch große Fehler begangen?

Ilir: Mir sind keine Fehler bekannt, noch weniger 'große Fehler'.

Interviewer: Aber die Vorwürfe, die gegen ihn erhoben werden, sind vielfältiger und ernster Natur, trotz der Tatsache, dass der antifaschistische Krieg als eines der glorreichsten Kapitel in der Geschichte Albaniens gilt. Wie erklären Sie sich das?

Ilir: Aber aus welchen Quellen stammen derartige Vorwürfe? Ich nehme an, dass sie von jenen stammen, die das Land verkaufen und erlauben wollen, dass seine Menschen wieder ausgebeutet werden. Enver Hoxhas Ziel - und natürlich auch das der Partisanen, der Jugend und des ganzen Volkes - bestand darin, Albanien von solchen Leuten zu befreien und dies wurde am 29. November 1944 erreicht.

Interviewer: Es ist eine Tatsache, dass ihre Mutter nicht in den Genuss von Privilegien (einschließlich des Vorteils der Amnestie, die am 50. Jahrestag der Befreiung erlassen wurde) kam. Worauf führen Sie dies zurück?

Ilir: Meine Mutter gehörte zu den ersten aktiven Antifaschisten des Landes. Die faschistischen Besatzer verurteilten sie zu 13 Jahren Gefängnis, weil sie eine Partisanin war. Wie Sie sagen: Sie ist jetzt zu 11 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Meine Mutter war nicht bereit, um einen Erlass ihrer Strafe zu beten, weil sie kein Verbrechen begangen hat. Sie ist nicht wegen eines Verbrechens verurteilt worden, sondern aus Gründen der politischen Rache.

Interviewer: War der Personenkult der Wunsch Envers oder war dies eine spontane Haltung des Volkes gegenüber einem verehrten Führer?

Ilir: Ganz sicher beabsichtigte Enver Hoxha nie einen Kult um seine Person. Sie müssen diese Frage anderen Leuten stellen.

Interviewer: Aber es waren doch die Menschen, die, um Rache an dem vorigen Regime zu nehmen, seine Statue herunterrissen!

Ilir: Sie verleumden das Volk. Es war nicht das Volk, das die Denkmäler herunterriss, sondern Banden von Vandalen. Die Menschen haben Protestveranstaltungen abgehalten. Aber das Niederreißen von Denkmäler ist nichts im Vergleich zu dem, was diese Vandalen später taten. Sie legten an Albanien die Axt an! Jetzt besitzen wir in den Augen der Welt weder eine Würde als Staat noch eine Würde als Volk.

Interviewer: Die Hoxha-Familie im Gefängnis! Sind Sie der Meinung, dass dies der Wunsch des Volkes war oder nur der Wunsch bestimmter politischer Kreise?

Ilir: Mir ist nie ein solcher Wunsch von irgendjemanden zu Ohren gekommen. Wir respektieren die Gesetze, sogar jene des jetzigen Regimes. Jeder ehrliche Mensch weiß, dass meine Mutter von jenen ins Gefängnis geworfen wurde, die das Land vor 50 Jahren an die Faschisten verkauften, von jenen, die mein Vater bekämpft hat und jeder weiß, dass dies ein Racheakt ist. Ich möchte den Bürgern empfehlen, dass sie Enver Hoxhas Erinnerungen lesen, solche Dinge wie die 'Angloamerikanische Gefahr', 'Die Grundlagen für das Neue Albanien legen', 'Die Titoisten' usw., um das wahre geschichtliche Bild zu verstehen.

Interviewer: Dennoch: Ihre Mutter befindet sich im Gefängnis. Wie beurteilen Sie die gegen sie vorgebrachten Vorwürfe, sie habe das Eigentum des Volkes unterschlagen?

Ilir: Meine Mutter ist eine politische Gefangene und jeder weiß dies im Grunde, nicht zuletzt ausländische Menschenrechtsorganisationen. Die Vorwürfe, die Genc Ruli und Blerim Cela im Parlament vorbrachten, waren lächerliche Fälschungen. Es wurde keinerlei Volkseigentum unterschlagen oder zweckentfremdet und die Tassen Kaffee, die Besuchern spendiert wurden, die gekommen waren, um das Angedenken Enver Hoxhas zu ehren, zu zählen, ist schlicht und einfach lächerlich. Aber all dies passierte auf Beschluss von höchster Stelle.

Interviewer: Meinen Sie, dass Ihre eigene Behandlung auf politischer Rache beruht?

Ilir: Natürlich und es fällt nicht schwer, dies zu erkennen. Ein Staat muss seine Intelligenz aktivieren, um voranzukommen. Ich gehöre zu den vielen arbeitslosen Professoren und viele Ingenieure, Beamte, Lehrer, von denen einige sogar auf der Straße übernachten müssen, von den Arbeitern ganz zu schweigen, befinden sich in der gleichen Lage. Ich bin nicht der einzige, der die Rache dieses Staates erdulden muss, auch wenn ich zu den ersten gehörte.

Interviewer: Jetzt sind wir ein demokratischer Staat. Wie schätzen Sie ein, was sich in den letzten Jahren ereignet hat? Sind das Errungenschaften?

Ilir: Um die Wahrheit zu sagen: Ich kann nicht der Meinung sein, dass wir ein demokratischer Staat sind. Wir sind ein demokratischer Staat nur in Worten. Ich bezweifle, ob wir überhaupt ein echter Staat sind. Ein echter Staat muss eine Verfasssung besitzen wie andere europäische Staaten sie haben. Was die 'Errungenschaften' angeht: In den letzten drei Jahren habe ich keine Errungenschaften entdecken können, nur Zerstörung.

Interviewer: Vielen Dank.